Leidenschaftslosigkeit

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Leidenschaftslosigkeit ist Vairagya. Leidenschaftslosigkeit ist das Desinteresse gegenüber Sinnesobjekten jetzt und in der Zukunft. Leidenschaftslosigkeit ist das Nichtberührt-Werden von sinnlichen Objekten. Das ist eine wichtige Voraussetzung, um Gottesverwirklichung zu erlangen. Der Mensch ist an diese Welt gebunden, durch Raga, Leidenschaft oder Anhaftung. Leidenschaftslosigkeit, die aus dem Unterscheidungsvermögen zwischen wirklich und unwirklich entsteht, wird von dauerhafter Natur sein. Diese Leidenschaftslosigkeit allein wird dir helfen, spirituellen Fortschritt und Erleuchtung zu erlangen.

Karana Vairagya entsteht aus Besitzverlust oder wegen des Todes deines Kindes, es ist nur vorübergehend. Es wird für dich von keinerlei Nutzen sein. Es ist flüchtig wie Ammoniak. Schaue in die Fehlerhaftigkeit des sinnlichen Lebens oder der Sinneslust. Dann entwickelst du Leidenschaftslosigkeit. Sinneslust ist vorübergehend, trügerisch, täuschend und fiktiv. Genuss kann die Befriedigung eines Wunsches nicht bewirken, vielmehr macht es deinen Geist nach dem Vergnügen wegen des intensiven Verlangens ruheloser. Sinnesfreude ist der Grund für Geburt und Tod. Sie ist eine Feindin der Hingabe, der Weisheit und des Friedens. Artikel aus dem Buch How to Cultivate Virtues und Eradicate Vices von Swami Sivananda

Leidenschaftslosigkeit als hilfreiche Tugend

Auszug aus einem Vortrag von Sukadev Brezt

Sukadev Bretz, Gründer und Leiter von Yoga Vidya, Yogalehrer, Meditationslehrer, spiritueller Lehrer, Seminar- und Ausbildungsleiter, Autor mehrerer Bücher. Sukadev Volker Bretz lernte 12 Jahre bei Swami Vishnu-devananda.

Ich hatte vor kurzem gesprochen über Leidenschaft und jetzt, heute spreche ich über das Gegenteil, Leidenschaftslosigkeit. Leidenschaftslosigkeit wird in der spirituellen Literatur als eine Eigenschaft angesehen, die sehr wichtig ist und die es zu kultivieren gilt.

Im Yoga z.B. heißt es, wir kommen zu Samadhi, zum Überbewusstsein, zur Erleuchtung durch Abhyasa und Vairagya. Abhyasa heißt Übung, Vairagya wird oft übersetzt als Leidenschaftslosigkeit, auf Englisch "dispassion".

Oder Shankaracharya, der große Yogameister sagt, es gibt die Sadhana Chatushtaya, die Vierheit, die einem beim Sadhana, der spirituellen Praxis, voranbringt. Und dazu gehört Viveka, die Unterscheidung, Vairagya, die Leidenschaftslosigkeit, Verhaftungslosigkeit, als drittes die sechs Tugenden der Gelassenheit und als viertes das intensive Verlangen nach Befreiung.

Leidenschaftslosigkeit in diesem Kontext heißt Vairagya. Und was ist Vairagya? Raga heißt Wunsch, Gier. Viraga heißt die Abwesenheit, also ein Nicht-Wunsch. Und Vairagya ist der Zustand der Abwesenheiten von Wünschen. Und in diesem Sinne, Leidenschaftslosigkeit ist also die Abwesenheit von Wünschen nach etwas, von Gier nach etwas.

Leidenschaftslosigkeit heißt, dass du nicht denkst: "Das brauche ich, das brauche ich, das brauche ich und das brauche ich auch noch." Leidenschaftslosigkeit heißt, du weißt, um glücklich zu sein, brauchst du gar nichts, um glücklich zu sein, brauchst du nichts.

"Anandoham" sagen wir im Yoga: "Ich bin Wonne." Und die tiefe Überzeugung, dass nichts Äußeres dich dauerhaft glücklich macht, das ist diese Leidenschaftslosigkeit. Nichts Äußeres ist notwendig für dein Glück, nichts Äußeres kann dich dauerhaft glücklich machen.

Du kannst dich mal freuen, wenn dir jemand ein Kompliment macht. Wenn du von morgens bis abends Komplimente kriegst, nervt das. Du kannst dich freuen, wenn es etwas Gutes zu essen gibt. Wenn du von morgens bis abends essen musst, kriegst du Magenprobleme.

Du kannst dich freuen, wenn du vielleicht wunderschön Fahrrad fahren kannst. Wenn du den ganzen Tag Fahrrad fährst, ist auch nicht gut. Du magst dich freuen über die Sonne. Wenn immer nur Sonne scheint, bist du in der Wüste, ist auch nicht schön. Nichts Äußeres kann dich dauerhaft glücklich machen und alles, was einen Anfang hat, hat auch ein Ende. Die Sache, die jetzt schön ist, ist nachher weniger schön. Das, was du jetzt besitzt, wird irgendwann verschwinden. Deine Kinder werden irgendwann aus dem Haus gehen usw.

Also, Vairagya ist dieser innere Zustand, wo du weißt, und das ist auch diese Leidenschaftslosigkeit, du brauchst nichts zu deinem Glück und nichts Äußeres kann dich dauerhaft glücklich machen. Es ist also sinnlos, leidenschaftlich nach irgendetwas zu streben und zu gieren.

Wenn diese Grundleidenschaftslosigkeit da ist, kannst du dich an Dingen erfreuen, du kannst auch dem einen oder anderen Wunsch nachgehen und du kannst das auch genießen, solange es dauert, kannst du es genießen. Zur Leidenschaftslosigkeit gehört dann aber auch, dass du das alles durch den Filter der Unterscheidungskraft filterst.

Nicht jeder Wunsch sollte erfüllt werden, den einen oder anderen Wunsch kannst du erfüllen, aber du bist nicht getrieben davon, du wirst nicht besessen von diesem Wunsch. Das ist auch ein Ausdruck von Leidenschaftslosigkeit, du wirst nicht besessen von dem Wunsch, sondern der Wunsch gibt dir eine Energie, gibt dir die Fähigkeit, vielleicht etwas zu genießen, es ist eine Handlungsempfehlung mit Energie.

Du musst dem nicht folgen, du kannst dem folgen, das ist deine Entscheidung. Wie ich beim letzten Vortrag gesagt hatte, Leidenschaft ist aber auch etwas Positives, denn nach einer guten Sache mit Leidenschaft zu streben, z.B. sich leidenschaftlich dafür einzusetzen, dass in deinem Viertel Ökostrom verwendet wird, dass es in einer Stadt einen Veggieday gibt, mit Leidenschaft dich dafür einzusetzen, dass irgendwo ein Jugendzentrum eingerichtet wird, mit Leidenschaft und Leib und Seele, dich einzusetzen, ein Yogazentrum zu gründen und aufzubauen.

Oder mit Leidenschaft eine Internetseite zu betreiben und auf Kommentare antworten, Tipps zu geben. Das sind positive Leidenschaften. So wie Krishna in der Bhagavad Gita auch sagt: "Dana Yajna Tapas, diese drei sollte man üben. Man sollte sie sattvig üben, ohne Verhaftung und ohne Identifikation." Das sind auch die drei Dinge, wo du auch Leidenschaft hineinsetzen kannst.

Zunächst mal Dana, Dana heißt geben, uneigennützig dienen, etwas für andere tun. Dort ist es gut, Energie reinzustecken, auf sattvige Weise, aber ohne daran zu hängen. Dann Tapas, spirituelle Praxis in diesem Kontext. Also, mache deine spirituellen Praktiken, mache sie mit Energie, mache sie auch mit Leidenschaft, aber ohne Verhaftung.

Wenn du mal Rückenprobleme hast, musst du die Asanas anders machen, aber du kannst sie weiter machen. Wenn du Knieprobleme hast, wirst du vielleicht nicht mehr kreuzbeinig sitzen können für eine Weile, musst vielleicht knien oder auf einem Stuhl sitzen. Das heißt, ohne Verhaftung. Und dann noch Yajna, das heißt Rituale. Also, es gibt auch Rituale, wie Arati, Puja, Yajna, oder Gottesdienste, Satsang, die gilt es auch, zu tun, auch diese mit Leidenschaft, aber ohne daran zu verhaften.

Das waren jetzt ein paar Aspekte zur Leidenschaftslosigkeit. Am wichtigsten ist eben, dich zu lösen von tamasigen und rajasigen Wünschen, also niederen Wünschen, unruhigen Wünschen, Gier und vor allen Dingen von Getriebenheit. Mache dich frei, fühle dich als Herr über deinen Geist, als Herr über dein Schicksal oder als Diener Gottes, aber nicht Sklave von Wünschen und Gier. Wunschlosigkeit, Verhaftungslosigkeit, Unbedingtheit, Freiheit, wären andere Aspekte dieser Eigenschaft.

Vairagya Prakarana – Über die Leidenschaftslosigkeit

Artikel aus Stories from Yoga Vasishtha von Swami Sivananda. The Divine Life Society Publication, 9. Auflage, Uttarakhand, 2009, S. 2-11.

Rishi Bharadwaja sagte: "Oh, ehrwürdiger Guru! Stelle mich zunächst Rama vor und sage mir dann, wie ich die letztendliche Befreiung erlangen kann." Der Weise Valmiki antwortete: "Oh Bharadwaja! Befreie dich von Geburt und Tod, nachdem du auf den Weg meditiert hast, den der Weise Vasishtha Rama gezeigt hat, der den wertvollen Anweisungen seines Gurus gefolgt ist und Selbstverwirklichung erreichte.

Rama wollte alle heiligen Pilgerorte besuchen. Er erhielt die Erlaubnis seines Gurus und seines Vaters und ging auf Pilgerreise. Er besuchte alle heiligen Plätze und kehrte nach Ayodhya zurück. Rama war zu der Zeit fünfzehn Jahre alt. Sein Körper wurde immer ausgemergelter. Sein strahlendes Gesicht wurde bleich. Er saß still und bewegungslos in Padmasana und blieb in Gedanken versunken. Er vergaß, seine täglichen Pfichten zu erfüllen. König Dasharatha bat Rama immer wieder darum, ihm den Grund für seinen Kummer und Abwesenheit mitzuteilen, aber Rama anwortete nicht darauf.

An dieser Stelle betritt Vishwamitra die Ratshalle des Königs. Dasharatha zollte dem Muni den nötigen Respekt und sagte: „Ehrwürdiger Muni, sag‘ mir bitte, wieso du gekommen bist. Ich teile alles mit dir, was du von mir haben möchtest.“

Daraufhin antwortete Vishwamitra: „Ich führe ein großes Yajna durch. Die Rakshasas (Dämonen) stören mich dabei sehr stark. Bitte erlaube mir, deinen ältesten Sohn, Rama, mitzunehmen. Er wird all diese fürchterlichen Rakshasas zerstören.“ Dasharatha antortete: „Rama ist noch sehr jung. Er wird nicht dazu in der Lage sein, mit den Rakshasas zu kämpfen. Außerdem kann ich eine Trennung von ihm nicht für einen einzigen Augenblick ertragen. Ich bin alt.“

Vishwamitra wurde wütend und sagte: „Du hast mir versprochen, alles mit mir zu teilen. Und nun möchtest du dich nicht an dein Versprechen halten. Du bist kein edler König.“ Dann machte Vishwamitra eine Pause und sagte zu Dasharatha: „Oh König, du musst Wort halten. Muni Vishwamitra wird gut auf Rama aufpassen.“ König Dashratha drehte sich zu den Wachen Ramas um und trug ihnen auf: „Bringt Rama schnell hierher.“

Die Wachen antworteten: „Seit er von seiner Pilgerreise zurückgekehrt ist, erfüllt er nicht mehr seine täglichen Pflichten. Er lehnt das Bad, Nahrung und gute Kleidung ab. Er sagt, dass sein Leben eine Verschwendung ist und dass diese Welt nicht die Wirklichkeit ist. Er führt ein asketisches Leben. Die Objekte der Welt scheinen für ihn keine Anziehung mehr zu haben. Er möchte offensichtlich den Zustand des Jivanmukta erreichen, in dem es weder Schmerzen noch Sorgen gibt.“

Vasishtha bat die Wächter darum, Rama in die Ratshalle zu bringen. Dann wandte er sich folgendermaßen an die Versammlung: „Rama hat Vairagya (Leidenschaftslosigkeit) entwickelt. Er wird demnächst das Wissen über Brahman erreichen und dann alle Handlungen mit großer Freude ausführen.“

Rama erschien dann in der Ratshalle und warf sich vor seinem Guru (Vasishtha), Muni Vishwamitra und seinem Vater nieder. Vishvamitra sagte zu Rama: „Öffne dein Herz für mich. Was verursacht deinen Kummer?“ Rama antwortete: „ehrwürdiger Muni Vishwamitra! Ich sollte deinem Wunsch entsprechen. Höre mir bitte zu:

Samsara (Weltliche Existenz): „Diese Welt ist unwirklich. Es gibt keinen Funken Freude auf dieser Welt. Die Menschen werden geboren, um zu sterben, und sie sterben, um wieder geboren zu werden. Daher ist alles in dieser Welt eine Illusion. Ich habe Unterscheidungsvermögen entwickelt. Daher habe ich alle weltlichen Gedanken über sinnliche Genüsse abgelegt. Man sollte die trügerische Natur des Geistes kennen. Der Geist allein stellt die Existenz der Welt als eine Wirklichkeit dar. Nur Atman ist real. Ich bin von dieser trügerischen Welt ziemlich angewidert. Ich versuche die Mittel herauszufinden, die mich von den Schmerzen und Leiden dieses gewaltigen Samsara befreien. Dieser Gedanke verbrennt mich wie ein wildes Feuer.“

Reichtum: „Reichtum kann nicht glücklich machen. Er ist vielmehr der Ursprung von Elend. Er ist vergänglich. Er bleibt niemals gleich. Er bewegt sich von einem zum anderen. Er bringt Übles hervor. Er bringt Menschen wie eine trügerische Fata Morgana in Versuchung. Er verhärtet das Herz eines Menschen. Er wird mit üblen Mitteln erreicht. Er fördert den Stolz und lässt den Menschen Gott vergessen."

Der große Meister und Lehrer Swami Sivananda (links) und Swami Venkatesananda (rechts) üben Lachjoga

Leben: „Dieses Leben ist vergänglich. Es ist wie eine Seifenblase. Es ist voller Elend, Sorgen und Beschwerlichkeiten, und dennoch klammern sich törichte, ignorante Menschen an dieses weltliche Leben. Dieser Körper ist eine große Bürde. Das Leben in dieser Welt ist voller Mühe und Elend. Der Tod sieht dir ununterbrochen ins Gesicht. Unterschiedliche Krankheiten verursachen viel Chaos mit diesem Körper. Die Jugend verlässt uns schnell und das Alter mit seiner Schwäche und dem Abbau des Körpers kommt über uns. Nur wer ununterbrochen atmische Befragung praktiziert, führt ein nobles Leben. Wer sich selbst von der Wiedergeburt befreit hat, indem er Wissen über das Selbst erlangt hat, führt ein wirklich wahres und nobles Leben. Es gibt nichts, das so wertlos ist wie so ein Leben zu führen, das voller Entbehrungen ist, Tod, Krankheit und Elend.“

Ahamkara (Egoismus): „Ich habe sehr große Angst vor diesem giftigen Egoismus, der Handlungen hervorbringt, Wünsche und Schmerzen und die Ursache allen Übels ist. Er ist eine Illusion. Er führt Menschen in die Irre. Obwohl er nichts ist, bedeutet er alles für den weltlichen Menschen. Er wird mit dem „Mein“ gleichgesetzt. Er ist geboren aus Avidya (Nichtwissen). Er stammt aus der Einbildung. Die Vorstellungskraft fördert ihn. Er ist der größte Feind. Wenn jemand dieses grässliche Ahamkara zurückweist, wird er glücklich sein. Das Geheimnis der Ablehnung ist die Ablehnung des Egoismus.

Ahamkara hat seinen Sitz im Geist. Unter seinem Einfluss begeht der Mensch böse und falsche Taten. Er ist tief verwurzelt. Ängste und Probleme stammen aus dem Egooismus. Ahamkara ist eine wahre Krankheit. Stolz, Ärger, Täuschung, Lust, Gier, Eifersucht, Liebe und Hass sind alles Begleiter von Ahamkara. Ahamkara zerstört alle Tugenden und den Geistesfrieden. Er breitet die Falle der Zuneigung aus, um uns darin gefangen zu halten. Wer frei ist von Egoismus ist immer glücklich und friedvoll. Die Wünsche vermehren sich und dehnen sich aus bis hin zum Egoismus. Dieser eingefleischte Feind hat in uns die Verzauberung von Frau, Freunden und Kindern gestreut. Ihr Bann ist sehr schwer zu brechen. Es gibt keinen größeren Feind als den Egoismus. Oh Muni von großer Weisheit, bitte segne mich, damit ich mich aus diesem giftigen Egoismus befreien kann."

Geist: "Dieser grässliche Geist entsteht durch Ahamkara. Dieser boshafte Geist wandert wie ein streunender Straßenhund von einem Objekt zum anderen. Er ist immer rastlos. Er rennt sinnlichen Genüssen hinterher. Es ist möglich, den Inhalt einen Ozean leer zu trinken, den Berg Meru zu entwurzeln oder Feuer zu schlucken; aber es ist unmöglich diesen furchtbaren Geist zu kontrollieren. Diese Welt baut allein auf den Geist auf. Alle Schmerzen werden nur durch den Geist verursacht. Wenn dieser Geist durch Unterscheidungskraft und Befragung vernichtet wird und in die Natur des Selbst aufgeht, verschwinden alle Schmerzen zusammen mit der Welt."

Wunsch: "Der Wunsch ist der Feind des Friedens. Er ist wie eine Eule, die in die Gegend unseres Geistes fliegt, unter die Dunkelheit unserer Neigungen und in die Nacht unserer Habgier. Er zerstört all unsere guten Qualitäten. Wie ein Vogel in einer Falle gefangen wird, so werden auch wir in der Falle der Wünsche gefangen. Das Feuer der Wünsche hat uns verbrannt. Selbst ein Bad in Nektar wird uns nicht abkühlen. Der Wunsch ist die Ursache jeder Wiedergeburt und jeder Art von Schmerzen, Elend und Sorgen. Er ist wie ein spitzes Schwert. Er durchdringt die Herzen der Menschen und beunruhigt sie völlig grundlos."

Körper: "Dieser Körper besteht aus Fleisch, Fett, Knochen, Nerven, Sehnen und Blut. Er ist der Sitz von Krankheiten. Er ist voller Unreinheiten. Er neigt dazu, zu verrotten. Egoismus lebt in diesem Körper als der Herr des Hauses und die Habgier als die Hausdame. Er hat zehn boshafte Kühe (die Indriyas oder Sinne). Der Geist ist sein Diener. Dieser Körper ist wie eine Seifenblase. Er kann im Bruchteil einer Sekunde sterben. Er ist eine Blase, die mit Luft gefüllt ist; er kann jederzeit platzen. Er ist wie ein Gefäß voller Schmutz und kann jederzeit zerbersten. Die schöne Haut wird im Alter von Falten überzogen. Schande über jene, die diesen Körper für die unsterbliche Seele halten und von ihm Freude und Frieden erhoffen! Wer an die Stabilität des Lichts glaubt und an die „Stadt in den Wolken“ wird sich an diesen Körper hängen, als ob er wahr wäre."

Kindheit: "Das Kind befindet sich in einem hilflosen Zustand. Es kann seine Ideen nicht mitteilen. Es ist stumm. Es isst Staub und Abfälle. Es weint ohne Grund. Es ist unwissend. Diese Zeit ist sehr stark von Feuer, Wasser u.a. gefährdet. Das Kind ist sehr leicht reizbar. Wie kann das sinnlose Stadium der Kindheit als ein glücklicher Geisteszustand bezeichnet werden?"

Jugend: In dieser Phase seines Lebens ist der junge Mensch Opfer seiner Lust. Sein Geist ist gefüllt mit boshaften Gedanken. Er überlässt sich unterschiedlichen Lastern. Seine guten Qualitäten verschwinden. Sein Gesicht ist von Leidenschaft verzerrt. Die Jugendzeit vergeht sehr schnell. Der jugendliche Charm vergeht so schnell wie ein Blitz. Der törichte Mensch, der sich unwissend an seiner flüchtigen Jugend erfreut, wird als menschliches Tier betrachtet.

Er wird seine Torheit kurz danach bereuen. Es kommt nur sehr selten vor, dass ein junger Mensch bescheiden ist, seine Zeit in Gesellschaft und im Dienst Heiliger verbringt, der sympathisch und barmherzig ist und der mit tugendhaften Eigenschaften ausgestattet ist. Auch wenn er im Studium der Schriften erfahren ist, ist er dennoch ein Sklave der Leidenschaft. Wer alle Hindernisse der Jugend überwunden und in seiner Jugend Wissen über das Selbst erlangt hat, kann von allen angebetet werden. Er ist in der Tat ein Weiser.

Lust: Welche Schönheit besitzt eine Frau, deren Körper aus Fleisch, Knochen, Nerven, Fett, Rückenmark und Blut besteht? Eine Frau ist nur für eine kurze Zeit entzückend. Sie ist der Grund für die Täuschung. Wo ist die Schönheit einer alten Frau, die eine runzlige Haut hat? Die Frauen sind die Flammen der Laster. Sie verbrennen die Männer, wie das Feuer Stroh verbrennt. Sie verbrennen ihn schon aus der Ferne; und so sind sie viel gefährlicher als Feuer. Leichte Liebeleien zerstören die männliche Energie und ihre Streicheleinheiten überwältigen die Vernunft der Männer!

Das liebliche Fräulein ist wie eine giftige Droge, die das Leben durch lustvolle Berauschung zerstört und die Unterscheidungskraft vernebelt. Ein unwissender, lustvoller Mann wird durch den Köder der Frau gefangen gehalten und von dem unreinen, lustvollen Wunsch mitgerissen. Diese myteriöse Welt beginnt mit der Frau und ihr Bestehen hängt von der Frau ab. Sie ist der Ursprung für die Verkettung unseres immerwährenden Elends. Was soll ich mit ihren Brüsten machen, mit ihren Augen, mit ihren Lenden, mit ihren Augenbrauen – die Substanz davon ist nichts weiter als Fleisch, und das bedeutet, dass nichts davon essentiell ist!

Wenn die Lust für die Frau verschwindet, wird jegliche Bindung an die Welt verschwinden. Wie könnte ich Brahman erreichen – wenn nicht durch die Zurückweisung der Frau? Frauen mit dunklen Augen stellen so viele Fallen dar, die von Cupido (dem Liebesgott) gestellt wurden, um den unwissenden lustvollen Mann zu umgarnen. Der Körper dieser attraktiven Frauen, die von törichten Männern stark umgarnt werden, werden zum Friedhof gebracht, wenn das Prana ihren Körper verlässt. Tiere und Würmer ernähren sich von ihrem Fleisch, Schakale ziehen ihnen die Haut und das Fleisch ab. Ich möchte dieses illusionäre, vergängliche, sinnliche Vergnügen nicht erleben. Ich möchte nur den Zustand der höchsten Glückseligkeit erreichen, der den wiederholten Kreislauf von Tod und Wiedergeburt auflöst.

Alter: Das Alter trocknet den Körper aus und beraubt ihn seiner Schönheit. Der alte Mensch wird von Familienmitgliedern mit Missachtung behandelt. Er ist in einem hilflosen Zustand. Seine Sinne sind kraftlos geworden. Er kann seine Wünsche nicht mehr befriedigen. Er hat kein gutes Gedächtnis mehr. Er leidet unter unterschiedlichen unheilbaren Krankheiten. Auch er hat noch einen unersättlichen Wunsch nach Vergnügungen, aber er hat keine Kraft mehr, um zu genießen. Die Wünsche verbrennen sein Herz, aber er hat keine Kraft mehr, um sie zu befriedigen. Der Tod nimmt den grauen Kopf eines Mannes wie einen reifen Kürbis an sich, salzt ihn mit dem Alter und isst ihn mit großem Vergnügen auf. Das Alter ist auf dieser Welt unaufhaltsam. Was ist das Gute an diesem armseligen weltlichen Leben, das dem Verfall und dem Alter ausgesetzt ist?

Zeit: Sie ist die Ratte, die den Lebensfaden in diesem Universum durchtrennt. Die Zeit wird nichts auf dieser Welt verschonen. Die Zeit verschont noch nicht einmal die großartigste Person auf dieser Welt – noch nicht einmal für einen Augenblick. Die Zeit durchdringt alle Dinge. Die Zeit durchdringt alle Dinge. Sie besitzt keine besondere Charaktereigenschaft, sie ist nur unter unterschiedlichen Namen bekannt als Tag, Monat, Jahr und Zeitalter.

Die Zeit tanzt umher und trägt eine lange Kette aus Knochen um den Hals, die bis zu den Füßen reicht. Im Pralaya (Kosmische Auflösung) nimmt sie die großartige Form des Feuers an und vernichtet die Welt zu Asche. Niemand kann sie aufhalten. Niemand kann sie von ihrem Weg abbringen. Und am Ende von Pralaya verliert die Zeit ihre eigene Existenz und löst sich in der Ewigkeit auf. Nachdem sie sich ein wenig ausruht, taucht sie wieder als Schöpfer, Erhalter und Zerstörer auf und ruft wieder alles in Erinnerung. So dehnt sich die Zeit aus, erhält aufrecht und zerstört schließlich alle Dinge aus einer Laune heraus.

Dieser Geist verschwendet sich selbst in der Gesellschaft von Frauen. Dann beugt sich der Körper unter dem Gewicht des Alters. Der Mensch grämt sich wegen seiner Torheiten, wenn der Tod naht. Der Körper, der heute in Seide gekleidet und mit Girlanden geschmückt ist, wird morgen verbrannt oder in ein tiefes Loch geworfen. Das tödlichste Gift ist überhaupt kein Gift, denn die sinnlichen Objekte sind das stärkste Gift. Das erste vernichtet nur den Körper, aber das zweite vernichtet mehrere Körper in einer Folge von Wiedergeburten. Das Leben ist hier so ungewiss wie eine Seifenblase auf dem Wasser. Die Vergnügungen der Jugend sind vergänglich.

Oh ehrenswerter Muni, lehre mich, damit ich bald frei werde von Gram, Angst und wörtlichen Problemen und das Licht der Wahrheit erreiche. Zeige mir diesen ewigen Sitz frei von Schmerzen, Schwäche, Zweifel und Täuschung. Sag‘ mir, oh Weiser, wie sieht dieses Lebensstadium aus, das nicht mit den Problemen in Verbindung steht, die mit Tod und Wiedergeburt zu tun haben? Zeige mir den Weg, um ewigen Frieden zu erreichen, ewige Glückseligkeit und Unsterblichkeit. So sprach Rama vor den Munis, die sich in der Ratshalle von Dasharatha versammelt hatten.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

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