Tanumanasa

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Tanumanasa (Sanskrit: तनुमानसा tanumānasā f.) wörtlich: Ausdünnen des Geistes; die dritte der Bhumikas (Stadien zur Vollkommenheit).

Erfahrung von Wonne in der Meditation

Der niedere Geist ist transformiert worden. Der Yogi erreicht in der Meditation regelmäßig höhere Bewusstseinsebenen (Dharana - vollkommene Konzentration und Absorbtion). Der Yogi erfährt in der Meditation tiefe Wonne, so dass er von irdischen Freuden nicht in die Irre geführt wird. Der Yogi will, was gut für ihn ist (braucht nicht mehr mit dem niederen Geist kämpfen).

Die innere Intuition ist erwacht und hilft einem, das Richtige zu tun. Der Yogi erkennt und erfühlt die Einheit. Der Yogi spürt eine natürliche Liebe zu Gott, den Menschen und zur ganzen Natur. Gefahr: Spirituelles Ego, Stolz auf das Erreichte. Viele Yogaschüler erreichen schon recht schnell nach intensiver Praxis für eine kurze Weile Tanumanasa und müssen es sich dann anschließend wieder systematisch durch viele Jahre regelmäßiger Übung erarbeiten. Wer ganz in Tanumanasa verankert ist, wird Stithaprajna, beständiger Weiser, genannt, bleibt aber weiter Sadhaka.

Tanumanasa und spirituelle Flitterwochen - ein Vortrag von Sukadev Bretz 2018

Gewahr werden der Sonne

Ich hatte schon gesprochen über die sieben Bhumikas:

Tanumanasa, dritte der sieben Bhumikas

Tanumanasa ist die dritte der sieben Bhumikas. Tanu heißt ‚dünn‘, ‚ausdünnen‘ und manas ist der Geist. Und manasa ist der Zustand des Geistes. Tanumanasa ist der Zustand des Geistes, gekennzeichnet durch Transparenz. Deshalb kann man Tanumanasa am besten übersetzen als „Transparenz des Geistes“, „durchlässig werden“. Charakteristikum von Tanumanasa ist ein gewisses Gottesbewusstsein.

Tanumanasa gekennzeichnet durch Sattva

Man kann sagen, Tanumanasa ist zum einen gekennzeichnet durch Sattva. Sattva heißt eine gewisse Reinheit, Sattva heißt Helligkeit, Leuchten, Strahlen. Jemand, der sich auf Tanumanasa befindet, ist jemand, der sich leicht fühlt, der Licht spürt. Tanumanasa ist auch insbesondere verbunden mit Ananda und Prema.

Spüren von grundloser Freude

Ananda heißt Freude, grundlose Freude. Jemand auf Tanumanasa braucht nichts Äußeres um Freude zu haben, sondern er hat regelmäßig Zugang zur Freude in seinem Selbst, Freude der Verbindung mit anderen Menschen, die Freude letztlich Gott zu erfahren, die Freude sich mit der Natur Eins zu fühlen. Ananda ist ja die Freude der Seele. Deshalb spürt jemand, der in Tanumanasa ist, die Tiefe seiner Seele in sich, er spürt die Tiefe der Seele in allen, mit denen er es zu tun hat, und das Göttliche hinter allem.

Ein Vorgeschmack von göttlicher Gegenwart

So könnte man auch sagen, Charakteristikum von Tanumanasa ist ein gewisses Gottesbewusstsein. Noch nicht das vollständige Gottesbewusstsein, es ist mehr das Bewusstsein der Gegenwart Gottes. Man sagt dann manchmal auch Chaitanya. Chit ist die eigene Bewusstheit, das Bewusstsein an sich. Und Chaitanya ist das Bewusstsein, das geprägt ist aus dem Bewusstsein des Bewusstseins (einer der vielen Bedeutungen von Chaitanya).

Also Tanumanasa: eine innere Reinheit, eine Freude aus der Erfahrung der göttlichen Gegenwart. Daraus entsteht auch Prema. Prema ist eine Liebe zur Schöpfung, Liebe zur Natur, Liebe zu Gott, Liebe zu den Menschen. Meditation geschieht von selbst und man will, was gut ist.

Meditation geschieht von selbst

Charakteristisch für Tanumanasa ist ein regelmäßiger Zugang zu den Tiefen der Meditation, zu Dhyana. Es gibt ja die verschiedenen Stufen der Meditation ‒ Asana, Pranayama, Pratyahara, Dharana, Dhyana und Samadhi ‒ und Dharana ist also die Fähigkeit zur Konzentration und Dhyana ist der meditative Gemütszustand: Meditation geschieht von selbst. Man ist in tiefer Meditation und erfährt in der Meditation Ananda, Freude. Man erfährt natürlich auch Chit, Ausdehnung des Bewusstseins, und Sat, Verbindung mit allem Sein.

Man will, was gut ist

Charakteristisch für Tanumanasa ist auch, dass man will, was gut ist. Ich hatte schon mal gesprochen über das Gute und das Angenehme und kann sagen, in Tanumanasa wird die höhere sattvige Freude erfahren: Man will, was gut ist. Auf Tanumanasa ist nicht die Frage, überwinde ich mich morgens dazu zu meditieren, überwinde ich mich abends zu meditieren, überwinde ich mich zu Menschen freundlich zu sein. Man will das, man freut sich darauf zu meditieren, man freut sich darauf anderen zu helfen und zu dienen. Man freut sich, wenn man behilflich sein konnte, man freut sich einfach, dass man etwas Gutes bewirken kann.

Besonders starke Intuition

Starke Intuition

Charakteristisch ist auch die Intuition. Natürlich, jeder Mensch hat auch eine Intuition. Auch ein Mensch, der gar nicht auf dem spirituellen Weg ist, hat eine bestimmte Intuition. Aber die meisten Menschen müssen das, was sie intuitiv spüren noch filtern durch den Intellekt und überlegen, ist das, was ich spüre, das Richtige. Die Intuition kann einen in die Irre führen, die Intuition kann einen richtig führen. Und das gilt natürlich für jeden, auch für den spirituellsten Meister.

Auf Tanumanasa aber ist die Intuition besonders stark. Man weiß, was das Richtige ist. Es muss immer noch etwas Viveka sein, um zu überlegen, wie man das umsetzt, was die Intuition einem sagt. Aber die Intuition ist hier wichtiger als Buddhi im Sinne von Unterscheidungsvermögen, im Sinne von Vernunft, Intellekt und Viveka, die Unterscheidungskraft.

Meister sind fest verankert in Tanumanasa

Man würde sagen, jemand, der fest verankert ist in Tanumanasa, ist letztlich ein Meister, eine Meisterin. Du siehst, die Bhumikas, die ersten drei Schritte sind schon gewaltig.

Nachfolgende Entwicklungsstufen sind für große Meister

Die nächsten Schritte ab Tanumanasa ist eigentlich etwas, was die Entwicklungsstufen sind für einen großen Meister. Was einen Meister/ eine Meisterin auszeichnet ist ein Grund-Sattva. Dieses Sattva heißt, dass das Göttliche durch ihn und sie hindurch wirkt ‒ deshalb Freude am Guten. Zugang zu dieser tiefen inneren Wirklichkeit, daher Zugang zur Intuition und zur Führung durch Gott. Es ist eine beständige Erfahrung, dass hinter allem die göttliche Gegenwart ist, in sich selbst, in allen Handlungen und im Gegenüber. Es ist die Erfahrung von Freude und Liebe. Und in fast jeder Meditation die Erfahrung einer tiefen Verankerung, Dhyana.

Spirituelle Flitterwochen als Sonderfall von Tanumanasa

Es gibt einen Sonderfall von Tanumanasa und dieser Sonderfall sind die spirituellen Flitterwochen. Es gibt manche Menschen, die auf den spirituellen Weg kommen und für eine Weile in Tanumanasa hineinfallen. Diese Zeit kann ein paar Wochen dauern, diese Zeit kann auch etwas länger dauern. Aber sie dauert eine Weile und irgendwann geht sie zu Ende (so wie Flitterwochen irgendwann beginnen und irgendwann zu Ende gehen).

Vielleicht kennst du das oder vielleicht bist du auch gerade in diesem Zustand drin. Oder vielleicht, wenn ich darüber spreche, wirst du wehmütig denken: War ’ne schöne Zeit… Spirituelle Flitterwochen können durch ein besonderes Energiegefühl gekennzeichnet sein, ein Lebendigsein, ein Prana, dass du erfüllt bist von einer Kraft. Spirituelle Flitterwochen können damit erfüllt sein, dass du voller Freude bist, dass du göttliche Gegenwart wahrnimmst. Du hast das Gefühl, von Gott geführt zu sein, du hast das Gefühl, dass überall das Göttliche ist.

Wenn du mit anderen Menschen zu tun hast, überwiegt die Liebe. Du hast ein Mitgefühl zu anderen, du regst dich nicht so schnell auf, du willst anderen helfen und du hast diese grundlose Freude, die du ausstrahlst. Hochenergiegefühl, Freude, Liebe, göttliche Gegenwart. Und wann immer du meditierst, spürst du diese besondere Kraft, diese Verbundenheit.

Du machst gerne die spirituellen Praktiken, du lebst sehr gesund und du tust das Gute ‒ eine wunderbare Erfahrung.

Diese spirituellen Flitterwochen dauern manchmal ein paar Wochen, manchmal ein paar Monate, bei manchen Menschen dauern sie ein oder zwei Jahre. Wenn sie länger dauern als zwei Jahre, gut, dann bist du vielleicht ein großer Meister, eine große Meisterin. Dann hörst du dir vielleicht diese Sendung an, um zu überlegen, wie du andere unterrichten kannst. Aber wenn du nicht ein großer Meister bist (oder noch nicht), dann wisse: Es ist normal, dass die Zeit der Flitterwochen auch zu Ende geht. Im Yoga würde man sagen: Es ist gut, eine Weile in spirituellen Flitterwochen zu sein, dann weiß man, wie sich dieser Gemütszustand anfühlen wird, den man irgendwann erreichen wird.

Die besondere Herausforderung am Ende der spirituellen Flitterwochen

Wie durch eine göttliche Gnade, Kripa, durch einen göttlichen Segen ist man vorrübergehend in die spirituellen Flitterwochen katapultiert worden. Jetzt gilt es, dankbar zu sein, wenn du drin bist. Und wenn du dort rauskommst, hast du eine besondere Herausforderung.

regelmäßige spirituelle Praxis

Wenn du aus diesen spirituellen Flitterwochen herauskommst, musst du dann nämlich lernen, wieder auf Vicharana zu sein und regelmäßig spirituell zu praktizieren, ob du’s magst oder nicht, egal, wie viel Freude, Ananda, und Liebe, Prema, du hast und egal, ob du jetzt gerade Gottesbewusstsein hast oder nicht.

Leider gibt es Menschen, die aus ihren spirituellen Flitterwochen herausfallen, sehr enttäuscht sind, sei es von sich selbst, sei es vom Ashram, sei es von ihrem spirituellen Lehrer. Sie denken, dass irgendjemand etwas falsch gemacht hat, dass sie selbst etwas falsch gemacht haben oder dass sie einer Illusion unterlegen sind.

Nein, es ist nichts falsch gewesen, sondern dir wurde vorrübergehend ein besonderer Bewusstseinszustand geschenkt! Sei dankbar dafür, genieße die Zeit, solange du drin bist und genieße die Erinnerung daran. Du weißt, wenn du praktizierst, wird dieser Gemütszustand irgendwann langfristig dein Gemütszustand sein.

Mache weder dir noch anderen Vorwürfe, sondern nimm die Erfahrung, die du hattest während der spirituellen Flitterwochen, als Ansporn regelmäßig zu praktizieren.

Schwanken zwischen Vicharana und Tanumanasa: Disziplin ist nötig

Spirituelle Flitterwochen haben also gar nicht mal wenige Aspiranten. Aber nicht alle Aspiranten haben diese Form von spirituellen Flitterwochen. Manche haben sie auch immer wieder. Das ist dann aber mehr zyklothymes Temperament, eigentlich, himmelhoch jauchzend ‒ tief in Tanumanasa hinein, und dann hinabsinken ‒ da muss man aufpassen, dass man bei Vicharana bleibt und nicht sogar śubhecchā verliert.

Manche schwanken also zwischen Vicharana und Tanumasa. Und so gilt es immer wieder, bewusst zu praktizieren, sich hoch zu katapultieren in einen höheren Bewusstseinszustand, um dann wieder die Kurve zu bekommen, wenn wieder eigenverantwortliche bewusste Praxis, Disziplin, nötig ist. In Tanumanasa würde man die Praxis nicht als „Disziplin“ bezeichnen, auf Vicharana ist sie manchmal Disziplin.

Aufgaben auf Tanumanasa

Wenn du auf Tanumasa bist oder sein wirst, hast du auch bestimmte Aufgaben. Insbesondere gilt es, spirituellen Hochmut zu vermeiden und Identifikation zu vermeiden.

Spirituellen Hochmut vermeiden

Hochmut kommt vor dem Fall

Die Erfahrung auf Tanumanasa ist ja eine großartige, sie ist eine wunderbare. Auf Tanumanasa bist du voller Freude, du magst, was gut ist, spirituelle Praktiken genießt du. Wenn du dann mit Anderen in Kontakt bist, die vielleicht sagen, oh, es ist mir so schwer, täglich zu meditieren, und wie sie vielleicht nicht in der Lage sind, ihre Yogaübungen zu machen, wie sie immer wieder in Trägheit und Selbstmitleid versinken oder ihre Fassung verlieren und schimpfen oder sich an die Ernährungsratschläge nicht halten können ‒ da ist es leicht, hochmütig zu werden und vielleicht sogar Andern zu sagen, du bist noch nicht so weit. Dir vielleicht selbstzufrieden auf die Schulter zu klopfen und zu sagen, schön, dass ich weiter bin als dieser Mensch.

Aber Hochmut kommt vor dem Fall. Und ich erlebe es immer wieder, dass ernsthafte Aspiranten anfangen, hochmütig zu sein, sich über Andere erheben, auf Andere hinabschauen ‒ und danach selbst genau die Fehler machen, über die sie sich vorher mokiert haben.

Das gilt natürlich nicht nur auf Tanumanasa, das gilt überall: Bleibe demütig Vielleicht bist du nur in spirituellen Flitterwochen ‒ und alles kann in ein paar Tagen anders sein. Und vielleicht ist in dem, der jetzt gerade Schwierigkeiten hat, ein ganz großer Heiliger ‒ und er muss nur dieses Karma überwinden und dann erreicht er sehr schnell die Gottverwirklichung.

Bleibe demütig

Demütig bleiben!

Urteile nicht über andere. Bleibe demütig. Denke nicht, dass du irgendetwas erreicht hast. Ich hatte einen großen Meister, Swami Vishnu-devananda, und er hat im kleinen Kreis gerne gesagt, er kann nicht garantieren, was künftig ist, er weiß nicht, ob er sich dauerhaft an die spirituellen Praktiken halten wird. Das klang für uns so absurd. Er war dieser Meister, der mindestens in Tanumanasa war, vielleicht Sattvapatti, vielleicht Asamsakti, der diese Ausstrahlung hatte, diese Power hatte, in dessen Gegenwart Meditation fast von selbst gegangen ist, der so viele Kräfte hatte ‒ und er hat uns gesagt, er weiß nicht, was noch kommen wird. Es war diese tiefe Demut. Und so sollten auch wir demütig sein.

Wenn man demütig bleibt, dann kann die nächste Stufe kommen: Sattvapatti, die vollständige Verankerung in Sattva, sogar jenseits von Ego, jenseits von Identifikation. Noch nicht die volle Verwirklichung, aber kurz davor. Aber das ist ein anderes Thema, und darüber spreche ich ein andermal.

Video - Tanumanasa und spirituelle Flitterwochen

Dieser Videovortrag ist Teil der Vortragsreihe „Yoga Vidya Schulung – Der ganzheitliche Yogaweg“.

Sukadev über Tanumanasa

Niederschrift eines Vortragsvideos (2014) von Sukadev über Tanumanasa

Tanumanasa ist ein Sanskrit-Wort, welches wörtlich heißt, Ausdünnen des Geistes, durchlässig werden des Geistes. Tanumanasa ist die Bezeichnung der dritten Bhumika, also der dritten der sieben Stufen der spirituellen Evolution. Tanumanasa soll heißen, der Geist wird durchlässig, transparent. Tanu klingt ja auch ähnlich wie dünn. Tunu heißt Ausdünnen, Tanu heißt auch transparent werden.

Letztlich kann man sagen, das Selbst ist wie eine Kerzenflamme; es leuchtet. Wenn du jetzt vor die Kerzenflamme einen Schirm stellst oder eine Hand davor geben würdest, dann ist das Licht nicht sichtbar. Wenn du aber diesen Schirm saubermachen würdest, dann wird er immer durchlässiger, immer transparenter, und dann kannst du die Flamme hindurchleuchten sehen. So ähnlich ist das mit dir. Du hast in dir das höchste Selbst, Atman, das ist Satchidananda, Sein, Wissen und Glückseligkeit. Das ist die Kerzenflamme. Die Hand oder Schirrm ist der Geist.

Solange drum herum die Upadhis, die begrenzenden Attribute sehr grobstofflich sind, nimmst du nur selten die Freude des Selbst wahr, erkennst du nur selten die Einheit hinter allem, spürst du nur selten Verbundenheit mit allen Wesen, mit der Natur und mit allem. Wenn du aber systematisch praktizierst, und darum geht es in der zweiten der Bhumikas, in Vicharana, dann führt das langsam zum Ausdünnen: Ausdünnen des Egos, Ausdünnen der selbstsüchtigen Wünsche, es führt auch dazu, dass Tamas, das Dunkle, das Grobstoffliche, vermindert wird, das Sattva erhöht wird.

Indem Sattva erhöht wird, Ego reduziert wird, auch die verschiedenen Koshas, die Körper, gereinigt werden, wirst du insgesamt durchlässig. Tanumanasa, du wirst insgesamt rein, durchlässig, transparent. So erfährst du in dir selbst Freude, du erfährst in dir selbst Tiefe der Meditation, du willst das, was gut ist, und du willst anderen Gutes tun. In diesem Sinn, wenn du dauerhaft in Tanumanasa verankert bist, bist du schon ein Meister, eine Meisterin.


Schon die dritte der sieben Bhumikas ist eine fortgeschrittene Stufe. Es kann aber geschehen, dass du vorübergehend auf Tanumanasa kommst, das sind dann die so genannten spirituellen Flitterwochen. Was das alles ist, das kannst du auf den Yoga Vidya Internetseiten noch mehr lesen. Schaue nach unter "Tanumanasa". Gehe auf www.yoga-vidya.de und suche nach "Tanumanasa" und dort siehst du noch viel mehr, worum es geht auf dieser Stufe der spirituellen Evolution und wie du überhaupt zu Tanumanasa hinkommst, denn vor Tanumanasa gibt es Shubheccha und Vicharana. Und nach Tanumanasa gibt es noch Sattvapatti, Asamsakti, Padarthabhavani und Turiya. Also, Tanumanasa – die dritte der sieben Bhumikas. Tanumanasa – transparent werden des Geistes, durchlässig werden, so dass du die höchste Wahrheit, die Freude und die Einheit, die Liebe erfahren kannst und ausdrücken kannst.

Tanumanasa, der ausgedünnte Geist

Artikel von Sukadev Bretz im Yoga Vidya Journal Nr. 27, Herbst 2013

Tanu heißt dünn und manas ist der Geist im Sinne von Gemüt, Psyche, Emotionen und meint in diesem Fall besonders unsere automatischen Reiz-Reaktionsketten, Prägungen, vorgefassten Meinungen, Identifikationen – das ganze Gedankenkarussell, dass sich normalerweise den ganzen Tag in unserem Geist abspielt. Tanumanasa ist ein „Schlank-machen des Geistes“ in dem Sinn, dass diese instinktiven, oft irrationalen Gedanken- und Verhaltensmuster mehr und mehr reflektiert, beherrscht und gelenkt werden. Und das führt natürlich zu einer tiefen inneren Ruhe, einem großen Gleichmut (nicht Gleichgültigkeit!) gegenüber den sich ständig verändernden äußeren Umständen und Situationen.

„Ausgedünnt“ heißt nun nicht, dass man etwas beschränkt oder geistig behindert ist – im Gegenteil, man kann hoch intelligent sein und seine Fähigkeiten stark weiter entwickelt haben -, sondern es bedeutet, der Geist ist durchlässig geworden, wir haben Zugang zu unserem inneren Selbst. Bei Tanumanasa wird der spirituelle Weg nicht nur spannend und erfüllt wie auf Vicharana, nicht nur ein aufregendes Abenteuer, mit Siegen und Niederlagen, sondern in Tanumanasa wird der Weg besonders schön.

Charakteristisch für diese Phase ist, dass man in jeder Meditation regelmäßig den Dhyana-Zustand erreicht, also die vollständige Absorption, ohne konkrete Gedankeninhalte.

Die meisten Menschen bewegen sich in der Meditation zwischen Asana, Pranayama, Pratyahara und Dharana: Manche arbeiten noch an der Sitzhaltung, manche mehr am Atem, manche versuchen immer wieder, den Geist zurückzubringen wenn er denkt, der Raum ist zu kalt, zu warm, die Leute sind zu laut oder zu leise oder was muss ich nachher noch erledigen usw. Und immer wieder bemüht man sich um Konzentration, Dharana.

Dhyana ist, wenn wir in die Meditation hinein fallen und es schön ist. Also man sitzt konzentriert ohne Anstrengung. Ganz leicht. Es sind Glückserfahrungen da, vielleicht sieht man innerlich wunderschöne Lichter, vielleicht hört man subtile Klänge, oder spürt einfach nur ein Gefühl von Energie, Liebe und Geborgenheit.

Auch auf der vorhergehenden Stufe, Vicharana, kann man das ab und zu mal spüren, aber auf Tanumanasa geschieht es regelmäßig.

Ananda und PremaWonne und Liebe als Charakteristika von Tanumanasa

Auf Tanumanasa wird man auch stark erfüllt von Ananda, Wonne, und Prema, Liebe. Nicht vollständig und nicht dauernd, aber doch sehr stark zwischendurch. Man hat in der Meditation Zugang zu dieser inneren Liebe oder der Verbindung zum Göttlichen und das erstreckt sich dann auch in den Alltag. Wenn man hingegen nur in der Meditation schöne Erfahrungen hat, sich aber über alles Mögliche ärgert und aus dem Gleichgewicht kommt, sobald man die Augen aufmacht oder die Wohnung verlässt, dann war die Meditation zwar schön, aber auf Tanumanasa ist man noch nicht erleuchtet.

In der Tanumanasa-Phase wird die Intuition stark und zum wichtigsten Entscheidungsmittel. Natürlich hat jeder Mensch Intuition, und eine ganze Menge Entscheidungen werden intuitiv getroffen, nicht nur von spirituellen Aspiranten sondern auch von Menschen, die auf den Begriff Spiritualität allergisch reagieren. Der Unterschied ist: Auf den vorherigen Bewusstseinsstufen kann die Intuition uns in die richtige Richtung führen, sie kann uns aber auch in die falsche Richtung führen.

Die Intuition kann zum Beispiel gefärbt sein durch eigene unbewusste Inhalte, durch Wunschdenken, Projektionen usw., so dass sie durch Hinterfragen geprüft und ergänzt werden muss: War es wirklich meine Intuition oder vielleicht nur ein Wunsch, den ich hatte oder hat ein Gespräch mit jemandem mich unbewusst dahingehend beeinflusst? Oder es ist eine uralte Sehnsucht, die eigentlich schon überholt ist, die aber jetzt, weil sich die darüberliegenden Spannungen gelöst haben, nochmals an die Oberfläche kommt?

Aber in Tanumanasa übernimmt die Intuition die Hauptfunktion. Man hat durch die Praxis und achtsames Leben über einen langen Zeitraum sein Gemüt weitgehend gereinigt, so dass der Geist wie ein reiner Kristall das spiegeln kann, was tatsächlich ist, ohne subjektive Färbungen. Aus vielen Geschichten von großen Meistern weiß man, dass sie spontan und unvorhersehbar aus dieser höheren Intuition heraus handeln.

Das Gute mögen – ganz natürlich auf Tanumanasa

Tanumanasa ist auch ein Gemütszustand, indem man das mag, was einem gut tut, auch wenn es nicht immer angenehm ist. Manchmal wissen wir, was gut für uns ist, z.B. die Menge an Zucker und Fett, Nikotin oder Kaffee zu reduzieren. Aber wir halten gleichzeitig das, was uns nicht gut tut, trotzdem für angenehm. Oder wir stehen vor der Wahl, ein bisschen die Wahrheit zu verdrehen und uns damit einen deutlichen Vorteil zu verschaffen, oder bei der Ethik zu bleiben und unter Umständen auf einen materiellen Vorteil zu verzichten. Dann kommt es darauf an, wie wir uns entscheiden: Geben wir dem Drang wider besseres Wissen nach, oder gelingt es uns, unseren Vorsätzen treu zu bleiben.

Ist man auf der Tanumanasa-Ebene fest verankert, hat man keine Wahl mehr. Gegen die Ethik zu verstoßen, würde gegen jegliches Gefühl, auch gegen jedes subjektive Mögen, gehen. Das Raga, das Mögen, richtet sich auf das Gute, und zwar nicht nur auf das Gute für mich persönlich, sondern auf das Gute in einem umfassenden, universellen Sinn. Man ist in Einklang mit den Naturgesetzen, den universellen Gesetzen des Kosmos, und kann gar nicht mehr dagegen handeln.

Hochmut kommt vor dem Fall – Prüfungen in Tanumanasa

Tanumanasa ist schon ein recht hohes spirituelles Stadium. Wer dauerhaft darin verankert ist, ist ein spiritueller Meister, eine Meisterin.

Dabei gibt es zwei Hauptgefahren: Zum einen, dass man sich mit diesem erhabenen Zustand identifiziert und sich etwas darauf einbildet. Man fühlt sich besser als andere – alles geht so leicht, und man hat das Gefühl, die anderen sind noch nicht so weit, und fühlt sich dann als der Größte.

Die zweite Gefahr ist, dass man meint, man hätte das höchste Ziel schon erreicht und aufhört, weiter zu praktizieren. In der Meditation hat man Visionen, man fühlt sich in der Nähe Gottes. Aber damit ist es nicht getan. Der Weg geht weiter, wir sind noch längst nicht am Ziel. Das ist manchmal das Problem, wenn jemand ohne tiefere Kenntnis in einen vorübergehenden Tanumanasa-Zustand kommt und dann nicht versteht, dass das noch nicht die höchste Verwirklichung ist.

Auf dieser Ebene ist es also wichtig, bescheiden zu bleiben, liebevoll, verständnisvoll und tolerant mit anderen umzugehen, um Führung zu beten und intensiv weiter zu praktizieren. Sich bewusst zu machen: Alle sind das unsterbliche Selbst, nicht nur ich. Momentan mag ich das besonders erfahren, als einen Segen und eine Gnade, aber ich weiß nicht, ob es weiterhin so bleiben wird. Derjenige, auf den ich jetzt hochmütig herabschaue, kann seine Schwierigkeiten vielleicht bald überwunden haben und dann die nächsten Schritte um so schneller machen.

Siehe auch

Literatur

Seminare

Indische Schriften

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