Adhyaropa

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Adhyaropa: (Sanskrit: अध्यारोप adhyāropa m.) eine falsche Vorstellung, die die Realität verdeckt; Täuschende Zuschreibung einer Eigenschaft; Eigenschaften des einen werden auf etwas anderes übertragen. Shankaras Beispiel vom Seil, das fälschlicherweise im Halbdunkel für eine Schlange gehalten wird, beschreibt dies. Eigenschaften des Selbst werden auf den Körper übertragen.

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Sukadev über Adhyaropa

Niederschrift eines Vortragsvideos (2014) von Sukadev über Adhyaropa

Adhyaropa heißt Täuschung, heißt Übertragung, Adhyaropa heißt auch Überdeckung, täuschende Zuschreibung einer Eigenschaft. Adhyaropa heißt also Projektion, Übertragung, Überdeckung. Adhyaropa könntest du psychologisch deuten und du kannst immer wieder feststellen im Umgang mit anderen Menschen, hast du Adhyaropas. Du stellst dir etwas vor, was der andere Mensch will oder denkt oder von dir denkt, was er getan hat, und er hat es vielleicht nicht getan. Adhyaropa kann auch heißen, in einer Situation. Du bist in einer Situation und stellst dir alles Mögliche vor. Im Vedanta wird Adhyaropa sogar sehr viel noch allumfassender verwendet, dort wird gesagt, die gesamte Welt ist Adhyaropa über Brahman.

Es gibt nur Brahman, das Allumfassende, das Ewige und das Unendliche. Und der eigene Geist macht Adhyaropa und lässt die ganze Welt erscheinen. Es erscheint so, als ob es hier eine Welt gibt. Du kannst dir vorstellen, wenn ich sage, Blume, dann siehst du Blume. Und diese Blumen sind wunderschön. Aber die Vorstellung einer Blume kommt in deinem eigenen Geist. Da ist jetzt nicht etwas wirklich Physisches da, da sind Schwingungen, da ist vielleicht auch Prana dabei, da ist göttliche Manifestation da, da ist Brahman, dass du da etwas siehst, ist Adhyaropa. Das berühmte Beispiel für Adhyaropa ist die so genannte Naga Suya Nyaya, die Analogie zwischen Schlange und Seil. Jemand sieht eine Schlange und in Wahrheit ist es nur ein Seil. Er hat Angst vor der Schlange, obgleich nur ein Seil da ist. Die Vorstellung einer Schlange ist über das Seil drüber gestülpt oder drüber projiziert. Und diese Übertragung und diese Projektion, die nennt sich eben Adhyaropa. Adhyaropa im Kleinen, Adhyaropa im Großen.

Bei einem spirituellen Aspirant zeichnet sich aus, dass er versucht, über Adhyaropa hinauszugehen, er überlegt manchmal: „Ist das, was ich jetzt gerade denke oder was ich interpretiere, was ich meine, ist das bis zu einem gewissen Grad tatsächlich so oder ist es meine Adhyaropa?“ Und so kannst du damit humorvoll umgehen und dich selbst öfters in Frage stellen und damit immer wieder etwas spielerisch mit der Wahrheit umgehen. Also, Wahrheit im Sinne von deinen Vorstellungen. Denn du weißt, letztlich die ganze Welt ist sowieso Adhyaropa und es gibt die kleinen Adhyaropas und das große Adhyaropa. Und öfters mal sei dir einfach bewusst, hinter alles ist nur Brahman, alles ist eine Manifestation Brahmans, alles ist göttlich, auch du bist göttlich, letztlich dein Charakter ist göttlich, deine Persönlichkeit ist göttlich, überall hinter Adhyaropa ist eben das Eine, das Allumfassende, das Göttliche, die kosmische Liebe, das kosmische Bewusstsein.

Swami Sivananda über Adhyaropa

Aus: Swami Sivananda [1]: Vedanta für Anfänger

Adhyaropa bedeutet Überlagerung oder Projektion! Dies ist eines der wichtigsten Prinzipien des Vedanta. Man kann das Studium des Vedanta nicht fortführen, ohne Adhyaropa zu begreifen. In Wahrheit wurde diese Welt niemals erschaffen. Sie ist eine Projektion von Brahman bzw. auf Brahman überlagert. Sie ist nur eine Vorstellung, während Brahman das einzig Existierende ist. Dies ist mit Adhyaropa gemeint. Die fälschliche Projektion wird durch Apavada Yukti (Technik der Verneinung) zurückgenommen.

Du möchtest deinen Freund treffen, aber als du sein Haus erreichst, findest du ihn dort nicht vor. Von den Nachbarn erfährst du, dass er noch beim Einkaufen ist. Also wartest du an seiner Tür auf seine Rückkehr. Dann erblickst du plötzlich jemanden in der Ferne, der deinem Freund ähnelt. Der Geist denkt, dies sei dein Freund. Aber wenn er näher kommt, siehst du, dass es sich doch nicht um deinen Freund handelt. Das ist Adhyaropa.

Selbst wenn es dein Freund gewesen wäre, so hättest du andersherum denken können, dass er nur jemand sein könnte, der ihm ähnelt, weil du dich in der Vergangenheit bereits öfter geirrt hast. Das ist negative Projektion. Ersteres Beispiel war positive Projektion. Beide Fälle haben eine falsche Auffassung über die Gleichheit zweier Dinge gemeinsam. Das ist Projektion bzw. Überlagerung, Adhyaropa.

Adhyaropa resultiert aus der Unwissenheit um die wahre Natur der Dinge. Zum Beispiel verwechseln Menschen ein Seil mit einer Schlange, einen Pfosten mit einem Menschen, Perlmutt mit Silber, Fata Morgana mit Wasser etc. Im dämmrigen Abendlicht verwechselst du das Seil mit der Schlange. Du fürchtest dich. Aber ein Freund kommt mit einer Lichtquelle des Weges und zeigt dir, dass es nur ein Seil ist. Nun schaust du dir die angebliche Schlange nochmals genau an und siehst, dass sie sich nicht bewegt und es sich wirklich um ein Seil handelt. Adhyaropa verschwindet. In diesem Beispiel hat es nie eine Schlange gegeben. Da war immer nur ein Seil. Die Schlange existierte nie, existiert jetzt nicht und wird nie dort sein. Das heißt, weder bevor du die vermeintliche Schlange erblickt hast, noch als du galubtest, sie zu sehen, noch als dein Freund dir mit dem Licht zeigen konnte, dass es ein Seil ist, hat es eine Schlange gegeben.

Warum aber dachtest du, eine Schlange zu sehen, obwohl dort nur ein Seil war? Die Antwort ist jenseits deiner Vorstellungskraft! Du würdest einfach sagen, dass dir das Seil wie eine Schlange vorkam. Genauso sind alle Objekte, die du in dieser Welt erblicken kannst, nur Brahman. Sie waren immer Brahman und werden immer Brahman bleiben. Für einen Jnani existiert die Welt überhaupt nicht. Sie existiert nur für einen Ajnani. Bis die Wahrheit in dir aufsteigt, unterliegst du dem Bann der Unwissenheit. Man sieht verschiedene Objekte. Sie führen zum Gefühl von Schmerz und Freude. Man erlebt Leid und Trübsal. Man ist Vorlieben und Abneigungen unterworfen. Die fünf Sinnesorgane und fünf Tätigkeitsorgane arbeiten permanent und du erkennst verschiedenste Objekte wie Hügel, Berge, Flüsse, Menschen, Tiere und alles andere. Aber wenn du durch die Gnade des Guru und durch unermüdliches Sadhana bis zur inneren Reinigung durch Zuhören, Nachdenken und Meditation die Wahrheit erkennst, dann wird dir die Welt nicht mehr als real erscheinen. Überall wo du hinschaust, wirst du nur Brahman sehen. Dann kannst du niemanden mehr hassen oder nicht mögen, weil du dein eigenes Selbst bzw. Brahman in allen Dingen erkennst. Könntest du dich selbst jemals nicht mögen? Du könntest alles an dir und um dich herum ablehnen, aber nicht dich selbst. Wenn du in allen Dingen dein Selbst erblickst, wen könntest du dann noch hassen? Du wirst eine Verkörperung reiner kosmischer Liebe.

Du suchst ein Seil. Du findest es. Aber im Dunkeln hältst du es für eine Schlange. Du rennst vor ihr weg. Überall sonst im Haus findest du kein Seil. Dein Bruder bringt ein Licht und zeigt dir, dass die Schlange nur ein Seil ist. Jetzt siehst du das Seil. So wie du das Seil in der Schlange selbst erkannt hast, so wirst du Brahman in allen Dingen der Welt erblicken. Du kannst Brahman nicht finden, indem du dich in Berghöhlen zurückziehst. Du musst stattdessen üben, Gott bzw. Brahman in jedem Objekt um dich herum zu erkennen. Wenn du dann in der Lage bist, die den Dingen zugrundeliegende Wahrheit zu erkennen, wirst du nicht mehr irregeleitet sein.

Der höchst erhabene Brahmanishtha Guru, für den es keine Welt gibt, kommt aus seinem höchsten Bewusstseinszustand herab, um den Schüler zu unterweisen. Selbst dann ist er sich seiner wahren Identität als Brahman voll bewusst. Er weiß, dass er selbst und sein Schüler Brahman sind. Durch sein Mitgefühl und seine Liebe schüttet er seine Gnade über den geeigneten Schüler aus, indem er ihm das Wissen um Brahman vermittelt.

Adhyaropa muss gut verstanden sein. Wenn du dieses Prinzip nachvollziehen kannst, wirst du den Vedanta leicht verstehen können. Wenn sich dir die simple Wahrheit erschließt, dass die ganze Welt eine Projektion Brahmans ist, wenn du darüber meditieren kannst „Dieser Körper ist ein Tempel aus fünf Elementen, so wie jedes Haus aus Steinen, Zement, Holz und Eisen besteht; das Selbst in mir ist das Selbst in allen anderen Wesen; der umherirrende Geist ist die Ursache für alles Leid und Unglück“, so wirst du für alle Zeit in Freude, Frieden und ewiger Glückseligkeit verbleiben.

Mögest du auf ewig glücklich in dieser Erkenntnis leben, inmitten von Veränderungen, Freud und Leid dieses geschäftigen weltlichen Lebens. Mögest du in Brahman fest verankert sein – die Grundsubstanz von Körper, Geist und Seele, Jiva (Individuum) und Jagat (Welt), Maya (Illusion) und Ishvara (persönlicher Gott), Ursache und Wirkung!

Copyright Divine Life Society

Siehe auch

Literatur

Weblinks

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Capeller Sanskritwörterbuch über das Sanskritwort Adhyaropa

Adhyaropa , Sanskrit अध्यारोप adhyāropa, falsche Übertragung, (ph).  Adhyaropa ist ein Sanskritwort und bedeutet  falsche Übertragung, (ph). 
Swami Sivananda - Liebe ausstrahlend


Verschiedene Schreibweisen für Adhyaropa

Sanskrit Wörter werden in Indien auf Devanagari geschrieben. Damit Europäer das lesen können, wird Devanagari transkribiert in die Römische Schrift. Es gibt verschiedene Konventionen, wie Devanagari in römische Schrift transkribiert werden kann Adhyaropa auf Devanagari wird geschrieben " अध्यारोप ", in IAST wissenschaftliche Transkription mit diakritischen Zeichen " adhyāropa ", in der Harvard-Kyoto Umschrift " adhyAropa ", in der Velthuis Transkription " adhyaaropa ", in der modernen Internet Itrans Transkription " adhyAropa ".

Zusammenfassung Deutsch Sanskrit - Sanskrit Deutsch

Sanskrit Adhyaropa - Deutsch falsche Übertragung, (ph)
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