Respekt

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Respekt (latein: respectus "Zurückschauen, Rücksicht, Berücksichtigung" bzw. respecto "zurücksehen, berücksichtigen") beschreibt ein positives Gefühl von Wertschätzung, Rücksicht und Achtung für eine Person, oder Institution (beispielsweise eine Religion, oder ein Volk) und kann durch bestimmte Handlungsweisen ausgedrückt werden.

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Respekt kann ein Gefühl der Hochachtung für die speziellen Eigenschaften einer respektierten Person sein (z. B. "Ich habe großen Respekt für ihr Urteilsvermögen"). Man kann eine Person aufgrund seiner Leistungen, seines Charakters, seines Alters, seiner Erfahrung respektieren. Das Gefühl von Respekt steht auch mit einer bestimmten Ethik von Respekt in Verbindung.

Respekt kann man jemandem erweisen, oder von jemandem erwiesen bekommen. Abhängig von den individuellen kulturellen Rahmenbedingungen ist Respekt etwas, was man sich im Laufe der Zeit aufbauen, oder verdienen kann. Ein fürsorglicher und liebevoller Umgang miteinander ist oftmals notwendig um das Gefühl von Respekt zu bewahren oder zu steigern.

Respekt als hilfreiche Tugend

Auszug aus einem Vortrag von Sukadev Bretz

Sukadev Bretz, Gründer und Leiter von Yoga Vidya, Yogalehrer, Meditationslehrer, spiritueller Lehrer, Seminar- und Ausbildungsleiter, Autor mehrerer Bücher. Sukadev Volker Bretz lernte 12 Jahre bei Swami Vishnu-devananda.

Respekt, eine innere Eigenschaft, eine Tugend, die man kultivieren kann. Es ist manchmal natürlich nicht klar, was ist überhaupt eine Tugend und wo ist die Grenze zwischen Tugend und Verhalten. Respekt ist auch eine Fähigkeit, die man hat, Respekt vor anderen Menschen, Respekt vor den Aufgaben, Respekt vor der Natur, Respekt von Gott.

Auf eine gewisse Weise gehört Respekt und Angst irgendwo zusammen. Man kann auch Angst umwandeln in Respekt und man kann manchmal das Gefühl der Angst uminterpretieren in Respekt und schon ist es ein positives Thema. Es gibt ja unterschiedliche Weisen, wie man eine Tugend kultivieren kann, oder wie man auch eine Schwierigkeit abbauen kann.

Angenommen, du leidest unter der einen oder anderen Angst, wie z.B. Lampenfieber, Vorgesetztenangst usw. oder allgemeine Lebensangst, oder du hast irgendwo ein diffuses Gefühl der Ängstlichkeit und der inneren Unruhe, dann kannst du überlegen: "Woher kommt das?"

Du kannst überlegen: "Was sind die Ursachen?" Kindheit, früheres Leben, Geburt, etwaige Erstickungsanfälle, die du vielleicht mal hattest, evtl. Asthma, evtl. irgendwo Enttäuschungen, die du hattest, evtl. mangelndes Urvertrauen in der Kindheit, alles gute Gründe und vermutlich auch Gründe, die ihren Grund haben, um ängstlich zu werden.

Und manchmal hilft es, das zu verstehen, dass du aus dieser Identifikation herauskommen kannst. Zweite Möglichkeit wäre, du kannst die entgegengesetzte Eigenschaft entwickeln, auf gut yogisch heißt das Prati-Paksha-Bhavana-Methode, also die gegensätzliche Eigenschaft entwickeln.

Also Mut und Selbstvertrauen, oder Gottvertrauen, wenn du das entwickelst, wird die Angst weniger. Eine nächste Möglichkeit ist auch, eine als negativ empfundene Fähigkeit, positiv zu interpretieren. Z.B. kannst du Lampenfieber interpretieren als eine Aktivierung, als eine Energie, als ein Gespannt-Sein und Gefreut-Sein.

Denn tatsächlich, Lampenfieber ist z.B. eine Energie und irgendwo, spürst du etwas,- es kribbelt und du spürst es im Bauch, du spürst es in der Kehle, du spürst es überall. Und du kannst dann auch sagen, anstatt es als Lampenfieber zu interpretieren , kannst du sagen: "Das ist freudige Gespanntheit und freudige Erwartung."

Ich war früher mal in einer anderen spirituellen Gemeinschaft, da gab es einen indischen Meister. Und wenn der gekommen ist, dann haben alle irgendwo Energie gespürt und dann haben alle gesagt: "Ah, seine Energie ist jetzt schon da und wir spüren die und wir fühlen das überall."

Irgendjemand kam da mal einer hin und hat gesagt: "Ihr erzählt dort von Energie, eigentlich habt ihr nur Lampenfieber, weil euer Meister kommt." Ich habe ihn irgendwie befremdet angeschaut und nachher ist mir was klar geworden, vielleicht war da auch Lampenfieber. Bis der das gesagt hat, war ich mir dessen nicht bewusst.

Ich habe gedacht, da ist nur diese freudige Erwartung und dieses Energiegefühl, der Meister kommt, wir freuen uns, er ist da. Und im Grunde genommen ist es das gleiche, das Gefühl ist ähnlich, die Interpretation ist eine andere. So ähnlich auch, wenn du Angst vor jemandem hast, du könntest auch sagen: "Ja, da ist Respekt da und es ist auch etwas Gutes, Respekt zu haben."

Und wenn du sagst, "Oh, ich habe Angst vor der Aufgabe", dann sage: "Oh, ich habe Respekt vor der Aufgabe. Ich habe Respekt davor und das ist gut, denn es ist etwas Wichtiges." Also, du kannst öfters mal, wenn du dich erwischst, wo du sagst, "Oh, ich habe Angst", oder du spürst dieses innere Gefühl der Unruhe, dann interpretiere es um, interpretiere es als Respekt und das ist wertzuschätzen.

Anstatt Angst, was natürlich nicht so schön ist, sage: "Ich habe Respekt." Und wenn du dieses Grummeln im Magen hast oder dieses Zusammengezogene in der Kehle, sei dir auch bewusst: "Ich habe Respekt und das ist gut." Oder: "Ich bin freudig aufgeregt und das ist gut." So kannst du also das, was du fühlst, einfach uminterpretieren und vielleicht ist es gar kein Uminterpretieren, vielleicht ist es das, was eigentlich dahinter ist. Natürlich,- Respekt hat auch noch andere Bedeutungen, auf die möchte ich auch hinweisen.

Letztlich,- über Respekt kann auch Vertrauen kommen. Wenn du Respekt ausdrückst, z.B. angenommen, du siehst eine schöne Blume, spüre Respekt vor dem Wunder der Natur. Angenommen,- du schaust eine Kerzenflamme an, es ist ein Wunder, dass eine Kerze brennt. Du kannst auch das mit Respekt sehen.

Wenn du nachts den Sternenhimmel anschaust, spüre diese Ehrerbietung, diese Hochachtung, spüre diesen Respekt. Über diesen Respekt kann dort auch das Herz berührt sein, kann Liebe kommen, ja, du kannst sogar ein Gefühl der göttlichen Gegenwart haben.

Lies das Leben von Heiligen und großen Meistern, oder auch von Menschen, die Großes bewirkt haben, spüre dann diesen Respekt und diese Hochachtung. Und habe Respekt vor dem, was andere Menschen geleistet haben, drücke auch öfters den Respekt aus und sage ruhig: "Was du gemacht hast, finde ich richtig toll."

Nicht so viel kritisieren, nicht so viel schweigen, sondern deinen Respekt ausdrücken. Das ist vielleicht noch besser, als zu loben, jemandem Anerkennung geben, Respekt zu zeigen, das ist etwas Gutes und Wichtiges. Weniger zu sagen: "Ja, der Sukadev hat Recht, andere sollten endlich mal Respekt zeigen und Anerkennung, ich bekomme viel zu wenig Lob."

Du hast das was die anderen sagen nicht in der Hand, aber du hast in der Hand, was du zu anderen sagst und wie du mit anderen umgehst. Aber ein kleiner Tipp, wenn dich mal jemand lobt, anstatt zu sagen, "das habe ich noch gar nicht richtig gemacht, ich hätte es viel besser machen können, außerdem verdient jemand anderes das Lob", anstatt das zu sagen, sage einfach: "Danke!" Dann bekommst du auch mehr Lob, bekommst mehr Anerkennung, bekommst mehr Respekt.

Einfach sagen, "danke", wenn dir jemand Respekt zeigt. Respekt kann auch heißen, in einer Art des Grußes, du kannst nicken. In Indien ist es üblich, die Hände vor dem Brustkorb zusammenzugeben und den Kopf zu senken, oder vor dem Altar sich zu verneigen, so seinen Respekt auszudrücken.

In den meisten Kontexten ist das im Westen nicht übermäßig sinnvoll und hilfreich. Trotzdem,- du kannst selbst überlegen: "Wie kann ich mehr Respekt spüren? Wie kann ich meinem Respekt, Ausdruck verleihen? Wie kann ich mehr Anerkennung zeigen?" Und das hilft, dein Herz zu öffnen. Natürlich,- wie jede Tugend hat auch Respekt ihre Grenzen.

Man sollte nicht sich zu klein machen, manchmal ist auch Respektlosigkeit gegenüber Autoritäten etwas, was wichtig ist. Manchmal braucht es Mut, manchmal braucht es Respekt, manchmal muss man würdevoll und mit Souveränität die Dinge angehen, manchmal muss man mutig Dinge umwandeln, manchmal ist aber auch gut, Respekt zu zeigen.

So interpretiere etwaige Ängste als Respekt um und schaue, ob du das durch Umformulieren und andere Interpretation gut nutzen kannst. Und manchmal ist ein unbestimmtes Gefühl der diffusen Angst und Unruhe einfach ein Energetisiertsein und ein Freudevollsein. Wenn du dann regelmäßig meditierst und Yoga-Übungen machst, dann wirst du sowieso in der Lage sein, immer wieder zur Ruhe zu kommen, zur Gelassenheit zu kommen und abzuschalten.

Respekt und andere Tugenden

In diesem Yoga Wiki werden über 1000 Tugenden und geistigen Eigenschaften beschrieben. Hier einige Erläuterungen, wie man die Eigenschaft der Respekt in Beziehung zu anderen Tugenden und geistigen Eigenschaften sowie in Bezug auf Laster sehen kann:

Ähnliche Eigenschaften wie Respekt

Ähnliche Eigenschaften wie Respekt, also Synonyme zu Respekt sind z.B. Anerkennung, Höflichkeit, Wertschätzung.

Ausgleichende Eigenschaften

Jede Eigenschaft, jede Tugend, die übertrieben wird, wird zu einer Untugend, zu einem Laster, einer nicht hilfreichen Eigenschaft. Respekt übertrieben kann ausarten z.B. in Hochmut, Arroganz, Eingebildetheit. Daher braucht Respekt als Gegenpol die Kultivierung von Demut, Bescheidenheit, Vertrauen, Schicksalsergebenheit, Selbstvertrauen, Wahrhaftigkeit, Selbstbewusstsein.

Gegenteil von Respekt

Zu jeder Eigenschaft gibt es ein Gegenteil. Hier Möglichkeiten für Gegenteil von Respekt, Antonym zu Respekt :

Respekt im Kontext von Tugendengruppen, Persönlichkeitsfaktoren und Temperamenten

Lexikon der Tugenden: Respekt

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Entwicklung von Respekt

Respekt kann man sehen als Tugend, als eine positive Eigenschaft. Vielleicht willst du ja Respekt in dir stärker werden lassen. Hierzu einige Tipps:

  • Nimm dir vor, eine Woche lang diese Eigenschaft der Respekt zu kultivieren. Du kannst nicht mehrere Tugenden auf einmal entwickeln. Aber es ist möglich, jede Woche eine Tugend, eine Eigenschaft, wachsen zu lassen.
Verbeugen- ein Zeichen von Respekt
  • Triff den Entschluss: "Während der nächsten Woche will ich die Tugend, die Eigenschaft, Respekt kultivieren, wachsen lassen, stärker werden lassen. Ich freue mich darauf, in einer Woche ein respektvollerer Mensch zu sein."
  • Nimm dir vor, jeden Tag mindestens eine Handlung auszuführen, die Respekt ausdrückt. Mache jeden Tag etwas, was du sonst nicht tun würdest, was aber diese Tugend zum Ausdruck bringt.
  • Wenn du morgens aufwachst, dann sage eine Affirmation, z.B.: "Ich entwickle Respekt ". Mehr Möglichkeiten zu Affirmationen findest du weiter unten.
  • Am Tag wiederhole immer wieder eine solche Affirmation:
  • Z.B: "Ich bin respektvoll.

Affirmationen zum Thema Respekt

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Affirmationen für mehr Respekt . Unter dem Stichwort "Affirmation" und "Wunderaffirmationen" erfährst du mehr darüber.

Klassische Autosuggestion für Respekt

Hier die klassische Autosuggestion:

  • Ich bin respektvoll.

Im Yoga verbindet man das gerne mit einem Mantra. Denn ein Mantra lässt die Affirmation stärker werden:

  • Ich bin respektvoll. Om Om Om.
  • Ich bin ein Respektvoller, eine Respektvolle.

Entwicklungsbezogene Affirmation für Respekt

Manche Menschen fühlen sich als Scheinheiliger oder als Heuchler, wenn sie sagen "Ich bin respektvoll " - und sie sind es gar nicht. Dann hilft eine entwicklungsbezogene Affirmation:

  • Ich entwickle Respekt.
  • Ich werde respektvoll.
  • Jeden Tag werde ich respektvoller.
  • Durch die Gnade Gottes entwickle ich jeden Tag mehr Respekt.

Dankesaffirmation für Respekt

  • Ich danke dafür, dass ich jeden Tag respektvoller werde.

Wunderaffirmationen Respekt

Du kannst es auch mit folgenden Affirmationen probieren, die Sukadev Volker Bretz als Wunderaffirmationen bezeichnet:

  • Bis jetzt bin ich noch nicht sehr respektvoll. Und das ist auch ganz verständlich, ich habe gute Gründe dafür. Aber schon bald werde ich Respekt entwickeln. Jeden Tag wird diese Tugend in mir stärker werden.
  • Ich freue mich darauf, bald sehr respektvoll zu sein.
  • Ich bin jemand, der respektvoll ist.

Gebet für Respekt

Auch ein Gebet ist ein machtvolles Mittel, um eine Tugend zu kultivieren. Hier ein paar Möglichkeiten für Gebete für mehr Respekt :

  • Lieber Gott, bitte gib mir mehr Respekt
  • Oh Gott, ich verehre dich. Ich bitte dich darum, dass ich ein respektvoller Mensch werde
  • Liebe Göttliche Mutter, ich danke dir. Ich danke dir dafür, dass ich jeden Tag die Tugend Respekt mehr und mehr zum Ausdruck bringe

Was müsste ich tun, um Respekt zu entwickeln?

Du kannst dich auch fragen:

  • Was müsste ich tun, um Respekt zu entwickeln?
  • Wie könnte ich respektvoll werden?
  • Lieber Gott, bitte zeige mir den Weg zu mehr Respekt
  • Angenommen, ich will respektvoll sein, wie würde ich das tun?
  • Angenommen, ich wäre respektvoll, wie würde sich das bemerkbar machen?
  • Angenommen, ein Wunder würde geschehen, und ich hätte morgen Respekt kultiviert, was hätte sich geändert? Wie würde ich fühlen? Wie würde ich denken? Wie würde ich handeln? Als respektvoller Mensch, wie würde ich reagieren, mit anderen kommunizieren?

Gegenseitiger Respekt in einer Gesellschaft

Den Respekt von Einzelpersonen erwerben sich einige Menschen, indem sie eine wichtige soziale Rolle in ihrem Leben spielen oder sie auf irgendeine Art unterstützen. In vielen Kulturen werden Individuen als respektwürdig erachtet, solange sie nicht das Gegenteil beweisen. Respekt äußert sich auch in Höflichkeit, welche sich im Westen durch Redewendungen wie "Dankeschön" zeigt, im Osten durch einfache körperliche Gesten wie eine leichte Verbeugung, ein Lächeln oder direkten Augenkontakt.

Arten von Anzeichen

Sprache

Respekt spiegelt sich, besonders in Bezug auf Einzelpersonen, in vielen verschiedenen Sprachen durch folgende grammatikalische Konventionen wieder: Ein ehrendes Wort oder ein Ausdruck (oft ein Pronomen), welches Respekt vermittelt. Typischerweise werden Höflichkeitsformen für die zweite und dritte Person Singular verwendet; der Gebrauch für die erste Person Singular ist weniger häufig. Einige Sprachen haben anti-höfliche Formen für die erste Person (ähnlich wie "Meine Wenigkeit"), deren Zweck es ist, die relative Ehre aufzuwerten, die der zweiten und dritten Person gewährt wird.

Im Japanischen ist es beispielsweise respektlos im Gespräch mit einer Person mit höherem sozialem Status nicht die höfliche Anrede zu verwenden. Die japanische Anrede "san" kann auch in der englischen Sprache benutzt werden.

In China ist es unhöflich jemanden beim Vornamen zu nennen, es sei denn, man kennt die Person bereits seit langer Zeit. Auch in beruflichen Situationen reden sich die Menschen ausschließlich mit Titel an. Zuhause verwenden sie dafür häufig Spitznamen oder die entsprechenden Verwandtschaftsbezeichnungen füreinander. In der chinesischen Kultur sprechen die Menschen außerdem ihre Freunde entweder mit Junior oder Senior an, auch wenn sie selbst nur wenige Monate jünger oder älter sind. Wenn also ein Chinese jemanden nach dem Alter fragt, tut er dies häufig um zu wissen, wie er die Person ansprechen soll.

Mimik und Gestik

Saraswati

Indien: In manchen Gegenden von Indien ist es aus Respektgründen üblich, dass man sich entschuldigt, wenn man ausversehen mit dem Fuß ein Buch, ein anderes Schriftstück oder das Bein eines anderen berührt hat. Dies tut man, weil die Schriften Saraswati, die Göttin der Weisheit symbolisieren. Die Entschuldigung erfolgt durch eine Handbewegung (Pranāma) mit der rechten Hand, indem man zunächst die Stelle, an der man das Objekt berührt hat, mit den Fingerspitzen anfasst und die Hand dann an die Stirn oder den Brustkorb führt.

Dasselbe gilt auch für Geld, denn es symbolisiert die Göttin des Wohlstands Lakshmi. In der indischen Kultur ist Pranāma, das Berühren von Füßen allgemein ein Zeichen des Respekts, denn sie gelten als die Quelle der Kraft und Energie. Wenn also beispielsweise ein Kind seine Großeltern grüßt, dann berührt des typischerweise ihre Füße mit den Händen. In vielen Ländern, hautsächlich in Afrika und West- Indien wird Respekt durch das Berühren der Fäuste ausgedrückt.

Japan: Einige Gesten, die im Westen sehr verbreitet sind, können in Japan als respektlos gelten. Man sollte also zum Beispiel nicht direkt mit dem Finger auf jemanden zeigen. Wenn man jemanden begrüßt oder ihm dankt, kann es beleidigend sein, wenn die Person mit dem niedrigeren sozialen Status sich nicht tiefer verbeugt als die Person mit höherem Status.

Dauer und Stufe der Verbeugung hängen auch von vielen weiteren Faktoren wie dem Alter ab. Einige Gesten des Respekts gelten ausschließlich für Frauen. So ist es beispielsweise möglich, dass eine Frau als unprofessionell gilt, wenn sie kein Make-up oder keinen BH trägt. Es kann dazu führen, dass andere denken, die Situation sei ihr gleichgültig.

China: Anders als in der japanischen Kultur ist es in der chinesischen Kultur nicht notwendig sich als Teil einer Begrüßung zu verbeugen. Der Akt der Verbeugung ist in China als Zeichen des Respekts für die Stammesälteren, die Ahnen und Vorfahren vorbehalten. Wenn sie sich verbeugen, legen sie die rechte Faust in ihre linke Handfläche und halten die Hände auf Bauchhöhe. Je tiefer dann die Verbeugung ist, desto mehr Respekt wird ausgedrückt.

In der chinesischen Kultur ist Körperkontakt in der Öffentlichkeit nicht sehr verbreitet und kann vor allem im beruflichen Kontext als respektlos angesehen werden. So ist es beispielsweise unhöflich jemandem auf die Schulter zu klopfen oder seinen Arm über die Schultern eines anderen zu legen. Jedoch wird Zuneigung zwischen gleichgeschlechtlichen Freundschaften in Ostasien viel offener gezeigt als im Westen. So ist es zum Beispiel üblich sich an den Händen zu halten oder sich zu umarmen.

Gesten mit den Händen gelten in China schnell als übertrieben und werden deshalb kaum benutzt. Freundlichkeit oder ein Lächeln gegenüber Fremden kann als unverschämt und zu vertraut aufgefasst werden. Deshalb grüßen die Chinesen keine Fremden und lächeln ihnen auch nicht zu. Häufig sieht man auch wie sich chinesische Frauen beim Lachen die Hand vor den Mund halten, denn traditionell galten Frauen, die sehr laut lachten, als ordinär und schlecht erzogen.

Das Händeschütteln war in China traditionell zwar nicht üblich, ist mittlerweile allerdings unter Männern verbreitet, vor allem wenn sie Ausländer grüßen. Diese halten den Händedruck der Chinesen oft für zu schwach und zu lang, aber ein schwacher Händedruck gilt als respektvolle und demütige Geste.

Während der Zeremonien im Tempel ist es üblich sich niederzuknien oder so tief zu verbeugen bis die Stirn den Boden berührt. Sich auf diese Weise unterwürfig zu zeigen ist eine sehr kraftvolle Geste, die für die Ehrung der Toten oder als Ausdruck von tiefem Respekt im Tempel vorbehalten ist.

Für den Umgang zwischen jüngeren und älteren Menschen gibt es zahlreiche Verhaltensregeln um Respekt auszudrücken. Wie in anderen Kulturen auch, wird es von jüngeren Chinesen erwartet den älteren Leuten den Vortritt zu lassen. Sie lassen sie zuerst sprechen, sich zuerst setzen und widersprechen ihnen nicht. Manchmal erheben sich alle Anwesenden, wenn eine ältere Person den Raum betritt, und ältere Menschen werden immer zuerst vorgestellt. Junge Leute halten ihnen die Türen auf und kreuzen ihre Beine nicht vor ihnen. Je älter man in China ist, desto mehr Respekt kann man erwarten.

Indianerstämme: In indigenen amerikanischen Stämmen weicht das Verständnis von Respekt etwas ab, denn es fungiert als ein wichtiges und geschätztes Konzept ihres kulturellen Kontexts. Neben der Bedeutung eines positiven Gefühls von Wertschätzung und Achtung für eine Person, wird respeto, die spanische Übersetzung von Respekt, auch als moralische Wertvorstellung angesehen, die die indigenen Menschen etwas über ihre Kultur lehrt.

Zudem wird sie als Prozess wahrgenommen, welcher die Beteiligung in der Gemeinschaft beeinflusst und außerdem den Individuen hilft, sich zu entwickeln und in die kulturelle Gemeinschaft einzugliedern. Die mit Respekt verbundenen Wertvorstellungen werden bereits während der Kindheit vermittelt, denn das Lernen über die Gemeinschaft und die entsprechende Mitverantwortlichkeit sind ein wichtiger Aspekt der indigenen Kultur.

Respekt als Verhaltensform und Mitverantwortlichkeit während der Kindheit ist besonders wichtig, denn es dient als Grundlage dafür, wie sich das Kind in der Gemeinschaft verhalten soll. So beteiligen sich die Kinder schon früh an erwachsenen Aktivitäten wie dem Kochen für die Familie, dem Putzen des Hauses, der Feldarbeit und der Betreuung von jüngeren Kindern. Die indigenen Kinder lernen ihre Teilhabe an den Aktivitäten als Zeichen des Respekts anzusehen, wodurch sie nicht nur etwas über ihre Kultur lernen, sondern auch ganz praktisch lernen mitzuhelfen.

Siehe auch

Literatur

  • Martin Haase: Respekt. Die Grammatikalisierung von Höflichkeit. 2. Auflage. Lincom, München 1994
  • Richard Sennett: Respekt im Zeitalter der Ungleichheit. Berliner Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-8333-0074-4
  • van Quaquebeke, N./Henrich, D. C./Eckloff, T. (2007). "It’s not tolerance I’m asking for, it’s respect!” A conceptual framework to differentiate between tolerance, acceptance and respect. Gruppendynamik und Organisationsberatung, 38(2), 185-200.

Weblinks

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