Klassifikation

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Klassifikationen im Vedanta

Artikel aus: Swami Sivananda [1]: Vedanta für Anfänger

Einführung in die Vedanta Klassifikationen

Die Ethik und Metaphysik des Vedanta basiert grundlegend auf den verschiedenen Unterteilungen (Prakriyas) in der Vedanta-Philosophie. Sie berücksichtigen sowohl das Unmanifestierte als auch das Manifestierte, Brahman, Maya, Ishvara, Jiva und das Universum. Die Hauptthemen des Vedanta behandeln das Wesen der Wirklichkeit, die Eigenschaften der Welt der Phänomene und den Aufbau des individuellen Selbst.

Gemäß Sri Shankaracharya (Vedanta-Philosoph) muss man die vier Qualifikationen eines Schülers beherrschen, bevor man mit dem Studium von Tattva Bodha (Klassifikationen der Vedanta-Lehre) und der Natur des Atman beginnen kann. Ernsthafte Aspiranten mit starkem Streben, Glauben, Beharrlichkeit und reinem Bewusstsein werden mit Hilfe dieses Wissens einen Weg finden, ihr Selbst zu transformieren. Ein tieferes Verständnis all dieser Einteilungen ist nötig, bevor mit dem Studium der eigentlichen Advaita Vedanta (Philosophie der Non-Dualität) begonnen werden kann. Diese Philosophie zeichnet sich durch klare Logik und eindringliche Argumentation über die ewigen Wahrheiten der Existenz aus.

Shankara

Die Vedanta Klassifikationen

1. Es gibt insgesamt 24 Tattvas, Prinzipien der Manifestation von Mula Prakriti (Grundlage der Schöpfung; Mula = Wurzel; Prakriti = Urnatur):

2. Es gibt drei Körper, die Shariras: Sthula Sharira (grobstofflicher physischer Körper), Sukshma oder Linga Sharira (feinstofflicher Körper), Karana Sharira (Kausalkörper).

3. Der Jiva (Individuum) ist von fünf Koshas (Hüllen) umgeben: Annamaya (Nahrungshülle), Pranamaya (Vitalhülle), Manomaya (Mentale Hülle), Vijnanamaya (Intellektuelle Hülle) und Anandamaya (Wonnehülle).

4. Es gibt sechs Bhava Vikaras (Modifikationen des Körpers): Asti (Existenz), Jayate (Geburt), Vardhate (Wachstum), Viparinamate (Änderung), Apakshiyate (Zerfall) und Vinashyati (Tod).

5. Es existieren fünf grobstoffliche Elemente: Akasha (Raum/Äther), Vayu (Luft), Agni (Feuer), Apah (Wasser) und Prithivi (Erde).

6. Es gibt fünf Upa Pranas (untergeordnete Lebensenergien): Naga, Kurma, Krikara, Devadatta und Dhananjaya.

7. Es gibt sechs Urmis, Wellen im Ozean der Existenz: Shoka (Kummer), Moha (Verwirrung/Täuschung), Kshut (Hunger), Pipasa (Durst), Jara (Zerfall bzw. das Alter) und Mrityu (Tod).

8. Es gibt sechs Vairis, Feinde: Kama (Leidenschaft), Krodha (Wut), Lobha (Gier), Moha (Verwirrung/Täuschung), Mada (Stolz), Matsarya (Eifersucht).

9. Maya hat zwei Naturen: Vidya (Wissen) und Avidya (Unwissenheit).

10. Vidya, das Wissen ist von zweierlei Art: Para (höher) oder Apara (niedriger).

11. Avasthas, Bewusstseinszustände gibt es drei: Jagrat (Wachbewusstsein), Svapna (Traum) und Sushupti (Tiefschlaf).

12. Shaktis (Kräfte) gibt es zwei: Avarana (Schleier der Unwissenheit) und Vikshepa (Ablenkung).

13. Jnana Bhumikas, Stufen der Erkenntnis, gibt es sieben: Subecha, Vicharana, Tanumanasa, Sattvapatti, Asamshakti, Padarthabhavani und Turiya.

14. Es gibt sieben Ajnana Bhumikas (Stufen der Unwissenheit): Bija Jagrat, Jagrat, Maha Jagrat, Jagrat Svapna, Svapna Jagrat und Sushupti.

15. Sadhana ist vierfacher Natur:

a) Viveka (Unterscheidungskraft; die Eigenschaften, die ein Aspirant entwickeln muss)
b) Vairagya (Leidenschaftslosigkeit)
c) Shatsampat (sechs Tugenden):
  • Shama (Ruhe des Geistes)
  • Dama (Kontrolle der Sinne)
  • Uparati (Beendigung weltlicher Aktivitäten)
  • Titiksha (Durchhaltevermögen)
  • Shraddha (Glaube an Gott, Guru, Schriften und das Selbst)
  • Samadhana (Einpünktigkeit des Geistes)
d) Mumukshutva (Streben nach Befreiung)

16. Atman bzw. Brahman sind dreifacher Natur: Sat (Sein), Chit (Wissen) und Ananda (Glückseligkeit).

17. Die drei Granthis (Knoten im Herzen) sind: Avidya (Unwissenheit), Kama (Begierde) und Karma (Handlung).

18. Die individuelle Seele, Jiva, hat drei Makel: Mala (Unreinheit), Vikshepa (Zerstreutheit), Avarana (Schleier der Unwissenheit).

19. Es gibt zwei Vrittis (Geistesregungen): Vishayakara Vritti (objektbezogenes Denken) und Brahmakara Vritti (Denken an Brahman).

20. Es gibt drei Gunas (Grundeigenschaften) der Erfahrungswelt (Prakriti): Sattva (Licht und Reinheit), Rajas (Aktivität und Leidenschaft), Tamas (Dunkelheit und Trägheit).

21. Der feinstoffliche Körper setzt sich aus acht Puris („Wohnstätten“) zusammen: Jnana Indriyas (Sinnesorgane), Karma Indriyas (Handlungsorgane), Pranas (Lebensenergien), Antahkarana (Geist), Tanmatras (feinstoffliche Elemente), Avidya (Nichtwissen), Kama (Wunsch), Karma (Handlung).

22. Es gibt drei Arten von Karma: Sanchita (Karma-Speicher früherer Leben und Taten), Prarabdha (das in diesem Leben wirksame Karma), Agami (das neu in diesem Leben geschaffene Karma).

23. Jedes Ding hat fünferlei Naturen: Asti (Existenz), Bhati (Bewusstsein), Priya (Freude), Nama (Name), Rupa (Form).

24. Es gibt drei Bhedas (Unterschiede): Svagata, Sajatiya (Unterschied zwischen zwei Individuen derselben Spezies), Vijatiya (Unterschied zwischen verschiedenen Spezies).

25. Es gibt zwei Lakshanas (Definitionen der Natur Brahmans): Svarupalakshana (mit Form) und Tatasthalakshana (Umschreibung, nebensächliche Definition).

26. Es gibt sieben Dhatus (Gewebe, Bestandteile des Körpers): Rasa (Plasma), Asra (Blut), Mamsa (Muskel, Fleisch), Medas (Fett), Asthi (Knochen), Majja (Mark) und Shukla (Samen).

27. Es gibt vier Stufen eines verwirklichten Weisen (Jnani): Brahmavit (Kenner Brahmans), Brahmavidvara (der die 5. Bhumika, Asamshakti, erreicht hat), Brahmavidariyan (der die 6. Bhumika, Padarthabhavana, erreicht hat), Brahmavidvarishtha (voll verwirklicht, 7. Bhumika = Turiya).

28. Im Vedanta kennt man vier Anubandhas (Hauptthemen): Adhikari (würdiger Aspirant), Vishaya (Subjekt), Sambandha (Verbindung) und Prayojyna (Ergebnis oder Frucht).

29. Es gibt sechs Lingas (Zeichen) einer perfekten Darstellung oder eines perfekten Textes:

a) Upakarma Upasamhara Ekavakyata (einheitlicher Gedanke an Anfang und Ende)
b) Abhyasa (Wiederholung, Reiteration)
c) Apurvata (Innovative und ungewöhnliche Beweise)
d) Phala (Frucht bzw. Ergebnis der Lehre)
e) Arthavada (Lobpreisung der Lehre, überzeugende Darstellung)
f) Upapatti oder Yukti (Illustrierung und Begründung)

30. Die drei Bhavanas (Vorstellungen des Geistes) sind: Samshaya Bhavana (Zweifel), Asam Bhavana (Gefühl der Umöglichkeit), Viparita Bhavana (pervertiertes oder falsches Denken).

31. Die dreizehn Malas, Unreinheiten des Geistes, lauten: Raga (Mögen), Dvesha (Nichtmögen), Kama (Wunsch), Krodha (Ärger), Lobha (Gier), Moha (Täuschung), Mada (Stolz), Matsarya (Eifersucht), Irshya, Asuya (Neid), Dambha (Heuchelei), Darpa (Stolz), Ahamkara (Ego).

32. Kleshas (weltliche Verstrickungen; Ursachen von Leiden) gibt es fünf: Avidya (Unwissenheit), Asmita (Egoismus), Raga (Zuneigung), Dvesha (Abneigung), Abhinivesha (Verhaftung an Körper und weltlichem Leben; Angst vor dem Tod).

33. Es gibt drei Tapas (Arten von Leiden): Adhidaivika (höhere Gewalt), Adhibhautika (physisch-körperliche), Adhyatmika (eigene geistige).

34. Es gibt sechs Mittel der Erkenntnis (Pramanas): Pratyaksha (Sinneswahrnehmung), Anumana (logischer Schluss), Upamana (Vergleich), Agama (Schriften), Arthapatti (Annahme), Anupalabdhi (Nicht-Anwendbarkeit).

35. Der Geist kann von zweierlei Qualität sein: Ashuddha (unrein) und Shuddha (rein).

36. Es gibt zwei Arten von Meditation: Saguna (konkret) und Nirguna (abstrakt).

37. Es gibt zwei Muktas (Befreite): Jivanmukta (in diesem Körper befreit) und Videhamukta (körperlos; nach dem physischen Tod).

38. Es gibt zwei Muktis (Befreiung): Krama Mukti (schrittweise) und Sadyo Mukti (sofortig).

39. Es gibt zwei Arten von Samadhi: Savikalpa (Bewusstsein von Erkennendem und Erkanntem ist noch da) und Nirvikalpa (völliges Aufgehen; ohne Bewusstsein von „Ich“).

40. Jnana (Wissen) ist zweifach: Paroksha (indirekt) und Aparoksha (direkt).

41. Prakriti (Urnatur) ist zweifach: Para (hoch) und Apara (niedrig).

42. Apara Prakriti (niedere Natur) ist achtfacher Natur: Erde, Wasser, Feuer, Luft, Äther, Geist, Intellekt und Ego.

43. Prasthanas (fundamentale Vedanta-Schriften) gibt es drei: Upanishaden (Shruti), Brahmasutras (Nyaya), Bhagavad Gita (Smriti).

44. Es gibt zwei Arten von Granthas (Texten): Pramana Granthas (autoritative) und Prameya Granthas (argumentative). Diese sind jeweils unterteilt in zwei Bereiche: Prakriya Granthas und Shastra Granthas.

Sri Shankaracharya, der große Lehrer des Vedanta

45. Eshanas (Begierden) gibt es drei: Daraishana (Begehren einer Frau), Vittishana (Begehren von Wohlstand) und Lokaishana (Begehren dieser Welt und des Jenseits).

46. Es gibt vier Arten von Wesen: Jarayuja (geboren im Mutterleib), Andaja (im Ei ausgebrütet), Svedaja (aus Schweiß/Wärme geboren; Insekten) und Udbhijja (in der Erde geboren).

47. Die vier Wächter am Tor zur Befreiung lauten: Shanti (Frieden), Santosha (Zufriedenheit), Vichara (Betrachtung) und Satsang (Nähe zu Weisen).

48. Es gibt fünf Geisteszustände: Kshipta (abgelenkt, zerstreut), Mudha (stumpf), Vikshipta (leicht zerstreut, sammelnd), Ekagra (konzentriert) und Niruddha (einpünktig).

49. Der Körper hat neun Ein-/Austrittsstellen: zwei Ohren, zwei Augen, Mund, Nase, Nabel, Genitalien und Anus.

50. Avarana Shakti (die Kraft der Verschleierung) existiert zweifach: Asattva Avarana und Abhana Avarana.

51. Vikshepa Shakti (Kraft der Zerstreuung) ist dreifach: Kriya Shakti (Kraft des Handelns), Icca Shakti (Kraft des Willens bzw. Wunsches) und Jnana Shakti (Kraft des Wissens).

52. Satta, die Existenz, ist von dreierlei Art: Paramarthika (absolut real), Vyavaharika (phänomenal), Pratibhasika (illusorisch).

53. Es gibt zwei Arten von Wissen: Svarupa Jnana (Wissen um die essentielle Natur) und Vritti Jnana (intellektuelles und psychologisches Wissen).

54. Es gibt vier Hindernisse für Samadhi (überbewusster Zustand): Laya (Trägheit), Vikshepa (Ablenkung), Kashaya (Anhaftung) und Rasasvada (Sinnesfreuden).

55. Die kosmische (Samashti) Seele (Ishwara) ist dreifacher Natur: Virat (physisches manifestes Universum), Hiranyagarbha (kosmischer Geist und kosmisches Gemüt) und Ishvara (Gott als herrschendes Prinzip).

56. Die Natur der individuellen (Vyashti) Seele (Jiva) ist dreifach: Vishva, Taijasa und Prajna (entsprechend den drei Bewusstseinszuständen Wachen, Traum, Tiefschlaf und jeweils den obigen Manifestationen von Ishvara entsprechend).

57. Wahrnehmung erfolgt durch zwei Faktoren: Vritti Vyapti (Durchdringung der Psyche) und Phala Vyapti (Bewusstsein des Resultats).

58. Das Tat Tvam Asi Mahavakya („Das bist Du.“) hat zwei Bedeutungen: Vachyartha (wörtliche Bedeutung) und Lakshyartha (implizite Bedeutung).

59. Vedantisches Hinterfragen wird durch folgende Methoden praktiziert: Anvaya Vyatireka (anveya = Koexistenz; vyatireka = Negierung, Trennung, Methode von Behauptung und Negierung), Atadvya Vritti (Erkenntnismethode durch Gegenteiliges, z.B. das Selbst unterscheidet sich von den drei Körpern), „Neti Neti“ („nicht dies – nicht das“)-Lehrsatz, Adhyaropa Apavada (Negieren der Überlagerung), Nyayas (Veranschaulichung) etc.

60. Die Bedeutung des großes Lehrspruchs Tat Tvam Asi wird durch Anwendung von Techniken wie Jahadajahal Lakshana (nur ein Teil der direkten Wortbedeutung wird zurückbehalten und betrachtet) oder Bhagatyaga Lakshana (dasselbe wie Jahadajahal Lakshana ), Samanadhi Karana (Gleichheit in Bezug auf eine gemeinsame Essenz, Substrat), Visheshana Visheshya Bhava (Betrachtung von Vielheit – Nichtvielheit; scheinbarer Vielheit) und Lakshya (übertragene Bedeutung)-Lakshana Sambandha (Eliminieren von Widersprüchen durch Beibehaltung eines Teils der direkten Bedeutung) erforscht.

61. Die wichtigsten Vedas des Vedanta sind: Vivartavada (Doktrin der Non-Dualität, die die Schöpfung als illusorische Erscheinung des Absoluten sieht), Ajativada (Theorie der Nicht-Evolution), Drishti Srishtivada (Theorie, dass die Welt nur ein Ergebnis subjektiver Wahrnehmung ist), Srishti Drishtivada, Avacchedavada (Lehre von den Begrenzungen des höchsten Selbst durch die Hüllen), Pratibimbavada (Lehre, dass die Seele eine Reflektion des höchsten Selbst im Intellekt ist), Ekajivavada (Lehre von der Einheit der Einzelseele), Anekajivavada (Lehre von der scheinbaren Vielfalt der relativen Erscheinungen) und Abhasavada (ständige Wiederholung).

62. Der Vedanta kennt drei Arten der Betrachtung: Sravana (Hören, Lesen über Brahman, die höchste Wahrheit), Manana (darüber Nachdenken) und Nididhyasana (tief darüber meditieren).

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Siehe auch

Literatur

Seminare