Tamas

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Tamas (Sanskrit तमस् tamas n.) ist einer der drei Gunas (Eigenschaften der Natur). Es hat den Charakter von Dunkelheit und Trägheit, ist verdunkelnd, dicht und kondensiert; es entspricht der Unwissenheit (Avidya) und ist die Kristallisierung einer mit Rajas-Eigenschaften behafteten Energie, deren Essenz Sattva ist.

Tamas überwiegt gerade bei schlafenden Studenten

Beschreibung Tamas

Tamas manifestiert sich im Menschen als Trägheit und Ignoranz; diese Eigenschaften binden ihn durch die Verhaftung an die dadurch erfahrene Täuschung an die Welt der Manifestation Maya. Es gibt keinen reinen Zustand des Tamas ohne die beiden anderen Gunas Rajas und Sattva, da sich die Welt der Manifestation (Maya) aus den drei Gunas zusammensetzt. Solange ein Mensch an Maya und damit an irgendeinen der Gunas verhaftet ist, bleibt er gefangen. Er muss zuerst mit Hilfe von Rajas den Zustand von Tamas überwinden, und dann Rajas mit Hilfe von Sattva zu überwinden um sich schließlich selbst von Sattva zu befreien wenn er die völlige Befreiung (Mukti, Moksha) erreichen will.

Sukadev über Tamas

Niederschrift eines Vortragsvideos (2014) von Sukadev über Tamas

Tamas ist das, was nach unten bringt. Tamas ist das, was dich grob macht. Tamas ist das, was dich in der Unwissenheit hält. Als spiritueller Aspirant versuchst du, weniger tamasig zu sein, dein Sattva zu erhöhen. Zunächst gilt es, Tamas, die Trägheit, die Dumpfheit und die Verblendung, zu überwinden, eventuell durch mehr Rajas, durch Aktivität, indem du dir Ziele setzt, indem du aktiv wirst, indem du einiges tust.

Dann gilt es aber auch, auch über diese Aktivität hinauszuwachsen, zu Sattva zu kommen, zur Reinheit, zur Helligkeit, zur Offenheit. Es hilft manchmal, dir bewusst zu sein: „Ah, da ist Tamas“. Anstatt zu sagen, „mir geht es so schlecht und ich bin total kaputt“, kannst du sagen: „Ah, Tamas überwiegt gerade in meinem Prana. Ah, ich erlebe gerade einen tamasigen Gemütszustand. Ah, der Energielevel ist tamasig, vermutlich werde ich auch Dinge nicht klar sehen und deshalb ist auch das tamasig.“ Daher gilt es, dich nicht damit zu identifizieren. Wenn du sagst, „mir geht es so schlecht, ich bin so kaputt“, dann bist du es, dann wird es schwierig, dort herauszukommen.

Wenn du aber sagst, „Gemütszustand ist in Tamas“ oder „Energiezustand ist in Tamas“, dann kannst du da auch herauskommen. Da gilt es, den Energiezustand zu ändern, Gemütszustand zu ändern. Dann weißt du: „Ich bin nicht Tamas, ich bin in einem Gemütszustand, Gemütszustand ist änderbar.“ So also, das Konzept von Sattva, Rajas und Tamas hilft, dich weniger zu identifizieren, hilft, mehr zum Raja zu werden, zu jemandem, der nicht zum Sklaven seiner Stimmungen wird, sondern derjenige, der erkennt und letztlich auch gestalten kann. So wirst du zu jemandem, der Swaraja ist, sich selbst beherrschen kann, sich selbst steuern kann. Also, Tamas – Dunkelheit, Trägheit, Verblendung, Dumpfheit, etwas, was man als spiritueller Aspirant überwinden kann und sollte.

Sukadev über Tamas - Die Trägheit überwinden

Ein Wolf der gähnt. Tamas überwiegt. Copyright

Ich will etwas lesen aus der „Bhagavad Gita", dem Zwiegespräch zwischen Krishna, den Lehrer, Inkarnation Gottes, und Arjuna, dem Schüler. Wir sind im 14. Kapitel, und im 14. bis 15. Vers beschreibt Krishna etwas über Sattwa, Rajas, Tamas und welchen Einfluss das auf das nächste Leben hat:

"Wenn der Verkörperte dem Tod begegnet, während Sattwa vorherrscht, gelangt er zu den makellosen Welten derer, die das Höchste kennen. Wer in Rajas auf den Tod trifft, wird unter denen wiedergeboren, die an Handlung verhaftet sind, und wer im Tamas stirbt, wird im Schoss der Vernunftlosen wiedergeboren."

Drei Gunas: Sattwa, Rajas, Tamas. Sattwa: Erhabenheit im Sinne von Licht, Erkenntnis, Liebe, Mitgefühl. Rajas: Gier und Handlung, Aktivität, Unruhe, Getriebenheit. Tamas: Trägheit, Verblendung und irgendwo Dunkelheit.

Nach der Karma und Reinkarnationslehre, die Krishna hier lehrt, heißt es, dass die letzten Gedanken, die wir vor dem Tod haben, einen großen Einfluss darauf haben, ob und wo wir nach dem physischen Tod wiedergeboren werden. Wenn wir mit einem sattwigen Gemüt sterben, also voller Liebe, Mitgefühl, Erkenntnis und Licht sind, dann kommen wir im nächsten Leben zu einer Inkarnation, wo wir relativ zügig auf dem spirituellen Weg voranschreiten können.

Wenn wir als letzte Gedanken haben: "Oh, das hätte ich noch erreichen müssen, jenes hätte ich noch erreichen müssen und was passiert jetzt mit dem, was ich angefangen habe?", dann führt das dazu, dass wir im nächsten Leben dort geboren werden, wo Menschen sind, die an Handlung verhaftet sind. Wenn wir mit dem letzten Gedanken sterben: "Oh, wie war doch mein Leben so schlimm und was war alles so schlimm gewesen", dann werden wir im nächsten Leben in Menschen geboren, in einer Umgebung geboren, wo viele Menschen diese Gedanken, diese Depressionen haben. Zumindest sagt Krishna das in diesem Vers.

Für uns bedeutet das jetzt konkret: Es ist gut, wenn wir uns in diesem Leben um Sattwa bemühen. Uns in diesem Leben um Sattwa zu bemühen, hat sowohl einen sofortigen Effekt: Wir spüren eine wunderbare Wirkung auf Körper, Seele und Geist, z.B. wenn wir uns von Vollkornprodukten ernähren, von Obst und Gemüse, wenn wir auf unsere Kleidung achten, wenn wir Asanas und Pranayama sowie Meditation üben, wenn wir positive Beziehungen pflegen usw. Dann sind wir Licht durchflutet und haben viel Prana, um schon in diesem Leben dem Höchsten näher zu kommen oder es zu verwirklichen.

Uns um Sattwa zu bemühen hat auch einen weiter entfernten Effekt, nämlich im nächsten Leben, in eine sattwige Umgebung geboren zu werden. Was Krishna in diesem Vers sagt, kann uns trösten, kann uns eine stärkere Verbundenheit mit Gott spüren lassen und gibt uns Hoffnung, wenn wir es in diesem Leben noch nicht geschafft haben, Sattwa ganz zu erreichen, wir im nächsten Leben gute Voraussetzungen haben, es zu schaffen. Genauso wäre es mit Rajas und Tamas.

"Die Frucht guten Handelns ist sattwig und rein. Die Frucht von Rajas ist Schmerz, und Unwissenheit ist die Frucht von Tamas".

Noch ein weiterer Aspekt, den Krishna anführt, um uns zu einem sattwigem Handeln zu ermutigen. "Die Frucht guten Handelns". Also: Wenn es uns schon nicht gelingt, wirklich ganz sattwig zu sein, können wir mindestens sattwig handeln. Wir können versuchen, anderen Gutes zu tun, wir können versuchen, unsere Aufgaben gut zu erfüllen. Wir können probieren, liebevoll zu sein. Wir können probieren, die Dinge, die wir haben, mit anderen zu teilen. Es ist manchmal ein Problem, dass Menschen sagen: "Ich würde ja gerne andern helfen, aber irgendwo, ich warte noch, dass mein Herz da ganz dabei ist". Und manche warten dann Jahre und vielleicht Jahrzehnte, denn "Ja, es wäre ja gut, wenn ich Gutes tun würde und nicht nur für mich selbst und für meine engste Familie, sondern wenn ich in größerem Masse was Gutes tue, aber ich muss erstmal warten, bis die Mission da ist, bis der richtige Augenblick da ist, bis mein Herz ganz da ist".

Diese Menschen warten dann zum Teil sehr lange, vielleicht ihr ganzes Leben lang. Wir brauchen aber nicht wirklich so lange zu warten. Wir können in diesem Leben schauen, wo wir etwas tun können. Indem wir etwas tun, was gut ist, entsteht auch dieses Sattwa im Herzen und breitet sich im Herzen immer weiter aus. Nicht umsonst hat Swami Sivananda in einem seiner Leitsprüche gesagt: „Diene, liebe, gib, reinige dich, meditieren und verwirkliche.“ Auf die Reihenfolge kommt es an: Zuerst soll man dienen, dann lieben. Denn aus Dienen heraus entsteht auch Liebe. Dann wird die Handlung tatsächlich sattwig.

Noch der letzte Vers: "Aus Sattwa entsteht Erkenntnis, und Gier entsteht aus Rajas, aus Tamas entstehen Unachtsamkeit, Täuschung und Unwissenheit".

Tamas in der Bhagavad Gita

14-10 Devanagari Bhagavad Gita 14. Kapitel 10. Vers rajas tamas cabhibhuya sattvam bhavati bharata rajah sattvam tamas caiva tamah sattvam rajas tatha 14-10 Sattwa herrscht vor, oh Arjuna, wenn Rajas und Tamas in den Hintergrund getreten sind.

Sukadev sagt dazu folgendes: Es sind also immer alle drei Kräfte im Menschen vorhanden und alle drei haben ihren Sinn. Mal herrscht die eine vor und mal die andere, während die anderen beiden weniger stark sind. Sie sind nicht verschwunden, sondern in dem Moment nicht so im Vordergrund.

Swami Sivananda über Rajas, Tamas und Sattva

Satva, rajas und tamas sind die drei gunas oder Eigenschaften des Geistes. Satva ist Reinheit oder Licht des Wissens. Rajas ist Leidenschaft oder Aktivität. Tamas ist Trägheit oder Dunkelheit. Durch das in Schach halten von rajas und tamas könnt ihr satva steigern. Wenn das satva gesteigert ist, wird der Geist ruhig wie die Flamme einer Lampe an einem windstillen Platz. Wer satvisch ist, kann wahre Konzentration und Meditation ausüben und leicht in Samadhi (überbewußter Zustand) eintreten. Ein rajasischer Mensch liebt die Macht und Sinnes-Objekte. Ein tamasischer Mensch führt auf Grund seiner Unwissenheit brutale Handlungen aus. Satva kann nicht für sich selbst stehen. Es ist vermischt mit dem störenden rajas und tamas. Wenn es ein Übergewicht von satva gibt, können rajas und tamas kontrolliert werden. Dennoch lauern sie ständig im Geist.

Wo es eine Steigerung von satva gibt, ist Glanz, Helligkeit, Freude, Reinheit, Stärke, Frieden und Erleuchtung. Eure wichtige Pflicht ist es, satva zu steigern und die Sinne und den Geist zu kontrollieren. Andere Pflichten sind nur zweitrangig. Nur ein vernünftiger Mensch kann diesen Punkt verstehen.

Auch Katzen kennen den tamasigen Zustand

Der Geist wandert (ksipta) und ist schwankend durch die störende Energie von rajas (Leidenschaft), welche den Geist hinter zahlreichen Sinnes-Objekten hinterher rennen lässt. Der Geist wird vergesslich (mudha), wenn er mit tamas (Trägheit) gefüllt ist. Aufgrund eines Übermaßes an tamas kommt tiefer Schlaf hinzu.

Gott Shiva und Tamas

Shiva als Teil der göttlichen Trinität Brahma - Vishnu - Shiva manifestiert sich als der Zerstörer. Als solcher ist er jedoch auch Ursache der Schöpfung, denn ohne die Zerstörung des alten Zyklus kann keine neue Schöpfungsperiode entstehen. Brahma wirkt als Schöpfergott und Vishnu als Gott der Erhaltung. Die drei göttlichen Aspekte stellen die drei fundamentalen Kräfte der Natur dar, die es in der Welt gibt: Schöpfung, Erhaltung und Zerstörung. Shiva verkörpert Tamas oder die Tendenz zur Auflösung und Vernichtung. Der Name Shiva bedeutet wörtlich "günstig, vielversprechend". Das Universum ruht nach der Zerstörung und vor dem nächsten Schöpfungszyklus in Shiva.

Tamas und Ernährung

Tamasige Menschen weisen ein gefährliches Temperament auf. Sie sind unberechenbar und sind darauf bedacht dem Menschen eher zu schaden. Sie sind faul, betreiben einen exzessiven Sex und Schlaf. Sie weisen keine oder nur geringe intellektuelle Fähigkeiten auf. Auch die Intelligenz lässt zu wünschen übrig. Die Tamaskonstitution wird im Ayurveda sogar mit dem pflanzlichen Leben verglichen.

Ein typischer Tamasmensch in der heutigen Zeit hat keine Lust zu arbeiten, sitzt täglich stundenlang vor dem Fernseher mit ungesunder Nahrung oder lenkt sich ab mit Computerspielen. Warum oder wie entsteht Tamas? Oft merken wir es gar nicht. Es kann sehr schleichend kommen. Davon können einige übergewichtige Menschen bestimmt ein Liedchen singen. Alkoholkonsum, Zuckerkonsum, Drogen, Kaffee und andere Betäubungsmittel sind in der heutigen Zeit sehr beliebt.

Einige der Produkte gehören zu der Rajaskategorie, jedoch bei übermäßigem Verzehr, geht es schleichend in Tamas über. Viele Menschen sagen zu mir, dass sie doch nur ein bisschen Fleisch essen, ein bisschen Käse, ein bisschen Zucker, nur eine Tasse Kaffee am Tag trinken… Unter dem Strich ist es doch eine Menge. Uns ist unsere ungesunde Lebensweise oft nicht bewusst. Ein weiterer Grund, warum wir plötzlich im Tamas landen, ist, dass wir unser sensibles Körpergefühl verloren haben. Wir können durch regelmäßige Meditation unsere Sensibilität erhöhen.

Unsere Organe sind teilweise nicht mit Nerven durchzogen, wie z.B. die Leber. Viele trinken schon jahrelang fast täglich Alkohol und Kaffee, können aber nicht spüren, wie sehr ihre Leber darunter leidet. Wenn die Leber schreien könnte, würde wahrscheinlich niemand mehr ungesunde Nahrung zu sich nehmen. Die Leber meldet sich oft erst auf körperlicher Ebene , wenn sie kaum noch funktionstüchtig ist. Deshalb ist eine gesunde Ayurveda Ernährung wichtig, bevor wir körperliche Anzeichen wahrnehmen.

Krishna und Arjuna zu Beginn der Bhagavad Gita

Tamasige Ernährung hat auch Einfluss auf unseren Geist. Im Fleisch befinden sich z.B. Angstzellen und das ganze Leid, dass die Tiere in ihrem Leben erfahren haben. Wenn wir also das Fleisch essen, essen wir auch die Hormone und das Leid mit! Es wäre genauso, als wenn wir in der Apotheke Angstpillen kaufen würden.

Eine vegetarische Ayurveda Ernährung ist eine wichtige Voraussetzung, um aus dem Tamas zu kommen. Aktivität und frische Luft eine weitere. Dieses kann man wunderbar mit Asanas, die man draußen oder im Haus bei offenem Fenster ausführt, verbinden. Stoßlüftungen am Arbeitsplatz und Schlafen bei offenem Fenster sind auch wichtige gesundheitliche Maßnahmen. Eine ayurvedische Massage mit Kaphaöl bringt so manche Schlafeule auch aus seiner/ihrer Trägheit.

Verschiedene Schreibweisen für Tamas

Sanskrit Wörter werden in Indien auf Devanagari geschrieben. Damit Europäer das lesen können, wird Devanagari transkribiert in die Römische Schrift. Es gibt verschiedene Konventionen, wie Devanagari in römische Schrift transkribiert werden kann Tamas auf Devanagari wird geschrieben " तमस् ", in IAST wissenschaftliche Transkription mit diakritischen Zeichen " tamas ", in der Harvard-Kyoto Umschrift " tamas ", in der Velthuis Transkription " tamas ", in der modernen Internet Itrans Transkription " tamas ".

Siehe auch

Ähnliche Sanskrit Wörter wie Tamas

Weitere Informationen zu Sanskrit und Indische Sprachen

Literatur

Weblinks

Zusammenfassung Deutsch Sanskrit - Sanskrit Deutsch

Deutsch Finsternis, Dunkel, geistige Finsternis, Verblendung; Irrtum, Unwissenheit, (ph.). Sanskrit Tamas
Sanskrit Tamas Deutsch Finsternis, Dunkel, geistige Finsternis, Verblendung; Irrtum, Unwissenheit, (ph.).

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