Lakshyartha

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Lakshyartha (Sanskrit: लक्ष्यार्थ lakṣyārtha m.) die mittelbar ausgedrückte (Lakshya) Bedeutung (Artha). Lakshyartha ist im Vedanta die implizierte, auf den eigentlichen Inhalt weisende Bedeutung. Ein Beispiel für Lakshyartha ist "Dorf am Fluss". Das Dorf ist nicht wirklich am Fluss, sondern am Ufer des Flusses. Wenn man hört "Dorf am Fluss", weiß man dass zwischen dem Fluss und dem Dorf ein Ufer ist. Wenn die Beziehung zwischen Satz und Bedeutung direkt ist, nennt sich das Vachyartha. Wenn die Beziehung indirekt ist, nennt sich das Lakshyartha.

ImAdvaita Vedanta ist die Beziehung zwischen Worten und Bedeutungen entweder direkt (Mukhya Vritti) oder implizit (Lakshana Vritti).

Lakshyartha fällt in drei Kategorie:

Lakshyartha ist in der Sanskritsprache ein Substantiv männlichen Geschlechts und bezeichnet die mittelbar ausgedrückte Bedeutung.

Vachyartha und Lakshyartha

Soham - Bedeutung: Ich bin das

- Auszug aus dem Buch "Vedanta für Anfänger" von Swami Sivananda -

Ein Wort kann drei Bedeutungen in sich tragen:

1. Vachyartha, die primäre, wörtliche Bedeutung, erhält man direkt aus dem Wort
2. Lakshyartha, die implizite Bedeutung, durch Schlussfolgerung
3. Vyangyartha, die indirekte Bedeutung, durch Assoziationen.

Die Beziehung, die einem Wort seine Bedeutung verleiht, nennt man “Vritti”. Es gibt zwei Arten von Vrittis: Shakti Vritti und Lakshana Vritti.

Die Beziehung zwischen einem Wort und seiner Bedeutung, die Arthajnana, das Wissen um die Bedeutung, erzeugt, wird Shakti Vritti genannt. Vachyartha ist folglich die Bedeutung, die durch Shakti Vritti erfasst wird.

Lakshana Vritti etabliert mit Hilfe von Vachyartha eine langfristige Beziehung zwischen dem Wort und seiner nicht direkt ausgedrückten Bedeutung. Lakshana Vritti kann in drei Gruppen unterteilt werden, nämlich Jahallakshana, Ajahallakshana und Jahadajahal-lakshana beziehungsweise Bhagatyaga Lakshana.

Jahallakshana:

In diesem Fall wird nur Lakshyartha, die übertragene Bedeutung, in Betracht gezogen. Die direkte Bedeutung Vachyartha wird völlig vernachlässigt. „Jahat“ bedeutet „entfallen“.

Betrachten wir beispielsweise die Aussage: “Gangayam Ghoshah” – „Im Ganges liegt das Dorf der Kuhhirten.“

Diese Aussage möchte uns eigentlich sagen, dass das Dorf am Ufer des Ganges liegt und nicht mitten im Wasser. Die direkte Bedeutung wird ignoriert und die implizite Bedeutung wird stattdessen verstanden. Die direkte Bedeutung bezieht sich auf den Fluss und die implizite Bedeutung auf das Ufer. Beide sind völlig verschieden, nämlich Wasser und Erde. Aber zwischen Fluss und Ufer gibt es eine Beziehung.

Basierend auf der direkten Bedeutung der Worte (Vachyartha) erzeugt die Lakshana Vritti ein Wissen um die wahre Bedeutung der Aussage. Und diese neue Bedeutung besitzt eine spezielle Beziehung zur Vachyartha, so wie die Beziehung zwischen Fluss und Ufer.

Ajahallakshana:

In diesem Fall wird Vachyartha nicht weggelassen, sondern zusammen mit Lakshyartha berücksichtigt. Betrachten wir beispielsweise die Aussage: “Sveto Dhavati” – „Das Weiße läuft.” Nehmen wir ein Pferderennen an, bei dem ein Zuschauer seinen Nachbarn fragt, welches Pferd gerade führt. Er könnte die Antwort erhalten: „Das Weiße läuft (vorweg).“ In diesem Fall bezieht sich das Lakshyartha des Wortes „Svetah“ auf das Pferd. Dadurch wird begreiflich, dass ein Pferd läuft. Dies ist aber nicht genug, weil dies nicht die Frage nach dem führenden Pferd beantwortet. Die direkte Bedeutung (Vachyartha) des Wortes „Svetah“ (die Farbe „weiß) wird zusätzlich erfasst und mit Lakshyartha (= „Pferd läuft“) kombiniert. Als Konsequenz wird verstanden, dass das weiße Pferd vorneweg läuft.

Jahadajahallakshana oder Bhagatyagalakshana:

Hier wird ein Teil (Amsa, Bhaga) von Vachyartha beibehalten. Der Rest wird ausgelassen. Betrachte die Aussage: “So(a)yam Devadattah” – „Dies hier ist jener Devadatta.” Ein Mann hat einst Devadatta im Gewand eines Prinzen in der Stadt Benaras gesehen. Zehn Jahre später begegnete er ihm wieder im Gewand eines Mönches in Rishikesh. Folglich sagte er: „Dieser (hier) ist jener Devadatta (von damals).“

„Jener” assoziiert eine räumliche und zeitliche Entfernung und das Prinzengewand. „Dieser“ assoziiert räumliche und zeitliche Nähe und das Mönchsgewand. Die direkte Bedeutung (Vachyartha) von „jener“ ist ein Prinz, der vor zehn Jahren in Benaras lebte. Die direkte Bedeutung von „dieser“ bezieht sich dagegen auf einen derzeit in Rishikesh lebenden Mönch.

In diesen Aussagen gibt es Gemeinsamkeiten und Widersprüche. Nun beseitigen wir diese Widersprüche, Mönch und Prinz sind widersprüchliche Faktoren. Genauso sind Rishikesh und Benares Widersprüche. Ebenfalls die Jetzt-Zeit und die Zeit vor zehn Jahren. In der Aussage „Dieser ist jener Devadatta“ betrachten wir nur Anteile der direkten Bedeutung der beiden Worte „Dieser (Devadatta)“ und „jener (Devadatta)“. Aus der direkten Bedeutung von „jener“ eleminieren wir das Prinzengewand, den Ort Benares und die zehn vergangenen Jahre. Nur die Person selbst bleibt.

Auf gleiche Weise eliminieren wir in der Bedeutung von “dieser” die Faktoren Raum, Zeit und äußere Erscheinung, die der anderen Aussage widersprechen. Nur dann können wir beide Devadattas miteinander identifizieren.

Diese Technik wird auch Lakshya-Lakshana-Bhava genannt. Die Worte „dieser“ und „jener“, nachdem alle widersprüchlichen Assoziierungen ihrer Bedeutungen eleminiert worden sind, haben ein Verhältnis zueinander wie Ursache und Wirkung - mit Devadatta als beiden Aussagen gemeinsame Person.

Die Aussage “Tat Tvam Asi” kann nur durch diese Methode, Bhagatyaga Lakshana, verstanden werden.

Video - Bhagatyaga Lakshana - Alle Identifikationen ablegen

Bhagatyaga Lakshana - Vedanta Techniken der Textanalyse -

Sukadev beschreibt dir die Bhagatyaga Lakshana Technik der Schriftdeutung. Sukadev - spiritueller Leiter von Yoga Vidya - macht zu Anfang einen Ausflug in verschiedene Theorien über die Deutung und Auslegung von Heiligen Schriften.

Im Vedanta gibt es ein eigenes Analyse-Instrumentarium. Dazu gehört auch Bhagatyaga Lakshana und andere. Darüber spricht Sukadev in diesem Video.

Im zweiten Teil leitet dich Sukadev an zur einer Mahavakya Meditation, zur Meditation über Ayam Atma Brahma. Zum Schluss gibt er dir Anregung für Vedanta Praxis im Alltag.

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Siehe auch

Literatur

Weblinks

Quelle

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