Vicharana

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Josephine Wall: Schlüssel zur Ewigkeit, Quelle

Vicharana (Sanskrit: विचारण vicāraṇa n. und विचारणा vicāraṇā f.) das Überlegen, Erwägen, Bedenken, Reflexion, das Erörtern; lange Überlegung; (nur f.:) Unterscheidung, Art. Vicharana ist die zweite der sieben Bhumikas (Stadien zur Vollkommenheit): das rechte Befragen führt zu richtiger Unterscheidung.


Der Yogi (in diesem Stadium Sadhaka genannt) hat einen Weg zur Wahrheit gefunden und praktiziert nun regelmäßig. Er ist bereit, seinen niederen Geist zu überwinden. Die richtige Unterscheidung und Grundprinzipien des gewählten Weges zeigen dem Yogi, was er praktizieren soll. In diesem Stadium ist ein Guru (Spiritueller Lehrer, selbstverwirklichter Meister) hilfreich.

Sukadev über Vicharana

Niederschrift eines Vortragsvideos (2014) von Sukadev über Vicharana

Vicharana kann man übersetzen als die Stufe der Überlegung. Vicharana ist die zweite der sieben Bhumikas, der sieben Stufen zur Erreichung von spirituellem Wissen, wie es in der Yoga Vasishtha beschrieben wird und worauf auch der Jyotsna, der Kommentar von Swami Brahmananda, zur Hatha Yoga Pradipika Bezug nimmt. Ich übersetze Vicharana am liebsten als "rechtes Streben". Vicharana ist gekennzeichnet durch Vichara, Befragung. Vichara sind Fragen, wie: "Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich?" Vichara ist aber auch die Frage: "Was kann ich tun, um zum Höchsten zu kommen?" Vicharana heißt, du überlegt: "Was kann ich tun, um Gott zu verwirklichen? Was kann ich tun, um zum ewigen Frieden zu kommen? Was kann ich tun, um das Ziel spirituellen Strebens zu verwirklichen?"

Und Vicharana ist dann nicht nur die Überlegung, sondern es heißt auch, in die Praxis umsetzen. So ist Vicharana geprägt durch Sadhana, spirituelle Praxis. Vicharana ist geprägt davon, dass du systematisch daran arbeitest, die Begrenzungen deiner Vorurteile, deiner Vorstellungen und auch deines egoistischen Strebens zu überwinden. Vicharana heißt, systematisch daran zu arbeiten, Bewusstseinserweiterung zu erfahren, uneigennütziger zu werden, Gott immer mehr zu erfahren, deine höheren Chakras zu öffnen, Kontrolle über den Geist zu bekommen, ein spirituelles Leben zu führen, immer mehr Liebe zu spüren zu anderen Menschen, deine positiven Eigenschaften zu entfalten. So viel Verschiedenes wartet auf den spirituellen Aspiranten auf der Stufe von Vicharana!

Ich gebe bei Yoga Vidya regelmäßig auch Seminare, die sich "der spirituelle Weg" nennen, und dort ist Vicharana ein Hauptthema. Und letztlich geht es darum, wie gestaltet ein spiritueller Aspirant diese wichtige Stufe des Lebens. Vicharana findest du natürlich auch auf unseren Internetseiten. Du brauchst bloß auf unsere Internetseiten zu gehen, auf www.yoga-vidya.de, gib dort den Suchbegriff "Vicharana" ein oder auch "der spirituelle Weg" und dort findest du viele Internetseiten und auch Hörsendungen und Videos über Vicharana und wie du dich dort verhalten kannst.

Vicharana ist also eine der sieben Bhumikas. Hier nochmals zum Überblick die Namen der sieben Bhumikas: Es gibt Shubheccha, das heißt Sehnsucht nach Wahrheit; Vicharana – rechtes Streben; Tanumanasa – transparent machen des Geistes; Sattvapatti – Erlangen von Reinheit; Asamsakti – von nichts berührt; Padarthabhavani – die feste Verankerung in einer höheren Wirklichkeit; Turiya oder auch Turiyaga – die höchste Stufe der vollkommenen Verwirklichung und Einheit.

Ausschnitt eines Artikels von Sukadev Bretz im Yoga Vidya Journal

Auf der Stufe von Vicharana ("rechtes Streben") befindet man sich auf dem spirituellen Weg, der Suchende sucht nicht einfach nur, sondern ist zum Sadhaka geworden, also zu jemandem, der Sadhana übt. Sadhana heißt spirituelle Praxis und dieser Ausdruck bedeutet je nach Kontext Unterschiedliches. Im engeren Sinne heißt Sadhana spirituelle Praktiken wie Asana, Pranayama, Meditation und Mantrasingen, im weiteren Sinne ist es alles, was man auf dem spirituellen Weg tut.

Wenn man den spirituellen Weg geht, ist es notwendig, zu praktizieren. Wie oft soll man praktizieren? Täglich! Das ist hier das Wichtigste. Solange man nicht täglich praktiziert, ist man noch nicht auf Vicharana. Jemand, der nicht über einen längeren Zeitraum praktiziert, befindet sich nicht auf Vicharana. Vielleicht befindet er sich auf Subecha.

Was sollte man machen, wenn man keine Zeit zum Praktizieren hat? Sich Zeit nehmen und wenigstens etwas praktizieren! Ein großer Yogameister wurde einmal gefragt: "Was soll ich tun, wenn ich keine Zeit habe, zu praktizieren?" Da hat er gesagt: "Mach dir keine Sorgen. Wenn du keine Zeit hast, hast du auch keine Lust. Wenn du keine Lust hast, ... was soll die Frage?" Das hört sich vielleicht etwas brüsk an, deshalb hier ein paar wichtige Tipps für die Praxis:

Das Wichtigste ist, täglich etwas zu praktizieren. Ein Anfänger sollte sich eine Viertelstunde am Tag Zeit nehmen und einmal die Woche mehr. Eine Viertelstunde schafft jeder. Man kann fünf Minuten meditieren, anschließend 12 Runden Sonnengebet machen und danach noch drei Runden Wechselatmung und die Tiefenentspannung dann abends beim Einschlafen. Das macht schon Einiges aus. Es ist nur eine Viertelstunde, aber es ist eine Viertelstunde! Es muss auch nicht unbedingt das Sonnengebet sein. Die Gemütlicheren unter den Yogis machen vielleicht eine Vorwärtsbeuge, eine Rückwärtsbeuge und eventuell noch einen Drehsitz, den man etwas länger hält. Danach hat man noch Zeit für die Meditation und ein wenig Pranayama.

Man muss selbst heraus finden, was für einen das Beste ist. Auf jeden Fall sollte man von der "Alles oder Nichts"-Philosophie abkommen. Viele sind mit der Aussage "entweder richtig oder gar nicht" erzogen worden. Das führt oft zu gar nichts oder es führt zu überflüssigem Stress. Der Ausdruck "entweder richtig oder gar nicht" ist aber auch nicht unbedingt falsch. Wir können ihn so umsetzen: Wenn wir es machen, machen wir es von ganzem Herzen. Es bezieht sich mehr auf das Herz und weniger darauf, wie vollkommen wir es äußerlich machen. Denn was können wir heutzutage äußerlich wirklich vollkommen machen? Vielleicht konnte ein Schuster in früheren Zeiten den perfekten Schuh machen. Er hat immer den gleichen Schuh gemacht und gelernt, wie man ihn optimal an den Fuß anpassen kann.

Doch wer kann heutzutage noch den perfekten Schuh machen? Selbst ein Schuhmacher muss sich weniger Zeit nehmen, damit es für den Kunden bezahlbar bleibt. Äußerlich ist also wenig Perfektion möglich, aber vom Herzen her können wir ganz dabei sein. Auch hier sollte man keine zu hohen Ansprüche an sich selbst stellen. Manche Menschen meditieren zu Hause deshalb nicht, weil sie dort sofort an das denken müssen, was den ganzen Tag war. Da hören sie lieber sofort auf. Nur wenn sie ins Yogazentrum oder in den Ashram kommen, können sie meditieren. Das ist auch die "Alles oder nichts"-Philosophie.

Wenn man meditieren will, macht man es so gut man kann, von ganzem Herzen und unser Geist ist so wie er ist. Und dann geschieht in der Meditation das, was geschehen soll. Wenn der Geist noch den Tag Revue passieren oder den nächsten Tag planen muss, dann ist das notwendig. Man sollte sich bemühen, die Meditation zu vertiefen, aber wenn das nicht entspannt möglich ist, geht man einfach davon aus, dass dieses Denken für unser inneres Gleichgewicht und vielleicht sogar zur spirituellen Entwicklung notwendig ist. Aber man meditiert in jedem Fall trotzdem. Und wenn die Kinder im Raum nebenan tollen und schreien, meditiert man trotzdem. Und wenn im Nachbarraum ein Fernseher läuft, dann nimmt man z.B. Ohrenstöpsel oder meditiert trotz Fernseher.

Siehe auch

Weblinks

Seminare

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