Shatsampat

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Shatsampat, auch "Shat Sampat" und "Shatsampad" (Sanskrit: षट्सम्पद् ṣaṭsampad) wörtl.: die sechs (ṣaṣ) Vollkommenheiten (sampad); die sechsfache Tugend: Sama (Gleichmut), Dama (Kontrolle der Sinne), Uparati (das Zurückziehen der Sinne), Titiksha (Duldungskraft), Shraddha (Glaube), Samadhana (geistige Ruhe).

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Diese sechs edlen Tugendenen bilden zusammen als Shatsampat eine der vier Sadhana Chatushtayas (Voraussetzungen für die spirituelle Schülerschaft). Die drei weiteren Eigenschaften sind Viveka (Unterscheidungskraft), Vairagya (Verhaftungslosigkeit) und Mumukshutva (Wunsch nach Befreiung).

Sukadev über Shatsampat

Niederschrift eines Vortragsvideos (2014) von Sukadev über Shatsampat

Shatsampat besteht aus zwei Wörtern: "Shat" heißt sechs, "Sampat" heißt Reichtum, Wohlstand. Shatsampat sind die sechs Reichtümer, die Shankaracharya beschrieben hat. Shatsampat ist eine der vier Sadhana Chatushtayas. Chatushtaya ist die Vierheit. Sadhana steht für das Sadhana. Sadhana Chatushtaya besteht aus Viveka – Unterscheidung, Vairagya – Verhaftungslosigkeit, Nicht-Anhaften, Shatsampat – die sechs edlen Tugenden, und als viertes dann Mumukshutva, der intensive Wunsch nach Befreiung. Hier geht es also um Shatsampat. Das Konzept der Shatsampat stammt von Shankaracharya und auf vielen Bildern wird Shankaracharya eben dargestellt mit einer Kopfbedeckung, ein Tuch, das er über den Kopf gewunden hat.

Shatsampat sind die sechs edlen Tugenden: Shama, Dama, Uparati, Titiksha, als fünftes folgt dann Shraddha und als sechstes Samadhana. Zunächst ist dort also Shama. Shama heißt Ruhe des Geistes, man kann auch sagen, Geisteskontrolle. Dann folgt Dama und das heißt Sinneskontrolle. Dann folgt Uparati, Meiden dessen, was nicht zuträglich ist. Viertes ist Titiksha, etwas aushalten können, Duldungskraft. Fünftes ist Shraddha, Vertrauen. Und sechstes ist dann Samadhana, Gleichmut und Gelassenheit. Es gibt verschiedene Weisen, das zu erläutern und Shankaracharya hat im Viveka Chudamani für jede dieser Tugenden eine Definition gegeben. Diese kannst du auch nachlesen auf www.yoga-vidya.de. Gib dort ein den Ausdruck „Shatsampat“, dann landest du auf einem Artikel über Shatsampat, und dort findest du die einzelnen genauer erläutert.

Hier will ich gerade eine der vielen Interpretationen geben, wie sie Swami Krishnananda, ein Schüler von Swami Sivananda, gerne gegeben hat, und wie Shri Karthikeyan, ein Schüler von Swami Krishnananda, das auch weitergegeben hat. Angenommen, du kommst in eine schwierige Situation, du hast vielleicht irgendeinen Wunsch oder irgendwas geht nicht so gut, wie du es gerne hättest, dann gilt es als erstes, Shama zu üben. Shama heißt hier Ruhe des Geistes, bleibe gelassen, was auch immer geschieht.

Wenn es dir nicht gelingt, Shama zu halten, Gelassenheit, dann übe wenigstens Dama, Sinnesbeherrschung. Das heißt, wenn die Wut in dir aufsteigt, wirf nicht mit Gegenständen, brülle nicht einfach herum, sondern beherrsche wenigstens dein Äußeres. Wenn du merkst, das wird schwierig, dann übe Uparati, meide die Situation, sage eventuell: „Entschuldigung, ich muss gerade mal kurz raus.“ Du musst ja nicht erklären, warum, aber ehe du dich unglaubwürdig machst, indem du plötzlich laut rumschimpfst, ist es klug, den Raum zu verlassen.

Oder angenommen, du hast dir vorgenommen, keine Schokolade mehr zu essen, dann kannst du das auch damit verbinden, dass du vielleicht nicht an dem Lieblings-Schokoladengeschäft vorbeigehst oder im Naturkostladen eben nicht bei den Schokoladenregalen vorbeigehst, sondern diese meidest, Uparati. Das nächste ist Titiksha. Titiksha heißt aushalten können, heißt auch Duldungskraft. Titiksha heißt auch mal, Frustrationen aushalten zu können. Wenn du dir etwas vornimmst, dann wird es manchmal schwierig sein, und du fühlst dich vielleicht ein bisschen frustriert. Das musst du das aushalten können, Titiksha. Und manchmal nimmst du dir etwas vor und dir gelingt es nicht, das Gefühl der Niederlage musst du auch aushalten können, auch das ist Titiksha, so dass du danach wieder von vorne anfangen kannst.

Schließlich kommt Shraddha. Shraddha ist das große Vertrauen, wenn du lange genug etwas übst, dann wirst du schon vorankommen, dann wird es schon gelingen. Schließlich folgt dann Samadhana. Samadhana heißt dann die tiefe Gelassenheit, die eine Konsequenz ist, wenn du die fünf vorigen Shatsampats geübt hast. Shatsampat sind also die sechs edlen Tugenden. Shatsampat sind die sechs Reichtümer. Shatsampat sind die sechs Dinge, die wirklich wertvoll sind. Und diese sind eine der vier Sadhana Chatushtayas.

Letztlich laufen alle Shatsampats hinaus auf Gelassenheit und geistige Ruhe, die Fähigkeit, ruhig zu bleiben, inmitten der Höhen und Tiefen des Lebens. Das ist auch ein Zeichen eines spirituellen Aspiranten, ihm gelingt es, ruhiger und gelassener zu bleiben, was auch immer geschieht. Kultiviere dabei also Shatsampat, so näherst du dich der höchsten Verwirklichung, Atman Jnana, der Erkenntnis des Selbst.

Shatsampat - die sechs Schritte zur Gelassenheit

Niederschrift eines Podcasts (2014) von Sukadev The media player is loading...

Wenn im Yoga von Gelassenheit gesprochen wird, bezieht man sich oft auf Shatsampat, die sechs edlen Tugenden, die auch "Sarmashatakham" – die sechs Schritte zur Gelassenheit genannt werden. Man findet diese, falls du historisch interessiert bist, in Werken von des großen Yogameisters Shankaracharya um 800 nach Christus. Insbesondere in den Werken "Viveka Chudamani" und "Atma Bodha". Diese sechs edlen Tugenden oder die sechs Schritte zur Gelassenheit sind 1. Sama – die Übung der geistigen Ruhe, 2. DharmaSinnesbeherrschung, 3. Uparati – aus dem Weggehen, meiden, 4. Titiksha – etwas aushalten können, 5. ShraddhaVertrauen, 6. Samadhana – tiefer Geisteszustand der Gelassenheit.

Ich folge hier jetzt einer Interpretation des Meisters Sri Kartikeyan. Es gibt auch hochtrabendere Interpretationen dieser sechs Schritte, aber die Interpretation, der ich jetzt hier folge ist eine sehr praktische. Als erstes möchte ich über die Übung der geistigen Ruhe, Shama, sprechen. Angenommen, es passiert etwas, das dich aufregt - dann kannst du sagen: "Ich nehme das als Übung der geistigen Ruhe." Ich will es jetzt lernen, in dieser Situation gelassen zu bleiben. Falls du merkst, es gelingt dir nicht, die innere geistige Ruhe zu behalten, dann ist es gut, wenigstens deine Sinne zu beherrschen. Also nicht laut rauszuschreien und auch nicht den anderen zu bekämpfen, oder sogar körperliche Gewalt zu üben. Ich glaube, dass dürfte recht klar sein.

Es ist nicht immer einfach, ruhig und gelassen zu bleiben, aber wenn Sama schon nicht geht, dann wenigstens Dama. Wenn absehbar ist, dass du deine Sinne nicht beherrschen kannst, dann kannst du Uparati üben. Das heißt, du gehst der Situation aus dem Weg. Du meidest das, was dich aufregt, notfalls gehst du einfach weg. Der vierte Schritt wäre Titiksha, etwas aushalten können. Zum einen heißt es, du hälst es aus, dass du eine gewisse Niederlage erlitten hast, dass die Übung der geistigen Ruhe nicht gelungen ist, du musstest aus dem Weg gehen, weil du wusstest, du hättest es nicht geschafft. Titikhsha kann auch heißen, du hälst es aus, dass du ein Gefühl von Frust hast, dass du innere Aggression empfindest. Du lernst, mit diesen Gefühlen umzugehen. Im weiteren Sinne heißt natürlich auch Titiksha, dass du es aushälst, wenn Dinge nicht so laufen, wie du sie gerne hättest.

Der fünfte Schritt wäre Shradda. Du hast ein Vertrauen. Ein Vertrauen, dass es dir langfristig gelingen wird, deinen Geist zur Ruhe zu bringen, dass es dir langfristig gelingen wird, Gelassenheit zu üben. Du hast ein Vertrauen, dass die Dinge, wie sie sich entwickeln, irgendwann gut werden, eigentlich jetzt schon gut sind. Du hast ein Vertrauen, dass, was auch immer kommt, für dein spirituelles Voranschreiten und deine Persönlichkeitsentwicklung gut ist. Du hast ein Vertrauen, dass die Menschen mit denen du zu tun hast, auch tief im Inneren gut sind. Ich will das an drei Beispielen zeigen.

Erstes Beispiel: Schokoladenkuchen

Angenommen, du hast dir vorgenommen, du willst nicht so häufig Schokoladenkuchen essen. Vielleicht hast du eine Gewohnheit entwickelt, immer wenn du von der Arbeit nach Hause gehst, kommst du an einer Konditorei vorbei und isst einen Schokoladenkuchen. Du merkst, das ist nicht gut für deine Figur. Du weißt, zu viel Schokolade ist auch nicht gut für den Geist. Diese Zucker-Fett-Gemische sind nicht gut, weder für die Gesundheit noch für die Psyche. Vielleicht hast du dir sogar vorgenommen, du willst Veganer werden und in Schokoladenkuchen ist ja meistens Milch und manchmal sind auch Eier dabei. Was auch immer der Grund ist, du magst dir sagen: "Ich will keinen Schokoladenkuchen mehr essen."

Angenommen, du würdest Sama üben, und du gehst am nächsten Tag von der Arbeit zurück, an deinem Café vorbei und du siehst den Schokoladenkuchen. Du merkst, ah da kommt der [Wunsch] danach, dann bringst du deinen Geist zur Ruhe und gehst einfach daran vorbei. Angenommen, du beherrschst Sama – dann gehst du vorbei, und es macht dir nichts weiter aus. Wahrscheinlicher ist, dass du zwar an dem Schokoladenkuchen vorbeigehst, aber innerlich dann den Wunsch hast, den Schokoladenkuchen zu essen. Dann gilt Dama, die Beherrschung der Sinne. Auch wenn das Verlangen, der Wunsch danach stark wird, sogar sehr stark wird, gehst du trotzdem nicht ins Café. Du beherrschst deine Sinne. Und auch wenn du an der nächsten Konditorei vorbeikommst, gehst du trotzdem vorbei.

Wenn du weißt, du wirst das vermutlich nicht schaffen oder wenn du schon zwei Mal trotzdem ins Café gegangen bist, kannst du dir vornehmen Uparathi zu üben und dem Ganzen aus dem Weg zu gehen. Du wählst beim nächsten Mal einen Weg der nicht an einem Schokoladenkuchen vorbeigeht, nicht an einer Konditorei oder an einem Café. Uparathi also heißt du gehst geschickt mit dir um, und du gehst daran vorbei. Das nächste wäre Titiksha. Du hälst durchaus den gewissen Frust aus, den du hast. Du wolltest einen Schokoladenkuchen, hast ihn nicht gegessen und irgendwie fühlst du dich unbefriedigt. Titiksha heißt, du hälst das aus. Titiksha heißt auch, angenommen du hast den Schokoladenkuchen gegessen, dann hälst du dieses Gefühl der Niederlage aus, und du fängst trotzdem neu an. Du weißt, Rom ist nicht an einem Tag gebaut worden und steter Tropfen höhlt den Stein. Wenn es beim ersten Mal nicht klappt, dann machst du es beim zweiten Mal. Wenn es beim zweiten Mal nicht klappt, dann beim dritten Mal.

Und wenn du dir zu viel vorgenommen hast, dann nimm dir vielleicht etwas weniger vor. Titikhsha, du hälst etwas aus und daraus kommt natürlich Vertrauen. Irgendwann wird es dir schon gelingen. Du kannst darauf vertrauen, dass dieser innere Frust schon von selbst verschwinden wird. Du kannst darauf vertrauen, dass die Übung der Gelassenheit langfristig Erfolg haben wird. Wenn du das lang genug übst, dann kommt schließlich Samadhana, der tiefe Zustand der Gelassenheit gegenüber Schokoladenkuchen. Wenn du längere Zeit keinen Schokoladenkuchen gegessen hast, dann macht es dir nichts mehr aus, ihn zu sehen. Du hast einen tiefen Geisteszustand der Gelassenheit entwickelt.

Zweites Beispiel: Auseinandersetzung mit einem Kollegen

Angenommen, du hast eine Auseinandersetzung mit einem Kollegen. Es geht um etwas, wo du angeblich etwas gemacht hast, und du bist der Meinung, er hat es gemacht, und es hätte nicht geschehen sollen. Ihr streitet euch. Sama hieße Übung der geistigen Ruhe. Du bleibst dabei gelassen. Du merkst ein Kollege ist aufgeregt, du merkst dein Kollege hat sich geärgert, du merkst, dein Kollege ist ärgerlich über dich. Du bewahrst aber innere Ruhe, du nimmst das als Gelegenheit zur inneren Ruhe. Du freust dich darüber, dass du eine Gelegenheit hast, innere Ruhe zu entwickeln. Falls du merkst, mit der inneren Ruhe ist es nicht so weit her, dann kannst du Dama üben, Sinnesbeherrschung. Wenigstens schreist du nicht, wenigstens wirst du nicht körperlich gewalttätig werden. Du versuchst in gemessenen Worten zu sprechen oder so wie es angemessen ist.

Übe Uparati, wenn du merkst, du verlierst gleich ganz die Fassung und du würdest Sachen sagen, die du nachher bereust. Du könntest so das Verhältnis zu deinem Kollegen dauerhaft stören. Dann findest du eine Ausrede, der Auseinandersetzung mit dem Kollegen aus dem Weg zu gehen. Du kannst sagen, entschuldigen Sie, ich muss jetzt etwas anderes machen, ich muss jetzt irgendwo anders hingehen, oder ich muss mal aufs Klo oder was auch immer. Also Uparati, aus dem Weg gehen. Gerade dann, wenn du dich kennst, erkenne, ja, jetzt gilt es vielleicht aus dem Weg zu gehen.

Titikhsha, du hälst etwas aus. Du hälst es aus, weil danach eine innere Unruhe ist, du hälst auch das Gefühl der Niederlage aus, dass du nicht so gelassen sein konntest. Du hälst es aus, dass du vielleicht doch nicht so gesprochen hast, wie du gerne sprechen wolltest. Und Shrada – du hast Vertrauen, mittel- und langfristig wird es dir gelingen, den Geist zur Ruhe zu bringen. Du hast Vertrauen, auch wenn du jetzt unruhig bist, dass du wieder zur Ruhe kommen wirst. Du hast auch Vertrauen, dass nichts Schlimmes passiert ist, auch wenn du jetzt mal ungeschickt gehandelt hast, und du hast Vertrauen, alle Menschen meinen es letztlich irgendwie gut, auch wenn es oft nicht gut rüberkommt. Du hast das Vertrauen, dass die Situationen so sind, dass du daran wachsen kannst. Eine Konsequenz von all dem kann Samadhana sein, ein tiefer Geisteszustand der Gelassenheit.

Wenn du das schrittweise übst, wirst du lernen, im Umgang mit Kollegen gelassen zu sein, und es macht dir nichts mehr aus. Gerade wenn du einen Kollegen hast, mit dem du oft streitest, gerade wenn du einen Kollegen hast, der dich nervt. Gerade dann ist das eine gute Übung, und du kannst es erreichen, unter diesen Umständen gelassen zu sein. Und jede Situation und jeder Mensch, mit dem du gelassen umgehen kannst, ist eine Weiterentwicklung auf dem Weg zur Gelassenheit.

Drittes Beispiel: Streit mit deinem Partner

Du könntest mit deinem Partner einen Streit darüber haben, wer den Abfall wegräumt. Nehmen wir an, du hast mit deinem Partner ausgemacht, dass er den Abfall täglich runterbringt und du stellst fest, er hat ihn nicht runter gebracht. Der erste Schritt wäre, Sama, Übung der geistigen Ruhe. Du nimmst es als eine Übung der geistigen Ruhe, dass dein Partner das eben nicht macht. Du versuchst, gleichmütig zu sein, ihn freundlich daran zu erinnern. Ihn vielleicht mit Humor daran zu erinnern. Wenn du merkst, so ganz gleichmütig kannst du nicht sein, dann versuchst du wenigstens Sinnesbeherrschung zu üben. Also nicht furchtbar zu schimpfen, nicht Türen zu schlagen, nicht mit Gläsern und mit Tellern zu werfen. Du versuchst, deine Sinne zu beherrschen. In der Partnerschaft musst du dich vielleicht nicht ganz so beherrschen, da ist ein Ausdruck von Ärger durchaus möglich und auch in der Partnerschaft ist mehr Emotionalität oft auch gut, aber zumindest bewirfst du niemanden. Oder du boxst und schlägst erst recht nicht. Ich glaube das letzte sollte selbstverständlich sein.

Wenn du merkst, dich nervt das jetzt zu sehr, und der Beginn der Auseinandersetzung ist schon zu schwierig, oder dein Partner sieht es nicht ein, dann sagst du nur ein paar Worte und findest dann einen guten Grund, ihm vorübergehend aus dem Weg zu gehen. Meistens reicht es ja aus, jemanden daran zu erinnern. Im Normalfall wird er das schon machen. Er wird sich vielleicht dagegen wehren und wird Begründungen finden, aber wenn man etwas freundlich gesagt hat, oder auch nicht freundlich, muss man die Sache nicht immer ausdiskutieren. Manchmal hilft es, aus dem Weg zu gehen - manchmal, aber nicht immer. Manchmal muss man auch ausdiskutieren.

Im vierten Schritt geht es darum, etwas aushalten zu können. Das heißt auch aushalten zu können, dass dein Partner nicht so ist, wie du ihn gerne hättest, aushalten zu können, dass auch du selbst nicht immer so bist, nicht so reagierst, wie du es gerne hättest, aushalten zu können, dass immer wieder neue Herausforderungen kommen. Shrada, Vertrauen, dass du langfristig geistige Ruhe erreichen kannst. Vertrauen, dass dein Partner, auch wenn er sich nicht so verhält, wie du es gerne hättest, dich doch liebt und dass ihr zusammengehört. Vertrauen, dass letzlich die Dinge so geschehen, wie sie geschehen sollen. Schließlich Samadhana, tiefer Geisteszustand der Gelassenheit. Du lernst deinen Partner so zu nehmen wie er ist, du erinnerst ihn vielleicht ab und zu mal an etwas oder tust auch manchmal so, als ob du ärgerlich bist, aber tief im Inneren erheitert dich das. Du hast einen heiteren Gemütszustand der Gelassenheit gegenüber der Nachlässigkeit oder Vergesslichkeit deines Partners, was den Müll betrifft. Und jedes Mal wenn es dir gelingt, gegenüber etwas in den Zustand von Samadhana zu kommen, hast du insgesammt die allgemeine Samadhana in dir entwickelt. So ist jede Übung gut, und jede Übung hilft, stärker in die Gelassenheit zu kommen.

Das Konzept des Shatsampat entstammt von Shankaracharya, wie ich vorher gesagt hatte. Und er nennt Shatsampat als Teil des "Sadhana Chatushtaya", der vier Eigenschaften eines Aspiranten. Shankara ist ja ein Vedantalehrer. Es geht darum, die höchste Erkenntnis zu bekommen. Es geht darum, die Einheit mit dem Unendlichen zu erfahren, deine wahre Natur zur erkennen. Um diese zu erkennen gilt es, Klarheit des Geistes zu haben. Um Klarheit des Geistes zu haben, gilt es, die sechs Tugenden des Gleichmuts zu üben. So ist Shatsampat als Ganzes eine der vier Eigenschaften des Aspiranten. Die drei weiteren sind Viveka – die Unterscheidung, sind Vairagya – das Loslassen, die Verhaftungslosigkeit, das Nichtanhaften und Mumukshutva, der intensive Wunsch zur Befreiung.

Siehe auch

Literatur

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