Raga

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Raga (Sanskrit: राग rāga m.) das Färben, Farbe, Röte; Entzündung; Nasalierung; Reiz, Lieblichkeit; Leidenschaft, hefiges Verlangen, Sympathie, Zuneigung, Liebe, Freude, Mögen; Melodie; Farbe; Gefühl, Emotion; Würze; einer der fünf Kleshas (Ursachen des Leidens). Die Ragas sind auch die sechs personifizierten Melodien und die Raginis sind ihre Gattinnen. Wenn wir uns mit etwas identifizieren, halten wir etwas Bestimmtes für wünschenswert. Diese bestimmte Sache bringt uns unserer Meinung nach Vergnügen. Und was Vergnügen bringt, das wollen wir haben.

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Raga ist ein Sanskritwort mit vielfältiger Bedeutung. Raga steht insbesondere für das Färben von etwas in roter Farbe. Raga heißt dann auch Tonfolge, also Melodie. In der indischen Musik sind Raga, Tala und Bhava besonders wichtig, also Melodie, Rhythmus und Stimmung. Raga heißt aber auch Mögen, Wunsch, Verhaftung. Ein spiritueller Aspirant kann lernen, über Raga-Dwesha, Mögen-Nichtmögen, Verhaftung-Ablehnung, Wunsch-Abneigung hinauszuwachsen.

Sukadev über Raga

Niederschrift eines Vortragsvideos (2014) von Sukadev über Raga

Raga kann so viele verschiedene Bedeutungen haben. Raga bedeutet in der Musik Stimmung. Raga ist dort eine Tonfolge, die verschiedene Stimmungen vermitteln soll. Raga heißt dort auch Gefühl, ein Gefühl, das durch eine bestimmte Stimmung vermittelt wird. Wer indische Musik studiert, der muss Raga und Tala kennenlernen. Tala ist Rhythmus, Raga ist die Stimmung, hervorgerufen durch die Melodie. Melodie und Rhythmus zusammen ergibt die Musik. Raga ist also in diesem Sinne Musik. Es gibt verschiedene Ragas, und man muss verschiedene Ragas kennen. Es gibt Morgen-Ragas, Abend-Ragas, es gibt Mittags-Ragas, langsamere Ragas, schnellere Ragas usw.

Raga ist auch ein Name für eine Farbe, eine etwas rötlichere Farbe. Aber Raga heißt darüber hinaus auch Liebe, es heißt auch Mögen, es heißt auch, im Unterschied zu Raga – Dwesha. Wenn Raga – Dwesha ein Gegensatzpaar ist, dann heißt Raga – Mögen, und Dwesha heißt Nicht-Mögen. Im Extremfall kann Raga Liebe heißen und Dwesha Hass. Damit ist nicht Raga – Liebe im Sinne der uneigennützigen Liebe gemeint, sondern man liebt irgendetwas ganz besonders, und man hasst dafür etwas anderes. Bei Yoga Vidya gebrauchen wir weniger gerne den Ausdruck „Hass“, denn glücklicherweise, ist in unserer modernen Gesellschaft das tiefe Empfinden von Hass seltener geworden, auch weil Menschen seltener wirklich schwerste physische Gewalt erleben und weil Menschen größeres Verständnis haben, dass andere Menschen es grundsätzlich gut meinen.

Deshalb sagen wir selten bei Raga – Dwesha, Liebe und Hass, sondern wir sprechen mehr von Mögen und Nicht-Mögen und Zuneigung und Abneigung. Wenn Raga eben ergänzt ist mit Dwesha, dann führt uns das in die Dualität. Du magst den einen Menschen jetzt, Raga, und später magst du ihn nicht, Dwesha. Ein Mensch ist freundlich zu dir, du magst ihn, Raga, dann ist er unfreundlich zu dir, Dwesha. Einmal geht etwas gut, Raga, dann geht es schief, Dwesha. Du magst das eine und das andere nicht. Krishna sagt in der Bhagavad Gita immer wieder: „Löse dich von der Sklaverei von Raga und Dwesha. Raga und Dwesha führen dich in großes Leid. Raga und Dwesha sind erstmal auch nichts Schlechtes. Man kann sagen, Raga und Dwesha sind eine Art Information der Natur.

Die meisten Dinge, die du magst, sind irgendwo gut, und die meisten Dinge, die du nicht magst, sind nicht so gut. Ich mag jetzt beispielsweise nicht diesen Stift hier essen. Warum nicht? Schmeckt mir nicht. Und warum schmeckt er mir nicht? Ist nicht gut. Die meisten Dinge, die du nicht zum Essen magst, ist auch gut, dass du sie nicht magst, die sind nicht gut für dich. In der Natur kann man fast sagen, was einem Tier und einem Menschen schmeckt, ist auch gut für Tier oder Mensch. In der heutigen Zeit, wo der Mensch so viele unnatürliche Nahrungsmittel hergestellt hat und insbesondere Fette und Zucker isolieren konnte, Geschmacks-, Farb-, Aromastoffe dazu mixen kann, kann der Mensch nicht mehr nach seinem Mögen gehen, sondern muss seine Buddhi, sein Urteilsvermögen, nutzen und sagen: „Ja, ich mag das, was natürlich ist. Ich werde jetzt nicht zu viel Zucker-Fettgemische zu mir nehmen.“

Und auch im Umgang mit anderen Menschen, kann man ein bisschen auf sein Gefühl achten. Auch bei Tätigkeiten kann das durchaus helfen. Aber für einen spirituellen Aspiranten gilt es, werde nicht zum Sklaven von Raga und Dwesha. Lerne es, auch Dinge zu tun, die du nicht magst. Und wie es Swami Vishnu gerne gesagt hat: „Wenn du etwas nicht magst, und es ist ethisch verantwortbar, dann mache es so lange, bis du es magst.“ Indem du lernst, Dwesha zu überwinden, wirst du kein Sklave mehr von deinem Mögen und Nicht-Mögen, kein Sklave mehr von Umständen, kein Sklave mehr von inneren Stimmungen.

Lerne es, die Freude hinter allem zu erfahren. Lerne es, vom Herzen her dich mit dem Herzen anderer zu verbinden und so Liebe zu spüren. Lerne es, dass Gott überall ist. Dann wächst du über Raga und Dwesha hinaus. Dann kannst du immer noch deine Lieblingsspeise haben und deine Lieblingsfarbe und dein Lieblingshemd, aber du hängst nicht mehr davon ab. Du weißt, du kannst auch glücklich sein, wenn du nicht bekommst, was du willst. Glück ist eine Eigenschaft der Seele, Glück ist eine Eigenschaft Gottes. Wenn du tief in deine Seele gehst, und wenn du dich mit der Seele der anderen verbindest, wenn du Gott spürst, dannn spürt du auch Glück. Von Raga und Dwesha, von der Erfüllung deines Mögens und Nicht-Mögens, hängt es nicht ab.

Raja Yoga Sutras von Patanjali

सुखानुशयी रागः || 2.7 ||

sukhānuśayī rāgaḥ || 2.7 ||

Zuneigung (Raga) ist das, was am Vergnügen (Sukha) haftet.

Worte von Swami Sivananda über Raga

Raga ist Mögen, Zuneigung, Verhaftung, Liebe. Dvesha ist Widerwillen, Abneigung, Hass. Raga und Dvesha sind zwei Vrittis, die dem Geist entspringen. Beide sind Unwissenheit oder Nichtwissen. Sie sind Produkte von Avidya. Dieses geheimnisvolle Samsara wird durch Raga Dvwesha aufrechterhalten. Raga und Dvesha sind starke Waffen von Maya. Die individuelle Seele ist mit dem starken Seil von Raga Dvesha an diese Welt gebunden.

Überall wo Vergnügen ist, ist Raga, überall wo Leid ist, ist Dvesha. Der Mensch möchte immer engen Kontakt mit Dingen haben, die ihm Freude schenken. Er scheut Dinge, die ihm Schmerz verursachen. Wenn die Schmerz verursachenden Objekte auch weit weg sind, läßt doch die Erinnerung an die Dinge Schmerz entstehen. Nur die Beseitigung des Stromes von Dvesha kann Glück bringen. Die Vritti oder Gedankenwelle verursacht den Schmerz, nicht das Objekt selbst. Daher versuche, die Ströme von Dvesha, durch Entwicklung universeller Liebe und Brahmabhavana oder Ishvarabhavana zu allen Dingen zu zerstören. Dann wird dir die ganze Welt als der manifestierte Herr erscheinen. Die Welt oder die Dinge der Welt sind weder gut noch schlecht, sondern es ist der niedere instinktive Geist, der sie gut oder schlecht empfindet. Bedenke stets diesen Punkt. Suche den Fehler nicht in der Welt oder den Dingen. Suche den Fehler in deinem Geist.

Zerstörung von Raga Dvesha bedeutet Zerstörung der Unwissenheit (Avidya)und des Geistes und der Vorstellung von der Welt. Nur die Pflege von Tugenden wie Maitri (Freundschaft), Karuna (Mitgefühl), Mudita (in sich selbst zufrieden sein) und Upeksha (Gleichgültigkeit) kann Raga und Dvesha schwächen oder vermindern. Das ist die Pratipaksha Bhavana Methode der Raja Yogis, die Pflege der entgegengesetzten positiven Eigenschaften.

Zerstörung von Avidya führt zur Zerstörung von Raga Dvesha. Raga und Dvesha sind die Erscheinungsformen oder Auswirkungen von Avidya, Unwissenheit. Auch das Feuer der Hingabe kann Raga und Dvesha vollständig verbrennen. Die Praxis von Nishkamya Karma Yoga, uneigennütziges, selbstloses Dienen, kann Raga und Dvesha in sehr hohem Maße schwächen. Töte Raga (Verhaftung) mit dem Schwert von Vairagya (Nichtverhaftung), Leidenschaftslosigkeit oder Gleichgültigkeit gegenüber Sinnesobjekten, und Dvesha durch Entwicklung kosmischer Liebe.

Der Geist wirkt verwüstend durch die Wünsche. Sobald sich ein Wunsch erhebt, denkt man, dass durch seine Verwirklichung die erhoffte Glückseligkeit erreicht wird, doch sobald man im Besitz des Objektes ist und sich für eine gewisse Zeit dessen erfreut hat, wird der Geist wieder ruhelos und wünscht sich neue Abwechslung. Ekel und Widerwille stellen sich alsbald ein und drängen den Geist nach neuen Objekten. Wünsche sind zahllos, unersättlich und unbesiegbar. Sich ihrer zu erfreuen, bringt keine wirkliche Befriedigung, vielmehr schürt ihre Erfüllung weiteres Wunschfeuer an und stärkt das Verlangen nach weiteren vergänglichen Freuden.

Die Wünsche sollten im Augenblick ihrer Auferstehung durch die Kraft der Unterscheidung und unermüdlicher Bemühung entwurzelt werden. Viveka (Kraft der Unterscheidung) wird Dich sofort darauf hinweisen, dass Wünsche stets vom Leid begleitet werden, das der augenblicklichen Freude auf dem Fuße folgt. Wünsche sind lediglich vorübergehende Versuchungen des Geistes, denn wirkliche Zufriedenheit und Frieden können nur durch Vairagya (Leidenschaftslosigkeit) und Tyaga (Entsagung) erreicht werden. Denke immer wieder darüber nach, was Dir ein neuer Wunsch wirklich bringt, mehr Freude oder mehr spirituellen Gewinn?

Siehe auch

Literatur

  • Dowson, John: A Classical Dictionary of Hindu Mythology and Religion – Geography, History and Religion; D.K.Printworld Ltd., New Delhi, India, 2005

Weblinks

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