Prarabdha

Aus Yogawiki
Swami Sivananda

Prarabdha (Sanskrit: प्रारब्ध prārabdha adj. u. n.) angefangen, unternommen, begonnen; der begonnen hat; das im aktuellen Leben wirkende, "begonnene" Karma (Prarabdha Karma).


Prarabdha und Purushartha

Artikel von Sri Swami Sivananda

Frage: Die menschlichen Handlungen sind zu einem gewissen Grade bestimmt von dessen Prarabdha, damit ist er frei in seinen Kriyamana Karmas. Wo ist hier die genaue Abgrenzung zwischen diesen beiden? Inwieweit können die Kriyamana Karmas Früchte tragen und inwieweit sind diese dann bestimmt durch Prarabdha? Und wenn ein Mensch darin scheitert, ein bestimmtes Ziel zu erreichen oder auch ein bestimmtes Objekt zu erlangen, gibt es dann einen Weg, um zu bestimmen, ob dieses Scheitern durch Prarabdha oder in seinen Unzulänglichkeiten, in seinem Bemühen bedingt sind? Und ab welchen Punkt sollte man sein Bemühen einstellen, wenn diese sinnlos in Anbetracht seines Prarabdhas sind?

Antwort: Ein Tier, welches an einem Pfahl mit einem Strick angebunden ist, hat damit die Freiheit sich innerhalb eines Kreises mit diesen Radius des Stricks zu bewegen. Aber es hat keine Freiheiten sich außerhalb dieser Begrenzung zu bewegen. Es ist darauf begrenzt, sich in dieser Fläche zu bewegen. Bei den Menschen verhält es sich etwas ähnlich. Sein Verstand und sein Unterscheidungsvermögen geben ihm eine begrenzte Freiheit, sich in deren Umfang zu bewegen. Aber seine „Verstandesfabrik“ ist wie der Strick, mit dem das Tier angebunden ist. Der Verstand ist nicht unbeschränkt und er wird durch die Natur seines zugehörigen Prarabdha bestimmt, die den Körper dieser Einzelseele Jiva, bestimmt.

Solange wie der Mensch ein Bewusstsein für seine Persönlichkeit hat und die Fähigkeit einer bewußten Entscheidung oder der Freiheit, sich bewußt zu entscheiden, so lange ist er auch für seine Handlungen verantwortlich. Er ist ein Vollstrecker oder ein Handelnder in dem Sinne, wie seine Handlungen aktiv sind oder Kriyamana-Karmas, wie er diese also mit seinem vollen Bewusstsein durchführt. Sobald jedoch Ereignisse passieren, die jenseits seines Verständnisses passieren, so als wenn er z.B. kein Körperbewusstsein hätte, dann wird er für diese Handlungen nicht verantwortlich gemacht. Diese Handlugen könnten dann z.B. Früchte von früheren Verpflichtungen oder früherem Prarabdha sein.

Auch wenn jede Erfahrung letztendlich durch das Prarabdha alleine verursacht wird, so ist es jedoch die Verbindung mit dem Bewusstsein des Einzelnen, welches das Bemühen oder eine neue Verpflichtung bedingt. Und damit ist Bemühen nichts anderes als das Bewußtsein für die Handlungen im Bezug auf einen selbst, welche Ursache auch immer diese Handlung bedingt hat. Und damit ist es auch nicht die Handlung an sich, sondern es ist die Einstellung mit der diese durchgeführt wird, die dann bestimmt, ob diese Kriyamana-Karma ist oder eben nicht. Die Handlungen eines Jivanmukti sind kein Kriyamana-Karmas, den diese sind dann nicht mehr mit irgendwelches persönliches Bewusstsein verknüpft. Und diese sind oft einfach noch Folgen eines früheren Bewusstseins des Handelnden.

Erfahrungen, die auf einen Menschen einwirken, ohne dass diese mit dessen persönlichen Willen im Zusammenhang stehen, sind die Ergebnisse oder Folgen von Prarabdha. Im Gegensatz dazu sind Erfahrungen, die aus einer wissentlich und bewußt durchgeführten oder sogar klar geplanten Handlung resultieren, Kriyamana-Karma, auch wenn diese durch das Gesetz des Prarabdha-Karmas selbst bedingt sind.

Und Erfahrungen, die durch das Prarabdha alleine verursacht sind, bedingen keine neuen Ergebnisse, sondern bauen dieses eben ab. Das Kriyamana-Karma hingegen verursacht oft eine neue, zukünftige Erfahrung, so wie dies eben durch den Verstand des Handelnden bedingt ist.

Wenn ein erwünschtes Ergebnis nicht erreicht werden kann, obwohl alle möglichen Versuche oder Bemühungen unternommen worden sind, dann muss verstanden werden, dass dieses Versagen durch ein ungünstiges Prarabdha bedingt wurde. Natürlich heißt dies dann eigentlich das Gleiche, wie der Hinweis, dass das Scheitern durch die Unfähigkeit der Person bedingt ist. Denn das Durchführen eines größeren Bemühens, welches nicht dem ungünstigen Prarabdha entgegensteht und welches damit das Ziel erreicht hätte, ist ihm heute nicht ermöglicht. So wie auch das Prarabdha sogar das Purushartha bestimmt, muss gesagt werden, dass die Bemühungen an sich als das Wirken des Prarabdha verstanden werden können, welches dann mittels oder durch das Bewußtseins des Handelnden wirkt.

Prarabdha, sobald und solange wie es wirkt, kann niemals unterdrückt oder vernichtet werden. Es kann jedoch erschöpft oder verbraucht werden durch Erfahrung und durch das Nicht-Ausführen von zusätzlichem Kriyamana-Karma. Und sogar die Entsagung selbst von Ausführen des Kriyamana-Karma muß durch das Prarabdha an sich gestattet werden. Ansonsten ist sogar die Entsagung selbst nicht möglich. Ein böses oder ungünstiges Prarabdha wird es nicht gestatten, dass dem Kriyamana-Karmas entkommen oder entsagt werden kann, solange bis dieses selbst nicht durch Erfahrung, Wiedergeburt und Schmerz aufgebraucht ist.

Lediglich ein gutes oder günstiges Prarabdha kann höhere Bemühungen erlauben, und damit ein zunehmendes Wissen und die Entsagung oder Befreiung von Kriyamana-Karmas. Aber auch in dieser Hinsicht können dann die notwendigen Bemühungen nicht unterdrückt werden. Denn das Prarabdha selbst wird sich dann in Form der Bemühungen durch das damit verbundene Bewußtsein ausdrücken. Manchmal manifestierte sich das Prarabdha selbst nicht unbedingt durch das einzelne oder individuelle Bewußtsein, sondern durch Dritte Handelnde oder besondere Umstände, die sich dann oft auch jenseits der menschlichen Vorstellungen vollziehen.

Sogar, wenn eine Person von einer dritten Person gezwungen wird, eine bestimmte Handlung auszuführen oder Purushartha, dann ist dies lediglich ein Aspekt seiner Prarabdha im Bezug zu der anderen, die gerade wirksam ist. Im Zustand der höchsten Weisheit gelingt dieser Zwang dann jedoch nicht mehr. Denn alle Bemühungen werden dann automatisch und nicht mehr willentlich gestoppt - allein durch die Selbstwahrnehmung, die das letztliche Ziel aller Bemühungen ist. Und solange wie noch ein Körperbewußtsein und ein weltliches Bewußtsein vorhanden ist, solange wird der Mensch Bemühungen ausführen, um das letztendliche Ziel zu erlangen. Und alle Bemühungen sind die natürliche Folge des Wahrnehmens der Unvollkommenheit. Der Mensch wird, solange er unvollkommen ist, durch seine eigene Natur bedingt, daran arbeiten, diese Vollkommenheit zu erreichen. Die Frage von Prarabdha und Purushartha ist somit eine relative Frage und diese verliert ihre Bedeutung im Angesicht des heraufkommenden absoluten Wissens. http://www.dlshq.org/discourse/sep97.htm

Siehe auch

Literatur

Weblinks

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