Maha Narayana Upanishad: Unterschied zwischen den Versionen

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Die  '''Maha Narayana Upanishad''', auch [[Brihan]] [[Narayana]] [[Upanishad]] oder [[Vajniki]] [https://www.yoga-vidya.de/seminare/interessengebiet/indische-schriften/ Upanishad] genannt, findet sich im zehnten Buch des [[Taittiriya]] [[Aranyaka]]m und ist dem schwarzen [[Yajurveda]] zugehörig.
'''Maha Narayana Upanishad''' oder '''Maha Narayanopanishad''' ([[Sanskrit]]: महानारायणोपनिषद् ''mahānārāyaṇopaniṣad, f.''), wörtlich „die [[Upanishad]] vom großen ([[Maha]]) [[Narayana]] ([[Mahanarayana]])“; auch [[Brihan]] [[Narayana]] [[Upanishad]] oder [[Vajniki]] [https://www.yoga-vidya.de/seminare/interessengebiet/indische-schriften/ Upanishad] genannt, ist eine umfangreiche Sammlung vedischer [[Mantra]]s, Gebete und Lehren über [[Brahman]], [[Atman]], [[Narayana]] und [[Rudra]] sowie über die Verinnerlichung des Opfers.


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Sie bildet den zehnten Prapathaka (das zehnte Buch) des [[Taittiriya Aranyaka]] und gehört damit zur Taittiriya-Tradition des [[Krishna Yajurveda|schwarzen Yajurveda]]. Die drei vorangehenden Bücher des Aranyaka bilden die [[Taittiriya Upanishad]]. (Quelle: [https://vedicheritage.gov.in/aranyakas/taittiriya-aranyaka/ Vedic Heritage Portal: Taittiriya Aranyaka])


==Die  Maha Narayana Upanishad - Erläuterungen nach Paul Deussen==
==Die  Maha Narayana Upanishad - Erläuterungen nach Paul Deussen==
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===Einleitung===
===Einleitung===
Dieses letzte Buch in der langen Reihe der Brahmanaschriften aus der Taittiriya Schule enthält Rituelles und Dogmatisches, Altes und ganz Junges miteinander vermischt und trägt deutlich die Merkmale einer Nachlese an sich. Der Name "die große Narayana Upanishad" (zum Unterschied von der kurzen [[Narayana Upanishad]] des [[Atharvaveda]]) bezieht sich auf die Verherrlichung des Narayana in [[Anuvaka]] 11, wobei in der Schilderung des [[Feuer]]s und der Spitzflamme im [[Herz]]en schon ganz die Vorstellungsweise der dem [[Yoga]] gewidmeten [[Atharva]] Upanishaden sich geltend macht. Ein zweiter Name des ganzen Werkes ist Yajniki Upanishad, nicht sowohl nach seinen vielen rituellen Abschnitten, wie [[Sayana]] meint (Karmanam [[Bahulyat]]), denn die wenigsten derselben beziehen sich auf das [[Opfer]], als vielmehr wegen des berühmten Schlußabschnittes, welcher den Menschen unter der Allegorie des Opfers betrachtet (vgl. Chand. 3,16-17). Bemerkenswert ist, daß [[Shankara]], welcher diesen Abschnitt ([[Ad]] [[Brahmasutra]] 3,3,24) als den [[Taittiriyaka]]s angehörend erwähnt und bespricht, im übrigen parallele Stellen nicht nach unserer Upanishad, sondern nach [[Svetasvatara Upanishad|Svetasvatara]] u. a. zitiert (vgl. zu 10, v. 5). - Wie die Nachweisungen zeigen, finden sich viele alte Sprüche, namentlich Parallelstellen zur [[Vajasaneyisamhita]], wieder, anderes steht auf der Stufe der [[Kathaka]]-, [[Mundaka]]-, [[Svetasvatara Upanishad|Svetasvatara]]-, [[Kaivalya]] Upanishad, und an einigen Stellen findet sich [[Chandogya Upanishad]] deutlich nachgebildet (vgl. Anuv. 10, v. 23 und Anuv. 13, vielleicht auch anuv. 63,16, wo man gleich sehr an Chand. 7 und Taitt. 2 erinnert wird). Führt dies schon in eine späte Zeit, so noch mehr die Art wie der [[Om]]-Laut 10,24 erwähnt wird, ferner die Schilderung des Herzens 11,6-12, der Name Vedanta 10,22 (vgl. Mund. 3,2,6), die stellenweise nicht wohl allein auf Rechnung der Überlieferung zu setzenden grammatischen Unkorrektheiten (vgl. z. B. 1,5) und das [[Prakrit]]zitat in Anuv. 9. - Im ganzen, und von den altertümlichen Zitaten abgesehen, wird unsere Upanishad als ein Übergangsglied zwischen den Dreiveda-Upanishaden und denen des Atharvaveda zu betrachten sein.
Dieses letzte Buch in der langen Reihe der Brahmanaschriften aus der Taittiriya Schule enthält Rituelles und Dogmatisches, Altes und ganz Junges miteinander vermischt und trägt deutlich die Merkmale einer Nachlese an sich. Der Name "die große Narayana Upanishad" (zum Unterschied von der kurzen [[Narayana Upanishad]] des [[Atharvaveda]]) bezieht sich auf die Verherrlichung des Narayana in [[Anuvaka]] 11, wobei in der Schilderung des [[Feuer]]s und der Spitzflamme im [[Herz]]en schon ganz die Vorstellungsweise der dem [[Yoga]] gewidmeten [[Atharva]] Upanishaden sich geltend macht. Ein zweiter Name des ganzen Werkes ist Yajniki Upanishad, nicht sowohl nach seinen vielen rituellen Abschnitten, wie [[Sayana]] meint (Karmanam [[Bahulyat]]), denn die wenigsten derselben beziehen sich auf das [[Opfer]], als vielmehr wegen des berühmten Schlußabschnittes, welcher den Menschen unter der Allegorie des Opfers betrachtet (vgl. Chand. 3,16-17). Bemerkenswert ist, daß [[Shankara]], welcher diesen Abschnitt ([[Ad]] [[Brahmasutra]] 3,3,24) als den [[Taittiriyaka]]s angehörend erwähnt und bespricht, im übrigen parallele Stellen nicht nach unserer Upanishad, sondern nach [[Svetasvatara Upanishad|Svetasvatara]] u. a. zitiert (vgl. zu 10, v. 5). - Wie die Nachweisungen zeigen, finden sich viele alte Sprüche, namentlich Parallelstellen zur [[Vajasaneyisamhita]], wieder, anderes steht auf der Stufe der [[Kathaka]]-, [[Mundaka]]-, [[Svetasvatara Upanishad|Svetasvatara]]-, [[Kaivalya]] Upanishad, und an einigen Stellen findet sich [[Chandogya Upanishad]] deutlich nachgebildet (vgl. Anuv. 10, v. 23 und Anuv. 13, vielleicht auch anuv. 63,16, wo man gleich sehr an Chand. 7 und Taitt. 2 erinnert wird). Führt dies schon in eine späte Zeit, so noch mehr die Art wie der [[Om]]-Laut 10,24 erwähnt wird, ferner die Schilderung des [https://www.yoga-vidya.de/seminarsuche/herz Herzens] 11,6-12, der Name Vedanta 10,22 (vgl. Mund. 3,2,6), die stellenweise nicht wohl allein auf Rechnung der Überlieferung zu setzenden grammatischen Unkorrektheiten (vgl. z. B. 1,5) und das [[Prakrit]]zitat in Anuv. 9. - Im ganzen, und von den altertümlichen Zitaten abgesehen, wird unsere Upanishad als ein Übergangsglied zwischen den Dreiveda-Upanishaden und denen des Atharvaveda zu betrachten sein.


Nach dem Vorgang des [[Oupnekhat]] beschränken wir die Übersetzung auf die upanishad-artigen Partien, folgen aber nicht, wie er und Weber (Ind. Stud. II, 78 f.) der [[Andhra]]-Rezension in 80 Anuvaka's (welche uns nicht zugänglich ist), sondern der von Sayana kommentierten und in der Bibliotheca Indica herausgegebenen, aus 64 Anuvakas bestehenden Rezension der [[Dravida]]s.  
Nach dem Vorgang des [[Oupnekhat]] beschränken wir die Übersetzung auf die upanishad-artigen Partien, folgen aber nicht, wie er und Weber (Ind. Stud. II, 78 f.) der [[Andhra]]-Rezension in 80 Anuvaka's (welche uns nicht zugänglich ist), sondern der von [[Sayana]] kommentierten und in der [[Bibliotheca Indica]] herausgegebenen, aus 64 Anuvakas bestehenden Rezension der [[Dravida]]s.  
   
   
Außerdem ist unsere Upanishad noch in einer von Col. Jacob (Bombay 1888) herausgegebenen Atharva-Rezension in 25 [[Khanda]]s vorhanden. Die Abweichungen derselben sind in den von uns übersetzten Abschnitten nur unerheblich; die wichtigsten unter ihnen werden wir in den Anmerkungen mitteilen.
Außerdem ist unsere Upanishad noch in einer von Col. Jacob (Bombay 1888) herausgegebenen Atharva-Rezension in 25 [[Khanda]]s vorhanden. Die Abweichungen derselben sind in den von uns übersetzten Abschnitten nur unerheblich; die wichtigsten unter ihnen werden wir in den Anmerkungen mitteilen.
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17. Er, der verwandt uns, [[Vater]] und Vorseher,
17. Er, der verwandt uns, [[Vater]] und Vorseher,
:Kennt die Wohnstätten und die Wesen alle,
:Kennt die Wohnstätten und die Wesen alle,
:Da wo die [[Götter]], [[Ewigkeit]] erlangend,
:Da wo die [[Götter Namen Liste von A-Z|Götter]], [[Ewigkeit]] erlangend,
:Zum dritten Weltraume empor sich schwangen.
:Zum dritten Weltraume empor sich schwangen.


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:[[Agni]], umdränge mich mit [[Glück]]!
:[[Agni]], umdränge mich mit [[Glück]]!


Vers 23-34. [[Gebet]]e an verschiedene [[Götter]].
Vers 23-34. [[Gebet]]e an verschiedene [[Götter Namen Liste von A-Z|Götter]].


Vers 35-62. Gebete beim [[Bad]]en.
Vers 35-62. Gebete beim [[Bad]]en.
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[[Datei:Lotus wasser.jpg|thumb|Lotosblüte]]
[[Datei:Lotus wasser.jpg|thumb|Lotosblüte]]


21.<ref>Vgl. Kaivalya Up. 2-3.</ref> Nicht durch Werk, [[Kind]]er, [[Reichtum]], - durch [[Entsagung]] ([[Tyaga]])
21.<ref>Vgl. Kaivalya Up. 2-3.</ref> Nicht durch Werk, [https://www.yoga-vidya.de/kinderyoga/ Kinder], [[Reichtum]], - durch [[Entsagung]] ([[Tyaga]])
:[[Unsterblichkeit]] von einzelnen erlangt ward.
:[[Unsterblichkeit]] von einzelnen erlangt ward.
:Jenseits vom Himmel und in [[Herz]]ens Tiefen,
:Jenseits vom Himmel und in [[Herz]]ens Tiefen,
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:Der [[Veda]], und mit dem er schließt,
:Der [[Veda]], und mit dem er schließt,
:Den überragt, wenn er hinschmilzt
:Den überragt, wenn er hinschmilzt
:In [[Prakriti]], [[Mahesvara]].<ref>Bei der [[Meditation]] zergeht, wie die ganze übrige Welt, auch der Laut [[Om]]: A ([[Virat]]) schmilzt in U ([[Hiranyagarbha]]), U in M ([[Mulaprakriti]]), M in der imaginären vierten Mora des Lautes 0m, welche Mahesvara ([[Siva]]) ist (Sayana).</ref>
:In [[Prakriti]], [[Mahesvara]].<ref>Bei der [https://www.yoga-vidya.de/meditation/ Meditation] zergeht, wie die ganze übrige Welt, auch der Laut [[Om]]: A ([[Virat]]) schmilzt in U ([[Hiranyagarbha]]), U in M ([[Mulaprakriti]]), M in der imaginären vierten Mora des Lautes 0m, welche Mahesvara ([[Siva]]) ist (Sayana).</ref>


===Elfter Anuvaka (Atharva-Rez. 11)===
===Elfter Anuvaka (Atharva-Rez. 11)===
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Die Sonne, welche nach dem vorigen Abschnitt aus Brahman (Ric, Saman, Yajus) besteht, ist folgerecht der Inbegriff alles Höchsten und Größten in der [[Welt]], und der in ihr befindliche Purusha ist der Oberherr der [[Wesen]].
Die Sonne, welche nach dem vorigen Abschnitt aus Brahman (Ric, Saman, Yajus) besteht, ist folgerecht der Inbegriff alles Höchsten und Größten in der [[Welt]], und der in ihr befindliche Purusha ist der Oberherr der [[Wesen]].


Die Sonne, fürwahr, ist Glut, [[Kraft]], Gewalt, Ruhm, - [[Auge]], [[Ohr]], [[Selbst]], [[Verstand]], Eifer, - [[Manu]], [[Mrityu]], [[Satya]], [[Mitra]], [[Vayu]], [[Akasa]], [[Prana]] - Welthüter, [[Ka]] (der unbekannte Gott), [[Kim]] (das unbekannte Urwesen), [[Kama|Kam]] (Lust), [[Tat]] (jenes Unnennbare), [[Realität]], [[Nahrung]], Lebensdauer, Unsterblicher, [[Seele]], Allseiender, [[Katama]] (höchste Lust), [[Svayambhu]] (das durch sich selbst Seiende); - und wenn es heißt: "das Jahr ist [[Prajapati]]<ref>Vgl. über diese Vorstellung Gesch. d. Phil. I, 133. 207. 210f.</ref>" so ist jene Sonne das Jahr, aber jener Purusha [in ihr], der ist der Wesen Oberherr.
Die Sonne, fürwahr, ist Glut, [[Kraft]], Gewalt, Ruhm, - [[Auge]], [[Ohr]], [[Selbst]], [[Verstand]], Eifer, - [[Manu]], [[Mrityu]], [[Satya]], [[Mitra]], [[Vayu]], [[Akasa]], [https://www.yoga-vidya.de/prana/ Prana] - Welthüter, [[Ka]] (der unbekannte Gott), [[Kim]] (das unbekannte Urwesen), [[Kama|Kam]] (Lust), [[Tat]] (jenes Unnennbare), [[Realität]], [[Nahrung]], Lebensdauer, Unsterblicher, [[Seele]], Allseiender, [[Katama]] (höchste Lust), [[Svayambhu]] (das durch sich selbst Seiende); - und wenn es heißt: "das Jahr ist [[Prajapati]]<ref>Vgl. über diese Vorstellung Gesch. d. Phil. I, 133. 207. 210f.</ref>" so ist jene Sonne das Jahr, aber jener Purusha [in ihr], der ist der Wesen Oberherr.


Der erlangt Verbindung und Weltgemeinschaft mit Brahman, der erlangt Verbindung, Machtgemeinschaft und Weltgemeinschaft mit jenen [[Gottheit]]en, wer solches weiß.
Der erlangt Verbindung und Weltgemeinschaft mit Brahman, der erlangt Verbindung, Machtgemeinschaft und Weltgemeinschaft mit jenen [[Gottheit]]en, wer solches weiß.
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27-29. Mantras zum [[Pranayama]] (Regelung des Atmens).
27-29. Mantras zum [[Pranayama]] (Regelung des Atmens).


30-38. Mantras beim [[Essen]] als einem [[Opfer]] an [[Prana]] ([[Pranagnihotra]]m).
30-38. Mantras beim [[Essen]] als einem [[Opfer]] an [https://www.yoga-vidya.de/prana/ Prana] ([[Pranagnihotra]]m).


39-42. [[Gebet]]e um [[Erleuchtung]].
39-42. [[Gebet]]e um [[Erleuchtung]].
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9. Das [[Agnihotra]]m, so sagt man. Darum freuen sie sich an dem Agnihotram.
9. Das [[Agnihotra]]m, so sagt man. Darum freuen sie sich an dem Agnihotram.


10. Das [[Opfer]] ([[Yajna]]), so sagen sie; denn durch das Opfer sind die [[Götter]] zum [[Himmel]] gelangt. Darum freut man sich an dem Opfer.
10. Das [[Opfer]] ([[Yajna]]), so sagen sie; denn durch das Opfer sind die [[Götter Namen Liste von A-Z|Götter]] zum [[Himmel]] gelangt. Darum freut man sich an dem Opfer.


11. Das Geistige ([[Manasa]]m), so sagen die Wissenden. Darum freuen sich die Wissenden an dem Geistigen.
11. Das Geistige ([[Manasa]]m), so sagen die Wissenden. Darum freuen sich die Wissenden an dem Geistigen.
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Darum erklären sie die Wahrheit (Satyam) für das Höchste.
Darum erklären sie die Wahrheit (Satyam) für das Höchste.


3. Durch die [[Askese]] haben [[Götter]] anfangs
3. Durch die [[Askese]] haben [[Götter Namen Liste von A-Z|Götter]] anfangs
:Gottsein erlangt, durch sie der Himmel Weise,
:Gottsein erlangt, durch sie der Himmel Weise,


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8. Das Zeugen ist die Grundlage, und wer im [[Leben]] den Faden der Nachkommenschaft richtig fortspinnt, der trägt dadurch seine [[Schuld]]en an die [[Vater|Väter]] ab; denn eben das (Zeugen) ist seine Schuldabtragung. Darum erklären sie das Zeugen (Prajananam) für das Höchste.
8. Das Zeugen ist die Grundlage, und wer im [[Leben]] den Faden der Nachkommenschaft richtig fortspinnt, der trägt dadurch seine [[Schuld]]en an die [[Vater|Väter]] ab; denn eben das (Zeugen) ist seine Schuldabtragung. Darum erklären sie das Zeugen (Prajananam) für das Höchste.


9. Die [drei] [[Feuer]], fürwahr, sind die dreifache Wissenschaft und der Götterweg<ref>[[Devayana]] [[Panthah]], hier nicht wie sonst immer in den Upanishaden (Kaush. 1,3. Chand. 5, 3-10, vgl. 4,15,6. Brih. 6,2. Mund. 3,1,6), der [[Weg]] der [[Seele]] zu [[Brahman]], sondern, wie öfter im [[Rigveda]], der Weg des [[Agni]] zu den [[Götter]]n.</ref>,  
9. Die [drei] [[Feuer]], fürwahr, sind die dreifache Wissenschaft und der Götterweg<ref>[[Devayana]] [[Panthah]], hier nicht wie sonst immer in den Upanishaden (Kaush. 1,3. Chand. 5, 3-10, vgl. 4,15,6. Brih. 6,2. Mund. 3,1,6), der [[Weg]] der [[Seele]] zu [[Brahman]], sondern, wie öfter im [[Rigveda]], der Weg des [[Agni]] zu den [[Götter Namen Liste von A-Z|Götter]]n.</ref>,  
:das [[Garhapatya]]-Feuer ist [[Ric]], [[Erde]], [[Rathantara]]m,
:das [[Garhapatya]]-Feuer ist [[Ric]], [[Erde]], [[Rathantara]]m,
:das Anvaharyapacana-Feuer ist [[Yajus]], Luftraum, [[Vamadevya]]m,
:das Anvaharyapacana-Feuer ist [[Yajus]], Luftraum, [[Vamadevya]]m,
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3. Sein [[Tag]] und seine Nacht sind die Voll- und Neumondsopfer, seine Halbmonate und Monate die Viermonatsopfer, seine Jahreszeiten die Tieropfer, seine Jahre und Jahresläufe sind die Tageszyklen, oder auch sie sind das Allhabe-[[Sattra]]m<ref>Eine Opferfeier, bei welcher man (vielleicht nur symbolisch) seine ganze Habe an die [[Brahmane]]n schenkte. Ein Beispiel bietet der Eingang der [[Kathaka Upanishad]].</ref>, sein Sterben ist das Schlußbad.
3. Sein [[Tag]] und seine Nacht sind die Voll- und Neumondsopfer, seine Halbmonate und Monate die Viermonatsopfer, seine Jahreszeiten die Tieropfer, seine Jahre und Jahresläufe sind die Tageszyklen, oder auch sie sind das Allhabe-[[Sattra]]m<ref>Eine Opferfeier, bei welcher man (vielleicht nur symbolisch) seine ganze Habe an die [[Brahmane]]n schenkte. Ein Beispiel bietet der Eingang der [[Kathaka Upanishad]].</ref>, sein Sterben ist das Schlußbad.


4. Dieses, fürwahr, ist sein bis zu [[Alter]] und [[Tod]] dauerndes Agnihotram, sein Sattram. Wer, solches wissend, beim Nordwärtsgang [der Sonne] stirbt, der geht ein zu der Majestät der [[Götter]] und gelangt zur Gemeinschaft mit der Sonne; und wer beim südlichen [Sonnengang] stirbt, der geht ein zu der Majestät der Väter und erlangt mit dem [[Mond]] Gemeinschaft und gleiche Welt. Diese beiden Majestäten, fürwahr, der Sonne und des Mondes, erwirbt der wissende Brahmane. Von da aus erlangt er die Majestät des Brahma (masc.), - von da aus die Majestät des Brahma.
4. Dieses, fürwahr, ist sein bis zu [[Alter]] und [[Tod]] dauerndes Agnihotram, sein Sattram. Wer, solches wissend, beim Nordwärtsgang [der Sonne] stirbt, der geht ein zu der Majestät der [[Götter Namen Liste von A-Z|Götter]] und gelangt zur Gemeinschaft mit der Sonne; und wer beim südlichen [Sonnengang] stirbt, der geht ein zu der Majestät der Väter und erlangt mit dem [[Mond]] Gemeinschaft und gleiche Welt. Diese beiden Majestäten, fürwahr, der Sonne und des Mondes, erwirbt der wissende Brahmane. Von da aus erlangt er die Majestät des Brahma (masc.), - von da aus die Majestät des Brahma.


So lautet die Upanishad.
So lautet die Upanishad.
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===Fußnoten===
===Fußnoten===
<references/>
<references/>
==Mahanarayana Upanishad - Sanskrit (IAST), Übersetzung und Wort-für-Wort-Erläuterung==
Die vorliegende Fassung der Maha Narayana Upanishad, bzw. Maha Narayanopanishad, Brihan Narayana Upanishad, Vajniki Upanishad, verwendet die Zählung der elektronischen Zusammenstellung mit 80 Anuvakas. Diese Zusammenstellung enthält auch einzelne Zusätze und Lesarten aus der kürzeren Rezension; sie ist keine unvermischt überlieferte Textgestalt. Solche Stellen werden bei den betreffenden Versen gekennzeichnet, insbesondere die zwei vollständig ausgeschriebenen Zusatzhymnen nach 1.11, 12.6a–12.6b und 15.2. Der Sanskrittext der Abschnitte 1–80 wurde mit dem Druck der Ausgabe von Swami Vimalananda verglichen. Die zugehörige traditionelle Sanskrit-Worterklärung wurde bei schwierigen Formen herangezogen. Akzentzeichen und besondere vedische Nasalzeichen sind für diese Lesefassung normalisiert; die Sanskritwörter werden in [[IAST]] und [[Devanagari]] wiedergegeben. Die deutsche Übersetzung und sämtliche Worterklärungen wurden neu formuliert. Abweichungen von der ergänzend verglichenen elektronischen Fassung werden an den betreffenden Stellen genannt.
Jeder Vers und jede kurze Formel hat eine eigene Überschrift, Übersetzung und Worterklärung. Anuvaka 1 umfasst in dieser Zählung 70 Mantras; die nach 1.11 ausgeschriebenen Uttaranarayana- und Hiranyagarbha-Hymnen sind als redaktionelle Zusätze Z1 und Z2 gekennzeichnet und verändern diese Zählung nicht. Längere Prosaabschnitte werden in kleinere Sinneinheiten zerlegt. Dreiteilige Nummern wie 69.1.2 oder 80.1.5 sind redaktionelle Unterteilungen innerhalb des überlieferten Abschnitts, keine zusätzlich behaupteten alten Versnummern. In 79.16 ist die eingeschobene Strophe von der vorangehenden und nachfolgenden Prosa getrennt.
Die redaktionellen Unterteilungen 44.1.1–44.1.3, 58.1.1–58.1.2 und 59.1.1–59.1.11 trennen die einzelnen Gebete bzw. Opferformeln der jeweils gemeinsam gezählten Druckabschnitte. In 67.1 wurden die 36 kurzen Opferformeln einzeln erläutert. Die Nummern 67.1.1–67.1.36 sind redaktionelle Unterteilungen des im Druck gemeinsam gezählten Absatzes. Entsprechendes gilt für die sechs Formeln in 66.8 und die abschließende Anrufung in 67.2.
Die hier behandelte Mahanarayana Upanishad ist von der [[Tripadvibhuti Mahanarayana Upanishad]] und von der kurzen [[Narayana Upanishad]] zu unterscheiden. Gleichlautende Kurztitel rechtfertigen keine Gleichsetzung ihrer Texte. Die Zuordnung zur Projektgruppe „Nicht-Muktika“ bezieht sich auf diese Unterscheidung.
'''1.1 – Anuvaka 1, Mantra 1'''<br>
ambhasyapāre bhuvanasya madhye nākasya pṛṣṭhe mahato mahīyān | śukreṇa jyotīṃṣi samanupraviṣṭaḥ prajāpatiścarati garbhe antaḥ || 1.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Der Herr der Geschöpfe, größer als das Große, befindet sich jenseits der Wasser, inmitten der Welt und auf dem Rücken des Himmels. Nachdem er mit seinem zeugenden Licht in die leuchtenden Wesen eingegangen ist, bewegt er sich im Inneren des Embryos.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''ambhasya pāre'' – jenseits oder am anderen Ufer des Wassers: ambhasya, des Wassers; pāre, jenseits; ''bhuvanasya madhye'' – inmitten der Welt; ''nākasya pṛṣṭhe'' – auf dem Rücken, der Höhe des Himmels; ''mahataḥ mahīyān'' – größer als das Große; ''śukreṇa'' – durch das Helle, Leuchtende oder den Samen; ''jyotīṃṣi'' – die Lichter, leuchtenden Wesen; ''sam-anu-praviṣṭaḥ'' – vollständig hineingegangen; ''prajāpatiḥ'' – Herr der Geschöpfe; ''carati'' – bewegt sich, wirkt; ''garbhe antaḥ'' – im Inneren des Embryos.
'''1.2 – Anuvaka 1, Mantra 2'''<br>
yasminnidaṃ saṃ ca vi caiti sarvaṃ yasmin devā adhi viśve niṣeduḥ | tadeva bhūtaṃ tadu bhavyamā idaṃ tadakṣare parame vyoman || 1.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' In ihm kommt dieses All zusammen und aus ihm geht es wieder auseinander; in ihm haben alle Götter ihren Sitz. Er allein ist das Gewesene und auch das Künftige; dieses [All] ruht im Unvergänglichen, im höchsten Raum.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yasmin'' – in dem; ''idam'' – dieses [All]; ''sam ca'' – zusammen, zur Einheit; ''vi ca eti'' – und auseinandergeht, sich auflöst; ''sarvam'' – alles; ''yasmin'' – in dem; ''devāḥ'' – die Götter; ''adhi'' – auf, in; ''viśve'' – alle; ''niṣeduḥ'' – sich niedergelassen haben; ''tat eva'' – eben das allein; ''bhūtam'' – das Gewesene; ''tat u'' – und das; ''bhavyam'' – Künftige; ''idam'' – dieses; ''tat'' – das; ''akṣare'' – im Unvergänglichen; ''parame vyoman'' – im höchsten Raum.
'''1.3 – Anuvaka 1, Mantra 3'''<br>
yenāvṛtaṃ khaṃ ca divaṃ mahī ca yenādityastapati tejasā bhrājasā ca | yamantaḥ samudre kavayo vayanti yadakṣare parame prajāḥ || 1.3 ||<br>
'''Übersetzung:''' Durch ihn sind Luftraum, Himmel und Erde umhüllt; durch ihn brennt die Sonne mit Hitze und strahlendem Glanz. Ihn verweben die Seher im inneren Meer; im Unvergänglichen, im höchsten [Raum], ruhen die Geschöpfe.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yena'' – durch den; ''āvṛtam'' – umhüllt; ''kham'' – Luftraum; ''ca'' – und; ''divam'' – Himmel; ''mahī'' – Erde; ''yena'' – durch den; ''ādityaḥ'' – Sonne; ''tapati'' – brennt, wärmt; ''tejasā'' – mit Hitze, Energie; ''bhrājasā'' – mit strahlendem Glanz; ''ca'' – und; ''yam'' – den; ''antaḥ samudre'' – im inneren Meer; ''kavayaḥ'' – Seher, Weise; ''vayanti'' – weben; ''yat'' – in welchem; ''akṣare parame'' – im höchsten Unvergänglichen; ''prajāḥ'' – Geschöpfe [ruhen].
'''1.4 – Anuvaka 1, Mantra 4'''<br>
yataḥ prasūtā jagataḥ prasūtī toyena jīvān vyacasarja bhūmyām | yadoṣadhībhiḥ puruṣān paśūṃśca viveśa bhūtāni carācarāṇi || 1.4 ||<br>
'''Übersetzung:''' Aus ihm wurde die Hervorbringerin der Welt geboren. Mit dem Wasser und den übrigen Elementen entließ sie die Lebewesen auf der Erde. Er ging durch die Pflanzen in Menschen und Tiere ein, in alle beweglichen und unbeweglichen Wesen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yataḥ'' – aus dem; ''prasūtā'' – geboren; ''jagataḥ prasūtī'' – Hervorbringerin der Welt; ''toyena'' – durch Wasser; ''jīvān'' – Lebewesen; ''vyacasarja'' – entließ, erschuf; ''bhūmyām'' – auf der Erde; ''yat'' – der; ''oṣadhībhiḥ'' – durch die Pflanzen; ''puruṣān'' – Menschen; ''paśūn ca'' – und Tiere; ''viveśa'' – ging ein; ''bhūtāni'' – Wesen; ''cara-acarāṇi'' – bewegliche und unbewegliche.
'''1.5 – Anuvaka 1, Mantra 5'''<br>
ataḥ paraṃ nānyadaṇīyasaṃ hi parātparaṃ yanmahato mahāntam | yadekamavyaktamanantarūpaṃ viśvaṃ purāṇaṃ tamasaḥ parastāt || 1.5 ||<br>
'''Übersetzung:''' Jenseits von ihm gibt es nichts anderes, nichts Feineres; er ist höher als das Hohe und größer als das Große. Er ist der eine, unoffenbare, unendlich gestaltige, uralte Weltgrund jenseits der Dunkelheit.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''ataḥ param'' – jenseits von ihm; ''na anyat'' – nichts anderes; ''aṇīyasam'' – Feineres, Kleineres; ''hi'' – gewiss; ''parāt param'' – höher als das Hohe; ''yat'' – der; ''mahataḥ mahāntam'' – größer als das Große; ''yat ekam'' – der Eine; ''avyaktam'' – unoffenbar; ''ananta-rūpam'' – von unendlicher Gestalt; ''viśvam'' – das All; ''purāṇam'' – uralt; ''tamasaḥ parastāt'' – jenseits der Dunkelheit.
'''1.6 – Anuvaka 1, Mantra 6'''<br>
tadevartaṃ tadu satyamāhustadeva brahma paramaṃ kavīnām | iṣṭāpūrtaṃ bahudhā jātaṃ jāyamānaṃ viśvaṃ bibharti bhuvanasya nābhiḥ || 1.6 ||<br>
'''Übersetzung:''' Ihn allein nennen die Seher die kosmische Ordnung und die Wahrheit, ihn allein das höchste Brahman. Als Opferwerk und Werk für die Gemeinschaft, vielfach geworden und stets entstehend, trägt er als Nabel der Welt das All.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tat eva'' – das allein; ''ṛtam'' – kosmische Ordnung, das Rechte; ''tat u'' – und das; ''satyam'' – Wahrheit; ''āhuḥ'' – nennen sie; ''tat eva'' – das allein; ''brahma paramam'' – höchstes Brahman; ''kavīnām'' – der Seher; ''iṣṭa-pūrtam'' – Opferwerk und Werk für die Gemeinschaft; ''bahudhā'' – vielfach; ''jātam'' – geworden; ''jāyamānam'' – entstehend; ''viśvam'' – das All; ''bibharti'' – trägt; ''bhuvanasya nābhiḥ'' – als Nabel, Mittelpunkt der Welt.
'''1.7 – Anuvaka 1, Mantra 7'''<br>
tadevāgnistadvāyustatsūryastadu candramāḥ | tadeva śukramamṛtaṃ tadbrahma tadāpaḥ sa prajāpatiḥ || 1.7 ||<br>
'''Übersetzung:''' Er allein ist Agni, er ist Vayu, er ist die Sonne und auch der Mond. Er allein ist das helle Licht, das Unsterbliche, Brahman, die Wasser und Prajapati.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tat eva'' – das allein; ''agniḥ'' – Agni; ''tat vāyuḥ'' – das ist Vayu; ''tat sūryaḥ'' – das ist die Sonne; ''tat u candramāḥ'' – und das der Mond; ''tat eva'' – das allein; ''śukram'' – Helles, reines Licht; ''amṛtam'' – Unsterbliches; ''tat brahma'' – das ist Brahman; ''tat āpaḥ'' – das sind die Wasser; ''saḥ prajāpatiḥ'' – er ist Prajapati.
'''1.8 – Anuvaka 1, Mantra 8'''<br>
sarve nimeṣā jajñire vidyutaḥ puruṣādadhi | kalā muhūrtāḥ kāṣṭhāścāhorātrāśca sarvaśaḥ || 1.8 ||<br>
'''Übersetzung:''' Alle Augenblicke entstanden aus dem leuchtenden Purusha. Zeitteile, Muhurtas, Kasthas sowie sämtliche Tage und Nächte [entstanden aus ihm].
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''sarve'' – alle; ''nimeṣāḥ'' – Augenblicke, Lidschläge; ''jajñire'' – wurden geboren; ''vidyutaḥ'' – aus dem Leuchtenden; ''puruṣāt adhi'' – aus dem Purusha; ''kalāḥ'' – Zeitteile; ''muhūrtāḥ'' – Muhurtas; ''kāṣṭhāḥ ca'' – und Kasthas; ''aho-rātrāḥ ca'' – Tage und Nächte; ''sarvaśaḥ'' – insgesamt, ohne Ausnahme.
'''1.9 – Anuvaka 1, Mantra 9'''<br>
ardhamāsā māsā ṛtavaḥ saṃvatsaraśca kalpantām | sa āpaḥ pradudhe ubhe ime antarikṣamatho suvaḥ || 1.9 ||<br>
'''Übersetzung:''' Halbmonate, Monate, Jahreszeiten und das Jahr sollen [durch ihn] geordnet sein. Er ließ die Wasser hervorströmen und beide Bereiche entstehen: den Zwischenraum und den Himmel.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''ardha-māsāḥ'' – Halbmonate; ''māsāḥ'' – Monate; ''ṛtavaḥ'' – Jahreszeiten; ''saṃvatsaraḥ ca'' – und das Jahr; ''kalpantām'' – sollen geordnet, hervorgebracht sein; ''saḥ'' – er; ''āpaḥ'' – die Wasser; ''pradudhe'' – melkte, ließ hervorströmen; ''ubhe ime'' – diese beiden; ''antarikṣam'' – Zwischenraum; ''atho'' – und dann; ''suvaḥ'' – lichter Himmel.
'''1.10 – Anuvaka 1, Mantra 10'''<br>
nainamūrdhvaṃ na tiryañcaṃ na madhye parijagrabhat | na tasyeśe kaścana tasya nāma mahadyaśaḥ || 1.10 ||<br>
'''Übersetzung:''' Niemand hat ihn oben, querhin oder in der Mitte vollständig erfasst. Keiner ist Herr über ihn; sein Name ist ‚große Herrlichkeit‘.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''na enam'' – nicht ihn; ''ūrdhvam'' – nach oben; ''na tiryañcam'' – nicht querhin; ''na madhye'' – nicht in der Mitte; ''parijagrabhat'' – hat [jemand] ganz erfasst; ''na'' – nicht; ''tasya īśe'' – ist Herr über ihn; ''kaścana'' – irgendjemand; ''tasya nāma'' – sein Name; ''mahat yaśaḥ'' – große Herrlichkeit.
'''1.11 – Anuvaka 1, Mantra 11'''<br>
na saṃdṛśe tiṣṭhati rūpamasya na cakṣuṣā paśyati kaścanainam | hṛdā manīśā manasābhiklṛpto ya enaṃ viduramṛtāste bhavanti || 1.11 ||<br>
'''Übersetzung:''' Seine Gestalt steht nicht im Bereich des Sichtbaren; niemand sieht ihn mit dem Auge. Wer ihn durch Herz, Einsicht und gesammelten Geist erkennt, wird unsterblich.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''na saṃdṛśe'' – nicht im Bereich des Sehens; ''tiṣṭhati'' – steht, befindet sich; ''rūpam asya'' – seine Gestalt; ''na cakṣuṣā'' – nicht mit dem Auge; ''paśyati'' – sieht; ''kaścana enam'' – irgendjemand ihn; ''hṛdā'' – mit dem Herzen; ''manīṣā'' – durch Einsicht; ''manasā abhiklṛptaḥ'' – durch den Geist fest geordnet, gesammelt; ''yaḥ'' – wer; ''enam'' – ihn; ''viduḥ'' – erkennt; ''amṛtāḥ'' – unsterblich; ''te bhavanti'' – werden diese.
'''Überlieferungshinweis:''' Die folgenden sechs Uttaranarayana- und acht Hiranyagarbha-Strophen werden in der benutzten elektronischen Zusammenstellung vollständig ausgeschrieben. Vimalanandas Druck erklärt, dass der empfangene Grundtext an dieser Stelle nur ihre Anfangswörter nennt, und druckt beide Hymnen zur Benutzung ebenfalls vollständig ab. Die redaktionellen Kennzeichnungen Z1 und Z2 verhindern, dass ihre eigenen Verszahlen mit 1.1–1.70 verwechselt werden.
'''1.Z1.1 – Uttaranarayana-Zusatz, Mantra 1'''<br>
adbhyaḥ sambhūtaḥ pṛthivyau rasācca viśvakarmaṇaḥ samavartatādhi | tasya tvaṣṭā vidadhadrūpameti tatpuruṣasya viśvamājānamagre || 1.Z1.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Aus den Wassern, aus Erde und ihrem Lebenssaft entstand das All durch Vishvakarman. Tvashtar gestaltet seine Form; am Anfang war das ganze Weltall die Erscheinung dieses Purusha.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''adbhyaḥ'' – aus den Wassern; ''sambhūtaḥ'' – entstanden; ''pṛthivyai rasāt ca'' – aus Erde und ihrem Lebenssaft; ''viśvakarmaṇaḥ'' – durch Vishvakarman, den Allschöpfer; ''samavartata adhi'' – entfaltete sich darüber; ''tasya'' – dessen; ''tvaṣṭā'' – Tvashtar, Gestalter/Sonne; ''vidadhat'' – gestaltend; ''rūpam eti'' – nimmt Gestalt an; ''tat-puruṣasya'' – dieses Purusha; ''viśvam'' – das All; ''ājānam'' – Erscheinung, Geburt; ''agre'' – am Anfang.
'''1.Z1.2 – Uttaranarayana-Zusatz, Mantra 2'''<br>
vedāhametaṃ puruṣaṃ mahāntaṃ ādityavarṇaṃ tamasaḥ parastāt | tamevaṃ vidvānamṛta iha bhavati nānyaḥ panthāvidyate’yanāya || 1.Z1.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' Ich kenne diesen großen Purusha, sonnenfarbig und jenseits der Dunkelheit. Wer ihn so erkennt, wird hier unsterblich; einen anderen Weg zum Ziel gibt es nicht.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''veda aham'' – ich kenne; ''etam puruṣam mahāntam'' – diesen großen Purusha; ''āditya-varṇam'' – sonnenfarbig; ''tamasaḥ parastāt'' – jenseits der Dunkelheit; ''tam evam'' – ihn so; ''vidvān'' – erkennend; ''amṛtaḥ'' – unsterblich; ''iha bhavati'' – wird hier; ''na anyaḥ panthā'' – kein anderer Weg; ''vidyate'' – ist vorhanden; ''ayanāya'' – zum Ziel, zum Gang dorthin.
'''1.Z1.3 – Uttaranarayana-Zusatz, Mantra 3'''<br>
prajāpatiścarati garbhe antaḥ ajāyamāno bahuthā vijāyate | tasya dhīrāḥ parijānanti yonim marīcīnāṃ padamicchanti vedhasaḥ || 1.Z1.3 ||<br>
'''Übersetzung:''' Prajapati bewegt sich im Inneren des Embryos. Ungeboren wird er auf vielfache Weise geboren. Die Weisen erkennen seinen Ursprung; die Schöpfer suchen den Ort der Lichtstrahlen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''prajāpatiḥ'' – Prajapati; ''carati'' – bewegt sich, wirkt; ''garbhe antaḥ'' – im Inneren des Embryos; ''ajāyamānaḥ'' – ungeboren; ''bahudhā'' – vielfach; ''vijāyate'' – wird geboren; ''tasya'' – dessen; ''dhīrāḥ'' – Weise; ''parijānanti'' – erkennen vollständig; ''yonim'' – Ursprung; ''marīcīnām padam'' – Ort der Lichtstrahlen oder des Sehers Marichi; ''icchanti'' – suchen; ''vedhasaḥ'' – Schöpfer, Weise.
'''1.Z1.4 – Uttaranarayana-Zusatz, Mantra 4'''<br>
yo devebhya ātapati yo devānāṃ purohitaḥ | pūrvo yo devebhyo jātaḥ namo rucāya brāhmaye || 1.Z1.4 ||<br>
'''Übersetzung:''' Verneigung vor dem brahmanischen Lichtglanz: vor dem, der für die Götter leuchtet, ihr Hauspriester ist und vor den Göttern als Erster geboren wurde.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yaḥ'' – der; ''devebhyaḥ'' – für/aus den Göttern; ''ātapati'' – leuchtet, wärmt; ''yaḥ'' – der; ''devānām'' – der Götter; ''purohitaḥ'' – Hauspriester, Vorangesetzter; ''pūrvaḥ'' – der Erste; ''yaḥ devebhyaḥ jātaḥ'' – der vor den Göttern geboren wurde; ''namaḥ'' – Verneigung; ''rucāya'' – dem Lichtglanz; ''brāhmaye'' – dem brahmanischen.
'''1.Z1.5 – Uttaranarayana-Zusatz, Mantra 5'''<br>
rucaṃ brāhmaṃ janayantaḥ devā agre tadabruvan | yastvaivaṃ brāhmaṇo vidyāt tasya devā asan vaśe || 1.Z1.5 ||<br>
'''Übersetzung:''' Als die Götter am Anfang den brahmanischen Lichtglanz hervorbrachten, sprachen sie: Der Brahmane, der ihn so erkennt, wird die Götter in seiner Macht haben.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''rucam brāhmam'' – brahmanischen Lichtglanz; ''janayantaḥ'' – hervorbringend; ''devāḥ'' – die Götter; ''agre'' – am Anfang; ''tat abruvan'' – sprachen dies; ''yaḥ tu evam'' – wer aber so; ''brāhmaṇaḥ'' – als Brahmane, Brahman-Kenner; ''vidyāt'' – erkennen möge; ''tasya'' – dessen; ''devāḥ'' – Götter; ''asan vaśe'' – waren/sind in der Macht.
'''1.Z1.6 – Uttaranarayana-Zusatz, Mantra 6'''<br>
hrīśca te lakṣmīśca patnyau ahorātre pārśve nakṣatrāṇi rūpam | aśvinau vyāttam iṣṭaṃ maniṣāṇa amuṃ maniṣāṇa sarvaṃ maniṣāṇa || 1.Z1.6 ||<br>
'''Übersetzung:''' Schamhaftigkeit und Lakshmi sind deine beiden Gefährtinnen, Tag und Nacht deine Seiten, die Sternbilder deine Gestalt und die Ashvins dein geöffnetes Maul. Gewähre das Ersehnte, gewähre jene Welt, gewähre alles.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''hrīḥ ca'' – Schamhaftigkeit und; ''te'' – deine; ''lakṣmīḥ ca'' – und Lakshmi; ''patnyau'' – beide Gefährtinnen; ''aho-rātre'' – Tag und Nacht; ''pārśve'' – beide Seiten; ''nakṣatrāṇi'' – Sternbilder; ''rūpam'' – Gestalt; ''aśvinau'' – beide Ashvins; ''vyāttam'' – geöffnetes Maul; ''iṣṭam maniṣāṇa'' – gewähre das Ersehnte; ''amum maniṣāṇa'' – gewähre jenes [Jenseits]; ''sarvam maniṣāṇa'' – gewähre alles.
'''1.Z2.1 – Hiranyagarbha-Zusatz, Mantra 1'''<br>
hiraṇyagarbhaḥ samavartatāgre bhūtasya jātaḥ patireka āsīt | sa dādhāra pṛthivīṃ dyāmutemāṃ kasmai devāya haviṣā vidhema || 1.Z2.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Am Anfang entstand Hiranyagarbha; geboren war er der eine Herr der Wesen. Er trug diese Erde und den Himmel. Welchem Gott sollen wir mit Opfergabe dienen?
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''hiraṇyagarbhaḥ'' – goldener Keim, Hiranyagarbha; ''samavartata'' – entstand; ''agre'' – am Anfang; ''bhūtasya'' – des Gewordenen, der Wesen; ''jātaḥ'' – geboren; ''patiḥ ekaḥ'' – einziger Herr; ''āsīt'' – war; ''saḥ'' – er; ''dādhāra'' – trug, stützte; ''pṛthivīm'' – Erde; ''dyām uta imām'' – und diesen Himmel; ''kasmai devāya'' – welchem Gott; ''haviṣā'' – mit Opfergabe; ''vidhema'' – sollen wir dienen.
'''1.Z2.2 – Hiranyagarbha-Zusatz, Mantra 2'''<br>
yaḥ prāṇato nimiṣato mahitvaika idrājā jagato babhūva | ya īśe asya dvipadaścatuṣpadaḥ kasmai devāya haviṣā vidhema || 1.Z2.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' Der durch seine Größe der einzige König der atmenden und die Augen schließenden Welt wurde, der über Zwei- und Vierfüßer herrscht – welchem Gott sollen wir mit Opfergabe dienen?
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yaḥ'' – der; ''prāṇataḥ'' – der atmenden [Welt]; ''nimiṣataḥ'' – der die Augen schließenden [Welt]; ''mahitvā'' – durch Größe; ''ekaḥ it'' – einzig; ''rājā'' – König; ''jagataḥ'' – der beweglichen Welt; ''babhūva'' – wurde; ''yaḥ īśe'' – der herrscht; ''asya'' – über diese; ''dvi-padaḥ'' – Zweifüßer; ''catuṣ-padaḥ'' – Vierfüßer; ''kasmai devāya'' – welchem Gott; ''haviṣā vidhema'' – sollen wir mit Opfergabe dienen.
'''1.Z2.3 – Hiranyagarbha-Zusatz, Mantra 3'''<br>
ya ātmadā balaṃdā yasya viśva upāsate praśiṣaṃ yasya devāḥ | yasya chāyāmṛtaṃ yasya mṛtyuḥ kasmai devāya haviṣā vidhema || 1.Z2.3 ||<br>
'''Übersetzung:''' Der das Selbst und Kraft gibt, dessen Weisung das All und selbst die Götter verehren, dessen Schatten Unsterblichkeit und Tod sind – welchem Gott sollen wir mit Opfergabe dienen?
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yaḥ'' – der; ''ātma-dā'' – Selbstgeber; ''balam-dā'' – Kraftgeber; ''yasya praśiṣam'' – dessen Weisung; ''viśve'' – alle; ''upāsate'' – verehren; ''yasya devāḥ'' – dessen [Weisung] die Götter [verehren]; ''yasya chāyā'' – dessen Schatten; ''amṛtam'' – Unsterblichkeit; ''yasya mṛtyuḥ'' – dessen [Schatten] Tod; ''kasmai devāya haviṣā vidhema'' – welchem Gott sollen wir mit Opfergabe dienen.
'''1.Z2.4 – Hiranyagarbha-Zusatz, Mantra 4'''<br>
yasyeme himavanto mahitvā yasya samudraṃ rasayā sahāhuḥ | yasyemāḥ pradiśo yasya bāhū kasmai devāya haviṣā vidhema || 1.Z2.4 ||<br>
'''Übersetzung:''' Dessen Größe die schneebedeckten Berge und das Meer mit den Strömen verkünden, dessen Arme die Himmelsrichtungen sind – welchem Gott sollen wir mit Opfergabe dienen?
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yasya'' – dessen; ''ime himavantaḥ'' – diese schneebedeckten Berge; ''mahitvā'' – Größe; ''yasya'' – dessen; ''samudram'' – Meer; ''rasayā saha'' – mit dem Strom, den Flüssen; ''āhuḥ'' – verkünden; ''yasya imāḥ pradiśaḥ'' – dessen diese Himmelsrichtungen; ''yasya bāhū'' – dessen Arme [sind]; ''kasmai devāya haviṣā vidhema'' – welchem Gott sollen wir mit Opfergabe dienen.
'''1.Z2.5 – Hiranyagarbha-Zusatz, Mantra 5'''<br>
yaṃ krandasī avasā tastabhāne asyaikṣetāṃ manasā rejamāne | yatrādhi sūra uditau vyeti kasmai devāya haviṣā vidhema || 1.Z2.5 ||<br>
'''Übersetzung:''' Auf ihn blickten Himmel und Erde, durch seine Hilfe gestützt und im Geist erbebend; über ihm bewegt sich die aufgegangene Sonne – welchem Gott sollen wir mit Opfergabe dienen?
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yam'' – den; ''krandasī'' – Himmel und Erde, die beiden tosenden Welten; ''avasā'' – durch Hilfe, Kraft; ''tastabhāne'' – gestützt; ''asya aikṣetām'' – auf ihn blickten beide; ''manasā'' – im Geist; ''rejamāne'' – erbebend, glänzend; ''yatra adhi'' – über dem; ''sūraḥ'' – Sonne; ''uditau'' – aufgegangen; ''vyeti'' – sich bewegt; ''kasmai devāya haviṣā vidhema'' – welchem Gott sollen wir mit Opfergabe dienen.
'''1.Z2.6 – Hiranyagarbha-Zusatz, Mantra 6'''<br>
yena dyaurugrā pṛthivī ca dṛḍhe yena suvaḥ stabhitaṃ yena nākaḥ | yo antarikṣe rajaso vimānaḥ kasmai devāya haviṣā vidhema || 1.Z2.6 ||<br>
'''Übersetzung:''' Durch den der mächtige Himmel und die Erde gefestigt, der lichte Raum und das Himmelsgewölbe gestützt sind, der den Luftraum und seine Weiten ausmisst – welchem Gott sollen wir mit Opfergabe dienen?
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yena'' – durch den; ''dyauḥ ugrā'' – mächtiger Himmel; ''pṛthivī ca'' – und Erde; ''dṛḍhe'' – gefestigt; ''yena'' – durch den; ''suvaḥ'' – lichter Himmel; ''stabhitam'' – gestützt; ''yena nākaḥ'' – durch den das Himmelsgewölbe; ''yaḥ'' – der; ''antarikṣe'' – im Zwischenraum; ''rajasaḥ'' – der Weite, des Luftraums; ''vimānaḥ'' – Ausmesser, Ordner; ''kasmai devāya haviṣā vidhema'' – welchem Gott sollen wir mit Opfergabe dienen.
'''1.Z2.7 – Hiranyagarbha-Zusatz, Mantra 7'''<br>
āpo ha yanmahatīrviśvamāyaṃ dakṣaṃ dadhānā janayantīragnim | tato devānāṃ niravartatāsurekaḥ kasmai devāya haviṣā vidhema || 1.Z2.7 ||<br>
'''Übersetzung:''' Als die großen Wasser, die Schöpferkraft tragend und Agni gebärend, das All erreichten, entstand aus ihnen der eine Lebenshauch der Götter – welchem Gott sollen wir mit Opfergabe dienen?
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''āpaḥ ha'' – wahrlich die Wasser; ''yat mahatīḥ'' – welche groß; ''viśvam āyan'' – das All erreichten; ''dakṣam'' – Schöpferkraft, Geschick; ''dadhānāḥ'' – tragend; ''janayantīḥ'' – gebärend; ''agnim'' – Agni; ''tataḥ'' – daraus; ''devānām'' – der Götter; ''niravartata'' – entstand; ''asuḥ ekaḥ'' – ein einziger Lebenshauch; ''kasmai devāya haviṣā vidhema'' – welchem Gott sollen wir mit Opfergabe dienen.
'''1.Z2.8 – Hiranyagarbha-Zusatz, Mantra 8'''<br>
yaścidāpo mahinā paryapaśyaddakṣaṃ dadhānā janayantīragnim | yo deveśvadhi deva eka kasmai devāya haviṣā vidhema || 1.Z2.8 ||<br>
'''Übersetzung:''' Der in seiner Größe auf die Wasser blickte, die Schöpferkraft tragen und Agni gebären, der eine Gott über den Göttern – welchem Gott sollen wir mit Opfergabe dienen?
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yaḥ cit'' – der eben; ''āpaḥ'' – die Wasser; ''mahinā'' – durch Größe; ''paryapaśyat'' – ringsum schaute; ''dakṣam dadhānāḥ'' – Schöpferkraft tragend; ''janayantīḥ agnim'' – Agni gebärend; ''yaḥ'' – der; ''deveṣu adhi'' – über den Göttern; ''devaḥ ekaḥ'' – der eine Gott; ''kasmai devāya haviṣā vidhema'' – welchem Gott sollen wir mit Opfergabe dienen.
'''Textkritischer Hinweis:''' In 1.Z1.2 ist das sinnwidrige ''abhṛta'' der elektronischen Datei nach der gedruckten Fassung und der Parallelüberlieferung zu ''amṛta'' berichtigt. Die Zusatzhymnen bleiben von der anschließend fortgesetzten Zählung des ersten Anuvaka getrennt.
'''1.12 – Anuvaka 1, Mantra 12'''<br>
eṣa hi devaḥ pradiśo’nu sarvāḥ pūrvo hi jātaḥ sa u garbhe antaḥ | sa vijāyamānaḥ sa janiṣyamāṇaḥ pratyaṅmukhāstiṣṭhati viśvatomukhaḥ || 1.12 ||<br>
'''Übersetzung:''' Dieser Gott folgt allen Himmelsrichtungen. Als der zuerst Geborene ist er im Inneren des Weltenleibes. Er ist das jetzt Geborene und das künftig Geborene; nach innen gewandt steht er da und hat doch Gesichter überall.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''eṣaḥ hi devaḥ'' – dieser wahrlich ist der Gott; ''pradiśaḥ anu sarvāḥ'' – folgt/durchdringt alle Richtungen; ''pūrvaḥ hi jātaḥ'' – als Erster geboren; ''saḥ u'' – gerade er; ''garbhe antaḥ'' – im Inneren des Weltenleibes; ''saḥ vijāyamānaḥ'' – er als jetzt Geborener; ''saḥ janiṣyamāṇaḥ'' – er als künftig Geborener; ''pratyaṅ-mukhaḥ'' – nach innen gewandt; ''tiṣṭhati'' – steht; ''viśvato-mukhaḥ'' – allseitig blickend, mit Gesichtern überall.
'''1.13 – Anuvaka 1, Mantra 13'''<br>
viśvataścakṣuruta viśvato mukho viśvato hasta uta viśvataspāt | saṃ bāhubhyāṃ namati saṃ patatrairdyāvāpṛthivī janayan deva ekaḥ || 1.13 ||<br>
'''Übersetzung:''' Überall sind seine Augen und überall sein Gesicht, überall seine Hände und überall seine Füße. Mit beiden Armen und mit Flügeln hält der eine Gott Himmel und Erde zusammen, während er sie hervorbringt.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''viśvataḥ cakṣuḥ'' – Augen überall; ''uta'' – und; ''viśvataḥ mukhaḥ'' – Gesicht überall; ''viśvataḥ hastaḥ'' – Hände überall; ''uta viśvataḥ pāt'' – und Füße überall; ''sam bāhubhyām'' – mit beiden Armen zusammen; ''namati'' – beugt, fügt zusammen; ''sam patatraiḥ'' – zusammen mit Flügeln/Bewegungskräften; ''dyāvā-pṛthivī'' – Himmel und Erde; ''janayan'' – hervorbringend; ''devaḥ ekaḥ'' – der eine Gott.
'''1.14 – Anuvaka 1, Mantra 14'''<br>
venastat paśyan viśvā bhuvanāni vidvān yatra viśvaṃ bhavatyekanīḍam | yasminnidaṃsaṃ ca vi caikaṃsa otaḥ protaśca vibhuḥ prajāsu || 1.14 ||<br>
'''Übersetzung:''' Vena schaute dies und erkannte alle Welten, wo das All zu einem einzigen Nest wird. In ihm ist dieses All zusammengefügt und auseinandergefaltet, als Kette und Schuss verwoben; er ist in den Geschöpfen allgegenwärtig.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''venaḥ'' – Vena, Seher; ''tat paśyan'' – jenes schauend; ''viśvā bhuvanāni'' – alle Welten; ''vidvān'' – erkennend; ''yatra'' – wo; ''viśvam'' – das All; ''bhavati'' – wird; ''eka-nīḍam'' – ein einziges Nest, eine Stätte; ''yasmin'' – in dem; ''idam'' – dieses; ''sam ca vi ca'' – zusammen und auseinander; ''ekam'' – als eines; ''saḥ'' – er; ''otaḥ protaḥ ca'' – als Kette und Schuss eingewebt; ''vibhuḥ'' – allgegenwärtig; ''prajāsu'' – in den Geschöpfen.
'''1.15 – Anuvaka 1, Mantra 15'''<br>
pra tadvoce amṛtaṃ nu vidvān gandharvo nāma nihitaṃ guhāsu | trīṇi padā nihitā guhāsu yastadveda savituḥ pitā sat || 1.15 ||<br>
'''Übersetzung:''' Als Wissender verkündete ich nun dieses Unsterbliche: der Gandharva namens [Vena], verborgen in den Höhlen. Drei Schritte sind in den Höhlen verborgen. Wer das erkennt, wird zum Vater des Savitri.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''pra tat voce'' – dies verkündete [ich] ausdrücklich; ''amṛtam'' – Unsterbliches; ''nu'' – nun, gewiss; ''vidvān'' – als Wissender; ''gandharvaḥ nāma'' – Gandharva mit Namen; ''nihitam'' – verborgen; ''guhāsu'' – in den Höhlen, inneren Räumen; ''trīṇi padā'' – drei Schritte/Zustände; ''nihitā'' – niedergelegt; ''guhāsu'' – in den Höhlen; ''yaḥ tat veda'' – wer das erkennt; ''savituḥ'' – des Savitri; ''pitā'' – Vater; ''sat'' – ist, wird.
'''1.16 – Anuvaka 1, Mantra 16'''<br>
sa no bandhurjanitā sa vidhātā dhāmāni veda bhuvanāni viśvā | yatra devā amṛtamānaśānāstṛtīye dhāmānyabhyairayanta || 1.16 ||<br>
'''Übersetzung:''' Er ist unser Verwandter, Erzeuger und Ordner; er kennt alle Orte und Welten. Dort genossen die Götter die Unsterblichkeit und gelangten zu den Wohnstätten im dritten Bereich.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''saḥ naḥ'' – er ist unser; ''bandhuḥ'' – Verwandter, Freund; ''janitā'' – Erzeuger; ''saḥ vidhātā'' – er der Ordner; ''dhāmāni'' – Stätten; ''veda'' – kennt; ''bhuvanāni viśvā'' – alle Welten; ''yatra'' – wo; ''devāḥ'' – Götter; ''amṛtam ānaśānāḥ'' – Unsterblichkeit genießend/erlangend; ''tṛtīye'' – im dritten [Bereich]; ''dhāmāni'' – Stätten; ''abhi-airayanta'' – erreichten, bezogen.
'''1.17 – Anuvaka 1, Mantra 17'''<br>
pari dyāvāpṛthivī yanti sadyaḥ pari lokān pari diśaḥ pari suvaḥ | ṛtasya tantuṃ vitataṃ vicṛtya tadapaśyat tadabhavat prajāsu || 1.17 ||<br>
'''Übersetzung:''' Sogleich umschreiten sie Himmel und Erde, die Welten, die Richtungen und den lichten Himmel. Nachdem er den ausgespannten Faden der Ordnung unterschieden hatte, schaute er jenes; er wurde zu jenem in den Geschöpfen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''pari'' – ringsum; ''dyāvā-pṛthivī'' – Himmel und Erde; ''yanti'' – gehen; ''sadyaḥ'' – sogleich; ''pari lokān'' – rings um die Welten; ''pari diśaḥ'' – rings um die Richtungen; ''pari suvaḥ'' – rings um den lichten Himmel; ''ṛtasya'' – der Ordnung; ''tantum'' – Faden; ''vitatam'' – ausgespannt; ''vicṛtya'' – unterscheidend; ''tat apaśyat'' – schaute jenes; ''tat abhavat'' – wurde zu jenem; ''prajāsu'' – in den Geschöpfen.
'''1.18 – Anuvaka 1, Mantra 18'''<br>
parītya lokān parītya bhūtāni parītya sarvāḥ pradiśo diśaśca | prajāpatiḥ prathamajā ṛtasyātmanātmānamabhisambabhūva || 1.18 ||<br>
'''Übersetzung:''' Nachdem Prajapati die Welten, die Wesen und alle Haupt- und Zwischenrichtungen durchdrungen hatte, vereinigte er, der Erstgeborene der Ordnung, durch sich selbst das Selbst mit dem Selbst.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''parītya'' – umschritten, durchdrungen habend; ''lokān'' – Welten; ''bhūtāni'' – Wesen; ''sarvāḥ pradiśaḥ'' – alle Haupt-Himmelsrichtungen; ''diśaḥ ca'' – und Zwischenrichtungen; ''prajāpatiḥ'' – Prajapati; ''prathama-jāḥ'' – Erstgeborener; ''ṛtasya'' – der Ordnung; ''ātmanā'' – durch sich selbst; ''ātmānam'' – das Selbst; ''abhisambabhūva'' – vereinigte sich vollständig, wurde zu.
'''1.19 – Anuvaka 1, Mantra 19'''<br>
sadasaspatimadbhutaṃ priyamindrasya kāmyam | saniṃ medhāmayāsiṣam || 1.19 ||<br>
'''Übersetzung:''' Ich erbitte den wunderbaren Herrn der Versammlung, den Geliebten Indras und Ersehnten, als Gewinn von Einsicht.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''sadasaḥ patim'' – Herrn der Versammlung/des ursächlichen Bereichs; ''adbhutam'' – wunderbar; ''priyam'' – geliebt; ''indrasya'' – Indras; ''kāmyam'' – ersehnt; ''sanim'' – Gewinn, Gabe; ''medhām'' – Einsicht, Auffassungskraft; ''ayāsiṣam'' – ich erbat, möchte erlangen.
'''1.20 – Anuvaka 1, Mantra 20'''<br>
uddīpyasva jātavedo’paghnanniṛtiṃ mama | paśūṃśca mahyamamāvaha jīvanaṃ ca diśo diśa || 1.20 ||<br>
'''Übersetzung:''' Entflamme dich, o Jatavedas, und vertreibe mein Unheil. Bringe mir Vieh und Lebensunterhalt herbei und weise mir in jeder Richtung einen Ort zu.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''uddīpyasva'' – entflamme dich; ''jātavedaḥ'' – o Jatavedas, Allkundiger; ''apaghnan'' – vertreibend; ''niṛtim'' – Unheil, Mangel; ''mama'' – mein; ''paśūn ca'' – und Vieh; ''mahyam'' – mir; ''amā āvaha'' – bringe zum Haus herbei; ''jīvanam ca'' – und Lebensunterhalt/Leben; ''diśaḥ diśa'' – weise eine Richtung/einen Ort in den Richtungen zu.
'''1.21 – Anuvaka 1, Mantra 21'''<br>
mā no hiṃsījjātavedo gāmaśvaṃ puruṣaṃ jagat | abibhradagna āgahi śriyā mā paripātaya || 1.21 ||<br>
'''Übersetzung:''' Verletze nicht unsere Kuh, unser Pferd, den Menschen und die bewegliche Welt, o Jatavedas. Komm, o Agni, ohne [Waffen] zu tragen, und lass mich nicht von der Fülle abfallen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''mā'' – nicht; ''naḥ'' – unser/uns; ''hiṃsīḥ'' – mögest du verletzen; ''jātavedaḥ'' – o Jatavedas; ''gām'' – Kuh; ''aśvam'' – Pferd; ''puruṣam'' – Menschen; ''jagat'' – bewegliche Welt, Besitz; ''abibhrat'' – nicht tragend, waffenlos; ''agne'' – o Agni; ''āgahi'' – komm her; ''śriyā'' – mit Fülle, Glück; ''mā paripātaya'' – lass mich nicht ringsum herabfallen.
'''1.22 – Anuvaka 1, Mantra 22'''<br>
puruṣasya vidmahe sahasrākṣasya mahādevasya dhīmahi | tanno rudraḥ pracodayāt || 1.22 ||<br>
'''Übersetzung:''' Mögen wir den Purusha erkennen; mögen wir über den tausendäugigen Mahadeva meditieren. Möge Rudra unser Denken dazu anregen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''puruṣasya vidmahe'' – mögen wir den Purusha erkennen; ''sahasra-akṣasya'' – den Tausendäugigen; ''mahā-devasya'' – den großen Gott; ''dhīmahi'' – mögen wir meditierend erfassen; ''tat naḥ'' – dieses unser [Denken]; ''rudraḥ'' – Rudra; ''pracodayāt'' – möge antreiben, erhellen.
'''1.23 – Anuvaka 1, Mantra 23'''<br>
tatpuruṣāya vidmahe mahādevāya dhīmahi | tanno rudraḥ pracodayāt || 1.23 ||<br>
'''Übersetzung:''' Mögen wir jenen Purusha erkennen; mögen wir über Mahadeva meditieren. Möge Rudra unser Denken dazu anregen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''gāyatryāḥ'' – [Überschrift:] der Gayatri-Formeln; ''tat-puruṣāya vidmahe'' – mögen wir jenen Purusha erkennen; ''mahā-devāya dhīmahi'' – über Mahadeva mögen wir meditieren; ''tat naḥ'' – dieses unser [Denken]; ''rudraḥ'' – Rudra; ''pracodayāt'' – möge anregen.
'''1.24 – Anuvaka 1, Mantra 24'''<br>
tatpuruṣāya vidmahe vakratuṇḍāya dhīmahi | tanno dantiḥ pracodayāt || 1.24 ||<br>
'''Übersetzung:''' Mögen wir jenen Purusha erkennen; mögen wir über den mit dem gebogenen Rüssel meditieren. Möge Dantin unser Denken dazu anregen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tat-puruṣāya vidmahe'' – mögen wir jenen Purusha erkennen; ''vakra-tuṇḍāya'' – den mit gebogenem Rüssel; ''dhīmahi'' – mögen wir meditierend erfassen; ''tat naḥ'' – dieses unser [Denken]; ''dantiḥ'' – der Bezahnte, Dantin/Ganesha; ''pracodayāt'' – möge anregen.
'''1.25 – Anuvaka 1, Mantra 25'''<br>
tatpuruṣāya vidmahe cakratuṇḍāya dhīmahi | tanno nandiḥ pracodayāt || 1.25 ||<br>
'''Übersetzung:''' Mögen wir jenen Purusha erkennen; mögen wir über Chakratunda meditieren. Möge Nandin unser Denken dazu anregen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tat-puruṣāya vidmahe'' – mögen wir jenen Purusha erkennen; ''cakra-tuṇḍāya'' – Chakratunda, mit Diskus am Mund; ''dhīmahi'' – mögen wir meditieren; ''tat naḥ'' – dieses unser [Denken]; ''nandiḥ'' – Nandin; ''pracodayāt'' – möge anregen.
'''1.26 – Anuvaka 1, Mantra 26'''<br>
tatpuruṣāya vidmahe mahāsenāya dhīmahi | tannaḥ ṣaṇmukhaḥ pracodayāt || 1.26 ||<br>
'''Übersetzung:''' Mögen wir jenen Purusha erkennen; mögen wir über Mahasena meditieren. Möge der Sechsgesichtige unser Denken dazu anregen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tat-puruṣāya vidmahe'' – mögen wir jenen Purusha erkennen; ''mahā-senāya'' – Mahasena, dem Heerführer; ''dhīmahi'' – mögen wir meditieren; ''tat naḥ'' – dieses unser [Denken]; ''ṣaṇ-mukhaḥ'' – der Sechsgesichtige, Karttikeya; ''pracodayāt'' – möge anregen.
'''1.27 – Anuvaka 1, Mantra 27'''<br>
tatpuruṣāya vidmahe suvarṇapakṣāya dhīmahi | tanno garuḍaḥ pracodayāt || 1.27 ||<br>
'''Übersetzung:''' Mögen wir jenen Purusha erkennen; mögen wir über den Goldgeflügelten meditieren. Möge Garuda unser Denken dazu anregen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tat-puruṣāya vidmahe'' – mögen wir jenen Purusha erkennen; ''suvarṇa-pakṣāya'' – den Goldgeflügelten; ''dhīmahi'' – mögen wir meditieren; ''tat naḥ'' – dieses unser [Denken]; ''garuḍaḥ'' – Garuda; ''pracodayāt'' – möge anregen.
'''1.28 – Anuvaka 1, Mantra 28'''<br>
vedātmanāya vidmahe hiraṇyagarbhāya dhīmahi | tanno brahma pracodayāt || 1.28 ||<br>
'''Übersetzung:''' Mögen wir den erkennen, dessen Selbst der Veda ist; mögen wir über Hiranyagarbha meditieren. Möge Brahman unser Denken dazu anregen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''veda-ātmanāya vidmahe'' – mögen wir den mit dem Veda als Selbst erkennen; ''hiraṇya-garbhāya'' – über Hiranyagarbha, den goldenen Keim; ''dhīmahi'' – mögen wir meditieren; ''tat naḥ'' – dieses unser [Denken]; ''brahma'' – Brahman/Brahma; ''pracodayāt'' – möge anregen.
'''1.29 – Anuvaka 1, Mantra 29'''<br>
nārāyaṇāya vidmahe vāsudevāya dhīmahi | tanno viṣṇuḥ pracodayāt || 1.29 ||<br>
'''Übersetzung:''' Mögen wir Narayana erkennen; mögen wir über Vasudeva meditieren. Möge Vishnu unser Denken dazu anregen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''nārāyaṇāya vidmahe'' – mögen wir Narayana erkennen; ''vāsudevāya dhīmahi'' – über Vasudeva mögen wir meditieren; ''tat naḥ'' – dieses unser [Denken]; ''viṣṇuḥ'' – Vishnu; ''pracodayāt'' – möge anregen.
'''1.30 – Anuvaka 1, Mantra 30'''<br>
vajranakhāya vidmahe tīkṣṇadaṃṣṭrāya dhīmahi | tanno nārasiṃhaḥ pracodayāt || 1.30 ||<br>
'''Übersetzung:''' Mögen wir den mit diamantgleichen Krallen erkennen; mögen wir über den mit scharfen Fangzähnen meditieren. Möge Narasimha unser Denken dazu anregen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''vajra-nakhāya vidmahe'' – mögen wir den mit diamantgleichen Krallen erkennen; ''tīkṣṇa-daṃṣṭrāya dhīmahi'' – über den Scharfzähnigen mögen wir meditieren; ''tat naḥ'' – dieses unser [Denken]; ''nārasiṃhaḥ'' – Narasimha, der Mannlöwe; ''pracodayāt'' – möge anregen.
'''1.31 – Anuvaka 1, Mantra 31'''<br>
bhāskarāya vidmahe mahaddyutikarāya dhīmahi | tanno ādityyaḥ pracodayāt || 1.31 ||<br>
'''Übersetzung:''' Mögen wir Bhaskara, den Lichtschöpfer, erkennen; mögen wir über den Erzeuger großen Glanzes meditieren. Möge Aditya unser Denken dazu anregen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''bhāskarāya vidmahe'' – mögen wir Bhaskara, den Lichtschöpfer, erkennen; ''mahat-dyuti-karāya'' – den großen Glanz Erzeugenden; ''dhīmahi'' – mögen wir meditieren; ''tat naḥ'' – dieses unser [Denken]; ''ādityaḥ'' – Aditya, Sonne; ''pracodayāt'' – möge anregen.
'''1.32 – Anuvaka 1, Mantra 32'''<br>
vaiśvānaraya vidmahe lālīlāya dhīmahi | tanno agniḥ pracodayāt || 1.32 ||<br>
'''Übersetzung:''' Mögen wir Vaishvanara erkennen; mögen wir über den Flammenzüngigen meditieren. Möge Agni unser Denken dazu anregen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''vaiśvānarāya vidmahe'' – mögen wir Vaishvanara, das allen Menschen gemeinsame Feuer, erkennen; ''lālīlāya'' – über den Leckenden/Flammenzüngigen; ''dhīmahi'' – mögen wir meditieren; ''tat naḥ'' – dieses unser [Denken]; ''agniḥ'' – Agni; ''pracodayāt'' – möge anregen.
'''1.33 – Anuvaka 1, Mantra 33'''<br>
kātyāyanāya vidmahe kanyākumāri dhīmahi | tanno durgiḥ pracodayāt || 1.33 ||<br>
'''Übersetzung:''' Mögen wir die Tochter Katyas erkennen; mögen wir über die jungfräuliche Kumari meditieren. Möge Durga unser Denken dazu anregen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''kātyāyanāya vidmahe'' – mögen wir die aus Katyas Geschlecht stammende Gottheit erkennen; ''kanyā-kumāri'' – die jungfräuliche Kumari; ''dhīmahi'' – mögen wir meditieren; ''tat naḥ'' – dieses unser [Denken]; ''durgiḥ'' – Durga, in vedischer Form; ''pracodayāt'' – möge anregen.
'''Lesartenhinweis:''' Die elektronische Datei führt nach dieser Durga-Gayatri sechs weitere Gayatri-Formeln ausdrücklich in eckigen Klammern als ''pāṭhabhedaḥ'', also als Lesarten anderer Textzeugen, an. Sie gehören nicht zur fortlaufend gezählten Grundfassung und werden deshalb nicht als zusätzliche Mantras ausgegeben.
'''1.34 – Anuvaka 1, Mantra 34'''<br>
sahasraparamā devī śatamūlā śatāṅkurā | sarvaṃharatu me pāpaṃ dūrvā duḥsvapnanāśinī || 1.34 ||<br>
'''Übersetzung:''' Möge Durva, die Göttin über tausend [Reinigungsmitteln], mit hundert Wurzeln und hundert Sprossen und als Vernichterin böser Träume, all meine Verfehlung beseitigen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''sahasra-paramā'' – über tausend [Reinigungsmitteln] stehend; ''devī'' – Göttin; ''śata-mūlā'' – hundertwurzlig; ''śata-aṅkurā'' – hundertsprossig; ''sarvam'' – alle; ''haratu'' – möge beseitigen; ''me'' – meine; ''pāpam'' – Verfehlung, Unreinheit; ''dūrvā'' – Durva-Gras; ''duḥsvapna-nāśinī'' – Vernichterin böser Träume.
'''1.35 – Anuvaka 1, Mantra 35'''<br>
kāṇḍāt kāṇḍāt prarohantī paruṣaḥ paruṣaḥ pari | evā no dūrve pratanu sahasreṇa śatena ca || 1.35 ||<br>
'''Übersetzung:''' Von Knoten zu Knoten und von Glied zu Glied wächst du weiter. Ebenso, o Durva, breite uns durch Hunderte und Tausende aus.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''kāṇḍāt kāṇḍāt'' – von Knoten zu Knoten; ''prarohantī'' – weiter wachsend; ''paruṣaḥ paruṣaḥ pari'' – ringsum von Glied zu Glied; ''evā'' – ebenso; ''naḥ'' – uns; ''dūrve'' – o Durva; ''pratanu'' – breite aus, vermehre; ''sahasreṇa'' – durch tausend; ''śatena ca'' – und durch hundert.
'''1.36 – Anuvaka 1, Mantra 36'''<br>
yā śatena pratanoṣi sahasreṇa virohasi | tasyāste devīṣṭake vidhema haviṣā vayam || 1.36 ||<br>
'''Übersetzung:''' Du breitest dich hundertfach aus und wächst tausendfach empor. Dir, der göttlichen Ziegelgestalt, wollen wir mit einer Opfergabe dienen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yā'' – die du; ''śatena'' – durch hundert; ''pratanoṣi'' – dich ausbreitest; ''sahasreṇa'' – durch tausend; ''virohasi'' – emporwächst; ''tasyāḥ te'' – dieser deiner, dir; ''devī-iṣṭake'' – o göttliche Ziegelgestalt/verehrte Göttin; ''vidhema'' – wollen wir dienen; ''haviṣā'' – mit Opfergabe; ''vayam'' – wir.
'''1.37 – Anuvaka 1, Mantra 37'''<br>
aśvakrānte rathakrānte viṣṇukrānte vasundharā | śirasā dhārayiṣyāmi rakṣasva māṃ pade pade || 1.37 ||<br>
'''Übersetzung:''' O Erde, von Pferden, Wagen und Vishnu überschritten: Ich werde dich auf meinem Haupt tragen; schütze mich bei jedem Schritt.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''aśva-krānte'' – von Pferden überschritten; ''ratha-krānte'' – von Wagen überschritten; ''viṣṇu-krānte'' – von Vishnu überschritten; ''vasundhare'' – o Schatztragende, Erde; ''śirasā'' – mit/auf dem Haupt; ''dhārayiṣyāmi'' – ich werde tragen; ''rakṣasva'' – schütze; ''mām'' – mich; ''pade pade'' – bei jedem Schritt.
'''1.38 – Anuvaka 1, Mantra 38'''<br>
bhūmirdhenurdharaṇī lokadhāriṇī | uddhṛtāsi varāheṇa kṛṣṇena śatabāhunā || 1.38 ||<br>
'''Übersetzung:''' Die Erde ist eine Milchkuh, die Trägerin und Erhalterin der Welten. Du wurdest vom dunklen, hundertarmigen Eber emporgehoben.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''bhūmiḥ'' – Erde; ''dhenuḥ'' – Milchkuh; ''dharaṇī'' – Trägerin; ''loka-dhāriṇī'' – Erhalterin der Welten; ''uddhṛtā asi'' – du bist emporgehoben; ''varāheṇa'' – durch den Eber; ''kṛṣṇena'' – durch den Dunklen; ''śata-bāhunā'' – durch den Hundertarmigen.
'''1.39 – Anuvaka 1, Mantra 39'''<br>
mṛttike hana pāpaṃ yanmayā duṣkṛtaṃ kṛtam | mṛttike brahmadattāsi kāśyapenābhimantritā | mṛttike dehi me puṣṭiṃ tvayi sarvaṃ pratiṣṭhitam || 1.39 ||<br>
'''Übersetzung:''' O Erde, vernichte die Verfehlung, die ich durch schlechte Tat begangen habe. Du bist von Brahman gegeben und von Kashyapa geweiht. Gib mir Gedeihen; in dir ist alles gegründet.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''mṛttike'' – o Erde; ''hana'' – vernichte; ''pāpam'' – Verfehlung; ''yat'' – welche; ''mayā'' – von mir; ''duṣkṛtam kṛtam'' – als schlechte Tat getan; ''mṛttike'' – o Erde; ''brahma-dattā asi'' – du bist von Brahman gegeben; ''kāśyapena'' – von Kashyapa; ''abhimantritā'' – durch Mantra geweiht; ''dehi'' – gib; ''me'' – mir; ''puṣṭim'' – Gedeihen, Nahrungskraft; ''tvayi'' – in dir; ''sarvam'' – alles; ''pratiṣṭhitam'' – gegründet.
'''1.40 – Anuvaka 1, Mantra 40'''<br>
mṛttike pratiṣṭhite sarvaṃ tanme nirṇuda mṛttike | tvayā hatena pāpena gacchāmi paramāṃ gatim || 1.40 ||<br>
'''Übersetzung:''' O Erde, in der alles gegründet ist, vertreibe all jenes von mir. Wenn die Verfehlung durch dich erschlagen ist, gehe ich zum höchsten Ziel.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''mṛttike'' – o Erde; ''pratiṣṭhite'' – du Gegründete; ''sarvam'' – alles; ''tat'' – jenes; ''me'' – von mir; ''nirṇuda'' – vertreibe; ''mṛttike'' – o Erde; ''tvayā'' – durch dich; ''hatena'' – erschlagen; ''pāpena'' – mit der Verfehlung; ''gacchāmi'' – gehe ich; ''paramām gatim'' – zum höchsten Ziel.
'''1.41 – Anuvaka 1, Mantra 41'''<br>
yata indra bhayāmahe tato no abhayaṃ kṛdhi | maghavañchagdhi tava tanna ūtaye vidviṣo vimṛdho jahi || 1.41 ||<br>
'''Übersetzung:''' Wovor wir uns fürchten, o Indra, davor mache uns furchtlos. O Freigebiger, sei stark zu unserem Schutz; erschlage die Hassenden und Angreifer.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yataḥ'' – wovor, aus welcher Ursache; ''indra'' – o Indra; ''bhayāmahe'' – wir fürchten uns; ''tataḥ'' – davor; ''naḥ'' – uns; ''abhayam'' – Furchtlosigkeit; ''kṛdhi'' – mache; ''maghavan'' – o Freigebiger; ''śagdhi'' – sei stark, hilf; ''tava'' – deine; ''tat'' – diese [Kraft]; ''naḥ ūtaye'' – zu unserem Schutz; ''vidviṣaḥ'' – Hassende; ''vimṛdhaḥ'' – Angreifer; ''jahi'' – erschlage.
'''1.42 – Anuvaka 1, Mantra 42'''<br>
svastidā viśaspatirvṛtrahā vimṛdho vaśī | vṛṣendraḥ pura etu naḥ svastidā abhayaṅkaraḥ || 1.42 ||<br>
'''Übersetzung:''' Indra, der Wohlergehen schenkt, Herr der Sippe, Vritra-Töter, Bezwinger der Angreifer und Mächtiger, komme uns voran: der Stier, der Wohlergehen und Furchtlosigkeit schenkt.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''svasti-dā'' – Wohlergehen gebend; ''viśaḥ patiḥ'' – Herr der Sippe; ''vṛtra-hā'' – Vritra-Töter; ''vimṛdhaḥ'' – Angreifer [bezwingend]; ''vaśī'' – mächtig, beherrschend; ''vṛṣā'' – Stier, Kraftvoller; ''indraḥ'' – Indra; ''puraḥ etu'' – gehe voran, komme zuerst; ''naḥ'' – uns; ''svasti-dā'' – Wohlergehen gebend; ''abhayaṅ-karaḥ'' – Furchtlosigkeit schaffend.
'''1.43 – Anuvaka 1, Mantra 43'''<br>
svasti na indro vṛddhaśravāḥ svasti naḥ pūṣā viśvavedāḥ | svasti nastārkṣyo ariṣṭanemiḥ svasti no bṛhaspatirdadhātu || 1.43 ||<br>
'''Übersetzung:''' Indra von wachsendem Ruhm gewähre uns Heil, Pushan, der alles kennt, gewähre uns Heil. Tarkshya mit unversehrtem Rad gewähre uns Heil; Brihaspati gebe uns Heil.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''svasti'' – Wohlergehen; ''naḥ'' – uns; ''indraḥ'' – Indra; ''vṛddha-śravāḥ'' – von wachsendem Ruhm; ''svasti'' – Wohlergehen; ''naḥ'' – uns; ''pūṣā'' – Pushan; ''viśva-vedāḥ'' – alles kennend; ''svasti'' – Wohlergehen; ''naḥ'' – uns; ''tārkṣyaḥ'' – Tarkshya, der Sonnenvogel; ''ariṣṭa-nemiḥ'' – mit unversehrtem Rad; ''svasti'' – Wohlergehen; ''naḥ'' – uns; ''bṛhaspatiḥ'' – Brihaspati; ''dadhātu'' – möge geben.
'''1.44 – Anuvaka 1, Mantra 44'''<br>
āpāntamanyustṛpalaprabharmā dhuniḥ śimīvāñcharumāṃṛjīṣī | somo viśvānyatasāvanāni nārvāgindraṃ pratimānāni debhuḥ || 1.44 ||<br>
'''Übersetzung:''' Soma ist der Zornige aus den Wassern, der den dreifachen Stein trägt, der Erschütternde, Kraftvolle, Pfeilbewehrte und Tresterhaltige. Keine Gegenmacht kommt von hier an Indra heran; er hat alle Soma-Pressungen [übertroffen].
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''āpām anta-manyuḥ'' – Zorniger aus den Wassern; ''tṛpala-prabharmā'' – den dreifachen Pressstein tragend; ''dhuniḥ'' – Erschütternder; ''śimīvān'' – Kraftvoller; ''śarumān'' – Pfeilbewehrter; ''ṛjīṣī'' – Tresterhaltiger; ''somaḥ'' – Soma; ''viśvāni'' – alle; ''atasāvanāni'' – Soma-Pressungen/Antriebe; ''na arvāk'' – nicht von hier, nicht niedriger; ''indram'' – Indra; ''pratimānāni'' – Gegenmaße, Gegenmächte; ''debhuḥ'' – erreichten/übertrafen [schwierige vedische Form].
'''1.45 – Anuvaka 1, Mantra 45'''<br>
brahmajajñānaṃ prathamaṃ purastādvi sīmataḥ suruco vena āvaḥ | sa budhniyā upamā asya viṣṭhāḥ sataśca yonimasataśca vivaḥ || 1.45 ||<br>
'''Übersetzung:''' Das zuerst im Osten geborene Brahman erkannte Vena; aus der Grenze offenbarte er die hellen Strahlen. Er enthüllte die tiefen und hohen Stätten dieses [Brahman], den Schoß des Seienden und des Nichtseienden.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''brahma'' – Brahman, heilige Formulierung; ''jajñānam'' – geboren/erkannt; ''prathamam'' – zuerst; ''purastāt'' – im Osten, am Anfang; ''vi sīmataḥ'' – aus der Grenze weit hervor; ''su-rucaḥ'' – helle Strahlen; ''venaḥ'' – Vena/Sonne; ''āvaḥ'' – offenbarte; ''saḥ'' – er; ''budhniyāḥ'' – die tiefen; ''upamāḥ'' – und höchsten/nahen Stätten; ''asya'' – dieses; ''viṣṭhāḥ'' – Wohnstätten; ''sataḥ ca'' – des Seienden; ''yonim'' – Ursprung; ''asataḥ ca'' – und des Nichtseienden; ''vivaḥ'' – enthüllte.
'''1.46 – Anuvaka 1, Mantra 46'''<br>
syonā pṛthivi bhavān nṛkṣarā niveśanī | yacchā naḥ śarma saprathāḥ || 1.46 ||<br>
'''Übersetzung:''' O Erde, sei freundlich, dornenlos und eine gute Wohnstätte. Gewähre uns weiten Schutz.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''syonā'' – freundlich, glückbringend; ''pṛthivi'' – o Erde; ''bhavān'' – sei; ''nṛkṣarā'' – dornenlos, den Menschen nicht verletzend; ''niveśanī'' – gute Wohnstätte; ''yaccha'' – gewähre; ''naḥ'' – uns; ''śarma'' – Schutz, Zuflucht; ''sa-prathāḥ'' – weit ausgedehnt.
'''1.47 – Anuvaka 1, Mantra 47'''<br>
gandhadvārāṃ durādharṣāṃ nityapuṣṭāṃ karīṣiṇīm | īśvarīṃ sarvabhūtānāṃ tāmihopahvaye śriyam || 1.47 ||<br>
'''Übersetzung:''' Ich rufe hier Shri an, die durch Duft zugänglich, unüberwindlich, stets gedeihend und reich an Nahrung ist, die Herrin aller Wesen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''gandha-dvārām'' – deren Eingang der Duft ist, durch Duft zugänglich; ''durādharṣām'' – unüberwindlich; ''nitya-puṣṭām'' – stets gedeihend; ''karīṣiṇīm'' – reich an Dung/Nahrung, fruchtbar; ''īśvarīm'' – Herrin; ''sarva-bhūtānām'' – aller Wesen; ''tām'' – diese; ''iha'' – hier; ''upahvaye'' – rufe ich herbei; ''śriyam'' – Shri, Fülle.
'''1.48 – Anuvaka 1, Mantra 48'''<br>
śrīrme bhajatu alakṣmīrme naśyatu | viṣṇumukhā vai devāśchandobhirimāṃl lokānanapajayyamabhyajayan | mahāṃ indro vajrabāhuḥ ṣoḍaśī śarma yacchatu || 1.48 ||<br>
'''Übersetzung:''' Möge Shri mir zuteilwerden, möge Alakshmi von mir weichen. Die Götter mit Vishnu an der Spitze eroberten durch die Metren diese unbezwingbaren Welten. Der große, sechzehnfache Indra mit dem Donnerkeulenarm gewähre Schutz.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''śrīḥ'' – Shri, Glück/Fülle; ''me'' – mir; ''bhajatu'' – möge zuteilwerden; ''alakṣmīḥ'' – Unglück, Mangel; ''me'' – von mir; ''naśyatu'' – möge vergehen; ''viṣṇu-mukhāḥ'' – mit Vishnu an der Spitze; ''vai devāḥ'' – wahrlich die Götter; ''chandobhiḥ'' – durch die vedischen Metren; ''imān lokān'' – diese Welten; ''anapajayyam'' – unbezwingbar; ''abhyajayan'' – eroberten; ''mahān indraḥ'' – der große Indra; ''vajra-bāhuḥ'' – mit Donnerkeule im Arm; ''ṣoḍaśī'' – sechzehnfach; ''śarma'' – Schutz; ''yacchatu'' – möge gewähren.
'''1.49 – Anuvaka 1, Mantra 49'''<br>
svasti no maghavā karotu | hantu pāpmānaṃ yo’smān dveṣṭi || 1.49 ||<br>
'''Übersetzung:''' Maghavan gewähre uns Wohlergehen. Er erschlage den Bösen, der uns hasst.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''svasti'' – Wohlergehen; ''naḥ'' – uns; ''maghavā'' – Maghavan, der freigebige Indra; ''karotu'' – möge schaffen; ''hantu'' – möge erschlagen; ''pāpmānam'' – Verfehlung/das Böse; ''yaḥ'' – das/der; ''asmān'' – uns; ''dveṣṭi'' – hasst.
'''1.50 – Anuvaka 1, Mantra 50'''<br>
somānaṃ svaraṇaṃ kṛṇuhi brahmaṇaspate kakṣīvantaṃ ya auśijam | śarīraṃ yajñaśamalaṃ kusīdaṃ tasmintsīdatu yo’smān dveṣṭi || 1.50 ||<br>
'''Übersetzung:''' Mache, o Herr des Gebets, den Sohn Ushijs Kakshivant zu einem klangvollen Soma-Presser. Auf dem Körper, dem unreinen Opferrest und Schuldlager, sitze nieder, wer uns hasst.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''soma-ānam'' – Soma-Presser; ''svaraṇam'' – klingend, berühmt; ''kṛṇuhi'' – mache; ''brahmaṇaspate'' – o Herr des Gebets; ''kakṣīvantam'' – Kakshivant; ''yaḥ auśijam'' – den Sohn Ushijs; ''śarīram'' – Körper; ''yajña-śamalam'' – unreiner Rest des Opfers; ''kusīdam'' – Schuldlager, Zins; ''tasmin sīdatu'' – darauf möge sitzen; ''yaḥ'' – wer; ''asmān'' – uns; ''dveṣṭi'' – hasst.
'''1.51 – Anuvaka 1, Mantra 51'''<br>
caraṇaṃ pavitraṃ vitataṃ purāṇaṃ yena pūtastarati duṣkṛtāni | tena pavitreṇa śuddhena pūtā ati pāpmānamarātiṃ tarema || 1.51 ||<br>
'''Übersetzung:''' Der Fuß [Vishnus] ist das uralte, weithin ausgespannte Reinigungsmittel; durch ihn geläutert überschreitet man schlechte Taten. Durch dieses reine Reinigungsmittel geläutert, wollen wir Verfehlung und Feindschaft überschreiten.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''caraṇam'' – Fuß, Schritt; ''pavitram'' – Reinigungsmittel; ''vitatam'' – ausgespannt; ''purāṇam'' – uralt; ''yena'' – durch den; ''pūtaḥ'' – geläutert; ''tarati'' – überschreitet; ''duṣkṛtāni'' – schlechte Taten; ''tena'' – durch dieses; ''pavitreṇa'' – Reinigungsmittel; ''śuddhena'' – reine; ''pūtāḥ'' – geläutert; ''ati'' – über ... hinaus; ''pāpmānam'' – Verfehlung; ''arātim'' – Feindschaft; ''tarema'' – wollen wir überschreiten.
'''1.52 – Anuvaka 1, Mantra 52'''<br>
sajoṣā indra sagaṇo marudbhiḥ somaṃ piba vṛtrahañchūra vidvān | jahi śatrūṃrapa mṛdho nudasvāthābhayaṃ kṛṇuhi viśvato naḥ || 1.52 ||<br>
'''Übersetzung:''' Einträchtig mit den Maruts und deiner Schar, o Indra, trinke Soma, Vritra-Töter, Held und Wissender. Erschlage die Feinde, dränge die Angriffe zurück und schaffe uns ringsum Furchtlosigkeit.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''sa-joṣāḥ'' – einträchtig; ''indra'' – o Indra; ''sa-gaṇaḥ'' – mit deiner Schar; ''marudbhiḥ'' – mit den Maruts; ''somam'' – Soma; ''piba'' – trinke; ''vṛtra-han'' – o Vritra-Töter; ''śūra'' – Held; ''vidvān'' – Wissender; ''jahi'' – erschlage; ''śatrūn'' – Feinde; ''apa'' – fort; ''mṛdhaḥ'' – Angriffe; ''nudasva'' – dränge; ''atha'' – dann; ''abhayam'' – Furchtlosigkeit; ''kṛṇuhi'' – schaffe; ''viśvataḥ'' – ringsum; ''naḥ'' – uns.
'''1.53 – Anuvaka 1, Mantra 53'''<br>
sumitrā na āpa oṣadhayaḥ santu | durmitrāstasmai bhūyāsuryo’smān dveṣṭi yaṃ ca vayaṃ dviṣmaḥ || 1.53 ||<br>
'''Übersetzung:''' Mögen Wasser und Heilpflanzen uns Freunde sein. Mögen sie dem Feind sein, der uns hasst und den wir hassen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''su-mitrāḥ'' – gute Freunde; ''naḥ'' – uns; ''āpaḥ'' – Wasser; ''oṣadhayaḥ'' – Heilpflanzen; ''santu'' – mögen sein; ''dur-mitrāḥ'' – schlechte Freunde, feindlich; ''tasmai'' – diesem; ''bhūyāsuḥ'' – mögen sie werden; ''yaḥ'' – der; ''asmān'' – uns; ''dveṣṭi'' – hasst; ''yam ca'' – und den; ''vayam'' – wir; ''dviṣmaḥ'' – hassen.
'''1.54 – Anuvaka 1, Mantra 54'''<br>
āpo hi ṣṭhā mayobhuvastā na ūrje dadhātana | mahe raṇāya cakṣase | yo vaḥ śivatamo rasastasya bhājayate’ha naḥ | uśatīriva mātaraḥ | tasmā araṃ gamāma vo yasya kṣayāya jinvatha | āpo janayathā ca naḥ || 1.54 ||<br>
'''Übersetzung:''' Ihr Wasser seid wahrlich glückspendend; gebt uns Nahrung und große, schöne Schau. Lasst uns an eurem heilsamsten Lebenssaft teilhaben wie liebevolle Mütter. Zu eurem befriedigenden Aufenthalt wollen wir gelangen, für dessen Bestand ihr uns belebt. Wasser, bringt uns neues Leben hervor.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''āpaḥ'' – ihr Wasser; ''hi ṣṭhā'' – wahrlich seid ihr; ''mayaḥ-bhuvaḥ'' – Glück hervorbringend; ''tāḥ'' – ihr; ''naḥ'' – uns; ''ūrje'' – zu Nahrungskraft; ''dadhātana'' – gebt, setzt ein; ''mahe'' – zur großen; ''raṇāya'' – schönen, erfreulichen; ''cakṣase'' – Schau, Einsicht; ''yaḥ'' – welcher; ''vaḥ'' – euer; ''śiva-tamaḥ'' – heilsamster; ''rasaḥ'' – Saft, Lebensessenz; ''tasya'' – an diesem; ''bhājayata'' – lasst teilhaben; ''iha naḥ'' – hier uns; ''uśatīḥ iva mātaraḥ'' – wie liebevolle Mütter; ''tasmai'' – zu jenem; ''aram'' – befriedigenden, passenden; ''gamāma'' – wollen wir gelangen; ''vaḥ'' – von euch; ''yasya kṣayāya'' – zu dessen Aufenthalt/Bestand; ''jinvatha'' – ihr belebt; ''āpaḥ'' – ihr Wasser; ''janayatha'' – bringt hervor; ''ca naḥ'' – auch uns.
'''1.55 – Anuvaka 1, Mantra 55'''<br>
hiraṇyaśṛṅgaṃ varuṇaṃ prapadye tīrtha me dehi yācitaḥ | yanmayā bhuktamasādhūnāṃ pāpebhyaśca pratigrahaḥ || 1.55 ||<br>
'''Übersetzung:''' Ich nehme Zuflucht zu Varuna mit dem goldenen Schmuck. Gib mir, darum gebeten, einen heiligen Übergang; denn ich habe von schlechten Menschen gegessen und Gaben von Verfehlenden angenommen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''hiraṇya-śṛṅgam'' – goldgehörnt, mit goldenem Schmuck; ''varuṇam'' – Varuna; ''prapadye'' – ich nehme Zuflucht; ''tīrtham'' – heilige Furt, Übergang; ''me'' – mir; ''dehi'' – gib; ''yācitaḥ'' – gebeten; ''yat'' – was; ''mayā'' – von mir; ''bhuktam'' – gegessen/genossen; ''asādhūnām'' – von schlechten Menschen; ''pāpebhyaḥ ca'' – und von Verfehlenden; ''pratigrahaḥ'' – Annahme einer Gabe.
'''1.56 – Anuvaka 1, Mantra 56'''<br>
yanme manasā vācā karmaṇā vā duṣkṛtaṃ kṛtam | tanna indro varuṇo bṛhaspatiḥ savitā ca punantu punaḥ punaḥ || 1.56 ||<br>
'''Übersetzung:''' Was ich mit Geist, Rede oder Handlung schlecht getan habe, das mögen Indra, Varuna, Brihaspati und Savitri immer wieder vollständig läutern.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yat'' – was; ''me'' – von mir; ''manasā'' – mit dem Geist; ''vācā'' – mit der Rede; ''karmaṇā vā'' – oder durch Handlung; ''duṣkṛtam'' – schlecht; ''kṛtam'' – getan; ''tat'' – dieses; ''naḥ'' – uns/von uns; ''indraḥ'' – Indra; ''varuṇaḥ'' – Varuna; ''bṛhaspatiḥ'' – Brihaspati; ''savitā ca'' – und Savitri; ''punantu'' – mögen läutern; ''punaḥ punaḥ'' – immer wieder, vollständig.
'''1.57 – Anuvaka 1, Mantra 57'''<br>
namo’gnaye’psumate nama indrāya namo varuṇāya namo vāruṇyai namo’dbhyaḥ || 1.57 ||<br>
'''Übersetzung:''' Verneigung vor Agni, der in den Wassern wohnt; Verneigung vor Indra; Verneigung vor Varuna; Verneigung vor Varuni; Verneigung vor den Wassern.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''namaḥ'' – Verneigung; ''agnaye'' – vor Agni; ''apsu-mate'' – dem in den Wassern Wohnenden; ''namaḥ indrāya'' – Verneigung vor Indra; ''namaḥ varuṇāya'' – Verneigung vor Varuna; ''namaḥ vāruṇyai'' – Verneigung vor Varuni; ''namaḥ adbhyaḥ'' – Verneigung vor den Wassern.
'''1.58 – Anuvaka 1, Mantra 58'''<br>
yadapāṃ krūraṃ yadamedhyaṃ yadaśāntaṃ tadapagacchatāt || 1.58 ||<br>
'''Übersetzung:''' Was an den Wassern verletzend, unrein oder unbefriedet ist, das möge fortgehen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yat'' – was; ''apām'' – an den Wassern; ''krūram'' – grausam, verletzend; ''yat amedhyam'' – was unrein; ''yat aśāntam'' – was unbefriedet; ''tat'' – das; ''apagacchatāt'' – möge fortgehen.
'''1.59 – Anuvaka 1, Mantra 59'''<br>
atyāśanādatīpānād yacca ugrāt pratigrahāt | tanme varuṇo rājā pāṇinā hyavamarśatu || 1.59 ||<br>
'''Übersetzung:''' Was durch übermäßiges Essen, übermäßiges Trinken oder die Annahme einer bedenklichen Gabe [entstand], das möge König Varuna mit seiner Hand von mir abstreifen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''ati-aśanāt'' – durch übermäßiges Essen; ''ati-pānāt'' – durch übermäßiges Trinken; ''yat ca'' – und was; ''ugrāt pratigrahāt'' – aus einer bedenklichen/gefährlichen Annahme; ''tat'' – das; ''me'' – von mir; ''varuṇaḥ rājā'' – König Varuna; ''pāṇinā'' – mit der Hand; ''hi'' – gewiss; ''avamarśatu'' – möge abstreifen, abwischen.
'''1.60 – Anuvaka 1, Mantra 60'''<br>
so’hamapāpo virajo nirmukto muktakilbiṣaḥ | nākasya pṛṣṭhamāruhya gacchedbrahmasalokatām || 1.60 ||<br>
'''Übersetzung:''' So werde ich ohne Verfehlung, frei von Unreinheit, gelöst und von Schuld befreit. Nachdem ich den Rücken des Himmels bestiegen habe, möge ich zur Gemeinschaft mit Brahman gelangen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''saḥ aham'' – so ich; ''apāpaḥ'' – ohne Verfehlung; ''virajaḥ'' – frei von Staub/Unreinheit; ''nirmuktaḥ'' – gelöst; ''mukta-kilbiṣaḥ'' – von Schuld befreit; ''nākasya pṛṣṭham'' – Rücken/Höhe des Himmels; ''āruhya'' – bestiegen habend; ''gacchet'' – möge gelangen; ''brahma-salokatām'' – zum Wohnen in derselben Welt wie Brahman, zur Brahman-Gemeinschaft.
'''1.61 – Anuvaka 1, Mantra 61'''<br>
yaścāpsu varuṇaḥ sa punātvaghamarṣaṇaḥ || 1.61 ||<br>
'''Übersetzung:''' Varuna, der in den Wassern ist und Verfehlung fortspült, möge mich läutern.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yaḥ ca'' – der auch; ''apsu'' – in den Wassern; ''varuṇaḥ'' – Varuna; ''saḥ'' – er; ''punātu'' – möge läutern; ''agha-marṣaṇaḥ'' – Verfehlung fortspülend.
'''1.62 – Anuvaka 1, Mantra 62'''<br>
imaṃ me gaṅge yamune sarasvati śutudri stomaṃ sacatā paruṣṇiyā | asikniya marudvṛdhe vitastayārjīkīye śṛṇuhyā suṣomayā || 1.62 ||<br>
'''Übersetzung:''' O Ganga, Yamuna, Sarasvati, Shutudri und Parushni, nehmt an meinem Lobgesang teil; o Asikni, Marudvridha, Vitasta, Arjikiya und Sushoma, hört ihn.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''imam me stomam'' – diesen meinen Lobgesang; ''gaṅge'' – o Ganga; ''yamune'' – o Yamuna; ''sarasvati'' – o Sarasvati; ''śutudri'' – o Shutudri; ''sacata'' – nehmt teil, begleitet; ''paruṣṇiyā'' – mit Parushni; ''asikniya'' – o Asikni; ''marud-vṛdhe'' – o Marudvridha; ''vitastayā'' – mit Vitasta; ''ārjīkīye'' – o Arjikiya; ''śṛṇuhi'' – höre; ''ā suṣomayā'' – zusammen mit Sushoma.
'''1.63 – Anuvaka 1, Mantra 63'''<br>
ṛtaṃ ca satyaṃ cābhīddhāttapaso’dhyajāyata | tato rātrirajāyata tataḥ samudro arṇavaḥ || 1.63 ||<br>
'''Übersetzung:''' Ordnung und Wahrheit wurden aus der entflammten Askese geboren. Daraus entstand die Nacht, daraus der wogende Ozean.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''ṛtam ca'' – Ordnung und; ''satyam ca'' – Wahrheit; ''abhīddhāt'' – aus dem Entflammten; ''tapasaḥ adhi'' – aus Askese/Glut; ''ajāyata'' – entstand; ''tataḥ'' – daraus; ''rātriḥ'' – Nacht; ''ajāyata'' – entstand; ''tataḥ'' – daraus; ''samudraḥ arṇavaḥ'' – der wogende Ozean.
'''1.64 – Anuvaka 1, Mantra 64'''<br>
samudrādarṇavādadhi saṃvatsaro ajāyata | ahorātrāṇi vidadhadviśvasya miṣato vaśī || 1.64 ||<br>
'''Übersetzung:''' Aus dem wogenden Ozean entstand das Jahr. Der Herrscher ordnete Tage und Nächte für alles, was die Augen öffnet.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''samudrāt arṇavāt adhi'' – aus dem wogenden Ozean; ''saṃvatsaraḥ'' – Jahr; ''ajāyata'' – entstand; ''aho-rātrāṇi'' – Tage und Nächte; ''vidadhat'' – ordnend; ''viśvasya'' – des Alls; ''miṣataḥ'' – des die Augen Öffnenden, Lebendigen; ''vaśī'' – der Herrscher.
'''1.65 – Anuvaka 1, Mantra 65'''<br>
sūryācandramasau dhātā yathāpūrvamakalpayat | divaṃ ca pṛthivīṃ cāntarikṣamatho suvaḥ || 1.65 ||<br>
'''Übersetzung:''' Der Ordner bildete Sonne und Mond wie zuvor, dazu Himmel, Erde, Zwischenraum und den lichten Himmel.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''sūryā-candramasau'' – Sonne und Mond; ''dhātā'' – der Ordner, Schöpfer; ''yathā-pūrvam'' – wie zuvor; ''akalpayat'' – bildete, ordnete; ''divam ca'' – und Himmel; ''pṛthivīm ca'' – und Erde; ''antarikṣam'' – Zwischenraum; ''atho'' – und dann; ''suvaḥ'' – lichter Himmel.
'''1.66 – Anuvaka 1, Mantra 66'''<br>
yatpṛthivyāṃ rajaḥ svamāntarikṣe virodasī | imāṃstadāpo varuṇaḥ punātvaghamarṣaṇaḥ || punantu vasavaḥ punātu varuṇaḥ punātvaghamarṣaṇaḥ | eṣa bhūtasya madhye bhuvanasya goptā || eṣa puṇyakṛtāṃ lokāneṣa mṛtyorhiraṇmayam | dyāvāpṛthivyorhiraṇmayaṃ saṃśritaṃ suvaḥ | sa naḥ suvaḥ saṃśiśādhi || 1.66 ||<br>
'''Übersetzung:''' Was an Staub auf der Erde und im eigenen Bereich zwischen den beiden Welten liegt, all das mögen die Wasser und Varuna, der Verfehlung fortspült, läutern. Die Vasus mögen läutern, Varuna möge läutern, der Verfehlung fortspülende Varuna möge läutern. Er ist inmitten der Wesen der Hüter der Welt. Er gibt die Welten der Tugendhaften und die goldene Welt jenseits des Todes. Der goldene lichte Himmel ruht zwischen Himmel und Erde. Möge er uns diesen lichten Himmel gut bereiten.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yat'' – was; ''pṛthivyām'' – auf der Erde; ''rajaḥ'' – Staub/Unreinheit; ''svam'' – im eigenen [Bereich]; ''antarikṣe'' – im Zwischenraum; ''vi-rodasī'' – zwischen beiden Welten; ''imān'' – all diese; ''tat āpaḥ'' – diese Wasser; ''varuṇaḥ'' – Varuna; ''punātu'' – möge läutern; ''agha-marṣaṇaḥ'' – Verfehlung fortspülend; ''punantu'' – mögen läutern; ''vasavaḥ'' – die Vasus; ''punātu varuṇaḥ'' – Varuna möge läutern; ''eṣaḥ'' – dieser; ''bhūtasya madhye'' – inmitten der Wesen; ''bhuvanasya goptā'' – Hüter der Welt; ''eṣaḥ'' – dieser; ''puṇya-kṛtām lokān'' – die Welten der Tugendhaften [gibt]; ''eṣaḥ'' – dieser; ''mṛtyoḥ hiraṇmayam'' – das Goldene jenseits des Todes; ''dyāvā-pṛthivyoḥ'' – zwischen Himmel und Erde; ''hiraṇmayam'' – das Goldene; ''saṃśritam'' – ruhend; ''suvaḥ'' – lichter Himmel; ''saḥ'' – er; ''naḥ'' – uns; ''suvaḥ'' – den lichten Himmel; ''saṃśiśādhi'' – möge gut bereiten, zuweisen.
'''1.67 – Anuvaka 1, Mantra 67'''<br>
ārdraṃ jvalatijyotirahamasmi | jyotirjvalati brahmāhamasmi | yo’hamasmi brahmāhamasmi | ahamasmi brahmāhamasmi | ahamevāhaṃ māṃ juhomi svāhā || 1.67 ||<br>
'''Übersetzung:''' Ich bin das feuchte, flammende Licht. Das Licht flammt: Ich bin Brahman. Was ich bin, ist Brahman. Ich bin, ich bin Brahman. Mich selbst bringe ich in mir selbst als Opfer dar. Svaha.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''ārdram'' – feucht; ''jvalati'' – flammt; ''jyotiḥ'' – Licht; ''aham asmi'' – ich bin; ''jyotiḥ jvalati'' – das Licht flammt; ''brahma aham asmi'' – Brahman bin ich; ''yaḥ aham asmi'' – was/wer ich bin; ''brahma aham asmi'' – Brahman bin ich; ''aham asmi'' – ich bin; ''brahma aham asmi'' – Brahman bin ich; ''aham eva aham'' – ich allein bin ich; ''mām'' – mich; ''juhomi'' – bringe ich als Opfer dar; ''svāhā'' – Svaha, Opferruf.
'''1.68 – Anuvaka 1, Mantra 68'''<br>
akāryavakīrṇī steno bhrūṇahā gurutalpagaḥ | varuṇo’pāmaghamarṣaṇastasmāt pāpāt pramucyate || 1.68 ||<br>
'''Übersetzung:''' Wer Verbotenes getan, Keuschheit verletzt, gestohlen, einen Embryo getötet oder das Lager des Lehrers verletzt hat, wird durch Varuna in den Wassern, der Verfehlung fortspült, von dieser Schuld gelöst.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''akārya-avakīrṇī'' – Verbotenes Tuender/Keuschheit Verletzender; ''stenaḥ'' – Dieb; ''bhrūṇa-hā'' – Embryo- oder Brahmanen-Töter; ''guru-talpa-gaḥ'' – zum Lager des Lehrers gehend; ''varuṇaḥ'' – Varuna; ''apām'' – der Wasser; ''agha-marṣaṇaḥ'' – Verfehlung fortspülend; ''tasmāt pāpāt'' – von dieser Verfehlung; ''pramucyate'' – wird vollständig gelöst.
'''1.69 – Anuvaka 1, Mantra 69'''<br>
rajobhūmistva māṃ rodayasva pravadanti dhīrāḥ || 1.69 ||<br>
'''Übersetzung:''' Ich bin der Boden der Verfehlungen; deshalb lässt du mich weinen – so sprechen die Weisen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''rajaḥ-bhūmiḥ'' – Boden des Staubs, der Unreinheit oder Verfehlungen; ''tu'' – nun, deshalb; ''mām'' – mich; ''rodayasva'' – lass weinen; ''pravadanti'' – so sprechen; ''dhīrāḥ'' – die Weisen.
'''1.70 – Anuvaka 1, Mantra 70'''<br>
ākrāntsamudraḥ prathame vidharmañjanayanprajā bhuvanasya rājā | vṛṣā pavitre adhi sāno avye bṛhatsomo vāvṛdhe suvāna induḥ || 1.70 ||<br>
'''Übersetzung:''' Der Ozean überschritt im ersten Ordnungsraum [seine Grenze], als er als König der Welt Geschöpfe hervorbrachte. Der kräftige Soma wuchs, während er auf dem Rücken des wollenen Filters geläutert wurde.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''ākrānt'' – überschritt, überflutete; ''samudraḥ'' – Ozean; ''prathame'' – im ersten; ''vidharman'' – Ordnungsraum, Weltgesetz; ''janayan'' – hervorbringend; ''prajāḥ'' – Geschöpfe; ''bhuvanasya rājā'' – König der Welt; ''vṛṣā'' – Stier, Kraftvoller; ''pavitre adhi'' – auf dem Filter; ''sāno'' – auf dem Rücken/Gipfel; ''avye'' – wollenen; ''bṛhat somaḥ'' – der große Soma; ''vāvṛdhe'' – wuchs mächtig; ''suvānaḥ'' – gepresst, geläutert werdend; ''induḥ'' – Soma-Tropfen.
===Mahanarayana Upanishad 2. Anuvaka ===
'''2.1 – Anuvaka 2, Mantra 1'''<br>
jātavedase sunavāma somamarātīyato nidahāti vedaḥ | sa naḥ parṣadati durgāṇi viśvā nāveva sindhuṃ duritātyagniḥ || 2.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Für Jatavedas wollen wir Soma pressen; als Wissender verbrenne er den Feindseligen. Agni führe uns über alle Schwierigkeiten, wie ein Schiff über den Strom, und über alles Schlechte.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''jātavedase'' – für Jatavedas, den Allkundigen; ''sunavāma'' – wollen wir pressen; ''somam'' – Soma; ''arātīyataḥ'' – den feindselig Handelnden; ''nidahāti'' – verbrennt; ''vedaḥ'' – der Wissende; ''saḥ'' – er; ''naḥ'' – uns; ''parṣat'' – möge hinüberführen; ''ati'' – über ... hinaus; ''durgāṇi viśvā'' – alle Schwierigkeiten; ''nāvā iva'' – wie mit einem Schiff; ''sindhum'' – Strom, Meer; ''duritāt'' – aus dem Schlechten; ''ati'' – hinüber; ''agniḥ'' – Agni.
'''2.2 – Anuvaka 2, Mantra 2'''<br>
tāmagnivarṇāṃ tapasā jvalantīṃ vairocanīṃ karmaphaleṣu juṣṭām | durgāṃ devīṃ śaraṇamahaṃ prapadye sutarasi tarase namaḥ || 2.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' Zu der feuerfarbenen, durch Askese flammenden, strahlenden Göttin, die in den Früchten des Handelns verehrt wird, zu Durga nehme ich Zuflucht. Du führst gut hinüber; Verneigung sei deiner Kraft des Hinüberführens.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tām'' – zu ihr; ''agni-varṇām'' – feuerfarben; ''tapasā'' – durch Askese/Glut; ''jvalantīm'' – flammend; ''vairocanīm'' – weithin leuchtend, strahlend; ''karma-phaleṣu'' – in den Früchten der Handlungen; ''juṣṭām'' – verehrt, gegenwärtig; ''durgām devīm'' – zur Göttin Durga; ''śaraṇam'' – Zuflucht; ''aham'' – ich; ''prapadye'' – nehme; ''su-tarasi'' – du führst gut hinüber; ''tarase'' – der Kraft des Hinüberführens; ''namaḥ'' – Verneigung.
'''2.3 – Anuvaka 2, Mantra 3'''<br>
agne tvaṃ pārayā navyo asmān svastibhirati durgāṇi viśvā | pūśca pṛthvī bahulā na urvī bhavā tokāya tanayāya śaṃyoḥ || 2.3 ||<br>
'''Übersetzung:''' O Agni, führe du uns mit neuen Heilswegen über alle Schwierigkeiten. Die Erde werde uns weit und ausgedehnt wie eine Stadt; sei unseren Kindern und Nachkommen zu Wohlergehen und Frieden.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''agne'' – o Agni; ''tvam'' – du; ''pārayā'' – führe hinüber; ''navyaḥ'' – der Neue/mit neuen Mitteln; ''asmān'' – uns; ''svastibhiḥ'' – durch Heilswege; ''ati'' – über ... hinaus; ''durgāṇi viśvā'' – alle Schwierigkeiten; ''pūḥ ca'' – und die Stadt/Erde; ''pṛthvī'' – weit; ''bahulā'' – ausgedehnt; ''na urvī'' – wie eine breite [Fläche] für uns; ''bhavā'' – sei; ''tokāya'' – dem Kind; ''tanayāya'' – dem Nachkommen; ''śam-yoḥ'' – zu Wohlergehen und Frieden.
'''2.4 – Anuvaka 2, Mantra 4'''<br>
viśvāni no durgahā jātavedaḥ sindhuṃ na nāvā duritātiparṣi | agne atrivanmanasā gṛṇāno’smākaṃ bodhyavitā tanūnām || 2.4 ||<br>
'''Übersetzung:''' O Jatavedas, der du alle Schwierigkeiten zerstörst, führe uns über das Schlechte wie ein Schiff über den Strom. O Agni, wie Atri dich mit dem Geist preisend, erkenne uns und sei Beschützer unserer Leiber.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''viśvāni'' – alle; ''naḥ'' – unsere; ''durga-hā'' – Schwierigkeiten zerstörend; ''jātavedaḥ'' – o Jatavedas; ''sindhum'' – Strom; ''na nāvā'' – wie mit einem Schiff; ''duritā'' – über das Schlechte; ''ati-parṣi'' – führe hinüber; ''agne'' – o Agni; ''atri-vat'' – wie Atri; ''manasā'' – mit dem Geist; ''gṛṇānaḥ'' – preisend; ''asmākam'' – unsere; ''bodhi'' – erkenne, sei bewusst; ''avitā'' – Beschützer; ''tanūnām'' – der Leiber.
'''2.5 – Anuvaka 2, Mantra 5'''<br>
pṛtanājitaṃ sahamānamugramagniṃ huvema paramātsadhasthāt | sa naḥ parṣadati durgāṇi viśvā kṣāmaddevo ati duritātyagniḥ || 2.5 ||<br>
'''Übersetzung:''' Wir wollen den kampfsiegenden, widerstehenden, mächtigen Agni vom höchsten Versammlungsort herbeirufen. Als Gott führe er uns über alle Schwierigkeiten und aus vergänglicher Not über alles Schlechte.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''pṛtanā-jitam'' – in Schlachten siegreich; ''sahamānam'' – widerstehend, bezwingend; ''ugram'' – mächtig; ''agnim'' – Agni; ''huvema'' – wollen wir herbeirufen; ''paramāt sadhasthāt'' – vom höchsten Versammlungsort; ''saḥ'' – er; ''naḥ'' – uns; ''parṣat'' – möge hinüberführen; ''ati'' – über ... hinaus; ''durgāṇi viśvā'' – alle Schwierigkeiten; ''kṣāmāt'' – aus Vergänglichkeit, Not; ''devaḥ'' – der Gott; ''ati duritāti'' – über alles Schlechte hinaus; ''agniḥ'' – Agni.
'''2.6 – Anuvaka 2, Mantra 6'''<br>
pratnoṣi kamīḍyo adhvareṣu sanācca hotā navyaśca satsi | svāṃ cāgne tanuvaṃ piprayasvāsmabhyaṃ ca saubhagamāyajasva || 2.6 ||<br>
'''Übersetzung:''' Du bist uralt und verehrungswürdig in den Opfern; von alters her bist du Hotri und bleibst doch neu. O Agni, erfreue deinen eigenen Leib und erwirke für uns Glück.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''pratnaḥ asi'' – du bist uralt; ''kam īḍyaḥ'' – wahrlich verehrungswürdig; ''adhvareṣu'' – in den Opfern; ''sanāt ca'' – seit alters; ''hotā'' – Hotri-Priester; ''navyaḥ ca'' – und neu; ''satsi'' – sitzt/bist du; ''svām ca'' – deine eigene; ''agne'' – o Agni; ''tanuvam'' – Gestalt, Leib; ''piprayasva'' – erfreue, erfülle; ''asmabhyam ca'' – und für uns; ''saubhagam'' – Glück; ''ā-yajasva'' – erwirke durch Opfer.
'''2.7 – Anuvaka 2, Mantra 7'''<br>
gobhirjuṣṭamayujo niṣiktaṃ tavendra viṣṇoranusaṃcarema | nākasya pṛṣṭhamabhi saṃvasāno vaiṣṇavīṃ loka iha mādayantām || 2.7 ||<br>
'''Übersetzung:''' Wir wollen, von den Kühen willkommen geheißen und mit der ungebundenen [Kraft] gesalbt, deinem Weg folgen, o Indra-Vishnu. Während wir auf dem Rücken des Himmels beisammen wohnen, mögen sich die vishnuitischen Welten hier an uns erfreuen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''gobhiḥ'' – von Kühen/Strahlen; ''juṣṭam'' – willkommen geheißen; ''ayujaḥ'' – der ungebundenen [Kraft]; ''niṣiktam'' – gesalbt, ausgegossen; ''tava'' – deinen; ''indra'' – o Indra; ''viṣṇoḥ'' – Vishnus; ''anu-saṃcarema'' – mögen wir nachfolgend durchwandern; ''nākasya pṛṣṭham'' – Rücken/Höhe des Himmels; ''abhi saṃvasānaḥ'' – dort zusammen wohnend; ''vaiṣṇavīm'' – vishnuitisch, Vishnu gehörig; ''loke'' – in der Welt; ''iha'' – hier; ''mādayantām'' – mögen [sie] sich erfreuen/uns erfreuen.
===Mahanarayana Upanishad Anuvaka 3===
'''3.1 – Anuvaka 3, Mantra 1'''<br>
bhūrannamagnaye pṛthivyai svāhā bhuvo’nnaṃ vāyave’ntarikṣāya svāhā suvarannamādityāya dive svāhā bhūrbhuvassuvarannaṃ candramase digbhyaḥ svāhā namo devebhyaḥ svadhā pitṛbhyo bhūrbhuvaḥ suvarannamom || 3.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Bhuh: Nahrung für Agni und die Erde – Svaha. Bhuvah: Nahrung für Vayu und den Zwischenraum – Svaha. Suvah: Nahrung für Aditya und den Himmel – Svaha. Bhuh, Bhuvah, Suvah: Nahrung für den Mond und die Richtungen – Svaha. Verneigung den Göttern, Svaha den Vätern. Bhuh, Bhuvah, Suvah – Nahrung, Om.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''bhūḥ'' – Erde, erste Weltanrufung; ''annam'' – Nahrung; ''agnaye'' – für Agni; ''pṛthivyai'' – für die Erde; ''svāhā'' – Svaha; ''bhuvaḥ'' – Zwischenraum; ''annam'' – Nahrung; ''vāyave'' – für Vayu; ''antarikṣāya'' – für den Zwischenraum; ''svāhā'' – Svaha; ''suvaḥ'' – Himmel; ''annam'' – Nahrung; ''ādityāya'' – für Aditya; ''dive'' – für den Himmel; ''svāhā'' – Svaha; ''bhūḥ bhuvaḥ suvaḥ'' – Erde, Zwischenraum, Himmel; ''annam'' – Nahrung; ''candramase'' – für den Mond; ''digbhyaḥ'' – für die Richtungen; ''svāhā'' – Svaha; ''namaḥ devebhyaḥ'' – Verneigung den Göttern; ''svadhā pitṛbhyaḥ'' – Svadhā den Vätern; ''bhūḥ bhuvaḥ suvaḥ'' – die drei Welten; ''annam'' – Nahrung; ''om'' – Om.
===Mahanarayana Upanishad Anuvaka 4===
'''4.1 – Anuvaka 4, Mantra 1'''<br>
bhūragnaye pṛthivyai svāhā bhuvo vāyave’ntarikṣāya svāhā suvarādityāya dive svāhā bhūrbhuvassuvaścandramase digbhyaḥ svāhā namo devebhyaḥ svadhā pitṛbhyo bhūrbhuvaḥsuvaragna om || 4.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Bhuh für Agni und die Erde – Svaha. Bhuvah für Vayu und den Zwischenraum – Svaha. Suvah für Aditya und den Himmel – Svaha. Bhuh, Bhuvah, Suvah für den Mond und die Richtungen – Svaha. Verneigung den Göttern, Svaha den Vätern. Bhuh, Bhuvah, Suvah – Agni, Om.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''bhūḥ'' – Erde; ''agnaye'' – für Agni; ''pṛthivyai'' – für die Erde; ''svāhā'' – Svaha; ''bhuvaḥ'' – Zwischenraum; ''vāyave'' – für Vayu; ''antarikṣāya'' – für den Zwischenraum; ''svāhā'' – Svaha; ''suvaḥ'' – Himmel; ''ādityāya'' – für Aditya; ''dive'' – für den Himmel; ''svāhā'' – Svaha; ''bhūḥ bhuvaḥ suvaḥ'' – drei Weltanrufungen; ''candramase'' – für den Mond; ''digbhyaḥ'' – für die Richtungen; ''svāhā'' – Svaha; ''namaḥ devebhyaḥ'' – Verneigung den Göttern; ''svadhā pitṛbhyaḥ'' – Svadhā den Vätern; ''bhūḥ bhuvaḥ suvaḥ'' – Erde, Zwischenraum, Himmel; ''agne'' – o Agni; ''om'' – Om.
===Mahanarayana Upanishad Anuvaka 5===
'''5.1 – Anuvaka 5, Mantra 1'''<br>
bhūragnaye ca pṛthivyai ca mahute ca svāhā bhuvo vāyave cāntarikṣāya ca mahate ca svāhā suvarādityāya ca dive ca mahate ca svāhā bhūrbhuvassuvaścandramase ca nakṣatrebhyaśca digbhyaśca mahate ca svāhā namo devebhyaḥ svadhā pitṛbhyo bhūrbhuvaḥ suvarmaharom || 5.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Bhuh für Agni, die Erde und das Große – Svaha. Bhuvah für Vayu, den Zwischenraum und das Große – Svaha. Suvah für Aditya, den Himmel und das Große – Svaha. Bhuh, Bhuvah, Suvah für den Mond, die Sternbilder, die Richtungen und das Große – Svaha. Verneigung den Göttern, Svaha den Vätern. Bhuh, Bhuvah, Suvah, Mahah – Om.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''bhūḥ'' – Erde; ''agnaye ca'' – und für Agni; ''pṛthivyai ca'' – und für die Erde; ''mahate ca'' – und für das Große; ''svāhā'' – Svaha; ''bhuvaḥ'' – Zwischenraum; ''vāyave ca'' – und für Vayu; ''antarikṣāya ca'' – und für den Zwischenraum; ''mahate ca'' – und für das Große; ''svāhā'' – Svaha; ''suvaḥ'' – Himmel; ''ādityāya ca'' – und für Aditya; ''dive ca'' – und für den Himmel; ''mahate ca'' – und für das Große; ''svāhā'' – Svaha; ''bhūḥ bhuvaḥ suvaḥ'' – drei Weltanrufungen; ''candramase ca'' – und für den Mond; ''nakṣatrebhyaḥ ca'' – und für die Sternbilder; ''digbhyaḥ ca'' – und für die Richtungen; ''mahate ca'' – und für das Große; ''svāhā'' – Svaha; ''namaḥ devebhyaḥ'' – Verneigung den Göttern; ''svadhā pitṛbhyaḥ'' – Svadhā den Vätern; ''bhūḥ bhuvaḥ suvaḥ mahaḥ'' – Erde, Zwischenraum, Himmel, das Große; ''om'' – Om.
===Mahanarayana Upanishad Anuvaka 6-12===
'''6.1 – Anuvaka 6, Mantra 1'''<br>
pāhi no agna enase svāhā pāhi no viśvavedase svāhā yajñaṃ pāhi vibhāvaso svāhā sarvaṃ pāhi śatakrato svāhā || 6.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Schütze uns, o Agni, vor Verfehlung – Svaha. Schütze uns, Allwissender – Svaha. Schütze das Opfer, o weithin Leuchtender – Svaha. Schütze alles, o Hundertkräftiger – Svaha.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''pāhi'' – schütze; ''naḥ'' – uns; ''agne'' – o Agni; ''enasaḥ'' – vor Verfehlung; ''svāhā'' – Svaha; ''pāhi'' – schütze; ''naḥ'' – uns; ''viśva-vedase'' – o Allwissender; ''svāhā'' – Svaha; ''yajñam'' – Opfer; ''pāhi'' – schütze; ''vibhāvaso'' – o weithin Leuchtender; ''svāhā'' – Svaha; ''sarvam'' – alles; ''pāhi'' – schütze; ''śata-krato'' – o Hundertkräftiger, Indra; ''svāhā'' – Svaha.
'''7.1 – Anuvaka 7, Mantra 1'''<br>
pāhi no agna ekayā pāhyuta dvitīyayā pāhyūrja tṛtīyayā pāhi gīrbhiścatasṛbhirvaso svāhā || 7.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Schütze uns, o Agni, mit der ersten [Formel], schütze auch mit der zweiten, schütze Nahrungskraft mit der dritten und schütze, o Guter, mit den vier Gesängen – Svaha.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''pāhi'' – schütze; ''naḥ'' – uns; ''agne'' – o Agni; ''ekayā'' – mit der ersten/einen; ''pāhi'' – schütze; ''uta'' – auch; ''dvitīyayā'' – mit der zweiten; ''pāhi'' – schütze; ''ūrjam'' – Nahrungskraft; ''tṛtīyayā'' – mit der dritten; ''pāhi'' – schütze; ''gīrbhiḥ'' – mit Gesängen; ''catasṛbhiḥ'' – mit vier; ''vaso'' – o Guter, Schatzreicher; ''svāhā'' – Svaha.
'''8.1 – Anuvaka 8, Mantra 1'''<br>
yaśchandasāmṛṣabho viśvarūpaśchandobhyaścandāṃsyāviveśa | satāṃśikyaḥ provācopaniṣadindro jyeṣṭha indriyāya ṛṣibhyo namo devebhyaḥ svadhā pitṛbhyo bhūrbhuvassuvaśchanda om || 8.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Der Stier unter den Metren, von allgestaltiger Form, ging aus den Metren in die Metren ein. Indra, der Älteste, verkündete die Upanishad der Weisen zur Kraft der Sinnesorgane. Verneigung den Göttern, Svaha den Vätern. Bhuh, Bhuvah, Suvah – das Versmaß, Om.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yaḥ'' – der; ''chandasām'' – unter den Metren; ''ṛṣabhaḥ'' – Stier, Vorzüglichster; ''viśva-rūpaḥ'' – allgestaltig; ''chandobhyaḥ'' – aus den Metren; ''chandāṃsi'' – in die Metren; ''āviveśa'' – ging ein; ''satām śikyaḥ'' – für die Guten lehrbar/zu erlernen [schwierige Lesart]; ''provāca'' – verkündete; ''upaniṣat'' – vertrauliche Lehre; ''indraḥ'' – Indra; ''jyeṣṭhaḥ'' – der Älteste; ''indriyāya'' – für Sinneskraft; ''ṛṣibhyaḥ'' – den Sehern; ''namaḥ devebhyaḥ'' – Verneigung den Göttern; ''svadhā pitṛbhyaḥ'' – Svadhā den Vätern; ''bhūḥ bhuvaḥ suvaḥ'' – Erde, Zwischenraum, Himmel; ''chandaḥ'' – Versmaß; ''om'' – Om.
'''9.1 – Anuvaka 9, Mantra 1'''<br>
namo brahmaṇe dhāraṇaṃ me astvanirākaraṇaṃ dhārayitā bhūyāsaṃ karṇayoḥ śrutaṃ mā cyoḍhaṃ mamāmuṣya om || 9.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Verneigung vor Brahman. Möge mir Bewahrung und kein Verwerfen zuteilwerden; möge ich ein Bewahrer sein. Was ich mit beiden Ohren gehört habe, möge nicht von mir und von diesem [Schüler] weichen. Om.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''namaḥ brahmaṇe'' – Verneigung vor Brahman; ''dhāraṇam'' – Bewahrung, Festhalten; ''me'' – mir; ''astu'' – möge sein; ''anirākaraṇam'' – kein Verwerfen; ''dhārayitā'' – Bewahrer; ''bhūyāsam'' – möge ich sein; ''karṇayoḥ'' – in beiden Ohren; ''śrutam'' – Gehörtes; ''mā cyoḍham'' – möge nicht abfallen/fortgetrieben werden; ''mama'' – von mir; ''amuṣya'' – von diesem, jenem [Schüler]; ''om'' – Om.
'''10.1 – Anuvaka 10, Mantra 1'''<br>
ṛtaṃ tapaḥ satyaṃ tapaḥ śrutaṃ tapaḥ śāntaṃ tapo damastapaḥ śamastapo dānaṃ tapo yajñaṃ tapo bhūrbhuvaḥ suvarbrahmaitadupāsvaitattapaḥ || 10.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Die Ordnung ist Askese, Wahrheit ist Askese, Hören ist Askese, Friedfertigkeit ist Askese, Sinnesbeherrschung ist Askese, innere Ruhe ist Askese, Geben ist Askese, Opfer ist Askese. Bhuh, Bhuvah, Suvah: Brahman – verehre dies; dies ist Askese.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''ṛtam'' – kosmische Ordnung; ''tapaḥ'' – Askese; ''satyam'' – Wahrheit; ''tapaḥ'' – Askese; ''śrutam'' – Hören, Offenbarung; ''tapaḥ'' – Askese; ''śāntam'' – Friedfertigkeit; ''tapaḥ'' – Askese; ''damaḥ'' – Sinnesbeherrschung; ''tapaḥ'' – Askese; ''śamaḥ'' – innere Ruhe; ''tapaḥ'' – Askese; ''dānam'' – Geben; ''tapaḥ'' – Askese; ''yajñam'' – Opfer; ''tapaḥ'' – Askese; ''bhūḥ bhuvaḥ suvaḥ'' – Erde, Zwischenraum, Himmel; ''brahma'' – Brahman; ''etat upāsva'' – dies verehre/betrachte; ''etat tapaḥ'' – dies ist Askese.
'''11.1 – Anuvaka 11, Mantra 1'''<br>
yathā vṛkṣasya sampuṣpitasya dūrādgandho vātyevaṃ puṇyasya karmaṇo dūrādgandho vāti yathāsidhārāṃ karte’vahitamavakrāme yadyuve yuve havā vihvayiṣyāmi kartaṃ patiṣyāmītyevamamṛtādātmānaṃ jugupset || 11.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Wie der Duft eines blühenden Baumes von weitem weht, so weht der Duft einer verdienstvollen Tat von weitem. Wie jemand, der auf eine über einer Grube gelegte Schwertschneide tritt, denkt: ‚Wenn ich schwanke, werde ich in die Grube fallen‘, so hüte man das Selbst vor dem Verlust der Unsterblichkeit.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yathā'' – wie; ''vṛkṣasya'' – eines Baumes; ''sampuṣpitasya'' – voll erblühten; ''dūrāt'' – von weitem; ''gandhaḥ'' – Duft; ''vāti'' – weht; ''evam'' – so; ''puṇyasya karmaṇaḥ'' – einer verdienstvollen Tat; ''dūrāt gandhaḥ vāti'' – von weitem weht der Duft; ''yathā'' – wie; ''asi-dhārām'' – Schwertschneide; ''karte'' – über einer Grube; ''avahitam'' – niedergelegt; ''avakrāme'' – wenn ich darauf trete; ''yadi'' – wenn; ''yuve yuve'' – ich schwanke, taumle [wiederholt]; ''ha vā'' – wahrlich; ''vihvayiṣyāmi'' – werde ich stürzen/schwanken; ''kartam'' – in die Grube; ''patiṣyāmi'' – werde ich fallen; ''iti'' – so [denkend]; ''evam'' – ebenso; ''amṛtāt'' – vor [dem Verlust] der Unsterblichkeit; ''ātmānam'' – das Selbst; ''jugupset'' – soll man schützen, hüten.
===Mahanarayana Upanishad Anuvaka 12===
'''12.1 – Das Selbst in der Höhle des Herzens'''<br>
aṇoraṇīyān mahato mahīyānātmā guhāyāṃ nihito’sya jantoḥ | tamakratuṃ paśyati vītaśoko dhātuḥ prasādānmahimānamīśam || 12.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Kleiner als das Kleine, größer als das Große ist das Selbst, das in der Höhle dieses Lebewesens verborgen liegt. Frei von Trauer schaut man durch die Gnade des Schöpfers jenen Herrn, der ohne begehrenden Entschluss ist, seine Größe.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''aṇoḥ'' – als das Kleine, Feine; Ablativ; ''aṇīyān'' – kleiner, feiner; ''mahataḥ'' – als das Große; ''mahīyān'' – größer; ''ātmā'' – Selbst; ''guhāyām'' – in der Höhle, im verborgenen Inneren; ''nihitaḥ'' – niedergelegt, verborgen; ''asya'' – dieses; ''jantoḥ'' – Lebewesens; ''tam'' – jenen; ''a-kratum'' – ohne begehrenden Entschluss; a, ohne; kratu, Wille/Entschluss; Akkusativ; ''paśyati'' – man sieht, schaut; ''vīta-śokaḥ'' – dessen Trauer vergangen ist; ''dhātuḥ'' – des Schöpfers, des Einsetzers; Genitiv von dhātṛ; ''prasādāt'' – durch Gnade, Klarheit oder Wohlwollen; ''mahimānam'' – Größe, Hoheit; Akkusativ; ''īśam'' – Herrn; Akkusativ.
'''Textkritischer Hinweis:''' Anders als in der verbreiteten Katha-Parallele steht hier akratum im Akkusativ, bezogen auf den Herrn. Dhātuḥ wird entsprechend der Form als Genitiv von dhātṛ verstanden. Die unterschiedliche Form wird nicht nach der bekannteren Parallelstelle vereinheitlicht.
'''12.2 – Die siebenfachen Lebenskräfte'''<br>
sapta prāṇā prabhavanti tasmāt saptārciṣaḥ samidhaḥ sapta jihvāḥ | sapta ime lokā yeṣu caranti prāṇā guhāśayānnihitāḥ sapta sapta || 12.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' Aus ihm entstehen sieben Lebenskräfte, sieben Flammen, Brennstoffe und sieben Zungen. Dies sind die sieben Welten, in denen sich die Lebenskräfte bewegen, jeweils sieben und sieben, aus dem in der Höhle Ruhenden hervorgegangen und eingesetzt.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''sapta'' – sieben; ''prāṇāḥ'' – Lebenskräfte, Lebensatem- oder Sinnesfunktionen; ''prabhavanti'' – entstehen, gehen hervor; ''tasmāt'' – aus ihm, daraus; ''sapta'' – sieben; ''arciṣaḥ'' – Flammen, Lichtstrahlen; ''samidhaḥ'' – Brennstoffe, Zündhölzer; ''sapta'' – sieben; ''jihvāḥ'' – Zungen; ''sapta'' – sieben; ''ime'' – diese; ''lokāḥ'' – Welten, Bereiche; ''yeṣu'' – in denen; ''caranti'' – sich bewegen, tätig sind; ''prāṇāḥ'' – Lebenskräfte; ''guhā-śayāt'' – aus dem in der Höhle Ruhenden: guhā, Höhle; śaya, liegend; Ablativ; ''nihitāḥ'' – eingesetzt, niedergelegt; ''sapta'' – sieben; ''sapta'' – sieben; Wiederholung im Sinn von jeweils sieben.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die Verbindung guhāśayāt wird nach dieser Überlieferung als Ablativ Singular gelesen. Die Mundaka-Parallele hat eine andere Form und lässt die Lebenskräfte selbst im Inneren ruhen. Die häufige Deutung der ersten Siebenzahl nennt die beiden Augen, Ohren, Nasenöffnungen und den Mund.
'''12.3 – Meere, Berge, Flüsse und der innere Atman'''<br>
ataḥ samudrā girayaśca sarve’smātsyandante sindhavaḥ sarvarūpāḥ | ataśca viśvā oṣadhayo rasāśca yenaiṣa bhūtastiṣṭhatyantarātmā || 12.3 ||<br>
'''Übersetzung:''' Aus ihm [entstehen] die Meere und alle Berge; aus ihm strömen die Flüsse in all ihren Gestalten. Aus ihm [entstehen] auch alle Pflanzen und Säfte, durch die dieser innere Atman, ins Dasein getreten, Bestand hat.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''ataḥ'' – daraus, aus ihm; ''samudrāḥ'' – Meere; ''girayaḥ'' – Berge; ''ca'' – und; ''sarve'' – alle; ''asmāt'' – aus ihm; ''syandante'' – sie strömen; ''sindhavaḥ'' – Flüsse, Ströme; ''sarva-rūpāḥ'' – von allen Gestalten, vielgestaltig; ''ataḥ'' – aus ihm; ''ca'' – und; ''viśvāḥ'' – alle; vedische Form; ''oṣadhayaḥ'' – Pflanzen, Kräuter; ''rasāḥ'' – Säfte, Essenzen; ''ca'' – und; ''yena'' – wodurch; Singular, hier zusammenfassend auf das Genannte bezogen; ''eṣaḥ'' – dieser; ''bhūtaḥ'' – geworden, ins Dasein getreten; ''tiṣṭhati'' – steht, besteht; ''antar-ātmā'' – inneres Selbst, innerer Atman.
'''Textkritischer Hinweis:''' Yena kann auch auf den göttlichen Ursprung bezogen werden: „durch den dieser innere Atman entstanden ist und besteht“. Die Hauptübersetzung erhält den unmittelbaren Bezug auf die zuvor genannten Pflanzen und Säfte; der Singular bleibt in der Worterklärung sichtbar.
'''12.4 – Soma als Vorrangiger in vielen Bereichen'''<br>
brahmā devānāṃ padavīḥ kavīnāmṛṣirviprāṇāṃ mahiṣo mṛgāṇām | śyeno gṛdhrāṇāṃsvadhitirvanānāṃsomaḥ pavitramatyeti rebhan || 12.4 ||<br>
'''Übersetzung:''' Brahmanpriester unter den Göttern, Wegfinder unter den Dichtern, Seher unter den Begeisterten, Büffel unter den Wildtieren, Falke unter den Raubvögeln, Axt unter den Bäumen: Laut singend geht Soma durch den Seihfilter hindurch.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''brahmā'' – Brahmanpriester, Träger heiliger Rede; ''devānām'' – der Götter, unter den Göttern; ''padavīḥ'' – Wegfinder, Spurensucher; vedische Personenbezeichnung; ''kavīnām'' – der Dichter, Seher; ''ṛṣiḥ'' – Seher; ''viprāṇām'' – der Begeisterten, inspirierten Sänger; ''mahiṣaḥ'' – Büffel, mächtiges Tier; ''mṛgāṇām'' – der Wildtiere; ''śyenaḥ'' – Falke, Adler; ''gṛdhrāṇām'' – der Geier oder Raubvögel; ''svadhitiḥ'' – Axt, Beil; ''vanānām'' – der Bäume, Wälder; ''somaḥ'' – Soma; ''pavitram'' – Seihfilter, Reinigungsgerät des Somaopfers; ''ati eti'' – geht hindurch, über ... hinweg; ''rebhan'' – laut tönend, singend; vedische Form.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die Strophe erscheint erneut in 40.2. Hier stehen gṛdhrāṇām und rebhan; die dort abweichenden Formen werden nicht rückwirkend eingesetzt.
'''12.5 – Die eine Ungeborene und die beiden Ungeborenen'''<br>
ajāmekāṃ lohitaśuklakṛṣṇāṃ bahvīṃ prajāṃ janayantīṃ sarūpām | ajo hyeko juṣamāṇo’nuśete jahātyenāṃ bhuktabhogāmajo’nyaḥ || 12.5 ||<br>
'''Übersetzung:''' Die eine Ungeborene, rot, weiß und schwarz, bringt viele Nachkommen von gleicher Gestalt hervor. Der eine Ungeborene liegt ihr bei und genießt sie; der andere Ungeborene verlässt sie, nachdem sie ausgekostet worden ist.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''ajām'' – die Ungeborene; zugleich Wortspiel mit „Ziege“; ''ekām'' – eine; ''lohita-śukla-kṛṣṇām'' – rot, weiß und schwarz: lohita, rot; śukla, weiß; kṛṣṇa, schwarz; ''bahvīm'' – zahlreiche, viele; ''prajām'' – Nachkommenschaft, Geschöpfe; Singular als Sammelbegriff; ''janayantīm'' – hervorbringend, gebärend; ''sa-rūpām'' – von gleicher Gestalt; ''ajaḥ'' – der Ungeborene; zugleich „Bock“; ''hi'' – ja, wahrlich; ''ekaḥ'' – einer; ''juṣamāṇaḥ'' – genießend, Gefallen findend; ''anu śete'' – liegt bei, bleibt bei ihr; ''jahāti'' – verlässt; ''enām'' – sie; ''bhukta-bhogām'' – deren Genuss ausgekostet ist: bhukta, genossen; bhoga, Genuss/Erfahrung; ''ajaḥ'' – Ungeborener; ''anyaḥ'' – anderer.
'''Textkritischer Hinweis:''' Das Bild spielt mit den Bedeutungen „ungeboren“ und „Ziege/Bock“ von ajā/aja. Traditionell wird es auf Prakriti bzw. Maya und auf gebundene oder frei gewordene individuelle Selbste bezogen; diese Begriffsnamen stehen nicht ausdrücklich im Vers.
'''12.6 – Der Schwan in den Bereichen der Welt'''<br>
haṃsaḥ śuciṣadvasurantarikṣasaddhotā vediṣadatithirduroṇasat | nṛṣadvarasadṛtasadvyomasadabjā gojā ṛtajā adrijā ṛtaṃ bṛhat || 12.6 ||<br>
'''Übersetzung:''' Der Schwan im Reinen, der Vasu im Luftraum, der Opferpriester an der Opferstätte, der Gast im Haus; bei den Menschen wohnend, im Vortrefflichen wohnend, in der rechten Ordnung wohnend, im Himmelsraum wohnend; aus den Wassern geboren, aus den Rindern geboren, aus der rechten Ordnung geboren, aus dem Felsen geboren: die große rechte Ordnung.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''haṃsaḥ'' – Schwan; hier kosmisches Sinnbild; ''śuci-ṣat'' – im Reinen oder Lichten sitzend: śuci, rein/licht; sad, sitzen; ''vasuḥ'' – Vasu, der Gute oder Leuchtende; göttliche Bezeichnung; ''antarikṣa-sat'' – im Luftraum sitzend; ''hotā'' – Hotri, Opferpriester und Rufer; ''vedi-ṣat'' – an der Opferstätte sitzend; ''atithiḥ'' – Gast; ''duroṇa-sat'' – im Haus sitzend; ''nṛ-ṣat'' – bei Menschen wohnend; ''vara-sat'' – im Vortrefflichen wohnend; traditionell auch bei den Göttern; ''ṛta-sat'' – in der rechten Ordnung oder im geordneten Opfer wohnend; ''vyoma-sat'' – im Himmelsraum wohnend; ''ap-jāḥ'' – aus Wassern geboren; Textform abjā; ''go-jāḥ'' – aus Rindern geboren; go kann auch Lichtstrahl bedeuten; ''ṛta-jāḥ'' – aus der rechten Ordnung oder dem Opfer geboren; ''adri-jāḥ'' – aus Fels oder Berg geboren; beim Soma auch Bezug zum Pressstein; ''ṛtam'' – rechte oder kosmische Ordnung, Wahrheit; ''bṛhat'' – groß, weit.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die Reihe verbindet kosmische, häusliche und rituelle Erscheinungsformen. Sie wird hier in ihrer Bildsprache übersetzt; die einzelnen Bilder sind nicht durch eine einheitliche spätere theologische Deutung ersetzt.
'''12.6a – Zusatz: Prajapati und die sechzehn Teile'''<br>
yasmājjātā na parā naiva kiṃcanāsa ya āviveśa bhuvanāni viśvā | prajāpatiḥ prajayā saṃvidānastrīṇi jyotīṃṣi sacate sa ṣoḍaśī || 12.6a ||<br>
'''Übersetzung:''' Von dem das Entstandene nicht verschieden ist, außer dem nichts vorhanden war, der in alle Welten eingetreten ist: Prajapati, mit seinen Geschöpfen in Verbindung, gesellt sich zu den drei Lichtern, er, der Sechzehnteilige.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yasmāt'' – von dem, als welcher; ''jātā'' – das Entstandene, Geborene; überlieferte Form; ''na'' – nicht; ''parā'' – anderes, verschieden; Form im Zusammenhang nicht eindeutig; ''na'' – nicht; ''eva'' – überhaupt, eben; ''kiṃcana'' – irgendetwas; ''āsa'' – war; vedisches Perfekt; ''yaḥ'' – der; ''āviveśa'' – ist eingetreten; ''bhuvanāni'' – Welten; ''viśvā'' – alle; vedische Form; ''prajāpatiḥ'' – Prajapati, Herr der Geschöpfe; ''prajayā'' – mit der Nachkommenschaft, mit den Geschöpfen; ''saṃvidānaḥ'' – übereinstimmend, in Verbindung stehend; ''trīṇi'' – drei; ''jyotīṃṣi'' – Lichter, Leuchtkörper; ''sacate'' – gesellt sich zu, verbindet sich mit; ''saḥ'' – er; ''ṣoḍaśī'' – der mit sechzehn Teilen Versehene.
'''Textkritischer Hinweis:''' Dieser Zusatz und 12.6b stammen nach dem Druck S. 149–151 aus der kürzeren Rezension. SanskritDocuments übernimmt sie als 6क und 6ख. Der syntaktisch schwierige Anfang wird erhalten; die Übersetzung folgt der Beziehung zwischen Prajapati und dem aus ihm Entstandenen.
'''12.6b – Zusatz: Bitte an Savitri'''<br>
vidhartāraṃ havāmahe vasoḥ kuvidvanāti naḥ | savitāraṃ nṛcakṣasam || 12.6b ||<br>
'''Übersetzung:''' Wir rufen den Erhalter an, Savitri, der auf die Menschen blickt. Möge er uns reichlich Gut gewinnen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''vidhartāram'' – Erhalter, Ordner, Zuteiler; ''havāmahe'' – wir rufen an; ''vasoḥ'' – an Gut, an Besitz; Genitiv; ''kuvit'' – wohl, hoffentlich, reichlich; vedische Partikel, im Sandhi kuvid; ''vanāti'' – möge gewinnen, verschaffen; vedische Form; ''naḥ'' – uns; ''savitāram'' – Savitri, den Antreiber; ''nṛ-cakṣasam'' – auf Menschen blickend: nṛ, Mensch; cakṣas, Blick.
'''Textkritischer Hinweis:''' Als Zusatz aus der kürzeren Rezension unmittelbar nach 12.6a überliefert. Die traditionelle Auslegung bezieht das erbetene Gut auch auf geistige Einsicht; die Übersetzung lässt den weiteren Begriff „Gut“ stehen.
'''12.7 – Agni und die Darbringung der Butter'''<br>
ghṛtaṃ mimikṣire ghṛtamasya yonirghṛte śrito ghṛtamuvasya dhāma | anuṣvadhamāvaha mādayasva svāhākṛtaṃ vṛṣabha vakṣi havyam || 12.7 ||<br>
'''Übersetzung:''' Sie haben geklärte Butter ausgegossen. Geklärte Butter ist sein Ursprung; in geklärter Butter ruht er, und geklärte Butter ist seine Stätte. Bringe [die Götter] gemäß der Opfergabe herbei und erfreue dich. O Stier, trage die mit Svaha dargebrachte Gabe.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''ghṛtam'' – geklärte Butter, Ghee; ''mimikṣire'' – sie haben ausgegossen oder versprengt; vedische Form; ''ghṛtam'' – geklärte Butter; ''asya'' – sein; ''yoniḥ'' – Ursprung, Muttergrund; ''ghṛte'' – in geklärter Butter; ''śritaḥ'' – ruhend, gestützt; ''ghṛtam'' – geklärte Butter; ''u'' – eben, auch; verstärkende Partikel; ''asya'' – seine; ''dhāma'' – Stätte, Erscheinungsbereich; ''anu-svadham'' – gemäß der eigenen Opfergabe oder dem Opferritus; vedischer Ausdruck; ''ā vaha'' – bringe herbei; ''mādayasva'' – erfreue dich, erquicke dich; ''svāhā-kṛtam'' – mit dem Ruf Svaha dargebracht; ''vṛṣabha'' – o Stier; Bezeichnung des kraftvollen Agni; ''vakṣi'' – trage, bringe; vedische Form; ''havyam'' – Opfergabe.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die Götter als Objekt von ā vaha sind sinngemäß ergänzt. Mādayasva kann je nach ritueller Erklärung als eigenes Sichfreuen oder als Erfreuen der herbeigerufenen Gottheiten verstanden werden.
'''12.8 – Die süße Woge und der verborgene Name'''<br>
samudrādūrmirmadhumāṃ udāradupāṃśunā samamṛtatvamānaṭ | ghṛtasya nāma guhyaṃ yadasti jihvā devānāmamṛtasya nābhiḥ || 12.8 ||<br>
'''Übersetzung:''' Aus dem Meer erhob sich eine süße Woge; durch die stille [Darbringung] erreichte sie ganz die Unsterblichkeit. Der verborgene Name der geklärten Butter ist die Zunge der Götter, der Nabel des Unsterblichen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''samudrāt'' – aus dem Meer; ''ūrmiḥ'' – Woge, Welle; ''madhu-mān'' – süß, Süße enthaltend; im Text madhumāṃ; ''ud ārat'' – erhob sich, stieg auf; ''upāṃśunā'' – durch das Leise oder die stille Darbringung; ritueller Ausdruck; ''sam'' – ganz, vollständig; Verbpräfix; ''amṛtatvam'' – Unsterblichkeit; ''ānaṭ'' – erreichte; vedische Vergangenheitsform; ''ghṛtasya'' – der geklärten Butter; ''nāma'' – Name; ''guhyam'' – verborgen, geheim; ''yat'' – welcher, der; ''asti'' – ist; ''jihvā'' – Zunge; ''devānām'' – der Götter; ''amṛtasya'' – des Unsterblichen, des Unsterblichkeitstrankes; ''nābhiḥ'' – Nabel, Mittelpunkt.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die Bilder entstammen der vedischen Opfersprache. Upāṃśu bezeichnet einen still vollzogenen Vorgang; spätere Deutungen beziehen den Ausdruck auch auf leise Rezitation. Der Text nennt die Silbe Om an dieser Stelle nicht ausdrücklich.
'''12.9 – Der Name und das viergehörnte Wildrind'''<br>
vayaṃ nāma prabravāmā ghṛtenāsmin yajñe dhārayāmā namobhiḥ | upa brahmā śṛṇavacchasyamānaṃ catuḥśṛṅgo’vamīdgaura etat || 12.9 ||<br>
'''Übersetzung:''' Wir wollen den Namen mit geklärter Butter verkünden und ihn in diesem Opfer mit Verneigungen bewahren. Der Brahmanpriester möge hören, was gepriesen wird. Das viergehörnte Wildrind hat dies ausgestoßen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''vayam'' – wir; ''nāma'' – Namen; ''pra bravāma'' – wollen verkünden; im Text gedehnt prabravāmā; ''ghṛtena'' – mit geklärter Butter; ''asmin'' – in diesem; ''yajñe'' – Opfer; ''dhārayāma'' – wollen festhalten, bewahren; im Text gedehnt dhārayāmā; ''namobhiḥ'' – mit Verneigungen, Verehrungen; ''upa'' – herzu, aufmerksam; zum Verb des Hörens; ''brahmā'' – Brahmanpriester, Träger heiliger Rede; ''śṛṇavat'' – möge hören; vedische Form, vor ś als śṛṇavac; ''śasyamānam'' – das Gepriesene, was gepriesen wird; ''catuḥ-śṛṅgaḥ'' – viergehörnt: catur, vier; śṛṅga, Horn; ''avamīt'' – hat ausgestoßen, ausgespieen; vedische Vergangenheitsform; ''gauraḥ'' – Wildrind, Gaur; auch als helles oder weißes Rind erklärt; ''etat'' – dieses.
'''Textkritischer Hinweis:''' Das fehlende Schluss-m von śasyamānam ist nach Druck S. 155 ergänzt. Das rätselhafte Rinderbild wird wörtlich wiedergegeben und nicht schon in der Übersetzung durch eine spätere Om-Deutung ersetzt.
'''12.10 – Vier Hörner, drei Füße und sieben Hände'''<br>
catvāri śṛṅgā trayo asya pādā dveśīrṣe sapta hastāso asya | tridhā baddho vṛṣabho roravīti maho devo martyāṃ āviveśa || 12.10 ||<br>
'''Übersetzung:''' Vier Hörner hat er, drei Füße, zwei Köpfe, sieben Hände. Dreifach gebunden brüllt der Stier. Der große Gott ist in die Sterblichen eingetreten.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''catvāri'' – vier; ''śṛṅgā'' – Hörner; vedischer Plural; ''trayaḥ'' – drei; ''asya'' – seine, hat er; ''pādāḥ'' – Füße; ''dve'' – zwei; ''śīrṣe'' – Köpfe; Dual; ''sapta'' – sieben; ''hastāsaḥ'' – Hände; vedischer Plural; ''asya'' – seine, hat er; ''tridhā'' – dreifach; ''baddhaḥ'' – gebunden; ''vṛṣabhaḥ'' – Stier; ''roravīti'' – brüllt laut; intensive Verbform; ''mahaḥ'' – groß; vedische Form vor devaḥ; ''devaḥ'' – Gott; ''martyān'' – Sterbliche; im Sandhi martyāṃ; ''āviveśa'' – ist eingetreten.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die Zahlen und Körperteile gehören zur rätselhaften Bildsprache des Rigveda-Verses 4.58.3. Überlieferte Deutungen beziehen sie unter anderem auf Opfer, Sprache und Om; keine dieser Auslegungen wird hier mit dem ausdrücklichen Wortlaut gleichgesetzt.
'''12.11 – Die dreifach verborgene Butter'''<br>
tridhā hitaṃ paṇibhirguhyamānaṃ gavi devāso ghṛtamanvavindan | indra ekaṃ sūrya ekaṃ jajāna venādekaṃ svadhayā niṣṭatakṣuḥ || 12.11 ||<br>
'''Übersetzung:''' Die Götter fanden die geklärte Butter in der Kuh, dreifach niedergelegt und von den Panis verborgen. Einen [Teil] erzeugte Indra, einen die Sonne; einen formten sie aus Vena durch die eigene Kraft.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tridhā'' – dreifach; ''hitam'' – hingelegt, eingesetzt; ''paṇibhiḥ'' – von den Panis; Name der verbergenden oder verweigernden Mächte; ''guhyamānam'' – verborgen werdend; ''gavi'' – in der Kuh; go kann auch Lichtstrahl oder Rede bedeuten; ''devāsaḥ'' – Götter; vedischer Plural; ''ghṛtam'' – geklärte Butter; ''anu avindan'' – fanden auf; Sandhi anvavindan; ''indraḥ'' – Indra; Sandhi indra; ''ekam'' – einen [Teil]; ''sūryaḥ'' – Sonne; Sandhi sūrya; ''ekam'' – einen [Teil]; ''jajāna'' – erzeugte, brachte hervor; ''venāt'' – aus Vena; göttlicher oder kosmischer Name; ''ekam'' – einen [Teil]; ''svadhayā'' – durch eigene Kraft, Eigengesetzlichkeit oder Opfergabe; ''niṣ tatakṣuḥ'' – sie haben herausgeformt, gezimmert.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die Bedeutung von Vena und die dreifache Gestalt des Ghee sind Gegenstand verschiedener ritueller und philosophischer Auslegungen. Die Übersetzung belässt Vena als Namen und gibt zunächst die Bildsprache wieder.
'''12.12 – Rudra und die heilvolle Erinnerung'''<br>
yo devānāṃ prathamaṃ purastādviśvādhiko rudro maharṣiḥ | hiraṇyagarbhaṃ paśyata jāyamānaṃ sa no devaḥ śubhayāsmṛtyā saṃyunaktu || 12.12 ||<br>
'''Übersetzung:''' Rudra, der alles Überragende, der große Seher, der Hiranyagarbha als den Ersten der Götter am Anfang entstehen sieht: Dieser Gott verbinde uns mit heilvoller Erinnerung.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yaḥ'' – der, welcher; ''devānām'' – der Götter; ''prathamam'' – als Ersten, zuerst; ''purastāt'' – am Anfang, zuvor; ''viśva-adhikaḥ'' – alles überragend: viśva, alles; adhika, übergeordnet; ''rudraḥ'' – Rudra; ''mahā-ṛṣiḥ'' – großer Seher; Sandhi maharṣiḥ; ''hiraṇya-garbham'' – Hiranyagarbha, den goldenen Keim; ''paśyata'' – sieht; syntaktisch auffällige überlieferte Form, regulär wäre hier paśyati oder eine entsprechende Vergangenheitsform; ''jāyamānam'' – entstehend, geboren werdend; ''saḥ'' – dieser, er; ''naḥ'' – uns; ''devaḥ'' – Gott; ''śubhayā'' – mit heilvoller, guter; ''smṛtyā'' – Erinnerung, Vergegenwärtigung; ''saṃyunaktu'' – möge verbinden.
'''Textkritischer Hinweis:''' Paśyata wird nach dem Zusammenhang als Prädikat des Relativsatzes verstanden; die überlieferte Form wird nicht stillschweigend verbessert. Auch die Parallelverse der Shvetashvatara Upanishad besitzen abweichenden Wortlaut.
'''12.13 – Der alles erfüllende Purusha'''<br>
yasmātparaṃ nāparamasti kiñcit yasmānnāṇīyo na jyāyo’sti kaścit | vṛkṣa iva stabdho divi tiṣṭhatyekastenedaṃ pūrṇaṃ puruṣeṇa sarvam || 12.13 ||<br>
'''Übersetzung:''' Über ihm gibt es nichts Höheres und nichts Niedrigeres; nichts ist kleiner oder größer als er. Wie ein Baum steht er unbeweglich im Himmel, der Eine. Von diesem Purusha ist all dies erfüllt.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yasmāt'' – als er, über den hinaus; ''param'' – höher, jenseitig; ''na'' – nicht; ''aparam'' – niedriger, anderes diesseits; ''asti'' – ist, gibt es; ''kiñcit'' – irgendetwas; ''yasmāt'' – als er; ''na'' – nicht; ''aṇīyaḥ'' – kleiner, feiner; ''na'' – nicht; ''jyāyaḥ'' – größer; ''asti'' – ist; ''kaścit'' – irgendjemand, irgendetwas; ''vṛkṣaḥ'' – Baum; ''iva'' – wie; ''stabdhaḥ'' – fest, unbeweglich; ''divi'' – im Himmel; ''tiṣṭhati'' – steht; ''ekaḥ'' – der Eine, allein; ''tena'' – von diesem; ''idam'' – dieses; ''pūrṇam'' – erfüllt; ''puruṣeṇa'' – vom Purusha; ''sarvam'' – alles.
'''12.14 – Unsterblichkeit durch Loslassen'''<br>
na karmaṇā na prajayā dhanena tyāgenaike amṛtatvamānaśuḥ | pareṇa nākaṃ nihitaṃ guhāyāṃ bibhrājate yadyatayo viśanti || 12.14 ||<br>
'''Übersetzung:''' Nicht durch Taten, nicht durch Nachkommenschaft oder Reichtum haben einige Unsterblichkeit erlangt, sondern durch Loslassen. Was die Entsagenden betreten, liegt jenseits des Himmels und leuchtet, in der Höhle verborgen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''na'' – nicht; ''karmaṇā'' – durch Taten, Handeln oder Ritualwerke; ''na'' – nicht; ''prajayā'' – durch Nachkommenschaft; ''dhanena'' – durch Reichtum; die Verneinung wirkt hier weiter; ''tyāgena'' – durch Loslassen, Aufgeben, Entsagung; ''eke'' – einige, einzelne; ''amṛtatvam'' – Unsterblichkeit; ''ānaśuḥ'' – haben erreicht; vedisches Perfekt; ''pareṇa'' – jenseits; ''nākam'' – Himmel; Akkusativ im Anschluss an pareṇa; ''nihitam'' – niedergelegt, verborgen; ''guhāyām'' – in der Höhle, im verborgenen Inneren; ''bibhrājate'' – leuchtet hell; ''yat'' – was, dasjenige, das; ''yatayaḥ'' – Entsagende, sich Disziplinierende; ''viśanti'' – betreten, in ... eingehen.
'''12.15 – Vedanta-Erkenntnis und Befreiung'''<br>
vedāntavijñānaviniścitārthāḥ saṃnyāsayogādyatayaḥ śuddhasattvāḥ | te brahmaloke tu parāntakāle parāmṛtāḥ parimucyanti sarve || 12.15 ||<br>
'''Übersetzung:''' Die Entsagenden, deren Ziel durch die Erkenntnis des Vedanta fest bestimmt ist und deren Wesen durch den Yoga des Verzichts gereinigt ist: Sie alle werden in der Brahmanwelt am letzten Ende ganz frei, in höchster Unsterblichkeit.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''vedānta-vijñāna-viniścita-arthāḥ'' – deren Ziel durch die Erkenntnis des Vedanta sicher bestimmt ist: vedānta, Ende oder Vollendung des Veda; vijñāna, unterscheidende Erkenntnis; viniścita, sicher bestimmt; artha, Ziel/Sinn; ''saṃnyāsa-yogāt'' – durch den Yoga des Verzichts: saṃnyāsa, Niederlegen/Entsagung; yoga, Disziplin/Verbindung; Ablativ; ''yatayaḥ'' – Entsagende, sich Disziplinierende; ''śuddha-sattvāḥ'' – deren Wesen rein ist: śuddha, rein; sattva, Wesen/innere Verfassung; ''te'' – sie; ''brahma-loke'' – in der Brahmanwelt; ''tu'' – aber, dabei, gewiss; ''para-anta-kāle'' – zur Zeit des letzten oder höchsten Endes; ''para-amṛtāḥ'' – in höchster Unsterblichkeit, die höchste Unsterblichkeit erlangt habend; ''parimucyanti'' – werden ganz frei; überlieferte aktive Verbform; ''sarve'' – alle.
'''Textkritischer Hinweis:''' Brahmaloke und parimucyanti werden nach dieser Textfassung erhalten. Die Mundaka-Parallele hat verbreitet brahmalokeṣu und parimucyante. Der genaue Bezug des „letzten Endes“ wird in den Kommentaren unterschiedlich bestimmt.
'''12.16 – Der kleine Raum im Herzlotus'''<br>
dahraṃ vipāpaṃ varaveśmabhūtaṃ yat puṇḍarīkaṃ puramadhyasaṃstham | tatrāpi dahre gaganaṃ viśokaṃ tasmin yadantastadupāsitavyam || 12.16 ||<br>
'''Übersetzung:''' Jener kleine, schuldlose Lotus inmitten der Stadt, der eine vorzügliche Wohnstätte bildet: Auch in diesem kleinen [Lotus] ist ein Raum ohne Trauer. Was darin im Inneren ist, das soll verehrt und betrachtet werden.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''dahram'' – klein; vedische Form neben dahara; ''vi-pāpam'' – ohne Schuld, rein; ''vara-veśma-bhūtam'' – zu einer vorzüglichen Wohnstätte geworden: vara, vorzüglich; veśman, Wohnstätte; bhūta, geworden; ''yat'' – jener, welcher; ''puṇḍarīkam'' – Lotus; ''pura-madhya-saṃstham'' – in der Mitte der Stadt befindlich: pura, Stadt; madhya, Mitte; saṃstha, befindlich; ''tatra'' – darin, dort; ''api'' – auch, ferner; ''dahre'' – im Kleinen; ''gaganam'' – Himmelsraum, Raum; ''vi-śokam'' – ohne Trauer; ''tasmin'' – darin; ''yat'' – was; ''antaḥ'' – im Inneren; ''tat'' – das; ''upāsitavyam'' – soll verehrt, meditativ betrachtet werden.
'''Textkritischer Hinweis:''' Das fehlende m in varaveśmabhūtam ist nach Druck S. 171 ergänzt. Die „Stadt“ wird traditionell als Körper, der Lotus als Herz verstanden. Die Hauptübersetzung bewahrt das Bild und setzt diese Gleichsetzungen nicht an die Stelle des Sanskritwortlauts.
'''12.17 – Der Klang und Maheshvara'''<br>
yo vedādau svaraḥ prokto vedānte ca pratiṣṭhitaḥ | tasya prakṛtilīnasya yaḥ paraḥ sa maheśvaraḥ || 12.17 ||<br>
'''Übersetzung:''' Der Klang, der am Anfang des Veda ausgesprochen wird und am Ende des Veda fest verankert ist: Wer über diesem in den Urgrund eingegangenen [Klang] steht, der ist Maheshvara, der große Herr.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yaḥ'' – welcher; ''veda-ādau'' – am Anfang des Veda; ''svaraḥ'' – Klang, Laut; ''proktaḥ'' – ausgesprochen, verkündet; ''vedānte'' – am Ende des Veda, im Vedanta; ''ca'' – und; ''pratiṣṭhitaḥ'' – fest gegründet, verankert; ''tasya'' – dieses, über diesen hinaus; zum folgenden paraḥ; ''prakṛti-līnasya'' – in den Urgrund eingegangen: prakṛti, Urnatur/Ursprung; līna, aufgelöst/eingegangen; ''yaḥ'' – wer; ''paraḥ'' – höher, jenseits stehend; ''saḥ'' – der; ''mahā-īśvaraḥ'' – Maheshvara, der große Herr.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die Tradition versteht unter dem Klang Om. Der Vers benennt ihn als svara und unterscheidet das Klangsymbol von dem über es hinausgehenden höchsten Herrn.
===Mahanarayana Upanishad Anuvaka 13===
'''13.1 – Narayana als allumfassender Gott'''<br>
sahasraśīrṣaṃ devaṃ viśvākṣaṃ viśvaśambhuvam | viśvaṃ nārāyaṇaṃ devamakṣaraṃ paramaṃ prabhum || 13.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' [Wir betrachten] den tausendköpfigen Gott, dessen Augen überall sind und der dem All Wohl bringt: das All, Narayana, den Gott, den Unvergänglichen, den höchsten Herrn.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''sahasra-śīrṣam'' – tausendköpfig: sahasra, tausend; śīrṣa, Kopf; ''devam'' – Gott; Akkusativ; ''viśva-akṣam'' – mit Augen überall, allsehend; ''viśva-śambhuvam'' – dem All Wohl bringend: viśva, All; śam, Wohl; bhū, hervorbringen/werden; ''viśvam'' – das All, allumfassend; ''nārāyaṇam'' – Narayana; ''devam'' – Gott; ''akṣaram'' – unvergänglich; ''paramam'' – höchsten; ''prabhum'' – Herrn, Mächtigen.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die Verse 13.1–13.3 enthalten umfangreiche Akkusativreihen. Für die gesonderte Übersetzung wird „wir betrachten“ ergänzt; in einer zusammenhängenden syntaktischen Deutung können die Bezeichnungen auch von upajīvati in 13.2 abhängen. Prabhum ist die Lesung von SanskritDocuments und des Druckhaupttextes; die im Druck vermerkte längere Rezension hat an dieser Stelle auch padam, „Ziel“.
'''13.2 – Die Welt lebt aus dem Purusha'''<br>
viśvataḥ paramaṃ nityaṃ viśvaṃ nārāyaṇaṃ harim | viśvamevedaṃ puruṣastadviśvamupajīvati || 13.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' [Wir betrachten] den über alles Hinausgehenden, Ewigen, das All: Narayana, Hari. Dieses ganze All ist der Purusha; aus ihm lebt das All.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''viśvataḥ'' – über alles, über die gesamte Welt hinaus; ''paramam'' – höchsten, jenseitigen; ''nityam'' – ewigen, beständigen; ''viśvam'' – das All, allumfassend; ''nārāyaṇam'' – Narayana; ''harim'' – Hari; göttlicher Name, traditionell der Hinwegnehmende; ''viśvam'' – All; ''eva'' – eben, allein; ''idam'' – dieses; ''puruṣaḥ'' – Purusha, göttliche Person; ''tat'' – dieses, jenes; ''viśvam'' – All; ''upajīvati'' – lebt von, hat seinen Lebensgrund in.
'''Textkritischer Hinweis:''' Das im letzten Teilsatz vorausgesetzte Bezugswort wird im Deutschen als „ihm“ wiederaufgenommen. Die Akkusativbezeichnungen des Gottes bilden den Zusammenhang, aus dem die Welt lebt.
'''13.3 – Narayana als höchstes Ziel'''<br>
patiṃ viśvasyātmeśvaraṃ śāśvataṃ śivamacyutam | nārāyaṇaṃ mahājñeyaṃ viśvātmānaṃ parāyaṇam || 13.3 ||<br>
'''Übersetzung:''' [Wir betrachten] den Herrn des Alls, den Herrn des Selbst, den Ewigen, Gütigen, Unwandelbaren: Narayana, den im höchsten Maß zu Erkennenden, das Selbst des Alls, das höchste Ziel.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''patim'' – Herrn; ''viśvasya'' – des Alls; ''ātma-īśvaram'' – Herrn des Selbst oder der individuellen Selbste; ''śāśvatam'' – ewigen, beständigen; ''śivam'' – gütigen, heilvollen; ''acyutam'' – nicht fallenden, unwandelbaren; ''nārāyaṇam'' – Narayana; ''mahā-jñeyam'' – in hohem Maß zu Erkennenden: mahā, groß; jñeya, zu erkennen; ''viśva-ātmānam'' – Selbst des Alls; ''para-ayaṇam'' – höchstes Ziel, höchste Zuflucht.
'''13.4 – Brahman, Wirklichkeit, Licht und Selbst'''<br>
nārāyaṇaḥ paraṃ brahma tattvaṃ nārāyaṇaḥ paraḥ | nārāyaṇaḥ paro jyotirātmā nārāyaṇaḥ paraḥ || 13.4 ||<br>
'''Übersetzung:''' Narayana ist das höchste Brahman; Narayana ist die höchste Wirklichkeit. Narayana ist das höchste Licht; Narayana ist das höchste Selbst.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''nārāyaṇaḥ'' – Narayana; ''param'' – höchstes; ''brahma'' – Brahman; ''tattvam'' – Wirklichkeit, Wesen, Grundprinzip; ''nārāyaṇaḥ'' – Narayana; ''paraḥ'' – höchster; ''nārāyaṇaḥ'' – Narayana; ''paraḥ'' – höchster; im Sandhi paro; ''jyotiḥ'' – Licht; ''ātmā'' – Selbst; ''nārāyaṇaḥ'' – Narayana; ''paraḥ'' – höchster.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die Übersetzung bezieht die wiederholten Höchstbestimmungen auf die jeweiligen Gleichsetzungen. Im Sanskrit bleibt paraḥ teilweise maskulin auf Narayana bezogen, auch wenn das gleichgesetzte Wort Neutrum ist.
'''13.5.1 – Der Betrachtende und die Betrachtung'''<br>
nārāyaṇaḥ paro dhyātā dhyānaṃ nārāyaṇaḥ paraḥ || 13.5.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Narayana ist der höchste Betrachtende; der höchste Narayana ist die Betrachtung.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''nārāyaṇaḥ'' – Narayana; ''paraḥ'' – höchster; ''dhyātā'' – Betrachtender, Meditierender; ''dhyānam'' – Betrachtung, Meditation; ''nārāyaṇaḥ'' – Narayana; ''paraḥ'' – höchster.
'''Textkritischer Hinweis:''' Diese zusätzliche Zeile ist im Druck S. 179 von der folgenden Strophe getrennt. SanskritDocuments führt beide gemeinsam unter 13.5; im Artikel erhalten sie eigene Übersetzungen und Worterklärungen.
'''13.5.2 – Alles von innen und außen durchdringend'''<br>
yacca kiñcijjagatyasmin dṛśyate śrūyate’pi vā | antarbahiśca tatsarvaṃ vyāpya nārāyaṇaḥ sthitaḥ || 13.5.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' Was in dieser Welt gesehen oder auch gehört wird: All dies durchdringt Narayana von innen und außen und verweilt [darin].
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yat'' – was; ''ca'' – und, auch; ''kiñcit'' – irgendetwas, was auch immer; ''jagati'' – in der Welt; ''asmin'' – in dieser; ''dṛśyate'' – wird gesehen; ''śrūyate'' – wird gehört; ''api'' – auch; ''vā'' – oder; ''antaḥ'' – innen, im Inneren; ''bahiḥ'' – außen; ''ca'' – und; ''tat'' – dieses; ''sarvam'' – alles; ''vyāpya'' – durchdrungen habend, durchdringend; ''nārāyaṇaḥ'' – Narayana; ''sthitaḥ'' – stehend, verweilend.
'''13.6 – Der Unendliche und der Herzlotus'''<br>
anantamavyayaṃ kaviṃ samudre’ntaṃ viśvaśambhuvam | padmakośapratīkāśaṃ hṛdayaṃ cāpyadhomukham || 13.6 ||<br>
'''Übersetzung:''' [Wir betrachten] den Unendlichen, Unvergänglichen, den Seher, das Ziel im Ozean [des Daseins], der dem All Wohl bringt. Das Herz gleicht einer Lotusknospe und ist nach unten gewandt.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''anantam'' – unendlich, ohne Ende; ''avyayam'' – unvergänglich, unveränderlich; ''kavim'' – Seher, Weiser; ''samudre'' – im Meer, im Ozean; ''antam'' – Ende, Ziel; ''viśva-śambhuvam'' – dem All Wohl bringend; ''padma-kośa-pratīkāśam'' – einer Lotusknospe gleichend: padma, Lotus; kośa, Hülle/Knospe; pratīkāśa, ähnlich; ''hṛdayam'' – Herz; ''ca'' – und; ''api'' – auch; ''adho-mukham'' – mit dem Gesicht nach unten, nach unten gewandt.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die Strophe wechselt unvermittelt von den Gottesbezeichnungen zur Beschreibung des Herzens. Samudre antam ist mehrdeutig; der Ozean wird traditionell sowohl auf Samsara als auch auf das Innere des Herzens bezogen. „Des Daseins“ ist deshalb als Ergänzung kenntlich gemacht.
'''13.7 – Die Lage des Herzens'''<br>
adho niṣṭyā vitastyānte nābhyāmupari tiṣṭhati | hṛdayaṃ tadvijānīyādviśvasyāyatanaṃ mahat || 13.7 ||<br>
'''Übersetzung:''' Es befindet sich eine Spanne unterhalb der Kehle und oberhalb des Nabels. Dieses Herz soll man als große Wohnstätte des Alls erkennen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''adhaḥ'' – unterhalb; ''niṣṭyāḥ'' – der Kehle oder Halsgrube; seltenes Wort, überlieferte Form im Sandhi niṣṭyā; ''vitasti-ante'' – am Ende einer Spanne, eine Handspanne entfernt: vitasti, Spanne; anta, Ende; ''nābhyām'' – beim Nabel; überlieferte Lokativform in Verbindung mit upari; ''upari'' – oberhalb; ''tiṣṭhati'' – befindet sich, steht; ''hṛdayam'' – Herz; ''tat'' – dieses; ''vijānīyāt'' – soll man erkennen, wissen; ''viśvasya'' – des Alls; ''āyatanam'' – Wohnstätte, Grundlage; ''mahat'' – groß.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die Körperbeschreibung gehört zum traditionellen Meditationsbild. Die schwerfälligen Kasusverbindungen niṣṭyā und nābhyām werden nach dem erkennbaren örtlichen Zusammenhang wiedergegeben. Die Lesung hṛdayaṃ tad vijānīyāt folgt der hier verwendeten elektronischen Fassung und dem Druckhaupttext; die längere Rezension hat an dieser Stelle auch eine Flammenbeschreibung.
'''13.8 – Der feine innere Hohlraum'''<br>
santataṃ sirābhistu lambatyākośasannibham | tasyānte suṣiraṃ sūkṣmaṃ tasmintsarvaṃ pratiṣṭhitam || 13.8 ||<br>
'''Übersetzung:''' Von Adern durchzogen hängt es, einer Knospenhülle ähnlich. In seinem Inneren ist ein feiner Hohlraum; darin ist alles gegründet.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''santatam'' – durchzogen, zusammenhängend umgeben; ''sirābhiḥ'' – von Adern, Gefäßen oder Kanälen; ''tu'' – aber, dabei, eben; ''lambati'' – hängt; ''ākośa-sannibham'' – einer Knospenhülle ähnlich: ākośa, Hülle/Knospe; sannibha, ähnlich; ''tasya'' – seines; ''ante'' – im Inneren oder am Ende; hier als Inneres gedeutet; ''suṣiram'' – Hohlraum, Öffnung; ''sūkṣmam'' – fein, klein; ''tasmin'' – darin; ''sarvam'' – alles; ''pratiṣṭhitam'' – gegründet, gestützt.
'''13.9 – Das große Feuer im Inneren'''<br>
tasya madhye mahānagnirviśvārcirviśvatomukhaḥ | so’grabhugvibhajantiṣṭhannāhāramajaraḥ kaviḥ || 13.9 ||<br>
'''Übersetzung:''' In seiner Mitte ist ein großes Feuer, dessen Flammen überallhin reichen und dessen Gesichter nach allen Seiten blicken. Es verzehrt als Erstes und verteilt die Nahrung, beständig verweilend, alterslos, sehend.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tasya'' – seines; ''madhye'' – in der Mitte; ''mahān'' – groß; ''agniḥ'' – Feuer, Agni; ''viśva-arciḥ'' – mit allwärts gerichteten Flammen; ''viśvato-mukhaḥ'' – mit Gesichtern nach allen Seiten; ''saḥ'' – es, dieses; ''agra-bhuk'' – als Erstes essend, den ersten Anteil verzehrend; ''vibhajan'' – verteilend, aufteilend; ''tiṣṭhan'' – stehend, verweilend; ''āhāram'' – Nahrung; ''ajaraḥ'' – nicht alternd; ''kaviḥ'' – Seher, kundig, sehend.
'''13.10.1 – Strahlen und Wärme des inneren Feuers'''<br>
tiryagūrdhvamadhaḥśāyī raśmayastasya santatāḥ | santāpayati svaṃ dehamāpādatalamastakam || 13.10.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Quer, nach oben und nach unten sich erstreckend [ist es]; seine Strahlen sind ausgebreitet. Es erwärmt seinen Körper von der Fußsohle bis zum Scheitel.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tiryak'' – quer, seitwärts; ''ūrdhvam'' – nach oben; ''adhaḥ'' – nach unten; ''śāyī'' – liegend, sich erstreckend; Singular; ''raśmayaḥ'' – Strahlen; ''tasya'' – seine; ''santatāḥ'' – ausgebreitet, zusammenhängend; ''santāpayati'' – erwärmt, durchwärmt; ''svam'' – seinen eigenen; ''deham'' – Körper; ''ā-pāda-tala-mastakam'' – von der Fußsohle bis zum Kopf: ā, bis/von ... bis; pāda, Fuß; tala, Sohle; mastaka, Kopf.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die zusätzliche Strahlenzeile ist im Druck S. 185 gesondert gekennzeichnet. Śāyī steht im Singular neben dem Plural raśmayaḥ; die Übersetzung bezieht den Singular auf das zuvor genannte Feuer und markiert das ergänzte Verb.
'''13.10.2 – Die feine Flammenspitze'''<br>
tasya madhye vahniśikhā aṇīyordhvā vyavasthitā || 13.10.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' In seiner Mitte steht eine Flammenspitze, äußerst fein und aufwärts gerichtet.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tasya'' – seines; ''madhye'' – in der Mitte; ''vahni-śikhā'' – Flammenspitze, Feuerzunge: vahni, Feuer; śikhā, Spitze; ''aṇīyaḥ'' – feiner, äußerst fein; Komparativ; ''ūrdhvā'' – aufwärts gerichtet, oben; ''vyavasthitā'' – fest stehend, befindlich.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die Verbindung aṇīyordhvā wird hier als aṇīyaḥ + ūrdhvā erklärt. Die traditionelle Auslegung kennt daneben eine Deutung als feinen aufwärtsführenden Weg. Diese abschließende Zeile von 13.10 hat eine eigene Erklärung.
'''13.11 – Licht wie ein Blitz in dunkler Wolke'''<br>
nīlatoyadamadhyasthā vidyullekheva bhāsvarā | nīvāraśūkavattanvī pītā bhāsvatyaṇūpamā || 13.11 ||<br>
'''Übersetzung:''' Wie eine leuchtende Blitzlinie inmitten einer dunklen Regenwolke, fein wie die Granne des Wildreises, gelb und strahlend, ist sie von äußerster Feinheit.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''nīla-toyada-madhya-sthā'' – inmitten einer dunklen Regenwolke befindlich: nīla, dunkelblau; toyada, Regenwolke; madhya, Mitte; sthā, stehend; ''vidyut-lekhā'' – Blitzlinie; ''iva'' – wie; ''bhāsvarā'' – leuchtend; ''nīvāra-śūka-vat'' – wie die Granne des Wildreises: nīvāra, Wildreis; śūka, Granne; vat, wie; ''tanvī'' – fein, schlank; ''pītā'' – gelb, goldgelb; ''bhāsvatī'' – strahlend; ''aṇu-upamā'' – dem Feinen gleich, von äußerster Feinheit: aṇu, fein/klein; upamā, Vergleich/Gleichheit.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die beschädigten Formen nīvāraśūkvat und aṇūpama sind nach dem Druck S. 185 zu nīvāraśūkavat und aṇūpamā ergänzt. Das Bild beschreibt die zuvor genannte Flammenspitze.
'''13.12 – Das höchste Selbst in der Flamme'''<br>
tasyāḥ śikhāyā madhye paramātmā vyavasthitaḥ | sa brahmā sa śivaḥ sa hariḥ sendraḥ so’kṣaraḥ paramaḥ svarāṭ || 13.12 ||<br>
'''Übersetzung:''' In der Mitte dieser Flammenspitze ist das höchste Selbst gegenwärtig. Es ist Brahma, es ist Shiva, es ist Hari, es ist Indra. Es ist der Unvergängliche, der Höchste, der aus sich selbst Herrschende.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tasyāḥ'' – dieser, jener; weiblich; ''śikhāyāḥ'' – der Flammenspitze; im Sandhi śikhāyā; ''madhye'' – in der Mitte; ''parama-ātmā'' – höchstes Selbst; ''vyavasthitaḥ'' – gegenwärtig, fest befindlich; ''saḥ'' – es, er; ''brahmā'' – Brahma; ''saḥ'' – es, er; ''śivaḥ'' – Shiva; ''saḥ'' – es, er; ''hariḥ'' – Hari, Vishnu; ''saḥ'' – es, er; mit indraḥ zu sendraḥ verbunden; ''indraḥ'' – Indra; ''saḥ'' – es, er; ''akṣaraḥ'' – unvergänglich; ''paramaḥ'' – höchster; ''svarāṭ'' – aus sich selbst Herrschender, Selbstherrscher; traditionell auch aus sich selbst Leuchtender.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die Nennung Haris ist im Druck als zusätzliche Lesart gekennzeichnet und in der elektronischen Fassung enthalten. Sie wird in Sanskrit, Übersetzung und Worterklärung vollständig beibehalten.
===Mahanarayana Upanishad Anuvaka 14===
'''14.1 – Die dreifache Veda-Lehre in der Sonne'''<br>
ādityo vā eṣa etanmaṇḍalaṃ tapati tatra tā ṛcastadṛcā maṇḍalaṃ sa ṛcāṃ loko’tha ya eṣa etasminmaṇḍale’rcirdīpyate tāni sāmāni sa sāmnāṃ loko’tha ya eṣa etasminmaṇḍale’rciṣi puruṣastāni yajūṃṣi sa yajuṣā maṇḍalaṃ sa yajuṣāṃ lokaḥ saiṣā trayyeva vidyā tapati ya eṣo’ntarāditye hiraṇmayaḥ puruṣaḥ || 14.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Jener Aditya, dieser Sonnenkreis, glüht. In ihm sind jene Rik-Verse; dieser Kreis besteht aus Rik-Versen und ist ihre Welt. Was in diesem Kreis als Licht aufleuchtet, das sind die Saman-Gesänge; er ist die Welt der Samans. Der Purusha, der sich im Licht dieses Kreises befindet, ist die Gesamtheit der Yajus-Sprüche. Der Kreis besteht aus Yajus-Sprüchen und ist ihre Welt. Eben diese dreifache Lehre glüht: jener goldene Purusha im Inneren der Sonne.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''ādityaḥ'' – Aditya, Sonnengott; ''vai'' – wahrlich; vor e als vā; ''eṣaḥ'' – jener, dieser; ''etat'' – dieser, dieses; ''maṇḍalam'' – Kreis, Sonnenscheibe; ''tapati'' – glüht, strahlt; ''tatra'' – darin, dort; ''tāḥ'' – jene; ''ṛcaḥ'' – Rik-Verse, hymnische Verse; ''tat'' – dieser, das; ''ṛcā'' – aus Rik-Versen; formal Instrumental Singular, im Kontext stofflich verstanden; ''maṇḍalam'' – Kreis; ''saḥ'' – er, dieser; ''ṛcām'' – der Rik-Verse; ''lokaḥ'' – Welt, Bereich; ''atha'' – ferner, nun; ''yaḥ'' – was, welcher; ''eṣaḥ'' – dieses, jener; ''etasmin'' – in diesem; ''maṇḍale'' – Kreis; ''arciḥ'' – Licht, Flamme; ''dīpyate'' – leuchtet auf; ''tāni'' – jene, das; ''sāmāni'' – Saman-Gesänge; ''saḥ'' – er; ''sāmnām'' – der Saman-Gesänge; ''lokaḥ'' – Welt; ''atha'' – ferner; ''yaḥ'' – welcher; ''eṣaḥ'' – jener; ''etasmin'' – in diesem; ''maṇḍale'' – Kreis; ''arciṣi'' – im Licht, in der Flamme; ''puruṣaḥ'' – Purusha, göttliche Person; ''tāni'' – jene, das; ''yajūṃṣi'' – Yajus-Sprüche, Opfersprüche; ''saḥ'' – er, dieser; ''yajuṣā'' – aus Yajus-Sprüchen; formal Instrumental Singular; ''maṇḍalam'' – Kreis; ''saḥ'' – er; ''yajuṣām'' – der Yajus-Sprüche; ''lokaḥ'' – Welt; ''sā'' – diese; weiblich, zur Lehre gehörig; ''eṣā'' – diese; ''trayī'' – dreifach, die Dreiheit bildend; ''eva'' – eben, gerade; ''vidyā'' – Wissen, Lehre; ''tapati'' – glüht; ''yaḥ'' – welcher; ''eṣaḥ'' – jener; ''antaḥ'' – im Inneren; ''āditye'' – in der Sonne; ''hiraṇmayaḥ'' – golden; ''puruṣaḥ'' – Purusha.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die Prosa verbindet die drei vedischen Textarten mit Kreis, Glanz und innerer Person der Sonne. Mehrere Geschlechts- und Kasusanschlüsse sind unregelmäßig. Die Übersetzung erhält alle Zuordnungen, ohne den Sanskrittext zu vereinheitlichen.
===Mahanarayana Upanishad Anuvaka 15===
'''15.1.1 – Aditya als Gesamtheit göttlicher Kräfte'''<br>
ādityo vai teja ojo balaṃ yaśaścakṣuḥ śrotramātmā mano manyurmanurmṛtyuḥ satyo mitro vāyurākāśaḥ prāṇo lokapālaḥ kaḥ kiṃ kaṃ tatsatyamannamamṛto jīvo viśvaḥ katamaḥ svayambhu brahmaitadamṛta eṣa puruṣa eṣa bhūtānāmadhipatiḥ || 15.1.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Aditya ist wahrlich Glanz, Lebenskraft, Stärke, Ruhm, Auge, Gehör, Selbst, Geist, Zorn, Manu, Tod, Satya, Mitra, Wind, Raum, Lebensatem, Welthüter, Ka, das „Was?“, Freude, das „Das“, Wahrheit, Nahrung, das Unsterbliche, Leben, das All, Katama und das aus sich selbst entstandene Brahman. Dies ist der unsterbliche Purusha; dies ist der Oberherr der Wesen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''ādityaḥ'' – Aditya, Sonne; ''vai'' – wahrlich; ''tejaḥ'' – Glanz, Feuerkraft; ''ojaḥ'' – Lebenskraft, Energie; ''balam'' – Stärke; ''yaśaḥ'' – Ruhm; ''cakṣuḥ'' – Auge, Sehvermögen; ''śrotram'' – Gehör; ''ātmā'' – Selbst; hier traditionell auch Körper; ''manaḥ'' – Geist; ''manyuḥ'' – Zorn, leidenschaftlicher Antrieb; ''manuḥ'' – Manu; Urmensch und Seher; ''mṛtyuḥ'' – Tod; ''satyaḥ'' – Satya, die als Gottheit aufgefasste Wahrheit; ''mitraḥ'' – Mitra; ''vāyuḥ'' – Wind; ''ākāśaḥ'' – Raum, Äther; ''prāṇaḥ'' – Lebensatem; ''lokapālaḥ'' – Welthüter: loka, Welt; pāla, Hüter; ''kaḥ'' – Ka, „Wer?“; vedischer Name Prajapatis; ''kim'' – Was?; Fragewort als Bezeichnung des nicht Bestimmbaren; ''kam'' – Freude, Wohlsein; ''tat'' – Das; hinweisende Bezeichnung des Höchsten; ''satyam'' – Wahrheit, Wirklichkeit; ''annam'' – Nahrung; ''amṛtaḥ'' – das Unsterbliche; überlieferte maskuline Form; ''jīvaḥ'' – Leben, lebendiges Selbst; ''viśvaḥ'' – das All, der Allumfassende; ''katamaḥ'' – Katama; formal „welcher von mehreren?“, traditionell als höchste Seligkeit gedeuteter Beiname; ''svayambhu'' – aus sich selbst entstanden; überlieferte Kurzform; ''brahma'' – Brahman; ''etat'' – dieses, dies; ''amṛtaḥ'' – unsterblich; ''eṣaḥ'' – dieser; ''puruṣaḥ'' – Purusha, göttliche Person; ''eṣaḥ'' – dieser; ''bhūtānām'' – der Wesen; ''adhipatiḥ'' – Oberherr.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die Namensreihe verbindet verschiedene grammatische Formen und Bedeutungsfelder. Die Lesarten katamaḥ und svayambhu werden erhalten und erläutert. Das in der kürzeren Rezension zusätzlich genannte āyuḥ, „Lebensdauer“, wird hier nicht in den Sanskrittext eingefügt. Die Aufzählung und die folgende Verheißung sind redaktionell getrennt.
'''15.1.2 – Vereinigung und gemeinsame Welt'''<br>
brahmaṇaḥ sāyujyaṃ salokatāmāpnotyetāsāmeva devatānāṃ sāyujyaṃ sārṣṭitāṃ samānalokatāmāpnoti ya evaṃ vedetyupaniṣat || 15.1.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' Wer so weiß, erlangt Vereinigung mit Brahman und das Wohnen in derselben Welt. Mit eben diesen Gottheiten erlangt er Vereinigung, gleiche Herrschaft und das Wohnen in derselben Welt. So lautet die geheime Lehre.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''brahmaṇaḥ'' – Brahmans oder Brahmas; Genitiv; ''sāyujyam'' – Vereinigung, Gemeinschaft; ''salokatām'' – das Wohnen in derselben Welt: sa-loka, von gleicher Welt; ''āpnoti'' – erlangt; ''etāsām'' – mit diesen, dieser; Genitiv Plural; ''eva'' – eben, gerade; ''devatānām'' – der Gottheiten; ''sāyujyam'' – Vereinigung; ''sārṣṭitām'' – Teilhabe an derselben Herrschaft oder Macht; ''samāna-lokatām'' – Zugehörigkeit zur gleichen Welt; ''āpnoti'' – erlangt; ''yaḥ'' – wer; ''evam'' – so; ''veda'' – weiß, erkennt; ''iti'' – so; ''upaniṣat'' – Upanishad, geheime Lehre.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die abschließende Bedingung ya evaṃ veda wird im Deutschen vorangestellt. Brahmaṇaḥ wird in der traditionellen Erklärung auf Brahma/Hiranyagarbha bezogen; die Form kann auch Brahman bezeichnen.
'''15.2 – Sonnenformel als überlieferter Zusatz'''<br>
ghṛṇiḥ sūrya ādityomarcayanti tapaḥ satyaṃ madhu kṣaranti tadbrahma tadāpa āpo jyotī raso’mṛtaṃ brahma bhūrbhuvaḥ suvarom || 15.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' Der Glühende, Surya, Aditya – Om. [Ihn] verehren sie als Glut und Wahrheit; Süßes lassen sie strömen. Das ist Brahman; das ist Wasser. Wasser, Licht, Essenz, Unsterblichkeit: Brahman. Erde, Zwischenraum, Himmelswelt. Om.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''ghṛṇiḥ'' – der Glühende, Strahlende; ''sūryaḥ'' – Surya, Sonne; ''ādityaḥ'' – Aditya; ''om'' – Om; mit ādityaḥ in der ungewöhnlichen Verbindung ādityom; ''arcayanti'' – sie verehren; ''tapaḥ'' – Glut, Askese; ''satyam'' – Wahrheit; ''madhu'' – Süßes, Honig; ''kṣaranti'' – sie lassen strömen; ''tat'' – das; ''brahma'' – Brahman; ''tat'' – das; ''āpaḥ'' – Wasser; im Text vor āpaḥ als āpa; ''āpaḥ'' – Wasser; zweite Nennung; ''jyotiḥ'' – Licht; im Sandhi jyotī; ''rasaḥ'' – Essenz, Saft; ''amṛtam'' – Unsterblichkeit; ''brahma'' – Brahman; ''bhūḥ'' – Erde; ''bhuvaḥ'' – Zwischenraum; ''suvaḥ'' – Himmelswelt; im Sandhi suvar; ''om'' – Om.
'''Textkritischer Hinweis:''' SanskritDocuments führt diese Formel als 15.2. Der Druck S. 199–201 kennzeichnet sie als Zusatz aus der kürzeren Rezension. Sie bleibt hier mit dieser Kennzeichnung erhalten. Im Anfang fehlen ausdrücklich genannte Subjekte und Objekte; „ihn“ ist ergänzt. Die Verbindung ādityom und die überlieferte doppelte Wassernennung werden nicht stillschweigend beseitigt.
===Mahanarayana Upanishad Anuvaka 16===
'''16.1.1 – Linga-Anrufung: dem Herrn des Vergehens'''<br>
nidhanapataye namaḥ || 16.1.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Verehrung dem Herrn des Vergehens!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''nidhana-pataye'' – nidhana, Ende/Vergehen; pati, Herr; Dativ; ''namaḥ'' – Verehrung, Verneigung.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die zweiundzwanzig Anrufungen des Druckabschnitts 16.1 stehen hier einzeln. Die Bedeutung von liṅga ist zunächst „Zeichen“; im rituellen Zusammenhang bezeichnet es das Shiva-Linga. Die Beinamen können zugleich als Eigenschaften des Symbols und der darin verehrten Gottheit verstanden werden.
'''16.1.2 – Linga-Anrufung: dem Bezwinger des Herrn des Vergehens'''<br>
nidhanapatāntikāya namaḥ || 16.1.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' Verehrung dem Bezwinger des Herrn des Vergehens!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''nidhanapatāntikāya'' – traditionell auf das Ende der Todesherrschaft bezogen; die Kompositumsform ist unregelmäßig; Dativ; ''namaḥ'' – Verehrung, Verneigung.
'''16.1.3 – Linga-Anrufung: dem Erhabenen'''<br>
ūrdhvāya namaḥ || 16.1.3 ||<br>
'''Übersetzung:''' Verehrung dem Erhabenen!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''ūrdhvāya'' – ūrdhva, aufwärts gerichtet, hoch; Dativ; ''namaḥ'' – Verehrung, Verneigung.
'''16.1.4 – Linga-Anrufung: dem mit erhabenem Zeichen'''<br>
ūrdhvaliṅgāya namaḥ || 16.1.4 ||<br>
'''Übersetzung:''' Verehrung dem mit erhabenem Zeichen!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''ūrdhva-liṅgāya'' – ūrdhva, hoch; liṅga, Zeichen, Symbol; Dativ; ''namaḥ'' – Verehrung, Verneigung.
'''16.1.5 – Linga-Anrufung: dem Goldenen'''<br>
hiraṇyāya namaḥ || 16.1.5 ||<br>
'''Übersetzung:''' Verehrung dem Goldenen!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''hiraṇyāya'' – hiraṇya, Gold; Dativ; ''namaḥ'' – Verehrung, Verneigung.
'''16.1.6 – Linga-Anrufung: dem mit goldenem Zeichen'''<br>
hiraṇyaliṅgāya namaḥ || 16.1.6 ||<br>
'''Übersetzung:''' Verehrung dem mit goldenem Zeichen!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''hiraṇya-liṅgāya'' – hiraṇya, Gold; liṅga, Zeichen; Dativ; ''namaḥ'' – Verehrung, Verneigung.
'''16.1.7 – Linga-Anrufung: dem Schönfarbigen'''<br>
suvarṇāya namaḥ || 16.1.7 ||<br>
'''Übersetzung:''' Verehrung dem Schönfarbigen!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''suvarṇāya'' – su, gut/schön; varṇa, Farbe; suvarṇa auch Gold; Dativ; ''namaḥ'' – Verehrung, Verneigung.
'''16.1.8 – Linga-Anrufung: dem mit schönfarbigem Zeichen'''<br>
suvarṇaliṅgāya namaḥ || 16.1.8 ||<br>
'''Übersetzung:''' Verehrung dem mit schönfarbigem Zeichen!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''suvarṇa-liṅgāya'' – suvarṇa, schönfarbig/golden; liṅga, Zeichen; Dativ; ''namaḥ'' – Verehrung, Verneigung.
'''16.1.9 – Linga-Anrufung: dem Himmlischen'''<br>
divyāya namaḥ || 16.1.9 ||<br>
'''Übersetzung:''' Verehrung dem Himmlischen!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''divyāya'' – divya, himmlisch, göttlich; Dativ; ''namaḥ'' – Verehrung, Verneigung.
'''16.1.10 – Linga-Anrufung: dem mit himmlischem Zeichen'''<br>
divyaliṅgāya namaḥ || 16.1.10 ||<br>
'''Übersetzung:''' Verehrung dem mit himmlischem Zeichen!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''divya-liṅgāya'' – divya, himmlisch; liṅga, Zeichen; Dativ; ''namaḥ'' – Verehrung, Verneigung.
'''16.1.11 – Linga-Anrufung: Bhava, dem Werden'''<br>
bhavāya namaḥ || 16.1.11 ||<br>
'''Übersetzung:''' Verehrung Bhava, dem Werden!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''bhavāya'' – bhava, Werden/Existenz; Name Shivas; Dativ; ''namaḥ'' – Verehrung, Verneigung.
'''16.1.12 – Linga-Anrufung: dem Zeichen des Werdens'''<br>
bhavaliṅgāya namaḥ || 16.1.12 ||<br>
'''Übersetzung:''' Verehrung dem Zeichen des Werdens!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''bhava-liṅgāya'' – bhava, Werden; liṅga, Zeichen; Dativ; ''namaḥ'' – Verehrung, Verneigung.
'''16.1.13 – Linga-Anrufung: Sharva'''<br>
śarvāya namaḥ || 16.1.13 ||<br>
'''Übersetzung:''' Verehrung Sharva!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''śarvāya'' – Sharva, Name Rudras/Shivas; Dativ; ''namaḥ'' – Verehrung, Verneigung.
'''16.1.14 – Linga-Anrufung: dem Zeichen Sharvas'''<br>
śarvaliṅgāya namaḥ || 16.1.14 ||<br>
'''Übersetzung:''' Verehrung dem Zeichen Sharvas!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''śarva-liṅgāya'' – śarva, Sharva; liṅga, Zeichen; Dativ; ''namaḥ'' – Verehrung, Verneigung.
'''16.1.15 – Linga-Anrufung: Shiva, dem Gütigen'''<br>
śivāya namaḥ || 16.1.15 ||<br>
'''Übersetzung:''' Verehrung Shiva, dem Gütigen!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''śivāya'' – śiva, gütig/heilvoll; göttlicher Name; Dativ; ''namaḥ'' – Verehrung, Verneigung.
'''16.1.16 – Linga-Anrufung: dem Shiva-Linga'''<br>
śivaliṅgāya namaḥ || 16.1.16 ||<br>
'''Übersetzung:''' Verehrung dem Shiva-Linga!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''śiva-liṅgāya'' – śiva, Shiva; liṅga, Zeichen, Kultsymbol; Dativ; ''namaḥ'' – Verehrung, Verneigung.
'''16.1.17 – Linga-Anrufung: dem Flammenden'''<br>
jvalāya namaḥ || 16.1.17 ||<br>
'''Übersetzung:''' Verehrung dem Flammenden!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''jvalāya'' – jval, brennen, leuchten; hier substantiviert; Dativ; ''namaḥ'' – Verehrung, Verneigung.
'''16.1.18 – Linga-Anrufung: dem mit flammendem Zeichen'''<br>
jvalaliṅgāya namaḥ || 16.1.18 ||<br>
'''Übersetzung:''' Verehrung dem mit flammendem Zeichen!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''jvala-liṅgāya'' – jvala, flammend; liṅga, Zeichen; Dativ; ''namaḥ'' – Verehrung, Verneigung.
'''16.1.19 – Linga-Anrufung: dem Selbst'''<br>
ātmāya namaḥ || 16.1.19 ||<br>
'''Übersetzung:''' Verehrung dem Selbst!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''ātmāya'' – ātman, Selbst; unregelmäßiger Dativ ātmāya statt ātmane; Dativ; ''namaḥ'' – Verehrung, Verneigung.
'''16.1.20 – Linga-Anrufung: dem Zeichen des Selbst'''<br>
ātmaliṅgāya namaḥ || 16.1.20 ||<br>
'''Übersetzung:''' Verehrung dem Zeichen des Selbst!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''ātma-liṅgāya'' – ātman, Selbst; liṅga, Zeichen; Dativ; ''namaḥ'' – Verehrung, Verneigung.
'''16.1.21 – Linga-Anrufung: dem Höchsten'''<br>
paramāya namaḥ || 16.1.21 ||<br>
'''Übersetzung:''' Verehrung dem Höchsten!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''paramāya'' – parama, höchstes; Dativ; ''namaḥ'' – Verehrung, Verneigung.
'''16.1.22 – Linga-Anrufung: dem höchsten Zeichen'''<br>
paramaliṅgāya namaḥ || 16.1.22 ||<br>
'''Übersetzung:''' Verehrung dem höchsten Zeichen!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''parama-liṅgāya'' – parama, höchstes; liṅga, Zeichen; Dativ; ''namaḥ'' – Verehrung, Verneigung.
'''16.1.23 – Rituelle Einsetzung des Zeichens'''<br>
etatsomasya sūryasya sarvaliṅgaṃ sthāpayati pāṇimantraṃ pavitram || 16.1.23 ||<br>
'''Übersetzung:''' Dieses [Mantra] setzt das allumfassende Zeichen Somas und Suryas ein: ein reinigendes Handmantra.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''etat'' – dieses; ''somasya'' – Somas, des Mondes oder der Soma-Gottheit; ''sūryasya'' – Suryas, der Sonne; ''sarva-liṅgam'' – allumfassendes Zeichen, alle Zeichen einschließendes Symbol; ''sthāpayati'' – stellt auf, richtet ein, setzt rituell ein; ''pāṇi-mantram'' – Handmantra; pāṇi, Hand; mantra, heilige Formel; schwierige rituelle Bezeichnung; ''pavitram'' – reinigend, heilig.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die knappe Anweisung wird traditionell auf die rituelle Aufstellung und Verehrung des Linga bezogen. Die genaue syntaktische Funktion von pāṇimantram ist nicht eindeutig; die Übersetzung erhält die Bezeichnung und ergänzt nur das Bezugswort „Mantra“ zu etat.
===Mahanarayana Upanishad Anuvaka 17===
'''17.1 – Zuflucht zu Sadyojata'''<br>
sadyojātaṃ prapadyāmi sadyojātāya vai namo namaḥ | bhave bhave nātibhave bhavasva mām | bhavodbhavāya namaḥ || 17.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Ich nehme Zuflucht zu Sadyojata. Wahrlich, Sadyojata sei Verehrung, Verehrung! [Bestimme] mich nicht zu Dasein um Dasein; [führe] mich in das Übersteigen des Daseins. Verehrung dem Ursprung des Werdens!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''sadyaḥ-jātam'' – Sadyojata, den eben oder unmittelbar Geborenen; göttlicher Name; ''prapadyāmi'' – ich nehme Zuflucht, wende mich hin; ''sadyaḥ-jātāya'' – Sadyojata; Dativ; ''vai'' – wahrlich; ''namaḥ'' – Verehrung; ''namaḥ'' – Verehrung; Wiederholung; ''bhave'' – im Werden, in einer Existenz oder Geburt; ''bhave'' – in jeder weiteren Existenz; Wiederholung; ''na'' – nicht; ''ati-bhave'' – im Übersteigen des Werdens, im Zustand jenseits weiterer Geburt; ''bhavasva'' – werde, sei; hier im Gebetszusammenhang als „bestimme, führe“ verstanden; ''mām'' – mich; ''bhava-udbhavāya'' – dem Ursprung des Werdens: bhava, Werden/Existenz; udbhava, Ursprung; ''namaḥ'' – Verehrung, Verneigung.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die knappe Formel bhave bhave nātibhave bhavasva mām erlaubt keine völlig glatte wörtliche Übertragung. Die Übersetzung folgt der traditionellen Bitte, nicht in wiederholte Geburt versetzt, sondern darüber hinausgeführt zu werden, und markiert die dafür ergänzten Verben. Die Sandhi-Verbindung nātibhave wird als na + atibhave aufgelöst.
===Mahanarayana Upanishad Anuvaka 18===
'''18.1.1 – Verehrung: Vamadeva, dem gütigen Gott'''<br>
vāmadevāya namaḥ || 18.1.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Verehrung Vamadeva, dem gütigen Gott!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''vāmadevāya'' – vāma, lieblich/gütig; deva, Gott; Dativ; ''namaḥ'' – Verehrung, Verneigung.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die elf Namensanrufungen des Druckabschnitts 18.1 werden einzeln behandelt. Kalavikarana und Manonmana werden nach der traditionellen Namendeutung erläutert; ihre Bedeutung ist nicht in jedem Bestandteil eindeutig.
'''18.1.2 – Verehrung: dem Ältesten'''<br>
jyeṣṭhāya namaḥ || 18.1.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' Verehrung dem Ältesten!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''jyeṣṭhāya'' – jyeṣṭha, der älteste oder vorrangige; Dativ; ''namaḥ'' – Verehrung, Verneigung.
'''18.1.3 – Verehrung: dem Besten'''<br>
śreṣṭhāya namaḥ || 18.1.3 ||<br>
'''Übersetzung:''' Verehrung dem Besten!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''śreṣṭhāya'' – śreṣṭha, der beste oder vortrefflichste; Dativ; ''namaḥ'' – Verehrung, Verneigung.
'''18.1.4 – Verehrung: Rudra'''<br>
rudrāya namaḥ || 18.1.4 ||<br>
'''Übersetzung:''' Verehrung Rudra!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''rudrāya'' – Rudra, göttlicher Eigenname; Dativ; ''namaḥ'' – Verehrung, Verneigung.
'''18.1.5 – Verehrung: der Zeit'''<br>
kālāya namaḥ || 18.1.5 ||<br>
'''Übersetzung:''' Verehrung der Zeit!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''kālāya'' – kāla, Zeit; auch Todesmacht; Dativ; ''namaḥ'' – Verehrung, Verneigung.
'''18.1.6 – Verehrung: Kalavikarana, dem Umgestalter'''<br>
kalavikaraṇāya namaḥ || 18.1.6 ||<br>
'''Übersetzung:''' Verehrung Kalavikarana, dem Umgestalter!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''kalavikaraṇāya'' – kala, hier traditionell als unentwickelter Zustand erklärt; vikaraṇa, Umgestaltung; Dativ; ''namaḥ'' – Verehrung, Verneigung.
'''18.1.7 – Verehrung: dem, der die Kräfte ausdifferenziert'''<br>
balavikaraṇāya namaḥ || 18.1.7 ||<br>
'''Übersetzung:''' Verehrung dem, der die Kräfte ausdifferenziert!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''balavikaraṇāya'' – bala, Kraft; vikaraṇa, Umgestaltung oder Differenzierung; Dativ; ''namaḥ'' – Verehrung, Verneigung.
'''18.1.8 – Verehrung: der Kraft'''<br>
balāya namaḥ || 18.1.8 ||<br>
'''Übersetzung:''' Verehrung der Kraft!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''balāya'' – bala, Kraft; Dativ; ''namaḥ'' – Verehrung, Verneigung.
'''18.1.9 – Verehrung: dem Bezwinger der Kraft'''<br>
balapramathanāya namaḥ || 18.1.9 ||<br>
'''Übersetzung:''' Verehrung dem Bezwinger der Kraft!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''balapramathanāya'' – bala, Kraft; pramathana, Zerschlagen oder Bezwingen; Dativ; ''namaḥ'' – Verehrung, Verneigung.
'''Textkritischer Hinweis:''' Das verkürzte balapramathāya der elektronischen Vorlage wird nach Druck S. 207 zu balapramathanāya ergänzt.
'''18.1.10 – Verehrung: dem Bezwinger aller Wesen'''<br>
sarvabhūtadamanāya namaḥ || 18.1.10 ||<br>
'''Übersetzung:''' Verehrung dem Bezwinger aller Wesen!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''sarvabhūtadamanāya'' – sarva, alle; bhūta, Wesen; damana, Bezwingen; Dativ; ''namaḥ'' – Verehrung, Verneigung.
'''18.1.11 – Verehrung: Manonmana, dem Erheber des Geistes'''<br>
manonmanāya namaḥ || 18.1.11 ||<br>
'''Übersetzung:''' Verehrung Manonmana, dem Erheber des Geistes!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''manonmanāya'' – manas, Geist; unmana, hier als Erhebung des Geistes verstanden; göttlicher Beiname; Dativ; ''namaḥ'' – Verehrung, Verneigung.
===Mahanarayana Upanishad Anuvaka 19-24===
'''19.1 – Verehrung aller Rudra-Gestalten'''<br>
aghorebhyo’tha ghorebhyo ghoraghoratarebhyaḥ | sarvataḥ śarva sarvebhyo namaste astu rudrarūpebhyaḥ || 19.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Den nicht schrecklichen und den schrecklichen, den schrecklichen und noch schrecklicheren [Gestalten]: Überall, o Sharva, sei Verehrung dir und allen deinen Rudra-Gestalten.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''a-ghorebhyaḥ'' – den nicht schrecklichen, friedvollen [Gestalten]; ''atha'' – und, sodann; ''ghorebhyaḥ'' – den schrecklichen; ''ghora-ghoratarebhyaḥ'' – den schrecklichen und noch schrecklicheren; ghora, schrecklich; ghoratara, schrecklicher; ''sarvataḥ'' – von allen Seiten, überall; ''śarva'' – o Sharva; Name Rudras; ''sarvebhyaḥ'' – allen; ''namaḥ'' – Verehrung; ''te'' – dir, deinen; ''astu'' – möge sein; ''rudra-rūpebhyaḥ'' – den Rudra-Gestalten: rudra, Rudra; rūpa, Gestalt.
'''20.1 – Rudra-Gayatri'''<br>
tatpuruṣāya vidmahe mahādevāya dhīmahi | tanno rudraḥ pracodayāt || 20.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Jenen Purusha wollen wir erkennen; auf den großen Gott richten wir unsere Betrachtung. Rudra möge uns dazu anregen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tat-puruṣāya'' – jenem Purusha, der göttlichen Person; Dativ; ''vidmahe'' – wir wollen erkennen; vedische mediale Form; ''mahā-devāya'' – dem großen Gott; ''dhīmahi'' – wir versenken uns betrachtend, richten unseren Geist darauf; ''tat'' – das, dazu; im Sandhi vor naḥ als tan; ''naḥ'' – uns; ''rudraḥ'' – Rudra; ''pracodayāt'' – möge antreiben, anregen, erhellen.
'''Textkritischer Hinweis:''' Wie häufig in den nach dem Gayatri-Muster gebildeten Mantras stehen die Gottesbezeichnungen im Dativ. Die Übersetzung gibt ihre erkennbaren Beziehungen zu Erkennen und Betrachtung wieder.
'''21.1 – Ishana und Sadashiva'''<br>
īśānaḥ sarvavidyānāmīśvaraḥ sarvabhūtānāṃ brahmādhipatirbrahmaṇo’dhipatirbrahmā śivo me astu sadāśivom || 21.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Der Herr aller Wissensgebiete, der Gebieter aller Wesen, der Oberherr der heiligen Rede, der Oberherr Brahmas, das höchste Brahman: Er sei mir gütig, Sadashiva, der immer Gütige. Om.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''īśānaḥ'' – Herr, Gebieter; Name einer Erscheinungsform Shivas; ''sarva-vidyānām'' – aller Wissensgebiete: sarva, alle; vidyā, Wissen; ''īśvaraḥ'' – Gebieter, Herr; ''sarva-bhūtānām'' – aller Wesen; ''brahma-adhipatiḥ'' – Oberherr der heiligen Rede oder des Veda: brahma, heilige Rede/Brahman; adhipati, Oberherr; ''brahmaṇaḥ'' – Brahmas; auch Genitiv von Brahman; ''adhipatiḥ'' – Oberherr; ''brahmā'' – hier traditionell als das höchste Brahman verstanden; überlieferte maskuline Form; ''śivaḥ'' – gütig, heilvoll; auch Eigenname Shiva; ''me'' – mir; ''astu'' – möge sein; ''sadā-śivaḥ'' – der immer Gütige, Sadashiva; sadā, immer; śiva, gütig; vor Om zu sadāśivo verbunden; ''om'' – Om.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die verschiedenen brahma-Formen werden traditionell auf Veda, Brahma/Hiranyagarbha und das höchste Brahman bezogen. Der Wortlaut selbst benennt diese Unterscheidung nicht ausführlich; die Übersetzung folgt dieser Deutung und führt keine zusätzliche Identitätsformel „ich bin“ ein.
'''22.1 – Goldene Gestalt und göttliche Beziehungen'''<br>
namo hiraṇyabāhave hiraṇyavarṇāya hiraṇyarūpāya hiraṇyapataye| ambikāpataya umāpataye paśupataye namo namaḥ || 22.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Verehrung dem Goldarmigen, dem Goldfarbenen, dem mit goldener Gestalt, dem Herrn des Goldes, dem Gemahl Ambikas, dem Gemahl Umas, dem Herrn der Lebewesen: Verehrung, Verehrung!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''namaḥ'' – Verehrung; ''hiraṇya-bāhave'' – dem Goldarmigen: hiraṇya, Gold; bāhu, Arm; ''hiraṇya-varṇāya'' – dem Goldfarbenen: varṇa, Farbe; ''hiraṇya-rūpāya'' – dem mit goldener Gestalt: rūpa, Gestalt; ''hiraṇya-pataye'' – dem Herrn des Goldes: pati, Herr; ''ambikā-pataye'' – dem Gemahl Ambikas; vor u im Text ambikāpataya; ''umā-pataye'' – dem Gemahl Umas; ''paśu-pataye'' – dem Herrn der Tiere und gebundenen Lebewesen: paśu, Tier/Lebewesen; pati, Herr; ''namaḥ'' – Verehrung; ''namaḥ'' – Verehrung; Wiederholung.
'''23.1 – Das höchste Brahman und die göttliche Person'''<br>
ṛtaṃ satyaṃ paraṃ brahma puruṣaṃ kṛṣṇapiṅgalam | ūrdhvaretaṃ virūpākṣaṃ viśvarūpāya vai namo namaḥ || 23.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Rechte Ordnung, Wahrheit, höchstes Brahman, der dunkle und rotbraune Purusha, dessen Zeugungskraft aufwärts gerichtet ist und dessen Augen ungewöhnlich sind: Dem Allgestaltigen wahrlich Verehrung, Verehrung!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''ṛtam'' – rechte oder kosmische Ordnung, Wahrheit; ''satyam'' – Wahrheit, Wirklichkeit; ''param'' – höchstes; ''brahma'' – Brahman; ''puruṣam'' – Purusha, göttliche Person; Akkusativ; ''kṛṣṇa-piṅgalam'' – dunkel und rotbraun: kṛṣṇa, dunkel/schwarz; piṅgala, rotbraun; ''ūrdhva-retam'' – mit aufwärts gerichteter Zeugungskraft; ūrdhva, aufwärts; retas, Samen/Zeugungskraft; unregelmäßige Form für ūrdhvaretasam; ''virūpa-akṣam'' – mit ungewöhnlichen oder verschiedenartigen Augen: virūpa, anders gestaltet; akṣa, Auge; ''viśva-rūpāya'' – dem Allgestaltigen, dessen Gestalt das All ist; Dativ; ''vai'' – wahrlich; ''namaḥ'' – Verehrung; ''namaḥ'' – Verehrung; Wiederholung.
'''Textkritischer Hinweis:''' Der Satz wechselt von neutralen bzw. Akkusativformen zum Dativ viśvarūpāya. Die Übersetzung erhält den Charakter einer Anrufung. Die traditionelle Deutung bezieht die zwei Farben auf Uma und Maheshvara und die ungewöhnlichen Augen auf Shivas drei Augen; diese Zusätze stehen nicht ausdrücklich im Vers.
'''24.1 – Alles ist Rudra'''<br>
sarvo vai rudrastasmai rudrāya namo astu | puruṣo vai rudraḥ sanmaho namo namaḥ | viśvaṃ bhūtaṃ bhuvanaṃ citraṃ bahudhā jātaṃ jāyamānaṃ ca yat | sarvo hyeṣa rudrastasmai rudrāya namo astu || 24.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Alles ist wahrlich Rudra; diesem Rudra sei Verehrung. Der Purusha ist wahrlich Rudra, Sein und großer Glanz: Verehrung, Verehrung! Das ganze entstandene All, die vielfältige Welt, was auf vielerlei Weise geboren ist und geboren wird – all dies ist ja Rudra. Diesem Rudra sei Verehrung.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''sarvaḥ'' – alles, der Allumfassende; maskuline Form im Bezug auf Rudra; ''vai'' – wahrlich; ''rudraḥ'' – Rudra; ''tasmai'' – diesem; ''rudrāya'' – Rudra; Dativ; ''namaḥ'' – Verehrung; ''astu'' – möge sein; ''puruṣaḥ'' – Purusha, göttliche Person; ''vai'' – wahrlich; ''rudraḥ'' – Rudra; ''sat'' – Sein, das Seiende; vor m zu san verbunden; ''mahaḥ'' – Größe, großer Glanz; ''namaḥ'' – Verehrung; ''namaḥ'' – Verehrung; ''viśvam'' – das ganze All; ''bhūtam'' – entstanden, Wesen oder Entstandenes; ''bhuvanam'' – Welt; ''citram'' – vielfältig, bunt, wunderbar; ''bahudhā'' – auf vielfache Weise; ''jātam'' – geboren, entstanden; ''jāyamānam'' – geboren werdend, entstehend; ''ca'' – und; ''yat'' – was; ''sarvaḥ'' – alles; maskuline Form; ''hi'' – ja, denn; ''eṣaḥ'' – dieser, dies; ''rudraḥ'' – Rudra; ''tasmai'' – diesem; ''rudrāya'' – Rudra; ''namaḥ'' – Verehrung; ''astu'' – möge sein.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die knappe Verbindung sanmahaḥ wird nach der traditionellen Zerlegung sat + mahaḥ erklärt. Die Formel ist keine syntaktisch regelmäßige philosophische Definition, sondern eine kultische All-Aussage.
===Mahanarayana Upanishad Anuvaka 25===
'''25.1.1 – Ein Lied an Rudra'''<br>
kadrudrāya pracetase mīḍhuṣṭamāya tavyase | vocema śaṃtamaṃ hṛde || 25.1.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Wann werden wir dem weisen, überaus reichlich spendenden und mächtigen Rudra ein Lied sprechen, das dem Herzen höchste Wohltat bringt?
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''kat'' – wann, was; vor r im Text kad; ''rudrāya'' – Rudra; Dativ; ''pracetase'' – dem Einsichtigen, Weisen; ''mīḍhuṣṭamāya'' – dem am reichlichsten Spendenden oder Regnenden; ''tavyase'' – dem sehr Mächtigen; vedische Form; ''vocema'' – mögen wir sprechen, werden wir sprechen; ''śaṃ-tamam'' – höchst wohltuend, am meisten Heil bringend; ''hṛde'' – dem Herzen.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die Fragepartikel kat wird entsprechend der Rigveda-Parallele 1.43.1 verstanden. Eine andere traditionelle Deutung verbindet kad mit Rudra als lobendem Beiwort. Der angefügte Rudra-Refrain steht im folgenden eigenen Abschnitt.
'''25.1.2 – Rudra-Refrain'''<br>
sarvo hyeṣa rudrastasmai rudrāya namo astu || 25.1.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' All dies ist ja Rudra. Diesem Rudra sei Verehrung.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''sarvaḥ'' – alles; maskuline Form im Bezug auf Rudra; ''hi'' – ja, denn; ''eṣaḥ'' – dieser, dies; ''rudraḥ'' – Rudra; ''tasmai'' – diesem; ''rudrāya'' – Rudra; ''namaḥ'' – Verehrung; ''astu'' – möge sein.
===Mahanarayana Upanishad Anuvaka 26===
'''26.1 – Die Opferkelle des Agnihotra'''<br>
yasya vaikaṅkatyagnihotrahavaṇī bhavati pratyevāsyāhutayastiṣṭhantyatho pratiṣṭhityai || 26.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Wer eine Agnihotra-Opferkelle aus Vikankata-Holz besitzt, dessen Opfergaben gelangen tatsächlich zu festem Bestand; außerdem [dienen sie] seiner Festigung.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yasya'' – wessen, wer ... hat; ''vaikaṅkatī'' – aus Vikankata-Holz bestehend; weibliche Form; ''agnihotra-havaṇī'' – Opferkelle für das Agnihotra: agni, Feuer; hotra, Opfer; havaṇī, Schöpf- oder Opferkelle; ''bhavati'' – ist, vorhanden ist; ''prati'' – fest, auf einen Bestand hin; zusammen mit tiṣṭhanti; ''eva'' – wirklich, gerade; ''asya'' – seine, dieses Menschen; ''āhutayaḥ'' – Opfergaben, Darbringungen; ''tiṣṭhanti'' – stehen, erlangen festen Bestand; ''atho'' – und ferner, außerdem; ''pratiṣṭhityai'' – zur Festigung, zum festen Bestand.
'''Textkritischer Hinweis:''' Der Druck S. 218–219 enthält in der kürzeren Rezension zusätzlich pratiṣṭhitāḥ; seine Anmerkung bestätigt das Fehlen in der längeren Rezension. Es wird hier nicht ergänzt. Das beschädigte tiṣṭhaty der elektronischen Fassung ist nach dem Druck zu tiṣṭhanty berichtigt.
===Mahanarayana Upanishad Anuvaka 27===
'''27.0 – Verweis auf fünf Agni-Verse'''<br>
kṛṇuṣva pāja iti pañca || 27.0 ||<br>
'''Übersetzung:''' Die fünf [Verse], die mit „Entfalte deine Kraft“ beginnen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''kṛṇuṣva'' – mache, entfalte; zitiertes Anfangswort; ''pājaḥ'' – Kraft, Wucht; im Zitat vor iti als pāja; ''iti'' – so; markiert das Zitat; ''pañca'' – fünf.
'''Textkritischer Hinweis:''' Der eigentliche Anuvaka 27 besteht im Druck S. 219 aus diesem Verweis. Gemeint sind Rigveda 4.4.1–5, auch in Taittiriya-Samhita 1.2.14 überliefert. Die fünf Verse werden wie in der elektronischen Fassung ausgeschrieben; der Druck gibt sie auf S. 220 als Ergänzung. Die Nummer 27.0 kennzeichnet den Verweissatz, 27.1–27.5 die aufgerufenen Verse.
'''27.1 – Agni als königlicher Beschützer'''<br>
kṛṇuṣva pājaḥ prasitiṃ na pṛthvīṃ yāhi rājevāmavām̐ ibhena | tṛṣvīmanu prasitiṃ drūṇāno’stāsi vidhya rakṣasastapiṣṭhaiḥ || 27.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Entfalte deine Kraft wie ein weites Fangnetz. Ziehe dahin wie ein mächtiger König mit seinem Gefolge. Dem ungestümen Vorstoß folgend, dahinstürmend: Du bist ein Schütze; durchbohre die Rakshas mit den glühendsten [Geschossen].
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''kṛṇuṣva'' – mache, entfalte; ''pājaḥ'' – Kraft, Wucht; ''prasitim'' – Fangnetz, Ausspannung oder Vorstoß; ''na'' – wie; vedische Vergleichspartikel; ''pṛthvīm'' – weit, breit; ''yāhi'' – gehe, ziehe dahin; ''rājā'' – König; ''iva'' – wie; ''amavān'' – mächtig, angriffskräftig; vedische Verbindung amavām̐; ''ibhena'' – mit dem Gefolge oder der Begleiterschar; Bedeutung hier umstritten, später auch „mit einem Elefanten“; ''tṛṣvīm'' – ungestüm, heftig; ''anu'' – entlang, folgend; ''prasitim'' – Ausspannung, Vorstoß; ''drūṇānaḥ'' – dahineilend, stürmend; vedisches Partizip; ''astā'' – Schütze, Werfer; ''asi'' – du bist; ''vidhya'' – durchbohre, triff; ''rakṣasaḥ'' – Rakshas, feindliche oder dämonische Mächte; Akkusativ Plural; ''tapiṣṭhaiḥ'' – mit den glühendsten [Geschossen]; Instrumental Plural.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die Netz-, Zug- und Kampfmetaphern lassen sich nicht in jedem Wort eindeutig voneinander trennen. Ergänzte Geschosse stehen in Klammern. Die elektronische Zeichenfolge amavāॅṃ ist nach dem Druck und der Rigveda-Parallele als amavām̐ wiedergegeben.
'''27.2 – Flammen und Funken'''<br>
tava bhramāsa āśuyā patantyanu spṛśa dhṛṣatā śośucānaḥ | tapūṃṣyagne juhvā pataṅgānasandito vi sṛja viṣvagulkāḥ || 27.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' Deine wirbelnden [Flammen] fliegen rasch. Ergreife [die Feinde] mit kühnem Ansturm, hell auflodernd. O Agni, schleudere mit deiner Zunge die fliegenden Glutkörper aus; ungebunden sende die Funken in alle Richtungen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tava'' – deine; ''bhramāsaḥ'' – wirbelnde Erscheinungen, Flammenwirbel; vedischer Plural; ''āśuyā'' – rasch, in Eile; vedisches Adverb; ''patanti'' – sie fliegen, fallen; ''anu spṛśa'' – berühre, ergreife nacheinander; ''dhṛṣatā'' – mit Kühnheit, mit kühnem Ansturm; ''śośucānaḥ'' – hell auflodernd, intensiv leuchtend; ''tapūṃṣi'' – Gluten, glühende Körper; ''agne'' – o Agni; ''juhvā'' – mit der Zunge; vedischer Instrumental; ''pataṅgān'' – Fliegende, fliegende [Glutkörper]; ''asanditaḥ'' – nicht gefesselt, ungebunden; ''vi sṛja'' – sende auseinander, schleudere aus; ''viṣvak'' – nach allen Seiten; vor u als viṣvag; ''ulkāḥ'' – Funken, Feuerbrände.
'''Textkritischer Hinweis:''' Dhṛṣatā und viṣvagulkāḥ sind nach dem Druck S. 220 gegen dhṛśatā und viśvagulkāḥ der elektronischen Fassung berichtigt. Die wechselnden Formen tapūṃṣi und pataṅgān werden nicht grammatisch vereinheitlicht.
'''27.3 – Agni als ungetäuschter Wächter'''<br>
prati spaśo vi sṛja tūrṇitamo bhavā pāyurviśo asyā adabdhaḥ | yo no dūre aghaśaṃso yo antyagne mākiṣṭe vyathirā dadharṣīt || 27.3 ||<br>
'''Übersetzung:''' Sende deine Späher aus, überaus eiliger [Agni]. Sei der ungetäuschte Hüter dieser Gemeinschaft. Wer uns in der Ferne Böses wünscht oder wer in der Nähe ist, o Agni: Kein solcher Angreifer möge es wagen, dir nahezutreten.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''prati'' – entgegen, nach den einzelnen Richtungen; ''spaśaḥ'' – Späher, Beobachter; ''vi sṛja'' – sende aus; ''tūrṇi-tamaḥ'' – der am schnellsten Eilende; ''bhava'' – sei, werde; vedisch gedehnt bhavā; ''pāyuḥ'' – Hüter, Beschützer; ''viśaḥ'' – der Gemeinschaft, der Siedlung; ''asyāḥ'' – dieser; im Sandhi asyā; ''adabdhaḥ'' – ungetäuscht, unversehrt; ''yaḥ'' – wer; ''naḥ'' – uns; ''dūre'' – in der Ferne; ''agha-śaṃsaḥ'' – Böses wünschend oder verkündend; ''yaḥ'' – wer; ''anti'' – in der Nähe; vor agne zu anty verbunden; ''agne'' – o Agni; ''mākiḥ'' – niemand, keiner; verbietend; ''te'' – dir; nach ṣ im Text ṭe; ''vyathiḥ'' – Angreifer, Schädiger; ''ā dadharṣīt'' – möge heranzutreten wagen, angreifen; vedische Verbform mit Verbot.
'''Textkritischer Hinweis:''' Viśo asyā ist nach der Druckfassung und der Rigveda-Parallele gegen das beschädigte viśī asyā berichtigt. Getrennte Druck- und Zeilenbestandteile werden als aghaśaṃsaḥ bzw. ā dadharṣīt erklärt.
'''27.4 – Verbrennen der Feindschaft'''<br>
udagne tiṣṭha pratyā tanuṣva nyamitrām̐ oṣatāttigmahete | yo no arātiṃ samidhāna cakre nīcā taṃ dhakṣyatasaṃ na śuṣkam || 27.4 ||<br>
'''Übersetzung:''' Erhebe dich, o Agni, und breite dich [den Gegnern] entgegen aus. Brenne die Feinde nieder, o du mit scharfer Waffe. Wer uns Feindschaft erwiesen hat, o Entflammter, den verbrenne ganz hinab wie trockenes Buschwerk.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''ut tiṣṭha'' – erhebe dich, stehe auf; Sandhi ud ... tiṣṭha; ''agne'' – o Agni; ''prati ā tanuṣva'' – breite dich entgegen aus; ''ni'' – nieder; ''amitrān'' – Feinde; vedische Verbindung amitrām̐; ''oṣatāt'' – brenne, versenge; vedischer Imperativ; ''tigma-hete'' – o du mit scharfer Waffe: tigma, scharf; heti, Waffe; ''yaḥ'' – wer; ''naḥ'' – uns; ''arātim'' – Feindschaft, Missgunst; ''samidhāna'' – o Entflammter; ''cakre'' – hat getan, erwiesen; ''nīcā'' – nach unten, ganz hinab; ''tam'' – ihn; ''dhakṣi'' – verbrenne; vedische Form, vor a im Text dhakṣy; ''atasam'' – Buschwerk, trockenes Gestrüpp; ''na'' – wie; vedische Vergleichspartikel; ''śuṣkam'' – trocken.
'''27.5 – Abwehr feindlicher Mächte'''<br>
ūrdhvo bhava prati vidhyādhyasmadāviṣkṛṇuṣva daivyānyagne | ava sthirā tanuhi yātujūnāṃ jāmimajāmiṃ pra mṛṇīhi śatrūn || 27.5 ||<br>
'''Übersetzung:''' Richte dich auf und schlage [die Feinde] von uns zurück. Mache deine göttlichen [Kräfte] offenbar, o Agni. Löse die Befestigungen derer, die mit Zaubermacht vorgehen. Zerschlage die Feinde, den Verwandten wie den Nichtverwandten.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''ūrdhvaḥ'' – aufrecht, aufwärts gerichtet; ''bhava'' – sei, werde; ''prati vidhya'' – triff zurück, schlage entgegen; ''adhi asmat'' – von uns weg, über uns hinweg; Präposition mit Ablativ; ''āviḥ kṛṇuṣva'' – mache sichtbar, offenbare; Sandhi āviṣkṛṇuṣva; ''daivyāni'' – göttliche [Kräfte oder Taten]; Neutrum Plural; ''agne'' – o Agni; ''ava'' – herab, auseinander; ''sthirā'' – feste [Gebilde], Befestigungen; vedische Form; ''tanuhi'' – lockere, löse, spanne auseinander; ''yātu-jūnām'' – der mit Zaubermacht Vorgehenden: yātu, Zaubermacht; jū, antreibend/eilend; ''jāmim'' – Verwandten, Angehörigen; ''ajāmim'' – Nichtverwandten, Fremden; ''pra mṛṇīhi'' – zerschlage, vernichte; ''śatrūn'' – Feinde.
'''Textkritischer Hinweis:''' Das beschädigte pratiṃ vidyādhi der elektronischen Fassung wird nach dem Druck und Rigveda 4.4.5 als prati vidhyādhi wiedergegeben. Die Kampfbitten sind als historische Schutzmantras übersetzt.
===Mahanarayana Upanishad Anuvaka 28===
'''28.1 – Aditi als Erde und Mutter der Wesen'''<br>
aditirdevā gandharvā manuṣyāḥ pitaro’surāsteṣāṃ sarvabhūtānāṃ mātā medinī mahatī mahī sāvitrī gāyatrī jagatyurvī pṛthvī bahulā viśvā bhūtā kaṃtamā kāyā sā satyetyamṛteti vāsiṣṭhaḥ || 28.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Aditi ist die Mutter der Götter, Gandharvas, Menschen, Ahnen und Asuras, all dieser Wesen: Medini, die Erde; die Große, die Verehrte, Savitri, Gayatri, die Bewegte, die Weite, die Breite, die Reiche, die Allumfassende, die Gewordene, die überaus Beglückende, die Körperliche. Sie [heißt] „die Wahre“ und „die Unsterbliche“ – so [spricht] Vasishtha.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''aditiḥ'' – Aditi, die Ungebundene; Göttinnenname, hier auf die Erde bezogen; ''devāḥ'' – Götter; ''gandharvāḥ'' – Gandharvas, himmlische Sänger; ''manuṣyāḥ'' – Menschen; ''pitaraḥ'' – Väter, Ahnen; ''asurāḥ'' – Asuras, mächtige göttliche oder gegengöttliche Wesen; ''teṣām'' – dieser; ''sarva-bhūtānām'' – aller Wesen; ''mātā'' – Mutter; ''medinī'' – Erde; Göttinnenname; ''mahatī'' – die Große; ''mahī'' – die Große, Verehrte; Erdenname; ''sāvitrī'' – die zu Savitri gehörige Göttin; ''gāyatrī'' – Gayatri; Göttinnen- und Versmaßname; ''jagatī'' – die Bewegte, die Welt; auch Versmaßname; ''urvī'' – die Weite; ''pṛthvī'' – die Breite, die Erde; ''bahulā'' – die Reiche, Vielgestaltige; ''viśvā'' – die Allumfassende; ''bhūtā'' – die Gewordene, aus den Elementen Bestehende; ''kaṃ-tamā'' – die überaus Beglückende: kam, Wohlsein; tamā, weiblicher Superlativ; ''kāyā'' – die Körperliche; von kāya, Körper, her gedeuteter Beiname; ''sā'' – sie; ''satyā'' – die Wahre, Beständige; vor iti zu satye verbunden; ''iti'' – so, als solche bezeichnet; ''amṛtā'' – die Unsterbliche; vor iti zu amṛte verbunden; ''iti'' – so; ''vāsiṣṭhaḥ'' – Vasishtha bzw. ein Seher seiner Tradition; überlieferte Namensform mit langem ā.
'''Textkritischer Hinweis:''' Das in der elektronischen Fassung zu katamā verkürzte kantamā ist nach dem Druck S. 221 wiederhergestellt. Die Anrufung wechselt von einer Aufzählung im Nominativ zur Beziehung „deren Mutter“; die deutsche Satzordnung macht diese Beziehung lesbar. Mehrere Namen haben zugleich kosmische, sprachliche und rituelle Bedeutungen.
===Mahanarayana Upanishad Anuvaka 29-34===
'''29.1 – Alles als Wasser'''<br>
āpo vā idaṃ sarvaṃ viśvā bhūtānyāpaḥ prāṇā vā āpaḥ paśava āpo’nnamāpo’mṛtamāpaḥ samrāḍāpo virāḍāpaḥ svarāḍāpaśchandāṃsyāpo jyotīṃṣyāpo yajūṃṣyāpaḥ satyamāpaḥ sarvā devatā āpo bhūrbhuvaḥ suvarāpa om || 29.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Wahrlich, all dies ist Wasser. Alle Wesen sind Wasser. Die Lebenskräfte sind wahrlich Wasser; die Tiere sind Wasser; die Nahrung ist Wasser; das Unsterbliche ist Wasser. Der Allherrscher ist Wasser, der Weitherrscher ist Wasser, der Selbstherrscher ist Wasser. Die Versmaße sind Wasser, die Lichter sind Wasser, die Opfersprüche sind Wasser, die Wahrheit ist Wasser. Alle Gottheiten sind Wasser. Erde, Zwischenraum und Himmelswelt sind Wasser. Om.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''āpaḥ'' – Wasser; Plural; ''vai'' – wahrlich; vor i im Text vā; ''idam'' – dieses; ''sarvam'' – alles; ''viśvā'' – alle; vedische Form; ''bhūtāni'' – Wesen; ''āpaḥ'' – Wasser; ''prāṇāḥ'' – Lebenskräfte, Lebensatemströme; ''vai'' – wahrlich; im Text vā; ''āpaḥ'' – Wasser; ''paśavaḥ'' – Tiere, Vieh, Lebewesen; ''āpaḥ'' – Wasser; ''annam'' – Nahrung; ''āpaḥ'' – Wasser; ''amṛtam'' – Unsterblichkeit, das Unsterbliche; ''āpaḥ'' – Wasser; ''samrāṭ'' – Allherrscher, Oberherr; ''āpaḥ'' – Wasser; ''virāṭ'' – Weitherrscher, der weithin Leuchtende; auch kosmischer Name Viraj; ''āpaḥ'' – Wasser; ''svarāṭ'' – Selbstherrscher, aus sich selbst Leuchtender; ''āpaḥ'' – Wasser; ''chandāṃsi'' – Versmaße; ''āpaḥ'' – Wasser; ''jyotīṃṣi'' – Lichter, Leuchtkörper; ''āpaḥ'' – Wasser; ''yajūṃṣi'' – Opfersprüche, Yajus-Formeln; ''āpaḥ'' – Wasser; ''satyam'' – Wahrheit; ''āpaḥ'' – Wasser; ''sarvāḥ'' – alle; ''devatāḥ'' – Gottheiten; ''āpaḥ'' – Wasser; ''bhūḥ'' – Erde; ''bhuvaḥ'' – Zwischenraum; ''suvaḥ'' – Himmelswelt; vor āpaḥ als suvar; ''āpaḥ'' – Wasser; ''om'' – Om.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die wiederholte Gleichsetzung mit Wasser ist eine kultische und kosmologische Aussage. Samraj, Viraj und Svaraj werden sowohl als Herrschertitel als auch als Bezeichnungen des Leuchtens ausgelegt; die Übersetzung verwendet die Herrschaftsbilder.
'''30.1 – Wasser, Erde und heilige Rede'''<br>
āpaḥ punantu pṛthivīṃ pṛthivī pūtā punātu mām | punantu brahmaṇaspatirbrahmapūtā punātu mām || 30.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Die Wasser mögen die Erde reinigen; die gereinigte Erde möge mich reinigen. [Die Wasser] mögen den Herrn der heiligen Rede reinigen; die durch Brahman gereinigte [Erde] möge mich reinigen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''āpaḥ'' – Wasser; Plural; ''punantu'' – mögen reinigen; ''pṛthivīm'' – die Erde; Akkusativ; ''pṛthivī'' – die Erde; Nominativ; ''pūtā'' – gereinigt; ''punātu'' – möge reinigen; Singular; ''mām'' – mich; ''punantu'' – mögen reinigen; Plural; ''brahmaṇaḥ-patiḥ'' – Herr der heiligen Rede; formal Nominativ, hier nach dem Zusammenhang als Objekt verstanden; ''brahma-pūtā'' – durch Brahman oder heilige Rede gereinigt; weibliche Form; ''punātu'' – möge reinigen; ''mām'' – mich.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die zweite Zeile ist grammatisch uneinheitlich: Auf das Pluralverb punantu folgt brahmaṇaspatiḥ im Nominativ. Die Übersetzung macht die ergänzten Satzglieder sichtbar und folgt einer der im Druck erläuterten Verbindungen. Eine alternative Deutung nimmt „Herr der heiligen Rede“ als selbst reinigendes Subjekt.
'''30.2 – Reinigung nach Verstößen gegen die Speiseordnung'''<br>
yaducchiṣṭamabhojyaṃ yadvā duścaritaṃ mama | sarvaṃ punantu māmāpo’satāṃ ca pratigrahaṃ svāhā || 30.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' Was an Speiserest, an nicht zu Essendem oder an schlechtem Handeln von mir [herrührt] und auch das Annehmen [von Gaben] unredlicher Menschen: Von all dem mögen die Wasser mich reinigen. Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yat'' – was; ''ucchiṣṭam'' – Speiserest, nach dem Essen Zurückgebliebenes; rituell verunreinigter Rest; ''abhojyam'' – nicht zu Essendes, verbotene Speise; ''yat'' – was; ''vā'' – oder; ''duścaritam'' – schlechtes Handeln, Fehlverhalten; ''mama'' – mein, von mir; ''sarvam'' – alles, von all dem; sinngemäße Beziehung auf Reinigung; ''punantu'' – mögen reinigen; ''mām'' – mich; ''āpaḥ'' – Wasser; ''asatām'' – der nicht Guten, der unredlichen Menschen; ''ca'' – und, auch; ''pratigraham'' – Annahme, Entgegennahme [von Gaben]; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die Formel setzt die historische rituelle Speise- und Gabenordnung voraus. Die Übersetzung benennt diese Begriffe, ohne sie durch allgemein gehaltene Begriffe von Negativität oder Energie zu ersetzen.
'''31.1 – Reinigung der Verfehlungen bei Tag'''<br>
agniśca mā manyuśca manyupatayaśca manyukṛtebhyaḥ | pāpebhyo rakṣantām | yadahnā pāpamakārṣam | manasā vācā hastābhyām | padbhyāmudareṇa śiśnā | ahastadavalimpatu | yatkiñca duritaṃ mayi | idamahaṃ māmamṛtayonī | satye jyotiṣi juhomi svāhā || 31.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Agni, Manyu und die Herren des Manyu mögen mich vor den aus Manyu entstandenen Verfehlungen schützen. Was ich während des Tages durch Geist, Rede, beide Hände, Füße, Bauch und Geschlechtsorgan an Schuld begangen habe, möge der Tag tilgen. Was immer an Übel in mir ist: Dieses und mich selbst bringe ich im Ursprung der Unsterblichkeit, im wahren Licht, als Opfer dar. Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''agniḥ'' – Agni; ''ca'' – und; ''mā'' – mich; ''manyuḥ'' – Manyu: Zorn, leidenschaftlicher Antrieb; hier als Macht angerufen; ''ca'' – und; ''manyu-patayaḥ'' – Herren oder Hüter des Manyu: manyu, Zorn/Antrieb; pati, Herr; ''ca'' – und; ''manyu-kṛtebhyaḥ'' – von durch Manyu verursachten: manyu, Zorn/Antrieb; kṛta, bewirkt; ''pāpebhyaḥ'' – von Verfehlungen, Übeln; ''rakṣantām'' – mögen schützen; ''yat'' – was; ''ahnā'' – während des Tages; ''pāpam'' – Schuld, Verfehlung; ''akārṣam'' – ich habe getan; ''manasā'' – mit dem Geist; ''vācā'' – mit der Rede; ''hastābhyām'' – mit beiden Händen; ''padbhyām'' – mit beiden Füßen; ''udareṇa'' – mit dem Bauch; ''śiśnā'' – mit dem männlichen Geschlechtsorgan; vedische Instrumentalform; ''ahas'' – Tag; ''tat'' – das; ''ava lumpatu'' – möge abtragen, tilgen; ''yat kiñca'' – was auch immer; ''duritam'' – Übel, Verfehlung; ''mayi'' – in mir; ''idam'' – dieses; ''aham'' – ich; ''mām'' – mich selbst; ''amṛta-yonī'' – im Ursprung der Unsterblichkeit; amṛta, Unsterblichkeit; yoni, Ursprung; formal schwierige überlieferte Endung; ''satye'' – im Wahren, in der Wahrheit; ''jyotiṣi'' – im Licht; ''juhomi'' – ich opfere, bringe dar; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die Form amṛtayonī wird dem Satzsinn nach örtlich verstanden; die grammatisch reguläre Vergleichsform wäre amṛtayonau. Sie wird im Sanskrit nicht stillschweigend eingesetzt. Avalumpatu statt avalimpatu folgt dem Druck S. 227.
'''32.1 – Reinigung der Verfehlungen bei Nacht'''<br>
sūryaśca mā manyuśca manyupatayaśca manyukṛtebhyaḥ | pāpebhyo rakṣantām | yadrātriyā pāpamakārṣam | manasā vācā hastābhyām | padbhyāmudareṇa śiśnā | rātristadavalumpatu | yatkiñca duritaṃ mayi | idamahaṃ māmamṛtayonī | sūrye jyotiṣi juhomi svāhā || 32.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Surya, Manyu und die Herren des Manyu mögen mich vor den aus Manyu entstandenen Verfehlungen schützen. Was ich während der Nacht durch Geist, Rede, beide Hände, Füße, Bauch und Geschlechtsorgan an Schuld begangen habe, möge die Nacht tilgen. Was immer an Übel in mir ist: Dieses und mich selbst bringe ich im Ursprung der Unsterblichkeit, im Sonnenlicht, als Opfer dar. Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''sūryaḥ'' – Surya; ''ca'' – und; ''mā'' – mich; ''manyuḥ'' – Manyu: Zorn, leidenschaftlicher Antrieb; hier als Macht angerufen; ''ca'' – und; ''manyu-patayaḥ'' – Herren oder Hüter des Manyu: manyu, Zorn/Antrieb; pati, Herr; ''ca'' – und; ''manyu-kṛtebhyaḥ'' – von durch Manyu verursachten: manyu, Zorn/Antrieb; kṛta, bewirkt; ''pāpebhyaḥ'' – von Verfehlungen, Übeln; ''rakṣantām'' – mögen schützen; ''yat'' – was; ''rātriyā'' – während der Nacht; vedische Instrumentalform; ''pāpam'' – Schuld, Verfehlung; ''akārṣam'' – ich habe getan; ''manasā'' – mit dem Geist; ''vācā'' – mit der Rede; ''hastābhyām'' – mit beiden Händen; ''padbhyām'' – mit beiden Füßen; ''udareṇa'' – mit dem Bauch; ''śiśnā'' – mit dem männlichen Geschlechtsorgan; vedische Instrumentalform; ''rātriḥ'' – Nacht; ''tat'' – das; ''ava lumpatu'' – möge abtragen, tilgen; ''yat kiñca'' – was auch immer; ''duritam'' – Übel, Verfehlung; ''mayi'' – in mir; ''idam'' – dieses; ''aham'' – ich; ''mām'' – mich selbst; ''amṛta-yonī'' – im Ursprung der Unsterblichkeit; amṛta, Unsterblichkeit; yoni, Ursprung; formal schwierige überlieferte Endung; ''sūrye'' – in der Sonne; ''jyotiṣi'' – im Licht; ''juhomi'' – ich opfere, bringe dar; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die Form amṛtayonī wird dem Satzsinn nach örtlich verstanden; die grammatisch reguläre Vergleichsform wäre amṛtayonau. Sie wird im Sanskrit nicht stillschweigend eingesetzt. Das elektronische iadam ist zu idam berichtigt. Das dort fehlende juhomi steht im Druck S. 231 und ist hier ergänzt.
'''33.1 – Zuordnung der Silbe Om'''<br>
omityekākṣaraṃ brahma | agnirdevatā brahma ityārṣam | gāyatraṃ chandaṃ paramātmaṃ sarūpam | sāyujyaṃ viniyogam || 33.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' „Om“: Diese eine Silbe ist Brahman. Agni ist die Gottheit; Brahman wird als [zugehöriger] Seher genannt. Gayatri ist das Versmaß; das höchste Selbst ist [ihre] Gestalt. Die Vereinigung [mit ihm] ist die Anwendung.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''om'' – Om; im Text vor iti als om; ''iti'' – so, mit diesen Worten; ''eka-akṣaram'' – eine einzige Silbe: eka, eins; akṣara, Silbe, zugleich Unvergängliches; ''brahma'' – Brahman; ''agniḥ'' – Agni, Feuer; ''devatā'' – Gottheit; ''brahma'' – Brahman; hier als Seherangabe gebraucht; ''iti'' – so; ''ārṣam'' – auf einen Rishi oder Seher bezogen; ''gāyatram'' – Gayatri; das Gayatri-Versmaß betreffend; ''chandam'' – Versmaß; unregelmäßige Textform; ''paramātmam'' – höchstes Selbst: parama, höchstes; ātman, Selbst; unregelmäßige Textform; ''sarūpam'' – Gestalt, entsprechende Gestalt; ''sāyujyam'' – Vereinigung, Gemeinschaft; ''viniyogam'' – Anwendung, rituelle Zuordnung; unregelmäßige Textform.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die rituelle Zuordnungsformel enthält mehrere nicht regulär gebildete Kasusformen. Diese stehen bereits im Druck S. 232. Die Übersetzung gibt ihre erkennbaren Funktionen wieder, ohne den Sanskrittext grammatisch umzuschreiben.
'''34.1 – Anrufung der Mutter der Versmaße'''<br>
āyātu varadā devī akṣaraṃ brahma saṃmitam | gāyatrī chandasāṃ mātedaṃ brahma juṣasva naḥ || 34.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Die gabenverleihende Göttin möge kommen, Gayatri, die Mutter der Versmaße. Nimm dieses unser Gebet an, das dem unvergänglichen Brahman entspricht.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''āyātu'' – möge herkommen; ''vara-dā'' – Gaben oder erwünschte Güter verleihend; ''devī'' – Göttin; ''akṣaram'' – unvergänglich; auch Silbe; ''brahma'' – Brahman; im zweiten Vorkommen Gebet, heilige Rede; ''saṃmitam'' – entsprechend, gleich bemessen, bestimmt; ''gāyatrī'' – Gayatri, Name der Göttin und eines Versmaßes; ''chandasām'' – der Versmaße; ''mātā'' – Mutter; ''idam'' – dieses; ''brahma'' – Gebet, heilige Rede; ''juṣasva'' – nimm wohlwollend an; ''naḥ'' – unser.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die Konstruktion von akṣaraṃ brahma saṃmitam wird unterschiedlich erklärt. Hier ist die Wortgruppe als nähere Bestimmung des anzunehmenden Gebets verstanden. Die andere traditionelle Erklärung bezieht sie auf das durch die Lehre bestimmte unvergängliche Brahman.
'''34.2 – Reinigung bei Tag und Nacht'''<br>
yadahnātkurute pāpaṃ tadahnātpratimucyate | yadrātriyātkurute pāpaṃ tadrātriyātpratimucyate | sarvavarṇe mahādevi sandhyāvidye sarasvati || 34.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' Von der Schuld, die jemand am Tag begeht, wird er noch an diesem Tag frei; von der Schuld, die er nachts begeht, wird er noch in dieser Nacht frei. O du mit allen Lauten, große Göttin, Wissen der Dämmerungsandacht, Sarasvati!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yat'' – was, welche; ''ahnāt'' – am Tag; überlieferte Ablativform mit zeitlicher Bedeutung; ''kurute'' – man tut, begeht; ''pāpam'' – Schuld, Verfehlung; ''tat'' – davon, von dieser Schuld; ''ahnāt'' – an demselben Tag; zeitlich verstanden; ''pratimucyate'' – wird befreit; ''yat'' – was, welche; ''rātriyāt'' – in der Nacht; überlieferte zeitlich gebrauchte Form; ''kurute'' – man tut, begeht; ''pāpam'' – Schuld; ''tat'' – davon; ''rātriyāt'' – in derselben Nacht; ''pratimucyate'' – wird befreit; ''sarva-varṇe'' – o du mit allen Lauten oder Buchstaben: sarva, alle; varṇa, Laut, Buchstabe, Farbe; ''mahā-devi'' – o große Göttin; ''sandhyā-vidye'' – o Wissen der Dämmerungsandacht: sandhyā, Tagesübergang/Andacht; vidyā, Wissen; ''sarasvati'' – o Sarasvati.
'''Textkritischer Hinweis:''' Ahnāt und rātriyāt stehen im Druck und werden nach dem Gebetszusammenhang zeitlich verstanden. Die Aussagen sind eine kultische Wirkungsverheißung des Textes.
'''35.1.1 – Gayatri als Kraft und umfassendes Leben'''<br>
ojo’si saho’si balamasi bhrājo’si devānāṃ dhāma nāmāsi viśvamasi viśvāyuḥ sarvamasi sarvāyurabhibhūrom || 35.1.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Du bist Lebenskraft, du bist Überwindungskraft, du bist Stärke, du bist Glanz. Du bist Wohnstätte und Name der Götter. Du bist das All, du bist das Leben des Alls. Du bist alles, du bist das Leben von allem, du bist die Überwindende. Om.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''ojaḥ'' – Lebenskraft, Energie; ''asi'' – du bist; ''sahaḥ'' – Überwindungskraft, Ausdauer; ''asi'' – du bist; ''balam'' – Stärke, Kraft; ''asi'' – du bist; ''bhrājaḥ'' – Glanz; ''asi'' – du bist; ''devānām'' – der Götter; ''dhāma'' – Wohnstätte, Erscheinungsbereich; ''nāma'' – Name; ''asi'' – du bist; ''viśvam'' – das All; ''asi'' – du bist; ''viśva-āyuḥ'' – Leben des Alls oder allumfassende Lebensdauer; ''sarvam'' – alles; ''asi'' – du bist; ''sarva-āyuḥ'' – Leben von allem, gesamte Lebensdauer; ''abhibhūḥ'' – die Überwindende, Überragende; ''oṃ'' – Om, die heilige Silbe.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die längere Prosa 35.1 wird in drei zusammenhängende Abschnitte unterteilt. Die Worttrennung dhāma nāma folgt dem Kommentar zum Druck S. 237; das beschädigte viśvāyuaḥ der elektronischen Fassung wird nach S. 236 als viśvāyuḥ gelesen.
'''35.1.2 – Herbeirufung der Göttinnen und der heiligen Überlieferung'''<br>
gāyatrīmāvāhayāmi sāvitrīmāvāhayāmi sarasvatīmāvāhayāmi chandarṣīnāvāhayāmi śriyamāvāhayāmi || 35.1.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' Ich rufe Gayatri herbei. Ich rufe Savitri herbei. Ich rufe Sarasvati herbei. Ich rufe die Versmaße und die Rishis herbei. Ich rufe Shri herbei.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''gāyatrīm'' – Gayatri; Akkusativ; ''āvāhayāmi'' – ich rufe herbei, lade zur Gegenwart ein; ''sāvitrīm'' – Savitri, die zu Savitri gehörende Göttin; ''āvāhayāmi'' – ich rufe herbei; ''sarasvatīm'' – Sarasvati; ''āvāhayāmi'' – ich rufe herbei; ''chandarṣīn'' – Versmaße und Rishis; zusammengezogene, formal unregelmäßige Verbindung von chandas und ṛṣi; ''āvāhayāmi'' – ich rufe herbei; ''śriyam'' – Shri, Glanz, Schönheit, Glück; ''āvāhayāmi'' – ich rufe herbei.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die elektronische Form chandarhīn ist nach dem Druck S. 236 zu chandarṣīn berichtigt. Die Verbindung wird traditionell als gemeinsame Anrufung der Versmaße und Seher verstanden.
'''35.1.3 – Rituelle Gestalt und Zuordnung der Gayatri'''<br>
gāyatriyā gāyatrī chando viśvāmitra ṛṣiḥ savitā devatāgnirmukhaṃ brahmā śiro viṣṇurhṛdayaṃ rudraḥ śikhā pṛthivī yoniḥ prāṇāpānavyānodānasamānā saprāṇā śvetavarṇā sāṃkhyāyanasagotrā gāyatrī caturviṃśatyakṣarā tripadā ṣaṭkukṣiḥ pañcaśīrṣopanayane viniyogaḥ || 35.1.3 ||<br>
'''Übersetzung:''' Für die Gayatri gilt: Gayatri ist das Versmaß, Vishvamitra der Seher, Savitri die Gottheit. Agni ist ihr Mund, Brahma ihr Kopf, Vishnu ihr Herz, Rudra ihr Scheitelbüschel, die Erde ihr Ursprung. [Ihre Lebenskräfte sind] Prana, Apana, Vyana, Udana und Samana; sie ist mit Lebensatem versehen, von weißer Farbe und gehört zum selben Gotra wie Samkhyayana. Gayatri hat vierundzwanzig Silben, drei Versfüße, sechs Leibesräume und fünf Köpfe. Ihre Anwendung erfolgt bei der Einführung in das Veda-Studium.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''gāyatriyāḥ'' – der Gayatri, für die Gayatri; vedische Genitivform, im Sandhi gāyatriyā; ''gāyatrī'' – Gayatri; ''chandaḥ'' – Versmaß; ''viśvāmitraḥ'' – Vishvamitra; vor ṛ im Text viśvāmitra; ''ṛṣiḥ'' – Seher, Rishi; ''savitā'' – Savitri, der Antreiber; ''devatā'' – Gottheit; ''agniḥ'' – Agni; ''mukham'' – Mund, Angesicht; ''brahmā'' – Brahma, männlicher Göttername; ''śiraḥ'' – Kopf; ''viṣṇuḥ'' – Vishnu; ''hṛdayam'' – Herz; ''rudraḥ'' – Rudra; ''śikhā'' – Scheitelbüschel, Spitze; ''pṛthivī'' – Erde; ''yoniḥ'' – Ursprung, Muttergrund; ''prāṇa-apāna-vyāna-udāna-samānāḥ'' – die fünf Lebensströme: prāṇa, einwärts/vorwärts; apāna, abwärts; vyāna, sich verteilend; udāna, aufwärts; samāna, ausgleichend; Endung im Text samānā; ''sa-prāṇā'' – mit Lebensatem versehen; ''śveta-varṇā'' – von weißer Farbe: śveta, weiß; varṇa, Farbe; ''sāṃkhyāyana-sa-gotrā'' – demselben Gotra wie Samkhyayana zugehörig; sa-gotra, vom gleichen Abstammungsverband; ''gāyatrī'' – Gayatri; ''caturviṃśati-akṣarā'' – vierundzwanzigsilbig: caturviṃśati, vierundzwanzig; akṣara, Silbe; ''tri-padā'' – mit drei Versfüßen; ''ṣaṭ-kukṣiḥ'' – mit sechs Leibesräumen oder Flanken; ''pañca-śīrṣā'' – fünfköpfig; vor upanayane zu pañcaśīrṣo verbunden; ''upanayane'' – bei der Einführung in das Veda-Studium; ''viniyogaḥ'' – Anwendung, rituelle Zuordnung.
'''Textkritischer Hinweis:''' Mehrere eindeutige Abschreibschäden sind nach S. 236 berichtigt, darunter viṣṇurhṛdayam, samānā und ṣaṭkukṣiḥ. Die bildhafte Gestalt wird traditionell auf Versfüße, Vedangas und die heilige Überlieferung bezogen; sie ist keine anatomische Beschreibung.
===Mahanarayana Upanishad Anuvaka 35===
'''35.2.1 – Anrufung: Erde'''<br>
oṃ bhūḥ || 35.2.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Om. Erde!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''oṃ'' – Om, die heilige Silbe; ''bhūḥ'' – Erde.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die sieben Weltanrufungen, die anschließende Gayatri-Strophe und die Schlussformel des Druckabschnitts 35.2 werden einzeln wiedergegeben.
'''35.2.2 – Anrufung: Zwischenraum'''<br>
oṃ bhuvaḥ || 35.2.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' Om. Zwischenraum!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''oṃ'' – Om, die heilige Silbe; ''bhuvaḥ'' – Zwischenraum.
'''35.2.3 – Anrufung: Himmelswelt'''<br>
oṃ suvaḥ || 35.2.3 ||<br>
'''Übersetzung:''' Om. Himmelswelt!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''oṃ'' – Om, die heilige Silbe; ''suvaḥ'' – Himmelswelt.
'''35.2.4 – Anrufung: die große Welt'''<br>
oṃ mahaḥ || 35.2.4 ||<br>
'''Übersetzung:''' Om. Die große Welt!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''oṃ'' – Om, die heilige Silbe; ''mahaḥ'' – die große Welt.
'''35.2.5 – Anrufung: Welt der Geburt oder der Lebewesen'''<br>
oṃ janaḥ || 35.2.5 ||<br>
'''Übersetzung:''' Om. Welt der Geburt oder der Lebewesen!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''oṃ'' – Om, die heilige Silbe; ''janaḥ'' – Welt der Geburt oder der Lebewesen.
'''35.2.6 – Anrufung: Welt der Glut und Askese'''<br>
oṃ tapaḥ || 35.2.6 ||<br>
'''Übersetzung:''' Om. Welt der Glut und Askese!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''oṃ'' – Om, die heilige Silbe; ''tapaḥ'' – Welt der Glut und Askese.
'''35.2.7 – Anrufung: Welt der Wahrheit'''<br>
oṃ satyam || 35.2.7 ||<br>
'''Übersetzung:''' Om. Welt der Wahrheit!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''oṃ'' – Om, die heilige Silbe; ''satyam'' – Welt der Wahrheit.
'''35.2.8 – Gayatri-Mantra'''<br>
oṃ tatsaviturvareṇyaṃ bhargo devasya dhīmahi | dhiyo yo naḥ pracodayāt || 35.2.8 ||<br>
'''Übersetzung:''' Om. Wir nehmen den erwählenswerten Glanz des göttlichen Savitri in unseren Geist auf. Er möge unsere Einsichten antreiben.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''oṃ'' – Om, die heilige Silbe; ''tat'' – jenen, diesen; ''savituḥ'' – Savitris, des Antreibers; ''vareṇyam'' – erwählenswert, verehrungswürdig; ''bhargaḥ'' – Glanz, leuchtende Kraft; ''devasya'' – des Gottes, des Leuchtenden; ''dhīmahi'' – wir nehmen in den Geist auf, versenken uns betrachtend; ''dhiyaḥ'' – Einsichten, Gedanken, geistige Regungen; ''yaḥ'' – der, welcher; ''naḥ'' – unsere; ''pra codayāt'' – möge antreiben, anregen, erhellen.
'''35.2.9 – Die abschließende Brahman-Formel'''<br>
omāpo jyotī raso’mṛtaṃ brahma bhūrbhuvaḥ suvarom || 35.2.9 ||<br>
'''Übersetzung:''' Om. Wasser, Licht, Essenz, Unsterblichkeit: Brahman. Erde, Zwischenraum, Himmelswelt. Om.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''om'' – Om; ''āpaḥ'' – Wasser; Plural; ''jyotiḥ'' – Licht; im Text vor r als jyotī; ''rasaḥ'' – Saft, Essenz, Geschmack; ''amṛtam'' – Unsterblichkeit, das Unsterbliche; ''brahma'' – Brahman; ''bhūḥ'' – Erde; ''bhuvaḥ'' – Zwischenraum; ''suvaḥ'' – Himmelswelt; vor Om suvar; ''om'' – Om.
===Mahanarayana Upanishad Anuvaka 36-38===
'''36.1 – Entlassung der Gayatri'''<br>
uttame śikhare devi jāte bhūmyāṃ parvatamūrdhani | brāhmaṇebhyo’bhyanujñātā gaccha devi yathāsukham || 36.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' O Göttin, auf dem höchsten Gipfel geboren, auf der Erde, auf der Spitze des Berges: Von den Brahmanen entlassen, gehe, o Göttin, wie es dir angenehm ist.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''uttame'' – auf dem höchsten; ''śikhare'' – Gipfel; ''devi'' – o Göttin; ''jāte'' – o dort Geborene; weibliche Anrede; ''bhūmyām'' – auf der Erde; ''parvata-mūrdhani'' – auf dem Haupt oder Gipfel des Berges; ''brāhmaṇebhyaḥ'' – von den Brahmanen; Ablativ, traditionell auch als „für die Brahmanen“ erläutert; ''abhyanujñātā'' – mit Erlaubnis entlassen; ''gaccha'' – gehe; ''devi'' – o Göttin; ''yathā-sukham'' – wie es angenehm ist, nach Belieben.
'''Textkritischer Hinweis:''' Jāte ist die Lesart der hier zugrunde gelegten längeren Rezension; der Druck S. 245 führt sie als Variante neben devi an.
'''36.2 – Gabe und Rückkehr der Vedamutter'''<br>
stuto mayā varadā vedamātā pracodayantī pavane dvijātā | āyuḥ pṛthivyāṃ draviṇaṃ brahmavarcasaṃ mahyaṃ datvā prajātuṃ brahmalokam || 36.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' Die von mir gepriesene, gabenverleihende Mutter der Veden, die antreibt [wie] der Wind und an zwei Orten geboren ist, [gehe] zur hervorgebrachten Brahmanwelt, nachdem sie mir auf der Erde Lebensdauer, Vermögen und die Leuchtkraft heiliger Gelehrsamkeit gegeben hat.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''stutaḥ'' – gepriesen; überliefert maskulin stuto, obwohl die folgenden Bezeichnungen weiblich sind; ''mayā'' – von mir; ''vara-dā'' – Gaben verleihend; ''veda-mātā'' – Mutter der Veden; ''pracodayantī'' – antreibend, anregend; weibliches Partizip; ''pavane'' – im Wind; traditionell im Sinn von „wie der Wind“ verstanden; ''dvi-jātā'' – zweifach oder an zwei Orten geboren; ''āyuḥ'' – Lebensdauer; ''pṛthivyām'' – auf der Erde; ''draviṇam'' – Vermögen, Besitz; ''brahma-varcasam'' – Glanz heiliger Erkenntnis und vedischer Gelehrsamkeit; ''mahyam'' – mir; ''datvā'' – nachdem sie gegeben hat; im Text mit einfachem t; ''prajātum'' – hervorgebracht; schwierige überlieferte Form, traditionell wie prajātam erläutert; ''brahma-lokam'' – Brahmanwelt.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die Formel steht mit grammatischen Schwierigkeiten bereits im Druck S. 246–248. Ein finites Verb fehlt. Die Übersetzung folgt der im Druck erläuterten Entlassungsdeutung und kennzeichnet die Ergänzungen. Die abweichende Parallele Atharvaveda 19.71.1 wird nicht stillschweigend als Text dieser Rezension eingesetzt.
'''37.1 – Sonnenlicht, Wahrheit und Brahman'''<br>
ghṛṇiḥ sūrya ādityo na prabhā vātyakṣaram | madhu kṣaranti tadrasam | satyaṃ vai tadrasamāpo jyotī raso’mṛtaṃ brahma bhūrbhuvaḥ suvarom || 37.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Der Glühende, Surya, Aditya, der Unvergängliche, zieht dahin wie [seine] Strahlung. [Die Wasser] lassen Süße strömen, seine Essenz. Wahrlich, diese Essenz ist Wahrheit. Wasser, Licht, Essenz, Unsterblichkeit: Brahman. Erde, Zwischenraum, Himmelswelt. Om.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''ghṛṇiḥ'' – der Glühende, Strahlende; ''sūryaḥ'' – Surya, Sonne; Sandhi sūrya; ''ādityaḥ'' – Aditya, Sonnengott; ''na'' – wie; vedische Vergleichspartikel; ''prabhā'' – Strahlung, Lichtglanz; ''vāti'' – weht, zieht dahin; ''akṣaram'' – unvergänglich, das Unvergängliche; formal nicht an die maskulinen Namen angeglichen; ''madhu'' – Süße, Honig; ''kṣaranti'' – sie lassen strömen, fließen; ''tat'' – jene, seine; ''rasam'' – Essenz, Saft; ''satyam'' – Wahrheit; ''vai'' – wahrlich; ''tat'' – jene; ''rasam'' – Essenz; ''āpaḥ'' – Wasser; ''jyotiḥ'' – Licht; Sandhi jyotī; ''rasaḥ'' – Essenz, Saft; ''amṛtam'' – Unsterblichkeit; ''brahma'' – Brahman; ''bhūḥ'' – Erde; ''bhuvaḥ'' – Zwischenraum; ''suvaḥ'' – Himmelswelt; Sandhi suvar; ''om'' – Om.
'''Textkritischer Hinweis:''' Der Anfang ist elliptisch und verbindet unterschiedliche Formen. Die Übersetzung nimmt na als vedisches „wie“ und ergänzt das nicht ausdrücklich genannte Subjekt des Pluralverbs kṣaranti aus dem Wasserbezug der anschließenden Formel. Der elektronische Zwischentitel „Trisuparnamantra 1“ gehört zu Anuvaka 38 und ist kein zusätzlicher Vers in 37.
'''38.1.1 – Brahman möge mich erreichen'''<br>
brahmametu mām || 38.1.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Brahman möge mich erreichen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''brahmam'' – Brahman; hier mit zusätzlichem m in der überlieferten Verbindung brahmametu; ''etu'' – möge kommen, erreichen; ''mām'' – mich.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die erste Trisuparna beginnt mit drei einzeln wiedergegebenen Bitten. Die zusätzlichen m-Laute in brahmam und madhum werden nach dem gedruckten Wortlaut S. 249 erhalten; die traditionelle Analyse der Verbindungen ist nicht einheitlich.
'''38.1.2 – Das Süße möge mich erreichen'''<br>
madhumetu mām || 38.1.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' Das Süße möge mich erreichen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''madhum'' – das Süße, Süße; Textform vor etu; ''etu'' – möge kommen, erreichen; ''mām'' – mich.
'''38.1.3 – Brahman als das Süße'''<br>
brahmameva madhumetu mām || 38.1.3 ||<br>
'''Übersetzung:''' Brahman selbst, das Süße, möge mich erreichen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''brahmam'' – Brahman; überlieferte Verbindung brahmameva; ''eva'' – selbst, allein; ''madhum'' – das Süße; ''etu'' – möge kommen, erreichen; ''mām'' – mich.
'''38.1.4 – Somas Geschöpfe und die Darbringung der Lebenskräfte'''<br>
yāste soma prajā vatso’bhi so aham | duḥṣvapnahan duruṣṣaha | yāste soma prāṇāṃstāñjuhomi || 38.1.4 ||<br>
'''Übersetzung:''' O Soma, unter deinen Geschöpfen bin ich dieser dein Junges. O Vernichter böser Träume, schwer zu überwältigender [Herr]! Die Lebenskräfte, die dein sind, o Soma, bringe ich als Opfer dar.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yāḥ'' – welche; weiblicher Plural; ''te'' – deine; ''soma'' – o Soma; ''prajāḥ'' – Geschöpfe, Nachkommen; ''vatsaḥ'' – Junges, Kalb, Kind; ''abhi'' – unter ihnen, auf sie bezogen; hier relational verstanden; ''saḥ'' – dieser; ''aham'' – ich; ''duḥṣvapna-han'' – o Vernichter böser Träume: duḥṣvapna, böser Traum; han, vernichtend; ''duruṣṣaha'' – o schwer zu Überwältigender; überlieferte Lautgestalt; ''yāḥ'' – welche; formal nicht an das folgende prāṇān angeglichen; ''te'' – deine; ''soma'' – o Soma; ''prāṇān'' – Lebenskräfte, Lebensatemströme; ''tān'' – jene; ''juhomi'' – ich bringe als Opfer dar.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die syntaktische Verbindung abhi so aham und die Relativform vor prāṇān sind schwierig. Die Übersetzung folgt der in der gedruckten Erläuterung vertretenen Beziehung auf Somas Geschöpfe und die ihm gehörenden Lebenskräfte. Sie setzt keine zusätzlichen Sanskritwörter ein.
'''38.2 – Verheißung der Trisuparna-Rezitation'''<br>
trisuparṇamayācitaṃ brāhmaṇāya dadyāt | brahmahatyāṃ vā ete ghnanti | ye brāhmaṇāstrisuparṇaṃ paṭhanti | te somaṃ prāpnuvanti | ā sahasrāt paṅktiṃ punanti | oṃ || 38.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' Man soll einem Brahmanen Trisuparna unaufgefordert geben. Die Brahmanen, die Trisuparna rezitieren, tilgen wahrlich die Schuld der Tötung eines Brahmanen. Sie erlangen Soma. Sie reinigen eine Reihe [von Speisenden] bis zu tausend. Om.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''trisuparṇam'' – Trisuparna, „Drei schön gefiederte [Texte]“; Name der Mantragruppe; ''ayācitam'' – unerbeten, ohne darum gebeten worden zu sein; ''brāhmaṇāya'' – einem Brahmanen; ''dadyāt'' – soll geben, weitergeben; ''brahma-hatyām'' – die Schuld der Tötung eines Brahmanen; ''vai'' – wahrlich; im Text vā; ''ete'' – diese; ''ghnanti'' – sie vernichten, tilgen; ''ye'' – welche; ''brāhmaṇāḥ'' – Brahmanen; ''trisuparṇam'' – Trisuparna; ''paṭhanti'' – sie rezitieren, lesen; ''te'' – sie; ''somam'' – Soma; traditionell auch die Frucht des Somaopfers; ''prāpnuvanti'' – sie erlangen; ''ā sahasrāt'' – bis zu tausend; ā, bis; sahasra, tausend; ''paṅktim'' – Reihe, hier Reihe der bei einem Ritual Speisenden; ''punanti'' – sie reinigen; ''oṃ'' – Om, die heilige Silbe.
'''Textkritischer Hinweis:''' Diese Sätze sind eine religiöse Wirkungsverheißung, keine empirische Behauptung des Artikels. Die Zeile wird als zusammenhängender Prosatext wiedergegeben.
===Mahanarayana Upanishad Anuvaka 39 ff===
'''39.1.1 – Einsicht und Brahman'''<br>
brahma medhayā || 39.1.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Brahman [wird] durch Einsicht [erlangt].
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''brahma'' – Brahman; ''medhayā'' – durch Einsicht, geistige Aufnahmefähigkeit; Instrumental.
'''Textkritischer Hinweis:''' Das Verb fehlt in diesen drei kurzen Formeln. „Wird erlangt“ ist eine aus dem Zusammenhang ergänzte Deutung, die in der Übersetzung sichtbar bleibt.
'''39.1.2 – Einsicht und Das Süße'''<br>
madhu medhayā || 39.1.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' Das Süße [wird] durch Einsicht [erlangt].
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''madhu'' – das Süße, Süße; ''medhayā'' – durch Einsicht, geistige Aufnahmefähigkeit; Instrumental.
'''39.1.3 – Einsicht und Brahman selbst, das Süße'''<br>
brahmameva madhumedhayā || 39.1.3 ||<br>
'''Übersetzung:''' Brahman selbst, das Süße [wird] durch Einsicht [erlangt].
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''brahma'' – Brahman; ''eva'' – selbst, allein; ''madhu'' – das Süße; ''medhayā'' – durch Einsicht, geistige Aufnahmefähigkeit; Instrumental.
'''39.2 – Bitte an Savitri um Gedeihen'''<br>
adyāno deva savitaḥ prajāvatsāvīḥ saubhagam | parā duḥṣvapniyaṃ suva || 39.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' Heute, o Gott Savitri, schaffe uns Glück mit Nachkommenschaft. Treibe das böse Träumen fort.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''adya'' – heute; ''naḥ'' – uns; in adyāno mit gedehntem a verbunden; ''deva'' – o Gott; ''savitaḥ'' – o Savitri; ''prajā-vat'' – mit Nachkommenschaft versehen; ''sāvīḥ'' – mögest du antreiben, hervorbringen; vedische Verbform; ''saubhagam'' – Glück, Wohlergehen; ''parā'' – fort, hinweg; ''duḥṣvapniyam'' – böses Träumen, Unglück durch böse Träume; ''suva'' – treibe hervor, entferne.
'''39.3 – Übel entfernen und Gutes bringen'''<br>
viśvāni deva savitarduritāni parāsuva | yadbhadraṃ tanmama āsuva || 39.3 ||<br>
'''Übersetzung:''' O Gott Savitri, treibe alle Übel fort. Was gut ist, das bringe mir herbei.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''viśvāni'' – alle; ''deva'' – o Gott; ''savitaḥ'' – o Savitri; ''duritāni'' – Übel, Schwierigkeiten, Verfehlungen; ''parā suva'' – treibe fort; ''yat'' – was; ''bhadram'' – gut, heilvoll; ''tat'' – das; ''mama'' – mir, für mich; ''ā suva'' – bringe herbei, treibe heran.
'''39.4 – Süße in Wind, Flüssen und Pflanzen'''<br>
madhuvātā ṛtāyate madhukṣaranti sindhavaḥ | mādhvīrnaḥ santvoṣadhīḥ || 39.4 ||<br>
'''Übersetzung:''' Süß wehen die Winde dem, der nach der rechten Ordnung strebt. Süßes lassen die Flüsse strömen. Süß mögen unsere Pflanzen sein.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''madhu'' – süß, Süßes; ''vātāḥ'' – Winde; ''ṛtāyate'' – dem nach der rechten Ordnung Strebenden; Dativ des Partizips; ''madhu'' – Süßes; ''kṣaranti'' – sie lassen strömen; ''sindhavaḥ'' – Flüsse, Ströme; ''mādhvīḥ'' – süß, von Süße erfüllt; weiblicher Plural; ''naḥ'' – unsere, für uns; ''santu'' – mögen sein; ''oṣadhīḥ'' – Pflanzen, Kräuter; vedische Nominativform.
'''Textkritischer Hinweis:''' Das Verb „wehen“ ist in der ersten Zeile sinngemäß ergänzt. Ṛtāyate wird hier von ṛta, der rechten oder kosmischen Ordnung, her erklärt; die rituelle Auslegung bezieht es auf den Opfernden.
'''39.5 – Süße in Nacht, Morgen und Welt'''<br>
madhu naktamutoṣasi madhumatpārthivaṃ rajaḥ | madhudyaurastu naḥ pitā || 39.5 ||<br>
'''Übersetzung:''' Süß sei die Nacht und auch [die Zeit] am Morgen; süß sei der irdische Raum. Süß sei uns der Himmel, unser Vater.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''madhu'' – süß; ''naktam'' – Nacht, nachts; ''uta'' – und auch; ''uṣasi'' – am Morgen, bei der Morgenröte; ''madhu-mat'' – mit Süße erfüllt; ''pārthivam'' – irdisch, zur Erde gehörig; ''rajaḥ'' – Raum, Bereich; ''madhu'' – süß; ''dyauḥ'' – Himmel; ''astu'' – möge sein; ''naḥ'' – uns; ''pitā'' – Vater.
'''39.6 – Süße in Baum, Sonne und Kühen'''<br>
madhumānno vanaspatirmadhumāṃ astu sūryaḥ | mādhvīrgāvo bhavantu naḥ || 39.6 ||<br>
'''Übersetzung:''' Süß sei uns der Baum; süß sei die Sonne. Süß mögen unsere Kühe sein.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''madhu-mān'' – mit Süße erfüllt; ''naḥ'' – uns, für uns; ''vanas-patiḥ'' – Baum, wörtlich Herr des Waldes; ''madhu-mān'' – mit Süße erfüllt; im Text madhumāṃ; ''astu'' – möge sein; ''sūryaḥ'' – Sonne; ''mādhvīḥ'' – süß, Süße spendend; weiblicher Plural; ''gāvaḥ'' – Kühe, Rinder; ''bhavantu'' – mögen sein, werden; ''naḥ'' – unsere, für uns.
'''39.7 – Verheißung der Trisuparna-Rezitation'''<br>
ya imaṃ trisuparṇamayācitaṃ brāhmaṇāya dadyāt | bhrūṇahatyāṃ vā ete ghnanti | ye brāhmaṇāstrisuparṇaṃ paṭhanti | te somaṃ prāpnuvanti | ā sahasrātpaṅktiṃ punanti | oṃ || 39.7 ||<br>
'''Übersetzung:''' Wer [diesen Text weitergibt], soll einem Brahmanen Trisuparna unaufgefordert geben. Die Brahmanen, die Trisuparna rezitieren, tilgen wahrlich die Schuld der Tötung eines Embryos oder eines gelehrten Brahmanen. Sie erlangen Soma. Sie reinigen eine Reihe [von Speisenden] bis zu tausend. Om.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yaḥ'' – wer; ''imam'' – diesen Text; ''trisuparṇam'' – Trisuparna, „Drei schön gefiederte [Texte]“; Name der Mantragruppe; ''ayācitam'' – unerbeten, ohne darum gebeten worden zu sein; ''brāhmaṇāya'' – einem Brahmanen; ''dadyāt'' – soll geben, weitergeben; ''bhrūṇa-hatyām'' – die Schuld der Tötung eines Embryos oder eines gelehrten Brahmanen; ''vai'' – wahrlich; im Text vā; ''ete'' – diese; ''ghnanti'' – sie vernichten, tilgen; ''ye'' – welche; ''brāhmaṇāḥ'' – Brahmanen; ''trisuparṇam'' – Trisuparna; ''paṭhanti'' – sie rezitieren, lesen; ''te'' – sie; ''somam'' – Soma; traditionell auch die Frucht des Somaopfers; ''prāpnuvanti'' – sie erlangen; ''ā sahasrāt'' – bis zu tausend; ā, bis; sahasra, tausend; ''paṅktim'' – Reihe, hier Reihe der bei einem Ritual Speisenden; ''punanti'' – sie reinigen; ''oṃ'' – Om, die heilige Silbe.
'''Textkritischer Hinweis:''' Diese Sätze sind eine religiöse Wirkungsverheißung, keine empirische Behauptung des Artikels. Bhrūṇahatyā bezeichnet die Tötung eines Embryos; in der traditionellen Ritualsprache kann es auch die Tötung eines besonders gelehrten Brahmanen bezeichnen. Die eröffnende Relativkonstruktion bleibt unvollständig und wird in der Übersetzung sichtbar ergänzt.
'''40.1.1 – Verbindung mit dem Opfer'''<br>
brahma medhavā || 40.1.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Brahman [ist] mit dem Opfer verbunden.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''brahma'' – Brahman; ''medhavā'' – mit dem Opfer verbunden; schwierige Form, traditionell zu medhavat erklärt; medha, Opfer, ist von medhā, Einsicht, zu unterscheiden.
'''Textkritischer Hinweis:''' Der Wortlaut medhavā wird erhalten und nach der überlieferten Auslegung mit medha, „Opfer“, verbunden. Er ist formal nicht einfach dieselbe Form wie medhayā in 39.1. Die herkömmliche weitere Deutung sieht in Opfer und Pflichterfüllung eine Vorbereitung auf die Brahmanerkenntnis.
'''40.1.2 – Verbindung mit dem Opfer'''<br>
madhu medhavā || 40.1.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' Das Süße [ist] mit dem Opfer verbunden.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''madhu'' – das Süße, Süße; ''medhavā'' – mit dem Opfer verbunden; schwierige Form, traditionell zu medhavat erklärt; medha, Opfer, ist von medhā, Einsicht, zu unterscheiden.
'''40.1.3 – Verbindung mit dem Opfer'''<br>
brahmameva madhu medhavā || 40.1.3 ||<br>
'''Übersetzung:''' Brahman selbst, das Süße [ist] mit dem Opfer verbunden.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''brahma'' – Brahman; ''eva'' – selbst, allein; ''madhu'' – das Süße; ''medhavā'' – mit dem Opfer verbunden; schwierige Form, traditionell zu medhavat erklärt; medha, Opfer, ist von medhā, Einsicht, zu unterscheiden.
'''40.2 – Soma als Vorrangiger in vielen Bereichen'''<br>
brahmā devānāṃ padavīḥ kavīnāmṛṣirviprāṇāṃ mahiṣo mṛgāṇām | śyeno gṛddhāṇāṃ svadhitirvanānāṃ somaḥ pavitramatyeti rebhat || 40.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' Brahmanpriester unter den Göttern, Wegfinder unter den Dichtern, Seher unter den Begeisterten, Büffel unter den Wildtieren, Falke unter den Raubvögeln, Axt unter den Bäumen: Laut singend geht Soma durch den Seihfilter hindurch.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''brahmā'' – Brahmanpriester, Träger heiliger Rede; ''devānām'' – der Götter, unter den Göttern; ''padavīḥ'' – Wegfinder, Spurensucher; vedische Personenbezeichnung; ''kavīnām'' – der Dichter, Seher; ''ṛṣiḥ'' – Seher; ''viprāṇām'' – der Begeisterten, inspirierten Sänger; ''mahiṣaḥ'' – Büffel, mächtiges Tier; ''mṛgāṇām'' – der Wildtiere; ''śyenaḥ'' – Falke, Adler; ''gṛddhāṇām'' – der Geier oder Raubvögel; ''svadhitiḥ'' – Axt, Beil; ''vanānām'' – der Bäume, Wälder; ''somaḥ'' – Soma; ''pavitram'' – Seihfilter, Reinigungsgerät des Somaopfers; ''ati eti'' – geht hindurch, über ... hinweg; ''rebhat'' – laut tönend, singend; vedische Form.
'''40.3 – Der Schwan in den Bereichen der Welt'''<br>
haṃsaḥ śuciṣadvasurantarikṣasaddhotā vediṣadatithirduroṇasat | nṛṣadvarasadṛtasadvyomasadabjā gojā ṛtajā adrijā ṛtaṃ bṛhat || 40.3 ||<br>
'''Übersetzung:''' Der Schwan im Reinen, der Vasu im Luftraum, der Opferpriester an der Opferstätte, der Gast im Haus; bei den Menschen wohnend, im Vortrefflichen wohnend, in der rechten Ordnung wohnend, im Himmelsraum wohnend; aus den Wassern geboren, aus den Rindern geboren, aus der rechten Ordnung geboren, aus dem Felsen geboren: die große rechte Ordnung.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''haṃsaḥ'' – Schwan; hier kosmisches Sinnbild; ''śuci-ṣat'' – im Reinen oder Lichten sitzend: śuci, rein/licht; sad, sitzen; ''vasuḥ'' – Vasu, der Gute oder Leuchtende; göttliche Bezeichnung; ''antarikṣa-sat'' – im Luftraum sitzend; ''hotā'' – Hotri, Opferpriester und Rufer; ''vedi-ṣat'' – an der Opferstätte sitzend; ''atithiḥ'' – Gast; ''duroṇa-sat'' – im Haus sitzend; ''nṛ-ṣat'' – bei Menschen wohnend; ''vara-sat'' – im Vortrefflichen wohnend; traditionell auch bei den Göttern; ''ṛta-sat'' – in der rechten Ordnung oder im geordneten Opfer wohnend; ''vyoma-sat'' – im Himmelsraum wohnend; ''ap-jāḥ'' – aus Wassern geboren; Textform abjā; ''go-jāḥ'' – aus Rindern geboren; go kann auch Lichtstrahl bedeuten; ''ṛta-jāḥ'' – aus der rechten Ordnung oder dem Opfer geboren; ''adri-jāḥ'' – aus Fels oder Berg geboren; beim Soma auch Bezug zum Pressstein; ''ṛtam'' – rechte oder kosmische Ordnung, Wahrheit; ''bṛhat'' – groß, weit.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die Reihe verbindet kosmische, häusliche und rituelle Erscheinungsformen. Sie wird hier in ihrer Bildsprache übersetzt; die einzelnen Bilder sind nicht durch eine einheitliche spätere theologische Deutung ersetzt.
'''40.4.1 – Anrufung zum heiligen Lied'''<br>
ṛce tvā || 40.4.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Zum heiligen Lied [rufe ich] dich!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''ṛce'' – zum Ṛc-Vers, zum heiligen Lied; Dativ; ''tvā'' – dich.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die beiden kurzen Anrufungen vor dem folgenden Vers werden gesondert erläutert. Die elektronische Lesart ṛce wird erhalten; der Druck S. 261 hat ruce, während seine Anmerkung auch ṛce als Handschriftenlesart nennt.
'''40.4.2 – Anrufung zum heiligen Lied – Wiederholung'''<br>
ṛce tvā || 40.4.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' Zum heiligen Lied [rufe ich] dich!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''ṛce'' – zum Ṛc-Vers, zum heiligen Lied; Dativ; ''tvā'' – dich.
'''40.4.3 – Die Ströme der geklärten Butter'''<br>
samitsravanti sarito na dhenāḥ | antarhṛdā manasā pūyamānāḥ | ghṛtasya dhārā abhicākaśīmi || 40.4.3 ||<br>
'''Übersetzung:''' Zusammen strömen sie, die nährenden [Ströme], wie Flüsse, im Inneren durch Herz und Geist geläutert. Die Ströme der geklärten Butter schaue ich an.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''sam'' – zusammen; ''it'' – eben, wahrlich; verstärkende Partikel; ''sravanti'' – sie strömen; ''saritaḥ'' – Flüsse; ''na'' – wie; vedische Vergleichspartikel; ''dhenāḥ'' – nährende oder milchgebende [Ströme]; weiblicher Plural; ''antaḥ'' – im Inneren; ''hṛdā'' – durch das Herz; ''manasā'' – durch den Geist; ''pūyamānāḥ'' – gereinigt, geläutert werdend; ''ghṛtasya'' – der geklärten Butter, des Ghee; ''dhārāḥ'' – Ströme; ''abhicākaśīmi'' – ich schaue an; auch als „ich mache leuchtend“ gedeutet.
'''Textkritischer Hinweis:''' Samit wird hier als sam + it analysiert. Der gedruckte Kommentar bezieht das Wort alternativ auf Brennmaterial und ergänzt einen Darbringungsvorgang. Die Übersetzung folgt der Flussmetapher des überlieferten Satzes.
'''40.5 – Der goldene Schilfstängel und der Vogel'''<br>
hiraṇyayo vetaso madhya āsām | tasmintsuparṇo madhukṛt kulāyī bhajannāste madhu devatābhyaḥ | tasyāsate harayaḥ sapta tīre svadhāṃ duhānā amṛtasya dhārām || 40.5 ||<br>
'''Übersetzung:''' Ein goldener Schilfstängel ist in ihrer Mitte. Darin sitzt der schön gefiederte Vogel, der Süßes bereitet und ein Nest hat; er teilt den Gottheiten Süßes zu. An seinem Rand sitzen sieben Goldgelbe, die eine Eigengabe melken, einen Strom der Unsterblichkeit.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''hiraṇyayaḥ'' – golden; ''vetasaḥ'' – Schilfstängel, Rohr; in der Überlieferung auch sinnbildlich auf Reichtum bezogen; ''madhye'' – in der Mitte; vor āsām im Text madhya; ''āsām'' – dieser; weiblicher Genitiv Plural, bezogen auf die Ströme; ''tasmin'' – darin; vor s zu tasmint verbunden; ''su-parṇaḥ'' – schön gefiedert, Vogel; ''madhu-kṛt'' – Süßes oder Honig bereitend; ''kulāyī'' – ein Nest habend, im Nest wohnend; ''bhajan'' – zuteilend, verteilend; ''āste'' – sitzt, verweilt; ''madhu'' – Süßes, Honig; ''devatābhyaḥ'' – für die Gottheiten; ''tasya'' – seines; ''āsate'' – sie sitzen; ''harayaḥ'' – die Goldgelben, Hellen; auch als Pferde oder göttliche Kräfte gedeutet; ''sapta'' – sieben; ''tīre'' – am Rand, am Ufer; ''svadhām'' – Eigengabe, eigene Nahrung, Opfergabe; ''duhānāḥ'' – melkend, hervorholend; ''amṛtasya'' – der Unsterblichkeit, des Unsterblichkeitstrankes; ''dhārām'' – Strom.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die Bilder sind mehrdeutig. Hier werden sie zunächst wörtlich wiedergegeben. Der traditionelle Kommentar versteht darin den Empfänger des Opfers und sieben Seher; diese Auslegung wird nicht als ausdrücklich genannter Sanskritwortlaut ausgegeben.
'''40.6 – Verheißung der Trisuparna-Rezitation'''<br>
ya idaṃ trisuparṇamayācitaṃ brāhmaṇāya dadyāt | vīrahatyāṃ vā ete ghnanti | ye brāhmaṇāstrisuparṇaṃ paṭhanti | te somaṃ prāpnuvanti | āsahasrāt paṅktiṃ punanti | oṃ || 40.6 ||<br>
'''Übersetzung:''' Wer [diesen Text weitergibt], soll einem Brahmanen Trisuparna unaufgefordert geben. Die Brahmanen, die Trisuparna rezitieren, tilgen wahrlich die Schuld der Tötung eines Helden. Sie erlangen Soma. Sie reinigen eine Reihe [von Speisenden] bis zu tausend. Om.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yaḥ'' – wer; ''idam'' – dieses; ''trisuparṇam'' – Trisuparna, „Drei schön gefiederte [Texte]“; Name der Mantragruppe; ''ayācitam'' – unerbeten, ohne darum gebeten worden zu sein; ''brāhmaṇāya'' – einem Brahmanen; ''dadyāt'' – soll geben, weitergeben; ''vīra-hatyām'' – die Schuld der Tötung eines Helden; ''vai'' – wahrlich; im Text vā; ''ete'' – diese; ''ghnanti'' – sie vernichten, tilgen; ''ye'' – welche; ''brāhmaṇāḥ'' – Brahmanen; ''trisuparṇam'' – Trisuparna; ''paṭhanti'' – sie rezitieren, lesen; ''te'' – sie; ''somam'' – Soma; traditionell auch die Frucht des Somaopfers; ''prāpnuvanti'' – sie erlangen; ''ā sahasrāt'' – bis zu tausend; ā, bis; sahasra, tausend; ''paṅktim'' – Reihe, hier Reihe der bei einem Ritual Speisenden; ''punanti'' – sie reinigen; ''oṃ'' – Om, die heilige Silbe.
'''Textkritischer Hinweis:''' Diese Sätze sind eine religiöse Wirkungsverheißung, keine empirische Behauptung des Artikels. Vīrahatyā heißt wörtlich „Tötung eines Helden“; der Kommentar bezieht den Ausdruck auch auf einen würdigen Brahmanen oder einen geweihten König. Die eröffnende Relativkonstruktion bleibt unvollständig und wird in der Übersetzung sichtbar ergänzt.
'''41.1 – Medha und die rechte Rede'''<br>
medhādevī juṣamāṇā na āgādviśvācī bhadrā sumanasyamānā | tvayā juṣṭā juṣamāṇā duruktānbṛhadvadema vidathe suvīrāḥ || 41.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Die Göttin Medha möge uns wohlwollend nahen, allwärts gewandt, heilbringend und freundlich gesinnt. Von dir begünstigt, mögen wir, [die bisher] an schlechten Reden Gefallen fanden, mit tüchtigen Nachkommen in der Versammlung Großes aussprechen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''medhā-devī'' – Göttin Medha, die personifizierte Einsicht; ''juṣamāṇā'' – wohlwollend, Gefallen findend; ''naḥ'' – uns; vor āgāt als na; ''āgāt'' – möge kommen; vedische Form; ''viśvācī'' – allwärts gewandt, alles umfassend; ''bhadrā'' – heilvoll, günstig; ''sumanasyamānā'' – freundlich gesinnt; ''tvayā'' – von dir; ''juṣṭāḥ'' – begünstigt, mit Wohlwollen angenommen; Sandhi juṣṭā; ''juṣamāṇāḥ'' – Gefallen findend; Sandhi juṣamāṇā; ''duruktān'' – schlechte Reden, üble Aussprüche; formal maskuliner Plural; ''bṛhat'' – Großes, Erhabenes; ''vadema'' – mögen wir sprechen; ''vidathe'' – in der Versammlung, bei der heiligen Zusammenkunft; ''su-vīrāḥ'' – mit tüchtigen Männern oder Nachkommen versehen.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die elektronische Lesung juṣamāṇā beim zweiten Vorkommen wird nach dem Haupttext des Drucks S. 265 erhalten. Eine dort verzeichnete Variante nudamānā bedeutet „zurückdrängend“. Das in der Übersetzung ergänzte „bisher“ macht die zeitliche Deutung der ersten Lesart kenntlich; der Text selbst nennt keinen Zeitwechsel.
'''41.2 – Die Gaben der Einsicht'''<br>
tvayā juṣṭa ṛṣirbhavati devi tvayā brahmāgataśrīruta tvayā | tvayā juṣṭaścitraṃ vindate vasu sā no juṣasva draviṇena medhe || 41.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' Von dir begünstigt wird man ein Seher, o Göttin; durch dich [wird man] ein Brahmanpriester, und durch dich gelangt man zu Glanz und Wohlstand. Von dir begünstigt findet man vielfältigen Besitz. So nimm uns wohlwollend an, o Medha, mit Vermögen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tvayā'' – von dir; ''juṣṭaḥ'' – begünstigt; Sandhi juṣṭa; ''ṛṣiḥ'' – Seher; ''bhavati'' – wird, ist; ''devi'' – o Göttin; ''tvayā'' – durch dich; ''brahmā'' – Brahmanpriester; traditionell auch Brahmanerkennender; ''āgata-śrīḥ'' – zu dem Glanz oder Wohlstand gekommen ist: āgata, gekommen; śrī, Glanz/Wohlstand; ''uta'' – und auch; ''tvayā'' – durch dich; ''tvayā'' – von dir; ''juṣṭaḥ'' – begünstigt; ''ca'' – und, auch; ''citram'' – vielfältig, prächtig; ''vindate'' – findet, erlangt; ''vasu'' – Gut, Besitz; ''sā'' – du als solche; ''naḥ'' – uns; ''juṣasva'' – nimm wohlwollend an, sei günstig; ''draviṇena'' – mit Vermögen, mit Gaben; ''medhe'' – o Medha, o Einsicht.
'''42.1 – Einsicht durch Indra, Sarasvati und die Ashvins'''<br>
medhāṃ ma indro dadātu medhāṃ devī sarasvatī | medhāṃ me aśvināvubhāvādhattāṃ puṣkarasrajau || 42.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Indra möge mir Einsicht geben, [ebenso] die Göttin Sarasvati. Die beiden Ashvins mit ihren Lotuskränzen mögen mir Einsicht verleihen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''medhām'' – Einsicht, geistige Aufnahmefähigkeit; ''me'' – mir; vor i im Text ma; ''indraḥ'' – Indra; ''dadātu'' – möge geben; ''medhām'' – Einsicht; ''devī'' – Göttin; ''sarasvatī'' – Sarasvati; ''medhām'' – Einsicht; ''me'' – mir; ''aśvinau'' – die beiden Ashvins; ''ubhau'' – beide; ''ādhattām'' – mögen setzen, verleihen; Dual; ''puṣkara-srajau'' – mit Lotuskränzen versehen; puṣkara, Lotus; sraj, Kranz.
'''Textkritischer Hinweis:''' Das beschädigte meadhām wird nach Druck S. 269 zu medhām berichtigt. Das Verb dadātu gilt sinngemäß auch für Sarasvati.
'''42.2 – Einsicht in himmlischen Wesen'''<br>
apsarāsu ca yā medhā gandharveṣu ca yanmanaḥ | daivī medhā sarasvatī sā māṃ medhā surabhirjuṣatāṃ svāhā || 42.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' Die Einsicht, die in den Apsaras ist, und der Geist, der in den Gandharvas ist, die göttliche Einsicht, Sarasvati: Diese wohlriechende Medha möge mich wohlwollend annehmen. Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''apsarāsu'' – in den Apsaras, den himmlischen Frauen; ''ca'' – und; ''yā'' – welche; ''medhā'' – Einsicht; ''gandharveṣu'' – in den Gandharvas, den himmlischen Sängern; ''ca'' – und; ''yat'' – welcher, was für ein; ''manaḥ'' – Geist, Denkvermögen; ''daivī'' – göttlich; ''medhā'' – Einsicht; ''sarasvatī'' – Sarasvati; ''sā'' – diese; weiblich; ''mām'' – mich; ''medhā'' – Medha, Einsicht; ''surabhiḥ'' – wohlriechend, lieblich; ''juṣatām'' – möge wohlwollend annehmen; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''Textkritischer Hinweis:''' Sā ist nach Druck S. 269 wiederhergestellt; die elektronische Fassung hat hier sa. Die im Artikel beibehaltene Form daivī steht im Haupttext des Drucks; dessen Anmerkung nennt außerdem daivīm als grammatisch schwierige Lesart der längeren Rezension.
'''43.1 – Medha als nährende Göttin'''<br>
ā māṃ medhā surabhirviśvarūpā hiraṇyavarṇā jagatī jagamyā | ūrjasvatī payasā pinvamānā sā māṃ medhā supratīkā juṣatām || 43.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Zu mir [komme] die wohlriechende, vielgestaltige, goldfarbene Medha, die sich durch die Welt bewegt und immer wieder aufzusuchen ist, kraftvoll und mit Milch nährend. Diese Medha mit dem schönen Antlitz möge mich wohlwollend annehmen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''ā'' – herbei, zu ... hin; das Bewegungsverb ist nur mitgemeint; ''mām'' – zu mir; ''medhā'' – Medha, Einsicht; ''surabhiḥ'' – wohlriechend, lieblich; ''viśva-rūpā'' – vielgestaltig, alle Gestalten umfassend; ''hiraṇya-varṇā'' – goldfarben: hiraṇya, Gold; varṇa, Farbe; ''jagatī'' – sich bewegend, in der Welt gegenwärtig; weibliche Form; ''jagamyā'' – immer wieder aufzusuchen; seltene intensivische Bildung; ''ūrjasvatī'' – kraftvoll, Nahrung und Stärke besitzend; ''payasā'' – mit Milch, nährendem Saft; ''pinvamānā'' – schwellend, nährend, stärkend; ''sā'' – diese; ''mām'' – mich; ''medhā'' – Medha; ''su-pratīkā'' – mit schönem Antlitz, von freundlicher Erscheinung; ''juṣatām'' – möge wohlwollend annehmen.
'''44.1.1 – Bitte an Agni'''<br>
mayi medhāṃ mayi prajāṃ mayyagnistejo dadhātu || 44.1.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' In mich lege Agni Einsicht, in mich Nachkommenschaft, in mich Leuchtkraft.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''mayi'' – in mir, in mich; ''medhām'' – Einsicht, geistige Aufnahmefähigkeit; ''mayi'' – in mich; ''prajām'' – Nachkommenschaft; ''mayi'' – in mich; ''agniḥ'' – Agni; ''tejaḥ'' – Leuchtkraft; ''dadhātu'' – möge setzen, verleihen.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die drei parallelen Bitten des gedruckten Abschnitts 44.1 stehen hier einzeln unter den redaktionellen Nummern 44.1.1–44.1.3.
'''44.1.2 – Bitte an Indra'''<br>
mayi medhāṃ mayi prajāṃ mayīndra indriyaṃ dadhātu || 44.1.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' In mich lege Indra Einsicht, in mich Nachkommenschaft, in mich Kraft.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''mayi'' – in mir, in mich; ''medhām'' – Einsicht, geistige Aufnahmefähigkeit; ''mayi'' – in mich; ''prajām'' – Nachkommenschaft; ''mayi'' – in mich; ''indraḥ'' – Indra; ''indriyam'' – Kraft; ''dadhātu'' – möge setzen, verleihen.
'''44.1.3 – Bitte an Surya'''<br>
mayi medhāṃ mayi prajāṃ mayi sūryo bhrājo dadhātu || 44.1.3 ||<br>
'''Übersetzung:''' In mich lege Surya Einsicht, in mich Nachkommenschaft, in mich Glanz.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''mayi'' – in mir, in mich; ''medhām'' – Einsicht, geistige Aufnahmefähigkeit; ''mayi'' – in mich; ''prajām'' – Nachkommenschaft; ''mayi'' – in mich; ''sūryaḥ'' – Surya; ''bhrājaḥ'' – Glanz; ''dadhātu'' – möge setzen, verleihen.
'''45.1 – Tod, Unsterblichkeit und Gedeihen'''<br>
apaitu mṛtyuramṛtaṃ na āganvaivasvato no abhayaṃ kṛṇotu | parṇaṃ vanaspaterivābhi naḥ śīyatāṃrayiḥ sacatāṃ naḥ śacīpatiḥ || 45.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Der Tod weiche; Unsterblichkeit komme zu uns. Vaivasvata schaffe uns Furchtlosigkeit. Wie ein Blatt vom Baum möge [unsere Schuld] von uns abfallen. Kraftvoller Reichtum möge uns begleiten.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''apaitu'' – möge fortgehen, weichen; apa, fort, und etu, möge gehen; ''mṛtyuḥ'' – Tod; ''amṛtam'' – Unsterblichkeit, das Unsterbliche; ''naḥ'' – zu uns; vor āgan als na; ''āgan'' – möge kommen; vedische Form; ''vaivasvataḥ'' – Vaivasvata, Sohn Vivasvats; Bezeichnung Yamas; ''naḥ'' – uns; ''abhayam'' – Furchtlosigkeit, Sicherheit; ''kṛṇotu'' – möge machen, schaffen; ''parṇam'' – Blatt; ''vanaspateḥ'' – eines Baumes; ''iva'' – wie; ''abhi'' – ringsum, auf ... zu; ''naḥ'' – von uns, unser; ''śīyatām'' – möge zerfallen, abfallen; ''rayiḥ'' – Reichtum, Besitz; ''sacatām'' – möge begleiten, sich zugesellen; ''naḥ'' – uns; ''śacī-patiḥ'' – Herr oder Besitzer der Kraft; hier als Eigenschaft des Reichtums verstanden; auch Beiname Indras.
'''Textkritischer Hinweis:''' In der Blattmetapher ist das Subjekt nicht ausdrücklich genannt. Die traditionelle Deutung ergänzt pāpam, „Schuld“. Śacīpati kann als Beiname Indras oder, wie hier, als Bestimmung des Reichtums verstanden werden.
'''46.1 – Der Tod möge seinen eigenen Weg gehen'''<br>
paraṃ mṛtyo anuparehi panthāṃ yaste sva itaro devayānāt | cakṣuṣmate śṛṇvate te bravīmi mā naḥ prajāṃ rīriṣo mota vīrān || 46.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Gehe fort, o Tod, folge dem fernen Weg, der dein eigener ist und sich vom Götterweg unterscheidet. Zu dir, der du Augen hast und hörst, spreche ich: Verletze unsere Nachkommenschaft nicht und auch unsere Helden nicht.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''param'' – fern, weg; ''mṛtyo'' – o Tod; Anrede; ''anu parehi'' – gehe entlang, gehe fort; ''panthām'' – Weg; Akkusativ; ''yaḥ'' – welcher; ''te'' – dein; ''svaḥ'' – eigener; im Text sva; ''itaraḥ'' – anderer, verschieden; ''devayānāt'' – vom Götterweg: deva, Gott; yāna, Weg oder Fahrt; ''cakṣuṣmate'' – dem mit Augen Versehenen; ''śṛṇvate'' – dem Hörenden; ''te'' – zu dir; ''bravīmi'' – ich spreche; ''mā'' – nicht; ''naḥ'' – unsere; ''prajām'' – Nachkommenschaft; ''rīriṣaḥ'' – verletze; mit mā als Verbot; ''mā uta'' – und auch nicht; Sandhi mota; ''vīrān'' – Helden, kräftige Männer.
'''47.1 – Zuflucht zu Prajapati als Lebensatem'''<br>
vātaṃ prāṇaṃ manasānvārabhāmahe prajāpatiṃ yo bhuvanasya gopāḥ | sa no mṛtyostrāyatāṃ pātvaṃhaso jyogjīvā jarāma śīmahi || 47.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Mit dem Geist halten wir uns an den Wind, den Lebensatem, an Prajapati, der die Welt behütet. Er schütze uns vor dem Tod und bewahre uns vor Bedrängnis. Lange lebend mögen wir das Alter erreichen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''vātam'' – an den Wind; ''prāṇam'' – an den Lebensatem; ''manasā'' – mit dem Geist; ''anu ārabhāmahe'' – wir halten uns an, nehmen Zuflucht; Sandhi anvārabhāmahe; ''prajāpatim'' – an Prajapati; ''yaḥ'' – der; ''bhuvanasya'' – der Welt; ''gopāḥ'' – Hüter, Beschützer; vedische Nominativform; ''saḥ'' – er; ''naḥ'' – uns; ''mṛtyoḥ'' – vor dem Tod; ''trāyatām'' – möge schützen; ''pātu'' – möge bewahren; ''aṃhasaḥ'' – vor Bedrängnis, Übel oder Schuld; ''jyok'' – lange, auf lange Zeit; im Sandhi jyog; ''jīvāḥ'' – lebend; ''jarām'' – das Alter; ''aśīmahi'' – mögen wir erreichen, erlangen.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die in der elektronischen Fassung ungünstig getrennte Folge jarāma śīmahi ist als jarām aśīmahi zu analysieren. Es wird kein Wort ergänzt.
'''48.1 – Brihaspati und die beiden Ashvins'''<br>
amutrabhūyādadha yadyamasya bṛhaspate abhiśasteramuñcaḥ | pratyauhatāmaśvinā mṛtyumasmaddevānāmagne bhiṣajā śacībhiḥ || 48.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' O Brihaspati, löse [mich] von der Existenz dort drüben und von der Anklage Yamas. O Agni, mögen die beiden Ashvins, die Ärzte der Götter, durch ihre Kräfte den Tod von uns wegtreiben.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''amutra-bhūyāt'' – vom Dort-drüben-Sein, von der Existenz in jener Welt; schwierige Ablativbildung; ''adha'' – ferner, sodann; vedische Form zu atha; ''yat'' – was, dasjenige, was; Satzanschluss; ''yamasya'' – Yamas, des Todesgottes; ''bṛhaspate'' – o Brihaspati; ''abhiśasteḥ'' – von Anklage, Verwünschung oder Bedrohung; ''amuñcaḥ'' – du hast gelöst; in der Bitte auffordernd verstanden; ''prati auhatām'' – mögen zurückdrängen, wegtreiben; Dual, Sandhi pratyauhatām; ''aśvinā'' – die beiden Ashvins; vedischer Dual; ''mṛtyum'' – den Tod; ''asmat'' – von uns; vor d im Sandhi asmad; ''devānām'' – der Götter; ''agne'' – o Agni; ''bhiṣajā'' – die beiden Ärzte; Dual; ''śacībhiḥ'' – durch Kräfte, wirksame Fähigkeiten.
'''Textkritischer Hinweis:''' Der Anfang ist syntaktisch schwierig. Die Übersetzung versteht amuñcaḥ im Gebetszusammenhang als Bitte und ergänzt das im Sanskrit nicht ausgedrückte Objekt „mich“. Die Deutung der Wortgruppe um amutrabhūyāt bleibt entsprechend gekennzeichnet.
'''49.1 – Hari und der dem Brahman entsprechende Weg'''<br>
hariṃ harantamanuyanti devā viśvasyeśānaṃ vṛṣabhaṃ matīnām | brahmasarūpamanu medamāgādayanaṃ mā vivadhīrvikramasva || 49.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Die Götter folgen dem hinwegnehmenden Hari, dem Herrn des Alls, dem Stier unter den Gedanken. Möge mir dieser Weg zukommen, der dieselbe Gestalt hat wie Brahman. Verletze [ihn] nicht; schreite kraftvoll voran.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''harim'' – Hari, der Goldene oder Gelbliche; göttlicher Name; ''harantam'' – wegnehmend, hinwegtragend, in sich aufnehmend; ''anuyanti'' – sie folgen; ''devāḥ'' – die Götter; ''viśvasya'' – des Alls; ''īśānam'' – den Herrn; ''vṛṣabham'' – den Stier, den Hervorragenden; ''matīnām'' – der Gedanken, Einsichten; ''brahma-sarūpam'' – von gleicher Gestalt wie Brahman: brahma, Brahman; sa-rūpa, von gleicher Gestalt; ''anu'' – nach, zu, auf ... hin; ''mā'' – mich; in der Verbindung medam überliefert; ''idam'' – dieses; ''āgāt'' – möge kommen; ''ayanam'' – Weg, Gang; ''mā'' – nicht; ''vi vadhīḥ'' – verletze, zerstöre; ''vikramasva'' – schreite kraftvoll aus, entfalte Kraft.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die Wortfolge anu medam wird traditionell als anu mā idam erklärt. Die Übersetzung erhält die Wegmetapher und markiert das ergänzte Objekt zu „verletze“; weitergehende Kommentare deuten diesen Weg als den in den Veden gelehrten Weg zur Befreiung.
'''50.1 – Feuer und die beiden Welten'''<br>
śalkairagnimindhāna ubhau lokau sanemaham | ubhayorlokayorṛdhvāti mṛtyuṃ tarāmyaham || 50.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Indem ich das Feuer mit Holzspänen entzünde, möchte ich beide Welten gewinnen. In beiden Welten gedeihend, überschreite ich den Tod.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''śalkaiḥ'' – mit Spänen, Splittern; ''agnim'' – das Feuer; ''indhānaḥ'' – entzündend, anfachend; ''ubhau'' – beide; ''lokau'' – Welten; Dual; ''sanem'' – möchte ich gewinnen; vedische Form, im Kommentar durch saneyam erklärt; ''aham'' – ich; ''ubhayoḥ'' – in beiden, der beiden; ''lokayoḥ'' – Welten; Dual; ''ṛdhvā'' – gedeihend, nach erlangtem Gedeihen; alte Absolutivform; ''ati'' – über ... hinaus; ''mṛtyum'' – den Tod; ''tarāmi'' – ich überschreite; ''aham'' – ich.
'''51.1 – Bitte um Schonung des Lebens'''<br>
mā chido mṛtyo mā vadhīrmā me balaṃ vivṛho mā pramoṣīḥ | prajāṃ mā me rīriṣa āyurugra nṛcakṣasaṃ tvā haviṣā vidhema || 51.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Schneide [mein Leben] nicht ab, o Tod; töte nicht. Entreiße mir meine Kraft nicht, beraube mich nicht. Verletze weder meine Nachkommenschaft noch meine Lebensdauer, o Gewaltiger. Dich, der du auf die Menschen schaust, wollen wir mit einer Opfergabe verehren.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''mā'' – nicht; ''chidaḥ'' – schneide ab; im Sandhi chido; ''mṛtyo'' – o Tod; ''mā'' – nicht; ''vadhīḥ'' – töte; ''mā'' – nicht; ''me'' – meine; ''balam'' – Kraft; ''vi vṛhaḥ'' – reiße heraus, entreiße; im Text vivṛho; ''mā'' – nicht; ''pramoṣīḥ'' – beraube, raube weg; ''prajām'' – Nachkommenschaft; ''mā'' – nicht; ''me'' – meine; ''rīriṣaḥ'' – verletze; ''āyuḥ'' – Lebensdauer; ''ugra'' – o Gewaltiger; ''nṛ-cakṣasam'' – auf Menschen blickend: nṛ, Mensch; cakṣas, Blick; ''tvā'' – dich; ''haviṣā'' – mit einer Opfergabe; ''vidhema'' – mögen wir dienen, verehren.
'''Textkritischer Hinweis:''' Das Objekt zu „schneide ab“ bleibt unausgesprochen; die Übersetzung ergänzt aus dem Zusammenhang das Leben. Das Verb sanem in 50.1 und mehrere Verbotformen hier sind vedische Formen, keine Fehler des Artikels.
'''52.1 – Schonung der Familie und der Körper'''<br>
mā no mahāntamuta mā no arbhakaṃ mā na ukṣantamuta mā na ukṣitam | mā no vadhīḥ pitaraṃ mota mātaraṃ priyā mā nastanuvo rudra rīriṣaḥ || 52.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Verletze weder unseren Großen noch unseren Kleinen, weder den Heranwachsenden noch den Gezeugten. Töte unseren Vater nicht und auch unsere Mutter nicht. Verletze unsere geliebten Körper nicht, o Rudra.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''mā'' – nicht; ''naḥ'' – unseren; ''mahāntam'' – den Großen, Älteren; ''uta'' – und auch; ''mā'' – nicht; ''naḥ'' – unseren; ''arbhakam'' – den Kleinen, das Kind; ''mā'' – nicht; ''naḥ'' – unseren; ''ukṣantam'' – den Wachsenden oder Zeugenden; ''uta'' – und auch; ''mā'' – nicht; ''naḥ'' – unseren; ''ukṣitam'' – den Gezeugten, den als Samen Eingesetzten; ''mā'' – nicht; ''naḥ'' – unseren; ''vadhīḥ'' – töte; ''pitaram'' – Vater; ''mā uta'' – und auch nicht; Sandhi mota; ''mātaram'' – Mutter; ''priyāḥ'' – geliebte; Sandhi priyā; ''mā'' – nicht; ''naḥ'' – unsere; ''tanuvaḥ'' – Körper, leibliche Personen; ''rudra'' – o Rudra; ''rīriṣaḥ'' – verletze.
'''53.1 – Schonung von Nachkommen, Herden und Menschen'''<br>
mā nastoke tanaye mā na āyuṣi mā no goṣu mā no aśveṣu rīriṣaḥ | vīrānmā no rudra bhāmito vadhīrhaviṣmanto namasā vidhema te || 53.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Verletze uns nicht an Kindern und Nachkommen, nicht an unserer Lebensdauer, nicht an unseren Rindern und Pferden. Töte unsere Helden nicht in deinem Zorn, o Rudra. Mit Opfergaben versehen wollen wir dich in Verehrung ehren.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''mā'' – nicht; ''naḥ'' – uns; ''toke'' – am Kind, an der Nachkommenschaft; ''tanaye'' – am Nachkommen, am Sohn; ''mā'' – nicht; ''naḥ'' – uns; ''āyuṣi'' – an der Lebensdauer; ''mā'' – nicht; ''naḥ'' – uns; ''goṣu'' – an den Rindern; ''mā'' – nicht; ''naḥ'' – uns; ''aśveṣu'' – an den Pferden; ''rīriṣaḥ'' – verletze; ''vīrān'' – Helden, kräftige Männer; ''mā'' – nicht; ''naḥ'' – unsere; ''rudra'' – o Rudra; ''bhāmitaḥ'' – erzürnt, in Zorn versetzt; Sandhi bhāmito; ''vadhīḥ'' – töte; ''haviṣmantaḥ'' – mit Opfergaben versehen; ''namasā'' – mit Verehrung, Verneigung; ''vidhema'' – wollen wir dienen, verehren; ''te'' – dir.
'''54.1 – Prajapati umfasst die Geschöpfe'''<br>
prajāpate na tvadetānyanyo viśvā jātāni pari tā babhūva | yatkāmaste juhumastanno astu vayaṃ syāma patayo rayīṇām || 54.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' O Prajapati, kein anderer als du hat alle diese entstandenen Wesen umfasst. Was wir beim Opfern an dich ersehnen, möge uns zuteilwerden. Mögen wir Herren von Reichtümern sein.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''prajāpate'' – o Prajapati; ''na'' – nicht, kein; ''tvat'' – als du, außer dir; Ablativ; ''etāni'' – diese; ''anyaḥ'' – anderer; ''viśvā'' – alle; vedische Form für viśvāni; ''jātāni'' – entstandenen Wesen; ''pari'' – ringsum, ganz; ''tā'' – diese; vedische Form; ''babhūva'' – hat umfasst, ist geworden; ''yat-kāmāḥ'' – welches ersehnend; yat, welches; kāma, Wunsch; ''te'' – dir, an dich; ''juhumaḥ'' – wir opfern; ''tat'' – dieses; ''naḥ'' – uns; ''astu'' – möge zuteilwerden; ''vayam'' – wir; ''syāma'' – mögen sein; ''patayaḥ'' – Herren, Besitzer; ''rayīṇām'' – von Reichtümern, Gütern.
'''55.1 – Indra als Geber von Furchtlosigkeit'''<br>
svastidā viśaspatirvṛtrahā vimṛdho vaśī | vṛṣendraḥ pura etu naḥ svastidā abhayaṅkaraḥ || 55.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Der Heil spendende Herr der Siedlungen, der Vritra-Töter, der Widerstände zerschlägt und Macht besitzt: Dieser kraftvolle Indra gehe uns voran, Heil spendend und Furchtlosigkeit schaffend.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''svasti-dāḥ'' – Heil spendend: svasti, Heil; dā, gebend; ''viśas-patiḥ'' – Herr der Siedlungen oder Gemeinschaften; ''vṛtra-hā'' – Vritra-Töter: Vṛtra, Name des Widersachers; han, töten; ''vimṛdhaḥ'' – Widerstände zerschlagend; ''vaśī'' – mächtig, Gewalt besitzend; ''vṛṣā indraḥ'' – der stierkräftige Indra; Sandhi vṛṣendraḥ; ''puraḥ'' – voran; ''etu'' – möge gehen; ''naḥ'' – uns; ''svasti-dāḥ'' – Heil spendend; ''abhayaṅ-karaḥ'' – Furchtlosigkeit schaffend: abhaya, Furchtlosigkeit; kara, machend.
'''56.1 – Mahamrityunjaya-Mantra'''<br>
tryambakaṃ yajāmahe sugandhiṃ puṣṭivardhanam | urvārukamiva bandhanānmṛtyormukṣīya māmṛtāt || 56.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Wir verehren den Dreiäugigen, den Wohlriechenden, der das Gedeihen mehrt. Wie eine reife Gurkenfrucht von ihrer Bindung [gelöst wird], möge ich vom Tod befreit werden, nicht von der Unsterblichkeit.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tryambakam'' – den Dreiäugigen; traditioneller Beiname Rudras: tri, drei; ambaka, Auge; ''yajāmahe'' – wir verehren, opfern; ''sugandhim'' – wohlriechend, von gutem Duft: su, gut; gandha, Duft; ''puṣṭi-vardhanam'' – das Gedeihen mehrend: puṣṭi, Gedeihen; vardhana, mehrend; ''urvārukam'' – Gurken- oder Kürbisfrucht; im Bild die sich lösende reife Frucht; ''iva'' – wie; ''bandhanāt'' – von der Bindung; vor m im Sandhi bandhanān; ''mṛtyoḥ'' – vom Tod; ''mukṣīya'' – möge ich frei werden, befreit werden; ''mā'' – nicht; ''amṛtāt'' – von der Unsterblichkeit.
'''57.1 – Die Schlingen des Todes'''<br>
ye te sahasramayutaṃ pāśā mṛtyo martyāya hantave | tān yajñasya māyayā sarvānavayajāmahe || 57.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Deine tausend und zehntausend Schlingen, o Tod, die den Sterblichen töten sollen: Sie alle opfern wir durch die wirksame Kraft des Opfers hinweg.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''ye'' – welche; ''te'' – deine; ''sahasram'' – tausend; ''ayutam'' – zehntausend; ''pāśāḥ'' – Schlingen, Fesseln; ''mṛtyo'' – o Tod; ''martyāya'' – für den Sterblichen, gegen den Menschen; ''hantave'' – zum Töten; vedischer Infinitiv; ''tān'' – jene; ''yajñasya'' – des Opfers; ''māyayā'' – durch wirksame oder gestaltende Kraft; ''sarvān'' – alle; ''ava yajāmahe'' – wir opfern hinweg, wenden durch Opfer ab.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die elektronische Fassung bricht ayutam nach ayu ab. Der vollständige Wortlaut sahasram ayutam, „tausend und zehntausend“, ist im Druck S. 288 belegt und wird hier wiederhergestellt.
'''58.1.1 – Gabe an den Tod'''<br>
mṛtyave svāhā || 58.1.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Dem Tod: Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''mṛtyave'' – dem Tod; Dativ von mṛtyu; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die Formel steht im Grundtext zweimal. Beide Vorkommen werden vollständig wiedergegeben und erläutert.
'''58.1.2 – Gabe an den Tod – Wiederholung'''<br>
mṛtyave svāhā || 58.1.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' Dem Tod: Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''mṛtyave'' – dem Tod; Dativ von mṛtyu; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''59.1.1 – Von Göttern verursachte Schuld'''<br>
devakṛtasyainaso’vayajanamasi svāhā || 59.1.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Du bist das Sühneopfer für die von Göttern verursachte Schuld. Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''deva-kṛtasya'' – von Göttern getan oder verursacht: deva, Gott; kṛta, getan; ''enasaḥ'' – der Schuld, des Vergehens; ''ava-yajanam'' – Sühneopfer, rituelles Wegopfern; ''asi'' – du bist; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die Komposita deva-, manuṣya- und pitṛ-kṛta werden hier nach ihrer unmittelbaren Wortbildung wiedergegeben. Die traditionelle Deutung bezieht sie auch auf Fehler bei Handlungen gegenüber Göttern, Menschen und Ahnen. Die Anrede „du“ gilt im Opferritual der Gabe oder dem Feuer.
'''59.1.2 – Von Menschen verursachte Schuld'''<br>
manuṣyakṛtasyainaso’vayajanamasi svāhā || 59.1.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' Du bist das Sühneopfer für die von Menschen verursachte Schuld. Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''manuṣya-kṛtasya'' – von Menschen getan: manuṣya, Mensch; kṛta, getan; ''enasaḥ'' – der Schuld, des Vergehens; ''ava-yajanam'' – Sühneopfer, rituelles Wegopfern; ''asi'' – du bist; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''59.1.3 – Von Ahnen verursachte Schuld'''<br>
pitṛkṛtasyainaso’vayajanamasi svāhā || 59.1.3 ||<br>
'''Übersetzung:''' Du bist das Sühneopfer für die von Ahnen verursachte Schuld. Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''pitṛ-kṛtasya'' – von Vätern oder Ahnen getan: pitṛ, Vater/Ahn; kṛta, getan; ''enasaḥ'' – der Schuld, des Vergehens; ''ava-yajanam'' – Sühneopfer, rituelles Wegopfern; ''asi'' – du bist; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''59.1.4 – Eigene Schuld'''<br>
ātmakṛtasyainaso’vayajanamasi svāhā || 59.1.4 ||<br>
'''Übersetzung:''' Du bist das Sühneopfer für die selbst verursachte Schuld. Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''ātma-kṛtasya'' – von einem selbst getan: ātman, Selbst; kṛta, getan; ''enasaḥ'' – der Schuld, des Vergehens; ''ava-yajanam'' – Sühneopfer, rituelles Wegopfern; ''asi'' – du bist; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''59.1.5 – Von anderen verursachte Schuld'''<br>
anyakṛtasyainaso’vayajanamasi svāhā || 59.1.5 ||<br>
'''Übersetzung:''' Du bist das Sühneopfer für die von anderen verursachte Schuld. Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''anya-kṛtasya'' – von anderen getan: anya, anderer; kṛta, getan; ''enasaḥ'' – der Schuld, des Vergehens; ''ava-yajanam'' – Sühneopfer, rituelles Wegopfern; ''asi'' – du bist; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''59.1.6 – Von uns verursachte Schuld'''<br>
asmatkṛtasyainaso’vayajanamasi svāhā || 59.1.6 ||<br>
'''Übersetzung:''' Du bist das Sühneopfer für die von uns verursachte Schuld. Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''asmat-kṛtasya'' – von uns getan: asmat, von uns; kṛta, getan; ''enasaḥ'' – der Schuld, des Vergehens; ''ava-yajanam'' – Sühneopfer, rituelles Wegopfern; ''asi'' – du bist; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''59.1.7 – Schuld bei Tag und Nacht'''<br>
yaddivā ca naktaṃ cainaścakṛma tasyāvayajanamasi svāhā || 59.1.7 ||<br>
'''Übersetzung:''' Für die Schuld, die wir bei Tag und bei Nacht begangen haben, bist du das Sühneopfer. Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yat'' – welche; ''divā'' – bei Tag; ''ca'' – und; ''naktam'' – bei Nacht; ''ca'' – und; ''enaḥ'' – Schuld, Vergehen; ''cakṛma'' – wir haben getan; ''tasya'' – dafür, für diese Schuld; ''ava-yajanam'' – Sühneopfer, rituelles Wegopfern; ''asi'' – du bist; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''59.1.8 – Schuld im Schlafen und Wachen'''<br>
yatsvapantaśca jāgrataścainaścakṛma tasyāvayajanamasi svāhā || 59.1.8 ||<br>
'''Übersetzung:''' Für die Schuld, die wir schlafend und wachend begangen haben, bist du das Sühneopfer. Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yat'' – welche; ''svapantaḥ'' – schlafend; Partizip Plural; ''ca'' – und; ''jāgrataḥ'' – wachend; Partizip Plural; ''ca'' – und; ''enaḥ'' – Schuld, Vergehen; ''cakṛma'' – wir haben getan; ''tasya'' – dafür, für diese Schuld; ''ava-yajanam'' – Sühneopfer, rituelles Wegopfern; ''asi'' – du bist; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''59.1.9 – Schuld im Tiefschlaf und Wachsein'''<br>
yatsuṣuptaśca jāgrataścainaścakṛma tasyāvayajanamasi svāhā || 59.1.9 ||<br>
'''Übersetzung:''' Für die Schuld, die wir im Tiefschlaf und im Wachsein begangen haben, bist du das Sühneopfer. Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yat'' – welche; ''suṣuptaḥ'' – tief schlafend; überlieferte Form im Singular; ''ca'' – und; ''jāgrataḥ'' – wachend; überlieferte Pluralform; ''ca'' – und; ''enaḥ'' – Schuld, Vergehen; ''cakṛma'' – wir haben getan; ''tasya'' – dafür, für diese Schuld; ''ava-yajanam'' – Sühneopfer, rituelles Wegopfern; ''asi'' – du bist; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die Formel 59.1.9 verbindet suṣuptaḥ im Singular mit jāgrataḥ im Plural. Die Übersetzung gibt die erkennbaren Zustände wieder, ohne die Sanskritformen zu vereinheitlichen.
'''59.1.10 – Schuld wissend und unwissend'''<br>
yadvidvāṃsaścāvidvāṃsaścainaścakṛma tasyāvayajanamasi svāhā || 59.1.10 ||<br>
'''Übersetzung:''' Für die Schuld, die wir wissend und unwissend begangen haben, bist du das Sühneopfer. Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yat'' – welche; ''vidvāṃsaḥ'' – wissend; Partizip Plural; ''ca'' – und; ''avidvāṃsaḥ'' – nicht wissend, unwissend; Partizip Plural; ''ca'' – und; ''enaḥ'' – Schuld, Vergehen; ''cakṛma'' – wir haben getan; ''tasya'' – dafür, für diese Schuld; ''ava-yajanam'' – Sühneopfer, rituelles Wegopfern; ''asi'' – du bist; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''59.1.11 – Sühne für jede Schuld'''<br>
enasa enaso’vayajanamasi svāhā || 59.1.11 ||<br>
'''Übersetzung:''' Du bist das Sühneopfer für Schuld um Schuld. Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''enasaḥ'' – der Schuld; erste Nennung; ''enasaḥ'' – der Schuld; wiederholter Genitiv, „jeder einzelnen Schuld“; ''ava-yajanam'' – Sühneopfer, rituelles Wegopfern; ''asi'' – du bist; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''Textkritischer Hinweis:''' Der gesamte Anuvaka 59 ist im Druck als ein Absatz gezählt. Seine elf Opferformeln werden hier als 59.1.1–59.1.11 einzeln erläutert. Offensichtliche Abschreibfehler in pitṛkṛtasyainaso und ātmakṛtasyainaso werden nach dem Druck S. 290 berichtigt.
'''60.1 – Bitte um Abwendung der Schuld'''<br>
yadvo devāścakṛma jihvayā guru manaso vā prayutī devaheḍanam | arāvā yo no abhi ducchunāyate tasmin tadeno vasavo nidhetana svāhā || 60.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Was wir euch, ihr Götter, mit der Zunge oder durch eine Regung des Geistes als schwere Kränkung angetan haben: Diese Schuld legt, ihr Vasus, auf den, der uns nichts gönnt und Unheil gegen uns im Sinn hat. Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yat'' – was, welche Tat; ''vaḥ'' – euch; Sandhi vo; ''devāḥ'' – ihr Götter; Anrede, Sandhi devāś; ''cakṛma'' – wir haben getan; ''jihvayā'' – mit der Zunge, durch die Rede; ''guru'' – schwer, gewichtig; ''manasaḥ'' – des Geistes; Sandhi manaso; ''vā'' – oder; ''prayutī'' – durch Antrieb oder Betätigung; alte Instrumentalform; ''deva-heḍanam'' – Kränkung der Götter: deva, Gott; heḍana, Missachtung oder Kränkung; ''arāvā'' – nicht gebend, ohne Gabe, missgünstig; ''yaḥ'' – welcher; ''naḥ'' – uns; Sandhi no; ''abhi'' – gegen, auf ... zu; ''ducchunāyate'' – Unheil zufügen will, feindlich handelt; ''tasmin'' – auf/in jenem; ''tat'' – diese; ''enaḥ'' – Schuld, Vergehen; Sandhi eno; ''vasavaḥ'' – ihr Vasus; Anrede, Sandhi vasavo; ''ni dhetana'' – legt nieder, weist zu; vedischer Imperativ Plural; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''Textkritischer Hinweis:''' Der Vers ist auch als Rigveda 10.37.12 überliefert. Die Wiedergabe mit jihvayā folgt dem Verswortlaut; das in der elektronischen Fassung nachgestellte Anusvara wird nicht übernommen. Der historische Text bittet um Übertragung von Schuld auf einen Gegner; die Übersetzung lässt diese Aussage erkennbar stehen.
'''61.1 – Begehren und Handlung'''<br>
kāmo’kārṣīnnamo namaḥ | kāmo’kārṣītkāmaḥ karoti nāhaṃ karomi kāmaḥ kartā nāhaṃ kartā kāmaḥ kārayitā nāhaṃ kārayitā eṣa te kāma kāmāya svāhā || 61.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Das Begehren hat es getan. Verehrung, Verehrung. Das Begehren hat es getan; Begehren handelt, ich handle nicht. Begehren ist der Handelnde, ich bin nicht der Handelnde. Begehren veranlasst die Handlung, ich bin nicht ihr Veranlasser. Diese Gabe ist für dich, o Begehren. Dem Begehren: Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''kāmaḥ'' – Begehren; ''akārṣīt'' – hat getan; vor n als akārṣīn verbunden; ''namaḥ namaḥ'' – Verehrung, Verehrung; ''kāmaḥ'' – Begehren; ''akārṣīt'' – hat getan; ''kāmaḥ'' – Begehren; ''karoti'' – tut, handelt; ''na'' – nicht; ''aham'' – ich; ''karomi'' – ich tue, handle; ''kāmaḥ'' – Begehren; ''kartā'' – Handelnder, Täter; ''na'' – nicht; ''aham'' – ich; ''kartā'' – Handelnder; ''kāmaḥ'' – Begehren; ''kārayitā'' – Veranlasser, der handeln lässt; ''na'' – nicht; ''aham'' – ich; ''kārayitā'' – Veranlasser; ''eṣaḥ'' – dieser, diese Gabe; ein Opferanteil ist mitzudenken; ''te'' – dir, für dich; ''kāma'' – o Begehren; Anrede; ''kāmāya'' – dem Begehren, für das Begehren; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die Formel unterscheidet das Selbst von der antreibenden Regung. Sie gehört in einen rituellen Zusammenhang der Reinigung. Ihre Redeweise hebt die praktische Verantwortung für Handlungen nicht als allgemeine ethische Regel auf.
'''62.1 – Zorn und Handlung'''<br>
manyurakārṣīnnamo namaḥ | manyurakārṣīnmanyuḥ karoti nāhaṃ karomi manyuḥ kartā nāhaṃ kartā manyuḥ kārayitā nāhaṃ kārayitā eṣa te manyo manyave svāhā || 62.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Der Zorn hat es getan. Verehrung, Verehrung. Der Zorn hat es getan; Zorn handelt, ich handle nicht. Zorn ist der Handelnde, ich bin nicht der Handelnde. Zorn veranlasst die Handlung, ich bin nicht ihr Veranlasser. Diese Gabe ist für dich, o Zorn. Dem Zorn: Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''manyuḥ'' – Zorn; ''akārṣīt'' – hat getan; vor n als akārṣīn verbunden; ''namaḥ namaḥ'' – Verehrung, Verehrung; ''manyuḥ'' – Zorn; ''akārṣīt'' – hat getan; ''manyuḥ'' – Zorn; ''karoti'' – tut, handelt; ''na'' – nicht; ''aham'' – ich; ''karomi'' – ich tue, handle; ''manyuḥ'' – Zorn; ''kartā'' – Handelnder, Täter; ''na'' – nicht; ''aham'' – ich; ''kartā'' – Handelnder; ''manyuḥ'' – Zorn; ''kārayitā'' – Veranlasser, der handeln lässt; ''na'' – nicht; ''aham'' – ich; ''kārayitā'' – Veranlasser; ''eṣaḥ'' – dieser, diese Gabe; ein Opferanteil ist mitzudenken; ''te'' – dir, für dich; ''manyo'' – o Zorn; Anrede; ''manyave'' – dem Zorn, für den Zorn; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''63.1 – Darbringung von Sesam'''<br>
tilāñjuhomi sarasān sapiṣṭān gandhāra mama citte ramantu svāhā || 63.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Ich opfere saftige Sesamkörner, mit Mehl vermischt. O Gandhāra, mögen [deine Eigenschaften] in meinem Geist Freude finden. Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tilān'' – Sesamkörner; vor j im Sandhi tilāñ; ''juhomi'' – ich opfere, bringe dar; ''sa-rasān'' – mit Saft versehen, saftig oder schmackhaft; ''sa-piṣṭān'' – mit Mehl vermischt; ''gandhāra'' – Gandhāra; hier eine schwierige Anrede des Göttlichen; ''mama'' – meines, mein; ''citte'' – im Geist, im inneren Bewusstsein; ''ramantu'' – mögen sich erfreuen, Freude finden; Plural; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''Textkritischer Hinweis:''' Der Druck liest gandhāra. Die traditionelle Erklärung versteht es als Anrede des höchsten Wesens und ergänzt zu ramantu dessen Eigenschaften als Subjekt. Diese Ergänzung steht in der Übersetzung in eckigen Klammern; sie ist kein zusätzliches Sanskritwort.
'''63.2 – Wohlstand und Nahrung'''<br>
gāvo hiraṇyaṃ dhanamannapānaṃ sarveṣāṃ śriyai svāhā || 63.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' Rinder, Gold, Besitz, Speise und Trank – zum Wohlergehen aller: Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''gāvaḥ'' – Rinder; Sandhi gāvo; ''hiraṇyam'' – Gold; ''dhanam'' – Besitz, Vermögen; ''anna-pānam'' – Speise und Trank: anna, Nahrung; pāna, Getränk; ''sarveṣām'' – aller; ''śriyai'' – zum Wohlergehen, zur Fülle oder für Shri; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''Textkritischer Hinweis:''' Der Sanskrittext ist eine verkürzte Opferformel ohne ausgesprochenes Verb. Ein Geben oder Erlangen der genannten Güter ist im Ritualzusammenhang vorausgesetzt.
'''63.3 – Bitte um Gedeihen und Erkenntnis'''<br>
śriyaṃ ca lakṣmīṃ ca puṣṭiṃ ca kīrtiṃ cānṛṇyatām | brāhmaṇyaṃ bahuputratām | śraddhāmedhe prajāḥ saṃdadātu svāhā || 63.3 ||<br>
'''Übersetzung:''' Möge [das Göttliche] mir Fülle und Glück, Gedeihen und guten Ruf, Schuldenfreiheit, Brahmanentum und viele Söhne gewähren, dazu Vertrauen, Einsicht und Nachkommenschaft. Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''śriyam'' – Fülle, Ansehen, königliches Gedeihen; ''ca'' – und; ''lakṣmīm'' – Glück, günstiges Geschick, Lakshmi; ''ca'' – und; ''puṣṭim'' – Gedeihen, Nahrungskraft; ''ca'' – und; ''kīrtim'' – Ruf, Ansehen; ''ca'' – und; ''anṛṇyatām'' – Schuldenfreiheit: an-ṛṇa, ohne Schuld oder Verpflichtung; -tā, Zustand; ''brāhmaṇyam'' – Brahmanentum, Brahman-Gesinnung; ''bahu-putratām'' – das Haben vieler Söhne: bahu, viele; putra, Sohn; ''śraddhā-medhe'' – Vertrauen und Einsicht; überlieferte Doppelform, syntaktisch schwierig; ''prajāḥ'' – Nachkommenschaft, Kinder; ''saṃdadātu'' – möge gewähren, zusammenbringen; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''Textkritischer Hinweis:''' Ein Subjekt zu saṃdadātu ist nicht ausdrücklich genannt. Die traditionelle Deutung bezieht die Bitte auf das höchste Wesen. Die überlieferte Form śraddhāmedhe steht grammatisch nicht bruchlos in der Akkusativreihe; sie wird entsprechend dem Kontext als Bitte um Vertrauen und Einsicht verstanden.
'''64.1 – Die reinigenden Sesamkörner'''<br>
tilāḥ kṛṣṇāstilāḥ śvetāstilāḥ saumyā vaśānugāḥ | tilāḥ punantu me pāpaṃ yatkiñcid duritaṃ mayi svāhā || 64.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Schwarze Sesamkörner, weiße Sesamkörner, milde Sesamkörner, die mir zur Verfügung stehen: Mögen die Sesamkörner meine Schuld reinigen, welches Übel auch immer in mir ist. Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tilāḥ'' – Sesamkörner; ''kṛṣṇāḥ'' – schwarze; ''tilāḥ'' – Sesamkörner; ''śvetāḥ'' – weiße; ''tilāḥ'' – Sesamkörner; ''saumyāḥ'' – milde, wohltuende, dem Soma verwandte; ''vaśa-anugāḥ'' – dem eigenen Willen folgend, zur Verfügung stehend: vaśa, Verfügungsgewalt; anuga, folgend; ''tilāḥ'' – Sesamkörner; ''punantu'' – mögen reinigen; ''me'' – meine, mir; ''pāpam'' – Schuld, Vergehen; ''yat kiñcit'' – was immer, welches auch immer; ''duritam'' – Übel, Fehltritt; ''mayi'' – in mir; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''64.2 – Aufzählung schwerer Vergehen'''<br>
corasyānnaṃ navaśrāddhaṃ brahmahā gurutalpagaḥ | gosteyaṃ surāpānaṃ bhrūṇahatyā tilā śāntiṃ śamayantu svāhā || 64.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' Die Nahrung eines Diebes, die Speise eines ersten Totenopfers, Brahmanenmord, das Aufsuchen des Lagers des Lehrers, Rinderdiebstahl, das Trinken von berauschendem Trank und die Tötung eines Embryos: Mögen die Sesamkörner [diese Vergehen] beschwichtigen und Frieden [gewähren]. Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''corasya'' – eines Diebes; ''annam'' – Nahrung; hier das Essen solcher Nahrung; ''nava-śrāddham'' – neues oder erstes Totenopfer; im Kontext dessen Speise; ''brahma-hā'' – Brahmanentöter; in der Aufzählung für die Tat des Brahmanenmordes gebraucht; ''guru-talpa-gaḥ'' – der das Lager des Lehrers aufsucht: guru, Lehrer; talpa, Lager; ga, hingehend; ''go-steyam'' – Rinderdiebstahl: go, Rind; steya, Diebstahl; ''surā-pānam'' – Trinken von Surā, einem berauschenden Getränk; ''bhrūṇa-hatyā'' – Tötung eines Embryos; in rituellen Rechtskontexten auch anders auf besonders geschützte Personen bezogen; ''tilāḥ'' – Sesamkörner; Sandhi tilā; ''śāntim'' – Frieden, Beschwichtigung; ''śamayantu'' – mögen beruhigen, beschwichtigen, tilgen; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die Aufzählung wechselt zwischen Namen von Handlungen und Bezeichnungen der Handelnden. Auch śāntiṃ śamayantu ist sprachlich uneben. Die Übersetzung macht die im Ritualzusammenhang vorausgesetzte Bitte um Tilgung von Vergehen kenntlich, ohne die Sanskritformen zu vereinheitlichen.
'''64.3 – Erneute Bitte an Jatavedas'''<br>
śrīśca lakṣmīśca puṣṭīśca kīrtiṃ cānṛṇyatām | brahmaṇyaṃ bahuputratām | śraddhāmedhe prajñā tu jātavedaḥ saṃdadātu svāhā || 64.3 ||<br>
'''Übersetzung:''' Fülle und Glück, Gedeihen und guten Ruf, Schuldenfreiheit, Brahmanentum und viele Söhne, Vertrauen, Einsicht und Erkenntnis – dies möge Jātavedas gewähren. Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''śrīḥ'' – Fülle, Shri; ''ca'' – und; ''lakṣmīḥ'' – Glück, Lakshmi; ''ca'' – und; ''puṣṭīḥ'' – Gedeihen; überlieferte Länge, im Sandhi puṣṭīś; ''ca'' – und; ''kīrtim'' – guten Ruf; ''ca'' – und; ''anṛṇyatām'' – Schuldenfreiheit; ''brahmaṇyam'' – Brahman-Gesinnung, Brahmanentum; ''bahu-putratām'' – das Haben vieler Söhne; ''śraddhā-medhe'' – Vertrauen und Einsicht; schwierige Doppelform; ''prajñā'' – Erkenntnis; überlieferte Nominativform; ''tu'' – aber, nun; ''jātavedaḥ'' – Jātavedas, der die Geburten kennt; Beiname Agnis, hier syntaktisch uneben; ''saṃdadātu'' – möge gewähren; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die Formel ist eine Variante von 63.3. Der Druck hat ebenso wie die elektronische Fassung die ungewöhnliche Länge puṣṭīś; auch die Kasusformen sind uneinheitlich. Die deutsche Fassung gibt den erkennbaren Bittinhalt wieder und beansprucht keine grammatisch glatte Rekonstruktion.
'''65.1 – Reinigung der fünf Lebensströme'''<br>
prāṇāpānavyānodānasamānā me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 65.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Meine fünf Lebensströme – Prana, Apana, Vyana, Udana und Samana – mögen rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''prāṇa-apāna-vyāna-udāna-samānāḥ'' – Prana, Apana, Vyana, Udana und Samana; fünf Funktionen der Lebenskraft; ''prāṇa'' – einströmender oder nach vorn gerichteter Lebensatem; ''apāna'' – abwärts gerichteter Lebensstrom; ''vyāna'' – sich im Körper verteilender Lebensstrom; ''udāna'' – aufwärts gerichteter Lebensstrom; ''samāna'' – ausgleichender Lebensstrom; ''me'' – meine, in mir; ''śudhyantām'' – mögen rein werden; 3. Person Plural, Imperativ; ''jyotiḥ'' – Licht; vor aham im Sandhi jyotir; ''aham'' – ich; ''virajāḥ'' – frei von Staub, Trübung oder Leidenschaft; Sandhi virajā; ''vipāpmā'' – frei von Schuld und Übel; ''bhūyāsam'' – möge ich sein oder werden; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''65.2 – Reinigung von Sinnen und inneren Kräften'''<br>
vāṅmanaścakṣuḥśrotrajihvāghrāṇaretobuddhyākūtiḥsaṅkalpā me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 65.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' Meine Rede, mein Geist, mein Sehen, mein Hören, meine Zunge, mein Geruchssinn, meine Zeugungskraft, meine Urteilskraft, meine Absicht und meine Entschlüsse mögen rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''vāk'' – Rede; im Kompositum vāṅ; ''manaḥ'' – Geist; ''cakṣuḥ'' – Auge, Sehen; ''śrotra'' – Ohr, Hören; ''jihvā'' – Zunge; ''ghrāṇa'' – Geruchssinn, Nase; ''retas'' – Samen, Zeugungskraft; ''buddhi'' – Urteilskraft, Verstehen; ''ākūtiḥ'' – Absicht, innerer Antrieb; ''saṅkalpāḥ'' – Entschlüsse, Vorstellungen; ''me'' – meine, in mir; ''śudhyantām'' – mögen rein werden; 3. Person Plural, Imperativ; ''jyotiḥ'' – Licht; vor aham im Sandhi jyotir; ''aham'' – ich; ''virajāḥ'' – frei von Staub, Trübung oder Leidenschaft; Sandhi virajā; ''vipāpmā'' – frei von Schuld und Übel; ''bhūyāsam'' – möge ich sein oder werden; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''65.3 – Reinigung der Körperstoffe'''<br>
tvakcarmamāṃsarudhiramedomajjāsnāyavo’sthīni me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 65.3 ||<br>
'''Übersetzung:''' Meine äußere und innere Haut, mein Fleisch, mein Blut, mein Fett, mein Mark, meine Sehnen und meine Knochen mögen rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tvak'' – Haut, äußere Haut; ''carma'' – Haut, im Zusammenhang innere Hautschicht; ''māṃsa'' – Fleisch; ''rudhira'' – Blut; ''medas'' – Fett; ''majjā'' – Mark; ''snāyavaḥ'' – Sehnen, Bänder; ''asthīni'' – Knochen; ''me'' – meine, in mir; ''śudhyantām'' – mögen rein werden; 3. Person Plural, Imperativ; ''jyotiḥ'' – Licht; vor aham im Sandhi jyotir; ''aham'' – ich; ''virajāḥ'' – frei von Staub, Trübung oder Leidenschaft; Sandhi virajā; ''vipāpmā'' – frei von Schuld und Übel; ''bhūyāsam'' – möge ich sein oder werden; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''65.4 – Reinigung der Körperglieder'''<br>
śiraḥpāṇipādapārśvapṛṣṭhorūdarajaṅghāśiśnopasthapāyavo me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 65.4 ||<br>
'''Übersetzung:''' Mein Kopf, meine Hände und Füße, meine Flanken, mein Rücken, meine Oberschenkel, mein Bauch, meine Unterschenkel, mein Glied, mein Schoß und mein After mögen rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''śiraḥ'' – Kopf; ''pāṇi'' – Hand; ''pāda'' – Fuß; ''pārśva'' – Flanke, Seite; ''pṛṣṭha'' – Rücken; ''ūru'' – Oberschenkel; ''udara'' – Bauch; ''jaṅghā'' – Unterschenkel; ''śiśna'' – männliches Glied; ''upastha'' – Schoß, Genitalbereich; ''pāyavaḥ'' – After, Ausscheidungsorgane; Plural im Sammelkompositum; ''me'' – meine, in mir; ''śudhyantām'' – mögen rein werden; 3. Person Plural, Imperativ; ''jyotiḥ'' – Licht; vor aham im Sandhi jyotir; ''aham'' – ich; ''virajāḥ'' – frei von Staub, Trübung oder Leidenschaft; Sandhi virajā; ''vipāpmā'' – frei von Schuld und Übel; ''bhūyāsam'' – möge ich sein oder werden; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''65.5 – Anrufung des göttlichen Purusha'''<br>
uttiṣṭha puruṣa harita piṅgala lohitākṣi dehi dehi dadāpayitā me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 65.5 ||<br>
'''Übersetzung:''' Erhebe dich, Purusha, du Grünlich-Dunkler, Gelbbrauner, Rotäugiger! Gib, gib; sei mein Spender. Mögen [meine inneren Regungen] rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''uttiṣṭha'' – erhebe dich, stehe auf; ''puruṣa'' – o Purusha, göttlicher Mensch; Anrede; ''harita'' – grünlich, dunkel oder goldfarben; Farbbezeichnung; ''piṅgala'' – gelbbraun, rötlichbraun; ''lohitākṣi'' – rotäugig; Anredeform zu lohita, rot, und akṣi, Auge; ''dehi'' – gib; ''dehi'' – gib; Wiederholung; ''dadāpayitā'' – Spender, der geben lässt; schwierige Form; ''me'' – mir, mein; ''śudhyantām'' – mögen rein werden; das Subjekt bleibt unausgesprochen; ''jyotiḥ'' – Licht; vor aham im Sandhi jyotir; ''aham'' – ich; ''virajāḥ'' – frei von Staub, Trübung oder Leidenschaft; Sandhi virajā; ''vipāpmā'' – frei von Schuld und Übel; ''bhūyāsam'' – möge ich sein oder werden; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''Textkritischer Hinweis:''' Der Wortlaut ist elliptisch. Die Ergänzung der inneren Regungen folgt dem Zusammenhang der Reinigungsformeln. Die Farbnamen werden in der Kommentierung unterschiedlich getrennt; der Artikel erhält die im Druck wiedergegebene Folge harita, piṅgala, lohitākṣi.
'''66.1 – Reinigung der fünf Elemente'''<br>
pṛthivyaptejovāyurākāśā me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 66.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Meine Elemente Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum mögen rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''pṛthivī'' – Erde; ''ap'' – Wasser; Form im Kompositum; ''tejas'' – Feuer, Glut, Strahlkraft; ''vāyuḥ'' – Wind, Luft; ''ākāśāḥ'' – Raum; Pluralform am Ende der Aufzählung; ''me'' – meine, in mir; ''śudhyantām'' – mögen rein werden; 3. Person Plural, Imperativ; ''jyotiḥ'' – Licht; vor aham im Sandhi jyotir; ''aham'' – ich; ''virajāḥ'' – frei von Staub, Trübung oder Leidenschaft; Sandhi virajā; ''vipāpmā'' – frei von Schuld und Übel; ''bhūyāsam'' – möge ich sein oder werden; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''66.2 – Reinigung der Sinnesqualitäten'''<br>
śabdasparśarūparasagandhā me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 66.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' Meine Sinnesqualitäten Klang, Berührung, Gestalt, Geschmack und Geruch mögen rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''śabda'' – Klang; ''sparśa'' – Berührung; ''rūpa'' – Gestalt, Farbe; ''rasa'' – Geschmack; ''gandhāḥ'' – Gerüche; ''me'' – meine, in mir; ''śudhyantām'' – mögen rein werden; 3. Person Plural, Imperativ; ''jyotiḥ'' – Licht; vor aham im Sandhi jyotir; ''aham'' – ich; ''virajāḥ'' – frei von Staub, Trübung oder Leidenschaft; Sandhi virajā; ''vipāpmā'' – frei von Schuld und Übel; ''bhūyāsam'' – möge ich sein oder werden; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''66.3 – Reinigung der Handlungen'''<br>
manovākkāyakarmāṇi me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 66.3 ||<br>
'''Übersetzung:''' Meine Handlungen mit Geist, Rede und Körper mögen rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''manas'' – Geist; ''vāk'' – Rede; ''kāya'' – Körper; ''karmāṇi'' – Handlungen; zusammen manovākkāyakarmāṇi; ''me'' – meine, in mir; ''śudhyantām'' – mögen rein werden; 3. Person Plural, Imperativ; ''jyotiḥ'' – Licht; vor aham im Sandhi jyotir; ''aham'' – ich; ''virajāḥ'' – frei von Staub, Trübung oder Leidenschaft; Sandhi virajā; ''vipāpmā'' – frei von Schuld und Übel; ''bhūyāsam'' – möge ich sein oder werden; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''66.4 – Befreiung von verborgenen Ichbildungen'''<br>
avyaktabhāvairahaṅkārair- jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 66.4 ||<br>
'''Übersetzung:''' [Befreit] von Ichbildungen, deren Wesen verborgen ist, möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''avyakta-bhāvaiḥ'' – von unmanifestem oder unausgesprochenem Wesen: avyakta, unmanifest; bhāva, Zustand oder Wesen; ''ahaṅkāraiḥ'' – von Ichbildungen, Ich-Anmaßungen; Instrumental Plural; vor jyotir im Sandhi ahaṅkārair; ''jyotiḥ'' – Licht; vor aham im Sandhi jyotir; ''aham'' – ich; ''virajāḥ'' – frei von Staub, Trübung oder Leidenschaft; Sandhi virajā; ''vipāpmā'' – frei von Schuld und Übel; ''bhūyāsam'' – möge ich sein oder werden; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''Textkritischer Hinweis:''' Der Sanskrittext nennt kein Prädikat, das den Instrumental ahaṅkāraiḥ regiert. Die traditionelle Erklärung ergänzt vimuktaḥ, „befreit“. Diese Ergänzung ist in der Übersetzung sichtbar markiert.
'''66.5 – Reinigung des Selbst'''<br>
ātmā me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 66.5 ||<br>
'''Übersetzung:''' Mein Selbst möge rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''ātmā'' – Selbst; in diesem Ritualzusammenhang auch die leibliche Person; ''me'' – mein; ''śudhyantām'' – mögen rein werden; überlieferter Plural bei einem Subjekt im Singular; ''jyotiḥ'' – Licht; vor aham im Sandhi jyotir; ''aham'' – ich; ''virajāḥ'' – frei von Staub, Trübung oder Leidenschaft; Sandhi virajā; ''vipāpmā'' – frei von Schuld und Übel; ''bhūyāsam'' – möge ich sein oder werden; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''66.6 – Reinigung des inneren Selbst'''<br>
antarātmā me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 66.6 ||<br>
'''Übersetzung:''' Mein inneres Selbst möge rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''antarātmā'' – inneres Selbst: antar, innen; ātman, Selbst; ''me'' – mein; ''śudhyantām'' – mögen rein werden; überlieferter Plural bei einem Subjekt im Singular; ''jyotiḥ'' – Licht; vor aham im Sandhi jyotir; ''aham'' – ich; ''virajāḥ'' – frei von Staub, Trübung oder Leidenschaft; Sandhi virajā; ''vipāpmā'' – frei von Schuld und Übel; ''bhūyāsam'' – möge ich sein oder werden; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''66.7 – Reinigung des höchsten Selbst'''<br>
paramātmā me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 66.7 ||<br>
'''Übersetzung:''' Mein höchstes Selbst möge rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''paramātmā'' – höchstes Selbst: parama, höchstes; ātman, Selbst; ''me'' – mein; ''śudhyantām'' – mögen rein werden; überlieferter Plural bei einem Subjekt im Singular; ''jyotiḥ'' – Licht; vor aham im Sandhi jyotir; ''aham'' – ich; ''virajāḥ'' – frei von Staub, Trübung oder Leidenschaft; Sandhi virajā; ''vipāpmā'' – frei von Schuld und Übel; ''bhūyāsam'' – möge ich sein oder werden; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die Verbform steht im Plural, obwohl ātmā und seine Zusammensetzungen im Singular stehen. Die Übersetzung richtet sich nach dem Subjekt. Die Bitte um Reinigung des höchsten Selbst bezieht die traditionelle Auslegung auf die Beseitigung der Verkennung dieses Selbst, nicht auf eine Verunreinigung seiner Natur.
'''66.8.1 – Gabe an den Hunger'''<br>
kṣudhe svāhā || 66.8.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Dem Hunger: Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''kṣudhe'' – dem Hunger; Dativ von kṣudh; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''66.8.2 – Gabe an Hunger und Durst'''<br>
kṣutpipāsāya svāhā || 66.8.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' Hunger und Durst: Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''kṣut-pipāsāya'' – dem Hunger und Durst; zusammengenommene rituelle Macht: kṣudh, Hunger; pipāsā, Durst; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''66.8.3 – Gabe an die alldurchdringende Macht'''<br>
vividdhyai svāhā || 66.8.3 ||<br>
'''Übersetzung:''' Der alldurchdringenden Macht: Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''vividdhyai'' – schwierige göttliche Bezeichnung; traditionell auf die alles durchdringende Wirklichkeit bezogen; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''Textkritischer Hinweis:''' Der Druck bietet vividdhyai; SanskritDocuments hat viviṭyai. Die traditionelle Deutung erklärt die Anrufung durch das allgegenwärtige Brahman. Die genaue Wortbildung bleibt unsicher.
'''66.8.4 – Gabe an den Ordner der Rigverse'''<br>
ṛgvidhānāya svāhā || 66.8.4 ||<br>
'''Übersetzung:''' Dem Ordner der Rigverse: Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''ṛg-vidhānāya'' – dem Ordner oder Schöpfer der Rigverse: ṛc, Rigvers; vidhāna, Anordnung oder Hervorbringen; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''66.8.5 – Gabe an Kashotka'''<br>
kaṣotkāya svāhā || 66.8.5 ||<br>
'''Übersetzung:''' Kashotka: Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''kaṣotkāya'' – dem als Kaṣotka angerufenen Göttlichen; seltene und unterschiedlich erklärte Bezeichnung; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die überlieferte Bezeichnung kaṣotka wird unterschiedlich etymologisiert; eine Variante lautet ghaṣotka. Der Artikel erhält den Namen und stellt keine unsichere Wortzerlegung als gesichert dar.
'''66.8.6 – Gabe mit Om'''<br>
oṃ svāhā || 66.8.6 ||<br>
'''Übersetzung:''' Om. Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''oṃ'' – Om, heilige Silbe; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''66.9 – Abwendung von Mangel und Unglück'''<br>
kṣutpipāsāmalaṃ jyeṣṭhāmalakṣmīrnāśayāmyaham | abhūtimasamṛddhiṃ ca sarvānnirṇuda me pāpmānaṃ svāhā || 66.9 ||<br>
'''Übersetzung:''' Ich vertreibe die Unreinheit von Hunger und Durst, Jyestha und Alakshmi, Mangel und mangelndes Gedeihen. Vertreibe all mein Übel und meine Schuld. Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''kṣut-pipāsā-malam'' – Unreinheit von Hunger und Durst: kṣudh, Hunger; pipāsā, Durst; mala, Unreinheit; ''jyeṣṭhām'' – die Älteste; Jyestha, Name einer Unglücksmacht; ''alakṣmīḥ'' – Unglück, Alakshmi; überlieferte Form in einer sonst akkusativischen Reihe; ''nāśayāmi'' – ich vertreibe, lasse verschwinden; ''aham'' – ich; ''abhūtim'' – Mangel, Nichtgedeihen; ''asamṛddhim'' – fehlenden Wohlstand, mangelndes Gedeihen; ''ca'' – und; ''sarvān'' – alle; Plural, mit unausgesprochenen Übeln verbunden; ''nirṇuda'' – treibe hinaus, vertreibe; ''me'' – mein, von mir; ''pāpmānam'' – Schuld, Übel; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''Textkritischer Hinweis:''' Das in der elektronischen Fassung verdoppelte la in alalakṣmīr wird nach dem Druck berichtigt. Die Kasus- und Numeruswechsel des überlieferten Textes bleiben in der Worterklärung sichtbar.
'''66.10 – Reinigung der fünf Hüllen'''<br>
annamayaprāṇamayamanomayavijñānamayamānandamayamātmā me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 66.10 ||<br>
'''Übersetzung:''' Mein aus Nahrung, Prana, Geist, Erkenntnis und Glückseligkeit bestehendes Selbst möge rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''anna-maya'' – aus Nahrung bestehend: anna, Nahrung; maya, daraus bestehend; ''prāṇa-maya'' – aus Lebenskraft bestehend; ''mano-maya'' – aus Geist bestehend; ''vijñāna-maya'' – aus unterscheidender Erkenntnis bestehend; ''ānanda-mayam'' – aus Glückseligkeit bestehend; ''ātmā'' – Selbst; ''me'' – mein; ''śudhyantām'' – mögen rein werden; überlieferter Plural; ''jyotiḥ'' – Licht; vor aham im Sandhi jyotir; ''aham'' – ich; ''virajāḥ'' – frei von Staub, Trübung oder Leidenschaft; Sandhi virajā; ''vipāpmā'' – frei von Schuld und Übel; ''bhūyāsam'' – möge ich sein oder werden; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die Wortfolge bezeichnet die fünf Hüllen oder Schichten des Selbst. Die überlieferte Verbindung von Kompositum, ātmā und Pluralverb ist grammatisch uneben; die Übersetzung gibt die gemeinsame Reinigungsbitte wieder.
'''67.1.1 – Agni'''<br>
agnaye svāhā || 67.1.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Dem Agni: Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''agnaye'' – dem Agni, dem Feuer; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''Textkritischer Hinweis:''' Der im Druck als 67.1 gezählte Absatz enthält 36 kurze Opferformeln. Sie werden hier einzeln als 67.1.1–67.1.36 erläutert; diese dreiteilige Zählung ist redaktionell.
'''67.1.2 – Alle Götter'''<br>
viśvebhyo devebhyaḥ svāhā || 67.1.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' Allen Göttern: Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''viśvebhyaḥ'' – allen; ''devebhyaḥ'' – Göttern; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''67.1.3 – Beständige Fülle'''<br>
dhruvāya bhūmāya svāhā || 67.1.3 ||<br>
'''Übersetzung:''' Der beständigen Fülle: Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''dhruvāya'' – dem Beständigen, Festen; ''bhūmāya'' – der Fülle, dem Weiten; als göttliche Bezeichnung gebraucht; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''67.1.4 – Fester Grund'''<br>
dhruvakṣitaye svāhā || 67.1.4 ||<br>
'''Übersetzung:''' Dem festen Grund: Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''dhruva-kṣitaye'' – dem festen Grund oder Wohnsitz: dhruva, fest; kṣiti, Grund, Wohnstätte; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''67.1.5 – Unerschütterliche Wohnstätte'''<br>
acyutakṣitaye svāhā || 67.1.5 ||<br>
'''Übersetzung:''' Der unerschütterlichen Wohnstätte: Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''acyuta-kṣitaye'' – der unerschütterlichen Wohnstätte: acyuta, nicht fallend; kṣiti, Wohnstätte; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''67.1.6 – Agni Svishtakrit'''<br>
agnaye sviṣṭakṛte svāhā || 67.1.6 ||<br>
'''Übersetzung:''' Agni, der das Opfer recht vollendet: Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''agnaye'' – dem Agni; ''sviṣṭa-kṛte'' – dem das wohl dargebrachte Opfer Vollendenden: su-iṣṭa, gut geopfert; kṛt, machend; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''67.1.7 – Dharma'''<br>
dharmāya svāhā || 67.1.7 ||<br>
'''Übersetzung:''' Dem Dharma: Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''dharmāya'' – dem Dharma, der tragenden Ordnung; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''67.1.8 – Adharma'''<br>
adharmāya svāhā || 67.1.8 ||<br>
'''Übersetzung:''' Dem Adharma: Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''adharmāya'' – dem Adharma, der Unordnung; a, nicht; dharma, Ordnung; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''67.1.9 – Die Wasser'''<br>
adbhyaḥ svāhā || 67.1.9 ||<br>
'''Übersetzung:''' Den Wassern: Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''adbhyaḥ'' – den Wassern; Dativ Plural von ap; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''67.1.10 – Kräuter und Bäume'''<br>
oṣadhivanaspatibhyaḥ svāhā || 67.1.10 ||<br>
'''Übersetzung:''' Den Kräutern und Bäumen: Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''oṣadhi-vanaspatibhyaḥ'' – den Kräutern und Bäumen: oṣadhi, Kraut; vanaspati, Baum, Herr des Waldes; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''67.1.11 – Rakshasas und göttliche Wesen'''<br>
rakṣodevajanebhyaḥ svāhā || 67.1.11 ||<br>
'''Übersetzung:''' Den Rakshasas und den göttlichen Wesen: Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''rakṣo-devajanebhyaḥ'' – den Rakshasas und den göttlichen Wesen: rakṣas, Rakshasa; deva-jana, Göttervolk; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''67.1.12 – Hausgottheiten'''<br>
gṛhyābhyaḥ svāhā || 67.1.12 ||<br>
'''Übersetzung:''' Den Hausgottheiten: Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''gṛhyābhyaḥ'' – den zum Haus gehörigen Mächten; weiblicher Dativ Plural; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''67.1.13 – Wohnstätten'''<br>
avasānebhyaḥ svāhā || 67.1.13 ||<br>
'''Übersetzung:''' Den Wohnstätten: Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''avasānebhyaḥ'' – den Wohn- oder Raststätten; im Ritual auf ihre Mächte bezogen; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''67.1.14 – Herren der Wohnstätten'''<br>
avasānapatibhyaḥ svāhā || 67.1.14 ||<br>
'''Übersetzung:''' Den Herren der Wohnstätten: Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''avasāna-patibhyaḥ'' – den Herren der Wohnstätten: avasāna, Wohnstätte; pati, Herr; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''67.1.15 – Alle Wesen'''<br>
sarvabhūtebhyaḥ svāhā || 67.1.15 ||<br>
'''Übersetzung:''' Allen Wesen: Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''sarva-bhūtebhyaḥ'' – allen Wesen: sarva, alle; bhūta, Wesen; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''67.1.16 – Kama'''<br>
kāmāya svāhā || 67.1.16 ||<br>
'''Übersetzung:''' Dem Kama: Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''kāmāya'' – dem Kama, dem Begehren; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''67.1.17 – Der Zwischenraum'''<br>
antarikṣāya svāhā || 67.1.17 ||<br>
'''Übersetzung:''' Dem Zwischenraum: Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''antarikṣāya'' – dem Luftraum, der mittleren Welt; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''67.1.18 – Die namenhafte Wirklichkeit'''<br>
yadejati jagati yacca ceṣṭati nāmno bhāgo’yaṃ nāmne svāhā || 67.1.18 ||<br>
'''Übersetzung:''' Was sich in der Welt bewegt und was tätig ist: Dieser Anteil gehört dem Namen. Dem Namen: Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yat'' – was; ''ejati'' – sich bewegt, bebt; ''jagati'' – in der Welt; ''yat'' – was; ''ca'' – und; ''ceṣṭati'' – tätig ist, sich regt; ''nāmnaḥ'' – des Namens; Sandhi nāmno; ''bhāgaḥ'' – Anteil, Opferanteil; ''ayam'' – dieser; ''nāmne'' – dem Namen; Dativ von nāman; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''Textkritischer Hinweis:''' Die Formel nennt ausdrücklich nāman, „Name“. Die traditionelle Deutung bezieht den Namen auf die göttliche Wirklichkeit, die in bewegten und tätigen Wesen erscheint. Die Übersetzung ersetzt das überlieferte Wort nicht durch einen ungenannten Gottesnamen.
'''67.1.19 – Die Erde'''<br>
pṛthivyai svāhā || 67.1.19 ||<br>
'''Übersetzung:''' Der Erde: Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''pṛthivyai'' – der Erde; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''67.1.20 – Der Luftraum'''<br>
antarikṣāya svāhā || 67.1.20 ||<br>
'''Übersetzung:''' Dem Luftraum: Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''antarikṣāya'' – dem Luftraum; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''67.1.21 – Der Himmel'''<br>
dive svāhā || 67.1.21 ||<br>
'''Übersetzung:''' Dem Himmel: Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''dive'' – dem Himmel; Dativ von div; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''67.1.22 – Surya'''<br>
sūryāya svāhā || 67.1.22 ||<br>
'''Übersetzung:''' Dem Surya: Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''sūryāya'' – dem Surya, der Sonne; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''67.1.23 – Der Mond'''<br>
candramase svāhā || 67.1.23 ||<br>
'''Übersetzung:''' Dem Mond: Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''candramase'' – dem Mond; Dativ von candramas; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''67.1.24 – Die Gestirne'''<br>
nakṣatrebhyaḥ svāhā || 67.1.24 ||<br>
'''Übersetzung:''' Den Gestirnen: Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''nakṣatrebhyaḥ'' – den Sternen, Gestirnen oder Mondhäusern; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''67.1.25 – Indra'''<br>
indrāya svāhā || 67.1.25 ||<br>
'''Übersetzung:''' Dem Indra: Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''indrāya'' – dem Indra; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''67.1.26 – Brihaspati'''<br>
bṛhaspataye svāhā || 67.1.26 ||<br>
'''Übersetzung:''' Dem Brihaspati: Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''bṛhaspataye'' – dem Brihaspati, Herrn der heiligen Rede; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''67.1.27 – Prajapati'''<br>
prajāpataye svāhā || 67.1.27 ||<br>
'''Übersetzung:''' Dem Prajapati: Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''prajāpataye'' – dem Prajapati, Herrn der Geschöpfe; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''67.1.28 – Brahman'''<br>
brahmaṇe svāhā || 67.1.28 ||<br>
'''Übersetzung:''' Dem Brahman: Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''brahmaṇe'' – dem Brahman, dem heiligen Wissen oder der höchsten Wirklichkeit; im rituellen Zusammenhang auch auf Brahmā bezogen; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''67.1.29 – Die Ahnen'''<br>
svadhā pitṛbhyaḥ svāhā || 67.1.29 ||<br>
'''Übersetzung:''' Svadha den Ahnen. Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''svadhā'' – Svadha, Ruf und Gabe für die Ahnen; ''pitṛbhyaḥ'' – den Vätern, den Ahnen; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''67.1.30 – Rudra Pashupati'''<br>
namo rudrāya paśupataye svāhā || 67.1.30 ||<br>
'''Übersetzung:''' Verehrung dem Rudra, dem Herrn der Wesen. Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''namaḥ'' – Verehrung; ''rudrāya'' – dem Rudra; ''paśu-pataye'' – dem Herrn der Tiere oder gebundenen Wesen: paśu, Tier/Wesen; pati, Herr; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''67.1.31 – Erneute Gabe an die Götter'''<br>
devebhyaḥ svāhā || 67.1.31 ||<br>
'''Übersetzung:''' Den Göttern: Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''devebhyaḥ'' – den Göttern; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''67.1.32 – Svadha für die Ahnen'''<br>
pitṛbhyaḥ svadhāstu || 67.1.32 ||<br>
'''Übersetzung:''' Den Ahnen sei Svadha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''pitṛbhyaḥ'' – den Ahnen; ''svadhā'' – Svadha, Ahnengabe; ''astu'' – möge sein.
'''67.1.33 – Verehrung der Wesen'''<br>
bhūtebhyo namaḥ || 67.1.33 ||<br>
'''Übersetzung:''' Den Wesen: Verehrung!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''bhūtebhyaḥ'' – den Wesen; ''namaḥ'' – Verehrung.
'''67.1.34 – Gabe für die Menschen'''<br>
manuṣyebhyo hanta || 67.1.34 ||<br>
'''Übersetzung:''' Den Menschen: Nehmt hin!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''manuṣyebhyaḥ'' – den Menschen; ''hanta'' – hier, wohlan, nehmt hin; Ausruf beim Darreichen.
'''Textkritischer Hinweis:''' Der Druck hat hanta. Das zusätzliche lange ā der elektronischen Fassung wird nicht übernommen.
'''67.1.35 – Erneute Gabe an Prajapati'''<br>
prajāpataye svāhā || 67.1.35 ||<br>
'''Übersetzung:''' Dem Prajapati: Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''prajāpataye'' – dem Prajapati; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''67.1.36 – Parameshthin'''<br>
parameṣṭhine svāhā || 67.1.36 ||<br>
'''Übersetzung:''' Dem Parameshthin: Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''parameṣṭhine'' – dem im Höchsten Verweilenden; göttliche Bezeichnung Parameshthin; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''67.2.1 – Der unversiegende Vorrat'''<br>
yathā kūpaḥ śatadhāraḥ sahasradhāro akṣitaḥ | evā me astu dhānyaṃ sahasradhāramakṣitam || 67.2.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Wie ein Brunnen hundert Ströme und tausend Ströme hat und unerschöpft bleibt, so sei mein Getreidevorrat tausendfach strömend und unerschöpflich.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yathā'' – wie; ''kūpaḥ'' – Brunnen; ''śata-dhāraḥ'' – hundert Ströme führend: śata, hundert; dhārā, Strom; ''sahasra-dhāraḥ'' – tausend Ströme führend: sahasra, tausend; ''akṣitaḥ'' – unerschöpft, unvermindert; ''evā'' – ebenso; vedische Form; ''me'' – mein; ''astu'' – möge sein; ''dhānyam'' – Getreide, Getreidevorrat; ''sahasra-dhāram'' – tausend Ströme führend; ''akṣitam'' – unerschöpflich.
'''67.2.2 – Dhanadhani'''<br>
dhanadhānyai svāhā || 67.2.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' Dhanadhani, der Geberin von Reichtum und Nahrung: Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''dhana-dhānyai'' – der als Dhanadhani angerufenen Macht von Reichtum und Nahrung; überlieferte Dativform; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''Textkritischer Hinweis:''' Der Vers 67.2 endet mit einer kurzen Anrufung, die hier gesondert erklärt wird. Die traditionelle Deutung nennt Dhanadhani als Nahrung spendende Gottheit.
'''67.3 – Bali-Gabe an die umherziehenden Wesen'''<br>
ye bhūtāḥ pracaranti divānaktaṃ balimicchanto vitudasya preṣyāḥ | tebhyo baliṃ puṣṭikāmo harāmi mayi puṣṭiṃ puṣṭipatirdadhātu svāhā || 67.3 ||<br>
'''Übersetzung:''' Den Wesen, die Tag und Nacht umherziehen, nach einer Gabe verlangen und Boten des Vitudas sind, bringe ich, Gedeihen ersehnend, die Bali-Gabe dar. Möge der Herr des Gedeihens mir Gedeihen verleihen. Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''ye'' – welche; ''bhūtāḥ'' – Wesen, Geister; ''pracaranti'' – umherziehen; ''divā-naktam'' – bei Tag und Nacht; ''balim'' – Bali-Gabe, Speiseanteil; ''icchantaḥ'' – verlangend, wünschend; ''vitudasya'' – des Vitudas, des Verletzenden oder Stechenden; göttliche Bezeichnung; ''preṣyāḥ'' – Boten, Diener; ''tebhyaḥ'' – ihnen, für sie; ''balim'' – Bali-Gabe; ''puṣṭi-kāmaḥ'' – Gedeihen ersehnend: puṣṭi, Gedeihen; kāma, wünschend; ''harāmi'' – ich bringe, trage dar; ''mayi'' – in mir, mir; ''puṣṭim'' – Gedeihen, Nahrungskraft; ''puṣṭi-patiḥ'' – Herr des Gedeihens; ''dadhātu'' – möge setzen, verleihen; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''Textkritischer Hinweis:''' Vitudas wird in der traditionellen Deutung mit Rudra verbunden. Bali bezeichnet hier eine rituelle Gabe, besonders einen abgelegten Speiseanteil.
'''68.1 – Om und die umfassende Wirklichkeit'''<br>
oṃ tad brahma | oṃ tad vāyuḥ | oṃ tad ātmā | oṃ tat satyam | oṃ tat sarvam | oṃ tat puror namaḥ || 68.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Om, das ist Brahman. Om, das ist Vayu. Om, das ist Atman. Om, das ist Wahrheit. Om, das ist alles. Om, jenes – dem Großen sei Verneigung.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''oṃ'' – Om, die heilige Silbe; ''tat'' – das, jenes; ''brahma'' – Brahman, die umfassende Wirklichkeit; ''oṃ'' – Om; ''tat'' – das; ''vāyuḥ'' – Vayu, Wind oder Lebenshauch; ''oṃ'' – Om; ''tat'' – das; ''ātmā'' – Atman, das Selbst; ''oṃ'' – Om; ''tat'' – das; ''satyam'' – Wahrheit, Wirklichkeit; ''oṃ'' – Om; ''tat'' – das; ''sarvam'' – alles; ''oṃ'' – Om; ''tat'' – jenes; ''puroḥ'' – des Großen oder Vielfältigen; schwierige Form, hier entsprechend einer überlieferten Deutung von puru verstanden; ''namaḥ'' – Verneigung, Ehrerbietung.
'''Erläuterung:''' Die letzte Formel ist unterschiedlich überliefert und erklärt. Neben ''puror namaḥ'' steht ''puro namaḥ''; bei dieser Lesung kann ''puraḥ'' die ‚Städte‘, sinnbildlich die Körper, bezeichnen. Die Übersetzung benennt ihre gewählte Deutung, ohne sie als einzig mögliche auszugeben.
'''68.2 – Die Gegenwart in allen Gestalten'''<br>
oṃ antaś carati bhūteṣu guhāyāṃ viśvamūrtiṣu | tvaṃ yajñas tvaṃ vaṣaṭkāras tvam indras tvaṃ rudras tvaṃ viṣṇus tvaṃ brahma tvaṃ prajāpatiḥ | tvaṃ tad āpa āpo jyotī raso ’mṛtaṃ brahma bhūr bhuvaḥ suvar oṃ || 68.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' Om. Im Inneren der Wesen, in der Höhle ihrer vielfältigen Gestalten, bewegt sich das Göttliche. Du bist das Opfer, du der Vashat-Ruf, du Indra, du Rudra, du Vishnu, du Brahman, du Prajapati. Du bist jenes, das Wasser. Wasser, Licht, Lebenssaft, Unsterbliches, Brahman; Erde, Zwischenraum und Himmel – Om.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''oṃ'' – Om; ''antaḥ'' – im Inneren; ''carati'' – es bewegt sich, ist tätig; ''bhūteṣu'' – in den Wesen; ''guhāyām'' – in der Höhle, im verborgenen Inneren; ''viśva-mūrtiṣu'' – in allen Gestalten oder in den vielgestaltigen Wesen: viśva, alle; mūrti, Gestalt; ''tvam'' – du; ''yajñaḥ'' – Opfer; ''tvam'' – du; ''vaṣaṭ-kāraḥ'' – der Opferausruf vaṣaṭ; kāra, Hervorbringen oder Aussprechen; ''tvam'' – du; ''indraḥ'' – Indra; ''tvam'' – du; ''rudraḥ'' – Rudra; ''tvam'' – du; ''viṣṇuḥ'' – Vishnu; ''tvam'' – du; ''brahma'' – Brahman; im Zusammenhang auch auf Brahma bezogen gedeutet; ''tvam'' – du; ''prajā-patiḥ'' – Prajapati, Herr der Geschöpfe; ''tvam'' – du; ''tat'' – jenes; ''āpaḥ'' – Wasser, die Wasser; ''āpaḥ'' – Wasser, erneute Nennung; ''jyotiḥ'' – Licht; Textform jyotī; ''rasaḥ'' – Saft, Geschmack, Lebensessenz; ''amṛtam'' – das Unsterbliche, Nektar; ''brahma'' – Brahman; ''bhūḥ'' – Erde, Erdenwelt; ''bhuvaḥ'' – Zwischenraum, mittlere Welt; ''suvaḥ'' – Himmel, Lichtwelt; hier suvar vor oṃ; ''oṃ'' – Om.
'''69.1.1 – Gabe an Prana'''<br>
śraddhāyāṃ prāṇe niviṣṭo ’mṛtaṃ juhomi || 69.1.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Im Vertrauen verankert bringe ich dem Prana das Unsterbliche als Opfer dar.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''śraddhāyām'' – im Vertrauen, in gläubiger Hinwendung; ''prāṇe'' – im Prana, die einströmende oder nach vorn gerichtete Lebenskraft; als Ort des inneren Opfers; ''niviṣṭaḥ'' – eingekehrt, verankert, niedergelassen; ''amṛtam'' – das Unsterbliche, die als Nektar betrachtete Nahrung; ''juhomi'' – ich opfere, bringe dar.
'''69.1.2 – Gabe an Apana'''<br>
śraddhāyāṃ apāne niviṣṭo ’mṛtaṃ juhomi || 69.1.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' Im Vertrauen verankert bringe ich dem Apana das Unsterbliche als Opfer dar.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''śraddhāyām'' – im Vertrauen, in gläubiger Hinwendung; ''apāne'' – im Apana, die abwärts gerichtete Lebenskraft; als Ort des inneren Opfers; ''niviṣṭaḥ'' – eingekehrt, verankert, niedergelassen; ''amṛtam'' – das Unsterbliche, die als Nektar betrachtete Nahrung; ''juhomi'' – ich opfere, bringe dar.
'''69.1.3 – Gabe an Vyana'''<br>
śraddhāyāṃ vyāne niviṣṭo ’mṛtaṃ juhomi || 69.1.3 ||<br>
'''Übersetzung:''' Im Vertrauen verankert bringe ich dem Vyana das Unsterbliche als Opfer dar.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''śraddhāyām'' – im Vertrauen, in gläubiger Hinwendung; ''vyāne'' – im Vyana, die im Körper sich verteilende Lebenskraft; als Ort des inneren Opfers; ''niviṣṭaḥ'' – eingekehrt, verankert, niedergelassen; ''amṛtam'' – das Unsterbliche, die als Nektar betrachtete Nahrung; ''juhomi'' – ich opfere, bringe dar.
'''69.1.4 – Gabe an Udana'''<br>
śraddhāyāṃ udāne niviṣṭo ’mṛtaṃ juhomi || 69.1.4 ||<br>
'''Übersetzung:''' Im Vertrauen verankert bringe ich dem Udana das Unsterbliche als Opfer dar.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''śraddhāyām'' – im Vertrauen, in gläubiger Hinwendung; ''udāne'' – im Udana, die aufwärts gerichtete Lebenskraft; als Ort des inneren Opfers; ''niviṣṭaḥ'' – eingekehrt, verankert, niedergelassen; ''amṛtam'' – das Unsterbliche, die als Nektar betrachtete Nahrung; ''juhomi'' – ich opfere, bringe dar.
'''69.1.5 – Gabe an Samana'''<br>
śraddhāyāṃ samāne niviṣṭo ’mṛtaṃ juhomi || 69.1.5 ||<br>
'''Übersetzung:''' Im Vertrauen verankert bringe ich dem Samana das Unsterbliche als Opfer dar.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''śraddhāyām'' – im Vertrauen, in gläubiger Hinwendung; ''samāne'' – im Samana, die ausgleichende Lebenskraft; als Ort des inneren Opfers; ''niviṣṭaḥ'' – eingekehrt, verankert, niedergelassen; ''amṛtam'' – das Unsterbliche, die als Nektar betrachtete Nahrung; ''juhomi'' – ich opfere, bringe dar.
'''69.1.6 – Das Selbst in Brahman'''<br>
brahmaṇi ma ātmāmṛtatvāya || 69.1.6 ||<br>
'''Übersetzung:''' Mein Selbst sei in Brahman gegründet, zur Unsterblichkeit.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''brahmaṇi'' – in Brahman; ''me'' – mein; vedische Textform ma; ''ātmā'' – Selbst; ''amṛtatvāya'' – zur Unsterblichkeit; amṛta, unsterblich; tva, Zustand oder Wesenheit.
'''Erläuterung:''' Das Sanskrit ist ein Nominalsatz. „Sei gegründet“ ergänzt die in der Bitte vorausgesetzte Verbindung.
'''69.2 – Die Unterlage der Gabe'''<br>
amṛtopastaraṇam asi || 69.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' Du bist die Unterlage für das Unsterbliche.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''amṛta-upastaraṇam'' – Unterlage des Unsterblichen: amṛta, Unsterbliches oder Nektar; upastaraṇa, Unterlage, Ausbreitung; ''asi'' – du bist.
'''69.3.1 – Erweiterte Gabe an Prana'''<br>
śraddhāyāṃ prāṇe niviṣṭo ’mṛtaṃ juhomi | śivo mā viśāpradāhāya | prāṇāya svāhā || 69.3.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Im Vertrauen verankert bringe ich dem Prana das Unsterbliche als Opfer dar. Tritt heilvoll in mich ein, damit ich nicht verzehrt werde. Dem Prana: Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''śraddhāyām'' – im Vertrauen, in gläubiger Hinwendung; ''prāṇe'' – im Prana, die einströmende oder nach vorn gerichtete Lebenskraft; ''niviṣṭaḥ'' – verankert, eingekehrt; ''amṛtam'' – das Unsterbliche, die als Nektar betrachtete Nahrung; ''juhomi'' – ich opfere; ''śivaḥ'' – heilvoll, freundlich; ''mā'' – mich, in mich; ''viśa'' – tritt ein; Imperativ von viś; ''a-pradāhāya'' – zum Nichtverbranntwerden, gegen das Verzehrtwerden: a, nicht; pra-dāha, Verbrennen; im Zusammenhang auf den Hunger bezogen; ''prāṇāya'' – dem Prana, für Prana; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''69.3.2 – Erweiterte Gabe an Apana'''<br>
śraddhāyāṃ apāne niviṣṭo ’mṛtaṃ juhomi | śivo mā viśāpradāhāya | apānāya svāhā || 69.3.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' Im Vertrauen verankert bringe ich dem Apana das Unsterbliche als Opfer dar. Tritt heilvoll in mich ein, damit ich nicht verzehrt werde. Dem Apana: Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''śraddhāyām'' – im Vertrauen, in gläubiger Hinwendung; ''apāne'' – im Apana, die abwärts gerichtete Lebenskraft; ''niviṣṭaḥ'' – verankert, eingekehrt; ''amṛtam'' – das Unsterbliche, die als Nektar betrachtete Nahrung; ''juhomi'' – ich opfere; ''śivaḥ'' – heilvoll, freundlich; ''mā'' – mich, in mich; ''viśa'' – tritt ein; Imperativ von viś; ''a-pradāhāya'' – zum Nichtverbranntwerden, gegen das Verzehrtwerden: a, nicht; pra-dāha, Verbrennen; im Zusammenhang auf den Hunger bezogen; ''apānāya'' – dem Apana, für Apana; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''69.3.3 – Erweiterte Gabe an Vyana'''<br>
śraddhāyāṃ vyāne niviṣṭo ’mṛtaṃ juhomi | śivo mā viśāpradāhāya | vyānāya svāhā || 69.3.3 ||<br>
'''Übersetzung:''' Im Vertrauen verankert bringe ich dem Vyana das Unsterbliche als Opfer dar. Tritt heilvoll in mich ein, damit ich nicht verzehrt werde. Dem Vyana: Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''śraddhāyām'' – im Vertrauen, in gläubiger Hinwendung; ''vyāne'' – im Vyana, die im Körper sich verteilende Lebenskraft; ''niviṣṭaḥ'' – verankert, eingekehrt; ''amṛtam'' – das Unsterbliche, die als Nektar betrachtete Nahrung; ''juhomi'' – ich opfere; ''śivaḥ'' – heilvoll, freundlich; ''mā'' – mich, in mich; ''viśa'' – tritt ein; Imperativ von viś; ''a-pradāhāya'' – zum Nichtverbranntwerden, gegen das Verzehrtwerden: a, nicht; pra-dāha, Verbrennen; im Zusammenhang auf den Hunger bezogen; ''vyānāya'' – dem Vyana, für Vyana; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''69.3.4 – Erweiterte Gabe an Udana'''<br>
śraddhāyāṃ udāne niviṣṭo ’mṛtaṃ juhomi | śivo mā viśāpradāhāya | udānāya svāhā || 69.3.4 ||<br>
'''Übersetzung:''' Im Vertrauen verankert bringe ich dem Udana das Unsterbliche als Opfer dar. Tritt heilvoll in mich ein, damit ich nicht verzehrt werde. Dem Udana: Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''śraddhāyām'' – im Vertrauen, in gläubiger Hinwendung; ''udāne'' – im Udana, die aufwärts gerichtete Lebenskraft; ''niviṣṭaḥ'' – verankert, eingekehrt; ''amṛtam'' – das Unsterbliche, die als Nektar betrachtete Nahrung; ''juhomi'' – ich opfere; ''śivaḥ'' – heilvoll, freundlich; ''mā'' – mich, in mich; ''viśa'' – tritt ein; Imperativ von viś; ''a-pradāhāya'' – zum Nichtverbranntwerden, gegen das Verzehrtwerden: a, nicht; pra-dāha, Verbrennen; im Zusammenhang auf den Hunger bezogen; ''udānāya'' – dem Udana, für Udana; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''69.3.5 – Erweiterte Gabe an Samana'''<br>
śraddhāyāṃ samāne niviṣṭo ’mṛtaṃ juhomi | śivo mā viśāpradāhāya | samānāya svāhā || 69.3.5 ||<br>
'''Übersetzung:''' Im Vertrauen verankert bringe ich dem Samana das Unsterbliche als Opfer dar. Tritt heilvoll in mich ein, damit ich nicht verzehrt werde. Dem Samana: Svaha!
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''śraddhāyām'' – im Vertrauen, in gläubiger Hinwendung; ''samāne'' – im Samana, die ausgleichende Lebenskraft; ''niviṣṭaḥ'' – verankert, eingekehrt; ''amṛtam'' – das Unsterbliche, die als Nektar betrachtete Nahrung; ''juhomi'' – ich opfere; ''śivaḥ'' – heilvoll, freundlich; ''mā'' – mich, in mich; ''viśa'' – tritt ein; Imperativ von viś; ''a-pradāhāya'' – zum Nichtverbranntwerden, gegen das Verzehrtwerden: a, nicht; pra-dāha, Verbrennen; im Zusammenhang auf den Hunger bezogen; ''samānāya'' – dem Samana, für Samana; ''svāhā'' – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.
'''69.3.6 – Erneute Bitte um Unsterblichkeit'''<br>
brahmaṇi ma ātmāmṛtatvāya || 69.3.6 ||<br>
'''Übersetzung:''' Mein Selbst sei in Brahman gegründet, zur Unsterblichkeit.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''brahmaṇi'' – in Brahman; ''me'' – mein; Textform ma; ''ātmā'' – Selbst; ''amṛtatvāya'' – zur Unsterblichkeit.
'''69.4 – Die schützende Bedeckung'''<br>
amṛtāpidhānam asi || 69.4 ||<br>
'''Übersetzung:''' Du bist die Bedeckung für das Unsterbliche.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''amṛta-apidhānam'' – Bedeckung des Unsterblichen: amṛta, Unsterbliches oder Nektar; apidhāna, Bedeckung, Deckel; ''asi'' – du bist.
'''70.1.1 – Stärkung von Prana'''<br>
śraddhāyāṃ prāṇe niviśyāmṛtaṃ hutam | prāṇam annenāpyāyasva || 70.1.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Im Vertrauen in Prana eingekehrt, habe ich das Unsterbliche geopfert. Stärke Prana durch diese Nahrung.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''śraddhāyām'' – im Vertrauen; ''prāṇe'' – in Prana, die einströmende oder nach vorn gerichtete Lebenskraft; ''niviśya'' – eingetreten, sich niedergelassen habend; ''amṛtam'' – das Unsterbliche, die als Nektar betrachtete Nahrung; ''hutam'' – geopfert, dargebracht; Partizip von hu; ''prāṇam'' – Prana, als Objekt der Stärkung; ''annena'' – durch Nahrung; ''āpyāyasva'' – stärke, erfülle mit Kraft, lass zunehmen; hier mit dem davorstehenden Akkusativ auf die jeweilige Lebenskraft bezogen.
'''Erläuterung:''' Die wörtliche Aussage lautet „das Unsterbliche ist geopfert“, wobei der Opfernde aus dem Zusammenhang ergänzt wird.
'''70.1.2 – Stärkung von Apana'''<br>
śraddhāyāṃ apāne niviśyāmṛtaṃ hutam | apānam annenāpyāyasva || 70.1.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' Im Vertrauen in Apana eingekehrt, habe ich das Unsterbliche geopfert. Stärke Apana durch diese Nahrung.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''śraddhāyām'' – im Vertrauen; ''apāne'' – in Apana, die abwärts gerichtete Lebenskraft; ''niviśya'' – eingetreten, sich niedergelassen habend; ''amṛtam'' – das Unsterbliche, die als Nektar betrachtete Nahrung; ''hutam'' – geopfert, dargebracht; Partizip von hu; ''apānam'' – Apana, als Objekt der Stärkung; ''annena'' – durch Nahrung; ''āpyāyasva'' – stärke, erfülle mit Kraft, lass zunehmen; hier mit dem davorstehenden Akkusativ auf die jeweilige Lebenskraft bezogen.
'''Erläuterung:''' Die wörtliche Aussage lautet „das Unsterbliche ist geopfert“, wobei der Opfernde aus dem Zusammenhang ergänzt wird.
'''70.1.3 – Stärkung von Vyana'''<br>
śraddhāyāṃ vyāne niviśyāmṛtaṃ hutam | vyānam annenāpyāyasva || 70.1.3 ||<br>
'''Übersetzung:''' Im Vertrauen in Vyana eingekehrt, habe ich das Unsterbliche geopfert. Stärke Vyana durch diese Nahrung.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''śraddhāyām'' – im Vertrauen; ''vyāne'' – in Vyana, die im Körper sich verteilende Lebenskraft; ''niviśya'' – eingetreten, sich niedergelassen habend; ''amṛtam'' – das Unsterbliche, die als Nektar betrachtete Nahrung; ''hutam'' – geopfert, dargebracht; Partizip von hu; ''vyānam'' – Vyana, als Objekt der Stärkung; ''annena'' – durch Nahrung; ''āpyāyasva'' – stärke, erfülle mit Kraft, lass zunehmen; hier mit dem davorstehenden Akkusativ auf die jeweilige Lebenskraft bezogen.
'''Erläuterung:''' Die wörtliche Aussage lautet „das Unsterbliche ist geopfert“, wobei der Opfernde aus dem Zusammenhang ergänzt wird.
'''70.1.4 – Stärkung von Udana'''<br>
śraddhāyāṃ udāne niviśyāmṛtaṃ hutam | udānam annenāpyāyasva || 70.1.4 ||<br>
'''Übersetzung:''' Im Vertrauen in Udana eingekehrt, habe ich das Unsterbliche geopfert. Stärke Udana durch diese Nahrung.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''śraddhāyām'' – im Vertrauen; ''udāne'' – in Udana, die aufwärts gerichtete Lebenskraft; ''niviśya'' – eingetreten, sich niedergelassen habend; ''amṛtam'' – das Unsterbliche, die als Nektar betrachtete Nahrung; ''hutam'' – geopfert, dargebracht; Partizip von hu; ''udānam'' – Udana, als Objekt der Stärkung; ''annena'' – durch Nahrung; ''āpyāyasva'' – stärke, erfülle mit Kraft, lass zunehmen; hier mit dem davorstehenden Akkusativ auf die jeweilige Lebenskraft bezogen.
'''Erläuterung:''' Die wörtliche Aussage lautet „das Unsterbliche ist geopfert“, wobei der Opfernde aus dem Zusammenhang ergänzt wird.
'''70.1.5 – Stärkung von Samana'''<br>
śraddhāyāṃ samāne niviśyāmṛtaṃ hutam | samānam annenāpyāyasva || 70.1.5 ||<br>
'''Übersetzung:''' Im Vertrauen in Samana eingekehrt, habe ich das Unsterbliche geopfert. Stärke Samana durch diese Nahrung.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''śraddhāyām'' – im Vertrauen; ''samāne'' – in Samana, die ausgleichende Lebenskraft; ''niviśya'' – eingetreten, sich niedergelassen habend; ''amṛtam'' – das Unsterbliche, die als Nektar betrachtete Nahrung; ''hutam'' – geopfert, dargebracht; Partizip von hu; ''samānam'' – Samana, als Objekt der Stärkung; ''annena'' – durch Nahrung; ''āpyāyasva'' – stärke, erfülle mit Kraft, lass zunehmen; hier mit dem davorstehenden Akkusativ auf die jeweilige Lebenskraft bezogen.
'''Erläuterung:''' Die wörtliche Aussage lautet „das Unsterbliche ist geopfert“, wobei der Opfernde aus dem Zusammenhang ergänzt wird.
'''71.1 – Der innere Purusha'''<br>
aṅguṣṭhamātraḥ puruṣo ’ṅguṣṭhaṃ ca samāśritaḥ | īśaḥ sarvasya jagataḥ prabhuḥ prīṇātu viśvabhuk || 71.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Der daumengroße Purusha, der auch im Daumen seinen Sitz hat, der Herr und Gebieter der ganzen Welt, der alles genießt, möge erfreut sein.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''aṅguṣṭha-mātraḥ'' – daumengroß: aṅguṣṭha, Daumen oder große Zehe; mātra, das Maß habend; ''puruṣaḥ'' – Purusha, Person, inneres Selbst; ''aṅguṣṭham'' – Daumen oder große Zehe; ''ca'' – und, auch; ''samāśritaḥ'' – aufgesucht habend, darin ruhend, sich darauf stützend; ''īśaḥ'' – Herr; ''sarvasya'' – der ganzen; ''jagataḥ'' – Welt; ''prabhuḥ'' – Gebieter, mächtiger Herr; ''prīṇātu'' – möge erfreut sein, möge Befriedigung erfahren; im Gebetsgebrauch so verstanden; ''viśva-bhuk'' – alles genießend: viśva, alles; bhuj, genießen.
'''Erläuterung:''' Aṅguṣṭha kann Daumen und große Zehe bezeichnen. Die zweite Nennung wird in der rituellen Auslegung auch auf die große Zehe bezogen. Eine anatomische Größenangabe des unbegrenzten Selbst ist damit nicht festgelegt.
'''72.1 – Wohlergehen der Glieder und Sinne'''<br>
vāṅ ma āsan | nasoḥ prāṇaḥ | akṣyoś cakṣuḥ | karṇayoḥ śrotram | bāhuvor balam | ūruvor ojaḥ | ariṣṭā viśvāny aṅgāni tanūḥ | tanuvā me saha namas te astu mā mā hiṃsīḥ || 72.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Rede sei in meinem Mund, Lebenshauch in den Nasenlöchern, Sehkraft in den Augen, Hörkraft in den Ohren, Stärke in den Armen und Lebenskraft in den Schenkeln. Alle Glieder und der Leib seien unversehrt. Zusammen mit meinem Leib sei dir meine Verneigung dargebracht. Verletze mich nicht.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''vāk'' – Rede, Sprache; vor ma als vāṅ; ''me'' – mein; Textform ma; ''āsan'' – im Mund, vedischer Lokativ; ''nasoḥ'' – in den beiden Nasenlöchern; ''prāṇaḥ'' – Lebenshauch; ''akṣyoḥ'' – in den beiden Augen; ''cakṣuḥ'' – Sehen, Sehkraft; ''karṇayoḥ'' – in den beiden Ohren; ''śrotram'' – Hören, Hörkraft; ''bāhuvoḥ'' – in den beiden Armen; ''balam'' – Stärke; ''ūruvoḥ'' – in den beiden Schenkeln; ''ojaḥ'' – Lebenskraft, Tatkraft; ''ariṣṭā'' – unversehrt, unbeschädigt; ''viśvāni'' – alle; ''aṅgāni'' – Glieder; ''tanūḥ'' – Leib, Körper; ''tanuvā'' – mit dem Leib; Instrumental; ''me'' – meinem, mein; ''saha'' – zusammen mit; ''namaḥ'' – Verneigung; ''te'' – dir; ''astu'' – es sei; ''mā'' – nicht, Verbots- oder Bittepartikel; ''mā'' – mich; ''hiṃsīḥ'' – verletze; mit mā: verletze nicht.
'''73.1 – Befreiung aus Dunkelheit'''<br>
vayaḥ suparṇā upasedur indraṃ priyamedhā ṛṣayo nādhamānāḥ | apa dhvāntam ūrṇuhi pūrdhi cakṣur mumugdhy asmān nidhayeva baddhān || 73.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Wie schön geflügelte Vögel kamen die um Einsicht bemühten Seher bittend zu Indra: „Decke die Dunkelheit auf, erfülle unser Sehen; löse uns, die wie mit einer Fessel gebunden sind.“
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''vayaḥ'' – Vögel; Plural von vi; ''su-parṇāḥ'' – mit schönen Flügeln: su, schön oder gut; parṇa, Flügel; ''upaseduḥ'' – sie kamen nahe, suchten auf; ''indram'' – Indra; ''priya-medhāḥ'' – Einsicht liebend, mit willkommener Einsicht; auch als Sehername Priyamedha gedeutet; ''ṛṣayaḥ'' – Seher; ''nādhamānāḥ'' – um Hilfe bittend, flehend; ''apa'' – weg, auf; gehört zu ūrṇuhi; ''dhvāntam'' – Dunkelheit; ''ūrṇuhi'' – decke auf, enthülle; ''pūrdhi'' – fülle, vervollständige; ''cakṣuḥ'' – Sehen, Auge; ''mumugdhi'' – löse, befreie; ''asmān'' – uns; ''nidhayā'' – mit einer Bindung oder Fessel; ''iva'' – wie, gleichsam; ''baddhān'' – die Gebundenen.
'''74.1 – Rudra als Band der Lebenskräfte'''<br>
prāṇānāṃ granthir asi rudro mā viśāntakaḥ | tenānnenāpyāyasva || 74.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Du bist der Knoten der Lebenskräfte. Als Rudra tritt in mich ein, als der Beendende. Stärke dich durch diese Nahrung.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''prāṇānām'' – der Lebenskräfte; ''granthiḥ'' – Knoten, verbindendes Band; ''asi'' – du bist; ''rudraḥ'' – Rudra; ''mā'' – mich, in mich; ''viśa'' – tritt ein; ''antakaḥ'' – der Beendende, der ein Ende setzt; auch Name des Todes; ''tena'' – durch jene, durch diese; ''annena'' – Nahrung; ''āpyāyasva'' – stärke dich, nimm zu, erfülle dich.
'''Erläuterung:''' Der zusammengezogene Ausdruck ''viśāntakaḥ'' wird hier als ''viśa antakaḥ'' wiedergegeben. Im religiösen Zusammenhang kann das Beenden auf Leiden und Tod bezogen werden. Die Deutung ‚Beender des Leidens‘ enthält jedoch ein im Sanskrit nicht ausdrücklich genanntes Objekt.
'''75.1 – Schutz vor dem Tod'''<br>
namo rudrāya viṣṇave mṛtyur me pāhi || 75.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Verneigung vor Rudra, vor Vishnu. Schütze mich vor dem Tod.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''namaḥ'' – Verneigung; ''rudrāya'' – Rudra gegenüber; ''viṣṇave'' – Vishnu gegenüber, dem Durchdringenden; ''mṛtyuḥ'' – Tod; die überlieferte Form wird in der traditionellen Worterklärung als Ablativ mṛtyoḥ, „vor dem Tod“, verstanden; ''me'' – mich, meiner; in dieser Bitte als Objekt verstanden; ''pāhi'' – schütze, bewahre.
'''Erläuterung:''' Die Form mṛtyuḥ ist ungewöhnlich. Die traditionelle Sanskrit-Worterklärung des benutzten Drucks setzt sie ausdrücklich mit mṛtyoḥ gleich. Dieser kontextbezogenen Deutung folgt die Übersetzung; die nichtklassische Textform wird beibehalten.
'''76.1 – Agnis vielfältige Geburt'''<br>
tvam agne dyubhis tvam āśuśukṣaṇis tvam adbhyas tvam aśmanas pari | tvaṃ vanebhyas tvam oṣadhībhyas tvaṃ nṛṇāṃ nṛpate jāyase śuciḥ || 76.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Du, Agni, wirst aus den Himmelslichten geboren, du rasch Leuchtender; du aus den Wassern, du aus dem Stein, du aus den Wäldern, du aus den Pflanzen. Du, Herr der Menschen, wirst für die Menschen als der Reine geboren.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tvam'' – du; ''agne'' – o Agni; ''dyubhiḥ'' – durch die Himmelslichter, mit dem Glanz der Tage; ''tvam'' – du; ''āśu-śukṣaṇiḥ'' – rasch leuchtend: āśu, rasch; śukṣaṇi, aufflammend; ''tvam'' – du; ''adbhyaḥ'' – aus den Wassern; ''tvam'' – du; ''aśmanaḥ'' – aus dem Stein; ''pari'' – heraus, von … her; ''tvam'' – du; ''vanebhyaḥ'' – aus den Wäldern, aus Hölzern; ''tvam'' – du; ''oṣadhībhyaḥ'' – aus den Pflanzen; ''tvam'' – du; ''nṛṇām'' – der Menschen, für die Menschen; ''nṛ-pate'' – o Herr der Menschen: nṛ, Mensch; pati, Herr; ''jāyase'' – du wirst geboren, entstehst; ''śuciḥ'' – rein, hell, strahlend.
'''77.1 – Heilvoller Abschluss des Opfers'''<br>
śivena me saṃtiṣṭhasva syonena me saṃtiṣṭhasva subhūtena me saṃtiṣṭhasva brahmavarcasena me saṃtiṣṭhasva yajñasyarddhim anusaṃtiṣṭhasvopa te yajña nama upa te nama upa te namaḥ || 77.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Vollende dich für mich mit Heilvollem; vollende dich für mich mit Wohlergehen; vollende dich für mich mit gutem Gedeihen; vollende dich für mich mit dem Glanz heiligen Wissens. Folge der Erfüllung des Opfers. Dir, o Opfer, nahe ich in Verneigung; dir in Verneigung; dir in Verneigung.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''śivena'' – mit Heilvollem, in günstiger Weise; ''me'' – für mich; ''saṃtiṣṭhasva'' – komme zum Bestand, vollende dich; ''syonena'' – mit Wohlergehen, mit Behagen; ''me'' – für mich; ''saṃtiṣṭhasva'' – vollende dich; ''subhūtena'' – mit gutem Gedeihen, in glücklicher Verfassung: su, gut; bhūta, geworden, beschaffen; ''me'' – für mich; ''saṃtiṣṭhasva'' – vollende dich; ''brahma-varcasena'' – mit dem Glanz heiligen Wissens: brahma, heiliges Wissen; varcas, Glanz, geistige Ausstrahlung; ''me'' – für mich; ''saṃtiṣṭhasva'' – vollende dich; ''yajñasya'' – des Opfers; ''ṛddhim'' – Gelingen, Erfüllung, Gedeihen; ''anu'' – entsprechend, nachfolgend; ''saṃtiṣṭhasva'' – komme zur Vollendung; ''upa'' – heran, hin zu; ''te'' – dir; ''yajña'' – o Opfer; ''namaḥ'' – Verneigung; ''upa'' – hin zu; ''te'' – dir; ''namaḥ'' – Verneigung; ''upa'' – hin zu; ''te'' – dir; ''namaḥ'' – Verneigung.
'''78.1 – Wahrhaftigkeit'''<br>
satyaṃ paraṃ paraṃ satyaṃ satyena na suvargāl lokāc cyavante kadācana satāṃ hi satyaṃ tasmāt satye ramante || 78.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Wahrhaftigkeit ist das Höchste; das Höchste ist Wahrhaftigkeit. Durch Wahrhaftigkeit fällt man niemals aus der himmlischen Welt. Denn Wahrhaftigkeit gehört zu den Guten. Deshalb finden sie Freude an der Wahrhaftigkeit.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''satyam'' – Wahrheit, Wahrhaftigkeit; ''param'' – das Höchste, das Vorzüglichste; ''param'' – das Höchste; ''satyam'' – Wahrhaftigkeit; ''satyena'' – durch Wahrhaftigkeit; ''na'' – nicht; ''suvargāt'' – aus der himmlischen; ''lokāt'' – Welt; ''cyavante'' – sie fallen, weichen ab; ''kadācana'' – jemals; mit na: niemals; ''satām'' – der Guten, der rechtschaffenen Menschen; ''hi'' – denn, ja; ''satyam'' – Wahrhaftigkeit; ''tasmāt'' – deshalb; ''satye'' – an der Wahrhaftigkeit, in der Wahrheit; ''ramante'' – sie erfreuen sich, finden Freude.
'''78.2 – Askese'''<br>
tapa iti tapo nānaśanāt paraṃ yad dhi paraṃ tapas tad durdharṣaṃ tad durādharṣaṃ tasmāt tapasi ramante || 78.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' „Askese“, so lautet eine weitere Antwort. Keine Askese steht über dem Fasten. Denn jene höchste Askese ist schwer zu bestehen und schwer zu überwinden. Deshalb finden sie Freude an der Askese.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tapaḥ'' – Askese, geistige Glut; ''iti'' – so, mit diesen Worten; ''tapaḥ'' – Askese; ''na'' – nicht; ''anaśanāt'' – als Fasten, als Nichtessen; Ablativ des Vergleichs; ''param'' – höher, vorzüglicher; ''yat'' – welches, was; ''hi'' – denn; ''param'' – höchstes; ''tapaḥ'' – Askese; ''tat'' – das, jene; ''dur-dharṣam'' – schwer zu überwinden oder zu bestehen: dur, schwer; dharṣ, angreifen, überwinden; ''tat'' – das, jene; ''dur-ādharṣam'' – schwer anzugreifen, unangreifbar; ''tasmāt'' – deshalb; ''tapasi'' – an der Askese, in asketischer Übung; ''ramante'' – sie erfreuen sich.
'''Erläuterung:''' Der Abschnitt stellt nacheinander verschiedene Antworten auf die Frage nach dem Höchsten vor. Die Wertung des Fastens gehört zu dieser historischen Darstellung. Die ähnlichen Wörter durdharṣa und durādharṣa werden bewusst beide wiedergegeben.
'''78.3 – Beherrschung der Sinne'''<br>
dama iti niyataṃ brahmacāriṇas tasmād dame ramante || 78.3 ||<br>
'''Übersetzung:''' „Beherrschung der Sinne“, sagen beständig die Brahmacharins. Deshalb finden sie Freude an der Selbstbeherrschung.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''damaḥ'' – Beherrschung, besonders Zügelung der Sinne; ''iti'' – so, mit diesen Worten; ''niyatam'' – beständig, regelmäßig; ''brahma-cāriṇaḥ'' – Brahmacharins, Menschen eines auf das heilige Wissen ausgerichteten und enthaltsamen Lebens: brahman, heiliges Wissen; cārin, einen Lebenswandel führend; ''tasmāt'' – deshalb; ''dame'' – an der Selbstbeherrschung; ''ramante'' – sie erfreuen sich.
'''Erläuterung:''' Das im Sanskrit nicht ausdrücklich gesetzte „sagen“ wird aus der Reihe der Antworten ergänzt.
'''78.4 – Ruhe des Geistes'''<br>
śama ity araṇye munayas tasmāc chame ramante || 78.4 ||<br>
'''Übersetzung:''' „Ruhe des Geistes“, sagen die Weisen im Wald. Deshalb finden sie Freude an der inneren Ruhe.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''śamaḥ'' – Ruhe, Beruhigung des Geistes; ''iti'' – so, mit diesen Worten; ''araṇye'' – im Wald; ''munayaḥ'' – Weise, schweigende oder besinnliche Asketen; ''tasmāt'' – deshalb; ''śame'' – an der inneren Ruhe; ''ramante'' – sie erfreuen sich.
'''78.5 – Geben'''<br>
dānam iti sarvāṇi bhūtāni praśaṃsanti dānān nātiduṣkaraṃ tasmād dāne ramante || 78.5 ||<br>
'''Übersetzung:''' „Geben“, das preisen alle Wesen. Nichts ist schwerer zu vollbringen als Geben. Deshalb finden sie Freude am Geben.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''dānam'' – Geben, Gabe, Freigebigkeit; ''iti'' – so, mit diesen Worten; ''sarvāṇi'' – alle; ''bhūtāni'' – Wesen; ''praśaṃsanti'' – sie preisen, loben; ''dānāt'' – als Geben; Ablativ des Vergleichs; ''na'' – nicht; ''ati-duṣkaram'' – noch schwerer zu tun: ati, übermäßig oder darüber hinaus; duṣ-kara, schwer zu tun; ''tasmāt'' – deshalb; ''dāne'' – am Geben; ''ramante'' – sie erfreuen sich.
'''78.6 – Dharma'''<br>
dharma iti dharmeṇa sarvam idaṃ parigṛhītaṃ dharmān nātiduścaraṃ tasmād dharme ramante || 78.6 ||<br>
'''Übersetzung:''' „Dharma“, so lautet eine weitere Antwort. Durch Dharma wird all dies zusammengehalten. Nichts ist schwerer zu verwirklichen als Dharma. Deshalb finden sie Freude am Dharma.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''dharmaḥ'' – Dharma, tragende Ordnung und rechtes Handeln; ''iti'' – so, mit diesen Worten; ''dharmeṇa'' – durch Dharma; ''sarvam'' – alles; ''idam'' – dies; ''parigṛhītam'' – umfasst, zusammengehalten, erhalten; ''dharmāt'' – als Dharma; Ablativ des Vergleichs; ''na'' – nicht; ''ati-duścaram'' – noch schwerer zu praktizieren: ati, darüber hinaus; duś-cara, schwer zu vollziehen oder zu leben; ''tasmāt'' – deshalb; ''dharme'' – am Dharma; ''ramante'' – sie erfreuen sich.
'''78.7 – Weitergabe des Lebens'''<br>
prajana iti bhūyāṃsas tasmād bhūyiṣṭhāḥ prajāyante tasmād bhūyiṣṭhāḥ prajanane ramante || 78.7 ||<br>
'''Übersetzung:''' „Fortpflanzung“, sagen viele. Denn dadurch werden sehr viele geboren. Deshalb finden sehr viele Freude an der Weitergabe des Lebens.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''prajanaḥ'' – Zeugung, Fortpflanzung; ''iti'' – so, mit diesen Worten; ''bhūyāṃsaḥ'' – mehrere, viele, die größere Zahl; ''tasmāt'' – deshalb, daraus; ''bhūyiṣṭhāḥ'' – sehr viele, die meisten; ''prajāyante'' – sie werden geboren, entstehen; ''tasmāt'' – deshalb; ''bhūyiṣṭhāḥ'' – sehr viele, die meisten; ''prajanane'' – an der Zeugung oder Fortpflanzung; ''ramante'' – sie erfreuen sich.
'''78.8 – Die heiligen Feuer'''<br>
agnaya ity āha tasmād agnaya ādhātavyāḥ || 78.8 ||<br>
'''Übersetzung:''' „Die Feuer“, sagt man. Deshalb sollen die heiligen Feuer angelegt werden.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''agnayaḥ'' – Feuer, hier die rituellen Opferfeuer; ''iti'' – so; ''āha'' – er sagt, man sagt; ''tasmāt'' – deshalb; ''agnayaḥ'' – die Feuer; ''ādhātavyāḥ'' – sie sollen angelegt oder eingesetzt werden; Gerundiv von ā-dhā.
'''78.9 – Agnihotra'''<br>
agnihotram ity āha tasmād agnihotre ramante || 78.9 ||<br>
'''Übersetzung:''' „Agnihotra“, sagt man. Deshalb finden sie Freude am Agnihotra.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''agni-hotram'' – Agnihotra, regelmäßige Opfergabe ins Feuer: agni, Feuer; hotra, Opferdarbringung; ''iti'' – so; ''āha'' – er sagt, man sagt; ''tasmāt'' – deshalb; ''agnihotre'' – am Agnihotra; ''ramante'' – sie erfreuen sich.
'''78.10 – Opfer'''<br>
yajña iti yajñena hi devā divaṃ gatās tasmād yajñe ramante || 78.10 ||<br>
'''Übersetzung:''' „Opfer“, so lautet eine weitere Antwort. Denn durch das Opfer gelangten die Götter in den Himmel. Deshalb finden sie Freude am Opfer.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yajñaḥ'' – Opfer, Gottesverehrung; ''iti'' – so; ''yajñena'' – durch das Opfer; ''hi'' – denn; ''devāḥ'' – Götter; ''divam'' – in den Himmel; ''gatāḥ'' – gegangen, gelangt; ''tasmāt'' – deshalb; ''yajñe'' – am Opfer; ''ramante'' – sie erfreuen sich.
'''78.11 – Geistige Sammlung'''<br>
mānasam iti vidvāṃsas tasmād vidvāṃsa eva mānase ramante || 78.11 ||<br>
'''Übersetzung:''' „Die geistige Übung“, sagen die Wissenden. Deshalb finden gerade die Wissenden Freude an der geistigen Sammlung.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''mānasam'' – das Geistige, geistige Betrachtung oder Sammlung; von manas, Geist; ''iti'' – so; ''vidvāṃsaḥ'' – die Wissenden; ''tasmāt'' – deshalb; ''vidvāṃsaḥ'' – die Wissenden; ''eva'' – gerade, eben; ''mānase'' – an der geistigen Betrachtung; ''ramante'' – sie erfreuen sich.
'''78.12 – Entsagung als überragende Übung'''<br>
nyāsa iti brahmā brahmā hi paraḥ paro hi brahmā tāni vā etāny avarāṇi tapāṃsi nyāsa evātyarecayat ya evaṃ vedety upaniṣat || 78.12 ||<br>
'''Übersetzung:''' „Entsagung“, sagt Brahma. Denn Brahma ist der Höchste, und der Höchste ist Brahma. Diese genannten asketischen Übungen sind nachgeordnet; die Entsagung übertraf sie alle. Wer dies so weiß – so lautet die Upanishad.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''nyāsaḥ'' – Niederlegen, Entsagung, Loslassen; ''iti'' – so, mit diesen Worten; ''brahmā'' – Brahma, der Schöpfer und Lehrer; maskuline Form; ''brahmā'' – Brahma; ''hi'' – denn; ''paraḥ'' – der Höchste; ''paraḥ'' – der Höchste; ''hi'' – denn, ja; ''brahmā'' – Brahma; ''tāni'' – jene; ''vai'' – gewiss, tatsächlich; ''etāni'' – diese; ''avarāṇi'' – nachgeordnet, niedriger; ''tapāṃsi'' – asketische Übungen, Formen von Tapas; ''nyāsaḥ'' – Entsagung; ''eva'' – gerade, allein; ''atyarecayat'' – übertraf, überstieg; von ati-ric; ''yaḥ'' – wer; ''evam'' – so; ''veda'' – weiß; ''iti'' – so; ''upaniṣat'' – Upanishad, vertrauliche Lehre.
'''Erläuterung:''' „Sagt“ wird aus dem Zusammenhang ergänzt. Die Schlusswendung „wer so weiß“ bleibt im Sanskrit knapp und elliptisch; es wird hier kein nicht genannter Lohn hinzugefügt.
'''79.1 – Arunis Frage'''<br>
prājāpatyo hāruṇiḥ suparṇeyaḥ prajāpatiṃ pitaram upasasāra kiṃ bhagavantaḥ paramaṃ vadantīti tasmai provāca || 79.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Aruni, Nachkomme Prajapatis und Sohn der Suparna, trat zu seinem Vater Prajapati und fragte: „Was nennen die Ehrwürdigen das Höchste?“ Ihm antwortete dieser:
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''prājāpatyaḥ'' – Nachkomme Prajapatis, zu Prajapati gehörig; ''ha'' – erzählende Hervorhebung: nun, wahrlich; ''āruṇiḥ'' – Aruni, Eigenname beziehungsweise Abstammungsname; ''suparṇeyaḥ'' – Sohn oder Nachkomme der Suparna; ''prajāpatim'' – zu Prajapati, dem Herrn der Geschöpfe; ''pitaram'' – zum Vater; ''upasasāra'' – er trat heran, suchte auf; ''kim'' – was; ''bhagavantaḥ'' – die Ehrwürdigen, die verehrten Lehrer; ''paramam'' – das Höchste; ''vadanti'' – sie sagen, nennen; ''iti'' – so, Ende der Frage; ''tasmai'' – ihm; ''provāca'' – er sagte, antwortete.
'''79.2 – Wahrheit als Grundlage'''<br>
satyena vāyur āvāti satyenādityo rocate divi satyaṃ vācaḥ pratiṣṭhā satye sarvaṃ pratiṣṭhitaṃ tasmāt satyaṃ paramaṃ vadanti || 79.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' Durch Wahrheit weht der Wind heran; durch Wahrheit leuchtet die Sonne am Himmel. Wahrheit ist die Grundlage der Rede. In Wahrheit ist alles gegründet. Deshalb nennen sie Wahrheit das Höchste.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''satyena'' – durch Wahrheit, durch Wahrhaftigkeit; ''vāyuḥ'' – Wind; ''āvāti'' – er weht heran, weht; ''satyena'' – durch Wahrheit; ''ādityaḥ'' – Sonne, Aditya; ''rocate'' – leuchtet, glänzt; ''divi'' – am Himmel; ''satyam'' – Wahrheit; ''vācaḥ'' – der Rede; ''pratiṣṭhā'' – Grundlage, fester Stand; ''satye'' – in Wahrheit; ''sarvam'' – alles; ''pratiṣṭhitam'' – gegründet, fest verankert; ''tasmāt'' – deshalb; ''satyam'' – Wahrheit; ''paramam'' – das Höchste; ''vadanti'' – sie nennen, sagen.
'''79.3 – Die Kraft des Tapas'''<br>
tapasā devā devatām agra āyan tapasārṣayaḥ suvar anvavindan tapasā sapatnān praṇudāmārātīs tapasi sarvaṃ pratiṣṭhitaṃ tasmāt tapaḥ paramaṃ vadanti || 79.3 ||<br>
'''Übersetzung:''' Durch Tapas gelangten die Götter am Anfang zur Göttlichkeit. Durch Tapas fanden die Seher die Himmelswelt. Durch Tapas wollen wir Widersacher und Feinde vertreiben. In Tapas ist alles gegründet. Deshalb nennen sie Tapas das Höchste.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tapasā'' – durch Askese, geistige Glut oder konzentrierte Übung; ''devāḥ'' – die Götter; ''devatām'' – Göttlichkeit, Götterstand; ''agre'' – am Anfang; vedische Textform agra; ''āyan'' – sie gingen, gelangten; ''tapasā'' – durch Tapas; ''ṛṣayaḥ'' – Seher; im vedischen Sandhi tapasārṣayaḥ; ''suvaḥ'' – die himmlische Lichtwelt; ''anvavindan'' – sie fanden, erlangten; ''tapasā'' – durch Tapas; ''sapatnān'' – Widersacher, Rivalen; ''praṇudāma'' – wir wollen vertreiben, abwehren; ''arātīḥ'' – Feinde, feindliche Mächte; ''tapasi'' – in Tapas; ''sarvam'' – alles; ''pratiṣṭhitam'' – gegründet; ''tasmāt'' – deshalb; ''tapaḥ'' – Tapas; ''paramam'' – das Höchste; ''vadanti'' – sie nennen.
'''79.4 – Selbstbeherrschung und Reinigung'''<br>
damena dāntāḥ kilbiṣam avadhūnvanti damena brahmacāriṇaḥ suvar agacchan damo bhūtānāṃ durādharṣaṃ dame sarvaṃ pratiṣṭhitaṃ tasmād damaḥ paramaṃ vadanti || 79.4 ||<br>
'''Übersetzung:''' Durch Selbstbeherrschung schütteln die Beherrschten Verfehlung ab. Durch Selbstbeherrschung gelangten die Brahmacharins in die Himmelswelt. Selbstbeherrschung ist für die Wesen schwer zu überwinden. In Selbstbeherrschung ist alles gegründet. Deshalb nennen sie Selbstbeherrschung das Höchste.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''damena'' – durch Selbstbeherrschung; ''dāntāḥ'' – die Gezähmten, die ihre Sinne beherrschen; ''kilbiṣam'' – Verfehlung, Schuld, Unreinheit; ''avadhūnvanti'' – sie schütteln ab; ''damena'' – durch Selbstbeherrschung; ''brahma-cāriṇaḥ'' – Brahmacharins, Menschen eines enthaltsamen geistlichen Lebens; ''suvaḥ'' – in die Himmelswelt; ''agacchan'' – sie gingen, gelangten; ''damaḥ'' – Selbstbeherrschung; ''bhūtānām'' – für die Wesen, seitens der Wesen; ''dur-ādharṣam'' – schwer zu überwinden oder zu erreichen; ''dame'' – in Selbstbeherrschung; ''sarvam'' – alles; ''pratiṣṭhitam'' – gegründet; ''tasmāt'' – deshalb; ''damaḥ'' – Selbstbeherrschung; hier Nominativform im Benennungssatz; ''paramam'' – das Höchste; ''vadanti'' – sie nennen.
'''Erläuterung:''' Die nichtklassische Kasusverbindung damaḥ paramaṃ und die neutrale Prädikatsform durādharṣam werden entsprechend dem Druck beibehalten.
'''79.5 – Innere Ruhe und heilsames Handeln'''<br>
śamena śāntāḥ śivam ācaranti śamena nākaṃ munayo ’nvavindan śamo bhūtānāṃ durādharṣaṃ śame sarvaṃ pratiṣṭhitaṃ tasmāc chamaḥ paramaṃ vadanti || 79.5 ||<br>
'''Übersetzung:''' Durch innere Ruhe handeln die zur Ruhe Gekommenen heilvoll. Durch innere Ruhe fanden die Weisen den Himmel. Innere Ruhe ist für die Wesen schwer zu überwinden. In innerer Ruhe ist alles gegründet. Deshalb nennen sie innere Ruhe das Höchste.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''śamena'' – durch Ruhe des Geistes; ''śāntāḥ'' – die Beruhigten, die Friedvollen; ''śivam'' – Heilvolles, Gutes; ''ācaranti'' – sie üben aus, handeln; ''śamena'' – durch innere Ruhe; ''nākam'' – Himmel, leidfreien Himmelsraum; ''munayaḥ'' – Weise, besinnliche Asketen; ''anvavindan'' – sie fanden, erlangten; ''śamaḥ'' – innere Ruhe; ''bhūtānām'' – für die Wesen, seitens der Wesen; ''dur-ādharṣam'' – schwer zu überwinden oder zu erreichen; ''śame'' – in innerer Ruhe; ''sarvam'' – alles; ''pratiṣṭhitam'' – gegründet; ''tasmāt'' – deshalb; ''śamaḥ'' – innere Ruhe; Nominativform im Benennungssatz; ''paramam'' – das Höchste; ''vadanti'' – sie nennen.
'''79.6 – Die verbindende Kraft des Gebens'''<br>
dānaṃ yajñānāṃ varūthaṃ dakṣiṇā loke dātāraṃ sarvabhūtāny upajīvanti dānenārātīr apānudanta dānena dviṣanto mitrā bhavanti dāne sarvaṃ pratiṣṭhitaṃ tasmād dānaṃ paramaṃ vadanti || 79.6 ||<br>
'''Übersetzung:''' Das Geben, die Opfergabe an die Mitwirkenden, ist der Schutz der Opfer. In der Welt leben alle Wesen von einem Gebenden. Durch Geben vertrieb man die Feinde. Durch Geben werden Feindselige zu Freunden. Im Geben ist alles gegründet. Deshalb nennen sie Geben das Höchste.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''dānam'' – Geben, Gabe; ''yajñānām'' – der Opfer; ''varūtham'' – Schutz, schützende Einfriedung; ''dakṣiṇā'' – Gabe oder Entgelt für die Mitwirkenden am Opfer, besonders die Priester; ''loke'' – in der Welt; ''dātāram'' – einen Geber, den Gebenden; ''sarva-bhūtāni'' – alle Wesen: sarva, alle; bhūta, Wesen; ''upajīvanti'' – sie leben von, sind zum Lebensunterhalt angewiesen auf; ''dānena'' – durch Geben; ''arātīḥ'' – Feinde, feindliche Mächte; ''apānudanta'' – sie vertrieben, wehrten ab; ''dānena'' – durch Geben; ''dviṣantaḥ'' – die Hassenden, die Feindseligen; ''mitrā'' – Freunde; vedische Pluralform; ''bhavanti'' – sie werden; ''dāne'' – im Geben; ''sarvam'' – alles; ''pratiṣṭhitam'' – gegründet; ''tasmāt'' – deshalb; ''dānam'' – Geben; ''paramam'' – das Höchste; ''vadanti'' – sie nennen.
'''79.7 – Dharma trägt die Welt'''<br>
dharmo viśvasya jagataḥ pratiṣṭhā loke dharmiṣṭhaṃ prajā upasarpanti dharmeṇa pāpam apanudati dharme sarvaṃ pratiṣṭhitaṃ tasmād dharmaṃ paramaṃ vadanti || 79.7 ||<br>
'''Übersetzung:''' Dharma ist die Grundlage der ganzen Welt. In der Welt suchen die Menschen den besonders Rechtschaffenen auf. Durch Dharma vertreibt man das Böse. In Dharma ist alles gegründet. Deshalb nennen sie Dharma das Höchste.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''dharmaḥ'' – Dharma, tragende Ordnung und rechtes Handeln; ''viśvasya'' – der ganzen; ''jagataḥ'' – Welt; ''pratiṣṭhā'' – Grundlage, Halt; ''loke'' – in der Welt; ''dharmiṣṭham'' – den besonders Rechtschaffenen, den dem Dharma am stärksten Verpflichteten; Superlativ zu dharmin; ''prajāḥ'' – Menschen, Geschöpfe, Untertanen; ''upasarpanti'' – sie suchen auf, treten heran; ''dharmeṇa'' – durch Dharma; ''pāpam'' – Böses, Verfehlung; ''apanudati'' – er vertreibt, man wehrt ab; ''dharme'' – in Dharma; ''sarvam'' – alles; ''pratiṣṭhitam'' – gegründet; ''tasmāt'' – deshalb; ''dharmam'' – Dharma; ''paramam'' – das Höchste; ''vadanti'' – sie nennen.
'''79.8 – Die Schuld gegenüber den Vorfahren'''<br>
prajananaṃ vai pratiṣṭhā loke sādhu prajāyās tantuṃ tanvānaḥ pitṝṇām anṛṇo bhavati tad eva tasyānṛṇaṃ tasmāt prajananaṃ paramaṃ vadanti || 79.8 ||<br>
'''Übersetzung:''' Die Fortpflanzung ist gewiss eine Grundlage in der Welt. Wer den Faden der Nachkommenschaft gut weiterspinnt, wird gegenüber den Vorfahren schuldenfrei. Eben dies ist seine Befreiung von der Schuld. Deshalb nennen sie Fortpflanzung das Höchste.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''prajananam'' – Fortpflanzung, Hervorbringen von Nachkommen; ''vai'' – gewiss; ''pratiṣṭhā'' – Grundlage, Fortbestand; ''loke'' – in der Welt; ''sādhu'' – gut, in rechter Weise; ''prajāyāḥ'' – der Nachkommenschaft; ''tantum'' – Faden, ununterbrochene Folge; ''tanvānaḥ'' – ausspannend, fortspinnend, fortsetzend; ''pitṝṇām'' – gegenüber den Vätern oder Vorfahren; ''anṛṇaḥ'' – schuldenfrei: an, ohne; ṛṇa, Schuld; ''bhavati'' – er wird; ''tat'' – das; ''eva'' – eben, gerade; ''tasya'' – seine, für ihn; ''anṛṇam'' – Schuldenfreiheit, Tilgung der Schuld; ''tasmāt'' – deshalb; ''prajananam'' – Fortpflanzung; ''paramam'' – das Höchste; ''vadanti'' – sie nennen.
'''Erläuterung:''' Der Begriff der Schuld gegenüber den Vorfahren gehört zur vedischen Vorstellung überlieferter Verpflichtungen. Die Stelle beschreibt dieses historische Ideal; sie bewertet heutige kinderlose Lebenswege nicht.
'''79.9 – Drei Feuer, drei Veden, drei Welten'''<br>
agnayo vai trayī vidyā devayānaḥ panthā gārhapatya ṛk pṛthivī rathantaram anvāhāryapacano yajur antarikṣaṃ vāmadevyam āhavanīyaḥ sāma suvargo loko bṛhat tasmād agnīn paramaṃ vadanti || 79.9 ||<br>
'''Übersetzung:''' Die Feuer sind gewiss das dreifache Wissen, der Weg zu den Göttern. Das Garhapatya-Feuer entspricht dem Rigveda, der Erde und dem Rathantara-Gesang. Das Anvaharyapachana-Feuer entspricht dem Yajurveda, dem Zwischenraum und dem Vamadevya-Gesang. Das Ahavaniya-Feuer entspricht dem Samaveda, der Himmelswelt und dem Brihat-Gesang. Deshalb nennen sie die Feuer das Höchste.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''agnayaḥ'' – Feuer; ''vai'' – gewiss; ''trayī'' – dreifach, die Dreiheit bildend; ''vidyā'' – Wissen, heilige Kenntnis; ''deva-yānaḥ'' – zu den Göttern führend: deva, Gott; yāna, Gehen oder Weg; ''panthāḥ'' – Weg; ''gārhapatyaḥ'' – Garhapatya, das Feuer des Hausherrn; ''ṛk'' – Rig, Verswissen des Rigveda; ''pṛthivī'' – Erde; ''rathantaram'' – Rathantara, Name eines Saman-Gesangs; ''anvāhārya-pacanaḥ'' – Anvaharyapachana, das Feuer zum Kochen der Anvaharya-Speise, das südliche Opferfeuer; ''yajuḥ'' – Yajus, Opferformelwissen des Yajurveda; ''antarikṣam'' – Zwischenraum zwischen Erde und Himmel; ''vāmadevyam'' – Vamadevya, Name eines Saman-Gesangs; ''āhavanīyaḥ'' – Ahavaniya, das Feuer zum Eingießen der Opfergaben; ''sāma'' – Saman, Gesangswissen des Samaveda; ''suvargaḥ'' – himmlisch; ''lokaḥ'' – Welt; ''bṛhat'' – Brihat, wörtlich „das Große“, Name eines Saman-Gesangs; ''tasmāt'' – deshalb; ''agnīn'' – die Feuer; ''paramam'' – das Höchste; ''vadanti'' – sie nennen.
'''Erläuterung:''' Die Gleichsetzungen sind Nominalsätze. „Entspricht“ macht ihre Zuordnung im Deutschen lesbar. Eigennamen der Gesänge werden erhalten, damit konkrete rituelle Bezeichnungen nicht in allgemeine Sinnbilder aufgelöst werden.
'''79.10 – Das tägliche Feueropfer'''<br>
agnihotraṃ sāyaṃ prātar gṛhāṇāṃ niṣkṛtiḥ sviṣṭaṃ suhutaṃ yajñakratūnāṃ prāyaṇaṃ suvargasya lokasya jyotis tasmād agnihotraṃ paramaṃ vadanti || 79.10 ||<br>
'''Übersetzung:''' Das Agnihotra am Abend und am Morgen ist die Wiedergutmachung für die Haushalte: ein gut vollzogenes Opfer, eine gut dargebrachte Gabe, der Anfang der Opferhandlungen und das Licht zur himmlischen Welt. Deshalb nennen sie das Agnihotra das Höchste.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''agni-hotram'' – Agnihotra, die regelmäßig ins Feuer dargebrachte Opfergabe; ''sāyam'' – am Abend; ''prātaḥ'' – am Morgen; ''gṛhāṇām'' – der Häuser, der Haushalte; ''niṣkṛtiḥ'' – Wiedergutmachung, Sühne, Bereinigung; ''su-iṣṭam'' – gut geopfert, gut vollzogenes Opfer: su, gut; iṣṭa, geopfert; ''su-hutam'' – gut dargebracht: su, gut; huta, ins Feuer geopfert; ''yajña-kratūnām'' – der Opfer und Opferhandlungen: yajña, Opfer; kratu, rituelles Vorhaben oder Opferhandlung; ''prāyaṇam'' – Aufbruch, Anfang; ''suvargasya'' – der himmlischen; ''lokasya'' – Welt; ''jyotiḥ'' – Licht, Leuchte; ''tasmāt'' – deshalb; ''agnihotram'' – Agnihotra; ''paramam'' – das Höchste; ''vadanti'' – sie nennen.
'''79.11 – Opfer und Überwindung der Feindschaft'''<br>
yajña iti yajño hi devānāṃ yajñena hi devā divaṃ gatā yajñenāsurān apānudanta yajñena dviṣanto mitrā bhavanti yajñe sarvaṃ pratiṣṭhitaṃ tasmād yajñaṃ paramaṃ vadanti || 79.11 ||<br>
'''Übersetzung:''' „Opfer“, so lautet eine weitere Antwort. Denn das Opfer gehört den Göttern. Durch das Opfer gelangten die Götter in den Himmel; durch das Opfer vertrieben sie die Asuras. Durch das Opfer werden Feindselige zu Freunden. Im Opfer ist alles gegründet. Deshalb nennen sie das Opfer das Höchste.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yajñaḥ'' – Opfer; ''iti'' – so, mit diesen Worten; ''yajñaḥ'' – das Opfer; ''hi'' – denn; ''devānām'' – der Götter, den Göttern zugehörig; ''yajñena'' – durch das Opfer; ''hi'' – denn, ja; ''devāḥ'' – die Götter; ''divam'' – in den Himmel; ''gatāḥ'' – gegangen, gelangt; ''yajñena'' – durch das Opfer; ''asurān'' – die Asuras, göttliche Gegenspieler; ''apānudanta'' – sie vertrieben; ''yajñena'' – durch das Opfer; ''dviṣantaḥ'' – die Feindseligen, die Hassenden; ''mitrā'' – Freunde; vedische Pluralform; ''bhavanti'' – sie werden; ''yajñe'' – im Opfer; ''sarvam'' – alles; ''pratiṣṭhitam'' – gegründet; ''tasmāt'' – deshalb; ''yajñam'' – Opfer; ''paramam'' – das Höchste; ''vadanti'' – sie nennen.
'''Erläuterung:''' Die Wendung yajño hi devānām ist knapp. Die traditionelle Ergänzung „den Göttern lieb“ ist möglich; „gehört den Göttern“ hält den ausgedrückten Genitiv sichtbar.
'''79.12 – Die schöpferische Kraft geistiger Sammlung'''<br>
mānasaṃ vai prājāpatyaṃ pavitraṃ mānasena manasā sādhu paśyati manasā ṛṣayaḥ prajā asṛjanta mānase sarvaṃ pratiṣṭhitaṃ tasmān mānasaṃ paramaṃ vadanti || 79.12 ||<br>
'''Übersetzung:''' Die geistige Sammlung gehört gewiss zu Prajapati und ist läuternd. Mit dem in geistiger Sammlung geübten Geist sieht man recht. Durch den Geist schufen die Seher Geschöpfe. In geistiger Sammlung ist alles gegründet. Deshalb nennen sie die geistige Sammlung das Höchste.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''mānasam'' – geistige Sammlung, geistige Betrachtung; ''vai'' – gewiss; ''prājāpatyam'' – zu Prajapati gehörig, von Prajapati stammend; ''pavitram'' – reinigend, läuternd, ein Mittel der Reinigung; ''mānasena'' – durch Geistiges, durch geistige Sammlung; hier nähere Bestimmung von manasā; ''manasā'' – mit dem Geist; ''sādhu'' – gut, recht, zutreffend; ''paśyati'' – er sieht, man erkennt; ''manasā'' – durch den Geist; ''ṛṣayaḥ'' – die Seher; ''prajāḥ'' – Geschöpfe; ''asṛjanta'' – sie erschufen, brachten hervor; ''mānase'' – in geistiger Sammlung; ''sarvam'' – alles; ''pratiṣṭhitam'' – gegründet; ''tasmāt'' – deshalb; ''mānasam'' – geistige Sammlung; ''paramam'' – das Höchste; ''vadanti'' – sie nennen.
'''Erläuterung:''' Das zweite manasā steht in der gedruckten Ausgabe, fehlt aber in der verglichenen SanskritDocuments-Fassung. Es ist hier mitübersetzt und einzeln erklärt.
'''79.13 – Entsagung und Brahma'''<br>
nyāsa ity āhur manīṣiṇo brahmāṇaṃ brahmā viśvaḥ katamaḥ svayambhūḥ prajāpatiḥ saṃvatsara iti || 79.13 ||<br>
'''Übersetzung:''' Das, was „Entsagung“ heißt, nennen die Weisen Brahma. Brahma ist das All, Katama, der aus sich selbst Seiende, Prajapati und das Jahr – so wird gelehrt.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''nyāsaḥ'' – Niederlegen, Entsagung; ''iti'' – so, als Bezeichnung; ''āhuḥ'' – sie sagen, nennen; ''manīṣiṇaḥ'' – Weise, Einsichtige; ''brahmāṇam'' – Brahma; Akkusativ der maskulinen Form; ''brahmā'' – Brahma; ''viśvaḥ'' – das All, alles umfassend; ''katamaḥ'' – „welcher von allen?“; hier als Gottesbezeichnung, traditionell unterschiedlich erklärt; ''svayam-bhūḥ'' – aus sich selbst seiend oder entstanden: svayam, selbst; bhū, sein oder entstehen; ''prajā-patiḥ'' – Herr der Geschöpfe, Prajapati; ''saṃvatsaraḥ'' – Jahr, Jahreskreis; ''iti'' – so, mit diesen Bezeichnungen.
'''Erläuterung:''' Katama wird als überlieferte Bezeichnung sichtbar gehalten. Traditionelle Erklärungen reichen vom nicht eindeutig Bestimmbaren bis zum „höchst Glückseligen“, wenn ka als Freude gedeutet wird. Keine dieser Deutungen ist die einfache lexikalische Bedeutung des Fragepronomens.
'''79.14 – Jahr, Sonne und inneres Selbst'''<br>
saṃvatsaro ’sāv ādityo ya eṣa āditye puruṣaḥ sa parameṣṭhī brahmātmā || 79.14 ||<br>
'''Übersetzung:''' Das Jahr ist jene Sonne dort. Der Purusha, der dort in der Sonne ist, ist der im höchsten Bereich Weilende, Brahma und das Selbst.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''saṃvatsaraḥ'' – Jahr, Jahreskreis; ''asau'' – jener dort; ''ādityaḥ'' – Sonne; ''yaḥ'' – derjenige, welcher; ''eṣaḥ'' – dieser; ''āditye'' – in der Sonne; ''puruṣaḥ'' – Purusha, Person, inneres Wesen; ''saḥ'' – er, jener; ''parameṣṭhī'' – der im höchsten Bereich Weilende; Bezeichnung Brahmas; ''brahma'' – Brahman, umfassende Wirklichkeit; in der zusammengezogenen Form auch brahmā, Brahma, möglich; ''ātmā'' – Selbst.
'''Erläuterung:''' Die Schlussform brahmātmā lässt sowohl brahma ātmā („Brahman, das Selbst“) als auch brahmā ātmā („Brahma und das Selbst“) zu. Der Zusammenhang nennt zuvor Brahma und Parameshthin; die Übersetzung folgt dieser Reihe, ohne die Identifikation mit Brahman auszuschließen.
'''79.15.1 – Von der Sonne zur Nahrung'''<br>
yābhir ādityas tapati raśmibhis tābhiḥ parjanyo varṣati parjanyenauṣadhivanaspatayaḥ prajāyanta oṣadhivanaspatibhir annaṃ bhavati || 79.15.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Mit den Strahlen, durch welche die Sonne wärmt, lässt die Regenwolke Regen fallen. Durch den Regen entstehen Kräuter und Bäume; durch Kräuter und Bäume entsteht Nahrung.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yābhiḥ'' – durch welche; Instrumental Plural feminin; ''ādityaḥ'' – die Sonne; ''tapati'' – wärmt, strahlt Hitze aus; ''raśmibhiḥ'' – durch Strahlen; ''tābhiḥ'' – durch jene, mit eben diesen; ''parjanyaḥ'' – Regenwolke, Regen spendende Macht; ''varṣati'' – regnet, lässt regnen; ''parjanyena'' – durch Regen, durch die Regenwolke; ''oṣadhi-vanaspatayaḥ'' – Kräuter und Bäume: oṣadhi, Kraut oder Nutzpflanze; vanaspati, Baum; ''prajāyante'' – sie entstehen, werden hervorgebracht; vor oṣadhi erscheint prajāyanta; ''oṣadhi-vanaspatibhiḥ'' – durch Kräuter und Bäume; ''annam'' – Nahrung; ''bhavati'' – entsteht, wird.
'''79.15.2 – Von der Nahrung zur Selbsterkenntnis'''<br>
annena prāṇāḥ prāṇair balaṃ balena tapas tapasā śraddhā śraddhayā medhā medhayā manīṣā manīṣayā mano manasā śāntiḥ śāntyā cittaṃ cittena smṛtiḥ smṛtyā smāraṃ smāreṇa vijñānaṃ vijñānenātmānaṃ vedayati || 79.15.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' Durch Nahrung werden die Lebenskräfte erhalten; durch Lebenskräfte entsteht Stärke, durch Stärke Tapas, durch Tapas Vertrauen, durch Vertrauen Auffassungskraft, durch Auffassungskraft Einsicht, durch Einsicht geistige Besinnung, durch geistige Besinnung Ruhe, durch Ruhe klares Bewusstsein, durch klares Bewusstsein Erinnerung, durch Erinnerung beständiges Vergegenwärtigen und durch dieses Vergegenwärtigen unterscheidende Erkenntnis. Durch diese Erkenntnis erkennt man das Selbst.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''annena'' – durch Nahrung; ''prāṇāḥ'' – Lebenskräfte, Lebenshauche; ''prāṇaiḥ'' – durch die Lebenskräfte; ''balam'' – Stärke, Kraft; ''balena'' – durch Stärke; ''tapaḥ'' – Tapas, geistige Glut, konzentrierte Übung; ''tapasā'' – durch Tapas; ''śraddhā'' – Vertrauen, gläubige Hinwendung; ''śraddhayā'' – durch Vertrauen; ''medhā'' – Auffassungs- und Behaltekraft; ''medhayā'' – durch Auffassungskraft; ''manīṣā'' – Einsicht, Urteilskraft; ''manīṣayā'' – durch Einsicht; ''manaḥ'' – Geist, hier geistige Besinnung; ''manasā'' – durch den Geist, durch Besinnung; ''śāntiḥ'' – Ruhe, Frieden; ''śāntyā'' – durch Ruhe; ''cittam'' – Bewusstsein, geistige Klarheit; ''cittena'' – durch Bewusstsein; ''smṛtiḥ'' – Erinnerung, Besinnung auf Erkanntes; ''smṛtyā'' – durch Erinnerung; ''smāram'' – Vergegenwärtigen, nachhaltiges Erinnern; ''smāreṇa'' – durch beständiges Vergegenwärtigen; ''vijñānam'' – unterscheidende Erkenntnis; ''vijñānena'' – durch Erkenntnis; ''ātmānam'' – das Selbst; ''vedayati'' – er erkennt, macht sich bewusst.
'''Erläuterung:''' Die Reihe verwendet über weite Strecken keine Verben. „Werden erhalten“ und „entsteht“ machen die aufeinander bezogenen Glieder verständlich. Die deutschen Unterscheidungen zwischen manas, citta, smṛti und smāra dienen der Wiedergabe dieser Reihe; sie begründen kein starres, für sämtliche Yogaschulen gültiges Stufensystem.
'''79.15.3 – Die umfassende Bedeutung der Nahrungsgabe'''<br>
tasmād annaṃ dadan sarvāṇy etāni dadāty annāt prāṇā bhavanti bhūtānāṃ prāṇair mano manasaś ca vijñānaṃ vijñānād ānando brahma yoniḥ || 79.15.3 ||<br>
'''Übersetzung:''' Deshalb gibt, wer Nahrung gibt, all diese Dinge. Aus Nahrung entstehen die Lebenskräfte der Wesen; durch die Lebenskräfte entsteht der Geist und aus dem Geist Erkenntnis; aus Erkenntnis entsteht Freude. Brahman ist der Ursprung.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tasmāt'' – deshalb; ''annam'' – Nahrung; ''dadan'' – gebend, wer gibt; ''sarvāṇi'' – alle; ''etāni'' – diese Dinge, die genannten Glieder; ''dadāti'' – er gibt; ''annāt'' – aus Nahrung; ''prāṇāḥ'' – Lebenskräfte; ''bhavanti'' – sie entstehen; ''bhūtānām'' – der Wesen; ''prāṇaiḥ'' – durch die Lebenskräfte; ''manaḥ'' – Geist; ''manasaḥ'' – aus dem Geist; ''ca'' – und; ''vijñānam'' – Erkenntnis; ''vijñānāt'' – aus Erkenntnis; ''ānandaḥ'' – Freude, Glückseligkeit; ''brahma'' – Brahman; ''yoniḥ'' – Ursprung, Quelle, Mutterschoß.
'''Erläuterung:''' Die letzten Wörter können auch als Kompositum brahmayoniḥ verstanden werden: „deren Ursprung Brahman ist“ oder in traditioneller Auslegung „Ursache des Erlangens von Brahman“. Hier werden brahma und yoniḥ als eigener Nominalsatz gelesen. Der Wortlaut wird nicht um eine unausgesprochene Gleichsetzung aller Begriffe erweitert.
'''79.16.1 – Der fünffache Purusha'''<br>
sa vā eṣa puruṣaḥ pañcadhā pañcātmā yena sarvam idaṃ protaṃ pṛthivī cāntarikṣaṃ ca dyauś ca diśaś cāvāntaradiśāś ca sa vai sarvam idaṃ jagat sa bhūtaṃ sa bhavyaṃ || 79.16.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Dieser Purusha ist wahrlich fünffach, von fünffachem Wesen. Durch ihn ist all dies verwoben: Erde und Zwischenraum und Himmel und die Himmelsrichtungen und die Zwischenrichtungen. Er ist gewiss diese ganze Welt; er ist das Gewesene und das Kommende.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''saḥ'' – er, jener; ''vai'' – wahrlich; vor eṣa als vā; ''eṣaḥ'' – dieser; ''puruṣaḥ'' – Purusha, Person, inneres Wesen; ''pañcadhā'' – fünffach, auf fünffache Weise; ''pañca-ātmā'' – von fünffachem Wesen: pañca, fünf; ātman, Wesen oder Selbst; ''yena'' – durch den, durch welchen; ''sarvam'' – alles; ''idam'' – dies; ''protam'' – aufgefädelt, durchwoben, verbunden; ''pṛthivī'' – Erde; ''ca'' – und; ''antarikṣam'' – Zwischenraum; ''ca'' – und; ''dyauḥ'' – Himmel; ''ca'' – und; ''diśaḥ'' – Himmelsrichtungen; ''ca'' – und; ''avāntara-diśāḥ'' – Zwischenrichtungen: avāntara, dazwischenliegend; diś, Richtung; ''ca'' – und; ''saḥ'' – er; ''vai'' – gewiss; ''sarvam'' – die ganze; ''idam'' – diese; ''jagat'' – Welt; ''saḥ'' – er; ''bhūtam'' – das Gewesene; ''saḥ'' – er; ''bhavyam'' – das Kommende.
'''79.16.2 – Jenseits der Dunkelheit'''<br>
jijñāsakḷpta ṛtajā rayiṣṭhāḥ śraddhā satyo mahasvān tamasopariṣṭāt | jñātvā tam evaṃ manasā hṛdā ca bhūyo na mṛtyum upayāhi vidvān || 79.16.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' Durch suchendes Erkennen bestimmt, aus Wahrheit geboren, im Reichtum gegründet, Vertrauen selbst, wahr und von großer Leuchtkraft, steht er über der Dunkelheit. Erkenne ihn so mit Geist und Herz; als Wissender gehe nicht erneut dem Tod entgegen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''jijñāsa-kḷptaḥ'' – durch den Wunsch zu erkennen bestimmt oder erschlossen; schwierige Textform: jijñāsā, Erkenntnisstreben; kḷpta, geordnet, bestimmt; ''ṛta-jāḥ'' – aus Wahrheit oder rechter Ordnung geboren: ṛta, Wahrheit oder Ordnung; jā, geboren; ''rayi-ṣṭhāḥ'' – im Reichtum stehend oder gegründet: rayi, Reichtum; sthā, stehen; ''śraddhā'' – Vertrauen, gläubige Gewissheit; ''satyaḥ'' – wahr, wahrhaft; ''mahasvān'' – von Größe oder Leuchtkraft erfüllt; ''tamasaḥ'' – der Dunkelheit, über die Dunkelheit hinaus; ''upariṣṭāt'' – oberhalb, darüber; ''jñātvā'' – erkannt habend, nachdem du erkannt hast; ''tam'' – ihn; ''evam'' – so; ''manasā'' – mit dem Geist; ''hṛdā'' – mit dem Herzen; ''ca'' – und; ''bhūyaḥ'' – wieder, erneut; ''na'' – nicht; ''mṛtyum'' – zum Tod, dem Tod entgegen; ''upayāhi'' – gehe hin, nähere dich; Imperativ; ''vidvān'' – wissend, als Wissender.
'''Erläuterung:''' Die Druckform jijñāsakḷpta wird beibehalten; die traditionelle Worterklärung verbindet sie mit jijñāsā, dem Erkenntnisstreben. Die substantivische Nennung śraddhā innerhalb der Reihe bleibt als „Vertrauen selbst“ erkennbar. Bei jñātvā macht die deutsche Aufforderung den Übergang zur direkten Anrede lesbar; wörtlich: „ihn so erkannt habend … gehe nicht erneut zum Tod“.
'''79.16.3 – Der Vorrang der Entsagung'''<br>
tasmān nyāsam eṣāṃ tapasām atiriktam āhuḥ || 79.16.3 ||<br>
'''Übersetzung:''' Deshalb nennen sie die Entsagung diesen asketischen Übungen überlegen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tasmāt'' – deshalb; ''nyāsam'' – die Entsagung, das Loslassen; ''eṣām'' – diesen, unter diesen; ''tapasām'' – asketischen Übungen, Formen des Tapas; ''atiriktam'' – überlegen, darüber hinausgehend; ''āhuḥ'' – sie nennen, sagen.
'''79.17 – Anrufung der umfassenden Kraft'''<br>
vasuraṇvo vibhūr asi prāṇe tvam asi sandhātā brahman tvam asi viśvasṛt tejodās tvam asy agner asi varcodās tvam asi sūryasya dyumnodās tvam asi candramasa upayāmagṛhīto ’si brahmaṇe tvā mahase || 79.17 ||<br>
'''Übersetzung:''' Du bist der Spender des Reichtums, der in vielfältigen Gestalten Seiende. In der Lebenskraft bist du der Verbindende. O Brahman, du durchdringst das All. Du spendest dem Feuer Glut; du spendest der Sonne Strahlkraft; du spendest dem Mond Glanz. Du bist im Upayama-Gefäß aufgenommen. Dich weihe ich dem großen Brahman.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''vasu-raṇvaḥ'' – Reichtum spendend oder daran erfreuend; überlieferter schwieriger Beiname: vasu, Gut oder Reichtum; raṇva, erfreuend, in der traditionellen Erklärung Spender; ''vibhūḥ'' – vielfältig seiend, allgegenwärtig; ''asi'' – du bist; ''prāṇe'' – in der Lebenskraft; ''tvam'' – du; ''asi'' – bist; ''sandhātā'' – Zusammenfügender, Verbindender; ''brahman'' – o Brahman; Anrede; ''tvam'' – du; ''asi'' – bist; ''viśva-sṛt'' – das All durchlaufend oder durchdringend: viśva, All; sṛ, gehen, strömen; ''tejo-dāḥ'' – Glut oder Leuchtkraft spendend: tejas, Glut; dā, geben; ''tvam'' – du; ''asi'' – bist; ''agneḥ'' – des Feuers, für das Feuer; ''asi'' – du bist; ''varco-dāḥ'' – Strahlkraft spendend: varcas, Glanz; dā, geben; ''tvam'' – du; ''asi'' – bist; ''sūryasya'' – der Sonne, für die Sonne; ''dyumno-dāḥ'' – Glanz oder Herrlichkeit spendend: dyumna, Glanz oder Herrlichkeit; dā, geben; ''tvam'' – du; ''asi'' – bist; ''candramasaḥ'' – des Mondes, für den Mond; ''upayāma-gṛhītaḥ'' – mit dem Upayama aufgenommen: upayāma, rituelles Auffang- oder Opfergefäß; gṛhīta, aufgenommen; ''asi'' – du bist; ''brahmaṇe'' – dem Brahman, für Brahman; ''tvā'' – dich; ''mahase'' – dem Großen, dem Erhabenen.
'''Erläuterung:''' Die zusammenhängende Drucklesung vasuraṇvaḥ wird hier als Beiname erklärt. Die verbreitete Trennung vasur aṇvaḥ ist ebenfalls möglich, erschwert aber die Wortdeutung. Im letzten Satz ergänzt „weihe ich“ die in der Opferformel vorausgesetzte Handlung; im Sanskrit stehen nur die Zielbestimmung und „dich“.
'''79.18 – Sammlung in Om'''<br>
om ity ātmānaṃ yuñjīta | etad vai mahopaniṣadaṃ devānāṃ guhyam | ya evaṃ veda brahmaṇo mahimānam āpnoti tasmād brahmaṇo mahimānam ity upaniṣat || 79.18 ||<br>
'''Übersetzung:''' Mit „Om“ soll man sich auf das Selbst sammeln. Dies ist gewiss die große vertrauliche Lehre, das Geheimnis der Götter. Wer dies so weiß, erlangt die Größe Brahmans. Deshalb: die Größe Brahmans – so lautet die Upanishad.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''om'' – Om, die heilige Silbe; ''iti'' – so, mit diesem Laut; ''ātmānam'' – das Selbst, sich selbst; ''yuñjīta'' – man soll verbinden, ausrichten oder sammeln; Optativ von yuj; ''etat'' – dies; ''vai'' – gewiss; ''mahā-upaniṣadam'' – große vertrauliche Lehre beziehungsweise das in großen Upanishaden Gelehrte; besondere Textform; ''devānām'' – der Götter; ''guhyam'' – Geheimnis, verborgenes Wissen; ''yaḥ'' – wer; ''evam'' – so; ''veda'' – weiß; ''brahmaṇaḥ'' – Brahmans; ''mahimānam'' – Größe, Erhabenheit; ''āpnoti'' – er erlangt; ''tasmāt'' – deshalb; ''brahmaṇaḥ'' – Brahmans; ''mahimānam'' – Größe; ''iti'' – so; ''upaniṣat'' – Upanishad, vertrauliche Lehre.
'''Erläuterung:''' Die letzte Wiederholung ist elliptisch. Sie wird als solche wiedergegeben; ein zweites āpnoti wird nicht in den Sanskrittext eingesetzt.
'''80.1.1 – Das Leben als Opfer: Person, Vertrauen und Körper'''<br>
tasyaivaṃ viduṣo yajñasyātmā yajamānaḥ śraddhā patnī śarīram idhmam uro vedir lomāni barhir vedaḥ śikhā hṛdayaṃ yūpaḥ kāma ājyaṃ manyuḥ paśus tapo ’gnir damaḥ śamayitā dānaṃ dakṣiṇā || 80.1.1 ||<br>
'''Übersetzung:''' Im Opfer dessen, der so weiß, ist das Selbst der Opferherr; Vertrauen ist seine Gattin; der Körper ist das Brennholz; die Brust ist der Altar; die Körperhaare sind das Opfergras; der Veda ist der Haarschopf; das Herz ist der Opferpfosten; das Begehren ist die geklärte Butter; der Zorn ist das Opfertier; Tapas ist das Feuer; Selbstbeherrschung ist der Schlachtende; Geben ist die Opfervergütung.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tasya'' – dessen, für ihn; ''evam'' – so; ''viduṣaḥ'' – des Wissenden, dessen, der weiß; ''yajñasya'' – des Opfers, in Bezug auf das Opfer; ''ātmā'' – Selbst; ''yajamānaḥ'' – Opferherr, Auftraggeber und Träger des Opfers; ''śraddhā'' – Vertrauen, gläubige Hinwendung; ''patnī'' – Gattin; ''śarīram'' – Körper; ''idhmam'' – Brennholz, Opferbrennstoff; ''uraḥ'' – Brust; ''vediḥ'' – Altar, Opferplatz; ''lomāni'' – Körperhaare; ''barhiḥ'' – auf dem Opferplatz ausgebreitetes Gras; ''vedaḥ'' – Veda, heiliges Wissen; ''śikhā'' – Haarschopf, Haarbüschel auf dem Kopf; ''hṛdayam'' – Herz; ''yūpaḥ'' – Opferpfosten; ''kāmaḥ'' – Begehren, Wunsch; ''ājyam'' – geklärte Butter als Opferstoff; ''manyuḥ'' – Zorn, heftiger Unmut; ''paśuḥ'' – Tier, hier Opfertier; ''tapaḥ'' – Tapas, geistige Glut oder Übung; ''agniḥ'' – Feuer; ''damaḥ'' – Selbstbeherrschung; ''śamayitā'' – der Besänftigende; rituell derjenige, der das Opfertier tötet; ''dānam'' – Geben, Gabe; ''dakṣiṇā'' – Opfervergütung, Gabe an die Mitwirkenden.
'''Erläuterung:''' Die Passage überträgt die Bestandteile eines äußeren Opfers auf das Leben des Wissenden. Als „Opfertier“ wird ausdrücklich der Zorn bezeichnet. Dānam steht in der gedruckten Ausgabe in Ergänzungsklammern und in der verglichenen elektronischen Fassung ohne Klammern; es wird hier aufgenommen und als Ergänzung des Drucktextes ausgewiesen.
'''80.1.2 – Die inneren Opferpriester'''<br>
vāg ghotā prāṇa udgātā cakṣur adhvaryur mano brahmā śrotram agnīt || 80.1.2 ||<br>
'''Übersetzung:''' Die Rede ist der Hotri; der Lebenshauch ist der Udgatri; das Auge ist der Adhvaryu; der Geist ist der Brahman-Priester; das Gehör ist der Agnidh.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''vāk'' – Rede; vor hotā als vāg; ''hotā'' – Hotri, der die Hymnen rezitierende Priester; im Sandhi ghotā; ''prāṇaḥ'' – Lebenshauch; ''udgātā'' – Udgatri, der Saman-Gesänge singende Priester; ''cakṣuḥ'' – Auge, Sehkraft; ''adhvaryuḥ'' – Adhvaryu, der die Opferhandlungen ausführende Priester; ''manaḥ'' – Geist; ''brahmā'' – Brahman-Priester, der das Opfer überwacht; hier eine Priesterfunktion; ''śrotram'' – Gehör; ''agnīt'' – Agnidh, der für das Feuer zuständige Priester.
'''80.1.3 – Lebensdauer, Essen und Trinken'''<br>
yāvad dhriyate sā dīkṣā yad aśnāti tad dhavir yat pibati tad asya somapānam || 80.1.3 ||<br>
'''Übersetzung:''' Solange er am Leben erhalten wird, dauert seine Weihe. Was er isst, ist seine Opfergabe; was er trinkt, ist sein Somatrinken.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yāvat'' – solange, so lange wie; ''dhriyate'' – er wird erhalten, bleibt bestehen; ''sā'' – das, jene; ''dīkṣā'' – Weihe, vorbereitende rituelle Verpflichtung; ''yat'' – was; ''aśnāti'' – er isst; ''tat'' – das; ''haviḥ'' – Opfergabe, Opferstoff; ''yat'' – was; ''pibati'' – er trinkt; ''tat'' – das; ''asya'' – sein, für ihn; ''soma-pānam'' – Somatrinken: soma, Soma; pāna, Trinken.
'''80.1.4 – Freude und Bewegung'''<br>
yad ramate tad upasado yat sañcaraty upaviśaty uttiṣṭhate ca sa pravargyaḥ || 80.1.4 ||<br>
'''Übersetzung:''' Wenn er sich freut, sind das seine Upasad-Riten. Wenn er umhergeht, sich setzt und aufsteht, ist das sein Pravargya.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yat'' – was, wenn; ''ramate'' – er erfreut sich; ''tat'' – das; ''upasadaḥ'' – Upasad-Riten, vorbereitende Feiern des Somaopfers; ''yat'' – was, wenn; ''sañcarati'' – er geht umher, bewegt sich; ''upaviśati'' – er setzt sich; ''uttiṣṭhate'' – er steht auf; ''ca'' – und; ''saḥ'' – das, jener; ''pravargyaḥ'' – Pravargya, rituelle Bereitung einer heißen Milchgabe im Umfeld des Somaopfers.
'''80.1.5 – Mund, Rede und Erkenntnis'''<br>
yan mukhaṃ tad āhavanīyo yā vyāhṛtir āhutir yad asya vijñānaṃ taj juhoti || 80.1.5 ||<br>
'''Übersetzung:''' Sein Mund ist das Ahavaniya-Feuer; seine Äußerung ist die Opferdarbringung. Was seine Erkenntnis ist, das bringt er als Opfer dar.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yat'' – was, welches; ''mukham'' – Mund; ''tat'' – das; ''āhavanīyaḥ'' – Ahavaniya, das Feuer zur Aufnahme der Opfergaben; ''yā'' – welche; ''vyāhṛtiḥ'' – Äußerung, ausgesprochene Rede; ''āhutiḥ'' – Opferdarbringung, Eingießen der Gabe; ''yat'' – was; ''asya'' – sein, von ihm; ''vijñānam'' – Erkenntnis, bewusstes Wissen; ''tat'' – das; ''juhoti'' – er opfert, bringt dar.
'''Erläuterung:''' Vyāhṛti bezeichnet hier die Äußerung im Allgemeinen; eine Beschränkung auf die drei Weltensilben bhūr, bhuvaḥ und suvar wird im Satz nicht ausgesprochen.
'''80.1.6 – Mahlzeiten und Tageszeiten'''<br>
yat sāyaṃ prātar atti tat samidhaṃ yat prātar madhyandinaṃ sāyaṃ ca tāni savanāni || 80.1.6 ||<br>
'''Übersetzung:''' Was er abends und morgens isst, ist seine Brennstoffgabe. Morgen, Mittag und Abend sind seine drei Soma-Pressungen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yat'' – was; ''sāyam'' – am Abend; ''prātaḥ'' – am Morgen; ''atti'' – er isst; ''tat'' – das; ''samidham'' – Brennstoffgabe, das Einlegen von Brennholz; besondere Textform; ''yat'' – was, die betreffenden Zeiten; ''prātaḥ'' – Morgen; ''madhyandinam'' – Mittag; ''sāyam'' – Abend; ''ca'' – und; ''tāni'' – diese; ''savanāni'' – Soma-Pressungen; die drei täglichen Pressungen des Somaopfers.
'''Erläuterung:''' Die Zahl drei wird durch die drei genannten Tageszeiten ausgedrückt und im Deutschen zur Verdeutlichung ergänzt.
'''80.1.7 – Tage und Monate'''<br>
ye ahorātre te darśapūrṇamāsau ye ’rdhamāsāś ca māsāś ca te cāturmāsyāni || 80.1.7 ||<br>
'''Übersetzung:''' Tag und Nacht sind seine Neu- und Vollmondopfer. Die Halbmonate und die Monate sind seine Viermonatsfeiern.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''ye'' – die beiden, welche; Dual; ''ahaḥ-rātre'' – Tag und Nacht: ahaḥ, Tag; rātri, Nacht; ''te'' – diese beiden; ''darśa-pūrṇamāsau'' – Neu- und Vollmondopfer: darśa, Neumondfeier; pūrṇamāsa, Vollmondfeier; ''ye'' – welche, die; ''ardha-māsāḥ'' – Halbmonate: ardha, halb; māsa, Monat; ''ca'' – und; ''māsāḥ'' – Monate; ''ca'' – und; ''te'' – diese; ''cāturmāsyāni'' – Viermonatsfeiern, saisonale Opferfeiern; von catur, vier, und māsa, Monat.
'''80.1.8 – Jahreszeiten und Jahreskreise'''<br>
ya ṛtavas te paśubandhā ye saṃvatsarāś ca parivatsarāś ca te ’hargaṇāḥ || 80.1.8 ||<br>
'''Übersetzung:''' Die Jahreszeiten sind seine Tieropfer. Die Jahre und die weiterlaufenden Jahreskreise sind seine Reihen von Opfertagen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''ye'' – welche; vor ṛtavaḥ als ya; ''ṛtavaḥ'' – Jahreszeiten; ''te'' – diese; ''paśu-bandhāḥ'' – Tieropfer, wörtlich Tierbindungen: paśu, Tier; bandha, Binden; ''ye'' – welche, die; ''saṃvatsarāḥ'' – Jahre; ''ca'' – und; ''parivatsarāḥ'' – Jahreskreise, umlaufende Jahre; auch eine besondere Jahresbezeichnung im vedischen Kalender; ''ca'' – und; ''te'' – diese; ''ahaḥ-gaṇāḥ'' – Reihen von Tagen, hier mehrtägige Opferfolgen: ahaḥ, Tag; gaṇa, Gruppe oder Reihe.
'''80.1.9 – Das ganze Leben als Opfersitzung'''<br>
sarvavedasaṃ vā etat satraṃ yan maraṇaṃ tad avabhṛtha etad vai jarāmaryam agnihotraṃ satram || 80.1.9 ||<br>
'''Übersetzung:''' Dies ist wahrlich eine Opfersitzung, bei der der gesamte Besitz eingesetzt wird. Der Tod ist das abschließende Bad. Dies ist gewiss das bis zum Tod im Alter dauernde Agnihotra, eine fortgesetzte Opfersitzung.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''sarva-vedasam'' – mit dem gesamten Besitz ausgestattet, den gesamten Besitz einsetzend: sarva, ganz; vedas, Besitz oder Vermögen; ''vai'' – wahrlich; vor etat als vā; ''etat'' – dies; ''satram'' – Sattra, zusammenhängende oder lange Opfersitzung; ''yat'' – was; ''maraṇam'' – Tod, Sterben; ''tat'' – das; ''avabhṛthaḥ'' – abschließendes rituelles Bad; ''etat'' – dies; ''vai'' – gewiss; ''jarā-maryam'' – bis zum Tod im Alter dauernd: jarā, Alter; marya, mit dem Sterben verbunden oder dadurch begrenzt; ''agni-hotram'' – Agnihotra, Feueropfer; ''satram'' – fortgesetzte Opfersitzung.
'''Erläuterung:''' Sarvavedasa bezieht sich auf den gesamten Besitz; vedas bedeutet in diesem Ausdruck nicht einfach „die Veden“. Der Tod wird als Ende des Lebensopfers beschrieben, nicht als herbeizuführende Opferhandlung.
'''80.1.10 – Der nördliche Sonnenlauf'''<br>
ya evaṃ vidvān udagayane pramīyate devānām eva mahimānaṃ gatvādityasya sāyujyaṃ gacchati || 80.1.10 ||<br>
'''Übersetzung:''' Wer dies so weiß und während des nördlichen Sonnenlaufs stirbt, gelangt zur Größe der Götter und erreicht die Gemeinschaft mit der Sonne.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yaḥ'' – wer; ''evam'' – so; ''vidvān'' – wissend, dies wissend; ''udag-ayane'' – während des nördlichen Sonnenlaufs: udak, nach Norden; ayana, Lauf oder Weg; ''pramīyate'' – er stirbt; ''devānām'' – der Götter; ''eva'' – eben, gerade; ''mahimānam'' – Größe, Machtbereich; ''gatvā'' – gelangt seiend, nachdem er gelangt ist; ''ādityasya'' – der Sonne, mit der Sonne; ''sāyujyam'' – Verbundensein, Gemeinschaft, Vereinigung; ''gacchati'' – er geht, gelangt, erreicht.
'''80.1.11 – Der südliche Sonnenlauf'''<br>
atha yo dakṣiṇe pramīyate pitṝṇām eva mahimānaṃ gatvā candramasaḥ sāyujyaṃ gacchati || 80.1.11 ||<br>
'''Übersetzung:''' Wer hingegen während des südlichen Sonnenlaufs stirbt, gelangt zur Größe der Vorfahren und erreicht die Gemeinschaft mit dem Mond.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''atha'' – und nun, hingegen; ''yaḥ'' – wer; ''dakṣiṇe'' – im südlichen; der Sonnenlauf wird aus dem vorherigen Satz ergänzt; ''pramīyate'' – er stirbt; ''pitṝṇām'' – der Väter, der Vorfahren; ''eva'' – eben, gerade; ''mahimānam'' – Größe, Machtbereich; ''gatvā'' – gelangt seiend; ''candramasaḥ'' – des Mondes, mit dem Mond; ''sāyujyam'' – Verbundensein, Gemeinschaft, Vereinigung; ''gacchati'' – er erreicht, gelangt.
'''80.1.12 – Die Größe Brahmans'''<br>
etau vai sūryācandramasor mahimānau brāhmaṇo vidvān abhijayati tasmād brahmaṇo mahimānam āpnoti tasmād brahmaṇo mahimānam ity upaniṣat || 80.1.12 ||<br>
'''Übersetzung:''' Diese beiden Machtbereiche von Sonne und Mond erlangt der wissende Brahmane. Von dort aus erlangt er die Größe Brahmans. Deshalb: die Größe Brahmans – so lautet die Upanishad.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''etau'' – diese beiden; ''vai'' – gewiss; ''sūryā-candramasoḥ'' – von Sonne und Mond: sūrya, Sonne; candramas, Mond; Genitiv Dual; ''mahimānau'' – die beiden Größen, Machtbereiche; ''brāhmaṇaḥ'' – Brahmane, hier der im heiligen Wissen Kundige; ''vidvān'' – wissend; ''abhijayati'' – er gewinnt, erlangt, erringt; ''tasmāt'' – von dort, daraus, deshalb; ''brahmaṇaḥ'' – Brahmans; ''mahimānam'' – Größe, Erhabenheit; ''āpnoti'' – er erlangt; ''tasmāt'' – deshalb; ''brahmaṇaḥ'' – Brahmans; ''mahimānam'' – Größe; ''iti'' – so; ''upaniṣat'' – Upanishad, vertrauliche Lehre.
'''Erläuterung:''' Die gedruckte Ausgabe enthält vor der Schlusswiederholung ausdrücklich tasmād brahmaṇo mahimānam āpnoti. Dieser Satz fehlt in der verglichenen SanskritDocuments-Fassung; er ist hier vollständig aufgenommen. Die kosmologischen Aussagen werden als Lehre des Textes wiedergegeben.
'''Schlussgebet 1 – Dank für Schutz beim Lernen'''<br>
oṃ śaṃ no mitraḥ śaṃ varuṇaḥ | śaṃ no bhavatv aryamā | śaṃ na indro bṛhaspatiḥ | śaṃ no viṣṇur urukramaḥ | namo brahmaṇe | namas te vāyo | tvam eva pratyakṣaṃ brahmāsi | tvām eva pratyakṣaṃ brahmāvādiṣam | ṛtam avādiṣam | satyam avādiṣam | tan mām āvīt | tad vaktāram āvīt | āvīn mām | āvīd vaktāram | oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||<br>
'''Übersetzung:''' Om. Mitra sei uns zum Heil, Varuna sei uns zum Heil. Aryaman sei uns zum Heil. Indra und Brihaspati seien uns zum Heil. Vishnu mit den weiten Schritten sei uns zum Heil. Verneigung vor Brahman. Verneigung vor dir, Vayu. Du allein bist das unmittelbar wahrnehmbare Brahman. Dich allein habe ich als das unmittelbar wahrnehmbare Brahman ausgesprochen. Das Rechte habe ich gesprochen; die Wahrheit habe ich gesprochen. Es hat mich geschützt; es hat den Lehrenden geschützt. Es hat mich geschützt; es hat den Lehrenden geschützt. Om. Frieden, Frieden, Frieden.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''oṃ'' – Om; ''śam'' – Heil, Wohlergehen; ''naḥ'' – uns; ''mitraḥ'' – Mitra; ''śam'' – Heil; ''varuṇaḥ'' – Varuna; ''śam'' – Heil; ''naḥ'' – uns; ''bhavatu'' – es sei, er möge sein; ''aryamā'' – Aryaman; ''śam'' – Heil; ''naḥ'' – uns; vor indra als na; ''indraḥ'' – Indra; ''bṛhaspatiḥ'' – Brihaspati; ''śam'' – Heil; ''naḥ'' – uns; ''viṣṇuḥ'' – Vishnu; ''uru-kramaḥ'' – weit schreitend: uru, weit; krama, Schritt; ''namaḥ'' – Verneigung; ''brahmaṇe'' – vor Brahman, dem Brahman; ''namaḥ'' – Verneigung; ''te'' – dir; ''vāyo'' – o Vayu; ''tvam'' – du; ''eva'' – allein, eben; ''pratyakṣam'' – unmittelbar wahrnehmbar, vor Augen; ''brahma'' – Brahman; ''asi'' – du bist; ''tvām'' – dich; ''eva'' – allein, eben; ''pratyakṣam'' – unmittelbar wahrnehmbar; ''brahma'' – Brahman; ''avādiṣam'' – ich habe ausgesprochen; Aorist; ''ṛtam'' – das Rechte, die wahre Ordnung; ''avādiṣam'' – ich habe gesprochen; ''satyam'' – Wahrheit; ''avādiṣam'' – ich habe gesprochen; ''tat'' – es, jenes; ''mām'' – mich; ''āvīt'' – es schützte, hat geschützt; ''tat'' – es; ''vaktāram'' – den Sprecher, den Lehrenden; ''āvīt'' – es hat geschützt; ''āvīt'' – es hat geschützt; vor mām als āvīn; ''mām'' – mich; ''āvīt'' – es hat geschützt; vor vaktāram als āvīd; ''vaktāram'' – den Sprecher, den Lehrenden; ''oṃ'' – Om; ''śāntiḥ'' – Frieden; ''śāntiḥ'' – Frieden; ''śāntiḥ'' – Frieden.
'''Erläuterung:''' Dieses Gebet steht im rituellen Schlussrahmen der elektronischen Fassung. Die Vergangenheitsformen avādiṣam und āvīt sind wichtig: Es handelt sich um den Dank nach dem Lernen, nicht um die sonst geläufige Eröffnungsfassung mit „ich werde sprechen“ und „möge schützen“.
'''Schlussgebet 2 – Gemeinsames Lernen in Frieden'''<br>
oṃ saha nāv avatu | saha nau bhunaktu | saha vīryaṃ karavāvahai | tejasvi nāv adhītam astu | mā vidviṣāvahai | oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||<br>
'''Übersetzung:''' Om. Es schütze uns beide gemeinsam. Es nähre uns beide gemeinsam. Gemeinsam wollen wir kraftvoll wirken. Unser beider Studium sei von Klarheit erfüllt. Mögen wir einander nicht hassen. Om. Frieden, Frieden, Frieden.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''oṃ'' – Om; ''saha'' – gemeinsam; ''nau'' – uns beide; vor avatu als nāv; ''avatu'' – es möge schützen; ''saha'' – gemeinsam; ''nau'' – uns beide; ''bhunaktu'' – es möge nähren, erhalten, teilhaben lassen; ''saha'' – gemeinsam; ''vīryam'' – Kraft, Tatkraft; ''karavāvahai'' – wir beide wollen vollbringen; erste Person Dual; ''tejasvi'' – glänzend, von Klarheit und Kraft erfüllt; ''nau'' – unser beider; vor adhītam als nāv; ''adhītam'' – das Studierte, Studium oder Gelerntes; ''astu'' – es sei; ''mā'' – nicht; ''vidviṣāvahai'' – wir beide mögen einander hassen; mit mā: mögen wir einander nicht hassen; ''oṃ'' – Om; ''śāntiḥ'' – Frieden; ''śāntiḥ'' – Frieden; ''śāntiḥ'' – Frieden.
'''Kolophon – Abschlussformel'''<br>
iti mahānārāyaṇopaniṣat samāptā ||<br>
'''Übersetzung:''' So ist die Mahanarayana-Upanishad abgeschlossen.
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''iti'' – so, hiermit; ''mahā-nārāyaṇa-upaniṣat'' – Mahanarayana-Upanishad: mahā, groß; nārāyaṇa, Narayana; upaniṣat, vertrauliche Lehre; ''samāptā'' – abgeschlossen, zu Ende gebracht.
'''Erläuterung:''' Das Kolophon ist die überlieferte Abschlussformel des Textes.
==Datierung, Inhalt und Bedeutung==
'''Mehrere geschichtliche Schichten'''
Die Mahanarayana Upanishad besitzt keinen überlieferten historischen Verfasser, dessen Lebensdaten die gesamte Sammlung datieren könnten. Ihr Material ist geschichtet: Manche Strophen sind bereits in älteren vedischen Samhitas belegt; andere Abschnitte ordnen Gebete für bestimmte rituelle Handlungen an; wieder andere entfalten eine Lehre über die höchste Wirklichkeit und über [[Entsagung]]. Das Alter eines aufgenommenen Mantras ist daher vom Alter seiner Einordnung in diese Sammlung zu unterscheiden. Jean Varennes Ausgabe weist die vedischen Parallelstellen und die Varianten der Überlieferung einzeln nach. [https://varenne.tc.columbia.edu/jv/mahanarayana/mahanarayana.html Jean Varenne: La Mahā Nārāyaṇa Upaniṣad, 1960].
Ein konkretes Beispiel ist Anuvaka 76: Das Gebet an [[Agni]] entspricht [[Rigveda]] 2.1.1. Seine Verwendung innerhalb der Mahanarayana Upanishad beweist die Aufnahme älteren Hymnenmaterials; sie datiert nicht automatisch die gesamte Anordnung der 80 Anuvakas. Ebenso lässt sich aus der vedischen Sprache der Formeln kein einheitliches Entstehungsjahr sämtlicher Prosalehren ableiten.
Für die ausgearbeitete theistische Gestalt ist auch eine Datierung um den Beginn unserer Zeitrechnung vorgeschlagen worden. Vishwa Adluri berichtet in seiner wissenschaftlichen Einleitung zum Narayaniya ausdrücklich, dass Doris Meth Srinivasan die Mahanarayana Upanishad ungefähr in das 1. Jahrhundert n. Chr. setzt. Diese Einordnung ist eine Forschungsposition, kein allgemein gesichertes Datum für jede Einzelstrophe. [https://www.wisdomlib.org/hinduism/book/narayaniya-narayaneeyam/d/doc419422.html Vishwa Adluri: Introduction to the Nārāyaṇīya, Abschnitt „Origins and Composition“].
Für eine sachgerechte Datierung müssen deshalb mindestens vier Ebenen auseinandergehalten werden: ältere vedische Vorlagen, die Zusammenstellung der Upanishad, die Ausbildung unterschiedlicher Rezensionen und die viel später erhaltenen Handschriften beziehungsweise Drucke. Das Erscheinungsjahr einer Ausgabe belegt deren Veröffentlichung. Ein innerhalb der Überlieferung genannter göttlicher Lehrer ist Teil der religiösen Darstellung und kein datierbarer historischer Autor.
'''Rezensionen und die Grenze der Abschnittszählung'''
Die Überlieferung kennt Fassungen mit unterschiedlicher Anuvaka-Zahl. Eine 64-teilige Fassung und die hier zugrunde gelegte 80-teilige Fassung lassen sich daher nicht einfach anhand gleicher Abschnittsnummern miteinander vergleichen. Auch Varennes fortlaufende Teilverszählung ist nicht mit der hier verwendeten Anuvaka-Zählung identisch. Für jedes Zitat sind deshalb Ausgabe, Rezension und Zählsystem mitanzugeben.
Der Quellenvergleich der Schlussabschnitte zeigt die praktische Bedeutung dieser Sorgfalt. In der verglichenen SanskritDocuments-Datei springt die Zählung von 69 zu 71: Die fünf Formeln des Anuvaka 70 fehlen tatsächlich. Im vorliegenden Text sind sie aus dem Druck übernommen. In 77 wird ''subhūtena me saṃtiṣṭhasva'' mitberücksichtigt; in 79.12 ist das zweite ''manasā'' ergänzt; in 80.1 wird der im Druck vorhandene Satz über das Erlangen der Größe Brahmans vor der Schlusswiederholung erhalten. Diese Entscheidungen sind keine freien Ergänzungen nach vermutetem Sinn, sondern quellenbezogene Übernahmen.
'''Anuvaka 68: die umfassende Gegenwart'''
Die wiederholte Silbe [[Om]] verbindet unterschiedliche Bezeichnungen: Brahman, Vayu, Atman, Wahrheit und das All. Der folgende Abschnitt nennt Opfer, Opferausruf und mehrere Gottheiten in einer Reihe. Die Aussage „du bist“ stellt die einzelnen Namen in einen gemeinsamen Horizont. Die Formel kann deshalb sowohl als Gebet an das Göttliche als auch als Betrachtung einer alle Gestalten umfassenden Wirklichkeit gelesen werden.
Bemerkenswert ist das Nebeneinander von [[Indra]], [[Rudra]], [[Vishnu]] und [[Prajapati]]. Der Text beschränkt sich an dieser Stelle nicht auf eine ausschließende Verehrung einer einzelnen Gestalt. Seine Sprache eröffnet eine Verbindung zwischen persönlichen Gottesnamen und der umfassenden Wirklichkeit Brahmans. Welche systematische Deutung daraus folgt, wird in den späteren Vedanta-Schulen unterschiedlich ausgearbeitet.
'''Anuvakas 69–72: Nahrung, Lebenskräfte und Leib'''
Die Nahrung wird als Gabe an die fünf Lebenskräfte verstanden: [[Prana]], [[Apana]], [[Vyana]], [[Udana]] und [[Samana]]. Die Wiederholung der Formeln hat eine rituelle Funktion. Sie erhält ihren Sinn gerade dadurch, dass jede Lebenskraft ausdrücklich angesprochen wird. Eine einzige zusammenfassende Übersetzung würde diesen Vollzug unsichtbar machen.
Die kurzen Wasserformeln sprechen von Unterlage und Bedeckung des Unsterblichen. Es folgen die Bitten um Stärkung und um das Wohlergehen der Glieder. Mund, Nase, Augen, Ohren, Arme und Schenkel werden einzeln genannt. Der Körper erscheint hier als Träger des Lebens und der Praxis. Der Begriff „Unsterbliches“ innerhalb der Nahrungsformeln bedeutet keine empirische Zusicherung körperlicher Unsterblichkeit; er gehört zur sakralen Deutung der Gabe.
'''Anuvakas 73–77: Licht, Schutz und Abschluss'''
Die Seher bitten um das Entfernen der Dunkelheit und um Befreiung aus Bindung. Die Anrufung Rudras als Knoten der Lebenskräfte verbindet Schutz und innere Gegenwart. Danach folgen die Verneigung vor Rudra und Vishnu, der Hymnus an Agnis vielfältige Geburt und eine mehrfach wiederholte Bitte um einen heilvollen Abschluss.
Die Bilder sind konkret: Dunkelheit soll weichen, das Sehen soll erfüllt werden und Bindung soll sich lösen. Eine spirituelle Deutung kann sie auf [[Avidya]], [[Viveka]] und [[Moksha]] beziehen. In der Übersetzung bleiben zuerst die ausgesprochenen Bilder erhalten; die weiterführende philosophische Deutung steht in der Erläuterung.
'''Anuvakas 78–79: Was ist das Höchste?'''
Die beiden Abschnitte führen Wahrhaftigkeit, Tapas, Selbstbeherrschung, innere Ruhe, Geben, Dharma, Fortpflanzung, Opferfeuer, Agnihotra, Opfer, geistige Sammlung und Entsagung auf. Die wiederkehrende Frage betrifft die höchste Lebensausrichtung. Die Antwortfolge würdigt unterschiedliche religiöse und soziale Lebensformen. Sie kulminiert in [[Nyasa]], dem Niederlegen oder Loslassen.
Diese Struktur lässt sich nicht angemessen als beliebige Liste von Tugenden lesen. Die Wiederholung zeigt vielmehr, wie jede Haltung von ihren Vertretern als entscheidend angesehen wird. Die Entsagung beansprucht schließlich einen Vorrang. Für die Auslegung ist daher zu fragen, ob die äußere Lebensform des [[Sannyasa]], das Aufgeben des Besitzanspruchs auf Handlungen oder beides gemeint ist. Die unterschiedlichen traditionellen Deutungen müssen am jeweiligen Zusammenhang geprüft werden.
Eine besonders ausführliche Reihe verbindet Sonne, Regen, Pflanzen, Nahrung, Lebenskräfte und Erkenntnis. Geistiges Leben wird dadurch mit materiellen Lebensbedingungen verbunden. Wer Nahrung gibt, unterstützt nach der Aussage des Textes auch die Möglichkeiten von Kraft, Vertrauen, Besinnung und Erkenntnis. Die Passage kann eine Verbindung von [[Jnana Yoga]] und [[Karma Yoga]] anregen, ohne dass die späteren Schulbegriffe dem Sanskrittext nachträglich als eigene Wörter zugeschrieben werden.
'''Anuvaka 80: die Verinnerlichung des Opfers'''
Das ganze Leben des Wissenden wird mit einem Opfer verglichen. Das Selbst übernimmt die Stelle des Opferherrn; Vertrauen die seiner Gattin; der Körper die des Brennstoffs; Rede, Atem, Sehen, Geist und Hören werden den Priestern zugeordnet. Mahlzeiten, Tageszeiten, Monate, Jahreszeiten und Jahre bilden die zeitliche Ordnung des Lebensopfers.
Besonders eindrücklich ist die Zuordnung des Zorns zum Opfertier und der Selbstbeherrschung zum Schlachtenden. Sie lenkt die Opferhandlung auf eine innere Veränderung. Der Text verlangt in diesem Bild, den Zorn hinzugeben; er benennt ihn ausdrücklich. Auch die genaue Unterscheidung der Priester ist wesentlich: Der [[Brahman]]-Priester ist eine rituelle Funktion und darf an dieser Stelle nicht einfach mit dem unpersönlichen Brahman gleichgesetzt werden.
Der Schluss spricht von den Wegen zur Sonne und zum Mond und vom Erlangen der Größe Brahmans. Diese Aussagen gehören zur religiösen Kosmologie der Upanishad. Eine heutige Beschäftigung kann zugleich die existenzielle Frage aufnehmen: Wie verändert sich das tägliche Handeln, wenn das Leben als bewusste Gabe verstanden wird?
'''Die Reinigungs- und Opferformeln 60–67'''
Die Anuvakas 60–66 verbinden Sühne, Selbsterforschung und rituelle Reinigung. Die Formeln zu Kama und Manyu unterscheiden das Selbst von Begehren und Zorn als antreibenden Kräften; die folgenden Sesamopfer nennen Wohlstand, Schuld, Körperglieder, Lebensströme, Sinnesqualitäten und die fünf Hüllen. Ihre Sprache stammt aus einem konkreten Opfer- und Entsagungsritual. Sie ist deshalb zunächst historisch zu verstehen, bevor einzelne Motive in eine heutige Praxis übertragen werden.
Anuvaka 67 erweitert die Perspektive durch eine Folge kurzer Gaben an Gottheiten, kosmische Bereiche, Ahnen, Menschen und andere Wesen. Die abschließenden Bitten um unerschöpfliche Nahrung und um Gedeihen stellen Versorgung nicht als isolierten Privatbesitz dar: Nahrung wird rituell geteilt und in einen Zusammenhang aller Lebensformen gestellt.
'''Gebete um Einsicht und Bewahrung des Lebens, 44–59'''
Die Anuvakas 44–59 führen von Bitten um Einsicht und geistige Kraft zu Gebeten gegen den Tod. Wiederholt werden nicht nur die eigene Lebensdauer, sondern auch Eltern, Kinder, Nachkommen, Herden und die körperliche Unversehrtheit angesprochen. Die einzelnen Anrufungen gelten unterschiedlichen Gottheiten. Ihre Zusammenstellung macht den Charakter einer Sammlung älterer Mantras erkennbar; sie bildet keinen lückenlos fortschreitenden philosophischen Dialog.
Das bekannte [[Mahamrityunjaya Mantra]] in 56 verbindet die Bitte um Befreiung vom Tod mit dem Bild einer Frucht, die sich aus ihrer Bindung löst. Die folgenden Formeln sprechen von den Schlingen des Todes und von der rituellen Abwendung von Schuld. Die kultische Aussage des Sanskrit und eine heutige meditative Aneignung sollten dabei jeweils als solche benannt werden.
'''Gayatri, Trisuparna und Medha, 31–43'''
Die Gebete in 31–32 betrachten Verfehlungen des Tages und der Nacht und schließen mit einer symbolischen Darbringung des eigenen Selbst. Die folgenden Gayatri-Abschnitte verbinden die heilige Silbe [[Om]], die sieben Weltanrufungen und den Savitri-Vers mit rituellen Zuordnungen. Gerade die Zuordnungssätze zeigen sprachliche Unebenheiten und unterschiedliche Überlieferungsschichten; ihre Anmerkungen sind deshalb Teil der Textdarstellung.
Die drei [[Trisuparna]]-Gruppen in 38–40 führen Bitten um Brahman, Süße und Einsicht mit älteren kosmischen und rituellen Bildern zusammen. Jede Gruppe endet mit einer eigenen Wirkungsverheißung. Die [[Medha]]-Gebete in 41–43 stellen geistige Aufnahmefähigkeit, verständige Rede und Gedeihen in den Mittelpunkt. Ihre Bildsprache verbindet Lernen mit Nahrung, Milch, Duft, Licht und dem Wohlwollen einer Göttin.
'''Rudra, Agni, Erde und Wasser, 17–30'''
Die [[Panchabrahma Mantra|Panchabrahma-Mantras]] in 17–21 rufen Sadyojata, Vamadeva, Aghora, Tatpurusha und Ishana an. Die traditionelle Verehrung verbindet sie mit den fünf Gesichtern [[Shiva]]s. Weitere Rudra-Formeln entfalten die Beziehung von göttlicher Person, höchstem Brahman und der Gesamtheit der Wesen. Der Wechsel zwischen Namen, Bildern und philosophischen Aussagen ist charakteristisch für diese Sammlung.
Anuvaka 26 nennt die hölzerne Opferkelle des [[Agnihotra]]. Anuvaka 27 verweist durch Anfangswörter auf fünf Agni-Verse; sie sind hier vollständig als einzeln erläuterte Verse hinzugefügt. Diese Schutzmantras verwenden eine ausgeprägte Kampf- und Feuerbildsprache. Die anschließenden Texte wenden sich Aditi als Erde und Mutter der Wesen sowie dem Wasser als umfassendem Lebens- und Reinigungsgrund zu. Ihre konkreten rituellen Zusammenhänge werden in der Übersetzung ausdrücklich benannt.
'''Kosmologie, Gebet und Übung, 1–11'''
Der lange erste Anuvaka eröffnet mit einer Kosmologie des einen, unvergänglichen Grundes. Prajapati ist größer als das Große und zugleich im Embryo gegenwärtig. Feuer, Wind, Sonne, Mond, Wasser, Zeit und Geschöpfe werden nicht als voneinander unabhängige letzte Wirklichkeiten dargestellt, sondern auf denselben Grund bezogen. 1.10–1.11 begrenzen zugleich jede gegenständliche Vorstellung: Diese Wirklichkeit lässt sich räumlich nicht umfassen und mit dem Auge nicht sehen; sie wird im gesammelten Herzen erkannt.
Die in der benutzten Zusammenstellung ausgeschriebenen Uttaranarayana- und Hiranyagarbha-Hymnen verbinden diese Lehre mit älteren vedischen Schöpfungs- und Sonnengebeten. Ihre eigene Zählung darf nicht in die 70 Mantras des ersten Anuvaka eingerechnet werden. Die anschließenden Mantras 1.19–1.70 führen von Gebeten um Einsicht und Schutz über mehrere Gottheiten-Gayatris zu Reinigungsformeln für Erde und Wasser. Gerade dieses Nebeneinander zeigt den Sammlungscharakter des Textes.
Anuvaka 2 ist das [[Durga Sukta]]. Das wiederholte Bild des Hinüberfahrens verbindet äußere Gefahr, moralisches Übel und spirituelle Befreiung. Die kurzen Anuvakas 3–7 ordnen Weltbereiche, Gottheiten und Opferformeln; 8–9 bitten um Kraft des Lernens und Bewahrung des Gehörten. Anuvaka 10 erklärt Wahrheit, Hören, Selbstbeherrschung, Geben und Opfer zu Formen des [[Tapas]]. Anuvaka 11 vergleicht die Fernwirkung einer guten Tat mit dem Duft eines blühenden Baumes und mahnt zu derselben Achtsamkeit wie beim Gang über eine Schwertschneide.
'''Das innere Selbst, Narayana und die Sonnenmeditation, 12–16'''
Anuvaka 12 versammelt Aussagen über das Selbst im Herzen, kosmische Ursprünge, vedische Opferbilder und Befreiung durch Loslassen. Mehrere Strophen haben Parallelen in anderen Upanishaden oder im Rigveda; ihre jeweilige Lesart und Stellung sind deshalb von einer pauschalen Zuordnung zu nur einer philosophischen Schule zu unterscheiden. Die Lehre vom kleinen Raum im Herzlotus führt in die anschließende [[Narayana]]-Meditation.
Der Narayana-Hymnus in 13 verbindet Aussagen über das All mit einem nach innen gerichteten Meditationsbild: Herzlotus, Hohlraum, Feuer, feine Flammenspitze und das darin gegenwärtige höchste Selbst. Die Gleichsetzungen mit Brahma, Shiva, Hari und Indra stehen innerhalb dieses Textzusammenhangs. Die Beschreibung ist als religiöses Meditationsbild zu lesen. Anuvakas 14–15 betrachten Sonne und vedische Lehre als zusammengehörig; Anuvaka 16 geht zu den Anrufungen des [[Shiva Linga]] über.
'''Bedeutung heute'''
Die Schlussabschnitte verbinden Erkenntnis mit Ernährung, Sprache, Verantwortung und Zeit. Sie eignen sich deshalb für ein [[Svadhyaya]], das die Alltagspraxis einbezieht. Vor einer Mahlzeit kann die Erinnerung an die vielen Bedingungen der Nahrung [[Dankbarkeit]] fördern. Beim Sprechen kann die Frage nach [[Satya]] helfen, Genauigkeit und Wahrhaftigkeit zu üben. Beim Handeln kann das Motiv des Loslassens den Anspruch abschwächen, jede Wirkung für das eigene Ich vereinnahmen zu müssen.
Das Studium verlangt zugleich Aufmerksamkeit gegenüber historischen Unterschieden. Die Bewertung von Nachkommenschaft, Fasten und Opferfeuern gehört zu bestimmten vedischen Lebensformen. Aus ihrer Aufnahme in eine Upanishad folgt nicht, dass heutige Aspiranten jede Einzelpraxis unverändert übernehmen müssten. Die Empfehlungen unten stellen deshalb ausdrücklich heutige Anwendungen dar. Sie sind vom übersetzten Wortlaut der alten Lehre unterscheidbar.
Die Sanskritfassung ohne Akzente dient dem Lesen und Verstehen. Für eine traditionelle vedische Rezitation sind zusätzlich Akzentüberlieferung, Aussprache und Unterweisung erforderlich. Eine moderne musikalische Vertonung kann eine meditative Annäherung sein, belegt aber nicht von sich aus die historische Rezitationsweise.
==Devanagari: Anuvakas 1–80 und Schlussformeln==
'''१.१'''<br>
अम्भस्यपारे भुवनस्य मध्ये नाकस्य पृष्ठे महतो महीयान् । शुक्रेण ज्योतींषि समनुप्रविष्टः प्रजापतिश्चरति गर्भे अन्तः ॥ १.१ ॥<br>
'''१.२'''<br>
यस्मिन्निदं सं च वि चैति सर्वं यस्मिन् देवा अधि विश्वे निषेदुः । तदेव भूतं तदु भव्यमा इदं तदक्षरे परमे व्योमन् ॥ १.२ ॥<br>
'''१.३'''<br>
येनावृतं खं च दिवं मही च येनादित्यस्तपति तेजसा भ्राजसा च । यमन्तः समुद्रे कवयो वयन्ति यदक्षरे परमे प्रजाः ॥ १.३ ॥<br>
'''१.४'''<br>
यतः प्रसूता जगतः प्रसूती तोयेन जीवान् व्यचसर्ज भूम्याम् । यदोषधीभिः पुरुषान् पशूंश्च विवेश भूतानि चराचराणि ॥ १.४ ॥<br>
'''१.५'''<br>
अतः परं नान्यदणीयसं हि परात्परं यन्महतो महान्तम् । यदेकमव्यक्तमनन्तरूपं विश्वं पुराणं तमसः परस्तात् ॥ १.५ ॥<br>
'''१.६'''<br>
तदेवर्तं तदु सत्यमाहुस्तदेव ब्रह्म परमं कवीनाम् । इष्टापूर्तं बहुधा जातं जायमानं विश्वं बिभर्ति भुवनस्य नाभिः ॥ १.६ ॥<br>
'''१.७'''<br>
तदेवाग्निस्तद्वायुस्तत्सूर्यस्तदु चन्द्रमाः । तदेव शुक्रममृतं तद्ब्रह्म तदापः स प्रजापतिः ॥ १.७ ॥<br>
'''१.८'''<br>
सर्वे निमेषा जज्ञिरे विद्युतः पुरुषादधि । कला मुहूर्ताः काष्ठाश्चाहोरात्राश्च सर्वशः ॥ १.८ ॥<br>
'''१.९'''<br>
अर्धमासा मासा ऋतवः संवत्सरश्च कल्पन्ताम् । स आपः प्रदुधे उभे इमे अन्तरिक्षमथो सुवः ॥ १.९ ॥<br>
'''१.१०'''<br>
नैनमूर्ध्वं न तिर्यञ्चं न मध्ये परिजग्रभत् । न तस्येशे कश्चन तस्य नाम महद्यशः ॥ १.१० ॥<br>
'''१.११'''<br>
न संदृशे तिष्ठति रूपमस्य न चक्षुषा पश्यति कश्चनैनम् । हृदा मनीशा मनसाभिक्लृप्तो य एनं विदुरमृतास्ते भवन्ति ॥ १.११ ॥<br>
'''१.पूरक१.१'''<br>
अद्भ्यः सम्भूतः पृथिव्यौ रसाच्च विश्वकर्मणः समवर्तताधि । तस्य त्वष्टा विदधद्रूपमेति तत्पुरुषस्य विश्वमाजानमग्रे ॥ १.पूरक१.१ ॥<br>
'''१.पूरक१.२'''<br>
वेदाहमेतं पुरुषं महान्तं आदित्यवर्णं तमसः परस्तात् । तमेवं विद्वानमृत इह भवति नान्यः पन्थाविद्यतेऽयनाय ॥ १.पूरक१.२ ॥<br>
'''१.पूरक१.३'''<br>
प्रजापतिश्चरति गर्भे अन्तः अजायमानो बहुथा विजायते । तस्य धीराः परिजानन्ति योनिम् मरीचीनां पदमिच्छन्ति वेधसः ॥ १.पूरक१.३ ॥<br>
'''१.पूरक१.४'''<br>
यो देवेभ्य आतपति यो देवानां पुरोहितः । पूर्वो यो देवेभ्यो जातः नमो रुचाय ब्राह्मये ॥ १.पूरक१.४ ॥<br>
'''१.पूरक१.५'''<br>
रुचं ब्राह्मं जनयन्तः देवा अग्रे तदब्रुवन् । यस्त्वैवं ब्राह्मणो विद्यात् तस्य देवा असन् वशे ॥ १.पूरक१.५ ॥<br>
'''१.पूरक१.६'''<br>
ह्रीश्च ते लक्ष्मीश्च पत्न्यौ अहोरात्रे पार्श्वे नक्षत्राणि रूपम् । अश्विनौ व्यात्तम् इष्टं मनिषाण अमुं मनिषाण सर्वं मनिषाण ॥ १.पूरक१.६ ॥<br>
'''१.पूरक२.१'''<br>
हिरण्यगर्भः समवर्तताग्रे भूतस्य जातः पतिरेक आसीत् । स दाधार पृथिवीं द्यामुतेमां कस्मै देवाय हविषा विधेम ॥ १.पूरक२.१ ॥<br>
'''१.पूरक२.२'''<br>
यः प्राणतो निमिषतो महित्वैक इद्राजा जगतो बभूव । य ईशे अस्य द्विपदश्चतुष्पदः कस्मै देवाय हविषा विधेम ॥ १.पूरक२.२ ॥<br>
'''१.पूरक२.३'''<br>
य आत्मदा बलंदा यस्य विश्व उपासते प्रशिषं यस्य देवाः । यस्य छायामृतं यस्य मृत्युः कस्मै देवाय हविषा विधेम ॥ १.पूरक२.३ ॥<br>
'''१.पूरक२.४'''<br>
यस्येमे हिमवन्तो महित्वा यस्य समुद्रं रसया सहाहुः । यस्येमाः प्रदिशो यस्य बाहू कस्मै देवाय हविषा विधेम ॥ १.पूरक२.४ ॥<br>
'''१.पूरक२.५'''<br>
यं क्रन्दसी अवसा तस्तभाने अस्यैक्षेतां मनसा रेजमाने । यत्राधि सूर उदितौ व्येति कस्मै देवाय हविषा विधेम ॥ १.पूरक२.५ ॥<br>
'''१.पूरक२.६'''<br>
येन द्यौरुग्रा पृथिवी च दृढे येन सुवः स्तभितं येन नाकः । यो अन्तरिक्षे रजसो विमानः कस्मै देवाय हविषा विधेम ॥ १.पूरक२.६ ॥<br>
'''१.पूरक२.७'''<br>
आपो ह यन्महतीर्विश्वमायं दक्षं दधाना जनयन्तीरग्निम् । ततो देवानां निरवर्ततासुरेकः कस्मै देवाय हविषा विधेम ॥ १.पूरक२.७ ॥<br>
'''१.पूरक२.८'''<br>
यश्चिदापो महिना पर्यपश्यद्दक्षं दधाना जनयन्तीरग्निम् । यो देवेश्वधि देव एक कस्मै देवाय हविषा विधेम ॥ १.पूरक२.८ ॥<br>
'''१.१२'''<br>
एष हि देवः प्रदिशोऽनु सर्वाः पूर्वो हि जातः स उ गर्भे अन्तः । स विजायमानः स जनिष्यमाणः प्रत्यङ्मुखास्तिष्ठति विश्वतोमुखः ॥ १.१२ ॥<br>
'''१.१३'''<br>
विश्वतश्चक्षुरुत विश्वतो मुखो विश्वतो हस्त उत विश्वतस्पात् । सं बाहुभ्यां नमति सं पतत्रैर्द्यावापृथिवी जनयन् देव एकः ॥ १.१३ ॥<br>
'''१.१४'''<br>
वेनस्तत् पश्यन् विश्वा भुवनानि विद्वान् यत्र विश्वं भवत्येकनीडम् । यस्मिन्निदंसं च वि चैकंस ओतः प्रोतश्च विभुः प्रजासु ॥ १.१४ ॥<br>
'''१.१५'''<br>
प्र तद्वोचे अमृतं नु विद्वान् गन्धर्वो नाम निहितं गुहासु । त्रीणि पदा निहिता गुहासु यस्तद्वेद सवितुः पिता सत् ॥ १.१५ ॥<br>
'''१.१६'''<br>
स नो बन्धुर्जनिता स विधाता धामानि वेद भुवनानि विश्वा । यत्र देवा अमृतमानशानास्तृतीये धामान्यभ्यैरयन्त ॥ १.१६ ॥<br>
'''१.१७'''<br>
परि द्यावापृथिवी यन्ति सद्यः परि लोकान् परि दिशः परि सुवः । ऋतस्य तन्तुं विततं विचृत्य तदपश्यत् तदभवत् प्रजासु ॥ १.१७ ॥<br>
'''१.१८'''<br>
परीत्य लोकान् परीत्य भूतानि परीत्य सर्वाः प्रदिशो दिशश्च । प्रजापतिः प्रथमजा ऋतस्यात्मनात्मानमभिसम्बभूव ॥ १.१८ ॥<br>
'''१.१९'''<br>
सदसस्पतिमद्भुतं प्रियमिन्द्रस्य काम्यम् । सनिं मेधामयासिषम् ॥ १.१९ ॥<br>
'''१.२०'''<br>
उद्दीप्यस्व जातवेदोऽपघ्नन्निऋतिं मम । पशूंश्च मह्यममावह जीवनं च दिशो दिश ॥ १.२० ॥<br>
'''१.२१'''<br>
मा नो हिंसीज्जातवेदो गामश्वं पुरुषं जगत् । अबिभ्रदग्न आगहि श्रिया मा परिपातय ॥ १.२१ ॥<br>
'''१.२२'''<br>
पुरुषस्य विद्महे सहस्राक्षस्य महादेवस्य धीमहि । तन्नो रुद्रः प्रचोदयात् ॥ १.२२ ॥<br>
'''१.२३'''<br>
तत्पुरुषाय विद्महे महादेवाय धीमहि । तन्नो रुद्रः प्रचोदयात् ॥ १.२३ ॥<br>
'''१.२४'''<br>
तत्पुरुषाय विद्महे वक्रतुण्डाय धीमहि । तन्नो दन्तिः प्रचोदयात् ॥ १.२४ ॥<br>
'''१.२५'''<br>
तत्पुरुषाय विद्महे चक्रतुण्डाय धीमहि । तन्नो नन्दिः प्रचोदयात् ॥ १.२५ ॥<br>
'''१.२६'''<br>
तत्पुरुषाय विद्महे महासेनाय धीमहि । तन्नः षण्मुखः प्रचोदयात् ॥ १.२६ ॥<br>
'''१.२७'''<br>
तत्पुरुषाय विद्महे सुवर्णपक्षाय धीमहि । तन्नो गरुडः प्रचोदयात् ॥ १.२७ ॥<br>
'''१.२८'''<br>
वेदात्मनाय विद्महे हिरण्यगर्भाय धीमहि । तन्नो ब्रह्म प्रचोदयात् ॥ १.२८ ॥<br>
'''१.२९'''<br>
नारायणाय विद्महे वासुदेवाय धीमहि । तन्नो विष्णुः प्रचोदयात् ॥ १.२९ ॥<br>
'''१.३०'''<br>
वज्रनखाय विद्महे तीक्ष्णदंष्ट्राय धीमहि । तन्नो नारसिंहः प्रचोदयात् ॥ १.३० ॥<br>
'''१.३१'''<br>
भास्कराय विद्महे महद्द्युतिकराय धीमहि । तन्नो आदित्य्यः प्रचोदयात् ॥ १.३१ ॥<br>
'''१.३२'''<br>
वैश्वानरय विद्महे लालीलाय धीमहि । तन्नो अग्निः प्रचोदयात् ॥ १.३२ ॥<br>
'''१.३३'''<br>
कात्यायनाय विद्महे कन्याकुमारि धीमहि । तन्नो दुर्गिः प्रचोदयात् ॥ १.३३ ॥<br>
'''१.३४'''<br>
सहस्रपरमा देवी शतमूला शताङ्कुरा । सर्वंहरतु मे पापं दूर्वा दुःस्वप्ननाशिनी ॥ १.३४ ॥<br>
'''१.३५'''<br>
काण्डात् काण्डात् प्ररोहन्ती परुषः परुषः परि । एवा नो दूर्वे प्रतनु सहस्रेण शतेन च ॥ १.३५ ॥<br>
'''१.३६'''<br>
या शतेन प्रतनोषि सहस्रेण विरोहसि । तस्यास्ते देवीष्टके विधेम हविषा वयम् ॥ १.३६ ॥<br>
'''१.३७'''<br>
अश्वक्रान्ते रथक्रान्ते विष्णुक्रान्ते वसुन्धरा । शिरसा धारयिष्यामि रक्षस्व मां पदे पदे ॥ १.३७ ॥<br>
'''१.३८'''<br>
भूमिर्धेनुर्धरणी लोकधारिणी । उद्धृतासि वराहेण कृष्णेन शतबाहुना ॥ १.३८ ॥<br>
'''१.३९'''<br>
मृत्तिके हन पापं यन्मया दुष्कृतं कृतम् । मृत्तिके ब्रह्मदत्तासि काश्यपेनाभिमन्त्रिता । मृत्तिके देहि मे पुष्टिं त्वयि सर्वं प्रतिष्ठितम् ॥ १.३९ ॥<br>
'''१.४०'''<br>
मृत्तिके प्रतिष्ठिते सर्वं तन्मे निर्णुद मृत्तिके । त्वया हतेन पापेन गच्छामि परमां गतिम् ॥ १.४० ॥<br>
'''१.४१'''<br>
यत इन्द्र भयामहे ततो नो अभयं कृधि । मघवञ्छग्धि तव तन्न ऊतये विद्विषो विमृधो जहि ॥ १.४१ ॥<br>
'''१.४२'''<br>
स्वस्तिदा विशस्पतिर्वृत्रहा विमृधो वशी । वृषेन्द्रः पुर एतु नः स्वस्तिदा अभयङ्करः ॥ १.४२ ॥<br>
'''१.४३'''<br>
स्वस्ति न इन्द्रो वृद्धश्रवाः स्वस्ति नः पूषा विश्ववेदाः । स्वस्ति नस्तार्क्ष्यो अरिष्टनेमिः स्वस्ति नो बृहस्पतिर्दधातु ॥ १.४३ ॥<br>
'''१.४४'''<br>
आपान्तमन्युस्तृपलप्रभर्मा धुनिः शिमीवाञ्छरुमांऋजीषी । सोमो विश्वान्यतसावनानि नार्वागिन्द्रं प्रतिमानानि देभुः ॥ १.४४ ॥<br>
'''१.४५'''<br>
ब्रह्मजज्ञानं प्रथमं पुरस्ताद्वि सीमतः सुरुचो वेन आवः । स बुध्निया उपमा अस्य विष्ठाः सतश्च योनिमसतश्च विवः ॥ १.४५ ॥<br>
'''१.४६'''<br>
स्योना पृथिवि भवान् नृक्षरा निवेशनी । यच्छा नः शर्म सप्रथाः ॥ १.४६ ॥<br>
'''१.४७'''<br>
गन्धद्वारां दुराधर्षां नित्यपुष्टां करीषिणीम् । ईश्वरीं सर्वभूतानां तामिहोपह्वये श्रियम् ॥ १.४७ ॥<br>
'''१.४८'''<br>
श्रीर्मे भजतु अलक्ष्मीर्मे नश्यतु । विष्णुमुखा वै देवाश्छन्दोभिरिमांल्लोकाननपजय्यमभ्यजयन् । महां इन्द्रो वज्रबाहुः षोडशी शर्म यच्छतु ॥ १.४८ ॥<br>
'''१.४९'''<br>
स्वस्ति नो मघवा करोतु । हन्तु पाप्मानं योऽस्मान् द्वेष्टि ॥ १.४९ ॥<br>
'''१.५०'''<br>
सोमानं स्वरणं कृणुहि ब्रह्मणस्पते कक्षीवन्तं य औशिजम् । शरीरं यज्ञशमलं कुसीदं तस्मिन्त्सीदतु योऽस्मान् द्वेष्टि ॥ १.५० ॥<br>
'''१.५१'''<br>
चरणं पवित्रं विततं पुराणं येन पूतस्तरति दुष्कृतानि । तेन पवित्रेण शुद्धेन पूता अति पाप्मानमरातिं तरेम ॥ १.५१ ॥<br>
'''१.५२'''<br>
सजोषा इन्द्र सगणो मरुद्भिः सोमं पिब वृत्रहञ्छूर विद्वान् । जहि शत्रूंरप मृधो नुदस्वाथाभयं कृणुहि विश्वतो नः ॥ १.५२ ॥<br>
'''१.५३'''<br>
सुमित्रा न आप ओषधयः सन्तु । दुर्मित्रास्तस्मै भूयासुर्योऽस्मान् द्वेष्टि यं च वयं द्विष्मः ॥ १.५३ ॥<br>
'''१.५४'''<br>
आपो हि ष्ठा मयोभुवस्ता न ऊर्जे दधातन । महे रणाय चक्षसे । यो वः शिवतमो रसस्तस्य भाजयतेऽह नः । उशतीरिव मातरः । तस्मा अरं गमाम वो यस्य क्षयाय जिन्वथ । आपो जनयथा च नः ॥ १.५४ ॥<br>
'''१.५५'''<br>
हिरण्यशृङ्गं वरुणं प्रपद्ये तीर्थ मे देहि याचितः । यन्मया भुक्तमसाधूनां पापेभ्यश्च प्रतिग्रहः ॥ १.५५ ॥<br>
'''१.५६'''<br>
यन्मे मनसा वाचा कर्मणा वा दुष्कृतं कृतम् । तन्न इन्द्रो वरुणो बृहस्पतिः सविता च पुनन्तु पुनः पुनः ॥ १.५६ ॥<br>
'''१.५७'''<br>
नमोऽग्नयेऽप्सुमते नम इन्द्राय नमो वरुणाय नमो वारुण्यै नमोऽद्भ्यः ॥ १.५७ ॥<br>
'''१.५८'''<br>
यदपां क्रूरं यदमेध्यं यदशान्तं तदपगच्छतात् ॥ १.५८ ॥<br>
'''१.५९'''<br>
अत्याशनादतीपानाद् यच्च उग्रात् प्रतिग्रहात् । तन्मे वरुणो राजा पाणिना ह्यवमर्शतु ॥ १.५९ ॥<br>
'''१.६०'''<br>
सोऽहमपापो विरजो निर्मुक्तो मुक्तकिल्बिषः । नाकस्य पृष्ठमारुह्य गच्छेद्ब्रह्मसलोकताम् ॥ १.६० ॥<br>
'''१.६१'''<br>
यश्चाप्सु वरुणः स पुनात्वघमर्षणः ॥ १.६१ ॥<br>
'''१.६२'''<br>
इमं मे गङ्गे यमुने सरस्वति शुतुद्रि स्तोमं सचता परुष्णिया । असिक्निय मरुद्वृधे वितस्तयार्जीकीये शृणुह्या सुषोमया ॥ १.६२ ॥<br>
'''१.६३'''<br>
ऋतं च सत्यं चाभीद्धात्तपसोऽध्यजायत । ततो रात्रिरजायत ततः समुद्रो अर्णवः ॥ १.६३ ॥<br>
'''१.६४'''<br>
समुद्रादर्णवादधि संवत्सरो अजायत । अहोरात्राणि विदधद्विश्वस्य मिषतो वशी ॥ १.६४ ॥<br>
'''१.६५'''<br>
सूर्याचन्द्रमसौ धाता यथापूर्वमकल्पयत् । दिवं च पृथिवीं चान्तरिक्षमथो सुवः ॥ १.६५ ॥<br>
'''१.६६'''<br>
यत्पृथिव्यां रजः स्वमान्तरिक्षे विरोदसी । इमांस्तदापो वरुणः पुनात्वघमर्षणः ॥ पुनन्तु वसवः पुनातु वरुणः पुनात्वघमर्षणः । एष भूतस्य मध्ये भुवनस्य गोप्ता ॥ एष पुण्यकृतां लोकानेष मृत्योर्हिरण्मयम् । द्यावापृथिव्योर्हिरण्मयं संश्रितं सुवः । स नः सुवः संशिशाधि ॥ १.६६ ॥<br>
'''१.६७'''<br>
आर्द्रं ज्वलतिज्योतिरहमस्मि । ज्योतिर्ज्वलति ब्रह्माहमस्मि । योऽहमस्मि ब्रह्माहमस्मि । अहमस्मि ब्रह्माहमस्मि । अहमेवाहं मां जुहोमि स्वाहा ॥ १.६७ ॥<br>
'''१.६८'''<br>
अकार्यवकीर्णी स्तेनो भ्रूणहा गुरुतल्पगः । वरुणोऽपामघमर्षणस्तस्मात् पापात् प्रमुच्यते ॥ १.६८ ॥<br>
'''१.६९'''<br>
रजोभूमिस्त्व मां रोदयस्व प्रवदन्ति धीराः ॥ १.६९ ॥<br>
'''१.७०'''<br>
आक्रान्त्समुद्रः प्रथमे विधर्मञ्जनयन्प्रजा भुवनस्य राजा । वृषा पवित्रे अधि सानो अव्ये बृहत्सोमो वावृधे सुवान इन्दुः ॥ १.७० ॥<br>
'''२.१'''<br>
जातवेदसे सुनवाम सोममरातीयतो निदहाति वेदः । स नः पर्षदति दुर्गाणि विश्वा नावेव सिन्धुं दुरितात्यग्निः ॥ २.१ ॥<br>
'''२.२'''<br>
तामग्निवर्णां तपसा ज्वलन्तीं वैरोचनीं कर्मफलेषु जुष्टाम् । दुर्गां देवीं शरणमहं प्रपद्ये सुतरसि तरसे नमः ॥ २.२ ॥<br>
'''२.३'''<br>
अग्ने त्वं पारया नव्यो अस्मान् स्वस्तिभिरति दुर्गाणि विश्वा । पूश्च पृथ्वी बहुला न उर्वी भवा तोकाय तनयाय शंयोः ॥ २.३ ॥<br>
'''२.४'''<br>
विश्वानि नो दुर्गहा जातवेदः सिन्धुं न नावा दुरितातिपर्षि । अग्ने अत्रिवन्मनसा गृणानोऽस्माकं बोध्यविता तनूनाम् ॥ २.४ ॥<br>
'''२.५'''<br>
पृतनाजितं सहमानमुग्रमग्निं हुवेम परमात्सधस्थात् । स नः पर्षदति दुर्गाणि विश्वा क्षामद्देवो अति दुरितात्यग्निः ॥ २.५ ॥<br>
'''२.६'''<br>
प्रत्नोषि कमीड्यो अध्वरेषु सनाच्च होता नव्यश्च सत्सि । स्वां चाग्ने तनुवं पिप्रयस्वास्मभ्यं च सौभगमायजस्व ॥ २.६ ॥<br>
'''२.७'''<br>
गोभिर्जुष्टमयुजो निषिक्तं तवेन्द्र विष्णोरनुसंचरेम । नाकस्य पृष्ठमभि संवसानो वैष्णवीं लोक इह मादयन्ताम् ॥ २.७ ॥<br>
'''३.१'''<br>
भूरन्नमग्नये पृथिव्यै स्वाहा भुवोऽन्नं वायवेऽन्तरिक्षाय स्वाहा सुवरन्नमादित्याय दिवे स्वाहा भूर्भुवस्सुवरन्नं चन्द्रमसे दिग्भ्यः स्वाहा नमो देवेभ्यः स्वधा पितृभ्यो भूर्भुवः सुवरन्नमोम् ॥ ३.१ ॥<br>
'''४.१'''<br>
भूरग्नये पृथिव्यै स्वाहा भुवो वायवेऽन्तरिक्षाय स्वाहा सुवरादित्याय दिवे स्वाहा भूर्भुवस्सुवश्चन्द्रमसे दिग्भ्यः स्वाहा नमो देवेभ्यः स्वधा पितृभ्यो भूर्भुवःसुवरग्न ओम् ॥ ४.१ ॥<br>
'''५.१'''<br>
भूरग्नये च पृथिव्यै च महुते च स्वाहा भुवो वायवे चान्तरिक्षाय च महते च स्वाहा सुवरादित्याय च दिवे च महते च स्वाहा भूर्भुवस्सुवश्चन्द्रमसे च नक्षत्रेभ्यश्च दिग्भ्यश्च महते च स्वाहा नमो देवेभ्यः स्वधा पितृभ्यो भूर्भुवः सुवर्महरोम् ॥ ५.१ ॥<br>
'''६.१'''<br>
पाहि नो अग्न एनसे स्वाहा पाहि नो विश्ववेदसे स्वाहा यज्ञं पाहि विभावसो स्वाहा सर्वं पाहि शतक्रतो स्वाहा ॥ ६.१ ॥<br>
'''७.१'''<br>
पाहि नो अग्न एकया पाह्युत द्वितीयया पाह्यूर्ज तृतीयया पाहि गीर्भिश्चतसृभिर्वसो स्वाहा ॥ ७.१ ॥<br>
'''८.१'''<br>
यश्छन्दसामृषभो विश्वरूपश्छन्दोभ्यश्चन्दांस्याविवेश । सतांशिक्यः प्रोवाचोपनिषदिन्द्रो ज्येष्ठ इन्द्रियाय ऋषिभ्यो नमो देवेभ्यः स्वधा पितृभ्यो भूर्भुवस्सुवश्छन्द ओम् ॥ ८.१ ॥<br>
'''९.१'''<br>
नमो ब्रह्मणे धारणं मे अस्त्वनिराकरणं धारयिता भूयासं कर्णयोः श्रुतं मा च्योढं ममामुष्य ओम् ॥ ९.१ ॥<br>
'''१०.१'''<br>
ऋतं तपः सत्यं तपः श्रुतं तपः शान्तं तपो दमस्तपः शमस्तपो दानं तपो यज्ञं तपो भूर्भुवः सुवर्ब्रह्मैतदुपास्वैतत्तपः ॥ १०.१ ॥<br>
'''११.१'''<br>
यथा वृक्षस्य सम्पुष्पितस्य दूराद्गन्धो वात्येवं पुण्यस्य कर्मणो दूराद्गन्धो वाति यथासिधारां कर्तेऽवहितमवक्रामे यद्युवे युवे हवा विह्वयिष्यामि कर्तं पतिष्यामीत्येवममृतादात्मानं जुगुप्सेत् ॥ ११.१ ॥<br>
'''१२.१'''<br>
अणोरणीयान् महतो महीयानात्मा गुहायां निहितोऽस्य जन्तोः । तमक्रतुं पश्यति वीतशोको धातुः प्रसादान्महिमानमीशम् ॥ १२.१ ॥<br>
'''१२.२'''<br>
सप्त प्राणा प्रभवन्ति तस्मात् सप्तार्चिषः समिधः सप्त जिह्वाः । सप्त इमे लोका येषु चरन्ति प्राणा गुहाशयान्निहिताः सप्त सप्त ॥ १२.२ ॥<br>
'''१२.३'''<br>
अतः समुद्रा गिरयश्च सर्वेऽस्मात्स्यन्दन्ते सिन्धवः सर्वरूपाः । अतश्च विश्वा ओषधयो रसाश्च येनैष भूतस्तिष्ठत्यन्तरात्मा ॥ १२.३ ॥<br>
'''१२.४'''<br>
ब्रह्मा देवानां पदवीः कवीनामृषिर्विप्राणां महिषो मृगाणाम् । श्येनो गृध्राणांस्वधितिर्वनानांसोमः पवित्रमत्येति रेभन् ॥ १२.४ ॥<br>
'''१२.५'''<br>
अजामेकां लोहितशुक्लकृष्णां बह्वीं प्रजां जनयन्तीं सरूपाम् । अजो ह्येको जुषमाणोऽनुशेते जहात्येनां भुक्तभोगामजोऽन्यः ॥ १२.५ ॥<br>
'''१२.६'''<br>
हंसः शुचिषद्वसुरन्तरिक्षसद्धोता वेदिषदतिथिर्दुरोणसत् । नृषद्वरसदृतसद्व्योमसदब्जा गोजा ऋतजा अद्रिजा ऋतं बृहत् ॥ १२.६ ॥<br>
'''१२.६क'''<br>
यस्माज्जाता न परा नैव किंचनास य आविवेश भुवनानि विश्वा । प्रजापतिः प्रजया संविदानस्त्रीणि ज्योतींषि सचते स षोडशी ॥ १२.६क ॥<br>
'''१२.६ख'''<br>
विधर्तारं हवामहे वसोः कुविद्वनाति नः । सवितारं नृचक्षसम् ॥ १२.६ख ॥<br>
'''१२.७'''<br>
घृतं मिमिक्षिरे घृतमस्य योनिर्घृते श्रितो घृतमुवस्य धाम । अनुष्वधमावह मादयस्व स्वाहाकृतं वृषभ वक्षि हव्यम् ॥ १२.७ ॥<br>
'''१२.८'''<br>
समुद्रादूर्मिर्मधुमां उदारदुपांशुना सममृतत्वमानट् । घृतस्य नाम गुह्यं यदस्ति जिह्वा देवानाममृतस्य नाभिः ॥ १२.८ ॥<br>
'''१२.९'''<br>
वयं नाम प्रब्रवामा घृतेनास्मिन् यज्ञे धारयामा नमोभिः । उप ब्रह्मा श‍ृणवच्छस्यमानं चतुःश‍ृङ्गोऽवमीद्गौर एतत् ॥ १२.९ ॥<br>
'''१२.१०'''<br>
चत्वारि श‍ृङ्गा त्रयो अस्य पादा द्वेशीर्षे सप्त हस्तासो अस्य । त्रिधा बद्धो वृषभो रोरवीति महो देवो मर्त्यां आविवेश ॥ १२.१० ॥<br>
'''१२.११'''<br>
त्रिधा हितं पणिभिर्गुह्यमानं गवि देवासो घृतमन्वविन्दन् । इन्द्र एकं सूर्य एकं जजान वेनादेकं स्वधया निष्टतक्षुः ॥ १२.११ ॥<br>
'''१२.१२'''<br>
यो देवानां प्रथमं पुरस्ताद्विश्वाधिको रुद्रो महर्षिः । हिरण्यगर्भं पश्यत जायमानं स नो देवः शुभयास्मृत्या संयुनक्तु ॥ १२.१२ ॥<br>
'''१२.१३'''<br>
यस्मात्परं नापरमस्ति किञ्चित् यस्मान्नाणीयो न ज्यायोऽस्ति कश्चित् । वृक्ष इव स्तब्धो दिवि तिष्ठत्येकस्तेनेदं पूर्णं पुरुषेण सर्वम् ॥ १२.१३ ॥<br>
'''१२.१४'''<br>
न कर्मणा न प्रजया धनेन त्यागेनैके अमृतत्वमानशुः । परेण नाकं निहितं गुहायां बिभ्राजते यद्यतयो विशन्ति ॥ १२.१४ ॥<br>
'''१२.१५'''<br>
वेदान्तविज्ञानविनिश्चितार्थाः संन्यासयोगाद्यतयः शुद्धसत्त्वाः । ते ब्रह्मलोके तु परान्तकाले परामृताः परिमुच्यन्ति सर्वे ॥ १२.१५ ॥<br>
'''१२.१६'''<br>
दह्रं विपापं वरवेश्मभूतं यत् पुण्डरीकं पुरमध्यसंस्थम् । तत्रापि दह्रे गगनं विशोकं तस्मिन् यदन्तस्तदुपासितव्यम् ॥ १२.१६ ॥<br>
'''१२.१७'''<br>
यो वेदादौ स्वरः प्रोक्तो वेदान्ते च प्रतिष्ठितः । तस्य प्रकृतिलीनस्य यः परः स महेश्वरः ॥ १२.१७ ॥<br>
'''१३.१'''<br>
सहस्रशीर्षं देवं विश्वाक्षं विश्वशम्भुवम् । विश्वं नारायणं देवमक्षरं परमं प्रभुम् ॥ १३.१ ॥<br>
'''१३.२'''<br>
विश्वतः परमं नित्यं विश्वं नारायणं हरिम् । विश्वमेवेदं पुरुषस्तद्विश्वमुपजीवति ॥ १३.२ ॥<br>
'''१३.३'''<br>
पतिं विश्वस्यात्मेश्वरं शाश्वतं शिवमच्युतम् । नारायणं महाज्ञेयं विश्वात्मानं परायणम् ॥ १३.३ ॥<br>
'''१३.४'''<br>
नारायणः परं ब्रह्म तत्त्वं नारायणः परः । नारायणः परो ज्योतिरात्मा नारायणः परः ॥ १३.४ ॥<br>
'''१३.५.१'''<br>
नारायणः परो ध्याता ध्यानं नारायणः परः ॥ १३.५.१ ॥<br>
'''१३.५.२'''<br>
यच्च किञ्चिज्जगत्यस्मिन् दृश्यते श्रूयतेऽपि वा । अन्तर्बहिश्च तत्सर्वं व्याप्य नारायणः स्थितः ॥ १३.५.२ ॥<br>
'''१३.६'''<br>
अनन्तमव्ययं कविं समुद्रेऽन्तं विश्वशम्भुवम् । पद्मकोशप्रतीकाशं हृदयं चाप्यधोमुखम् ॥ १३.६ ॥<br>
'''१३.७'''<br>
अधो निष्ट्या वितस्त्यान्ते नाभ्यामुपरि तिष्ठति । हृदयं तद्विजानीयाद्विश्वस्यायतनं महत् ॥ १३.७ ॥<br>
'''१३.८'''<br>
सन्ततं सिराभिस्तु लम्बत्याकोशसन्निभम् । तस्यान्ते सुषिरं सूक्ष्मं तस्मिन्त्सर्वं प्रतिष्ठितम् ॥ १३.८ ॥<br>
'''१३.९'''<br>
तस्य मध्ये महानग्निर्विश्वार्चिर्विश्वतोमुखः । सोऽग्रभुग्विभजन्तिष्ठन्नाहारमजरः कविः ॥ १३.९ ॥<br>
'''१३.१०.१'''<br>
तिर्यगूर्ध्वमधःशायी रश्मयस्तस्य सन्तताः । सन्तापयति स्वं देहमापादतलमस्तकम् ॥ १३.१०.१ ॥<br>
'''१३.१०.२'''<br>
तस्य मध्ये वह्निशिखा अणीयोर्ध्वा व्यवस्थिता ॥ १३.१०.२ ॥<br>
'''१३.११'''<br>
नीलतोयदमध्यस्था विद्युल्लेखेव भास्वरा । नीवारशूकवत्तन्वी पीता भास्वत्यणूपमा ॥ १३.११ ॥<br>
'''१३.१२'''<br>
तस्याः शिखाया मध्ये परमात्मा व्यवस्थितः । स ब्रह्मा स शिवः स हरिः सेन्द्रः सोऽक्षरः परमः स्वराट् ॥ १३.१२ ॥<br>
'''१४.१'''<br>
आदित्यो वा एष एतन्मण्डलं तपति तत्र ता ऋचस्तदृचा मण्डलं स ऋचां लोकोऽथ य एष एतस्मिन्मण्डलेऽर्चिर्दीप्यते तानि सामानि स साम्नां लोकोऽथ य एष एतस्मिन्मण्डलेऽर्चिषि पुरुषस्तानि यजूंषि स यजुषा मण्डलं स यजुषां लोकः सैषा त्रय्येव विद्या तपति य एषोऽन्तरादित्ये हिरण्मयः पुरुषः ॥ १४.१ ॥<br>
'''१५.१.१'''<br>
आदित्यो वै तेज ओजो बलं यशश्चक्षुः श्रोत्रमात्मा मनो मन्युर्मनुर्मृत्युः सत्यो मित्रो वायुराकाशः प्राणो लोकपालः कः किं कं तत्सत्यमन्नममृतो जीवो विश्वः कतमः स्वयम्भु ब्रह्मैतदमृत एष पुरुष एष भूतानामधिपतिः ॥ १५.१.१ ॥<br>
'''१५.१.२'''<br>
ब्रह्मणः सायुज्यं सलोकतामाप्नोत्येतासामेव देवतानां सायुज्यं सार्ष्टितां समानलोकतामाप्नोति य एवं वेदेत्युपनिषत् ॥ १५.१.२ ॥<br>
'''१५.२'''<br>
घृणिः सूर्य आदित्योमर्चयन्ति तपः सत्यं मधु क्षरन्ति तद्ब्रह्म तदाप आपो ज्योती रसोऽमृतं ब्रह्म भूर्भुवः सुवरोम् ॥ १५.२ ॥<br>
'''१६.१.१'''<br>
निधनपतये नमः ॥ १६.१.१ ॥<br>
'''१६.१.२'''<br>
निधनपतान्तिकाय नमः ॥ १६.१.२ ॥<br>
'''१६.१.३'''<br>
ऊर्ध्वाय नमः ॥ १६.१.३ ॥<br>
'''१६.१.४'''<br>
ऊर्ध्वलिङ्गाय नमः ॥ १६.१.४ ॥<br>
'''१६.१.५'''<br>
हिरण्याय नमः ॥ १६.१.५ ॥<br>
'''१६.१.६'''<br>
हिरण्यलिङ्गाय नमः ॥ १६.१.६ ॥<br>
'''१६.१.७'''<br>
सुवर्णाय नमः ॥ १६.१.७ ॥<br>
'''१६.१.८'''<br>
सुवर्णलिङ्गाय नमः ॥ १६.१.८ ॥<br>
'''१६.१.९'''<br>
दिव्याय नमः ॥ १६.१.९ ॥<br>
'''१६.१.१०'''<br>
दिव्यलिङ्गाय नमः ॥ १६.१.१० ॥<br>
'''१६.१.११'''<br>
भवाय नमः ॥ १६.१.११ ॥<br>
'''१६.१.१२'''<br>
भवलिङ्गाय नमः ॥ १६.१.१२ ॥<br>
'''१६.१.१३'''<br>
शर्वाय नमः ॥ १६.१.१३ ॥<br>
'''१६.१.१४'''<br>
शर्वलिङ्गाय नमः ॥ १६.१.१४ ॥<br>
'''१६.१.१५'''<br>
शिवाय नमः ॥ १६.१.१५ ॥<br>
'''१६.१.१६'''<br>
शिवलिङ्गाय नमः ॥ १६.१.१६ ॥<br>
'''१६.१.१७'''<br>
ज्वलाय नमः ॥ १६.१.१७ ॥<br>
'''१६.१.१८'''<br>
ज्वललिङ्गाय नमः ॥ १६.१.१८ ॥<br>
'''१६.१.१९'''<br>
आत्माय नमः ॥ १६.१.१९ ॥<br>
'''१६.१.२०'''<br>
आत्मलिङ्गाय नमः ॥ १६.१.२० ॥<br>
'''१६.१.२१'''<br>
परमाय नमः ॥ १६.१.२१ ॥<br>
'''१६.१.२२'''<br>
परमलिङ्गाय नमः ॥ १६.१.२२ ॥<br>
'''१६.१.२३'''<br>
एतत्सोमस्य सूर्यस्य सर्वलिङ्गं स्थापयति पाणिमन्त्रं पवित्रम् ॥ १६.१.२३ ॥<br>
'''१७.१'''<br>
सद्योजातं प्रपद्यामि सद्योजाताय वै नमो नमः । भवे भवे नातिभवे भवस्व माम् । भवोद्भवाय नमः ॥ १७.१ ॥<br>
'''१८.१.१'''<br>
वामदेवाय नमः ॥ १८.१.१ ॥<br>
'''१८.१.२'''<br>
ज्येष्ठाय नमः ॥ १८.१.२ ॥<br>
'''१८.१.३'''<br>
श्रेष्ठाय नमः ॥ १८.१.३ ॥<br>
'''१८.१.४'''<br>
रुद्राय नमः ॥ १८.१.४ ॥<br>
'''१८.१.५'''<br>
कालाय नमः ॥ १८.१.५ ॥<br>
'''१८.१.६'''<br>
कलविकरणाय नमः ॥ १८.१.६ ॥<br>
'''१८.१.७'''<br>
बलविकरणाय नमः ॥ १८.१.७ ॥<br>
'''१८.१.८'''<br>
बलाय नमः ॥ १८.१.८ ॥<br>
'''१८.१.९'''<br>
बलप्रमथनाय नमः ॥ १८.१.९ ॥<br>
'''१८.१.१०'''<br>
सर्वभूतदमनाय नमः ॥ १८.१.१० ॥<br>
'''१८.१.११'''<br>
मनोन्मनाय नमः ॥ १८.१.११ ॥<br>
'''१९.१'''<br>
अघोरेभ्योऽथ घोरेभ्यो घोरघोरतरेभ्यः । सर्वतः शर्व सर्वेभ्यो नमस्ते अस्तु रुद्ररूपेभ्यः ॥ १९.१ ॥<br>
'''२०.१'''<br>
तत्पुरुषाय विद्महे महादेवाय धीमहि । तन्नो रुद्रः प्रचोदयात् ॥ २०.१ ॥<br>
'''२१.१'''<br>
ईशानः सर्वविद्यानामीश्वरः सर्वभूतानां ब्रह्माधिपतिर्ब्रह्मणोऽधिपतिर्ब्रह्मा शिवो मे अस्तु सदाशिवोम् ॥ २१.१ ॥<br>
'''२२.१'''<br>
नमो हिरण्यबाहवे हिरण्यवर्णाय हिरण्यरूपाय हिरण्यपतये। अम्बिकापतय उमापतये पशुपतये नमो नमः ॥ २२.१ ॥<br>
'''२३.१'''<br>
ऋतं सत्यं परं ब्रह्म पुरुषं कृष्णपिङ्गलम् । ऊर्ध्वरेतं विरूपाक्षं विश्वरूपाय वै नमो नमः ॥ २३.१ ॥<br>
'''२४.१'''<br>
सर्वो वै रुद्रस्तस्मै रुद्राय नमो अस्तु । पुरुषो वै रुद्रः सन्महो नमो नमः । विश्वं भूतं भुवनं चित्रं बहुधा जातं जायमानं च यत् । सर्वो ह्येष रुद्रस्तस्मै रुद्राय नमो अस्तु ॥ २४.१ ॥<br>
'''२५.१.१'''<br>
कद्रुद्राय प्रचेतसे मीढुष्टमाय तव्यसे । वोचेम शंतमं हृदे ॥ २५.१.१ ॥<br>
'''२५.१.२'''<br>
सर्वो ह्येष रुद्रस्तस्मै रुद्राय नमो अस्तु ॥ २५.१.२ ॥<br>
'''२६.१'''<br>
यस्य वैकङ्कत्यग्निहोत्रहवणी भवति प्रत्येवास्याहुतयस्तिष्ठन्त्यथो प्रतिष्ठित्यै ॥ २६.१ ॥<br>
'''२७.०'''<br>
कृणुष्व पाज इति पञ्च ॥ २७.० ॥<br>
'''२७.१'''<br>
कृणुष्व पाजः प्रसितिं न पृथ्वीं याहि राजेवामवाँ इभेन । तृष्वीमनु प्रसितिं द्रूणानोऽस्तासि विध्य रक्षसस्तपिष्ठैः ॥ २७.१ ॥<br>
'''२७.२'''<br>
तव भ्रमास आशुया पतन्त्यनु स्पृश धृषता शोशुचानः । तपूंष्यग्ने जुह्वा पतङ्गानसन्दितो वि सृज विष्वगुल्काः ॥ २७.२ ॥<br>
'''२७.३'''<br>
प्रति स्पशो वि सृज तूर्णितमो भवा पायुर्विशो अस्या अदब्धः । यो नो दूरे अघशंसो यो अन्त्यग्ने माकिष्टे व्यथिरा दधर्षीत् ॥ २७.३ ॥<br>
'''२७.४'''<br>
उदग्ने तिष्ठ प्रत्या तनुष्व न्यमित्राँ ओषतात्तिग्महेते । यो नो अरातिं समिधान चक्रे नीचा तं धक्ष्यतसं न शुष्कम् ॥ २७.४ ॥<br>
'''२७.५'''<br>
ऊर्ध्वो भव प्रति विध्याध्यस्मदाविष्कृणुष्व दैव्यान्यग्ने । अव स्थिरा तनुहि यातुजूनां जामिमजामिं प्र मृणीहि शत्रून् ॥ २७.५ ॥<br>
'''२८.१'''<br>
अदितिर्देवा गन्धर्वा मनुष्याः पितरोऽसुरास्तेषां सर्वभूतानां माता मेदिनी महती मही सावित्री गायत्री जगत्युर्वी पृथ्वी बहुला विश्वा भूता कंतमा काया सा सत्येत्यमृतेति वासिष्ठः ॥ २८.१ ॥<br>
'''२९.१'''<br>
आपो वा इदं सर्वं विश्वा भूतान्यापः प्राणा वा आपः पशव आपोऽन्नमापोऽमृतमापः सम्राडापो विराडापः स्वराडापश्छन्दांस्यापो ज्योतींष्यापो यजूंष्यापः सत्यमापः सर्वा देवता आपो भूर्भुवः सुवराप ओम् ॥ २९.१ ॥<br>
'''३०.१'''<br>
आपः पुनन्तु पृथिवीं पृथिवी पूता पुनातु माम् । पुनन्तु ब्रह्मणस्पतिर्ब्रह्मपूता पुनातु माम् ॥ ३०.१ ॥<br>
'''३०.२'''<br>
यदुच्छिष्टमभोज्यं यद्वा दुश्चरितं मम । सर्वं पुनन्तु मामापोऽसतां च प्रतिग्रहं स्वाहा ॥ ३०.२ ॥<br>
'''३१.१'''<br>
अग्निश्च मा मन्युश्च मन्युपतयश्च मन्युकृतेभ्यः । पापेभ्यो रक्षन्ताम् । यदह्ना पापमकार्षम् । मनसा वाचा हस्ताभ्याम् । पद्भ्यामुदरेण शिश्ना । अहस्तदवलिम्पतु । यत्किञ्च दुरितं मयि । इदमहं माममृतयोनी । सत्ये ज्योतिषि जुहोमि स्वाहा ॥ ३१.१ ॥<br>
'''३२.१'''<br>
सूर्यश्च मा मन्युश्च मन्युपतयश्च मन्युकृतेभ्यः । पापेभ्यो रक्षन्ताम् । यद्रात्रिया पापमकार्षम् । मनसा वाचा हस्ताभ्याम् । पद्भ्यामुदरेण शिश्ना । रात्रिस्तदवलुम्पतु । यत्किञ्च दुरितं मयि । इदमहं माममृतयोनी । सूर्ये ज्योतिषि जुहोमि स्वाहा ॥ ३२.१ ॥<br>
'''३३.१'''<br>
ओमित्येकाक्षरं ब्रह्म । अग्निर्देवता ब्रह्म इत्यार्षम् । गायत्रं छन्दं परमात्मं सरूपम् । सायुज्यं विनियोगम् ॥ ३३.१ ॥<br>
'''३४.१'''<br>
आयातु वरदा देवी अक्षरं ब्रह्म संमितम् । गायत्री छन्दसां मातेदं ब्रह्म जुषस्व नः ॥ ३४.१ ॥<br>
'''३४.२'''<br>
यदह्नात्कुरुते पापं तदह्नात्प्रतिमुच्यते । यद्रात्रियात्कुरुते पापं तद्रात्रियात्प्रतिमुच्यते । सर्ववर्णे महादेवि सन्ध्याविद्ये सरस्वति ॥ ३४.२ ॥<br>
'''३५.१.१'''<br>
ओजोऽसि सहोऽसि बलमसि भ्राजोऽसि देवानां धाम नामासि विश्वमसि विश्वायुः सर्वमसि सर्वायुरभिभूरोम् ॥ ३५.१.१ ॥<br>
'''३५.१.२'''<br>
गायत्रीमावाहयामि सावित्रीमावाहयामि सरस्वतीमावाहयामि छन्दर्षीनावाहयामि श्रियमावाहयामि ॥ ३५.१.२ ॥<br>
'''३५.१.३'''<br>
गायत्रिया गायत्री छन्दो विश्वामित्र ऋषिः सविता देवताग्निर्मुखं ब्रह्मा शिरो विष्णुर्हृदयं रुद्रः शिखा पृथिवी योनिः प्राणापानव्यानोदानसमाना सप्राणा श्वेतवर्णा सांख्यायनसगोत्रा गायत्री चतुर्विंशत्यक्षरा त्रिपदा षट्कुक्षिः पञ्चशीर्षोपनयने विनियोगः ॥ ३५.१.३ ॥<br>
'''३५.२.१'''<br>
ॐ भूः ॥ ३५.२.१ ॥<br>
'''३५.२.२'''<br>
ॐ भुवः ॥ ३५.२.२ ॥<br>
'''३५.२.३'''<br>
ॐ सुवः ॥ ३५.२.३ ॥<br>
'''३५.२.४'''<br>
ॐ महः ॥ ३५.२.४ ॥<br>
'''३५.२.५'''<br>
ॐ जनः ॥ ३५.२.५ ॥<br>
'''३५.२.६'''<br>
ॐ तपः ॥ ३५.२.६ ॥<br>
'''३५.२.७'''<br>
ॐ सत्यम् ॥ ३५.२.७ ॥<br>
'''३५.२.८'''<br>
ॐ तत्सवितुर्वरेण्यं भर्गो देवस्य धीमहि । धियो यो नः प्रचोदयात् ॥ ३५.२.८ ॥<br>
'''३५.२.९'''<br>
ओमापो ज्योती रसोऽमृतं ब्रह्म भूर्भुवः सुवरोम् ॥ ३५.२.९ ॥<br>
'''३६.१'''<br>
उत्तमे शिखरे देवि जाते भूम्यां पर्वतमूर्धनि । ब्राह्मणेभ्योऽभ्यनुज्ञाता गच्छ देवि यथासुखम् ॥ ३६.१ ॥<br>
'''३६.२'''<br>
स्तुतो मया वरदा वेदमाता प्रचोदयन्ती पवने द्विजाता । आयुः पृथिव्यां द्रविणं ब्रह्मवर्चसं मह्यं दत्वा प्रजातुं ब्रह्मलोकम् ॥ ३६.२ ॥<br>
'''३७.१'''<br>
घृणिः सूर्य आदित्यो न प्रभा वात्यक्षरम् । मधु क्षरन्ति तद्रसम् । सत्यं वै तद्रसमापो ज्योती रसोऽमृतं ब्रह्म भूर्भुवः सुवरोम् ॥ ३७.१ ॥<br>
'''३८.१.१'''<br>
ब्रह्ममेतु माम् ॥ ३८.१.१ ॥<br>
'''३८.१.२'''<br>
मधुमेतु माम् ॥ ३८.१.२ ॥<br>
'''३८.१.३'''<br>
ब्रह्ममेव मधुमेतु माम् ॥ ३८.१.३ ॥<br>
'''३८.१.४'''<br>
यास्ते सोम प्रजा वत्सोऽभि सो अहम् । दुःष्वप्नहन् दुरुष्षह । यास्ते सोम प्राणांस्ताञ्जुहोमि ॥ ३८.१.४ ॥<br>
'''३८.२'''<br>
त्रिसुपर्णमयाचितं ब्राह्मणाय दद्यात् । ब्रह्महत्यां वा एते घ्नन्ति । ये ब्राह्मणास्त्रिसुपर्णं पठन्ति । ते सोमं प्राप्नुवन्ति । आ सहस्रात् पङ्क्तिं पुनन्ति । ॐ ॥ ३८.२ ॥<br>
'''३९.१.१'''<br>
ब्रह्म मेधया ॥ ३९.१.१ ॥<br>
'''३९.१.२'''<br>
मधु मेधया ॥ ३९.१.२ ॥<br>
'''३९.१.३'''<br>
ब्रह्ममेव मधुमेधया ॥ ३९.१.३ ॥<br>
'''३९.२'''<br>
अद्यानो देव सवितः प्रजावत्सावीः सौभगम् । परा दुःष्वप्नियं सुव ॥ ३९.२ ॥<br>
'''३९.३'''<br>
विश्वानि देव सवितर्दुरितानि परासुव । यद्भद्रं तन्मम आसुव ॥ ३९.३ ॥<br>
'''३९.४'''<br>
मधुवाता ऋतायते मधुक्षरन्ति सिन्धवः । माध्वीर्नः सन्त्वोषधीः ॥ ३९.४ ॥<br>
'''३९.५'''<br>
मधु नक्तमुतोषसि मधुमत्पार्थिवं रजः । मधुद्यौरस्तु नः पिता ॥ ३९.५ ॥<br>
'''३९.६'''<br>
मधुमान्नो वनस्पतिर्मधुमां अस्तु सूर्यः । माध्वीर्गावो भवन्तु नः ॥ ३९.६ ॥<br>
'''३९.७'''<br>
य इमं त्रिसुपर्णमयाचितं ब्राह्मणाय दद्यात् । भ्रूणहत्यां वा एते घ्नन्ति । ये ब्राह्मणास्त्रिसुपर्णं पठन्ति । ते सोमं प्राप्नुवन्ति । आ सहस्रात्पङ्क्तिं पुनन्ति । ॐ ॥ ३९.७ ॥<br>
'''४०.१.१'''<br>
ब्रह्म मेधवा ॥ ४०.१.१ ॥<br>
'''४०.१.२'''<br>
मधु मेधवा ॥ ४०.१.२ ॥<br>
'''४०.१.३'''<br>
ब्रह्ममेव मधु मेधवा ॥ ४०.१.३ ॥<br>
'''४०.२'''<br>
ब्रह्मा देवानां पदवीः कवीनामृषिर्विप्राणां महिषो मृगाणाम् । श्येनो गृद्धाणां स्वधितिर्वनानां सोमः पवित्रमत्येति रेभत् ॥ ४०.२ ॥<br>
'''४०.३'''<br>
हंसः शुचिषद्वसुरन्तरिक्षसद्धोता वेदिषदतिथिर्दुरोणसत् । नृषद्वरसदृतसद्व्योमसदब्जा गोजा ऋतजा अद्रिजा ऋतं बृहत् ॥ ४०.३ ॥<br>
'''४०.४.१'''<br>
ऋचे त्वा ॥ ४०.४.१ ॥<br>
'''४०.४.२'''<br>
ऋचे त्वा ॥ ४०.४.२ ॥<br>
'''४०.४.३'''<br>
समित्स्रवन्ति सरितो न धेनाः । अन्तर्हृदा मनसा पूयमानाः । घृतस्य धारा अभिचाकशीमि ॥ ४०.४.३ ॥<br>
'''४०.५'''<br>
हिरण्ययो वेतसो मध्य आसाम् । तस्मिन्त्सुपर्णो मधुकृत् कुलायी भजन्नास्ते मधु देवताभ्यः । तस्यासते हरयः सप्त तीरे स्वधां दुहाना अमृतस्य धाराम् ॥ ४०.५ ॥<br>
'''४०.६'''<br>
य इदं त्रिसुपर्णमयाचितं ब्राह्मणाय दद्यात् । वीरहत्यां वा एते घ्नन्ति । ये ब्राह्मणास्त्रिसुपर्णं पठन्ति । ते सोमं प्राप्नुवन्ति । आसहस्रात् पङ्क्तिं पुनन्ति । ॐ ॥ ४०.६ ॥<br>
'''४१.१'''<br>
मेधादेवी जुषमाणा न आगाद्विश्वाची भद्रा सुमनस्यमाना । त्वया जुष्टा जुषमाणा दुरुक्तान्बृहद्वदेम विदथे सुवीराः ॥ ४१.१ ॥<br>
'''४१.२'''<br>
त्वया जुष्ट ऋषिर्भवति देवि त्वया ब्रह्मागतश्रीरुत त्वया । त्वया जुष्टश्चित्रं विन्दते वसु सा नो जुषस्व द्रविणेन मेधे ॥ ४१.२ ॥<br>
'''४२.१'''<br>
मेधां म इन्द्रो ददातु मेधां देवी सरस्वती । मेधां मे अश्विनावुभावाधत्तां पुष्करस्रजौ ॥ ४२.१ ॥<br>
'''४२.२'''<br>
अप्सरासु च या मेधा गन्धर्वेषु च यन्मनः । दैवी मेधा सरस्वती सा मां मेधा सुरभिर्जुषतां स्वाहा ॥ ४२.२ ॥<br>
'''४३.१'''<br>
आ मां मेधा सुरभिर्विश्वरूपा हिरण्यवर्णा जगती जगम्या । ऊर्जस्वती पयसा पिन्वमाना सा मां मेधा सुप्रतीका जुषताम् ॥ ४३.१ ॥<br>
'''४४.१.१'''<br>
मयि मेधां मयि प्रजां मय्यग्निस्तेजो दधातु ॥ ४४.१.१ ॥<br>
'''४४.१.२'''<br>
मयि मेधां मयि प्रजां मयीन्द्र इन्द्रियं दधातु ॥ ४४.१.२ ॥<br>
'''४४.१.३'''<br>
मयि मेधां मयि प्रजां मयि सूर्यो भ्राजो दधातु ॥ ४४.१.३ ॥<br>
'''४५.१'''<br>
अपैतु मृत्युरमृतं न आगन्वैवस्वतो नो अभयं कृणोतु । पर्णं वनस्पतेरिवाभि नः शीयतांरयिः सचतां नः शचीपतिः ॥ ४५.१ ॥<br>
'''४६.१'''<br>
परं मृत्यो अनुपरेहि पन्थां यस्ते स्व इतरो देवयानात् । चक्षुष्मते श‍ृण्वते ते ब्रवीमि मा नः प्रजां रीरिषो मोत वीरान् ॥ ४६.१ ॥<br>
'''४७.१'''<br>
वातं प्राणं मनसान्वारभामहे प्रजापतिं यो भुवनस्य गोपाः । स नो मृत्योस्त्रायतां पात्वंहसो ज्योग्जीवा जराम शीमहि ॥ ४७.१ ॥<br>
'''४८.१'''<br>
अमुत्रभूयादध यद्यमस्य बृहस्पते अभिशस्तेरमुञ्चः । प्रत्यौहतामश्विना मृत्युमस्मद्देवानामग्ने भिषजा शचीभिः ॥ ४८.१ ॥<br>
'''४९.१'''<br>
हरिं हरन्तमनुयन्ति देवा विश्वस्येशानं वृषभं मतीनाम् । ब्रह्मसरूपमनु मेदमागादयनं मा विवधीर्विक्रमस्व ॥ ४९.१ ॥<br>
'''५०.१'''<br>
शल्कैरग्निमिन्धान उभौ लोकौ सनेमहम् । उभयोर्लोकयोरृध्वाति मृत्युं तराम्यहम् ॥ ५०.१ ॥<br>
'''५१.१'''<br>
मा छिदो मृत्यो मा वधीर्मा मे बलं विवृहो मा प्रमोषीः । प्रजां मा मे रीरिष आयुरुग्र नृचक्षसं त्वा हविषा विधेम ॥ ५१.१ ॥<br>
'''५२.१'''<br>
मा नो महान्तमुत मा नो अर्भकं मा न उक्षन्तमुत मा न उक्षितम् । मा नो वधीः पितरं मोत मातरं प्रिया मा नस्तनुवो रुद्र रीरिषः ॥ ५२.१ ॥<br>
'''५३.१'''<br>
मा नस्तोके तनये मा न आयुषि मा नो गोषु मा नो अश्वेषु रीरिषः । वीरान्मा नो रुद्र भामितो वधीर्हविष्मन्तो नमसा विधेम ते ॥ ५३.१ ॥<br>
'''५४.१'''<br>
प्रजापते न त्वदेतान्यन्यो विश्वा जातानि परि ता बभूव । यत्कामस्ते जुहुमस्तन्नो अस्तु वयं स्याम पतयो रयीणाम् ॥ ५४.१ ॥<br>
'''५५.१'''<br>
स्वस्तिदा विशस्पतिर्वृत्रहा विमृधो वशी । वृषेन्द्रः पुर एतु नः स्वस्तिदा अभयङ्करः ॥ ५५.१ ॥<br>
'''५६.१'''<br>
त्र्यम्बकं यजामहे सुगन्धिं पुष्टिवर्धनम् । उर्वारुकमिव बन्धनान्मृत्योर्मुक्षीय मामृतात् ॥ ५६.१ ॥<br>
'''५७.१'''<br>
ये ते सहस्रमयुतं पाशा मृत्यो मर्त्याय हन्तवे । तान् यज्ञस्य मायया सर्वानवयजामहे ॥ ५७.१ ॥<br>
'''५८.१.१'''<br>
मृत्यवे स्वाहा ॥ ५८.१.१ ॥<br>
'''५८.१.२'''<br>
मृत्यवे स्वाहा ॥ ५८.१.२ ॥<br>
'''५९.१.१'''<br>
देवकृतस्यैनसोऽवयजनमसि स्वाहा ॥ ५९.१.१ ॥<br>
'''५९.१.२'''<br>
मनुष्यकृतस्यैनसोऽवयजनमसि स्वाहा ॥ ५९.१.२ ॥<br>
'''५९.१.३'''<br>
पितृकृतस्यैनसोऽवयजनमसि स्वाहा ॥ ५९.१.३ ॥<br>
'''५९.१.४'''<br>
आत्मकृतस्यैनसोऽवयजनमसि स्वाहा ॥ ५९.१.४ ॥<br>
'''५९.१.५'''<br>
अन्यकृतस्यैनसोऽवयजनमसि स्वाहा ॥ ५९.१.५ ॥<br>
'''५९.१.६'''<br>
अस्मत्कृतस्यैनसोऽवयजनमसि स्वाहा ॥ ५९.१.६ ॥<br>
'''५९.१.७'''<br>
यद्दिवा च नक्तं चैनश्चकृम तस्यावयजनमसि स्वाहा ॥ ५९.१.७ ॥<br>
'''५९.१.८'''<br>
यत्स्वपन्तश्च जाग्रतश्चैनश्चकृम तस्यावयजनमसि स्वाहा ॥ ५९.१.८ ॥<br>
'''५९.१.९'''<br>
यत्सुषुप्तश्च जाग्रतश्चैनश्चकृम तस्यावयजनमसि स्वाहा ॥ ५९.१.९ ॥<br>
'''५९.१.१०'''<br>
यद्विद्वांसश्चाविद्वांसश्चैनश्चकृम तस्यावयजनमसि स्वाहा ॥ ५९.१.१० ॥<br>
'''५९.१.११'''<br>
एनस एनसोऽवयजनमसि स्वाहा ॥ ५९.१.११ ॥<br>
'''६०.१'''<br>
यद्वो देवाश्चकृम जिह्वया गुरु मनसो वा प्रयुती देवहेडनम् । अरावा यो नो अभि दुच्छुनायते तस्मिन् तदेनो वसवो निधेतन स्वाहा ॥ ६०.१ ॥<br>
'''६१.१'''<br>
कामोऽकार्षीन्नमो नमः । कामोऽकार्षीत्कामः करोति नाहं करोमि कामः कर्ता नाहं कर्ता कामः कारयिता नाहं कारयिता एष ते काम कामाय स्वाहा ॥ ६१.१ ॥<br>
'''६२.१'''<br>
मन्युरकार्षीन्नमो नमः । मन्युरकार्षीन्मन्युः करोति नाहं करोमि मन्युः कर्ता नाहं कर्ता मन्युः कारयिता नाहं कारयिता एष ते मन्यो मन्यवे स्वाहा ॥ ६२.१ ॥<br>
'''६३.१'''<br>
तिलाञ्जुहोमि सरसान् सपिष्टान् गन्धार मम चित्ते रमन्तु स्वाहा ॥ ६३.१ ॥<br>
'''६३.२'''<br>
गावो हिरण्यं धनमन्नपानं सर्वेषां श्रियै स्वाहा ॥ ६३.२ ॥<br>
'''६३.३'''<br>
श्रियं च लक्ष्मीं च पुष्टिं च कीर्तिं चानृण्यताम् । ब्राह्मण्यं बहुपुत्रताम् । श्रद्धामेधे प्रजाः संददातु स्वाहा ॥ ६३.३ ॥<br>
'''६४.१'''<br>
तिलाः कृष्णास्तिलाः श्वेतास्तिलाः सौम्या वशानुगाः । तिलाः पुनन्तु मे पापं यत्किञ्चिद् दुरितं मयि स्वाहा ॥ ६४.१ ॥<br>
'''६४.२'''<br>
चोरस्यान्नं नवश्राद्धं ब्रह्महा गुरुतल्पगः । गोस्तेयं सुरापानं भ्रूणहत्या तिला शान्तिं शमयन्तु स्वाहा ॥ ६४.२ ॥<br>
'''६४.३'''<br>
श्रीश्च लक्ष्मीश्च पुष्टीश्च कीर्तिं चानृण्यताम् । ब्रह्मण्यं बहुपुत्रताम् । श्रद्धामेधे प्रज्ञा तु जातवेदः संददातु स्वाहा ॥ ६४.३ ॥<br>
'''६५.१'''<br>
प्राणापानव्यानोदानसमाना मे शुध्यन्तां ज्योतिरहं विरजा विपाप्मा भूयासं स्वाहा ॥ ६५.१ ॥<br>
'''६५.२'''<br>
वाङ्मनश्चक्षुःश्रोत्रजिह्वाघ्राणरेतोबुद्ध्याकूतिःसङ्कल्पा मे शुध्यन्तां ज्योतिरहं विरजा विपाप्मा भूयासं स्वाहा ॥ ६५.२ ॥<br>
'''६५.३'''<br>
त्वक्चर्ममांसरुधिरमेदोमज्जास्नायवोऽस्थीनि मे शुध्यन्तां ज्योतिरहं विरजा विपाप्मा भूयासं स्वाहा ॥ ६५.३ ॥<br>
'''६५.४'''<br>
शिरःपाणिपादपार्श्वपृष्ठोरूदरजङ्घाशिश्नोपस्थपायवो मे शुध्यन्तां ज्योतिरहं विरजा विपाप्मा भूयासं स्वाहा ॥ ६५.४ ॥<br>
'''६५.५'''<br>
उत्तिष्ठ पुरुष हरित पिङ्गल लोहिताक्षि देहि देहि ददापयिता मे शुध्यन्तां ज्योतिरहं विरजा विपाप्मा भूयासं स्वाहा ॥ ६५.५ ॥<br>
'''६६.१'''<br>
पृथिव्यप्तेजोवायुराकाशा मे शुध्यन्तां ज्योतिरहं विरजा विपाप्मा भूयासं स्वाहा ॥ ६६.१ ॥<br>
'''६६.२'''<br>
शब्दस्पर्शरूपरसगन्धा मे शुध्यन्तां ज्योतिरहं विरजा विपाप्मा भूयासं स्वाहा ॥ ६६.२ ॥<br>
'''६६.३'''<br>
मनोवाक्कायकर्माणि मे शुध्यन्तां ज्योतिरहं विरजा विपाप्मा भूयासं स्वाहा ॥ ६६.३ ॥<br>
'''६६.४'''<br>
अव्यक्तभावैरहङ्कारैर्- ज्योतिरहं विरजा विपाप्मा भूयासं स्वाहा ॥ ६६.४ ॥<br>
'''६६.५'''<br>
आत्मा मे शुध्यन्तां ज्योतिरहं विरजा विपाप्मा भूयासं स्वाहा ॥ ६६.५ ॥<br>
'''६६.६'''<br>
अन्तरात्मा मे शुध्यन्तां ज्योतिरहं विरजा विपाप्मा भूयासं स्वाहा ॥ ६६.६ ॥<br>
'''६६.७'''<br>
परमात्मा मे शुध्यन्तां ज्योतिरहं विरजा विपाप्मा भूयासं स्वाहा ॥ ६६.७ ॥<br>
'''६६.८.१'''<br>
क्षुधे स्वाहा ॥ ६६.८.१ ॥<br>
'''६६.८.२'''<br>
क्षुत्पिपासाय स्वाहा ॥ ६६.८.२ ॥<br>
'''६६.८.३'''<br>
विविद्ध्यै स्वाहा ॥ ६६.८.३ ॥<br>
'''६६.८.४'''<br>
ऋग्विधानाय स्वाहा ॥ ६६.८.४ ॥<br>
'''६६.८.५'''<br>
कषोत्काय स्वाहा ॥ ६६.८.५ ॥<br>
'''६६.८.६'''<br>
ॐ स्वाहा ॥ ६६.८.६ ॥<br>
'''६६.९'''<br>
क्षुत्पिपासामलं ज्येष्ठामलक्ष्मीर्नाशयाम्यहम् । अभूतिमसमृद्धिं च सर्वान्निर्णुद मे पाप्मानं स्वाहा ॥ ६६.९ ॥<br>
'''६६.१०'''<br>
अन्नमयप्राणमयमनोमयविज्ञानमयमानन्दमयमात्मा मे शुध्यन्तां ज्योतिरहं विरजा विपाप्मा भूयासं स्वाहा ॥ ६६.१० ॥<br>
'''६७.१.१'''<br>
अग्नये स्वाहा ॥ ६७.१.१ ॥<br>
'''६७.१.२'''<br>
विश्वेभ्यो देवेभ्यः स्वाहा ॥ ६७.१.२ ॥<br>
'''६७.१.३'''<br>
ध्रुवाय भूमाय स्वाहा ॥ ६७.१.३ ॥<br>
'''६७.१.४'''<br>
ध्रुवक्षितये स्वाहा ॥ ६७.१.४ ॥<br>
'''६७.१.५'''<br>
अच्युतक्षितये स्वाहा ॥ ६७.१.५ ॥<br>
'''६७.१.६'''<br>
अग्नये स्विष्टकृते स्वाहा ॥ ६७.१.६ ॥<br>
'''६७.१.७'''<br>
धर्माय स्वाहा ॥ ६७.१.७ ॥<br>
'''६७.१.८'''<br>
अधर्माय स्वाहा ॥ ६७.१.८ ॥<br>
'''६७.१.९'''<br>
अद्भ्यः स्वाहा ॥ ६७.१.९ ॥<br>
'''६७.१.१०'''<br>
ओषधिवनस्पतिभ्यः स्वाहा ॥ ६७.१.१० ॥<br>
'''६७.१.११'''<br>
रक्षोदेवजनेभ्यः स्वाहा ॥ ६७.१.११ ॥<br>
'''६७.१.१२'''<br>
गृह्याभ्यः स्वाहा ॥ ६७.१.१२ ॥<br>
'''६७.१.१३'''<br>
अवसानेभ्यः स्वाहा ॥ ६७.१.१३ ॥<br>
'''६७.१.१४'''<br>
अवसानपतिभ्यः स्वाहा ॥ ६७.१.१४ ॥<br>
'''६७.१.१५'''<br>
सर्वभूतेभ्यः स्वाहा ॥ ६७.१.१५ ॥<br>
'''६७.१.१६'''<br>
कामाय स्वाहा ॥ ६७.१.१६ ॥<br>
'''६७.१.१७'''<br>
अन्तरिक्षाय स्वाहा ॥ ६७.१.१७ ॥<br>
'''६७.१.१८'''<br>
यदेजति जगति यच्च चेष्टति नाम्नो भागोऽयं नाम्ने स्वाहा ॥ ६७.१.१८ ॥<br>
'''६७.१.१९'''<br>
पृथिव्यै स्वाहा ॥ ६७.१.१९ ॥<br>
'''६७.१.२०'''<br>
अन्तरिक्षाय स्वाहा ॥ ६७.१.२० ॥<br>
'''६७.१.२१'''<br>
दिवे स्वाहा ॥ ६७.१.२१ ॥<br>
'''६७.१.२२'''<br>
सूर्याय स्वाहा ॥ ६७.१.२२ ॥<br>
'''६७.१.२३'''<br>
चन्द्रमसे स्वाहा ॥ ६७.१.२३ ॥<br>
'''६७.१.२४'''<br>
नक्षत्रेभ्यः स्वाहा ॥ ६७.१.२४ ॥<br>
'''६७.१.२५'''<br>
इन्द्राय स्वाहा ॥ ६७.१.२५ ॥<br>
'''६७.१.२६'''<br>
बृहस्पतये स्वाहा ॥ ६७.१.२६ ॥<br>
'''६७.१.२७'''<br>
प्रजापतये स्वाहा ॥ ६७.१.२७ ॥<br>
'''६७.१.२८'''<br>
ब्रह्मणे स्वाहा ॥ ६७.१.२८ ॥<br>
'''६७.१.२९'''<br>
स्वधा पितृभ्यः स्वाहा ॥ ६७.१.२९ ॥<br>
'''६७.१.३०'''<br>
नमो रुद्राय पशुपतये स्वाहा ॥ ६७.१.३० ॥<br>
'''६७.१.३१'''<br>
देवेभ्यः स्वाहा ॥ ६७.१.३१ ॥<br>
'''६७.१.३२'''<br>
पितृभ्यः स्वधास्तु ॥ ६७.१.३२ ॥<br>
'''६७.१.३३'''<br>
भूतेभ्यो नमः ॥ ६७.१.३३ ॥<br>
'''६७.१.३४'''<br>
मनुष्येभ्यो हन्त ॥ ६७.१.३४ ॥<br>
'''६७.१.३५'''<br>
प्रजापतये स्वाहा ॥ ६७.१.३५ ॥<br>
'''६७.१.३६'''<br>
परमेष्ठिने स्वाहा ॥ ६७.१.३६ ॥<br>
'''६७.२.१'''<br>
यथा कूपः शतधारः सहस्रधारो अक्षितः । एवा मे अस्तु धान्यं सहस्रधारमक्षितम् ॥ ६७.२.१ ॥<br>
'''६७.२.२'''<br>
धनधान्यै स्वाहा ॥ ६७.२.२ ॥<br>
'''६७.३'''<br>
ये भूताः प्रचरन्ति दिवानक्तं बलिमिच्छन्तो वितुदस्य प्रेष्याः । तेभ्यो बलिं पुष्टिकामो हरामि मयि पुष्टिं पुष्टिपतिर्दधातु स्वाहा ॥ ६७.३ ॥<br>
'''६८.१'''<br>
ॐ तद् ब्रह्म । ॐ तद् वायुः । ॐ तद् आत्मा । ॐ तत् सत्यम् । ॐ तत् सर्वम् । ॐ तत् पुरोर् नमः ॥ ६८.१ ॥<br>
'''६८.२'''<br>
ॐ अन्तश् चरति भूतेषु गुहायां विश्वमूर्तिषु । त्वं यज्ञस् त्वं वषट्कारस् त्वम् इन्द्रस् त्वं रुद्रस् त्वं विष्णुस् त्वं ब्रह्म त्वं प्रजापतिः । त्वं तद् आप आपो ज्योती रसो ऽमृतं ब्रह्म भूर् भुवः सुवर् ॐ ॥ ६८.२ ॥<br>
'''६९.१.१'''<br>
श्रद्धायां प्राणे निविष्टो ऽमृतं जुहोमि ॥ ६९.१.१ ॥<br>
'''६९.१.२'''<br>
श्रद्धायां अपाने निविष्टो ऽमृतं जुहोमि ॥ ६९.१.२ ॥<br>
'''६९.१.३'''<br>
श्रद्धायां व्याने निविष्टो ऽमृतं जुहोमि ॥ ६९.१.३ ॥<br>
'''६९.१.४'''<br>
श्रद्धायां उदाने निविष्टो ऽमृतं जुहोमि ॥ ६९.१.४ ॥<br>
'''६९.१.५'''<br>
श्रद्धायां समाने निविष्टो ऽमृतं जुहोमि ॥ ६९.१.५ ॥<br>
'''६९.१.६'''<br>
ब्रह्मणि म आत्मामृतत्वाय ॥ ६९.१.६ ॥<br>
'''६९.२'''<br>
अमृतोपस्तरणम् असि ॥ ६९.२ ॥<br>
'''६९.३.१'''<br>
श्रद्धायां प्राणे निविष्टो ऽमृतं जुहोमि । शिवो मा विशाप्रदाहाय । प्राणाय स्वाहा ॥ ६९.३.१ ॥<br>
'''६९.३.२'''<br>
श्रद्धायां अपाने निविष्टो ऽमृतं जुहोमि । शिवो मा विशाप्रदाहाय । अपानाय स्वाहा ॥ ६९.३.२ ॥<br>
'''६९.३.३'''<br>
श्रद्धायां व्याने निविष्टो ऽमृतं जुहोमि । शिवो मा विशाप्रदाहाय । व्यानाय स्वाहा ॥ ६९.३.३ ॥<br>
'''६९.३.४'''<br>
श्रद्धायां उदाने निविष्टो ऽमृतं जुहोमि । शिवो मा विशाप्रदाहाय । उदानाय स्वाहा ॥ ६९.३.४ ॥<br>
'''६९.३.५'''<br>
श्रद्धायां समाने निविष्टो ऽमृतं जुहोमि । शिवो मा विशाप्रदाहाय । समानाय स्वाहा ॥ ६९.३.५ ॥<br>
'''६९.३.६'''<br>
ब्रह्मणि म आत्मामृतत्वाय ॥ ६९.३.६ ॥<br>
'''६९.४'''<br>
अमृतापिधानम् असि ॥ ६९.४ ॥<br>
'''७०.१.१'''<br>
श्रद्धायां प्राणे निविश्यामृतं हुतम् । प्राणम् अन्नेनाप्यायस्व ॥ ७०.१.१ ॥<br>
'''७०.१.२'''<br>
श्रद्धायां अपाने निविश्यामृतं हुतम् । अपानम् अन्नेनाप्यायस्व ॥ ७०.१.२ ॥<br>
'''७०.१.३'''<br>
श्रद्धायां व्याने निविश्यामृतं हुतम् । व्यानम् अन्नेनाप्यायस्व ॥ ७०.१.३ ॥<br>
'''७०.१.४'''<br>
श्रद्धायां उदाने निविश्यामृतं हुतम् । उदानम् अन्नेनाप्यायस्व ॥ ७०.१.४ ॥<br>
'''७०.१.५'''<br>
श्रद्धायां समाने निविश्यामृतं हुतम् । समानम् अन्नेनाप्यायस्व ॥ ७०.१.५ ॥<br>
'''७१.१'''<br>
अङ्गुष्ठमात्रः पुरुषो ऽङ्गुष्ठं च समाश्रितः । ईशः सर्वस्य जगतः प्रभुः प्रीणातु विश्वभुक् ॥ ७१.१ ॥<br>
'''७२.१'''<br>
वाङ् म आसन् । नसोः प्राणः । अक्ष्योश् चक्षुः । कर्णयोः श्रोत्रम् । बाहुवोर् बलम् । ऊरुवोर् ओजः । अरिष्टा विश्वान्य् अङ्गानि तनूः । तनुवा मे सह नमस् ते अस्तु मा मा हिंसीः ॥ ७२.१ ॥<br>
'''७३.१'''<br>
वयः सुपर्णा उपसेदुर् इन्द्रं प्रियमेधा ऋषयो नाधमानाः । अप ध्वान्तम् ऊर्णुहि पूर्धि चक्षुर् मुमुग्ध्य् अस्मान् निधयेव बद्धान् ॥ ७३.१ ॥<br>
'''७४.१'''<br>
प्राणानां ग्रन्थिर् असि रुद्रो मा विशान्तकः । तेनान्नेनाप्यायस्व ॥ ७४.१ ॥<br>
'''७५.१'''<br>
नमो रुद्राय विष्णवे मृत्युर् मे पाहि ॥ ७५.१ ॥<br>
'''७६.१'''<br>
त्वम् अग्ने द्युभिस् त्वम् आशुशुक्षणिस् त्वम् अद्भ्यस् त्वम् अश्मनस् परि । त्वं वनेभ्यस् त्वम् ओषधीभ्यस् त्वं नृणां नृपते जायसे शुचिः ॥ ७६.१ ॥<br>
'''७७.१'''<br>
शिवेन मे संतिष्ठस्व स्योनेन मे संतिष्ठस्व सुभूतेन मे संतिष्ठस्व ब्रह्मवर्चसेन मे संतिष्ठस्व यज्ञस्यर्द्धिम् अनुसंतिष्ठस्वोप ते यज्ञ नम उप ते नम उप ते नमः ॥ ७७.१ ॥<br>
'''७८.१'''<br>
सत्यं परं परं सत्यं सत्येन न सुवर्गाल् लोकाच् च्यवन्ते कदाचन सतां हि सत्यं तस्मात् सत्ये रमन्ते ॥ ७८.१ ॥<br>
'''७८.२'''<br>
तप इति तपो नानशनात् परं यद् धि परं तपस् तद् दुर्धर्षं तद् दुराधर्षं तस्मात् तपसि रमन्ते ॥ ७८.२ ॥<br>
'''७८.३'''<br>
दम इति नियतं ब्रह्मचारिणस् तस्माद् दमे रमन्ते ॥ ७८.३ ॥<br>
'''७८.४'''<br>
शम इत्य् अरण्ये मुनयस् तस्माच् छमे रमन्ते ॥ ७८.४ ॥<br>
'''७८.५'''<br>
दानम् इति सर्वाणि भूतानि प्रशंसन्ति दानान् नातिदुष्करं तस्माद् दाने रमन्ते ॥ ७८.५ ॥<br>
'''७८.६'''<br>
धर्म इति धर्मेण सर्वम् इदं परिगृहीतं धर्मान् नातिदुश्चरं तस्माद् धर्मे रमन्ते ॥ ७८.६ ॥<br>
'''७८.७'''<br>
प्रजन इति भूयांसस् तस्माद् भूयिष्ठाः प्रजायन्ते तस्माद् भूयिष्ठाः प्रजनने रमन्ते ॥ ७८.७ ॥<br>
'''७८.८'''<br>
अग्नय इत्य् आह तस्माद् अग्नय आधातव्याः ॥ ७८.८ ॥<br>
'''७८.९'''<br>
अग्निहोत्रम् इत्य् आह तस्माद् अग्निहोत्रे रमन्ते ॥ ७८.९ ॥<br>
'''७८.१०'''<br>
यज्ञ इति यज्ञेन हि देवा दिवं गतास् तस्माद् यज्ञे रमन्ते ॥ ७८.१० ॥<br>
'''७८.११'''<br>
मानसम् इति विद्वांसस् तस्माद् विद्वांस एव मानसे रमन्ते ॥ ७८.११ ॥<br>
'''७८.१२'''<br>
न्यास इति ब्रह्मा ब्रह्मा हि परः परो हि ब्रह्मा तानि वा एतान्य् अवराणि तपांसि न्यास एवात्यरेचयत् य एवं वेदेत्य् उपनिषत् ॥ ७८.१२ ॥<br>
'''७९.१'''<br>
प्राजापत्यो हारुणिः सुपर्णेयः प्रजापतिं पितरम् उपससार किं भगवन्तः परमं वदन्तीति तस्मै प्रोवाच ॥ ७९.१ ॥<br>
'''७९.२'''<br>
सत्येन वायुर् आवाति सत्येनादित्यो रोचते दिवि सत्यं वाचः प्रतिष्ठा सत्ये सर्वं प्रतिष्ठितं तस्मात् सत्यं परमं वदन्ति ॥ ७९.२ ॥<br>
'''७९.३'''<br>
तपसा देवा देवताम् अग्र आयन् तपसार्षयः सुवर् अन्वविन्दन् तपसा सपत्नान् प्रणुदामारातीस् तपसि सर्वं प्रतिष्ठितं तस्मात् तपः परमं वदन्ति ॥ ७९.३ ॥<br>
'''७९.४'''<br>
दमेन दान्ताः किल्बिषम् अवधून्वन्ति दमेन ब्रह्मचारिणः सुवर् अगच्छन् दमो भूतानां दुराधर्षं दमे सर्वं प्रतिष्ठितं तस्माद् दमः परमं वदन्ति ॥ ७९.४ ॥<br>
'''७९.५'''<br>
शमेन शान्ताः शिवम् आचरन्ति शमेन नाकं मुनयो ऽन्वविन्दन् शमो भूतानां दुराधर्षं शमे सर्वं प्रतिष्ठितं तस्माच् छमः परमं वदन्ति ॥ ७९.५ ॥<br>
'''७९.६'''<br>
दानं यज्ञानां वरूथं दक्षिणा लोके दातारं सर्वभूतान्य् उपजीवन्ति दानेनारातीर् अपानुदन्त दानेन द्विषन्तो मित्रा भवन्ति दाने सर्वं प्रतिष्ठितं तस्माद् दानं परमं वदन्ति ॥ ७९.६ ॥<br>
'''७९.७'''<br>
धर्मो विश्वस्य जगतः प्रतिष्ठा लोके धर्मिष्ठं प्रजा उपसर्पन्ति धर्मेण पापम् अपनुदति धर्मे सर्वं प्रतिष्ठितं तस्माद् धर्मं परमं वदन्ति ॥ ७९.७ ॥<br>
'''७९.८'''<br>
प्रजननं वै प्रतिष्ठा लोके साधु प्रजायास् तन्तुं तन्वानः पितॄणाम् अनृणो भवति तद् एव तस्यानृणं तस्मात् प्रजननं परमं वदन्ति ॥ ७९.८ ॥<br>
'''७९.९'''<br>
अग्नयो वै त्रयी विद्या देवयानः पन्था गार्हपत्य ऋक् पृथिवी रथन्तरम् अन्वाहार्यपचनो यजुर् अन्तरिक्षं वामदेव्यम् आहवनीयः साम सुवर्गो लोको बृहत् तस्माद् अग्नीन् परमं वदन्ति ॥ ७९.९ ॥<br>
'''७९.१०'''<br>
अग्निहोत्रं सायं प्रातर् गृहाणां निष्कृतिः स्विष्टं सुहुतं यज्ञक्रतूनां प्रायणं सुवर्गस्य लोकस्य ज्योतिस् तस्माद् अग्निहोत्रं परमं वदन्ति ॥ ७९.१० ॥<br>
'''७९.११'''<br>
यज्ञ इति यज्ञो हि देवानां यज्ञेन हि देवा दिवं गता यज्ञेनासुरान् अपानुदन्त यज्ञेन द्विषन्तो मित्रा भवन्ति यज्ञे सर्वं प्रतिष्ठितं तस्माद् यज्ञं परमं वदन्ति ॥ ७९.११ ॥<br>
'''७९.१२'''<br>
मानसं वै प्राजापत्यं पवित्रं मानसेन मनसा साधु पश्यति मनसा ऋषयः प्रजा असृजन्त मानसे सर्वं प्रतिष्ठितं तस्मान् मानसं परमं वदन्ति ॥ ७९.१२ ॥<br>
'''७९.१३'''<br>
न्यास इत्य् आहुर् मनीषिणो ब्रह्माणं ब्रह्मा विश्वः कतमः स्वयम्भूः प्रजापतिः संवत्सर इति ॥ ७९.१३ ॥<br>
'''७९.१४'''<br>
संवत्सरो ऽसाव् आदित्यो य एष आदित्ये पुरुषः स परमेष्ठी ब्रह्मात्मा ॥ ७९.१४ ॥<br>
'''७९.१५.१'''<br>
याभिर् आदित्यस् तपति रश्मिभिस् ताभिः पर्जन्यो वर्षति पर्जन्येनौषधिवनस्पतयः प्रजायन्त ओषधिवनस्पतिभिर् अन्नं भवति ॥ ७९.१५.१ ॥<br>
'''७९.१५.२'''<br>
अन्नेन प्राणाः प्राणैर् बलं बलेन तपस् तपसा श्रद्धा श्रद्धया मेधा मेधया मनीषा मनीषया मनो मनसा शान्तिः शान्त्या चित्तं चित्तेन स्मृतिः स्मृत्या स्मारं स्मारेण विज्ञानं विज्ञानेनात्मानं वेदयति ॥ ७९.१५.२ ॥<br>
'''७९.१५.३'''<br>
तस्माद् अन्नं ददन् सर्वाण्य् एतानि ददात्य् अन्नात् प्राणा भवन्ति भूतानां प्राणैर् मनो मनसश् च विज्ञानं विज्ञानाद् आनन्दो ब्रह्म योनिः ॥ ७९.१५.३ ॥<br>
'''७९.१६.१'''<br>
स वा एष पुरुषः पञ्चधा पञ्चात्मा येन सर्वम् इदं प्रोतं पृथिवी चान्तरिक्षं च द्यौश् च दिशश् चावान्तरदिशाश् च स वै सर्वम् इदं जगत् स भूतं स भव्यं ॥ ७९.१६.१ ॥<br>
'''७९.१६.२'''<br>
जिज्ञासकॢप्त ऋतजा रयिष्ठाः श्रद्धा सत्यो महस्वान् तमसोपरिष्टात् । ज्ञात्वा तम् एवं मनसा हृदा च भूयो न मृत्युम् उपयाहि विद्वान् ॥ ७९.१६.२ ॥<br>
'''७९.१६.३'''<br>
तस्मान् न्यासम् एषां तपसाम् अतिरिक्तम् आहुः ॥ ७९.१६.३ ॥<br>
'''७९.१७'''<br>
वसुरण्वो विभूर् असि प्राणे त्वम् असि सन्धाता ब्रह्मन् त्वम् असि विश्वसृत् तेजोदास् त्वम् अस्य् अग्नेर् असि वर्चोदास् त्वम् असि सूर्यस्य द्युम्नोदास् त्वम् असि चन्द्रमस उपयामगृहीतो ऽसि ब्रह्मणे त्वा महसे ॥ ७९.१७ ॥<br>
'''७९.१८'''<br>
ओम् इत्य् आत्मानं युञ्जीत । एतद् वै महोपनिषदं देवानां गुह्यम् । य एवं वेद ब्रह्मणो महिमानम् आप्नोति तस्माद् ब्रह्मणो महिमानम् इत्य् उपनिषत् ॥ ७९.१८ ॥<br>
'''८०.१.१'''<br>
तस्यैवं विदुषो यज्ञस्यात्मा यजमानः श्रद्धा पत्नी शरीरम् इध्मम् उरो वेदिर् लोमानि बर्हिर् वेदः शिखा हृदयं यूपः काम आज्यं मन्युः पशुस् तपो ऽग्निर् दमः शमयिता दानं दक्षिणा ॥ ८०.१.१ ॥<br>
'''८०.१.२'''<br>
वाग् घोता प्राण उद्गाता चक्षुर् अध्वर्युर् मनो ब्रह्मा श्रोत्रम् अग्नीत् ॥ ८०.१.२ ॥<br>
'''८०.१.३'''<br>
यावद् ध्रियते सा दीक्षा यद् अश्नाति तद् धविर् यत् पिबति तद् अस्य सोमपानम् ॥ ८०.१.३ ॥<br>
'''८०.१.४'''<br>
यद् रमते तद् उपसदो यत् सञ्चरत्य् उपविशत्य् उत्तिष्ठते च स प्रवर्ग्यः ॥ ८०.१.४ ॥<br>
'''८०.१.५'''<br>
यन् मुखं तद् आहवनीयो या व्याहृतिर् आहुतिर् यद् अस्य विज्ञानं तज् जुहोति ॥ ८०.१.५ ॥<br>
'''८०.१.६'''<br>
यत् सायं प्रातर् अत्ति तत् समिधं यत् प्रातर् मध्यन्दिनं सायं च तानि सवनानि ॥ ८०.१.६ ॥<br>
'''८०.१.७'''<br>
ये अहोरात्रे ते दर्शपूर्णमासौ ये ऽर्धमासाश् च मासाश् च ते चातुर्मास्यानि ॥ ८०.१.७ ॥<br>
'''८०.१.८'''<br>
य ऋतवस् ते पशुबन्धा ये संवत्सराश् च परिवत्सराश् च ते ऽहर्गणाः ॥ ८०.१.८ ॥<br>
'''८०.१.९'''<br>
सर्ववेदसं वा एतत् सत्रं यन् मरणं तद् अवभृथ एतद् वै जरामर्यम् अग्निहोत्रं सत्रम् ॥ ८०.१.९ ॥<br>
'''८०.१.१०'''<br>
य एवं विद्वान् उदगयने प्रमीयते देवानाम् एव महिमानं गत्वादित्यस्य सायुज्यं गच्छति ॥ ८०.१.१० ॥<br>
'''८०.१.११'''<br>
अथ यो दक्षिणे प्रमीयते पितॄणाम् एव महिमानं गत्वा चन्द्रमसः सायुज्यं गच्छति ॥ ८०.१.११ ॥<br>
'''८०.१.१२'''<br>
एतौ वै सूर्याचन्द्रमसोर् महिमानौ ब्राह्मणो विद्वान् अभिजयति तस्माद् ब्रह्मणो महिमानम् आप्नोति तस्माद् ब्रह्मणो महिमानम् इत्य् उपनिषत् ॥ ८०.१.१२ ॥<br>
'''Schlussgebet १'''<br>
ॐ शं नो मित्रः शं वरुणः । शं नो भवत्व् अर्यमा । शं न इन्द्रो बृहस्पतिः । शं नो विष्णुर् उरुक्रमः । नमो ब्रह्मणे । नमस् ते वायो । त्वम् एव प्रत्यक्षं ब्रह्मासि । त्वाम् एव प्रत्यक्षं ब्रह्मावादिषम् । ऋतम् अवादिषम् । सत्यम् अवादिषम् । तन् माम् आवीत् । तद् वक्तारम् आवीत् । आवीन् माम् । आवीद् वक्तारम् । ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥<br>
'''Schlussgebet २'''<br>
ॐ सह नाव् अवतु । सह नौ भुनक्तु । सह वीर्यं करवावहै । तेजस्वि नाव् अधीतम् अस्तु । मा विद्विषावहै । ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥<br>
'''Kolophon'''<br>
इति महानारायणोपनिषत् समाप्ता ॥<br>
==IAST: Anuvakas 1–80 und Schlussformeln==
'''1.1'''<br>
ambhasyapāre bhuvanasya madhye nākasya pṛṣṭhe mahato mahīyān | śukreṇa jyotīṃṣi samanupraviṣṭaḥ prajāpatiścarati garbhe antaḥ || 1.1 ||<br>
'''1.2'''<br>
yasminnidaṃ saṃ ca vi caiti sarvaṃ yasmin devā adhi viśve niṣeduḥ | tadeva bhūtaṃ tadu bhavyamā idaṃ tadakṣare parame vyoman || 1.2 ||<br>
'''1.3'''<br>
yenāvṛtaṃ khaṃ ca divaṃ mahī ca yenādityastapati tejasā bhrājasā ca | yamantaḥ samudre kavayo vayanti yadakṣare parame prajāḥ || 1.3 ||<br>
'''1.4'''<br>
yataḥ prasūtā jagataḥ prasūtī toyena jīvān vyacasarja bhūmyām | yadoṣadhībhiḥ puruṣān paśūṃśca viveśa bhūtāni carācarāṇi || 1.4 ||<br>
'''1.5'''<br>
ataḥ paraṃ nānyadaṇīyasaṃ hi parātparaṃ yanmahato mahāntam | yadekamavyaktamanantarūpaṃ viśvaṃ purāṇaṃ tamasaḥ parastāt || 1.5 ||<br>
'''1.6'''<br>
tadevartaṃ tadu satyamāhustadeva brahma paramaṃ kavīnām | iṣṭāpūrtaṃ bahudhā jātaṃ jāyamānaṃ viśvaṃ bibharti bhuvanasya nābhiḥ || 1.6 ||<br>
'''1.7'''<br>
tadevāgnistadvāyustatsūryastadu candramāḥ | tadeva śukramamṛtaṃ tadbrahma tadāpaḥ sa prajāpatiḥ || 1.7 ||<br>
'''1.8'''<br>
sarve nimeṣā jajñire vidyutaḥ puruṣādadhi | kalā muhūrtāḥ kāṣṭhāścāhorātrāśca sarvaśaḥ || 1.8 ||<br>
'''1.9'''<br>
ardhamāsā māsā ṛtavaḥ saṃvatsaraśca kalpantām | sa āpaḥ pradudhe ubhe ime antarikṣamatho suvaḥ || 1.9 ||<br>
'''1.10'''<br>
nainamūrdhvaṃ na tiryañcaṃ na madhye parijagrabhat | na tasyeśe kaścana tasya nāma mahadyaśaḥ || 1.10 ||<br>
'''1.11'''<br>
na saṃdṛśe tiṣṭhati rūpamasya na cakṣuṣā paśyati kaścanainam | hṛdā manīśā manasābhiklṛpto ya enaṃ viduramṛtāste bhavanti || 1.11 ||<br>
'''1.Z1.1'''<br>
adbhyaḥ sambhūtaḥ pṛthivyau rasācca viśvakarmaṇaḥ samavartatādhi | tasya tvaṣṭā vidadhadrūpameti tatpuruṣasya viśvamājānamagre || 1.Z1.1 ||<br>
'''1.Z1.2'''<br>
vedāhametaṃ puruṣaṃ mahāntaṃ ādityavarṇaṃ tamasaḥ parastāt | tamevaṃ vidvānamṛta iha bhavati nānyaḥ panthāvidyate’yanāya || 1.Z1.2 ||<br>
'''1.Z1.3'''<br>
prajāpatiścarati garbhe antaḥ ajāyamāno bahuthā vijāyate | tasya dhīrāḥ parijānanti yonim marīcīnāṃ padamicchanti vedhasaḥ || 1.Z1.3 ||<br>
'''1.Z1.4'''<br>
yo devebhya ātapati yo devānāṃ purohitaḥ | pūrvo yo devebhyo jātaḥ namo rucāya brāhmaye || 1.Z1.4 ||<br>
'''1.Z1.5'''<br>
rucaṃ brāhmaṃ janayantaḥ devā agre tadabruvan | yastvaivaṃ brāhmaṇo vidyāt tasya devā asan vaśe || 1.Z1.5 ||<br>
'''1.Z1.6'''<br>
hrīśca te lakṣmīśca patnyau ahorātre pārśve nakṣatrāṇi rūpam | aśvinau vyāttam iṣṭaṃ maniṣāṇa amuṃ maniṣāṇa sarvaṃ maniṣāṇa || 1.Z1.6 ||<br>
'''1.Z2.1'''<br>
hiraṇyagarbhaḥ samavartatāgre bhūtasya jātaḥ patireka āsīt | sa dādhāra pṛthivīṃ dyāmutemāṃ kasmai devāya haviṣā vidhema || 1.Z2.1 ||<br>
'''1.Z2.2'''<br>
yaḥ prāṇato nimiṣato mahitvaika idrājā jagato babhūva | ya īśe asya dvipadaścatuṣpadaḥ kasmai devāya haviṣā vidhema || 1.Z2.2 ||<br>
'''1.Z2.3'''<br>
ya ātmadā balaṃdā yasya viśva upāsate praśiṣaṃ yasya devāḥ | yasya chāyāmṛtaṃ yasya mṛtyuḥ kasmai devāya haviṣā vidhema || 1.Z2.3 ||<br>
'''1.Z2.4'''<br>
yasyeme himavanto mahitvā yasya samudraṃ rasayā sahāhuḥ | yasyemāḥ pradiśo yasya bāhū kasmai devāya haviṣā vidhema || 1.Z2.4 ||<br>
'''1.Z2.5'''<br>
yaṃ krandasī avasā tastabhāne asyaikṣetāṃ manasā rejamāne | yatrādhi sūra uditau vyeti kasmai devāya haviṣā vidhema || 1.Z2.5 ||<br>
'''1.Z2.6'''<br>
yena dyaurugrā pṛthivī ca dṛḍhe yena suvaḥ stabhitaṃ yena nākaḥ | yo antarikṣe rajaso vimānaḥ kasmai devāya haviṣā vidhema || 1.Z2.6 ||<br>
'''1.Z2.7'''<br>
āpo ha yanmahatīrviśvamāyaṃ dakṣaṃ dadhānā janayantīragnim | tato devānāṃ niravartatāsurekaḥ kasmai devāya haviṣā vidhema || 1.Z2.7 ||<br>
'''1.Z2.8'''<br>
yaścidāpo mahinā paryapaśyaddakṣaṃ dadhānā janayantīragnim | yo deveśvadhi deva eka kasmai devāya haviṣā vidhema || 1.Z2.8 ||<br>
'''1.12'''<br>
eṣa hi devaḥ pradiśo’nu sarvāḥ pūrvo hi jātaḥ sa u garbhe antaḥ | sa vijāyamānaḥ sa janiṣyamāṇaḥ pratyaṅmukhāstiṣṭhati viśvatomukhaḥ || 1.12 ||<br>
'''1.13'''<br>
viśvataścakṣuruta viśvato mukho viśvato hasta uta viśvataspāt | saṃ bāhubhyāṃ namati saṃ patatrairdyāvāpṛthivī janayan deva ekaḥ || 1.13 ||<br>
'''1.14'''<br>
venastat paśyan viśvā bhuvanāni vidvān yatra viśvaṃ bhavatyekanīḍam | yasminnidaṃsaṃ ca vi caikaṃsa otaḥ protaśca vibhuḥ prajāsu || 1.14 ||<br>
'''1.15'''<br>
pra tadvoce amṛtaṃ nu vidvān gandharvo nāma nihitaṃ guhāsu | trīṇi padā nihitā guhāsu yastadveda savituḥ pitā sat || 1.15 ||<br>
'''1.16'''<br>
sa no bandhurjanitā sa vidhātā dhāmāni veda bhuvanāni viśvā | yatra devā amṛtamānaśānāstṛtīye dhāmānyabhyairayanta || 1.16 ||<br>
'''1.17'''<br>
pari dyāvāpṛthivī yanti sadyaḥ pari lokān pari diśaḥ pari suvaḥ | ṛtasya tantuṃ vitataṃ vicṛtya tadapaśyat tadabhavat prajāsu || 1.17 ||<br>
'''1.18'''<br>
parītya lokān parītya bhūtāni parītya sarvāḥ pradiśo diśaśca | prajāpatiḥ prathamajā ṛtasyātmanātmānamabhisambabhūva || 1.18 ||<br>
'''1.19'''<br>
sadasaspatimadbhutaṃ priyamindrasya kāmyam | saniṃ medhāmayāsiṣam || 1.19 ||<br>
'''1.20'''<br>
uddīpyasva jātavedo’paghnanniṛtiṃ mama | paśūṃśca mahyamamāvaha jīvanaṃ ca diśo diśa || 1.20 ||<br>
'''1.21'''<br>
mā no hiṃsījjātavedo gāmaśvaṃ puruṣaṃ jagat | abibhradagna āgahi śriyā mā paripātaya || 1.21 ||<br>
'''1.22'''<br>
puruṣasya vidmahe sahasrākṣasya mahādevasya dhīmahi | tanno rudraḥ pracodayāt || 1.22 ||<br>
'''1.23'''<br>
tatpuruṣāya vidmahe mahādevāya dhīmahi | tanno rudraḥ pracodayāt || 1.23 ||<br>
'''1.24'''<br>
tatpuruṣāya vidmahe vakratuṇḍāya dhīmahi | tanno dantiḥ pracodayāt || 1.24 ||<br>
'''1.25'''<br>
tatpuruṣāya vidmahe cakratuṇḍāya dhīmahi | tanno nandiḥ pracodayāt || 1.25 ||<br>
'''1.26'''<br>
tatpuruṣāya vidmahe mahāsenāya dhīmahi | tannaḥ ṣaṇmukhaḥ pracodayāt || 1.26 ||<br>
'''1.27'''<br>
tatpuruṣāya vidmahe suvarṇapakṣāya dhīmahi | tanno garuḍaḥ pracodayāt || 1.27 ||<br>
'''1.28'''<br>
vedātmanāya vidmahe hiraṇyagarbhāya dhīmahi | tanno brahma pracodayāt || 1.28 ||<br>
'''1.29'''<br>
nārāyaṇāya vidmahe vāsudevāya dhīmahi | tanno viṣṇuḥ pracodayāt || 1.29 ||<br>
'''1.30'''<br>
vajranakhāya vidmahe tīkṣṇadaṃṣṭrāya dhīmahi | tanno nārasiṃhaḥ pracodayāt || 1.30 ||<br>
'''1.31'''<br>
bhāskarāya vidmahe mahaddyutikarāya dhīmahi | tanno ādityyaḥ pracodayāt || 1.31 ||<br>
'''1.32'''<br>
vaiśvānaraya vidmahe lālīlāya dhīmahi | tanno agniḥ pracodayāt || 1.32 ||<br>
'''1.33'''<br>
kātyāyanāya vidmahe kanyākumāri dhīmahi | tanno durgiḥ pracodayāt || 1.33 ||<br>
'''1.34'''<br>
sahasraparamā devī śatamūlā śatāṅkurā | sarvaṃharatu me pāpaṃ dūrvā duḥsvapnanāśinī || 1.34 ||<br>
'''1.35'''<br>
kāṇḍāt kāṇḍāt prarohantī paruṣaḥ paruṣaḥ pari | evā no dūrve pratanu sahasreṇa śatena ca || 1.35 ||<br>
'''1.36'''<br>
yā śatena pratanoṣi sahasreṇa virohasi | tasyāste devīṣṭake vidhema haviṣā vayam || 1.36 ||<br>
'''1.37'''<br>
aśvakrānte rathakrānte viṣṇukrānte vasundharā | śirasā dhārayiṣyāmi rakṣasva māṃ pade pade || 1.37 ||<br>
'''1.38'''<br>
bhūmirdhenurdharaṇī lokadhāriṇī | uddhṛtāsi varāheṇa kṛṣṇena śatabāhunā || 1.38 ||<br>
'''1.39'''<br>
mṛttike hana pāpaṃ yanmayā duṣkṛtaṃ kṛtam | mṛttike brahmadattāsi kāśyapenābhimantritā | mṛttike dehi me puṣṭiṃ tvayi sarvaṃ pratiṣṭhitam || 1.39 ||<br>
'''1.40'''<br>
mṛttike pratiṣṭhite sarvaṃ tanme nirṇuda mṛttike | tvayā hatena pāpena gacchāmi paramāṃ gatim || 1.40 ||<br>
'''1.41'''<br>
yata indra bhayāmahe tato no abhayaṃ kṛdhi | maghavañchagdhi tava tanna ūtaye vidviṣo vimṛdho jahi || 1.41 ||<br>
'''1.42'''<br>
svastidā viśaspatirvṛtrahā vimṛdho vaśī | vṛṣendraḥ pura etu naḥ svastidā abhayaṅkaraḥ || 1.42 ||<br>
'''1.43'''<br>
svasti na indro vṛddhaśravāḥ svasti naḥ pūṣā viśvavedāḥ | svasti nastārkṣyo ariṣṭanemiḥ svasti no bṛhaspatirdadhātu || 1.43 ||<br>
'''1.44'''<br>
āpāntamanyustṛpalaprabharmā dhuniḥ śimīvāñcharumāṃṛjīṣī | somo viśvānyatasāvanāni nārvāgindraṃ pratimānāni debhuḥ || 1.44 ||<br>
'''1.45'''<br>
brahmajajñānaṃ prathamaṃ purastādvi sīmataḥ suruco vena āvaḥ | sa budhniyā upamā asya viṣṭhāḥ sataśca yonimasataśca vivaḥ || 1.45 ||<br>
'''1.46'''<br>
syonā pṛthivi bhavān nṛkṣarā niveśanī | yacchā naḥ śarma saprathāḥ || 1.46 ||<br>
'''1.47'''<br>
gandhadvārāṃ durādharṣāṃ nityapuṣṭāṃ karīṣiṇīm | īśvarīṃ sarvabhūtānāṃ tāmihopahvaye śriyam || 1.47 ||<br>
'''1.48'''<br>
śrīrme bhajatu alakṣmīrme naśyatu | viṣṇumukhā vai devāśchandobhirimāṃl lokānanapajayyamabhyajayan | mahāṃ indro vajrabāhuḥ ṣoḍaśī śarma yacchatu || 1.48 ||<br>
'''1.49'''<br>
svasti no maghavā karotu | hantu pāpmānaṃ yo’smān dveṣṭi || 1.49 ||<br>
'''1.50'''<br>
somānaṃ svaraṇaṃ kṛṇuhi brahmaṇaspate kakṣīvantaṃ ya auśijam | śarīraṃ yajñaśamalaṃ kusīdaṃ tasmintsīdatu yo’smān dveṣṭi || 1.50 ||<br>
'''1.51'''<br>
caraṇaṃ pavitraṃ vitataṃ purāṇaṃ yena pūtastarati duṣkṛtāni | tena pavitreṇa śuddhena pūtā ati pāpmānamarātiṃ tarema || 1.51 ||<br>
'''1.52'''<br>
sajoṣā indra sagaṇo marudbhiḥ somaṃ piba vṛtrahañchūra vidvān | jahi śatrūṃrapa mṛdho nudasvāthābhayaṃ kṛṇuhi viśvato naḥ || 1.52 ||<br>
'''1.53'''<br>
sumitrā na āpa oṣadhayaḥ santu | durmitrāstasmai bhūyāsuryo’smān dveṣṭi yaṃ ca vayaṃ dviṣmaḥ || 1.53 ||<br>
'''1.54'''<br>
āpo hi ṣṭhā mayobhuvastā na ūrje dadhātana | mahe raṇāya cakṣase | yo vaḥ śivatamo rasastasya bhājayate’ha naḥ | uśatīriva mātaraḥ | tasmā araṃ gamāma vo yasya kṣayāya jinvatha | āpo janayathā ca naḥ || 1.54 ||<br>
'''1.55'''<br>
hiraṇyaśṛṅgaṃ varuṇaṃ prapadye tīrtha me dehi yācitaḥ | yanmayā bhuktamasādhūnāṃ pāpebhyaśca pratigrahaḥ || 1.55 ||<br>
'''1.56'''<br>
yanme manasā vācā karmaṇā vā duṣkṛtaṃ kṛtam | tanna indro varuṇo bṛhaspatiḥ savitā ca punantu punaḥ punaḥ || 1.56 ||<br>
'''1.57'''<br>
namo’gnaye’psumate nama indrāya namo varuṇāya namo vāruṇyai namo’dbhyaḥ || 1.57 ||<br>
'''1.58'''<br>
yadapāṃ krūraṃ yadamedhyaṃ yadaśāntaṃ tadapagacchatāt || 1.58 ||<br>
'''1.59'''<br>
atyāśanādatīpānād yacca ugrāt pratigrahāt | tanme varuṇo rājā pāṇinā hyavamarśatu || 1.59 ||<br>
'''1.60'''<br>
so’hamapāpo virajo nirmukto muktakilbiṣaḥ | nākasya pṛṣṭhamāruhya gacchedbrahmasalokatām || 1.60 ||<br>
'''1.61'''<br>
yaścāpsu varuṇaḥ sa punātvaghamarṣaṇaḥ || 1.61 ||<br>
'''1.62'''<br>
imaṃ me gaṅge yamune sarasvati śutudri stomaṃ sacatā paruṣṇiyā | asikniya marudvṛdhe vitastayārjīkīye śṛṇuhyā suṣomayā || 1.62 ||<br>
'''1.63'''<br>
ṛtaṃ ca satyaṃ cābhīddhāttapaso’dhyajāyata | tato rātrirajāyata tataḥ samudro arṇavaḥ || 1.63 ||<br>
'''1.64'''<br>
samudrādarṇavādadhi saṃvatsaro ajāyata | ahorātrāṇi vidadhadviśvasya miṣato vaśī || 1.64 ||<br>
'''1.65'''<br>
sūryācandramasau dhātā yathāpūrvamakalpayat | divaṃ ca pṛthivīṃ cāntarikṣamatho suvaḥ || 1.65 ||<br>
'''1.66'''<br>
yatpṛthivyāṃ rajaḥ svamāntarikṣe virodasī | imāṃstadāpo varuṇaḥ punātvaghamarṣaṇaḥ || punantu vasavaḥ punātu varuṇaḥ punātvaghamarṣaṇaḥ | eṣa bhūtasya madhye bhuvanasya goptā || eṣa puṇyakṛtāṃ lokāneṣa mṛtyorhiraṇmayam | dyāvāpṛthivyorhiraṇmayaṃ saṃśritaṃ suvaḥ | sa naḥ suvaḥ saṃśiśādhi || 1.66 ||<br>
'''1.67'''<br>
ārdraṃ jvalatijyotirahamasmi | jyotirjvalati brahmāhamasmi | yo’hamasmi brahmāhamasmi | ahamasmi brahmāhamasmi | ahamevāhaṃ māṃ juhomi svāhā || 1.67 ||<br>
'''1.68'''<br>
akāryavakīrṇī steno bhrūṇahā gurutalpagaḥ | varuṇo’pāmaghamarṣaṇastasmāt pāpāt pramucyate || 1.68 ||<br>
'''1.69'''<br>
rajobhūmistva māṃ rodayasva pravadanti dhīrāḥ || 1.69 ||<br>
'''1.70'''<br>
ākrāntsamudraḥ prathame vidharmañjanayanprajā bhuvanasya rājā | vṛṣā pavitre adhi sāno avye bṛhatsomo vāvṛdhe suvāna induḥ || 1.70 ||<br>
'''2.1'''<br>
jātavedase sunavāma somamarātīyato nidahāti vedaḥ | sa naḥ parṣadati durgāṇi viśvā nāveva sindhuṃ duritātyagniḥ || 2.1 ||<br>
'''2.2'''<br>
tāmagnivarṇāṃ tapasā jvalantīṃ vairocanīṃ karmaphaleṣu juṣṭām | durgāṃ devīṃ śaraṇamahaṃ prapadye sutarasi tarase namaḥ || 2.2 ||<br>
'''2.3'''<br>
agne tvaṃ pārayā navyo asmān svastibhirati durgāṇi viśvā | pūśca pṛthvī bahulā na urvī bhavā tokāya tanayāya śaṃyoḥ || 2.3 ||<br>
'''2.4'''<br>
viśvāni no durgahā jātavedaḥ sindhuṃ na nāvā duritātiparṣi | agne atrivanmanasā gṛṇāno’smākaṃ bodhyavitā tanūnām || 2.4 ||<br>
'''2.5'''<br>
pṛtanājitaṃ sahamānamugramagniṃ huvema paramātsadhasthāt | sa naḥ parṣadati durgāṇi viśvā kṣāmaddevo ati duritātyagniḥ || 2.5 ||<br>
'''2.6'''<br>
pratnoṣi kamīḍyo adhvareṣu sanācca hotā navyaśca satsi | svāṃ cāgne tanuvaṃ piprayasvāsmabhyaṃ ca saubhagamāyajasva || 2.6 ||<br>
'''2.7'''<br>
gobhirjuṣṭamayujo niṣiktaṃ tavendra viṣṇoranusaṃcarema | nākasya pṛṣṭhamabhi saṃvasāno vaiṣṇavīṃ loka iha mādayantām || 2.7 ||<br>
'''3.1'''<br>
bhūrannamagnaye pṛthivyai svāhā bhuvo’nnaṃ vāyave’ntarikṣāya svāhā suvarannamādityāya dive svāhā bhūrbhuvassuvarannaṃ candramase digbhyaḥ svāhā namo devebhyaḥ svadhā pitṛbhyo bhūrbhuvaḥ suvarannamom || 3.1 ||<br>
'''4.1'''<br>
bhūragnaye pṛthivyai svāhā bhuvo vāyave’ntarikṣāya svāhā suvarādityāya dive svāhā bhūrbhuvassuvaścandramase digbhyaḥ svāhā namo devebhyaḥ svadhā pitṛbhyo bhūrbhuvaḥsuvaragna om || 4.1 ||<br>
'''5.1'''<br>
bhūragnaye ca pṛthivyai ca mahute ca svāhā bhuvo vāyave cāntarikṣāya ca mahate ca svāhā suvarādityāya ca dive ca mahate ca svāhā bhūrbhuvassuvaścandramase ca nakṣatrebhyaśca digbhyaśca mahate ca svāhā namo devebhyaḥ svadhā pitṛbhyo bhūrbhuvaḥ suvarmaharom || 5.1 ||<br>
'''6.1'''<br>
pāhi no agna enase svāhā pāhi no viśvavedase svāhā yajñaṃ pāhi vibhāvaso svāhā sarvaṃ pāhi śatakrato svāhā || 6.1 ||<br>
'''7.1'''<br>
pāhi no agna ekayā pāhyuta dvitīyayā pāhyūrja tṛtīyayā pāhi gīrbhiścatasṛbhirvaso svāhā || 7.1 ||<br>
'''8.1'''<br>
yaśchandasāmṛṣabho viśvarūpaśchandobhyaścandāṃsyāviveśa | satāṃśikyaḥ provācopaniṣadindro jyeṣṭha indriyāya ṛṣibhyo namo devebhyaḥ svadhā pitṛbhyo bhūrbhuvassuvaśchanda om || 8.1 ||<br>
'''9.1'''<br>
namo brahmaṇe dhāraṇaṃ me astvanirākaraṇaṃ dhārayitā bhūyāsaṃ karṇayoḥ śrutaṃ mā cyoḍhaṃ mamāmuṣya om || 9.1 ||<br>
'''10.1'''<br>
ṛtaṃ tapaḥ satyaṃ tapaḥ śrutaṃ tapaḥ śāntaṃ tapo damastapaḥ śamastapo dānaṃ tapo yajñaṃ tapo bhūrbhuvaḥ suvarbrahmaitadupāsvaitattapaḥ || 10.1 ||<br>
'''11.1'''<br>
yathā vṛkṣasya sampuṣpitasya dūrādgandho vātyevaṃ puṇyasya karmaṇo dūrādgandho vāti yathāsidhārāṃ karte’vahitamavakrāme yadyuve yuve havā vihvayiṣyāmi kartaṃ patiṣyāmītyevamamṛtādātmānaṃ jugupset || 11.1 ||<br>
'''12.1'''<br>
aṇoraṇīyān mahato mahīyānātmā guhāyāṃ nihito’sya jantoḥ | tamakratuṃ paśyati vītaśoko dhātuḥ prasādānmahimānamīśam || 12.1 ||<br>
'''12.2'''<br>
sapta prāṇā prabhavanti tasmāt saptārciṣaḥ samidhaḥ sapta jihvāḥ | sapta ime lokā yeṣu caranti prāṇā guhāśayānnihitāḥ sapta sapta || 12.2 ||<br>
'''12.3'''<br>
ataḥ samudrā girayaśca sarve’smātsyandante sindhavaḥ sarvarūpāḥ | ataśca viśvā oṣadhayo rasāśca yenaiṣa bhūtastiṣṭhatyantarātmā || 12.3 ||<br>
'''12.4'''<br>
brahmā devānāṃ padavīḥ kavīnāmṛṣirviprāṇāṃ mahiṣo mṛgāṇām | śyeno gṛdhrāṇāṃsvadhitirvanānāṃsomaḥ pavitramatyeti rebhan || 12.4 ||<br>
'''12.5'''<br>
ajāmekāṃ lohitaśuklakṛṣṇāṃ bahvīṃ prajāṃ janayantīṃ sarūpām | ajo hyeko juṣamāṇo’nuśete jahātyenāṃ bhuktabhogāmajo’nyaḥ || 12.5 ||<br>
'''12.6'''<br>
haṃsaḥ śuciṣadvasurantarikṣasaddhotā vediṣadatithirduroṇasat | nṛṣadvarasadṛtasadvyomasadabjā gojā ṛtajā adrijā ṛtaṃ bṛhat || 12.6 ||<br>
'''12.6a'''<br>
yasmājjātā na parā naiva kiṃcanāsa ya āviveśa bhuvanāni viśvā | prajāpatiḥ prajayā saṃvidānastrīṇi jyotīṃṣi sacate sa ṣoḍaśī || 12.6a ||<br>
'''12.6b'''<br>
vidhartāraṃ havāmahe vasoḥ kuvidvanāti naḥ | savitāraṃ nṛcakṣasam || 12.6b ||<br>
'''12.7'''<br>
ghṛtaṃ mimikṣire ghṛtamasya yonirghṛte śrito ghṛtamuvasya dhāma | anuṣvadhamāvaha mādayasva svāhākṛtaṃ vṛṣabha vakṣi havyam || 12.7 ||<br>
'''12.8'''<br>
samudrādūrmirmadhumāṃ udāradupāṃśunā samamṛtatvamānaṭ | ghṛtasya nāma guhyaṃ yadasti jihvā devānāmamṛtasya nābhiḥ || 12.8 ||<br>
'''12.9'''<br>
vayaṃ nāma prabravāmā ghṛtenāsmin yajñe dhārayāmā namobhiḥ | upa brahmā śṛṇavacchasyamānaṃ catuḥśṛṅgo’vamīdgaura etat || 12.9 ||<br>
'''12.10'''<br>
catvāri śṛṅgā trayo asya pādā dveśīrṣe sapta hastāso asya | tridhā baddho vṛṣabho roravīti maho devo martyāṃ āviveśa || 12.10 ||<br>
'''12.11'''<br>
tridhā hitaṃ paṇibhirguhyamānaṃ gavi devāso ghṛtamanvavindan | indra ekaṃ sūrya ekaṃ jajāna venādekaṃ svadhayā niṣṭatakṣuḥ || 12.11 ||<br>
'''12.12'''<br>
yo devānāṃ prathamaṃ purastādviśvādhiko rudro maharṣiḥ | hiraṇyagarbhaṃ paśyata jāyamānaṃ sa no devaḥ śubhayāsmṛtyā saṃyunaktu || 12.12 ||<br>
'''12.13'''<br>
yasmātparaṃ nāparamasti kiñcit yasmānnāṇīyo na jyāyo’sti kaścit | vṛkṣa iva stabdho divi tiṣṭhatyekastenedaṃ pūrṇaṃ puruṣeṇa sarvam || 12.13 ||<br>
'''12.14'''<br>
na karmaṇā na prajayā dhanena tyāgenaike amṛtatvamānaśuḥ | pareṇa nākaṃ nihitaṃ guhāyāṃ bibhrājate yadyatayo viśanti || 12.14 ||<br>
'''12.15'''<br>
vedāntavijñānaviniścitārthāḥ saṃnyāsayogādyatayaḥ śuddhasattvāḥ | te brahmaloke tu parāntakāle parāmṛtāḥ parimucyanti sarve || 12.15 ||<br>
'''12.16'''<br>
dahraṃ vipāpaṃ varaveśmabhūtaṃ yat puṇḍarīkaṃ puramadhyasaṃstham | tatrāpi dahre gaganaṃ viśokaṃ tasmin yadantastadupāsitavyam || 12.16 ||<br>
'''12.17'''<br>
yo vedādau svaraḥ prokto vedānte ca pratiṣṭhitaḥ | tasya prakṛtilīnasya yaḥ paraḥ sa maheśvaraḥ || 12.17 ||<br>
'''13.1'''<br>
sahasraśīrṣaṃ devaṃ viśvākṣaṃ viśvaśambhuvam | viśvaṃ nārāyaṇaṃ devamakṣaraṃ paramaṃ prabhum || 13.1 ||<br>
'''13.2'''<br>
viśvataḥ paramaṃ nityaṃ viśvaṃ nārāyaṇaṃ harim | viśvamevedaṃ puruṣastadviśvamupajīvati || 13.2 ||<br>
'''13.3'''<br>
patiṃ viśvasyātmeśvaraṃ śāśvataṃ śivamacyutam | nārāyaṇaṃ mahājñeyaṃ viśvātmānaṃ parāyaṇam || 13.3 ||<br>
'''13.4'''<br>
nārāyaṇaḥ paraṃ brahma tattvaṃ nārāyaṇaḥ paraḥ | nārāyaṇaḥ paro jyotirātmā nārāyaṇaḥ paraḥ || 13.4 ||<br>
'''13.5.1'''<br>
nārāyaṇaḥ paro dhyātā dhyānaṃ nārāyaṇaḥ paraḥ || 13.5.1 ||<br>
'''13.5.2'''<br>
yacca kiñcijjagatyasmin dṛśyate śrūyate’pi vā | antarbahiśca tatsarvaṃ vyāpya nārāyaṇaḥ sthitaḥ || 13.5.2 ||<br>
'''13.6'''<br>
anantamavyayaṃ kaviṃ samudre’ntaṃ viśvaśambhuvam | padmakośapratīkāśaṃ hṛdayaṃ cāpyadhomukham || 13.6 ||<br>
'''13.7'''<br>
adho niṣṭyā vitastyānte nābhyāmupari tiṣṭhati | hṛdayaṃ tadvijānīyādviśvasyāyatanaṃ mahat || 13.7 ||<br>
'''13.8'''<br>
santataṃ sirābhistu lambatyākośasannibham | tasyānte suṣiraṃ sūkṣmaṃ tasmintsarvaṃ pratiṣṭhitam || 13.8 ||<br>
'''13.9'''<br>
tasya madhye mahānagnirviśvārcirviśvatomukhaḥ | so’grabhugvibhajantiṣṭhannāhāramajaraḥ kaviḥ || 13.9 ||<br>
'''13.10.1'''<br>
tiryagūrdhvamadhaḥśāyī raśmayastasya santatāḥ | santāpayati svaṃ dehamāpādatalamastakam || 13.10.1 ||<br>
'''13.10.2'''<br>
tasya madhye vahniśikhā aṇīyordhvā vyavasthitā || 13.10.2 ||<br>
'''13.11'''<br>
nīlatoyadamadhyasthā vidyullekheva bhāsvarā | nīvāraśūkavattanvī pītā bhāsvatyaṇūpamā || 13.11 ||<br>
'''13.12'''<br>
tasyāḥ śikhāyā madhye paramātmā vyavasthitaḥ | sa brahmā sa śivaḥ sa hariḥ sendraḥ so’kṣaraḥ paramaḥ svarāṭ || 13.12 ||<br>
'''14.1'''<br>
ādityo vā eṣa etanmaṇḍalaṃ tapati tatra tā ṛcastadṛcā maṇḍalaṃ sa ṛcāṃ loko’tha ya eṣa etasminmaṇḍale’rcirdīpyate tāni sāmāni sa sāmnāṃ loko’tha ya eṣa etasminmaṇḍale’rciṣi puruṣastāni yajūṃṣi sa yajuṣā maṇḍalaṃ sa yajuṣāṃ lokaḥ saiṣā trayyeva vidyā tapati ya eṣo’ntarāditye hiraṇmayaḥ puruṣaḥ || 14.1 ||<br>
'''15.1.1'''<br>
ādityo vai teja ojo balaṃ yaśaścakṣuḥ śrotramātmā mano manyurmanurmṛtyuḥ satyo mitro vāyurākāśaḥ prāṇo lokapālaḥ kaḥ kiṃ kaṃ tatsatyamannamamṛto jīvo viśvaḥ katamaḥ svayambhu brahmaitadamṛta eṣa puruṣa eṣa bhūtānāmadhipatiḥ || 15.1.1 ||<br>
'''15.1.2'''<br>
brahmaṇaḥ sāyujyaṃ salokatāmāpnotyetāsāmeva devatānāṃ sāyujyaṃ sārṣṭitāṃ samānalokatāmāpnoti ya evaṃ vedetyupaniṣat || 15.1.2 ||<br>
'''15.2'''<br>
ghṛṇiḥ sūrya ādityomarcayanti tapaḥ satyaṃ madhu kṣaranti tadbrahma tadāpa āpo jyotī raso’mṛtaṃ brahma bhūrbhuvaḥ suvarom || 15.2 ||<br>
'''16.1.1'''<br>
nidhanapataye namaḥ || 16.1.1 ||<br>
'''16.1.2'''<br>
nidhanapatāntikāya namaḥ || 16.1.2 ||<br>
'''16.1.3'''<br>
ūrdhvāya namaḥ || 16.1.3 ||<br>
'''16.1.4'''<br>
ūrdhvaliṅgāya namaḥ || 16.1.4 ||<br>
'''16.1.5'''<br>
hiraṇyāya namaḥ || 16.1.5 ||<br>
'''16.1.6'''<br>
hiraṇyaliṅgāya namaḥ || 16.1.6 ||<br>
'''16.1.7'''<br>
suvarṇāya namaḥ || 16.1.7 ||<br>
'''16.1.8'''<br>
suvarṇaliṅgāya namaḥ || 16.1.8 ||<br>
'''16.1.9'''<br>
divyāya namaḥ || 16.1.9 ||<br>
'''16.1.10'''<br>
divyaliṅgāya namaḥ || 16.1.10 ||<br>
'''16.1.11'''<br>
bhavāya namaḥ || 16.1.11 ||<br>
'''16.1.12'''<br>
bhavaliṅgāya namaḥ || 16.1.12 ||<br>
'''16.1.13'''<br>
śarvāya namaḥ || 16.1.13 ||<br>
'''16.1.14'''<br>
śarvaliṅgāya namaḥ || 16.1.14 ||<br>
'''16.1.15'''<br>
śivāya namaḥ || 16.1.15 ||<br>
'''16.1.16'''<br>
śivaliṅgāya namaḥ || 16.1.16 ||<br>
'''16.1.17'''<br>
jvalāya namaḥ || 16.1.17 ||<br>
'''16.1.18'''<br>
jvalaliṅgāya namaḥ || 16.1.18 ||<br>
'''16.1.19'''<br>
ātmāya namaḥ || 16.1.19 ||<br>
'''16.1.20'''<br>
ātmaliṅgāya namaḥ || 16.1.20 ||<br>
'''16.1.21'''<br>
paramāya namaḥ || 16.1.21 ||<br>
'''16.1.22'''<br>
paramaliṅgāya namaḥ || 16.1.22 ||<br>
'''16.1.23'''<br>
etatsomasya sūryasya sarvaliṅgaṃ sthāpayati pāṇimantraṃ pavitram || 16.1.23 ||<br>
'''17.1'''<br>
sadyojātaṃ prapadyāmi sadyojātāya vai namo namaḥ | bhave bhave nātibhave bhavasva mām | bhavodbhavāya namaḥ || 17.1 ||<br>
'''18.1.1'''<br>
vāmadevāya namaḥ || 18.1.1 ||<br>
'''18.1.2'''<br>
jyeṣṭhāya namaḥ || 18.1.2 ||<br>
'''18.1.3'''<br>
śreṣṭhāya namaḥ || 18.1.3 ||<br>
'''18.1.4'''<br>
rudrāya namaḥ || 18.1.4 ||<br>
'''18.1.5'''<br>
kālāya namaḥ || 18.1.5 ||<br>
'''18.1.6'''<br>
kalavikaraṇāya namaḥ || 18.1.6 ||<br>
'''18.1.7'''<br>
balavikaraṇāya namaḥ || 18.1.7 ||<br>
'''18.1.8'''<br>
balāya namaḥ || 18.1.8 ||<br>
'''18.1.9'''<br>
balapramathanāya namaḥ || 18.1.9 ||<br>
'''18.1.10'''<br>
sarvabhūtadamanāya namaḥ || 18.1.10 ||<br>
'''18.1.11'''<br>
manonmanāya namaḥ || 18.1.11 ||<br>
'''19.1'''<br>
aghorebhyo’tha ghorebhyo ghoraghoratarebhyaḥ | sarvataḥ śarva sarvebhyo namaste astu rudrarūpebhyaḥ || 19.1 ||<br>
'''20.1'''<br>
tatpuruṣāya vidmahe mahādevāya dhīmahi | tanno rudraḥ pracodayāt || 20.1 ||<br>
'''21.1'''<br>
īśānaḥ sarvavidyānāmīśvaraḥ sarvabhūtānāṃ brahmādhipatirbrahmaṇo’dhipatirbrahmā śivo me astu sadāśivom || 21.1 ||<br>
'''22.1'''<br>
namo hiraṇyabāhave hiraṇyavarṇāya hiraṇyarūpāya hiraṇyapataye| ambikāpataya umāpataye paśupataye namo namaḥ || 22.1 ||<br>
'''23.1'''<br>
ṛtaṃ satyaṃ paraṃ brahma puruṣaṃ kṛṣṇapiṅgalam | ūrdhvaretaṃ virūpākṣaṃ viśvarūpāya vai namo namaḥ || 23.1 ||<br>
'''24.1'''<br>
sarvo vai rudrastasmai rudrāya namo astu | puruṣo vai rudraḥ sanmaho namo namaḥ | viśvaṃ bhūtaṃ bhuvanaṃ citraṃ bahudhā jātaṃ jāyamānaṃ ca yat | sarvo hyeṣa rudrastasmai rudrāya namo astu || 24.1 ||<br>
'''25.1.1'''<br>
kadrudrāya pracetase mīḍhuṣṭamāya tavyase | vocema śaṃtamaṃ hṛde || 25.1.1 ||<br>
'''25.1.2'''<br>
sarvo hyeṣa rudrastasmai rudrāya namo astu || 25.1.2 ||<br>
'''26.1'''<br>
yasya vaikaṅkatyagnihotrahavaṇī bhavati pratyevāsyāhutayastiṣṭhantyatho pratiṣṭhityai || 26.1 ||<br>
'''27.0'''<br>
kṛṇuṣva pāja iti pañca || 27.0 ||<br>
'''27.1'''<br>
kṛṇuṣva pājaḥ prasitiṃ na pṛthvīṃ yāhi rājevāmavām̐ ibhena | tṛṣvīmanu prasitiṃ drūṇāno’stāsi vidhya rakṣasastapiṣṭhaiḥ || 27.1 ||<br>
'''27.2'''<br>
tava bhramāsa āśuyā patantyanu spṛśa dhṛṣatā śośucānaḥ | tapūṃṣyagne juhvā pataṅgānasandito vi sṛja viṣvagulkāḥ || 27.2 ||<br>
'''27.3'''<br>
prati spaśo vi sṛja tūrṇitamo bhavā pāyurviśo asyā adabdhaḥ | yo no dūre aghaśaṃso yo antyagne mākiṣṭe vyathirā dadharṣīt || 27.3 ||<br>
'''27.4'''<br>
udagne tiṣṭha pratyā tanuṣva nyamitrām̐ oṣatāttigmahete | yo no arātiṃ samidhāna cakre nīcā taṃ dhakṣyatasaṃ na śuṣkam || 27.4 ||<br>
'''27.5'''<br>
ūrdhvo bhava prati vidhyādhyasmadāviṣkṛṇuṣva daivyānyagne | ava sthirā tanuhi yātujūnāṃ jāmimajāmiṃ pra mṛṇīhi śatrūn || 27.5 ||<br>
'''28.1'''<br>
aditirdevā gandharvā manuṣyāḥ pitaro’surāsteṣāṃ sarvabhūtānāṃ mātā medinī mahatī mahī sāvitrī gāyatrī jagatyurvī pṛthvī bahulā viśvā bhūtā kaṃtamā kāyā sā satyetyamṛteti vāsiṣṭhaḥ || 28.1 ||<br>
'''29.1'''<br>
āpo vā idaṃ sarvaṃ viśvā bhūtānyāpaḥ prāṇā vā āpaḥ paśava āpo’nnamāpo’mṛtamāpaḥ samrāḍāpo virāḍāpaḥ svarāḍāpaśchandāṃsyāpo jyotīṃṣyāpo yajūṃṣyāpaḥ satyamāpaḥ sarvā devatā āpo bhūrbhuvaḥ suvarāpa om || 29.1 ||<br>
'''30.1'''<br>
āpaḥ punantu pṛthivīṃ pṛthivī pūtā punātu mām | punantu brahmaṇaspatirbrahmapūtā punātu mām || 30.1 ||<br>
'''30.2'''<br>
yaducchiṣṭamabhojyaṃ yadvā duścaritaṃ mama | sarvaṃ punantu māmāpo’satāṃ ca pratigrahaṃ svāhā || 30.2 ||<br>
'''31.1'''<br>
agniśca mā manyuśca manyupatayaśca manyukṛtebhyaḥ | pāpebhyo rakṣantām | yadahnā pāpamakārṣam | manasā vācā hastābhyām | padbhyāmudareṇa śiśnā | ahastadavalimpatu | yatkiñca duritaṃ mayi | idamahaṃ māmamṛtayonī | satye jyotiṣi juhomi svāhā || 31.1 ||<br>
'''32.1'''<br>
sūryaśca mā manyuśca manyupatayaśca manyukṛtebhyaḥ | pāpebhyo rakṣantām | yadrātriyā pāpamakārṣam | manasā vācā hastābhyām | padbhyāmudareṇa śiśnā | rātristadavalumpatu | yatkiñca duritaṃ mayi | idamahaṃ māmamṛtayonī | sūrye jyotiṣi juhomi svāhā || 32.1 ||<br>
'''33.1'''<br>
omityekākṣaraṃ brahma | agnirdevatā brahma ityārṣam | gāyatraṃ chandaṃ paramātmaṃ sarūpam | sāyujyaṃ viniyogam || 33.1 ||<br>
'''34.1'''<br>
āyātu varadā devī akṣaraṃ brahma saṃmitam | gāyatrī chandasāṃ mātedaṃ brahma juṣasva naḥ || 34.1 ||<br>
'''34.2'''<br>
yadahnātkurute pāpaṃ tadahnātpratimucyate | yadrātriyātkurute pāpaṃ tadrātriyātpratimucyate | sarvavarṇe mahādevi sandhyāvidye sarasvati || 34.2 ||<br>
'''35.1.1'''<br>
ojo’si saho’si balamasi bhrājo’si devānāṃ dhāma nāmāsi viśvamasi viśvāyuḥ sarvamasi sarvāyurabhibhūrom || 35.1.1 ||<br>
'''35.1.2'''<br>
gāyatrīmāvāhayāmi sāvitrīmāvāhayāmi sarasvatīmāvāhayāmi chandarṣīnāvāhayāmi śriyamāvāhayāmi || 35.1.2 ||<br>
'''35.1.3'''<br>
gāyatriyā gāyatrī chando viśvāmitra ṛṣiḥ savitā devatāgnirmukhaṃ brahmā śiro viṣṇurhṛdayaṃ rudraḥ śikhā pṛthivī yoniḥ prāṇāpānavyānodānasamānā saprāṇā śvetavarṇā sāṃkhyāyanasagotrā gāyatrī caturviṃśatyakṣarā tripadā ṣaṭkukṣiḥ pañcaśīrṣopanayane viniyogaḥ || 35.1.3 ||<br>
'''35.2.1'''<br>
oṃ bhūḥ || 35.2.1 ||<br>
'''35.2.2'''<br>
oṃ bhuvaḥ || 35.2.2 ||<br>
'''35.2.3'''<br>
oṃ suvaḥ || 35.2.3 ||<br>
'''35.2.4'''<br>
oṃ mahaḥ || 35.2.4 ||<br>
'''35.2.5'''<br>
oṃ janaḥ || 35.2.5 ||<br>
'''35.2.6'''<br>
oṃ tapaḥ || 35.2.6 ||<br>
'''35.2.7'''<br>
oṃ satyam || 35.2.7 ||<br>
'''35.2.8'''<br>
oṃ tatsaviturvareṇyaṃ bhargo devasya dhīmahi | dhiyo yo naḥ pracodayāt || 35.2.8 ||<br>
'''35.2.9'''<br>
omāpo jyotī raso’mṛtaṃ brahma bhūrbhuvaḥ suvarom || 35.2.9 ||<br>
'''36.1'''<br>
uttame śikhare devi jāte bhūmyāṃ parvatamūrdhani | brāhmaṇebhyo’bhyanujñātā gaccha devi yathāsukham || 36.1 ||<br>
'''36.2'''<br>
stuto mayā varadā vedamātā pracodayantī pavane dvijātā | āyuḥ pṛthivyāṃ draviṇaṃ brahmavarcasaṃ mahyaṃ datvā prajātuṃ brahmalokam || 36.2 ||<br>
'''37.1'''<br>
ghṛṇiḥ sūrya ādityo na prabhā vātyakṣaram | madhu kṣaranti tadrasam | satyaṃ vai tadrasamāpo jyotī raso’mṛtaṃ brahma bhūrbhuvaḥ suvarom || 37.1 ||<br>
'''38.1.1'''<br>
brahmametu mām || 38.1.1 ||<br>
'''38.1.2'''<br>
madhumetu mām || 38.1.2 ||<br>
'''38.1.3'''<br>
brahmameva madhumetu mām || 38.1.3 ||<br>
'''38.1.4'''<br>
yāste soma prajā vatso’bhi so aham | duḥṣvapnahan duruṣṣaha | yāste soma prāṇāṃstāñjuhomi || 38.1.4 ||<br>
'''38.2'''<br>
trisuparṇamayācitaṃ brāhmaṇāya dadyāt | brahmahatyāṃ vā ete ghnanti | ye brāhmaṇāstrisuparṇaṃ paṭhanti | te somaṃ prāpnuvanti | ā sahasrāt paṅktiṃ punanti | oṃ || 38.2 ||<br>
===Mahanarayana Upanishad Anuvaka 3-59'''
'''39.1.1'''<br>
brahma medhayā || 39.1.1 ||<br>
'''39.1.2'''<br>
madhu medhayā || 39.1.2 ||<br>
'''39.1.3'''<br>
brahmameva madhumedhayā || 39.1.3 ||<br>
'''39.2'''<br>
adyāno deva savitaḥ prajāvatsāvīḥ saubhagam | parā duḥṣvapniyaṃ suva || 39.2 ||<br>
'''39.3'''<br>
viśvāni deva savitarduritāni parāsuva | yadbhadraṃ tanmama āsuva || 39.3 ||<br>
'''39.4'''<br>
madhuvātā ṛtāyate madhukṣaranti sindhavaḥ | mādhvīrnaḥ santvoṣadhīḥ || 39.4 ||<br>
'''39.5'''<br>
madhu naktamutoṣasi madhumatpārthivaṃ rajaḥ | madhudyaurastu naḥ pitā || 39.5 ||<br>
'''39.6'''<br>
madhumānno vanaspatirmadhumāṃ astu sūryaḥ | mādhvīrgāvo bhavantu naḥ || 39.6 ||<br>
'''39.7'''<br>
ya imaṃ trisuparṇamayācitaṃ brāhmaṇāya dadyāt | bhrūṇahatyāṃ vā ete ghnanti | ye brāhmaṇāstrisuparṇaṃ paṭhanti | te somaṃ prāpnuvanti | ā sahasrātpaṅktiṃ punanti | oṃ || 39.7 ||<br>
'''40.1.1'''<br>
brahma medhavā || 40.1.1 ||<br>
'''40.1.2'''<br>
madhu medhavā || 40.1.2 ||<br>
'''40.1.3'''<br>
brahmameva madhu medhavā || 40.1.3 ||<br>
'''40.2'''<br>
brahmā devānāṃ padavīḥ kavīnāmṛṣirviprāṇāṃ mahiṣo mṛgāṇām | śyeno gṛddhāṇāṃ svadhitirvanānāṃ somaḥ pavitramatyeti rebhat || 40.2 ||<br>
'''40.3'''<br>
haṃsaḥ śuciṣadvasurantarikṣasaddhotā vediṣadatithirduroṇasat | nṛṣadvarasadṛtasadvyomasadabjā gojā ṛtajā adrijā ṛtaṃ bṛhat || 40.3 ||<br>
'''40.4.1'''<br>
ṛce tvā || 40.4.1 ||<br>
'''40.4.2'''<br>
ṛce tvā || 40.4.2 ||<br>
'''40.4.3'''<br>
samitsravanti sarito na dhenāḥ | antarhṛdā manasā pūyamānāḥ | ghṛtasya dhārā abhicākaśīmi || 40.4.3 ||<br>
'''40.5'''<br>
hiraṇyayo vetaso madhya āsām | tasmintsuparṇo madhukṛt kulāyī bhajannāste madhu devatābhyaḥ | tasyāsate harayaḥ sapta tīre svadhāṃ duhānā amṛtasya dhārām || 40.5 ||<br>
'''40.6'''<br>
ya idaṃ trisuparṇamayācitaṃ brāhmaṇāya dadyāt | vīrahatyāṃ vā ete ghnanti | ye brāhmaṇāstrisuparṇaṃ paṭhanti | te somaṃ prāpnuvanti | āsahasrāt paṅktiṃ punanti | oṃ || 40.6 ||<br>
'''41.1'''<br>
medhādevī juṣamāṇā na āgādviśvācī bhadrā sumanasyamānā | tvayā juṣṭā juṣamāṇā duruktānbṛhadvadema vidathe suvīrāḥ || 41.1 ||<br>
'''41.2'''<br>
tvayā juṣṭa ṛṣirbhavati devi tvayā brahmāgataśrīruta tvayā | tvayā juṣṭaścitraṃ vindate vasu sā no juṣasva draviṇena medhe || 41.2 ||<br>
'''42.1'''<br>
medhāṃ ma indro dadātu medhāṃ devī sarasvatī | medhāṃ me aśvināvubhāvādhattāṃ puṣkarasrajau || 42.1 ||<br>
'''42.2'''<br>
apsarāsu ca yā medhā gandharveṣu ca yanmanaḥ | daivī medhā sarasvatī sā māṃ medhā surabhirjuṣatāṃ svāhā || 42.2 ||<br>
'''43.1'''<br>
ā māṃ medhā surabhirviśvarūpā hiraṇyavarṇā jagatī jagamyā | ūrjasvatī payasā pinvamānā sā māṃ medhā supratīkā juṣatām || 43.1 ||<br>
'''44.1.1'''<br>
mayi medhāṃ mayi prajāṃ mayyagnistejo dadhātu || 44.1.1 ||<br>
'''44.1.2'''<br>
mayi medhāṃ mayi prajāṃ mayīndra indriyaṃ dadhātu || 44.1.2 ||<br>
'''44.1.3'''<br>
mayi medhāṃ mayi prajāṃ mayi sūryo bhrājo dadhātu || 44.1.3 ||<br>
'''45.1'''<br>
apaitu mṛtyuramṛtaṃ na āganvaivasvato no abhayaṃ kṛṇotu | parṇaṃ vanaspaterivābhi naḥ śīyatāṃrayiḥ sacatāṃ naḥ śacīpatiḥ || 45.1 ||<br>
'''46.1'''<br>
paraṃ mṛtyo anuparehi panthāṃ yaste sva itaro devayānāt | cakṣuṣmate śṛṇvate te bravīmi mā naḥ prajāṃ rīriṣo mota vīrān || 46.1 ||<br>
'''47.1'''<br>
vātaṃ prāṇaṃ manasānvārabhāmahe prajāpatiṃ yo bhuvanasya gopāḥ | sa no mṛtyostrāyatāṃ pātvaṃhaso jyogjīvā jarāma śīmahi || 47.1 ||<br>
'''48.1'''<br>
amutrabhūyādadha yadyamasya bṛhaspate abhiśasteramuñcaḥ | pratyauhatāmaśvinā mṛtyumasmaddevānāmagne bhiṣajā śacībhiḥ || 48.1 ||<br>
'''49.1'''<br>
hariṃ harantamanuyanti devā viśvasyeśānaṃ vṛṣabhaṃ matīnām | brahmasarūpamanu medamāgādayanaṃ mā vivadhīrvikramasva || 49.1 ||<br>
'''50.1'''<br>
śalkairagnimindhāna ubhau lokau sanemaham | ubhayorlokayorṛdhvāti mṛtyuṃ tarāmyaham || 50.1 ||<br>
'''51.1'''<br>
mā chido mṛtyo mā vadhīrmā me balaṃ vivṛho mā pramoṣīḥ | prajāṃ mā me rīriṣa āyurugra nṛcakṣasaṃ tvā haviṣā vidhema || 51.1 ||<br>
'''52.1'''<br>
mā no mahāntamuta mā no arbhakaṃ mā na ukṣantamuta mā na ukṣitam | mā no vadhīḥ pitaraṃ mota mātaraṃ priyā mā nastanuvo rudra rīriṣaḥ || 52.1 ||<br>
'''53.1'''<br>
mā nastoke tanaye mā na āyuṣi mā no goṣu mā no aśveṣu rīriṣaḥ | vīrānmā no rudra bhāmito vadhīrhaviṣmanto namasā vidhema te || 53.1 ||<br>
'''54.1'''<br>
prajāpate na tvadetānyanyo viśvā jātāni pari tā babhūva | yatkāmaste juhumastanno astu vayaṃ syāma patayo rayīṇām || 54.1 ||<br>
'''55.1'''<br>
svastidā viśaspatirvṛtrahā vimṛdho vaśī | vṛṣendraḥ pura etu naḥ svastidā abhayaṅkaraḥ || 55.1 ||<br>
'''56.1'''<br>
tryambakaṃ yajāmahe sugandhiṃ puṣṭivardhanam | urvārukamiva bandhanānmṛtyormukṣīya māmṛtāt || 56.1 ||<br>
'''57.1'''<br>
ye te sahasramayutaṃ pāśā mṛtyo martyāya hantave | tān yajñasya māyayā sarvānavayajāmahe || 57.1 ||<br>
'''58.1.1'''<br>
mṛtyave svāhā || 58.1.1 ||<br>
'''58.1.2'''<br>
mṛtyave svāhā || 58.1.2 ||<br>
'''59.1.1'''<br>
devakṛtasyainaso’vayajanamasi svāhā || 59.1.1 ||<br>
'''59.1.2'''<br>
manuṣyakṛtasyainaso’vayajanamasi svāhā || 59.1.2 ||<br>
'''59.1.3'''<br>
pitṛkṛtasyainaso’vayajanamasi svāhā || 59.1.3 ||<br>
'''59.1.4'''<br>
ātmakṛtasyainaso’vayajanamasi svāhā || 59.1.4 ||<br>
'''59.1.5'''<br>
anyakṛtasyainaso’vayajanamasi svāhā || 59.1.5 ||<br>
'''59.1.6'''<br>
asmatkṛtasyainaso’vayajanamasi svāhā || 59.1.6 ||<br>
'''59.1.7'''<br>
yaddivā ca naktaṃ cainaścakṛma tasyāvayajanamasi svāhā || 59.1.7 ||<br>
'''59.1.8'''<br>
yatsvapantaśca jāgrataścainaścakṛma tasyāvayajanamasi svāhā || 59.1.8 ||<br>
'''59.1.9'''<br>
yatsuṣuptaśca jāgrataścainaścakṛma tasyāvayajanamasi svāhā || 59.1.9 ||<br>
'''59.1.10'''<br>
yadvidvāṃsaścāvidvāṃsaścainaścakṛma tasyāvayajanamasi svāhā || 59.1.10 ||<br>
'''59.1.11'''<br>
enasa enaso’vayajanamasi svāhā || 59.1.11 ||<br>
'''60.1'''<br>
yadvo devāścakṛma jihvayā guru manaso vā prayutī devaheḍanam | arāvā yo no abhi ducchunāyate tasmin tadeno vasavo nidhetana svāhā || 60.1 ||<br>
'''61.1'''<br>
kāmo’kārṣīnnamo namaḥ | kāmo’kārṣītkāmaḥ karoti nāhaṃ karomi kāmaḥ kartā nāhaṃ kartā kāmaḥ kārayitā nāhaṃ kārayitā eṣa te kāma kāmāya svāhā || 61.1 ||<br>
'''62.1'''<br>
manyurakārṣīnnamo namaḥ | manyurakārṣīnmanyuḥ karoti nāhaṃ karomi manyuḥ kartā nāhaṃ kartā manyuḥ kārayitā nāhaṃ kārayitā eṣa te manyo manyave svāhā || 62.1 ||<br>
'''63.1'''<br>
tilāñjuhomi sarasān sapiṣṭān gandhāra mama citte ramantu svāhā || 63.1 ||<br>
'''63.2'''<br>
gāvo hiraṇyaṃ dhanamannapānaṃ sarveṣāṃ śriyai svāhā || 63.2 ||<br>
'''63.3'''<br>
śriyaṃ ca lakṣmīṃ ca puṣṭiṃ ca kīrtiṃ cānṛṇyatām | brāhmaṇyaṃ bahuputratām | śraddhāmedhe prajāḥ saṃdadātu svāhā || 63.3 ||<br>
'''64.1'''<br>
tilāḥ kṛṣṇāstilāḥ śvetāstilāḥ saumyā vaśānugāḥ | tilāḥ punantu me pāpaṃ yatkiñcid duritaṃ mayi svāhā || 64.1 ||<br>
'''64.2'''<br>
corasyānnaṃ navaśrāddhaṃ brahmahā gurutalpagaḥ | gosteyaṃ surāpānaṃ bhrūṇahatyā tilā śāntiṃ śamayantu svāhā || 64.2 ||<br>
'''64.3'''<br>
śrīśca lakṣmīśca puṣṭīśca kīrtiṃ cānṛṇyatām | brahmaṇyaṃ bahuputratām | śraddhāmedhe prajñā tu jātavedaḥ saṃdadātu svāhā || 64.3 ||<br>
'''65.1'''<br>
prāṇāpānavyānodānasamānā me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 65.1 ||<br>
'''65.2'''<br>
vāṅmanaścakṣuḥśrotrajihvāghrāṇaretobuddhyākūtiḥsaṅkalpā me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 65.2 ||<br>
'''65.3'''<br>
tvakcarmamāṃsarudhiramedomajjāsnāyavo’sthīni me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 65.3 ||<br>
'''65.4'''<br>
śiraḥpāṇipādapārśvapṛṣṭhorūdarajaṅghāśiśnopasthapāyavo me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 65.4 ||<br>
'''65.5'''<br>
uttiṣṭha puruṣa harita piṅgala lohitākṣi dehi dehi dadāpayitā me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 65.5 ||<br>
'''66.1'''<br>
pṛthivyaptejovāyurākāśā me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 66.1 ||<br>
'''66.2'''<br>
śabdasparśarūparasagandhā me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 66.2 ||<br>
'''66.3'''<br>
manovākkāyakarmāṇi me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 66.3 ||<br>
'''66.4'''<br>
avyaktabhāvairahaṅkārair- jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 66.4 ||<br>
'''66.5'''<br>
ātmā me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 66.5 ||<br>
'''66.6'''<br>
antarātmā me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 66.6 ||<br>
'''66.7'''<br>
paramātmā me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 66.7 ||<br>
'''66.8.1'''<br>
kṣudhe svāhā || 66.8.1 ||<br>
'''66.8.2'''<br>
kṣutpipāsāya svāhā || 66.8.2 ||<br>
'''66.8.3'''<br>
vividdhyai svāhā || 66.8.3 ||<br>
'''66.8.4'''<br>
ṛgvidhānāya svāhā || 66.8.4 ||<br>
'''66.8.5'''<br>
kaṣotkāya svāhā || 66.8.5 ||<br>
'''66.8.6'''<br>
oṃ svāhā || 66.8.6 ||<br>
'''66.9'''<br>
kṣutpipāsāmalaṃ jyeṣṭhāmalakṣmīrnāśayāmyaham | abhūtimasamṛddhiṃ ca sarvānnirṇuda me pāpmānaṃ svāhā || 66.9 ||<br>
'''66.10'''<br>
annamayaprāṇamayamanomayavijñānamayamānandamayamātmā me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 66.10 ||<br>
'''67.1.1'''<br>
agnaye svāhā || 67.1.1 ||<br>
'''67.1.2'''<br>
viśvebhyo devebhyaḥ svāhā || 67.1.2 ||<br>
'''67.1.3'''<br>
dhruvāya bhūmāya svāhā || 67.1.3 ||<br>
'''67.1.4'''<br>
dhruvakṣitaye svāhā || 67.1.4 ||<br>
'''67.1.5'''<br>
acyutakṣitaye svāhā || 67.1.5 ||<br>
'''67.1.6'''<br>
agnaye sviṣṭakṛte svāhā || 67.1.6 ||<br>
'''67.1.7'''<br>
dharmāya svāhā || 67.1.7 ||<br>
'''67.1.8'''<br>
adharmāya svāhā || 67.1.8 ||<br>
'''67.1.9'''<br>
adbhyaḥ svāhā || 67.1.9 ||<br>
'''67.1.10'''<br>
oṣadhivanaspatibhyaḥ svāhā || 67.1.10 ||<br>
'''67.1.11'''<br>
rakṣodevajanebhyaḥ svāhā || 67.1.11 ||<br>
'''67.1.12'''<br>
gṛhyābhyaḥ svāhā || 67.1.12 ||<br>
'''67.1.13'''<br>
avasānebhyaḥ svāhā || 67.1.13 ||<br>
'''67.1.14'''<br>
avasānapatibhyaḥ svāhā || 67.1.14 ||<br>
'''67.1.15'''<br>
sarvabhūtebhyaḥ svāhā || 67.1.15 ||<br>
'''67.1.16'''<br>
kāmāya svāhā || 67.1.16 ||<br>
'''67.1.17'''<br>
antarikṣāya svāhā || 67.1.17 ||<br>
'''67.1.18'''<br>
yadejati jagati yacca ceṣṭati nāmno bhāgo’yaṃ nāmne svāhā || 67.1.18 ||<br>
'''67.1.19'''<br>
pṛthivyai svāhā || 67.1.19 ||<br>
'''67.1.20'''<br>
antarikṣāya svāhā || 67.1.20 ||<br>
'''67.1.21'''<br>
dive svāhā || 67.1.21 ||<br>
'''67.1.22'''<br>
sūryāya svāhā || 67.1.22 ||<br>
'''67.1.23'''<br>
candramase svāhā || 67.1.23 ||<br>
'''67.1.24'''<br>
nakṣatrebhyaḥ svāhā || 67.1.24 ||<br>
'''67.1.25'''<br>
indrāya svāhā || 67.1.25 ||<br>
'''67.1.26'''<br>
bṛhaspataye svāhā || 67.1.26 ||<br>
'''67.1.27'''<br>
prajāpataye svāhā || 67.1.27 ||<br>
'''67.1.28'''<br>
brahmaṇe svāhā || 67.1.28 ||<br>
'''67.1.29'''<br>
svadhā pitṛbhyaḥ svāhā || 67.1.29 ||<br>
'''67.1.30'''<br>
namo rudrāya paśupataye svāhā || 67.1.30 ||<br>
'''67.1.31'''<br>
devebhyaḥ svāhā || 67.1.31 ||<br>
'''67.1.32'''<br>
pitṛbhyaḥ svadhāstu || 67.1.32 ||<br>
'''67.1.33'''<br>
bhūtebhyo namaḥ || 67.1.33 ||<br>
'''67.1.34'''<br>
manuṣyebhyo hanta || 67.1.34 ||<br>
'''67.1.35'''<br>
prajāpataye svāhā || 67.1.35 ||<br>
'''67.1.36'''<br>
parameṣṭhine svāhā || 67.1.36 ||<br>
'''67.2.1'''<br>
yathā kūpaḥ śatadhāraḥ sahasradhāro akṣitaḥ | evā me astu dhānyaṃ sahasradhāramakṣitam || 67.2.1 ||<br>
'''67.2.2'''<br>
dhanadhānyai svāhā || 67.2.2 ||<br>
'''67.3'''<br>
ye bhūtāḥ pracaranti divānaktaṃ balimicchanto vitudasya preṣyāḥ | tebhyo baliṃ puṣṭikāmo harāmi mayi puṣṭiṃ puṣṭipatirdadhātu svāhā || 67.3 ||<br>
'''68.1'''<br>
oṃ tad brahma | oṃ tad vāyuḥ | oṃ tad ātmā | oṃ tat satyam | oṃ tat sarvam | oṃ tat puror namaḥ || 68.1 ||<br>
'''68.2'''<br>
oṃ antaś carati bhūteṣu guhāyāṃ viśvamūrtiṣu | tvaṃ yajñas tvaṃ vaṣaṭkāras tvam indras tvaṃ rudras tvaṃ viṣṇus tvaṃ brahma tvaṃ prajāpatiḥ | tvaṃ tad āpa āpo jyotī raso ’mṛtaṃ brahma bhūr bhuvaḥ suvar oṃ || 68.2 ||<br>
'''69.1.1'''<br>
śraddhāyāṃ prāṇe niviṣṭo ’mṛtaṃ juhomi || 69.1.1 ||<br>
'''69.1.2'''<br>
śraddhāyāṃ apāne niviṣṭo ’mṛtaṃ juhomi || 69.1.2 ||<br>
'''69.1.3'''<br>
śraddhāyāṃ vyāne niviṣṭo ’mṛtaṃ juhomi || 69.1.3 ||<br>
'''69.1.4'''<br>
śraddhāyāṃ udāne niviṣṭo ’mṛtaṃ juhomi || 69.1.4 ||<br>
'''69.1.5'''<br>
śraddhāyāṃ samāne niviṣṭo ’mṛtaṃ juhomi || 69.1.5 ||<br>
'''69.1.6'''<br>
brahmaṇi ma ātmāmṛtatvāya || 69.1.6 ||<br>
'''69.2'''<br>
amṛtopastaraṇam asi || 69.2 ||<br>
'''69.3.1'''<br>
śraddhāyāṃ prāṇe niviṣṭo ’mṛtaṃ juhomi | śivo mā viśāpradāhāya | prāṇāya svāhā || 69.3.1 ||<br>
'''69.3.2'''<br>
śraddhāyāṃ apāne niviṣṭo ’mṛtaṃ juhomi | śivo mā viśāpradāhāya | apānāya svāhā || 69.3.2 ||<br>
'''69.3.3'''<br>
śraddhāyāṃ vyāne niviṣṭo ’mṛtaṃ juhomi | śivo mā viśāpradāhāya | vyānāya svāhā || 69.3.3 ||<br>
'''69.3.4'''<br>
śraddhāyāṃ udāne niviṣṭo ’mṛtaṃ juhomi | śivo mā viśāpradāhāya | udānāya svāhā || 69.3.4 ||<br>
'''69.3.5'''<br>
śraddhāyāṃ samāne niviṣṭo ’mṛtaṃ juhomi | śivo mā viśāpradāhāya | samānāya svāhā || 69.3.5 ||<br>
'''69.3.6'''<br>
brahmaṇi ma ātmāmṛtatvāya || 69.3.6 ||<br>
'''69.4'''<br>
amṛtāpidhānam asi || 69.4 ||<br>
'''70.1.1'''<br>
śraddhāyāṃ prāṇe niviśyāmṛtaṃ hutam | prāṇam annenāpyāyasva || 70.1.1 ||<br>
'''70.1.2'''<br>
śraddhāyāṃ apāne niviśyāmṛtaṃ hutam | apānam annenāpyāyasva || 70.1.2 ||<br>
'''70.1.3'''<br>
śraddhāyāṃ vyāne niviśyāmṛtaṃ hutam | vyānam annenāpyāyasva || 70.1.3 ||<br>
'''70.1.4'''<br>
śraddhāyāṃ udāne niviśyāmṛtaṃ hutam | udānam annenāpyāyasva || 70.1.4 ||<br>
'''70.1.5'''<br>
śraddhāyāṃ samāne niviśyāmṛtaṃ hutam | samānam annenāpyāyasva || 70.1.5 ||<br>
'''71.1'''<br>
aṅguṣṭhamātraḥ puruṣo ’ṅguṣṭhaṃ ca samāśritaḥ | īśaḥ sarvasya jagataḥ prabhuḥ prīṇātu viśvabhuk || 71.1 ||<br>
'''72.1'''<br>
vāṅ ma āsan | nasoḥ prāṇaḥ | akṣyoś cakṣuḥ | karṇayoḥ śrotram | bāhuvor balam | ūruvor ojaḥ | ariṣṭā viśvāny aṅgāni tanūḥ | tanuvā me saha namas te astu mā mā hiṃsīḥ || 72.1 ||<br>
'''73.1'''<br>
vayaḥ suparṇā upasedur indraṃ priyamedhā ṛṣayo nādhamānāḥ | apa dhvāntam ūrṇuhi pūrdhi cakṣur mumugdhy asmān nidhayeva baddhān || 73.1 ||<br>
'''74.1'''<br>
prāṇānāṃ granthir asi rudro mā viśāntakaḥ | tenānnenāpyāyasva || 74.1 ||<br>
'''75.1'''<br>
namo rudrāya viṣṇave mṛtyur me pāhi || 75.1 ||<br>
'''76.1'''<br>
tvam agne dyubhis tvam āśuśukṣaṇis tvam adbhyas tvam aśmanas pari | tvaṃ vanebhyas tvam oṣadhībhyas tvaṃ nṛṇāṃ nṛpate jāyase śuciḥ || 76.1 ||<br>
'''77.1'''<br>
śivena me saṃtiṣṭhasva syonena me saṃtiṣṭhasva subhūtena me saṃtiṣṭhasva brahmavarcasena me saṃtiṣṭhasva yajñasyarddhim anusaṃtiṣṭhasvopa te yajña nama upa te nama upa te namaḥ || 77.1 ||<br>
'''78.1'''<br>
satyaṃ paraṃ paraṃ satyaṃ satyena na suvargāl lokāc cyavante kadācana satāṃ hi satyaṃ tasmāt satye ramante || 78.1 ||<br>
'''78.2'''<br>
tapa iti tapo nānaśanāt paraṃ yad dhi paraṃ tapas tad durdharṣaṃ tad durādharṣaṃ tasmāt tapasi ramante || 78.2 ||<br>
'''78.3'''<br>
dama iti niyataṃ brahmacāriṇas tasmād dame ramante || 78.3 ||<br>
'''78.4'''<br>
śama ity araṇye munayas tasmāc chame ramante || 78.4 ||<br>
'''78.5'''<br>
dānam iti sarvāṇi bhūtāni praśaṃsanti dānān nātiduṣkaraṃ tasmād dāne ramante || 78.5 ||<br>
'''78.6'''<br>
dharma iti dharmeṇa sarvam idaṃ parigṛhītaṃ dharmān nātiduścaraṃ tasmād dharme ramante || 78.6 ||<br>
'''78.7'''<br>
prajana iti bhūyāṃsas tasmād bhūyiṣṭhāḥ prajāyante tasmād bhūyiṣṭhāḥ prajanane ramante || 78.7 ||<br>
'''78.8'''<br>
agnaya ity āha tasmād agnaya ādhātavyāḥ || 78.8 ||<br>
'''78.9'''<br>
agnihotram ity āha tasmād agnihotre ramante || 78.9 ||<br>
'''78.10'''<br>
yajña iti yajñena hi devā divaṃ gatās tasmād yajñe ramante || 78.10 ||<br>
'''78.11'''<br>
mānasam iti vidvāṃsas tasmād vidvāṃsa eva mānase ramante || 78.11 ||<br>
'''78.12'''<br>
nyāsa iti brahmā brahmā hi paraḥ paro hi brahmā tāni vā etāny avarāṇi tapāṃsi nyāsa evātyarecayat ya evaṃ vedety upaniṣat || 78.12 ||<br>
'''79.1'''<br>
prājāpatyo hāruṇiḥ suparṇeyaḥ prajāpatiṃ pitaram upasasāra kiṃ bhagavantaḥ paramaṃ vadantīti tasmai provāca || 79.1 ||<br>
'''79.2'''<br>
satyena vāyur āvāti satyenādityo rocate divi satyaṃ vācaḥ pratiṣṭhā satye sarvaṃ pratiṣṭhitaṃ tasmāt satyaṃ paramaṃ vadanti || 79.2 ||<br>
'''79.3'''<br>
tapasā devā devatām agra āyan tapasārṣayaḥ suvar anvavindan tapasā sapatnān praṇudāmārātīs tapasi sarvaṃ pratiṣṭhitaṃ tasmāt tapaḥ paramaṃ vadanti || 79.3 ||<br>
'''79.4'''<br>
damena dāntāḥ kilbiṣam avadhūnvanti damena brahmacāriṇaḥ suvar agacchan damo bhūtānāṃ durādharṣaṃ dame sarvaṃ pratiṣṭhitaṃ tasmād damaḥ paramaṃ vadanti || 79.4 ||<br>
'''79.5'''<br>
śamena śāntāḥ śivam ācaranti śamena nākaṃ munayo ’nvavindan śamo bhūtānāṃ durādharṣaṃ śame sarvaṃ pratiṣṭhitaṃ tasmāc chamaḥ paramaṃ vadanti || 79.5 ||<br>
'''79.6'''<br>
dānaṃ yajñānāṃ varūthaṃ dakṣiṇā loke dātāraṃ sarvabhūtāny upajīvanti dānenārātīr apānudanta dānena dviṣanto mitrā bhavanti dāne sarvaṃ pratiṣṭhitaṃ tasmād dānaṃ paramaṃ vadanti || 79.6 ||<br>
'''79.7'''<br>
dharmo viśvasya jagataḥ pratiṣṭhā loke dharmiṣṭhaṃ prajā upasarpanti dharmeṇa pāpam apanudati dharme sarvaṃ pratiṣṭhitaṃ tasmād dharmaṃ paramaṃ vadanti || 79.7 ||<br>
'''79.8'''<br>
prajananaṃ vai pratiṣṭhā loke sādhu prajāyās tantuṃ tanvānaḥ pitṝṇām anṛṇo bhavati tad eva tasyānṛṇaṃ tasmāt prajananaṃ paramaṃ vadanti || 79.8 ||<br>
'''79.9'''<br>
agnayo vai trayī vidyā devayānaḥ panthā gārhapatya ṛk pṛthivī rathantaram anvāhāryapacano yajur antarikṣaṃ vāmadevyam āhavanīyaḥ sāma suvargo loko bṛhat tasmād agnīn paramaṃ vadanti || 79.9 ||<br>
'''79.10'''<br>
agnihotraṃ sāyaṃ prātar gṛhāṇāṃ niṣkṛtiḥ sviṣṭaṃ suhutaṃ yajñakratūnāṃ prāyaṇaṃ suvargasya lokasya jyotis tasmād agnihotraṃ paramaṃ vadanti || 79.10 ||<br>
'''79.11'''<br>
yajña iti yajño hi devānāṃ yajñena hi devā divaṃ gatā yajñenāsurān apānudanta yajñena dviṣanto mitrā bhavanti yajñe sarvaṃ pratiṣṭhitaṃ tasmād yajñaṃ paramaṃ vadanti || 79.11 ||<br>
'''79.12'''<br>
mānasaṃ vai prājāpatyaṃ pavitraṃ mānasena manasā sādhu paśyati manasā ṛṣayaḥ prajā asṛjanta mānase sarvaṃ pratiṣṭhitaṃ tasmān mānasaṃ paramaṃ vadanti || 79.12 ||<br>
'''79.13'''<br>
nyāsa ity āhur manīṣiṇo brahmāṇaṃ brahmā viśvaḥ katamaḥ svayambhūḥ prajāpatiḥ saṃvatsara iti || 79.13 ||<br>
'''79.14'''<br>
saṃvatsaro ’sāv ādityo ya eṣa āditye puruṣaḥ sa parameṣṭhī brahmātmā || 79.14 ||<br>
'''79.15.1'''<br>
yābhir ādityas tapati raśmibhis tābhiḥ parjanyo varṣati parjanyenauṣadhivanaspatayaḥ prajāyanta oṣadhivanaspatibhir annaṃ bhavati || 79.15.1 ||<br>
'''79.15.2'''<br>
annena prāṇāḥ prāṇair balaṃ balena tapas tapasā śraddhā śraddhayā medhā medhayā manīṣā manīṣayā mano manasā śāntiḥ śāntyā cittaṃ cittena smṛtiḥ smṛtyā smāraṃ smāreṇa vijñānaṃ vijñānenātmānaṃ vedayati || 79.15.2 ||<br>
'''79.15.3'''<br>
tasmād annaṃ dadan sarvāṇy etāni dadāty annāt prāṇā bhavanti bhūtānāṃ prāṇair mano manasaś ca vijñānaṃ vijñānād ānando brahma yoniḥ || 79.15.3 ||<br>
'''79.16.1'''<br>
sa vā eṣa puruṣaḥ pañcadhā pañcātmā yena sarvam idaṃ protaṃ pṛthivī cāntarikṣaṃ ca dyauś ca diśaś cāvāntaradiśāś ca sa vai sarvam idaṃ jagat sa bhūtaṃ sa bhavyaṃ || 79.16.1 ||<br>
'''79.16.2'''<br>
jijñāsakḷpta ṛtajā rayiṣṭhāḥ śraddhā satyo mahasvān tamasopariṣṭāt | jñātvā tam evaṃ manasā hṛdā ca bhūyo na mṛtyum upayāhi vidvān || 79.16.2 ||<br>
'''79.16.3'''<br>
tasmān nyāsam eṣāṃ tapasām atiriktam āhuḥ || 79.16.3 ||<br>
'''79.17'''<br>
vasuraṇvo vibhūr asi prāṇe tvam asi sandhātā brahman tvam asi viśvasṛt tejodās tvam asy agner asi varcodās tvam asi sūryasya dyumnodās tvam asi candramasa upayāmagṛhīto ’si brahmaṇe tvā mahase || 79.17 ||<br>
'''79.18'''<br>
om ity ātmānaṃ yuñjīta | etad vai mahopaniṣadaṃ devānāṃ guhyam | ya evaṃ veda brahmaṇo mahimānam āpnoti tasmād brahmaṇo mahimānam ity upaniṣat || 79.18 ||<br>
'''80.1.1'''<br>
tasyaivaṃ viduṣo yajñasyātmā yajamānaḥ śraddhā patnī śarīram idhmam uro vedir lomāni barhir vedaḥ śikhā hṛdayaṃ yūpaḥ kāma ājyaṃ manyuḥ paśus tapo ’gnir damaḥ śamayitā dānaṃ dakṣiṇā || 80.1.1 ||<br>
'''80.1.2'''<br>
vāg ghotā prāṇa udgātā cakṣur adhvaryur mano brahmā śrotram agnīt || 80.1.2 ||<br>
'''80.1.3'''<br>
yāvad dhriyate sā dīkṣā yad aśnāti tad dhavir yat pibati tad asya somapānam || 80.1.3 ||<br>
'''80.1.4'''<br>
yad ramate tad upasado yat sañcaraty upaviśaty uttiṣṭhate ca sa pravargyaḥ || 80.1.4 ||<br>
'''80.1.5'''<br>
yan mukhaṃ tad āhavanīyo yā vyāhṛtir āhutir yad asya vijñānaṃ taj juhoti || 80.1.5 ||<br>
'''80.1.6'''<br>
yat sāyaṃ prātar atti tat samidhaṃ yat prātar madhyandinaṃ sāyaṃ ca tāni savanāni || 80.1.6 ||<br>
'''80.1.7'''<br>
ye ahorātre te darśapūrṇamāsau ye ’rdhamāsāś ca māsāś ca te cāturmāsyāni || 80.1.7 ||<br>
'''80.1.8'''<br>
ya ṛtavas te paśubandhā ye saṃvatsarāś ca parivatsarāś ca te ’hargaṇāḥ || 80.1.8 ||<br>
'''80.1.9'''<br>
sarvavedasaṃ vā etat satraṃ yan maraṇaṃ tad avabhṛtha etad vai jarāmaryam agnihotraṃ satram || 80.1.9 ||<br>
'''80.1.10'''<br>
ya evaṃ vidvān udagayane pramīyate devānām eva mahimānaṃ gatvādityasya sāyujyaṃ gacchati || 80.1.10 ||<br>
'''80.1.11'''<br>
atha yo dakṣiṇe pramīyate pitṝṇām eva mahimānaṃ gatvā candramasaḥ sāyujyaṃ gacchati || 80.1.11 ||<br>
'''80.1.12'''<br>
etau vai sūryācandramasor mahimānau brāhmaṇo vidvān abhijayati tasmād brahmaṇo mahimānam āpnoti tasmād brahmaṇo mahimānam ity upaniṣat || 80.1.12 ||<br>
'''Schlussgebet 1'''<br>
oṃ śaṃ no mitraḥ śaṃ varuṇaḥ | śaṃ no bhavatv aryamā | śaṃ na indro bṛhaspatiḥ | śaṃ no viṣṇur urukramaḥ | namo brahmaṇe | namas te vāyo | tvam eva pratyakṣaṃ brahmāsi | tvām eva pratyakṣaṃ brahmāvādiṣam | ṛtam avādiṣam | satyam avādiṣam | tan mām āvīt | tad vaktāram āvīt | āvīn mām | āvīd vaktāram | oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||<br>
'''Schlussgebet 2'''<br>
oṃ saha nāv avatu | saha nau bhunaktu | saha vīryaṃ karavāvahai | tejasvi nāv adhītam astu | mā vidviṣāvahai | oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||<br>
'''Kolophon'''<br>
iti mahānārāyaṇopaniṣat samāptā ||<br>
==Deutsche Übersetzung: Anuvakas 1–80 und Schlussformeln==
'''1.1'''<br>
Der Herr der Geschöpfe, größer als das Große, befindet sich jenseits der Wasser, inmitten der Welt und auf dem Rücken des Himmels. Nachdem er mit seinem zeugenden Licht in die leuchtenden Wesen eingegangen ist, bewegt er sich im Inneren des Embryos.<br>
'''1.2'''<br>
In ihm kommt dieses All zusammen und aus ihm geht es wieder auseinander; in ihm haben alle Götter ihren Sitz. Er allein ist das Gewesene und auch das Künftige; dieses [All] ruht im Unvergänglichen, im höchsten Raum.<br>
'''1.3'''<br>
Durch ihn sind Luftraum, Himmel und Erde umhüllt; durch ihn brennt die Sonne mit Hitze und strahlendem Glanz. Ihn verweben die Seher im inneren Meer; im Unvergänglichen, im höchsten [Raum], ruhen die Geschöpfe.<br>
'''1.4'''<br>
Aus ihm wurde die Hervorbringerin der Welt geboren. Mit dem Wasser und den übrigen Elementen entließ sie die Lebewesen auf der Erde. Er ging durch die Pflanzen in Menschen und Tiere ein, in alle beweglichen und unbeweglichen Wesen.<br>
'''1.5'''<br>
Jenseits von ihm gibt es nichts anderes, nichts Feineres; er ist höher als das Hohe und größer als das Große. Er ist der eine, unoffenbare, unendlich gestaltige, uralte Weltgrund jenseits der Dunkelheit.<br>
'''1.6'''<br>
Ihn allein nennen die Seher die kosmische Ordnung und die Wahrheit, ihn allein das höchste Brahman. Als Opferwerk und Werk für die Gemeinschaft, vielfach geworden und stets entstehend, trägt er als Nabel der Welt das All.<br>
'''1.7'''<br>
Er allein ist Agni, er ist Vayu, er ist die Sonne und auch der Mond. Er allein ist das helle Licht, das Unsterbliche, Brahman, die Wasser und Prajapati.<br>
'''1.8'''<br>
Alle Augenblicke entstanden aus dem leuchtenden Purusha. Zeitteile, Muhurtas, Kasthas sowie sämtliche Tage und Nächte [entstanden aus ihm].<br>
'''1.9'''<br>
Halbmonate, Monate, Jahreszeiten und das Jahr sollen [durch ihn] geordnet sein. Er ließ die Wasser hervorströmen und beide Bereiche entstehen: den Zwischenraum und den Himmel.<br>
'''1.10'''<br>
Niemand hat ihn oben, querhin oder in der Mitte vollständig erfasst. Keiner ist Herr über ihn; sein Name ist ‚große Herrlichkeit‘.<br>
'''1.11'''<br>
Seine Gestalt steht nicht im Bereich des Sichtbaren; niemand sieht ihn mit dem Auge. Wer ihn durch Herz, Einsicht und gesammelten Geist erkennt, wird unsterblich.<br>
'''1.Z1.1'''<br>
Aus den Wassern, aus Erde und ihrem Lebenssaft entstand das All durch Vishvakarman. Tvashtar gestaltet seine Form; am Anfang war das ganze Weltall die Erscheinung dieses Purusha.<br>
'''1.Z1.2'''<br>
Ich kenne diesen großen Purusha, sonnenfarbig und jenseits der Dunkelheit. Wer ihn so erkennt, wird hier unsterblich; einen anderen Weg zum Ziel gibt es nicht.<br>
'''1.Z1.3'''<br>
Prajapati bewegt sich im Inneren des Embryos. Ungeboren wird er auf vielfache Weise geboren. Die Weisen erkennen seinen Ursprung; die Schöpfer suchen den Ort der Lichtstrahlen.<br>
'''1.Z1.4'''<br>
Verneigung vor dem brahmanischen Lichtglanz: vor dem, der für die Götter leuchtet, ihr Hauspriester ist und vor den Göttern als Erster geboren wurde.<br>
'''1.Z1.5'''<br>
Als die Götter am Anfang den brahmanischen Lichtglanz hervorbrachten, sprachen sie: Der Brahmane, der ihn so erkennt, wird die Götter in seiner Macht haben.<br>
'''1.Z1.6'''<br>
Schamhaftigkeit und Lakshmi sind deine beiden Gefährtinnen, Tag und Nacht deine Seiten, die Sternbilder deine Gestalt und die Ashvins dein geöffnetes Maul. Gewähre das Ersehnte, gewähre jene Welt, gewähre alles.<br>
'''1.Z2.1'''<br>
Am Anfang entstand Hiranyagarbha; geboren war er der eine Herr der Wesen. Er trug diese Erde und den Himmel. Welchem Gott sollen wir mit Opfergabe dienen?<br>
'''1.Z2.2'''<br>
Der durch seine Größe der einzige König der atmenden und die Augen schließenden Welt wurde, der über Zwei- und Vierfüßer herrscht – welchem Gott sollen wir mit Opfergabe dienen?<br>
'''1.Z2.3'''<br>
Der das Selbst und Kraft gibt, dessen Weisung das All und selbst die Götter verehren, dessen Schatten Unsterblichkeit und Tod sind – welchem Gott sollen wir mit Opfergabe dienen?<br>
'''1.Z2.4'''<br>
Dessen Größe die schneebedeckten Berge und das Meer mit den Strömen verkünden, dessen Arme die Himmelsrichtungen sind – welchem Gott sollen wir mit Opfergabe dienen?<br>
'''1.Z2.5'''<br>
Auf ihn blickten Himmel und Erde, durch seine Hilfe gestützt und im Geist erbebend; über ihm bewegt sich die aufgegangene Sonne – welchem Gott sollen wir mit Opfergabe dienen?<br>
'''1.Z2.6'''<br>
Durch den der mächtige Himmel und die Erde gefestigt, der lichte Raum und das Himmelsgewölbe gestützt sind, der den Luftraum und seine Weiten ausmisst – welchem Gott sollen wir mit Opfergabe dienen?<br>
'''1.Z2.7'''<br>
Als die großen Wasser, die Schöpferkraft tragend und Agni gebärend, das All erreichten, entstand aus ihnen der eine Lebenshauch der Götter – welchem Gott sollen wir mit Opfergabe dienen?<br>
'''1.Z2.8'''<br>
Der in seiner Größe auf die Wasser blickte, die Schöpferkraft tragen und Agni gebären, der eine Gott über den Göttern – welchem Gott sollen wir mit Opfergabe dienen?<br>
'''1.12'''<br>
Dieser Gott folgt allen Himmelsrichtungen. Als der zuerst Geborene ist er im Inneren des Weltenleibes. Er ist das jetzt Geborene und das künftig Geborene; nach innen gewandt steht er da und hat doch Gesichter überall.<br>
'''1.13'''<br>
Überall sind seine Augen und überall sein Gesicht, überall seine Hände und überall seine Füße. Mit beiden Armen und mit Flügeln hält der eine Gott Himmel und Erde zusammen, während er sie hervorbringt.<br>
'''1.14'''<br>
Vena schaute dies und erkannte alle Welten, wo das All zu einem einzigen Nest wird. In ihm ist dieses All zusammengefügt und auseinandergefaltet, als Kette und Schuss verwoben; er ist in den Geschöpfen allgegenwärtig.<br>
'''1.15'''<br>
Als Wissender verkündete ich nun dieses Unsterbliche: der Gandharva namens [Vena], verborgen in den Höhlen. Drei Schritte sind in den Höhlen verborgen. Wer das erkennt, wird zum Vater des Savitri.<br>
'''1.16'''<br>
Er ist unser Verwandter, Erzeuger und Ordner; er kennt alle Orte und Welten. Dort genossen die Götter die Unsterblichkeit und gelangten zu den Wohnstätten im dritten Bereich.<br>
'''1.17'''<br>
Sogleich umschreiten sie Himmel und Erde, die Welten, die Richtungen und den lichten Himmel. Nachdem er den ausgespannten Faden der Ordnung unterschieden hatte, schaute er jenes; er wurde zu jenem in den Geschöpfen.<br>
'''1.18'''<br>
Nachdem Prajapati die Welten, die Wesen und alle Haupt- und Zwischenrichtungen durchdrungen hatte, vereinigte er, der Erstgeborene der Ordnung, durch sich selbst das Selbst mit dem Selbst.<br>
'''1.19'''<br>
Ich erbitte den wunderbaren Herrn der Versammlung, den Geliebten Indras und Ersehnten, als Gewinn von Einsicht.<br>
'''1.20'''<br>
Entflamme dich, o Jatavedas, und vertreibe mein Unheil. Bringe mir Vieh und Lebensunterhalt herbei und weise mir in jeder Richtung einen Ort zu.<br>
'''1.21'''<br>
Verletze nicht unsere Kuh, unser Pferd, den Menschen und die bewegliche Welt, o Jatavedas. Komm, o Agni, ohne [Waffen] zu tragen, und lass mich nicht von der Fülle abfallen.<br>
'''1.22'''<br>
Mögen wir den Purusha erkennen; mögen wir über den tausendäugigen Mahadeva meditieren. Möge Rudra unser Denken dazu anregen.<br>
'''1.23'''<br>
Mögen wir jenen Purusha erkennen; mögen wir über Mahadeva meditieren. Möge Rudra unser Denken dazu anregen.<br>
'''1.24'''<br>
Mögen wir jenen Purusha erkennen; mögen wir über den mit dem gebogenen Rüssel meditieren. Möge Dantin unser Denken dazu anregen.<br>
'''1.25'''<br>
Mögen wir jenen Purusha erkennen; mögen wir über Chakratunda meditieren. Möge Nandin unser Denken dazu anregen.<br>
'''1.26'''<br>
Mögen wir jenen Purusha erkennen; mögen wir über Mahasena meditieren. Möge der Sechsgesichtige unser Denken dazu anregen.<br>
'''1.27'''<br>
Mögen wir jenen Purusha erkennen; mögen wir über den Goldgeflügelten meditieren. Möge Garuda unser Denken dazu anregen.<br>
'''1.28'''<br>
Mögen wir den erkennen, dessen Selbst der Veda ist; mögen wir über Hiranyagarbha meditieren. Möge Brahman unser Denken dazu anregen.<br>
'''1.29'''<br>
Mögen wir Narayana erkennen; mögen wir über Vasudeva meditieren. Möge Vishnu unser Denken dazu anregen.<br>
'''1.30'''<br>
Mögen wir den mit diamantgleichen Krallen erkennen; mögen wir über den mit scharfen Fangzähnen meditieren. Möge Narasimha unser Denken dazu anregen.<br>
'''1.31'''<br>
Mögen wir Bhaskara, den Lichtschöpfer, erkennen; mögen wir über den Erzeuger großen Glanzes meditieren. Möge Aditya unser Denken dazu anregen.<br>
'''1.32'''<br>
Mögen wir Vaishvanara erkennen; mögen wir über den Flammenzüngigen meditieren. Möge Agni unser Denken dazu anregen.<br>
'''1.33'''<br>
Mögen wir die Tochter Katyas erkennen; mögen wir über die jungfräuliche Kumari meditieren. Möge Durga unser Denken dazu anregen.<br>
'''1.34'''<br>
Möge Durva, die Göttin über tausend [Reinigungsmitteln], mit hundert Wurzeln und hundert Sprossen und als Vernichterin böser Träume, all meine Verfehlung beseitigen.<br>
'''1.35'''<br>
Von Knoten zu Knoten und von Glied zu Glied wächst du weiter. Ebenso, o Durva, breite uns durch Hunderte und Tausende aus.<br>
'''1.36'''<br>
Du breitest dich hundertfach aus und wächst tausendfach empor. Dir, der göttlichen Ziegelgestalt, wollen wir mit einer Opfergabe dienen.<br>
'''1.37'''<br>
O Erde, von Pferden, Wagen und Vishnu überschritten: Ich werde dich auf meinem Haupt tragen; schütze mich bei jedem Schritt.<br>
'''1.38'''<br>
Die Erde ist eine Milchkuh, die Trägerin und Erhalterin der Welten. Du wurdest vom dunklen, hundertarmigen Eber emporgehoben.<br>
'''1.39'''<br>
O Erde, vernichte die Verfehlung, die ich durch schlechte Tat begangen habe. Du bist von Brahman gegeben und von Kashyapa geweiht. Gib mir Gedeihen; in dir ist alles gegründet.<br>
'''1.40'''<br>
O Erde, in der alles gegründet ist, vertreibe all jenes von mir. Wenn die Verfehlung durch dich erschlagen ist, gehe ich zum höchsten Ziel.<br>
'''1.41'''<br>
Wovor wir uns fürchten, o Indra, davor mache uns furchtlos. O Freigebiger, sei stark zu unserem Schutz; erschlage die Hassenden und Angreifer.<br>
'''1.42'''<br>
Indra, der Wohlergehen schenkt, Herr der Sippe, Vritra-Töter, Bezwinger der Angreifer und Mächtiger, komme uns voran: der Stier, der Wohlergehen und Furchtlosigkeit schenkt.<br>
'''1.43'''<br>
Indra von wachsendem Ruhm gewähre uns Heil, Pushan, der alles kennt, gewähre uns Heil. Tarkshya mit unversehrtem Rad gewähre uns Heil; Brihaspati gebe uns Heil.<br>
'''1.44'''<br>
Soma ist der Zornige aus den Wassern, der den dreifachen Stein trägt, der Erschütternde, Kraftvolle, Pfeilbewehrte und Tresterhaltige. Keine Gegenmacht kommt von hier an Indra heran; er hat alle Soma-Pressungen [übertroffen].<br>
'''1.45'''<br>
Das zuerst im Osten geborene Brahman erkannte Vena; aus der Grenze offenbarte er die hellen Strahlen. Er enthüllte die tiefen und hohen Stätten dieses [Brahman], den Schoß des Seienden und des Nichtseienden.<br>
'''1.46'''<br>
O Erde, sei freundlich, dornenlos und eine gute Wohnstätte. Gewähre uns weiten Schutz.<br>
'''1.47'''<br>
Ich rufe hier Shri an, die durch Duft zugänglich, unüberwindlich, stets gedeihend und reich an Nahrung ist, die Herrin aller Wesen.<br>
'''1.48'''<br>
Möge Shri mir zuteilwerden, möge Alakshmi von mir weichen. Die Götter mit Vishnu an der Spitze eroberten durch die Metren diese unbezwingbaren Welten. Der große, sechzehnfache Indra mit dem Donnerkeulenarm gewähre Schutz.<br>
'''1.49'''<br>
Maghavan gewähre uns Wohlergehen. Er erschlage den Bösen, der uns hasst.<br>
'''1.50'''<br>
Mache, o Herr des Gebets, den Sohn Ushijs Kakshivant zu einem klangvollen Soma-Presser. Auf dem Körper, dem unreinen Opferrest und Schuldlager, sitze nieder, wer uns hasst.<br>
'''1.51'''<br>
Der Fuß [Vishnus] ist das uralte, weithin ausgespannte Reinigungsmittel; durch ihn geläutert überschreitet man schlechte Taten. Durch dieses reine Reinigungsmittel geläutert, wollen wir Verfehlung und Feindschaft überschreiten.<br>
'''1.52'''<br>
Einträchtig mit den Maruts und deiner Schar, o Indra, trinke Soma, Vritra-Töter, Held und Wissender. Erschlage die Feinde, dränge die Angriffe zurück und schaffe uns ringsum Furchtlosigkeit.<br>
'''1.53'''<br>
Mögen Wasser und Heilpflanzen uns Freunde sein. Mögen sie dem Feind sein, der uns hasst und den wir hassen.<br>
'''1.54'''<br>
Ihr Wasser seid wahrlich glückspendend; gebt uns Nahrung und große, schöne Schau. Lasst uns an eurem heilsamsten Lebenssaft teilhaben wie liebevolle Mütter. Zu eurem befriedigenden Aufenthalt wollen wir gelangen, für dessen Bestand ihr uns belebt. Wasser, bringt uns neues Leben hervor.<br>
'''1.55'''<br>
Ich nehme Zuflucht zu Varuna mit dem goldenen Schmuck. Gib mir, darum gebeten, einen heiligen Übergang; denn ich habe von schlechten Menschen gegessen und Gaben von Verfehlenden angenommen.<br>
'''1.56'''<br>
Was ich mit Geist, Rede oder Handlung schlecht getan habe, das mögen Indra, Varuna, Brihaspati und Savitri immer wieder vollständig läutern.<br>
'''1.57'''<br>
Verneigung vor Agni, der in den Wassern wohnt; Verneigung vor Indra; Verneigung vor Varuna; Verneigung vor Varuni; Verneigung vor den Wassern.<br>
'''1.58'''<br>
Was an den Wassern verletzend, unrein oder unbefriedet ist, das möge fortgehen.<br>
'''1.59'''<br>
Was durch übermäßiges Essen, übermäßiges Trinken oder die Annahme einer bedenklichen Gabe [entstand], das möge König Varuna mit seiner Hand von mir abstreifen.<br>
'''1.60'''<br>
So werde ich ohne Verfehlung, frei von Unreinheit, gelöst und von Schuld befreit. Nachdem ich den Rücken des Himmels bestiegen habe, möge ich zur Gemeinschaft mit Brahman gelangen.<br>
'''1.61'''<br>
Varuna, der in den Wassern ist und Verfehlung fortspült, möge mich läutern.<br>
'''1.62'''<br>
O Ganga, Yamuna, Sarasvati, Shutudri und Parushni, nehmt an meinem Lobgesang teil; o Asikni, Marudvridha, Vitasta, Arjikiya und Sushoma, hört ihn.<br>
'''1.63'''<br>
Ordnung und Wahrheit wurden aus der entflammten Askese geboren. Daraus entstand die Nacht, daraus der wogende Ozean.<br>
'''1.64'''<br>
Aus dem wogenden Ozean entstand das Jahr. Der Herrscher ordnete Tage und Nächte für alles, was die Augen öffnet.<br>
'''1.65'''<br>
Der Ordner bildete Sonne und Mond wie zuvor, dazu Himmel, Erde, Zwischenraum und den lichten Himmel.<br>
'''1.66'''<br>
Was an Staub auf der Erde und im eigenen Bereich zwischen den beiden Welten liegt, all das mögen die Wasser und Varuna, der Verfehlung fortspült, läutern. Die Vasus mögen läutern, Varuna möge läutern, der Verfehlung fortspülende Varuna möge läutern. Er ist inmitten der Wesen der Hüter der Welt. Er gibt die Welten der Tugendhaften und die goldene Welt jenseits des Todes. Der goldene lichte Himmel ruht zwischen Himmel und Erde. Möge er uns diesen lichten Himmel gut bereiten.<br>
'''1.67'''<br>
Ich bin das feuchte, flammende Licht. Das Licht flammt: Ich bin Brahman. Was ich bin, ist Brahman. Ich bin, ich bin Brahman. Mich selbst bringe ich in mir selbst als Opfer dar. Svaha.<br>
'''1.68'''<br>
Wer Verbotenes getan, Keuschheit verletzt, gestohlen, einen Embryo getötet oder das Lager des Lehrers verletzt hat, wird durch Varuna in den Wassern, der Verfehlung fortspült, von dieser Schuld gelöst.<br>
'''1.69'''<br>
Ich bin der Boden der Verfehlungen; deshalb lässt du mich weinen – so sprechen die Weisen.<br>
'''1.70'''<br>
Der Ozean überschritt im ersten Ordnungsraum [seine Grenze], als er als König der Welt Geschöpfe hervorbrachte. Der kräftige Soma wuchs, während er auf dem Rücken des wollenen Filters geläutert wurde.<br>
'''2.1'''<br>
Für Jatavedas wollen wir Soma pressen; als Wissender verbrenne er den Feindseligen. Agni führe uns über alle Schwierigkeiten, wie ein Schiff über den Strom, und über alles Schlechte.<br>
'''2.2'''<br>
Zu der feuerfarbenen, durch Askese flammenden, strahlenden Göttin, die in den Früchten des Handelns verehrt wird, zu Durga nehme ich Zuflucht. Du führst gut hinüber; Verneigung sei deiner Kraft des Hinüberführens.<br>
'''2.3'''<br>
O Agni, führe du uns mit neuen Heilswegen über alle Schwierigkeiten. Die Erde werde uns weit und ausgedehnt wie eine Stadt; sei unseren Kindern und Nachkommen zu Wohlergehen und Frieden.<br>
'''2.4'''<br>
O Jatavedas, der du alle Schwierigkeiten zerstörst, führe uns über das Schlechte wie ein Schiff über den Strom. O Agni, wie Atri dich mit dem Geist preisend, erkenne uns und sei Beschützer unserer Leiber.<br>
'''2.5'''<br>
Wir wollen den kampfsiegenden, widerstehenden, mächtigen Agni vom höchsten Versammlungsort herbeirufen. Als Gott führe er uns über alle Schwierigkeiten und aus vergänglicher Not über alles Schlechte.<br>
'''2.6'''<br>
Du bist uralt und verehrungswürdig in den Opfern; von alters her bist du Hotri und bleibst doch neu. O Agni, erfreue deinen eigenen Leib und erwirke für uns Glück.<br>
'''2.7'''<br>
Wir wollen, von den Kühen willkommen geheißen und mit der ungebundenen [Kraft] gesalbt, deinem Weg folgen, o Indra-Vishnu. Während wir auf dem Rücken des Himmels beisammen wohnen, mögen sich die vishnuitischen Welten hier an uns erfreuen.<br>
'''3.1'''<br>
Bhuh: Nahrung für Agni und die Erde – Svaha. Bhuvah: Nahrung für Vayu und den Zwischenraum – Svaha. Suvah: Nahrung für Aditya und den Himmel – Svaha. Bhuh, Bhuvah, Suvah: Nahrung für den Mond und die Richtungen – Svaha. Verneigung den Göttern, Svaha den Vätern. Bhuh, Bhuvah, Suvah – Nahrung, Om.<br>
'''4.1'''<br>
Bhuh für Agni und die Erde – Svaha. Bhuvah für Vayu und den Zwischenraum – Svaha. Suvah für Aditya und den Himmel – Svaha. Bhuh, Bhuvah, Suvah für den Mond und die Richtungen – Svaha. Verneigung den Göttern, Svaha den Vätern. Bhuh, Bhuvah, Suvah – Agni, Om.<br>
'''5.1'''<br>
Bhuh für Agni, die Erde und das Große – Svaha. Bhuvah für Vayu, den Zwischenraum und das Große – Svaha. Suvah für Aditya, den Himmel und das Große – Svaha. Bhuh, Bhuvah, Suvah für den Mond, die Sternbilder, die Richtungen und das Große – Svaha. Verneigung den Göttern, Svaha den Vätern. Bhuh, Bhuvah, Suvah, Mahah – Om.<br>
'''6.1'''<br>
Schütze uns, o Agni, vor Verfehlung – Svaha. Schütze uns, Allwissender – Svaha. Schütze das Opfer, o weithin Leuchtender – Svaha. Schütze alles, o Hundertkräftiger – Svaha.<br>
'''7.1'''<br>
Schütze uns, o Agni, mit der ersten [Formel], schütze auch mit der zweiten, schütze Nahrungskraft mit der dritten und schütze, o Guter, mit den vier Gesängen – Svaha.<br>
'''8.1'''<br>
Der Stier unter den Metren, von allgestaltiger Form, ging aus den Metren in die Metren ein. Indra, der Älteste, verkündete die Upanishad der Weisen zur Kraft der Sinnesorgane. Verneigung den Göttern, Svaha den Vätern. Bhuh, Bhuvah, Suvah – das Versmaß, Om.<br>
'''9.1'''<br>
Verneigung vor Brahman. Möge mir Bewahrung und kein Verwerfen zuteilwerden; möge ich ein Bewahrer sein. Was ich mit beiden Ohren gehört habe, möge nicht von mir und von diesem [Schüler] weichen. Om.<br>
'''10.1'''<br>
Die Ordnung ist Askese, Wahrheit ist Askese, Hören ist Askese, Friedfertigkeit ist Askese, Sinnesbeherrschung ist Askese, innere Ruhe ist Askese, Geben ist Askese, Opfer ist Askese. Bhuh, Bhuvah, Suvah: Brahman – verehre dies; dies ist Askese.<br>
'''11.1'''<br>
Wie der Duft eines blühenden Baumes von weitem weht, so weht der Duft einer verdienstvollen Tat von weitem. Wie jemand, der auf eine über einer Grube gelegte Schwertschneide tritt, denkt: ‚Wenn ich schwanke, werde ich in die Grube fallen‘, so hüte man das Selbst vor dem Verlust der Unsterblichkeit.<br>
'''12.1'''<br>
Kleiner als das Kleine, größer als das Große ist das Selbst, das in der Höhle dieses Lebewesens verborgen liegt. Frei von Trauer schaut man durch die Gnade des Schöpfers jenen Herrn, der ohne begehrenden Entschluss ist, seine Größe.<br>
'''12.2'''<br>
Aus ihm entstehen sieben Lebenskräfte, sieben Flammen, Brennstoffe und sieben Zungen. Dies sind die sieben Welten, in denen sich die Lebenskräfte bewegen, jeweils sieben und sieben, aus dem in der Höhle Ruhenden hervorgegangen und eingesetzt.<br>
'''12.3'''<br>
Aus ihm [entstehen] die Meere und alle Berge; aus ihm strömen die Flüsse in all ihren Gestalten. Aus ihm [entstehen] auch alle Pflanzen und Säfte, durch die dieser innere Atman, ins Dasein getreten, Bestand hat.<br>
'''12.4'''<br>
Brahmanpriester unter den Göttern, Wegfinder unter den Dichtern, Seher unter den Begeisterten, Büffel unter den Wildtieren, Falke unter den Raubvögeln, Axt unter den Bäumen: Laut singend geht Soma durch den Seihfilter hindurch.<br>
'''12.5'''<br>
Die eine Ungeborene, rot, weiß und schwarz, bringt viele Nachkommen von gleicher Gestalt hervor. Der eine Ungeborene liegt ihr bei und genießt sie; der andere Ungeborene verlässt sie, nachdem sie ausgekostet worden ist.<br>
'''12.6'''<br>
Der Schwan im Reinen, der Vasu im Luftraum, der Opferpriester an der Opferstätte, der Gast im Haus; bei den Menschen wohnend, im Vortrefflichen wohnend, in der rechten Ordnung wohnend, im Himmelsraum wohnend; aus den Wassern geboren, aus den Rindern geboren, aus der rechten Ordnung geboren, aus dem Felsen geboren: die große rechte Ordnung.<br>
'''12.6a'''<br>
Von dem das Entstandene nicht verschieden ist, außer dem nichts vorhanden war, der in alle Welten eingetreten ist: Prajapati, mit seinen Geschöpfen in Verbindung, gesellt sich zu den drei Lichtern, er, der Sechzehnteilige.<br>
'''12.6b'''<br>
Wir rufen den Erhalter an, Savitri, der auf die Menschen blickt. Möge er uns reichlich Gut gewinnen.<br>
'''12.7'''<br>
Sie haben geklärte Butter ausgegossen. Geklärte Butter ist sein Ursprung; in geklärter Butter ruht er, und geklärte Butter ist seine Stätte. Bringe [die Götter] gemäß der Opfergabe herbei und erfreue dich. O Stier, trage die mit Svaha dargebrachte Gabe.<br>
'''12.8'''<br>
Aus dem Meer erhob sich eine süße Woge; durch die stille [Darbringung] erreichte sie ganz die Unsterblichkeit. Der verborgene Name der geklärten Butter ist die Zunge der Götter, der Nabel des Unsterblichen.<br>
'''12.9'''<br>
Wir wollen den Namen mit geklärter Butter verkünden und ihn in diesem Opfer mit Verneigungen bewahren. Der Brahmanpriester möge hören, was gepriesen wird. Das viergehörnte Wildrind hat dies ausgestoßen.<br>
'''12.10'''<br>
Vier Hörner hat er, drei Füße, zwei Köpfe, sieben Hände. Dreifach gebunden brüllt der Stier. Der große Gott ist in die Sterblichen eingetreten.<br>
'''12.11'''<br>
Die Götter fanden die geklärte Butter in der Kuh, dreifach niedergelegt und von den Panis verborgen. Einen [Teil] erzeugte Indra, einen die Sonne; einen formten sie aus Vena durch die eigene Kraft.<br>
'''12.12'''<br>
Rudra, der alles Überragende, der große Seher, der Hiranyagarbha als den Ersten der Götter am Anfang entstehen sieht: Dieser Gott verbinde uns mit heilvoller Erinnerung.<br>
'''12.13'''<br>
Über ihm gibt es nichts Höheres und nichts Niedrigeres; nichts ist kleiner oder größer als er. Wie ein Baum steht er unbeweglich im Himmel, der Eine. Von diesem Purusha ist all dies erfüllt.<br>
'''12.14'''<br>
Nicht durch Taten, nicht durch Nachkommenschaft oder Reichtum haben einige Unsterblichkeit erlangt, sondern durch Loslassen. Was die Entsagenden betreten, liegt jenseits des Himmels und leuchtet, in der Höhle verborgen.<br>
'''12.15'''<br>
Die Entsagenden, deren Ziel durch die Erkenntnis des Vedanta fest bestimmt ist und deren Wesen durch den Yoga des Verzichts gereinigt ist: Sie alle werden in der Brahmanwelt am letzten Ende ganz frei, in höchster Unsterblichkeit.<br>
'''12.16'''<br>
Jener kleine, schuldlose Lotus inmitten der Stadt, der eine vorzügliche Wohnstätte bildet: Auch in diesem kleinen [Lotus] ist ein Raum ohne Trauer. Was darin im Inneren ist, das soll verehrt und betrachtet werden.<br>
'''12.17'''<br>
Der Klang, der am Anfang des Veda ausgesprochen wird und am Ende des Veda fest verankert ist: Wer über diesem in den Urgrund eingegangenen [Klang] steht, der ist Maheshvara, der große Herr.<br>
'''13.1'''<br>
[Wir betrachten] den tausendköpfigen Gott, dessen Augen überall sind und der dem All Wohl bringt: das All, Narayana, den Gott, den Unvergänglichen, den höchsten Herrn.<br>
'''13.2'''<br>
[Wir betrachten] den über alles Hinausgehenden, Ewigen, das All: Narayana, Hari. Dieses ganze All ist der Purusha; aus ihm lebt das All.<br>
'''13.3'''<br>
[Wir betrachten] den Herrn des Alls, den Herrn des Selbst, den Ewigen, Gütigen, Unwandelbaren: Narayana, den im höchsten Maß zu Erkennenden, das Selbst des Alls, das höchste Ziel.<br>
'''13.4'''<br>
Narayana ist das höchste Brahman; Narayana ist die höchste Wirklichkeit. Narayana ist das höchste Licht; Narayana ist das höchste Selbst.<br>
'''13.5.1'''<br>
Narayana ist der höchste Betrachtende; der höchste Narayana ist die Betrachtung.<br>
'''13.5.2'''<br>
Was in dieser Welt gesehen oder auch gehört wird: All dies durchdringt Narayana von innen und außen und verweilt [darin].<br>
'''13.6'''<br>
[Wir betrachten] den Unendlichen, Unvergänglichen, den Seher, das Ziel im Ozean [des Daseins], der dem All Wohl bringt. Das Herz gleicht einer Lotusknospe und ist nach unten gewandt.<br>
'''13.7'''<br>
Es befindet sich eine Spanne unterhalb der Kehle und oberhalb des Nabels. Dieses Herz soll man als große Wohnstätte des Alls erkennen.<br>
'''13.8'''<br>
Von Adern durchzogen hängt es, einer Knospenhülle ähnlich. In seinem Inneren ist ein feiner Hohlraum; darin ist alles gegründet.<br>
'''13.9'''<br>
In seiner Mitte ist ein großes Feuer, dessen Flammen überallhin reichen und dessen Gesichter nach allen Seiten blicken. Es verzehrt als Erstes und verteilt die Nahrung, beständig verweilend, alterslos, sehend.<br>
'''13.10.1'''<br>
Quer, nach oben und nach unten sich erstreckend [ist es]; seine Strahlen sind ausgebreitet. Es erwärmt seinen Körper von der Fußsohle bis zum Scheitel.<br>
'''13.10.2'''<br>
In seiner Mitte steht eine Flammenspitze, äußerst fein und aufwärts gerichtet.<br>
'''13.11'''<br>
Wie eine leuchtende Blitzlinie inmitten einer dunklen Regenwolke, fein wie die Granne des Wildreises, gelb und strahlend, ist sie von äußerster Feinheit.<br>
'''13.12'''<br>
In der Mitte dieser Flammenspitze ist das höchste Selbst gegenwärtig. Es ist Brahma, es ist Shiva, es ist Hari, es ist Indra. Es ist der Unvergängliche, der Höchste, der aus sich selbst Herrschende.<br>
'''14.1'''<br>
Jener Aditya, dieser Sonnenkreis, glüht. In ihm sind jene Rik-Verse; dieser Kreis besteht aus Rik-Versen und ist ihre Welt. Was in diesem Kreis als Licht aufleuchtet, das sind die Saman-Gesänge; er ist die Welt der Samans. Der Purusha, der sich im Licht dieses Kreises befindet, ist die Gesamtheit der Yajus-Sprüche. Der Kreis besteht aus Yajus-Sprüchen und ist ihre Welt. Eben diese dreifache Lehre glüht: jener goldene Purusha im Inneren der Sonne.<br>
'''15.1.1'''<br>
Aditya ist wahrlich Glanz, Lebenskraft, Stärke, Ruhm, Auge, Gehör, Selbst, Geist, Zorn, Manu, Tod, Satya, Mitra, Wind, Raum, Lebensatem, Welthüter, Ka, das „Was?“, Freude, das „Das“, Wahrheit, Nahrung, das Unsterbliche, Leben, das All, Katama und das aus sich selbst entstandene Brahman. Dies ist der unsterbliche Purusha; dies ist der Oberherr der Wesen.<br>
'''15.1.2'''<br>
Wer so weiß, erlangt Vereinigung mit Brahman und das Wohnen in derselben Welt. Mit eben diesen Gottheiten erlangt er Vereinigung, gleiche Herrschaft und das Wohnen in derselben Welt. So lautet die geheime Lehre.<br>
'''15.2'''<br>
Der Glühende, Surya, Aditya – Om. [Ihn] verehren sie als Glut und Wahrheit; Süßes lassen sie strömen. Das ist Brahman; das ist Wasser. Wasser, Licht, Essenz, Unsterblichkeit: Brahman. Erde, Zwischenraum, Himmelswelt. Om.<br>
'''16.1.1'''<br>
Verehrung dem Herrn des Vergehens!<br>
'''16.1.2'''<br>
Verehrung dem Bezwinger des Herrn des Vergehens!<br>
'''16.1.3'''<br>
Verehrung dem Erhabenen!<br>
'''16.1.4'''<br>
Verehrung dem mit erhabenem Zeichen!<br>
'''16.1.5'''<br>
Verehrung dem Goldenen!<br>
'''16.1.6'''<br>
Verehrung dem mit goldenem Zeichen!<br>
'''16.1.7'''<br>
Verehrung dem Schönfarbigen!<br>
'''16.1.8'''<br>
Verehrung dem mit schönfarbigem Zeichen!<br>
'''16.1.9'''<br>
Verehrung dem Himmlischen!<br>
'''16.1.10'''<br>
Verehrung dem mit himmlischem Zeichen!<br>
'''16.1.11'''<br>
Verehrung Bhava, dem Werden!<br>
'''16.1.12'''<br>
Verehrung dem Zeichen des Werdens!<br>
'''16.1.13'''<br>
Verehrung Sharva!<br>
'''16.1.14'''<br>
Verehrung dem Zeichen Sharvas!<br>
'''16.1.15'''<br>
Verehrung Shiva, dem Gütigen!<br>
'''16.1.16'''<br>
Verehrung dem Shiva-Linga!<br>
'''16.1.17'''<br>
Verehrung dem Flammenden!<br>
'''16.1.18'''<br>
Verehrung dem mit flammendem Zeichen!<br>
'''16.1.19'''<br>
Verehrung dem Selbst!<br>
'''16.1.20'''<br>
Verehrung dem Zeichen des Selbst!<br>
'''16.1.21'''<br>
Verehrung dem Höchsten!<br>
'''16.1.22'''<br>
Verehrung dem höchsten Zeichen!<br>
'''16.1.23'''<br>
Dieses [Mantra] setzt das allumfassende Zeichen Somas und Suryas ein: ein reinigendes Handmantra.<br>
'''17.1'''<br>
Ich nehme Zuflucht zu Sadyojata. Wahrlich, Sadyojata sei Verehrung, Verehrung! [Bestimme] mich nicht zu Dasein um Dasein; [führe] mich in das Übersteigen des Daseins. Verehrung dem Ursprung des Werdens!<br>
'''18.1.1'''<br>
Verehrung Vamadeva, dem gütigen Gott!<br>
'''18.1.2'''<br>
Verehrung dem Ältesten!<br>
'''18.1.3'''<br>
Verehrung dem Besten!<br>
'''18.1.4'''<br>
Verehrung Rudra!<br>
'''18.1.5'''<br>
Verehrung der Zeit!<br>
'''18.1.6'''<br>
Verehrung Kalavikarana, dem Umgestalter!<br>
'''18.1.7'''<br>
Verehrung dem, der die Kräfte ausdifferenziert!<br>
'''18.1.8'''<br>
Verehrung der Kraft!<br>
'''18.1.9'''<br>
Verehrung dem Bezwinger der Kraft!<br>
'''18.1.10'''<br>
Verehrung dem Bezwinger aller Wesen!<br>
'''18.1.11'''<br>
Verehrung Manonmana, dem Erheber des Geistes!<br>
'''19.1'''<br>
Den nicht schrecklichen und den schrecklichen, den schrecklichen und noch schrecklicheren [Gestalten]: Überall, o Sharva, sei Verehrung dir und allen deinen Rudra-Gestalten.<br>
'''20.1'''<br>
Jenen Purusha wollen wir erkennen; auf den großen Gott richten wir unsere Betrachtung. Rudra möge uns dazu anregen.<br>
'''21.1'''<br>
Der Herr aller Wissensgebiete, der Gebieter aller Wesen, der Oberherr der heiligen Rede, der Oberherr Brahmas, das höchste Brahman: Er sei mir gütig, Sadashiva, der immer Gütige. Om.<br>
'''22.1'''<br>
Verehrung dem Goldarmigen, dem Goldfarbenen, dem mit goldener Gestalt, dem Herrn des Goldes, dem Gemahl Ambikas, dem Gemahl Umas, dem Herrn der Lebewesen: Verehrung, Verehrung!<br>
'''23.1'''<br>
Rechte Ordnung, Wahrheit, höchstes Brahman, der dunkle und rotbraune Purusha, dessen Zeugungskraft aufwärts gerichtet ist und dessen Augen ungewöhnlich sind: Dem Allgestaltigen wahrlich Verehrung, Verehrung!<br>
'''24.1'''<br>
Alles ist wahrlich Rudra; diesem Rudra sei Verehrung. Der Purusha ist wahrlich Rudra, Sein und großer Glanz: Verehrung, Verehrung! Das ganze entstandene All, die vielfältige Welt, was auf vielerlei Weise geboren ist und geboren wird – all dies ist ja Rudra. Diesem Rudra sei Verehrung.<br>
'''25.1.1'''<br>
Wann werden wir dem weisen, überaus reichlich spendenden und mächtigen Rudra ein Lied sprechen, das dem Herzen höchste Wohltat bringt?<br>
'''25.1.2'''<br>
All dies ist ja Rudra. Diesem Rudra sei Verehrung.<br>
'''26.1'''<br>
Wer eine Agnihotra-Opferkelle aus Vikankata-Holz besitzt, dessen Opfergaben gelangen tatsächlich zu festem Bestand; außerdem [dienen sie] seiner Festigung.<br>
'''27.0'''<br>
Die fünf [Verse], die mit „Entfalte deine Kraft“ beginnen.<br>
'''27.1'''<br>
Entfalte deine Kraft wie ein weites Fangnetz. Ziehe dahin wie ein mächtiger König mit seinem Gefolge. Dem ungestümen Vorstoß folgend, dahinstürmend: Du bist ein Schütze; durchbohre die Rakshas mit den glühendsten [Geschossen].<br>
'''27.2'''<br>
Deine wirbelnden [Flammen] fliegen rasch. Ergreife [die Feinde] mit kühnem Ansturm, hell auflodernd. O Agni, schleudere mit deiner Zunge die fliegenden Glutkörper aus; ungebunden sende die Funken in alle Richtungen.<br>
'''27.3'''<br>
Sende deine Späher aus, überaus eiliger [Agni]. Sei der ungetäuschte Hüter dieser Gemeinschaft. Wer uns in der Ferne Böses wünscht oder wer in der Nähe ist, o Agni: Kein solcher Angreifer möge es wagen, dir nahezutreten.<br>
'''27.4'''<br>
Erhebe dich, o Agni, und breite dich [den Gegnern] entgegen aus. Brenne die Feinde nieder, o du mit scharfer Waffe. Wer uns Feindschaft erwiesen hat, o Entflammter, den verbrenne ganz hinab wie trockenes Buschwerk.<br>
'''27.5'''<br>
Richte dich auf und schlage [die Feinde] von uns zurück. Mache deine göttlichen [Kräfte] offenbar, o Agni. Löse die Befestigungen derer, die mit Zaubermacht vorgehen. Zerschlage die Feinde, den Verwandten wie den Nichtverwandten.<br>
'''28.1'''<br>
Aditi ist die Mutter der Götter, Gandharvas, Menschen, Ahnen und Asuras, all dieser Wesen: Medini, die Erde; die Große, die Verehrte, Savitri, Gayatri, die Bewegte, die Weite, die Breite, die Reiche, die Allumfassende, die Gewordene, die überaus Beglückende, die Körperliche. Sie [heißt] „die Wahre“ und „die Unsterbliche“ – so [spricht] Vasishtha.<br>
'''29.1'''<br>
Wahrlich, all dies ist Wasser. Alle Wesen sind Wasser. Die Lebenskräfte sind wahrlich Wasser; die Tiere sind Wasser; die Nahrung ist Wasser; das Unsterbliche ist Wasser. Der Allherrscher ist Wasser, der Weitherrscher ist Wasser, der Selbstherrscher ist Wasser. Die Versmaße sind Wasser, die Lichter sind Wasser, die Opfersprüche sind Wasser, die Wahrheit ist Wasser. Alle Gottheiten sind Wasser. Erde, Zwischenraum und Himmelswelt sind Wasser. Om.<br>
'''30.1'''<br>
Die Wasser mögen die Erde reinigen; die gereinigte Erde möge mich reinigen. [Die Wasser] mögen den Herrn der heiligen Rede reinigen; die durch Brahman gereinigte [Erde] möge mich reinigen.<br>
'''30.2'''<br>
Was an Speiserest, an nicht zu Essendem oder an schlechtem Handeln von mir [herrührt] und auch das Annehmen [von Gaben] unredlicher Menschen: Von all dem mögen die Wasser mich reinigen. Svaha!<br>
'''31.1'''<br>
Agni, Manyu und die Herren des Manyu mögen mich vor den aus Manyu entstandenen Verfehlungen schützen. Was ich während des Tages durch Geist, Rede, beide Hände, Füße, Bauch und Geschlechtsorgan an Schuld begangen habe, möge der Tag tilgen. Was immer an Übel in mir ist: Dieses und mich selbst bringe ich im Ursprung der Unsterblichkeit, im wahren Licht, als Opfer dar. Svaha!<br>
'''32.1'''<br>
Surya, Manyu und die Herren des Manyu mögen mich vor den aus Manyu entstandenen Verfehlungen schützen. Was ich während der Nacht durch Geist, Rede, beide Hände, Füße, Bauch und Geschlechtsorgan an Schuld begangen habe, möge die Nacht tilgen. Was immer an Übel in mir ist: Dieses und mich selbst bringe ich im Ursprung der Unsterblichkeit, im Sonnenlicht, als Opfer dar. Svaha!<br>
'''33.1'''<br>
„Om“: Diese eine Silbe ist Brahman. Agni ist die Gottheit; Brahman wird als [zugehöriger] Seher genannt. Gayatri ist das Versmaß; das höchste Selbst ist [ihre] Gestalt. Die Vereinigung [mit ihm] ist die Anwendung.<br>
'''34.1'''<br>
Die gabenverleihende Göttin möge kommen, Gayatri, die Mutter der Versmaße. Nimm dieses unser Gebet an, das dem unvergänglichen Brahman entspricht.<br>
'''34.2'''<br>
Von der Schuld, die jemand am Tag begeht, wird er noch an diesem Tag frei; von der Schuld, die er nachts begeht, wird er noch in dieser Nacht frei. O du mit allen Lauten, große Göttin, Wissen der Dämmerungsandacht, Sarasvati!<br>
'''35.1.1'''<br>
Du bist Lebenskraft, du bist Überwindungskraft, du bist Stärke, du bist Glanz. Du bist Wohnstätte und Name der Götter. Du bist das All, du bist das Leben des Alls. Du bist alles, du bist das Leben von allem, du bist die Überwindende. Om.<br>
'''35.1.2'''<br>
Ich rufe Gayatri herbei. Ich rufe Savitri herbei. Ich rufe Sarasvati herbei. Ich rufe die Versmaße und die Rishis herbei. Ich rufe Shri herbei.<br>
'''35.1.3'''<br>
Für die Gayatri gilt: Gayatri ist das Versmaß, Vishvamitra der Seher, Savitri die Gottheit. Agni ist ihr Mund, Brahma ihr Kopf, Vishnu ihr Herz, Rudra ihr Scheitelbüschel, die Erde ihr Ursprung. [Ihre Lebenskräfte sind] Prana, Apana, Vyana, Udana und Samana; sie ist mit Lebensatem versehen, von weißer Farbe und gehört zum selben Gotra wie Samkhyayana. Gayatri hat vierundzwanzig Silben, drei Versfüße, sechs Leibesräume und fünf Köpfe. Ihre Anwendung erfolgt bei der Einführung in das Veda-Studium.<br>
'''35.2.1'''<br>
Om. Erde!<br>
'''35.2.2'''<br>
Om. Zwischenraum!<br>
'''35.2.3'''<br>
Om. Himmelswelt!<br>
'''35.2.4'''<br>
Om. Die große Welt!<br>
'''35.2.5'''<br>
Om. Welt der Geburt oder der Lebewesen!<br>
'''35.2.6'''<br>
Om. Welt der Glut und Askese!<br>
'''35.2.7'''<br>
Om. Welt der Wahrheit!<br>
'''35.2.8'''<br>
Om. Wir nehmen den erwählenswerten Glanz des göttlichen Savitri in unseren Geist auf. Er möge unsere Einsichten antreiben.<br>
'''35.2.9'''<br>
Om. Wasser, Licht, Essenz, Unsterblichkeit: Brahman. Erde, Zwischenraum, Himmelswelt. Om.<br>
'''36.1'''<br>
O Göttin, auf dem höchsten Gipfel geboren, auf der Erde, auf der Spitze des Berges: Von den Brahmanen entlassen, gehe, o Göttin, wie es dir angenehm ist.<br>
'''36.2'''<br>
Die von mir gepriesene, gabenverleihende Mutter der Veden, die antreibt [wie] der Wind und an zwei Orten geboren ist, [gehe] zur hervorgebrachten Brahmanwelt, nachdem sie mir auf der Erde Lebensdauer, Vermögen und die Leuchtkraft heiliger Gelehrsamkeit gegeben hat.<br>
'''37.1'''<br>
Der Glühende, Surya, Aditya, der Unvergängliche, zieht dahin wie [seine] Strahlung. [Die Wasser] lassen Süße strömen, seine Essenz. Wahrlich, diese Essenz ist Wahrheit. Wasser, Licht, Essenz, Unsterblichkeit: Brahman. Erde, Zwischenraum, Himmelswelt. Om.<br>
'''38.1.1'''<br>
Brahman möge mich erreichen.<br>
'''38.1.2'''<br>
Das Süße möge mich erreichen.<br>
'''38.1.3'''<br>
Brahman selbst, das Süße, möge mich erreichen.<br>
'''38.1.4'''<br>
O Soma, unter deinen Geschöpfen bin ich dieser dein Junges. O Vernichter böser Träume, schwer zu überwältigender [Herr]! Die Lebenskräfte, die dein sind, o Soma, bringe ich als Opfer dar.<br>
'''38.2'''<br>
Man soll einem Brahmanen Trisuparna unaufgefordert geben. Die Brahmanen, die Trisuparna rezitieren, tilgen wahrlich die Schuld der Tötung eines Brahmanen. Sie erlangen Soma. Sie reinigen eine Reihe [von Speisenden] bis zu tausend. Om.<br>
'''39.1.1'''<br>
Brahman [wird] durch Einsicht [erlangt].<br>
'''39.1.2'''<br>
Das Süße [wird] durch Einsicht [erlangt].<br>
'''39.1.3'''<br>
Brahman selbst, das Süße [wird] durch Einsicht [erlangt].<br>
'''39.2'''<br>
Heute, o Gott Savitri, schaffe uns Glück mit Nachkommenschaft. Treibe das böse Träumen fort.<br>
'''39.3'''<br>
O Gott Savitri, treibe alle Übel fort. Was gut ist, das bringe mir herbei.<br>
'''39.4'''<br>
Süß wehen die Winde dem, der nach der rechten Ordnung strebt. Süßes lassen die Flüsse strömen. Süß mögen unsere Pflanzen sein.<br>
'''39.5'''<br>
Süß sei die Nacht und auch [die Zeit] am Morgen; süß sei der irdische Raum. Süß sei uns der Himmel, unser Vater.<br>
'''39.6'''<br>
Süß sei uns der Baum; süß sei die Sonne. Süß mögen unsere Kühe sein.<br>
'''39.7'''<br>
Wer [diesen Text weitergibt], soll einem Brahmanen Trisuparna unaufgefordert geben. Die Brahmanen, die Trisuparna rezitieren, tilgen wahrlich die Schuld der Tötung eines Embryos oder eines gelehrten Brahmanen. Sie erlangen Soma. Sie reinigen eine Reihe [von Speisenden] bis zu tausend. Om.<br>
'''40.1.1'''<br>
Brahman [ist] mit dem Opfer verbunden.<br>
'''40.1.2'''<br>
Das Süße [ist] mit dem Opfer verbunden.<br>
'''40.1.3'''<br>
Brahman selbst, das Süße [ist] mit dem Opfer verbunden.<br>
'''40.2'''<br>
Brahmanpriester unter den Göttern, Wegfinder unter den Dichtern, Seher unter den Begeisterten, Büffel unter den Wildtieren, Falke unter den Raubvögeln, Axt unter den Bäumen: Laut singend geht Soma durch den Seihfilter hindurch.<br>
'''40.3'''<br>
Der Schwan im Reinen, der Vasu im Luftraum, der Opferpriester an der Opferstätte, der Gast im Haus; bei den Menschen wohnend, im Vortrefflichen wohnend, in der rechten Ordnung wohnend, im Himmelsraum wohnend; aus den Wassern geboren, aus den Rindern geboren, aus der rechten Ordnung geboren, aus dem Felsen geboren: die große rechte Ordnung.<br>
'''40.4.1'''<br>
Zum heiligen Lied [rufe ich] dich!<br>
'''40.4.2'''<br>
Zum heiligen Lied [rufe ich] dich!<br>
'''40.4.3'''<br>
Zusammen strömen sie, die nährenden [Ströme], wie Flüsse, im Inneren durch Herz und Geist geläutert. Die Ströme der geklärten Butter schaue ich an.<br>
'''40.5'''<br>
Ein goldener Schilfstängel ist in ihrer Mitte. Darin sitzt der schön gefiederte Vogel, der Süßes bereitet und ein Nest hat; er teilt den Gottheiten Süßes zu. An seinem Rand sitzen sieben Goldgelbe, die eine Eigengabe melken, einen Strom der Unsterblichkeit.<br>
'''40.6'''<br>
Wer [diesen Text weitergibt], soll einem Brahmanen Trisuparna unaufgefordert geben. Die Brahmanen, die Trisuparna rezitieren, tilgen wahrlich die Schuld der Tötung eines Helden. Sie erlangen Soma. Sie reinigen eine Reihe [von Speisenden] bis zu tausend. Om.<br>
'''41.1'''<br>
Die Göttin Medha möge uns wohlwollend nahen, allwärts gewandt, heilbringend und freundlich gesinnt. Von dir begünstigt, mögen wir, [die bisher] an schlechten Reden Gefallen fanden, mit tüchtigen Nachkommen in der Versammlung Großes aussprechen.<br>
'''41.2'''<br>
Von dir begünstigt wird man ein Seher, o Göttin; durch dich [wird man] ein Brahmanpriester, und durch dich gelangt man zu Glanz und Wohlstand. Von dir begünstigt findet man vielfältigen Besitz. So nimm uns wohlwollend an, o Medha, mit Vermögen.<br>
'''42.1'''<br>
Indra möge mir Einsicht geben, [ebenso] die Göttin Sarasvati. Die beiden Ashvins mit ihren Lotuskränzen mögen mir Einsicht verleihen.<br>
'''42.2'''<br>
Die Einsicht, die in den Apsaras ist, und der Geist, der in den Gandharvas ist, die göttliche Einsicht, Sarasvati: Diese wohlriechende Medha möge mich wohlwollend annehmen. Svaha!<br>
'''43.1'''<br>
Zu mir [komme] die wohlriechende, vielgestaltige, goldfarbene Medha, die sich durch die Welt bewegt und immer wieder aufzusuchen ist, kraftvoll und mit Milch nährend. Diese Medha mit dem schönen Antlitz möge mich wohlwollend annehmen.<br>
'''44.1.1'''<br>
In mich lege Agni Einsicht, in mich Nachkommenschaft, in mich Leuchtkraft.<br>
'''44.1.2'''<br>
In mich lege Indra Einsicht, in mich Nachkommenschaft, in mich Kraft.<br>
'''44.1.3'''<br>
In mich lege Surya Einsicht, in mich Nachkommenschaft, in mich Glanz.<br>
'''45.1'''<br>
Der Tod weiche; Unsterblichkeit komme zu uns. Vaivasvata schaffe uns Furchtlosigkeit. Wie ein Blatt vom Baum möge [unsere Schuld] von uns abfallen. Kraftvoller Reichtum möge uns begleiten.<br>
'''46.1'''<br>
Gehe fort, o Tod, folge dem fernen Weg, der dein eigener ist und sich vom Götterweg unterscheidet. Zu dir, der du Augen hast und hörst, spreche ich: Verletze unsere Nachkommenschaft nicht und auch unsere Helden nicht.<br>
'''47.1'''<br>
Mit dem Geist halten wir uns an den Wind, den Lebensatem, an Prajapati, der die Welt behütet. Er schütze uns vor dem Tod und bewahre uns vor Bedrängnis. Lange lebend mögen wir das Alter erreichen.<br>
'''48.1'''<br>
O Brihaspati, löse [mich] von der Existenz dort drüben und von der Anklage Yamas. O Agni, mögen die beiden Ashvins, die Ärzte der Götter, durch ihre Kräfte den Tod von uns wegtreiben.<br>
'''49.1'''<br>
Die Götter folgen dem hinwegnehmenden Hari, dem Herrn des Alls, dem Stier unter den Gedanken. Möge mir dieser Weg zukommen, der dieselbe Gestalt hat wie Brahman. Verletze [ihn] nicht; schreite kraftvoll voran.<br>
'''50.1'''<br>
Indem ich das Feuer mit Holzspänen entzünde, möchte ich beide Welten gewinnen. In beiden Welten gedeihend, überschreite ich den Tod.<br>
'''51.1'''<br>
Schneide [mein Leben] nicht ab, o Tod; töte nicht. Entreiße mir meine Kraft nicht, beraube mich nicht. Verletze weder meine Nachkommenschaft noch meine Lebensdauer, o Gewaltiger. Dich, der du auf die Menschen schaust, wollen wir mit einer Opfergabe verehren.<br>
'''52.1'''<br>
Verletze weder unseren Großen noch unseren Kleinen, weder den Heranwachsenden noch den Gezeugten. Töte unseren Vater nicht und auch unsere Mutter nicht. Verletze unsere geliebten Körper nicht, o Rudra.<br>
'''53.1'''<br>
Verletze uns nicht an Kindern und Nachkommen, nicht an unserer Lebensdauer, nicht an unseren Rindern und Pferden. Töte unsere Helden nicht in deinem Zorn, o Rudra. Mit Opfergaben versehen wollen wir dich in Verehrung ehren.<br>
'''54.1'''<br>
O Prajapati, kein anderer als du hat alle diese entstandenen Wesen umfasst. Was wir beim Opfern an dich ersehnen, möge uns zuteilwerden. Mögen wir Herren von Reichtümern sein.<br>
'''55.1'''<br>
Der Heil spendende Herr der Siedlungen, der Vritra-Töter, der Widerstände zerschlägt und Macht besitzt: Dieser kraftvolle Indra gehe uns voran, Heil spendend und Furchtlosigkeit schaffend.<br>
'''56.1'''<br>
Wir verehren den Dreiäugigen, den Wohlriechenden, der das Gedeihen mehrt. Wie eine reife Gurkenfrucht von ihrer Bindung [gelöst wird], möge ich vom Tod befreit werden, nicht von der Unsterblichkeit.<br>
'''57.1'''<br>
Deine tausend und zehntausend Schlingen, o Tod, die den Sterblichen töten sollen: Sie alle opfern wir durch die wirksame Kraft des Opfers hinweg.<br>
'''58.1.1'''<br>
Dem Tod: Svaha!<br>
'''58.1.2'''<br>
Dem Tod: Svaha!<br>
'''59.1.1'''<br>
Du bist das Sühneopfer für die von Göttern verursachte Schuld. Svaha!<br>
'''59.1.2'''<br>
Du bist das Sühneopfer für die von Menschen verursachte Schuld. Svaha!<br>
'''59.1.3'''<br>
Du bist das Sühneopfer für die von Ahnen verursachte Schuld. Svaha!<br>
'''59.1.4'''<br>
Du bist das Sühneopfer für die selbst verursachte Schuld. Svaha!<br>
'''59.1.5'''<br>
Du bist das Sühneopfer für die von anderen verursachte Schuld. Svaha!<br>
'''59.1.6'''<br>
Du bist das Sühneopfer für die von uns verursachte Schuld. Svaha!<br>
'''59.1.7'''<br>
Für die Schuld, die wir bei Tag und bei Nacht begangen haben, bist du das Sühneopfer. Svaha!<br>
'''59.1.8'''<br>
Für die Schuld, die wir schlafend und wachend begangen haben, bist du das Sühneopfer. Svaha!<br>
'''59.1.9'''<br>
Für die Schuld, die wir im Tiefschlaf und im Wachsein begangen haben, bist du das Sühneopfer. Svaha!<br>
'''59.1.10'''<br>
Für die Schuld, die wir wissend und unwissend begangen haben, bist du das Sühneopfer. Svaha!<br>
'''59.1.11'''<br>
Du bist das Sühneopfer für Schuld um Schuld. Svaha!<br>
'''60.1'''<br>
Was wir euch, ihr Götter, mit der Zunge oder durch eine Regung des Geistes als schwere Kränkung angetan haben: Diese Schuld legt, ihr Vasus, auf den, der uns nichts gönnt und Unheil gegen uns im Sinn hat. Svaha!<br>
'''61.1'''<br>
Das Begehren hat es getan. Verehrung, Verehrung. Das Begehren hat es getan; Begehren handelt, ich handle nicht. Begehren ist der Handelnde, ich bin nicht der Handelnde. Begehren veranlasst die Handlung, ich bin nicht ihr Veranlasser. Diese Gabe ist für dich, o Begehren. Dem Begehren: Svaha!<br>
'''62.1'''<br>
Der Zorn hat es getan. Verehrung, Verehrung. Der Zorn hat es getan; Zorn handelt, ich handle nicht. Zorn ist der Handelnde, ich bin nicht der Handelnde. Zorn veranlasst die Handlung, ich bin nicht ihr Veranlasser. Diese Gabe ist für dich, o Zorn. Dem Zorn: Svaha!<br>
'''63.1'''<br>
Ich opfere saftige Sesamkörner, mit Mehl vermischt. O Gandhāra, mögen [deine Eigenschaften] in meinem Geist Freude finden. Svaha!<br>
'''63.2'''<br>
Rinder, Gold, Besitz, Speise und Trank – zum Wohlergehen aller: Svaha!<br>
'''63.3'''<br>
Möge [das Göttliche] mir Fülle und Glück, Gedeihen und guten Ruf, Schuldenfreiheit, Brahmanentum und viele Söhne gewähren, dazu Vertrauen, Einsicht und Nachkommenschaft. Svaha!<br>
'''64.1'''<br>
Schwarze Sesamkörner, weiße Sesamkörner, milde Sesamkörner, die mir zur Verfügung stehen: Mögen die Sesamkörner meine Schuld reinigen, welches Übel auch immer in mir ist. Svaha!<br>
'''64.2'''<br>
Die Nahrung eines Diebes, die Speise eines ersten Totenopfers, Brahmanenmord, das Aufsuchen des Lagers des Lehrers, Rinderdiebstahl, das Trinken von berauschendem Trank und die Tötung eines Embryos: Mögen die Sesamkörner [diese Vergehen] beschwichtigen und Frieden [gewähren]. Svaha!<br>
'''64.3'''<br>
Fülle und Glück, Gedeihen und guten Ruf, Schuldenfreiheit, Brahmanentum und viele Söhne, Vertrauen, Einsicht und Erkenntnis – dies möge Jātavedas gewähren. Svaha!<br>
'''65.1'''<br>
Meine fünf Lebensströme – Prana, Apana, Vyana, Udana und Samana – mögen rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!<br>
'''65.2'''<br>
Meine Rede, mein Geist, mein Sehen, mein Hören, meine Zunge, mein Geruchssinn, meine Zeugungskraft, meine Urteilskraft, meine Absicht und meine Entschlüsse mögen rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!<br>
'''65.3'''<br>
Meine äußere und innere Haut, mein Fleisch, mein Blut, mein Fett, mein Mark, meine Sehnen und meine Knochen mögen rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!<br>
'''65.4'''<br>
Mein Kopf, meine Hände und Füße, meine Flanken, mein Rücken, meine Oberschenkel, mein Bauch, meine Unterschenkel, mein Glied, mein Schoß und mein After mögen rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!<br>
'''65.5'''<br>
Erhebe dich, Purusha, du Grünlich-Dunkler, Gelbbrauner, Rotäugiger! Gib, gib; sei mein Spender. Mögen [meine inneren Regungen] rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!<br>
'''66.1'''<br>
Meine Elemente Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum mögen rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!<br>
'''66.2'''<br>
Meine Sinnesqualitäten Klang, Berührung, Gestalt, Geschmack und Geruch mögen rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!<br>
'''66.3'''<br>
Meine Handlungen mit Geist, Rede und Körper mögen rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!<br>
'''66.4'''<br>
[Befreit] von Ichbildungen, deren Wesen verborgen ist, möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!<br>
'''66.5'''<br>
Mein Selbst möge rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!<br>
'''66.6'''<br>
Mein inneres Selbst möge rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!<br>
'''66.7'''<br>
Mein höchstes Selbst möge rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!<br>
'''66.8.1'''<br>
Dem Hunger: Svaha!<br>
'''66.8.2'''<br>
Hunger und Durst: Svaha!<br>
'''66.8.3'''<br>
Der alldurchdringenden Macht: Svaha!<br>
'''66.8.4'''<br>
Dem Ordner der Rigverse: Svaha!<br>
'''66.8.5'''<br>
Kashotka: Svaha!<br>
'''66.8.6'''<br>
Om. Svaha!<br>
'''66.9'''<br>
Ich vertreibe die Unreinheit von Hunger und Durst, Jyestha und Alakshmi, Mangel und mangelndes Gedeihen. Vertreibe all mein Übel und meine Schuld. Svaha!<br>
'''66.10'''<br>
Mein aus Nahrung, Prana, Geist, Erkenntnis und Glückseligkeit bestehendes Selbst möge rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!<br>
'''67.1.1'''<br>
Dem Agni: Svaha!<br>
'''67.1.2'''<br>
Allen Göttern: Svaha!<br>
'''67.1.3'''<br>
Der beständigen Fülle: Svaha!<br>
'''67.1.4'''<br>
Dem festen Grund: Svaha!<br>
'''67.1.5'''<br>
Der unerschütterlichen Wohnstätte: Svaha!<br>
'''67.1.6'''<br>
Agni, der das Opfer recht vollendet: Svaha!<br>
'''67.1.7'''<br>
Dem Dharma: Svaha!<br>
'''67.1.8'''<br>
Dem Adharma: Svaha!<br>
'''67.1.9'''<br>
Den Wassern: Svaha!<br>
'''67.1.10'''<br>
Den Kräutern und Bäumen: Svaha!<br>
'''67.1.11'''<br>
Den Rakshasas und den göttlichen Wesen: Svaha!<br>
'''67.1.12'''<br>
Den Hausgottheiten: Svaha!<br>
'''67.1.13'''<br>
Den Wohnstätten: Svaha!<br>
'''67.1.14'''<br>
Den Herren der Wohnstätten: Svaha!<br>
'''67.1.15'''<br>
Allen Wesen: Svaha!<br>
'''67.1.16'''<br>
Dem Kama: Svaha!<br>
'''67.1.17'''<br>
Dem Zwischenraum: Svaha!<br>
'''67.1.18'''<br>
Was sich in der Welt bewegt und was tätig ist: Dieser Anteil gehört dem Namen. Dem Namen: Svaha!<br>
'''67.1.19'''<br>
Der Erde: Svaha!<br>
'''67.1.20'''<br>
Dem Luftraum: Svaha!<br>
'''67.1.21'''<br>
Dem Himmel: Svaha!<br>
'''67.1.22'''<br>
Dem Surya: Svaha!<br>
'''67.1.23'''<br>
Dem Mond: Svaha!<br>
'''67.1.24'''<br>
Den Gestirnen: Svaha!<br>
'''67.1.25'''<br>
Dem Indra: Svaha!<br>
'''67.1.26'''<br>
Dem Brihaspati: Svaha!<br>
'''67.1.27'''<br>
Dem Prajapati: Svaha!<br>
'''67.1.28'''<br>
Dem Brahman: Svaha!<br>
'''67.1.29'''<br>
Svadha den Ahnen. Svaha!<br>
'''67.1.30'''<br>
Verehrung dem Rudra, dem Herrn der Wesen. Svaha!<br>
'''67.1.31'''<br>
Den Göttern: Svaha!<br>
'''67.1.32'''<br>
Den Ahnen sei Svadha!<br>
'''67.1.33'''<br>
Den Wesen: Verehrung!<br>
'''67.1.34'''<br>
Den Menschen: Nehmt hin!<br>
'''67.1.35'''<br>
Dem Prajapati: Svaha!<br>
'''67.1.36'''<br>
Dem Parameshthin: Svaha!<br>
'''67.2.1'''<br>
Wie ein Brunnen hundert Ströme und tausend Ströme hat und unerschöpft bleibt, so sei mein Getreidevorrat tausendfach strömend und unerschöpflich.<br>
'''67.2.2'''<br>
Dhanadhani, der Geberin von Reichtum und Nahrung: Svaha!<br>
'''67.3'''<br>
Den Wesen, die Tag und Nacht umherziehen, nach einer Gabe verlangen und Boten des Vitudas sind, bringe ich, Gedeihen ersehnend, die Bali-Gabe dar. Möge der Herr des Gedeihens mir Gedeihen verleihen. Svaha!<br>
'''68.1'''<br>
Om, das ist Brahman. Om, das ist Vayu. Om, das ist Atman. Om, das ist Wahrheit. Om, das ist alles. Om, jenes – dem Großen sei Verneigung.<br>
'''68.2'''<br>
Om. Im Inneren der Wesen, in der Höhle ihrer vielfältigen Gestalten, bewegt sich das Göttliche. Du bist das Opfer, du der Vashat-Ruf, du Indra, du Rudra, du Vishnu, du Brahman, du Prajapati. Du bist jenes, das Wasser. Wasser, Licht, Lebenssaft, Unsterbliches, Brahman; Erde, Zwischenraum und Himmel – Om.<br>
'''69.1.1'''<br>
Im Vertrauen verankert bringe ich dem Prana das Unsterbliche als Opfer dar.<br>
'''69.1.2'''<br>
Im Vertrauen verankert bringe ich dem Apana das Unsterbliche als Opfer dar.<br>
'''69.1.3'''<br>
Im Vertrauen verankert bringe ich dem Vyana das Unsterbliche als Opfer dar.<br>
'''69.1.4'''<br>
Im Vertrauen verankert bringe ich dem Udana das Unsterbliche als Opfer dar.<br>
'''69.1.5'''<br>
Im Vertrauen verankert bringe ich dem Samana das Unsterbliche als Opfer dar.<br>
'''69.1.6'''<br>
Mein Selbst sei in Brahman gegründet, zur Unsterblichkeit.<br>
'''69.2'''<br>
Du bist die Unterlage für das Unsterbliche.<br>
'''69.3.1'''<br>
Im Vertrauen verankert bringe ich dem Prana das Unsterbliche als Opfer dar. Tritt heilvoll in mich ein, damit ich nicht verzehrt werde. Dem Prana: Svaha!<br>
'''69.3.2'''<br>
Im Vertrauen verankert bringe ich dem Apana das Unsterbliche als Opfer dar. Tritt heilvoll in mich ein, damit ich nicht verzehrt werde. Dem Apana: Svaha!<br>
'''69.3.3'''<br>
Im Vertrauen verankert bringe ich dem Vyana das Unsterbliche als Opfer dar. Tritt heilvoll in mich ein, damit ich nicht verzehrt werde. Dem Vyana: Svaha!<br>
'''69.3.4'''<br>
Im Vertrauen verankert bringe ich dem Udana das Unsterbliche als Opfer dar. Tritt heilvoll in mich ein, damit ich nicht verzehrt werde. Dem Udana: Svaha!<br>
'''69.3.5'''<br>
Im Vertrauen verankert bringe ich dem Samana das Unsterbliche als Opfer dar. Tritt heilvoll in mich ein, damit ich nicht verzehrt werde. Dem Samana: Svaha!<br>
'''69.3.6'''<br>
Mein Selbst sei in Brahman gegründet, zur Unsterblichkeit.<br>
'''69.4'''<br>
Du bist die Bedeckung für das Unsterbliche.<br>
'''70.1.1'''<br>
Im Vertrauen in Prana eingekehrt, habe ich das Unsterbliche geopfert. Stärke Prana durch diese Nahrung.<br>
'''70.1.2'''<br>
Im Vertrauen in Apana eingekehrt, habe ich das Unsterbliche geopfert. Stärke Apana durch diese Nahrung.<br>
'''70.1.3'''<br>
Im Vertrauen in Vyana eingekehrt, habe ich das Unsterbliche geopfert. Stärke Vyana durch diese Nahrung.<br>
'''70.1.4'''<br>
Im Vertrauen in Udana eingekehrt, habe ich das Unsterbliche geopfert. Stärke Udana durch diese Nahrung.<br>
'''70.1.5'''<br>
Im Vertrauen in Samana eingekehrt, habe ich das Unsterbliche geopfert. Stärke Samana durch diese Nahrung.<br>
'''71.1'''<br>
Der daumengroße Purusha, der auch im Daumen seinen Sitz hat, der Herr und Gebieter der ganzen Welt, der alles genießt, möge erfreut sein.<br>
'''72.1'''<br>
Rede sei in meinem Mund, Lebenshauch in den Nasenlöchern, Sehkraft in den Augen, Hörkraft in den Ohren, Stärke in den Armen und Lebenskraft in den Schenkeln. Alle Glieder und der Leib seien unversehrt. Zusammen mit meinem Leib sei dir meine Verneigung dargebracht. Verletze mich nicht.<br>
'''73.1'''<br>
Wie schön geflügelte Vögel kamen die um Einsicht bemühten Seher bittend zu Indra: „Decke die Dunkelheit auf, erfülle unser Sehen; löse uns, die wie mit einer Fessel gebunden sind.“<br>
'''74.1'''<br>
Du bist der Knoten der Lebenskräfte. Als Rudra tritt in mich ein, als der Beendende. Stärke dich durch diese Nahrung.<br>
'''75.1'''<br>
Verneigung vor Rudra, vor Vishnu. Schütze mich vor dem Tod.<br>
'''76.1'''<br>
Du, Agni, wirst aus den Himmelslichten geboren, du rasch Leuchtender; du aus den Wassern, du aus dem Stein, du aus den Wäldern, du aus den Pflanzen. Du, Herr der Menschen, wirst für die Menschen als der Reine geboren.<br>
'''77.1'''<br>
Vollende dich für mich mit Heilvollem; vollende dich für mich mit Wohlergehen; vollende dich für mich mit gutem Gedeihen; vollende dich für mich mit dem Glanz heiligen Wissens. Folge der Erfüllung des Opfers. Dir, o Opfer, nahe ich in Verneigung; dir in Verneigung; dir in Verneigung.<br>
'''78.1'''<br>
Wahrhaftigkeit ist das Höchste; das Höchste ist Wahrhaftigkeit. Durch Wahrhaftigkeit fällt man niemals aus der himmlischen Welt. Denn Wahrhaftigkeit gehört zu den Guten. Deshalb finden sie Freude an der Wahrhaftigkeit.<br>
'''78.2'''<br>
„Askese“, so lautet eine weitere Antwort. Keine Askese steht über dem Fasten. Denn jene höchste Askese ist schwer zu bestehen und schwer zu überwinden. Deshalb finden sie Freude an der Askese.<br>
'''78.3'''<br>
„Beherrschung der Sinne“, sagen beständig die Brahmacharins. Deshalb finden sie Freude an der Selbstbeherrschung.<br>
'''78.4'''<br>
„Ruhe des Geistes“, sagen die Weisen im Wald. Deshalb finden sie Freude an der inneren Ruhe.<br>
'''78.5'''<br>
„Geben“, das preisen alle Wesen. Nichts ist schwerer zu vollbringen als Geben. Deshalb finden sie Freude am Geben.<br>
'''78.6'''<br>
„Dharma“, so lautet eine weitere Antwort. Durch Dharma wird all dies zusammengehalten. Nichts ist schwerer zu verwirklichen als Dharma. Deshalb finden sie Freude am Dharma.<br>
'''78.7'''<br>
„Fortpflanzung“, sagen viele. Denn dadurch werden sehr viele geboren. Deshalb finden sehr viele Freude an der Weitergabe des Lebens.<br>
'''78.8'''<br>
„Die Feuer“, sagt man. Deshalb sollen die heiligen Feuer angelegt werden.<br>
'''78.9'''<br>
„Agnihotra“, sagt man. Deshalb finden sie Freude am Agnihotra.<br>
'''78.10'''<br>
„Opfer“, so lautet eine weitere Antwort. Denn durch das Opfer gelangten die Götter in den Himmel. Deshalb finden sie Freude am Opfer.<br>
'''78.11'''<br>
„Die geistige Übung“, sagen die Wissenden. Deshalb finden gerade die Wissenden Freude an der geistigen Sammlung.<br>
'''78.12'''<br>
„Entsagung“, sagt Brahma. Denn Brahma ist der Höchste, und der Höchste ist Brahma. Diese genannten asketischen Übungen sind nachgeordnet; die Entsagung übertraf sie alle. Wer dies so weiß – so lautet die Upanishad.<br>
'''79.1'''<br>
Aruni, Nachkomme Prajapatis und Sohn der Suparna, trat zu seinem Vater Prajapati und fragte: „Was nennen die Ehrwürdigen das Höchste?“ Ihm antwortete dieser:<br>
'''79.2'''<br>
Durch Wahrheit weht der Wind heran; durch Wahrheit leuchtet die Sonne am Himmel. Wahrheit ist die Grundlage der Rede. In Wahrheit ist alles gegründet. Deshalb nennen sie Wahrheit das Höchste.<br>
'''79.3'''<br>
Durch Tapas gelangten die Götter am Anfang zur Göttlichkeit. Durch Tapas fanden die Seher die Himmelswelt. Durch Tapas wollen wir Widersacher und Feinde vertreiben. In Tapas ist alles gegründet. Deshalb nennen sie Tapas das Höchste.<br>
'''79.4'''<br>
Durch Selbstbeherrschung schütteln die Beherrschten Verfehlung ab. Durch Selbstbeherrschung gelangten die Brahmacharins in die Himmelswelt. Selbstbeherrschung ist für die Wesen schwer zu überwinden. In Selbstbeherrschung ist alles gegründet. Deshalb nennen sie Selbstbeherrschung das Höchste.<br>
'''79.5'''<br>
Durch innere Ruhe handeln die zur Ruhe Gekommenen heilvoll. Durch innere Ruhe fanden die Weisen den Himmel. Innere Ruhe ist für die Wesen schwer zu überwinden. In innerer Ruhe ist alles gegründet. Deshalb nennen sie innere Ruhe das Höchste.<br>
'''79.6'''<br>
Das Geben, die Opfergabe an die Mitwirkenden, ist der Schutz der Opfer. In der Welt leben alle Wesen von einem Gebenden. Durch Geben vertrieb man die Feinde. Durch Geben werden Feindselige zu Freunden. Im Geben ist alles gegründet. Deshalb nennen sie Geben das Höchste.<br>
'''79.7'''<br>
Dharma ist die Grundlage der ganzen Welt. In der Welt suchen die Menschen den besonders Rechtschaffenen auf. Durch Dharma vertreibt man das Böse. In Dharma ist alles gegründet. Deshalb nennen sie Dharma das Höchste.<br>
'''79.8'''<br>
Die Fortpflanzung ist gewiss eine Grundlage in der Welt. Wer den Faden der Nachkommenschaft gut weiterspinnt, wird gegenüber den Vorfahren schuldenfrei. Eben dies ist seine Befreiung von der Schuld. Deshalb nennen sie Fortpflanzung das Höchste.<br>
'''79.9'''<br>
Die Feuer sind gewiss das dreifache Wissen, der Weg zu den Göttern. Das Garhapatya-Feuer entspricht dem Rigveda, der Erde und dem Rathantara-Gesang. Das Anvaharyapachana-Feuer entspricht dem Yajurveda, dem Zwischenraum und dem Vamadevya-Gesang. Das Ahavaniya-Feuer entspricht dem Samaveda, der Himmelswelt und dem Brihat-Gesang. Deshalb nennen sie die Feuer das Höchste.<br>
'''79.10'''<br>
Das Agnihotra am Abend und am Morgen ist die Wiedergutmachung für die Haushalte: ein gut vollzogenes Opfer, eine gut dargebrachte Gabe, der Anfang der Opferhandlungen und das Licht zur himmlischen Welt. Deshalb nennen sie das Agnihotra das Höchste.<br>
'''79.11'''<br>
„Opfer“, so lautet eine weitere Antwort. Denn das Opfer gehört den Göttern. Durch das Opfer gelangten die Götter in den Himmel; durch das Opfer vertrieben sie die Asuras. Durch das Opfer werden Feindselige zu Freunden. Im Opfer ist alles gegründet. Deshalb nennen sie das Opfer das Höchste.<br>
'''79.12'''<br>
Die geistige Sammlung gehört gewiss zu Prajapati und ist läuternd. Mit dem in geistiger Sammlung geübten Geist sieht man recht. Durch den Geist schufen die Seher Geschöpfe. In geistiger Sammlung ist alles gegründet. Deshalb nennen sie die geistige Sammlung das Höchste.<br>
'''79.13'''<br>
Das, was „Entsagung“ heißt, nennen die Weisen Brahma. Brahma ist das All, Katama, der aus sich selbst Seiende, Prajapati und das Jahr – so wird gelehrt.<br>
'''79.14'''<br>
Das Jahr ist jene Sonne dort. Der Purusha, der dort in der Sonne ist, ist der im höchsten Bereich Weilende, Brahma und das Selbst.<br>
'''79.15.1'''<br>
Mit den Strahlen, durch welche die Sonne wärmt, lässt die Regenwolke Regen fallen. Durch den Regen entstehen Kräuter und Bäume; durch Kräuter und Bäume entsteht Nahrung.<br>
'''79.15.2'''<br>
Durch Nahrung werden die Lebenskräfte erhalten; durch Lebenskräfte entsteht Stärke, durch Stärke Tapas, durch Tapas Vertrauen, durch Vertrauen Auffassungskraft, durch Auffassungskraft Einsicht, durch Einsicht geistige Besinnung, durch geistige Besinnung Ruhe, durch Ruhe klares Bewusstsein, durch klares Bewusstsein Erinnerung, durch Erinnerung beständiges Vergegenwärtigen und durch dieses Vergegenwärtigen unterscheidende Erkenntnis. Durch diese Erkenntnis erkennt man das Selbst.<br>
'''79.15.3'''<br>
Deshalb gibt, wer Nahrung gibt, all diese Dinge. Aus Nahrung entstehen die Lebenskräfte der Wesen; durch die Lebenskräfte entsteht der Geist und aus dem Geist Erkenntnis; aus Erkenntnis entsteht Freude. Brahman ist der Ursprung.<br>
'''79.16.1'''<br>
Dieser Purusha ist wahrlich fünffach, von fünffachem Wesen. Durch ihn ist all dies verwoben: Erde und Zwischenraum und Himmel und die Himmelsrichtungen und die Zwischenrichtungen. Er ist gewiss diese ganze Welt; er ist das Gewesene und das Kommende.<br>
'''79.16.2'''<br>
Durch suchendes Erkennen bestimmt, aus Wahrheit geboren, im Reichtum gegründet, Vertrauen selbst, wahr und von großer Leuchtkraft, steht er über der Dunkelheit. Erkenne ihn so mit Geist und Herz; als Wissender gehe nicht erneut dem Tod entgegen.<br>
'''79.16.3'''<br>
Deshalb nennen sie die Entsagung diesen asketischen Übungen überlegen.<br>
'''79.17'''<br>
Du bist der Spender des Reichtums, der in vielfältigen Gestalten Seiende. In der Lebenskraft bist du der Verbindende. O Brahman, du durchdringst das All. Du spendest dem Feuer Glut; du spendest der Sonne Strahlkraft; du spendest dem Mond Glanz. Du bist im Upayama-Gefäß aufgenommen. Dich weihe ich dem großen Brahman.<br>
'''79.18'''<br>
Mit „Om“ soll man sich auf das Selbst sammeln. Dies ist gewiss die große vertrauliche Lehre, das Geheimnis der Götter. Wer dies so weiß, erlangt die Größe Brahmans. Deshalb: die Größe Brahmans – so lautet die Upanishad.<br>
'''80.1.1'''<br>
Im Opfer dessen, der so weiß, ist das Selbst der Opferherr; Vertrauen ist seine Gattin; der Körper ist das Brennholz; die Brust ist der Altar; die Körperhaare sind das Opfergras; der Veda ist der Haarschopf; das Herz ist der Opferpfosten; das Begehren ist die geklärte Butter; der Zorn ist das Opfertier; Tapas ist das Feuer; Selbstbeherrschung ist der Schlachtende; Geben ist die Opfervergütung.<br>
'''80.1.2'''<br>
Die Rede ist der Hotri; der Lebenshauch ist der Udgatri; das Auge ist der Adhvaryu; der Geist ist der Brahman-Priester; das Gehör ist der Agnidh.<br>
'''80.1.3'''<br>
Solange er am Leben erhalten wird, dauert seine Weihe. Was er isst, ist seine Opfergabe; was er trinkt, ist sein Somatrinken.<br>
'''80.1.4'''<br>
Wenn er sich freut, sind das seine Upasad-Riten. Wenn er umhergeht, sich setzt und aufsteht, ist das sein Pravargya.<br>
'''80.1.5'''<br>
Sein Mund ist das Ahavaniya-Feuer; seine Äußerung ist die Opferdarbringung. Was seine Erkenntnis ist, das bringt er als Opfer dar.<br>
'''80.1.6'''<br>
Was er abends und morgens isst, ist seine Brennstoffgabe. Morgen, Mittag und Abend sind seine drei Soma-Pressungen.<br>
'''80.1.7'''<br>
Tag und Nacht sind seine Neu- und Vollmondopfer. Die Halbmonate und die Monate sind seine Viermonatsfeiern.<br>
'''80.1.8'''<br>
Die Jahreszeiten sind seine Tieropfer. Die Jahre und die weiterlaufenden Jahreskreise sind seine Reihen von Opfertagen.<br>
'''80.1.9'''<br>
Dies ist wahrlich eine Opfersitzung, bei der der gesamte Besitz eingesetzt wird. Der Tod ist das abschließende Bad. Dies ist gewiss das bis zum Tod im Alter dauernde Agnihotra, eine fortgesetzte Opfersitzung.<br>
'''80.1.10'''<br>
Wer dies so weiß und während des nördlichen Sonnenlaufs stirbt, gelangt zur Größe der Götter und erreicht die Gemeinschaft mit der Sonne.<br>
'''80.1.11'''<br>
Wer hingegen während des südlichen Sonnenlaufs stirbt, gelangt zur Größe der Vorfahren und erreicht die Gemeinschaft mit dem Mond.<br>
'''80.1.12'''<br>
Diese beiden Machtbereiche von Sonne und Mond erlangt der wissende Brahmane. Von dort aus erlangt er die Größe Brahmans. Deshalb: die Größe Brahmans – so lautet die Upanishad.<br>
'''Schlussgebet 1'''<br>
Om. Mitra sei uns zum Heil, Varuna sei uns zum Heil. Aryaman sei uns zum Heil. Indra und Brihaspati seien uns zum Heil. Vishnu mit den weiten Schritten sei uns zum Heil. Verneigung vor Brahman. Verneigung vor dir, Vayu. Du allein bist das unmittelbar wahrnehmbare Brahman. Dich allein habe ich als das unmittelbar wahrnehmbare Brahman ausgesprochen. Das Rechte habe ich gesprochen; die Wahrheit habe ich gesprochen. Es hat mich geschützt; es hat den Lehrenden geschützt. Es hat mich geschützt; es hat den Lehrenden geschützt. Om. Frieden, Frieden, Frieden.<br>
'''Schlussgebet 2'''<br>
Om. Es schütze uns beide gemeinsam. Es nähre uns beide gemeinsam. Gemeinsam wollen wir kraftvoll wirken. Unser beider Studium sei von Klarheit erfüllt. Mögen wir einander nicht hassen. Om. Frieden, Frieden, Frieden.<br>
'''Kolophon'''<br>
So ist die Mahanarayana-Upanishad abgeschlossen.<br>
==Fünf Empfehlungen für ernsthafte spirituelle Aspiranten==
* '''Meditiere über das nicht Sichtbare.''' Lies 1.10–1.11 langsam und sitze anschließend einige Minuten still. Richte die Aufmerksamkeit auf Herz und Geist, ohne dir Brahman als sichtbaren Gegenstand vorzustellen.
* '''Verbinde Essen mit Aufmerksamkeit.''' Lies eine der fünf Formeln aus Anuvaka 69 und betrachte die Nahrung als empfangene Gabe. Nimm dir anschließend Zeit für eine ruhige Mahlzeit.
* '''Übe Wahrhaftigkeit im Kleinen.''' Wähle aus 10, 78 oder 79 einen Satz zu [[Satya]] und prüfe abends eine konkrete Situation, in der genaueres oder ehrlicheres Sprechen möglich gewesen wäre.
* '''Verbinde Erkenntnis mit Geben.''' Nimm die Nahrungskette in 79.15 zum Anlass für eine konkrete, deiner Situation angemessene Hilfe. Lass [[Dana]] und [[Svadhyaya]] einander ergänzen.
* '''Bringe den Zorn in die Übung ein.''' Erinnere dich an 80.1.1, bevor du in Ärger handelst. Beobachte den Impuls und übe eine Antwort, die [[Ahimsa]] und Selbstbeherrschung ausdrückt.
==Literatur und Quellen==
* Swami Vimalananda: ''Mahānārāyaṇopaniṣad.'' Sri Ramakrishna Math, Madras. Sanskrittext mit traditioneller Sanskrit-Worterklärung und englischer Übersetzung. Für die vorliegende Fassung wurden die gedruckten S. 1–394 des [https://archive.org/details/MahaNarayanopanishadSwamiVimalananda digitalisierten Exemplars] als Textgrundlage herangezogen. Die deutsche Fassung wurde aus dem Sanskrit neu erstellt.
* Jean Varenne: ''La Mahā Nārāyaṇa Upaniṣad.'' Zwei Bände. Publications de l'Institut de Civilisation Indienne, Fasc. 11. E. de Boccard, Paris 1960. [https://varenne.tc.columbia.edu/jv/mahanarayana/mahanarayana.html Nachweis und digitalisierter erster Band]. Kritische Edition mit eigenem Zählsystem und französischer Übersetzung.
* [https://sanskritdocuments.org/doc_upanishhat/mahanarayana.html SanskritDocuments: Mahānārāyaṇa Upaniṣad]. Ergänzend verglichene elektronische Sanskritfassung; für die 80-Anuvaka-Zählung, die ausgeschriebenen Zusatzhymnen nach 1.11, die Schlussgebete und das Kolophon herangezogen. Die im Artikel dokumentierten Auslassungen und redaktionellen Zusätze dürfen bei ihrer Benutzung nicht übersehen werden.
* Vishwa Adluri: [https://www.wisdomlib.org/hinduism/book/narayaniya-narayaneeyam/d/doc419422.html ''Introduction to the Nārāyaṇīya''], besonders „Origins and Composition“. Wissenschaftliche Einordnung der Narayana-Tradition und ausdrücklicher Bericht über Srinivasans Datierung der Mahanarayana Upanishad.
* Doris Meth Srinivasan: ''Many Heads, Arms, and Eyes: Origin, Meaning, and Form of Multiplicity in Indian Art.'' Brill, Leiden 1997, Kapitel 10. Weiterführende Untersuchung; die Datierungsposition wird im vorliegenden Artikel über Adluris ausdrücklich angegebenen Bericht referiert.


==Siehe auch==
==Siehe auch==
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*[[Leben]]
*[[Leben]]
*[[Erkenntnis]]
*[[Erkenntnis]]
*[[Meditation]]
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*[[Shankara]]
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==Seminare==
==Seminare==
===Indische Schriften===
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==Multimedia==
===Klassische Schriften des Yoga: Veden, Upanishaden, Smritis, Puranas und Itihasas===
===Klassische Schriften des Yoga: Veden, Upanishaden, Smritis, Puranas und Itihasas===
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===Vom Begrenzten zum Unendlichen - Geschichten aus den Upanishaden===
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===111 Geschichten aus den Upanishaden===
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[[Kategorie:Upanishaden]]
[[Kategorie:Upanishaden]]
[[Kategorie:Schriften]]
[[Kategorie:Schriften]]

Aktuelle Version vom 5. September 2026, 08:45 Uhr

Maha Narayana Upanishad oder Maha Narayanopanishad (Sanskrit: महानारायणोपनिषद् mahānārāyaṇopaniṣad, f.), wörtlich „die Upanishad vom großen (Maha) Narayana (Mahanarayana)“; auch Brihan Narayana Upanishad oder Vajniki Upanishad genannt, ist eine umfangreiche Sammlung vedischer Mantras, Gebete und Lehren über Brahman, Atman, Narayana und Rudra sowie über die Verinnerlichung des Opfers.

Sie bildet den zehnten Prapathaka (das zehnte Buch) des Taittiriya Aranyaka und gehört damit zur Taittiriya-Tradition des schwarzen Yajurveda. Die drei vorangehenden Bücher des Aranyaka bilden die Taittiriya Upanishad. (Quelle: Vedic Heritage Portal: Taittiriya Aranyaka)

Die Maha Narayana Upanishad - Erläuterungen nach Paul Deussen

Artikel aus „Upanishaden. Die Geheimlehre des Veda“ in der Übersetzung von Paul Deussen, herausgegeben von Peter Michel, Marix Verlag, 2. Auflage, 2007, Wiesbaden, S. 312 - 313, 314 - 334.

Einleitung

Dieses letzte Buch in der langen Reihe der Brahmanaschriften aus der Taittiriya Schule enthält Rituelles und Dogmatisches, Altes und ganz Junges miteinander vermischt und trägt deutlich die Merkmale einer Nachlese an sich. Der Name "die große Narayana Upanishad" (zum Unterschied von der kurzen Narayana Upanishad des Atharvaveda) bezieht sich auf die Verherrlichung des Narayana in Anuvaka 11, wobei in der Schilderung des Feuers und der Spitzflamme im Herzen schon ganz die Vorstellungsweise der dem Yoga gewidmeten Atharva Upanishaden sich geltend macht. Ein zweiter Name des ganzen Werkes ist Yajniki Upanishad, nicht sowohl nach seinen vielen rituellen Abschnitten, wie Sayana meint (Karmanam Bahulyat), denn die wenigsten derselben beziehen sich auf das Opfer, als vielmehr wegen des berühmten Schlußabschnittes, welcher den Menschen unter der Allegorie des Opfers betrachtet (vgl. Chand. 3,16-17). Bemerkenswert ist, daß Shankara, welcher diesen Abschnitt (Ad Brahmasutra 3,3,24) als den Taittiriyakas angehörend erwähnt und bespricht, im übrigen parallele Stellen nicht nach unserer Upanishad, sondern nach Svetasvatara u. a. zitiert (vgl. zu 10, v. 5). - Wie die Nachweisungen zeigen, finden sich viele alte Sprüche, namentlich Parallelstellen zur Vajasaneyisamhita, wieder, anderes steht auf der Stufe der Kathaka-, Mundaka-, Svetasvatara-, Kaivalya Upanishad, und an einigen Stellen findet sich Chandogya Upanishad deutlich nachgebildet (vgl. Anuv. 10, v. 23 und Anuv. 13, vielleicht auch anuv. 63,16, wo man gleich sehr an Chand. 7 und Taitt. 2 erinnert wird). Führt dies schon in eine späte Zeit, so noch mehr die Art wie der Om-Laut 10,24 erwähnt wird, ferner die Schilderung des Herzens 11,6-12, der Name Vedanta 10,22 (vgl. Mund. 3,2,6), die stellenweise nicht wohl allein auf Rechnung der Überlieferung zu setzenden grammatischen Unkorrektheiten (vgl. z. B. 1,5) und das Prakritzitat in Anuv. 9. - Im ganzen, und von den altertümlichen Zitaten abgesehen, wird unsere Upanishad als ein Übergangsglied zwischen den Dreiveda-Upanishaden und denen des Atharvaveda zu betrachten sein.

Nach dem Vorgang des Oupnekhat beschränken wir die Übersetzung auf die upanishad-artigen Partien, folgen aber nicht, wie er und Weber (Ind. Stud. II, 78 f.) der Andhra-Rezension in 80 Anuvaka's (welche uns nicht zugänglich ist), sondern der von Sayana kommentierten und in der Bibliotheca Indica herausgegebenen, aus 64 Anuvakas bestehenden Rezension der Dravidas.

Außerdem ist unsere Upanishad noch in einer von Col. Jacob (Bombay 1888) herausgegebenen Atharva-Rezension in 25 Khandas vorhanden. Die Abweichungen derselben sind in den von uns übersetzten Abschnitten nur unerheblich; die wichtigsten unter ihnen werden wir in den Anmerkungen mitteilen.

Erster Anuvaka (v. 1-22 : Atharva-Rez. 1-2).

Versuch, die schöpferischen Aktivitäten Prajapatis darzustellen, Stahlstich, um 1850

1. Im Meer ohn' Ufer, in des Weltalls Mitte,

Auf Himmels Rücken, größer als das Große,
Mit seinem Glanz durchdringend die Weltlichter, -
Weilt als Prajapati im Mutterleib er.

2. In dem die Welt zergeht und sich entfaltet,[1]

Auf dem die Götter alle sind gegründet,[2]. -
Es ist das, was da war, und das, was sein wird,
Es ist im Laute in dem höchsten Raume[3], -

3. In den gehüllt den Raum mit Erd' und Himmel

Die Sonne überglüht mit Glanz und Funkeln,[4]
Den selbst dem Meere ein die Dichter weben,
Und jener höchsten Silbe (Om) die Geschöpfe,

4. Der der Welt Zeugung zeugte, der durch Wasser

Die Lebewesen säte auf der Erde
Und selbst einging in Pflanzen, Tier' und Menschen
In unbewegte und bewegte Wesen,

5. Kein Höherer ist als er und keinen Kleinern (Akkusativ),

Des Höchsten Höchstes und des Größten Großen (Akkusativ),
Eines, verhüllt, unendlicher Gestaltung
Als All, als altes, finsternis-entrücktes, -

6. Ihn feiern als das Recht, ihn als die Wahrheit,

Ihn weise Dichter als das höchste Brahman;
Opfer und Werk, was vielfach ward und noch wird,
Das alles trägt er als des Weltalls Nabe[5]

7.[6] Das ja ist Agni, ist Vayu,

Das ist Surya und Candramas,
Ist rein, unsterblich, ist Brahman,
Die Wasser und Prajapati.

8. Alle Zeitteile entsprangen

Aus dem Blitze, dem Purusha,[7]
Minuten, Stunden, Sekunden,
Tage und Nächte allzumal,

9. Halbmonat, Monat, Jahreszeit,

Und Jahr seien[8] ihm eingefügt!
Er melkt das Wasser aus beiden,
Dem Luftraum und dem Himmel dort.

10. Nicht in der Höhe noch Breite

Noch Mitte ist umspannbar er.[9]
Nicht ist ein Oberherr dessen,
Der da heißt große Herrlichkeit.[10]

11.[11] Nicht ist zu schauen die Gestalt desselben,

Nicht sieht ihn irgendwer mit seinem Auge;
Nur wer an Herz und Sinn und Geist bereitet; -
Unsterblich werden, die ihn also kennen

12. Aus Wassern und der Erde usw.[12]

Als goldner Keim usw., acht Verse.[13]

13.[14]Er ist der Gott in allen Weltenräumen,

Vordem geboren und im Mutterleibe;
Er ward geboren, wird geboren werden,
Inwärts gewendet und allgegenwärtig.

14.[15] Allseitig Auge und allseitig Antlitz,

Allseitig Hände und allseitig Fuß (lies Visvataspat),
Biegt schaffend er mit Armen, biegt mit Flügeln
Zusammen Erd' und Himmel Gott, der Eine.

15.[16] Der Vena schaut es, alle Wesen kennend,

In dem die ganze Welt ihr einzig Nest hat,
Einheits- und Ausgangspunkt der Welt, den Wesen
Allgegenwärtig ein- und angewoben.

16. Des Ew'gen kundig künde der Gandharva

Nun sein geheimnisvoll verborgnes Wesen,
Drei Viertel davon bleiben uns verborgen,
Wer diese weiß, wäre der Sonne (!) Vater.

17. Er, der verwandt uns, Vater und Vorseher,

Kennt die Wohnstätten und die Wesen alle,
Da wo die Götter, Ewigkeit erlangend,
Zum dritten Weltraume empor sich schwangen.

18. Mit eins umwandeln Himmel sie und Erde,

Umwandeln Welten, Pole und das Lichtreich;
Aufdeckte er der Weltordnung Gewebe,
Er schaute es und ward es in den Wesen

19. Umwandelnd alle Wesen, alle Welten,

Umwandelnd alle Gegenden und Pole,
Prajapati, der Ordnung Erstgeborner,
Hat als das Selbst zum Selbst sich entwickelt.

20.[17] Vom wunderbaren Herrn des Throns,

Vom liebenswerten Indrafreund
Erbat als Gabe Weisheit ich.

21. 0 Wesenkenner, flamme auf,

Wehr' ab von mir die Nirriti
Und führe Vieh für mich herbei,
Gib Leben mir und schaffe Raum!

22. Der Wesenkenner schäd'ge nicht

Uns Rind, Roß, Mann und was da lebt!
Nichts habend gegen mich komm her,
Agni, umdränge mich mit Glück!

Vers 23-34. Gebete an verschiedene Götter.

Vers 35-62. Gebete beim Baden.

Vers 63-68. Sechs Mantras zur Abwehr des Übels.

Zweiter bis sechster Anuvaka

2. Die Mahavyahriti's (Bhur, Bhuvah, Svar) zu Sprüchen beim Opfer verwendet.

3. Dieselben in anderer Form, um reiche Nahrung zu erlangen.

4. Dieselben zur Puja verwendet.

5. Mantras zur Abwehr von Hindernissen beim Studium.

6. Mantras beim Studium.

Siebenter Anuvaka (Atharva-Rez. 7,6)

Bitte um Nichtvergessen des Gelernten.

Verehrung dem Brahman!
Möge mir Behalten verliehen werden, unvergängliches!
Möge ich behaltend sein das mit den Ohren Gehörte.
Weicht nicht von mir, dem N. N., Om!

Achter Anuvaka (Atharva-Rez. 8,1)

Alle Tugend ist ihrem Wesen nach Tapas (Askese).

Gerechtigkeit ist Tapas, Wahrheit ist Tapas, Studium ist Tapas, beruhigtes Wesen ist Tapas, Bezähmung ist Tapas, Beruhigung ist Tapas, Almosengeben ist Tapas, Opfer ist Tapas; und wenn es heißt: "Bhur, Bhuvah, Svar, Brahman, dieses verehre", so ist auch das Tapas.

Neunter Anuvaka (Atharva-Rez. 8,2).

Zwei paraenetische Gleichnisse: "Tue das Gute, meide das Böse!"

Wie von einem mit Blüten bedeckten Baum der Duft weithin weht, also auch weht weithin der Duft einer guten Tat. Wie der [Gaukler], wenn er die über eine Grube gelegte Schwertschneide betritt, [in seinem Dialekte] spricht: "Sachte ken, sachteken! oder ick turkele und falle in die Jrube[18]", - also soll man sich vor einer Unwahrheit hüten!

Zehnter Anuvaka (Atharva-Rez. 8,3-10,8)

1.[19] Des Kleinen Kleinstes und des Großen Größtes;

Wohnt er als Selbst im Herzen dem Geschöpf hier;
Den willensfreien schaut man, fern von Kummer,
Durch Gottes Gnade als den Herrn, als Größe.

2.[20] Sieben Organe sind aus ihm, mit sieben

Flammen als Zungen und Brennhölzern sieben;
Und sieben Welten sind, in die sie schweifen
Aus ihrer Höhle, wo versteckt je sieben.

3[21] Aus ihm sind Weltmeere und alle Berge,

Aus ihm die Ströme rinnen allgestaltig,
Aus ihm sind alle Pflanzen, alle Säfte,
Weil er entsprang, als innres Selbst einwohnend.

4.[22] Brahman unter Göttern, Genius unter Dichtern,

Rishi unter Priestern, Büffel unter Tieren,
Adler unter Geiern, Axt unter Waldesbäumen,
Geht er als Soma rauschend durch die Seihe.

5.[23] Die eine Ziege, rot und weiß und schwärzlich,

Wirft viele Junge, die ihr gleichgestaltet;
Der eine Bock in Liebesbrunst bespringt sie,
Der andere Bock verläßt sie, die genossen.

6.[24] Im Äther ist Sonnenschwan er, Vasu in der Luft,

Am Opferbette Hotar, auf der Schwelle Gast,
Er weilt in Mensch und Weite, im Gesetz, im Raum,
Entspringt aus Wassern, Rindern, Recht, Gebirg' als großes Recht.

7.[25] Höher als welcher kein Geschöpf und nichts war,

Der eingegangen ist in alle Welten,
Der Wesenherr (Prajapati), eins worden mit den Wesen,
Durchdringt die drei Weltlichter sechzehnteilig.

Die folgenden, auch im Oupnekhat übergangenen Verse 8-18 sind, mit einigen Varianten, im Rigveda zu finden

Vers 8 vgl. Rigv. 1,22,7
Vers 9-10 vgl. Rigv. 5,82,4-5
Vers 11-13 vgl. Rigv. 1,90,6-8.
Vers 14 vgl. Rigv. 2,3,11.
Vers 15-18 vgl. Rigv. 4,58,1-4.

19[26] Der vor den Göttern schon war da zu Anfang,

Der Herr des Alls, Rudra, der große Weise,
Der selbst entstehen sah Hiranyagarbha,
Der Gott begabe uns mit einem treuen Gedächtnis.

20.[27] Höher als der nichts anderes ist vorhanden,

Nichts Kleineres und nichts Größeres, was auch immer,
Als Baum im Himmel wurzelnd steht der Eine,
Der Purusha, der diese ganze Welt füllt.
Lotosblüte

21.[28] Nicht durch Werk, Kinder, Reichtum, - durch Entsagung (Tyaga)

Unsterblichkeit von einzelnen erlangt ward.
Jenseits vom Himmel und in Herzens Tiefen,
Was dort erglänzt, darein gehn ein die Büßer.

22.[29] Die der Vedantalehre Sinn ergriffen,

Entsagungsvoll, die Büßer, reinen Wesens,
In Brahmans Welt zur letzten Endzeit werden
Vom Unzerstörbaren,[30] erlöset alle.

23.[31] Das kleine übelfreie Haus des Höchsten,

Die Lotosblüte in der Leibstadt Mitte,
Darin ein kleiner Raum, ein kummerloser,
Was in dem ist, das hat man zu verehren.

24. Der heil'ge Laut, mit dem anfängt

Der Veda, und mit dem er schließt,
Den überragt, wenn er hinschmilzt
In Prakriti, Mahesvara.[32]

Elfter Anuvaka (Atharva-Rez. 11)

Dieser Abschnitt, welcher der ganzen Upanishad den Namen gegeben hat, feiert, mit vielfacher Anlehnung an das Purusha-Lied Rigv. 10,90, den Atman als Narayana; worunter der Purusha, nicht als Urprinzip sondern als Erstgeborner der Schöpfung (Gesch. d. Phil. I, 153), zu verstehen ist, mag man Narayana mit Manu 1,10 (und so wohl schon Taitt. Ar, 3,13,1 vgl. Vaj. Samh. 31,17) als "den auf den [Ur-]Wassern gehenden", oder richtiger als "den Sohn des Ur-]Menschen (Nara, Purusha)" erklären. Neben dem Purusha-Hymnus Rigv. 10,90 und seiner Fortbildung im Uttaranarayanam (Taitt. Ar. 3,13 vgl. Vaj. Samh 31,17-22) bildet unser Abschnitt das dritte Hauptdenkmal in der Geschichte des (mehr und mehr mit Vishnu identifizierten) Narayana; und wie das Uttaranarayanam auf der Grenze zwischen der Philosophie der Hymnen und der der Upanishaden steht (vgl. unsere Besprechung desselben Gesch. d. Phil. I, 289f.), so bildet wiederum der gegenwärtige Anuvaka den Übergang von den Upanishaden des Dreiveda, auf welche sich mehrfach unverkennbare Rückbeziehungen finden, zu den Atharva-Upanishaden; die Schilderung des Narayana als Spitzflamme im Herzen tritt schon ganz in der Weise von Yogasikha und Yogatattva Up. auf, während die Maha Up. ganze Verse und Verstelle aus unserem Abschnitt entlehnt hat.

Narayana (Beiname Vishnus), Brahma und Lakshmi

1. Den tausendhäupt'gen Gott [preis' ich],

Allaugigen[33], allheilvollen,
Narayana, der All, Gott, Herr,
Das höchste Unvergängliche,

2. Höchsten des Alls, das All selber,

Ew'gen, Narayana, Hari;
Ja, Purusha ist dies Weltall[34],
Davon das All sein Leben hat.

3. Des Alls Herrscher, Herrn des Atman,

Ewig selig (Siva), unwandelbar,
Narayana, groß-erkennbar[35],
Allbeseelend und höchstes Ziel.

4. Narayana ist das Licht jenseits[36],

Narayana das höchste Selbst,
Narayana das höchste Brahman,
Die Wesenheit, der Höchste ist,
Narayana höchster Denker,
Als Denkobjekt[37] der höchste auch.

5. Alles was ist, das Weltganze,

Was sichtbar und was hörbar ist,
Dies alles außen und innen
Umfaßt[38] ist beides., durchdringt[39] Narayana

6. Unendlich, ewig, voll Weisheit,

Des Meeres[40] Ende, allheilbringend;
Als Herz dem Lotoskelch ähnlich[41],
Dessen Spitze nach unten geht,

7. Wohnt eine Spanne unter'm Hals,

Eine über dem Nabel er[42],
Wo er im Strahlenkranz leuchtet[43],
Des Weltalls großer Stützepunkt.

8. Es hängt, von Adern umsponnen,

Herab, fast wie ein Blütenkelch,
Darinnen ein kleiner Hohlraum[44],
In dem beruht das Weltenall.

9. Und in ihm flammt ein groß Feuer[45];

Strahlend nach allen Seiten hin,
Das ißt zuerst und verteilt dann
Die Nahrung, weise, alternd nicht.
Seitwärts, nach oben und unten
Breiten sich seine Strahlen aus.

10. Den Leib, in dem es wohnt, wärmt es

Von der Fußsohle bis zum Haupt.
In der Mitt' eine Spitzflamme,
Atomhaft fein, nach oben strebt,

11. Glanzvoll wie mitten aus schwarzen

Wolken des Blitzes Linie,
Fein wie das Haar der Reis-Ähre,

Gelbglänzend, dem Atome gleich.

12. Inmitten dieser Spitzflamme

Die höchste Weltenseele thront[46],
Das ist Brahman, Siva, Hari[47], Indra,
Der ewige, der höchste Herr.[48]

Zwölfter Anuvaka (Atharva-Rez. 12,1)

Anrufung des Siva als Allgottes. Die drei ersten Zeilen werden Nrisinhapurvatapaniya Up. 1,6 zitiert mit dem ausdrücklichen Zusatz, daß sie dem Yajurveda entnommen sind.

Als Recht, Wahrheit, höchstes Brahman,
Den schwarz-und-gelben Purusha,
Den keuschen, seltsamaugigen [rufe ich an];
Dem allgestalt'gen Ehre sei!

Dreizehnter Anuvaka (Atharva-Rez. 12,2)

Wahrscheinlich in Nachbildung von Chand. 3,1-11, wonach der Saft der verschiedenen Veden den Honigseim in der Sonne bildet (vgl. oben S. 100 f.), werden hier die Rics mit dem Sonnenkreis, die Samans mit der Flamme im Sonnenkreise, die Yajus mit dem in dieser Sonnenkreisflamme befindlichen Purusha (vgl. auch Chand. 1,6,6) gleichgesetzt, welcher zugleich die ganze Trayi Vidya, der Inbegriff aller Veden ist. Die Reihenfolge ist Ric, Saman, Yajus, um dem eigenen Veda die höchste Stelle zu geben. Indem die Atharva-Rez. die üblichere Reihenfolge Ric, Yajus, Saman auch hier herstellt, kommt der Purusha in die Mitte zu stehen, wodurch die in der Stelle beabsichtigte Steigerung verloren geht.

Fürwahr, Aditya dort glüht als jener Sonnenkreis, in dem sind diese Rics, er ist der Liederkreis der Rics (lies Ricam Mandalam), er ist die Stätte der Rics.

Aber die Flamme, die in jenem Sonnenkreise leuchtet, das sind die Samans, das ist die Stätte der Samans.

Aber der Purusha, der in der Flamme in jenem Sonnenkreise ist, das sind die Yajus', er ist der Liederkreis der Yajus; er ist die Stätte der Yajus'.

Als diese dreifache Wissenschaft erglüht er, der als goldener Purusha dort in der Sonne ist.

Vierzehnter Anuvaka (Atharva-Rez. 12,3)

"Die Sonne, fürwahr, ist Glut, Kraft, Gewalt, Ruhm,..." (Zitat: Maha Narayana Up.)

Die Sonne, welche nach dem vorigen Abschnitt aus Brahman (Ric, Saman, Yajus) besteht, ist folgerecht der Inbegriff alles Höchsten und Größten in der Welt, und der in ihr befindliche Purusha ist der Oberherr der Wesen.

Die Sonne, fürwahr, ist Glut, Kraft, Gewalt, Ruhm, - Auge, Ohr, Selbst, Verstand, Eifer, - Manu, Mrityu, Satya, Mitra, Vayu, Akasa, Prana - Welthüter, Ka (der unbekannte Gott), Kim (das unbekannte Urwesen), Kam (Lust), Tat (jenes Unnennbare), Realität, Nahrung, Lebensdauer, Unsterblicher, Seele, Allseiender, Katama (höchste Lust), Svayambhu (das durch sich selbst Seiende); - und wenn es heißt: "das Jahr ist Prajapati[49]" so ist jene Sonne das Jahr, aber jener Purusha [in ihr], der ist der Wesen Oberherr.

Der erlangt Verbindung und Weltgemeinschaft mit Brahman, der erlangt Verbindung, Machtgemeinschaft und Weltgemeinschaft mit jenen Gottheiten, wer solches weiß.

So lautet die Upanishad.

Fünfzehnter bis einundsechzigster Anuvaka

Diese Abschnitte enthalten allerlei, bei verschiedenen Zeremonien und Anlässen zu verwendende, Sprüche; deren Aufnahme in die Upanishad meist damit begründet wird, daß die betreffenden Handlungen als Vorbereitung zur Erkenntnis dienlich seien.

15-18. Mantras an Aditja (15) und Rudra (16-18).

19-22. Agnihotram, Abwehrsprüche; Mantras an Erde und Wasser.

23-26. Mantras zur Mittags-, Morgen- und Abend-Andacht.

27-29. Mantras zum Pranayama (Regelung des Atmens).

30-38. Mantras beim Essen als einem Opfer an Prana (Pranagnihotram).

39-42. Gebete um Erleuchtung.

43-47. Mantras an Mahadeva (Rudra).

48-50. Trisuparna-Mantras zur Tilgung der Sünde als Hindernis des Erkennens.

51-61. Mantras für elf Spenden zur Reinigung des Leibes, als Vorbereitung zur Erkenntnis des Brahman.

Zweiundsechzigster Anuvaka (Atharva-Rez. 21)

Als zwölf Ziele menschlicher Bestrebungen werden Satyam, Tapas, Dama, Sama, Danam, Dharma, Prajana, Agnayah, Agnihotram, Yajna, Manasam, Nyasa aufgezählt, und unter ihnen Nyasa, "die Entsagung", für das Höchste erklärt. — Der Abschnitt ist ein Vorspiel der dem Samnyasa gewidmeten Upanishaden des Atharvaveda (Samnyasa-, Kanthasruti-, Jabala-, Aruneya-, Paramahansa-, Asrama-Upanishad).

1. Die Wahrheit (Satyam) ist das Höchste, das Höchste ist die Wahrheit. Durch die Wahrheit fallen sie nie herab aus der Himmelswelt. Denn den Guten (Sat) gehört die Wahrheit. Darum freuen sie sich der Wahrheit.

2. Die Askese (Tapas), so sagen sie [ist das Höchste]. Es gibt aber keine höhere Askese als das Fasten. Denn was die höchste Askese ist, die ist schwer zu bewältigen, schwer zu überwältigen. Darum freuen sie sich der Askese.

3. Die Bezähmung (Dama), so sagen allezeit die Brahmanschüler. Darum freuen sie sich an der Bezähmung.

4. Die Beruhigung (Sama), so sagen im Wald die Einsiedler. Darum freuen sie sich an der Beruhigung.

5. Das Almosengeben (Danam), das preisen alle Wesen. Nichts ist schwerer, als Almosengeben. Darum freuen sie sich an dem Almosengeben.

6. Die Pflicht (Dharma), so sagen sie. Durch die Pflicht wird diese ganze Welt[50] umfaßt. Nichts ist schwerer zu betreiben als die Pflicht. Darum freuen sie sich an der Pflicht.

7. Die Zeugung (Prajana, Atharva-Rez.: Prajananam), so sagt die Mehrzahl. Darum wird ihnen eine Mehrzahl [von Kindern] geboren. Darum freut sich die Mehrzahl an dem Zeugen.

8. Die Opferfeuer (Agnayah), so sagt man. Darum sind die Opferfeuer anzulegen.

9. Das Agnihotram, so sagt man. Darum freuen sie sich an dem Agnihotram.

10. Das Opfer (Yajna), so sagen sie; denn durch das Opfer sind die Götter zum Himmel gelangt. Darum freut man sich an dem Opfer.

11. Das Geistige (Manasam), so sagen die Wissenden. Darum freuen sich die Wissenden an dem Geistigen.

12. Die Entsagung (Nyasa), so sagt Brahma (masc.). Denn Brahma ist der höchste, ja der höchste ist Brahma. Alle jene niederen Kasteiungen überragte [seine] Entsagung.

13. [Und so dessen], der solches weiß.

So lautet die Upanishad.

Dreiundsechzigster Anuvaka (Atharva-Rez. 22,1-24,2)

Die Gedanken des vorigen Abschnittes werden hier, wie dies öfter zu geschehen pflegt (vgl. Kaush. 3 und 4; Chand. 8,1-6 und 8,7-12; Taitt. 2 und 3), nochmals in Form einer Legende und in erweiterter Gestalt vorgetragen.

1. Es begab sich, daß Prajapatya Aruni Suparneya[51] den [Stamm-]Vater Prajapati anging mit der Frage: "Was erklären die Ehrwürdigen [d. h. die Weisen] für das Höchste?" - und er antwortete ihm:

2. "Durch die Wahrheit der Wind herweht,

Und die Sonne am Himmel glänzt,
Wahrheit der Rede Standort ist,
In der Wahrheit beruht das All.

Darum erklären sie die Wahrheit (Satyam) für das Höchste.

3. Durch die Askese haben Götter anfangs

Gottsein erlangt, durch sie der Himmel Weise,

durch Askese laßt uns Feinde und Unholde abwehren, in der Askese beruht das All. Darum erklären sie die Askese (Tapas) für das Höchste.

4. Durch die Bezähmung bezähmt, schüttelt man ab die Sünde,

Durch die Bezähmung gingen zum Himmel Brahmanschüler,

die Bezähmung der Wesen ist schwer zu überwältigen, in der Bezähmung beruht das All. Darum erklären sie die Bezähmung (Dama) für das Höchste.

5. Durch Ruhe ruhig, wandelt man glückselig,

Durch Ruhe fanden Munis auf den Himmel,

die Ruhe der Wesen ist schwer zu überwältigen, in der Ruhe beruht das All. Darum erklären sie die Ruhe (Sama) für das Höchste.

6. Das Geben, die Opfergabe ist des Opfers Panzerung[52], und in der Welt leben alle Wesen von dem Gebenden. Durch Geben haben sie die Unholde abgewehrt, durch Geben werden Hassende zu Freunden, in dem Geben beruht das All. Darum erklären sie das Geben (Danam) für das Höchste.

7. Die Pflicht ist dieser ganzen Welt Grundlage, und im Leben halten sich die Geschöpfe zu dem Pflichteifrigsten. Durch die Pflicht wehrt man das Übel ab, in der Pflicht beruht das All. Darum erklären sie die Pflicht (Dharma) für das Höchste.

8. Das Zeugen ist die Grundlage, und wer im Leben den Faden der Nachkommenschaft richtig fortspinnt, der trägt dadurch seine Schulden an die Väter ab; denn eben das (Zeugen) ist seine Schuldabtragung. Darum erklären sie das Zeugen (Prajananam) für das Höchste.

9. Die [drei] Feuer, fürwahr, sind die dreifache Wissenschaft und der Götterweg[53],

das Garhapatya-Feuer ist Ric, Erde, Rathantaram,
das Anvaharyapacana-Feuer ist Yajus, Luftraum, Vamadevyam,
das Ahavaniya-Feuer ist Saman, Himmelswelt, Brihat.
Yajna - Feuerzeremonie bei Yoga Vidya im Westerwald

Darum erklären sie die Feuer für das Höchste.

10. Das Agnihotram[54], des Abends und Morgens ist der Häuser Sühnung, ist das Wohlgespendete, Wohlgeopferte, ist die Eingangspforte (Prayanam) der Opfer und Somafeste [ Agnihotra Prayana Yajnah, Taitt. Br. 2,1,5,1] das Licht der himmlischen Welt. Darum erklären sie das Agnihotram für das Höchste.

11. Das Opfer (Yajna), so sagen sie; denn durch das Opfer sind die Götter zum Himmel gelangt, durch das Opfer wehrten sie die Dämonen ab. Durch das Opfer werden Hassende zu Freunden, in dem Opfer beruht das All. Darum erklären sie das Opfer für das Höchste.

12. Das Geistige (Manasam), fürwahr, ist das von Prajapati stammende Läuterungsmittel, durch das Geistige sieht man mit dem Verstande das Richtige; als geistige schufen die Rishis die Geschöpfe, in dem Geistigen beruht das All. Darum erklären sie das Geistige für das Höchste.

13. Die Entsagung (Nyasa), so nennen die Weisen den (Gott) Brahma.4. Brahma (masc.) ist Allseiender, Katamah (höchste Lust), Svayambhuh; und wenn es heißt: 'Das Jahr ist Prajapati', 15. so ist jene Sonne das Jahr, aber jener Purusha in der Sonne[55], der ist Parameshthin, ist das Brahman (neutr.), der Atman. 16. Und die Strahlen, mit welchen die Sonne glüht, durch die regnet Parjanya, durch Parjanya aber wachsen die Kräuter und Bäume, aus den Kräutern und Bäumen entsteht die Nahrung, durch die Nahrung der Lebenshauch, durch die Lebenshauche die Kraft, durch die Kraft das Tapas, durch das Tapas der Glaube, durch den Glauben die Einsicht, durch die Einsicht die Weisheit, durch die Weisheit der Verstand, durch den Verstand die Ruhe, durch die Ruhe das Denken, durch das Denken macht man sich bewußt das Gedächtnis, durch das Gedächtnis die Erinnerung, durch die Erinnerung die Erkenntnis, durch die Erkenntnis den Atman.[56] Darum, wenn man Nahrung spendet, so spendet man alle diese; aus der Nahrung entstehen die Lebenshauche der Wesen[57], durch die Lebenshauche das Manas, durch das Manas die Erkenntnis, durch die Erkenntnis die Wonne, das Brahman als Urquell. 17. Ja, fürwahr, dieser Purusha [als Annamaya, Pranamaya, Manomaya, Vijnanamaya, Anandamaya, Taitt. 2] ist fünffach, aus fünf Selbsten bestehend, und durch ihn ist dieses Weltall gewoben, Erde, Luftraum und Himmel, die Pole und die Zwischenpole; ja, er ist diese ganze Welt, ist das Vergang'ne und Künft'ge, ist durch Erkenntnisdrang geformt, geboren aus der Weltordnung, in der Fülle wohnend[58], ist Glaube, wahrhaft, großhaft, finsterniserhaben. 18. Als solchen ihn mit Sinn und Herz erkennend, geh' nicht, als Wissender, mehr in den Tod ein.

19. Darum erklären sie die Entsagung für höher als jene [anderen] Askesen.

20. Der Güter froh und alldurchdringend bist du, im Lebenshauch [des Alls] Zusammenfüger. O (Gott) Brahma! all-durchstreifend bist du, du bist es, der dem Feuer Wärme, der Sonne Kraft, dem Mond Glanz verleiht. - [O Soma!] du bist im Gefäß geschöpft, dem Brahma (masc.) bringe ich dich dar, der Größe!

21. Om! mit diesem Worte bereite man (Yunjita, vgl. den Gebrauch des Wortes Yoga) sein Selbst.

22. Dies, fürwahr, ist die große Upanishadlehre, ein Geheimnis der Götter.

23. Wer solches weiß, der erlangt die Majestät des (Gottes) Brahma, durch dieses die Majestät des (Gottes) Brahma.

24. So lautet die Upanishad."

Vierundsechzigster Anuvaka (Atharva-Rez. 25)

Der Wissende ist vom Werkdienst befreit. Da aber die Schrift verlangt, daß das Agnihotram das ganze Leben durch (Yavaj Jivam) dargebracht werde, so wird, um dieser Vorschrift Genüge zu leisten, hier das Leben selbst des Wissenden zu einem Opfer umgedeutet. Über Einzelnes und verwandte Stellen vgl. Shankara zu Brahmasutra 3,3,24 (S. 683f meiner Übersetzung).

1. Von dem Opfer des solches Wissenden ist sein Selbst der Opferspender, sein Glaube die Gattin, sein Leib das Brennholz, seine Brust das Opferbett, seine Haare die Opferstreu, der Opferbesen sein Haarbusch, sein Herz der Opferpfosten, seine Liebe das Opferschmalz, sein Eifer das Opfertier, seine Askese das Feuer, seine Bezähmung der Schlächter, ... der Opferlohn, seine Rede der Hotar; sein Odem der Udgatar, sein Auge der Adhvaryu, sein Manas der Brahma, sein Ohr der Agnidh.

2. Solange er getragen wird [im Mutterleib oder geistig vom Lehrer, Atharvav. 11,5,3, Gesch. d. Phil. 279], das ist die Weihe; daß er ißt, das ist die Opferspende; daß er trinkt, das ist sein Somatrinken; daß er sich vergnügt, das ist die Upasad-Feier[59]; daß er einhergeht, sich setzt und aufsteht, das ist der Pravargya; sein Mund ist das Ahavaniyafeuer, sein Sprechen der Opferguß, sein Erkennen das, was er opfert. Was er abends und morgens ißt, das [muß man ansehen] als das Brennholz, was er morgens, mittags und abends [trinkt], das als die Somakelterungen.

3. Sein Tag und seine Nacht sind die Voll- und Neumondsopfer, seine Halbmonate und Monate die Viermonatsopfer, seine Jahreszeiten die Tieropfer, seine Jahre und Jahresläufe sind die Tageszyklen, oder auch sie sind das Allhabe-Sattram[60], sein Sterben ist das Schlußbad.

4. Dieses, fürwahr, ist sein bis zu Alter und Tod dauerndes Agnihotram, sein Sattram. Wer, solches wissend, beim Nordwärtsgang [der Sonne] stirbt, der geht ein zu der Majestät der Götter und gelangt zur Gemeinschaft mit der Sonne; und wer beim südlichen [Sonnengang] stirbt, der geht ein zu der Majestät der Väter und erlangt mit dem Mond Gemeinschaft und gleiche Welt. Diese beiden Majestäten, fürwahr, der Sonne und des Mondes, erwirbt der wissende Brahmane. Von da aus erlangt er die Majestät des Brahma (masc.), - von da aus die Majestät des Brahma.

So lautet die Upanishad.

Fußnoten

  1. Svet.4,11.
  2. Vgl. Rigv. 1,164,39.
  3. Vgl. Rigv. 1,164,39.
  4. Vgl. Taitt. Br. 3,12,9,7.
  5. Vgl. Rigv. 1,164,13.
  6. Vaj. Samh. 32,1.
  7. Vaj Sarah. 32,2 a. Zum Gedanken vgl. oben S. 208, Anm.
  8. Der unerwartete Imperativ stammt aus Vaj. Samh. 27,45.
  9. Vaj. Samh. 32,2 b.
  10. Vgl. Vaj. Samh. 32,3.
  11. Kath. 6,9. Svet. 4,20: Svet. 4,17. 3,13.
  12. Das Uttaranarayanam, nicht wiederholt, weil schon Taitt. Ar. 3,13 (vgl. Vaj. Samh. 31,17-22) vorgekommen. Siehe die Übersetzung Gesch. d. Phil. I, 290.
  13. Die ersten acht Verse des Hiranyagarbha-Liedes (Rigv. 10,121,1-8), nicht wiederholt, weil schon Taitt. Samh. 4,1,8 vorgekommen. Die Übersetzung Gesch. d. Phil. I, 132.
  14. Vaj. Samh. 32,4, wo Pratyan Janas statt des leichteren Pratyanmukhas (so mit der Ath. Rez. zu lesen).
  15. Rigv. 10,81,3 (Gesch. d. Phil. I. 136), bis auf einige schlechteren Lesarten.
  16. Vers 15-19 sind Vaj. Samh. 32, v. 8-10. 12. 11, mehr oder weniger entstellt (die Übersetzung Gesch. d. Phil. I), 294).
  17. Rigv. 1,18,6.
  18. Sayana's Erklärungen, mit den nötigen Verbesserungen, lautet: "Yad", Yadi, "Huve (so statt Yuve) Huve", — Ha Karo Vyatyayena Ya Kara Sthane Pathitah, Ata' Eva Kecid "Yuve Yuve" Iti Pathanti, — Yaumi Yaumi, Punah Punah Padam Asidharaya Misrami, Iti Arthah, Tadanim Na Aham (so statt Tadanim Aham) "Vihvadishyami" Kartam Va Patishyami, — Aham, Iti Etam Artham "Ha" Sabdo Brute; La Kara Sthane Vyatyayena Da Karah, — Asidharayam Padasya Dridhasparse Padachede (so ist zu trennen), Na Aham Vihvalito, Vivaso Bhavishyami; Dridhasparsa Abhave Tu Adhovartini Agadhe Garte Patishyami. "Wenn ich nur sicher trete, sicher trete, d. h. immer wieder und wieder den Fuß auf die Schwertschneide aufsetze, dann werde ich nicht "turkeln" oder in die Grube fallen, d.h. wenn auf der Schwertschneide der Fuß fest auftritt und ohne daß der Fuß abgleitet, so werde ich nicht taumeln, die Herrschaft über mich verlieren; wenn aber das feste Auftreten fehlt, so werde ich in die unten befindliche tiefe Grube stürzen." (Die Atharva-Rez. hat die Stelle verwischt.)
  19. Der Spruch war in einer mehr theologischen (Akratum, Dhatuh Prasadat Mahimanam Isam) und in einer mehr philosophischen Fassung (mit Akratuh, Dhatu Prasadat Mahimanam Atmanas) im Umlauf. Erstere bietet unsere Stelle und Svet. 3,20, letztere (nach Shankaras Lesung) Kath. 2,20, woselbst man sehe.
  20. Mund. 2,1,8 bietet den Vers mit besseren Lesarten. Die sieben Organe (Augen, Ohren, Nasenlöcher, Mund) sind sieben Flammenzungen, denen die enstprechenden Objekte als Brennhölzer, oder als ihre Welten, gegenüberstehen.
  21. Mund. 2,1,9 (wo statt Bhutas besser Bhutais, wie auch die Atharva-Rez. hat).
  22. Rigv. 9,96,6, mit verändertem Sinn. Vielleicht das Vorbild von Bhag. G. 10,21 f.
  23. Dieser Vers in welchem die Grundelemente der Samkhyalehre (Prakriti, drei Gunas, Purusha) schon deutlich hervortreten, wird von Shankara (zu Brahmasutra 1,4,8-10) nicht nach unserer Stelle, sondern nach Svet. 4,5 zitiert.
  24. Rigv. 4,40,5. Mit dem Zusatz Brihat zuerst Vaj. Samh. 10,24. 12,14, und so außer unserer Stelle und Taitt. Ar. 10,50,1, Kath. 5,2, Nrisinhap. 3,1. Dem Sinne nach wie v. 4: "Brahman ist das Edelste in allem."
  25. Vaj. Samh. 8,36 (verändert). Die Erklärung siehe Gesch. d. Philosophie I, 191.
  26. Svet. 3,4. 4,12 (verändert).
  27. Svet. 3,9 (wörtlich).
  28. Vgl. Kaivalya Up. 2-3.
  29. Mund. 3,2,6. Kaivalya 3-4.
  30. D. h. von der Prakriti, Paramritat. Die Atharva-Rez. sowie die Parallelstellen haben Paramritah.
  31. Die Rückbeziehung dieses Verses auf Chand. 8,1 ist wohl unzweifelhaft.
  32. Bei der Meditation zergeht, wie die ganze übrige Welt, auch der Laut Om: A (Virat) schmilzt in U (Hiranyagarbha), U in M (Mulaprakriti), M in der imaginären vierten Mora des Lautes 0m, welche Mahesvara (Siva) ist (Sayana).
  33. Rigv. 10,90,1; Visvaksha statt Sahasraksha, weil zu tausend Häuptern zweitausend Augen gehören würden. Aus demselben Bedenken ändert Atharvav. 19,6,1 Sahasrasirsha in Sahasrabahu.
  34. Vgl. Rigv. 10,90,2: Purusha Eva Idam Sarvam.
  35. Narayana ist nicht der unerkennbare Urgrund, sondern dieser als höchstes Objekt der Erkenntnis, d. h. der Erstgeborene der Schöpfung, Hiranyagarbha. Vgl. mit Mahajneya die Buddhi wie Mahat der Samkhyas.
  36. Anspielung auf das Paro Divo Jyotis, Chand 3,13,7.
  37. Die Scheidung in Dhyatar und Dhyanam (Subjekt und Objekt) hat noch nicht in dem Urwesen, sondern erst in Narayana als Erstgebornem statt.
  38. Vyapya
  39. Vyapya
  40. Nach Sayana ist das Meer des Samsara gemeint. Die Atharva-Rez. wie auch Maha Up. 3 (p. 95) lesen Samudra Itam.
  41. Vgl. Chand. 8,1,1; die Atharva-Rez. hat: "Ein Hohlraum, lotoskelchähnlich".
  42. Ausdeutung des Dasangulam, Rigv. 10,90,1 (vgl. Gesch. d. Phil. I, 152). Genauer ist eine Vitasti gleich einem Dvadasangula (Amara, 2,6,84).
  43. Ausgemalt nach Brih. 4,3,7: Hridi Antarjyotih Purushah; Kath. 4,13: Jyotir Iva Adhumakah.
  44. Tasya Ante Sushiram Sukshmam, nach Chand. 8,1: Daharo Smin Antar Akasah.
  45. Die nun folgende Schilderung des Herzensfeuers beruht auf einer Kombination von Brih. 5,9,1 und Chand. 3,13,7-8. Aus ersterer Stelle ist das Merkmal der Nahrungsassimilation, aus letzterer das der Körpererwärmung entnommen.
  46. Die letzten acht Zeilen (10c-12 b) werden zitiert Vasudeva-Up. 3,1-2.
  47. Die Worte Sa Harih sind metrisch überschüssig, fehlen in der Atharva-Rez. und werden nicht von Sayana, wie die übrigen, erklärt. Sollten sie zu halten sein, so hätten wir hier vielleicht die älteste Stelle, in welcher der indische Trimurti, d. h. "der dreigestaltige" Gott (Brahma, Vishnu, Shiva), vorkommt.
  48. Zusatz der Atharva-Rez. in Prosa: "Nunmehr der Yoga: meine Zunge ist Süßes redend: ich bin nicht in der Zeit, sondern bin die Zeit selbst".
  49. Vgl. über diese Vorstellung Gesch. d. Phil. I, 133. 207. 210f.
  50. Sie ist, wie Fichte sagen würde, "das versinnlichte Material der Pflicht".
  51. Nach Sayana Aruni, Sohn des Prajapati und der Suparna; besser wohl: der Sohn des Aruna Suparna (im Rigveda Bezeichnung der Sonne) und Nachkomme des Prajapati.
  52. Vgl. Rigv. 10,10,7: Dakshinam Varma Krinute Vijanan.
  53. Devayana Panthah, hier nicht wie sonst immer in den Upanishaden (Kaush. 1,3. Chand. 5, 3-10, vgl. 4,15,6. Brih. 6,2. Mund. 3,1,6), der Weg der Seele zu Brahman, sondern, wie öfter im Rigveda, der Weg des Agni zu den Göttern.
  54. Vgl. über dasselbe oben S. 146.
  55. Vgl. Anuvaka 14, oben S. 253. Die weiter folgende Verherrlichung des Brahman als des durch die Entsagung erreichten Zieles ist, wie es scheint, aus verschiedenartigen Reminiszenzen zusammengestoppelt. Daß Prajapati der Redende ist, scheint dabei ganz vergessen zu werden.
  56. Dem Verfasser mochte wohl die Stufenfolge Chand. 7 hier vorschweben.
  57. Die Rückbeziehung des Folgenden auf Taitt. 2 ist unzweifelhaft.
  58. Statt dieser Verse (es liegen hier überall zertrümmerte Verse zugrunde) hat die Atharva-Rez. den ebenfalls sehr schönen, nur hier nicht recht passenden Gedanken: Jijnasasaktipuritam Jarayishthas, "was von Erkenntnisdrang erfüllt, laß welken!"
  59. upasada als masc. wie Chand. 3,17,2, woher mit der Form auch der Gedanke stammen mag.
  60. Eine Opferfeier, bei welcher man (vielleicht nur symbolisch) seine ganze Habe an die Brahmanen schenkte. Ein Beispiel bietet der Eingang der Kathaka Upanishad.

Mahanarayana Upanishad - Sanskrit (IAST), Übersetzung und Wort-für-Wort-Erläuterung

Die vorliegende Fassung der Maha Narayana Upanishad, bzw. Maha Narayanopanishad, Brihan Narayana Upanishad, Vajniki Upanishad, verwendet die Zählung der elektronischen Zusammenstellung mit 80 Anuvakas. Diese Zusammenstellung enthält auch einzelne Zusätze und Lesarten aus der kürzeren Rezension; sie ist keine unvermischt überlieferte Textgestalt. Solche Stellen werden bei den betreffenden Versen gekennzeichnet, insbesondere die zwei vollständig ausgeschriebenen Zusatzhymnen nach 1.11, 12.6a–12.6b und 15.2. Der Sanskrittext der Abschnitte 1–80 wurde mit dem Druck der Ausgabe von Swami Vimalananda verglichen. Die zugehörige traditionelle Sanskrit-Worterklärung wurde bei schwierigen Formen herangezogen. Akzentzeichen und besondere vedische Nasalzeichen sind für diese Lesefassung normalisiert; die Sanskritwörter werden in IAST und Devanagari wiedergegeben. Die deutsche Übersetzung und sämtliche Worterklärungen wurden neu formuliert. Abweichungen von der ergänzend verglichenen elektronischen Fassung werden an den betreffenden Stellen genannt.

Jeder Vers und jede kurze Formel hat eine eigene Überschrift, Übersetzung und Worterklärung. Anuvaka 1 umfasst in dieser Zählung 70 Mantras; die nach 1.11 ausgeschriebenen Uttaranarayana- und Hiranyagarbha-Hymnen sind als redaktionelle Zusätze Z1 und Z2 gekennzeichnet und verändern diese Zählung nicht. Längere Prosaabschnitte werden in kleinere Sinneinheiten zerlegt. Dreiteilige Nummern wie 69.1.2 oder 80.1.5 sind redaktionelle Unterteilungen innerhalb des überlieferten Abschnitts, keine zusätzlich behaupteten alten Versnummern. In 79.16 ist die eingeschobene Strophe von der vorangehenden und nachfolgenden Prosa getrennt.

Die redaktionellen Unterteilungen 44.1.1–44.1.3, 58.1.1–58.1.2 und 59.1.1–59.1.11 trennen die einzelnen Gebete bzw. Opferformeln der jeweils gemeinsam gezählten Druckabschnitte. In 67.1 wurden die 36 kurzen Opferformeln einzeln erläutert. Die Nummern 67.1.1–67.1.36 sind redaktionelle Unterteilungen des im Druck gemeinsam gezählten Absatzes. Entsprechendes gilt für die sechs Formeln in 66.8 und die abschließende Anrufung in 67.2.

Die hier behandelte Mahanarayana Upanishad ist von der Tripadvibhuti Mahanarayana Upanishad und von der kurzen Narayana Upanishad zu unterscheiden. Gleichlautende Kurztitel rechtfertigen keine Gleichsetzung ihrer Texte. Die Zuordnung zur Projektgruppe „Nicht-Muktika“ bezieht sich auf diese Unterscheidung.

1.1 – Anuvaka 1, Mantra 1
ambhasyapāre bhuvanasya madhye nākasya pṛṣṭhe mahato mahīyān | śukreṇa jyotīṃṣi samanupraviṣṭaḥ prajāpatiścarati garbhe antaḥ || 1.1 ||

Übersetzung: Der Herr der Geschöpfe, größer als das Große, befindet sich jenseits der Wasser, inmitten der Welt und auf dem Rücken des Himmels. Nachdem er mit seinem zeugenden Licht in die leuchtenden Wesen eingegangen ist, bewegt er sich im Inneren des Embryos.

Wort-für-Wort-Erläuterung: ambhasya pāre – jenseits oder am anderen Ufer des Wassers: ambhasya, des Wassers; pāre, jenseits; bhuvanasya madhye – inmitten der Welt; nākasya pṛṣṭhe – auf dem Rücken, der Höhe des Himmels; mahataḥ mahīyān – größer als das Große; śukreṇa – durch das Helle, Leuchtende oder den Samen; jyotīṃṣi – die Lichter, leuchtenden Wesen; sam-anu-praviṣṭaḥ – vollständig hineingegangen; prajāpatiḥ – Herr der Geschöpfe; carati – bewegt sich, wirkt; garbhe antaḥ – im Inneren des Embryos.

1.2 – Anuvaka 1, Mantra 2
yasminnidaṃ saṃ ca vi caiti sarvaṃ yasmin devā adhi viśve niṣeduḥ | tadeva bhūtaṃ tadu bhavyamā idaṃ tadakṣare parame vyoman || 1.2 ||

Übersetzung: In ihm kommt dieses All zusammen und aus ihm geht es wieder auseinander; in ihm haben alle Götter ihren Sitz. Er allein ist das Gewesene und auch das Künftige; dieses [All] ruht im Unvergänglichen, im höchsten Raum.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yasmin – in dem; idam – dieses [All]; sam ca – zusammen, zur Einheit; vi ca eti – und auseinandergeht, sich auflöst; sarvam – alles; yasmin – in dem; devāḥ – die Götter; adhi – auf, in; viśve – alle; niṣeduḥ – sich niedergelassen haben; tat eva – eben das allein; bhūtam – das Gewesene; tat u – und das; bhavyam – Künftige; idam – dieses; tat – das; akṣare – im Unvergänglichen; parame vyoman – im höchsten Raum.

1.3 – Anuvaka 1, Mantra 3
yenāvṛtaṃ khaṃ ca divaṃ mahī ca yenādityastapati tejasā bhrājasā ca | yamantaḥ samudre kavayo vayanti yadakṣare parame prajāḥ || 1.3 ||

Übersetzung: Durch ihn sind Luftraum, Himmel und Erde umhüllt; durch ihn brennt die Sonne mit Hitze und strahlendem Glanz. Ihn verweben die Seher im inneren Meer; im Unvergänglichen, im höchsten [Raum], ruhen die Geschöpfe.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yena – durch den; āvṛtam – umhüllt; kham – Luftraum; ca – und; divam – Himmel; mahī – Erde; yena – durch den; ādityaḥ – Sonne; tapati – brennt, wärmt; tejasā – mit Hitze, Energie; bhrājasā – mit strahlendem Glanz; ca – und; yam – den; antaḥ samudre – im inneren Meer; kavayaḥ – Seher, Weise; vayanti – weben; yat – in welchem; akṣare parame – im höchsten Unvergänglichen; prajāḥ – Geschöpfe [ruhen].

1.4 – Anuvaka 1, Mantra 4
yataḥ prasūtā jagataḥ prasūtī toyena jīvān vyacasarja bhūmyām | yadoṣadhībhiḥ puruṣān paśūṃśca viveśa bhūtāni carācarāṇi || 1.4 ||

Übersetzung: Aus ihm wurde die Hervorbringerin der Welt geboren. Mit dem Wasser und den übrigen Elementen entließ sie die Lebewesen auf der Erde. Er ging durch die Pflanzen in Menschen und Tiere ein, in alle beweglichen und unbeweglichen Wesen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yataḥ – aus dem; prasūtā – geboren; jagataḥ prasūtī – Hervorbringerin der Welt; toyena – durch Wasser; jīvān – Lebewesen; vyacasarja – entließ, erschuf; bhūmyām – auf der Erde; yat – der; oṣadhībhiḥ – durch die Pflanzen; puruṣān – Menschen; paśūn ca – und Tiere; viveśa – ging ein; bhūtāni – Wesen; cara-acarāṇi – bewegliche und unbewegliche.

1.5 – Anuvaka 1, Mantra 5
ataḥ paraṃ nānyadaṇīyasaṃ hi parātparaṃ yanmahato mahāntam | yadekamavyaktamanantarūpaṃ viśvaṃ purāṇaṃ tamasaḥ parastāt || 1.5 ||

Übersetzung: Jenseits von ihm gibt es nichts anderes, nichts Feineres; er ist höher als das Hohe und größer als das Große. Er ist der eine, unoffenbare, unendlich gestaltige, uralte Weltgrund jenseits der Dunkelheit.

Wort-für-Wort-Erläuterung: ataḥ param – jenseits von ihm; na anyat – nichts anderes; aṇīyasam – Feineres, Kleineres; hi – gewiss; parāt param – höher als das Hohe; yat – der; mahataḥ mahāntam – größer als das Große; yat ekam – der Eine; avyaktam – unoffenbar; ananta-rūpam – von unendlicher Gestalt; viśvam – das All; purāṇam – uralt; tamasaḥ parastāt – jenseits der Dunkelheit.

1.6 – Anuvaka 1, Mantra 6
tadevartaṃ tadu satyamāhustadeva brahma paramaṃ kavīnām | iṣṭāpūrtaṃ bahudhā jātaṃ jāyamānaṃ viśvaṃ bibharti bhuvanasya nābhiḥ || 1.6 ||

Übersetzung: Ihn allein nennen die Seher die kosmische Ordnung und die Wahrheit, ihn allein das höchste Brahman. Als Opferwerk und Werk für die Gemeinschaft, vielfach geworden und stets entstehend, trägt er als Nabel der Welt das All.

Wort-für-Wort-Erläuterung: tat eva – das allein; ṛtam – kosmische Ordnung, das Rechte; tat u – und das; satyam – Wahrheit; āhuḥ – nennen sie; tat eva – das allein; brahma paramam – höchstes Brahman; kavīnām – der Seher; iṣṭa-pūrtam – Opferwerk und Werk für die Gemeinschaft; bahudhā – vielfach; jātam – geworden; jāyamānam – entstehend; viśvam – das All; bibharti – trägt; bhuvanasya nābhiḥ – als Nabel, Mittelpunkt der Welt.

1.7 – Anuvaka 1, Mantra 7
tadevāgnistadvāyustatsūryastadu candramāḥ | tadeva śukramamṛtaṃ tadbrahma tadāpaḥ sa prajāpatiḥ || 1.7 ||

Übersetzung: Er allein ist Agni, er ist Vayu, er ist die Sonne und auch der Mond. Er allein ist das helle Licht, das Unsterbliche, Brahman, die Wasser und Prajapati.

Wort-für-Wort-Erläuterung: tat eva – das allein; agniḥ – Agni; tat vāyuḥ – das ist Vayu; tat sūryaḥ – das ist die Sonne; tat u candramāḥ – und das der Mond; tat eva – das allein; śukram – Helles, reines Licht; amṛtam – Unsterbliches; tat brahma – das ist Brahman; tat āpaḥ – das sind die Wasser; saḥ prajāpatiḥ – er ist Prajapati.

1.8 – Anuvaka 1, Mantra 8
sarve nimeṣā jajñire vidyutaḥ puruṣādadhi | kalā muhūrtāḥ kāṣṭhāścāhorātrāśca sarvaśaḥ || 1.8 ||

Übersetzung: Alle Augenblicke entstanden aus dem leuchtenden Purusha. Zeitteile, Muhurtas, Kasthas sowie sämtliche Tage und Nächte [entstanden aus ihm].

Wort-für-Wort-Erläuterung: sarve – alle; nimeṣāḥ – Augenblicke, Lidschläge; jajñire – wurden geboren; vidyutaḥ – aus dem Leuchtenden; puruṣāt adhi – aus dem Purusha; kalāḥ – Zeitteile; muhūrtāḥ – Muhurtas; kāṣṭhāḥ ca – und Kasthas; aho-rātrāḥ ca – Tage und Nächte; sarvaśaḥ – insgesamt, ohne Ausnahme.

1.9 – Anuvaka 1, Mantra 9
ardhamāsā māsā ṛtavaḥ saṃvatsaraśca kalpantām | sa āpaḥ pradudhe ubhe ime antarikṣamatho suvaḥ || 1.9 ||

Übersetzung: Halbmonate, Monate, Jahreszeiten und das Jahr sollen [durch ihn] geordnet sein. Er ließ die Wasser hervorströmen und beide Bereiche entstehen: den Zwischenraum und den Himmel.

Wort-für-Wort-Erläuterung: ardha-māsāḥ – Halbmonate; māsāḥ – Monate; ṛtavaḥ – Jahreszeiten; saṃvatsaraḥ ca – und das Jahr; kalpantām – sollen geordnet, hervorgebracht sein; saḥ – er; āpaḥ – die Wasser; pradudhe – melkte, ließ hervorströmen; ubhe ime – diese beiden; antarikṣam – Zwischenraum; atho – und dann; suvaḥ – lichter Himmel.

1.10 – Anuvaka 1, Mantra 10
nainamūrdhvaṃ na tiryañcaṃ na madhye parijagrabhat | na tasyeśe kaścana tasya nāma mahadyaśaḥ || 1.10 ||

Übersetzung: Niemand hat ihn oben, querhin oder in der Mitte vollständig erfasst. Keiner ist Herr über ihn; sein Name ist ‚große Herrlichkeit‘.

Wort-für-Wort-Erläuterung: na enam – nicht ihn; ūrdhvam – nach oben; na tiryañcam – nicht querhin; na madhye – nicht in der Mitte; parijagrabhat – hat [jemand] ganz erfasst; na – nicht; tasya īśe – ist Herr über ihn; kaścana – irgendjemand; tasya nāma – sein Name; mahat yaśaḥ – große Herrlichkeit.

1.11 – Anuvaka 1, Mantra 11
na saṃdṛśe tiṣṭhati rūpamasya na cakṣuṣā paśyati kaścanainam | hṛdā manīśā manasābhiklṛpto ya enaṃ viduramṛtāste bhavanti || 1.11 ||

Übersetzung: Seine Gestalt steht nicht im Bereich des Sichtbaren; niemand sieht ihn mit dem Auge. Wer ihn durch Herz, Einsicht und gesammelten Geist erkennt, wird unsterblich.

Wort-für-Wort-Erläuterung: na saṃdṛśe – nicht im Bereich des Sehens; tiṣṭhati – steht, befindet sich; rūpam asya – seine Gestalt; na cakṣuṣā – nicht mit dem Auge; paśyati – sieht; kaścana enam – irgendjemand ihn; hṛdā – mit dem Herzen; manīṣā – durch Einsicht; manasā abhiklṛptaḥ – durch den Geist fest geordnet, gesammelt; yaḥ – wer; enam – ihn; viduḥ – erkennt; amṛtāḥ – unsterblich; te bhavanti – werden diese.

Überlieferungshinweis: Die folgenden sechs Uttaranarayana- und acht Hiranyagarbha-Strophen werden in der benutzten elektronischen Zusammenstellung vollständig ausgeschrieben. Vimalanandas Druck erklärt, dass der empfangene Grundtext an dieser Stelle nur ihre Anfangswörter nennt, und druckt beide Hymnen zur Benutzung ebenfalls vollständig ab. Die redaktionellen Kennzeichnungen Z1 und Z2 verhindern, dass ihre eigenen Verszahlen mit 1.1–1.70 verwechselt werden.

1.Z1.1 – Uttaranarayana-Zusatz, Mantra 1
adbhyaḥ sambhūtaḥ pṛthivyau rasācca viśvakarmaṇaḥ samavartatādhi | tasya tvaṣṭā vidadhadrūpameti tatpuruṣasya viśvamājānamagre || 1.Z1.1 ||

Übersetzung: Aus den Wassern, aus Erde und ihrem Lebenssaft entstand das All durch Vishvakarman. Tvashtar gestaltet seine Form; am Anfang war das ganze Weltall die Erscheinung dieses Purusha.

Wort-für-Wort-Erläuterung: adbhyaḥ – aus den Wassern; sambhūtaḥ – entstanden; pṛthivyai rasāt ca – aus Erde und ihrem Lebenssaft; viśvakarmaṇaḥ – durch Vishvakarman, den Allschöpfer; samavartata adhi – entfaltete sich darüber; tasya – dessen; tvaṣṭā – Tvashtar, Gestalter/Sonne; vidadhat – gestaltend; rūpam eti – nimmt Gestalt an; tat-puruṣasya – dieses Purusha; viśvam – das All; ājānam – Erscheinung, Geburt; agre – am Anfang.

1.Z1.2 – Uttaranarayana-Zusatz, Mantra 2
vedāhametaṃ puruṣaṃ mahāntaṃ ādityavarṇaṃ tamasaḥ parastāt | tamevaṃ vidvānamṛta iha bhavati nānyaḥ panthāvidyate’yanāya || 1.Z1.2 ||

Übersetzung: Ich kenne diesen großen Purusha, sonnenfarbig und jenseits der Dunkelheit. Wer ihn so erkennt, wird hier unsterblich; einen anderen Weg zum Ziel gibt es nicht.

Wort-für-Wort-Erläuterung: veda aham – ich kenne; etam puruṣam mahāntam – diesen großen Purusha; āditya-varṇam – sonnenfarbig; tamasaḥ parastāt – jenseits der Dunkelheit; tam evam – ihn so; vidvān – erkennend; amṛtaḥ – unsterblich; iha bhavati – wird hier; na anyaḥ panthā – kein anderer Weg; vidyate – ist vorhanden; ayanāya – zum Ziel, zum Gang dorthin.

1.Z1.3 – Uttaranarayana-Zusatz, Mantra 3
prajāpatiścarati garbhe antaḥ ajāyamāno bahuthā vijāyate | tasya dhīrāḥ parijānanti yonim marīcīnāṃ padamicchanti vedhasaḥ || 1.Z1.3 ||

Übersetzung: Prajapati bewegt sich im Inneren des Embryos. Ungeboren wird er auf vielfache Weise geboren. Die Weisen erkennen seinen Ursprung; die Schöpfer suchen den Ort der Lichtstrahlen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: prajāpatiḥ – Prajapati; carati – bewegt sich, wirkt; garbhe antaḥ – im Inneren des Embryos; ajāyamānaḥ – ungeboren; bahudhā – vielfach; vijāyate – wird geboren; tasya – dessen; dhīrāḥ – Weise; parijānanti – erkennen vollständig; yonim – Ursprung; marīcīnām padam – Ort der Lichtstrahlen oder des Sehers Marichi; icchanti – suchen; vedhasaḥ – Schöpfer, Weise.

1.Z1.4 – Uttaranarayana-Zusatz, Mantra 4
yo devebhya ātapati yo devānāṃ purohitaḥ | pūrvo yo devebhyo jātaḥ namo rucāya brāhmaye || 1.Z1.4 ||

Übersetzung: Verneigung vor dem brahmanischen Lichtglanz: vor dem, der für die Götter leuchtet, ihr Hauspriester ist und vor den Göttern als Erster geboren wurde.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yaḥ – der; devebhyaḥ – für/aus den Göttern; ātapati – leuchtet, wärmt; yaḥ – der; devānām – der Götter; purohitaḥ – Hauspriester, Vorangesetzter; pūrvaḥ – der Erste; yaḥ devebhyaḥ jātaḥ – der vor den Göttern geboren wurde; namaḥ – Verneigung; rucāya – dem Lichtglanz; brāhmaye – dem brahmanischen.

1.Z1.5 – Uttaranarayana-Zusatz, Mantra 5
rucaṃ brāhmaṃ janayantaḥ devā agre tadabruvan | yastvaivaṃ brāhmaṇo vidyāt tasya devā asan vaśe || 1.Z1.5 ||

Übersetzung: Als die Götter am Anfang den brahmanischen Lichtglanz hervorbrachten, sprachen sie: Der Brahmane, der ihn so erkennt, wird die Götter in seiner Macht haben.

Wort-für-Wort-Erläuterung: rucam brāhmam – brahmanischen Lichtglanz; janayantaḥ – hervorbringend; devāḥ – die Götter; agre – am Anfang; tat abruvan – sprachen dies; yaḥ tu evam – wer aber so; brāhmaṇaḥ – als Brahmane, Brahman-Kenner; vidyāt – erkennen möge; tasya – dessen; devāḥ – Götter; asan vaśe – waren/sind in der Macht.

1.Z1.6 – Uttaranarayana-Zusatz, Mantra 6
hrīśca te lakṣmīśca patnyau ahorātre pārśve nakṣatrāṇi rūpam | aśvinau vyāttam iṣṭaṃ maniṣāṇa amuṃ maniṣāṇa sarvaṃ maniṣāṇa || 1.Z1.6 ||

Übersetzung: Schamhaftigkeit und Lakshmi sind deine beiden Gefährtinnen, Tag und Nacht deine Seiten, die Sternbilder deine Gestalt und die Ashvins dein geöffnetes Maul. Gewähre das Ersehnte, gewähre jene Welt, gewähre alles.

Wort-für-Wort-Erläuterung: hrīḥ ca – Schamhaftigkeit und; te – deine; lakṣmīḥ ca – und Lakshmi; patnyau – beide Gefährtinnen; aho-rātre – Tag und Nacht; pārśve – beide Seiten; nakṣatrāṇi – Sternbilder; rūpam – Gestalt; aśvinau – beide Ashvins; vyāttam – geöffnetes Maul; iṣṭam maniṣāṇa – gewähre das Ersehnte; amum maniṣāṇa – gewähre jenes [Jenseits]; sarvam maniṣāṇa – gewähre alles.

1.Z2.1 – Hiranyagarbha-Zusatz, Mantra 1
hiraṇyagarbhaḥ samavartatāgre bhūtasya jātaḥ patireka āsīt | sa dādhāra pṛthivīṃ dyāmutemāṃ kasmai devāya haviṣā vidhema || 1.Z2.1 ||

Übersetzung: Am Anfang entstand Hiranyagarbha; geboren war er der eine Herr der Wesen. Er trug diese Erde und den Himmel. Welchem Gott sollen wir mit Opfergabe dienen?

Wort-für-Wort-Erläuterung: hiraṇyagarbhaḥ – goldener Keim, Hiranyagarbha; samavartata – entstand; agre – am Anfang; bhūtasya – des Gewordenen, der Wesen; jātaḥ – geboren; patiḥ ekaḥ – einziger Herr; āsīt – war; saḥ – er; dādhāra – trug, stützte; pṛthivīm – Erde; dyām uta imām – und diesen Himmel; kasmai devāya – welchem Gott; haviṣā – mit Opfergabe; vidhema – sollen wir dienen.

1.Z2.2 – Hiranyagarbha-Zusatz, Mantra 2
yaḥ prāṇato nimiṣato mahitvaika idrājā jagato babhūva | ya īśe asya dvipadaścatuṣpadaḥ kasmai devāya haviṣā vidhema || 1.Z2.2 ||

Übersetzung: Der durch seine Größe der einzige König der atmenden und die Augen schließenden Welt wurde, der über Zwei- und Vierfüßer herrscht – welchem Gott sollen wir mit Opfergabe dienen?

Wort-für-Wort-Erläuterung: yaḥ – der; prāṇataḥ – der atmenden [Welt]; nimiṣataḥ – der die Augen schließenden [Welt]; mahitvā – durch Größe; ekaḥ it – einzig; rājā – König; jagataḥ – der beweglichen Welt; babhūva – wurde; yaḥ īśe – der herrscht; asya – über diese; dvi-padaḥ – Zweifüßer; catuṣ-padaḥ – Vierfüßer; kasmai devāya – welchem Gott; haviṣā vidhema – sollen wir mit Opfergabe dienen.

1.Z2.3 – Hiranyagarbha-Zusatz, Mantra 3
ya ātmadā balaṃdā yasya viśva upāsate praśiṣaṃ yasya devāḥ | yasya chāyāmṛtaṃ yasya mṛtyuḥ kasmai devāya haviṣā vidhema || 1.Z2.3 ||

Übersetzung: Der das Selbst und Kraft gibt, dessen Weisung das All und selbst die Götter verehren, dessen Schatten Unsterblichkeit und Tod sind – welchem Gott sollen wir mit Opfergabe dienen?

Wort-für-Wort-Erläuterung: yaḥ – der; ātma-dā – Selbstgeber; balam-dā – Kraftgeber; yasya praśiṣam – dessen Weisung; viśve – alle; upāsate – verehren; yasya devāḥ – dessen [Weisung] die Götter [verehren]; yasya chāyā – dessen Schatten; amṛtam – Unsterblichkeit; yasya mṛtyuḥ – dessen [Schatten] Tod; kasmai devāya haviṣā vidhema – welchem Gott sollen wir mit Opfergabe dienen.

1.Z2.4 – Hiranyagarbha-Zusatz, Mantra 4
yasyeme himavanto mahitvā yasya samudraṃ rasayā sahāhuḥ | yasyemāḥ pradiśo yasya bāhū kasmai devāya haviṣā vidhema || 1.Z2.4 ||

Übersetzung: Dessen Größe die schneebedeckten Berge und das Meer mit den Strömen verkünden, dessen Arme die Himmelsrichtungen sind – welchem Gott sollen wir mit Opfergabe dienen?

Wort-für-Wort-Erläuterung: yasya – dessen; ime himavantaḥ – diese schneebedeckten Berge; mahitvā – Größe; yasya – dessen; samudram – Meer; rasayā saha – mit dem Strom, den Flüssen; āhuḥ – verkünden; yasya imāḥ pradiśaḥ – dessen diese Himmelsrichtungen; yasya bāhū – dessen Arme [sind]; kasmai devāya haviṣā vidhema – welchem Gott sollen wir mit Opfergabe dienen.

1.Z2.5 – Hiranyagarbha-Zusatz, Mantra 5
yaṃ krandasī avasā tastabhāne asyaikṣetāṃ manasā rejamāne | yatrādhi sūra uditau vyeti kasmai devāya haviṣā vidhema || 1.Z2.5 ||

Übersetzung: Auf ihn blickten Himmel und Erde, durch seine Hilfe gestützt und im Geist erbebend; über ihm bewegt sich die aufgegangene Sonne – welchem Gott sollen wir mit Opfergabe dienen?

Wort-für-Wort-Erläuterung: yam – den; krandasī – Himmel und Erde, die beiden tosenden Welten; avasā – durch Hilfe, Kraft; tastabhāne – gestützt; asya aikṣetām – auf ihn blickten beide; manasā – im Geist; rejamāne – erbebend, glänzend; yatra adhi – über dem; sūraḥ – Sonne; uditau – aufgegangen; vyeti – sich bewegt; kasmai devāya haviṣā vidhema – welchem Gott sollen wir mit Opfergabe dienen.

1.Z2.6 – Hiranyagarbha-Zusatz, Mantra 6
yena dyaurugrā pṛthivī ca dṛḍhe yena suvaḥ stabhitaṃ yena nākaḥ | yo antarikṣe rajaso vimānaḥ kasmai devāya haviṣā vidhema || 1.Z2.6 ||

Übersetzung: Durch den der mächtige Himmel und die Erde gefestigt, der lichte Raum und das Himmelsgewölbe gestützt sind, der den Luftraum und seine Weiten ausmisst – welchem Gott sollen wir mit Opfergabe dienen?

Wort-für-Wort-Erläuterung: yena – durch den; dyauḥ ugrā – mächtiger Himmel; pṛthivī ca – und Erde; dṛḍhe – gefestigt; yena – durch den; suvaḥ – lichter Himmel; stabhitam – gestützt; yena nākaḥ – durch den das Himmelsgewölbe; yaḥ – der; antarikṣe – im Zwischenraum; rajasaḥ – der Weite, des Luftraums; vimānaḥ – Ausmesser, Ordner; kasmai devāya haviṣā vidhema – welchem Gott sollen wir mit Opfergabe dienen.

1.Z2.7 – Hiranyagarbha-Zusatz, Mantra 7
āpo ha yanmahatīrviśvamāyaṃ dakṣaṃ dadhānā janayantīragnim | tato devānāṃ niravartatāsurekaḥ kasmai devāya haviṣā vidhema || 1.Z2.7 ||

Übersetzung: Als die großen Wasser, die Schöpferkraft tragend und Agni gebärend, das All erreichten, entstand aus ihnen der eine Lebenshauch der Götter – welchem Gott sollen wir mit Opfergabe dienen?

Wort-für-Wort-Erläuterung: āpaḥ ha – wahrlich die Wasser; yat mahatīḥ – welche groß; viśvam āyan – das All erreichten; dakṣam – Schöpferkraft, Geschick; dadhānāḥ – tragend; janayantīḥ – gebärend; agnim – Agni; tataḥ – daraus; devānām – der Götter; niravartata – entstand; asuḥ ekaḥ – ein einziger Lebenshauch; kasmai devāya haviṣā vidhema – welchem Gott sollen wir mit Opfergabe dienen.

1.Z2.8 – Hiranyagarbha-Zusatz, Mantra 8
yaścidāpo mahinā paryapaśyaddakṣaṃ dadhānā janayantīragnim | yo deveśvadhi deva eka kasmai devāya haviṣā vidhema || 1.Z2.8 ||

Übersetzung: Der in seiner Größe auf die Wasser blickte, die Schöpferkraft tragen und Agni gebären, der eine Gott über den Göttern – welchem Gott sollen wir mit Opfergabe dienen?

Wort-für-Wort-Erläuterung: yaḥ cit – der eben; āpaḥ – die Wasser; mahinā – durch Größe; paryapaśyat – ringsum schaute; dakṣam dadhānāḥ – Schöpferkraft tragend; janayantīḥ agnim – Agni gebärend; yaḥ – der; deveṣu adhi – über den Göttern; devaḥ ekaḥ – der eine Gott; kasmai devāya haviṣā vidhema – welchem Gott sollen wir mit Opfergabe dienen.

Textkritischer Hinweis: In 1.Z1.2 ist das sinnwidrige abhṛta der elektronischen Datei nach der gedruckten Fassung und der Parallelüberlieferung zu amṛta berichtigt. Die Zusatzhymnen bleiben von der anschließend fortgesetzten Zählung des ersten Anuvaka getrennt.

1.12 – Anuvaka 1, Mantra 12
eṣa hi devaḥ pradiśo’nu sarvāḥ pūrvo hi jātaḥ sa u garbhe antaḥ | sa vijāyamānaḥ sa janiṣyamāṇaḥ pratyaṅmukhāstiṣṭhati viśvatomukhaḥ || 1.12 ||

Übersetzung: Dieser Gott folgt allen Himmelsrichtungen. Als der zuerst Geborene ist er im Inneren des Weltenleibes. Er ist das jetzt Geborene und das künftig Geborene; nach innen gewandt steht er da und hat doch Gesichter überall.

Wort-für-Wort-Erläuterung: eṣaḥ hi devaḥ – dieser wahrlich ist der Gott; pradiśaḥ anu sarvāḥ – folgt/durchdringt alle Richtungen; pūrvaḥ hi jātaḥ – als Erster geboren; saḥ u – gerade er; garbhe antaḥ – im Inneren des Weltenleibes; saḥ vijāyamānaḥ – er als jetzt Geborener; saḥ janiṣyamāṇaḥ – er als künftig Geborener; pratyaṅ-mukhaḥ – nach innen gewandt; tiṣṭhati – steht; viśvato-mukhaḥ – allseitig blickend, mit Gesichtern überall.

1.13 – Anuvaka 1, Mantra 13
viśvataścakṣuruta viśvato mukho viśvato hasta uta viśvataspāt | saṃ bāhubhyāṃ namati saṃ patatrairdyāvāpṛthivī janayan deva ekaḥ || 1.13 ||

Übersetzung: Überall sind seine Augen und überall sein Gesicht, überall seine Hände und überall seine Füße. Mit beiden Armen und mit Flügeln hält der eine Gott Himmel und Erde zusammen, während er sie hervorbringt.

Wort-für-Wort-Erläuterung: viśvataḥ cakṣuḥ – Augen überall; uta – und; viśvataḥ mukhaḥ – Gesicht überall; viśvataḥ hastaḥ – Hände überall; uta viśvataḥ pāt – und Füße überall; sam bāhubhyām – mit beiden Armen zusammen; namati – beugt, fügt zusammen; sam patatraiḥ – zusammen mit Flügeln/Bewegungskräften; dyāvā-pṛthivī – Himmel und Erde; janayan – hervorbringend; devaḥ ekaḥ – der eine Gott.

1.14 – Anuvaka 1, Mantra 14
venastat paśyan viśvā bhuvanāni vidvān yatra viśvaṃ bhavatyekanīḍam | yasminnidaṃsaṃ ca vi caikaṃsa otaḥ protaśca vibhuḥ prajāsu || 1.14 ||

Übersetzung: Vena schaute dies und erkannte alle Welten, wo das All zu einem einzigen Nest wird. In ihm ist dieses All zusammengefügt und auseinandergefaltet, als Kette und Schuss verwoben; er ist in den Geschöpfen allgegenwärtig.

Wort-für-Wort-Erläuterung: venaḥ – Vena, Seher; tat paśyan – jenes schauend; viśvā bhuvanāni – alle Welten; vidvān – erkennend; yatra – wo; viśvam – das All; bhavati – wird; eka-nīḍam – ein einziges Nest, eine Stätte; yasmin – in dem; idam – dieses; sam ca vi ca – zusammen und auseinander; ekam – als eines; saḥ – er; otaḥ protaḥ ca – als Kette und Schuss eingewebt; vibhuḥ – allgegenwärtig; prajāsu – in den Geschöpfen.

1.15 – Anuvaka 1, Mantra 15
pra tadvoce amṛtaṃ nu vidvān gandharvo nāma nihitaṃ guhāsu | trīṇi padā nihitā guhāsu yastadveda savituḥ pitā sat || 1.15 ||

Übersetzung: Als Wissender verkündete ich nun dieses Unsterbliche: der Gandharva namens [Vena], verborgen in den Höhlen. Drei Schritte sind in den Höhlen verborgen. Wer das erkennt, wird zum Vater des Savitri.

Wort-für-Wort-Erläuterung: pra tat voce – dies verkündete [ich] ausdrücklich; amṛtam – Unsterbliches; nu – nun, gewiss; vidvān – als Wissender; gandharvaḥ nāma – Gandharva mit Namen; nihitam – verborgen; guhāsu – in den Höhlen, inneren Räumen; trīṇi padā – drei Schritte/Zustände; nihitā – niedergelegt; guhāsu – in den Höhlen; yaḥ tat veda – wer das erkennt; savituḥ – des Savitri; pitā – Vater; sat – ist, wird.

1.16 – Anuvaka 1, Mantra 16
sa no bandhurjanitā sa vidhātā dhāmāni veda bhuvanāni viśvā | yatra devā amṛtamānaśānāstṛtīye dhāmānyabhyairayanta || 1.16 ||

Übersetzung: Er ist unser Verwandter, Erzeuger und Ordner; er kennt alle Orte und Welten. Dort genossen die Götter die Unsterblichkeit und gelangten zu den Wohnstätten im dritten Bereich.

Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ naḥ – er ist unser; bandhuḥ – Verwandter, Freund; janitā – Erzeuger; saḥ vidhātā – er der Ordner; dhāmāni – Stätten; veda – kennt; bhuvanāni viśvā – alle Welten; yatra – wo; devāḥ – Götter; amṛtam ānaśānāḥ – Unsterblichkeit genießend/erlangend; tṛtīye – im dritten [Bereich]; dhāmāni – Stätten; abhi-airayanta – erreichten, bezogen.

1.17 – Anuvaka 1, Mantra 17
pari dyāvāpṛthivī yanti sadyaḥ pari lokān pari diśaḥ pari suvaḥ | ṛtasya tantuṃ vitataṃ vicṛtya tadapaśyat tadabhavat prajāsu || 1.17 ||

Übersetzung: Sogleich umschreiten sie Himmel und Erde, die Welten, die Richtungen und den lichten Himmel. Nachdem er den ausgespannten Faden der Ordnung unterschieden hatte, schaute er jenes; er wurde zu jenem in den Geschöpfen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: pari – ringsum; dyāvā-pṛthivī – Himmel und Erde; yanti – gehen; sadyaḥ – sogleich; pari lokān – rings um die Welten; pari diśaḥ – rings um die Richtungen; pari suvaḥ – rings um den lichten Himmel; ṛtasya – der Ordnung; tantum – Faden; vitatam – ausgespannt; vicṛtya – unterscheidend; tat apaśyat – schaute jenes; tat abhavat – wurde zu jenem; prajāsu – in den Geschöpfen.

1.18 – Anuvaka 1, Mantra 18
parītya lokān parītya bhūtāni parītya sarvāḥ pradiśo diśaśca | prajāpatiḥ prathamajā ṛtasyātmanātmānamabhisambabhūva || 1.18 ||

Übersetzung: Nachdem Prajapati die Welten, die Wesen und alle Haupt- und Zwischenrichtungen durchdrungen hatte, vereinigte er, der Erstgeborene der Ordnung, durch sich selbst das Selbst mit dem Selbst.

Wort-für-Wort-Erläuterung: parītya – umschritten, durchdrungen habend; lokān – Welten; bhūtāni – Wesen; sarvāḥ pradiśaḥ – alle Haupt-Himmelsrichtungen; diśaḥ ca – und Zwischenrichtungen; prajāpatiḥ – Prajapati; prathama-jāḥ – Erstgeborener; ṛtasya – der Ordnung; ātmanā – durch sich selbst; ātmānam – das Selbst; abhisambabhūva – vereinigte sich vollständig, wurde zu.

1.19 – Anuvaka 1, Mantra 19
sadasaspatimadbhutaṃ priyamindrasya kāmyam | saniṃ medhāmayāsiṣam || 1.19 ||

Übersetzung: Ich erbitte den wunderbaren Herrn der Versammlung, den Geliebten Indras und Ersehnten, als Gewinn von Einsicht.

Wort-für-Wort-Erläuterung: sadasaḥ patim – Herrn der Versammlung/des ursächlichen Bereichs; adbhutam – wunderbar; priyam – geliebt; indrasya – Indras; kāmyam – ersehnt; sanim – Gewinn, Gabe; medhām – Einsicht, Auffassungskraft; ayāsiṣam – ich erbat, möchte erlangen.

1.20 – Anuvaka 1, Mantra 20
uddīpyasva jātavedo’paghnanniṛtiṃ mama | paśūṃśca mahyamamāvaha jīvanaṃ ca diśo diśa || 1.20 ||

Übersetzung: Entflamme dich, o Jatavedas, und vertreibe mein Unheil. Bringe mir Vieh und Lebensunterhalt herbei und weise mir in jeder Richtung einen Ort zu.

Wort-für-Wort-Erläuterung: uddīpyasva – entflamme dich; jātavedaḥ – o Jatavedas, Allkundiger; apaghnan – vertreibend; niṛtim – Unheil, Mangel; mama – mein; paśūn ca – und Vieh; mahyam – mir; amā āvaha – bringe zum Haus herbei; jīvanam ca – und Lebensunterhalt/Leben; diśaḥ diśa – weise eine Richtung/einen Ort in den Richtungen zu.

1.21 – Anuvaka 1, Mantra 21
mā no hiṃsījjātavedo gāmaśvaṃ puruṣaṃ jagat | abibhradagna āgahi śriyā mā paripātaya || 1.21 ||

Übersetzung: Verletze nicht unsere Kuh, unser Pferd, den Menschen und die bewegliche Welt, o Jatavedas. Komm, o Agni, ohne [Waffen] zu tragen, und lass mich nicht von der Fülle abfallen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: – nicht; naḥ – unser/uns; hiṃsīḥ – mögest du verletzen; jātavedaḥ – o Jatavedas; gām – Kuh; aśvam – Pferd; puruṣam – Menschen; jagat – bewegliche Welt, Besitz; abibhrat – nicht tragend, waffenlos; agne – o Agni; āgahi – komm her; śriyā – mit Fülle, Glück; mā paripātaya – lass mich nicht ringsum herabfallen.

1.22 – Anuvaka 1, Mantra 22
puruṣasya vidmahe sahasrākṣasya mahādevasya dhīmahi | tanno rudraḥ pracodayāt || 1.22 ||

Übersetzung: Mögen wir den Purusha erkennen; mögen wir über den tausendäugigen Mahadeva meditieren. Möge Rudra unser Denken dazu anregen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: puruṣasya vidmahe – mögen wir den Purusha erkennen; sahasra-akṣasya – den Tausendäugigen; mahā-devasya – den großen Gott; dhīmahi – mögen wir meditierend erfassen; tat naḥ – dieses unser [Denken]; rudraḥ – Rudra; pracodayāt – möge antreiben, erhellen.

1.23 – Anuvaka 1, Mantra 23
tatpuruṣāya vidmahe mahādevāya dhīmahi | tanno rudraḥ pracodayāt || 1.23 ||

Übersetzung: Mögen wir jenen Purusha erkennen; mögen wir über Mahadeva meditieren. Möge Rudra unser Denken dazu anregen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: gāyatryāḥ – [Überschrift:] der Gayatri-Formeln; tat-puruṣāya vidmahe – mögen wir jenen Purusha erkennen; mahā-devāya dhīmahi – über Mahadeva mögen wir meditieren; tat naḥ – dieses unser [Denken]; rudraḥ – Rudra; pracodayāt – möge anregen.

1.24 – Anuvaka 1, Mantra 24
tatpuruṣāya vidmahe vakratuṇḍāya dhīmahi | tanno dantiḥ pracodayāt || 1.24 ||

Übersetzung: Mögen wir jenen Purusha erkennen; mögen wir über den mit dem gebogenen Rüssel meditieren. Möge Dantin unser Denken dazu anregen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: tat-puruṣāya vidmahe – mögen wir jenen Purusha erkennen; vakra-tuṇḍāya – den mit gebogenem Rüssel; dhīmahi – mögen wir meditierend erfassen; tat naḥ – dieses unser [Denken]; dantiḥ – der Bezahnte, Dantin/Ganesha; pracodayāt – möge anregen.

1.25 – Anuvaka 1, Mantra 25
tatpuruṣāya vidmahe cakratuṇḍāya dhīmahi | tanno nandiḥ pracodayāt || 1.25 ||

Übersetzung: Mögen wir jenen Purusha erkennen; mögen wir über Chakratunda meditieren. Möge Nandin unser Denken dazu anregen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: tat-puruṣāya vidmahe – mögen wir jenen Purusha erkennen; cakra-tuṇḍāya – Chakratunda, mit Diskus am Mund; dhīmahi – mögen wir meditieren; tat naḥ – dieses unser [Denken]; nandiḥ – Nandin; pracodayāt – möge anregen.

1.26 – Anuvaka 1, Mantra 26
tatpuruṣāya vidmahe mahāsenāya dhīmahi | tannaḥ ṣaṇmukhaḥ pracodayāt || 1.26 ||

Übersetzung: Mögen wir jenen Purusha erkennen; mögen wir über Mahasena meditieren. Möge der Sechsgesichtige unser Denken dazu anregen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: tat-puruṣāya vidmahe – mögen wir jenen Purusha erkennen; mahā-senāya – Mahasena, dem Heerführer; dhīmahi – mögen wir meditieren; tat naḥ – dieses unser [Denken]; ṣaṇ-mukhaḥ – der Sechsgesichtige, Karttikeya; pracodayāt – möge anregen.

1.27 – Anuvaka 1, Mantra 27
tatpuruṣāya vidmahe suvarṇapakṣāya dhīmahi | tanno garuḍaḥ pracodayāt || 1.27 ||

Übersetzung: Mögen wir jenen Purusha erkennen; mögen wir über den Goldgeflügelten meditieren. Möge Garuda unser Denken dazu anregen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: tat-puruṣāya vidmahe – mögen wir jenen Purusha erkennen; suvarṇa-pakṣāya – den Goldgeflügelten; dhīmahi – mögen wir meditieren; tat naḥ – dieses unser [Denken]; garuḍaḥ – Garuda; pracodayāt – möge anregen.

1.28 – Anuvaka 1, Mantra 28
vedātmanāya vidmahe hiraṇyagarbhāya dhīmahi | tanno brahma pracodayāt || 1.28 ||

Übersetzung: Mögen wir den erkennen, dessen Selbst der Veda ist; mögen wir über Hiranyagarbha meditieren. Möge Brahman unser Denken dazu anregen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: veda-ātmanāya vidmahe – mögen wir den mit dem Veda als Selbst erkennen; hiraṇya-garbhāya – über Hiranyagarbha, den goldenen Keim; dhīmahi – mögen wir meditieren; tat naḥ – dieses unser [Denken]; brahma – Brahman/Brahma; pracodayāt – möge anregen.

1.29 – Anuvaka 1, Mantra 29
nārāyaṇāya vidmahe vāsudevāya dhīmahi | tanno viṣṇuḥ pracodayāt || 1.29 ||

Übersetzung: Mögen wir Narayana erkennen; mögen wir über Vasudeva meditieren. Möge Vishnu unser Denken dazu anregen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: nārāyaṇāya vidmahe – mögen wir Narayana erkennen; vāsudevāya dhīmahi – über Vasudeva mögen wir meditieren; tat naḥ – dieses unser [Denken]; viṣṇuḥ – Vishnu; pracodayāt – möge anregen.

1.30 – Anuvaka 1, Mantra 30
vajranakhāya vidmahe tīkṣṇadaṃṣṭrāya dhīmahi | tanno nārasiṃhaḥ pracodayāt || 1.30 ||

Übersetzung: Mögen wir den mit diamantgleichen Krallen erkennen; mögen wir über den mit scharfen Fangzähnen meditieren. Möge Narasimha unser Denken dazu anregen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: vajra-nakhāya vidmahe – mögen wir den mit diamantgleichen Krallen erkennen; tīkṣṇa-daṃṣṭrāya dhīmahi – über den Scharfzähnigen mögen wir meditieren; tat naḥ – dieses unser [Denken]; nārasiṃhaḥ – Narasimha, der Mannlöwe; pracodayāt – möge anregen.

1.31 – Anuvaka 1, Mantra 31
bhāskarāya vidmahe mahaddyutikarāya dhīmahi | tanno ādityyaḥ pracodayāt || 1.31 ||

Übersetzung: Mögen wir Bhaskara, den Lichtschöpfer, erkennen; mögen wir über den Erzeuger großen Glanzes meditieren. Möge Aditya unser Denken dazu anregen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: bhāskarāya vidmahe – mögen wir Bhaskara, den Lichtschöpfer, erkennen; mahat-dyuti-karāya – den großen Glanz Erzeugenden; dhīmahi – mögen wir meditieren; tat naḥ – dieses unser [Denken]; ādityaḥ – Aditya, Sonne; pracodayāt – möge anregen.

1.32 – Anuvaka 1, Mantra 32
vaiśvānaraya vidmahe lālīlāya dhīmahi | tanno agniḥ pracodayāt || 1.32 ||

Übersetzung: Mögen wir Vaishvanara erkennen; mögen wir über den Flammenzüngigen meditieren. Möge Agni unser Denken dazu anregen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: vaiśvānarāya vidmahe – mögen wir Vaishvanara, das allen Menschen gemeinsame Feuer, erkennen; lālīlāya – über den Leckenden/Flammenzüngigen; dhīmahi – mögen wir meditieren; tat naḥ – dieses unser [Denken]; agniḥ – Agni; pracodayāt – möge anregen.

1.33 – Anuvaka 1, Mantra 33
kātyāyanāya vidmahe kanyākumāri dhīmahi | tanno durgiḥ pracodayāt || 1.33 ||

Übersetzung: Mögen wir die Tochter Katyas erkennen; mögen wir über die jungfräuliche Kumari meditieren. Möge Durga unser Denken dazu anregen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: kātyāyanāya vidmahe – mögen wir die aus Katyas Geschlecht stammende Gottheit erkennen; kanyā-kumāri – die jungfräuliche Kumari; dhīmahi – mögen wir meditieren; tat naḥ – dieses unser [Denken]; durgiḥ – Durga, in vedischer Form; pracodayāt – möge anregen.

Lesartenhinweis: Die elektronische Datei führt nach dieser Durga-Gayatri sechs weitere Gayatri-Formeln ausdrücklich in eckigen Klammern als pāṭhabhedaḥ, also als Lesarten anderer Textzeugen, an. Sie gehören nicht zur fortlaufend gezählten Grundfassung und werden deshalb nicht als zusätzliche Mantras ausgegeben.

1.34 – Anuvaka 1, Mantra 34
sahasraparamā devī śatamūlā śatāṅkurā | sarvaṃharatu me pāpaṃ dūrvā duḥsvapnanāśinī || 1.34 ||

Übersetzung: Möge Durva, die Göttin über tausend [Reinigungsmitteln], mit hundert Wurzeln und hundert Sprossen und als Vernichterin böser Träume, all meine Verfehlung beseitigen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: sahasra-paramā – über tausend [Reinigungsmitteln] stehend; devī – Göttin; śata-mūlā – hundertwurzlig; śata-aṅkurā – hundertsprossig; sarvam – alle; haratu – möge beseitigen; me – meine; pāpam – Verfehlung, Unreinheit; dūrvā – Durva-Gras; duḥsvapna-nāśinī – Vernichterin böser Träume.

1.35 – Anuvaka 1, Mantra 35
kāṇḍāt kāṇḍāt prarohantī paruṣaḥ paruṣaḥ pari | evā no dūrve pratanu sahasreṇa śatena ca || 1.35 ||

Übersetzung: Von Knoten zu Knoten und von Glied zu Glied wächst du weiter. Ebenso, o Durva, breite uns durch Hunderte und Tausende aus.

Wort-für-Wort-Erläuterung: kāṇḍāt kāṇḍāt – von Knoten zu Knoten; prarohantī – weiter wachsend; paruṣaḥ paruṣaḥ pari – ringsum von Glied zu Glied; evā – ebenso; naḥ – uns; dūrve – o Durva; pratanu – breite aus, vermehre; sahasreṇa – durch tausend; śatena ca – und durch hundert.

1.36 – Anuvaka 1, Mantra 36
yā śatena pratanoṣi sahasreṇa virohasi | tasyāste devīṣṭake vidhema haviṣā vayam || 1.36 ||

Übersetzung: Du breitest dich hundertfach aus und wächst tausendfach empor. Dir, der göttlichen Ziegelgestalt, wollen wir mit einer Opfergabe dienen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: – die du; śatena – durch hundert; pratanoṣi – dich ausbreitest; sahasreṇa – durch tausend; virohasi – emporwächst; tasyāḥ te – dieser deiner, dir; devī-iṣṭake – o göttliche Ziegelgestalt/verehrte Göttin; vidhema – wollen wir dienen; haviṣā – mit Opfergabe; vayam – wir.

1.37 – Anuvaka 1, Mantra 37
aśvakrānte rathakrānte viṣṇukrānte vasundharā | śirasā dhārayiṣyāmi rakṣasva māṃ pade pade || 1.37 ||

Übersetzung: O Erde, von Pferden, Wagen und Vishnu überschritten: Ich werde dich auf meinem Haupt tragen; schütze mich bei jedem Schritt.

Wort-für-Wort-Erläuterung: aśva-krānte – von Pferden überschritten; ratha-krānte – von Wagen überschritten; viṣṇu-krānte – von Vishnu überschritten; vasundhare – o Schatztragende, Erde; śirasā – mit/auf dem Haupt; dhārayiṣyāmi – ich werde tragen; rakṣasva – schütze; mām – mich; pade pade – bei jedem Schritt.

1.38 – Anuvaka 1, Mantra 38
bhūmirdhenurdharaṇī lokadhāriṇī | uddhṛtāsi varāheṇa kṛṣṇena śatabāhunā || 1.38 ||

Übersetzung: Die Erde ist eine Milchkuh, die Trägerin und Erhalterin der Welten. Du wurdest vom dunklen, hundertarmigen Eber emporgehoben.

Wort-für-Wort-Erläuterung: bhūmiḥ – Erde; dhenuḥ – Milchkuh; dharaṇī – Trägerin; loka-dhāriṇī – Erhalterin der Welten; uddhṛtā asi – du bist emporgehoben; varāheṇa – durch den Eber; kṛṣṇena – durch den Dunklen; śata-bāhunā – durch den Hundertarmigen.

1.39 – Anuvaka 1, Mantra 39
mṛttike hana pāpaṃ yanmayā duṣkṛtaṃ kṛtam | mṛttike brahmadattāsi kāśyapenābhimantritā | mṛttike dehi me puṣṭiṃ tvayi sarvaṃ pratiṣṭhitam || 1.39 ||

Übersetzung: O Erde, vernichte die Verfehlung, die ich durch schlechte Tat begangen habe. Du bist von Brahman gegeben und von Kashyapa geweiht. Gib mir Gedeihen; in dir ist alles gegründet.

Wort-für-Wort-Erläuterung: mṛttike – o Erde; hana – vernichte; pāpam – Verfehlung; yat – welche; mayā – von mir; duṣkṛtam kṛtam – als schlechte Tat getan; mṛttike – o Erde; brahma-dattā asi – du bist von Brahman gegeben; kāśyapena – von Kashyapa; abhimantritā – durch Mantra geweiht; dehi – gib; me – mir; puṣṭim – Gedeihen, Nahrungskraft; tvayi – in dir; sarvam – alles; pratiṣṭhitam – gegründet.

1.40 – Anuvaka 1, Mantra 40
mṛttike pratiṣṭhite sarvaṃ tanme nirṇuda mṛttike | tvayā hatena pāpena gacchāmi paramāṃ gatim || 1.40 ||

Übersetzung: O Erde, in der alles gegründet ist, vertreibe all jenes von mir. Wenn die Verfehlung durch dich erschlagen ist, gehe ich zum höchsten Ziel.

Wort-für-Wort-Erläuterung: mṛttike – o Erde; pratiṣṭhite – du Gegründete; sarvam – alles; tat – jenes; me – von mir; nirṇuda – vertreibe; mṛttike – o Erde; tvayā – durch dich; hatena – erschlagen; pāpena – mit der Verfehlung; gacchāmi – gehe ich; paramām gatim – zum höchsten Ziel.

1.41 – Anuvaka 1, Mantra 41
yata indra bhayāmahe tato no abhayaṃ kṛdhi | maghavañchagdhi tava tanna ūtaye vidviṣo vimṛdho jahi || 1.41 ||

Übersetzung: Wovor wir uns fürchten, o Indra, davor mache uns furchtlos. O Freigebiger, sei stark zu unserem Schutz; erschlage die Hassenden und Angreifer.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yataḥ – wovor, aus welcher Ursache; indra – o Indra; bhayāmahe – wir fürchten uns; tataḥ – davor; naḥ – uns; abhayam – Furchtlosigkeit; kṛdhi – mache; maghavan – o Freigebiger; śagdhi – sei stark, hilf; tava – deine; tat – diese [Kraft]; naḥ ūtaye – zu unserem Schutz; vidviṣaḥ – Hassende; vimṛdhaḥ – Angreifer; jahi – erschlage.

1.42 – Anuvaka 1, Mantra 42
svastidā viśaspatirvṛtrahā vimṛdho vaśī | vṛṣendraḥ pura etu naḥ svastidā abhayaṅkaraḥ || 1.42 ||

Übersetzung: Indra, der Wohlergehen schenkt, Herr der Sippe, Vritra-Töter, Bezwinger der Angreifer und Mächtiger, komme uns voran: der Stier, der Wohlergehen und Furchtlosigkeit schenkt.

Wort-für-Wort-Erläuterung: svasti-dā – Wohlergehen gebend; viśaḥ patiḥ – Herr der Sippe; vṛtra-hā – Vritra-Töter; vimṛdhaḥ – Angreifer [bezwingend]; vaśī – mächtig, beherrschend; vṛṣā – Stier, Kraftvoller; indraḥ – Indra; puraḥ etu – gehe voran, komme zuerst; naḥ – uns; svasti-dā – Wohlergehen gebend; abhayaṅ-karaḥ – Furchtlosigkeit schaffend.

1.43 – Anuvaka 1, Mantra 43
svasti na indro vṛddhaśravāḥ svasti naḥ pūṣā viśvavedāḥ | svasti nastārkṣyo ariṣṭanemiḥ svasti no bṛhaspatirdadhātu || 1.43 ||

Übersetzung: Indra von wachsendem Ruhm gewähre uns Heil, Pushan, der alles kennt, gewähre uns Heil. Tarkshya mit unversehrtem Rad gewähre uns Heil; Brihaspati gebe uns Heil.

Wort-für-Wort-Erläuterung: svasti – Wohlergehen; naḥ – uns; indraḥ – Indra; vṛddha-śravāḥ – von wachsendem Ruhm; svasti – Wohlergehen; naḥ – uns; pūṣā – Pushan; viśva-vedāḥ – alles kennend; svasti – Wohlergehen; naḥ – uns; tārkṣyaḥ – Tarkshya, der Sonnenvogel; ariṣṭa-nemiḥ – mit unversehrtem Rad; svasti – Wohlergehen; naḥ – uns; bṛhaspatiḥ – Brihaspati; dadhātu – möge geben.

1.44 – Anuvaka 1, Mantra 44
āpāntamanyustṛpalaprabharmā dhuniḥ śimīvāñcharumāṃṛjīṣī | somo viśvānyatasāvanāni nārvāgindraṃ pratimānāni debhuḥ || 1.44 ||

Übersetzung: Soma ist der Zornige aus den Wassern, der den dreifachen Stein trägt, der Erschütternde, Kraftvolle, Pfeilbewehrte und Tresterhaltige. Keine Gegenmacht kommt von hier an Indra heran; er hat alle Soma-Pressungen [übertroffen].

Wort-für-Wort-Erläuterung: āpām anta-manyuḥ – Zorniger aus den Wassern; tṛpala-prabharmā – den dreifachen Pressstein tragend; dhuniḥ – Erschütternder; śimīvān – Kraftvoller; śarumān – Pfeilbewehrter; ṛjīṣī – Tresterhaltiger; somaḥ – Soma; viśvāni – alle; atasāvanāni – Soma-Pressungen/Antriebe; na arvāk – nicht von hier, nicht niedriger; indram – Indra; pratimānāni – Gegenmaße, Gegenmächte; debhuḥ – erreichten/übertrafen [schwierige vedische Form].

1.45 – Anuvaka 1, Mantra 45
brahmajajñānaṃ prathamaṃ purastādvi sīmataḥ suruco vena āvaḥ | sa budhniyā upamā asya viṣṭhāḥ sataśca yonimasataśca vivaḥ || 1.45 ||

Übersetzung: Das zuerst im Osten geborene Brahman erkannte Vena; aus der Grenze offenbarte er die hellen Strahlen. Er enthüllte die tiefen und hohen Stätten dieses [Brahman], den Schoß des Seienden und des Nichtseienden.

Wort-für-Wort-Erläuterung: brahma – Brahman, heilige Formulierung; jajñānam – geboren/erkannt; prathamam – zuerst; purastāt – im Osten, am Anfang; vi sīmataḥ – aus der Grenze weit hervor; su-rucaḥ – helle Strahlen; venaḥ – Vena/Sonne; āvaḥ – offenbarte; saḥ – er; budhniyāḥ – die tiefen; upamāḥ – und höchsten/nahen Stätten; asya – dieses; viṣṭhāḥ – Wohnstätten; sataḥ ca – des Seienden; yonim – Ursprung; asataḥ ca – und des Nichtseienden; vivaḥ – enthüllte.

1.46 – Anuvaka 1, Mantra 46
syonā pṛthivi bhavān nṛkṣarā niveśanī | yacchā naḥ śarma saprathāḥ || 1.46 ||

Übersetzung: O Erde, sei freundlich, dornenlos und eine gute Wohnstätte. Gewähre uns weiten Schutz.

Wort-für-Wort-Erläuterung: syonā – freundlich, glückbringend; pṛthivi – o Erde; bhavān – sei; nṛkṣarā – dornenlos, den Menschen nicht verletzend; niveśanī – gute Wohnstätte; yaccha – gewähre; naḥ – uns; śarma – Schutz, Zuflucht; sa-prathāḥ – weit ausgedehnt.

1.47 – Anuvaka 1, Mantra 47
gandhadvārāṃ durādharṣāṃ nityapuṣṭāṃ karīṣiṇīm | īśvarīṃ sarvabhūtānāṃ tāmihopahvaye śriyam || 1.47 ||

Übersetzung: Ich rufe hier Shri an, die durch Duft zugänglich, unüberwindlich, stets gedeihend und reich an Nahrung ist, die Herrin aller Wesen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: gandha-dvārām – deren Eingang der Duft ist, durch Duft zugänglich; durādharṣām – unüberwindlich; nitya-puṣṭām – stets gedeihend; karīṣiṇīm – reich an Dung/Nahrung, fruchtbar; īśvarīm – Herrin; sarva-bhūtānām – aller Wesen; tām – diese; iha – hier; upahvaye – rufe ich herbei; śriyam – Shri, Fülle.

1.48 – Anuvaka 1, Mantra 48
śrīrme bhajatu alakṣmīrme naśyatu | viṣṇumukhā vai devāśchandobhirimāṃl lokānanapajayyamabhyajayan | mahāṃ indro vajrabāhuḥ ṣoḍaśī śarma yacchatu || 1.48 ||

Übersetzung: Möge Shri mir zuteilwerden, möge Alakshmi von mir weichen. Die Götter mit Vishnu an der Spitze eroberten durch die Metren diese unbezwingbaren Welten. Der große, sechzehnfache Indra mit dem Donnerkeulenarm gewähre Schutz.

Wort-für-Wort-Erläuterung: śrīḥ – Shri, Glück/Fülle; me – mir; bhajatu – möge zuteilwerden; alakṣmīḥ – Unglück, Mangel; me – von mir; naśyatu – möge vergehen; viṣṇu-mukhāḥ – mit Vishnu an der Spitze; vai devāḥ – wahrlich die Götter; chandobhiḥ – durch die vedischen Metren; imān lokān – diese Welten; anapajayyam – unbezwingbar; abhyajayan – eroberten; mahān indraḥ – der große Indra; vajra-bāhuḥ – mit Donnerkeule im Arm; ṣoḍaśī – sechzehnfach; śarma – Schutz; yacchatu – möge gewähren.

1.49 – Anuvaka 1, Mantra 49
svasti no maghavā karotu | hantu pāpmānaṃ yo’smān dveṣṭi || 1.49 ||

Übersetzung: Maghavan gewähre uns Wohlergehen. Er erschlage den Bösen, der uns hasst.

Wort-für-Wort-Erläuterung: svasti – Wohlergehen; naḥ – uns; maghavā – Maghavan, der freigebige Indra; karotu – möge schaffen; hantu – möge erschlagen; pāpmānam – Verfehlung/das Böse; yaḥ – das/der; asmān – uns; dveṣṭi – hasst.

1.50 – Anuvaka 1, Mantra 50
somānaṃ svaraṇaṃ kṛṇuhi brahmaṇaspate kakṣīvantaṃ ya auśijam | śarīraṃ yajñaśamalaṃ kusīdaṃ tasmintsīdatu yo’smān dveṣṭi || 1.50 ||

Übersetzung: Mache, o Herr des Gebets, den Sohn Ushijs Kakshivant zu einem klangvollen Soma-Presser. Auf dem Körper, dem unreinen Opferrest und Schuldlager, sitze nieder, wer uns hasst.

Wort-für-Wort-Erläuterung: soma-ānam – Soma-Presser; svaraṇam – klingend, berühmt; kṛṇuhi – mache; brahmaṇaspate – o Herr des Gebets; kakṣīvantam – Kakshivant; yaḥ auśijam – den Sohn Ushijs; śarīram – Körper; yajña-śamalam – unreiner Rest des Opfers; kusīdam – Schuldlager, Zins; tasmin sīdatu – darauf möge sitzen; yaḥ – wer; asmān – uns; dveṣṭi – hasst.

1.51 – Anuvaka 1, Mantra 51
caraṇaṃ pavitraṃ vitataṃ purāṇaṃ yena pūtastarati duṣkṛtāni | tena pavitreṇa śuddhena pūtā ati pāpmānamarātiṃ tarema || 1.51 ||

Übersetzung: Der Fuß [Vishnus] ist das uralte, weithin ausgespannte Reinigungsmittel; durch ihn geläutert überschreitet man schlechte Taten. Durch dieses reine Reinigungsmittel geläutert, wollen wir Verfehlung und Feindschaft überschreiten.

Wort-für-Wort-Erläuterung: caraṇam – Fuß, Schritt; pavitram – Reinigungsmittel; vitatam – ausgespannt; purāṇam – uralt; yena – durch den; pūtaḥ – geläutert; tarati – überschreitet; duṣkṛtāni – schlechte Taten; tena – durch dieses; pavitreṇa – Reinigungsmittel; śuddhena – reine; pūtāḥ – geläutert; ati – über ... hinaus; pāpmānam – Verfehlung; arātim – Feindschaft; tarema – wollen wir überschreiten.

1.52 – Anuvaka 1, Mantra 52
sajoṣā indra sagaṇo marudbhiḥ somaṃ piba vṛtrahañchūra vidvān | jahi śatrūṃrapa mṛdho nudasvāthābhayaṃ kṛṇuhi viśvato naḥ || 1.52 ||

Übersetzung: Einträchtig mit den Maruts und deiner Schar, o Indra, trinke Soma, Vritra-Töter, Held und Wissender. Erschlage die Feinde, dränge die Angriffe zurück und schaffe uns ringsum Furchtlosigkeit.

Wort-für-Wort-Erläuterung: sa-joṣāḥ – einträchtig; indra – o Indra; sa-gaṇaḥ – mit deiner Schar; marudbhiḥ – mit den Maruts; somam – Soma; piba – trinke; vṛtra-han – o Vritra-Töter; śūra – Held; vidvān – Wissender; jahi – erschlage; śatrūn – Feinde; apa – fort; mṛdhaḥ – Angriffe; nudasva – dränge; atha – dann; abhayam – Furchtlosigkeit; kṛṇuhi – schaffe; viśvataḥ – ringsum; naḥ – uns.

1.53 – Anuvaka 1, Mantra 53
sumitrā na āpa oṣadhayaḥ santu | durmitrāstasmai bhūyāsuryo’smān dveṣṭi yaṃ ca vayaṃ dviṣmaḥ || 1.53 ||

Übersetzung: Mögen Wasser und Heilpflanzen uns Freunde sein. Mögen sie dem Feind sein, der uns hasst und den wir hassen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: su-mitrāḥ – gute Freunde; naḥ – uns; āpaḥ – Wasser; oṣadhayaḥ – Heilpflanzen; santu – mögen sein; dur-mitrāḥ – schlechte Freunde, feindlich; tasmai – diesem; bhūyāsuḥ – mögen sie werden; yaḥ – der; asmān – uns; dveṣṭi – hasst; yam ca – und den; vayam – wir; dviṣmaḥ – hassen.

1.54 – Anuvaka 1, Mantra 54
āpo hi ṣṭhā mayobhuvastā na ūrje dadhātana | mahe raṇāya cakṣase | yo vaḥ śivatamo rasastasya bhājayate’ha naḥ | uśatīriva mātaraḥ | tasmā araṃ gamāma vo yasya kṣayāya jinvatha | āpo janayathā ca naḥ || 1.54 ||

Übersetzung: Ihr Wasser seid wahrlich glückspendend; gebt uns Nahrung und große, schöne Schau. Lasst uns an eurem heilsamsten Lebenssaft teilhaben wie liebevolle Mütter. Zu eurem befriedigenden Aufenthalt wollen wir gelangen, für dessen Bestand ihr uns belebt. Wasser, bringt uns neues Leben hervor.

Wort-für-Wort-Erläuterung: āpaḥ – ihr Wasser; hi ṣṭhā – wahrlich seid ihr; mayaḥ-bhuvaḥ – Glück hervorbringend; tāḥ – ihr; naḥ – uns; ūrje – zu Nahrungskraft; dadhātana – gebt, setzt ein; mahe – zur großen; raṇāya – schönen, erfreulichen; cakṣase – Schau, Einsicht; yaḥ – welcher; vaḥ – euer; śiva-tamaḥ – heilsamster; rasaḥ – Saft, Lebensessenz; tasya – an diesem; bhājayata – lasst teilhaben; iha naḥ – hier uns; uśatīḥ iva mātaraḥ – wie liebevolle Mütter; tasmai – zu jenem; aram – befriedigenden, passenden; gamāma – wollen wir gelangen; vaḥ – von euch; yasya kṣayāya – zu dessen Aufenthalt/Bestand; jinvatha – ihr belebt; āpaḥ – ihr Wasser; janayatha – bringt hervor; ca naḥ – auch uns.

1.55 – Anuvaka 1, Mantra 55
hiraṇyaśṛṅgaṃ varuṇaṃ prapadye tīrtha me dehi yācitaḥ | yanmayā bhuktamasādhūnāṃ pāpebhyaśca pratigrahaḥ || 1.55 ||

Übersetzung: Ich nehme Zuflucht zu Varuna mit dem goldenen Schmuck. Gib mir, darum gebeten, einen heiligen Übergang; denn ich habe von schlechten Menschen gegessen und Gaben von Verfehlenden angenommen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: hiraṇya-śṛṅgam – goldgehörnt, mit goldenem Schmuck; varuṇam – Varuna; prapadye – ich nehme Zuflucht; tīrtham – heilige Furt, Übergang; me – mir; dehi – gib; yācitaḥ – gebeten; yat – was; mayā – von mir; bhuktam – gegessen/genossen; asādhūnām – von schlechten Menschen; pāpebhyaḥ ca – und von Verfehlenden; pratigrahaḥ – Annahme einer Gabe.

1.56 – Anuvaka 1, Mantra 56
yanme manasā vācā karmaṇā vā duṣkṛtaṃ kṛtam | tanna indro varuṇo bṛhaspatiḥ savitā ca punantu punaḥ punaḥ || 1.56 ||

Übersetzung: Was ich mit Geist, Rede oder Handlung schlecht getan habe, das mögen Indra, Varuna, Brihaspati und Savitri immer wieder vollständig läutern.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yat – was; me – von mir; manasā – mit dem Geist; vācā – mit der Rede; karmaṇā vā – oder durch Handlung; duṣkṛtam – schlecht; kṛtam – getan; tat – dieses; naḥ – uns/von uns; indraḥ – Indra; varuṇaḥ – Varuna; bṛhaspatiḥ – Brihaspati; savitā ca – und Savitri; punantu – mögen läutern; punaḥ punaḥ – immer wieder, vollständig.

1.57 – Anuvaka 1, Mantra 57
namo’gnaye’psumate nama indrāya namo varuṇāya namo vāruṇyai namo’dbhyaḥ || 1.57 ||

Übersetzung: Verneigung vor Agni, der in den Wassern wohnt; Verneigung vor Indra; Verneigung vor Varuna; Verneigung vor Varuni; Verneigung vor den Wassern.

Wort-für-Wort-Erläuterung: namaḥ – Verneigung; agnaye – vor Agni; apsu-mate – dem in den Wassern Wohnenden; namaḥ indrāya – Verneigung vor Indra; namaḥ varuṇāya – Verneigung vor Varuna; namaḥ vāruṇyai – Verneigung vor Varuni; namaḥ adbhyaḥ – Verneigung vor den Wassern.

1.58 – Anuvaka 1, Mantra 58
yadapāṃ krūraṃ yadamedhyaṃ yadaśāntaṃ tadapagacchatāt || 1.58 ||

Übersetzung: Was an den Wassern verletzend, unrein oder unbefriedet ist, das möge fortgehen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yat – was; apām – an den Wassern; krūram – grausam, verletzend; yat amedhyam – was unrein; yat aśāntam – was unbefriedet; tat – das; apagacchatāt – möge fortgehen.

1.59 – Anuvaka 1, Mantra 59
atyāśanādatīpānād yacca ugrāt pratigrahāt | tanme varuṇo rājā pāṇinā hyavamarśatu || 1.59 ||

Übersetzung: Was durch übermäßiges Essen, übermäßiges Trinken oder die Annahme einer bedenklichen Gabe [entstand], das möge König Varuna mit seiner Hand von mir abstreifen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: ati-aśanāt – durch übermäßiges Essen; ati-pānāt – durch übermäßiges Trinken; yat ca – und was; ugrāt pratigrahāt – aus einer bedenklichen/gefährlichen Annahme; tat – das; me – von mir; varuṇaḥ rājā – König Varuna; pāṇinā – mit der Hand; hi – gewiss; avamarśatu – möge abstreifen, abwischen.

1.60 – Anuvaka 1, Mantra 60
so’hamapāpo virajo nirmukto muktakilbiṣaḥ | nākasya pṛṣṭhamāruhya gacchedbrahmasalokatām || 1.60 ||

Übersetzung: So werde ich ohne Verfehlung, frei von Unreinheit, gelöst und von Schuld befreit. Nachdem ich den Rücken des Himmels bestiegen habe, möge ich zur Gemeinschaft mit Brahman gelangen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ aham – so ich; apāpaḥ – ohne Verfehlung; virajaḥ – frei von Staub/Unreinheit; nirmuktaḥ – gelöst; mukta-kilbiṣaḥ – von Schuld befreit; nākasya pṛṣṭham – Rücken/Höhe des Himmels; āruhya – bestiegen habend; gacchet – möge gelangen; brahma-salokatām – zum Wohnen in derselben Welt wie Brahman, zur Brahman-Gemeinschaft.

1.61 – Anuvaka 1, Mantra 61
yaścāpsu varuṇaḥ sa punātvaghamarṣaṇaḥ || 1.61 ||

Übersetzung: Varuna, der in den Wassern ist und Verfehlung fortspült, möge mich läutern.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yaḥ ca – der auch; apsu – in den Wassern; varuṇaḥ – Varuna; saḥ – er; punātu – möge läutern; agha-marṣaṇaḥ – Verfehlung fortspülend.

1.62 – Anuvaka 1, Mantra 62
imaṃ me gaṅge yamune sarasvati śutudri stomaṃ sacatā paruṣṇiyā | asikniya marudvṛdhe vitastayārjīkīye śṛṇuhyā suṣomayā || 1.62 ||

Übersetzung: O Ganga, Yamuna, Sarasvati, Shutudri und Parushni, nehmt an meinem Lobgesang teil; o Asikni, Marudvridha, Vitasta, Arjikiya und Sushoma, hört ihn.

Wort-für-Wort-Erläuterung: imam me stomam – diesen meinen Lobgesang; gaṅge – o Ganga; yamune – o Yamuna; sarasvati – o Sarasvati; śutudri – o Shutudri; sacata – nehmt teil, begleitet; paruṣṇiyā – mit Parushni; asikniya – o Asikni; marud-vṛdhe – o Marudvridha; vitastayā – mit Vitasta; ārjīkīye – o Arjikiya; śṛṇuhi – höre; ā suṣomayā – zusammen mit Sushoma.

1.63 – Anuvaka 1, Mantra 63
ṛtaṃ ca satyaṃ cābhīddhāttapaso’dhyajāyata | tato rātrirajāyata tataḥ samudro arṇavaḥ || 1.63 ||

Übersetzung: Ordnung und Wahrheit wurden aus der entflammten Askese geboren. Daraus entstand die Nacht, daraus der wogende Ozean.

Wort-für-Wort-Erläuterung: ṛtam ca – Ordnung und; satyam ca – Wahrheit; abhīddhāt – aus dem Entflammten; tapasaḥ adhi – aus Askese/Glut; ajāyata – entstand; tataḥ – daraus; rātriḥ – Nacht; ajāyata – entstand; tataḥ – daraus; samudraḥ arṇavaḥ – der wogende Ozean.

1.64 – Anuvaka 1, Mantra 64
samudrādarṇavādadhi saṃvatsaro ajāyata | ahorātrāṇi vidadhadviśvasya miṣato vaśī || 1.64 ||

Übersetzung: Aus dem wogenden Ozean entstand das Jahr. Der Herrscher ordnete Tage und Nächte für alles, was die Augen öffnet.

Wort-für-Wort-Erläuterung: samudrāt arṇavāt adhi – aus dem wogenden Ozean; saṃvatsaraḥ – Jahr; ajāyata – entstand; aho-rātrāṇi – Tage und Nächte; vidadhat – ordnend; viśvasya – des Alls; miṣataḥ – des die Augen Öffnenden, Lebendigen; vaśī – der Herrscher.

1.65 – Anuvaka 1, Mantra 65
sūryācandramasau dhātā yathāpūrvamakalpayat | divaṃ ca pṛthivīṃ cāntarikṣamatho suvaḥ || 1.65 ||

Übersetzung: Der Ordner bildete Sonne und Mond wie zuvor, dazu Himmel, Erde, Zwischenraum und den lichten Himmel.

Wort-für-Wort-Erläuterung: sūryā-candramasau – Sonne und Mond; dhātā – der Ordner, Schöpfer; yathā-pūrvam – wie zuvor; akalpayat – bildete, ordnete; divam ca – und Himmel; pṛthivīm ca – und Erde; antarikṣam – Zwischenraum; atho – und dann; suvaḥ – lichter Himmel.

1.66 – Anuvaka 1, Mantra 66
yatpṛthivyāṃ rajaḥ svamāntarikṣe virodasī | imāṃstadāpo varuṇaḥ punātvaghamarṣaṇaḥ || punantu vasavaḥ punātu varuṇaḥ punātvaghamarṣaṇaḥ | eṣa bhūtasya madhye bhuvanasya goptā || eṣa puṇyakṛtāṃ lokāneṣa mṛtyorhiraṇmayam | dyāvāpṛthivyorhiraṇmayaṃ saṃśritaṃ suvaḥ | sa naḥ suvaḥ saṃśiśādhi || 1.66 ||

Übersetzung: Was an Staub auf der Erde und im eigenen Bereich zwischen den beiden Welten liegt, all das mögen die Wasser und Varuna, der Verfehlung fortspült, läutern. Die Vasus mögen läutern, Varuna möge läutern, der Verfehlung fortspülende Varuna möge läutern. Er ist inmitten der Wesen der Hüter der Welt. Er gibt die Welten der Tugendhaften und die goldene Welt jenseits des Todes. Der goldene lichte Himmel ruht zwischen Himmel und Erde. Möge er uns diesen lichten Himmel gut bereiten.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yat – was; pṛthivyām – auf der Erde; rajaḥ – Staub/Unreinheit; svam – im eigenen [Bereich]; antarikṣe – im Zwischenraum; vi-rodasī – zwischen beiden Welten; imān – all diese; tat āpaḥ – diese Wasser; varuṇaḥ – Varuna; punātu – möge läutern; agha-marṣaṇaḥ – Verfehlung fortspülend; punantu – mögen läutern; vasavaḥ – die Vasus; punātu varuṇaḥ – Varuna möge läutern; eṣaḥ – dieser; bhūtasya madhye – inmitten der Wesen; bhuvanasya goptā – Hüter der Welt; eṣaḥ – dieser; puṇya-kṛtām lokān – die Welten der Tugendhaften [gibt]; eṣaḥ – dieser; mṛtyoḥ hiraṇmayam – das Goldene jenseits des Todes; dyāvā-pṛthivyoḥ – zwischen Himmel und Erde; hiraṇmayam – das Goldene; saṃśritam – ruhend; suvaḥ – lichter Himmel; saḥ – er; naḥ – uns; suvaḥ – den lichten Himmel; saṃśiśādhi – möge gut bereiten, zuweisen.

1.67 – Anuvaka 1, Mantra 67
ārdraṃ jvalatijyotirahamasmi | jyotirjvalati brahmāhamasmi | yo’hamasmi brahmāhamasmi | ahamasmi brahmāhamasmi | ahamevāhaṃ māṃ juhomi svāhā || 1.67 ||

Übersetzung: Ich bin das feuchte, flammende Licht. Das Licht flammt: Ich bin Brahman. Was ich bin, ist Brahman. Ich bin, ich bin Brahman. Mich selbst bringe ich in mir selbst als Opfer dar. Svaha.

Wort-für-Wort-Erläuterung: ārdram – feucht; jvalati – flammt; jyotiḥ – Licht; aham asmi – ich bin; jyotiḥ jvalati – das Licht flammt; brahma aham asmi – Brahman bin ich; yaḥ aham asmi – was/wer ich bin; brahma aham asmi – Brahman bin ich; aham asmi – ich bin; brahma aham asmi – Brahman bin ich; aham eva aham – ich allein bin ich; mām – mich; juhomi – bringe ich als Opfer dar; svāhā – Svaha, Opferruf.

1.68 – Anuvaka 1, Mantra 68
akāryavakīrṇī steno bhrūṇahā gurutalpagaḥ | varuṇo’pāmaghamarṣaṇastasmāt pāpāt pramucyate || 1.68 ||

Übersetzung: Wer Verbotenes getan, Keuschheit verletzt, gestohlen, einen Embryo getötet oder das Lager des Lehrers verletzt hat, wird durch Varuna in den Wassern, der Verfehlung fortspült, von dieser Schuld gelöst.

Wort-für-Wort-Erläuterung: akārya-avakīrṇī – Verbotenes Tuender/Keuschheit Verletzender; stenaḥ – Dieb; bhrūṇa-hā – Embryo- oder Brahmanen-Töter; guru-talpa-gaḥ – zum Lager des Lehrers gehend; varuṇaḥ – Varuna; apām – der Wasser; agha-marṣaṇaḥ – Verfehlung fortspülend; tasmāt pāpāt – von dieser Verfehlung; pramucyate – wird vollständig gelöst.

1.69 – Anuvaka 1, Mantra 69
rajobhūmistva māṃ rodayasva pravadanti dhīrāḥ || 1.69 ||

Übersetzung: Ich bin der Boden der Verfehlungen; deshalb lässt du mich weinen – so sprechen die Weisen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: rajaḥ-bhūmiḥ – Boden des Staubs, der Unreinheit oder Verfehlungen; tu – nun, deshalb; mām – mich; rodayasva – lass weinen; pravadanti – so sprechen; dhīrāḥ – die Weisen.

1.70 – Anuvaka 1, Mantra 70
ākrāntsamudraḥ prathame vidharmañjanayanprajā bhuvanasya rājā | vṛṣā pavitre adhi sāno avye bṛhatsomo vāvṛdhe suvāna induḥ || 1.70 ||

Übersetzung: Der Ozean überschritt im ersten Ordnungsraum [seine Grenze], als er als König der Welt Geschöpfe hervorbrachte. Der kräftige Soma wuchs, während er auf dem Rücken des wollenen Filters geläutert wurde.

Wort-für-Wort-Erläuterung: ākrānt – überschritt, überflutete; samudraḥ – Ozean; prathame – im ersten; vidharman – Ordnungsraum, Weltgesetz; janayan – hervorbringend; prajāḥ – Geschöpfe; bhuvanasya rājā – König der Welt; vṛṣā – Stier, Kraftvoller; pavitre adhi – auf dem Filter; sāno – auf dem Rücken/Gipfel; avye – wollenen; bṛhat somaḥ – der große Soma; vāvṛdhe – wuchs mächtig; suvānaḥ – gepresst, geläutert werdend; induḥ – Soma-Tropfen.


Mahanarayana Upanishad 2. Anuvaka

2.1 – Anuvaka 2, Mantra 1
jātavedase sunavāma somamarātīyato nidahāti vedaḥ | sa naḥ parṣadati durgāṇi viśvā nāveva sindhuṃ duritātyagniḥ || 2.1 ||

Übersetzung: Für Jatavedas wollen wir Soma pressen; als Wissender verbrenne er den Feindseligen. Agni führe uns über alle Schwierigkeiten, wie ein Schiff über den Strom, und über alles Schlechte.

Wort-für-Wort-Erläuterung: jātavedase – für Jatavedas, den Allkundigen; sunavāma – wollen wir pressen; somam – Soma; arātīyataḥ – den feindselig Handelnden; nidahāti – verbrennt; vedaḥ – der Wissende; saḥ – er; naḥ – uns; parṣat – möge hinüberführen; ati – über ... hinaus; durgāṇi viśvā – alle Schwierigkeiten; nāvā iva – wie mit einem Schiff; sindhum – Strom, Meer; duritāt – aus dem Schlechten; ati – hinüber; agniḥ – Agni.

2.2 – Anuvaka 2, Mantra 2
tāmagnivarṇāṃ tapasā jvalantīṃ vairocanīṃ karmaphaleṣu juṣṭām | durgāṃ devīṃ śaraṇamahaṃ prapadye sutarasi tarase namaḥ || 2.2 ||

Übersetzung: Zu der feuerfarbenen, durch Askese flammenden, strahlenden Göttin, die in den Früchten des Handelns verehrt wird, zu Durga nehme ich Zuflucht. Du führst gut hinüber; Verneigung sei deiner Kraft des Hinüberführens.

Wort-für-Wort-Erläuterung: tām – zu ihr; agni-varṇām – feuerfarben; tapasā – durch Askese/Glut; jvalantīm – flammend; vairocanīm – weithin leuchtend, strahlend; karma-phaleṣu – in den Früchten der Handlungen; juṣṭām – verehrt, gegenwärtig; durgām devīm – zur Göttin Durga; śaraṇam – Zuflucht; aham – ich; prapadye – nehme; su-tarasi – du führst gut hinüber; tarase – der Kraft des Hinüberführens; namaḥ – Verneigung.

2.3 – Anuvaka 2, Mantra 3
agne tvaṃ pārayā navyo asmān svastibhirati durgāṇi viśvā | pūśca pṛthvī bahulā na urvī bhavā tokāya tanayāya śaṃyoḥ || 2.3 ||

Übersetzung: O Agni, führe du uns mit neuen Heilswegen über alle Schwierigkeiten. Die Erde werde uns weit und ausgedehnt wie eine Stadt; sei unseren Kindern und Nachkommen zu Wohlergehen und Frieden.

Wort-für-Wort-Erläuterung: agne – o Agni; tvam – du; pārayā – führe hinüber; navyaḥ – der Neue/mit neuen Mitteln; asmān – uns; svastibhiḥ – durch Heilswege; ati – über ... hinaus; durgāṇi viśvā – alle Schwierigkeiten; pūḥ ca – und die Stadt/Erde; pṛthvī – weit; bahulā – ausgedehnt; na urvī – wie eine breite [Fläche] für uns; bhavā – sei; tokāya – dem Kind; tanayāya – dem Nachkommen; śam-yoḥ – zu Wohlergehen und Frieden.

2.4 – Anuvaka 2, Mantra 4
viśvāni no durgahā jātavedaḥ sindhuṃ na nāvā duritātiparṣi | agne atrivanmanasā gṛṇāno’smākaṃ bodhyavitā tanūnām || 2.4 ||

Übersetzung: O Jatavedas, der du alle Schwierigkeiten zerstörst, führe uns über das Schlechte wie ein Schiff über den Strom. O Agni, wie Atri dich mit dem Geist preisend, erkenne uns und sei Beschützer unserer Leiber.

Wort-für-Wort-Erläuterung: viśvāni – alle; naḥ – unsere; durga-hā – Schwierigkeiten zerstörend; jātavedaḥ – o Jatavedas; sindhum – Strom; na nāvā – wie mit einem Schiff; duritā – über das Schlechte; ati-parṣi – führe hinüber; agne – o Agni; atri-vat – wie Atri; manasā – mit dem Geist; gṛṇānaḥ – preisend; asmākam – unsere; bodhi – erkenne, sei bewusst; avitā – Beschützer; tanūnām – der Leiber.

2.5 – Anuvaka 2, Mantra 5
pṛtanājitaṃ sahamānamugramagniṃ huvema paramātsadhasthāt | sa naḥ parṣadati durgāṇi viśvā kṣāmaddevo ati duritātyagniḥ || 2.5 ||

Übersetzung: Wir wollen den kampfsiegenden, widerstehenden, mächtigen Agni vom höchsten Versammlungsort herbeirufen. Als Gott führe er uns über alle Schwierigkeiten und aus vergänglicher Not über alles Schlechte.

Wort-für-Wort-Erläuterung: pṛtanā-jitam – in Schlachten siegreich; sahamānam – widerstehend, bezwingend; ugram – mächtig; agnim – Agni; huvema – wollen wir herbeirufen; paramāt sadhasthāt – vom höchsten Versammlungsort; saḥ – er; naḥ – uns; parṣat – möge hinüberführen; ati – über ... hinaus; durgāṇi viśvā – alle Schwierigkeiten; kṣāmāt – aus Vergänglichkeit, Not; devaḥ – der Gott; ati duritāti – über alles Schlechte hinaus; agniḥ – Agni.

2.6 – Anuvaka 2, Mantra 6
pratnoṣi kamīḍyo adhvareṣu sanācca hotā navyaśca satsi | svāṃ cāgne tanuvaṃ piprayasvāsmabhyaṃ ca saubhagamāyajasva || 2.6 ||

Übersetzung: Du bist uralt und verehrungswürdig in den Opfern; von alters her bist du Hotri und bleibst doch neu. O Agni, erfreue deinen eigenen Leib und erwirke für uns Glück.

Wort-für-Wort-Erläuterung: pratnaḥ asi – du bist uralt; kam īḍyaḥ – wahrlich verehrungswürdig; adhvareṣu – in den Opfern; sanāt ca – seit alters; hotā – Hotri-Priester; navyaḥ ca – und neu; satsi – sitzt/bist du; svām ca – deine eigene; agne – o Agni; tanuvam – Gestalt, Leib; piprayasva – erfreue, erfülle; asmabhyam ca – und für uns; saubhagam – Glück; ā-yajasva – erwirke durch Opfer.

2.7 – Anuvaka 2, Mantra 7
gobhirjuṣṭamayujo niṣiktaṃ tavendra viṣṇoranusaṃcarema | nākasya pṛṣṭhamabhi saṃvasāno vaiṣṇavīṃ loka iha mādayantām || 2.7 ||

Übersetzung: Wir wollen, von den Kühen willkommen geheißen und mit der ungebundenen [Kraft] gesalbt, deinem Weg folgen, o Indra-Vishnu. Während wir auf dem Rücken des Himmels beisammen wohnen, mögen sich die vishnuitischen Welten hier an uns erfreuen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: gobhiḥ – von Kühen/Strahlen; juṣṭam – willkommen geheißen; ayujaḥ – der ungebundenen [Kraft]; niṣiktam – gesalbt, ausgegossen; tava – deinen; indra – o Indra; viṣṇoḥ – Vishnus; anu-saṃcarema – mögen wir nachfolgend durchwandern; nākasya pṛṣṭham – Rücken/Höhe des Himmels; abhi saṃvasānaḥ – dort zusammen wohnend; vaiṣṇavīm – vishnuitisch, Vishnu gehörig; loke – in der Welt; iha – hier; mādayantām – mögen [sie] sich erfreuen/uns erfreuen.

Mahanarayana Upanishad Anuvaka 3

3.1 – Anuvaka 3, Mantra 1
bhūrannamagnaye pṛthivyai svāhā bhuvo’nnaṃ vāyave’ntarikṣāya svāhā suvarannamādityāya dive svāhā bhūrbhuvassuvarannaṃ candramase digbhyaḥ svāhā namo devebhyaḥ svadhā pitṛbhyo bhūrbhuvaḥ suvarannamom || 3.1 ||

Übersetzung: Bhuh: Nahrung für Agni und die Erde – Svaha. Bhuvah: Nahrung für Vayu und den Zwischenraum – Svaha. Suvah: Nahrung für Aditya und den Himmel – Svaha. Bhuh, Bhuvah, Suvah: Nahrung für den Mond und die Richtungen – Svaha. Verneigung den Göttern, Svaha den Vätern. Bhuh, Bhuvah, Suvah – Nahrung, Om.

Wort-für-Wort-Erläuterung: bhūḥ – Erde, erste Weltanrufung; annam – Nahrung; agnaye – für Agni; pṛthivyai – für die Erde; svāhā – Svaha; bhuvaḥ – Zwischenraum; annam – Nahrung; vāyave – für Vayu; antarikṣāya – für den Zwischenraum; svāhā – Svaha; suvaḥ – Himmel; annam – Nahrung; ādityāya – für Aditya; dive – für den Himmel; svāhā – Svaha; bhūḥ bhuvaḥ suvaḥ – Erde, Zwischenraum, Himmel; annam – Nahrung; candramase – für den Mond; digbhyaḥ – für die Richtungen; svāhā – Svaha; namaḥ devebhyaḥ – Verneigung den Göttern; svadhā pitṛbhyaḥ – Svadhā den Vätern; bhūḥ bhuvaḥ suvaḥ – die drei Welten; annam – Nahrung; om – Om.

Mahanarayana Upanishad Anuvaka 4

4.1 – Anuvaka 4, Mantra 1
bhūragnaye pṛthivyai svāhā bhuvo vāyave’ntarikṣāya svāhā suvarādityāya dive svāhā bhūrbhuvassuvaścandramase digbhyaḥ svāhā namo devebhyaḥ svadhā pitṛbhyo bhūrbhuvaḥsuvaragna om || 4.1 ||

Übersetzung: Bhuh für Agni und die Erde – Svaha. Bhuvah für Vayu und den Zwischenraum – Svaha. Suvah für Aditya und den Himmel – Svaha. Bhuh, Bhuvah, Suvah für den Mond und die Richtungen – Svaha. Verneigung den Göttern, Svaha den Vätern. Bhuh, Bhuvah, Suvah – Agni, Om.

Wort-für-Wort-Erläuterung: bhūḥ – Erde; agnaye – für Agni; pṛthivyai – für die Erde; svāhā – Svaha; bhuvaḥ – Zwischenraum; vāyave – für Vayu; antarikṣāya – für den Zwischenraum; svāhā – Svaha; suvaḥ – Himmel; ādityāya – für Aditya; dive – für den Himmel; svāhā – Svaha; bhūḥ bhuvaḥ suvaḥ – drei Weltanrufungen; candramase – für den Mond; digbhyaḥ – für die Richtungen; svāhā – Svaha; namaḥ devebhyaḥ – Verneigung den Göttern; svadhā pitṛbhyaḥ – Svadhā den Vätern; bhūḥ bhuvaḥ suvaḥ – Erde, Zwischenraum, Himmel; agne – o Agni; om – Om.

Mahanarayana Upanishad Anuvaka 5

5.1 – Anuvaka 5, Mantra 1
bhūragnaye ca pṛthivyai ca mahute ca svāhā bhuvo vāyave cāntarikṣāya ca mahate ca svāhā suvarādityāya ca dive ca mahate ca svāhā bhūrbhuvassuvaścandramase ca nakṣatrebhyaśca digbhyaśca mahate ca svāhā namo devebhyaḥ svadhā pitṛbhyo bhūrbhuvaḥ suvarmaharom || 5.1 ||

Übersetzung: Bhuh für Agni, die Erde und das Große – Svaha. Bhuvah für Vayu, den Zwischenraum und das Große – Svaha. Suvah für Aditya, den Himmel und das Große – Svaha. Bhuh, Bhuvah, Suvah für den Mond, die Sternbilder, die Richtungen und das Große – Svaha. Verneigung den Göttern, Svaha den Vätern. Bhuh, Bhuvah, Suvah, Mahah – Om.

Wort-für-Wort-Erläuterung: bhūḥ – Erde; agnaye ca – und für Agni; pṛthivyai ca – und für die Erde; mahate ca – und für das Große; svāhā – Svaha; bhuvaḥ – Zwischenraum; vāyave ca – und für Vayu; antarikṣāya ca – und für den Zwischenraum; mahate ca – und für das Große; svāhā – Svaha; suvaḥ – Himmel; ādityāya ca – und für Aditya; dive ca – und für den Himmel; mahate ca – und für das Große; svāhā – Svaha; bhūḥ bhuvaḥ suvaḥ – drei Weltanrufungen; candramase ca – und für den Mond; nakṣatrebhyaḥ ca – und für die Sternbilder; digbhyaḥ ca – und für die Richtungen; mahate ca – und für das Große; svāhā – Svaha; namaḥ devebhyaḥ – Verneigung den Göttern; svadhā pitṛbhyaḥ – Svadhā den Vätern; bhūḥ bhuvaḥ suvaḥ mahaḥ – Erde, Zwischenraum, Himmel, das Große; om – Om.

Mahanarayana Upanishad Anuvaka 6-12

6.1 – Anuvaka 6, Mantra 1
pāhi no agna enase svāhā pāhi no viśvavedase svāhā yajñaṃ pāhi vibhāvaso svāhā sarvaṃ pāhi śatakrato svāhā || 6.1 ||

Übersetzung: Schütze uns, o Agni, vor Verfehlung – Svaha. Schütze uns, Allwissender – Svaha. Schütze das Opfer, o weithin Leuchtender – Svaha. Schütze alles, o Hundertkräftiger – Svaha.

Wort-für-Wort-Erläuterung: pāhi – schütze; naḥ – uns; agne – o Agni; enasaḥ – vor Verfehlung; svāhā – Svaha; pāhi – schütze; naḥ – uns; viśva-vedase – o Allwissender; svāhā – Svaha; yajñam – Opfer; pāhi – schütze; vibhāvaso – o weithin Leuchtender; svāhā – Svaha; sarvam – alles; pāhi – schütze; śata-krato – o Hundertkräftiger, Indra; svāhā – Svaha.

7.1 – Anuvaka 7, Mantra 1
pāhi no agna ekayā pāhyuta dvitīyayā pāhyūrja tṛtīyayā pāhi gīrbhiścatasṛbhirvaso svāhā || 7.1 ||

Übersetzung: Schütze uns, o Agni, mit der ersten [Formel], schütze auch mit der zweiten, schütze Nahrungskraft mit der dritten und schütze, o Guter, mit den vier Gesängen – Svaha.

Wort-für-Wort-Erläuterung: pāhi – schütze; naḥ – uns; agne – o Agni; ekayā – mit der ersten/einen; pāhi – schütze; uta – auch; dvitīyayā – mit der zweiten; pāhi – schütze; ūrjam – Nahrungskraft; tṛtīyayā – mit der dritten; pāhi – schütze; gīrbhiḥ – mit Gesängen; catasṛbhiḥ – mit vier; vaso – o Guter, Schatzreicher; svāhā – Svaha.

8.1 – Anuvaka 8, Mantra 1
yaśchandasāmṛṣabho viśvarūpaśchandobhyaścandāṃsyāviveśa | satāṃśikyaḥ provācopaniṣadindro jyeṣṭha indriyāya ṛṣibhyo namo devebhyaḥ svadhā pitṛbhyo bhūrbhuvassuvaśchanda om || 8.1 ||

Übersetzung: Der Stier unter den Metren, von allgestaltiger Form, ging aus den Metren in die Metren ein. Indra, der Älteste, verkündete die Upanishad der Weisen zur Kraft der Sinnesorgane. Verneigung den Göttern, Svaha den Vätern. Bhuh, Bhuvah, Suvah – das Versmaß, Om.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yaḥ – der; chandasām – unter den Metren; ṛṣabhaḥ – Stier, Vorzüglichster; viśva-rūpaḥ – allgestaltig; chandobhyaḥ – aus den Metren; chandāṃsi – in die Metren; āviveśa – ging ein; satām śikyaḥ – für die Guten lehrbar/zu erlernen [schwierige Lesart]; provāca – verkündete; upaniṣat – vertrauliche Lehre; indraḥ – Indra; jyeṣṭhaḥ – der Älteste; indriyāya – für Sinneskraft; ṛṣibhyaḥ – den Sehern; namaḥ devebhyaḥ – Verneigung den Göttern; svadhā pitṛbhyaḥ – Svadhā den Vätern; bhūḥ bhuvaḥ suvaḥ – Erde, Zwischenraum, Himmel; chandaḥ – Versmaß; om – Om.

9.1 – Anuvaka 9, Mantra 1
namo brahmaṇe dhāraṇaṃ me astvanirākaraṇaṃ dhārayitā bhūyāsaṃ karṇayoḥ śrutaṃ mā cyoḍhaṃ mamāmuṣya om || 9.1 ||

Übersetzung: Verneigung vor Brahman. Möge mir Bewahrung und kein Verwerfen zuteilwerden; möge ich ein Bewahrer sein. Was ich mit beiden Ohren gehört habe, möge nicht von mir und von diesem [Schüler] weichen. Om.

Wort-für-Wort-Erläuterung: namaḥ brahmaṇe – Verneigung vor Brahman; dhāraṇam – Bewahrung, Festhalten; me – mir; astu – möge sein; anirākaraṇam – kein Verwerfen; dhārayitā – Bewahrer; bhūyāsam – möge ich sein; karṇayoḥ – in beiden Ohren; śrutam – Gehörtes; mā cyoḍham – möge nicht abfallen/fortgetrieben werden; mama – von mir; amuṣya – von diesem, jenem [Schüler]; om – Om.

10.1 – Anuvaka 10, Mantra 1
ṛtaṃ tapaḥ satyaṃ tapaḥ śrutaṃ tapaḥ śāntaṃ tapo damastapaḥ śamastapo dānaṃ tapo yajñaṃ tapo bhūrbhuvaḥ suvarbrahmaitadupāsvaitattapaḥ || 10.1 ||

Übersetzung: Die Ordnung ist Askese, Wahrheit ist Askese, Hören ist Askese, Friedfertigkeit ist Askese, Sinnesbeherrschung ist Askese, innere Ruhe ist Askese, Geben ist Askese, Opfer ist Askese. Bhuh, Bhuvah, Suvah: Brahman – verehre dies; dies ist Askese.

Wort-für-Wort-Erläuterung: ṛtam – kosmische Ordnung; tapaḥ – Askese; satyam – Wahrheit; tapaḥ – Askese; śrutam – Hören, Offenbarung; tapaḥ – Askese; śāntam – Friedfertigkeit; tapaḥ – Askese; damaḥ – Sinnesbeherrschung; tapaḥ – Askese; śamaḥ – innere Ruhe; tapaḥ – Askese; dānam – Geben; tapaḥ – Askese; yajñam – Opfer; tapaḥ – Askese; bhūḥ bhuvaḥ suvaḥ – Erde, Zwischenraum, Himmel; brahma – Brahman; etat upāsva – dies verehre/betrachte; etat tapaḥ – dies ist Askese.

11.1 – Anuvaka 11, Mantra 1
yathā vṛkṣasya sampuṣpitasya dūrādgandho vātyevaṃ puṇyasya karmaṇo dūrādgandho vāti yathāsidhārāṃ karte’vahitamavakrāme yadyuve yuve havā vihvayiṣyāmi kartaṃ patiṣyāmītyevamamṛtādātmānaṃ jugupset || 11.1 ||

Übersetzung: Wie der Duft eines blühenden Baumes von weitem weht, so weht der Duft einer verdienstvollen Tat von weitem. Wie jemand, der auf eine über einer Grube gelegte Schwertschneide tritt, denkt: ‚Wenn ich schwanke, werde ich in die Grube fallen‘, so hüte man das Selbst vor dem Verlust der Unsterblichkeit.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yathā – wie; vṛkṣasya – eines Baumes; sampuṣpitasya – voll erblühten; dūrāt – von weitem; gandhaḥ – Duft; vāti – weht; evam – so; puṇyasya karmaṇaḥ – einer verdienstvollen Tat; dūrāt gandhaḥ vāti – von weitem weht der Duft; yathā – wie; asi-dhārām – Schwertschneide; karte – über einer Grube; avahitam – niedergelegt; avakrāme – wenn ich darauf trete; yadi – wenn; yuve yuve – ich schwanke, taumle [wiederholt]; ha vā – wahrlich; vihvayiṣyāmi – werde ich stürzen/schwanken; kartam – in die Grube; patiṣyāmi – werde ich fallen; iti – so [denkend]; evam – ebenso; amṛtāt – vor [dem Verlust] der Unsterblichkeit; ātmānam – das Selbst; jugupset – soll man schützen, hüten.

Mahanarayana Upanishad Anuvaka 12

12.1 – Das Selbst in der Höhle des Herzens
aṇoraṇīyān mahato mahīyānātmā guhāyāṃ nihito’sya jantoḥ | tamakratuṃ paśyati vītaśoko dhātuḥ prasādānmahimānamīśam || 12.1 ||

Übersetzung: Kleiner als das Kleine, größer als das Große ist das Selbst, das in der Höhle dieses Lebewesens verborgen liegt. Frei von Trauer schaut man durch die Gnade des Schöpfers jenen Herrn, der ohne begehrenden Entschluss ist, seine Größe.

Wort-für-Wort-Erläuterung: aṇoḥ – als das Kleine, Feine; Ablativ; aṇīyān – kleiner, feiner; mahataḥ – als das Große; mahīyān – größer; ātmā – Selbst; guhāyām – in der Höhle, im verborgenen Inneren; nihitaḥ – niedergelegt, verborgen; asya – dieses; jantoḥ – Lebewesens; tam – jenen; a-kratum – ohne begehrenden Entschluss; a, ohne; kratu, Wille/Entschluss; Akkusativ; paśyati – man sieht, schaut; vīta-śokaḥ – dessen Trauer vergangen ist; dhātuḥ – des Schöpfers, des Einsetzers; Genitiv von dhātṛ; prasādāt – durch Gnade, Klarheit oder Wohlwollen; mahimānam – Größe, Hoheit; Akkusativ; īśam – Herrn; Akkusativ.

Textkritischer Hinweis: Anders als in der verbreiteten Katha-Parallele steht hier akratum im Akkusativ, bezogen auf den Herrn. Dhātuḥ wird entsprechend der Form als Genitiv von dhātṛ verstanden. Die unterschiedliche Form wird nicht nach der bekannteren Parallelstelle vereinheitlicht.

12.2 – Die siebenfachen Lebenskräfte
sapta prāṇā prabhavanti tasmāt saptārciṣaḥ samidhaḥ sapta jihvāḥ | sapta ime lokā yeṣu caranti prāṇā guhāśayānnihitāḥ sapta sapta || 12.2 ||

Übersetzung: Aus ihm entstehen sieben Lebenskräfte, sieben Flammen, Brennstoffe und sieben Zungen. Dies sind die sieben Welten, in denen sich die Lebenskräfte bewegen, jeweils sieben und sieben, aus dem in der Höhle Ruhenden hervorgegangen und eingesetzt.

Wort-für-Wort-Erläuterung: sapta – sieben; prāṇāḥ – Lebenskräfte, Lebensatem- oder Sinnesfunktionen; prabhavanti – entstehen, gehen hervor; tasmāt – aus ihm, daraus; sapta – sieben; arciṣaḥ – Flammen, Lichtstrahlen; samidhaḥ – Brennstoffe, Zündhölzer; sapta – sieben; jihvāḥ – Zungen; sapta – sieben; ime – diese; lokāḥ – Welten, Bereiche; yeṣu – in denen; caranti – sich bewegen, tätig sind; prāṇāḥ – Lebenskräfte; guhā-śayāt – aus dem in der Höhle Ruhenden: guhā, Höhle; śaya, liegend; Ablativ; nihitāḥ – eingesetzt, niedergelegt; sapta – sieben; sapta – sieben; Wiederholung im Sinn von jeweils sieben.

Textkritischer Hinweis: Die Verbindung guhāśayāt wird nach dieser Überlieferung als Ablativ Singular gelesen. Die Mundaka-Parallele hat eine andere Form und lässt die Lebenskräfte selbst im Inneren ruhen. Die häufige Deutung der ersten Siebenzahl nennt die beiden Augen, Ohren, Nasenöffnungen und den Mund.

12.3 – Meere, Berge, Flüsse und der innere Atman
ataḥ samudrā girayaśca sarve’smātsyandante sindhavaḥ sarvarūpāḥ | ataśca viśvā oṣadhayo rasāśca yenaiṣa bhūtastiṣṭhatyantarātmā || 12.3 ||

Übersetzung: Aus ihm [entstehen] die Meere und alle Berge; aus ihm strömen die Flüsse in all ihren Gestalten. Aus ihm [entstehen] auch alle Pflanzen und Säfte, durch die dieser innere Atman, ins Dasein getreten, Bestand hat.

Wort-für-Wort-Erläuterung: ataḥ – daraus, aus ihm; samudrāḥ – Meere; girayaḥ – Berge; ca – und; sarve – alle; asmāt – aus ihm; syandante – sie strömen; sindhavaḥ – Flüsse, Ströme; sarva-rūpāḥ – von allen Gestalten, vielgestaltig; ataḥ – aus ihm; ca – und; viśvāḥ – alle; vedische Form; oṣadhayaḥ – Pflanzen, Kräuter; rasāḥ – Säfte, Essenzen; ca – und; yena – wodurch; Singular, hier zusammenfassend auf das Genannte bezogen; eṣaḥ – dieser; bhūtaḥ – geworden, ins Dasein getreten; tiṣṭhati – steht, besteht; antar-ātmā – inneres Selbst, innerer Atman.

Textkritischer Hinweis: Yena kann auch auf den göttlichen Ursprung bezogen werden: „durch den dieser innere Atman entstanden ist und besteht“. Die Hauptübersetzung erhält den unmittelbaren Bezug auf die zuvor genannten Pflanzen und Säfte; der Singular bleibt in der Worterklärung sichtbar.

12.4 – Soma als Vorrangiger in vielen Bereichen
brahmā devānāṃ padavīḥ kavīnāmṛṣirviprāṇāṃ mahiṣo mṛgāṇām | śyeno gṛdhrāṇāṃsvadhitirvanānāṃsomaḥ pavitramatyeti rebhan || 12.4 ||

Übersetzung: Brahmanpriester unter den Göttern, Wegfinder unter den Dichtern, Seher unter den Begeisterten, Büffel unter den Wildtieren, Falke unter den Raubvögeln, Axt unter den Bäumen: Laut singend geht Soma durch den Seihfilter hindurch.

Wort-für-Wort-Erläuterung: brahmā – Brahmanpriester, Träger heiliger Rede; devānām – der Götter, unter den Göttern; padavīḥ – Wegfinder, Spurensucher; vedische Personenbezeichnung; kavīnām – der Dichter, Seher; ṛṣiḥ – Seher; viprāṇām – der Begeisterten, inspirierten Sänger; mahiṣaḥ – Büffel, mächtiges Tier; mṛgāṇām – der Wildtiere; śyenaḥ – Falke, Adler; gṛdhrāṇām – der Geier oder Raubvögel; svadhitiḥ – Axt, Beil; vanānām – der Bäume, Wälder; somaḥ – Soma; pavitram – Seihfilter, Reinigungsgerät des Somaopfers; ati eti – geht hindurch, über ... hinweg; rebhan – laut tönend, singend; vedische Form.

Textkritischer Hinweis: Die Strophe erscheint erneut in 40.2. Hier stehen gṛdhrāṇām und rebhan; die dort abweichenden Formen werden nicht rückwirkend eingesetzt.

12.5 – Die eine Ungeborene und die beiden Ungeborenen
ajāmekāṃ lohitaśuklakṛṣṇāṃ bahvīṃ prajāṃ janayantīṃ sarūpām | ajo hyeko juṣamāṇo’nuśete jahātyenāṃ bhuktabhogāmajo’nyaḥ || 12.5 ||

Übersetzung: Die eine Ungeborene, rot, weiß und schwarz, bringt viele Nachkommen von gleicher Gestalt hervor. Der eine Ungeborene liegt ihr bei und genießt sie; der andere Ungeborene verlässt sie, nachdem sie ausgekostet worden ist.

Wort-für-Wort-Erläuterung: ajām – die Ungeborene; zugleich Wortspiel mit „Ziege“; ekām – eine; lohita-śukla-kṛṣṇām – rot, weiß und schwarz: lohita, rot; śukla, weiß; kṛṣṇa, schwarz; bahvīm – zahlreiche, viele; prajām – Nachkommenschaft, Geschöpfe; Singular als Sammelbegriff; janayantīm – hervorbringend, gebärend; sa-rūpām – von gleicher Gestalt; ajaḥ – der Ungeborene; zugleich „Bock“; hi – ja, wahrlich; ekaḥ – einer; juṣamāṇaḥ – genießend, Gefallen findend; anu śete – liegt bei, bleibt bei ihr; jahāti – verlässt; enām – sie; bhukta-bhogām – deren Genuss ausgekostet ist: bhukta, genossen; bhoga, Genuss/Erfahrung; ajaḥ – Ungeborener; anyaḥ – anderer.

Textkritischer Hinweis: Das Bild spielt mit den Bedeutungen „ungeboren“ und „Ziege/Bock“ von ajā/aja. Traditionell wird es auf Prakriti bzw. Maya und auf gebundene oder frei gewordene individuelle Selbste bezogen; diese Begriffsnamen stehen nicht ausdrücklich im Vers.

12.6 – Der Schwan in den Bereichen der Welt
haṃsaḥ śuciṣadvasurantarikṣasaddhotā vediṣadatithirduroṇasat | nṛṣadvarasadṛtasadvyomasadabjā gojā ṛtajā adrijā ṛtaṃ bṛhat || 12.6 ||

Übersetzung: Der Schwan im Reinen, der Vasu im Luftraum, der Opferpriester an der Opferstätte, der Gast im Haus; bei den Menschen wohnend, im Vortrefflichen wohnend, in der rechten Ordnung wohnend, im Himmelsraum wohnend; aus den Wassern geboren, aus den Rindern geboren, aus der rechten Ordnung geboren, aus dem Felsen geboren: die große rechte Ordnung.

Wort-für-Wort-Erläuterung: haṃsaḥ – Schwan; hier kosmisches Sinnbild; śuci-ṣat – im Reinen oder Lichten sitzend: śuci, rein/licht; sad, sitzen; vasuḥ – Vasu, der Gute oder Leuchtende; göttliche Bezeichnung; antarikṣa-sat – im Luftraum sitzend; hotā – Hotri, Opferpriester und Rufer; vedi-ṣat – an der Opferstätte sitzend; atithiḥ – Gast; duroṇa-sat – im Haus sitzend; nṛ-ṣat – bei Menschen wohnend; vara-sat – im Vortrefflichen wohnend; traditionell auch bei den Göttern; ṛta-sat – in der rechten Ordnung oder im geordneten Opfer wohnend; vyoma-sat – im Himmelsraum wohnend; ap-jāḥ – aus Wassern geboren; Textform abjā; go-jāḥ – aus Rindern geboren; go kann auch Lichtstrahl bedeuten; ṛta-jāḥ – aus der rechten Ordnung oder dem Opfer geboren; adri-jāḥ – aus Fels oder Berg geboren; beim Soma auch Bezug zum Pressstein; ṛtam – rechte oder kosmische Ordnung, Wahrheit; bṛhat – groß, weit.

Textkritischer Hinweis: Die Reihe verbindet kosmische, häusliche und rituelle Erscheinungsformen. Sie wird hier in ihrer Bildsprache übersetzt; die einzelnen Bilder sind nicht durch eine einheitliche spätere theologische Deutung ersetzt.

12.6a – Zusatz: Prajapati und die sechzehn Teile
yasmājjātā na parā naiva kiṃcanāsa ya āviveśa bhuvanāni viśvā | prajāpatiḥ prajayā saṃvidānastrīṇi jyotīṃṣi sacate sa ṣoḍaśī || 12.6a ||

Übersetzung: Von dem das Entstandene nicht verschieden ist, außer dem nichts vorhanden war, der in alle Welten eingetreten ist: Prajapati, mit seinen Geschöpfen in Verbindung, gesellt sich zu den drei Lichtern, er, der Sechzehnteilige.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yasmāt – von dem, als welcher; jātā – das Entstandene, Geborene; überlieferte Form; na – nicht; parā – anderes, verschieden; Form im Zusammenhang nicht eindeutig; na – nicht; eva – überhaupt, eben; kiṃcana – irgendetwas; āsa – war; vedisches Perfekt; yaḥ – der; āviveśa – ist eingetreten; bhuvanāni – Welten; viśvā – alle; vedische Form; prajāpatiḥ – Prajapati, Herr der Geschöpfe; prajayā – mit der Nachkommenschaft, mit den Geschöpfen; saṃvidānaḥ – übereinstimmend, in Verbindung stehend; trīṇi – drei; jyotīṃṣi – Lichter, Leuchtkörper; sacate – gesellt sich zu, verbindet sich mit; saḥ – er; ṣoḍaśī – der mit sechzehn Teilen Versehene.

Textkritischer Hinweis: Dieser Zusatz und 12.6b stammen nach dem Druck S. 149–151 aus der kürzeren Rezension. SanskritDocuments übernimmt sie als 6क und 6ख. Der syntaktisch schwierige Anfang wird erhalten; die Übersetzung folgt der Beziehung zwischen Prajapati und dem aus ihm Entstandenen.

12.6b – Zusatz: Bitte an Savitri
vidhartāraṃ havāmahe vasoḥ kuvidvanāti naḥ | savitāraṃ nṛcakṣasam || 12.6b ||

Übersetzung: Wir rufen den Erhalter an, Savitri, der auf die Menschen blickt. Möge er uns reichlich Gut gewinnen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: vidhartāram – Erhalter, Ordner, Zuteiler; havāmahe – wir rufen an; vasoḥ – an Gut, an Besitz; Genitiv; kuvit – wohl, hoffentlich, reichlich; vedische Partikel, im Sandhi kuvid; vanāti – möge gewinnen, verschaffen; vedische Form; naḥ – uns; savitāram – Savitri, den Antreiber; nṛ-cakṣasam – auf Menschen blickend: nṛ, Mensch; cakṣas, Blick.

Textkritischer Hinweis: Als Zusatz aus der kürzeren Rezension unmittelbar nach 12.6a überliefert. Die traditionelle Auslegung bezieht das erbetene Gut auch auf geistige Einsicht; die Übersetzung lässt den weiteren Begriff „Gut“ stehen.

12.7 – Agni und die Darbringung der Butter
ghṛtaṃ mimikṣire ghṛtamasya yonirghṛte śrito ghṛtamuvasya dhāma | anuṣvadhamāvaha mādayasva svāhākṛtaṃ vṛṣabha vakṣi havyam || 12.7 ||

Übersetzung: Sie haben geklärte Butter ausgegossen. Geklärte Butter ist sein Ursprung; in geklärter Butter ruht er, und geklärte Butter ist seine Stätte. Bringe [die Götter] gemäß der Opfergabe herbei und erfreue dich. O Stier, trage die mit Svaha dargebrachte Gabe.

Wort-für-Wort-Erläuterung: ghṛtam – geklärte Butter, Ghee; mimikṣire – sie haben ausgegossen oder versprengt; vedische Form; ghṛtam – geklärte Butter; asya – sein; yoniḥ – Ursprung, Muttergrund; ghṛte – in geklärter Butter; śritaḥ – ruhend, gestützt; ghṛtam – geklärte Butter; u – eben, auch; verstärkende Partikel; asya – seine; dhāma – Stätte, Erscheinungsbereich; anu-svadham – gemäß der eigenen Opfergabe oder dem Opferritus; vedischer Ausdruck; ā vaha – bringe herbei; mādayasva – erfreue dich, erquicke dich; svāhā-kṛtam – mit dem Ruf Svaha dargebracht; vṛṣabha – o Stier; Bezeichnung des kraftvollen Agni; vakṣi – trage, bringe; vedische Form; havyam – Opfergabe.

Textkritischer Hinweis: Die Götter als Objekt von ā vaha sind sinngemäß ergänzt. Mādayasva kann je nach ritueller Erklärung als eigenes Sichfreuen oder als Erfreuen der herbeigerufenen Gottheiten verstanden werden.

12.8 – Die süße Woge und der verborgene Name
samudrādūrmirmadhumāṃ udāradupāṃśunā samamṛtatvamānaṭ | ghṛtasya nāma guhyaṃ yadasti jihvā devānāmamṛtasya nābhiḥ || 12.8 ||

Übersetzung: Aus dem Meer erhob sich eine süße Woge; durch die stille [Darbringung] erreichte sie ganz die Unsterblichkeit. Der verborgene Name der geklärten Butter ist die Zunge der Götter, der Nabel des Unsterblichen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: samudrāt – aus dem Meer; ūrmiḥ – Woge, Welle; madhu-mān – süß, Süße enthaltend; im Text madhumāṃ; ud ārat – erhob sich, stieg auf; upāṃśunā – durch das Leise oder die stille Darbringung; ritueller Ausdruck; sam – ganz, vollständig; Verbpräfix; amṛtatvam – Unsterblichkeit; ānaṭ – erreichte; vedische Vergangenheitsform; ghṛtasya – der geklärten Butter; nāma – Name; guhyam – verborgen, geheim; yat – welcher, der; asti – ist; jihvā – Zunge; devānām – der Götter; amṛtasya – des Unsterblichen, des Unsterblichkeitstrankes; nābhiḥ – Nabel, Mittelpunkt.

Textkritischer Hinweis: Die Bilder entstammen der vedischen Opfersprache. Upāṃśu bezeichnet einen still vollzogenen Vorgang; spätere Deutungen beziehen den Ausdruck auch auf leise Rezitation. Der Text nennt die Silbe Om an dieser Stelle nicht ausdrücklich.

12.9 – Der Name und das viergehörnte Wildrind
vayaṃ nāma prabravāmā ghṛtenāsmin yajñe dhārayāmā namobhiḥ | upa brahmā śṛṇavacchasyamānaṃ catuḥśṛṅgo’vamīdgaura etat || 12.9 ||

Übersetzung: Wir wollen den Namen mit geklärter Butter verkünden und ihn in diesem Opfer mit Verneigungen bewahren. Der Brahmanpriester möge hören, was gepriesen wird. Das viergehörnte Wildrind hat dies ausgestoßen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: vayam – wir; nāma – Namen; pra bravāma – wollen verkünden; im Text gedehnt prabravāmā; ghṛtena – mit geklärter Butter; asmin – in diesem; yajñe – Opfer; dhārayāma – wollen festhalten, bewahren; im Text gedehnt dhārayāmā; namobhiḥ – mit Verneigungen, Verehrungen; upa – herzu, aufmerksam; zum Verb des Hörens; brahmā – Brahmanpriester, Träger heiliger Rede; śṛṇavat – möge hören; vedische Form, vor ś als śṛṇavac; śasyamānam – das Gepriesene, was gepriesen wird; catuḥ-śṛṅgaḥ – viergehörnt: catur, vier; śṛṅga, Horn; avamīt – hat ausgestoßen, ausgespieen; vedische Vergangenheitsform; gauraḥ – Wildrind, Gaur; auch als helles oder weißes Rind erklärt; etat – dieses.

Textkritischer Hinweis: Das fehlende Schluss-m von śasyamānam ist nach Druck S. 155 ergänzt. Das rätselhafte Rinderbild wird wörtlich wiedergegeben und nicht schon in der Übersetzung durch eine spätere Om-Deutung ersetzt.

12.10 – Vier Hörner, drei Füße und sieben Hände
catvāri śṛṅgā trayo asya pādā dveśīrṣe sapta hastāso asya | tridhā baddho vṛṣabho roravīti maho devo martyāṃ āviveśa || 12.10 ||

Übersetzung: Vier Hörner hat er, drei Füße, zwei Köpfe, sieben Hände. Dreifach gebunden brüllt der Stier. Der große Gott ist in die Sterblichen eingetreten.

Wort-für-Wort-Erläuterung: catvāri – vier; śṛṅgā – Hörner; vedischer Plural; trayaḥ – drei; asya – seine, hat er; pādāḥ – Füße; dve – zwei; śīrṣe – Köpfe; Dual; sapta – sieben; hastāsaḥ – Hände; vedischer Plural; asya – seine, hat er; tridhā – dreifach; baddhaḥ – gebunden; vṛṣabhaḥ – Stier; roravīti – brüllt laut; intensive Verbform; mahaḥ – groß; vedische Form vor devaḥ; devaḥ – Gott; martyān – Sterbliche; im Sandhi martyāṃ; āviveśa – ist eingetreten.

Textkritischer Hinweis: Die Zahlen und Körperteile gehören zur rätselhaften Bildsprache des Rigveda-Verses 4.58.3. Überlieferte Deutungen beziehen sie unter anderem auf Opfer, Sprache und Om; keine dieser Auslegungen wird hier mit dem ausdrücklichen Wortlaut gleichgesetzt.

12.11 – Die dreifach verborgene Butter
tridhā hitaṃ paṇibhirguhyamānaṃ gavi devāso ghṛtamanvavindan | indra ekaṃ sūrya ekaṃ jajāna venādekaṃ svadhayā niṣṭatakṣuḥ || 12.11 ||

Übersetzung: Die Götter fanden die geklärte Butter in der Kuh, dreifach niedergelegt und von den Panis verborgen. Einen [Teil] erzeugte Indra, einen die Sonne; einen formten sie aus Vena durch die eigene Kraft.

Wort-für-Wort-Erläuterung: tridhā – dreifach; hitam – hingelegt, eingesetzt; paṇibhiḥ – von den Panis; Name der verbergenden oder verweigernden Mächte; guhyamānam – verborgen werdend; gavi – in der Kuh; go kann auch Lichtstrahl oder Rede bedeuten; devāsaḥ – Götter; vedischer Plural; ghṛtam – geklärte Butter; anu avindan – fanden auf; Sandhi anvavindan; indraḥ – Indra; Sandhi indra; ekam – einen [Teil]; sūryaḥ – Sonne; Sandhi sūrya; ekam – einen [Teil]; jajāna – erzeugte, brachte hervor; venāt – aus Vena; göttlicher oder kosmischer Name; ekam – einen [Teil]; svadhayā – durch eigene Kraft, Eigengesetzlichkeit oder Opfergabe; niṣ tatakṣuḥ – sie haben herausgeformt, gezimmert.

Textkritischer Hinweis: Die Bedeutung von Vena und die dreifache Gestalt des Ghee sind Gegenstand verschiedener ritueller und philosophischer Auslegungen. Die Übersetzung belässt Vena als Namen und gibt zunächst die Bildsprache wieder.

12.12 – Rudra und die heilvolle Erinnerung
yo devānāṃ prathamaṃ purastādviśvādhiko rudro maharṣiḥ | hiraṇyagarbhaṃ paśyata jāyamānaṃ sa no devaḥ śubhayāsmṛtyā saṃyunaktu || 12.12 ||

Übersetzung: Rudra, der alles Überragende, der große Seher, der Hiranyagarbha als den Ersten der Götter am Anfang entstehen sieht: Dieser Gott verbinde uns mit heilvoller Erinnerung.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yaḥ – der, welcher; devānām – der Götter; prathamam – als Ersten, zuerst; purastāt – am Anfang, zuvor; viśva-adhikaḥ – alles überragend: viśva, alles; adhika, übergeordnet; rudraḥ – Rudra; mahā-ṛṣiḥ – großer Seher; Sandhi maharṣiḥ; hiraṇya-garbham – Hiranyagarbha, den goldenen Keim; paśyata – sieht; syntaktisch auffällige überlieferte Form, regulär wäre hier paśyati oder eine entsprechende Vergangenheitsform; jāyamānam – entstehend, geboren werdend; saḥ – dieser, er; naḥ – uns; devaḥ – Gott; śubhayā – mit heilvoller, guter; smṛtyā – Erinnerung, Vergegenwärtigung; saṃyunaktu – möge verbinden.

Textkritischer Hinweis: Paśyata wird nach dem Zusammenhang als Prädikat des Relativsatzes verstanden; die überlieferte Form wird nicht stillschweigend verbessert. Auch die Parallelverse der Shvetashvatara Upanishad besitzen abweichenden Wortlaut.

12.13 – Der alles erfüllende Purusha
yasmātparaṃ nāparamasti kiñcit yasmānnāṇīyo na jyāyo’sti kaścit | vṛkṣa iva stabdho divi tiṣṭhatyekastenedaṃ pūrṇaṃ puruṣeṇa sarvam || 12.13 ||

Übersetzung: Über ihm gibt es nichts Höheres und nichts Niedrigeres; nichts ist kleiner oder größer als er. Wie ein Baum steht er unbeweglich im Himmel, der Eine. Von diesem Purusha ist all dies erfüllt.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yasmāt – als er, über den hinaus; param – höher, jenseitig; na – nicht; aparam – niedriger, anderes diesseits; asti – ist, gibt es; kiñcit – irgendetwas; yasmāt – als er; na – nicht; aṇīyaḥ – kleiner, feiner; na – nicht; jyāyaḥ – größer; asti – ist; kaścit – irgendjemand, irgendetwas; vṛkṣaḥ – Baum; iva – wie; stabdhaḥ – fest, unbeweglich; divi – im Himmel; tiṣṭhati – steht; ekaḥ – der Eine, allein; tena – von diesem; idam – dieses; pūrṇam – erfüllt; puruṣeṇa – vom Purusha; sarvam – alles.

12.14 – Unsterblichkeit durch Loslassen
na karmaṇā na prajayā dhanena tyāgenaike amṛtatvamānaśuḥ | pareṇa nākaṃ nihitaṃ guhāyāṃ bibhrājate yadyatayo viśanti || 12.14 ||

Übersetzung: Nicht durch Taten, nicht durch Nachkommenschaft oder Reichtum haben einige Unsterblichkeit erlangt, sondern durch Loslassen. Was die Entsagenden betreten, liegt jenseits des Himmels und leuchtet, in der Höhle verborgen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: na – nicht; karmaṇā – durch Taten, Handeln oder Ritualwerke; na – nicht; prajayā – durch Nachkommenschaft; dhanena – durch Reichtum; die Verneinung wirkt hier weiter; tyāgena – durch Loslassen, Aufgeben, Entsagung; eke – einige, einzelne; amṛtatvam – Unsterblichkeit; ānaśuḥ – haben erreicht; vedisches Perfekt; pareṇa – jenseits; nākam – Himmel; Akkusativ im Anschluss an pareṇa; nihitam – niedergelegt, verborgen; guhāyām – in der Höhle, im verborgenen Inneren; bibhrājate – leuchtet hell; yat – was, dasjenige, das; yatayaḥ – Entsagende, sich Disziplinierende; viśanti – betreten, in ... eingehen.

12.15 – Vedanta-Erkenntnis und Befreiung
vedāntavijñānaviniścitārthāḥ saṃnyāsayogādyatayaḥ śuddhasattvāḥ | te brahmaloke tu parāntakāle parāmṛtāḥ parimucyanti sarve || 12.15 ||

Übersetzung: Die Entsagenden, deren Ziel durch die Erkenntnis des Vedanta fest bestimmt ist und deren Wesen durch den Yoga des Verzichts gereinigt ist: Sie alle werden in der Brahmanwelt am letzten Ende ganz frei, in höchster Unsterblichkeit.

Wort-für-Wort-Erläuterung: vedānta-vijñāna-viniścita-arthāḥ – deren Ziel durch die Erkenntnis des Vedanta sicher bestimmt ist: vedānta, Ende oder Vollendung des Veda; vijñāna, unterscheidende Erkenntnis; viniścita, sicher bestimmt; artha, Ziel/Sinn; saṃnyāsa-yogāt – durch den Yoga des Verzichts: saṃnyāsa, Niederlegen/Entsagung; yoga, Disziplin/Verbindung; Ablativ; yatayaḥ – Entsagende, sich Disziplinierende; śuddha-sattvāḥ – deren Wesen rein ist: śuddha, rein; sattva, Wesen/innere Verfassung; te – sie; brahma-loke – in der Brahmanwelt; tu – aber, dabei, gewiss; para-anta-kāle – zur Zeit des letzten oder höchsten Endes; para-amṛtāḥ – in höchster Unsterblichkeit, die höchste Unsterblichkeit erlangt habend; parimucyanti – werden ganz frei; überlieferte aktive Verbform; sarve – alle.

Textkritischer Hinweis: Brahmaloke und parimucyanti werden nach dieser Textfassung erhalten. Die Mundaka-Parallele hat verbreitet brahmalokeṣu und parimucyante. Der genaue Bezug des „letzten Endes“ wird in den Kommentaren unterschiedlich bestimmt.

12.16 – Der kleine Raum im Herzlotus
dahraṃ vipāpaṃ varaveśmabhūtaṃ yat puṇḍarīkaṃ puramadhyasaṃstham | tatrāpi dahre gaganaṃ viśokaṃ tasmin yadantastadupāsitavyam || 12.16 ||

Übersetzung: Jener kleine, schuldlose Lotus inmitten der Stadt, der eine vorzügliche Wohnstätte bildet: Auch in diesem kleinen [Lotus] ist ein Raum ohne Trauer. Was darin im Inneren ist, das soll verehrt und betrachtet werden.

Wort-für-Wort-Erläuterung: dahram – klein; vedische Form neben dahara; vi-pāpam – ohne Schuld, rein; vara-veśma-bhūtam – zu einer vorzüglichen Wohnstätte geworden: vara, vorzüglich; veśman, Wohnstätte; bhūta, geworden; yat – jener, welcher; puṇḍarīkam – Lotus; pura-madhya-saṃstham – in der Mitte der Stadt befindlich: pura, Stadt; madhya, Mitte; saṃstha, befindlich; tatra – darin, dort; api – auch, ferner; dahre – im Kleinen; gaganam – Himmelsraum, Raum; vi-śokam – ohne Trauer; tasmin – darin; yat – was; antaḥ – im Inneren; tat – das; upāsitavyam – soll verehrt, meditativ betrachtet werden.

Textkritischer Hinweis: Das fehlende m in varaveśmabhūtam ist nach Druck S. 171 ergänzt. Die „Stadt“ wird traditionell als Körper, der Lotus als Herz verstanden. Die Hauptübersetzung bewahrt das Bild und setzt diese Gleichsetzungen nicht an die Stelle des Sanskritwortlauts.

12.17 – Der Klang und Maheshvara
yo vedādau svaraḥ prokto vedānte ca pratiṣṭhitaḥ | tasya prakṛtilīnasya yaḥ paraḥ sa maheśvaraḥ || 12.17 ||

Übersetzung: Der Klang, der am Anfang des Veda ausgesprochen wird und am Ende des Veda fest verankert ist: Wer über diesem in den Urgrund eingegangenen [Klang] steht, der ist Maheshvara, der große Herr.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yaḥ – welcher; veda-ādau – am Anfang des Veda; svaraḥ – Klang, Laut; proktaḥ – ausgesprochen, verkündet; vedānte – am Ende des Veda, im Vedanta; ca – und; pratiṣṭhitaḥ – fest gegründet, verankert; tasya – dieses, über diesen hinaus; zum folgenden paraḥ; prakṛti-līnasya – in den Urgrund eingegangen: prakṛti, Urnatur/Ursprung; līna, aufgelöst/eingegangen; yaḥ – wer; paraḥ – höher, jenseits stehend; saḥ – der; mahā-īśvaraḥ – Maheshvara, der große Herr.

Textkritischer Hinweis: Die Tradition versteht unter dem Klang Om. Der Vers benennt ihn als svara und unterscheidet das Klangsymbol von dem über es hinausgehenden höchsten Herrn.

Mahanarayana Upanishad Anuvaka 13

13.1 – Narayana als allumfassender Gott
sahasraśīrṣaṃ devaṃ viśvākṣaṃ viśvaśambhuvam | viśvaṃ nārāyaṇaṃ devamakṣaraṃ paramaṃ prabhum || 13.1 ||

Übersetzung: [Wir betrachten] den tausendköpfigen Gott, dessen Augen überall sind und der dem All Wohl bringt: das All, Narayana, den Gott, den Unvergänglichen, den höchsten Herrn.

Wort-für-Wort-Erläuterung: sahasra-śīrṣam – tausendköpfig: sahasra, tausend; śīrṣa, Kopf; devam – Gott; Akkusativ; viśva-akṣam – mit Augen überall, allsehend; viśva-śambhuvam – dem All Wohl bringend: viśva, All; śam, Wohl; bhū, hervorbringen/werden; viśvam – das All, allumfassend; nārāyaṇam – Narayana; devam – Gott; akṣaram – unvergänglich; paramam – höchsten; prabhum – Herrn, Mächtigen.

Textkritischer Hinweis: Die Verse 13.1–13.3 enthalten umfangreiche Akkusativreihen. Für die gesonderte Übersetzung wird „wir betrachten“ ergänzt; in einer zusammenhängenden syntaktischen Deutung können die Bezeichnungen auch von upajīvati in 13.2 abhängen. Prabhum ist die Lesung von SanskritDocuments und des Druckhaupttextes; die im Druck vermerkte längere Rezension hat an dieser Stelle auch padam, „Ziel“.

13.2 – Die Welt lebt aus dem Purusha
viśvataḥ paramaṃ nityaṃ viśvaṃ nārāyaṇaṃ harim | viśvamevedaṃ puruṣastadviśvamupajīvati || 13.2 ||

Übersetzung: [Wir betrachten] den über alles Hinausgehenden, Ewigen, das All: Narayana, Hari. Dieses ganze All ist der Purusha; aus ihm lebt das All.

Wort-für-Wort-Erläuterung: viśvataḥ – über alles, über die gesamte Welt hinaus; paramam – höchsten, jenseitigen; nityam – ewigen, beständigen; viśvam – das All, allumfassend; nārāyaṇam – Narayana; harim – Hari; göttlicher Name, traditionell der Hinwegnehmende; viśvam – All; eva – eben, allein; idam – dieses; puruṣaḥ – Purusha, göttliche Person; tat – dieses, jenes; viśvam – All; upajīvati – lebt von, hat seinen Lebensgrund in.

Textkritischer Hinweis: Das im letzten Teilsatz vorausgesetzte Bezugswort wird im Deutschen als „ihm“ wiederaufgenommen. Die Akkusativbezeichnungen des Gottes bilden den Zusammenhang, aus dem die Welt lebt.

13.3 – Narayana als höchstes Ziel
patiṃ viśvasyātmeśvaraṃ śāśvataṃ śivamacyutam | nārāyaṇaṃ mahājñeyaṃ viśvātmānaṃ parāyaṇam || 13.3 ||

Übersetzung: [Wir betrachten] den Herrn des Alls, den Herrn des Selbst, den Ewigen, Gütigen, Unwandelbaren: Narayana, den im höchsten Maß zu Erkennenden, das Selbst des Alls, das höchste Ziel.

Wort-für-Wort-Erläuterung: patim – Herrn; viśvasya – des Alls; ātma-īśvaram – Herrn des Selbst oder der individuellen Selbste; śāśvatam – ewigen, beständigen; śivam – gütigen, heilvollen; acyutam – nicht fallenden, unwandelbaren; nārāyaṇam – Narayana; mahā-jñeyam – in hohem Maß zu Erkennenden: mahā, groß; jñeya, zu erkennen; viśva-ātmānam – Selbst des Alls; para-ayaṇam – höchstes Ziel, höchste Zuflucht.

13.4 – Brahman, Wirklichkeit, Licht und Selbst
nārāyaṇaḥ paraṃ brahma tattvaṃ nārāyaṇaḥ paraḥ | nārāyaṇaḥ paro jyotirātmā nārāyaṇaḥ paraḥ || 13.4 ||

Übersetzung: Narayana ist das höchste Brahman; Narayana ist die höchste Wirklichkeit. Narayana ist das höchste Licht; Narayana ist das höchste Selbst.

Wort-für-Wort-Erläuterung: nārāyaṇaḥ – Narayana; param – höchstes; brahma – Brahman; tattvam – Wirklichkeit, Wesen, Grundprinzip; nārāyaṇaḥ – Narayana; paraḥ – höchster; nārāyaṇaḥ – Narayana; paraḥ – höchster; im Sandhi paro; jyotiḥ – Licht; ātmā – Selbst; nārāyaṇaḥ – Narayana; paraḥ – höchster.

Textkritischer Hinweis: Die Übersetzung bezieht die wiederholten Höchstbestimmungen auf die jeweiligen Gleichsetzungen. Im Sanskrit bleibt paraḥ teilweise maskulin auf Narayana bezogen, auch wenn das gleichgesetzte Wort Neutrum ist.

13.5.1 – Der Betrachtende und die Betrachtung
nārāyaṇaḥ paro dhyātā dhyānaṃ nārāyaṇaḥ paraḥ || 13.5.1 ||

Übersetzung: Narayana ist der höchste Betrachtende; der höchste Narayana ist die Betrachtung.

Wort-für-Wort-Erläuterung: nārāyaṇaḥ – Narayana; paraḥ – höchster; dhyātā – Betrachtender, Meditierender; dhyānam – Betrachtung, Meditation; nārāyaṇaḥ – Narayana; paraḥ – höchster.

Textkritischer Hinweis: Diese zusätzliche Zeile ist im Druck S. 179 von der folgenden Strophe getrennt. SanskritDocuments führt beide gemeinsam unter 13.5; im Artikel erhalten sie eigene Übersetzungen und Worterklärungen.

13.5.2 – Alles von innen und außen durchdringend
yacca kiñcijjagatyasmin dṛśyate śrūyate’pi vā | antarbahiśca tatsarvaṃ vyāpya nārāyaṇaḥ sthitaḥ || 13.5.2 ||

Übersetzung: Was in dieser Welt gesehen oder auch gehört wird: All dies durchdringt Narayana von innen und außen und verweilt [darin].

Wort-für-Wort-Erläuterung: yat – was; ca – und, auch; kiñcit – irgendetwas, was auch immer; jagati – in der Welt; asmin – in dieser; dṛśyate – wird gesehen; śrūyate – wird gehört; api – auch; – oder; antaḥ – innen, im Inneren; bahiḥ – außen; ca – und; tat – dieses; sarvam – alles; vyāpya – durchdrungen habend, durchdringend; nārāyaṇaḥ – Narayana; sthitaḥ – stehend, verweilend.

13.6 – Der Unendliche und der Herzlotus
anantamavyayaṃ kaviṃ samudre’ntaṃ viśvaśambhuvam | padmakośapratīkāśaṃ hṛdayaṃ cāpyadhomukham || 13.6 ||

Übersetzung: [Wir betrachten] den Unendlichen, Unvergänglichen, den Seher, das Ziel im Ozean [des Daseins], der dem All Wohl bringt. Das Herz gleicht einer Lotusknospe und ist nach unten gewandt.

Wort-für-Wort-Erläuterung: anantam – unendlich, ohne Ende; avyayam – unvergänglich, unveränderlich; kavim – Seher, Weiser; samudre – im Meer, im Ozean; antam – Ende, Ziel; viśva-śambhuvam – dem All Wohl bringend; padma-kośa-pratīkāśam – einer Lotusknospe gleichend: padma, Lotus; kośa, Hülle/Knospe; pratīkāśa, ähnlich; hṛdayam – Herz; ca – und; api – auch; adho-mukham – mit dem Gesicht nach unten, nach unten gewandt.

Textkritischer Hinweis: Die Strophe wechselt unvermittelt von den Gottesbezeichnungen zur Beschreibung des Herzens. Samudre antam ist mehrdeutig; der Ozean wird traditionell sowohl auf Samsara als auch auf das Innere des Herzens bezogen. „Des Daseins“ ist deshalb als Ergänzung kenntlich gemacht.

13.7 – Die Lage des Herzens
adho niṣṭyā vitastyānte nābhyāmupari tiṣṭhati | hṛdayaṃ tadvijānīyādviśvasyāyatanaṃ mahat || 13.7 ||

Übersetzung: Es befindet sich eine Spanne unterhalb der Kehle und oberhalb des Nabels. Dieses Herz soll man als große Wohnstätte des Alls erkennen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: adhaḥ – unterhalb; niṣṭyāḥ – der Kehle oder Halsgrube; seltenes Wort, überlieferte Form im Sandhi niṣṭyā; vitasti-ante – am Ende einer Spanne, eine Handspanne entfernt: vitasti, Spanne; anta, Ende; nābhyām – beim Nabel; überlieferte Lokativform in Verbindung mit upari; upari – oberhalb; tiṣṭhati – befindet sich, steht; hṛdayam – Herz; tat – dieses; vijānīyāt – soll man erkennen, wissen; viśvasya – des Alls; āyatanam – Wohnstätte, Grundlage; mahat – groß.

Textkritischer Hinweis: Die Körperbeschreibung gehört zum traditionellen Meditationsbild. Die schwerfälligen Kasusverbindungen niṣṭyā und nābhyām werden nach dem erkennbaren örtlichen Zusammenhang wiedergegeben. Die Lesung hṛdayaṃ tad vijānīyāt folgt der hier verwendeten elektronischen Fassung und dem Druckhaupttext; die längere Rezension hat an dieser Stelle auch eine Flammenbeschreibung.

13.8 – Der feine innere Hohlraum
santataṃ sirābhistu lambatyākośasannibham | tasyānte suṣiraṃ sūkṣmaṃ tasmintsarvaṃ pratiṣṭhitam || 13.8 ||

Übersetzung: Von Adern durchzogen hängt es, einer Knospenhülle ähnlich. In seinem Inneren ist ein feiner Hohlraum; darin ist alles gegründet.

Wort-für-Wort-Erläuterung: santatam – durchzogen, zusammenhängend umgeben; sirābhiḥ – von Adern, Gefäßen oder Kanälen; tu – aber, dabei, eben; lambati – hängt; ākośa-sannibham – einer Knospenhülle ähnlich: ākośa, Hülle/Knospe; sannibha, ähnlich; tasya – seines; ante – im Inneren oder am Ende; hier als Inneres gedeutet; suṣiram – Hohlraum, Öffnung; sūkṣmam – fein, klein; tasmin – darin; sarvam – alles; pratiṣṭhitam – gegründet, gestützt.

13.9 – Das große Feuer im Inneren
tasya madhye mahānagnirviśvārcirviśvatomukhaḥ | so’grabhugvibhajantiṣṭhannāhāramajaraḥ kaviḥ || 13.9 ||

Übersetzung: In seiner Mitte ist ein großes Feuer, dessen Flammen überallhin reichen und dessen Gesichter nach allen Seiten blicken. Es verzehrt als Erstes und verteilt die Nahrung, beständig verweilend, alterslos, sehend.

Wort-für-Wort-Erläuterung: tasya – seines; madhye – in der Mitte; mahān – groß; agniḥ – Feuer, Agni; viśva-arciḥ – mit allwärts gerichteten Flammen; viśvato-mukhaḥ – mit Gesichtern nach allen Seiten; saḥ – es, dieses; agra-bhuk – als Erstes essend, den ersten Anteil verzehrend; vibhajan – verteilend, aufteilend; tiṣṭhan – stehend, verweilend; āhāram – Nahrung; ajaraḥ – nicht alternd; kaviḥ – Seher, kundig, sehend.

13.10.1 – Strahlen und Wärme des inneren Feuers
tiryagūrdhvamadhaḥśāyī raśmayastasya santatāḥ | santāpayati svaṃ dehamāpādatalamastakam || 13.10.1 ||

Übersetzung: Quer, nach oben und nach unten sich erstreckend [ist es]; seine Strahlen sind ausgebreitet. Es erwärmt seinen Körper von der Fußsohle bis zum Scheitel.

Wort-für-Wort-Erläuterung: tiryak – quer, seitwärts; ūrdhvam – nach oben; adhaḥ – nach unten; śāyī – liegend, sich erstreckend; Singular; raśmayaḥ – Strahlen; tasya – seine; santatāḥ – ausgebreitet, zusammenhängend; santāpayati – erwärmt, durchwärmt; svam – seinen eigenen; deham – Körper; ā-pāda-tala-mastakam – von der Fußsohle bis zum Kopf: ā, bis/von ... bis; pāda, Fuß; tala, Sohle; mastaka, Kopf.

Textkritischer Hinweis: Die zusätzliche Strahlenzeile ist im Druck S. 185 gesondert gekennzeichnet. Śāyī steht im Singular neben dem Plural raśmayaḥ; die Übersetzung bezieht den Singular auf das zuvor genannte Feuer und markiert das ergänzte Verb.

13.10.2 – Die feine Flammenspitze
tasya madhye vahniśikhā aṇīyordhvā vyavasthitā || 13.10.2 ||

Übersetzung: In seiner Mitte steht eine Flammenspitze, äußerst fein und aufwärts gerichtet.

Wort-für-Wort-Erläuterung: tasya – seines; madhye – in der Mitte; vahni-śikhā – Flammenspitze, Feuerzunge: vahni, Feuer; śikhā, Spitze; aṇīyaḥ – feiner, äußerst fein; Komparativ; ūrdhvā – aufwärts gerichtet, oben; vyavasthitā – fest stehend, befindlich.

Textkritischer Hinweis: Die Verbindung aṇīyordhvā wird hier als aṇīyaḥ + ūrdhvā erklärt. Die traditionelle Auslegung kennt daneben eine Deutung als feinen aufwärtsführenden Weg. Diese abschließende Zeile von 13.10 hat eine eigene Erklärung.

13.11 – Licht wie ein Blitz in dunkler Wolke
nīlatoyadamadhyasthā vidyullekheva bhāsvarā | nīvāraśūkavattanvī pītā bhāsvatyaṇūpamā || 13.11 ||

Übersetzung: Wie eine leuchtende Blitzlinie inmitten einer dunklen Regenwolke, fein wie die Granne des Wildreises, gelb und strahlend, ist sie von äußerster Feinheit.

Wort-für-Wort-Erläuterung: nīla-toyada-madhya-sthā – inmitten einer dunklen Regenwolke befindlich: nīla, dunkelblau; toyada, Regenwolke; madhya, Mitte; sthā, stehend; vidyut-lekhā – Blitzlinie; iva – wie; bhāsvarā – leuchtend; nīvāra-śūka-vat – wie die Granne des Wildreises: nīvāra, Wildreis; śūka, Granne; vat, wie; tanvī – fein, schlank; pītā – gelb, goldgelb; bhāsvatī – strahlend; aṇu-upamā – dem Feinen gleich, von äußerster Feinheit: aṇu, fein/klein; upamā, Vergleich/Gleichheit.

Textkritischer Hinweis: Die beschädigten Formen nīvāraśūkvat und aṇūpama sind nach dem Druck S. 185 zu nīvāraśūkavat und aṇūpamā ergänzt. Das Bild beschreibt die zuvor genannte Flammenspitze.

13.12 – Das höchste Selbst in der Flamme
tasyāḥ śikhāyā madhye paramātmā vyavasthitaḥ | sa brahmā sa śivaḥ sa hariḥ sendraḥ so’kṣaraḥ paramaḥ svarāṭ || 13.12 ||

Übersetzung: In der Mitte dieser Flammenspitze ist das höchste Selbst gegenwärtig. Es ist Brahma, es ist Shiva, es ist Hari, es ist Indra. Es ist der Unvergängliche, der Höchste, der aus sich selbst Herrschende.

Wort-für-Wort-Erläuterung: tasyāḥ – dieser, jener; weiblich; śikhāyāḥ – der Flammenspitze; im Sandhi śikhāyā; madhye – in der Mitte; parama-ātmā – höchstes Selbst; vyavasthitaḥ – gegenwärtig, fest befindlich; saḥ – es, er; brahmā – Brahma; saḥ – es, er; śivaḥ – Shiva; saḥ – es, er; hariḥ – Hari, Vishnu; saḥ – es, er; mit indraḥ zu sendraḥ verbunden; indraḥ – Indra; saḥ – es, er; akṣaraḥ – unvergänglich; paramaḥ – höchster; svarāṭ – aus sich selbst Herrschender, Selbstherrscher; traditionell auch aus sich selbst Leuchtender.

Textkritischer Hinweis: Die Nennung Haris ist im Druck als zusätzliche Lesart gekennzeichnet und in der elektronischen Fassung enthalten. Sie wird in Sanskrit, Übersetzung und Worterklärung vollständig beibehalten.

Mahanarayana Upanishad Anuvaka 14

14.1 – Die dreifache Veda-Lehre in der Sonne
ādityo vā eṣa etanmaṇḍalaṃ tapati tatra tā ṛcastadṛcā maṇḍalaṃ sa ṛcāṃ loko’tha ya eṣa etasminmaṇḍale’rcirdīpyate tāni sāmāni sa sāmnāṃ loko’tha ya eṣa etasminmaṇḍale’rciṣi puruṣastāni yajūṃṣi sa yajuṣā maṇḍalaṃ sa yajuṣāṃ lokaḥ saiṣā trayyeva vidyā tapati ya eṣo’ntarāditye hiraṇmayaḥ puruṣaḥ || 14.1 ||

Übersetzung: Jener Aditya, dieser Sonnenkreis, glüht. In ihm sind jene Rik-Verse; dieser Kreis besteht aus Rik-Versen und ist ihre Welt. Was in diesem Kreis als Licht aufleuchtet, das sind die Saman-Gesänge; er ist die Welt der Samans. Der Purusha, der sich im Licht dieses Kreises befindet, ist die Gesamtheit der Yajus-Sprüche. Der Kreis besteht aus Yajus-Sprüchen und ist ihre Welt. Eben diese dreifache Lehre glüht: jener goldene Purusha im Inneren der Sonne.

Wort-für-Wort-Erläuterung: ādityaḥ – Aditya, Sonnengott; vai – wahrlich; vor e als vā; eṣaḥ – jener, dieser; etat – dieser, dieses; maṇḍalam – Kreis, Sonnenscheibe; tapati – glüht, strahlt; tatra – darin, dort; tāḥ – jene; ṛcaḥ – Rik-Verse, hymnische Verse; tat – dieser, das; ṛcā – aus Rik-Versen; formal Instrumental Singular, im Kontext stofflich verstanden; maṇḍalam – Kreis; saḥ – er, dieser; ṛcām – der Rik-Verse; lokaḥ – Welt, Bereich; atha – ferner, nun; yaḥ – was, welcher; eṣaḥ – dieses, jener; etasmin – in diesem; maṇḍale – Kreis; arciḥ – Licht, Flamme; dīpyate – leuchtet auf; tāni – jene, das; sāmāni – Saman-Gesänge; saḥ – er; sāmnām – der Saman-Gesänge; lokaḥ – Welt; atha – ferner; yaḥ – welcher; eṣaḥ – jener; etasmin – in diesem; maṇḍale – Kreis; arciṣi – im Licht, in der Flamme; puruṣaḥ – Purusha, göttliche Person; tāni – jene, das; yajūṃṣi – Yajus-Sprüche, Opfersprüche; saḥ – er, dieser; yajuṣā – aus Yajus-Sprüchen; formal Instrumental Singular; maṇḍalam – Kreis; saḥ – er; yajuṣām – der Yajus-Sprüche; lokaḥ – Welt; – diese; weiblich, zur Lehre gehörig; eṣā – diese; trayī – dreifach, die Dreiheit bildend; eva – eben, gerade; vidyā – Wissen, Lehre; tapati – glüht; yaḥ – welcher; eṣaḥ – jener; antaḥ – im Inneren; āditye – in der Sonne; hiraṇmayaḥ – golden; puruṣaḥ – Purusha.

Textkritischer Hinweis: Die Prosa verbindet die drei vedischen Textarten mit Kreis, Glanz und innerer Person der Sonne. Mehrere Geschlechts- und Kasusanschlüsse sind unregelmäßig. Die Übersetzung erhält alle Zuordnungen, ohne den Sanskrittext zu vereinheitlichen.

Mahanarayana Upanishad Anuvaka 15

15.1.1 – Aditya als Gesamtheit göttlicher Kräfte
ādityo vai teja ojo balaṃ yaśaścakṣuḥ śrotramātmā mano manyurmanurmṛtyuḥ satyo mitro vāyurākāśaḥ prāṇo lokapālaḥ kaḥ kiṃ kaṃ tatsatyamannamamṛto jīvo viśvaḥ katamaḥ svayambhu brahmaitadamṛta eṣa puruṣa eṣa bhūtānāmadhipatiḥ || 15.1.1 ||

Übersetzung: Aditya ist wahrlich Glanz, Lebenskraft, Stärke, Ruhm, Auge, Gehör, Selbst, Geist, Zorn, Manu, Tod, Satya, Mitra, Wind, Raum, Lebensatem, Welthüter, Ka, das „Was?“, Freude, das „Das“, Wahrheit, Nahrung, das Unsterbliche, Leben, das All, Katama und das aus sich selbst entstandene Brahman. Dies ist der unsterbliche Purusha; dies ist der Oberherr der Wesen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: ādityaḥ – Aditya, Sonne; vai – wahrlich; tejaḥ – Glanz, Feuerkraft; ojaḥ – Lebenskraft, Energie; balam – Stärke; yaśaḥ – Ruhm; cakṣuḥ – Auge, Sehvermögen; śrotram – Gehör; ātmā – Selbst; hier traditionell auch Körper; manaḥ – Geist; manyuḥ – Zorn, leidenschaftlicher Antrieb; manuḥ – Manu; Urmensch und Seher; mṛtyuḥ – Tod; satyaḥ – Satya, die als Gottheit aufgefasste Wahrheit; mitraḥ – Mitra; vāyuḥ – Wind; ākāśaḥ – Raum, Äther; prāṇaḥ – Lebensatem; lokapālaḥ – Welthüter: loka, Welt; pāla, Hüter; kaḥ – Ka, „Wer?“; vedischer Name Prajapatis; kim – Was?; Fragewort als Bezeichnung des nicht Bestimmbaren; kam – Freude, Wohlsein; tat – Das; hinweisende Bezeichnung des Höchsten; satyam – Wahrheit, Wirklichkeit; annam – Nahrung; amṛtaḥ – das Unsterbliche; überlieferte maskuline Form; jīvaḥ – Leben, lebendiges Selbst; viśvaḥ – das All, der Allumfassende; katamaḥ – Katama; formal „welcher von mehreren?“, traditionell als höchste Seligkeit gedeuteter Beiname; svayambhu – aus sich selbst entstanden; überlieferte Kurzform; brahma – Brahman; etat – dieses, dies; amṛtaḥ – unsterblich; eṣaḥ – dieser; puruṣaḥ – Purusha, göttliche Person; eṣaḥ – dieser; bhūtānām – der Wesen; adhipatiḥ – Oberherr.

Textkritischer Hinweis: Die Namensreihe verbindet verschiedene grammatische Formen und Bedeutungsfelder. Die Lesarten katamaḥ und svayambhu werden erhalten und erläutert. Das in der kürzeren Rezension zusätzlich genannte āyuḥ, „Lebensdauer“, wird hier nicht in den Sanskrittext eingefügt. Die Aufzählung und die folgende Verheißung sind redaktionell getrennt.

15.1.2 – Vereinigung und gemeinsame Welt
brahmaṇaḥ sāyujyaṃ salokatāmāpnotyetāsāmeva devatānāṃ sāyujyaṃ sārṣṭitāṃ samānalokatāmāpnoti ya evaṃ vedetyupaniṣat || 15.1.2 ||

Übersetzung: Wer so weiß, erlangt Vereinigung mit Brahman und das Wohnen in derselben Welt. Mit eben diesen Gottheiten erlangt er Vereinigung, gleiche Herrschaft und das Wohnen in derselben Welt. So lautet die geheime Lehre.

Wort-für-Wort-Erläuterung: brahmaṇaḥ – Brahmans oder Brahmas; Genitiv; sāyujyam – Vereinigung, Gemeinschaft; salokatām – das Wohnen in derselben Welt: sa-loka, von gleicher Welt; āpnoti – erlangt; etāsām – mit diesen, dieser; Genitiv Plural; eva – eben, gerade; devatānām – der Gottheiten; sāyujyam – Vereinigung; sārṣṭitām – Teilhabe an derselben Herrschaft oder Macht; samāna-lokatām – Zugehörigkeit zur gleichen Welt; āpnoti – erlangt; yaḥ – wer; evam – so; veda – weiß, erkennt; iti – so; upaniṣat – Upanishad, geheime Lehre.

Textkritischer Hinweis: Die abschließende Bedingung ya evaṃ veda wird im Deutschen vorangestellt. Brahmaṇaḥ wird in der traditionellen Erklärung auf Brahma/Hiranyagarbha bezogen; die Form kann auch Brahman bezeichnen.

15.2 – Sonnenformel als überlieferter Zusatz
ghṛṇiḥ sūrya ādityomarcayanti tapaḥ satyaṃ madhu kṣaranti tadbrahma tadāpa āpo jyotī raso’mṛtaṃ brahma bhūrbhuvaḥ suvarom || 15.2 ||

Übersetzung: Der Glühende, Surya, Aditya – Om. [Ihn] verehren sie als Glut und Wahrheit; Süßes lassen sie strömen. Das ist Brahman; das ist Wasser. Wasser, Licht, Essenz, Unsterblichkeit: Brahman. Erde, Zwischenraum, Himmelswelt. Om.

Wort-für-Wort-Erläuterung: ghṛṇiḥ – der Glühende, Strahlende; sūryaḥ – Surya, Sonne; ādityaḥ – Aditya; om – Om; mit ādityaḥ in der ungewöhnlichen Verbindung ādityom; arcayanti – sie verehren; tapaḥ – Glut, Askese; satyam – Wahrheit; madhu – Süßes, Honig; kṣaranti – sie lassen strömen; tat – das; brahma – Brahman; tat – das; āpaḥ – Wasser; im Text vor āpaḥ als āpa; āpaḥ – Wasser; zweite Nennung; jyotiḥ – Licht; im Sandhi jyotī; rasaḥ – Essenz, Saft; amṛtam – Unsterblichkeit; brahma – Brahman; bhūḥ – Erde; bhuvaḥ – Zwischenraum; suvaḥ – Himmelswelt; im Sandhi suvar; om – Om.

Textkritischer Hinweis: SanskritDocuments führt diese Formel als 15.2. Der Druck S. 199–201 kennzeichnet sie als Zusatz aus der kürzeren Rezension. Sie bleibt hier mit dieser Kennzeichnung erhalten. Im Anfang fehlen ausdrücklich genannte Subjekte und Objekte; „ihn“ ist ergänzt. Die Verbindung ādityom und die überlieferte doppelte Wassernennung werden nicht stillschweigend beseitigt.

Mahanarayana Upanishad Anuvaka 16

16.1.1 – Linga-Anrufung: dem Herrn des Vergehens
nidhanapataye namaḥ || 16.1.1 ||

Übersetzung: Verehrung dem Herrn des Vergehens!

Wort-für-Wort-Erläuterung: nidhana-pataye – nidhana, Ende/Vergehen; pati, Herr; Dativ; namaḥ – Verehrung, Verneigung.

Textkritischer Hinweis: Die zweiundzwanzig Anrufungen des Druckabschnitts 16.1 stehen hier einzeln. Die Bedeutung von liṅga ist zunächst „Zeichen“; im rituellen Zusammenhang bezeichnet es das Shiva-Linga. Die Beinamen können zugleich als Eigenschaften des Symbols und der darin verehrten Gottheit verstanden werden.

16.1.2 – Linga-Anrufung: dem Bezwinger des Herrn des Vergehens
nidhanapatāntikāya namaḥ || 16.1.2 ||

Übersetzung: Verehrung dem Bezwinger des Herrn des Vergehens!

Wort-für-Wort-Erläuterung: nidhanapatāntikāya – traditionell auf das Ende der Todesherrschaft bezogen; die Kompositumsform ist unregelmäßig; Dativ; namaḥ – Verehrung, Verneigung.

16.1.3 – Linga-Anrufung: dem Erhabenen
ūrdhvāya namaḥ || 16.1.3 ||

Übersetzung: Verehrung dem Erhabenen!

Wort-für-Wort-Erläuterung: ūrdhvāya – ūrdhva, aufwärts gerichtet, hoch; Dativ; namaḥ – Verehrung, Verneigung.

16.1.4 – Linga-Anrufung: dem mit erhabenem Zeichen
ūrdhvaliṅgāya namaḥ || 16.1.4 ||

Übersetzung: Verehrung dem mit erhabenem Zeichen!

Wort-für-Wort-Erläuterung: ūrdhva-liṅgāya – ūrdhva, hoch; liṅga, Zeichen, Symbol; Dativ; namaḥ – Verehrung, Verneigung.

16.1.5 – Linga-Anrufung: dem Goldenen
hiraṇyāya namaḥ || 16.1.5 ||

Übersetzung: Verehrung dem Goldenen!

Wort-für-Wort-Erläuterung: hiraṇyāya – hiraṇya, Gold; Dativ; namaḥ – Verehrung, Verneigung.

16.1.6 – Linga-Anrufung: dem mit goldenem Zeichen
hiraṇyaliṅgāya namaḥ || 16.1.6 ||

Übersetzung: Verehrung dem mit goldenem Zeichen!

Wort-für-Wort-Erläuterung: hiraṇya-liṅgāya – hiraṇya, Gold; liṅga, Zeichen; Dativ; namaḥ – Verehrung, Verneigung.

16.1.7 – Linga-Anrufung: dem Schönfarbigen
suvarṇāya namaḥ || 16.1.7 ||

Übersetzung: Verehrung dem Schönfarbigen!

Wort-für-Wort-Erläuterung: suvarṇāya – su, gut/schön; varṇa, Farbe; suvarṇa auch Gold; Dativ; namaḥ – Verehrung, Verneigung.

16.1.8 – Linga-Anrufung: dem mit schönfarbigem Zeichen
suvarṇaliṅgāya namaḥ || 16.1.8 ||

Übersetzung: Verehrung dem mit schönfarbigem Zeichen!

Wort-für-Wort-Erläuterung: suvarṇa-liṅgāya – suvarṇa, schönfarbig/golden; liṅga, Zeichen; Dativ; namaḥ – Verehrung, Verneigung.

16.1.9 – Linga-Anrufung: dem Himmlischen
divyāya namaḥ || 16.1.9 ||

Übersetzung: Verehrung dem Himmlischen!

Wort-für-Wort-Erläuterung: divyāya – divya, himmlisch, göttlich; Dativ; namaḥ – Verehrung, Verneigung.

16.1.10 – Linga-Anrufung: dem mit himmlischem Zeichen
divyaliṅgāya namaḥ || 16.1.10 ||

Übersetzung: Verehrung dem mit himmlischem Zeichen!

Wort-für-Wort-Erläuterung: divya-liṅgāya – divya, himmlisch; liṅga, Zeichen; Dativ; namaḥ – Verehrung, Verneigung.

16.1.11 – Linga-Anrufung: Bhava, dem Werden
bhavāya namaḥ || 16.1.11 ||

Übersetzung: Verehrung Bhava, dem Werden!

Wort-für-Wort-Erläuterung: bhavāya – bhava, Werden/Existenz; Name Shivas; Dativ; namaḥ – Verehrung, Verneigung.

16.1.12 – Linga-Anrufung: dem Zeichen des Werdens
bhavaliṅgāya namaḥ || 16.1.12 ||

Übersetzung: Verehrung dem Zeichen des Werdens!

Wort-für-Wort-Erläuterung: bhava-liṅgāya – bhava, Werden; liṅga, Zeichen; Dativ; namaḥ – Verehrung, Verneigung.

16.1.13 – Linga-Anrufung: Sharva
śarvāya namaḥ || 16.1.13 ||

Übersetzung: Verehrung Sharva!

Wort-für-Wort-Erläuterung: śarvāya – Sharva, Name Rudras/Shivas; Dativ; namaḥ – Verehrung, Verneigung.

16.1.14 – Linga-Anrufung: dem Zeichen Sharvas
śarvaliṅgāya namaḥ || 16.1.14 ||

Übersetzung: Verehrung dem Zeichen Sharvas!

Wort-für-Wort-Erläuterung: śarva-liṅgāya – śarva, Sharva; liṅga, Zeichen; Dativ; namaḥ – Verehrung, Verneigung.

16.1.15 – Linga-Anrufung: Shiva, dem Gütigen
śivāya namaḥ || 16.1.15 ||

Übersetzung: Verehrung Shiva, dem Gütigen!

Wort-für-Wort-Erläuterung: śivāya – śiva, gütig/heilvoll; göttlicher Name; Dativ; namaḥ – Verehrung, Verneigung.

16.1.16 – Linga-Anrufung: dem Shiva-Linga
śivaliṅgāya namaḥ || 16.1.16 ||

Übersetzung: Verehrung dem Shiva-Linga!

Wort-für-Wort-Erläuterung: śiva-liṅgāya – śiva, Shiva; liṅga, Zeichen, Kultsymbol; Dativ; namaḥ – Verehrung, Verneigung.

16.1.17 – Linga-Anrufung: dem Flammenden
jvalāya namaḥ || 16.1.17 ||

Übersetzung: Verehrung dem Flammenden!

Wort-für-Wort-Erläuterung: jvalāya – jval, brennen, leuchten; hier substantiviert; Dativ; namaḥ – Verehrung, Verneigung.

16.1.18 – Linga-Anrufung: dem mit flammendem Zeichen
jvalaliṅgāya namaḥ || 16.1.18 ||

Übersetzung: Verehrung dem mit flammendem Zeichen!

Wort-für-Wort-Erläuterung: jvala-liṅgāya – jvala, flammend; liṅga, Zeichen; Dativ; namaḥ – Verehrung, Verneigung.

16.1.19 – Linga-Anrufung: dem Selbst
ātmāya namaḥ || 16.1.19 ||

Übersetzung: Verehrung dem Selbst!

Wort-für-Wort-Erläuterung: ātmāya – ātman, Selbst; unregelmäßiger Dativ ātmāya statt ātmane; Dativ; namaḥ – Verehrung, Verneigung.

16.1.20 – Linga-Anrufung: dem Zeichen des Selbst
ātmaliṅgāya namaḥ || 16.1.20 ||

Übersetzung: Verehrung dem Zeichen des Selbst!

Wort-für-Wort-Erläuterung: ātma-liṅgāya – ātman, Selbst; liṅga, Zeichen; Dativ; namaḥ – Verehrung, Verneigung.

16.1.21 – Linga-Anrufung: dem Höchsten
paramāya namaḥ || 16.1.21 ||

Übersetzung: Verehrung dem Höchsten!

Wort-für-Wort-Erläuterung: paramāya – parama, höchstes; Dativ; namaḥ – Verehrung, Verneigung.

16.1.22 – Linga-Anrufung: dem höchsten Zeichen
paramaliṅgāya namaḥ || 16.1.22 ||

Übersetzung: Verehrung dem höchsten Zeichen!

Wort-für-Wort-Erläuterung: parama-liṅgāya – parama, höchstes; liṅga, Zeichen; Dativ; namaḥ – Verehrung, Verneigung.

16.1.23 – Rituelle Einsetzung des Zeichens
etatsomasya sūryasya sarvaliṅgaṃ sthāpayati pāṇimantraṃ pavitram || 16.1.23 ||

Übersetzung: Dieses [Mantra] setzt das allumfassende Zeichen Somas und Suryas ein: ein reinigendes Handmantra.

Wort-für-Wort-Erläuterung: etat – dieses; somasya – Somas, des Mondes oder der Soma-Gottheit; sūryasya – Suryas, der Sonne; sarva-liṅgam – allumfassendes Zeichen, alle Zeichen einschließendes Symbol; sthāpayati – stellt auf, richtet ein, setzt rituell ein; pāṇi-mantram – Handmantra; pāṇi, Hand; mantra, heilige Formel; schwierige rituelle Bezeichnung; pavitram – reinigend, heilig.

Textkritischer Hinweis: Die knappe Anweisung wird traditionell auf die rituelle Aufstellung und Verehrung des Linga bezogen. Die genaue syntaktische Funktion von pāṇimantram ist nicht eindeutig; die Übersetzung erhält die Bezeichnung und ergänzt nur das Bezugswort „Mantra“ zu etat.

Mahanarayana Upanishad Anuvaka 17

17.1 – Zuflucht zu Sadyojata
sadyojātaṃ prapadyāmi sadyojātāya vai namo namaḥ | bhave bhave nātibhave bhavasva mām | bhavodbhavāya namaḥ || 17.1 ||

Übersetzung: Ich nehme Zuflucht zu Sadyojata. Wahrlich, Sadyojata sei Verehrung, Verehrung! [Bestimme] mich nicht zu Dasein um Dasein; [führe] mich in das Übersteigen des Daseins. Verehrung dem Ursprung des Werdens!

Wort-für-Wort-Erläuterung: sadyaḥ-jātam – Sadyojata, den eben oder unmittelbar Geborenen; göttlicher Name; prapadyāmi – ich nehme Zuflucht, wende mich hin; sadyaḥ-jātāya – Sadyojata; Dativ; vai – wahrlich; namaḥ – Verehrung; namaḥ – Verehrung; Wiederholung; bhave – im Werden, in einer Existenz oder Geburt; bhave – in jeder weiteren Existenz; Wiederholung; na – nicht; ati-bhave – im Übersteigen des Werdens, im Zustand jenseits weiterer Geburt; bhavasva – werde, sei; hier im Gebetszusammenhang als „bestimme, führe“ verstanden; mām – mich; bhava-udbhavāya – dem Ursprung des Werdens: bhava, Werden/Existenz; udbhava, Ursprung; namaḥ – Verehrung, Verneigung.

Textkritischer Hinweis: Die knappe Formel bhave bhave nātibhave bhavasva mām erlaubt keine völlig glatte wörtliche Übertragung. Die Übersetzung folgt der traditionellen Bitte, nicht in wiederholte Geburt versetzt, sondern darüber hinausgeführt zu werden, und markiert die dafür ergänzten Verben. Die Sandhi-Verbindung nātibhave wird als na + atibhave aufgelöst.

Mahanarayana Upanishad Anuvaka 18

18.1.1 – Verehrung: Vamadeva, dem gütigen Gott
vāmadevāya namaḥ || 18.1.1 ||

Übersetzung: Verehrung Vamadeva, dem gütigen Gott!

Wort-für-Wort-Erläuterung: vāmadevāya – vāma, lieblich/gütig; deva, Gott; Dativ; namaḥ – Verehrung, Verneigung.

Textkritischer Hinweis: Die elf Namensanrufungen des Druckabschnitts 18.1 werden einzeln behandelt. Kalavikarana und Manonmana werden nach der traditionellen Namendeutung erläutert; ihre Bedeutung ist nicht in jedem Bestandteil eindeutig.

18.1.2 – Verehrung: dem Ältesten
jyeṣṭhāya namaḥ || 18.1.2 ||

Übersetzung: Verehrung dem Ältesten!

Wort-für-Wort-Erläuterung: jyeṣṭhāya – jyeṣṭha, der älteste oder vorrangige; Dativ; namaḥ – Verehrung, Verneigung.

18.1.3 – Verehrung: dem Besten
śreṣṭhāya namaḥ || 18.1.3 ||

Übersetzung: Verehrung dem Besten!

Wort-für-Wort-Erläuterung: śreṣṭhāya – śreṣṭha, der beste oder vortrefflichste; Dativ; namaḥ – Verehrung, Verneigung.

18.1.4 – Verehrung: Rudra
rudrāya namaḥ || 18.1.4 ||

Übersetzung: Verehrung Rudra!

Wort-für-Wort-Erläuterung: rudrāya – Rudra, göttlicher Eigenname; Dativ; namaḥ – Verehrung, Verneigung.

18.1.5 – Verehrung: der Zeit
kālāya namaḥ || 18.1.5 ||

Übersetzung: Verehrung der Zeit!

Wort-für-Wort-Erläuterung: kālāya – kāla, Zeit; auch Todesmacht; Dativ; namaḥ – Verehrung, Verneigung.

18.1.6 – Verehrung: Kalavikarana, dem Umgestalter
kalavikaraṇāya namaḥ || 18.1.6 ||

Übersetzung: Verehrung Kalavikarana, dem Umgestalter!

Wort-für-Wort-Erläuterung: kalavikaraṇāya – kala, hier traditionell als unentwickelter Zustand erklärt; vikaraṇa, Umgestaltung; Dativ; namaḥ – Verehrung, Verneigung.

18.1.7 – Verehrung: dem, der die Kräfte ausdifferenziert
balavikaraṇāya namaḥ || 18.1.7 ||

Übersetzung: Verehrung dem, der die Kräfte ausdifferenziert!

Wort-für-Wort-Erläuterung: balavikaraṇāya – bala, Kraft; vikaraṇa, Umgestaltung oder Differenzierung; Dativ; namaḥ – Verehrung, Verneigung.

18.1.8 – Verehrung: der Kraft
balāya namaḥ || 18.1.8 ||

Übersetzung: Verehrung der Kraft!

Wort-für-Wort-Erläuterung: balāya – bala, Kraft; Dativ; namaḥ – Verehrung, Verneigung.

18.1.9 – Verehrung: dem Bezwinger der Kraft
balapramathanāya namaḥ || 18.1.9 ||

Übersetzung: Verehrung dem Bezwinger der Kraft!

Wort-für-Wort-Erläuterung: balapramathanāya – bala, Kraft; pramathana, Zerschlagen oder Bezwingen; Dativ; namaḥ – Verehrung, Verneigung.

Textkritischer Hinweis: Das verkürzte balapramathāya der elektronischen Vorlage wird nach Druck S. 207 zu balapramathanāya ergänzt.

18.1.10 – Verehrung: dem Bezwinger aller Wesen
sarvabhūtadamanāya namaḥ || 18.1.10 ||

Übersetzung: Verehrung dem Bezwinger aller Wesen!

Wort-für-Wort-Erläuterung: sarvabhūtadamanāya – sarva, alle; bhūta, Wesen; damana, Bezwingen; Dativ; namaḥ – Verehrung, Verneigung.

18.1.11 – Verehrung: Manonmana, dem Erheber des Geistes
manonmanāya namaḥ || 18.1.11 ||

Übersetzung: Verehrung Manonmana, dem Erheber des Geistes!

Wort-für-Wort-Erläuterung: manonmanāya – manas, Geist; unmana, hier als Erhebung des Geistes verstanden; göttlicher Beiname; Dativ; namaḥ – Verehrung, Verneigung.

Mahanarayana Upanishad Anuvaka 19-24

19.1 – Verehrung aller Rudra-Gestalten
aghorebhyo’tha ghorebhyo ghoraghoratarebhyaḥ | sarvataḥ śarva sarvebhyo namaste astu rudrarūpebhyaḥ || 19.1 ||

Übersetzung: Den nicht schrecklichen und den schrecklichen, den schrecklichen und noch schrecklicheren [Gestalten]: Überall, o Sharva, sei Verehrung dir und allen deinen Rudra-Gestalten.

Wort-für-Wort-Erläuterung: a-ghorebhyaḥ – den nicht schrecklichen, friedvollen [Gestalten]; atha – und, sodann; ghorebhyaḥ – den schrecklichen; ghora-ghoratarebhyaḥ – den schrecklichen und noch schrecklicheren; ghora, schrecklich; ghoratara, schrecklicher; sarvataḥ – von allen Seiten, überall; śarva – o Sharva; Name Rudras; sarvebhyaḥ – allen; namaḥ – Verehrung; te – dir, deinen; astu – möge sein; rudra-rūpebhyaḥ – den Rudra-Gestalten: rudra, Rudra; rūpa, Gestalt.

20.1 – Rudra-Gayatri
tatpuruṣāya vidmahe mahādevāya dhīmahi | tanno rudraḥ pracodayāt || 20.1 ||

Übersetzung: Jenen Purusha wollen wir erkennen; auf den großen Gott richten wir unsere Betrachtung. Rudra möge uns dazu anregen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: tat-puruṣāya – jenem Purusha, der göttlichen Person; Dativ; vidmahe – wir wollen erkennen; vedische mediale Form; mahā-devāya – dem großen Gott; dhīmahi – wir versenken uns betrachtend, richten unseren Geist darauf; tat – das, dazu; im Sandhi vor naḥ als tan; naḥ – uns; rudraḥ – Rudra; pracodayāt – möge antreiben, anregen, erhellen.

Textkritischer Hinweis: Wie häufig in den nach dem Gayatri-Muster gebildeten Mantras stehen die Gottesbezeichnungen im Dativ. Die Übersetzung gibt ihre erkennbaren Beziehungen zu Erkennen und Betrachtung wieder.

21.1 – Ishana und Sadashiva
īśānaḥ sarvavidyānāmīśvaraḥ sarvabhūtānāṃ brahmādhipatirbrahmaṇo’dhipatirbrahmā śivo me astu sadāśivom || 21.1 ||

Übersetzung: Der Herr aller Wissensgebiete, der Gebieter aller Wesen, der Oberherr der heiligen Rede, der Oberherr Brahmas, das höchste Brahman: Er sei mir gütig, Sadashiva, der immer Gütige. Om.

Wort-für-Wort-Erläuterung: īśānaḥ – Herr, Gebieter; Name einer Erscheinungsform Shivas; sarva-vidyānām – aller Wissensgebiete: sarva, alle; vidyā, Wissen; īśvaraḥ – Gebieter, Herr; sarva-bhūtānām – aller Wesen; brahma-adhipatiḥ – Oberherr der heiligen Rede oder des Veda: brahma, heilige Rede/Brahman; adhipati, Oberherr; brahmaṇaḥ – Brahmas; auch Genitiv von Brahman; adhipatiḥ – Oberherr; brahmā – hier traditionell als das höchste Brahman verstanden; überlieferte maskuline Form; śivaḥ – gütig, heilvoll; auch Eigenname Shiva; me – mir; astu – möge sein; sadā-śivaḥ – der immer Gütige, Sadashiva; sadā, immer; śiva, gütig; vor Om zu sadāśivo verbunden; om – Om.

Textkritischer Hinweis: Die verschiedenen brahma-Formen werden traditionell auf Veda, Brahma/Hiranyagarbha und das höchste Brahman bezogen. Der Wortlaut selbst benennt diese Unterscheidung nicht ausführlich; die Übersetzung folgt dieser Deutung und führt keine zusätzliche Identitätsformel „ich bin“ ein.

22.1 – Goldene Gestalt und göttliche Beziehungen
namo hiraṇyabāhave hiraṇyavarṇāya hiraṇyarūpāya hiraṇyapataye| ambikāpataya umāpataye paśupataye namo namaḥ || 22.1 ||

Übersetzung: Verehrung dem Goldarmigen, dem Goldfarbenen, dem mit goldener Gestalt, dem Herrn des Goldes, dem Gemahl Ambikas, dem Gemahl Umas, dem Herrn der Lebewesen: Verehrung, Verehrung!

Wort-für-Wort-Erläuterung: namaḥ – Verehrung; hiraṇya-bāhave – dem Goldarmigen: hiraṇya, Gold; bāhu, Arm; hiraṇya-varṇāya – dem Goldfarbenen: varṇa, Farbe; hiraṇya-rūpāya – dem mit goldener Gestalt: rūpa, Gestalt; hiraṇya-pataye – dem Herrn des Goldes: pati, Herr; ambikā-pataye – dem Gemahl Ambikas; vor u im Text ambikāpataya; umā-pataye – dem Gemahl Umas; paśu-pataye – dem Herrn der Tiere und gebundenen Lebewesen: paśu, Tier/Lebewesen; pati, Herr; namaḥ – Verehrung; namaḥ – Verehrung; Wiederholung.

23.1 – Das höchste Brahman und die göttliche Person
ṛtaṃ satyaṃ paraṃ brahma puruṣaṃ kṛṣṇapiṅgalam | ūrdhvaretaṃ virūpākṣaṃ viśvarūpāya vai namo namaḥ || 23.1 ||

Übersetzung: Rechte Ordnung, Wahrheit, höchstes Brahman, der dunkle und rotbraune Purusha, dessen Zeugungskraft aufwärts gerichtet ist und dessen Augen ungewöhnlich sind: Dem Allgestaltigen wahrlich Verehrung, Verehrung!

Wort-für-Wort-Erläuterung: ṛtam – rechte oder kosmische Ordnung, Wahrheit; satyam – Wahrheit, Wirklichkeit; param – höchstes; brahma – Brahman; puruṣam – Purusha, göttliche Person; Akkusativ; kṛṣṇa-piṅgalam – dunkel und rotbraun: kṛṣṇa, dunkel/schwarz; piṅgala, rotbraun; ūrdhva-retam – mit aufwärts gerichteter Zeugungskraft; ūrdhva, aufwärts; retas, Samen/Zeugungskraft; unregelmäßige Form für ūrdhvaretasam; virūpa-akṣam – mit ungewöhnlichen oder verschiedenartigen Augen: virūpa, anders gestaltet; akṣa, Auge; viśva-rūpāya – dem Allgestaltigen, dessen Gestalt das All ist; Dativ; vai – wahrlich; namaḥ – Verehrung; namaḥ – Verehrung; Wiederholung.

Textkritischer Hinweis: Der Satz wechselt von neutralen bzw. Akkusativformen zum Dativ viśvarūpāya. Die Übersetzung erhält den Charakter einer Anrufung. Die traditionelle Deutung bezieht die zwei Farben auf Uma und Maheshvara und die ungewöhnlichen Augen auf Shivas drei Augen; diese Zusätze stehen nicht ausdrücklich im Vers.

24.1 – Alles ist Rudra
sarvo vai rudrastasmai rudrāya namo astu | puruṣo vai rudraḥ sanmaho namo namaḥ | viśvaṃ bhūtaṃ bhuvanaṃ citraṃ bahudhā jātaṃ jāyamānaṃ ca yat | sarvo hyeṣa rudrastasmai rudrāya namo astu || 24.1 ||

Übersetzung: Alles ist wahrlich Rudra; diesem Rudra sei Verehrung. Der Purusha ist wahrlich Rudra, Sein und großer Glanz: Verehrung, Verehrung! Das ganze entstandene All, die vielfältige Welt, was auf vielerlei Weise geboren ist und geboren wird – all dies ist ja Rudra. Diesem Rudra sei Verehrung.

Wort-für-Wort-Erläuterung: sarvaḥ – alles, der Allumfassende; maskuline Form im Bezug auf Rudra; vai – wahrlich; rudraḥ – Rudra; tasmai – diesem; rudrāya – Rudra; Dativ; namaḥ – Verehrung; astu – möge sein; puruṣaḥ – Purusha, göttliche Person; vai – wahrlich; rudraḥ – Rudra; sat – Sein, das Seiende; vor m zu san verbunden; mahaḥ – Größe, großer Glanz; namaḥ – Verehrung; namaḥ – Verehrung; viśvam – das ganze All; bhūtam – entstanden, Wesen oder Entstandenes; bhuvanam – Welt; citram – vielfältig, bunt, wunderbar; bahudhā – auf vielfache Weise; jātam – geboren, entstanden; jāyamānam – geboren werdend, entstehend; ca – und; yat – was; sarvaḥ – alles; maskuline Form; hi – ja, denn; eṣaḥ – dieser, dies; rudraḥ – Rudra; tasmai – diesem; rudrāya – Rudra; namaḥ – Verehrung; astu – möge sein.

Textkritischer Hinweis: Die knappe Verbindung sanmahaḥ wird nach der traditionellen Zerlegung sat + mahaḥ erklärt. Die Formel ist keine syntaktisch regelmäßige philosophische Definition, sondern eine kultische All-Aussage.

Mahanarayana Upanishad Anuvaka 25

25.1.1 – Ein Lied an Rudra
kadrudrāya pracetase mīḍhuṣṭamāya tavyase | vocema śaṃtamaṃ hṛde || 25.1.1 ||

Übersetzung: Wann werden wir dem weisen, überaus reichlich spendenden und mächtigen Rudra ein Lied sprechen, das dem Herzen höchste Wohltat bringt?

Wort-für-Wort-Erläuterung: kat – wann, was; vor r im Text kad; rudrāya – Rudra; Dativ; pracetase – dem Einsichtigen, Weisen; mīḍhuṣṭamāya – dem am reichlichsten Spendenden oder Regnenden; tavyase – dem sehr Mächtigen; vedische Form; vocema – mögen wir sprechen, werden wir sprechen; śaṃ-tamam – höchst wohltuend, am meisten Heil bringend; hṛde – dem Herzen.

Textkritischer Hinweis: Die Fragepartikel kat wird entsprechend der Rigveda-Parallele 1.43.1 verstanden. Eine andere traditionelle Deutung verbindet kad mit Rudra als lobendem Beiwort. Der angefügte Rudra-Refrain steht im folgenden eigenen Abschnitt.

25.1.2 – Rudra-Refrain
sarvo hyeṣa rudrastasmai rudrāya namo astu || 25.1.2 ||

Übersetzung: All dies ist ja Rudra. Diesem Rudra sei Verehrung.

Wort-für-Wort-Erläuterung: sarvaḥ – alles; maskuline Form im Bezug auf Rudra; hi – ja, denn; eṣaḥ – dieser, dies; rudraḥ – Rudra; tasmai – diesem; rudrāya – Rudra; namaḥ – Verehrung; astu – möge sein.

Mahanarayana Upanishad Anuvaka 26

26.1 – Die Opferkelle des Agnihotra
yasya vaikaṅkatyagnihotrahavaṇī bhavati pratyevāsyāhutayastiṣṭhantyatho pratiṣṭhityai || 26.1 ||

Übersetzung: Wer eine Agnihotra-Opferkelle aus Vikankata-Holz besitzt, dessen Opfergaben gelangen tatsächlich zu festem Bestand; außerdem [dienen sie] seiner Festigung.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yasya – wessen, wer ... hat; vaikaṅkatī – aus Vikankata-Holz bestehend; weibliche Form; agnihotra-havaṇī – Opferkelle für das Agnihotra: agni, Feuer; hotra, Opfer; havaṇī, Schöpf- oder Opferkelle; bhavati – ist, vorhanden ist; prati – fest, auf einen Bestand hin; zusammen mit tiṣṭhanti; eva – wirklich, gerade; asya – seine, dieses Menschen; āhutayaḥ – Opfergaben, Darbringungen; tiṣṭhanti – stehen, erlangen festen Bestand; atho – und ferner, außerdem; pratiṣṭhityai – zur Festigung, zum festen Bestand.

Textkritischer Hinweis: Der Druck S. 218–219 enthält in der kürzeren Rezension zusätzlich pratiṣṭhitāḥ; seine Anmerkung bestätigt das Fehlen in der längeren Rezension. Es wird hier nicht ergänzt. Das beschädigte tiṣṭhaty der elektronischen Fassung ist nach dem Druck zu tiṣṭhanty berichtigt.

Mahanarayana Upanishad Anuvaka 27

27.0 – Verweis auf fünf Agni-Verse
kṛṇuṣva pāja iti pañca || 27.0 ||

Übersetzung: Die fünf [Verse], die mit „Entfalte deine Kraft“ beginnen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: kṛṇuṣva – mache, entfalte; zitiertes Anfangswort; pājaḥ – Kraft, Wucht; im Zitat vor iti als pāja; iti – so; markiert das Zitat; pañca – fünf.

Textkritischer Hinweis: Der eigentliche Anuvaka 27 besteht im Druck S. 219 aus diesem Verweis. Gemeint sind Rigveda 4.4.1–5, auch in Taittiriya-Samhita 1.2.14 überliefert. Die fünf Verse werden wie in der elektronischen Fassung ausgeschrieben; der Druck gibt sie auf S. 220 als Ergänzung. Die Nummer 27.0 kennzeichnet den Verweissatz, 27.1–27.5 die aufgerufenen Verse.

27.1 – Agni als königlicher Beschützer
kṛṇuṣva pājaḥ prasitiṃ na pṛthvīṃ yāhi rājevāmavām̐ ibhena | tṛṣvīmanu prasitiṃ drūṇāno’stāsi vidhya rakṣasastapiṣṭhaiḥ || 27.1 ||

Übersetzung: Entfalte deine Kraft wie ein weites Fangnetz. Ziehe dahin wie ein mächtiger König mit seinem Gefolge. Dem ungestümen Vorstoß folgend, dahinstürmend: Du bist ein Schütze; durchbohre die Rakshas mit den glühendsten [Geschossen].

Wort-für-Wort-Erläuterung: kṛṇuṣva – mache, entfalte; pājaḥ – Kraft, Wucht; prasitim – Fangnetz, Ausspannung oder Vorstoß; na – wie; vedische Vergleichspartikel; pṛthvīm – weit, breit; yāhi – gehe, ziehe dahin; rājā – König; iva – wie; amavān – mächtig, angriffskräftig; vedische Verbindung amavām̐; ibhena – mit dem Gefolge oder der Begleiterschar; Bedeutung hier umstritten, später auch „mit einem Elefanten“; tṛṣvīm – ungestüm, heftig; anu – entlang, folgend; prasitim – Ausspannung, Vorstoß; drūṇānaḥ – dahineilend, stürmend; vedisches Partizip; astā – Schütze, Werfer; asi – du bist; vidhya – durchbohre, triff; rakṣasaḥ – Rakshas, feindliche oder dämonische Mächte; Akkusativ Plural; tapiṣṭhaiḥ – mit den glühendsten [Geschossen]; Instrumental Plural.

Textkritischer Hinweis: Die Netz-, Zug- und Kampfmetaphern lassen sich nicht in jedem Wort eindeutig voneinander trennen. Ergänzte Geschosse stehen in Klammern. Die elektronische Zeichenfolge amavāॅṃ ist nach dem Druck und der Rigveda-Parallele als amavām̐ wiedergegeben.

27.2 – Flammen und Funken
tava bhramāsa āśuyā patantyanu spṛśa dhṛṣatā śośucānaḥ | tapūṃṣyagne juhvā pataṅgānasandito vi sṛja viṣvagulkāḥ || 27.2 ||

Übersetzung: Deine wirbelnden [Flammen] fliegen rasch. Ergreife [die Feinde] mit kühnem Ansturm, hell auflodernd. O Agni, schleudere mit deiner Zunge die fliegenden Glutkörper aus; ungebunden sende die Funken in alle Richtungen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: tava – deine; bhramāsaḥ – wirbelnde Erscheinungen, Flammenwirbel; vedischer Plural; āśuyā – rasch, in Eile; vedisches Adverb; patanti – sie fliegen, fallen; anu spṛśa – berühre, ergreife nacheinander; dhṛṣatā – mit Kühnheit, mit kühnem Ansturm; śośucānaḥ – hell auflodernd, intensiv leuchtend; tapūṃṣi – Gluten, glühende Körper; agne – o Agni; juhvā – mit der Zunge; vedischer Instrumental; pataṅgān – Fliegende, fliegende [Glutkörper]; asanditaḥ – nicht gefesselt, ungebunden; vi sṛja – sende auseinander, schleudere aus; viṣvak – nach allen Seiten; vor u als viṣvag; ulkāḥ – Funken, Feuerbrände.

Textkritischer Hinweis: Dhṛṣatā und viṣvagulkāḥ sind nach dem Druck S. 220 gegen dhṛśatā und viśvagulkāḥ der elektronischen Fassung berichtigt. Die wechselnden Formen tapūṃṣi und pataṅgān werden nicht grammatisch vereinheitlicht.

27.3 – Agni als ungetäuschter Wächter
prati spaśo vi sṛja tūrṇitamo bhavā pāyurviśo asyā adabdhaḥ | yo no dūre aghaśaṃso yo antyagne mākiṣṭe vyathirā dadharṣīt || 27.3 ||

Übersetzung: Sende deine Späher aus, überaus eiliger [Agni]. Sei der ungetäuschte Hüter dieser Gemeinschaft. Wer uns in der Ferne Böses wünscht oder wer in der Nähe ist, o Agni: Kein solcher Angreifer möge es wagen, dir nahezutreten.

Wort-für-Wort-Erläuterung: prati – entgegen, nach den einzelnen Richtungen; spaśaḥ – Späher, Beobachter; vi sṛja – sende aus; tūrṇi-tamaḥ – der am schnellsten Eilende; bhava – sei, werde; vedisch gedehnt bhavā; pāyuḥ – Hüter, Beschützer; viśaḥ – der Gemeinschaft, der Siedlung; asyāḥ – dieser; im Sandhi asyā; adabdhaḥ – ungetäuscht, unversehrt; yaḥ – wer; naḥ – uns; dūre – in der Ferne; agha-śaṃsaḥ – Böses wünschend oder verkündend; yaḥ – wer; anti – in der Nähe; vor agne zu anty verbunden; agne – o Agni; mākiḥ – niemand, keiner; verbietend; te – dir; nach ṣ im Text ṭe; vyathiḥ – Angreifer, Schädiger; ā dadharṣīt – möge heranzutreten wagen, angreifen; vedische Verbform mit Verbot.

Textkritischer Hinweis: Viśo asyā ist nach der Druckfassung und der Rigveda-Parallele gegen das beschädigte viśī asyā berichtigt. Getrennte Druck- und Zeilenbestandteile werden als aghaśaṃsaḥ bzw. ā dadharṣīt erklärt.

27.4 – Verbrennen der Feindschaft
udagne tiṣṭha pratyā tanuṣva nyamitrām̐ oṣatāttigmahete | yo no arātiṃ samidhāna cakre nīcā taṃ dhakṣyatasaṃ na śuṣkam || 27.4 ||

Übersetzung: Erhebe dich, o Agni, und breite dich [den Gegnern] entgegen aus. Brenne die Feinde nieder, o du mit scharfer Waffe. Wer uns Feindschaft erwiesen hat, o Entflammter, den verbrenne ganz hinab wie trockenes Buschwerk.

Wort-für-Wort-Erläuterung: ut tiṣṭha – erhebe dich, stehe auf; Sandhi ud ... tiṣṭha; agne – o Agni; prati ā tanuṣva – breite dich entgegen aus; ni – nieder; amitrān – Feinde; vedische Verbindung amitrām̐; oṣatāt – brenne, versenge; vedischer Imperativ; tigma-hete – o du mit scharfer Waffe: tigma, scharf; heti, Waffe; yaḥ – wer; naḥ – uns; arātim – Feindschaft, Missgunst; samidhāna – o Entflammter; cakre – hat getan, erwiesen; nīcā – nach unten, ganz hinab; tam – ihn; dhakṣi – verbrenne; vedische Form, vor a im Text dhakṣy; atasam – Buschwerk, trockenes Gestrüpp; na – wie; vedische Vergleichspartikel; śuṣkam – trocken.

27.5 – Abwehr feindlicher Mächte
ūrdhvo bhava prati vidhyādhyasmadāviṣkṛṇuṣva daivyānyagne | ava sthirā tanuhi yātujūnāṃ jāmimajāmiṃ pra mṛṇīhi śatrūn || 27.5 ||

Übersetzung: Richte dich auf und schlage [die Feinde] von uns zurück. Mache deine göttlichen [Kräfte] offenbar, o Agni. Löse die Befestigungen derer, die mit Zaubermacht vorgehen. Zerschlage die Feinde, den Verwandten wie den Nichtverwandten.

Wort-für-Wort-Erläuterung: ūrdhvaḥ – aufrecht, aufwärts gerichtet; bhava – sei, werde; prati vidhya – triff zurück, schlage entgegen; adhi asmat – von uns weg, über uns hinweg; Präposition mit Ablativ; āviḥ kṛṇuṣva – mache sichtbar, offenbare; Sandhi āviṣkṛṇuṣva; daivyāni – göttliche [Kräfte oder Taten]; Neutrum Plural; agne – o Agni; ava – herab, auseinander; sthirā – feste [Gebilde], Befestigungen; vedische Form; tanuhi – lockere, löse, spanne auseinander; yātu-jūnām – der mit Zaubermacht Vorgehenden: yātu, Zaubermacht; jū, antreibend/eilend; jāmim – Verwandten, Angehörigen; ajāmim – Nichtverwandten, Fremden; pra mṛṇīhi – zerschlage, vernichte; śatrūn – Feinde.

Textkritischer Hinweis: Das beschädigte pratiṃ vidyādhi der elektronischen Fassung wird nach dem Druck und Rigveda 4.4.5 als prati vidhyādhi wiedergegeben. Die Kampfbitten sind als historische Schutzmantras übersetzt.

Mahanarayana Upanishad Anuvaka 28

28.1 – Aditi als Erde und Mutter der Wesen
aditirdevā gandharvā manuṣyāḥ pitaro’surāsteṣāṃ sarvabhūtānāṃ mātā medinī mahatī mahī sāvitrī gāyatrī jagatyurvī pṛthvī bahulā viśvā bhūtā kaṃtamā kāyā sā satyetyamṛteti vāsiṣṭhaḥ || 28.1 ||

Übersetzung: Aditi ist die Mutter der Götter, Gandharvas, Menschen, Ahnen und Asuras, all dieser Wesen: Medini, die Erde; die Große, die Verehrte, Savitri, Gayatri, die Bewegte, die Weite, die Breite, die Reiche, die Allumfassende, die Gewordene, die überaus Beglückende, die Körperliche. Sie [heißt] „die Wahre“ und „die Unsterbliche“ – so [spricht] Vasishtha.

Wort-für-Wort-Erläuterung: aditiḥ – Aditi, die Ungebundene; Göttinnenname, hier auf die Erde bezogen; devāḥ – Götter; gandharvāḥ – Gandharvas, himmlische Sänger; manuṣyāḥ – Menschen; pitaraḥ – Väter, Ahnen; asurāḥ – Asuras, mächtige göttliche oder gegengöttliche Wesen; teṣām – dieser; sarva-bhūtānām – aller Wesen; mātā – Mutter; medinī – Erde; Göttinnenname; mahatī – die Große; mahī – die Große, Verehrte; Erdenname; sāvitrī – die zu Savitri gehörige Göttin; gāyatrī – Gayatri; Göttinnen- und Versmaßname; jagatī – die Bewegte, die Welt; auch Versmaßname; urvī – die Weite; pṛthvī – die Breite, die Erde; bahulā – die Reiche, Vielgestaltige; viśvā – die Allumfassende; bhūtā – die Gewordene, aus den Elementen Bestehende; kaṃ-tamā – die überaus Beglückende: kam, Wohlsein; tamā, weiblicher Superlativ; kāyā – die Körperliche; von kāya, Körper, her gedeuteter Beiname; – sie; satyā – die Wahre, Beständige; vor iti zu satye verbunden; iti – so, als solche bezeichnet; amṛtā – die Unsterbliche; vor iti zu amṛte verbunden; iti – so; vāsiṣṭhaḥ – Vasishtha bzw. ein Seher seiner Tradition; überlieferte Namensform mit langem ā.

Textkritischer Hinweis: Das in der elektronischen Fassung zu katamā verkürzte kantamā ist nach dem Druck S. 221 wiederhergestellt. Die Anrufung wechselt von einer Aufzählung im Nominativ zur Beziehung „deren Mutter“; die deutsche Satzordnung macht diese Beziehung lesbar. Mehrere Namen haben zugleich kosmische, sprachliche und rituelle Bedeutungen.

Mahanarayana Upanishad Anuvaka 29-34

29.1 – Alles als Wasser
āpo vā idaṃ sarvaṃ viśvā bhūtānyāpaḥ prāṇā vā āpaḥ paśava āpo’nnamāpo’mṛtamāpaḥ samrāḍāpo virāḍāpaḥ svarāḍāpaśchandāṃsyāpo jyotīṃṣyāpo yajūṃṣyāpaḥ satyamāpaḥ sarvā devatā āpo bhūrbhuvaḥ suvarāpa om || 29.1 ||

Übersetzung: Wahrlich, all dies ist Wasser. Alle Wesen sind Wasser. Die Lebenskräfte sind wahrlich Wasser; die Tiere sind Wasser; die Nahrung ist Wasser; das Unsterbliche ist Wasser. Der Allherrscher ist Wasser, der Weitherrscher ist Wasser, der Selbstherrscher ist Wasser. Die Versmaße sind Wasser, die Lichter sind Wasser, die Opfersprüche sind Wasser, die Wahrheit ist Wasser. Alle Gottheiten sind Wasser. Erde, Zwischenraum und Himmelswelt sind Wasser. Om.

Wort-für-Wort-Erläuterung: āpaḥ – Wasser; Plural; vai – wahrlich; vor i im Text vā; idam – dieses; sarvam – alles; viśvā – alle; vedische Form; bhūtāni – Wesen; āpaḥ – Wasser; prāṇāḥ – Lebenskräfte, Lebensatemströme; vai – wahrlich; im Text vā; āpaḥ – Wasser; paśavaḥ – Tiere, Vieh, Lebewesen; āpaḥ – Wasser; annam – Nahrung; āpaḥ – Wasser; amṛtam – Unsterblichkeit, das Unsterbliche; āpaḥ – Wasser; samrāṭ – Allherrscher, Oberherr; āpaḥ – Wasser; virāṭ – Weitherrscher, der weithin Leuchtende; auch kosmischer Name Viraj; āpaḥ – Wasser; svarāṭ – Selbstherrscher, aus sich selbst Leuchtender; āpaḥ – Wasser; chandāṃsi – Versmaße; āpaḥ – Wasser; jyotīṃṣi – Lichter, Leuchtkörper; āpaḥ – Wasser; yajūṃṣi – Opfersprüche, Yajus-Formeln; āpaḥ – Wasser; satyam – Wahrheit; āpaḥ – Wasser; sarvāḥ – alle; devatāḥ – Gottheiten; āpaḥ – Wasser; bhūḥ – Erde; bhuvaḥ – Zwischenraum; suvaḥ – Himmelswelt; vor āpaḥ als suvar; āpaḥ – Wasser; om – Om.

Textkritischer Hinweis: Die wiederholte Gleichsetzung mit Wasser ist eine kultische und kosmologische Aussage. Samraj, Viraj und Svaraj werden sowohl als Herrschertitel als auch als Bezeichnungen des Leuchtens ausgelegt; die Übersetzung verwendet die Herrschaftsbilder.

30.1 – Wasser, Erde und heilige Rede
āpaḥ punantu pṛthivīṃ pṛthivī pūtā punātu mām | punantu brahmaṇaspatirbrahmapūtā punātu mām || 30.1 ||

Übersetzung: Die Wasser mögen die Erde reinigen; die gereinigte Erde möge mich reinigen. [Die Wasser] mögen den Herrn der heiligen Rede reinigen; die durch Brahman gereinigte [Erde] möge mich reinigen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: āpaḥ – Wasser; Plural; punantu – mögen reinigen; pṛthivīm – die Erde; Akkusativ; pṛthivī – die Erde; Nominativ; pūtā – gereinigt; punātu – möge reinigen; Singular; mām – mich; punantu – mögen reinigen; Plural; brahmaṇaḥ-patiḥ – Herr der heiligen Rede; formal Nominativ, hier nach dem Zusammenhang als Objekt verstanden; brahma-pūtā – durch Brahman oder heilige Rede gereinigt; weibliche Form; punātu – möge reinigen; mām – mich.

Textkritischer Hinweis: Die zweite Zeile ist grammatisch uneinheitlich: Auf das Pluralverb punantu folgt brahmaṇaspatiḥ im Nominativ. Die Übersetzung macht die ergänzten Satzglieder sichtbar und folgt einer der im Druck erläuterten Verbindungen. Eine alternative Deutung nimmt „Herr der heiligen Rede“ als selbst reinigendes Subjekt.

30.2 – Reinigung nach Verstößen gegen die Speiseordnung
yaducchiṣṭamabhojyaṃ yadvā duścaritaṃ mama | sarvaṃ punantu māmāpo’satāṃ ca pratigrahaṃ svāhā || 30.2 ||

Übersetzung: Was an Speiserest, an nicht zu Essendem oder an schlechtem Handeln von mir [herrührt] und auch das Annehmen [von Gaben] unredlicher Menschen: Von all dem mögen die Wasser mich reinigen. Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: yat – was; ucchiṣṭam – Speiserest, nach dem Essen Zurückgebliebenes; rituell verunreinigter Rest; abhojyam – nicht zu Essendes, verbotene Speise; yat – was; – oder; duścaritam – schlechtes Handeln, Fehlverhalten; mama – mein, von mir; sarvam – alles, von all dem; sinngemäße Beziehung auf Reinigung; punantu – mögen reinigen; mām – mich; āpaḥ – Wasser; asatām – der nicht Guten, der unredlichen Menschen; ca – und, auch; pratigraham – Annahme, Entgegennahme [von Gaben]; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

Textkritischer Hinweis: Die Formel setzt die historische rituelle Speise- und Gabenordnung voraus. Die Übersetzung benennt diese Begriffe, ohne sie durch allgemein gehaltene Begriffe von Negativität oder Energie zu ersetzen.

31.1 – Reinigung der Verfehlungen bei Tag
agniśca mā manyuśca manyupatayaśca manyukṛtebhyaḥ | pāpebhyo rakṣantām | yadahnā pāpamakārṣam | manasā vācā hastābhyām | padbhyāmudareṇa śiśnā | ahastadavalimpatu | yatkiñca duritaṃ mayi | idamahaṃ māmamṛtayonī | satye jyotiṣi juhomi svāhā || 31.1 ||

Übersetzung: Agni, Manyu und die Herren des Manyu mögen mich vor den aus Manyu entstandenen Verfehlungen schützen. Was ich während des Tages durch Geist, Rede, beide Hände, Füße, Bauch und Geschlechtsorgan an Schuld begangen habe, möge der Tag tilgen. Was immer an Übel in mir ist: Dieses und mich selbst bringe ich im Ursprung der Unsterblichkeit, im wahren Licht, als Opfer dar. Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: agniḥ – Agni; ca – und; – mich; manyuḥ – Manyu: Zorn, leidenschaftlicher Antrieb; hier als Macht angerufen; ca – und; manyu-patayaḥ – Herren oder Hüter des Manyu: manyu, Zorn/Antrieb; pati, Herr; ca – und; manyu-kṛtebhyaḥ – von durch Manyu verursachten: manyu, Zorn/Antrieb; kṛta, bewirkt; pāpebhyaḥ – von Verfehlungen, Übeln; rakṣantām – mögen schützen; yat – was; ahnā – während des Tages; pāpam – Schuld, Verfehlung; akārṣam – ich habe getan; manasā – mit dem Geist; vācā – mit der Rede; hastābhyām – mit beiden Händen; padbhyām – mit beiden Füßen; udareṇa – mit dem Bauch; śiśnā – mit dem männlichen Geschlechtsorgan; vedische Instrumentalform; ahas – Tag; tat – das; ava lumpatu – möge abtragen, tilgen; yat kiñca – was auch immer; duritam – Übel, Verfehlung; mayi – in mir; idam – dieses; aham – ich; mām – mich selbst; amṛta-yonī – im Ursprung der Unsterblichkeit; amṛta, Unsterblichkeit; yoni, Ursprung; formal schwierige überlieferte Endung; satye – im Wahren, in der Wahrheit; jyotiṣi – im Licht; juhomi – ich opfere, bringe dar; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

Textkritischer Hinweis: Die Form amṛtayonī wird dem Satzsinn nach örtlich verstanden; die grammatisch reguläre Vergleichsform wäre amṛtayonau. Sie wird im Sanskrit nicht stillschweigend eingesetzt. Avalumpatu statt avalimpatu folgt dem Druck S. 227.

32.1 – Reinigung der Verfehlungen bei Nacht
sūryaśca mā manyuśca manyupatayaśca manyukṛtebhyaḥ | pāpebhyo rakṣantām | yadrātriyā pāpamakārṣam | manasā vācā hastābhyām | padbhyāmudareṇa śiśnā | rātristadavalumpatu | yatkiñca duritaṃ mayi | idamahaṃ māmamṛtayonī | sūrye jyotiṣi juhomi svāhā || 32.1 ||

Übersetzung: Surya, Manyu und die Herren des Manyu mögen mich vor den aus Manyu entstandenen Verfehlungen schützen. Was ich während der Nacht durch Geist, Rede, beide Hände, Füße, Bauch und Geschlechtsorgan an Schuld begangen habe, möge die Nacht tilgen. Was immer an Übel in mir ist: Dieses und mich selbst bringe ich im Ursprung der Unsterblichkeit, im Sonnenlicht, als Opfer dar. Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: sūryaḥ – Surya; ca – und; – mich; manyuḥ – Manyu: Zorn, leidenschaftlicher Antrieb; hier als Macht angerufen; ca – und; manyu-patayaḥ – Herren oder Hüter des Manyu: manyu, Zorn/Antrieb; pati, Herr; ca – und; manyu-kṛtebhyaḥ – von durch Manyu verursachten: manyu, Zorn/Antrieb; kṛta, bewirkt; pāpebhyaḥ – von Verfehlungen, Übeln; rakṣantām – mögen schützen; yat – was; rātriyā – während der Nacht; vedische Instrumentalform; pāpam – Schuld, Verfehlung; akārṣam – ich habe getan; manasā – mit dem Geist; vācā – mit der Rede; hastābhyām – mit beiden Händen; padbhyām – mit beiden Füßen; udareṇa – mit dem Bauch; śiśnā – mit dem männlichen Geschlechtsorgan; vedische Instrumentalform; rātriḥ – Nacht; tat – das; ava lumpatu – möge abtragen, tilgen; yat kiñca – was auch immer; duritam – Übel, Verfehlung; mayi – in mir; idam – dieses; aham – ich; mām – mich selbst; amṛta-yonī – im Ursprung der Unsterblichkeit; amṛta, Unsterblichkeit; yoni, Ursprung; formal schwierige überlieferte Endung; sūrye – in der Sonne; jyotiṣi – im Licht; juhomi – ich opfere, bringe dar; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

Textkritischer Hinweis: Die Form amṛtayonī wird dem Satzsinn nach örtlich verstanden; die grammatisch reguläre Vergleichsform wäre amṛtayonau. Sie wird im Sanskrit nicht stillschweigend eingesetzt. Das elektronische iadam ist zu idam berichtigt. Das dort fehlende juhomi steht im Druck S. 231 und ist hier ergänzt.

33.1 – Zuordnung der Silbe Om
omityekākṣaraṃ brahma | agnirdevatā brahma ityārṣam | gāyatraṃ chandaṃ paramātmaṃ sarūpam | sāyujyaṃ viniyogam || 33.1 ||

Übersetzung: „Om“: Diese eine Silbe ist Brahman. Agni ist die Gottheit; Brahman wird als [zugehöriger] Seher genannt. Gayatri ist das Versmaß; das höchste Selbst ist [ihre] Gestalt. Die Vereinigung [mit ihm] ist die Anwendung.

Wort-für-Wort-Erläuterung: om – Om; im Text vor iti als om; iti – so, mit diesen Worten; eka-akṣaram – eine einzige Silbe: eka, eins; akṣara, Silbe, zugleich Unvergängliches; brahma – Brahman; agniḥ – Agni, Feuer; devatā – Gottheit; brahma – Brahman; hier als Seherangabe gebraucht; iti – so; ārṣam – auf einen Rishi oder Seher bezogen; gāyatram – Gayatri; das Gayatri-Versmaß betreffend; chandam – Versmaß; unregelmäßige Textform; paramātmam – höchstes Selbst: parama, höchstes; ātman, Selbst; unregelmäßige Textform; sarūpam – Gestalt, entsprechende Gestalt; sāyujyam – Vereinigung, Gemeinschaft; viniyogam – Anwendung, rituelle Zuordnung; unregelmäßige Textform.

Textkritischer Hinweis: Die rituelle Zuordnungsformel enthält mehrere nicht regulär gebildete Kasusformen. Diese stehen bereits im Druck S. 232. Die Übersetzung gibt ihre erkennbaren Funktionen wieder, ohne den Sanskrittext grammatisch umzuschreiben.

34.1 – Anrufung der Mutter der Versmaße
āyātu varadā devī akṣaraṃ brahma saṃmitam | gāyatrī chandasāṃ mātedaṃ brahma juṣasva naḥ || 34.1 ||

Übersetzung: Die gabenverleihende Göttin möge kommen, Gayatri, die Mutter der Versmaße. Nimm dieses unser Gebet an, das dem unvergänglichen Brahman entspricht.

Wort-für-Wort-Erläuterung: āyātu – möge herkommen; vara-dā – Gaben oder erwünschte Güter verleihend; devī – Göttin; akṣaram – unvergänglich; auch Silbe; brahma – Brahman; im zweiten Vorkommen Gebet, heilige Rede; saṃmitam – entsprechend, gleich bemessen, bestimmt; gāyatrī – Gayatri, Name der Göttin und eines Versmaßes; chandasām – der Versmaße; mātā – Mutter; idam – dieses; brahma – Gebet, heilige Rede; juṣasva – nimm wohlwollend an; naḥ – unser.

Textkritischer Hinweis: Die Konstruktion von akṣaraṃ brahma saṃmitam wird unterschiedlich erklärt. Hier ist die Wortgruppe als nähere Bestimmung des anzunehmenden Gebets verstanden. Die andere traditionelle Erklärung bezieht sie auf das durch die Lehre bestimmte unvergängliche Brahman.

34.2 – Reinigung bei Tag und Nacht
yadahnātkurute pāpaṃ tadahnātpratimucyate | yadrātriyātkurute pāpaṃ tadrātriyātpratimucyate | sarvavarṇe mahādevi sandhyāvidye sarasvati || 34.2 ||

Übersetzung: Von der Schuld, die jemand am Tag begeht, wird er noch an diesem Tag frei; von der Schuld, die er nachts begeht, wird er noch in dieser Nacht frei. O du mit allen Lauten, große Göttin, Wissen der Dämmerungsandacht, Sarasvati!

Wort-für-Wort-Erläuterung: yat – was, welche; ahnāt – am Tag; überlieferte Ablativform mit zeitlicher Bedeutung; kurute – man tut, begeht; pāpam – Schuld, Verfehlung; tat – davon, von dieser Schuld; ahnāt – an demselben Tag; zeitlich verstanden; pratimucyate – wird befreit; yat – was, welche; rātriyāt – in der Nacht; überlieferte zeitlich gebrauchte Form; kurute – man tut, begeht; pāpam – Schuld; tat – davon; rātriyāt – in derselben Nacht; pratimucyate – wird befreit; sarva-varṇe – o du mit allen Lauten oder Buchstaben: sarva, alle; varṇa, Laut, Buchstabe, Farbe; mahā-devi – o große Göttin; sandhyā-vidye – o Wissen der Dämmerungsandacht: sandhyā, Tagesübergang/Andacht; vidyā, Wissen; sarasvati – o Sarasvati.

Textkritischer Hinweis: Ahnāt und rātriyāt stehen im Druck und werden nach dem Gebetszusammenhang zeitlich verstanden. Die Aussagen sind eine kultische Wirkungsverheißung des Textes.

35.1.1 – Gayatri als Kraft und umfassendes Leben
ojo’si saho’si balamasi bhrājo’si devānāṃ dhāma nāmāsi viśvamasi viśvāyuḥ sarvamasi sarvāyurabhibhūrom || 35.1.1 ||

Übersetzung: Du bist Lebenskraft, du bist Überwindungskraft, du bist Stärke, du bist Glanz. Du bist Wohnstätte und Name der Götter. Du bist das All, du bist das Leben des Alls. Du bist alles, du bist das Leben von allem, du bist die Überwindende. Om.

Wort-für-Wort-Erläuterung: ojaḥ – Lebenskraft, Energie; asi – du bist; sahaḥ – Überwindungskraft, Ausdauer; asi – du bist; balam – Stärke, Kraft; asi – du bist; bhrājaḥ – Glanz; asi – du bist; devānām – der Götter; dhāma – Wohnstätte, Erscheinungsbereich; nāma – Name; asi – du bist; viśvam – das All; asi – du bist; viśva-āyuḥ – Leben des Alls oder allumfassende Lebensdauer; sarvam – alles; asi – du bist; sarva-āyuḥ – Leben von allem, gesamte Lebensdauer; abhibhūḥ – die Überwindende, Überragende; oṃ – Om, die heilige Silbe.

Textkritischer Hinweis: Die längere Prosa 35.1 wird in drei zusammenhängende Abschnitte unterteilt. Die Worttrennung dhāma nāma folgt dem Kommentar zum Druck S. 237; das beschädigte viśvāyuaḥ der elektronischen Fassung wird nach S. 236 als viśvāyuḥ gelesen.

35.1.2 – Herbeirufung der Göttinnen und der heiligen Überlieferung
gāyatrīmāvāhayāmi sāvitrīmāvāhayāmi sarasvatīmāvāhayāmi chandarṣīnāvāhayāmi śriyamāvāhayāmi || 35.1.2 ||

Übersetzung: Ich rufe Gayatri herbei. Ich rufe Savitri herbei. Ich rufe Sarasvati herbei. Ich rufe die Versmaße und die Rishis herbei. Ich rufe Shri herbei.

Wort-für-Wort-Erläuterung: gāyatrīm – Gayatri; Akkusativ; āvāhayāmi – ich rufe herbei, lade zur Gegenwart ein; sāvitrīm – Savitri, die zu Savitri gehörende Göttin; āvāhayāmi – ich rufe herbei; sarasvatīm – Sarasvati; āvāhayāmi – ich rufe herbei; chandarṣīn – Versmaße und Rishis; zusammengezogene, formal unregelmäßige Verbindung von chandas und ṛṣi; āvāhayāmi – ich rufe herbei; śriyam – Shri, Glanz, Schönheit, Glück; āvāhayāmi – ich rufe herbei.

Textkritischer Hinweis: Die elektronische Form chandarhīn ist nach dem Druck S. 236 zu chandarṣīn berichtigt. Die Verbindung wird traditionell als gemeinsame Anrufung der Versmaße und Seher verstanden.

35.1.3 – Rituelle Gestalt und Zuordnung der Gayatri
gāyatriyā gāyatrī chando viśvāmitra ṛṣiḥ savitā devatāgnirmukhaṃ brahmā śiro viṣṇurhṛdayaṃ rudraḥ śikhā pṛthivī yoniḥ prāṇāpānavyānodānasamānā saprāṇā śvetavarṇā sāṃkhyāyanasagotrā gāyatrī caturviṃśatyakṣarā tripadā ṣaṭkukṣiḥ pañcaśīrṣopanayane viniyogaḥ || 35.1.3 ||

Übersetzung: Für die Gayatri gilt: Gayatri ist das Versmaß, Vishvamitra der Seher, Savitri die Gottheit. Agni ist ihr Mund, Brahma ihr Kopf, Vishnu ihr Herz, Rudra ihr Scheitelbüschel, die Erde ihr Ursprung. [Ihre Lebenskräfte sind] Prana, Apana, Vyana, Udana und Samana; sie ist mit Lebensatem versehen, von weißer Farbe und gehört zum selben Gotra wie Samkhyayana. Gayatri hat vierundzwanzig Silben, drei Versfüße, sechs Leibesräume und fünf Köpfe. Ihre Anwendung erfolgt bei der Einführung in das Veda-Studium.

Wort-für-Wort-Erläuterung: gāyatriyāḥ – der Gayatri, für die Gayatri; vedische Genitivform, im Sandhi gāyatriyā; gāyatrī – Gayatri; chandaḥ – Versmaß; viśvāmitraḥ – Vishvamitra; vor ṛ im Text viśvāmitra; ṛṣiḥ – Seher, Rishi; savitā – Savitri, der Antreiber; devatā – Gottheit; agniḥ – Agni; mukham – Mund, Angesicht; brahmā – Brahma, männlicher Göttername; śiraḥ – Kopf; viṣṇuḥ – Vishnu; hṛdayam – Herz; rudraḥ – Rudra; śikhā – Scheitelbüschel, Spitze; pṛthivī – Erde; yoniḥ – Ursprung, Muttergrund; prāṇa-apāna-vyāna-udāna-samānāḥ – die fünf Lebensströme: prāṇa, einwärts/vorwärts; apāna, abwärts; vyāna, sich verteilend; udāna, aufwärts; samāna, ausgleichend; Endung im Text samānā; sa-prāṇā – mit Lebensatem versehen; śveta-varṇā – von weißer Farbe: śveta, weiß; varṇa, Farbe; sāṃkhyāyana-sa-gotrā – demselben Gotra wie Samkhyayana zugehörig; sa-gotra, vom gleichen Abstammungsverband; gāyatrī – Gayatri; caturviṃśati-akṣarā – vierundzwanzigsilbig: caturviṃśati, vierundzwanzig; akṣara, Silbe; tri-padā – mit drei Versfüßen; ṣaṭ-kukṣiḥ – mit sechs Leibesräumen oder Flanken; pañca-śīrṣā – fünfköpfig; vor upanayane zu pañcaśīrṣo verbunden; upanayane – bei der Einführung in das Veda-Studium; viniyogaḥ – Anwendung, rituelle Zuordnung.

Textkritischer Hinweis: Mehrere eindeutige Abschreibschäden sind nach S. 236 berichtigt, darunter viṣṇurhṛdayam, samānā und ṣaṭkukṣiḥ. Die bildhafte Gestalt wird traditionell auf Versfüße, Vedangas und die heilige Überlieferung bezogen; sie ist keine anatomische Beschreibung.

Mahanarayana Upanishad Anuvaka 35

35.2.1 – Anrufung: Erde
oṃ bhūḥ || 35.2.1 ||

Übersetzung: Om. Erde!

Wort-für-Wort-Erläuterung: oṃ – Om, die heilige Silbe; bhūḥ – Erde.

Textkritischer Hinweis: Die sieben Weltanrufungen, die anschließende Gayatri-Strophe und die Schlussformel des Druckabschnitts 35.2 werden einzeln wiedergegeben.

35.2.2 – Anrufung: Zwischenraum
oṃ bhuvaḥ || 35.2.2 ||

Übersetzung: Om. Zwischenraum!

Wort-für-Wort-Erläuterung: oṃ – Om, die heilige Silbe; bhuvaḥ – Zwischenraum.

35.2.3 – Anrufung: Himmelswelt
oṃ suvaḥ || 35.2.3 ||

Übersetzung: Om. Himmelswelt!

Wort-für-Wort-Erläuterung: oṃ – Om, die heilige Silbe; suvaḥ – Himmelswelt.

35.2.4 – Anrufung: die große Welt
oṃ mahaḥ || 35.2.4 ||

Übersetzung: Om. Die große Welt!

Wort-für-Wort-Erläuterung: oṃ – Om, die heilige Silbe; mahaḥ – die große Welt.

35.2.5 – Anrufung: Welt der Geburt oder der Lebewesen
oṃ janaḥ || 35.2.5 ||

Übersetzung: Om. Welt der Geburt oder der Lebewesen!

Wort-für-Wort-Erläuterung: oṃ – Om, die heilige Silbe; janaḥ – Welt der Geburt oder der Lebewesen.

35.2.6 – Anrufung: Welt der Glut und Askese
oṃ tapaḥ || 35.2.6 ||

Übersetzung: Om. Welt der Glut und Askese!

Wort-für-Wort-Erläuterung: oṃ – Om, die heilige Silbe; tapaḥ – Welt der Glut und Askese.

35.2.7 – Anrufung: Welt der Wahrheit
oṃ satyam || 35.2.7 ||

Übersetzung: Om. Welt der Wahrheit!

Wort-für-Wort-Erläuterung: oṃ – Om, die heilige Silbe; satyam – Welt der Wahrheit.

35.2.8 – Gayatri-Mantra
oṃ tatsaviturvareṇyaṃ bhargo devasya dhīmahi | dhiyo yo naḥ pracodayāt || 35.2.8 ||

Übersetzung: Om. Wir nehmen den erwählenswerten Glanz des göttlichen Savitri in unseren Geist auf. Er möge unsere Einsichten antreiben.

Wort-für-Wort-Erläuterung: oṃ – Om, die heilige Silbe; tat – jenen, diesen; savituḥ – Savitris, des Antreibers; vareṇyam – erwählenswert, verehrungswürdig; bhargaḥ – Glanz, leuchtende Kraft; devasya – des Gottes, des Leuchtenden; dhīmahi – wir nehmen in den Geist auf, versenken uns betrachtend; dhiyaḥ – Einsichten, Gedanken, geistige Regungen; yaḥ – der, welcher; naḥ – unsere; pra codayāt – möge antreiben, anregen, erhellen.

35.2.9 – Die abschließende Brahman-Formel
omāpo jyotī raso’mṛtaṃ brahma bhūrbhuvaḥ suvarom || 35.2.9 ||

Übersetzung: Om. Wasser, Licht, Essenz, Unsterblichkeit: Brahman. Erde, Zwischenraum, Himmelswelt. Om.

Wort-für-Wort-Erläuterung: om – Om; āpaḥ – Wasser; Plural; jyotiḥ – Licht; im Text vor r als jyotī; rasaḥ – Saft, Essenz, Geschmack; amṛtam – Unsterblichkeit, das Unsterbliche; brahma – Brahman; bhūḥ – Erde; bhuvaḥ – Zwischenraum; suvaḥ – Himmelswelt; vor Om suvar; om – Om.

Mahanarayana Upanishad Anuvaka 36-38

36.1 – Entlassung der Gayatri
uttame śikhare devi jāte bhūmyāṃ parvatamūrdhani | brāhmaṇebhyo’bhyanujñātā gaccha devi yathāsukham || 36.1 ||

Übersetzung: O Göttin, auf dem höchsten Gipfel geboren, auf der Erde, auf der Spitze des Berges: Von den Brahmanen entlassen, gehe, o Göttin, wie es dir angenehm ist.

Wort-für-Wort-Erläuterung: uttame – auf dem höchsten; śikhare – Gipfel; devi – o Göttin; jāte – o dort Geborene; weibliche Anrede; bhūmyām – auf der Erde; parvata-mūrdhani – auf dem Haupt oder Gipfel des Berges; brāhmaṇebhyaḥ – von den Brahmanen; Ablativ, traditionell auch als „für die Brahmanen“ erläutert; abhyanujñātā – mit Erlaubnis entlassen; gaccha – gehe; devi – o Göttin; yathā-sukham – wie es angenehm ist, nach Belieben.

Textkritischer Hinweis: Jāte ist die Lesart der hier zugrunde gelegten längeren Rezension; der Druck S. 245 führt sie als Variante neben devi an.

36.2 – Gabe und Rückkehr der Vedamutter
stuto mayā varadā vedamātā pracodayantī pavane dvijātā | āyuḥ pṛthivyāṃ draviṇaṃ brahmavarcasaṃ mahyaṃ datvā prajātuṃ brahmalokam || 36.2 ||

Übersetzung: Die von mir gepriesene, gabenverleihende Mutter der Veden, die antreibt [wie] der Wind und an zwei Orten geboren ist, [gehe] zur hervorgebrachten Brahmanwelt, nachdem sie mir auf der Erde Lebensdauer, Vermögen und die Leuchtkraft heiliger Gelehrsamkeit gegeben hat.

Wort-für-Wort-Erläuterung: stutaḥ – gepriesen; überliefert maskulin stuto, obwohl die folgenden Bezeichnungen weiblich sind; mayā – von mir; vara-dā – Gaben verleihend; veda-mātā – Mutter der Veden; pracodayantī – antreibend, anregend; weibliches Partizip; pavane – im Wind; traditionell im Sinn von „wie der Wind“ verstanden; dvi-jātā – zweifach oder an zwei Orten geboren; āyuḥ – Lebensdauer; pṛthivyām – auf der Erde; draviṇam – Vermögen, Besitz; brahma-varcasam – Glanz heiliger Erkenntnis und vedischer Gelehrsamkeit; mahyam – mir; datvā – nachdem sie gegeben hat; im Text mit einfachem t; prajātum – hervorgebracht; schwierige überlieferte Form, traditionell wie prajātam erläutert; brahma-lokam – Brahmanwelt.

Textkritischer Hinweis: Die Formel steht mit grammatischen Schwierigkeiten bereits im Druck S. 246–248. Ein finites Verb fehlt. Die Übersetzung folgt der im Druck erläuterten Entlassungsdeutung und kennzeichnet die Ergänzungen. Die abweichende Parallele Atharvaveda 19.71.1 wird nicht stillschweigend als Text dieser Rezension eingesetzt.

37.1 – Sonnenlicht, Wahrheit und Brahman
ghṛṇiḥ sūrya ādityo na prabhā vātyakṣaram | madhu kṣaranti tadrasam | satyaṃ vai tadrasamāpo jyotī raso’mṛtaṃ brahma bhūrbhuvaḥ suvarom || 37.1 ||

Übersetzung: Der Glühende, Surya, Aditya, der Unvergängliche, zieht dahin wie [seine] Strahlung. [Die Wasser] lassen Süße strömen, seine Essenz. Wahrlich, diese Essenz ist Wahrheit. Wasser, Licht, Essenz, Unsterblichkeit: Brahman. Erde, Zwischenraum, Himmelswelt. Om.

Wort-für-Wort-Erläuterung: ghṛṇiḥ – der Glühende, Strahlende; sūryaḥ – Surya, Sonne; Sandhi sūrya; ādityaḥ – Aditya, Sonnengott; na – wie; vedische Vergleichspartikel; prabhā – Strahlung, Lichtglanz; vāti – weht, zieht dahin; akṣaram – unvergänglich, das Unvergängliche; formal nicht an die maskulinen Namen angeglichen; madhu – Süße, Honig; kṣaranti – sie lassen strömen, fließen; tat – jene, seine; rasam – Essenz, Saft; satyam – Wahrheit; vai – wahrlich; tat – jene; rasam – Essenz; āpaḥ – Wasser; jyotiḥ – Licht; Sandhi jyotī; rasaḥ – Essenz, Saft; amṛtam – Unsterblichkeit; brahma – Brahman; bhūḥ – Erde; bhuvaḥ – Zwischenraum; suvaḥ – Himmelswelt; Sandhi suvar; om – Om.

Textkritischer Hinweis: Der Anfang ist elliptisch und verbindet unterschiedliche Formen. Die Übersetzung nimmt na als vedisches „wie“ und ergänzt das nicht ausdrücklich genannte Subjekt des Pluralverbs kṣaranti aus dem Wasserbezug der anschließenden Formel. Der elektronische Zwischentitel „Trisuparnamantra 1“ gehört zu Anuvaka 38 und ist kein zusätzlicher Vers in 37.

38.1.1 – Brahman möge mich erreichen
brahmametu mām || 38.1.1 ||

Übersetzung: Brahman möge mich erreichen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: brahmam – Brahman; hier mit zusätzlichem m in der überlieferten Verbindung brahmametu; etu – möge kommen, erreichen; mām – mich.

Textkritischer Hinweis: Die erste Trisuparna beginnt mit drei einzeln wiedergegebenen Bitten. Die zusätzlichen m-Laute in brahmam und madhum werden nach dem gedruckten Wortlaut S. 249 erhalten; die traditionelle Analyse der Verbindungen ist nicht einheitlich.

38.1.2 – Das Süße möge mich erreichen
madhumetu mām || 38.1.2 ||

Übersetzung: Das Süße möge mich erreichen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: madhum – das Süße, Süße; Textform vor etu; etu – möge kommen, erreichen; mām – mich.

38.1.3 – Brahman als das Süße
brahmameva madhumetu mām || 38.1.3 ||

Übersetzung: Brahman selbst, das Süße, möge mich erreichen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: brahmam – Brahman; überlieferte Verbindung brahmameva; eva – selbst, allein; madhum – das Süße; etu – möge kommen, erreichen; mām – mich.

38.1.4 – Somas Geschöpfe und die Darbringung der Lebenskräfte
yāste soma prajā vatso’bhi so aham | duḥṣvapnahan duruṣṣaha | yāste soma prāṇāṃstāñjuhomi || 38.1.4 ||

Übersetzung: O Soma, unter deinen Geschöpfen bin ich dieser dein Junges. O Vernichter böser Träume, schwer zu überwältigender [Herr]! Die Lebenskräfte, die dein sind, o Soma, bringe ich als Opfer dar.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yāḥ – welche; weiblicher Plural; te – deine; soma – o Soma; prajāḥ – Geschöpfe, Nachkommen; vatsaḥ – Junges, Kalb, Kind; abhi – unter ihnen, auf sie bezogen; hier relational verstanden; saḥ – dieser; aham – ich; duḥṣvapna-han – o Vernichter böser Träume: duḥṣvapna, böser Traum; han, vernichtend; duruṣṣaha – o schwer zu Überwältigender; überlieferte Lautgestalt; yāḥ – welche; formal nicht an das folgende prāṇān angeglichen; te – deine; soma – o Soma; prāṇān – Lebenskräfte, Lebensatemströme; tān – jene; juhomi – ich bringe als Opfer dar.

Textkritischer Hinweis: Die syntaktische Verbindung abhi so aham und die Relativform vor prāṇān sind schwierig. Die Übersetzung folgt der in der gedruckten Erläuterung vertretenen Beziehung auf Somas Geschöpfe und die ihm gehörenden Lebenskräfte. Sie setzt keine zusätzlichen Sanskritwörter ein.

38.2 – Verheißung der Trisuparna-Rezitation
trisuparṇamayācitaṃ brāhmaṇāya dadyāt | brahmahatyāṃ vā ete ghnanti | ye brāhmaṇāstrisuparṇaṃ paṭhanti | te somaṃ prāpnuvanti | ā sahasrāt paṅktiṃ punanti | oṃ || 38.2 ||

Übersetzung: Man soll einem Brahmanen Trisuparna unaufgefordert geben. Die Brahmanen, die Trisuparna rezitieren, tilgen wahrlich die Schuld der Tötung eines Brahmanen. Sie erlangen Soma. Sie reinigen eine Reihe [von Speisenden] bis zu tausend. Om.

Wort-für-Wort-Erläuterung: trisuparṇam – Trisuparna, „Drei schön gefiederte [Texte]“; Name der Mantragruppe; ayācitam – unerbeten, ohne darum gebeten worden zu sein; brāhmaṇāya – einem Brahmanen; dadyāt – soll geben, weitergeben; brahma-hatyām – die Schuld der Tötung eines Brahmanen; vai – wahrlich; im Text vā; ete – diese; ghnanti – sie vernichten, tilgen; ye – welche; brāhmaṇāḥ – Brahmanen; trisuparṇam – Trisuparna; paṭhanti – sie rezitieren, lesen; te – sie; somam – Soma; traditionell auch die Frucht des Somaopfers; prāpnuvanti – sie erlangen; ā sahasrāt – bis zu tausend; ā, bis; sahasra, tausend; paṅktim – Reihe, hier Reihe der bei einem Ritual Speisenden; punanti – sie reinigen; oṃ – Om, die heilige Silbe.

Textkritischer Hinweis: Diese Sätze sind eine religiöse Wirkungsverheißung, keine empirische Behauptung des Artikels. Die Zeile wird als zusammenhängender Prosatext wiedergegeben.

Mahanarayana Upanishad Anuvaka 39 ff

39.1.1 – Einsicht und Brahman
brahma medhayā || 39.1.1 ||

Übersetzung: Brahman [wird] durch Einsicht [erlangt].

Wort-für-Wort-Erläuterung: brahma – Brahman; medhayā – durch Einsicht, geistige Aufnahmefähigkeit; Instrumental.

Textkritischer Hinweis: Das Verb fehlt in diesen drei kurzen Formeln. „Wird erlangt“ ist eine aus dem Zusammenhang ergänzte Deutung, die in der Übersetzung sichtbar bleibt.

39.1.2 – Einsicht und Das Süße
madhu medhayā || 39.1.2 ||

Übersetzung: Das Süße [wird] durch Einsicht [erlangt].

Wort-für-Wort-Erläuterung: madhu – das Süße, Süße; medhayā – durch Einsicht, geistige Aufnahmefähigkeit; Instrumental.

39.1.3 – Einsicht und Brahman selbst, das Süße
brahmameva madhumedhayā || 39.1.3 ||

Übersetzung: Brahman selbst, das Süße [wird] durch Einsicht [erlangt].

Wort-für-Wort-Erläuterung: brahma – Brahman; eva – selbst, allein; madhu – das Süße; medhayā – durch Einsicht, geistige Aufnahmefähigkeit; Instrumental.

39.2 – Bitte an Savitri um Gedeihen
adyāno deva savitaḥ prajāvatsāvīḥ saubhagam | parā duḥṣvapniyaṃ suva || 39.2 ||

Übersetzung: Heute, o Gott Savitri, schaffe uns Glück mit Nachkommenschaft. Treibe das böse Träumen fort.

Wort-für-Wort-Erläuterung: adya – heute; naḥ – uns; in adyāno mit gedehntem a verbunden; deva – o Gott; savitaḥ – o Savitri; prajā-vat – mit Nachkommenschaft versehen; sāvīḥ – mögest du antreiben, hervorbringen; vedische Verbform; saubhagam – Glück, Wohlergehen; parā – fort, hinweg; duḥṣvapniyam – böses Träumen, Unglück durch böse Träume; suva – treibe hervor, entferne.

39.3 – Übel entfernen und Gutes bringen
viśvāni deva savitarduritāni parāsuva | yadbhadraṃ tanmama āsuva || 39.3 ||

Übersetzung: O Gott Savitri, treibe alle Übel fort. Was gut ist, das bringe mir herbei.

Wort-für-Wort-Erläuterung: viśvāni – alle; deva – o Gott; savitaḥ – o Savitri; duritāni – Übel, Schwierigkeiten, Verfehlungen; parā suva – treibe fort; yat – was; bhadram – gut, heilvoll; tat – das; mama – mir, für mich; ā suva – bringe herbei, treibe heran.

39.4 – Süße in Wind, Flüssen und Pflanzen
madhuvātā ṛtāyate madhukṣaranti sindhavaḥ | mādhvīrnaḥ santvoṣadhīḥ || 39.4 ||

Übersetzung: Süß wehen die Winde dem, der nach der rechten Ordnung strebt. Süßes lassen die Flüsse strömen. Süß mögen unsere Pflanzen sein.

Wort-für-Wort-Erläuterung: madhu – süß, Süßes; vātāḥ – Winde; ṛtāyate – dem nach der rechten Ordnung Strebenden; Dativ des Partizips; madhu – Süßes; kṣaranti – sie lassen strömen; sindhavaḥ – Flüsse, Ströme; mādhvīḥ – süß, von Süße erfüllt; weiblicher Plural; naḥ – unsere, für uns; santu – mögen sein; oṣadhīḥ – Pflanzen, Kräuter; vedische Nominativform.

Textkritischer Hinweis: Das Verb „wehen“ ist in der ersten Zeile sinngemäß ergänzt. Ṛtāyate wird hier von ṛta, der rechten oder kosmischen Ordnung, her erklärt; die rituelle Auslegung bezieht es auf den Opfernden.

39.5 – Süße in Nacht, Morgen und Welt
madhu naktamutoṣasi madhumatpārthivaṃ rajaḥ | madhudyaurastu naḥ pitā || 39.5 ||

Übersetzung: Süß sei die Nacht und auch [die Zeit] am Morgen; süß sei der irdische Raum. Süß sei uns der Himmel, unser Vater.

Wort-für-Wort-Erläuterung: madhu – süß; naktam – Nacht, nachts; uta – und auch; uṣasi – am Morgen, bei der Morgenröte; madhu-mat – mit Süße erfüllt; pārthivam – irdisch, zur Erde gehörig; rajaḥ – Raum, Bereich; madhu – süß; dyauḥ – Himmel; astu – möge sein; naḥ – uns; pitā – Vater.

39.6 – Süße in Baum, Sonne und Kühen
madhumānno vanaspatirmadhumāṃ astu sūryaḥ | mādhvīrgāvo bhavantu naḥ || 39.6 ||

Übersetzung: Süß sei uns der Baum; süß sei die Sonne. Süß mögen unsere Kühe sein.

Wort-für-Wort-Erläuterung: madhu-mān – mit Süße erfüllt; naḥ – uns, für uns; vanas-patiḥ – Baum, wörtlich Herr des Waldes; madhu-mān – mit Süße erfüllt; im Text madhumāṃ; astu – möge sein; sūryaḥ – Sonne; mādhvīḥ – süß, Süße spendend; weiblicher Plural; gāvaḥ – Kühe, Rinder; bhavantu – mögen sein, werden; naḥ – unsere, für uns.

39.7 – Verheißung der Trisuparna-Rezitation
ya imaṃ trisuparṇamayācitaṃ brāhmaṇāya dadyāt | bhrūṇahatyāṃ vā ete ghnanti | ye brāhmaṇāstrisuparṇaṃ paṭhanti | te somaṃ prāpnuvanti | ā sahasrātpaṅktiṃ punanti | oṃ || 39.7 ||

Übersetzung: Wer [diesen Text weitergibt], soll einem Brahmanen Trisuparna unaufgefordert geben. Die Brahmanen, die Trisuparna rezitieren, tilgen wahrlich die Schuld der Tötung eines Embryos oder eines gelehrten Brahmanen. Sie erlangen Soma. Sie reinigen eine Reihe [von Speisenden] bis zu tausend. Om.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yaḥ – wer; imam – diesen Text; trisuparṇam – Trisuparna, „Drei schön gefiederte [Texte]“; Name der Mantragruppe; ayācitam – unerbeten, ohne darum gebeten worden zu sein; brāhmaṇāya – einem Brahmanen; dadyāt – soll geben, weitergeben; bhrūṇa-hatyām – die Schuld der Tötung eines Embryos oder eines gelehrten Brahmanen; vai – wahrlich; im Text vā; ete – diese; ghnanti – sie vernichten, tilgen; ye – welche; brāhmaṇāḥ – Brahmanen; trisuparṇam – Trisuparna; paṭhanti – sie rezitieren, lesen; te – sie; somam – Soma; traditionell auch die Frucht des Somaopfers; prāpnuvanti – sie erlangen; ā sahasrāt – bis zu tausend; ā, bis; sahasra, tausend; paṅktim – Reihe, hier Reihe der bei einem Ritual Speisenden; punanti – sie reinigen; oṃ – Om, die heilige Silbe.

Textkritischer Hinweis: Diese Sätze sind eine religiöse Wirkungsverheißung, keine empirische Behauptung des Artikels. Bhrūṇahatyā bezeichnet die Tötung eines Embryos; in der traditionellen Ritualsprache kann es auch die Tötung eines besonders gelehrten Brahmanen bezeichnen. Die eröffnende Relativkonstruktion bleibt unvollständig und wird in der Übersetzung sichtbar ergänzt.

40.1.1 – Verbindung mit dem Opfer
brahma medhavā || 40.1.1 ||

Übersetzung: Brahman [ist] mit dem Opfer verbunden.

Wort-für-Wort-Erläuterung: brahma – Brahman; medhavā – mit dem Opfer verbunden; schwierige Form, traditionell zu medhavat erklärt; medha, Opfer, ist von medhā, Einsicht, zu unterscheiden.

Textkritischer Hinweis: Der Wortlaut medhavā wird erhalten und nach der überlieferten Auslegung mit medha, „Opfer“, verbunden. Er ist formal nicht einfach dieselbe Form wie medhayā in 39.1. Die herkömmliche weitere Deutung sieht in Opfer und Pflichterfüllung eine Vorbereitung auf die Brahmanerkenntnis.

40.1.2 – Verbindung mit dem Opfer
madhu medhavā || 40.1.2 ||

Übersetzung: Das Süße [ist] mit dem Opfer verbunden.

Wort-für-Wort-Erläuterung: madhu – das Süße, Süße; medhavā – mit dem Opfer verbunden; schwierige Form, traditionell zu medhavat erklärt; medha, Opfer, ist von medhā, Einsicht, zu unterscheiden.

40.1.3 – Verbindung mit dem Opfer
brahmameva madhu medhavā || 40.1.3 ||

Übersetzung: Brahman selbst, das Süße [ist] mit dem Opfer verbunden.

Wort-für-Wort-Erläuterung: brahma – Brahman; eva – selbst, allein; madhu – das Süße; medhavā – mit dem Opfer verbunden; schwierige Form, traditionell zu medhavat erklärt; medha, Opfer, ist von medhā, Einsicht, zu unterscheiden.

40.2 – Soma als Vorrangiger in vielen Bereichen
brahmā devānāṃ padavīḥ kavīnāmṛṣirviprāṇāṃ mahiṣo mṛgāṇām | śyeno gṛddhāṇāṃ svadhitirvanānāṃ somaḥ pavitramatyeti rebhat || 40.2 ||

Übersetzung: Brahmanpriester unter den Göttern, Wegfinder unter den Dichtern, Seher unter den Begeisterten, Büffel unter den Wildtieren, Falke unter den Raubvögeln, Axt unter den Bäumen: Laut singend geht Soma durch den Seihfilter hindurch.

Wort-für-Wort-Erläuterung: brahmā – Brahmanpriester, Träger heiliger Rede; devānām – der Götter, unter den Göttern; padavīḥ – Wegfinder, Spurensucher; vedische Personenbezeichnung; kavīnām – der Dichter, Seher; ṛṣiḥ – Seher; viprāṇām – der Begeisterten, inspirierten Sänger; mahiṣaḥ – Büffel, mächtiges Tier; mṛgāṇām – der Wildtiere; śyenaḥ – Falke, Adler; gṛddhāṇām – der Geier oder Raubvögel; svadhitiḥ – Axt, Beil; vanānām – der Bäume, Wälder; somaḥ – Soma; pavitram – Seihfilter, Reinigungsgerät des Somaopfers; ati eti – geht hindurch, über ... hinweg; rebhat – laut tönend, singend; vedische Form.

40.3 – Der Schwan in den Bereichen der Welt
haṃsaḥ śuciṣadvasurantarikṣasaddhotā vediṣadatithirduroṇasat | nṛṣadvarasadṛtasadvyomasadabjā gojā ṛtajā adrijā ṛtaṃ bṛhat || 40.3 ||

Übersetzung: Der Schwan im Reinen, der Vasu im Luftraum, der Opferpriester an der Opferstätte, der Gast im Haus; bei den Menschen wohnend, im Vortrefflichen wohnend, in der rechten Ordnung wohnend, im Himmelsraum wohnend; aus den Wassern geboren, aus den Rindern geboren, aus der rechten Ordnung geboren, aus dem Felsen geboren: die große rechte Ordnung.

Wort-für-Wort-Erläuterung: haṃsaḥ – Schwan; hier kosmisches Sinnbild; śuci-ṣat – im Reinen oder Lichten sitzend: śuci, rein/licht; sad, sitzen; vasuḥ – Vasu, der Gute oder Leuchtende; göttliche Bezeichnung; antarikṣa-sat – im Luftraum sitzend; hotā – Hotri, Opferpriester und Rufer; vedi-ṣat – an der Opferstätte sitzend; atithiḥ – Gast; duroṇa-sat – im Haus sitzend; nṛ-ṣat – bei Menschen wohnend; vara-sat – im Vortrefflichen wohnend; traditionell auch bei den Göttern; ṛta-sat – in der rechten Ordnung oder im geordneten Opfer wohnend; vyoma-sat – im Himmelsraum wohnend; ap-jāḥ – aus Wassern geboren; Textform abjā; go-jāḥ – aus Rindern geboren; go kann auch Lichtstrahl bedeuten; ṛta-jāḥ – aus der rechten Ordnung oder dem Opfer geboren; adri-jāḥ – aus Fels oder Berg geboren; beim Soma auch Bezug zum Pressstein; ṛtam – rechte oder kosmische Ordnung, Wahrheit; bṛhat – groß, weit.

Textkritischer Hinweis: Die Reihe verbindet kosmische, häusliche und rituelle Erscheinungsformen. Sie wird hier in ihrer Bildsprache übersetzt; die einzelnen Bilder sind nicht durch eine einheitliche spätere theologische Deutung ersetzt.

40.4.1 – Anrufung zum heiligen Lied
ṛce tvā || 40.4.1 ||

Übersetzung: Zum heiligen Lied [rufe ich] dich!

Wort-für-Wort-Erläuterung: ṛce – zum Ṛc-Vers, zum heiligen Lied; Dativ; tvā – dich.

Textkritischer Hinweis: Die beiden kurzen Anrufungen vor dem folgenden Vers werden gesondert erläutert. Die elektronische Lesart ṛce wird erhalten; der Druck S. 261 hat ruce, während seine Anmerkung auch ṛce als Handschriftenlesart nennt.

40.4.2 – Anrufung zum heiligen Lied – Wiederholung
ṛce tvā || 40.4.2 ||

Übersetzung: Zum heiligen Lied [rufe ich] dich!

Wort-für-Wort-Erläuterung: ṛce – zum Ṛc-Vers, zum heiligen Lied; Dativ; tvā – dich.

40.4.3 – Die Ströme der geklärten Butter
samitsravanti sarito na dhenāḥ | antarhṛdā manasā pūyamānāḥ | ghṛtasya dhārā abhicākaśīmi || 40.4.3 ||

Übersetzung: Zusammen strömen sie, die nährenden [Ströme], wie Flüsse, im Inneren durch Herz und Geist geläutert. Die Ströme der geklärten Butter schaue ich an.

Wort-für-Wort-Erläuterung: sam – zusammen; it – eben, wahrlich; verstärkende Partikel; sravanti – sie strömen; saritaḥ – Flüsse; na – wie; vedische Vergleichspartikel; dhenāḥ – nährende oder milchgebende [Ströme]; weiblicher Plural; antaḥ – im Inneren; hṛdā – durch das Herz; manasā – durch den Geist; pūyamānāḥ – gereinigt, geläutert werdend; ghṛtasya – der geklärten Butter, des Ghee; dhārāḥ – Ströme; abhicākaśīmi – ich schaue an; auch als „ich mache leuchtend“ gedeutet.

Textkritischer Hinweis: Samit wird hier als sam + it analysiert. Der gedruckte Kommentar bezieht das Wort alternativ auf Brennmaterial und ergänzt einen Darbringungsvorgang. Die Übersetzung folgt der Flussmetapher des überlieferten Satzes.

40.5 – Der goldene Schilfstängel und der Vogel
hiraṇyayo vetaso madhya āsām | tasmintsuparṇo madhukṛt kulāyī bhajannāste madhu devatābhyaḥ | tasyāsate harayaḥ sapta tīre svadhāṃ duhānā amṛtasya dhārām || 40.5 ||

Übersetzung: Ein goldener Schilfstängel ist in ihrer Mitte. Darin sitzt der schön gefiederte Vogel, der Süßes bereitet und ein Nest hat; er teilt den Gottheiten Süßes zu. An seinem Rand sitzen sieben Goldgelbe, die eine Eigengabe melken, einen Strom der Unsterblichkeit.

Wort-für-Wort-Erläuterung: hiraṇyayaḥ – golden; vetasaḥ – Schilfstängel, Rohr; in der Überlieferung auch sinnbildlich auf Reichtum bezogen; madhye – in der Mitte; vor āsām im Text madhya; āsām – dieser; weiblicher Genitiv Plural, bezogen auf die Ströme; tasmin – darin; vor s zu tasmint verbunden; su-parṇaḥ – schön gefiedert, Vogel; madhu-kṛt – Süßes oder Honig bereitend; kulāyī – ein Nest habend, im Nest wohnend; bhajan – zuteilend, verteilend; āste – sitzt, verweilt; madhu – Süßes, Honig; devatābhyaḥ – für die Gottheiten; tasya – seines; āsate – sie sitzen; harayaḥ – die Goldgelben, Hellen; auch als Pferde oder göttliche Kräfte gedeutet; sapta – sieben; tīre – am Rand, am Ufer; svadhām – Eigengabe, eigene Nahrung, Opfergabe; duhānāḥ – melkend, hervorholend; amṛtasya – der Unsterblichkeit, des Unsterblichkeitstrankes; dhārām – Strom.

Textkritischer Hinweis: Die Bilder sind mehrdeutig. Hier werden sie zunächst wörtlich wiedergegeben. Der traditionelle Kommentar versteht darin den Empfänger des Opfers und sieben Seher; diese Auslegung wird nicht als ausdrücklich genannter Sanskritwortlaut ausgegeben.

40.6 – Verheißung der Trisuparna-Rezitation
ya idaṃ trisuparṇamayācitaṃ brāhmaṇāya dadyāt | vīrahatyāṃ vā ete ghnanti | ye brāhmaṇāstrisuparṇaṃ paṭhanti | te somaṃ prāpnuvanti | āsahasrāt paṅktiṃ punanti | oṃ || 40.6 ||

Übersetzung: Wer [diesen Text weitergibt], soll einem Brahmanen Trisuparna unaufgefordert geben. Die Brahmanen, die Trisuparna rezitieren, tilgen wahrlich die Schuld der Tötung eines Helden. Sie erlangen Soma. Sie reinigen eine Reihe [von Speisenden] bis zu tausend. Om.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yaḥ – wer; idam – dieses; trisuparṇam – Trisuparna, „Drei schön gefiederte [Texte]“; Name der Mantragruppe; ayācitam – unerbeten, ohne darum gebeten worden zu sein; brāhmaṇāya – einem Brahmanen; dadyāt – soll geben, weitergeben; vīra-hatyām – die Schuld der Tötung eines Helden; vai – wahrlich; im Text vā; ete – diese; ghnanti – sie vernichten, tilgen; ye – welche; brāhmaṇāḥ – Brahmanen; trisuparṇam – Trisuparna; paṭhanti – sie rezitieren, lesen; te – sie; somam – Soma; traditionell auch die Frucht des Somaopfers; prāpnuvanti – sie erlangen; ā sahasrāt – bis zu tausend; ā, bis; sahasra, tausend; paṅktim – Reihe, hier Reihe der bei einem Ritual Speisenden; punanti – sie reinigen; oṃ – Om, die heilige Silbe.

Textkritischer Hinweis: Diese Sätze sind eine religiöse Wirkungsverheißung, keine empirische Behauptung des Artikels. Vīrahatyā heißt wörtlich „Tötung eines Helden“; der Kommentar bezieht den Ausdruck auch auf einen würdigen Brahmanen oder einen geweihten König. Die eröffnende Relativkonstruktion bleibt unvollständig und wird in der Übersetzung sichtbar ergänzt.

41.1 – Medha und die rechte Rede
medhādevī juṣamāṇā na āgādviśvācī bhadrā sumanasyamānā | tvayā juṣṭā juṣamāṇā duruktānbṛhadvadema vidathe suvīrāḥ || 41.1 ||

Übersetzung: Die Göttin Medha möge uns wohlwollend nahen, allwärts gewandt, heilbringend und freundlich gesinnt. Von dir begünstigt, mögen wir, [die bisher] an schlechten Reden Gefallen fanden, mit tüchtigen Nachkommen in der Versammlung Großes aussprechen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: medhā-devī – Göttin Medha, die personifizierte Einsicht; juṣamāṇā – wohlwollend, Gefallen findend; naḥ – uns; vor āgāt als na; āgāt – möge kommen; vedische Form; viśvācī – allwärts gewandt, alles umfassend; bhadrā – heilvoll, günstig; sumanasyamānā – freundlich gesinnt; tvayā – von dir; juṣṭāḥ – begünstigt, mit Wohlwollen angenommen; Sandhi juṣṭā; juṣamāṇāḥ – Gefallen findend; Sandhi juṣamāṇā; duruktān – schlechte Reden, üble Aussprüche; formal maskuliner Plural; bṛhat – Großes, Erhabenes; vadema – mögen wir sprechen; vidathe – in der Versammlung, bei der heiligen Zusammenkunft; su-vīrāḥ – mit tüchtigen Männern oder Nachkommen versehen.

Textkritischer Hinweis: Die elektronische Lesung juṣamāṇā beim zweiten Vorkommen wird nach dem Haupttext des Drucks S. 265 erhalten. Eine dort verzeichnete Variante nudamānā bedeutet „zurückdrängend“. Das in der Übersetzung ergänzte „bisher“ macht die zeitliche Deutung der ersten Lesart kenntlich; der Text selbst nennt keinen Zeitwechsel.

41.2 – Die Gaben der Einsicht
tvayā juṣṭa ṛṣirbhavati devi tvayā brahmāgataśrīruta tvayā | tvayā juṣṭaścitraṃ vindate vasu sā no juṣasva draviṇena medhe || 41.2 ||

Übersetzung: Von dir begünstigt wird man ein Seher, o Göttin; durch dich [wird man] ein Brahmanpriester, und durch dich gelangt man zu Glanz und Wohlstand. Von dir begünstigt findet man vielfältigen Besitz. So nimm uns wohlwollend an, o Medha, mit Vermögen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: tvayā – von dir; juṣṭaḥ – begünstigt; Sandhi juṣṭa; ṛṣiḥ – Seher; bhavati – wird, ist; devi – o Göttin; tvayā – durch dich; brahmā – Brahmanpriester; traditionell auch Brahmanerkennender; āgata-śrīḥ – zu dem Glanz oder Wohlstand gekommen ist: āgata, gekommen; śrī, Glanz/Wohlstand; uta – und auch; tvayā – durch dich; tvayā – von dir; juṣṭaḥ – begünstigt; ca – und, auch; citram – vielfältig, prächtig; vindate – findet, erlangt; vasu – Gut, Besitz; – du als solche; naḥ – uns; juṣasva – nimm wohlwollend an, sei günstig; draviṇena – mit Vermögen, mit Gaben; medhe – o Medha, o Einsicht.

42.1 – Einsicht durch Indra, Sarasvati und die Ashvins
medhāṃ ma indro dadātu medhāṃ devī sarasvatī | medhāṃ me aśvināvubhāvādhattāṃ puṣkarasrajau || 42.1 ||

Übersetzung: Indra möge mir Einsicht geben, [ebenso] die Göttin Sarasvati. Die beiden Ashvins mit ihren Lotuskränzen mögen mir Einsicht verleihen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: medhām – Einsicht, geistige Aufnahmefähigkeit; me – mir; vor i im Text ma; indraḥ – Indra; dadātu – möge geben; medhām – Einsicht; devī – Göttin; sarasvatī – Sarasvati; medhām – Einsicht; me – mir; aśvinau – die beiden Ashvins; ubhau – beide; ādhattām – mögen setzen, verleihen; Dual; puṣkara-srajau – mit Lotuskränzen versehen; puṣkara, Lotus; sraj, Kranz.

Textkritischer Hinweis: Das beschädigte meadhām wird nach Druck S. 269 zu medhām berichtigt. Das Verb dadātu gilt sinngemäß auch für Sarasvati.

42.2 – Einsicht in himmlischen Wesen
apsarāsu ca yā medhā gandharveṣu ca yanmanaḥ | daivī medhā sarasvatī sā māṃ medhā surabhirjuṣatāṃ svāhā || 42.2 ||

Übersetzung: Die Einsicht, die in den Apsaras ist, und der Geist, der in den Gandharvas ist, die göttliche Einsicht, Sarasvati: Diese wohlriechende Medha möge mich wohlwollend annehmen. Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: apsarāsu – in den Apsaras, den himmlischen Frauen; ca – und; – welche; medhā – Einsicht; gandharveṣu – in den Gandharvas, den himmlischen Sängern; ca – und; yat – welcher, was für ein; manaḥ – Geist, Denkvermögen; daivī – göttlich; medhā – Einsicht; sarasvatī – Sarasvati; – diese; weiblich; mām – mich; medhā – Medha, Einsicht; surabhiḥ – wohlriechend, lieblich; juṣatām – möge wohlwollend annehmen; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

Textkritischer Hinweis: Sā ist nach Druck S. 269 wiederhergestellt; die elektronische Fassung hat hier sa. Die im Artikel beibehaltene Form daivī steht im Haupttext des Drucks; dessen Anmerkung nennt außerdem daivīm als grammatisch schwierige Lesart der längeren Rezension.

43.1 – Medha als nährende Göttin
ā māṃ medhā surabhirviśvarūpā hiraṇyavarṇā jagatī jagamyā | ūrjasvatī payasā pinvamānā sā māṃ medhā supratīkā juṣatām || 43.1 ||

Übersetzung: Zu mir [komme] die wohlriechende, vielgestaltige, goldfarbene Medha, die sich durch die Welt bewegt und immer wieder aufzusuchen ist, kraftvoll und mit Milch nährend. Diese Medha mit dem schönen Antlitz möge mich wohlwollend annehmen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: ā – herbei, zu ... hin; das Bewegungsverb ist nur mitgemeint; mām – zu mir; medhā – Medha, Einsicht; surabhiḥ – wohlriechend, lieblich; viśva-rūpā – vielgestaltig, alle Gestalten umfassend; hiraṇya-varṇā – goldfarben: hiraṇya, Gold; varṇa, Farbe; jagatī – sich bewegend, in der Welt gegenwärtig; weibliche Form; jagamyā – immer wieder aufzusuchen; seltene intensivische Bildung; ūrjasvatī – kraftvoll, Nahrung und Stärke besitzend; payasā – mit Milch, nährendem Saft; pinvamānā – schwellend, nährend, stärkend; – diese; mām – mich; medhā – Medha; su-pratīkā – mit schönem Antlitz, von freundlicher Erscheinung; juṣatām – möge wohlwollend annehmen.

44.1.1 – Bitte an Agni
mayi medhāṃ mayi prajāṃ mayyagnistejo dadhātu || 44.1.1 ||

Übersetzung: In mich lege Agni Einsicht, in mich Nachkommenschaft, in mich Leuchtkraft.

Wort-für-Wort-Erläuterung: mayi – in mir, in mich; medhām – Einsicht, geistige Aufnahmefähigkeit; mayi – in mich; prajām – Nachkommenschaft; mayi – in mich; agniḥ – Agni; tejaḥ – Leuchtkraft; dadhātu – möge setzen, verleihen.

Textkritischer Hinweis: Die drei parallelen Bitten des gedruckten Abschnitts 44.1 stehen hier einzeln unter den redaktionellen Nummern 44.1.1–44.1.3.

44.1.2 – Bitte an Indra
mayi medhāṃ mayi prajāṃ mayīndra indriyaṃ dadhātu || 44.1.2 ||

Übersetzung: In mich lege Indra Einsicht, in mich Nachkommenschaft, in mich Kraft.

Wort-für-Wort-Erläuterung: mayi – in mir, in mich; medhām – Einsicht, geistige Aufnahmefähigkeit; mayi – in mich; prajām – Nachkommenschaft; mayi – in mich; indraḥ – Indra; indriyam – Kraft; dadhātu – möge setzen, verleihen.

44.1.3 – Bitte an Surya
mayi medhāṃ mayi prajāṃ mayi sūryo bhrājo dadhātu || 44.1.3 ||

Übersetzung: In mich lege Surya Einsicht, in mich Nachkommenschaft, in mich Glanz.

Wort-für-Wort-Erläuterung: mayi – in mir, in mich; medhām – Einsicht, geistige Aufnahmefähigkeit; mayi – in mich; prajām – Nachkommenschaft; mayi – in mich; sūryaḥ – Surya; bhrājaḥ – Glanz; dadhātu – möge setzen, verleihen.

45.1 – Tod, Unsterblichkeit und Gedeihen
apaitu mṛtyuramṛtaṃ na āganvaivasvato no abhayaṃ kṛṇotu | parṇaṃ vanaspaterivābhi naḥ śīyatāṃrayiḥ sacatāṃ naḥ śacīpatiḥ || 45.1 ||

Übersetzung: Der Tod weiche; Unsterblichkeit komme zu uns. Vaivasvata schaffe uns Furchtlosigkeit. Wie ein Blatt vom Baum möge [unsere Schuld] von uns abfallen. Kraftvoller Reichtum möge uns begleiten.

Wort-für-Wort-Erläuterung: apaitu – möge fortgehen, weichen; apa, fort, und etu, möge gehen; mṛtyuḥ – Tod; amṛtam – Unsterblichkeit, das Unsterbliche; naḥ – zu uns; vor āgan als na; āgan – möge kommen; vedische Form; vaivasvataḥ – Vaivasvata, Sohn Vivasvats; Bezeichnung Yamas; naḥ – uns; abhayam – Furchtlosigkeit, Sicherheit; kṛṇotu – möge machen, schaffen; parṇam – Blatt; vanaspateḥ – eines Baumes; iva – wie; abhi – ringsum, auf ... zu; naḥ – von uns, unser; śīyatām – möge zerfallen, abfallen; rayiḥ – Reichtum, Besitz; sacatām – möge begleiten, sich zugesellen; naḥ – uns; śacī-patiḥ – Herr oder Besitzer der Kraft; hier als Eigenschaft des Reichtums verstanden; auch Beiname Indras.

Textkritischer Hinweis: In der Blattmetapher ist das Subjekt nicht ausdrücklich genannt. Die traditionelle Deutung ergänzt pāpam, „Schuld“. Śacīpati kann als Beiname Indras oder, wie hier, als Bestimmung des Reichtums verstanden werden.

46.1 – Der Tod möge seinen eigenen Weg gehen
paraṃ mṛtyo anuparehi panthāṃ yaste sva itaro devayānāt | cakṣuṣmate śṛṇvate te bravīmi mā naḥ prajāṃ rīriṣo mota vīrān || 46.1 ||

Übersetzung: Gehe fort, o Tod, folge dem fernen Weg, der dein eigener ist und sich vom Götterweg unterscheidet. Zu dir, der du Augen hast und hörst, spreche ich: Verletze unsere Nachkommenschaft nicht und auch unsere Helden nicht.

Wort-für-Wort-Erläuterung: param – fern, weg; mṛtyo – o Tod; Anrede; anu parehi – gehe entlang, gehe fort; panthām – Weg; Akkusativ; yaḥ – welcher; te – dein; svaḥ – eigener; im Text sva; itaraḥ – anderer, verschieden; devayānāt – vom Götterweg: deva, Gott; yāna, Weg oder Fahrt; cakṣuṣmate – dem mit Augen Versehenen; śṛṇvate – dem Hörenden; te – zu dir; bravīmi – ich spreche; – nicht; naḥ – unsere; prajām – Nachkommenschaft; rīriṣaḥ – verletze; mit mā als Verbot; mā uta – und auch nicht; Sandhi mota; vīrān – Helden, kräftige Männer.

47.1 – Zuflucht zu Prajapati als Lebensatem
vātaṃ prāṇaṃ manasānvārabhāmahe prajāpatiṃ yo bhuvanasya gopāḥ | sa no mṛtyostrāyatāṃ pātvaṃhaso jyogjīvā jarāma śīmahi || 47.1 ||

Übersetzung: Mit dem Geist halten wir uns an den Wind, den Lebensatem, an Prajapati, der die Welt behütet. Er schütze uns vor dem Tod und bewahre uns vor Bedrängnis. Lange lebend mögen wir das Alter erreichen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: vātam – an den Wind; prāṇam – an den Lebensatem; manasā – mit dem Geist; anu ārabhāmahe – wir halten uns an, nehmen Zuflucht; Sandhi anvārabhāmahe; prajāpatim – an Prajapati; yaḥ – der; bhuvanasya – der Welt; gopāḥ – Hüter, Beschützer; vedische Nominativform; saḥ – er; naḥ – uns; mṛtyoḥ – vor dem Tod; trāyatām – möge schützen; pātu – möge bewahren; aṃhasaḥ – vor Bedrängnis, Übel oder Schuld; jyok – lange, auf lange Zeit; im Sandhi jyog; jīvāḥ – lebend; jarām – das Alter; aśīmahi – mögen wir erreichen, erlangen.

Textkritischer Hinweis: Die in der elektronischen Fassung ungünstig getrennte Folge jarāma śīmahi ist als jarām aśīmahi zu analysieren. Es wird kein Wort ergänzt.

48.1 – Brihaspati und die beiden Ashvins
amutrabhūyādadha yadyamasya bṛhaspate abhiśasteramuñcaḥ | pratyauhatāmaśvinā mṛtyumasmaddevānāmagne bhiṣajā śacībhiḥ || 48.1 ||

Übersetzung: O Brihaspati, löse [mich] von der Existenz dort drüben und von der Anklage Yamas. O Agni, mögen die beiden Ashvins, die Ärzte der Götter, durch ihre Kräfte den Tod von uns wegtreiben.

Wort-für-Wort-Erläuterung: amutra-bhūyāt – vom Dort-drüben-Sein, von der Existenz in jener Welt; schwierige Ablativbildung; adha – ferner, sodann; vedische Form zu atha; yat – was, dasjenige, was; Satzanschluss; yamasya – Yamas, des Todesgottes; bṛhaspate – o Brihaspati; abhiśasteḥ – von Anklage, Verwünschung oder Bedrohung; amuñcaḥ – du hast gelöst; in der Bitte auffordernd verstanden; prati auhatām – mögen zurückdrängen, wegtreiben; Dual, Sandhi pratyauhatām; aśvinā – die beiden Ashvins; vedischer Dual; mṛtyum – den Tod; asmat – von uns; vor d im Sandhi asmad; devānām – der Götter; agne – o Agni; bhiṣajā – die beiden Ärzte; Dual; śacībhiḥ – durch Kräfte, wirksame Fähigkeiten.

Textkritischer Hinweis: Der Anfang ist syntaktisch schwierig. Die Übersetzung versteht amuñcaḥ im Gebetszusammenhang als Bitte und ergänzt das im Sanskrit nicht ausgedrückte Objekt „mich“. Die Deutung der Wortgruppe um amutrabhūyāt bleibt entsprechend gekennzeichnet.

49.1 – Hari und der dem Brahman entsprechende Weg
hariṃ harantamanuyanti devā viśvasyeśānaṃ vṛṣabhaṃ matīnām | brahmasarūpamanu medamāgādayanaṃ mā vivadhīrvikramasva || 49.1 ||

Übersetzung: Die Götter folgen dem hinwegnehmenden Hari, dem Herrn des Alls, dem Stier unter den Gedanken. Möge mir dieser Weg zukommen, der dieselbe Gestalt hat wie Brahman. Verletze [ihn] nicht; schreite kraftvoll voran.

Wort-für-Wort-Erläuterung: harim – Hari, der Goldene oder Gelbliche; göttlicher Name; harantam – wegnehmend, hinwegtragend, in sich aufnehmend; anuyanti – sie folgen; devāḥ – die Götter; viśvasya – des Alls; īśānam – den Herrn; vṛṣabham – den Stier, den Hervorragenden; matīnām – der Gedanken, Einsichten; brahma-sarūpam – von gleicher Gestalt wie Brahman: brahma, Brahman; sa-rūpa, von gleicher Gestalt; anu – nach, zu, auf ... hin; – mich; in der Verbindung medam überliefert; idam – dieses; āgāt – möge kommen; ayanam – Weg, Gang; – nicht; vi vadhīḥ – verletze, zerstöre; vikramasva – schreite kraftvoll aus, entfalte Kraft.

Textkritischer Hinweis: Die Wortfolge anu medam wird traditionell als anu mā idam erklärt. Die Übersetzung erhält die Wegmetapher und markiert das ergänzte Objekt zu „verletze“; weitergehende Kommentare deuten diesen Weg als den in den Veden gelehrten Weg zur Befreiung.

50.1 – Feuer und die beiden Welten
śalkairagnimindhāna ubhau lokau sanemaham | ubhayorlokayorṛdhvāti mṛtyuṃ tarāmyaham || 50.1 ||

Übersetzung: Indem ich das Feuer mit Holzspänen entzünde, möchte ich beide Welten gewinnen. In beiden Welten gedeihend, überschreite ich den Tod.

Wort-für-Wort-Erläuterung: śalkaiḥ – mit Spänen, Splittern; agnim – das Feuer; indhānaḥ – entzündend, anfachend; ubhau – beide; lokau – Welten; Dual; sanem – möchte ich gewinnen; vedische Form, im Kommentar durch saneyam erklärt; aham – ich; ubhayoḥ – in beiden, der beiden; lokayoḥ – Welten; Dual; ṛdhvā – gedeihend, nach erlangtem Gedeihen; alte Absolutivform; ati – über ... hinaus; mṛtyum – den Tod; tarāmi – ich überschreite; aham – ich.

51.1 – Bitte um Schonung des Lebens
mā chido mṛtyo mā vadhīrmā me balaṃ vivṛho mā pramoṣīḥ | prajāṃ mā me rīriṣa āyurugra nṛcakṣasaṃ tvā haviṣā vidhema || 51.1 ||

Übersetzung: Schneide [mein Leben] nicht ab, o Tod; töte nicht. Entreiße mir meine Kraft nicht, beraube mich nicht. Verletze weder meine Nachkommenschaft noch meine Lebensdauer, o Gewaltiger. Dich, der du auf die Menschen schaust, wollen wir mit einer Opfergabe verehren.

Wort-für-Wort-Erläuterung: – nicht; chidaḥ – schneide ab; im Sandhi chido; mṛtyo – o Tod; – nicht; vadhīḥ – töte; – nicht; me – meine; balam – Kraft; vi vṛhaḥ – reiße heraus, entreiße; im Text vivṛho; – nicht; pramoṣīḥ – beraube, raube weg; prajām – Nachkommenschaft; – nicht; me – meine; rīriṣaḥ – verletze; āyuḥ – Lebensdauer; ugra – o Gewaltiger; nṛ-cakṣasam – auf Menschen blickend: nṛ, Mensch; cakṣas, Blick; tvā – dich; haviṣā – mit einer Opfergabe; vidhema – mögen wir dienen, verehren.

Textkritischer Hinweis: Das Objekt zu „schneide ab“ bleibt unausgesprochen; die Übersetzung ergänzt aus dem Zusammenhang das Leben. Das Verb sanem in 50.1 und mehrere Verbotformen hier sind vedische Formen, keine Fehler des Artikels.

52.1 – Schonung der Familie und der Körper
mā no mahāntamuta mā no arbhakaṃ mā na ukṣantamuta mā na ukṣitam | mā no vadhīḥ pitaraṃ mota mātaraṃ priyā mā nastanuvo rudra rīriṣaḥ || 52.1 ||

Übersetzung: Verletze weder unseren Großen noch unseren Kleinen, weder den Heranwachsenden noch den Gezeugten. Töte unseren Vater nicht und auch unsere Mutter nicht. Verletze unsere geliebten Körper nicht, o Rudra.

Wort-für-Wort-Erläuterung: – nicht; naḥ – unseren; mahāntam – den Großen, Älteren; uta – und auch; – nicht; naḥ – unseren; arbhakam – den Kleinen, das Kind; – nicht; naḥ – unseren; ukṣantam – den Wachsenden oder Zeugenden; uta – und auch; – nicht; naḥ – unseren; ukṣitam – den Gezeugten, den als Samen Eingesetzten; – nicht; naḥ – unseren; vadhīḥ – töte; pitaram – Vater; mā uta – und auch nicht; Sandhi mota; mātaram – Mutter; priyāḥ – geliebte; Sandhi priyā; – nicht; naḥ – unsere; tanuvaḥ – Körper, leibliche Personen; rudra – o Rudra; rīriṣaḥ – verletze.

53.1 – Schonung von Nachkommen, Herden und Menschen
mā nastoke tanaye mā na āyuṣi mā no goṣu mā no aśveṣu rīriṣaḥ | vīrānmā no rudra bhāmito vadhīrhaviṣmanto namasā vidhema te || 53.1 ||

Übersetzung: Verletze uns nicht an Kindern und Nachkommen, nicht an unserer Lebensdauer, nicht an unseren Rindern und Pferden. Töte unsere Helden nicht in deinem Zorn, o Rudra. Mit Opfergaben versehen wollen wir dich in Verehrung ehren.

Wort-für-Wort-Erläuterung: – nicht; naḥ – uns; toke – am Kind, an der Nachkommenschaft; tanaye – am Nachkommen, am Sohn; – nicht; naḥ – uns; āyuṣi – an der Lebensdauer; – nicht; naḥ – uns; goṣu – an den Rindern; – nicht; naḥ – uns; aśveṣu – an den Pferden; rīriṣaḥ – verletze; vīrān – Helden, kräftige Männer; – nicht; naḥ – unsere; rudra – o Rudra; bhāmitaḥ – erzürnt, in Zorn versetzt; Sandhi bhāmito; vadhīḥ – töte; haviṣmantaḥ – mit Opfergaben versehen; namasā – mit Verehrung, Verneigung; vidhema – wollen wir dienen, verehren; te – dir.

54.1 – Prajapati umfasst die Geschöpfe
prajāpate na tvadetānyanyo viśvā jātāni pari tā babhūva | yatkāmaste juhumastanno astu vayaṃ syāma patayo rayīṇām || 54.1 ||

Übersetzung: O Prajapati, kein anderer als du hat alle diese entstandenen Wesen umfasst. Was wir beim Opfern an dich ersehnen, möge uns zuteilwerden. Mögen wir Herren von Reichtümern sein.

Wort-für-Wort-Erläuterung: prajāpate – o Prajapati; na – nicht, kein; tvat – als du, außer dir; Ablativ; etāni – diese; anyaḥ – anderer; viśvā – alle; vedische Form für viśvāni; jātāni – entstandenen Wesen; pari – ringsum, ganz; – diese; vedische Form; babhūva – hat umfasst, ist geworden; yat-kāmāḥ – welches ersehnend; yat, welches; kāma, Wunsch; te – dir, an dich; juhumaḥ – wir opfern; tat – dieses; naḥ – uns; astu – möge zuteilwerden; vayam – wir; syāma – mögen sein; patayaḥ – Herren, Besitzer; rayīṇām – von Reichtümern, Gütern.

55.1 – Indra als Geber von Furchtlosigkeit
svastidā viśaspatirvṛtrahā vimṛdho vaśī | vṛṣendraḥ pura etu naḥ svastidā abhayaṅkaraḥ || 55.1 ||

Übersetzung: Der Heil spendende Herr der Siedlungen, der Vritra-Töter, der Widerstände zerschlägt und Macht besitzt: Dieser kraftvolle Indra gehe uns voran, Heil spendend und Furchtlosigkeit schaffend.

Wort-für-Wort-Erläuterung: svasti-dāḥ – Heil spendend: svasti, Heil; dā, gebend; viśas-patiḥ – Herr der Siedlungen oder Gemeinschaften; vṛtra-hā – Vritra-Töter: Vṛtra, Name des Widersachers; han, töten; vimṛdhaḥ – Widerstände zerschlagend; vaśī – mächtig, Gewalt besitzend; vṛṣā indraḥ – der stierkräftige Indra; Sandhi vṛṣendraḥ; puraḥ – voran; etu – möge gehen; naḥ – uns; svasti-dāḥ – Heil spendend; abhayaṅ-karaḥ – Furchtlosigkeit schaffend: abhaya, Furchtlosigkeit; kara, machend.

56.1 – Mahamrityunjaya-Mantra
tryambakaṃ yajāmahe sugandhiṃ puṣṭivardhanam | urvārukamiva bandhanānmṛtyormukṣīya māmṛtāt || 56.1 ||

Übersetzung: Wir verehren den Dreiäugigen, den Wohlriechenden, der das Gedeihen mehrt. Wie eine reife Gurkenfrucht von ihrer Bindung [gelöst wird], möge ich vom Tod befreit werden, nicht von der Unsterblichkeit.

Wort-für-Wort-Erläuterung: tryambakam – den Dreiäugigen; traditioneller Beiname Rudras: tri, drei; ambaka, Auge; yajāmahe – wir verehren, opfern; sugandhim – wohlriechend, von gutem Duft: su, gut; gandha, Duft; puṣṭi-vardhanam – das Gedeihen mehrend: puṣṭi, Gedeihen; vardhana, mehrend; urvārukam – Gurken- oder Kürbisfrucht; im Bild die sich lösende reife Frucht; iva – wie; bandhanāt – von der Bindung; vor m im Sandhi bandhanān; mṛtyoḥ – vom Tod; mukṣīya – möge ich frei werden, befreit werden; – nicht; amṛtāt – von der Unsterblichkeit.

57.1 – Die Schlingen des Todes
ye te sahasramayutaṃ pāśā mṛtyo martyāya hantave | tān yajñasya māyayā sarvānavayajāmahe || 57.1 ||

Übersetzung: Deine tausend und zehntausend Schlingen, o Tod, die den Sterblichen töten sollen: Sie alle opfern wir durch die wirksame Kraft des Opfers hinweg.

Wort-für-Wort-Erläuterung: ye – welche; te – deine; sahasram – tausend; ayutam – zehntausend; pāśāḥ – Schlingen, Fesseln; mṛtyo – o Tod; martyāya – für den Sterblichen, gegen den Menschen; hantave – zum Töten; vedischer Infinitiv; tān – jene; yajñasya – des Opfers; māyayā – durch wirksame oder gestaltende Kraft; sarvān – alle; ava yajāmahe – wir opfern hinweg, wenden durch Opfer ab.

Textkritischer Hinweis: Die elektronische Fassung bricht ayutam nach ayu ab. Der vollständige Wortlaut sahasram ayutam, „tausend und zehntausend“, ist im Druck S. 288 belegt und wird hier wiederhergestellt.

58.1.1 – Gabe an den Tod
mṛtyave svāhā || 58.1.1 ||

Übersetzung: Dem Tod: Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: mṛtyave – dem Tod; Dativ von mṛtyu; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

Textkritischer Hinweis: Die Formel steht im Grundtext zweimal. Beide Vorkommen werden vollständig wiedergegeben und erläutert.

58.1.2 – Gabe an den Tod – Wiederholung
mṛtyave svāhā || 58.1.2 ||

Übersetzung: Dem Tod: Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: mṛtyave – dem Tod; Dativ von mṛtyu; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

59.1.1 – Von Göttern verursachte Schuld
devakṛtasyainaso’vayajanamasi svāhā || 59.1.1 ||

Übersetzung: Du bist das Sühneopfer für die von Göttern verursachte Schuld. Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: deva-kṛtasya – von Göttern getan oder verursacht: deva, Gott; kṛta, getan; enasaḥ – der Schuld, des Vergehens; ava-yajanam – Sühneopfer, rituelles Wegopfern; asi – du bist; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

Textkritischer Hinweis: Die Komposita deva-, manuṣya- und pitṛ-kṛta werden hier nach ihrer unmittelbaren Wortbildung wiedergegeben. Die traditionelle Deutung bezieht sie auch auf Fehler bei Handlungen gegenüber Göttern, Menschen und Ahnen. Die Anrede „du“ gilt im Opferritual der Gabe oder dem Feuer.

59.1.2 – Von Menschen verursachte Schuld
manuṣyakṛtasyainaso’vayajanamasi svāhā || 59.1.2 ||

Übersetzung: Du bist das Sühneopfer für die von Menschen verursachte Schuld. Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: manuṣya-kṛtasya – von Menschen getan: manuṣya, Mensch; kṛta, getan; enasaḥ – der Schuld, des Vergehens; ava-yajanam – Sühneopfer, rituelles Wegopfern; asi – du bist; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

59.1.3 – Von Ahnen verursachte Schuld
pitṛkṛtasyainaso’vayajanamasi svāhā || 59.1.3 ||

Übersetzung: Du bist das Sühneopfer für die von Ahnen verursachte Schuld. Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: pitṛ-kṛtasya – von Vätern oder Ahnen getan: pitṛ, Vater/Ahn; kṛta, getan; enasaḥ – der Schuld, des Vergehens; ava-yajanam – Sühneopfer, rituelles Wegopfern; asi – du bist; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

59.1.4 – Eigene Schuld
ātmakṛtasyainaso’vayajanamasi svāhā || 59.1.4 ||

Übersetzung: Du bist das Sühneopfer für die selbst verursachte Schuld. Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: ātma-kṛtasya – von einem selbst getan: ātman, Selbst; kṛta, getan; enasaḥ – der Schuld, des Vergehens; ava-yajanam – Sühneopfer, rituelles Wegopfern; asi – du bist; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

59.1.5 – Von anderen verursachte Schuld
anyakṛtasyainaso’vayajanamasi svāhā || 59.1.5 ||

Übersetzung: Du bist das Sühneopfer für die von anderen verursachte Schuld. Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: anya-kṛtasya – von anderen getan: anya, anderer; kṛta, getan; enasaḥ – der Schuld, des Vergehens; ava-yajanam – Sühneopfer, rituelles Wegopfern; asi – du bist; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

59.1.6 – Von uns verursachte Schuld
asmatkṛtasyainaso’vayajanamasi svāhā || 59.1.6 ||

Übersetzung: Du bist das Sühneopfer für die von uns verursachte Schuld. Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: asmat-kṛtasya – von uns getan: asmat, von uns; kṛta, getan; enasaḥ – der Schuld, des Vergehens; ava-yajanam – Sühneopfer, rituelles Wegopfern; asi – du bist; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

59.1.7 – Schuld bei Tag und Nacht
yaddivā ca naktaṃ cainaścakṛma tasyāvayajanamasi svāhā || 59.1.7 ||

Übersetzung: Für die Schuld, die wir bei Tag und bei Nacht begangen haben, bist du das Sühneopfer. Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: yat – welche; divā – bei Tag; ca – und; naktam – bei Nacht; ca – und; enaḥ – Schuld, Vergehen; cakṛma – wir haben getan; tasya – dafür, für diese Schuld; ava-yajanam – Sühneopfer, rituelles Wegopfern; asi – du bist; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

59.1.8 – Schuld im Schlafen und Wachen
yatsvapantaśca jāgrataścainaścakṛma tasyāvayajanamasi svāhā || 59.1.8 ||

Übersetzung: Für die Schuld, die wir schlafend und wachend begangen haben, bist du das Sühneopfer. Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: yat – welche; svapantaḥ – schlafend; Partizip Plural; ca – und; jāgrataḥ – wachend; Partizip Plural; ca – und; enaḥ – Schuld, Vergehen; cakṛma – wir haben getan; tasya – dafür, für diese Schuld; ava-yajanam – Sühneopfer, rituelles Wegopfern; asi – du bist; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

59.1.9 – Schuld im Tiefschlaf und Wachsein
yatsuṣuptaśca jāgrataścainaścakṛma tasyāvayajanamasi svāhā || 59.1.9 ||

Übersetzung: Für die Schuld, die wir im Tiefschlaf und im Wachsein begangen haben, bist du das Sühneopfer. Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: yat – welche; suṣuptaḥ – tief schlafend; überlieferte Form im Singular; ca – und; jāgrataḥ – wachend; überlieferte Pluralform; ca – und; enaḥ – Schuld, Vergehen; cakṛma – wir haben getan; tasya – dafür, für diese Schuld; ava-yajanam – Sühneopfer, rituelles Wegopfern; asi – du bist; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

Textkritischer Hinweis: Die Formel 59.1.9 verbindet suṣuptaḥ im Singular mit jāgrataḥ im Plural. Die Übersetzung gibt die erkennbaren Zustände wieder, ohne die Sanskritformen zu vereinheitlichen.

59.1.10 – Schuld wissend und unwissend
yadvidvāṃsaścāvidvāṃsaścainaścakṛma tasyāvayajanamasi svāhā || 59.1.10 ||

Übersetzung: Für die Schuld, die wir wissend und unwissend begangen haben, bist du das Sühneopfer. Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: yat – welche; vidvāṃsaḥ – wissend; Partizip Plural; ca – und; avidvāṃsaḥ – nicht wissend, unwissend; Partizip Plural; ca – und; enaḥ – Schuld, Vergehen; cakṛma – wir haben getan; tasya – dafür, für diese Schuld; ava-yajanam – Sühneopfer, rituelles Wegopfern; asi – du bist; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

59.1.11 – Sühne für jede Schuld
enasa enaso’vayajanamasi svāhā || 59.1.11 ||

Übersetzung: Du bist das Sühneopfer für Schuld um Schuld. Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: enasaḥ – der Schuld; erste Nennung; enasaḥ – der Schuld; wiederholter Genitiv, „jeder einzelnen Schuld“; ava-yajanam – Sühneopfer, rituelles Wegopfern; asi – du bist; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

Textkritischer Hinweis: Der gesamte Anuvaka 59 ist im Druck als ein Absatz gezählt. Seine elf Opferformeln werden hier als 59.1.1–59.1.11 einzeln erläutert. Offensichtliche Abschreibfehler in pitṛkṛtasyainaso und ātmakṛtasyainaso werden nach dem Druck S. 290 berichtigt.

60.1 – Bitte um Abwendung der Schuld
yadvo devāścakṛma jihvayā guru manaso vā prayutī devaheḍanam | arāvā yo no abhi ducchunāyate tasmin tadeno vasavo nidhetana svāhā || 60.1 ||

Übersetzung: Was wir euch, ihr Götter, mit der Zunge oder durch eine Regung des Geistes als schwere Kränkung angetan haben: Diese Schuld legt, ihr Vasus, auf den, der uns nichts gönnt und Unheil gegen uns im Sinn hat. Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: yat – was, welche Tat; vaḥ – euch; Sandhi vo; devāḥ – ihr Götter; Anrede, Sandhi devāś; cakṛma – wir haben getan; jihvayā – mit der Zunge, durch die Rede; guru – schwer, gewichtig; manasaḥ – des Geistes; Sandhi manaso; – oder; prayutī – durch Antrieb oder Betätigung; alte Instrumentalform; deva-heḍanam – Kränkung der Götter: deva, Gott; heḍana, Missachtung oder Kränkung; arāvā – nicht gebend, ohne Gabe, missgünstig; yaḥ – welcher; naḥ – uns; Sandhi no; abhi – gegen, auf ... zu; ducchunāyate – Unheil zufügen will, feindlich handelt; tasmin – auf/in jenem; tat – diese; enaḥ – Schuld, Vergehen; Sandhi eno; vasavaḥ – ihr Vasus; Anrede, Sandhi vasavo; ni dhetana – legt nieder, weist zu; vedischer Imperativ Plural; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

Textkritischer Hinweis: Der Vers ist auch als Rigveda 10.37.12 überliefert. Die Wiedergabe mit jihvayā folgt dem Verswortlaut; das in der elektronischen Fassung nachgestellte Anusvara wird nicht übernommen. Der historische Text bittet um Übertragung von Schuld auf einen Gegner; die Übersetzung lässt diese Aussage erkennbar stehen.

61.1 – Begehren und Handlung
kāmo’kārṣīnnamo namaḥ | kāmo’kārṣītkāmaḥ karoti nāhaṃ karomi kāmaḥ kartā nāhaṃ kartā kāmaḥ kārayitā nāhaṃ kārayitā eṣa te kāma kāmāya svāhā || 61.1 ||

Übersetzung: Das Begehren hat es getan. Verehrung, Verehrung. Das Begehren hat es getan; Begehren handelt, ich handle nicht. Begehren ist der Handelnde, ich bin nicht der Handelnde. Begehren veranlasst die Handlung, ich bin nicht ihr Veranlasser. Diese Gabe ist für dich, o Begehren. Dem Begehren: Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: kāmaḥ – Begehren; akārṣīt – hat getan; vor n als akārṣīn verbunden; namaḥ namaḥ – Verehrung, Verehrung; kāmaḥ – Begehren; akārṣīt – hat getan; kāmaḥ – Begehren; karoti – tut, handelt; na – nicht; aham – ich; karomi – ich tue, handle; kāmaḥ – Begehren; kartā – Handelnder, Täter; na – nicht; aham – ich; kartā – Handelnder; kāmaḥ – Begehren; kārayitā – Veranlasser, der handeln lässt; na – nicht; aham – ich; kārayitā – Veranlasser; eṣaḥ – dieser, diese Gabe; ein Opferanteil ist mitzudenken; te – dir, für dich; kāma – o Begehren; Anrede; kāmāya – dem Begehren, für das Begehren; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

Textkritischer Hinweis: Die Formel unterscheidet das Selbst von der antreibenden Regung. Sie gehört in einen rituellen Zusammenhang der Reinigung. Ihre Redeweise hebt die praktische Verantwortung für Handlungen nicht als allgemeine ethische Regel auf.

62.1 – Zorn und Handlung
manyurakārṣīnnamo namaḥ | manyurakārṣīnmanyuḥ karoti nāhaṃ karomi manyuḥ kartā nāhaṃ kartā manyuḥ kārayitā nāhaṃ kārayitā eṣa te manyo manyave svāhā || 62.1 ||

Übersetzung: Der Zorn hat es getan. Verehrung, Verehrung. Der Zorn hat es getan; Zorn handelt, ich handle nicht. Zorn ist der Handelnde, ich bin nicht der Handelnde. Zorn veranlasst die Handlung, ich bin nicht ihr Veranlasser. Diese Gabe ist für dich, o Zorn. Dem Zorn: Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: manyuḥ – Zorn; akārṣīt – hat getan; vor n als akārṣīn verbunden; namaḥ namaḥ – Verehrung, Verehrung; manyuḥ – Zorn; akārṣīt – hat getan; manyuḥ – Zorn; karoti – tut, handelt; na – nicht; aham – ich; karomi – ich tue, handle; manyuḥ – Zorn; kartā – Handelnder, Täter; na – nicht; aham – ich; kartā – Handelnder; manyuḥ – Zorn; kārayitā – Veranlasser, der handeln lässt; na – nicht; aham – ich; kārayitā – Veranlasser; eṣaḥ – dieser, diese Gabe; ein Opferanteil ist mitzudenken; te – dir, für dich; manyo – o Zorn; Anrede; manyave – dem Zorn, für den Zorn; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

63.1 – Darbringung von Sesam
tilāñjuhomi sarasān sapiṣṭān gandhāra mama citte ramantu svāhā || 63.1 ||

Übersetzung: Ich opfere saftige Sesamkörner, mit Mehl vermischt. O Gandhāra, mögen [deine Eigenschaften] in meinem Geist Freude finden. Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: tilān – Sesamkörner; vor j im Sandhi tilāñ; juhomi – ich opfere, bringe dar; sa-rasān – mit Saft versehen, saftig oder schmackhaft; sa-piṣṭān – mit Mehl vermischt; gandhāra – Gandhāra; hier eine schwierige Anrede des Göttlichen; mama – meines, mein; citte – im Geist, im inneren Bewusstsein; ramantu – mögen sich erfreuen, Freude finden; Plural; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

Textkritischer Hinweis: Der Druck liest gandhāra. Die traditionelle Erklärung versteht es als Anrede des höchsten Wesens und ergänzt zu ramantu dessen Eigenschaften als Subjekt. Diese Ergänzung steht in der Übersetzung in eckigen Klammern; sie ist kein zusätzliches Sanskritwort.

63.2 – Wohlstand und Nahrung
gāvo hiraṇyaṃ dhanamannapānaṃ sarveṣāṃ śriyai svāhā || 63.2 ||

Übersetzung: Rinder, Gold, Besitz, Speise und Trank – zum Wohlergehen aller: Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: gāvaḥ – Rinder; Sandhi gāvo; hiraṇyam – Gold; dhanam – Besitz, Vermögen; anna-pānam – Speise und Trank: anna, Nahrung; pāna, Getränk; sarveṣām – aller; śriyai – zum Wohlergehen, zur Fülle oder für Shri; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

Textkritischer Hinweis: Der Sanskrittext ist eine verkürzte Opferformel ohne ausgesprochenes Verb. Ein Geben oder Erlangen der genannten Güter ist im Ritualzusammenhang vorausgesetzt.

63.3 – Bitte um Gedeihen und Erkenntnis
śriyaṃ ca lakṣmīṃ ca puṣṭiṃ ca kīrtiṃ cānṛṇyatām | brāhmaṇyaṃ bahuputratām | śraddhāmedhe prajāḥ saṃdadātu svāhā || 63.3 ||

Übersetzung: Möge [das Göttliche] mir Fülle und Glück, Gedeihen und guten Ruf, Schuldenfreiheit, Brahmanentum und viele Söhne gewähren, dazu Vertrauen, Einsicht und Nachkommenschaft. Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: śriyam – Fülle, Ansehen, königliches Gedeihen; ca – und; lakṣmīm – Glück, günstiges Geschick, Lakshmi; ca – und; puṣṭim – Gedeihen, Nahrungskraft; ca – und; kīrtim – Ruf, Ansehen; ca – und; anṛṇyatām – Schuldenfreiheit: an-ṛṇa, ohne Schuld oder Verpflichtung; -tā, Zustand; brāhmaṇyam – Brahmanentum, Brahman-Gesinnung; bahu-putratām – das Haben vieler Söhne: bahu, viele; putra, Sohn; śraddhā-medhe – Vertrauen und Einsicht; überlieferte Doppelform, syntaktisch schwierig; prajāḥ – Nachkommenschaft, Kinder; saṃdadātu – möge gewähren, zusammenbringen; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

Textkritischer Hinweis: Ein Subjekt zu saṃdadātu ist nicht ausdrücklich genannt. Die traditionelle Deutung bezieht die Bitte auf das höchste Wesen. Die überlieferte Form śraddhāmedhe steht grammatisch nicht bruchlos in der Akkusativreihe; sie wird entsprechend dem Kontext als Bitte um Vertrauen und Einsicht verstanden.

64.1 – Die reinigenden Sesamkörner
tilāḥ kṛṣṇāstilāḥ śvetāstilāḥ saumyā vaśānugāḥ | tilāḥ punantu me pāpaṃ yatkiñcid duritaṃ mayi svāhā || 64.1 ||

Übersetzung: Schwarze Sesamkörner, weiße Sesamkörner, milde Sesamkörner, die mir zur Verfügung stehen: Mögen die Sesamkörner meine Schuld reinigen, welches Übel auch immer in mir ist. Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: tilāḥ – Sesamkörner; kṛṣṇāḥ – schwarze; tilāḥ – Sesamkörner; śvetāḥ – weiße; tilāḥ – Sesamkörner; saumyāḥ – milde, wohltuende, dem Soma verwandte; vaśa-anugāḥ – dem eigenen Willen folgend, zur Verfügung stehend: vaśa, Verfügungsgewalt; anuga, folgend; tilāḥ – Sesamkörner; punantu – mögen reinigen; me – meine, mir; pāpam – Schuld, Vergehen; yat kiñcit – was immer, welches auch immer; duritam – Übel, Fehltritt; mayi – in mir; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

64.2 – Aufzählung schwerer Vergehen
corasyānnaṃ navaśrāddhaṃ brahmahā gurutalpagaḥ | gosteyaṃ surāpānaṃ bhrūṇahatyā tilā śāntiṃ śamayantu svāhā || 64.2 ||

Übersetzung: Die Nahrung eines Diebes, die Speise eines ersten Totenopfers, Brahmanenmord, das Aufsuchen des Lagers des Lehrers, Rinderdiebstahl, das Trinken von berauschendem Trank und die Tötung eines Embryos: Mögen die Sesamkörner [diese Vergehen] beschwichtigen und Frieden [gewähren]. Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: corasya – eines Diebes; annam – Nahrung; hier das Essen solcher Nahrung; nava-śrāddham – neues oder erstes Totenopfer; im Kontext dessen Speise; brahma-hā – Brahmanentöter; in der Aufzählung für die Tat des Brahmanenmordes gebraucht; guru-talpa-gaḥ – der das Lager des Lehrers aufsucht: guru, Lehrer; talpa, Lager; ga, hingehend; go-steyam – Rinderdiebstahl: go, Rind; steya, Diebstahl; surā-pānam – Trinken von Surā, einem berauschenden Getränk; bhrūṇa-hatyā – Tötung eines Embryos; in rituellen Rechtskontexten auch anders auf besonders geschützte Personen bezogen; tilāḥ – Sesamkörner; Sandhi tilā; śāntim – Frieden, Beschwichtigung; śamayantu – mögen beruhigen, beschwichtigen, tilgen; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

Textkritischer Hinweis: Die Aufzählung wechselt zwischen Namen von Handlungen und Bezeichnungen der Handelnden. Auch śāntiṃ śamayantu ist sprachlich uneben. Die Übersetzung macht die im Ritualzusammenhang vorausgesetzte Bitte um Tilgung von Vergehen kenntlich, ohne die Sanskritformen zu vereinheitlichen.

64.3 – Erneute Bitte an Jatavedas
śrīśca lakṣmīśca puṣṭīśca kīrtiṃ cānṛṇyatām | brahmaṇyaṃ bahuputratām | śraddhāmedhe prajñā tu jātavedaḥ saṃdadātu svāhā || 64.3 ||

Übersetzung: Fülle und Glück, Gedeihen und guten Ruf, Schuldenfreiheit, Brahmanentum und viele Söhne, Vertrauen, Einsicht und Erkenntnis – dies möge Jātavedas gewähren. Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: śrīḥ – Fülle, Shri; ca – und; lakṣmīḥ – Glück, Lakshmi; ca – und; puṣṭīḥ – Gedeihen; überlieferte Länge, im Sandhi puṣṭīś; ca – und; kīrtim – guten Ruf; ca – und; anṛṇyatām – Schuldenfreiheit; brahmaṇyam – Brahman-Gesinnung, Brahmanentum; bahu-putratām – das Haben vieler Söhne; śraddhā-medhe – Vertrauen und Einsicht; schwierige Doppelform; prajñā – Erkenntnis; überlieferte Nominativform; tu – aber, nun; jātavedaḥ – Jātavedas, der die Geburten kennt; Beiname Agnis, hier syntaktisch uneben; saṃdadātu – möge gewähren; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

Textkritischer Hinweis: Die Formel ist eine Variante von 63.3. Der Druck hat ebenso wie die elektronische Fassung die ungewöhnliche Länge puṣṭīś; auch die Kasusformen sind uneinheitlich. Die deutsche Fassung gibt den erkennbaren Bittinhalt wieder und beansprucht keine grammatisch glatte Rekonstruktion.

65.1 – Reinigung der fünf Lebensströme
prāṇāpānavyānodānasamānā me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 65.1 ||

Übersetzung: Meine fünf Lebensströme – Prana, Apana, Vyana, Udana und Samana – mögen rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: prāṇa-apāna-vyāna-udāna-samānāḥ – Prana, Apana, Vyana, Udana und Samana; fünf Funktionen der Lebenskraft; prāṇa – einströmender oder nach vorn gerichteter Lebensatem; apāna – abwärts gerichteter Lebensstrom; vyāna – sich im Körper verteilender Lebensstrom; udāna – aufwärts gerichteter Lebensstrom; samāna – ausgleichender Lebensstrom; me – meine, in mir; śudhyantām – mögen rein werden; 3. Person Plural, Imperativ; jyotiḥ – Licht; vor aham im Sandhi jyotir; aham – ich; virajāḥ – frei von Staub, Trübung oder Leidenschaft; Sandhi virajā; vipāpmā – frei von Schuld und Übel; bhūyāsam – möge ich sein oder werden; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

65.2 – Reinigung von Sinnen und inneren Kräften
vāṅmanaścakṣuḥśrotrajihvāghrāṇaretobuddhyākūtiḥsaṅkalpā me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 65.2 ||

Übersetzung: Meine Rede, mein Geist, mein Sehen, mein Hören, meine Zunge, mein Geruchssinn, meine Zeugungskraft, meine Urteilskraft, meine Absicht und meine Entschlüsse mögen rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: vāk – Rede; im Kompositum vāṅ; manaḥ – Geist; cakṣuḥ – Auge, Sehen; śrotra – Ohr, Hören; jihvā – Zunge; ghrāṇa – Geruchssinn, Nase; retas – Samen, Zeugungskraft; buddhi – Urteilskraft, Verstehen; ākūtiḥ – Absicht, innerer Antrieb; saṅkalpāḥ – Entschlüsse, Vorstellungen; me – meine, in mir; śudhyantām – mögen rein werden; 3. Person Plural, Imperativ; jyotiḥ – Licht; vor aham im Sandhi jyotir; aham – ich; virajāḥ – frei von Staub, Trübung oder Leidenschaft; Sandhi virajā; vipāpmā – frei von Schuld und Übel; bhūyāsam – möge ich sein oder werden; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

65.3 – Reinigung der Körperstoffe
tvakcarmamāṃsarudhiramedomajjāsnāyavo’sthīni me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 65.3 ||

Übersetzung: Meine äußere und innere Haut, mein Fleisch, mein Blut, mein Fett, mein Mark, meine Sehnen und meine Knochen mögen rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: tvak – Haut, äußere Haut; carma – Haut, im Zusammenhang innere Hautschicht; māṃsa – Fleisch; rudhira – Blut; medas – Fett; majjā – Mark; snāyavaḥ – Sehnen, Bänder; asthīni – Knochen; me – meine, in mir; śudhyantām – mögen rein werden; 3. Person Plural, Imperativ; jyotiḥ – Licht; vor aham im Sandhi jyotir; aham – ich; virajāḥ – frei von Staub, Trübung oder Leidenschaft; Sandhi virajā; vipāpmā – frei von Schuld und Übel; bhūyāsam – möge ich sein oder werden; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

65.4 – Reinigung der Körperglieder
śiraḥpāṇipādapārśvapṛṣṭhorūdarajaṅghāśiśnopasthapāyavo me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 65.4 ||

Übersetzung: Mein Kopf, meine Hände und Füße, meine Flanken, mein Rücken, meine Oberschenkel, mein Bauch, meine Unterschenkel, mein Glied, mein Schoß und mein After mögen rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: śiraḥ – Kopf; pāṇi – Hand; pāda – Fuß; pārśva – Flanke, Seite; pṛṣṭha – Rücken; ūru – Oberschenkel; udara – Bauch; jaṅghā – Unterschenkel; śiśna – männliches Glied; upastha – Schoß, Genitalbereich; pāyavaḥ – After, Ausscheidungsorgane; Plural im Sammelkompositum; me – meine, in mir; śudhyantām – mögen rein werden; 3. Person Plural, Imperativ; jyotiḥ – Licht; vor aham im Sandhi jyotir; aham – ich; virajāḥ – frei von Staub, Trübung oder Leidenschaft; Sandhi virajā; vipāpmā – frei von Schuld und Übel; bhūyāsam – möge ich sein oder werden; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

65.5 – Anrufung des göttlichen Purusha
uttiṣṭha puruṣa harita piṅgala lohitākṣi dehi dehi dadāpayitā me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 65.5 ||

Übersetzung: Erhebe dich, Purusha, du Grünlich-Dunkler, Gelbbrauner, Rotäugiger! Gib, gib; sei mein Spender. Mögen [meine inneren Regungen] rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: uttiṣṭha – erhebe dich, stehe auf; puruṣa – o Purusha, göttlicher Mensch; Anrede; harita – grünlich, dunkel oder goldfarben; Farbbezeichnung; piṅgala – gelbbraun, rötlichbraun; lohitākṣi – rotäugig; Anredeform zu lohita, rot, und akṣi, Auge; dehi – gib; dehi – gib; Wiederholung; dadāpayitā – Spender, der geben lässt; schwierige Form; me – mir, mein; śudhyantām – mögen rein werden; das Subjekt bleibt unausgesprochen; jyotiḥ – Licht; vor aham im Sandhi jyotir; aham – ich; virajāḥ – frei von Staub, Trübung oder Leidenschaft; Sandhi virajā; vipāpmā – frei von Schuld und Übel; bhūyāsam – möge ich sein oder werden; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

Textkritischer Hinweis: Der Wortlaut ist elliptisch. Die Ergänzung der inneren Regungen folgt dem Zusammenhang der Reinigungsformeln. Die Farbnamen werden in der Kommentierung unterschiedlich getrennt; der Artikel erhält die im Druck wiedergegebene Folge harita, piṅgala, lohitākṣi.

66.1 – Reinigung der fünf Elemente
pṛthivyaptejovāyurākāśā me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 66.1 ||

Übersetzung: Meine Elemente Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum mögen rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: pṛthivī – Erde; ap – Wasser; Form im Kompositum; tejas – Feuer, Glut, Strahlkraft; vāyuḥ – Wind, Luft; ākāśāḥ – Raum; Pluralform am Ende der Aufzählung; me – meine, in mir; śudhyantām – mögen rein werden; 3. Person Plural, Imperativ; jyotiḥ – Licht; vor aham im Sandhi jyotir; aham – ich; virajāḥ – frei von Staub, Trübung oder Leidenschaft; Sandhi virajā; vipāpmā – frei von Schuld und Übel; bhūyāsam – möge ich sein oder werden; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

66.2 – Reinigung der Sinnesqualitäten
śabdasparśarūparasagandhā me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 66.2 ||

Übersetzung: Meine Sinnesqualitäten Klang, Berührung, Gestalt, Geschmack und Geruch mögen rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: śabda – Klang; sparśa – Berührung; rūpa – Gestalt, Farbe; rasa – Geschmack; gandhāḥ – Gerüche; me – meine, in mir; śudhyantām – mögen rein werden; 3. Person Plural, Imperativ; jyotiḥ – Licht; vor aham im Sandhi jyotir; aham – ich; virajāḥ – frei von Staub, Trübung oder Leidenschaft; Sandhi virajā; vipāpmā – frei von Schuld und Übel; bhūyāsam – möge ich sein oder werden; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

66.3 – Reinigung der Handlungen
manovākkāyakarmāṇi me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 66.3 ||

Übersetzung: Meine Handlungen mit Geist, Rede und Körper mögen rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: manas – Geist; vāk – Rede; kāya – Körper; karmāṇi – Handlungen; zusammen manovākkāyakarmāṇi; me – meine, in mir; śudhyantām – mögen rein werden; 3. Person Plural, Imperativ; jyotiḥ – Licht; vor aham im Sandhi jyotir; aham – ich; virajāḥ – frei von Staub, Trübung oder Leidenschaft; Sandhi virajā; vipāpmā – frei von Schuld und Übel; bhūyāsam – möge ich sein oder werden; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

66.4 – Befreiung von verborgenen Ichbildungen
avyaktabhāvairahaṅkārair- jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 66.4 ||

Übersetzung: [Befreit] von Ichbildungen, deren Wesen verborgen ist, möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: avyakta-bhāvaiḥ – von unmanifestem oder unausgesprochenem Wesen: avyakta, unmanifest; bhāva, Zustand oder Wesen; ahaṅkāraiḥ – von Ichbildungen, Ich-Anmaßungen; Instrumental Plural; vor jyotir im Sandhi ahaṅkārair; jyotiḥ – Licht; vor aham im Sandhi jyotir; aham – ich; virajāḥ – frei von Staub, Trübung oder Leidenschaft; Sandhi virajā; vipāpmā – frei von Schuld und Übel; bhūyāsam – möge ich sein oder werden; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

Textkritischer Hinweis: Der Sanskrittext nennt kein Prädikat, das den Instrumental ahaṅkāraiḥ regiert. Die traditionelle Erklärung ergänzt vimuktaḥ, „befreit“. Diese Ergänzung ist in der Übersetzung sichtbar markiert.

66.5 – Reinigung des Selbst
ātmā me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 66.5 ||

Übersetzung: Mein Selbst möge rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: ātmā – Selbst; in diesem Ritualzusammenhang auch die leibliche Person; me – mein; śudhyantām – mögen rein werden; überlieferter Plural bei einem Subjekt im Singular; jyotiḥ – Licht; vor aham im Sandhi jyotir; aham – ich; virajāḥ – frei von Staub, Trübung oder Leidenschaft; Sandhi virajā; vipāpmā – frei von Schuld und Übel; bhūyāsam – möge ich sein oder werden; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

66.6 – Reinigung des inneren Selbst
antarātmā me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 66.6 ||

Übersetzung: Mein inneres Selbst möge rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: antarātmā – inneres Selbst: antar, innen; ātman, Selbst; me – mein; śudhyantām – mögen rein werden; überlieferter Plural bei einem Subjekt im Singular; jyotiḥ – Licht; vor aham im Sandhi jyotir; aham – ich; virajāḥ – frei von Staub, Trübung oder Leidenschaft; Sandhi virajā; vipāpmā – frei von Schuld und Übel; bhūyāsam – möge ich sein oder werden; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

66.7 – Reinigung des höchsten Selbst
paramātmā me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 66.7 ||

Übersetzung: Mein höchstes Selbst möge rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: paramātmā – höchstes Selbst: parama, höchstes; ātman, Selbst; me – mein; śudhyantām – mögen rein werden; überlieferter Plural bei einem Subjekt im Singular; jyotiḥ – Licht; vor aham im Sandhi jyotir; aham – ich; virajāḥ – frei von Staub, Trübung oder Leidenschaft; Sandhi virajā; vipāpmā – frei von Schuld und Übel; bhūyāsam – möge ich sein oder werden; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

Textkritischer Hinweis: Die Verbform steht im Plural, obwohl ātmā und seine Zusammensetzungen im Singular stehen. Die Übersetzung richtet sich nach dem Subjekt. Die Bitte um Reinigung des höchsten Selbst bezieht die traditionelle Auslegung auf die Beseitigung der Verkennung dieses Selbst, nicht auf eine Verunreinigung seiner Natur.

66.8.1 – Gabe an den Hunger
kṣudhe svāhā || 66.8.1 ||

Übersetzung: Dem Hunger: Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: kṣudhe – dem Hunger; Dativ von kṣudh; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

66.8.2 – Gabe an Hunger und Durst
kṣutpipāsāya svāhā || 66.8.2 ||

Übersetzung: Hunger und Durst: Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: kṣut-pipāsāya – dem Hunger und Durst; zusammengenommene rituelle Macht: kṣudh, Hunger; pipāsā, Durst; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

66.8.3 – Gabe an die alldurchdringende Macht
vividdhyai svāhā || 66.8.3 ||

Übersetzung: Der alldurchdringenden Macht: Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: vividdhyai – schwierige göttliche Bezeichnung; traditionell auf die alles durchdringende Wirklichkeit bezogen; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

Textkritischer Hinweis: Der Druck bietet vividdhyai; SanskritDocuments hat viviṭyai. Die traditionelle Deutung erklärt die Anrufung durch das allgegenwärtige Brahman. Die genaue Wortbildung bleibt unsicher.

66.8.4 – Gabe an den Ordner der Rigverse
ṛgvidhānāya svāhā || 66.8.4 ||

Übersetzung: Dem Ordner der Rigverse: Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: ṛg-vidhānāya – dem Ordner oder Schöpfer der Rigverse: ṛc, Rigvers; vidhāna, Anordnung oder Hervorbringen; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

66.8.5 – Gabe an Kashotka
kaṣotkāya svāhā || 66.8.5 ||

Übersetzung: Kashotka: Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: kaṣotkāya – dem als Kaṣotka angerufenen Göttlichen; seltene und unterschiedlich erklärte Bezeichnung; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

Textkritischer Hinweis: Die überlieferte Bezeichnung kaṣotka wird unterschiedlich etymologisiert; eine Variante lautet ghaṣotka. Der Artikel erhält den Namen und stellt keine unsichere Wortzerlegung als gesichert dar.

66.8.6 – Gabe mit Om
oṃ svāhā || 66.8.6 ||

Übersetzung: Om. Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: oṃ – Om, heilige Silbe; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

66.9 – Abwendung von Mangel und Unglück
kṣutpipāsāmalaṃ jyeṣṭhāmalakṣmīrnāśayāmyaham | abhūtimasamṛddhiṃ ca sarvānnirṇuda me pāpmānaṃ svāhā || 66.9 ||

Übersetzung: Ich vertreibe die Unreinheit von Hunger und Durst, Jyestha und Alakshmi, Mangel und mangelndes Gedeihen. Vertreibe all mein Übel und meine Schuld. Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: kṣut-pipāsā-malam – Unreinheit von Hunger und Durst: kṣudh, Hunger; pipāsā, Durst; mala, Unreinheit; jyeṣṭhām – die Älteste; Jyestha, Name einer Unglücksmacht; alakṣmīḥ – Unglück, Alakshmi; überlieferte Form in einer sonst akkusativischen Reihe; nāśayāmi – ich vertreibe, lasse verschwinden; aham – ich; abhūtim – Mangel, Nichtgedeihen; asamṛddhim – fehlenden Wohlstand, mangelndes Gedeihen; ca – und; sarvān – alle; Plural, mit unausgesprochenen Übeln verbunden; nirṇuda – treibe hinaus, vertreibe; me – mein, von mir; pāpmānam – Schuld, Übel; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

Textkritischer Hinweis: Das in der elektronischen Fassung verdoppelte la in alalakṣmīr wird nach dem Druck berichtigt. Die Kasus- und Numeruswechsel des überlieferten Textes bleiben in der Worterklärung sichtbar.

66.10 – Reinigung der fünf Hüllen
annamayaprāṇamayamanomayavijñānamayamānandamayamātmā me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 66.10 ||

Übersetzung: Mein aus Nahrung, Prana, Geist, Erkenntnis und Glückseligkeit bestehendes Selbst möge rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: anna-maya – aus Nahrung bestehend: anna, Nahrung; maya, daraus bestehend; prāṇa-maya – aus Lebenskraft bestehend; mano-maya – aus Geist bestehend; vijñāna-maya – aus unterscheidender Erkenntnis bestehend; ānanda-mayam – aus Glückseligkeit bestehend; ātmā – Selbst; me – mein; śudhyantām – mögen rein werden; überlieferter Plural; jyotiḥ – Licht; vor aham im Sandhi jyotir; aham – ich; virajāḥ – frei von Staub, Trübung oder Leidenschaft; Sandhi virajā; vipāpmā – frei von Schuld und Übel; bhūyāsam – möge ich sein oder werden; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

Textkritischer Hinweis: Die Wortfolge bezeichnet die fünf Hüllen oder Schichten des Selbst. Die überlieferte Verbindung von Kompositum, ātmā und Pluralverb ist grammatisch uneben; die Übersetzung gibt die gemeinsame Reinigungsbitte wieder.

67.1.1 – Agni
agnaye svāhā || 67.1.1 ||

Übersetzung: Dem Agni: Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: agnaye – dem Agni, dem Feuer; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

Textkritischer Hinweis: Der im Druck als 67.1 gezählte Absatz enthält 36 kurze Opferformeln. Sie werden hier einzeln als 67.1.1–67.1.36 erläutert; diese dreiteilige Zählung ist redaktionell.

67.1.2 – Alle Götter
viśvebhyo devebhyaḥ svāhā || 67.1.2 ||

Übersetzung: Allen Göttern: Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: viśvebhyaḥ – allen; devebhyaḥ – Göttern; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

67.1.3 – Beständige Fülle
dhruvāya bhūmāya svāhā || 67.1.3 ||

Übersetzung: Der beständigen Fülle: Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: dhruvāya – dem Beständigen, Festen; bhūmāya – der Fülle, dem Weiten; als göttliche Bezeichnung gebraucht; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

67.1.4 – Fester Grund
dhruvakṣitaye svāhā || 67.1.4 ||

Übersetzung: Dem festen Grund: Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: dhruva-kṣitaye – dem festen Grund oder Wohnsitz: dhruva, fest; kṣiti, Grund, Wohnstätte; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

67.1.5 – Unerschütterliche Wohnstätte
acyutakṣitaye svāhā || 67.1.5 ||

Übersetzung: Der unerschütterlichen Wohnstätte: Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: acyuta-kṣitaye – der unerschütterlichen Wohnstätte: acyuta, nicht fallend; kṣiti, Wohnstätte; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

67.1.6 – Agni Svishtakrit
agnaye sviṣṭakṛte svāhā || 67.1.6 ||

Übersetzung: Agni, der das Opfer recht vollendet: Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: agnaye – dem Agni; sviṣṭa-kṛte – dem das wohl dargebrachte Opfer Vollendenden: su-iṣṭa, gut geopfert; kṛt, machend; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

67.1.7 – Dharma
dharmāya svāhā || 67.1.7 ||

Übersetzung: Dem Dharma: Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: dharmāya – dem Dharma, der tragenden Ordnung; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

67.1.8 – Adharma
adharmāya svāhā || 67.1.8 ||

Übersetzung: Dem Adharma: Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: adharmāya – dem Adharma, der Unordnung; a, nicht; dharma, Ordnung; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

67.1.9 – Die Wasser
adbhyaḥ svāhā || 67.1.9 ||

Übersetzung: Den Wassern: Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: adbhyaḥ – den Wassern; Dativ Plural von ap; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

67.1.10 – Kräuter und Bäume
oṣadhivanaspatibhyaḥ svāhā || 67.1.10 ||

Übersetzung: Den Kräutern und Bäumen: Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: oṣadhi-vanaspatibhyaḥ – den Kräutern und Bäumen: oṣadhi, Kraut; vanaspati, Baum, Herr des Waldes; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

67.1.11 – Rakshasas und göttliche Wesen
rakṣodevajanebhyaḥ svāhā || 67.1.11 ||

Übersetzung: Den Rakshasas und den göttlichen Wesen: Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: rakṣo-devajanebhyaḥ – den Rakshasas und den göttlichen Wesen: rakṣas, Rakshasa; deva-jana, Göttervolk; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

67.1.12 – Hausgottheiten
gṛhyābhyaḥ svāhā || 67.1.12 ||

Übersetzung: Den Hausgottheiten: Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: gṛhyābhyaḥ – den zum Haus gehörigen Mächten; weiblicher Dativ Plural; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

67.1.13 – Wohnstätten
avasānebhyaḥ svāhā || 67.1.13 ||

Übersetzung: Den Wohnstätten: Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: avasānebhyaḥ – den Wohn- oder Raststätten; im Ritual auf ihre Mächte bezogen; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

67.1.14 – Herren der Wohnstätten
avasānapatibhyaḥ svāhā || 67.1.14 ||

Übersetzung: Den Herren der Wohnstätten: Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: avasāna-patibhyaḥ – den Herren der Wohnstätten: avasāna, Wohnstätte; pati, Herr; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

67.1.15 – Alle Wesen
sarvabhūtebhyaḥ svāhā || 67.1.15 ||

Übersetzung: Allen Wesen: Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: sarva-bhūtebhyaḥ – allen Wesen: sarva, alle; bhūta, Wesen; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

67.1.16 – Kama
kāmāya svāhā || 67.1.16 ||

Übersetzung: Dem Kama: Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: kāmāya – dem Kama, dem Begehren; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

67.1.17 – Der Zwischenraum
antarikṣāya svāhā || 67.1.17 ||

Übersetzung: Dem Zwischenraum: Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: antarikṣāya – dem Luftraum, der mittleren Welt; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

67.1.18 – Die namenhafte Wirklichkeit
yadejati jagati yacca ceṣṭati nāmno bhāgo’yaṃ nāmne svāhā || 67.1.18 ||

Übersetzung: Was sich in der Welt bewegt und was tätig ist: Dieser Anteil gehört dem Namen. Dem Namen: Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: yat – was; ejati – sich bewegt, bebt; jagati – in der Welt; yat – was; ca – und; ceṣṭati – tätig ist, sich regt; nāmnaḥ – des Namens; Sandhi nāmno; bhāgaḥ – Anteil, Opferanteil; ayam – dieser; nāmne – dem Namen; Dativ von nāman; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

Textkritischer Hinweis: Die Formel nennt ausdrücklich nāman, „Name“. Die traditionelle Deutung bezieht den Namen auf die göttliche Wirklichkeit, die in bewegten und tätigen Wesen erscheint. Die Übersetzung ersetzt das überlieferte Wort nicht durch einen ungenannten Gottesnamen.

67.1.19 – Die Erde
pṛthivyai svāhā || 67.1.19 ||

Übersetzung: Der Erde: Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: pṛthivyai – der Erde; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

67.1.20 – Der Luftraum
antarikṣāya svāhā || 67.1.20 ||

Übersetzung: Dem Luftraum: Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: antarikṣāya – dem Luftraum; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

67.1.21 – Der Himmel
dive svāhā || 67.1.21 ||

Übersetzung: Dem Himmel: Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: dive – dem Himmel; Dativ von div; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

67.1.22 – Surya
sūryāya svāhā || 67.1.22 ||

Übersetzung: Dem Surya: Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: sūryāya – dem Surya, der Sonne; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

67.1.23 – Der Mond
candramase svāhā || 67.1.23 ||

Übersetzung: Dem Mond: Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: candramase – dem Mond; Dativ von candramas; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

67.1.24 – Die Gestirne
nakṣatrebhyaḥ svāhā || 67.1.24 ||

Übersetzung: Den Gestirnen: Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: nakṣatrebhyaḥ – den Sternen, Gestirnen oder Mondhäusern; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

67.1.25 – Indra
indrāya svāhā || 67.1.25 ||

Übersetzung: Dem Indra: Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: indrāya – dem Indra; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

67.1.26 – Brihaspati
bṛhaspataye svāhā || 67.1.26 ||

Übersetzung: Dem Brihaspati: Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: bṛhaspataye – dem Brihaspati, Herrn der heiligen Rede; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

67.1.27 – Prajapati
prajāpataye svāhā || 67.1.27 ||

Übersetzung: Dem Prajapati: Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: prajāpataye – dem Prajapati, Herrn der Geschöpfe; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

67.1.28 – Brahman
brahmaṇe svāhā || 67.1.28 ||

Übersetzung: Dem Brahman: Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: brahmaṇe – dem Brahman, dem heiligen Wissen oder der höchsten Wirklichkeit; im rituellen Zusammenhang auch auf Brahmā bezogen; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

67.1.29 – Die Ahnen
svadhā pitṛbhyaḥ svāhā || 67.1.29 ||

Übersetzung: Svadha den Ahnen. Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: svadhā – Svadha, Ruf und Gabe für die Ahnen; pitṛbhyaḥ – den Vätern, den Ahnen; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

67.1.30 – Rudra Pashupati
namo rudrāya paśupataye svāhā || 67.1.30 ||

Übersetzung: Verehrung dem Rudra, dem Herrn der Wesen. Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: namaḥ – Verehrung; rudrāya – dem Rudra; paśu-pataye – dem Herrn der Tiere oder gebundenen Wesen: paśu, Tier/Wesen; pati, Herr; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

67.1.31 – Erneute Gabe an die Götter
devebhyaḥ svāhā || 67.1.31 ||

Übersetzung: Den Göttern: Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: devebhyaḥ – den Göttern; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

67.1.32 – Svadha für die Ahnen
pitṛbhyaḥ svadhāstu || 67.1.32 ||

Übersetzung: Den Ahnen sei Svadha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: pitṛbhyaḥ – den Ahnen; svadhā – Svadha, Ahnengabe; astu – möge sein.

67.1.33 – Verehrung der Wesen
bhūtebhyo namaḥ || 67.1.33 ||

Übersetzung: Den Wesen: Verehrung!

Wort-für-Wort-Erläuterung: bhūtebhyaḥ – den Wesen; namaḥ – Verehrung.

67.1.34 – Gabe für die Menschen
manuṣyebhyo hanta || 67.1.34 ||

Übersetzung: Den Menschen: Nehmt hin!

Wort-für-Wort-Erläuterung: manuṣyebhyaḥ – den Menschen; hanta – hier, wohlan, nehmt hin; Ausruf beim Darreichen.

Textkritischer Hinweis: Der Druck hat hanta. Das zusätzliche lange ā der elektronischen Fassung wird nicht übernommen.

67.1.35 – Erneute Gabe an Prajapati
prajāpataye svāhā || 67.1.35 ||

Übersetzung: Dem Prajapati: Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: prajāpataye – dem Prajapati; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

67.1.36 – Parameshthin
parameṣṭhine svāhā || 67.1.36 ||

Übersetzung: Dem Parameshthin: Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: parameṣṭhine – dem im Höchsten Verweilenden; göttliche Bezeichnung Parameshthin; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

67.2.1 – Der unversiegende Vorrat
yathā kūpaḥ śatadhāraḥ sahasradhāro akṣitaḥ | evā me astu dhānyaṃ sahasradhāramakṣitam || 67.2.1 ||

Übersetzung: Wie ein Brunnen hundert Ströme und tausend Ströme hat und unerschöpft bleibt, so sei mein Getreidevorrat tausendfach strömend und unerschöpflich.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yathā – wie; kūpaḥ – Brunnen; śata-dhāraḥ – hundert Ströme führend: śata, hundert; dhārā, Strom; sahasra-dhāraḥ – tausend Ströme führend: sahasra, tausend; akṣitaḥ – unerschöpft, unvermindert; evā – ebenso; vedische Form; me – mein; astu – möge sein; dhānyam – Getreide, Getreidevorrat; sahasra-dhāram – tausend Ströme führend; akṣitam – unerschöpflich.

67.2.2 – Dhanadhani
dhanadhānyai svāhā || 67.2.2 ||

Übersetzung: Dhanadhani, der Geberin von Reichtum und Nahrung: Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: dhana-dhānyai – der als Dhanadhani angerufenen Macht von Reichtum und Nahrung; überlieferte Dativform; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

Textkritischer Hinweis: Der Vers 67.2 endet mit einer kurzen Anrufung, die hier gesondert erklärt wird. Die traditionelle Deutung nennt Dhanadhani als Nahrung spendende Gottheit.

67.3 – Bali-Gabe an die umherziehenden Wesen
ye bhūtāḥ pracaranti divānaktaṃ balimicchanto vitudasya preṣyāḥ | tebhyo baliṃ puṣṭikāmo harāmi mayi puṣṭiṃ puṣṭipatirdadhātu svāhā || 67.3 ||

Übersetzung: Den Wesen, die Tag und Nacht umherziehen, nach einer Gabe verlangen und Boten des Vitudas sind, bringe ich, Gedeihen ersehnend, die Bali-Gabe dar. Möge der Herr des Gedeihens mir Gedeihen verleihen. Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: ye – welche; bhūtāḥ – Wesen, Geister; pracaranti – umherziehen; divā-naktam – bei Tag und Nacht; balim – Bali-Gabe, Speiseanteil; icchantaḥ – verlangend, wünschend; vitudasya – des Vitudas, des Verletzenden oder Stechenden; göttliche Bezeichnung; preṣyāḥ – Boten, Diener; tebhyaḥ – ihnen, für sie; balim – Bali-Gabe; puṣṭi-kāmaḥ – Gedeihen ersehnend: puṣṭi, Gedeihen; kāma, wünschend; harāmi – ich bringe, trage dar; mayi – in mir, mir; puṣṭim – Gedeihen, Nahrungskraft; puṣṭi-patiḥ – Herr des Gedeihens; dadhātu – möge setzen, verleihen; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

Textkritischer Hinweis: Vitudas wird in der traditionellen Deutung mit Rudra verbunden. Bali bezeichnet hier eine rituelle Gabe, besonders einen abgelegten Speiseanteil.

68.1 – Om und die umfassende Wirklichkeit
oṃ tad brahma | oṃ tad vāyuḥ | oṃ tad ātmā | oṃ tat satyam | oṃ tat sarvam | oṃ tat puror namaḥ || 68.1 ||

Übersetzung: Om, das ist Brahman. Om, das ist Vayu. Om, das ist Atman. Om, das ist Wahrheit. Om, das ist alles. Om, jenes – dem Großen sei Verneigung.

Wort-für-Wort-Erläuterung: oṃ – Om, die heilige Silbe; tat – das, jenes; brahma – Brahman, die umfassende Wirklichkeit; oṃ – Om; tat – das; vāyuḥ – Vayu, Wind oder Lebenshauch; oṃ – Om; tat – das; ātmā – Atman, das Selbst; oṃ – Om; tat – das; satyam – Wahrheit, Wirklichkeit; oṃ – Om; tat – das; sarvam – alles; oṃ – Om; tat – jenes; puroḥ – des Großen oder Vielfältigen; schwierige Form, hier entsprechend einer überlieferten Deutung von puru verstanden; namaḥ – Verneigung, Ehrerbietung.

Erläuterung: Die letzte Formel ist unterschiedlich überliefert und erklärt. Neben puror namaḥ steht puro namaḥ; bei dieser Lesung kann puraḥ die ‚Städte‘, sinnbildlich die Körper, bezeichnen. Die Übersetzung benennt ihre gewählte Deutung, ohne sie als einzig mögliche auszugeben.

68.2 – Die Gegenwart in allen Gestalten
oṃ antaś carati bhūteṣu guhāyāṃ viśvamūrtiṣu | tvaṃ yajñas tvaṃ vaṣaṭkāras tvam indras tvaṃ rudras tvaṃ viṣṇus tvaṃ brahma tvaṃ prajāpatiḥ | tvaṃ tad āpa āpo jyotī raso ’mṛtaṃ brahma bhūr bhuvaḥ suvar oṃ || 68.2 ||

Übersetzung: Om. Im Inneren der Wesen, in der Höhle ihrer vielfältigen Gestalten, bewegt sich das Göttliche. Du bist das Opfer, du der Vashat-Ruf, du Indra, du Rudra, du Vishnu, du Brahman, du Prajapati. Du bist jenes, das Wasser. Wasser, Licht, Lebenssaft, Unsterbliches, Brahman; Erde, Zwischenraum und Himmel – Om.

Wort-für-Wort-Erläuterung: oṃ – Om; antaḥ – im Inneren; carati – es bewegt sich, ist tätig; bhūteṣu – in den Wesen; guhāyām – in der Höhle, im verborgenen Inneren; viśva-mūrtiṣu – in allen Gestalten oder in den vielgestaltigen Wesen: viśva, alle; mūrti, Gestalt; tvam – du; yajñaḥ – Opfer; tvam – du; vaṣaṭ-kāraḥ – der Opferausruf vaṣaṭ; kāra, Hervorbringen oder Aussprechen; tvam – du; indraḥ – Indra; tvam – du; rudraḥ – Rudra; tvam – du; viṣṇuḥ – Vishnu; tvam – du; brahma – Brahman; im Zusammenhang auch auf Brahma bezogen gedeutet; tvam – du; prajā-patiḥ – Prajapati, Herr der Geschöpfe; tvam – du; tat – jenes; āpaḥ – Wasser, die Wasser; āpaḥ – Wasser, erneute Nennung; jyotiḥ – Licht; Textform jyotī; rasaḥ – Saft, Geschmack, Lebensessenz; amṛtam – das Unsterbliche, Nektar; brahma – Brahman; bhūḥ – Erde, Erdenwelt; bhuvaḥ – Zwischenraum, mittlere Welt; suvaḥ – Himmel, Lichtwelt; hier suvar vor oṃ; oṃ – Om.

69.1.1 – Gabe an Prana
śraddhāyāṃ prāṇe niviṣṭo ’mṛtaṃ juhomi || 69.1.1 ||

Übersetzung: Im Vertrauen verankert bringe ich dem Prana das Unsterbliche als Opfer dar.

Wort-für-Wort-Erläuterung: śraddhāyām – im Vertrauen, in gläubiger Hinwendung; prāṇe – im Prana, die einströmende oder nach vorn gerichtete Lebenskraft; als Ort des inneren Opfers; niviṣṭaḥ – eingekehrt, verankert, niedergelassen; amṛtam – das Unsterbliche, die als Nektar betrachtete Nahrung; juhomi – ich opfere, bringe dar.

69.1.2 – Gabe an Apana
śraddhāyāṃ apāne niviṣṭo ’mṛtaṃ juhomi || 69.1.2 ||

Übersetzung: Im Vertrauen verankert bringe ich dem Apana das Unsterbliche als Opfer dar.

Wort-für-Wort-Erläuterung: śraddhāyām – im Vertrauen, in gläubiger Hinwendung; apāne – im Apana, die abwärts gerichtete Lebenskraft; als Ort des inneren Opfers; niviṣṭaḥ – eingekehrt, verankert, niedergelassen; amṛtam – das Unsterbliche, die als Nektar betrachtete Nahrung; juhomi – ich opfere, bringe dar.

69.1.3 – Gabe an Vyana
śraddhāyāṃ vyāne niviṣṭo ’mṛtaṃ juhomi || 69.1.3 ||

Übersetzung: Im Vertrauen verankert bringe ich dem Vyana das Unsterbliche als Opfer dar.

Wort-für-Wort-Erläuterung: śraddhāyām – im Vertrauen, in gläubiger Hinwendung; vyāne – im Vyana, die im Körper sich verteilende Lebenskraft; als Ort des inneren Opfers; niviṣṭaḥ – eingekehrt, verankert, niedergelassen; amṛtam – das Unsterbliche, die als Nektar betrachtete Nahrung; juhomi – ich opfere, bringe dar.

69.1.4 – Gabe an Udana
śraddhāyāṃ udāne niviṣṭo ’mṛtaṃ juhomi || 69.1.4 ||

Übersetzung: Im Vertrauen verankert bringe ich dem Udana das Unsterbliche als Opfer dar.

Wort-für-Wort-Erläuterung: śraddhāyām – im Vertrauen, in gläubiger Hinwendung; udāne – im Udana, die aufwärts gerichtete Lebenskraft; als Ort des inneren Opfers; niviṣṭaḥ – eingekehrt, verankert, niedergelassen; amṛtam – das Unsterbliche, die als Nektar betrachtete Nahrung; juhomi – ich opfere, bringe dar.

69.1.5 – Gabe an Samana
śraddhāyāṃ samāne niviṣṭo ’mṛtaṃ juhomi || 69.1.5 ||

Übersetzung: Im Vertrauen verankert bringe ich dem Samana das Unsterbliche als Opfer dar.

Wort-für-Wort-Erläuterung: śraddhāyām – im Vertrauen, in gläubiger Hinwendung; samāne – im Samana, die ausgleichende Lebenskraft; als Ort des inneren Opfers; niviṣṭaḥ – eingekehrt, verankert, niedergelassen; amṛtam – das Unsterbliche, die als Nektar betrachtete Nahrung; juhomi – ich opfere, bringe dar.

69.1.6 – Das Selbst in Brahman
brahmaṇi ma ātmāmṛtatvāya || 69.1.6 ||

Übersetzung: Mein Selbst sei in Brahman gegründet, zur Unsterblichkeit.

Wort-für-Wort-Erläuterung: brahmaṇi – in Brahman; me – mein; vedische Textform ma; ātmā – Selbst; amṛtatvāya – zur Unsterblichkeit; amṛta, unsterblich; tva, Zustand oder Wesenheit.

Erläuterung: Das Sanskrit ist ein Nominalsatz. „Sei gegründet“ ergänzt die in der Bitte vorausgesetzte Verbindung.

69.2 – Die Unterlage der Gabe
amṛtopastaraṇam asi || 69.2 ||

Übersetzung: Du bist die Unterlage für das Unsterbliche.

Wort-für-Wort-Erläuterung: amṛta-upastaraṇam – Unterlage des Unsterblichen: amṛta, Unsterbliches oder Nektar; upastaraṇa, Unterlage, Ausbreitung; asi – du bist.

69.3.1 – Erweiterte Gabe an Prana
śraddhāyāṃ prāṇe niviṣṭo ’mṛtaṃ juhomi | śivo mā viśāpradāhāya | prāṇāya svāhā || 69.3.1 ||

Übersetzung: Im Vertrauen verankert bringe ich dem Prana das Unsterbliche als Opfer dar. Tritt heilvoll in mich ein, damit ich nicht verzehrt werde. Dem Prana: Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: śraddhāyām – im Vertrauen, in gläubiger Hinwendung; prāṇe – im Prana, die einströmende oder nach vorn gerichtete Lebenskraft; niviṣṭaḥ – verankert, eingekehrt; amṛtam – das Unsterbliche, die als Nektar betrachtete Nahrung; juhomi – ich opfere; śivaḥ – heilvoll, freundlich; – mich, in mich; viśa – tritt ein; Imperativ von viś; a-pradāhāya – zum Nichtverbranntwerden, gegen das Verzehrtwerden: a, nicht; pra-dāha, Verbrennen; im Zusammenhang auf den Hunger bezogen; prāṇāya – dem Prana, für Prana; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

69.3.2 – Erweiterte Gabe an Apana
śraddhāyāṃ apāne niviṣṭo ’mṛtaṃ juhomi | śivo mā viśāpradāhāya | apānāya svāhā || 69.3.2 ||

Übersetzung: Im Vertrauen verankert bringe ich dem Apana das Unsterbliche als Opfer dar. Tritt heilvoll in mich ein, damit ich nicht verzehrt werde. Dem Apana: Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: śraddhāyām – im Vertrauen, in gläubiger Hinwendung; apāne – im Apana, die abwärts gerichtete Lebenskraft; niviṣṭaḥ – verankert, eingekehrt; amṛtam – das Unsterbliche, die als Nektar betrachtete Nahrung; juhomi – ich opfere; śivaḥ – heilvoll, freundlich; – mich, in mich; viśa – tritt ein; Imperativ von viś; a-pradāhāya – zum Nichtverbranntwerden, gegen das Verzehrtwerden: a, nicht; pra-dāha, Verbrennen; im Zusammenhang auf den Hunger bezogen; apānāya – dem Apana, für Apana; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

69.3.3 – Erweiterte Gabe an Vyana
śraddhāyāṃ vyāne niviṣṭo ’mṛtaṃ juhomi | śivo mā viśāpradāhāya | vyānāya svāhā || 69.3.3 ||

Übersetzung: Im Vertrauen verankert bringe ich dem Vyana das Unsterbliche als Opfer dar. Tritt heilvoll in mich ein, damit ich nicht verzehrt werde. Dem Vyana: Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: śraddhāyām – im Vertrauen, in gläubiger Hinwendung; vyāne – im Vyana, die im Körper sich verteilende Lebenskraft; niviṣṭaḥ – verankert, eingekehrt; amṛtam – das Unsterbliche, die als Nektar betrachtete Nahrung; juhomi – ich opfere; śivaḥ – heilvoll, freundlich; – mich, in mich; viśa – tritt ein; Imperativ von viś; a-pradāhāya – zum Nichtverbranntwerden, gegen das Verzehrtwerden: a, nicht; pra-dāha, Verbrennen; im Zusammenhang auf den Hunger bezogen; vyānāya – dem Vyana, für Vyana; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

69.3.4 – Erweiterte Gabe an Udana
śraddhāyāṃ udāne niviṣṭo ’mṛtaṃ juhomi | śivo mā viśāpradāhāya | udānāya svāhā || 69.3.4 ||

Übersetzung: Im Vertrauen verankert bringe ich dem Udana das Unsterbliche als Opfer dar. Tritt heilvoll in mich ein, damit ich nicht verzehrt werde. Dem Udana: Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: śraddhāyām – im Vertrauen, in gläubiger Hinwendung; udāne – im Udana, die aufwärts gerichtete Lebenskraft; niviṣṭaḥ – verankert, eingekehrt; amṛtam – das Unsterbliche, die als Nektar betrachtete Nahrung; juhomi – ich opfere; śivaḥ – heilvoll, freundlich; – mich, in mich; viśa – tritt ein; Imperativ von viś; a-pradāhāya – zum Nichtverbranntwerden, gegen das Verzehrtwerden: a, nicht; pra-dāha, Verbrennen; im Zusammenhang auf den Hunger bezogen; udānāya – dem Udana, für Udana; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

69.3.5 – Erweiterte Gabe an Samana
śraddhāyāṃ samāne niviṣṭo ’mṛtaṃ juhomi | śivo mā viśāpradāhāya | samānāya svāhā || 69.3.5 ||

Übersetzung: Im Vertrauen verankert bringe ich dem Samana das Unsterbliche als Opfer dar. Tritt heilvoll in mich ein, damit ich nicht verzehrt werde. Dem Samana: Svaha!

Wort-für-Wort-Erläuterung: śraddhāyām – im Vertrauen, in gläubiger Hinwendung; samāne – im Samana, die ausgleichende Lebenskraft; niviṣṭaḥ – verankert, eingekehrt; amṛtam – das Unsterbliche, die als Nektar betrachtete Nahrung; juhomi – ich opfere; śivaḥ – heilvoll, freundlich; – mich, in mich; viśa – tritt ein; Imperativ von viś; a-pradāhāya – zum Nichtverbranntwerden, gegen das Verzehrtwerden: a, nicht; pra-dāha, Verbrennen; im Zusammenhang auf den Hunger bezogen; samānāya – dem Samana, für Samana; svāhā – Svaha, Ruf der Opferdarbringung.

69.3.6 – Erneute Bitte um Unsterblichkeit
brahmaṇi ma ātmāmṛtatvāya || 69.3.6 ||

Übersetzung: Mein Selbst sei in Brahman gegründet, zur Unsterblichkeit.

Wort-für-Wort-Erläuterung: brahmaṇi – in Brahman; me – mein; Textform ma; ātmā – Selbst; amṛtatvāya – zur Unsterblichkeit.

69.4 – Die schützende Bedeckung
amṛtāpidhānam asi || 69.4 ||

Übersetzung: Du bist die Bedeckung für das Unsterbliche.

Wort-für-Wort-Erläuterung: amṛta-apidhānam – Bedeckung des Unsterblichen: amṛta, Unsterbliches oder Nektar; apidhāna, Bedeckung, Deckel; asi – du bist.

70.1.1 – Stärkung von Prana
śraddhāyāṃ prāṇe niviśyāmṛtaṃ hutam | prāṇam annenāpyāyasva || 70.1.1 ||

Übersetzung: Im Vertrauen in Prana eingekehrt, habe ich das Unsterbliche geopfert. Stärke Prana durch diese Nahrung.

Wort-für-Wort-Erläuterung: śraddhāyām – im Vertrauen; prāṇe – in Prana, die einströmende oder nach vorn gerichtete Lebenskraft; niviśya – eingetreten, sich niedergelassen habend; amṛtam – das Unsterbliche, die als Nektar betrachtete Nahrung; hutam – geopfert, dargebracht; Partizip von hu; prāṇam – Prana, als Objekt der Stärkung; annena – durch Nahrung; āpyāyasva – stärke, erfülle mit Kraft, lass zunehmen; hier mit dem davorstehenden Akkusativ auf die jeweilige Lebenskraft bezogen.

Erläuterung: Die wörtliche Aussage lautet „das Unsterbliche ist geopfert“, wobei der Opfernde aus dem Zusammenhang ergänzt wird.

70.1.2 – Stärkung von Apana
śraddhāyāṃ apāne niviśyāmṛtaṃ hutam | apānam annenāpyāyasva || 70.1.2 ||

Übersetzung: Im Vertrauen in Apana eingekehrt, habe ich das Unsterbliche geopfert. Stärke Apana durch diese Nahrung.

Wort-für-Wort-Erläuterung: śraddhāyām – im Vertrauen; apāne – in Apana, die abwärts gerichtete Lebenskraft; niviśya – eingetreten, sich niedergelassen habend; amṛtam – das Unsterbliche, die als Nektar betrachtete Nahrung; hutam – geopfert, dargebracht; Partizip von hu; apānam – Apana, als Objekt der Stärkung; annena – durch Nahrung; āpyāyasva – stärke, erfülle mit Kraft, lass zunehmen; hier mit dem davorstehenden Akkusativ auf die jeweilige Lebenskraft bezogen.

Erläuterung: Die wörtliche Aussage lautet „das Unsterbliche ist geopfert“, wobei der Opfernde aus dem Zusammenhang ergänzt wird.

70.1.3 – Stärkung von Vyana
śraddhāyāṃ vyāne niviśyāmṛtaṃ hutam | vyānam annenāpyāyasva || 70.1.3 ||

Übersetzung: Im Vertrauen in Vyana eingekehrt, habe ich das Unsterbliche geopfert. Stärke Vyana durch diese Nahrung.

Wort-für-Wort-Erläuterung: śraddhāyām – im Vertrauen; vyāne – in Vyana, die im Körper sich verteilende Lebenskraft; niviśya – eingetreten, sich niedergelassen habend; amṛtam – das Unsterbliche, die als Nektar betrachtete Nahrung; hutam – geopfert, dargebracht; Partizip von hu; vyānam – Vyana, als Objekt der Stärkung; annena – durch Nahrung; āpyāyasva – stärke, erfülle mit Kraft, lass zunehmen; hier mit dem davorstehenden Akkusativ auf die jeweilige Lebenskraft bezogen.

Erläuterung: Die wörtliche Aussage lautet „das Unsterbliche ist geopfert“, wobei der Opfernde aus dem Zusammenhang ergänzt wird.

70.1.4 – Stärkung von Udana
śraddhāyāṃ udāne niviśyāmṛtaṃ hutam | udānam annenāpyāyasva || 70.1.4 ||

Übersetzung: Im Vertrauen in Udana eingekehrt, habe ich das Unsterbliche geopfert. Stärke Udana durch diese Nahrung.

Wort-für-Wort-Erläuterung: śraddhāyām – im Vertrauen; udāne – in Udana, die aufwärts gerichtete Lebenskraft; niviśya – eingetreten, sich niedergelassen habend; amṛtam – das Unsterbliche, die als Nektar betrachtete Nahrung; hutam – geopfert, dargebracht; Partizip von hu; udānam – Udana, als Objekt der Stärkung; annena – durch Nahrung; āpyāyasva – stärke, erfülle mit Kraft, lass zunehmen; hier mit dem davorstehenden Akkusativ auf die jeweilige Lebenskraft bezogen.

Erläuterung: Die wörtliche Aussage lautet „das Unsterbliche ist geopfert“, wobei der Opfernde aus dem Zusammenhang ergänzt wird.

70.1.5 – Stärkung von Samana
śraddhāyāṃ samāne niviśyāmṛtaṃ hutam | samānam annenāpyāyasva || 70.1.5 ||

Übersetzung: Im Vertrauen in Samana eingekehrt, habe ich das Unsterbliche geopfert. Stärke Samana durch diese Nahrung.

Wort-für-Wort-Erläuterung: śraddhāyām – im Vertrauen; samāne – in Samana, die ausgleichende Lebenskraft; niviśya – eingetreten, sich niedergelassen habend; amṛtam – das Unsterbliche, die als Nektar betrachtete Nahrung; hutam – geopfert, dargebracht; Partizip von hu; samānam – Samana, als Objekt der Stärkung; annena – durch Nahrung; āpyāyasva – stärke, erfülle mit Kraft, lass zunehmen; hier mit dem davorstehenden Akkusativ auf die jeweilige Lebenskraft bezogen.

Erläuterung: Die wörtliche Aussage lautet „das Unsterbliche ist geopfert“, wobei der Opfernde aus dem Zusammenhang ergänzt wird.

71.1 – Der innere Purusha
aṅguṣṭhamātraḥ puruṣo ’ṅguṣṭhaṃ ca samāśritaḥ | īśaḥ sarvasya jagataḥ prabhuḥ prīṇātu viśvabhuk || 71.1 ||

Übersetzung: Der daumengroße Purusha, der auch im Daumen seinen Sitz hat, der Herr und Gebieter der ganzen Welt, der alles genießt, möge erfreut sein.

Wort-für-Wort-Erläuterung: aṅguṣṭha-mātraḥ – daumengroß: aṅguṣṭha, Daumen oder große Zehe; mātra, das Maß habend; puruṣaḥ – Purusha, Person, inneres Selbst; aṅguṣṭham – Daumen oder große Zehe; ca – und, auch; samāśritaḥ – aufgesucht habend, darin ruhend, sich darauf stützend; īśaḥ – Herr; sarvasya – der ganzen; jagataḥ – Welt; prabhuḥ – Gebieter, mächtiger Herr; prīṇātu – möge erfreut sein, möge Befriedigung erfahren; im Gebetsgebrauch so verstanden; viśva-bhuk – alles genießend: viśva, alles; bhuj, genießen.

Erläuterung: Aṅguṣṭha kann Daumen und große Zehe bezeichnen. Die zweite Nennung wird in der rituellen Auslegung auch auf die große Zehe bezogen. Eine anatomische Größenangabe des unbegrenzten Selbst ist damit nicht festgelegt.

72.1 – Wohlergehen der Glieder und Sinne
vāṅ ma āsan | nasoḥ prāṇaḥ | akṣyoś cakṣuḥ | karṇayoḥ śrotram | bāhuvor balam | ūruvor ojaḥ | ariṣṭā viśvāny aṅgāni tanūḥ | tanuvā me saha namas te astu mā mā hiṃsīḥ || 72.1 ||

Übersetzung: Rede sei in meinem Mund, Lebenshauch in den Nasenlöchern, Sehkraft in den Augen, Hörkraft in den Ohren, Stärke in den Armen und Lebenskraft in den Schenkeln. Alle Glieder und der Leib seien unversehrt. Zusammen mit meinem Leib sei dir meine Verneigung dargebracht. Verletze mich nicht.

Wort-für-Wort-Erläuterung: vāk – Rede, Sprache; vor ma als vāṅ; me – mein; Textform ma; āsan – im Mund, vedischer Lokativ; nasoḥ – in den beiden Nasenlöchern; prāṇaḥ – Lebenshauch; akṣyoḥ – in den beiden Augen; cakṣuḥ – Sehen, Sehkraft; karṇayoḥ – in den beiden Ohren; śrotram – Hören, Hörkraft; bāhuvoḥ – in den beiden Armen; balam – Stärke; ūruvoḥ – in den beiden Schenkeln; ojaḥ – Lebenskraft, Tatkraft; ariṣṭā – unversehrt, unbeschädigt; viśvāni – alle; aṅgāni – Glieder; tanūḥ – Leib, Körper; tanuvā – mit dem Leib; Instrumental; me – meinem, mein; saha – zusammen mit; namaḥ – Verneigung; te – dir; astu – es sei; – nicht, Verbots- oder Bittepartikel; – mich; hiṃsīḥ – verletze; mit mā: verletze nicht.

73.1 – Befreiung aus Dunkelheit
vayaḥ suparṇā upasedur indraṃ priyamedhā ṛṣayo nādhamānāḥ | apa dhvāntam ūrṇuhi pūrdhi cakṣur mumugdhy asmān nidhayeva baddhān || 73.1 ||

Übersetzung: Wie schön geflügelte Vögel kamen die um Einsicht bemühten Seher bittend zu Indra: „Decke die Dunkelheit auf, erfülle unser Sehen; löse uns, die wie mit einer Fessel gebunden sind.“

Wort-für-Wort-Erläuterung: vayaḥ – Vögel; Plural von vi; su-parṇāḥ – mit schönen Flügeln: su, schön oder gut; parṇa, Flügel; upaseduḥ – sie kamen nahe, suchten auf; indram – Indra; priya-medhāḥ – Einsicht liebend, mit willkommener Einsicht; auch als Sehername Priyamedha gedeutet; ṛṣayaḥ – Seher; nādhamānāḥ – um Hilfe bittend, flehend; apa – weg, auf; gehört zu ūrṇuhi; dhvāntam – Dunkelheit; ūrṇuhi – decke auf, enthülle; pūrdhi – fülle, vervollständige; cakṣuḥ – Sehen, Auge; mumugdhi – löse, befreie; asmān – uns; nidhayā – mit einer Bindung oder Fessel; iva – wie, gleichsam; baddhān – die Gebundenen.

74.1 – Rudra als Band der Lebenskräfte
prāṇānāṃ granthir asi rudro mā viśāntakaḥ | tenānnenāpyāyasva || 74.1 ||

Übersetzung: Du bist der Knoten der Lebenskräfte. Als Rudra tritt in mich ein, als der Beendende. Stärke dich durch diese Nahrung.

Wort-für-Wort-Erläuterung: prāṇānām – der Lebenskräfte; granthiḥ – Knoten, verbindendes Band; asi – du bist; rudraḥ – Rudra; – mich, in mich; viśa – tritt ein; antakaḥ – der Beendende, der ein Ende setzt; auch Name des Todes; tena – durch jene, durch diese; annena – Nahrung; āpyāyasva – stärke dich, nimm zu, erfülle dich.

Erläuterung: Der zusammengezogene Ausdruck viśāntakaḥ wird hier als viśa antakaḥ wiedergegeben. Im religiösen Zusammenhang kann das Beenden auf Leiden und Tod bezogen werden. Die Deutung ‚Beender des Leidens‘ enthält jedoch ein im Sanskrit nicht ausdrücklich genanntes Objekt.

75.1 – Schutz vor dem Tod
namo rudrāya viṣṇave mṛtyur me pāhi || 75.1 ||

Übersetzung: Verneigung vor Rudra, vor Vishnu. Schütze mich vor dem Tod.

Wort-für-Wort-Erläuterung: namaḥ – Verneigung; rudrāya – Rudra gegenüber; viṣṇave – Vishnu gegenüber, dem Durchdringenden; mṛtyuḥ – Tod; die überlieferte Form wird in der traditionellen Worterklärung als Ablativ mṛtyoḥ, „vor dem Tod“, verstanden; me – mich, meiner; in dieser Bitte als Objekt verstanden; pāhi – schütze, bewahre.

Erläuterung: Die Form mṛtyuḥ ist ungewöhnlich. Die traditionelle Sanskrit-Worterklärung des benutzten Drucks setzt sie ausdrücklich mit mṛtyoḥ gleich. Dieser kontextbezogenen Deutung folgt die Übersetzung; die nichtklassische Textform wird beibehalten.

76.1 – Agnis vielfältige Geburt
tvam agne dyubhis tvam āśuśukṣaṇis tvam adbhyas tvam aśmanas pari | tvaṃ vanebhyas tvam oṣadhībhyas tvaṃ nṛṇāṃ nṛpate jāyase śuciḥ || 76.1 ||

Übersetzung: Du, Agni, wirst aus den Himmelslichten geboren, du rasch Leuchtender; du aus den Wassern, du aus dem Stein, du aus den Wäldern, du aus den Pflanzen. Du, Herr der Menschen, wirst für die Menschen als der Reine geboren.

Wort-für-Wort-Erläuterung: tvam – du; agne – o Agni; dyubhiḥ – durch die Himmelslichter, mit dem Glanz der Tage; tvam – du; āśu-śukṣaṇiḥ – rasch leuchtend: āśu, rasch; śukṣaṇi, aufflammend; tvam – du; adbhyaḥ – aus den Wassern; tvam – du; aśmanaḥ – aus dem Stein; pari – heraus, von … her; tvam – du; vanebhyaḥ – aus den Wäldern, aus Hölzern; tvam – du; oṣadhībhyaḥ – aus den Pflanzen; tvam – du; nṛṇām – der Menschen, für die Menschen; nṛ-pate – o Herr der Menschen: nṛ, Mensch; pati, Herr; jāyase – du wirst geboren, entstehst; śuciḥ – rein, hell, strahlend.

77.1 – Heilvoller Abschluss des Opfers
śivena me saṃtiṣṭhasva syonena me saṃtiṣṭhasva subhūtena me saṃtiṣṭhasva brahmavarcasena me saṃtiṣṭhasva yajñasyarddhim anusaṃtiṣṭhasvopa te yajña nama upa te nama upa te namaḥ || 77.1 ||

Übersetzung: Vollende dich für mich mit Heilvollem; vollende dich für mich mit Wohlergehen; vollende dich für mich mit gutem Gedeihen; vollende dich für mich mit dem Glanz heiligen Wissens. Folge der Erfüllung des Opfers. Dir, o Opfer, nahe ich in Verneigung; dir in Verneigung; dir in Verneigung.

Wort-für-Wort-Erläuterung: śivena – mit Heilvollem, in günstiger Weise; me – für mich; saṃtiṣṭhasva – komme zum Bestand, vollende dich; syonena – mit Wohlergehen, mit Behagen; me – für mich; saṃtiṣṭhasva – vollende dich; subhūtena – mit gutem Gedeihen, in glücklicher Verfassung: su, gut; bhūta, geworden, beschaffen; me – für mich; saṃtiṣṭhasva – vollende dich; brahma-varcasena – mit dem Glanz heiligen Wissens: brahma, heiliges Wissen; varcas, Glanz, geistige Ausstrahlung; me – für mich; saṃtiṣṭhasva – vollende dich; yajñasya – des Opfers; ṛddhim – Gelingen, Erfüllung, Gedeihen; anu – entsprechend, nachfolgend; saṃtiṣṭhasva – komme zur Vollendung; upa – heran, hin zu; te – dir; yajña – o Opfer; namaḥ – Verneigung; upa – hin zu; te – dir; namaḥ – Verneigung; upa – hin zu; te – dir; namaḥ – Verneigung.

78.1 – Wahrhaftigkeit
satyaṃ paraṃ paraṃ satyaṃ satyena na suvargāl lokāc cyavante kadācana satāṃ hi satyaṃ tasmāt satye ramante || 78.1 ||

Übersetzung: Wahrhaftigkeit ist das Höchste; das Höchste ist Wahrhaftigkeit. Durch Wahrhaftigkeit fällt man niemals aus der himmlischen Welt. Denn Wahrhaftigkeit gehört zu den Guten. Deshalb finden sie Freude an der Wahrhaftigkeit.

Wort-für-Wort-Erläuterung: satyam – Wahrheit, Wahrhaftigkeit; param – das Höchste, das Vorzüglichste; param – das Höchste; satyam – Wahrhaftigkeit; satyena – durch Wahrhaftigkeit; na – nicht; suvargāt – aus der himmlischen; lokāt – Welt; cyavante – sie fallen, weichen ab; kadācana – jemals; mit na: niemals; satām – der Guten, der rechtschaffenen Menschen; hi – denn, ja; satyam – Wahrhaftigkeit; tasmāt – deshalb; satye – an der Wahrhaftigkeit, in der Wahrheit; ramante – sie erfreuen sich, finden Freude.

78.2 – Askese
tapa iti tapo nānaśanāt paraṃ yad dhi paraṃ tapas tad durdharṣaṃ tad durādharṣaṃ tasmāt tapasi ramante || 78.2 ||

Übersetzung: „Askese“, so lautet eine weitere Antwort. Keine Askese steht über dem Fasten. Denn jene höchste Askese ist schwer zu bestehen und schwer zu überwinden. Deshalb finden sie Freude an der Askese.

Wort-für-Wort-Erläuterung: tapaḥ – Askese, geistige Glut; iti – so, mit diesen Worten; tapaḥ – Askese; na – nicht; anaśanāt – als Fasten, als Nichtessen; Ablativ des Vergleichs; param – höher, vorzüglicher; yat – welches, was; hi – denn; param – höchstes; tapaḥ – Askese; tat – das, jene; dur-dharṣam – schwer zu überwinden oder zu bestehen: dur, schwer; dharṣ, angreifen, überwinden; tat – das, jene; dur-ādharṣam – schwer anzugreifen, unangreifbar; tasmāt – deshalb; tapasi – an der Askese, in asketischer Übung; ramante – sie erfreuen sich.

Erläuterung: Der Abschnitt stellt nacheinander verschiedene Antworten auf die Frage nach dem Höchsten vor. Die Wertung des Fastens gehört zu dieser historischen Darstellung. Die ähnlichen Wörter durdharṣa und durādharṣa werden bewusst beide wiedergegeben.

78.3 – Beherrschung der Sinne
dama iti niyataṃ brahmacāriṇas tasmād dame ramante || 78.3 ||

Übersetzung: „Beherrschung der Sinne“, sagen beständig die Brahmacharins. Deshalb finden sie Freude an der Selbstbeherrschung.

Wort-für-Wort-Erläuterung: damaḥ – Beherrschung, besonders Zügelung der Sinne; iti – so, mit diesen Worten; niyatam – beständig, regelmäßig; brahma-cāriṇaḥ – Brahmacharins, Menschen eines auf das heilige Wissen ausgerichteten und enthaltsamen Lebens: brahman, heiliges Wissen; cārin, einen Lebenswandel führend; tasmāt – deshalb; dame – an der Selbstbeherrschung; ramante – sie erfreuen sich.

Erläuterung: Das im Sanskrit nicht ausdrücklich gesetzte „sagen“ wird aus der Reihe der Antworten ergänzt.

78.4 – Ruhe des Geistes
śama ity araṇye munayas tasmāc chame ramante || 78.4 ||

Übersetzung: „Ruhe des Geistes“, sagen die Weisen im Wald. Deshalb finden sie Freude an der inneren Ruhe.

Wort-für-Wort-Erläuterung: śamaḥ – Ruhe, Beruhigung des Geistes; iti – so, mit diesen Worten; araṇye – im Wald; munayaḥ – Weise, schweigende oder besinnliche Asketen; tasmāt – deshalb; śame – an der inneren Ruhe; ramante – sie erfreuen sich.

78.5 – Geben
dānam iti sarvāṇi bhūtāni praśaṃsanti dānān nātiduṣkaraṃ tasmād dāne ramante || 78.5 ||

Übersetzung: „Geben“, das preisen alle Wesen. Nichts ist schwerer zu vollbringen als Geben. Deshalb finden sie Freude am Geben.

Wort-für-Wort-Erläuterung: dānam – Geben, Gabe, Freigebigkeit; iti – so, mit diesen Worten; sarvāṇi – alle; bhūtāni – Wesen; praśaṃsanti – sie preisen, loben; dānāt – als Geben; Ablativ des Vergleichs; na – nicht; ati-duṣkaram – noch schwerer zu tun: ati, übermäßig oder darüber hinaus; duṣ-kara, schwer zu tun; tasmāt – deshalb; dāne – am Geben; ramante – sie erfreuen sich.

78.6 – Dharma
dharma iti dharmeṇa sarvam idaṃ parigṛhītaṃ dharmān nātiduścaraṃ tasmād dharme ramante || 78.6 ||

Übersetzung: „Dharma“, so lautet eine weitere Antwort. Durch Dharma wird all dies zusammengehalten. Nichts ist schwerer zu verwirklichen als Dharma. Deshalb finden sie Freude am Dharma.

Wort-für-Wort-Erläuterung: dharmaḥ – Dharma, tragende Ordnung und rechtes Handeln; iti – so, mit diesen Worten; dharmeṇa – durch Dharma; sarvam – alles; idam – dies; parigṛhītam – umfasst, zusammengehalten, erhalten; dharmāt – als Dharma; Ablativ des Vergleichs; na – nicht; ati-duścaram – noch schwerer zu praktizieren: ati, darüber hinaus; duś-cara, schwer zu vollziehen oder zu leben; tasmāt – deshalb; dharme – am Dharma; ramante – sie erfreuen sich.

78.7 – Weitergabe des Lebens
prajana iti bhūyāṃsas tasmād bhūyiṣṭhāḥ prajāyante tasmād bhūyiṣṭhāḥ prajanane ramante || 78.7 ||

Übersetzung: „Fortpflanzung“, sagen viele. Denn dadurch werden sehr viele geboren. Deshalb finden sehr viele Freude an der Weitergabe des Lebens.

Wort-für-Wort-Erläuterung: prajanaḥ – Zeugung, Fortpflanzung; iti – so, mit diesen Worten; bhūyāṃsaḥ – mehrere, viele, die größere Zahl; tasmāt – deshalb, daraus; bhūyiṣṭhāḥ – sehr viele, die meisten; prajāyante – sie werden geboren, entstehen; tasmāt – deshalb; bhūyiṣṭhāḥ – sehr viele, die meisten; prajanane – an der Zeugung oder Fortpflanzung; ramante – sie erfreuen sich.

78.8 – Die heiligen Feuer
agnaya ity āha tasmād agnaya ādhātavyāḥ || 78.8 ||

Übersetzung: „Die Feuer“, sagt man. Deshalb sollen die heiligen Feuer angelegt werden.

Wort-für-Wort-Erläuterung: agnayaḥ – Feuer, hier die rituellen Opferfeuer; iti – so; āha – er sagt, man sagt; tasmāt – deshalb; agnayaḥ – die Feuer; ādhātavyāḥ – sie sollen angelegt oder eingesetzt werden; Gerundiv von ā-dhā.

78.9 – Agnihotra
agnihotram ity āha tasmād agnihotre ramante || 78.9 ||

Übersetzung: „Agnihotra“, sagt man. Deshalb finden sie Freude am Agnihotra.

Wort-für-Wort-Erläuterung: agni-hotram – Agnihotra, regelmäßige Opfergabe ins Feuer: agni, Feuer; hotra, Opferdarbringung; iti – so; āha – er sagt, man sagt; tasmāt – deshalb; agnihotre – am Agnihotra; ramante – sie erfreuen sich.

78.10 – Opfer
yajña iti yajñena hi devā divaṃ gatās tasmād yajñe ramante || 78.10 ||

Übersetzung: „Opfer“, so lautet eine weitere Antwort. Denn durch das Opfer gelangten die Götter in den Himmel. Deshalb finden sie Freude am Opfer.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yajñaḥ – Opfer, Gottesverehrung; iti – so; yajñena – durch das Opfer; hi – denn; devāḥ – Götter; divam – in den Himmel; gatāḥ – gegangen, gelangt; tasmāt – deshalb; yajñe – am Opfer; ramante – sie erfreuen sich.

78.11 – Geistige Sammlung
mānasam iti vidvāṃsas tasmād vidvāṃsa eva mānase ramante || 78.11 ||

Übersetzung: „Die geistige Übung“, sagen die Wissenden. Deshalb finden gerade die Wissenden Freude an der geistigen Sammlung.

Wort-für-Wort-Erläuterung: mānasam – das Geistige, geistige Betrachtung oder Sammlung; von manas, Geist; iti – so; vidvāṃsaḥ – die Wissenden; tasmāt – deshalb; vidvāṃsaḥ – die Wissenden; eva – gerade, eben; mānase – an der geistigen Betrachtung; ramante – sie erfreuen sich.

78.12 – Entsagung als überragende Übung
nyāsa iti brahmā brahmā hi paraḥ paro hi brahmā tāni vā etāny avarāṇi tapāṃsi nyāsa evātyarecayat ya evaṃ vedety upaniṣat || 78.12 ||

Übersetzung: „Entsagung“, sagt Brahma. Denn Brahma ist der Höchste, und der Höchste ist Brahma. Diese genannten asketischen Übungen sind nachgeordnet; die Entsagung übertraf sie alle. Wer dies so weiß – so lautet die Upanishad.

Wort-für-Wort-Erläuterung: nyāsaḥ – Niederlegen, Entsagung, Loslassen; iti – so, mit diesen Worten; brahmā – Brahma, der Schöpfer und Lehrer; maskuline Form; brahmā – Brahma; hi – denn; paraḥ – der Höchste; paraḥ – der Höchste; hi – denn, ja; brahmā – Brahma; tāni – jene; vai – gewiss, tatsächlich; etāni – diese; avarāṇi – nachgeordnet, niedriger; tapāṃsi – asketische Übungen, Formen von Tapas; nyāsaḥ – Entsagung; eva – gerade, allein; atyarecayat – übertraf, überstieg; von ati-ric; yaḥ – wer; evam – so; veda – weiß; iti – so; upaniṣat – Upanishad, vertrauliche Lehre.

Erläuterung: „Sagt“ wird aus dem Zusammenhang ergänzt. Die Schlusswendung „wer so weiß“ bleibt im Sanskrit knapp und elliptisch; es wird hier kein nicht genannter Lohn hinzugefügt.

79.1 – Arunis Frage
prājāpatyo hāruṇiḥ suparṇeyaḥ prajāpatiṃ pitaram upasasāra kiṃ bhagavantaḥ paramaṃ vadantīti tasmai provāca || 79.1 ||

Übersetzung: Aruni, Nachkomme Prajapatis und Sohn der Suparna, trat zu seinem Vater Prajapati und fragte: „Was nennen die Ehrwürdigen das Höchste?“ Ihm antwortete dieser:

Wort-für-Wort-Erläuterung: prājāpatyaḥ – Nachkomme Prajapatis, zu Prajapati gehörig; ha – erzählende Hervorhebung: nun, wahrlich; āruṇiḥ – Aruni, Eigenname beziehungsweise Abstammungsname; suparṇeyaḥ – Sohn oder Nachkomme der Suparna; prajāpatim – zu Prajapati, dem Herrn der Geschöpfe; pitaram – zum Vater; upasasāra – er trat heran, suchte auf; kim – was; bhagavantaḥ – die Ehrwürdigen, die verehrten Lehrer; paramam – das Höchste; vadanti – sie sagen, nennen; iti – so, Ende der Frage; tasmai – ihm; provāca – er sagte, antwortete.

79.2 – Wahrheit als Grundlage
satyena vāyur āvāti satyenādityo rocate divi satyaṃ vācaḥ pratiṣṭhā satye sarvaṃ pratiṣṭhitaṃ tasmāt satyaṃ paramaṃ vadanti || 79.2 ||

Übersetzung: Durch Wahrheit weht der Wind heran; durch Wahrheit leuchtet die Sonne am Himmel. Wahrheit ist die Grundlage der Rede. In Wahrheit ist alles gegründet. Deshalb nennen sie Wahrheit das Höchste.

Wort-für-Wort-Erläuterung: satyena – durch Wahrheit, durch Wahrhaftigkeit; vāyuḥ – Wind; āvāti – er weht heran, weht; satyena – durch Wahrheit; ādityaḥ – Sonne, Aditya; rocate – leuchtet, glänzt; divi – am Himmel; satyam – Wahrheit; vācaḥ – der Rede; pratiṣṭhā – Grundlage, fester Stand; satye – in Wahrheit; sarvam – alles; pratiṣṭhitam – gegründet, fest verankert; tasmāt – deshalb; satyam – Wahrheit; paramam – das Höchste; vadanti – sie nennen, sagen.

79.3 – Die Kraft des Tapas
tapasā devā devatām agra āyan tapasārṣayaḥ suvar anvavindan tapasā sapatnān praṇudāmārātīs tapasi sarvaṃ pratiṣṭhitaṃ tasmāt tapaḥ paramaṃ vadanti || 79.3 ||

Übersetzung: Durch Tapas gelangten die Götter am Anfang zur Göttlichkeit. Durch Tapas fanden die Seher die Himmelswelt. Durch Tapas wollen wir Widersacher und Feinde vertreiben. In Tapas ist alles gegründet. Deshalb nennen sie Tapas das Höchste.

Wort-für-Wort-Erläuterung: tapasā – durch Askese, geistige Glut oder konzentrierte Übung; devāḥ – die Götter; devatām – Göttlichkeit, Götterstand; agre – am Anfang; vedische Textform agra; āyan – sie gingen, gelangten; tapasā – durch Tapas; ṛṣayaḥ – Seher; im vedischen Sandhi tapasārṣayaḥ; suvaḥ – die himmlische Lichtwelt; anvavindan – sie fanden, erlangten; tapasā – durch Tapas; sapatnān – Widersacher, Rivalen; praṇudāma – wir wollen vertreiben, abwehren; arātīḥ – Feinde, feindliche Mächte; tapasi – in Tapas; sarvam – alles; pratiṣṭhitam – gegründet; tasmāt – deshalb; tapaḥ – Tapas; paramam – das Höchste; vadanti – sie nennen.

79.4 – Selbstbeherrschung und Reinigung
damena dāntāḥ kilbiṣam avadhūnvanti damena brahmacāriṇaḥ suvar agacchan damo bhūtānāṃ durādharṣaṃ dame sarvaṃ pratiṣṭhitaṃ tasmād damaḥ paramaṃ vadanti || 79.4 ||

Übersetzung: Durch Selbstbeherrschung schütteln die Beherrschten Verfehlung ab. Durch Selbstbeherrschung gelangten die Brahmacharins in die Himmelswelt. Selbstbeherrschung ist für die Wesen schwer zu überwinden. In Selbstbeherrschung ist alles gegründet. Deshalb nennen sie Selbstbeherrschung das Höchste.

Wort-für-Wort-Erläuterung: damena – durch Selbstbeherrschung; dāntāḥ – die Gezähmten, die ihre Sinne beherrschen; kilbiṣam – Verfehlung, Schuld, Unreinheit; avadhūnvanti – sie schütteln ab; damena – durch Selbstbeherrschung; brahma-cāriṇaḥ – Brahmacharins, Menschen eines enthaltsamen geistlichen Lebens; suvaḥ – in die Himmelswelt; agacchan – sie gingen, gelangten; damaḥ – Selbstbeherrschung; bhūtānām – für die Wesen, seitens der Wesen; dur-ādharṣam – schwer zu überwinden oder zu erreichen; dame – in Selbstbeherrschung; sarvam – alles; pratiṣṭhitam – gegründet; tasmāt – deshalb; damaḥ – Selbstbeherrschung; hier Nominativform im Benennungssatz; paramam – das Höchste; vadanti – sie nennen.

Erläuterung: Die nichtklassische Kasusverbindung damaḥ paramaṃ und die neutrale Prädikatsform durādharṣam werden entsprechend dem Druck beibehalten.

79.5 – Innere Ruhe und heilsames Handeln
śamena śāntāḥ śivam ācaranti śamena nākaṃ munayo ’nvavindan śamo bhūtānāṃ durādharṣaṃ śame sarvaṃ pratiṣṭhitaṃ tasmāc chamaḥ paramaṃ vadanti || 79.5 ||

Übersetzung: Durch innere Ruhe handeln die zur Ruhe Gekommenen heilvoll. Durch innere Ruhe fanden die Weisen den Himmel. Innere Ruhe ist für die Wesen schwer zu überwinden. In innerer Ruhe ist alles gegründet. Deshalb nennen sie innere Ruhe das Höchste.

Wort-für-Wort-Erläuterung: śamena – durch Ruhe des Geistes; śāntāḥ – die Beruhigten, die Friedvollen; śivam – Heilvolles, Gutes; ācaranti – sie üben aus, handeln; śamena – durch innere Ruhe; nākam – Himmel, leidfreien Himmelsraum; munayaḥ – Weise, besinnliche Asketen; anvavindan – sie fanden, erlangten; śamaḥ – innere Ruhe; bhūtānām – für die Wesen, seitens der Wesen; dur-ādharṣam – schwer zu überwinden oder zu erreichen; śame – in innerer Ruhe; sarvam – alles; pratiṣṭhitam – gegründet; tasmāt – deshalb; śamaḥ – innere Ruhe; Nominativform im Benennungssatz; paramam – das Höchste; vadanti – sie nennen.

79.6 – Die verbindende Kraft des Gebens
dānaṃ yajñānāṃ varūthaṃ dakṣiṇā loke dātāraṃ sarvabhūtāny upajīvanti dānenārātīr apānudanta dānena dviṣanto mitrā bhavanti dāne sarvaṃ pratiṣṭhitaṃ tasmād dānaṃ paramaṃ vadanti || 79.6 ||

Übersetzung: Das Geben, die Opfergabe an die Mitwirkenden, ist der Schutz der Opfer. In der Welt leben alle Wesen von einem Gebenden. Durch Geben vertrieb man die Feinde. Durch Geben werden Feindselige zu Freunden. Im Geben ist alles gegründet. Deshalb nennen sie Geben das Höchste.

Wort-für-Wort-Erläuterung: dānam – Geben, Gabe; yajñānām – der Opfer; varūtham – Schutz, schützende Einfriedung; dakṣiṇā – Gabe oder Entgelt für die Mitwirkenden am Opfer, besonders die Priester; loke – in der Welt; dātāram – einen Geber, den Gebenden; sarva-bhūtāni – alle Wesen: sarva, alle; bhūta, Wesen; upajīvanti – sie leben von, sind zum Lebensunterhalt angewiesen auf; dānena – durch Geben; arātīḥ – Feinde, feindliche Mächte; apānudanta – sie vertrieben, wehrten ab; dānena – durch Geben; dviṣantaḥ – die Hassenden, die Feindseligen; mitrā – Freunde; vedische Pluralform; bhavanti – sie werden; dāne – im Geben; sarvam – alles; pratiṣṭhitam – gegründet; tasmāt – deshalb; dānam – Geben; paramam – das Höchste; vadanti – sie nennen.

79.7 – Dharma trägt die Welt
dharmo viśvasya jagataḥ pratiṣṭhā loke dharmiṣṭhaṃ prajā upasarpanti dharmeṇa pāpam apanudati dharme sarvaṃ pratiṣṭhitaṃ tasmād dharmaṃ paramaṃ vadanti || 79.7 ||

Übersetzung: Dharma ist die Grundlage der ganzen Welt. In der Welt suchen die Menschen den besonders Rechtschaffenen auf. Durch Dharma vertreibt man das Böse. In Dharma ist alles gegründet. Deshalb nennen sie Dharma das Höchste.

Wort-für-Wort-Erläuterung: dharmaḥ – Dharma, tragende Ordnung und rechtes Handeln; viśvasya – der ganzen; jagataḥ – Welt; pratiṣṭhā – Grundlage, Halt; loke – in der Welt; dharmiṣṭham – den besonders Rechtschaffenen, den dem Dharma am stärksten Verpflichteten; Superlativ zu dharmin; prajāḥ – Menschen, Geschöpfe, Untertanen; upasarpanti – sie suchen auf, treten heran; dharmeṇa – durch Dharma; pāpam – Böses, Verfehlung; apanudati – er vertreibt, man wehrt ab; dharme – in Dharma; sarvam – alles; pratiṣṭhitam – gegründet; tasmāt – deshalb; dharmam – Dharma; paramam – das Höchste; vadanti – sie nennen.

79.8 – Die Schuld gegenüber den Vorfahren
prajananaṃ vai pratiṣṭhā loke sādhu prajāyās tantuṃ tanvānaḥ pitṝṇām anṛṇo bhavati tad eva tasyānṛṇaṃ tasmāt prajananaṃ paramaṃ vadanti || 79.8 ||

Übersetzung: Die Fortpflanzung ist gewiss eine Grundlage in der Welt. Wer den Faden der Nachkommenschaft gut weiterspinnt, wird gegenüber den Vorfahren schuldenfrei. Eben dies ist seine Befreiung von der Schuld. Deshalb nennen sie Fortpflanzung das Höchste.

Wort-für-Wort-Erläuterung: prajananam – Fortpflanzung, Hervorbringen von Nachkommen; vai – gewiss; pratiṣṭhā – Grundlage, Fortbestand; loke – in der Welt; sādhu – gut, in rechter Weise; prajāyāḥ – der Nachkommenschaft; tantum – Faden, ununterbrochene Folge; tanvānaḥ – ausspannend, fortspinnend, fortsetzend; pitṝṇām – gegenüber den Vätern oder Vorfahren; anṛṇaḥ – schuldenfrei: an, ohne; ṛṇa, Schuld; bhavati – er wird; tat – das; eva – eben, gerade; tasya – seine, für ihn; anṛṇam – Schuldenfreiheit, Tilgung der Schuld; tasmāt – deshalb; prajananam – Fortpflanzung; paramam – das Höchste; vadanti – sie nennen.

Erläuterung: Der Begriff der Schuld gegenüber den Vorfahren gehört zur vedischen Vorstellung überlieferter Verpflichtungen. Die Stelle beschreibt dieses historische Ideal; sie bewertet heutige kinderlose Lebenswege nicht.

79.9 – Drei Feuer, drei Veden, drei Welten
agnayo vai trayī vidyā devayānaḥ panthā gārhapatya ṛk pṛthivī rathantaram anvāhāryapacano yajur antarikṣaṃ vāmadevyam āhavanīyaḥ sāma suvargo loko bṛhat tasmād agnīn paramaṃ vadanti || 79.9 ||

Übersetzung: Die Feuer sind gewiss das dreifache Wissen, der Weg zu den Göttern. Das Garhapatya-Feuer entspricht dem Rigveda, der Erde und dem Rathantara-Gesang. Das Anvaharyapachana-Feuer entspricht dem Yajurveda, dem Zwischenraum und dem Vamadevya-Gesang. Das Ahavaniya-Feuer entspricht dem Samaveda, der Himmelswelt und dem Brihat-Gesang. Deshalb nennen sie die Feuer das Höchste.

Wort-für-Wort-Erläuterung: agnayaḥ – Feuer; vai – gewiss; trayī – dreifach, die Dreiheit bildend; vidyā – Wissen, heilige Kenntnis; deva-yānaḥ – zu den Göttern führend: deva, Gott; yāna, Gehen oder Weg; panthāḥ – Weg; gārhapatyaḥ – Garhapatya, das Feuer des Hausherrn; ṛk – Rig, Verswissen des Rigveda; pṛthivī – Erde; rathantaram – Rathantara, Name eines Saman-Gesangs; anvāhārya-pacanaḥ – Anvaharyapachana, das Feuer zum Kochen der Anvaharya-Speise, das südliche Opferfeuer; yajuḥ – Yajus, Opferformelwissen des Yajurveda; antarikṣam – Zwischenraum zwischen Erde und Himmel; vāmadevyam – Vamadevya, Name eines Saman-Gesangs; āhavanīyaḥ – Ahavaniya, das Feuer zum Eingießen der Opfergaben; sāma – Saman, Gesangswissen des Samaveda; suvargaḥ – himmlisch; lokaḥ – Welt; bṛhat – Brihat, wörtlich „das Große“, Name eines Saman-Gesangs; tasmāt – deshalb; agnīn – die Feuer; paramam – das Höchste; vadanti – sie nennen.

Erläuterung: Die Gleichsetzungen sind Nominalsätze. „Entspricht“ macht ihre Zuordnung im Deutschen lesbar. Eigennamen der Gesänge werden erhalten, damit konkrete rituelle Bezeichnungen nicht in allgemeine Sinnbilder aufgelöst werden.

79.10 – Das tägliche Feueropfer
agnihotraṃ sāyaṃ prātar gṛhāṇāṃ niṣkṛtiḥ sviṣṭaṃ suhutaṃ yajñakratūnāṃ prāyaṇaṃ suvargasya lokasya jyotis tasmād agnihotraṃ paramaṃ vadanti || 79.10 ||

Übersetzung: Das Agnihotra am Abend und am Morgen ist die Wiedergutmachung für die Haushalte: ein gut vollzogenes Opfer, eine gut dargebrachte Gabe, der Anfang der Opferhandlungen und das Licht zur himmlischen Welt. Deshalb nennen sie das Agnihotra das Höchste.

Wort-für-Wort-Erläuterung: agni-hotram – Agnihotra, die regelmäßig ins Feuer dargebrachte Opfergabe; sāyam – am Abend; prātaḥ – am Morgen; gṛhāṇām – der Häuser, der Haushalte; niṣkṛtiḥ – Wiedergutmachung, Sühne, Bereinigung; su-iṣṭam – gut geopfert, gut vollzogenes Opfer: su, gut; iṣṭa, geopfert; su-hutam – gut dargebracht: su, gut; huta, ins Feuer geopfert; yajña-kratūnām – der Opfer und Opferhandlungen: yajña, Opfer; kratu, rituelles Vorhaben oder Opferhandlung; prāyaṇam – Aufbruch, Anfang; suvargasya – der himmlischen; lokasya – Welt; jyotiḥ – Licht, Leuchte; tasmāt – deshalb; agnihotram – Agnihotra; paramam – das Höchste; vadanti – sie nennen.

79.11 – Opfer und Überwindung der Feindschaft
yajña iti yajño hi devānāṃ yajñena hi devā divaṃ gatā yajñenāsurān apānudanta yajñena dviṣanto mitrā bhavanti yajñe sarvaṃ pratiṣṭhitaṃ tasmād yajñaṃ paramaṃ vadanti || 79.11 ||

Übersetzung: „Opfer“, so lautet eine weitere Antwort. Denn das Opfer gehört den Göttern. Durch das Opfer gelangten die Götter in den Himmel; durch das Opfer vertrieben sie die Asuras. Durch das Opfer werden Feindselige zu Freunden. Im Opfer ist alles gegründet. Deshalb nennen sie das Opfer das Höchste.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yajñaḥ – Opfer; iti – so, mit diesen Worten; yajñaḥ – das Opfer; hi – denn; devānām – der Götter, den Göttern zugehörig; yajñena – durch das Opfer; hi – denn, ja; devāḥ – die Götter; divam – in den Himmel; gatāḥ – gegangen, gelangt; yajñena – durch das Opfer; asurān – die Asuras, göttliche Gegenspieler; apānudanta – sie vertrieben; yajñena – durch das Opfer; dviṣantaḥ – die Feindseligen, die Hassenden; mitrā – Freunde; vedische Pluralform; bhavanti – sie werden; yajñe – im Opfer; sarvam – alles; pratiṣṭhitam – gegründet; tasmāt – deshalb; yajñam – Opfer; paramam – das Höchste; vadanti – sie nennen.

Erläuterung: Die Wendung yajño hi devānām ist knapp. Die traditionelle Ergänzung „den Göttern lieb“ ist möglich; „gehört den Göttern“ hält den ausgedrückten Genitiv sichtbar.

79.12 – Die schöpferische Kraft geistiger Sammlung
mānasaṃ vai prājāpatyaṃ pavitraṃ mānasena manasā sādhu paśyati manasā ṛṣayaḥ prajā asṛjanta mānase sarvaṃ pratiṣṭhitaṃ tasmān mānasaṃ paramaṃ vadanti || 79.12 ||

Übersetzung: Die geistige Sammlung gehört gewiss zu Prajapati und ist läuternd. Mit dem in geistiger Sammlung geübten Geist sieht man recht. Durch den Geist schufen die Seher Geschöpfe. In geistiger Sammlung ist alles gegründet. Deshalb nennen sie die geistige Sammlung das Höchste.

Wort-für-Wort-Erläuterung: mānasam – geistige Sammlung, geistige Betrachtung; vai – gewiss; prājāpatyam – zu Prajapati gehörig, von Prajapati stammend; pavitram – reinigend, läuternd, ein Mittel der Reinigung; mānasena – durch Geistiges, durch geistige Sammlung; hier nähere Bestimmung von manasā; manasā – mit dem Geist; sādhu – gut, recht, zutreffend; paśyati – er sieht, man erkennt; manasā – durch den Geist; ṛṣayaḥ – die Seher; prajāḥ – Geschöpfe; asṛjanta – sie erschufen, brachten hervor; mānase – in geistiger Sammlung; sarvam – alles; pratiṣṭhitam – gegründet; tasmāt – deshalb; mānasam – geistige Sammlung; paramam – das Höchste; vadanti – sie nennen.

Erläuterung: Das zweite manasā steht in der gedruckten Ausgabe, fehlt aber in der verglichenen SanskritDocuments-Fassung. Es ist hier mitübersetzt und einzeln erklärt.

79.13 – Entsagung und Brahma
nyāsa ity āhur manīṣiṇo brahmāṇaṃ brahmā viśvaḥ katamaḥ svayambhūḥ prajāpatiḥ saṃvatsara iti || 79.13 ||

Übersetzung: Das, was „Entsagung“ heißt, nennen die Weisen Brahma. Brahma ist das All, Katama, der aus sich selbst Seiende, Prajapati und das Jahr – so wird gelehrt.

Wort-für-Wort-Erläuterung: nyāsaḥ – Niederlegen, Entsagung; iti – so, als Bezeichnung; āhuḥ – sie sagen, nennen; manīṣiṇaḥ – Weise, Einsichtige; brahmāṇam – Brahma; Akkusativ der maskulinen Form; brahmā – Brahma; viśvaḥ – das All, alles umfassend; katamaḥ – „welcher von allen?“; hier als Gottesbezeichnung, traditionell unterschiedlich erklärt; svayam-bhūḥ – aus sich selbst seiend oder entstanden: svayam, selbst; bhū, sein oder entstehen; prajā-patiḥ – Herr der Geschöpfe, Prajapati; saṃvatsaraḥ – Jahr, Jahreskreis; iti – so, mit diesen Bezeichnungen.

Erläuterung: Katama wird als überlieferte Bezeichnung sichtbar gehalten. Traditionelle Erklärungen reichen vom nicht eindeutig Bestimmbaren bis zum „höchst Glückseligen“, wenn ka als Freude gedeutet wird. Keine dieser Deutungen ist die einfache lexikalische Bedeutung des Fragepronomens.

79.14 – Jahr, Sonne und inneres Selbst
saṃvatsaro ’sāv ādityo ya eṣa āditye puruṣaḥ sa parameṣṭhī brahmātmā || 79.14 ||

Übersetzung: Das Jahr ist jene Sonne dort. Der Purusha, der dort in der Sonne ist, ist der im höchsten Bereich Weilende, Brahma und das Selbst.

Wort-für-Wort-Erläuterung: saṃvatsaraḥ – Jahr, Jahreskreis; asau – jener dort; ādityaḥ – Sonne; yaḥ – derjenige, welcher; eṣaḥ – dieser; āditye – in der Sonne; puruṣaḥ – Purusha, Person, inneres Wesen; saḥ – er, jener; parameṣṭhī – der im höchsten Bereich Weilende; Bezeichnung Brahmas; brahma – Brahman, umfassende Wirklichkeit; in der zusammengezogenen Form auch brahmā, Brahma, möglich; ātmā – Selbst.

Erläuterung: Die Schlussform brahmātmā lässt sowohl brahma ātmā („Brahman, das Selbst“) als auch brahmā ātmā („Brahma und das Selbst“) zu. Der Zusammenhang nennt zuvor Brahma und Parameshthin; die Übersetzung folgt dieser Reihe, ohne die Identifikation mit Brahman auszuschließen.

79.15.1 – Von der Sonne zur Nahrung
yābhir ādityas tapati raśmibhis tābhiḥ parjanyo varṣati parjanyenauṣadhivanaspatayaḥ prajāyanta oṣadhivanaspatibhir annaṃ bhavati || 79.15.1 ||

Übersetzung: Mit den Strahlen, durch welche die Sonne wärmt, lässt die Regenwolke Regen fallen. Durch den Regen entstehen Kräuter und Bäume; durch Kräuter und Bäume entsteht Nahrung.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yābhiḥ – durch welche; Instrumental Plural feminin; ādityaḥ – die Sonne; tapati – wärmt, strahlt Hitze aus; raśmibhiḥ – durch Strahlen; tābhiḥ – durch jene, mit eben diesen; parjanyaḥ – Regenwolke, Regen spendende Macht; varṣati – regnet, lässt regnen; parjanyena – durch Regen, durch die Regenwolke; oṣadhi-vanaspatayaḥ – Kräuter und Bäume: oṣadhi, Kraut oder Nutzpflanze; vanaspati, Baum; prajāyante – sie entstehen, werden hervorgebracht; vor oṣadhi erscheint prajāyanta; oṣadhi-vanaspatibhiḥ – durch Kräuter und Bäume; annam – Nahrung; bhavati – entsteht, wird.

79.15.2 – Von der Nahrung zur Selbsterkenntnis
annena prāṇāḥ prāṇair balaṃ balena tapas tapasā śraddhā śraddhayā medhā medhayā manīṣā manīṣayā mano manasā śāntiḥ śāntyā cittaṃ cittena smṛtiḥ smṛtyā smāraṃ smāreṇa vijñānaṃ vijñānenātmānaṃ vedayati || 79.15.2 ||

Übersetzung: Durch Nahrung werden die Lebenskräfte erhalten; durch Lebenskräfte entsteht Stärke, durch Stärke Tapas, durch Tapas Vertrauen, durch Vertrauen Auffassungskraft, durch Auffassungskraft Einsicht, durch Einsicht geistige Besinnung, durch geistige Besinnung Ruhe, durch Ruhe klares Bewusstsein, durch klares Bewusstsein Erinnerung, durch Erinnerung beständiges Vergegenwärtigen und durch dieses Vergegenwärtigen unterscheidende Erkenntnis. Durch diese Erkenntnis erkennt man das Selbst.

Wort-für-Wort-Erläuterung: annena – durch Nahrung; prāṇāḥ – Lebenskräfte, Lebenshauche; prāṇaiḥ – durch die Lebenskräfte; balam – Stärke, Kraft; balena – durch Stärke; tapaḥ – Tapas, geistige Glut, konzentrierte Übung; tapasā – durch Tapas; śraddhā – Vertrauen, gläubige Hinwendung; śraddhayā – durch Vertrauen; medhā – Auffassungs- und Behaltekraft; medhayā – durch Auffassungskraft; manīṣā – Einsicht, Urteilskraft; manīṣayā – durch Einsicht; manaḥ – Geist, hier geistige Besinnung; manasā – durch den Geist, durch Besinnung; śāntiḥ – Ruhe, Frieden; śāntyā – durch Ruhe; cittam – Bewusstsein, geistige Klarheit; cittena – durch Bewusstsein; smṛtiḥ – Erinnerung, Besinnung auf Erkanntes; smṛtyā – durch Erinnerung; smāram – Vergegenwärtigen, nachhaltiges Erinnern; smāreṇa – durch beständiges Vergegenwärtigen; vijñānam – unterscheidende Erkenntnis; vijñānena – durch Erkenntnis; ātmānam – das Selbst; vedayati – er erkennt, macht sich bewusst.

Erläuterung: Die Reihe verwendet über weite Strecken keine Verben. „Werden erhalten“ und „entsteht“ machen die aufeinander bezogenen Glieder verständlich. Die deutschen Unterscheidungen zwischen manas, citta, smṛti und smāra dienen der Wiedergabe dieser Reihe; sie begründen kein starres, für sämtliche Yogaschulen gültiges Stufensystem.

79.15.3 – Die umfassende Bedeutung der Nahrungsgabe
tasmād annaṃ dadan sarvāṇy etāni dadāty annāt prāṇā bhavanti bhūtānāṃ prāṇair mano manasaś ca vijñānaṃ vijñānād ānando brahma yoniḥ || 79.15.3 ||

Übersetzung: Deshalb gibt, wer Nahrung gibt, all diese Dinge. Aus Nahrung entstehen die Lebenskräfte der Wesen; durch die Lebenskräfte entsteht der Geist und aus dem Geist Erkenntnis; aus Erkenntnis entsteht Freude. Brahman ist der Ursprung.

Wort-für-Wort-Erläuterung: tasmāt – deshalb; annam – Nahrung; dadan – gebend, wer gibt; sarvāṇi – alle; etāni – diese Dinge, die genannten Glieder; dadāti – er gibt; annāt – aus Nahrung; prāṇāḥ – Lebenskräfte; bhavanti – sie entstehen; bhūtānām – der Wesen; prāṇaiḥ – durch die Lebenskräfte; manaḥ – Geist; manasaḥ – aus dem Geist; ca – und; vijñānam – Erkenntnis; vijñānāt – aus Erkenntnis; ānandaḥ – Freude, Glückseligkeit; brahma – Brahman; yoniḥ – Ursprung, Quelle, Mutterschoß.

Erläuterung: Die letzten Wörter können auch als Kompositum brahmayoniḥ verstanden werden: „deren Ursprung Brahman ist“ oder in traditioneller Auslegung „Ursache des Erlangens von Brahman“. Hier werden brahma und yoniḥ als eigener Nominalsatz gelesen. Der Wortlaut wird nicht um eine unausgesprochene Gleichsetzung aller Begriffe erweitert.

79.16.1 – Der fünffache Purusha
sa vā eṣa puruṣaḥ pañcadhā pañcātmā yena sarvam idaṃ protaṃ pṛthivī cāntarikṣaṃ ca dyauś ca diśaś cāvāntaradiśāś ca sa vai sarvam idaṃ jagat sa bhūtaṃ sa bhavyaṃ || 79.16.1 ||

Übersetzung: Dieser Purusha ist wahrlich fünffach, von fünffachem Wesen. Durch ihn ist all dies verwoben: Erde und Zwischenraum und Himmel und die Himmelsrichtungen und die Zwischenrichtungen. Er ist gewiss diese ganze Welt; er ist das Gewesene und das Kommende.

Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ – er, jener; vai – wahrlich; vor eṣa als vā; eṣaḥ – dieser; puruṣaḥ – Purusha, Person, inneres Wesen; pañcadhā – fünffach, auf fünffache Weise; pañca-ātmā – von fünffachem Wesen: pañca, fünf; ātman, Wesen oder Selbst; yena – durch den, durch welchen; sarvam – alles; idam – dies; protam – aufgefädelt, durchwoben, verbunden; pṛthivī – Erde; ca – und; antarikṣam – Zwischenraum; ca – und; dyauḥ – Himmel; ca – und; diśaḥ – Himmelsrichtungen; ca – und; avāntara-diśāḥ – Zwischenrichtungen: avāntara, dazwischenliegend; diś, Richtung; ca – und; saḥ – er; vai – gewiss; sarvam – die ganze; idam – diese; jagat – Welt; saḥ – er; bhūtam – das Gewesene; saḥ – er; bhavyam – das Kommende.

79.16.2 – Jenseits der Dunkelheit
jijñāsakḷpta ṛtajā rayiṣṭhāḥ śraddhā satyo mahasvān tamasopariṣṭāt | jñātvā tam evaṃ manasā hṛdā ca bhūyo na mṛtyum upayāhi vidvān || 79.16.2 ||

Übersetzung: Durch suchendes Erkennen bestimmt, aus Wahrheit geboren, im Reichtum gegründet, Vertrauen selbst, wahr und von großer Leuchtkraft, steht er über der Dunkelheit. Erkenne ihn so mit Geist und Herz; als Wissender gehe nicht erneut dem Tod entgegen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: jijñāsa-kḷptaḥ – durch den Wunsch zu erkennen bestimmt oder erschlossen; schwierige Textform: jijñāsā, Erkenntnisstreben; kḷpta, geordnet, bestimmt; ṛta-jāḥ – aus Wahrheit oder rechter Ordnung geboren: ṛta, Wahrheit oder Ordnung; jā, geboren; rayi-ṣṭhāḥ – im Reichtum stehend oder gegründet: rayi, Reichtum; sthā, stehen; śraddhā – Vertrauen, gläubige Gewissheit; satyaḥ – wahr, wahrhaft; mahasvān – von Größe oder Leuchtkraft erfüllt; tamasaḥ – der Dunkelheit, über die Dunkelheit hinaus; upariṣṭāt – oberhalb, darüber; jñātvā – erkannt habend, nachdem du erkannt hast; tam – ihn; evam – so; manasā – mit dem Geist; hṛdā – mit dem Herzen; ca – und; bhūyaḥ – wieder, erneut; na – nicht; mṛtyum – zum Tod, dem Tod entgegen; upayāhi – gehe hin, nähere dich; Imperativ; vidvān – wissend, als Wissender.

Erläuterung: Die Druckform jijñāsakḷpta wird beibehalten; die traditionelle Worterklärung verbindet sie mit jijñāsā, dem Erkenntnisstreben. Die substantivische Nennung śraddhā innerhalb der Reihe bleibt als „Vertrauen selbst“ erkennbar. Bei jñātvā macht die deutsche Aufforderung den Übergang zur direkten Anrede lesbar; wörtlich: „ihn so erkannt habend … gehe nicht erneut zum Tod“.

79.16.3 – Der Vorrang der Entsagung
tasmān nyāsam eṣāṃ tapasām atiriktam āhuḥ || 79.16.3 ||

Übersetzung: Deshalb nennen sie die Entsagung diesen asketischen Übungen überlegen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: tasmāt – deshalb; nyāsam – die Entsagung, das Loslassen; eṣām – diesen, unter diesen; tapasām – asketischen Übungen, Formen des Tapas; atiriktam – überlegen, darüber hinausgehend; āhuḥ – sie nennen, sagen.

79.17 – Anrufung der umfassenden Kraft
vasuraṇvo vibhūr asi prāṇe tvam asi sandhātā brahman tvam asi viśvasṛt tejodās tvam asy agner asi varcodās tvam asi sūryasya dyumnodās tvam asi candramasa upayāmagṛhīto ’si brahmaṇe tvā mahase || 79.17 ||

Übersetzung: Du bist der Spender des Reichtums, der in vielfältigen Gestalten Seiende. In der Lebenskraft bist du der Verbindende. O Brahman, du durchdringst das All. Du spendest dem Feuer Glut; du spendest der Sonne Strahlkraft; du spendest dem Mond Glanz. Du bist im Upayama-Gefäß aufgenommen. Dich weihe ich dem großen Brahman.

Wort-für-Wort-Erläuterung: vasu-raṇvaḥ – Reichtum spendend oder daran erfreuend; überlieferter schwieriger Beiname: vasu, Gut oder Reichtum; raṇva, erfreuend, in der traditionellen Erklärung Spender; vibhūḥ – vielfältig seiend, allgegenwärtig; asi – du bist; prāṇe – in der Lebenskraft; tvam – du; asi – bist; sandhātā – Zusammenfügender, Verbindender; brahman – o Brahman; Anrede; tvam – du; asi – bist; viśva-sṛt – das All durchlaufend oder durchdringend: viśva, All; sṛ, gehen, strömen; tejo-dāḥ – Glut oder Leuchtkraft spendend: tejas, Glut; dā, geben; tvam – du; asi – bist; agneḥ – des Feuers, für das Feuer; asi – du bist; varco-dāḥ – Strahlkraft spendend: varcas, Glanz; dā, geben; tvam – du; asi – bist; sūryasya – der Sonne, für die Sonne; dyumno-dāḥ – Glanz oder Herrlichkeit spendend: dyumna, Glanz oder Herrlichkeit; dā, geben; tvam – du; asi – bist; candramasaḥ – des Mondes, für den Mond; upayāma-gṛhītaḥ – mit dem Upayama aufgenommen: upayāma, rituelles Auffang- oder Opfergefäß; gṛhīta, aufgenommen; asi – du bist; brahmaṇe – dem Brahman, für Brahman; tvā – dich; mahase – dem Großen, dem Erhabenen.

Erläuterung: Die zusammenhängende Drucklesung vasuraṇvaḥ wird hier als Beiname erklärt. Die verbreitete Trennung vasur aṇvaḥ ist ebenfalls möglich, erschwert aber die Wortdeutung. Im letzten Satz ergänzt „weihe ich“ die in der Opferformel vorausgesetzte Handlung; im Sanskrit stehen nur die Zielbestimmung und „dich“.

79.18 – Sammlung in Om
om ity ātmānaṃ yuñjīta | etad vai mahopaniṣadaṃ devānāṃ guhyam | ya evaṃ veda brahmaṇo mahimānam āpnoti tasmād brahmaṇo mahimānam ity upaniṣat || 79.18 ||

Übersetzung: Mit „Om“ soll man sich auf das Selbst sammeln. Dies ist gewiss die große vertrauliche Lehre, das Geheimnis der Götter. Wer dies so weiß, erlangt die Größe Brahmans. Deshalb: die Größe Brahmans – so lautet die Upanishad.

Wort-für-Wort-Erläuterung: om – Om, die heilige Silbe; iti – so, mit diesem Laut; ātmānam – das Selbst, sich selbst; yuñjīta – man soll verbinden, ausrichten oder sammeln; Optativ von yuj; etat – dies; vai – gewiss; mahā-upaniṣadam – große vertrauliche Lehre beziehungsweise das in großen Upanishaden Gelehrte; besondere Textform; devānām – der Götter; guhyam – Geheimnis, verborgenes Wissen; yaḥ – wer; evam – so; veda – weiß; brahmaṇaḥ – Brahmans; mahimānam – Größe, Erhabenheit; āpnoti – er erlangt; tasmāt – deshalb; brahmaṇaḥ – Brahmans; mahimānam – Größe; iti – so; upaniṣat – Upanishad, vertrauliche Lehre.

Erläuterung: Die letzte Wiederholung ist elliptisch. Sie wird als solche wiedergegeben; ein zweites āpnoti wird nicht in den Sanskrittext eingesetzt.

80.1.1 – Das Leben als Opfer: Person, Vertrauen und Körper
tasyaivaṃ viduṣo yajñasyātmā yajamānaḥ śraddhā patnī śarīram idhmam uro vedir lomāni barhir vedaḥ śikhā hṛdayaṃ yūpaḥ kāma ājyaṃ manyuḥ paśus tapo ’gnir damaḥ śamayitā dānaṃ dakṣiṇā || 80.1.1 ||

Übersetzung: Im Opfer dessen, der so weiß, ist das Selbst der Opferherr; Vertrauen ist seine Gattin; der Körper ist das Brennholz; die Brust ist der Altar; die Körperhaare sind das Opfergras; der Veda ist der Haarschopf; das Herz ist der Opferpfosten; das Begehren ist die geklärte Butter; der Zorn ist das Opfertier; Tapas ist das Feuer; Selbstbeherrschung ist der Schlachtende; Geben ist die Opfervergütung.

Wort-für-Wort-Erläuterung: tasya – dessen, für ihn; evam – so; viduṣaḥ – des Wissenden, dessen, der weiß; yajñasya – des Opfers, in Bezug auf das Opfer; ātmā – Selbst; yajamānaḥ – Opferherr, Auftraggeber und Träger des Opfers; śraddhā – Vertrauen, gläubige Hinwendung; patnī – Gattin; śarīram – Körper; idhmam – Brennholz, Opferbrennstoff; uraḥ – Brust; vediḥ – Altar, Opferplatz; lomāni – Körperhaare; barhiḥ – auf dem Opferplatz ausgebreitetes Gras; vedaḥ – Veda, heiliges Wissen; śikhā – Haarschopf, Haarbüschel auf dem Kopf; hṛdayam – Herz; yūpaḥ – Opferpfosten; kāmaḥ – Begehren, Wunsch; ājyam – geklärte Butter als Opferstoff; manyuḥ – Zorn, heftiger Unmut; paśuḥ – Tier, hier Opfertier; tapaḥ – Tapas, geistige Glut oder Übung; agniḥ – Feuer; damaḥ – Selbstbeherrschung; śamayitā – der Besänftigende; rituell derjenige, der das Opfertier tötet; dānam – Geben, Gabe; dakṣiṇā – Opfervergütung, Gabe an die Mitwirkenden.

Erläuterung: Die Passage überträgt die Bestandteile eines äußeren Opfers auf das Leben des Wissenden. Als „Opfertier“ wird ausdrücklich der Zorn bezeichnet. Dānam steht in der gedruckten Ausgabe in Ergänzungsklammern und in der verglichenen elektronischen Fassung ohne Klammern; es wird hier aufgenommen und als Ergänzung des Drucktextes ausgewiesen.

80.1.2 – Die inneren Opferpriester
vāg ghotā prāṇa udgātā cakṣur adhvaryur mano brahmā śrotram agnīt || 80.1.2 ||

Übersetzung: Die Rede ist der Hotri; der Lebenshauch ist der Udgatri; das Auge ist der Adhvaryu; der Geist ist der Brahman-Priester; das Gehör ist der Agnidh.

Wort-für-Wort-Erläuterung: vāk – Rede; vor hotā als vāg; hotā – Hotri, der die Hymnen rezitierende Priester; im Sandhi ghotā; prāṇaḥ – Lebenshauch; udgātā – Udgatri, der Saman-Gesänge singende Priester; cakṣuḥ – Auge, Sehkraft; adhvaryuḥ – Adhvaryu, der die Opferhandlungen ausführende Priester; manaḥ – Geist; brahmā – Brahman-Priester, der das Opfer überwacht; hier eine Priesterfunktion; śrotram – Gehör; agnīt – Agnidh, der für das Feuer zuständige Priester.

80.1.3 – Lebensdauer, Essen und Trinken
yāvad dhriyate sā dīkṣā yad aśnāti tad dhavir yat pibati tad asya somapānam || 80.1.3 ||

Übersetzung: Solange er am Leben erhalten wird, dauert seine Weihe. Was er isst, ist seine Opfergabe; was er trinkt, ist sein Somatrinken.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yāvat – solange, so lange wie; dhriyate – er wird erhalten, bleibt bestehen; – das, jene; dīkṣā – Weihe, vorbereitende rituelle Verpflichtung; yat – was; aśnāti – er isst; tat – das; haviḥ – Opfergabe, Opferstoff; yat – was; pibati – er trinkt; tat – das; asya – sein, für ihn; soma-pānam – Somatrinken: soma, Soma; pāna, Trinken.

80.1.4 – Freude und Bewegung
yad ramate tad upasado yat sañcaraty upaviśaty uttiṣṭhate ca sa pravargyaḥ || 80.1.4 ||

Übersetzung: Wenn er sich freut, sind das seine Upasad-Riten. Wenn er umhergeht, sich setzt und aufsteht, ist das sein Pravargya.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yat – was, wenn; ramate – er erfreut sich; tat – das; upasadaḥ – Upasad-Riten, vorbereitende Feiern des Somaopfers; yat – was, wenn; sañcarati – er geht umher, bewegt sich; upaviśati – er setzt sich; uttiṣṭhate – er steht auf; ca – und; saḥ – das, jener; pravargyaḥ – Pravargya, rituelle Bereitung einer heißen Milchgabe im Umfeld des Somaopfers.

80.1.5 – Mund, Rede und Erkenntnis
yan mukhaṃ tad āhavanīyo yā vyāhṛtir āhutir yad asya vijñānaṃ taj juhoti || 80.1.5 ||

Übersetzung: Sein Mund ist das Ahavaniya-Feuer; seine Äußerung ist die Opferdarbringung. Was seine Erkenntnis ist, das bringt er als Opfer dar.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yat – was, welches; mukham – Mund; tat – das; āhavanīyaḥ – Ahavaniya, das Feuer zur Aufnahme der Opfergaben; – welche; vyāhṛtiḥ – Äußerung, ausgesprochene Rede; āhutiḥ – Opferdarbringung, Eingießen der Gabe; yat – was; asya – sein, von ihm; vijñānam – Erkenntnis, bewusstes Wissen; tat – das; juhoti – er opfert, bringt dar.

Erläuterung: Vyāhṛti bezeichnet hier die Äußerung im Allgemeinen; eine Beschränkung auf die drei Weltensilben bhūr, bhuvaḥ und suvar wird im Satz nicht ausgesprochen.

80.1.6 – Mahlzeiten und Tageszeiten
yat sāyaṃ prātar atti tat samidhaṃ yat prātar madhyandinaṃ sāyaṃ ca tāni savanāni || 80.1.6 ||

Übersetzung: Was er abends und morgens isst, ist seine Brennstoffgabe. Morgen, Mittag und Abend sind seine drei Soma-Pressungen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yat – was; sāyam – am Abend; prātaḥ – am Morgen; atti – er isst; tat – das; samidham – Brennstoffgabe, das Einlegen von Brennholz; besondere Textform; yat – was, die betreffenden Zeiten; prātaḥ – Morgen; madhyandinam – Mittag; sāyam – Abend; ca – und; tāni – diese; savanāni – Soma-Pressungen; die drei täglichen Pressungen des Somaopfers.

Erläuterung: Die Zahl drei wird durch die drei genannten Tageszeiten ausgedrückt und im Deutschen zur Verdeutlichung ergänzt.

80.1.7 – Tage und Monate
ye ahorātre te darśapūrṇamāsau ye ’rdhamāsāś ca māsāś ca te cāturmāsyāni || 80.1.7 ||

Übersetzung: Tag und Nacht sind seine Neu- und Vollmondopfer. Die Halbmonate und die Monate sind seine Viermonatsfeiern.

Wort-für-Wort-Erläuterung: ye – die beiden, welche; Dual; ahaḥ-rātre – Tag und Nacht: ahaḥ, Tag; rātri, Nacht; te – diese beiden; darśa-pūrṇamāsau – Neu- und Vollmondopfer: darśa, Neumondfeier; pūrṇamāsa, Vollmondfeier; ye – welche, die; ardha-māsāḥ – Halbmonate: ardha, halb; māsa, Monat; ca – und; māsāḥ – Monate; ca – und; te – diese; cāturmāsyāni – Viermonatsfeiern, saisonale Opferfeiern; von catur, vier, und māsa, Monat.

80.1.8 – Jahreszeiten und Jahreskreise
ya ṛtavas te paśubandhā ye saṃvatsarāś ca parivatsarāś ca te ’hargaṇāḥ || 80.1.8 ||

Übersetzung: Die Jahreszeiten sind seine Tieropfer. Die Jahre und die weiterlaufenden Jahreskreise sind seine Reihen von Opfertagen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: ye – welche; vor ṛtavaḥ als ya; ṛtavaḥ – Jahreszeiten; te – diese; paśu-bandhāḥ – Tieropfer, wörtlich Tierbindungen: paśu, Tier; bandha, Binden; ye – welche, die; saṃvatsarāḥ – Jahre; ca – und; parivatsarāḥ – Jahreskreise, umlaufende Jahre; auch eine besondere Jahresbezeichnung im vedischen Kalender; ca – und; te – diese; ahaḥ-gaṇāḥ – Reihen von Tagen, hier mehrtägige Opferfolgen: ahaḥ, Tag; gaṇa, Gruppe oder Reihe.

80.1.9 – Das ganze Leben als Opfersitzung
sarvavedasaṃ vā etat satraṃ yan maraṇaṃ tad avabhṛtha etad vai jarāmaryam agnihotraṃ satram || 80.1.9 ||

Übersetzung: Dies ist wahrlich eine Opfersitzung, bei der der gesamte Besitz eingesetzt wird. Der Tod ist das abschließende Bad. Dies ist gewiss das bis zum Tod im Alter dauernde Agnihotra, eine fortgesetzte Opfersitzung.

Wort-für-Wort-Erläuterung: sarva-vedasam – mit dem gesamten Besitz ausgestattet, den gesamten Besitz einsetzend: sarva, ganz; vedas, Besitz oder Vermögen; vai – wahrlich; vor etat als vā; etat – dies; satram – Sattra, zusammenhängende oder lange Opfersitzung; yat – was; maraṇam – Tod, Sterben; tat – das; avabhṛthaḥ – abschließendes rituelles Bad; etat – dies; vai – gewiss; jarā-maryam – bis zum Tod im Alter dauernd: jarā, Alter; marya, mit dem Sterben verbunden oder dadurch begrenzt; agni-hotram – Agnihotra, Feueropfer; satram – fortgesetzte Opfersitzung.

Erläuterung: Sarvavedasa bezieht sich auf den gesamten Besitz; vedas bedeutet in diesem Ausdruck nicht einfach „die Veden“. Der Tod wird als Ende des Lebensopfers beschrieben, nicht als herbeizuführende Opferhandlung.

80.1.10 – Der nördliche Sonnenlauf
ya evaṃ vidvān udagayane pramīyate devānām eva mahimānaṃ gatvādityasya sāyujyaṃ gacchati || 80.1.10 ||

Übersetzung: Wer dies so weiß und während des nördlichen Sonnenlaufs stirbt, gelangt zur Größe der Götter und erreicht die Gemeinschaft mit der Sonne.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yaḥ – wer; evam – so; vidvān – wissend, dies wissend; udag-ayane – während des nördlichen Sonnenlaufs: udak, nach Norden; ayana, Lauf oder Weg; pramīyate – er stirbt; devānām – der Götter; eva – eben, gerade; mahimānam – Größe, Machtbereich; gatvā – gelangt seiend, nachdem er gelangt ist; ādityasya – der Sonne, mit der Sonne; sāyujyam – Verbundensein, Gemeinschaft, Vereinigung; gacchati – er geht, gelangt, erreicht.

80.1.11 – Der südliche Sonnenlauf
atha yo dakṣiṇe pramīyate pitṝṇām eva mahimānaṃ gatvā candramasaḥ sāyujyaṃ gacchati || 80.1.11 ||

Übersetzung: Wer hingegen während des südlichen Sonnenlaufs stirbt, gelangt zur Größe der Vorfahren und erreicht die Gemeinschaft mit dem Mond.

Wort-für-Wort-Erläuterung: atha – und nun, hingegen; yaḥ – wer; dakṣiṇe – im südlichen; der Sonnenlauf wird aus dem vorherigen Satz ergänzt; pramīyate – er stirbt; pitṝṇām – der Väter, der Vorfahren; eva – eben, gerade; mahimānam – Größe, Machtbereich; gatvā – gelangt seiend; candramasaḥ – des Mondes, mit dem Mond; sāyujyam – Verbundensein, Gemeinschaft, Vereinigung; gacchati – er erreicht, gelangt.

80.1.12 – Die Größe Brahmans
etau vai sūryācandramasor mahimānau brāhmaṇo vidvān abhijayati tasmād brahmaṇo mahimānam āpnoti tasmād brahmaṇo mahimānam ity upaniṣat || 80.1.12 ||

Übersetzung: Diese beiden Machtbereiche von Sonne und Mond erlangt der wissende Brahmane. Von dort aus erlangt er die Größe Brahmans. Deshalb: die Größe Brahmans – so lautet die Upanishad.

Wort-für-Wort-Erläuterung: etau – diese beiden; vai – gewiss; sūryā-candramasoḥ – von Sonne und Mond: sūrya, Sonne; candramas, Mond; Genitiv Dual; mahimānau – die beiden Größen, Machtbereiche; brāhmaṇaḥ – Brahmane, hier der im heiligen Wissen Kundige; vidvān – wissend; abhijayati – er gewinnt, erlangt, erringt; tasmāt – von dort, daraus, deshalb; brahmaṇaḥ – Brahmans; mahimānam – Größe, Erhabenheit; āpnoti – er erlangt; tasmāt – deshalb; brahmaṇaḥ – Brahmans; mahimānam – Größe; iti – so; upaniṣat – Upanishad, vertrauliche Lehre.

Erläuterung: Die gedruckte Ausgabe enthält vor der Schlusswiederholung ausdrücklich tasmād brahmaṇo mahimānam āpnoti. Dieser Satz fehlt in der verglichenen SanskritDocuments-Fassung; er ist hier vollständig aufgenommen. Die kosmologischen Aussagen werden als Lehre des Textes wiedergegeben.

Schlussgebet 1 – Dank für Schutz beim Lernen
oṃ śaṃ no mitraḥ śaṃ varuṇaḥ | śaṃ no bhavatv aryamā | śaṃ na indro bṛhaspatiḥ | śaṃ no viṣṇur urukramaḥ | namo brahmaṇe | namas te vāyo | tvam eva pratyakṣaṃ brahmāsi | tvām eva pratyakṣaṃ brahmāvādiṣam | ṛtam avādiṣam | satyam avādiṣam | tan mām āvīt | tad vaktāram āvīt | āvīn mām | āvīd vaktāram | oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

Übersetzung: Om. Mitra sei uns zum Heil, Varuna sei uns zum Heil. Aryaman sei uns zum Heil. Indra und Brihaspati seien uns zum Heil. Vishnu mit den weiten Schritten sei uns zum Heil. Verneigung vor Brahman. Verneigung vor dir, Vayu. Du allein bist das unmittelbar wahrnehmbare Brahman. Dich allein habe ich als das unmittelbar wahrnehmbare Brahman ausgesprochen. Das Rechte habe ich gesprochen; die Wahrheit habe ich gesprochen. Es hat mich geschützt; es hat den Lehrenden geschützt. Es hat mich geschützt; es hat den Lehrenden geschützt. Om. Frieden, Frieden, Frieden.

Wort-für-Wort-Erläuterung: oṃ – Om; śam – Heil, Wohlergehen; naḥ – uns; mitraḥ – Mitra; śam – Heil; varuṇaḥ – Varuna; śam – Heil; naḥ – uns; bhavatu – es sei, er möge sein; aryamā – Aryaman; śam – Heil; naḥ – uns; vor indra als na; indraḥ – Indra; bṛhaspatiḥ – Brihaspati; śam – Heil; naḥ – uns; viṣṇuḥ – Vishnu; uru-kramaḥ – weit schreitend: uru, weit; krama, Schritt; namaḥ – Verneigung; brahmaṇe – vor Brahman, dem Brahman; namaḥ – Verneigung; te – dir; vāyo – o Vayu; tvam – du; eva – allein, eben; pratyakṣam – unmittelbar wahrnehmbar, vor Augen; brahma – Brahman; asi – du bist; tvām – dich; eva – allein, eben; pratyakṣam – unmittelbar wahrnehmbar; brahma – Brahman; avādiṣam – ich habe ausgesprochen; Aorist; ṛtam – das Rechte, die wahre Ordnung; avādiṣam – ich habe gesprochen; satyam – Wahrheit; avādiṣam – ich habe gesprochen; tat – es, jenes; mām – mich; āvīt – es schützte, hat geschützt; tat – es; vaktāram – den Sprecher, den Lehrenden; āvīt – es hat geschützt; āvīt – es hat geschützt; vor mām als āvīn; mām – mich; āvīt – es hat geschützt; vor vaktāram als āvīd; vaktāram – den Sprecher, den Lehrenden; oṃ – Om; śāntiḥ – Frieden; śāntiḥ – Frieden; śāntiḥ – Frieden.

Erläuterung: Dieses Gebet steht im rituellen Schlussrahmen der elektronischen Fassung. Die Vergangenheitsformen avādiṣam und āvīt sind wichtig: Es handelt sich um den Dank nach dem Lernen, nicht um die sonst geläufige Eröffnungsfassung mit „ich werde sprechen“ und „möge schützen“.

Schlussgebet 2 – Gemeinsames Lernen in Frieden
oṃ saha nāv avatu | saha nau bhunaktu | saha vīryaṃ karavāvahai | tejasvi nāv adhītam astu | mā vidviṣāvahai | oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

Übersetzung: Om. Es schütze uns beide gemeinsam. Es nähre uns beide gemeinsam. Gemeinsam wollen wir kraftvoll wirken. Unser beider Studium sei von Klarheit erfüllt. Mögen wir einander nicht hassen. Om. Frieden, Frieden, Frieden.

Wort-für-Wort-Erläuterung: oṃ – Om; saha – gemeinsam; nau – uns beide; vor avatu als nāv; avatu – es möge schützen; saha – gemeinsam; nau – uns beide; bhunaktu – es möge nähren, erhalten, teilhaben lassen; saha – gemeinsam; vīryam – Kraft, Tatkraft; karavāvahai – wir beide wollen vollbringen; erste Person Dual; tejasvi – glänzend, von Klarheit und Kraft erfüllt; nau – unser beider; vor adhītam als nāv; adhītam – das Studierte, Studium oder Gelerntes; astu – es sei; – nicht; vidviṣāvahai – wir beide mögen einander hassen; mit mā: mögen wir einander nicht hassen; oṃ – Om; śāntiḥ – Frieden; śāntiḥ – Frieden; śāntiḥ – Frieden.

Kolophon – Abschlussformel
iti mahānārāyaṇopaniṣat samāptā ||

Übersetzung: So ist die Mahanarayana-Upanishad abgeschlossen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: iti – so, hiermit; mahā-nārāyaṇa-upaniṣat – Mahanarayana-Upanishad: mahā, groß; nārāyaṇa, Narayana; upaniṣat, vertrauliche Lehre; samāptā – abgeschlossen, zu Ende gebracht.

Erläuterung: Das Kolophon ist die überlieferte Abschlussformel des Textes.

Datierung, Inhalt und Bedeutung

Mehrere geschichtliche Schichten

Die Mahanarayana Upanishad besitzt keinen überlieferten historischen Verfasser, dessen Lebensdaten die gesamte Sammlung datieren könnten. Ihr Material ist geschichtet: Manche Strophen sind bereits in älteren vedischen Samhitas belegt; andere Abschnitte ordnen Gebete für bestimmte rituelle Handlungen an; wieder andere entfalten eine Lehre über die höchste Wirklichkeit und über Entsagung. Das Alter eines aufgenommenen Mantras ist daher vom Alter seiner Einordnung in diese Sammlung zu unterscheiden. Jean Varennes Ausgabe weist die vedischen Parallelstellen und die Varianten der Überlieferung einzeln nach. Jean Varenne: La Mahā Nārāyaṇa Upaniṣad, 1960.

Ein konkretes Beispiel ist Anuvaka 76: Das Gebet an Agni entspricht Rigveda 2.1.1. Seine Verwendung innerhalb der Mahanarayana Upanishad beweist die Aufnahme älteren Hymnenmaterials; sie datiert nicht automatisch die gesamte Anordnung der 80 Anuvakas. Ebenso lässt sich aus der vedischen Sprache der Formeln kein einheitliches Entstehungsjahr sämtlicher Prosalehren ableiten.

Für die ausgearbeitete theistische Gestalt ist auch eine Datierung um den Beginn unserer Zeitrechnung vorgeschlagen worden. Vishwa Adluri berichtet in seiner wissenschaftlichen Einleitung zum Narayaniya ausdrücklich, dass Doris Meth Srinivasan die Mahanarayana Upanishad ungefähr in das 1. Jahrhundert n. Chr. setzt. Diese Einordnung ist eine Forschungsposition, kein allgemein gesichertes Datum für jede Einzelstrophe. Vishwa Adluri: Introduction to the Nārāyaṇīya, Abschnitt „Origins and Composition“.

Für eine sachgerechte Datierung müssen deshalb mindestens vier Ebenen auseinandergehalten werden: ältere vedische Vorlagen, die Zusammenstellung der Upanishad, die Ausbildung unterschiedlicher Rezensionen und die viel später erhaltenen Handschriften beziehungsweise Drucke. Das Erscheinungsjahr einer Ausgabe belegt deren Veröffentlichung. Ein innerhalb der Überlieferung genannter göttlicher Lehrer ist Teil der religiösen Darstellung und kein datierbarer historischer Autor.

Rezensionen und die Grenze der Abschnittszählung

Die Überlieferung kennt Fassungen mit unterschiedlicher Anuvaka-Zahl. Eine 64-teilige Fassung und die hier zugrunde gelegte 80-teilige Fassung lassen sich daher nicht einfach anhand gleicher Abschnittsnummern miteinander vergleichen. Auch Varennes fortlaufende Teilverszählung ist nicht mit der hier verwendeten Anuvaka-Zählung identisch. Für jedes Zitat sind deshalb Ausgabe, Rezension und Zählsystem mitanzugeben.

Der Quellenvergleich der Schlussabschnitte zeigt die praktische Bedeutung dieser Sorgfalt. In der verglichenen SanskritDocuments-Datei springt die Zählung von 69 zu 71: Die fünf Formeln des Anuvaka 70 fehlen tatsächlich. Im vorliegenden Text sind sie aus dem Druck übernommen. In 77 wird subhūtena me saṃtiṣṭhasva mitberücksichtigt; in 79.12 ist das zweite manasā ergänzt; in 80.1 wird der im Druck vorhandene Satz über das Erlangen der Größe Brahmans vor der Schlusswiederholung erhalten. Diese Entscheidungen sind keine freien Ergänzungen nach vermutetem Sinn, sondern quellenbezogene Übernahmen.

Anuvaka 68: die umfassende Gegenwart

Die wiederholte Silbe Om verbindet unterschiedliche Bezeichnungen: Brahman, Vayu, Atman, Wahrheit und das All. Der folgende Abschnitt nennt Opfer, Opferausruf und mehrere Gottheiten in einer Reihe. Die Aussage „du bist“ stellt die einzelnen Namen in einen gemeinsamen Horizont. Die Formel kann deshalb sowohl als Gebet an das Göttliche als auch als Betrachtung einer alle Gestalten umfassenden Wirklichkeit gelesen werden.

Bemerkenswert ist das Nebeneinander von Indra, Rudra, Vishnu und Prajapati. Der Text beschränkt sich an dieser Stelle nicht auf eine ausschließende Verehrung einer einzelnen Gestalt. Seine Sprache eröffnet eine Verbindung zwischen persönlichen Gottesnamen und der umfassenden Wirklichkeit Brahmans. Welche systematische Deutung daraus folgt, wird in den späteren Vedanta-Schulen unterschiedlich ausgearbeitet.

Anuvakas 69–72: Nahrung, Lebenskräfte und Leib

Die Nahrung wird als Gabe an die fünf Lebenskräfte verstanden: Prana, Apana, Vyana, Udana und Samana. Die Wiederholung der Formeln hat eine rituelle Funktion. Sie erhält ihren Sinn gerade dadurch, dass jede Lebenskraft ausdrücklich angesprochen wird. Eine einzige zusammenfassende Übersetzung würde diesen Vollzug unsichtbar machen.

Die kurzen Wasserformeln sprechen von Unterlage und Bedeckung des Unsterblichen. Es folgen die Bitten um Stärkung und um das Wohlergehen der Glieder. Mund, Nase, Augen, Ohren, Arme und Schenkel werden einzeln genannt. Der Körper erscheint hier als Träger des Lebens und der Praxis. Der Begriff „Unsterbliches“ innerhalb der Nahrungsformeln bedeutet keine empirische Zusicherung körperlicher Unsterblichkeit; er gehört zur sakralen Deutung der Gabe.

Anuvakas 73–77: Licht, Schutz und Abschluss

Die Seher bitten um das Entfernen der Dunkelheit und um Befreiung aus Bindung. Die Anrufung Rudras als Knoten der Lebenskräfte verbindet Schutz und innere Gegenwart. Danach folgen die Verneigung vor Rudra und Vishnu, der Hymnus an Agnis vielfältige Geburt und eine mehrfach wiederholte Bitte um einen heilvollen Abschluss.

Die Bilder sind konkret: Dunkelheit soll weichen, das Sehen soll erfüllt werden und Bindung soll sich lösen. Eine spirituelle Deutung kann sie auf Avidya, Viveka und Moksha beziehen. In der Übersetzung bleiben zuerst die ausgesprochenen Bilder erhalten; die weiterführende philosophische Deutung steht in der Erläuterung.

Anuvakas 78–79: Was ist das Höchste?

Die beiden Abschnitte führen Wahrhaftigkeit, Tapas, Selbstbeherrschung, innere Ruhe, Geben, Dharma, Fortpflanzung, Opferfeuer, Agnihotra, Opfer, geistige Sammlung und Entsagung auf. Die wiederkehrende Frage betrifft die höchste Lebensausrichtung. Die Antwortfolge würdigt unterschiedliche religiöse und soziale Lebensformen. Sie kulminiert in Nyasa, dem Niederlegen oder Loslassen.

Diese Struktur lässt sich nicht angemessen als beliebige Liste von Tugenden lesen. Die Wiederholung zeigt vielmehr, wie jede Haltung von ihren Vertretern als entscheidend angesehen wird. Die Entsagung beansprucht schließlich einen Vorrang. Für die Auslegung ist daher zu fragen, ob die äußere Lebensform des Sannyasa, das Aufgeben des Besitzanspruchs auf Handlungen oder beides gemeint ist. Die unterschiedlichen traditionellen Deutungen müssen am jeweiligen Zusammenhang geprüft werden.

Eine besonders ausführliche Reihe verbindet Sonne, Regen, Pflanzen, Nahrung, Lebenskräfte und Erkenntnis. Geistiges Leben wird dadurch mit materiellen Lebensbedingungen verbunden. Wer Nahrung gibt, unterstützt nach der Aussage des Textes auch die Möglichkeiten von Kraft, Vertrauen, Besinnung und Erkenntnis. Die Passage kann eine Verbindung von Jnana Yoga und Karma Yoga anregen, ohne dass die späteren Schulbegriffe dem Sanskrittext nachträglich als eigene Wörter zugeschrieben werden.

Anuvaka 80: die Verinnerlichung des Opfers

Das ganze Leben des Wissenden wird mit einem Opfer verglichen. Das Selbst übernimmt die Stelle des Opferherrn; Vertrauen die seiner Gattin; der Körper die des Brennstoffs; Rede, Atem, Sehen, Geist und Hören werden den Priestern zugeordnet. Mahlzeiten, Tageszeiten, Monate, Jahreszeiten und Jahre bilden die zeitliche Ordnung des Lebensopfers.

Besonders eindrücklich ist die Zuordnung des Zorns zum Opfertier und der Selbstbeherrschung zum Schlachtenden. Sie lenkt die Opferhandlung auf eine innere Veränderung. Der Text verlangt in diesem Bild, den Zorn hinzugeben; er benennt ihn ausdrücklich. Auch die genaue Unterscheidung der Priester ist wesentlich: Der Brahman-Priester ist eine rituelle Funktion und darf an dieser Stelle nicht einfach mit dem unpersönlichen Brahman gleichgesetzt werden.

Der Schluss spricht von den Wegen zur Sonne und zum Mond und vom Erlangen der Größe Brahmans. Diese Aussagen gehören zur religiösen Kosmologie der Upanishad. Eine heutige Beschäftigung kann zugleich die existenzielle Frage aufnehmen: Wie verändert sich das tägliche Handeln, wenn das Leben als bewusste Gabe verstanden wird?

Die Reinigungs- und Opferformeln 60–67

Die Anuvakas 60–66 verbinden Sühne, Selbsterforschung und rituelle Reinigung. Die Formeln zu Kama und Manyu unterscheiden das Selbst von Begehren und Zorn als antreibenden Kräften; die folgenden Sesamopfer nennen Wohlstand, Schuld, Körperglieder, Lebensströme, Sinnesqualitäten und die fünf Hüllen. Ihre Sprache stammt aus einem konkreten Opfer- und Entsagungsritual. Sie ist deshalb zunächst historisch zu verstehen, bevor einzelne Motive in eine heutige Praxis übertragen werden.

Anuvaka 67 erweitert die Perspektive durch eine Folge kurzer Gaben an Gottheiten, kosmische Bereiche, Ahnen, Menschen und andere Wesen. Die abschließenden Bitten um unerschöpfliche Nahrung und um Gedeihen stellen Versorgung nicht als isolierten Privatbesitz dar: Nahrung wird rituell geteilt und in einen Zusammenhang aller Lebensformen gestellt.

Gebete um Einsicht und Bewahrung des Lebens, 44–59

Die Anuvakas 44–59 führen von Bitten um Einsicht und geistige Kraft zu Gebeten gegen den Tod. Wiederholt werden nicht nur die eigene Lebensdauer, sondern auch Eltern, Kinder, Nachkommen, Herden und die körperliche Unversehrtheit angesprochen. Die einzelnen Anrufungen gelten unterschiedlichen Gottheiten. Ihre Zusammenstellung macht den Charakter einer Sammlung älterer Mantras erkennbar; sie bildet keinen lückenlos fortschreitenden philosophischen Dialog.

Das bekannte Mahamrityunjaya Mantra in 56 verbindet die Bitte um Befreiung vom Tod mit dem Bild einer Frucht, die sich aus ihrer Bindung löst. Die folgenden Formeln sprechen von den Schlingen des Todes und von der rituellen Abwendung von Schuld. Die kultische Aussage des Sanskrit und eine heutige meditative Aneignung sollten dabei jeweils als solche benannt werden.

Gayatri, Trisuparna und Medha, 31–43

Die Gebete in 31–32 betrachten Verfehlungen des Tages und der Nacht und schließen mit einer symbolischen Darbringung des eigenen Selbst. Die folgenden Gayatri-Abschnitte verbinden die heilige Silbe Om, die sieben Weltanrufungen und den Savitri-Vers mit rituellen Zuordnungen. Gerade die Zuordnungssätze zeigen sprachliche Unebenheiten und unterschiedliche Überlieferungsschichten; ihre Anmerkungen sind deshalb Teil der Textdarstellung.

Die drei Trisuparna-Gruppen in 38–40 führen Bitten um Brahman, Süße und Einsicht mit älteren kosmischen und rituellen Bildern zusammen. Jede Gruppe endet mit einer eigenen Wirkungsverheißung. Die Medha-Gebete in 41–43 stellen geistige Aufnahmefähigkeit, verständige Rede und Gedeihen in den Mittelpunkt. Ihre Bildsprache verbindet Lernen mit Nahrung, Milch, Duft, Licht und dem Wohlwollen einer Göttin.

Rudra, Agni, Erde und Wasser, 17–30

Die Panchabrahma-Mantras in 17–21 rufen Sadyojata, Vamadeva, Aghora, Tatpurusha und Ishana an. Die traditionelle Verehrung verbindet sie mit den fünf Gesichtern Shivas. Weitere Rudra-Formeln entfalten die Beziehung von göttlicher Person, höchstem Brahman und der Gesamtheit der Wesen. Der Wechsel zwischen Namen, Bildern und philosophischen Aussagen ist charakteristisch für diese Sammlung.

Anuvaka 26 nennt die hölzerne Opferkelle des Agnihotra. Anuvaka 27 verweist durch Anfangswörter auf fünf Agni-Verse; sie sind hier vollständig als einzeln erläuterte Verse hinzugefügt. Diese Schutzmantras verwenden eine ausgeprägte Kampf- und Feuerbildsprache. Die anschließenden Texte wenden sich Aditi als Erde und Mutter der Wesen sowie dem Wasser als umfassendem Lebens- und Reinigungsgrund zu. Ihre konkreten rituellen Zusammenhänge werden in der Übersetzung ausdrücklich benannt.

Kosmologie, Gebet und Übung, 1–11

Der lange erste Anuvaka eröffnet mit einer Kosmologie des einen, unvergänglichen Grundes. Prajapati ist größer als das Große und zugleich im Embryo gegenwärtig. Feuer, Wind, Sonne, Mond, Wasser, Zeit und Geschöpfe werden nicht als voneinander unabhängige letzte Wirklichkeiten dargestellt, sondern auf denselben Grund bezogen. 1.10–1.11 begrenzen zugleich jede gegenständliche Vorstellung: Diese Wirklichkeit lässt sich räumlich nicht umfassen und mit dem Auge nicht sehen; sie wird im gesammelten Herzen erkannt.

Die in der benutzten Zusammenstellung ausgeschriebenen Uttaranarayana- und Hiranyagarbha-Hymnen verbinden diese Lehre mit älteren vedischen Schöpfungs- und Sonnengebeten. Ihre eigene Zählung darf nicht in die 70 Mantras des ersten Anuvaka eingerechnet werden. Die anschließenden Mantras 1.19–1.70 führen von Gebeten um Einsicht und Schutz über mehrere Gottheiten-Gayatris zu Reinigungsformeln für Erde und Wasser. Gerade dieses Nebeneinander zeigt den Sammlungscharakter des Textes.

Anuvaka 2 ist das Durga Sukta. Das wiederholte Bild des Hinüberfahrens verbindet äußere Gefahr, moralisches Übel und spirituelle Befreiung. Die kurzen Anuvakas 3–7 ordnen Weltbereiche, Gottheiten und Opferformeln; 8–9 bitten um Kraft des Lernens und Bewahrung des Gehörten. Anuvaka 10 erklärt Wahrheit, Hören, Selbstbeherrschung, Geben und Opfer zu Formen des Tapas. Anuvaka 11 vergleicht die Fernwirkung einer guten Tat mit dem Duft eines blühenden Baumes und mahnt zu derselben Achtsamkeit wie beim Gang über eine Schwertschneide.

Das innere Selbst, Narayana und die Sonnenmeditation, 12–16

Anuvaka 12 versammelt Aussagen über das Selbst im Herzen, kosmische Ursprünge, vedische Opferbilder und Befreiung durch Loslassen. Mehrere Strophen haben Parallelen in anderen Upanishaden oder im Rigveda; ihre jeweilige Lesart und Stellung sind deshalb von einer pauschalen Zuordnung zu nur einer philosophischen Schule zu unterscheiden. Die Lehre vom kleinen Raum im Herzlotus führt in die anschließende Narayana-Meditation.

Der Narayana-Hymnus in 13 verbindet Aussagen über das All mit einem nach innen gerichteten Meditationsbild: Herzlotus, Hohlraum, Feuer, feine Flammenspitze und das darin gegenwärtige höchste Selbst. Die Gleichsetzungen mit Brahma, Shiva, Hari und Indra stehen innerhalb dieses Textzusammenhangs. Die Beschreibung ist als religiöses Meditationsbild zu lesen. Anuvakas 14–15 betrachten Sonne und vedische Lehre als zusammengehörig; Anuvaka 16 geht zu den Anrufungen des Shiva Linga über.

Bedeutung heute

Die Schlussabschnitte verbinden Erkenntnis mit Ernährung, Sprache, Verantwortung und Zeit. Sie eignen sich deshalb für ein Svadhyaya, das die Alltagspraxis einbezieht. Vor einer Mahlzeit kann die Erinnerung an die vielen Bedingungen der Nahrung Dankbarkeit fördern. Beim Sprechen kann die Frage nach Satya helfen, Genauigkeit und Wahrhaftigkeit zu üben. Beim Handeln kann das Motiv des Loslassens den Anspruch abschwächen, jede Wirkung für das eigene Ich vereinnahmen zu müssen.

Das Studium verlangt zugleich Aufmerksamkeit gegenüber historischen Unterschieden. Die Bewertung von Nachkommenschaft, Fasten und Opferfeuern gehört zu bestimmten vedischen Lebensformen. Aus ihrer Aufnahme in eine Upanishad folgt nicht, dass heutige Aspiranten jede Einzelpraxis unverändert übernehmen müssten. Die Empfehlungen unten stellen deshalb ausdrücklich heutige Anwendungen dar. Sie sind vom übersetzten Wortlaut der alten Lehre unterscheidbar.

Die Sanskritfassung ohne Akzente dient dem Lesen und Verstehen. Für eine traditionelle vedische Rezitation sind zusätzlich Akzentüberlieferung, Aussprache und Unterweisung erforderlich. Eine moderne musikalische Vertonung kann eine meditative Annäherung sein, belegt aber nicht von sich aus die historische Rezitationsweise.

Devanagari: Anuvakas 1–80 und Schlussformeln

१.१
अम्भस्यपारे भुवनस्य मध्ये नाकस्य पृष्ठे महतो महीयान् । शुक्रेण ज्योतींषि समनुप्रविष्टः प्रजापतिश्चरति गर्भे अन्तः ॥ १.१ ॥

१.२
यस्मिन्निदं सं च वि चैति सर्वं यस्मिन् देवा अधि विश्वे निषेदुः । तदेव भूतं तदु भव्यमा इदं तदक्षरे परमे व्योमन् ॥ १.२ ॥

१.३
येनावृतं खं च दिवं मही च येनादित्यस्तपति तेजसा भ्राजसा च । यमन्तः समुद्रे कवयो वयन्ति यदक्षरे परमे प्रजाः ॥ १.३ ॥

१.४
यतः प्रसूता जगतः प्रसूती तोयेन जीवान् व्यचसर्ज भूम्याम् । यदोषधीभिः पुरुषान् पशूंश्च विवेश भूतानि चराचराणि ॥ १.४ ॥

१.५
अतः परं नान्यदणीयसं हि परात्परं यन्महतो महान्तम् । यदेकमव्यक्तमनन्तरूपं विश्वं पुराणं तमसः परस्तात् ॥ १.५ ॥

१.६
तदेवर्तं तदु सत्यमाहुस्तदेव ब्रह्म परमं कवीनाम् । इष्टापूर्तं बहुधा जातं जायमानं विश्वं बिभर्ति भुवनस्य नाभिः ॥ १.६ ॥

१.७
तदेवाग्निस्तद्वायुस्तत्सूर्यस्तदु चन्द्रमाः । तदेव शुक्रममृतं तद्ब्रह्म तदापः स प्रजापतिः ॥ १.७ ॥

१.८
सर्वे निमेषा जज्ञिरे विद्युतः पुरुषादधि । कला मुहूर्ताः काष्ठाश्चाहोरात्राश्च सर्वशः ॥ १.८ ॥

१.९
अर्धमासा मासा ऋतवः संवत्सरश्च कल्पन्ताम् । स आपः प्रदुधे उभे इमे अन्तरिक्षमथो सुवः ॥ १.९ ॥

१.१०
नैनमूर्ध्वं न तिर्यञ्चं न मध्ये परिजग्रभत् । न तस्येशे कश्चन तस्य नाम महद्यशः ॥ १.१० ॥

१.११
न संदृशे तिष्ठति रूपमस्य न चक्षुषा पश्यति कश्चनैनम् । हृदा मनीशा मनसाभिक्लृप्तो य एनं विदुरमृतास्ते भवन्ति ॥ १.११ ॥

१.पूरक१.१
अद्भ्यः सम्भूतः पृथिव्यौ रसाच्च विश्वकर्मणः समवर्तताधि । तस्य त्वष्टा विदधद्रूपमेति तत्पुरुषस्य विश्वमाजानमग्रे ॥ १.पूरक१.१ ॥

१.पूरक१.२
वेदाहमेतं पुरुषं महान्तं आदित्यवर्णं तमसः परस्तात् । तमेवं विद्वानमृत इह भवति नान्यः पन्थाविद्यतेऽयनाय ॥ १.पूरक१.२ ॥

१.पूरक१.३
प्रजापतिश्चरति गर्भे अन्तः अजायमानो बहुथा विजायते । तस्य धीराः परिजानन्ति योनिम् मरीचीनां पदमिच्छन्ति वेधसः ॥ १.पूरक१.३ ॥

१.पूरक१.४
यो देवेभ्य आतपति यो देवानां पुरोहितः । पूर्वो यो देवेभ्यो जातः नमो रुचाय ब्राह्मये ॥ १.पूरक१.४ ॥

१.पूरक१.५
रुचं ब्राह्मं जनयन्तः देवा अग्रे तदब्रुवन् । यस्त्वैवं ब्राह्मणो विद्यात् तस्य देवा असन् वशे ॥ १.पूरक१.५ ॥

१.पूरक१.६
ह्रीश्च ते लक्ष्मीश्च पत्न्यौ अहोरात्रे पार्श्वे नक्षत्राणि रूपम् । अश्विनौ व्यात्तम् इष्टं मनिषाण अमुं मनिषाण सर्वं मनिषाण ॥ १.पूरक१.६ ॥

१.पूरक२.१
हिरण्यगर्भः समवर्तताग्रे भूतस्य जातः पतिरेक आसीत् । स दाधार पृथिवीं द्यामुतेमां कस्मै देवाय हविषा विधेम ॥ १.पूरक२.१ ॥

१.पूरक२.२
यः प्राणतो निमिषतो महित्वैक इद्राजा जगतो बभूव । य ईशे अस्य द्विपदश्चतुष्पदः कस्मै देवाय हविषा विधेम ॥ १.पूरक२.२ ॥

१.पूरक२.३
य आत्मदा बलंदा यस्य विश्व उपासते प्रशिषं यस्य देवाः । यस्य छायामृतं यस्य मृत्युः कस्मै देवाय हविषा विधेम ॥ १.पूरक२.३ ॥

१.पूरक२.४
यस्येमे हिमवन्तो महित्वा यस्य समुद्रं रसया सहाहुः । यस्येमाः प्रदिशो यस्य बाहू कस्मै देवाय हविषा विधेम ॥ १.पूरक२.४ ॥

१.पूरक२.५
यं क्रन्दसी अवसा तस्तभाने अस्यैक्षेतां मनसा रेजमाने । यत्राधि सूर उदितौ व्येति कस्मै देवाय हविषा विधेम ॥ १.पूरक२.५ ॥

१.पूरक२.६
येन द्यौरुग्रा पृथिवी च दृढे येन सुवः स्तभितं येन नाकः । यो अन्तरिक्षे रजसो विमानः कस्मै देवाय हविषा विधेम ॥ १.पूरक२.६ ॥

१.पूरक२.७
आपो ह यन्महतीर्विश्वमायं दक्षं दधाना जनयन्तीरग्निम् । ततो देवानां निरवर्ततासुरेकः कस्मै देवाय हविषा विधेम ॥ १.पूरक२.७ ॥

१.पूरक२.८
यश्चिदापो महिना पर्यपश्यद्दक्षं दधाना जनयन्तीरग्निम् । यो देवेश्वधि देव एक कस्मै देवाय हविषा विधेम ॥ १.पूरक२.८ ॥

१.१२
एष हि देवः प्रदिशोऽनु सर्वाः पूर्वो हि जातः स उ गर्भे अन्तः । स विजायमानः स जनिष्यमाणः प्रत्यङ्मुखास्तिष्ठति विश्वतोमुखः ॥ १.१२ ॥

१.१३
विश्वतश्चक्षुरुत विश्वतो मुखो विश्वतो हस्त उत विश्वतस्पात् । सं बाहुभ्यां नमति सं पतत्रैर्द्यावापृथिवी जनयन् देव एकः ॥ १.१३ ॥

१.१४
वेनस्तत् पश्यन् विश्वा भुवनानि विद्वान् यत्र विश्वं भवत्येकनीडम् । यस्मिन्निदंसं च वि चैकंस ओतः प्रोतश्च विभुः प्रजासु ॥ १.१४ ॥

१.१५
प्र तद्वोचे अमृतं नु विद्वान् गन्धर्वो नाम निहितं गुहासु । त्रीणि पदा निहिता गुहासु यस्तद्वेद सवितुः पिता सत् ॥ १.१५ ॥

१.१६
स नो बन्धुर्जनिता स विधाता धामानि वेद भुवनानि विश्वा । यत्र देवा अमृतमानशानास्तृतीये धामान्यभ्यैरयन्त ॥ १.१६ ॥

१.१७
परि द्यावापृथिवी यन्ति सद्यः परि लोकान् परि दिशः परि सुवः । ऋतस्य तन्तुं विततं विचृत्य तदपश्यत् तदभवत् प्रजासु ॥ १.१७ ॥

१.१८
परीत्य लोकान् परीत्य भूतानि परीत्य सर्वाः प्रदिशो दिशश्च । प्रजापतिः प्रथमजा ऋतस्यात्मनात्मानमभिसम्बभूव ॥ १.१८ ॥

१.१९
सदसस्पतिमद्भुतं प्रियमिन्द्रस्य काम्यम् । सनिं मेधामयासिषम् ॥ १.१९ ॥

१.२०
उद्दीप्यस्व जातवेदोऽपघ्नन्निऋतिं मम । पशूंश्च मह्यममावह जीवनं च दिशो दिश ॥ १.२० ॥

१.२१
मा नो हिंसीज्जातवेदो गामश्वं पुरुषं जगत् । अबिभ्रदग्न आगहि श्रिया मा परिपातय ॥ १.२१ ॥

१.२२
पुरुषस्य विद्महे सहस्राक्षस्य महादेवस्य धीमहि । तन्नो रुद्रः प्रचोदयात् ॥ १.२२ ॥

१.२३
तत्पुरुषाय विद्महे महादेवाय धीमहि । तन्नो रुद्रः प्रचोदयात् ॥ १.२३ ॥

१.२४
तत्पुरुषाय विद्महे वक्रतुण्डाय धीमहि । तन्नो दन्तिः प्रचोदयात् ॥ १.२४ ॥

१.२५
तत्पुरुषाय विद्महे चक्रतुण्डाय धीमहि । तन्नो नन्दिः प्रचोदयात् ॥ १.२५ ॥

१.२६
तत्पुरुषाय विद्महे महासेनाय धीमहि । तन्नः षण्मुखः प्रचोदयात् ॥ १.२६ ॥

१.२७
तत्पुरुषाय विद्महे सुवर्णपक्षाय धीमहि । तन्नो गरुडः प्रचोदयात् ॥ १.२७ ॥

१.२८
वेदात्मनाय विद्महे हिरण्यगर्भाय धीमहि । तन्नो ब्रह्म प्रचोदयात् ॥ १.२८ ॥

१.२९
नारायणाय विद्महे वासुदेवाय धीमहि । तन्नो विष्णुः प्रचोदयात् ॥ १.२९ ॥

१.३०
वज्रनखाय विद्महे तीक्ष्णदंष्ट्राय धीमहि । तन्नो नारसिंहः प्रचोदयात् ॥ १.३० ॥

१.३१
भास्कराय विद्महे महद्द्युतिकराय धीमहि । तन्नो आदित्य्यः प्रचोदयात् ॥ १.३१ ॥

१.३२
वैश्वानरय विद्महे लालीलाय धीमहि । तन्नो अग्निः प्रचोदयात् ॥ १.३२ ॥

१.३३
कात्यायनाय विद्महे कन्याकुमारि धीमहि । तन्नो दुर्गिः प्रचोदयात् ॥ १.३३ ॥

१.३४
सहस्रपरमा देवी शतमूला शताङ्कुरा । सर्वंहरतु मे पापं दूर्वा दुःस्वप्ननाशिनी ॥ १.३४ ॥

१.३५
काण्डात् काण्डात् प्ररोहन्ती परुषः परुषः परि । एवा नो दूर्वे प्रतनु सहस्रेण शतेन च ॥ १.३५ ॥

१.३६
या शतेन प्रतनोषि सहस्रेण विरोहसि । तस्यास्ते देवीष्टके विधेम हविषा वयम् ॥ १.३६ ॥

१.३७
अश्वक्रान्ते रथक्रान्ते विष्णुक्रान्ते वसुन्धरा । शिरसा धारयिष्यामि रक्षस्व मां पदे पदे ॥ १.३७ ॥

१.३८
भूमिर्धेनुर्धरणी लोकधारिणी । उद्धृतासि वराहेण कृष्णेन शतबाहुना ॥ १.३८ ॥

१.३९
मृत्तिके हन पापं यन्मया दुष्कृतं कृतम् । मृत्तिके ब्रह्मदत्तासि काश्यपेनाभिमन्त्रिता । मृत्तिके देहि मे पुष्टिं त्वयि सर्वं प्रतिष्ठितम् ॥ १.३९ ॥

१.४०
मृत्तिके प्रतिष्ठिते सर्वं तन्मे निर्णुद मृत्तिके । त्वया हतेन पापेन गच्छामि परमां गतिम् ॥ १.४० ॥

१.४१
यत इन्द्र भयामहे ततो नो अभयं कृधि । मघवञ्छग्धि तव तन्न ऊतये विद्विषो विमृधो जहि ॥ १.४१ ॥

१.४२
स्वस्तिदा विशस्पतिर्वृत्रहा विमृधो वशी । वृषेन्द्रः पुर एतु नः स्वस्तिदा अभयङ्करः ॥ १.४२ ॥

१.४३
स्वस्ति न इन्द्रो वृद्धश्रवाः स्वस्ति नः पूषा विश्ववेदाः । स्वस्ति नस्तार्क्ष्यो अरिष्टनेमिः स्वस्ति नो बृहस्पतिर्दधातु ॥ १.४३ ॥

१.४४
आपान्तमन्युस्तृपलप्रभर्मा धुनिः शिमीवाञ्छरुमांऋजीषी । सोमो विश्वान्यतसावनानि नार्वागिन्द्रं प्रतिमानानि देभुः ॥ १.४४ ॥

१.४५
ब्रह्मजज्ञानं प्रथमं पुरस्ताद्वि सीमतः सुरुचो वेन आवः । स बुध्निया उपमा अस्य विष्ठाः सतश्च योनिमसतश्च विवः ॥ १.४५ ॥

१.४६
स्योना पृथिवि भवान् नृक्षरा निवेशनी । यच्छा नः शर्म सप्रथाः ॥ १.४६ ॥

१.४७
गन्धद्वारां दुराधर्षां नित्यपुष्टां करीषिणीम् । ईश्वरीं सर्वभूतानां तामिहोपह्वये श्रियम् ॥ १.४७ ॥

१.४८
श्रीर्मे भजतु अलक्ष्मीर्मे नश्यतु । विष्णुमुखा वै देवाश्छन्दोभिरिमांल्लोकाननपजय्यमभ्यजयन् । महां इन्द्रो वज्रबाहुः षोडशी शर्म यच्छतु ॥ १.४८ ॥

१.४९
स्वस्ति नो मघवा करोतु । हन्तु पाप्मानं योऽस्मान् द्वेष्टि ॥ १.४९ ॥

१.५०
सोमानं स्वरणं कृणुहि ब्रह्मणस्पते कक्षीवन्तं य औशिजम् । शरीरं यज्ञशमलं कुसीदं तस्मिन्त्सीदतु योऽस्मान् द्वेष्टि ॥ १.५० ॥

१.५१
चरणं पवित्रं विततं पुराणं येन पूतस्तरति दुष्कृतानि । तेन पवित्रेण शुद्धेन पूता अति पाप्मानमरातिं तरेम ॥ १.५१ ॥

१.५२
सजोषा इन्द्र सगणो मरुद्भिः सोमं पिब वृत्रहञ्छूर विद्वान् । जहि शत्रूंरप मृधो नुदस्वाथाभयं कृणुहि विश्वतो नः ॥ १.५२ ॥

१.५३
सुमित्रा न आप ओषधयः सन्तु । दुर्मित्रास्तस्मै भूयासुर्योऽस्मान् द्वेष्टि यं च वयं द्विष्मः ॥ १.५३ ॥

१.५४
आपो हि ष्ठा मयोभुवस्ता न ऊर्जे दधातन । महे रणाय चक्षसे । यो वः शिवतमो रसस्तस्य भाजयतेऽह नः । उशतीरिव मातरः । तस्मा अरं गमाम वो यस्य क्षयाय जिन्वथ । आपो जनयथा च नः ॥ १.५४ ॥

१.५५
हिरण्यशृङ्गं वरुणं प्रपद्ये तीर्थ मे देहि याचितः । यन्मया भुक्तमसाधूनां पापेभ्यश्च प्रतिग्रहः ॥ १.५५ ॥

१.५६
यन्मे मनसा वाचा कर्मणा वा दुष्कृतं कृतम् । तन्न इन्द्रो वरुणो बृहस्पतिः सविता च पुनन्तु पुनः पुनः ॥ १.५६ ॥

१.५७
नमोऽग्नयेऽप्सुमते नम इन्द्राय नमो वरुणाय नमो वारुण्यै नमोऽद्भ्यः ॥ १.५७ ॥

१.५८
यदपां क्रूरं यदमेध्यं यदशान्तं तदपगच्छतात् ॥ १.५८ ॥

१.५९
अत्याशनादतीपानाद् यच्च उग्रात् प्रतिग्रहात् । तन्मे वरुणो राजा पाणिना ह्यवमर्शतु ॥ १.५९ ॥

१.६०
सोऽहमपापो विरजो निर्मुक्तो मुक्तकिल्बिषः । नाकस्य पृष्ठमारुह्य गच्छेद्ब्रह्मसलोकताम् ॥ १.६० ॥

१.६१
यश्चाप्सु वरुणः स पुनात्वघमर्षणः ॥ १.६१ ॥

१.६२
इमं मे गङ्गे यमुने सरस्वति शुतुद्रि स्तोमं सचता परुष्णिया । असिक्निय मरुद्वृधे वितस्तयार्जीकीये शृणुह्या सुषोमया ॥ १.६२ ॥

१.६३
ऋतं च सत्यं चाभीद्धात्तपसोऽध्यजायत । ततो रात्रिरजायत ततः समुद्रो अर्णवः ॥ १.६३ ॥

१.६४
समुद्रादर्णवादधि संवत्सरो अजायत । अहोरात्राणि विदधद्विश्वस्य मिषतो वशी ॥ १.६४ ॥

१.६५
सूर्याचन्द्रमसौ धाता यथापूर्वमकल्पयत् । दिवं च पृथिवीं चान्तरिक्षमथो सुवः ॥ १.६५ ॥

१.६६
यत्पृथिव्यां रजः स्वमान्तरिक्षे विरोदसी । इमांस्तदापो वरुणः पुनात्वघमर्षणः ॥ पुनन्तु वसवः पुनातु वरुणः पुनात्वघमर्षणः । एष भूतस्य मध्ये भुवनस्य गोप्ता ॥ एष पुण्यकृतां लोकानेष मृत्योर्हिरण्मयम् । द्यावापृथिव्योर्हिरण्मयं संश्रितं सुवः । स नः सुवः संशिशाधि ॥ १.६६ ॥

१.६७
आर्द्रं ज्वलतिज्योतिरहमस्मि । ज्योतिर्ज्वलति ब्रह्माहमस्मि । योऽहमस्मि ब्रह्माहमस्मि । अहमस्मि ब्रह्माहमस्मि । अहमेवाहं मां जुहोमि स्वाहा ॥ १.६७ ॥

१.६८
अकार्यवकीर्णी स्तेनो भ्रूणहा गुरुतल्पगः । वरुणोऽपामघमर्षणस्तस्मात् पापात् प्रमुच्यते ॥ १.६८ ॥

१.६९
रजोभूमिस्त्व मां रोदयस्व प्रवदन्ति धीराः ॥ १.६९ ॥

१.७०
आक्रान्त्समुद्रः प्रथमे विधर्मञ्जनयन्प्रजा भुवनस्य राजा । वृषा पवित्रे अधि सानो अव्ये बृहत्सोमो वावृधे सुवान इन्दुः ॥ १.७० ॥

२.१
जातवेदसे सुनवाम सोममरातीयतो निदहाति वेदः । स नः पर्षदति दुर्गाणि विश्वा नावेव सिन्धुं दुरितात्यग्निः ॥ २.१ ॥

२.२
तामग्निवर्णां तपसा ज्वलन्तीं वैरोचनीं कर्मफलेषु जुष्टाम् । दुर्गां देवीं शरणमहं प्रपद्ये सुतरसि तरसे नमः ॥ २.२ ॥

२.३
अग्ने त्वं पारया नव्यो अस्मान् स्वस्तिभिरति दुर्गाणि विश्वा । पूश्च पृथ्वी बहुला न उर्वी भवा तोकाय तनयाय शंयोः ॥ २.३ ॥

२.४
विश्वानि नो दुर्गहा जातवेदः सिन्धुं न नावा दुरितातिपर्षि । अग्ने अत्रिवन्मनसा गृणानोऽस्माकं बोध्यविता तनूनाम् ॥ २.४ ॥

२.५
पृतनाजितं सहमानमुग्रमग्निं हुवेम परमात्सधस्थात् । स नः पर्षदति दुर्गाणि विश्वा क्षामद्देवो अति दुरितात्यग्निः ॥ २.५ ॥

२.६
प्रत्नोषि कमीड्यो अध्वरेषु सनाच्च होता नव्यश्च सत्सि । स्वां चाग्ने तनुवं पिप्रयस्वास्मभ्यं च सौभगमायजस्व ॥ २.६ ॥

२.७
गोभिर्जुष्टमयुजो निषिक्तं तवेन्द्र विष्णोरनुसंचरेम । नाकस्य पृष्ठमभि संवसानो वैष्णवीं लोक इह मादयन्ताम् ॥ २.७ ॥

३.१
भूरन्नमग्नये पृथिव्यै स्वाहा भुवोऽन्नं वायवेऽन्तरिक्षाय स्वाहा सुवरन्नमादित्याय दिवे स्वाहा भूर्भुवस्सुवरन्नं चन्द्रमसे दिग्भ्यः स्वाहा नमो देवेभ्यः स्वधा पितृभ्यो भूर्भुवः सुवरन्नमोम् ॥ ३.१ ॥

४.१
भूरग्नये पृथिव्यै स्वाहा भुवो वायवेऽन्तरिक्षाय स्वाहा सुवरादित्याय दिवे स्वाहा भूर्भुवस्सुवश्चन्द्रमसे दिग्भ्यः स्वाहा नमो देवेभ्यः स्वधा पितृभ्यो भूर्भुवःसुवरग्न ओम् ॥ ४.१ ॥

५.१
भूरग्नये च पृथिव्यै च महुते च स्वाहा भुवो वायवे चान्तरिक्षाय च महते च स्वाहा सुवरादित्याय च दिवे च महते च स्वाहा भूर्भुवस्सुवश्चन्द्रमसे च नक्षत्रेभ्यश्च दिग्भ्यश्च महते च स्वाहा नमो देवेभ्यः स्वधा पितृभ्यो भूर्भुवः सुवर्महरोम् ॥ ५.१ ॥

६.१
पाहि नो अग्न एनसे स्वाहा पाहि नो विश्ववेदसे स्वाहा यज्ञं पाहि विभावसो स्वाहा सर्वं पाहि शतक्रतो स्वाहा ॥ ६.१ ॥

७.१
पाहि नो अग्न एकया पाह्युत द्वितीयया पाह्यूर्ज तृतीयया पाहि गीर्भिश्चतसृभिर्वसो स्वाहा ॥ ७.१ ॥

८.१
यश्छन्दसामृषभो विश्वरूपश्छन्दोभ्यश्चन्दांस्याविवेश । सतांशिक्यः प्रोवाचोपनिषदिन्द्रो ज्येष्ठ इन्द्रियाय ऋषिभ्यो नमो देवेभ्यः स्वधा पितृभ्यो भूर्भुवस्सुवश्छन्द ओम् ॥ ८.१ ॥

९.१
नमो ब्रह्मणे धारणं मे अस्त्वनिराकरणं धारयिता भूयासं कर्णयोः श्रुतं मा च्योढं ममामुष्य ओम् ॥ ९.१ ॥

१०.१
ऋतं तपः सत्यं तपः श्रुतं तपः शान्तं तपो दमस्तपः शमस्तपो दानं तपो यज्ञं तपो भूर्भुवः सुवर्ब्रह्मैतदुपास्वैतत्तपः ॥ १०.१ ॥

११.१
यथा वृक्षस्य सम्पुष्पितस्य दूराद्गन्धो वात्येवं पुण्यस्य कर्मणो दूराद्गन्धो वाति यथासिधारां कर्तेऽवहितमवक्रामे यद्युवे युवे हवा विह्वयिष्यामि कर्तं पतिष्यामीत्येवममृतादात्मानं जुगुप्सेत् ॥ ११.१ ॥

१२.१
अणोरणीयान् महतो महीयानात्मा गुहायां निहितोऽस्य जन्तोः । तमक्रतुं पश्यति वीतशोको धातुः प्रसादान्महिमानमीशम् ॥ १२.१ ॥

१२.२
सप्त प्राणा प्रभवन्ति तस्मात् सप्तार्चिषः समिधः सप्त जिह्वाः । सप्त इमे लोका येषु चरन्ति प्राणा गुहाशयान्निहिताः सप्त सप्त ॥ १२.२ ॥

१२.३
अतः समुद्रा गिरयश्च सर्वेऽस्मात्स्यन्दन्ते सिन्धवः सर्वरूपाः । अतश्च विश्वा ओषधयो रसाश्च येनैष भूतस्तिष्ठत्यन्तरात्मा ॥ १२.३ ॥

१२.४
ब्रह्मा देवानां पदवीः कवीनामृषिर्विप्राणां महिषो मृगाणाम् । श्येनो गृध्राणांस्वधितिर्वनानांसोमः पवित्रमत्येति रेभन् ॥ १२.४ ॥

१२.५
अजामेकां लोहितशुक्लकृष्णां बह्वीं प्रजां जनयन्तीं सरूपाम् । अजो ह्येको जुषमाणोऽनुशेते जहात्येनां भुक्तभोगामजोऽन्यः ॥ १२.५ ॥

१२.६
हंसः शुचिषद्वसुरन्तरिक्षसद्धोता वेदिषदतिथिर्दुरोणसत् । नृषद्वरसदृतसद्व्योमसदब्जा गोजा ऋतजा अद्रिजा ऋतं बृहत् ॥ १२.६ ॥

१२.६क
यस्माज्जाता न परा नैव किंचनास य आविवेश भुवनानि विश्वा । प्रजापतिः प्रजया संविदानस्त्रीणि ज्योतींषि सचते स षोडशी ॥ १२.६क ॥

१२.६ख
विधर्तारं हवामहे वसोः कुविद्वनाति नः । सवितारं नृचक्षसम् ॥ १२.६ख ॥

१२.७
घृतं मिमिक्षिरे घृतमस्य योनिर्घृते श्रितो घृतमुवस्य धाम । अनुष्वधमावह मादयस्व स्वाहाकृतं वृषभ वक्षि हव्यम् ॥ १२.७ ॥

१२.८
समुद्रादूर्मिर्मधुमां उदारदुपांशुना सममृतत्वमानट् । घृतस्य नाम गुह्यं यदस्ति जिह्वा देवानाममृतस्य नाभिः ॥ १२.८ ॥

१२.९
वयं नाम प्रब्रवामा घृतेनास्मिन् यज्ञे धारयामा नमोभिः । उप ब्रह्मा श‍ृणवच्छस्यमानं चतुःश‍ृङ्गोऽवमीद्गौर एतत् ॥ १२.९ ॥

१२.१०
चत्वारि श‍ृङ्गा त्रयो अस्य पादा द्वेशीर्षे सप्त हस्तासो अस्य । त्रिधा बद्धो वृषभो रोरवीति महो देवो मर्त्यां आविवेश ॥ १२.१० ॥

१२.११
त्रिधा हितं पणिभिर्गुह्यमानं गवि देवासो घृतमन्वविन्दन् । इन्द्र एकं सूर्य एकं जजान वेनादेकं स्वधया निष्टतक्षुः ॥ १२.११ ॥

१२.१२
यो देवानां प्रथमं पुरस्ताद्विश्वाधिको रुद्रो महर्षिः । हिरण्यगर्भं पश्यत जायमानं स नो देवः शुभयास्मृत्या संयुनक्तु ॥ १२.१२ ॥

१२.१३
यस्मात्परं नापरमस्ति किञ्चित् यस्मान्नाणीयो न ज्यायोऽस्ति कश्चित् । वृक्ष इव स्तब्धो दिवि तिष्ठत्येकस्तेनेदं पूर्णं पुरुषेण सर्वम् ॥ १२.१३ ॥

१२.१४
न कर्मणा न प्रजया धनेन त्यागेनैके अमृतत्वमानशुः । परेण नाकं निहितं गुहायां बिभ्राजते यद्यतयो विशन्ति ॥ १२.१४ ॥

१२.१५
वेदान्तविज्ञानविनिश्चितार्थाः संन्यासयोगाद्यतयः शुद्धसत्त्वाः । ते ब्रह्मलोके तु परान्तकाले परामृताः परिमुच्यन्ति सर्वे ॥ १२.१५ ॥

१२.१६
दह्रं विपापं वरवेश्मभूतं यत् पुण्डरीकं पुरमध्यसंस्थम् । तत्रापि दह्रे गगनं विशोकं तस्मिन् यदन्तस्तदुपासितव्यम् ॥ १२.१६ ॥

१२.१७
यो वेदादौ स्वरः प्रोक्तो वेदान्ते च प्रतिष्ठितः । तस्य प्रकृतिलीनस्य यः परः स महेश्वरः ॥ १२.१७ ॥

१३.१
सहस्रशीर्षं देवं विश्वाक्षं विश्वशम्भुवम् । विश्वं नारायणं देवमक्षरं परमं प्रभुम् ॥ १३.१ ॥

१३.२
विश्वतः परमं नित्यं विश्वं नारायणं हरिम् । विश्वमेवेदं पुरुषस्तद्विश्वमुपजीवति ॥ १३.२ ॥

१३.३
पतिं विश्वस्यात्मेश्वरं शाश्वतं शिवमच्युतम् । नारायणं महाज्ञेयं विश्वात्मानं परायणम् ॥ १३.३ ॥

१३.४
नारायणः परं ब्रह्म तत्त्वं नारायणः परः । नारायणः परो ज्योतिरात्मा नारायणः परः ॥ १३.४ ॥

१३.५.१
नारायणः परो ध्याता ध्यानं नारायणः परः ॥ १३.५.१ ॥

१३.५.२
यच्च किञ्चिज्जगत्यस्मिन् दृश्यते श्रूयतेऽपि वा । अन्तर्बहिश्च तत्सर्वं व्याप्य नारायणः स्थितः ॥ १३.५.२ ॥

१३.६
अनन्तमव्ययं कविं समुद्रेऽन्तं विश्वशम्भुवम् । पद्मकोशप्रतीकाशं हृदयं चाप्यधोमुखम् ॥ १३.६ ॥

१३.७
अधो निष्ट्या वितस्त्यान्ते नाभ्यामुपरि तिष्ठति । हृदयं तद्विजानीयाद्विश्वस्यायतनं महत् ॥ १३.७ ॥

१३.८
सन्ततं सिराभिस्तु लम्बत्याकोशसन्निभम् । तस्यान्ते सुषिरं सूक्ष्मं तस्मिन्त्सर्वं प्रतिष्ठितम् ॥ १३.८ ॥

१३.९
तस्य मध्ये महानग्निर्विश्वार्चिर्विश्वतोमुखः । सोऽग्रभुग्विभजन्तिष्ठन्नाहारमजरः कविः ॥ १३.९ ॥

१३.१०.१
तिर्यगूर्ध्वमधःशायी रश्मयस्तस्य सन्तताः । सन्तापयति स्वं देहमापादतलमस्तकम् ॥ १३.१०.१ ॥

१३.१०.२
तस्य मध्ये वह्निशिखा अणीयोर्ध्वा व्यवस्थिता ॥ १३.१०.२ ॥

१३.११
नीलतोयदमध्यस्था विद्युल्लेखेव भास्वरा । नीवारशूकवत्तन्वी पीता भास्वत्यणूपमा ॥ १३.११ ॥

१३.१२
तस्याः शिखाया मध्ये परमात्मा व्यवस्थितः । स ब्रह्मा स शिवः स हरिः सेन्द्रः सोऽक्षरः परमः स्वराट् ॥ १३.१२ ॥

१४.१
आदित्यो वा एष एतन्मण्डलं तपति तत्र ता ऋचस्तदृचा मण्डलं स ऋचां लोकोऽथ य एष एतस्मिन्मण्डलेऽर्चिर्दीप्यते तानि सामानि स साम्नां लोकोऽथ य एष एतस्मिन्मण्डलेऽर्चिषि पुरुषस्तानि यजूंषि स यजुषा मण्डलं स यजुषां लोकः सैषा त्रय्येव विद्या तपति य एषोऽन्तरादित्ये हिरण्मयः पुरुषः ॥ १४.१ ॥

१५.१.१
आदित्यो वै तेज ओजो बलं यशश्चक्षुः श्रोत्रमात्मा मनो मन्युर्मनुर्मृत्युः सत्यो मित्रो वायुराकाशः प्राणो लोकपालः कः किं कं तत्सत्यमन्नममृतो जीवो विश्वः कतमः स्वयम्भु ब्रह्मैतदमृत एष पुरुष एष भूतानामधिपतिः ॥ १५.१.१ ॥

१५.१.२
ब्रह्मणः सायुज्यं सलोकतामाप्नोत्येतासामेव देवतानां सायुज्यं सार्ष्टितां समानलोकतामाप्नोति य एवं वेदेत्युपनिषत् ॥ १५.१.२ ॥

१५.२
घृणिः सूर्य आदित्योमर्चयन्ति तपः सत्यं मधु क्षरन्ति तद्ब्रह्म तदाप आपो ज्योती रसोऽमृतं ब्रह्म भूर्भुवः सुवरोम् ॥ १५.२ ॥

१६.१.१
निधनपतये नमः ॥ १६.१.१ ॥

१६.१.२
निधनपतान्तिकाय नमः ॥ १६.१.२ ॥

१६.१.३
ऊर्ध्वाय नमः ॥ १६.१.३ ॥

१६.१.४
ऊर्ध्वलिङ्गाय नमः ॥ १६.१.४ ॥

१६.१.५
हिरण्याय नमः ॥ १६.१.५ ॥

१६.१.६
हिरण्यलिङ्गाय नमः ॥ १६.१.६ ॥

१६.१.७
सुवर्णाय नमः ॥ १६.१.७ ॥

१६.१.८
सुवर्णलिङ्गाय नमः ॥ १६.१.८ ॥

१६.१.९
दिव्याय नमः ॥ १६.१.९ ॥

१६.१.१०
दिव्यलिङ्गाय नमः ॥ १६.१.१० ॥

१६.१.११
भवाय नमः ॥ १६.१.११ ॥

१६.१.१२
भवलिङ्गाय नमः ॥ १६.१.१२ ॥

१६.१.१३
शर्वाय नमः ॥ १६.१.१३ ॥

१६.१.१४
शर्वलिङ्गाय नमः ॥ १६.१.१४ ॥

१६.१.१५
शिवाय नमः ॥ १६.१.१५ ॥

१६.१.१६
शिवलिङ्गाय नमः ॥ १६.१.१६ ॥

१६.१.१७
ज्वलाय नमः ॥ १६.१.१७ ॥

१६.१.१८
ज्वललिङ्गाय नमः ॥ १६.१.१८ ॥

१६.१.१९
आत्माय नमः ॥ १६.१.१९ ॥

१६.१.२०
आत्मलिङ्गाय नमः ॥ १६.१.२० ॥

१६.१.२१
परमाय नमः ॥ १६.१.२१ ॥

१६.१.२२
परमलिङ्गाय नमः ॥ १६.१.२२ ॥

१६.१.२३
एतत्सोमस्य सूर्यस्य सर्वलिङ्गं स्थापयति पाणिमन्त्रं पवित्रम् ॥ १६.१.२३ ॥

१७.१
सद्योजातं प्रपद्यामि सद्योजाताय वै नमो नमः । भवे भवे नातिभवे भवस्व माम् । भवोद्भवाय नमः ॥ १७.१ ॥

१८.१.१
वामदेवाय नमः ॥ १८.१.१ ॥

१८.१.२
ज्येष्ठाय नमः ॥ १८.१.२ ॥

१८.१.३
श्रेष्ठाय नमः ॥ १८.१.३ ॥

१८.१.४
रुद्राय नमः ॥ १८.१.४ ॥

१८.१.५
कालाय नमः ॥ १८.१.५ ॥

१८.१.६
कलविकरणाय नमः ॥ १८.१.६ ॥

१८.१.७
बलविकरणाय नमः ॥ १८.१.७ ॥

१८.१.८
बलाय नमः ॥ १८.१.८ ॥

१८.१.९
बलप्रमथनाय नमः ॥ १८.१.९ ॥

१८.१.१०
सर्वभूतदमनाय नमः ॥ १८.१.१० ॥

१८.१.११
मनोन्मनाय नमः ॥ १८.१.११ ॥

१९.१
अघोरेभ्योऽथ घोरेभ्यो घोरघोरतरेभ्यः । सर्वतः शर्व सर्वेभ्यो नमस्ते अस्तु रुद्ररूपेभ्यः ॥ १९.१ ॥

२०.१
तत्पुरुषाय विद्महे महादेवाय धीमहि । तन्नो रुद्रः प्रचोदयात् ॥ २०.१ ॥

२१.१
ईशानः सर्वविद्यानामीश्वरः सर्वभूतानां ब्रह्माधिपतिर्ब्रह्मणोऽधिपतिर्ब्रह्मा शिवो मे अस्तु सदाशिवोम् ॥ २१.१ ॥

२२.१
नमो हिरण्यबाहवे हिरण्यवर्णाय हिरण्यरूपाय हिरण्यपतये। अम्बिकापतय उमापतये पशुपतये नमो नमः ॥ २२.१ ॥

२३.१
ऋतं सत्यं परं ब्रह्म पुरुषं कृष्णपिङ्गलम् । ऊर्ध्वरेतं विरूपाक्षं विश्वरूपाय वै नमो नमः ॥ २३.१ ॥

२४.१
सर्वो वै रुद्रस्तस्मै रुद्राय नमो अस्तु । पुरुषो वै रुद्रः सन्महो नमो नमः । विश्वं भूतं भुवनं चित्रं बहुधा जातं जायमानं च यत् । सर्वो ह्येष रुद्रस्तस्मै रुद्राय नमो अस्तु ॥ २४.१ ॥

२५.१.१
कद्रुद्राय प्रचेतसे मीढुष्टमाय तव्यसे । वोचेम शंतमं हृदे ॥ २५.१.१ ॥

२५.१.२
सर्वो ह्येष रुद्रस्तस्मै रुद्राय नमो अस्तु ॥ २५.१.२ ॥

२६.१
यस्य वैकङ्कत्यग्निहोत्रहवणी भवति प्रत्येवास्याहुतयस्तिष्ठन्त्यथो प्रतिष्ठित्यै ॥ २६.१ ॥

२७.०
कृणुष्व पाज इति पञ्च ॥ २७.० ॥

२७.१
कृणुष्व पाजः प्रसितिं न पृथ्वीं याहि राजेवामवाँ इभेन । तृष्वीमनु प्रसितिं द्रूणानोऽस्तासि विध्य रक्षसस्तपिष्ठैः ॥ २७.१ ॥

२७.२
तव भ्रमास आशुया पतन्त्यनु स्पृश धृषता शोशुचानः । तपूंष्यग्ने जुह्वा पतङ्गानसन्दितो वि सृज विष्वगुल्काः ॥ २७.२ ॥

२७.३
प्रति स्पशो वि सृज तूर्णितमो भवा पायुर्विशो अस्या अदब्धः । यो नो दूरे अघशंसो यो अन्त्यग्ने माकिष्टे व्यथिरा दधर्षीत् ॥ २७.३ ॥

२७.४
उदग्ने तिष्ठ प्रत्या तनुष्व न्यमित्राँ ओषतात्तिग्महेते । यो नो अरातिं समिधान चक्रे नीचा तं धक्ष्यतसं न शुष्कम् ॥ २७.४ ॥

२७.५
ऊर्ध्वो भव प्रति विध्याध्यस्मदाविष्कृणुष्व दैव्यान्यग्ने । अव स्थिरा तनुहि यातुजूनां जामिमजामिं प्र मृणीहि शत्रून् ॥ २७.५ ॥

२८.१
अदितिर्देवा गन्धर्वा मनुष्याः पितरोऽसुरास्तेषां सर्वभूतानां माता मेदिनी महती मही सावित्री गायत्री जगत्युर्वी पृथ्वी बहुला विश्वा भूता कंतमा काया सा सत्येत्यमृतेति वासिष्ठः ॥ २८.१ ॥

२९.१
आपो वा इदं सर्वं विश्वा भूतान्यापः प्राणा वा आपः पशव आपोऽन्नमापोऽमृतमापः सम्राडापो विराडापः स्वराडापश्छन्दांस्यापो ज्योतींष्यापो यजूंष्यापः सत्यमापः सर्वा देवता आपो भूर्भुवः सुवराप ओम् ॥ २९.१ ॥

३०.१
आपः पुनन्तु पृथिवीं पृथिवी पूता पुनातु माम् । पुनन्तु ब्रह्मणस्पतिर्ब्रह्मपूता पुनातु माम् ॥ ३०.१ ॥

३०.२
यदुच्छिष्टमभोज्यं यद्वा दुश्चरितं मम । सर्वं पुनन्तु मामापोऽसतां च प्रतिग्रहं स्वाहा ॥ ३०.२ ॥

३१.१
अग्निश्च मा मन्युश्च मन्युपतयश्च मन्युकृतेभ्यः । पापेभ्यो रक्षन्ताम् । यदह्ना पापमकार्षम् । मनसा वाचा हस्ताभ्याम् । पद्भ्यामुदरेण शिश्ना । अहस्तदवलिम्पतु । यत्किञ्च दुरितं मयि । इदमहं माममृतयोनी । सत्ये ज्योतिषि जुहोमि स्वाहा ॥ ३१.१ ॥

३२.१
सूर्यश्च मा मन्युश्च मन्युपतयश्च मन्युकृतेभ्यः । पापेभ्यो रक्षन्ताम् । यद्रात्रिया पापमकार्षम् । मनसा वाचा हस्ताभ्याम् । पद्भ्यामुदरेण शिश्ना । रात्रिस्तदवलुम्पतु । यत्किञ्च दुरितं मयि । इदमहं माममृतयोनी । सूर्ये ज्योतिषि जुहोमि स्वाहा ॥ ३२.१ ॥

३३.१
ओमित्येकाक्षरं ब्रह्म । अग्निर्देवता ब्रह्म इत्यार्षम् । गायत्रं छन्दं परमात्मं सरूपम् । सायुज्यं विनियोगम् ॥ ३३.१ ॥

३४.१
आयातु वरदा देवी अक्षरं ब्रह्म संमितम् । गायत्री छन्दसां मातेदं ब्रह्म जुषस्व नः ॥ ३४.१ ॥

३४.२
यदह्नात्कुरुते पापं तदह्नात्प्रतिमुच्यते । यद्रात्रियात्कुरुते पापं तद्रात्रियात्प्रतिमुच्यते । सर्ववर्णे महादेवि सन्ध्याविद्ये सरस्वति ॥ ३४.२ ॥

३५.१.१
ओजोऽसि सहोऽसि बलमसि भ्राजोऽसि देवानां धाम नामासि विश्वमसि विश्वायुः सर्वमसि सर्वायुरभिभूरोम् ॥ ३५.१.१ ॥

३५.१.२
गायत्रीमावाहयामि सावित्रीमावाहयामि सरस्वतीमावाहयामि छन्दर्षीनावाहयामि श्रियमावाहयामि ॥ ३५.१.२ ॥

३५.१.३
गायत्रिया गायत्री छन्दो विश्वामित्र ऋषिः सविता देवताग्निर्मुखं ब्रह्मा शिरो विष्णुर्हृदयं रुद्रः शिखा पृथिवी योनिः प्राणापानव्यानोदानसमाना सप्राणा श्वेतवर्णा सांख्यायनसगोत्रा गायत्री चतुर्विंशत्यक्षरा त्रिपदा षट्कुक्षिः पञ्चशीर्षोपनयने विनियोगः ॥ ३५.१.३ ॥

३५.२.१
ॐ भूः ॥ ३५.२.१ ॥

३५.२.२
ॐ भुवः ॥ ३५.२.२ ॥

३५.२.३
ॐ सुवः ॥ ३५.२.३ ॥

३५.२.४
ॐ महः ॥ ३५.२.४ ॥

३५.२.५
ॐ जनः ॥ ३५.२.५ ॥

३५.२.६
ॐ तपः ॥ ३५.२.६ ॥

३५.२.७
ॐ सत्यम् ॥ ३५.२.७ ॥

३५.२.८
ॐ तत्सवितुर्वरेण्यं भर्गो देवस्य धीमहि । धियो यो नः प्रचोदयात् ॥ ३५.२.८ ॥

३५.२.९
ओमापो ज्योती रसोऽमृतं ब्रह्म भूर्भुवः सुवरोम् ॥ ३५.२.९ ॥

३६.१
उत्तमे शिखरे देवि जाते भूम्यां पर्वतमूर्धनि । ब्राह्मणेभ्योऽभ्यनुज्ञाता गच्छ देवि यथासुखम् ॥ ३६.१ ॥

३६.२
स्तुतो मया वरदा वेदमाता प्रचोदयन्ती पवने द्विजाता । आयुः पृथिव्यां द्रविणं ब्रह्मवर्चसं मह्यं दत्वा प्रजातुं ब्रह्मलोकम् ॥ ३६.२ ॥

३७.१
घृणिः सूर्य आदित्यो न प्रभा वात्यक्षरम् । मधु क्षरन्ति तद्रसम् । सत्यं वै तद्रसमापो ज्योती रसोऽमृतं ब्रह्म भूर्भुवः सुवरोम् ॥ ३७.१ ॥

३८.१.१
ब्रह्ममेतु माम् ॥ ३८.१.१ ॥

३८.१.२
मधुमेतु माम् ॥ ३८.१.२ ॥

३८.१.३
ब्रह्ममेव मधुमेतु माम् ॥ ३८.१.३ ॥

३८.१.४
यास्ते सोम प्रजा वत्सोऽभि सो अहम् । दुःष्वप्नहन् दुरुष्षह । यास्ते सोम प्राणांस्ताञ्जुहोमि ॥ ३८.१.४ ॥

३८.२
त्रिसुपर्णमयाचितं ब्राह्मणाय दद्यात् । ब्रह्महत्यां वा एते घ्नन्ति । ये ब्राह्मणास्त्रिसुपर्णं पठन्ति । ते सोमं प्राप्नुवन्ति । आ सहस्रात् पङ्क्तिं पुनन्ति । ॐ ॥ ३८.२ ॥

३९.१.१
ब्रह्म मेधया ॥ ३९.१.१ ॥

३९.१.२
मधु मेधया ॥ ३९.१.२ ॥

३९.१.३
ब्रह्ममेव मधुमेधया ॥ ३९.१.३ ॥

३९.२
अद्यानो देव सवितः प्रजावत्सावीः सौभगम् । परा दुःष्वप्नियं सुव ॥ ३९.२ ॥

३९.३
विश्वानि देव सवितर्दुरितानि परासुव । यद्भद्रं तन्मम आसुव ॥ ३९.३ ॥

३९.४
मधुवाता ऋतायते मधुक्षरन्ति सिन्धवः । माध्वीर्नः सन्त्वोषधीः ॥ ३९.४ ॥

३९.५
मधु नक्तमुतोषसि मधुमत्पार्थिवं रजः । मधुद्यौरस्तु नः पिता ॥ ३९.५ ॥

३९.६
मधुमान्नो वनस्पतिर्मधुमां अस्तु सूर्यः । माध्वीर्गावो भवन्तु नः ॥ ३९.६ ॥

३९.७
य इमं त्रिसुपर्णमयाचितं ब्राह्मणाय दद्यात् । भ्रूणहत्यां वा एते घ्नन्ति । ये ब्राह्मणास्त्रिसुपर्णं पठन्ति । ते सोमं प्राप्नुवन्ति । आ सहस्रात्पङ्क्तिं पुनन्ति । ॐ ॥ ३९.७ ॥

४०.१.१
ब्रह्म मेधवा ॥ ४०.१.१ ॥

४०.१.२
मधु मेधवा ॥ ४०.१.२ ॥

४०.१.३
ब्रह्ममेव मधु मेधवा ॥ ४०.१.३ ॥

४०.२
ब्रह्मा देवानां पदवीः कवीनामृषिर्विप्राणां महिषो मृगाणाम् । श्येनो गृद्धाणां स्वधितिर्वनानां सोमः पवित्रमत्येति रेभत् ॥ ४०.२ ॥

४०.३
हंसः शुचिषद्वसुरन्तरिक्षसद्धोता वेदिषदतिथिर्दुरोणसत् । नृषद्वरसदृतसद्व्योमसदब्जा गोजा ऋतजा अद्रिजा ऋतं बृहत् ॥ ४०.३ ॥

४०.४.१
ऋचे त्वा ॥ ४०.४.१ ॥

४०.४.२
ऋचे त्वा ॥ ४०.४.२ ॥

४०.४.३
समित्स्रवन्ति सरितो न धेनाः । अन्तर्हृदा मनसा पूयमानाः । घृतस्य धारा अभिचाकशीमि ॥ ४०.४.३ ॥

४०.५
हिरण्ययो वेतसो मध्य आसाम् । तस्मिन्त्सुपर्णो मधुकृत् कुलायी भजन्नास्ते मधु देवताभ्यः । तस्यासते हरयः सप्त तीरे स्वधां दुहाना अमृतस्य धाराम् ॥ ४०.५ ॥

४०.६
य इदं त्रिसुपर्णमयाचितं ब्राह्मणाय दद्यात् । वीरहत्यां वा एते घ्नन्ति । ये ब्राह्मणास्त्रिसुपर्णं पठन्ति । ते सोमं प्राप्नुवन्ति । आसहस्रात् पङ्क्तिं पुनन्ति । ॐ ॥ ४०.६ ॥

४१.१
मेधादेवी जुषमाणा न आगाद्विश्वाची भद्रा सुमनस्यमाना । त्वया जुष्टा जुषमाणा दुरुक्तान्बृहद्वदेम विदथे सुवीराः ॥ ४१.१ ॥

४१.२
त्वया जुष्ट ऋषिर्भवति देवि त्वया ब्रह्मागतश्रीरुत त्वया । त्वया जुष्टश्चित्रं विन्दते वसु सा नो जुषस्व द्रविणेन मेधे ॥ ४१.२ ॥

४२.१
मेधां म इन्द्रो ददातु मेधां देवी सरस्वती । मेधां मे अश्विनावुभावाधत्तां पुष्करस्रजौ ॥ ४२.१ ॥

४२.२
अप्सरासु च या मेधा गन्धर्वेषु च यन्मनः । दैवी मेधा सरस्वती सा मां मेधा सुरभिर्जुषतां स्वाहा ॥ ४२.२ ॥

४३.१
आ मां मेधा सुरभिर्विश्वरूपा हिरण्यवर्णा जगती जगम्या । ऊर्जस्वती पयसा पिन्वमाना सा मां मेधा सुप्रतीका जुषताम् ॥ ४३.१ ॥

४४.१.१
मयि मेधां मयि प्रजां मय्यग्निस्तेजो दधातु ॥ ४४.१.१ ॥

४४.१.२
मयि मेधां मयि प्रजां मयीन्द्र इन्द्रियं दधातु ॥ ४४.१.२ ॥

४४.१.३
मयि मेधां मयि प्रजां मयि सूर्यो भ्राजो दधातु ॥ ४४.१.३ ॥

४५.१
अपैतु मृत्युरमृतं न आगन्वैवस्वतो नो अभयं कृणोतु । पर्णं वनस्पतेरिवाभि नः शीयतांरयिः सचतां नः शचीपतिः ॥ ४५.१ ॥

४६.१
परं मृत्यो अनुपरेहि पन्थां यस्ते स्व इतरो देवयानात् । चक्षुष्मते श‍ृण्वते ते ब्रवीमि मा नः प्रजां रीरिषो मोत वीरान् ॥ ४६.१ ॥

४७.१
वातं प्राणं मनसान्वारभामहे प्रजापतिं यो भुवनस्य गोपाः । स नो मृत्योस्त्रायतां पात्वंहसो ज्योग्जीवा जराम शीमहि ॥ ४७.१ ॥

४८.१
अमुत्रभूयादध यद्यमस्य बृहस्पते अभिशस्तेरमुञ्चः । प्रत्यौहतामश्विना मृत्युमस्मद्देवानामग्ने भिषजा शचीभिः ॥ ४८.१ ॥

४९.१
हरिं हरन्तमनुयन्ति देवा विश्वस्येशानं वृषभं मतीनाम् । ब्रह्मसरूपमनु मेदमागादयनं मा विवधीर्विक्रमस्व ॥ ४९.१ ॥

५०.१
शल्कैरग्निमिन्धान उभौ लोकौ सनेमहम् । उभयोर्लोकयोरृध्वाति मृत्युं तराम्यहम् ॥ ५०.१ ॥

५१.१
मा छिदो मृत्यो मा वधीर्मा मे बलं विवृहो मा प्रमोषीः । प्रजां मा मे रीरिष आयुरुग्र नृचक्षसं त्वा हविषा विधेम ॥ ५१.१ ॥

५२.१
मा नो महान्तमुत मा नो अर्भकं मा न उक्षन्तमुत मा न उक्षितम् । मा नो वधीः पितरं मोत मातरं प्रिया मा नस्तनुवो रुद्र रीरिषः ॥ ५२.१ ॥

५३.१
मा नस्तोके तनये मा न आयुषि मा नो गोषु मा नो अश्वेषु रीरिषः । वीरान्मा नो रुद्र भामितो वधीर्हविष्मन्तो नमसा विधेम ते ॥ ५३.१ ॥

५४.१
प्रजापते न त्वदेतान्यन्यो विश्वा जातानि परि ता बभूव । यत्कामस्ते जुहुमस्तन्नो अस्तु वयं स्याम पतयो रयीणाम् ॥ ५४.१ ॥

५५.१
स्वस्तिदा विशस्पतिर्वृत्रहा विमृधो वशी । वृषेन्द्रः पुर एतु नः स्वस्तिदा अभयङ्करः ॥ ५५.१ ॥

५६.१
त्र्यम्बकं यजामहे सुगन्धिं पुष्टिवर्धनम् । उर्वारुकमिव बन्धनान्मृत्योर्मुक्षीय मामृतात् ॥ ५६.१ ॥

५७.१
ये ते सहस्रमयुतं पाशा मृत्यो मर्त्याय हन्तवे । तान् यज्ञस्य मायया सर्वानवयजामहे ॥ ५७.१ ॥

५८.१.१
मृत्यवे स्वाहा ॥ ५८.१.१ ॥

५८.१.२
मृत्यवे स्वाहा ॥ ५८.१.२ ॥

५९.१.१
देवकृतस्यैनसोऽवयजनमसि स्वाहा ॥ ५९.१.१ ॥

५९.१.२
मनुष्यकृतस्यैनसोऽवयजनमसि स्वाहा ॥ ५९.१.२ ॥

५९.१.३
पितृकृतस्यैनसोऽवयजनमसि स्वाहा ॥ ५९.१.३ ॥

५९.१.४
आत्मकृतस्यैनसोऽवयजनमसि स्वाहा ॥ ५९.१.४ ॥

५९.१.५
अन्यकृतस्यैनसोऽवयजनमसि स्वाहा ॥ ५९.१.५ ॥

५९.१.६
अस्मत्कृतस्यैनसोऽवयजनमसि स्वाहा ॥ ५९.१.६ ॥

५९.१.७
यद्दिवा च नक्तं चैनश्चकृम तस्यावयजनमसि स्वाहा ॥ ५९.१.७ ॥

५९.१.८
यत्स्वपन्तश्च जाग्रतश्चैनश्चकृम तस्यावयजनमसि स्वाहा ॥ ५९.१.८ ॥

५९.१.९
यत्सुषुप्तश्च जाग्रतश्चैनश्चकृम तस्यावयजनमसि स्वाहा ॥ ५९.१.९ ॥

५९.१.१०
यद्विद्वांसश्चाविद्वांसश्चैनश्चकृम तस्यावयजनमसि स्वाहा ॥ ५९.१.१० ॥

५९.१.११
एनस एनसोऽवयजनमसि स्वाहा ॥ ५९.१.११ ॥

६०.१
यद्वो देवाश्चकृम जिह्वया गुरु मनसो वा प्रयुती देवहेडनम् । अरावा यो नो अभि दुच्छुनायते तस्मिन् तदेनो वसवो निधेतन स्वाहा ॥ ६०.१ ॥

६१.१
कामोऽकार्षीन्नमो नमः । कामोऽकार्षीत्कामः करोति नाहं करोमि कामः कर्ता नाहं कर्ता कामः कारयिता नाहं कारयिता एष ते काम कामाय स्वाहा ॥ ६१.१ ॥

६२.१
मन्युरकार्षीन्नमो नमः । मन्युरकार्षीन्मन्युः करोति नाहं करोमि मन्युः कर्ता नाहं कर्ता मन्युः कारयिता नाहं कारयिता एष ते मन्यो मन्यवे स्वाहा ॥ ६२.१ ॥

६३.१
तिलाञ्जुहोमि सरसान् सपिष्टान् गन्धार मम चित्ते रमन्तु स्वाहा ॥ ६३.१ ॥

६३.२
गावो हिरण्यं धनमन्नपानं सर्वेषां श्रियै स्वाहा ॥ ६३.२ ॥

६३.३
श्रियं च लक्ष्मीं च पुष्टिं च कीर्तिं चानृण्यताम् । ब्राह्मण्यं बहुपुत्रताम् । श्रद्धामेधे प्रजाः संददातु स्वाहा ॥ ६३.३ ॥

६४.१
तिलाः कृष्णास्तिलाः श्वेतास्तिलाः सौम्या वशानुगाः । तिलाः पुनन्तु मे पापं यत्किञ्चिद् दुरितं मयि स्वाहा ॥ ६४.१ ॥

६४.२
चोरस्यान्नं नवश्राद्धं ब्रह्महा गुरुतल्पगः । गोस्तेयं सुरापानं भ्रूणहत्या तिला शान्तिं शमयन्तु स्वाहा ॥ ६४.२ ॥

६४.३
श्रीश्च लक्ष्मीश्च पुष्टीश्च कीर्तिं चानृण्यताम् । ब्रह्मण्यं बहुपुत्रताम् । श्रद्धामेधे प्रज्ञा तु जातवेदः संददातु स्वाहा ॥ ६४.३ ॥

६५.१
प्राणापानव्यानोदानसमाना मे शुध्यन्तां ज्योतिरहं विरजा विपाप्मा भूयासं स्वाहा ॥ ६५.१ ॥

६५.२
वाङ्मनश्चक्षुःश्रोत्रजिह्वाघ्राणरेतोबुद्ध्याकूतिःसङ्कल्पा मे शुध्यन्तां ज्योतिरहं विरजा विपाप्मा भूयासं स्वाहा ॥ ६५.२ ॥

६५.३
त्वक्चर्ममांसरुधिरमेदोमज्जास्नायवोऽस्थीनि मे शुध्यन्तां ज्योतिरहं विरजा विपाप्मा भूयासं स्वाहा ॥ ६५.३ ॥

६५.४
शिरःपाणिपादपार्श्वपृष्ठोरूदरजङ्घाशिश्नोपस्थपायवो मे शुध्यन्तां ज्योतिरहं विरजा विपाप्मा भूयासं स्वाहा ॥ ६५.४ ॥

६५.५
उत्तिष्ठ पुरुष हरित पिङ्गल लोहिताक्षि देहि देहि ददापयिता मे शुध्यन्तां ज्योतिरहं विरजा विपाप्मा भूयासं स्वाहा ॥ ६५.५ ॥

६६.१
पृथिव्यप्तेजोवायुराकाशा मे शुध्यन्तां ज्योतिरहं विरजा विपाप्मा भूयासं स्वाहा ॥ ६६.१ ॥

६६.२
शब्दस्पर्शरूपरसगन्धा मे शुध्यन्तां ज्योतिरहं विरजा विपाप्मा भूयासं स्वाहा ॥ ६६.२ ॥

६६.३
मनोवाक्कायकर्माणि मे शुध्यन्तां ज्योतिरहं विरजा विपाप्मा भूयासं स्वाहा ॥ ६६.३ ॥

६६.४
अव्यक्तभावैरहङ्कारैर्- ज्योतिरहं विरजा विपाप्मा भूयासं स्वाहा ॥ ६६.४ ॥

६६.५
आत्मा मे शुध्यन्तां ज्योतिरहं विरजा विपाप्मा भूयासं स्वाहा ॥ ६६.५ ॥

६६.६
अन्तरात्मा मे शुध्यन्तां ज्योतिरहं विरजा विपाप्मा भूयासं स्वाहा ॥ ६६.६ ॥

६६.७
परमात्मा मे शुध्यन्तां ज्योतिरहं विरजा विपाप्मा भूयासं स्वाहा ॥ ६६.७ ॥

६६.८.१
क्षुधे स्वाहा ॥ ६६.८.१ ॥

६६.८.२
क्षुत्पिपासाय स्वाहा ॥ ६६.८.२ ॥

६६.८.३
विविद्ध्यै स्वाहा ॥ ६६.८.३ ॥

६६.८.४
ऋग्विधानाय स्वाहा ॥ ६६.८.४ ॥

६६.८.५
कषोत्काय स्वाहा ॥ ६६.८.५ ॥

६६.८.६
ॐ स्वाहा ॥ ६६.८.६ ॥

६६.९
क्षुत्पिपासामलं ज्येष्ठामलक्ष्मीर्नाशयाम्यहम् । अभूतिमसमृद्धिं च सर्वान्निर्णुद मे पाप्मानं स्वाहा ॥ ६६.९ ॥

६६.१०
अन्नमयप्राणमयमनोमयविज्ञानमयमानन्दमयमात्मा मे शुध्यन्तां ज्योतिरहं विरजा विपाप्मा भूयासं स्वाहा ॥ ६६.१० ॥

६७.१.१
अग्नये स्वाहा ॥ ६७.१.१ ॥

६७.१.२
विश्वेभ्यो देवेभ्यः स्वाहा ॥ ६७.१.२ ॥

६७.१.३
ध्रुवाय भूमाय स्वाहा ॥ ६७.१.३ ॥

६७.१.४
ध्रुवक्षितये स्वाहा ॥ ६७.१.४ ॥

६७.१.५
अच्युतक्षितये स्वाहा ॥ ६७.१.५ ॥

६७.१.६
अग्नये स्विष्टकृते स्वाहा ॥ ६७.१.६ ॥

६७.१.७
धर्माय स्वाहा ॥ ६७.१.७ ॥

६७.१.८
अधर्माय स्वाहा ॥ ६७.१.८ ॥

६७.१.९
अद्भ्यः स्वाहा ॥ ६७.१.९ ॥

६७.१.१०
ओषधिवनस्पतिभ्यः स्वाहा ॥ ६७.१.१० ॥

६७.१.११
रक्षोदेवजनेभ्यः स्वाहा ॥ ६७.१.११ ॥

६७.१.१२
गृह्याभ्यः स्वाहा ॥ ६७.१.१२ ॥

६७.१.१३
अवसानेभ्यः स्वाहा ॥ ६७.१.१३ ॥

६७.१.१४
अवसानपतिभ्यः स्वाहा ॥ ६७.१.१४ ॥

६७.१.१५
सर्वभूतेभ्यः स्वाहा ॥ ६७.१.१५ ॥

६७.१.१६
कामाय स्वाहा ॥ ६७.१.१६ ॥

६७.१.१७
अन्तरिक्षाय स्वाहा ॥ ६७.१.१७ ॥

६७.१.१८
यदेजति जगति यच्च चेष्टति नाम्नो भागोऽयं नाम्ने स्वाहा ॥ ६७.१.१८ ॥

६७.१.१९
पृथिव्यै स्वाहा ॥ ६७.१.१९ ॥

६७.१.२०
अन्तरिक्षाय स्वाहा ॥ ६७.१.२० ॥

६७.१.२१
दिवे स्वाहा ॥ ६७.१.२१ ॥

६७.१.२२
सूर्याय स्वाहा ॥ ६७.१.२२ ॥

६७.१.२३
चन्द्रमसे स्वाहा ॥ ६७.१.२३ ॥

६७.१.२४
नक्षत्रेभ्यः स्वाहा ॥ ६७.१.२४ ॥

६७.१.२५
इन्द्राय स्वाहा ॥ ६७.१.२५ ॥

६७.१.२६
बृहस्पतये स्वाहा ॥ ६७.१.२६ ॥

६७.१.२७
प्रजापतये स्वाहा ॥ ६७.१.२७ ॥

६७.१.२८
ब्रह्मणे स्वाहा ॥ ६७.१.२८ ॥

६७.१.२९
स्वधा पितृभ्यः स्वाहा ॥ ६७.१.२९ ॥

६७.१.३०
नमो रुद्राय पशुपतये स्वाहा ॥ ६७.१.३० ॥

६७.१.३१
देवेभ्यः स्वाहा ॥ ६७.१.३१ ॥

६७.१.३२
पितृभ्यः स्वधास्तु ॥ ६७.१.३२ ॥

६७.१.३३
भूतेभ्यो नमः ॥ ६७.१.३३ ॥

६७.१.३४
मनुष्येभ्यो हन्त ॥ ६७.१.३४ ॥

६७.१.३५
प्रजापतये स्वाहा ॥ ६७.१.३५ ॥

६७.१.३६
परमेष्ठिने स्वाहा ॥ ६७.१.३६ ॥

६७.२.१
यथा कूपः शतधारः सहस्रधारो अक्षितः । एवा मे अस्तु धान्यं सहस्रधारमक्षितम् ॥ ६७.२.१ ॥

६७.२.२
धनधान्यै स्वाहा ॥ ६७.२.२ ॥

६७.३
ये भूताः प्रचरन्ति दिवानक्तं बलिमिच्छन्तो वितुदस्य प्रेष्याः । तेभ्यो बलिं पुष्टिकामो हरामि मयि पुष्टिं पुष्टिपतिर्दधातु स्वाहा ॥ ६७.३ ॥

६८.१
ॐ तद् ब्रह्म । ॐ तद् वायुः । ॐ तद् आत्मा । ॐ तत् सत्यम् । ॐ तत् सर्वम् । ॐ तत् पुरोर् नमः ॥ ६८.१ ॥

६८.२
ॐ अन्तश् चरति भूतेषु गुहायां विश्वमूर्तिषु । त्वं यज्ञस् त्वं वषट्कारस् त्वम् इन्द्रस् त्वं रुद्रस् त्वं विष्णुस् त्वं ब्रह्म त्वं प्रजापतिः । त्वं तद् आप आपो ज्योती रसो ऽमृतं ब्रह्म भूर् भुवः सुवर् ॐ ॥ ६८.२ ॥

६९.१.१
श्रद्धायां प्राणे निविष्टो ऽमृतं जुहोमि ॥ ६९.१.१ ॥

६९.१.२
श्रद्धायां अपाने निविष्टो ऽमृतं जुहोमि ॥ ६९.१.२ ॥

६९.१.३
श्रद्धायां व्याने निविष्टो ऽमृतं जुहोमि ॥ ६९.१.३ ॥

६९.१.४
श्रद्धायां उदाने निविष्टो ऽमृतं जुहोमि ॥ ६९.१.४ ॥

६९.१.५
श्रद्धायां समाने निविष्टो ऽमृतं जुहोमि ॥ ६९.१.५ ॥

६९.१.६
ब्रह्मणि म आत्मामृतत्वाय ॥ ६९.१.६ ॥

६९.२
अमृतोपस्तरणम् असि ॥ ६९.२ ॥

६९.३.१
श्रद्धायां प्राणे निविष्टो ऽमृतं जुहोमि । शिवो मा विशाप्रदाहाय । प्राणाय स्वाहा ॥ ६९.३.१ ॥

६९.३.२
श्रद्धायां अपाने निविष्टो ऽमृतं जुहोमि । शिवो मा विशाप्रदाहाय । अपानाय स्वाहा ॥ ६९.३.२ ॥

६९.३.३
श्रद्धायां व्याने निविष्टो ऽमृतं जुहोमि । शिवो मा विशाप्रदाहाय । व्यानाय स्वाहा ॥ ६९.३.३ ॥

६९.३.४
श्रद्धायां उदाने निविष्टो ऽमृतं जुहोमि । शिवो मा विशाप्रदाहाय । उदानाय स्वाहा ॥ ६९.३.४ ॥

६९.३.५
श्रद्धायां समाने निविष्टो ऽमृतं जुहोमि । शिवो मा विशाप्रदाहाय । समानाय स्वाहा ॥ ६९.३.५ ॥

६९.३.६
ब्रह्मणि म आत्मामृतत्वाय ॥ ६९.३.६ ॥

६९.४
अमृतापिधानम् असि ॥ ६९.४ ॥

७०.१.१
श्रद्धायां प्राणे निविश्यामृतं हुतम् । प्राणम् अन्नेनाप्यायस्व ॥ ७०.१.१ ॥

७०.१.२
श्रद्धायां अपाने निविश्यामृतं हुतम् । अपानम् अन्नेनाप्यायस्व ॥ ७०.१.२ ॥

७०.१.३
श्रद्धायां व्याने निविश्यामृतं हुतम् । व्यानम् अन्नेनाप्यायस्व ॥ ७०.१.३ ॥

७०.१.४
श्रद्धायां उदाने निविश्यामृतं हुतम् । उदानम् अन्नेनाप्यायस्व ॥ ७०.१.४ ॥

७०.१.५
श्रद्धायां समाने निविश्यामृतं हुतम् । समानम् अन्नेनाप्यायस्व ॥ ७०.१.५ ॥

७१.१
अङ्गुष्ठमात्रः पुरुषो ऽङ्गुष्ठं च समाश्रितः । ईशः सर्वस्य जगतः प्रभुः प्रीणातु विश्वभुक् ॥ ७१.१ ॥

७२.१
वाङ् म आसन् । नसोः प्राणः । अक्ष्योश् चक्षुः । कर्णयोः श्रोत्रम् । बाहुवोर् बलम् । ऊरुवोर् ओजः । अरिष्टा विश्वान्य् अङ्गानि तनूः । तनुवा मे सह नमस् ते अस्तु मा मा हिंसीः ॥ ७२.१ ॥

७३.१
वयः सुपर्णा उपसेदुर् इन्द्रं प्रियमेधा ऋषयो नाधमानाः । अप ध्वान्तम् ऊर्णुहि पूर्धि चक्षुर् मुमुग्ध्य् अस्मान् निधयेव बद्धान् ॥ ७३.१ ॥

७४.१
प्राणानां ग्रन्थिर् असि रुद्रो मा विशान्तकः । तेनान्नेनाप्यायस्व ॥ ७४.१ ॥

७५.१
नमो रुद्राय विष्णवे मृत्युर् मे पाहि ॥ ७५.१ ॥

७६.१
त्वम् अग्ने द्युभिस् त्वम् आशुशुक्षणिस् त्वम् अद्भ्यस् त्वम् अश्मनस् परि । त्वं वनेभ्यस् त्वम् ओषधीभ्यस् त्वं नृणां नृपते जायसे शुचिः ॥ ७६.१ ॥

७७.१
शिवेन मे संतिष्ठस्व स्योनेन मे संतिष्ठस्व सुभूतेन मे संतिष्ठस्व ब्रह्मवर्चसेन मे संतिष्ठस्व यज्ञस्यर्द्धिम् अनुसंतिष्ठस्वोप ते यज्ञ नम उप ते नम उप ते नमः ॥ ७७.१ ॥

७८.१
सत्यं परं परं सत्यं सत्येन न सुवर्गाल् लोकाच् च्यवन्ते कदाचन सतां हि सत्यं तस्मात् सत्ये रमन्ते ॥ ७८.१ ॥

७८.२
तप इति तपो नानशनात् परं यद् धि परं तपस् तद् दुर्धर्षं तद् दुराधर्षं तस्मात् तपसि रमन्ते ॥ ७८.२ ॥

७८.३
दम इति नियतं ब्रह्मचारिणस् तस्माद् दमे रमन्ते ॥ ७८.३ ॥

७८.४
शम इत्य् अरण्ये मुनयस् तस्माच् छमे रमन्ते ॥ ७८.४ ॥

७८.५
दानम् इति सर्वाणि भूतानि प्रशंसन्ति दानान् नातिदुष्करं तस्माद् दाने रमन्ते ॥ ७८.५ ॥

७८.६
धर्म इति धर्मेण सर्वम् इदं परिगृहीतं धर्मान् नातिदुश्चरं तस्माद् धर्मे रमन्ते ॥ ७८.६ ॥

७८.७
प्रजन इति भूयांसस् तस्माद् भूयिष्ठाः प्रजायन्ते तस्माद् भूयिष्ठाः प्रजनने रमन्ते ॥ ७८.७ ॥

७८.८
अग्नय इत्य् आह तस्माद् अग्नय आधातव्याः ॥ ७८.८ ॥

७८.९
अग्निहोत्रम् इत्य् आह तस्माद् अग्निहोत्रे रमन्ते ॥ ७८.९ ॥

७८.१०
यज्ञ इति यज्ञेन हि देवा दिवं गतास् तस्माद् यज्ञे रमन्ते ॥ ७८.१० ॥

७८.११
मानसम् इति विद्वांसस् तस्माद् विद्वांस एव मानसे रमन्ते ॥ ७८.११ ॥

७८.१२
न्यास इति ब्रह्मा ब्रह्मा हि परः परो हि ब्रह्मा तानि वा एतान्य् अवराणि तपांसि न्यास एवात्यरेचयत् य एवं वेदेत्य् उपनिषत् ॥ ७८.१२ ॥

७९.१
प्राजापत्यो हारुणिः सुपर्णेयः प्रजापतिं पितरम् उपससार किं भगवन्तः परमं वदन्तीति तस्मै प्रोवाच ॥ ७९.१ ॥

७९.२
सत्येन वायुर् आवाति सत्येनादित्यो रोचते दिवि सत्यं वाचः प्रतिष्ठा सत्ये सर्वं प्रतिष्ठितं तस्मात् सत्यं परमं वदन्ति ॥ ७९.२ ॥

७९.३
तपसा देवा देवताम् अग्र आयन् तपसार्षयः सुवर् अन्वविन्दन् तपसा सपत्नान् प्रणुदामारातीस् तपसि सर्वं प्रतिष्ठितं तस्मात् तपः परमं वदन्ति ॥ ७९.३ ॥

७९.४
दमेन दान्ताः किल्बिषम् अवधून्वन्ति दमेन ब्रह्मचारिणः सुवर् अगच्छन् दमो भूतानां दुराधर्षं दमे सर्वं प्रतिष्ठितं तस्माद् दमः परमं वदन्ति ॥ ७९.४ ॥

७९.५
शमेन शान्ताः शिवम् आचरन्ति शमेन नाकं मुनयो ऽन्वविन्दन् शमो भूतानां दुराधर्षं शमे सर्वं प्रतिष्ठितं तस्माच् छमः परमं वदन्ति ॥ ७९.५ ॥

७९.६
दानं यज्ञानां वरूथं दक्षिणा लोके दातारं सर्वभूतान्य् उपजीवन्ति दानेनारातीर् अपानुदन्त दानेन द्विषन्तो मित्रा भवन्ति दाने सर्वं प्रतिष्ठितं तस्माद् दानं परमं वदन्ति ॥ ७९.६ ॥

७९.७
धर्मो विश्वस्य जगतः प्रतिष्ठा लोके धर्मिष्ठं प्रजा उपसर्पन्ति धर्मेण पापम् अपनुदति धर्मे सर्वं प्रतिष्ठितं तस्माद् धर्मं परमं वदन्ति ॥ ७९.७ ॥

७९.८
प्रजननं वै प्रतिष्ठा लोके साधु प्रजायास् तन्तुं तन्वानः पितॄणाम् अनृणो भवति तद् एव तस्यानृणं तस्मात् प्रजननं परमं वदन्ति ॥ ७९.८ ॥

७९.९
अग्नयो वै त्रयी विद्या देवयानः पन्था गार्हपत्य ऋक् पृथिवी रथन्तरम् अन्वाहार्यपचनो यजुर् अन्तरिक्षं वामदेव्यम् आहवनीयः साम सुवर्गो लोको बृहत् तस्माद् अग्नीन् परमं वदन्ति ॥ ७९.९ ॥

७९.१०
अग्निहोत्रं सायं प्रातर् गृहाणां निष्कृतिः स्विष्टं सुहुतं यज्ञक्रतूनां प्रायणं सुवर्गस्य लोकस्य ज्योतिस् तस्माद् अग्निहोत्रं परमं वदन्ति ॥ ७९.१० ॥

७९.११
यज्ञ इति यज्ञो हि देवानां यज्ञेन हि देवा दिवं गता यज्ञेनासुरान् अपानुदन्त यज्ञेन द्विषन्तो मित्रा भवन्ति यज्ञे सर्वं प्रतिष्ठितं तस्माद् यज्ञं परमं वदन्ति ॥ ७९.११ ॥

७९.१२
मानसं वै प्राजापत्यं पवित्रं मानसेन मनसा साधु पश्यति मनसा ऋषयः प्रजा असृजन्त मानसे सर्वं प्रतिष्ठितं तस्मान् मानसं परमं वदन्ति ॥ ७९.१२ ॥

७९.१३
न्यास इत्य् आहुर् मनीषिणो ब्रह्माणं ब्रह्मा विश्वः कतमः स्वयम्भूः प्रजापतिः संवत्सर इति ॥ ७९.१३ ॥

७९.१४
संवत्सरो ऽसाव् आदित्यो य एष आदित्ये पुरुषः स परमेष्ठी ब्रह्मात्मा ॥ ७९.१४ ॥

७९.१५.१
याभिर् आदित्यस् तपति रश्मिभिस् ताभिः पर्जन्यो वर्षति पर्जन्येनौषधिवनस्पतयः प्रजायन्त ओषधिवनस्पतिभिर् अन्नं भवति ॥ ७९.१५.१ ॥

७९.१५.२
अन्नेन प्राणाः प्राणैर् बलं बलेन तपस् तपसा श्रद्धा श्रद्धया मेधा मेधया मनीषा मनीषया मनो मनसा शान्तिः शान्त्या चित्तं चित्तेन स्मृतिः स्मृत्या स्मारं स्मारेण विज्ञानं विज्ञानेनात्मानं वेदयति ॥ ७९.१५.२ ॥

७९.१५.३
तस्माद् अन्नं ददन् सर्वाण्य् एतानि ददात्य् अन्नात् प्राणा भवन्ति भूतानां प्राणैर् मनो मनसश् च विज्ञानं विज्ञानाद् आनन्दो ब्रह्म योनिः ॥ ७९.१५.३ ॥

७९.१६.१
स वा एष पुरुषः पञ्चधा पञ्चात्मा येन सर्वम् इदं प्रोतं पृथिवी चान्तरिक्षं च द्यौश् च दिशश् चावान्तरदिशाश् च स वै सर्वम् इदं जगत् स भूतं स भव्यं ॥ ७९.१६.१ ॥

७९.१६.२
जिज्ञासकॢप्त ऋतजा रयिष्ठाः श्रद्धा सत्यो महस्वान् तमसोपरिष्टात् । ज्ञात्वा तम् एवं मनसा हृदा च भूयो न मृत्युम् उपयाहि विद्वान् ॥ ७९.१६.२ ॥

७९.१६.३
तस्मान् न्यासम् एषां तपसाम् अतिरिक्तम् आहुः ॥ ७९.१६.३ ॥

७९.१७
वसुरण्वो विभूर् असि प्राणे त्वम् असि सन्धाता ब्रह्मन् त्वम् असि विश्वसृत् तेजोदास् त्वम् अस्य् अग्नेर् असि वर्चोदास् त्वम् असि सूर्यस्य द्युम्नोदास् त्वम् असि चन्द्रमस उपयामगृहीतो ऽसि ब्रह्मणे त्वा महसे ॥ ७९.१७ ॥

७९.१८
ओम् इत्य् आत्मानं युञ्जीत । एतद् वै महोपनिषदं देवानां गुह्यम् । य एवं वेद ब्रह्मणो महिमानम् आप्नोति तस्माद् ब्रह्मणो महिमानम् इत्य् उपनिषत् ॥ ७९.१८ ॥

८०.१.१
तस्यैवं विदुषो यज्ञस्यात्मा यजमानः श्रद्धा पत्नी शरीरम् इध्मम् उरो वेदिर् लोमानि बर्हिर् वेदः शिखा हृदयं यूपः काम आज्यं मन्युः पशुस् तपो ऽग्निर् दमः शमयिता दानं दक्षिणा ॥ ८०.१.१ ॥

८०.१.२
वाग् घोता प्राण उद्गाता चक्षुर् अध्वर्युर् मनो ब्रह्मा श्रोत्रम् अग्नीत् ॥ ८०.१.२ ॥

८०.१.३
यावद् ध्रियते सा दीक्षा यद् अश्नाति तद् धविर् यत् पिबति तद् अस्य सोमपानम् ॥ ८०.१.३ ॥

८०.१.४
यद् रमते तद् उपसदो यत् सञ्चरत्य् उपविशत्य् उत्तिष्ठते च स प्रवर्ग्यः ॥ ८०.१.४ ॥

८०.१.५
यन् मुखं तद् आहवनीयो या व्याहृतिर् आहुतिर् यद् अस्य विज्ञानं तज् जुहोति ॥ ८०.१.५ ॥

८०.१.६
यत् सायं प्रातर् अत्ति तत् समिधं यत् प्रातर् मध्यन्दिनं सायं च तानि सवनानि ॥ ८०.१.६ ॥

८०.१.७
ये अहोरात्रे ते दर्शपूर्णमासौ ये ऽर्धमासाश् च मासाश् च ते चातुर्मास्यानि ॥ ८०.१.७ ॥

८०.१.८
य ऋतवस् ते पशुबन्धा ये संवत्सराश् च परिवत्सराश् च ते ऽहर्गणाः ॥ ८०.१.८ ॥

८०.१.९
सर्ववेदसं वा एतत् सत्रं यन् मरणं तद् अवभृथ एतद् वै जरामर्यम् अग्निहोत्रं सत्रम् ॥ ८०.१.९ ॥

८०.१.१०
य एवं विद्वान् उदगयने प्रमीयते देवानाम् एव महिमानं गत्वादित्यस्य सायुज्यं गच्छति ॥ ८०.१.१० ॥

८०.१.११
अथ यो दक्षिणे प्रमीयते पितॄणाम् एव महिमानं गत्वा चन्द्रमसः सायुज्यं गच्छति ॥ ८०.१.११ ॥

८०.१.१२
एतौ वै सूर्याचन्द्रमसोर् महिमानौ ब्राह्मणो विद्वान् अभिजयति तस्माद् ब्रह्मणो महिमानम् आप्नोति तस्माद् ब्रह्मणो महिमानम् इत्य् उपनिषत् ॥ ८०.१.१२ ॥

Schlussgebet १
ॐ शं नो मित्रः शं वरुणः । शं नो भवत्व् अर्यमा । शं न इन्द्रो बृहस्पतिः । शं नो विष्णुर् उरुक्रमः । नमो ब्रह्मणे । नमस् ते वायो । त्वम् एव प्रत्यक्षं ब्रह्मासि । त्वाम् एव प्रत्यक्षं ब्रह्मावादिषम् । ऋतम् अवादिषम् । सत्यम् अवादिषम् । तन् माम् आवीत् । तद् वक्तारम् आवीत् । आवीन् माम् । आवीद् वक्तारम् । ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥

Schlussgebet २
ॐ सह नाव् अवतु । सह नौ भुनक्तु । सह वीर्यं करवावहै । तेजस्वि नाव् अधीतम् अस्तु । मा विद्विषावहै । ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥

Kolophon
इति महानारायणोपनिषत् समाप्ता ॥

IAST: Anuvakas 1–80 und Schlussformeln

1.1
ambhasyapāre bhuvanasya madhye nākasya pṛṣṭhe mahato mahīyān | śukreṇa jyotīṃṣi samanupraviṣṭaḥ prajāpatiścarati garbhe antaḥ || 1.1 ||

1.2
yasminnidaṃ saṃ ca vi caiti sarvaṃ yasmin devā adhi viśve niṣeduḥ | tadeva bhūtaṃ tadu bhavyamā idaṃ tadakṣare parame vyoman || 1.2 ||

1.3
yenāvṛtaṃ khaṃ ca divaṃ mahī ca yenādityastapati tejasā bhrājasā ca | yamantaḥ samudre kavayo vayanti yadakṣare parame prajāḥ || 1.3 ||

1.4
yataḥ prasūtā jagataḥ prasūtī toyena jīvān vyacasarja bhūmyām | yadoṣadhībhiḥ puruṣān paśūṃśca viveśa bhūtāni carācarāṇi || 1.4 ||

1.5
ataḥ paraṃ nānyadaṇīyasaṃ hi parātparaṃ yanmahato mahāntam | yadekamavyaktamanantarūpaṃ viśvaṃ purāṇaṃ tamasaḥ parastāt || 1.5 ||

1.6
tadevartaṃ tadu satyamāhustadeva brahma paramaṃ kavīnām | iṣṭāpūrtaṃ bahudhā jātaṃ jāyamānaṃ viśvaṃ bibharti bhuvanasya nābhiḥ || 1.6 ||

1.7
tadevāgnistadvāyustatsūryastadu candramāḥ | tadeva śukramamṛtaṃ tadbrahma tadāpaḥ sa prajāpatiḥ || 1.7 ||

1.8
sarve nimeṣā jajñire vidyutaḥ puruṣādadhi | kalā muhūrtāḥ kāṣṭhāścāhorātrāśca sarvaśaḥ || 1.8 ||

1.9
ardhamāsā māsā ṛtavaḥ saṃvatsaraśca kalpantām | sa āpaḥ pradudhe ubhe ime antarikṣamatho suvaḥ || 1.9 ||

1.10
nainamūrdhvaṃ na tiryañcaṃ na madhye parijagrabhat | na tasyeśe kaścana tasya nāma mahadyaśaḥ || 1.10 ||

1.11
na saṃdṛśe tiṣṭhati rūpamasya na cakṣuṣā paśyati kaścanainam | hṛdā manīśā manasābhiklṛpto ya enaṃ viduramṛtāste bhavanti || 1.11 ||

1.Z1.1
adbhyaḥ sambhūtaḥ pṛthivyau rasācca viśvakarmaṇaḥ samavartatādhi | tasya tvaṣṭā vidadhadrūpameti tatpuruṣasya viśvamājānamagre || 1.Z1.1 ||

1.Z1.2
vedāhametaṃ puruṣaṃ mahāntaṃ ādityavarṇaṃ tamasaḥ parastāt | tamevaṃ vidvānamṛta iha bhavati nānyaḥ panthāvidyate’yanāya || 1.Z1.2 ||

1.Z1.3
prajāpatiścarati garbhe antaḥ ajāyamāno bahuthā vijāyate | tasya dhīrāḥ parijānanti yonim marīcīnāṃ padamicchanti vedhasaḥ || 1.Z1.3 ||

1.Z1.4
yo devebhya ātapati yo devānāṃ purohitaḥ | pūrvo yo devebhyo jātaḥ namo rucāya brāhmaye || 1.Z1.4 ||

1.Z1.5
rucaṃ brāhmaṃ janayantaḥ devā agre tadabruvan | yastvaivaṃ brāhmaṇo vidyāt tasya devā asan vaśe || 1.Z1.5 ||

1.Z1.6
hrīśca te lakṣmīśca patnyau ahorātre pārśve nakṣatrāṇi rūpam | aśvinau vyāttam iṣṭaṃ maniṣāṇa amuṃ maniṣāṇa sarvaṃ maniṣāṇa || 1.Z1.6 ||

1.Z2.1
hiraṇyagarbhaḥ samavartatāgre bhūtasya jātaḥ patireka āsīt | sa dādhāra pṛthivīṃ dyāmutemāṃ kasmai devāya haviṣā vidhema || 1.Z2.1 ||

1.Z2.2
yaḥ prāṇato nimiṣato mahitvaika idrājā jagato babhūva | ya īśe asya dvipadaścatuṣpadaḥ kasmai devāya haviṣā vidhema || 1.Z2.2 ||

1.Z2.3
ya ātmadā balaṃdā yasya viśva upāsate praśiṣaṃ yasya devāḥ | yasya chāyāmṛtaṃ yasya mṛtyuḥ kasmai devāya haviṣā vidhema || 1.Z2.3 ||

1.Z2.4
yasyeme himavanto mahitvā yasya samudraṃ rasayā sahāhuḥ | yasyemāḥ pradiśo yasya bāhū kasmai devāya haviṣā vidhema || 1.Z2.4 ||

1.Z2.5
yaṃ krandasī avasā tastabhāne asyaikṣetāṃ manasā rejamāne | yatrādhi sūra uditau vyeti kasmai devāya haviṣā vidhema || 1.Z2.5 ||

1.Z2.6
yena dyaurugrā pṛthivī ca dṛḍhe yena suvaḥ stabhitaṃ yena nākaḥ | yo antarikṣe rajaso vimānaḥ kasmai devāya haviṣā vidhema || 1.Z2.6 ||

1.Z2.7
āpo ha yanmahatīrviśvamāyaṃ dakṣaṃ dadhānā janayantīragnim | tato devānāṃ niravartatāsurekaḥ kasmai devāya haviṣā vidhema || 1.Z2.7 ||

1.Z2.8
yaścidāpo mahinā paryapaśyaddakṣaṃ dadhānā janayantīragnim | yo deveśvadhi deva eka kasmai devāya haviṣā vidhema || 1.Z2.8 ||

1.12
eṣa hi devaḥ pradiśo’nu sarvāḥ pūrvo hi jātaḥ sa u garbhe antaḥ | sa vijāyamānaḥ sa janiṣyamāṇaḥ pratyaṅmukhāstiṣṭhati viśvatomukhaḥ || 1.12 ||

1.13
viśvataścakṣuruta viśvato mukho viśvato hasta uta viśvataspāt | saṃ bāhubhyāṃ namati saṃ patatrairdyāvāpṛthivī janayan deva ekaḥ || 1.13 ||

1.14
venastat paśyan viśvā bhuvanāni vidvān yatra viśvaṃ bhavatyekanīḍam | yasminnidaṃsaṃ ca vi caikaṃsa otaḥ protaśca vibhuḥ prajāsu || 1.14 ||

1.15
pra tadvoce amṛtaṃ nu vidvān gandharvo nāma nihitaṃ guhāsu | trīṇi padā nihitā guhāsu yastadveda savituḥ pitā sat || 1.15 ||

1.16
sa no bandhurjanitā sa vidhātā dhāmāni veda bhuvanāni viśvā | yatra devā amṛtamānaśānāstṛtīye dhāmānyabhyairayanta || 1.16 ||

1.17
pari dyāvāpṛthivī yanti sadyaḥ pari lokān pari diśaḥ pari suvaḥ | ṛtasya tantuṃ vitataṃ vicṛtya tadapaśyat tadabhavat prajāsu || 1.17 ||

1.18
parītya lokān parītya bhūtāni parītya sarvāḥ pradiśo diśaśca | prajāpatiḥ prathamajā ṛtasyātmanātmānamabhisambabhūva || 1.18 ||

1.19
sadasaspatimadbhutaṃ priyamindrasya kāmyam | saniṃ medhāmayāsiṣam || 1.19 ||

1.20
uddīpyasva jātavedo’paghnanniṛtiṃ mama | paśūṃśca mahyamamāvaha jīvanaṃ ca diśo diśa || 1.20 ||

1.21
mā no hiṃsījjātavedo gāmaśvaṃ puruṣaṃ jagat | abibhradagna āgahi śriyā mā paripātaya || 1.21 ||

1.22
puruṣasya vidmahe sahasrākṣasya mahādevasya dhīmahi | tanno rudraḥ pracodayāt || 1.22 ||

1.23
tatpuruṣāya vidmahe mahādevāya dhīmahi | tanno rudraḥ pracodayāt || 1.23 ||

1.24
tatpuruṣāya vidmahe vakratuṇḍāya dhīmahi | tanno dantiḥ pracodayāt || 1.24 ||

1.25
tatpuruṣāya vidmahe cakratuṇḍāya dhīmahi | tanno nandiḥ pracodayāt || 1.25 ||

1.26
tatpuruṣāya vidmahe mahāsenāya dhīmahi | tannaḥ ṣaṇmukhaḥ pracodayāt || 1.26 ||

1.27
tatpuruṣāya vidmahe suvarṇapakṣāya dhīmahi | tanno garuḍaḥ pracodayāt || 1.27 ||

1.28
vedātmanāya vidmahe hiraṇyagarbhāya dhīmahi | tanno brahma pracodayāt || 1.28 ||

1.29
nārāyaṇāya vidmahe vāsudevāya dhīmahi | tanno viṣṇuḥ pracodayāt || 1.29 ||

1.30
vajranakhāya vidmahe tīkṣṇadaṃṣṭrāya dhīmahi | tanno nārasiṃhaḥ pracodayāt || 1.30 ||

1.31
bhāskarāya vidmahe mahaddyutikarāya dhīmahi | tanno ādityyaḥ pracodayāt || 1.31 ||

1.32
vaiśvānaraya vidmahe lālīlāya dhīmahi | tanno agniḥ pracodayāt || 1.32 ||

1.33
kātyāyanāya vidmahe kanyākumāri dhīmahi | tanno durgiḥ pracodayāt || 1.33 ||

1.34
sahasraparamā devī śatamūlā śatāṅkurā | sarvaṃharatu me pāpaṃ dūrvā duḥsvapnanāśinī || 1.34 ||

1.35
kāṇḍāt kāṇḍāt prarohantī paruṣaḥ paruṣaḥ pari | evā no dūrve pratanu sahasreṇa śatena ca || 1.35 ||

1.36
yā śatena pratanoṣi sahasreṇa virohasi | tasyāste devīṣṭake vidhema haviṣā vayam || 1.36 ||

1.37
aśvakrānte rathakrānte viṣṇukrānte vasundharā | śirasā dhārayiṣyāmi rakṣasva māṃ pade pade || 1.37 ||

1.38
bhūmirdhenurdharaṇī lokadhāriṇī | uddhṛtāsi varāheṇa kṛṣṇena śatabāhunā || 1.38 ||

1.39
mṛttike hana pāpaṃ yanmayā duṣkṛtaṃ kṛtam | mṛttike brahmadattāsi kāśyapenābhimantritā | mṛttike dehi me puṣṭiṃ tvayi sarvaṃ pratiṣṭhitam || 1.39 ||

1.40
mṛttike pratiṣṭhite sarvaṃ tanme nirṇuda mṛttike | tvayā hatena pāpena gacchāmi paramāṃ gatim || 1.40 ||

1.41
yata indra bhayāmahe tato no abhayaṃ kṛdhi | maghavañchagdhi tava tanna ūtaye vidviṣo vimṛdho jahi || 1.41 ||

1.42
svastidā viśaspatirvṛtrahā vimṛdho vaśī | vṛṣendraḥ pura etu naḥ svastidā abhayaṅkaraḥ || 1.42 ||

1.43
svasti na indro vṛddhaśravāḥ svasti naḥ pūṣā viśvavedāḥ | svasti nastārkṣyo ariṣṭanemiḥ svasti no bṛhaspatirdadhātu || 1.43 ||

1.44
āpāntamanyustṛpalaprabharmā dhuniḥ śimīvāñcharumāṃṛjīṣī | somo viśvānyatasāvanāni nārvāgindraṃ pratimānāni debhuḥ || 1.44 ||

1.45
brahmajajñānaṃ prathamaṃ purastādvi sīmataḥ suruco vena āvaḥ | sa budhniyā upamā asya viṣṭhāḥ sataśca yonimasataśca vivaḥ || 1.45 ||

1.46
syonā pṛthivi bhavān nṛkṣarā niveśanī | yacchā naḥ śarma saprathāḥ || 1.46 ||

1.47
gandhadvārāṃ durādharṣāṃ nityapuṣṭāṃ karīṣiṇīm | īśvarīṃ sarvabhūtānāṃ tāmihopahvaye śriyam || 1.47 ||

1.48
śrīrme bhajatu alakṣmīrme naśyatu | viṣṇumukhā vai devāśchandobhirimāṃl lokānanapajayyamabhyajayan | mahāṃ indro vajrabāhuḥ ṣoḍaśī śarma yacchatu || 1.48 ||

1.49
svasti no maghavā karotu | hantu pāpmānaṃ yo’smān dveṣṭi || 1.49 ||

1.50
somānaṃ svaraṇaṃ kṛṇuhi brahmaṇaspate kakṣīvantaṃ ya auśijam | śarīraṃ yajñaśamalaṃ kusīdaṃ tasmintsīdatu yo’smān dveṣṭi || 1.50 ||

1.51
caraṇaṃ pavitraṃ vitataṃ purāṇaṃ yena pūtastarati duṣkṛtāni | tena pavitreṇa śuddhena pūtā ati pāpmānamarātiṃ tarema || 1.51 ||

1.52
sajoṣā indra sagaṇo marudbhiḥ somaṃ piba vṛtrahañchūra vidvān | jahi śatrūṃrapa mṛdho nudasvāthābhayaṃ kṛṇuhi viśvato naḥ || 1.52 ||

1.53
sumitrā na āpa oṣadhayaḥ santu | durmitrāstasmai bhūyāsuryo’smān dveṣṭi yaṃ ca vayaṃ dviṣmaḥ || 1.53 ||

1.54
āpo hi ṣṭhā mayobhuvastā na ūrje dadhātana | mahe raṇāya cakṣase | yo vaḥ śivatamo rasastasya bhājayate’ha naḥ | uśatīriva mātaraḥ | tasmā araṃ gamāma vo yasya kṣayāya jinvatha | āpo janayathā ca naḥ || 1.54 ||

1.55
hiraṇyaśṛṅgaṃ varuṇaṃ prapadye tīrtha me dehi yācitaḥ | yanmayā bhuktamasādhūnāṃ pāpebhyaśca pratigrahaḥ || 1.55 ||

1.56
yanme manasā vācā karmaṇā vā duṣkṛtaṃ kṛtam | tanna indro varuṇo bṛhaspatiḥ savitā ca punantu punaḥ punaḥ || 1.56 ||

1.57
namo’gnaye’psumate nama indrāya namo varuṇāya namo vāruṇyai namo’dbhyaḥ || 1.57 ||

1.58
yadapāṃ krūraṃ yadamedhyaṃ yadaśāntaṃ tadapagacchatāt || 1.58 ||

1.59
atyāśanādatīpānād yacca ugrāt pratigrahāt | tanme varuṇo rājā pāṇinā hyavamarśatu || 1.59 ||

1.60
so’hamapāpo virajo nirmukto muktakilbiṣaḥ | nākasya pṛṣṭhamāruhya gacchedbrahmasalokatām || 1.60 ||

1.61
yaścāpsu varuṇaḥ sa punātvaghamarṣaṇaḥ || 1.61 ||

1.62
imaṃ me gaṅge yamune sarasvati śutudri stomaṃ sacatā paruṣṇiyā | asikniya marudvṛdhe vitastayārjīkīye śṛṇuhyā suṣomayā || 1.62 ||

1.63
ṛtaṃ ca satyaṃ cābhīddhāttapaso’dhyajāyata | tato rātrirajāyata tataḥ samudro arṇavaḥ || 1.63 ||

1.64
samudrādarṇavādadhi saṃvatsaro ajāyata | ahorātrāṇi vidadhadviśvasya miṣato vaśī || 1.64 ||

1.65
sūryācandramasau dhātā yathāpūrvamakalpayat | divaṃ ca pṛthivīṃ cāntarikṣamatho suvaḥ || 1.65 ||

1.66
yatpṛthivyāṃ rajaḥ svamāntarikṣe virodasī | imāṃstadāpo varuṇaḥ punātvaghamarṣaṇaḥ || punantu vasavaḥ punātu varuṇaḥ punātvaghamarṣaṇaḥ | eṣa bhūtasya madhye bhuvanasya goptā || eṣa puṇyakṛtāṃ lokāneṣa mṛtyorhiraṇmayam | dyāvāpṛthivyorhiraṇmayaṃ saṃśritaṃ suvaḥ | sa naḥ suvaḥ saṃśiśādhi || 1.66 ||

1.67
ārdraṃ jvalatijyotirahamasmi | jyotirjvalati brahmāhamasmi | yo’hamasmi brahmāhamasmi | ahamasmi brahmāhamasmi | ahamevāhaṃ māṃ juhomi svāhā || 1.67 ||

1.68
akāryavakīrṇī steno bhrūṇahā gurutalpagaḥ | varuṇo’pāmaghamarṣaṇastasmāt pāpāt pramucyate || 1.68 ||

1.69
rajobhūmistva māṃ rodayasva pravadanti dhīrāḥ || 1.69 ||

1.70
ākrāntsamudraḥ prathame vidharmañjanayanprajā bhuvanasya rājā | vṛṣā pavitre adhi sāno avye bṛhatsomo vāvṛdhe suvāna induḥ || 1.70 ||

2.1
jātavedase sunavāma somamarātīyato nidahāti vedaḥ | sa naḥ parṣadati durgāṇi viśvā nāveva sindhuṃ duritātyagniḥ || 2.1 ||

2.2
tāmagnivarṇāṃ tapasā jvalantīṃ vairocanīṃ karmaphaleṣu juṣṭām | durgāṃ devīṃ śaraṇamahaṃ prapadye sutarasi tarase namaḥ || 2.2 ||

2.3
agne tvaṃ pārayā navyo asmān svastibhirati durgāṇi viśvā | pūśca pṛthvī bahulā na urvī bhavā tokāya tanayāya śaṃyoḥ || 2.3 ||

2.4
viśvāni no durgahā jātavedaḥ sindhuṃ na nāvā duritātiparṣi | agne atrivanmanasā gṛṇāno’smākaṃ bodhyavitā tanūnām || 2.4 ||

2.5
pṛtanājitaṃ sahamānamugramagniṃ huvema paramātsadhasthāt | sa naḥ parṣadati durgāṇi viśvā kṣāmaddevo ati duritātyagniḥ || 2.5 ||

2.6
pratnoṣi kamīḍyo adhvareṣu sanācca hotā navyaśca satsi | svāṃ cāgne tanuvaṃ piprayasvāsmabhyaṃ ca saubhagamāyajasva || 2.6 ||

2.7
gobhirjuṣṭamayujo niṣiktaṃ tavendra viṣṇoranusaṃcarema | nākasya pṛṣṭhamabhi saṃvasāno vaiṣṇavīṃ loka iha mādayantām || 2.7 ||

3.1
bhūrannamagnaye pṛthivyai svāhā bhuvo’nnaṃ vāyave’ntarikṣāya svāhā suvarannamādityāya dive svāhā bhūrbhuvassuvarannaṃ candramase digbhyaḥ svāhā namo devebhyaḥ svadhā pitṛbhyo bhūrbhuvaḥ suvarannamom || 3.1 ||

4.1
bhūragnaye pṛthivyai svāhā bhuvo vāyave’ntarikṣāya svāhā suvarādityāya dive svāhā bhūrbhuvassuvaścandramase digbhyaḥ svāhā namo devebhyaḥ svadhā pitṛbhyo bhūrbhuvaḥsuvaragna om || 4.1 ||

5.1
bhūragnaye ca pṛthivyai ca mahute ca svāhā bhuvo vāyave cāntarikṣāya ca mahate ca svāhā suvarādityāya ca dive ca mahate ca svāhā bhūrbhuvassuvaścandramase ca nakṣatrebhyaśca digbhyaśca mahate ca svāhā namo devebhyaḥ svadhā pitṛbhyo bhūrbhuvaḥ suvarmaharom || 5.1 ||

6.1
pāhi no agna enase svāhā pāhi no viśvavedase svāhā yajñaṃ pāhi vibhāvaso svāhā sarvaṃ pāhi śatakrato svāhā || 6.1 ||

7.1
pāhi no agna ekayā pāhyuta dvitīyayā pāhyūrja tṛtīyayā pāhi gīrbhiścatasṛbhirvaso svāhā || 7.1 ||

8.1
yaśchandasāmṛṣabho viśvarūpaśchandobhyaścandāṃsyāviveśa | satāṃśikyaḥ provācopaniṣadindro jyeṣṭha indriyāya ṛṣibhyo namo devebhyaḥ svadhā pitṛbhyo bhūrbhuvassuvaśchanda om || 8.1 ||

9.1
namo brahmaṇe dhāraṇaṃ me astvanirākaraṇaṃ dhārayitā bhūyāsaṃ karṇayoḥ śrutaṃ mā cyoḍhaṃ mamāmuṣya om || 9.1 ||

10.1
ṛtaṃ tapaḥ satyaṃ tapaḥ śrutaṃ tapaḥ śāntaṃ tapo damastapaḥ śamastapo dānaṃ tapo yajñaṃ tapo bhūrbhuvaḥ suvarbrahmaitadupāsvaitattapaḥ || 10.1 ||

11.1
yathā vṛkṣasya sampuṣpitasya dūrādgandho vātyevaṃ puṇyasya karmaṇo dūrādgandho vāti yathāsidhārāṃ karte’vahitamavakrāme yadyuve yuve havā vihvayiṣyāmi kartaṃ patiṣyāmītyevamamṛtādātmānaṃ jugupset || 11.1 ||

12.1
aṇoraṇīyān mahato mahīyānātmā guhāyāṃ nihito’sya jantoḥ | tamakratuṃ paśyati vītaśoko dhātuḥ prasādānmahimānamīśam || 12.1 ||

12.2
sapta prāṇā prabhavanti tasmāt saptārciṣaḥ samidhaḥ sapta jihvāḥ | sapta ime lokā yeṣu caranti prāṇā guhāśayānnihitāḥ sapta sapta || 12.2 ||

12.3
ataḥ samudrā girayaśca sarve’smātsyandante sindhavaḥ sarvarūpāḥ | ataśca viśvā oṣadhayo rasāśca yenaiṣa bhūtastiṣṭhatyantarātmā || 12.3 ||

12.4
brahmā devānāṃ padavīḥ kavīnāmṛṣirviprāṇāṃ mahiṣo mṛgāṇām | śyeno gṛdhrāṇāṃsvadhitirvanānāṃsomaḥ pavitramatyeti rebhan || 12.4 ||

12.5
ajāmekāṃ lohitaśuklakṛṣṇāṃ bahvīṃ prajāṃ janayantīṃ sarūpām | ajo hyeko juṣamāṇo’nuśete jahātyenāṃ bhuktabhogāmajo’nyaḥ || 12.5 ||

12.6
haṃsaḥ śuciṣadvasurantarikṣasaddhotā vediṣadatithirduroṇasat | nṛṣadvarasadṛtasadvyomasadabjā gojā ṛtajā adrijā ṛtaṃ bṛhat || 12.6 ||

12.6a
yasmājjātā na parā naiva kiṃcanāsa ya āviveśa bhuvanāni viśvā | prajāpatiḥ prajayā saṃvidānastrīṇi jyotīṃṣi sacate sa ṣoḍaśī || 12.6a ||

12.6b
vidhartāraṃ havāmahe vasoḥ kuvidvanāti naḥ | savitāraṃ nṛcakṣasam || 12.6b ||

12.7
ghṛtaṃ mimikṣire ghṛtamasya yonirghṛte śrito ghṛtamuvasya dhāma | anuṣvadhamāvaha mādayasva svāhākṛtaṃ vṛṣabha vakṣi havyam || 12.7 ||

12.8
samudrādūrmirmadhumāṃ udāradupāṃśunā samamṛtatvamānaṭ | ghṛtasya nāma guhyaṃ yadasti jihvā devānāmamṛtasya nābhiḥ || 12.8 ||

12.9
vayaṃ nāma prabravāmā ghṛtenāsmin yajñe dhārayāmā namobhiḥ | upa brahmā śṛṇavacchasyamānaṃ catuḥśṛṅgo’vamīdgaura etat || 12.9 ||

12.10
catvāri śṛṅgā trayo asya pādā dveśīrṣe sapta hastāso asya | tridhā baddho vṛṣabho roravīti maho devo martyāṃ āviveśa || 12.10 ||

12.11
tridhā hitaṃ paṇibhirguhyamānaṃ gavi devāso ghṛtamanvavindan | indra ekaṃ sūrya ekaṃ jajāna venādekaṃ svadhayā niṣṭatakṣuḥ || 12.11 ||

12.12
yo devānāṃ prathamaṃ purastādviśvādhiko rudro maharṣiḥ | hiraṇyagarbhaṃ paśyata jāyamānaṃ sa no devaḥ śubhayāsmṛtyā saṃyunaktu || 12.12 ||

12.13
yasmātparaṃ nāparamasti kiñcit yasmānnāṇīyo na jyāyo’sti kaścit | vṛkṣa iva stabdho divi tiṣṭhatyekastenedaṃ pūrṇaṃ puruṣeṇa sarvam || 12.13 ||

12.14
na karmaṇā na prajayā dhanena tyāgenaike amṛtatvamānaśuḥ | pareṇa nākaṃ nihitaṃ guhāyāṃ bibhrājate yadyatayo viśanti || 12.14 ||

12.15
vedāntavijñānaviniścitārthāḥ saṃnyāsayogādyatayaḥ śuddhasattvāḥ | te brahmaloke tu parāntakāle parāmṛtāḥ parimucyanti sarve || 12.15 ||

12.16
dahraṃ vipāpaṃ varaveśmabhūtaṃ yat puṇḍarīkaṃ puramadhyasaṃstham | tatrāpi dahre gaganaṃ viśokaṃ tasmin yadantastadupāsitavyam || 12.16 ||

12.17
yo vedādau svaraḥ prokto vedānte ca pratiṣṭhitaḥ | tasya prakṛtilīnasya yaḥ paraḥ sa maheśvaraḥ || 12.17 ||

13.1
sahasraśīrṣaṃ devaṃ viśvākṣaṃ viśvaśambhuvam | viśvaṃ nārāyaṇaṃ devamakṣaraṃ paramaṃ prabhum || 13.1 ||

13.2
viśvataḥ paramaṃ nityaṃ viśvaṃ nārāyaṇaṃ harim | viśvamevedaṃ puruṣastadviśvamupajīvati || 13.2 ||

13.3
patiṃ viśvasyātmeśvaraṃ śāśvataṃ śivamacyutam | nārāyaṇaṃ mahājñeyaṃ viśvātmānaṃ parāyaṇam || 13.3 ||

13.4
nārāyaṇaḥ paraṃ brahma tattvaṃ nārāyaṇaḥ paraḥ | nārāyaṇaḥ paro jyotirātmā nārāyaṇaḥ paraḥ || 13.4 ||

13.5.1
nārāyaṇaḥ paro dhyātā dhyānaṃ nārāyaṇaḥ paraḥ || 13.5.1 ||

13.5.2
yacca kiñcijjagatyasmin dṛśyate śrūyate’pi vā | antarbahiśca tatsarvaṃ vyāpya nārāyaṇaḥ sthitaḥ || 13.5.2 ||

13.6
anantamavyayaṃ kaviṃ samudre’ntaṃ viśvaśambhuvam | padmakośapratīkāśaṃ hṛdayaṃ cāpyadhomukham || 13.6 ||

13.7
adho niṣṭyā vitastyānte nābhyāmupari tiṣṭhati | hṛdayaṃ tadvijānīyādviśvasyāyatanaṃ mahat || 13.7 ||

13.8
santataṃ sirābhistu lambatyākośasannibham | tasyānte suṣiraṃ sūkṣmaṃ tasmintsarvaṃ pratiṣṭhitam || 13.8 ||

13.9
tasya madhye mahānagnirviśvārcirviśvatomukhaḥ | so’grabhugvibhajantiṣṭhannāhāramajaraḥ kaviḥ || 13.9 ||

13.10.1
tiryagūrdhvamadhaḥśāyī raśmayastasya santatāḥ | santāpayati svaṃ dehamāpādatalamastakam || 13.10.1 ||

13.10.2
tasya madhye vahniśikhā aṇīyordhvā vyavasthitā || 13.10.2 ||

13.11
nīlatoyadamadhyasthā vidyullekheva bhāsvarā | nīvāraśūkavattanvī pītā bhāsvatyaṇūpamā || 13.11 ||

13.12
tasyāḥ śikhāyā madhye paramātmā vyavasthitaḥ | sa brahmā sa śivaḥ sa hariḥ sendraḥ so’kṣaraḥ paramaḥ svarāṭ || 13.12 ||

14.1
ādityo vā eṣa etanmaṇḍalaṃ tapati tatra tā ṛcastadṛcā maṇḍalaṃ sa ṛcāṃ loko’tha ya eṣa etasminmaṇḍale’rcirdīpyate tāni sāmāni sa sāmnāṃ loko’tha ya eṣa etasminmaṇḍale’rciṣi puruṣastāni yajūṃṣi sa yajuṣā maṇḍalaṃ sa yajuṣāṃ lokaḥ saiṣā trayyeva vidyā tapati ya eṣo’ntarāditye hiraṇmayaḥ puruṣaḥ || 14.1 ||

15.1.1
ādityo vai teja ojo balaṃ yaśaścakṣuḥ śrotramātmā mano manyurmanurmṛtyuḥ satyo mitro vāyurākāśaḥ prāṇo lokapālaḥ kaḥ kiṃ kaṃ tatsatyamannamamṛto jīvo viśvaḥ katamaḥ svayambhu brahmaitadamṛta eṣa puruṣa eṣa bhūtānāmadhipatiḥ || 15.1.1 ||

15.1.2
brahmaṇaḥ sāyujyaṃ salokatāmāpnotyetāsāmeva devatānāṃ sāyujyaṃ sārṣṭitāṃ samānalokatāmāpnoti ya evaṃ vedetyupaniṣat || 15.1.2 ||

15.2
ghṛṇiḥ sūrya ādityomarcayanti tapaḥ satyaṃ madhu kṣaranti tadbrahma tadāpa āpo jyotī raso’mṛtaṃ brahma bhūrbhuvaḥ suvarom || 15.2 ||

16.1.1
nidhanapataye namaḥ || 16.1.1 ||

16.1.2
nidhanapatāntikāya namaḥ || 16.1.2 ||

16.1.3
ūrdhvāya namaḥ || 16.1.3 ||

16.1.4
ūrdhvaliṅgāya namaḥ || 16.1.4 ||

16.1.5
hiraṇyāya namaḥ || 16.1.5 ||

16.1.6
hiraṇyaliṅgāya namaḥ || 16.1.6 ||

16.1.7
suvarṇāya namaḥ || 16.1.7 ||

16.1.8
suvarṇaliṅgāya namaḥ || 16.1.8 ||

16.1.9
divyāya namaḥ || 16.1.9 ||

16.1.10
divyaliṅgāya namaḥ || 16.1.10 ||

16.1.11
bhavāya namaḥ || 16.1.11 ||

16.1.12
bhavaliṅgāya namaḥ || 16.1.12 ||

16.1.13
śarvāya namaḥ || 16.1.13 ||

16.1.14
śarvaliṅgāya namaḥ || 16.1.14 ||

16.1.15
śivāya namaḥ || 16.1.15 ||

16.1.16
śivaliṅgāya namaḥ || 16.1.16 ||

16.1.17
jvalāya namaḥ || 16.1.17 ||

16.1.18
jvalaliṅgāya namaḥ || 16.1.18 ||

16.1.19
ātmāya namaḥ || 16.1.19 ||

16.1.20
ātmaliṅgāya namaḥ || 16.1.20 ||

16.1.21
paramāya namaḥ || 16.1.21 ||

16.1.22
paramaliṅgāya namaḥ || 16.1.22 ||

16.1.23
etatsomasya sūryasya sarvaliṅgaṃ sthāpayati pāṇimantraṃ pavitram || 16.1.23 ||

17.1
sadyojātaṃ prapadyāmi sadyojātāya vai namo namaḥ | bhave bhave nātibhave bhavasva mām | bhavodbhavāya namaḥ || 17.1 ||

18.1.1
vāmadevāya namaḥ || 18.1.1 ||

18.1.2
jyeṣṭhāya namaḥ || 18.1.2 ||

18.1.3
śreṣṭhāya namaḥ || 18.1.3 ||

18.1.4
rudrāya namaḥ || 18.1.4 ||

18.1.5
kālāya namaḥ || 18.1.5 ||

18.1.6
kalavikaraṇāya namaḥ || 18.1.6 ||

18.1.7
balavikaraṇāya namaḥ || 18.1.7 ||

18.1.8
balāya namaḥ || 18.1.8 ||

18.1.9
balapramathanāya namaḥ || 18.1.9 ||

18.1.10
sarvabhūtadamanāya namaḥ || 18.1.10 ||

18.1.11
manonmanāya namaḥ || 18.1.11 ||

19.1
aghorebhyo’tha ghorebhyo ghoraghoratarebhyaḥ | sarvataḥ śarva sarvebhyo namaste astu rudrarūpebhyaḥ || 19.1 ||

20.1
tatpuruṣāya vidmahe mahādevāya dhīmahi | tanno rudraḥ pracodayāt || 20.1 ||

21.1
īśānaḥ sarvavidyānāmīśvaraḥ sarvabhūtānāṃ brahmādhipatirbrahmaṇo’dhipatirbrahmā śivo me astu sadāśivom || 21.1 ||

22.1
namo hiraṇyabāhave hiraṇyavarṇāya hiraṇyarūpāya hiraṇyapataye| ambikāpataya umāpataye paśupataye namo namaḥ || 22.1 ||

23.1
ṛtaṃ satyaṃ paraṃ brahma puruṣaṃ kṛṣṇapiṅgalam | ūrdhvaretaṃ virūpākṣaṃ viśvarūpāya vai namo namaḥ || 23.1 ||

24.1
sarvo vai rudrastasmai rudrāya namo astu | puruṣo vai rudraḥ sanmaho namo namaḥ | viśvaṃ bhūtaṃ bhuvanaṃ citraṃ bahudhā jātaṃ jāyamānaṃ ca yat | sarvo hyeṣa rudrastasmai rudrāya namo astu || 24.1 ||

25.1.1
kadrudrāya pracetase mīḍhuṣṭamāya tavyase | vocema śaṃtamaṃ hṛde || 25.1.1 ||

25.1.2
sarvo hyeṣa rudrastasmai rudrāya namo astu || 25.1.2 ||

26.1
yasya vaikaṅkatyagnihotrahavaṇī bhavati pratyevāsyāhutayastiṣṭhantyatho pratiṣṭhityai || 26.1 ||

27.0
kṛṇuṣva pāja iti pañca || 27.0 ||

27.1
kṛṇuṣva pājaḥ prasitiṃ na pṛthvīṃ yāhi rājevāmavām̐ ibhena | tṛṣvīmanu prasitiṃ drūṇāno’stāsi vidhya rakṣasastapiṣṭhaiḥ || 27.1 ||

27.2
tava bhramāsa āśuyā patantyanu spṛśa dhṛṣatā śośucānaḥ | tapūṃṣyagne juhvā pataṅgānasandito vi sṛja viṣvagulkāḥ || 27.2 ||

27.3
prati spaśo vi sṛja tūrṇitamo bhavā pāyurviśo asyā adabdhaḥ | yo no dūre aghaśaṃso yo antyagne mākiṣṭe vyathirā dadharṣīt || 27.3 ||

27.4
udagne tiṣṭha pratyā tanuṣva nyamitrām̐ oṣatāttigmahete | yo no arātiṃ samidhāna cakre nīcā taṃ dhakṣyatasaṃ na śuṣkam || 27.4 ||

27.5
ūrdhvo bhava prati vidhyādhyasmadāviṣkṛṇuṣva daivyānyagne | ava sthirā tanuhi yātujūnāṃ jāmimajāmiṃ pra mṛṇīhi śatrūn || 27.5 ||

28.1
aditirdevā gandharvā manuṣyāḥ pitaro’surāsteṣāṃ sarvabhūtānāṃ mātā medinī mahatī mahī sāvitrī gāyatrī jagatyurvī pṛthvī bahulā viśvā bhūtā kaṃtamā kāyā sā satyetyamṛteti vāsiṣṭhaḥ || 28.1 ||

29.1
āpo vā idaṃ sarvaṃ viśvā bhūtānyāpaḥ prāṇā vā āpaḥ paśava āpo’nnamāpo’mṛtamāpaḥ samrāḍāpo virāḍāpaḥ svarāḍāpaśchandāṃsyāpo jyotīṃṣyāpo yajūṃṣyāpaḥ satyamāpaḥ sarvā devatā āpo bhūrbhuvaḥ suvarāpa om || 29.1 ||

30.1
āpaḥ punantu pṛthivīṃ pṛthivī pūtā punātu mām | punantu brahmaṇaspatirbrahmapūtā punātu mām || 30.1 ||

30.2
yaducchiṣṭamabhojyaṃ yadvā duścaritaṃ mama | sarvaṃ punantu māmāpo’satāṃ ca pratigrahaṃ svāhā || 30.2 ||

31.1
agniśca mā manyuśca manyupatayaśca manyukṛtebhyaḥ | pāpebhyo rakṣantām | yadahnā pāpamakārṣam | manasā vācā hastābhyām | padbhyāmudareṇa śiśnā | ahastadavalimpatu | yatkiñca duritaṃ mayi | idamahaṃ māmamṛtayonī | satye jyotiṣi juhomi svāhā || 31.1 ||

32.1
sūryaśca mā manyuśca manyupatayaśca manyukṛtebhyaḥ | pāpebhyo rakṣantām | yadrātriyā pāpamakārṣam | manasā vācā hastābhyām | padbhyāmudareṇa śiśnā | rātristadavalumpatu | yatkiñca duritaṃ mayi | idamahaṃ māmamṛtayonī | sūrye jyotiṣi juhomi svāhā || 32.1 ||

33.1
omityekākṣaraṃ brahma | agnirdevatā brahma ityārṣam | gāyatraṃ chandaṃ paramātmaṃ sarūpam | sāyujyaṃ viniyogam || 33.1 ||

34.1
āyātu varadā devī akṣaraṃ brahma saṃmitam | gāyatrī chandasāṃ mātedaṃ brahma juṣasva naḥ || 34.1 ||

34.2
yadahnātkurute pāpaṃ tadahnātpratimucyate | yadrātriyātkurute pāpaṃ tadrātriyātpratimucyate | sarvavarṇe mahādevi sandhyāvidye sarasvati || 34.2 ||

35.1.1
ojo’si saho’si balamasi bhrājo’si devānāṃ dhāma nāmāsi viśvamasi viśvāyuḥ sarvamasi sarvāyurabhibhūrom || 35.1.1 ||

35.1.2
gāyatrīmāvāhayāmi sāvitrīmāvāhayāmi sarasvatīmāvāhayāmi chandarṣīnāvāhayāmi śriyamāvāhayāmi || 35.1.2 ||

35.1.3
gāyatriyā gāyatrī chando viśvāmitra ṛṣiḥ savitā devatāgnirmukhaṃ brahmā śiro viṣṇurhṛdayaṃ rudraḥ śikhā pṛthivī yoniḥ prāṇāpānavyānodānasamānā saprāṇā śvetavarṇā sāṃkhyāyanasagotrā gāyatrī caturviṃśatyakṣarā tripadā ṣaṭkukṣiḥ pañcaśīrṣopanayane viniyogaḥ || 35.1.3 ||

35.2.1
oṃ bhūḥ || 35.2.1 ||

35.2.2
oṃ bhuvaḥ || 35.2.2 ||

35.2.3
oṃ suvaḥ || 35.2.3 ||

35.2.4
oṃ mahaḥ || 35.2.4 ||

35.2.5
oṃ janaḥ || 35.2.5 ||

35.2.6
oṃ tapaḥ || 35.2.6 ||

35.2.7
oṃ satyam || 35.2.7 ||

35.2.8
oṃ tatsaviturvareṇyaṃ bhargo devasya dhīmahi | dhiyo yo naḥ pracodayāt || 35.2.8 ||

35.2.9
omāpo jyotī raso’mṛtaṃ brahma bhūrbhuvaḥ suvarom || 35.2.9 ||

36.1
uttame śikhare devi jāte bhūmyāṃ parvatamūrdhani | brāhmaṇebhyo’bhyanujñātā gaccha devi yathāsukham || 36.1 ||

36.2
stuto mayā varadā vedamātā pracodayantī pavane dvijātā | āyuḥ pṛthivyāṃ draviṇaṃ brahmavarcasaṃ mahyaṃ datvā prajātuṃ brahmalokam || 36.2 ||

37.1
ghṛṇiḥ sūrya ādityo na prabhā vātyakṣaram | madhu kṣaranti tadrasam | satyaṃ vai tadrasamāpo jyotī raso’mṛtaṃ brahma bhūrbhuvaḥ suvarom || 37.1 ||

38.1.1
brahmametu mām || 38.1.1 ||

38.1.2
madhumetu mām || 38.1.2 ||

38.1.3
brahmameva madhumetu mām || 38.1.3 ||

38.1.4
yāste soma prajā vatso’bhi so aham | duḥṣvapnahan duruṣṣaha | yāste soma prāṇāṃstāñjuhomi || 38.1.4 ||

38.2
trisuparṇamayācitaṃ brāhmaṇāya dadyāt | brahmahatyāṃ vā ete ghnanti | ye brāhmaṇāstrisuparṇaṃ paṭhanti | te somaṃ prāpnuvanti | ā sahasrāt paṅktiṃ punanti | oṃ || 38.2 ||

===Mahanarayana Upanishad Anuvaka 3-59

39.1.1
brahma medhayā || 39.1.1 ||

39.1.2
madhu medhayā || 39.1.2 ||

39.1.3
brahmameva madhumedhayā || 39.1.3 ||

39.2
adyāno deva savitaḥ prajāvatsāvīḥ saubhagam | parā duḥṣvapniyaṃ suva || 39.2 ||

39.3
viśvāni deva savitarduritāni parāsuva | yadbhadraṃ tanmama āsuva || 39.3 ||

39.4
madhuvātā ṛtāyate madhukṣaranti sindhavaḥ | mādhvīrnaḥ santvoṣadhīḥ || 39.4 ||

39.5
madhu naktamutoṣasi madhumatpārthivaṃ rajaḥ | madhudyaurastu naḥ pitā || 39.5 ||

39.6
madhumānno vanaspatirmadhumāṃ astu sūryaḥ | mādhvīrgāvo bhavantu naḥ || 39.6 ||

39.7
ya imaṃ trisuparṇamayācitaṃ brāhmaṇāya dadyāt | bhrūṇahatyāṃ vā ete ghnanti | ye brāhmaṇāstrisuparṇaṃ paṭhanti | te somaṃ prāpnuvanti | ā sahasrātpaṅktiṃ punanti | oṃ || 39.7 ||

40.1.1
brahma medhavā || 40.1.1 ||

40.1.2
madhu medhavā || 40.1.2 ||

40.1.3
brahmameva madhu medhavā || 40.1.3 ||

40.2
brahmā devānāṃ padavīḥ kavīnāmṛṣirviprāṇāṃ mahiṣo mṛgāṇām | śyeno gṛddhāṇāṃ svadhitirvanānāṃ somaḥ pavitramatyeti rebhat || 40.2 ||

40.3
haṃsaḥ śuciṣadvasurantarikṣasaddhotā vediṣadatithirduroṇasat | nṛṣadvarasadṛtasadvyomasadabjā gojā ṛtajā adrijā ṛtaṃ bṛhat || 40.3 ||

40.4.1
ṛce tvā || 40.4.1 ||

40.4.2
ṛce tvā || 40.4.2 ||

40.4.3
samitsravanti sarito na dhenāḥ | antarhṛdā manasā pūyamānāḥ | ghṛtasya dhārā abhicākaśīmi || 40.4.3 ||

40.5
hiraṇyayo vetaso madhya āsām | tasmintsuparṇo madhukṛt kulāyī bhajannāste madhu devatābhyaḥ | tasyāsate harayaḥ sapta tīre svadhāṃ duhānā amṛtasya dhārām || 40.5 ||

40.6
ya idaṃ trisuparṇamayācitaṃ brāhmaṇāya dadyāt | vīrahatyāṃ vā ete ghnanti | ye brāhmaṇāstrisuparṇaṃ paṭhanti | te somaṃ prāpnuvanti | āsahasrāt paṅktiṃ punanti | oṃ || 40.6 ||

41.1
medhādevī juṣamāṇā na āgādviśvācī bhadrā sumanasyamānā | tvayā juṣṭā juṣamāṇā duruktānbṛhadvadema vidathe suvīrāḥ || 41.1 ||

41.2
tvayā juṣṭa ṛṣirbhavati devi tvayā brahmāgataśrīruta tvayā | tvayā juṣṭaścitraṃ vindate vasu sā no juṣasva draviṇena medhe || 41.2 ||

42.1
medhāṃ ma indro dadātu medhāṃ devī sarasvatī | medhāṃ me aśvināvubhāvādhattāṃ puṣkarasrajau || 42.1 ||

42.2
apsarāsu ca yā medhā gandharveṣu ca yanmanaḥ | daivī medhā sarasvatī sā māṃ medhā surabhirjuṣatāṃ svāhā || 42.2 ||

43.1
ā māṃ medhā surabhirviśvarūpā hiraṇyavarṇā jagatī jagamyā | ūrjasvatī payasā pinvamānā sā māṃ medhā supratīkā juṣatām || 43.1 ||

44.1.1
mayi medhāṃ mayi prajāṃ mayyagnistejo dadhātu || 44.1.1 ||

44.1.2
mayi medhāṃ mayi prajāṃ mayīndra indriyaṃ dadhātu || 44.1.2 ||

44.1.3
mayi medhāṃ mayi prajāṃ mayi sūryo bhrājo dadhātu || 44.1.3 ||

45.1
apaitu mṛtyuramṛtaṃ na āganvaivasvato no abhayaṃ kṛṇotu | parṇaṃ vanaspaterivābhi naḥ śīyatāṃrayiḥ sacatāṃ naḥ śacīpatiḥ || 45.1 ||

46.1
paraṃ mṛtyo anuparehi panthāṃ yaste sva itaro devayānāt | cakṣuṣmate śṛṇvate te bravīmi mā naḥ prajāṃ rīriṣo mota vīrān || 46.1 ||

47.1
vātaṃ prāṇaṃ manasānvārabhāmahe prajāpatiṃ yo bhuvanasya gopāḥ | sa no mṛtyostrāyatāṃ pātvaṃhaso jyogjīvā jarāma śīmahi || 47.1 ||

48.1
amutrabhūyādadha yadyamasya bṛhaspate abhiśasteramuñcaḥ | pratyauhatāmaśvinā mṛtyumasmaddevānāmagne bhiṣajā śacībhiḥ || 48.1 ||

49.1
hariṃ harantamanuyanti devā viśvasyeśānaṃ vṛṣabhaṃ matīnām | brahmasarūpamanu medamāgādayanaṃ mā vivadhīrvikramasva || 49.1 ||

50.1
śalkairagnimindhāna ubhau lokau sanemaham | ubhayorlokayorṛdhvāti mṛtyuṃ tarāmyaham || 50.1 ||

51.1
mā chido mṛtyo mā vadhīrmā me balaṃ vivṛho mā pramoṣīḥ | prajāṃ mā me rīriṣa āyurugra nṛcakṣasaṃ tvā haviṣā vidhema || 51.1 ||

52.1
mā no mahāntamuta mā no arbhakaṃ mā na ukṣantamuta mā na ukṣitam | mā no vadhīḥ pitaraṃ mota mātaraṃ priyā mā nastanuvo rudra rīriṣaḥ || 52.1 ||

53.1
mā nastoke tanaye mā na āyuṣi mā no goṣu mā no aśveṣu rīriṣaḥ | vīrānmā no rudra bhāmito vadhīrhaviṣmanto namasā vidhema te || 53.1 ||

54.1
prajāpate na tvadetānyanyo viśvā jātāni pari tā babhūva | yatkāmaste juhumastanno astu vayaṃ syāma patayo rayīṇām || 54.1 ||

55.1
svastidā viśaspatirvṛtrahā vimṛdho vaśī | vṛṣendraḥ pura etu naḥ svastidā abhayaṅkaraḥ || 55.1 ||

56.1
tryambakaṃ yajāmahe sugandhiṃ puṣṭivardhanam | urvārukamiva bandhanānmṛtyormukṣīya māmṛtāt || 56.1 ||

57.1
ye te sahasramayutaṃ pāśā mṛtyo martyāya hantave | tān yajñasya māyayā sarvānavayajāmahe || 57.1 ||

58.1.1
mṛtyave svāhā || 58.1.1 ||

58.1.2
mṛtyave svāhā || 58.1.2 ||

59.1.1
devakṛtasyainaso’vayajanamasi svāhā || 59.1.1 ||

59.1.2
manuṣyakṛtasyainaso’vayajanamasi svāhā || 59.1.2 ||

59.1.3
pitṛkṛtasyainaso’vayajanamasi svāhā || 59.1.3 ||

59.1.4
ātmakṛtasyainaso’vayajanamasi svāhā || 59.1.4 ||

59.1.5
anyakṛtasyainaso’vayajanamasi svāhā || 59.1.5 ||

59.1.6
asmatkṛtasyainaso’vayajanamasi svāhā || 59.1.6 ||

59.1.7
yaddivā ca naktaṃ cainaścakṛma tasyāvayajanamasi svāhā || 59.1.7 ||

59.1.8
yatsvapantaśca jāgrataścainaścakṛma tasyāvayajanamasi svāhā || 59.1.8 ||

59.1.9
yatsuṣuptaśca jāgrataścainaścakṛma tasyāvayajanamasi svāhā || 59.1.9 ||

59.1.10
yadvidvāṃsaścāvidvāṃsaścainaścakṛma tasyāvayajanamasi svāhā || 59.1.10 ||

59.1.11
enasa enaso’vayajanamasi svāhā || 59.1.11 ||

60.1
yadvo devāścakṛma jihvayā guru manaso vā prayutī devaheḍanam | arāvā yo no abhi ducchunāyate tasmin tadeno vasavo nidhetana svāhā || 60.1 ||

61.1
kāmo’kārṣīnnamo namaḥ | kāmo’kārṣītkāmaḥ karoti nāhaṃ karomi kāmaḥ kartā nāhaṃ kartā kāmaḥ kārayitā nāhaṃ kārayitā eṣa te kāma kāmāya svāhā || 61.1 ||

62.1
manyurakārṣīnnamo namaḥ | manyurakārṣīnmanyuḥ karoti nāhaṃ karomi manyuḥ kartā nāhaṃ kartā manyuḥ kārayitā nāhaṃ kārayitā eṣa te manyo manyave svāhā || 62.1 ||

63.1
tilāñjuhomi sarasān sapiṣṭān gandhāra mama citte ramantu svāhā || 63.1 ||

63.2
gāvo hiraṇyaṃ dhanamannapānaṃ sarveṣāṃ śriyai svāhā || 63.2 ||

63.3
śriyaṃ ca lakṣmīṃ ca puṣṭiṃ ca kīrtiṃ cānṛṇyatām | brāhmaṇyaṃ bahuputratām | śraddhāmedhe prajāḥ saṃdadātu svāhā || 63.3 ||

64.1
tilāḥ kṛṣṇāstilāḥ śvetāstilāḥ saumyā vaśānugāḥ | tilāḥ punantu me pāpaṃ yatkiñcid duritaṃ mayi svāhā || 64.1 ||

64.2
corasyānnaṃ navaśrāddhaṃ brahmahā gurutalpagaḥ | gosteyaṃ surāpānaṃ bhrūṇahatyā tilā śāntiṃ śamayantu svāhā || 64.2 ||

64.3
śrīśca lakṣmīśca puṣṭīśca kīrtiṃ cānṛṇyatām | brahmaṇyaṃ bahuputratām | śraddhāmedhe prajñā tu jātavedaḥ saṃdadātu svāhā || 64.3 ||

65.1
prāṇāpānavyānodānasamānā me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 65.1 ||

65.2
vāṅmanaścakṣuḥśrotrajihvāghrāṇaretobuddhyākūtiḥsaṅkalpā me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 65.2 ||

65.3
tvakcarmamāṃsarudhiramedomajjāsnāyavo’sthīni me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 65.3 ||

65.4
śiraḥpāṇipādapārśvapṛṣṭhorūdarajaṅghāśiśnopasthapāyavo me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 65.4 ||

65.5
uttiṣṭha puruṣa harita piṅgala lohitākṣi dehi dehi dadāpayitā me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 65.5 ||

66.1
pṛthivyaptejovāyurākāśā me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 66.1 ||

66.2
śabdasparśarūparasagandhā me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 66.2 ||

66.3
manovākkāyakarmāṇi me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 66.3 ||

66.4
avyaktabhāvairahaṅkārair- jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 66.4 ||

66.5
ātmā me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 66.5 ||

66.6
antarātmā me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 66.6 ||

66.7
paramātmā me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 66.7 ||

66.8.1
kṣudhe svāhā || 66.8.1 ||

66.8.2
kṣutpipāsāya svāhā || 66.8.2 ||

66.8.3
vividdhyai svāhā || 66.8.3 ||

66.8.4
ṛgvidhānāya svāhā || 66.8.4 ||

66.8.5
kaṣotkāya svāhā || 66.8.5 ||

66.8.6
oṃ svāhā || 66.8.6 ||

66.9
kṣutpipāsāmalaṃ jyeṣṭhāmalakṣmīrnāśayāmyaham | abhūtimasamṛddhiṃ ca sarvānnirṇuda me pāpmānaṃ svāhā || 66.9 ||

66.10
annamayaprāṇamayamanomayavijñānamayamānandamayamātmā me śudhyantāṃ jyotirahaṃ virajā vipāpmā bhūyāsaṃ svāhā || 66.10 ||

67.1.1
agnaye svāhā || 67.1.1 ||

67.1.2
viśvebhyo devebhyaḥ svāhā || 67.1.2 ||

67.1.3
dhruvāya bhūmāya svāhā || 67.1.3 ||

67.1.4
dhruvakṣitaye svāhā || 67.1.4 ||

67.1.5
acyutakṣitaye svāhā || 67.1.5 ||

67.1.6
agnaye sviṣṭakṛte svāhā || 67.1.6 ||

67.1.7
dharmāya svāhā || 67.1.7 ||

67.1.8
adharmāya svāhā || 67.1.8 ||

67.1.9
adbhyaḥ svāhā || 67.1.9 ||

67.1.10
oṣadhivanaspatibhyaḥ svāhā || 67.1.10 ||

67.1.11
rakṣodevajanebhyaḥ svāhā || 67.1.11 ||

67.1.12
gṛhyābhyaḥ svāhā || 67.1.12 ||

67.1.13
avasānebhyaḥ svāhā || 67.1.13 ||

67.1.14
avasānapatibhyaḥ svāhā || 67.1.14 ||

67.1.15
sarvabhūtebhyaḥ svāhā || 67.1.15 ||

67.1.16
kāmāya svāhā || 67.1.16 ||

67.1.17
antarikṣāya svāhā || 67.1.17 ||

67.1.18
yadejati jagati yacca ceṣṭati nāmno bhāgo’yaṃ nāmne svāhā || 67.1.18 ||

67.1.19
pṛthivyai svāhā || 67.1.19 ||

67.1.20
antarikṣāya svāhā || 67.1.20 ||

67.1.21
dive svāhā || 67.1.21 ||

67.1.22
sūryāya svāhā || 67.1.22 ||

67.1.23
candramase svāhā || 67.1.23 ||

67.1.24
nakṣatrebhyaḥ svāhā || 67.1.24 ||

67.1.25
indrāya svāhā || 67.1.25 ||

67.1.26
bṛhaspataye svāhā || 67.1.26 ||

67.1.27
prajāpataye svāhā || 67.1.27 ||

67.1.28
brahmaṇe svāhā || 67.1.28 ||

67.1.29
svadhā pitṛbhyaḥ svāhā || 67.1.29 ||

67.1.30
namo rudrāya paśupataye svāhā || 67.1.30 ||

67.1.31
devebhyaḥ svāhā || 67.1.31 ||

67.1.32
pitṛbhyaḥ svadhāstu || 67.1.32 ||

67.1.33
bhūtebhyo namaḥ || 67.1.33 ||

67.1.34
manuṣyebhyo hanta || 67.1.34 ||

67.1.35
prajāpataye svāhā || 67.1.35 ||

67.1.36
parameṣṭhine svāhā || 67.1.36 ||

67.2.1
yathā kūpaḥ śatadhāraḥ sahasradhāro akṣitaḥ | evā me astu dhānyaṃ sahasradhāramakṣitam || 67.2.1 ||

67.2.2
dhanadhānyai svāhā || 67.2.2 ||

67.3
ye bhūtāḥ pracaranti divānaktaṃ balimicchanto vitudasya preṣyāḥ | tebhyo baliṃ puṣṭikāmo harāmi mayi puṣṭiṃ puṣṭipatirdadhātu svāhā || 67.3 ||

68.1
oṃ tad brahma | oṃ tad vāyuḥ | oṃ tad ātmā | oṃ tat satyam | oṃ tat sarvam | oṃ tat puror namaḥ || 68.1 ||

68.2
oṃ antaś carati bhūteṣu guhāyāṃ viśvamūrtiṣu | tvaṃ yajñas tvaṃ vaṣaṭkāras tvam indras tvaṃ rudras tvaṃ viṣṇus tvaṃ brahma tvaṃ prajāpatiḥ | tvaṃ tad āpa āpo jyotī raso ’mṛtaṃ brahma bhūr bhuvaḥ suvar oṃ || 68.2 ||

69.1.1
śraddhāyāṃ prāṇe niviṣṭo ’mṛtaṃ juhomi || 69.1.1 ||

69.1.2
śraddhāyāṃ apāne niviṣṭo ’mṛtaṃ juhomi || 69.1.2 ||

69.1.3
śraddhāyāṃ vyāne niviṣṭo ’mṛtaṃ juhomi || 69.1.3 ||

69.1.4
śraddhāyāṃ udāne niviṣṭo ’mṛtaṃ juhomi || 69.1.4 ||

69.1.5
śraddhāyāṃ samāne niviṣṭo ’mṛtaṃ juhomi || 69.1.5 ||

69.1.6
brahmaṇi ma ātmāmṛtatvāya || 69.1.6 ||

69.2
amṛtopastaraṇam asi || 69.2 ||

69.3.1
śraddhāyāṃ prāṇe niviṣṭo ’mṛtaṃ juhomi | śivo mā viśāpradāhāya | prāṇāya svāhā || 69.3.1 ||

69.3.2
śraddhāyāṃ apāne niviṣṭo ’mṛtaṃ juhomi | śivo mā viśāpradāhāya | apānāya svāhā || 69.3.2 ||

69.3.3
śraddhāyāṃ vyāne niviṣṭo ’mṛtaṃ juhomi | śivo mā viśāpradāhāya | vyānāya svāhā || 69.3.3 ||

69.3.4
śraddhāyāṃ udāne niviṣṭo ’mṛtaṃ juhomi | śivo mā viśāpradāhāya | udānāya svāhā || 69.3.4 ||

69.3.5
śraddhāyāṃ samāne niviṣṭo ’mṛtaṃ juhomi | śivo mā viśāpradāhāya | samānāya svāhā || 69.3.5 ||

69.3.6
brahmaṇi ma ātmāmṛtatvāya || 69.3.6 ||

69.4
amṛtāpidhānam asi || 69.4 ||

70.1.1
śraddhāyāṃ prāṇe niviśyāmṛtaṃ hutam | prāṇam annenāpyāyasva || 70.1.1 ||

70.1.2
śraddhāyāṃ apāne niviśyāmṛtaṃ hutam | apānam annenāpyāyasva || 70.1.2 ||

70.1.3
śraddhāyāṃ vyāne niviśyāmṛtaṃ hutam | vyānam annenāpyāyasva || 70.1.3 ||

70.1.4
śraddhāyāṃ udāne niviśyāmṛtaṃ hutam | udānam annenāpyāyasva || 70.1.4 ||

70.1.5
śraddhāyāṃ samāne niviśyāmṛtaṃ hutam | samānam annenāpyāyasva || 70.1.5 ||

71.1
aṅguṣṭhamātraḥ puruṣo ’ṅguṣṭhaṃ ca samāśritaḥ | īśaḥ sarvasya jagataḥ prabhuḥ prīṇātu viśvabhuk || 71.1 ||

72.1
vāṅ ma āsan | nasoḥ prāṇaḥ | akṣyoś cakṣuḥ | karṇayoḥ śrotram | bāhuvor balam | ūruvor ojaḥ | ariṣṭā viśvāny aṅgāni tanūḥ | tanuvā me saha namas te astu mā mā hiṃsīḥ || 72.1 ||

73.1
vayaḥ suparṇā upasedur indraṃ priyamedhā ṛṣayo nādhamānāḥ | apa dhvāntam ūrṇuhi pūrdhi cakṣur mumugdhy asmān nidhayeva baddhān || 73.1 ||

74.1
prāṇānāṃ granthir asi rudro mā viśāntakaḥ | tenānnenāpyāyasva || 74.1 ||

75.1
namo rudrāya viṣṇave mṛtyur me pāhi || 75.1 ||

76.1
tvam agne dyubhis tvam āśuśukṣaṇis tvam adbhyas tvam aśmanas pari | tvaṃ vanebhyas tvam oṣadhībhyas tvaṃ nṛṇāṃ nṛpate jāyase śuciḥ || 76.1 ||

77.1
śivena me saṃtiṣṭhasva syonena me saṃtiṣṭhasva subhūtena me saṃtiṣṭhasva brahmavarcasena me saṃtiṣṭhasva yajñasyarddhim anusaṃtiṣṭhasvopa te yajña nama upa te nama upa te namaḥ || 77.1 ||

78.1
satyaṃ paraṃ paraṃ satyaṃ satyena na suvargāl lokāc cyavante kadācana satāṃ hi satyaṃ tasmāt satye ramante || 78.1 ||

78.2
tapa iti tapo nānaśanāt paraṃ yad dhi paraṃ tapas tad durdharṣaṃ tad durādharṣaṃ tasmāt tapasi ramante || 78.2 ||

78.3
dama iti niyataṃ brahmacāriṇas tasmād dame ramante || 78.3 ||

78.4
śama ity araṇye munayas tasmāc chame ramante || 78.4 ||

78.5
dānam iti sarvāṇi bhūtāni praśaṃsanti dānān nātiduṣkaraṃ tasmād dāne ramante || 78.5 ||

78.6
dharma iti dharmeṇa sarvam idaṃ parigṛhītaṃ dharmān nātiduścaraṃ tasmād dharme ramante || 78.6 ||

78.7
prajana iti bhūyāṃsas tasmād bhūyiṣṭhāḥ prajāyante tasmād bhūyiṣṭhāḥ prajanane ramante || 78.7 ||

78.8
agnaya ity āha tasmād agnaya ādhātavyāḥ || 78.8 ||

78.9
agnihotram ity āha tasmād agnihotre ramante || 78.9 ||

78.10
yajña iti yajñena hi devā divaṃ gatās tasmād yajñe ramante || 78.10 ||

78.11
mānasam iti vidvāṃsas tasmād vidvāṃsa eva mānase ramante || 78.11 ||

78.12
nyāsa iti brahmā brahmā hi paraḥ paro hi brahmā tāni vā etāny avarāṇi tapāṃsi nyāsa evātyarecayat ya evaṃ vedety upaniṣat || 78.12 ||

79.1
prājāpatyo hāruṇiḥ suparṇeyaḥ prajāpatiṃ pitaram upasasāra kiṃ bhagavantaḥ paramaṃ vadantīti tasmai provāca || 79.1 ||

79.2
satyena vāyur āvāti satyenādityo rocate divi satyaṃ vācaḥ pratiṣṭhā satye sarvaṃ pratiṣṭhitaṃ tasmāt satyaṃ paramaṃ vadanti || 79.2 ||

79.3
tapasā devā devatām agra āyan tapasārṣayaḥ suvar anvavindan tapasā sapatnān praṇudāmārātīs tapasi sarvaṃ pratiṣṭhitaṃ tasmāt tapaḥ paramaṃ vadanti || 79.3 ||

79.4
damena dāntāḥ kilbiṣam avadhūnvanti damena brahmacāriṇaḥ suvar agacchan damo bhūtānāṃ durādharṣaṃ dame sarvaṃ pratiṣṭhitaṃ tasmād damaḥ paramaṃ vadanti || 79.4 ||

79.5
śamena śāntāḥ śivam ācaranti śamena nākaṃ munayo ’nvavindan śamo bhūtānāṃ durādharṣaṃ śame sarvaṃ pratiṣṭhitaṃ tasmāc chamaḥ paramaṃ vadanti || 79.5 ||

79.6
dānaṃ yajñānāṃ varūthaṃ dakṣiṇā loke dātāraṃ sarvabhūtāny upajīvanti dānenārātīr apānudanta dānena dviṣanto mitrā bhavanti dāne sarvaṃ pratiṣṭhitaṃ tasmād dānaṃ paramaṃ vadanti || 79.6 ||

79.7
dharmo viśvasya jagataḥ pratiṣṭhā loke dharmiṣṭhaṃ prajā upasarpanti dharmeṇa pāpam apanudati dharme sarvaṃ pratiṣṭhitaṃ tasmād dharmaṃ paramaṃ vadanti || 79.7 ||

79.8
prajananaṃ vai pratiṣṭhā loke sādhu prajāyās tantuṃ tanvānaḥ pitṝṇām anṛṇo bhavati tad eva tasyānṛṇaṃ tasmāt prajananaṃ paramaṃ vadanti || 79.8 ||

79.9
agnayo vai trayī vidyā devayānaḥ panthā gārhapatya ṛk pṛthivī rathantaram anvāhāryapacano yajur antarikṣaṃ vāmadevyam āhavanīyaḥ sāma suvargo loko bṛhat tasmād agnīn paramaṃ vadanti || 79.9 ||

79.10
agnihotraṃ sāyaṃ prātar gṛhāṇāṃ niṣkṛtiḥ sviṣṭaṃ suhutaṃ yajñakratūnāṃ prāyaṇaṃ suvargasya lokasya jyotis tasmād agnihotraṃ paramaṃ vadanti || 79.10 ||

79.11
yajña iti yajño hi devānāṃ yajñena hi devā divaṃ gatā yajñenāsurān apānudanta yajñena dviṣanto mitrā bhavanti yajñe sarvaṃ pratiṣṭhitaṃ tasmād yajñaṃ paramaṃ vadanti || 79.11 ||

79.12
mānasaṃ vai prājāpatyaṃ pavitraṃ mānasena manasā sādhu paśyati manasā ṛṣayaḥ prajā asṛjanta mānase sarvaṃ pratiṣṭhitaṃ tasmān mānasaṃ paramaṃ vadanti || 79.12 ||

79.13
nyāsa ity āhur manīṣiṇo brahmāṇaṃ brahmā viśvaḥ katamaḥ svayambhūḥ prajāpatiḥ saṃvatsara iti || 79.13 ||

79.14
saṃvatsaro ’sāv ādityo ya eṣa āditye puruṣaḥ sa parameṣṭhī brahmātmā || 79.14 ||

79.15.1
yābhir ādityas tapati raśmibhis tābhiḥ parjanyo varṣati parjanyenauṣadhivanaspatayaḥ prajāyanta oṣadhivanaspatibhir annaṃ bhavati || 79.15.1 ||

79.15.2
annena prāṇāḥ prāṇair balaṃ balena tapas tapasā śraddhā śraddhayā medhā medhayā manīṣā manīṣayā mano manasā śāntiḥ śāntyā cittaṃ cittena smṛtiḥ smṛtyā smāraṃ smāreṇa vijñānaṃ vijñānenātmānaṃ vedayati || 79.15.2 ||

79.15.3
tasmād annaṃ dadan sarvāṇy etāni dadāty annāt prāṇā bhavanti bhūtānāṃ prāṇair mano manasaś ca vijñānaṃ vijñānād ānando brahma yoniḥ || 79.15.3 ||

79.16.1
sa vā eṣa puruṣaḥ pañcadhā pañcātmā yena sarvam idaṃ protaṃ pṛthivī cāntarikṣaṃ ca dyauś ca diśaś cāvāntaradiśāś ca sa vai sarvam idaṃ jagat sa bhūtaṃ sa bhavyaṃ || 79.16.1 ||

79.16.2
jijñāsakḷpta ṛtajā rayiṣṭhāḥ śraddhā satyo mahasvān tamasopariṣṭāt | jñātvā tam evaṃ manasā hṛdā ca bhūyo na mṛtyum upayāhi vidvān || 79.16.2 ||

79.16.3
tasmān nyāsam eṣāṃ tapasām atiriktam āhuḥ || 79.16.3 ||

79.17
vasuraṇvo vibhūr asi prāṇe tvam asi sandhātā brahman tvam asi viśvasṛt tejodās tvam asy agner asi varcodās tvam asi sūryasya dyumnodās tvam asi candramasa upayāmagṛhīto ’si brahmaṇe tvā mahase || 79.17 ||

79.18
om ity ātmānaṃ yuñjīta | etad vai mahopaniṣadaṃ devānāṃ guhyam | ya evaṃ veda brahmaṇo mahimānam āpnoti tasmād brahmaṇo mahimānam ity upaniṣat || 79.18 ||

80.1.1
tasyaivaṃ viduṣo yajñasyātmā yajamānaḥ śraddhā patnī śarīram idhmam uro vedir lomāni barhir vedaḥ śikhā hṛdayaṃ yūpaḥ kāma ājyaṃ manyuḥ paśus tapo ’gnir damaḥ śamayitā dānaṃ dakṣiṇā || 80.1.1 ||

80.1.2
vāg ghotā prāṇa udgātā cakṣur adhvaryur mano brahmā śrotram agnīt || 80.1.2 ||

80.1.3
yāvad dhriyate sā dīkṣā yad aśnāti tad dhavir yat pibati tad asya somapānam || 80.1.3 ||

80.1.4
yad ramate tad upasado yat sañcaraty upaviśaty uttiṣṭhate ca sa pravargyaḥ || 80.1.4 ||

80.1.5
yan mukhaṃ tad āhavanīyo yā vyāhṛtir āhutir yad asya vijñānaṃ taj juhoti || 80.1.5 ||

80.1.6
yat sāyaṃ prātar atti tat samidhaṃ yat prātar madhyandinaṃ sāyaṃ ca tāni savanāni || 80.1.6 ||

80.1.7
ye ahorātre te darśapūrṇamāsau ye ’rdhamāsāś ca māsāś ca te cāturmāsyāni || 80.1.7 ||

80.1.8
ya ṛtavas te paśubandhā ye saṃvatsarāś ca parivatsarāś ca te ’hargaṇāḥ || 80.1.8 ||

80.1.9
sarvavedasaṃ vā etat satraṃ yan maraṇaṃ tad avabhṛtha etad vai jarāmaryam agnihotraṃ satram || 80.1.9 ||

80.1.10
ya evaṃ vidvān udagayane pramīyate devānām eva mahimānaṃ gatvādityasya sāyujyaṃ gacchati || 80.1.10 ||

80.1.11
atha yo dakṣiṇe pramīyate pitṝṇām eva mahimānaṃ gatvā candramasaḥ sāyujyaṃ gacchati || 80.1.11 ||

80.1.12
etau vai sūryācandramasor mahimānau brāhmaṇo vidvān abhijayati tasmād brahmaṇo mahimānam āpnoti tasmād brahmaṇo mahimānam ity upaniṣat || 80.1.12 ||

Schlussgebet 1
oṃ śaṃ no mitraḥ śaṃ varuṇaḥ | śaṃ no bhavatv aryamā | śaṃ na indro bṛhaspatiḥ | śaṃ no viṣṇur urukramaḥ | namo brahmaṇe | namas te vāyo | tvam eva pratyakṣaṃ brahmāsi | tvām eva pratyakṣaṃ brahmāvādiṣam | ṛtam avādiṣam | satyam avādiṣam | tan mām āvīt | tad vaktāram āvīt | āvīn mām | āvīd vaktāram | oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

Schlussgebet 2
oṃ saha nāv avatu | saha nau bhunaktu | saha vīryaṃ karavāvahai | tejasvi nāv adhītam astu | mā vidviṣāvahai | oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

Kolophon
iti mahānārāyaṇopaniṣat samāptā ||

Deutsche Übersetzung: Anuvakas 1–80 und Schlussformeln

1.1
Der Herr der Geschöpfe, größer als das Große, befindet sich jenseits der Wasser, inmitten der Welt und auf dem Rücken des Himmels. Nachdem er mit seinem zeugenden Licht in die leuchtenden Wesen eingegangen ist, bewegt er sich im Inneren des Embryos.

1.2
In ihm kommt dieses All zusammen und aus ihm geht es wieder auseinander; in ihm haben alle Götter ihren Sitz. Er allein ist das Gewesene und auch das Künftige; dieses [All] ruht im Unvergänglichen, im höchsten Raum.

1.3
Durch ihn sind Luftraum, Himmel und Erde umhüllt; durch ihn brennt die Sonne mit Hitze und strahlendem Glanz. Ihn verweben die Seher im inneren Meer; im Unvergänglichen, im höchsten [Raum], ruhen die Geschöpfe.

1.4
Aus ihm wurde die Hervorbringerin der Welt geboren. Mit dem Wasser und den übrigen Elementen entließ sie die Lebewesen auf der Erde. Er ging durch die Pflanzen in Menschen und Tiere ein, in alle beweglichen und unbeweglichen Wesen.

1.5
Jenseits von ihm gibt es nichts anderes, nichts Feineres; er ist höher als das Hohe und größer als das Große. Er ist der eine, unoffenbare, unendlich gestaltige, uralte Weltgrund jenseits der Dunkelheit.

1.6
Ihn allein nennen die Seher die kosmische Ordnung und die Wahrheit, ihn allein das höchste Brahman. Als Opferwerk und Werk für die Gemeinschaft, vielfach geworden und stets entstehend, trägt er als Nabel der Welt das All.

1.7
Er allein ist Agni, er ist Vayu, er ist die Sonne und auch der Mond. Er allein ist das helle Licht, das Unsterbliche, Brahman, die Wasser und Prajapati.

1.8
Alle Augenblicke entstanden aus dem leuchtenden Purusha. Zeitteile, Muhurtas, Kasthas sowie sämtliche Tage und Nächte [entstanden aus ihm].

1.9
Halbmonate, Monate, Jahreszeiten und das Jahr sollen [durch ihn] geordnet sein. Er ließ die Wasser hervorströmen und beide Bereiche entstehen: den Zwischenraum und den Himmel.

1.10
Niemand hat ihn oben, querhin oder in der Mitte vollständig erfasst. Keiner ist Herr über ihn; sein Name ist ‚große Herrlichkeit‘.

1.11
Seine Gestalt steht nicht im Bereich des Sichtbaren; niemand sieht ihn mit dem Auge. Wer ihn durch Herz, Einsicht und gesammelten Geist erkennt, wird unsterblich.

1.Z1.1
Aus den Wassern, aus Erde und ihrem Lebenssaft entstand das All durch Vishvakarman. Tvashtar gestaltet seine Form; am Anfang war das ganze Weltall die Erscheinung dieses Purusha.

1.Z1.2
Ich kenne diesen großen Purusha, sonnenfarbig und jenseits der Dunkelheit. Wer ihn so erkennt, wird hier unsterblich; einen anderen Weg zum Ziel gibt es nicht.

1.Z1.3
Prajapati bewegt sich im Inneren des Embryos. Ungeboren wird er auf vielfache Weise geboren. Die Weisen erkennen seinen Ursprung; die Schöpfer suchen den Ort der Lichtstrahlen.

1.Z1.4
Verneigung vor dem brahmanischen Lichtglanz: vor dem, der für die Götter leuchtet, ihr Hauspriester ist und vor den Göttern als Erster geboren wurde.

1.Z1.5
Als die Götter am Anfang den brahmanischen Lichtglanz hervorbrachten, sprachen sie: Der Brahmane, der ihn so erkennt, wird die Götter in seiner Macht haben.

1.Z1.6
Schamhaftigkeit und Lakshmi sind deine beiden Gefährtinnen, Tag und Nacht deine Seiten, die Sternbilder deine Gestalt und die Ashvins dein geöffnetes Maul. Gewähre das Ersehnte, gewähre jene Welt, gewähre alles.

1.Z2.1
Am Anfang entstand Hiranyagarbha; geboren war er der eine Herr der Wesen. Er trug diese Erde und den Himmel. Welchem Gott sollen wir mit Opfergabe dienen?

1.Z2.2
Der durch seine Größe der einzige König der atmenden und die Augen schließenden Welt wurde, der über Zwei- und Vierfüßer herrscht – welchem Gott sollen wir mit Opfergabe dienen?

1.Z2.3
Der das Selbst und Kraft gibt, dessen Weisung das All und selbst die Götter verehren, dessen Schatten Unsterblichkeit und Tod sind – welchem Gott sollen wir mit Opfergabe dienen?

1.Z2.4
Dessen Größe die schneebedeckten Berge und das Meer mit den Strömen verkünden, dessen Arme die Himmelsrichtungen sind – welchem Gott sollen wir mit Opfergabe dienen?

1.Z2.5
Auf ihn blickten Himmel und Erde, durch seine Hilfe gestützt und im Geist erbebend; über ihm bewegt sich die aufgegangene Sonne – welchem Gott sollen wir mit Opfergabe dienen?

1.Z2.6
Durch den der mächtige Himmel und die Erde gefestigt, der lichte Raum und das Himmelsgewölbe gestützt sind, der den Luftraum und seine Weiten ausmisst – welchem Gott sollen wir mit Opfergabe dienen?

1.Z2.7
Als die großen Wasser, die Schöpferkraft tragend und Agni gebärend, das All erreichten, entstand aus ihnen der eine Lebenshauch der Götter – welchem Gott sollen wir mit Opfergabe dienen?

1.Z2.8
Der in seiner Größe auf die Wasser blickte, die Schöpferkraft tragen und Agni gebären, der eine Gott über den Göttern – welchem Gott sollen wir mit Opfergabe dienen?

1.12
Dieser Gott folgt allen Himmelsrichtungen. Als der zuerst Geborene ist er im Inneren des Weltenleibes. Er ist das jetzt Geborene und das künftig Geborene; nach innen gewandt steht er da und hat doch Gesichter überall.

1.13
Überall sind seine Augen und überall sein Gesicht, überall seine Hände und überall seine Füße. Mit beiden Armen und mit Flügeln hält der eine Gott Himmel und Erde zusammen, während er sie hervorbringt.

1.14
Vena schaute dies und erkannte alle Welten, wo das All zu einem einzigen Nest wird. In ihm ist dieses All zusammengefügt und auseinandergefaltet, als Kette und Schuss verwoben; er ist in den Geschöpfen allgegenwärtig.

1.15
Als Wissender verkündete ich nun dieses Unsterbliche: der Gandharva namens [Vena], verborgen in den Höhlen. Drei Schritte sind in den Höhlen verborgen. Wer das erkennt, wird zum Vater des Savitri.

1.16
Er ist unser Verwandter, Erzeuger und Ordner; er kennt alle Orte und Welten. Dort genossen die Götter die Unsterblichkeit und gelangten zu den Wohnstätten im dritten Bereich.

1.17
Sogleich umschreiten sie Himmel und Erde, die Welten, die Richtungen und den lichten Himmel. Nachdem er den ausgespannten Faden der Ordnung unterschieden hatte, schaute er jenes; er wurde zu jenem in den Geschöpfen.

1.18
Nachdem Prajapati die Welten, die Wesen und alle Haupt- und Zwischenrichtungen durchdrungen hatte, vereinigte er, der Erstgeborene der Ordnung, durch sich selbst das Selbst mit dem Selbst.

1.19
Ich erbitte den wunderbaren Herrn der Versammlung, den Geliebten Indras und Ersehnten, als Gewinn von Einsicht.

1.20
Entflamme dich, o Jatavedas, und vertreibe mein Unheil. Bringe mir Vieh und Lebensunterhalt herbei und weise mir in jeder Richtung einen Ort zu.

1.21
Verletze nicht unsere Kuh, unser Pferd, den Menschen und die bewegliche Welt, o Jatavedas. Komm, o Agni, ohne [Waffen] zu tragen, und lass mich nicht von der Fülle abfallen.

1.22
Mögen wir den Purusha erkennen; mögen wir über den tausendäugigen Mahadeva meditieren. Möge Rudra unser Denken dazu anregen.

1.23
Mögen wir jenen Purusha erkennen; mögen wir über Mahadeva meditieren. Möge Rudra unser Denken dazu anregen.

1.24
Mögen wir jenen Purusha erkennen; mögen wir über den mit dem gebogenen Rüssel meditieren. Möge Dantin unser Denken dazu anregen.

1.25
Mögen wir jenen Purusha erkennen; mögen wir über Chakratunda meditieren. Möge Nandin unser Denken dazu anregen.

1.26
Mögen wir jenen Purusha erkennen; mögen wir über Mahasena meditieren. Möge der Sechsgesichtige unser Denken dazu anregen.

1.27
Mögen wir jenen Purusha erkennen; mögen wir über den Goldgeflügelten meditieren. Möge Garuda unser Denken dazu anregen.

1.28
Mögen wir den erkennen, dessen Selbst der Veda ist; mögen wir über Hiranyagarbha meditieren. Möge Brahman unser Denken dazu anregen.

1.29
Mögen wir Narayana erkennen; mögen wir über Vasudeva meditieren. Möge Vishnu unser Denken dazu anregen.

1.30
Mögen wir den mit diamantgleichen Krallen erkennen; mögen wir über den mit scharfen Fangzähnen meditieren. Möge Narasimha unser Denken dazu anregen.

1.31
Mögen wir Bhaskara, den Lichtschöpfer, erkennen; mögen wir über den Erzeuger großen Glanzes meditieren. Möge Aditya unser Denken dazu anregen.

1.32
Mögen wir Vaishvanara erkennen; mögen wir über den Flammenzüngigen meditieren. Möge Agni unser Denken dazu anregen.

1.33
Mögen wir die Tochter Katyas erkennen; mögen wir über die jungfräuliche Kumari meditieren. Möge Durga unser Denken dazu anregen.

1.34
Möge Durva, die Göttin über tausend [Reinigungsmitteln], mit hundert Wurzeln und hundert Sprossen und als Vernichterin böser Träume, all meine Verfehlung beseitigen.

1.35
Von Knoten zu Knoten und von Glied zu Glied wächst du weiter. Ebenso, o Durva, breite uns durch Hunderte und Tausende aus.

1.36
Du breitest dich hundertfach aus und wächst tausendfach empor. Dir, der göttlichen Ziegelgestalt, wollen wir mit einer Opfergabe dienen.

1.37
O Erde, von Pferden, Wagen und Vishnu überschritten: Ich werde dich auf meinem Haupt tragen; schütze mich bei jedem Schritt.

1.38
Die Erde ist eine Milchkuh, die Trägerin und Erhalterin der Welten. Du wurdest vom dunklen, hundertarmigen Eber emporgehoben.

1.39
O Erde, vernichte die Verfehlung, die ich durch schlechte Tat begangen habe. Du bist von Brahman gegeben und von Kashyapa geweiht. Gib mir Gedeihen; in dir ist alles gegründet.

1.40
O Erde, in der alles gegründet ist, vertreibe all jenes von mir. Wenn die Verfehlung durch dich erschlagen ist, gehe ich zum höchsten Ziel.

1.41
Wovor wir uns fürchten, o Indra, davor mache uns furchtlos. O Freigebiger, sei stark zu unserem Schutz; erschlage die Hassenden und Angreifer.

1.42
Indra, der Wohlergehen schenkt, Herr der Sippe, Vritra-Töter, Bezwinger der Angreifer und Mächtiger, komme uns voran: der Stier, der Wohlergehen und Furchtlosigkeit schenkt.

1.43
Indra von wachsendem Ruhm gewähre uns Heil, Pushan, der alles kennt, gewähre uns Heil. Tarkshya mit unversehrtem Rad gewähre uns Heil; Brihaspati gebe uns Heil.

1.44
Soma ist der Zornige aus den Wassern, der den dreifachen Stein trägt, der Erschütternde, Kraftvolle, Pfeilbewehrte und Tresterhaltige. Keine Gegenmacht kommt von hier an Indra heran; er hat alle Soma-Pressungen [übertroffen].

1.45
Das zuerst im Osten geborene Brahman erkannte Vena; aus der Grenze offenbarte er die hellen Strahlen. Er enthüllte die tiefen und hohen Stätten dieses [Brahman], den Schoß des Seienden und des Nichtseienden.

1.46
O Erde, sei freundlich, dornenlos und eine gute Wohnstätte. Gewähre uns weiten Schutz.

1.47
Ich rufe hier Shri an, die durch Duft zugänglich, unüberwindlich, stets gedeihend und reich an Nahrung ist, die Herrin aller Wesen.

1.48
Möge Shri mir zuteilwerden, möge Alakshmi von mir weichen. Die Götter mit Vishnu an der Spitze eroberten durch die Metren diese unbezwingbaren Welten. Der große, sechzehnfache Indra mit dem Donnerkeulenarm gewähre Schutz.

1.49
Maghavan gewähre uns Wohlergehen. Er erschlage den Bösen, der uns hasst.

1.50
Mache, o Herr des Gebets, den Sohn Ushijs Kakshivant zu einem klangvollen Soma-Presser. Auf dem Körper, dem unreinen Opferrest und Schuldlager, sitze nieder, wer uns hasst.

1.51
Der Fuß [Vishnus] ist das uralte, weithin ausgespannte Reinigungsmittel; durch ihn geläutert überschreitet man schlechte Taten. Durch dieses reine Reinigungsmittel geläutert, wollen wir Verfehlung und Feindschaft überschreiten.

1.52
Einträchtig mit den Maruts und deiner Schar, o Indra, trinke Soma, Vritra-Töter, Held und Wissender. Erschlage die Feinde, dränge die Angriffe zurück und schaffe uns ringsum Furchtlosigkeit.

1.53
Mögen Wasser und Heilpflanzen uns Freunde sein. Mögen sie dem Feind sein, der uns hasst und den wir hassen.

1.54
Ihr Wasser seid wahrlich glückspendend; gebt uns Nahrung und große, schöne Schau. Lasst uns an eurem heilsamsten Lebenssaft teilhaben wie liebevolle Mütter. Zu eurem befriedigenden Aufenthalt wollen wir gelangen, für dessen Bestand ihr uns belebt. Wasser, bringt uns neues Leben hervor.

1.55
Ich nehme Zuflucht zu Varuna mit dem goldenen Schmuck. Gib mir, darum gebeten, einen heiligen Übergang; denn ich habe von schlechten Menschen gegessen und Gaben von Verfehlenden angenommen.

1.56
Was ich mit Geist, Rede oder Handlung schlecht getan habe, das mögen Indra, Varuna, Brihaspati und Savitri immer wieder vollständig läutern.

1.57
Verneigung vor Agni, der in den Wassern wohnt; Verneigung vor Indra; Verneigung vor Varuna; Verneigung vor Varuni; Verneigung vor den Wassern.

1.58
Was an den Wassern verletzend, unrein oder unbefriedet ist, das möge fortgehen.

1.59
Was durch übermäßiges Essen, übermäßiges Trinken oder die Annahme einer bedenklichen Gabe [entstand], das möge König Varuna mit seiner Hand von mir abstreifen.

1.60
So werde ich ohne Verfehlung, frei von Unreinheit, gelöst und von Schuld befreit. Nachdem ich den Rücken des Himmels bestiegen habe, möge ich zur Gemeinschaft mit Brahman gelangen.

1.61
Varuna, der in den Wassern ist und Verfehlung fortspült, möge mich läutern.

1.62
O Ganga, Yamuna, Sarasvati, Shutudri und Parushni, nehmt an meinem Lobgesang teil; o Asikni, Marudvridha, Vitasta, Arjikiya und Sushoma, hört ihn.

1.63
Ordnung und Wahrheit wurden aus der entflammten Askese geboren. Daraus entstand die Nacht, daraus der wogende Ozean.

1.64
Aus dem wogenden Ozean entstand das Jahr. Der Herrscher ordnete Tage und Nächte für alles, was die Augen öffnet.

1.65
Der Ordner bildete Sonne und Mond wie zuvor, dazu Himmel, Erde, Zwischenraum und den lichten Himmel.

1.66
Was an Staub auf der Erde und im eigenen Bereich zwischen den beiden Welten liegt, all das mögen die Wasser und Varuna, der Verfehlung fortspült, läutern. Die Vasus mögen läutern, Varuna möge läutern, der Verfehlung fortspülende Varuna möge läutern. Er ist inmitten der Wesen der Hüter der Welt. Er gibt die Welten der Tugendhaften und die goldene Welt jenseits des Todes. Der goldene lichte Himmel ruht zwischen Himmel und Erde. Möge er uns diesen lichten Himmel gut bereiten.

1.67
Ich bin das feuchte, flammende Licht. Das Licht flammt: Ich bin Brahman. Was ich bin, ist Brahman. Ich bin, ich bin Brahman. Mich selbst bringe ich in mir selbst als Opfer dar. Svaha.

1.68
Wer Verbotenes getan, Keuschheit verletzt, gestohlen, einen Embryo getötet oder das Lager des Lehrers verletzt hat, wird durch Varuna in den Wassern, der Verfehlung fortspült, von dieser Schuld gelöst.

1.69
Ich bin der Boden der Verfehlungen; deshalb lässt du mich weinen – so sprechen die Weisen.

1.70
Der Ozean überschritt im ersten Ordnungsraum [seine Grenze], als er als König der Welt Geschöpfe hervorbrachte. Der kräftige Soma wuchs, während er auf dem Rücken des wollenen Filters geläutert wurde.

2.1
Für Jatavedas wollen wir Soma pressen; als Wissender verbrenne er den Feindseligen. Agni führe uns über alle Schwierigkeiten, wie ein Schiff über den Strom, und über alles Schlechte.

2.2
Zu der feuerfarbenen, durch Askese flammenden, strahlenden Göttin, die in den Früchten des Handelns verehrt wird, zu Durga nehme ich Zuflucht. Du führst gut hinüber; Verneigung sei deiner Kraft des Hinüberführens.

2.3
O Agni, führe du uns mit neuen Heilswegen über alle Schwierigkeiten. Die Erde werde uns weit und ausgedehnt wie eine Stadt; sei unseren Kindern und Nachkommen zu Wohlergehen und Frieden.

2.4
O Jatavedas, der du alle Schwierigkeiten zerstörst, führe uns über das Schlechte wie ein Schiff über den Strom. O Agni, wie Atri dich mit dem Geist preisend, erkenne uns und sei Beschützer unserer Leiber.

2.5
Wir wollen den kampfsiegenden, widerstehenden, mächtigen Agni vom höchsten Versammlungsort herbeirufen. Als Gott führe er uns über alle Schwierigkeiten und aus vergänglicher Not über alles Schlechte.

2.6
Du bist uralt und verehrungswürdig in den Opfern; von alters her bist du Hotri und bleibst doch neu. O Agni, erfreue deinen eigenen Leib und erwirke für uns Glück.

2.7
Wir wollen, von den Kühen willkommen geheißen und mit der ungebundenen [Kraft] gesalbt, deinem Weg folgen, o Indra-Vishnu. Während wir auf dem Rücken des Himmels beisammen wohnen, mögen sich die vishnuitischen Welten hier an uns erfreuen.

3.1
Bhuh: Nahrung für Agni und die Erde – Svaha. Bhuvah: Nahrung für Vayu und den Zwischenraum – Svaha. Suvah: Nahrung für Aditya und den Himmel – Svaha. Bhuh, Bhuvah, Suvah: Nahrung für den Mond und die Richtungen – Svaha. Verneigung den Göttern, Svaha den Vätern. Bhuh, Bhuvah, Suvah – Nahrung, Om.

4.1
Bhuh für Agni und die Erde – Svaha. Bhuvah für Vayu und den Zwischenraum – Svaha. Suvah für Aditya und den Himmel – Svaha. Bhuh, Bhuvah, Suvah für den Mond und die Richtungen – Svaha. Verneigung den Göttern, Svaha den Vätern. Bhuh, Bhuvah, Suvah – Agni, Om.

5.1
Bhuh für Agni, die Erde und das Große – Svaha. Bhuvah für Vayu, den Zwischenraum und das Große – Svaha. Suvah für Aditya, den Himmel und das Große – Svaha. Bhuh, Bhuvah, Suvah für den Mond, die Sternbilder, die Richtungen und das Große – Svaha. Verneigung den Göttern, Svaha den Vätern. Bhuh, Bhuvah, Suvah, Mahah – Om.

6.1
Schütze uns, o Agni, vor Verfehlung – Svaha. Schütze uns, Allwissender – Svaha. Schütze das Opfer, o weithin Leuchtender – Svaha. Schütze alles, o Hundertkräftiger – Svaha.

7.1
Schütze uns, o Agni, mit der ersten [Formel], schütze auch mit der zweiten, schütze Nahrungskraft mit der dritten und schütze, o Guter, mit den vier Gesängen – Svaha.

8.1
Der Stier unter den Metren, von allgestaltiger Form, ging aus den Metren in die Metren ein. Indra, der Älteste, verkündete die Upanishad der Weisen zur Kraft der Sinnesorgane. Verneigung den Göttern, Svaha den Vätern. Bhuh, Bhuvah, Suvah – das Versmaß, Om.

9.1
Verneigung vor Brahman. Möge mir Bewahrung und kein Verwerfen zuteilwerden; möge ich ein Bewahrer sein. Was ich mit beiden Ohren gehört habe, möge nicht von mir und von diesem [Schüler] weichen. Om.

10.1
Die Ordnung ist Askese, Wahrheit ist Askese, Hören ist Askese, Friedfertigkeit ist Askese, Sinnesbeherrschung ist Askese, innere Ruhe ist Askese, Geben ist Askese, Opfer ist Askese. Bhuh, Bhuvah, Suvah: Brahman – verehre dies; dies ist Askese.

11.1
Wie der Duft eines blühenden Baumes von weitem weht, so weht der Duft einer verdienstvollen Tat von weitem. Wie jemand, der auf eine über einer Grube gelegte Schwertschneide tritt, denkt: ‚Wenn ich schwanke, werde ich in die Grube fallen‘, so hüte man das Selbst vor dem Verlust der Unsterblichkeit.

12.1
Kleiner als das Kleine, größer als das Große ist das Selbst, das in der Höhle dieses Lebewesens verborgen liegt. Frei von Trauer schaut man durch die Gnade des Schöpfers jenen Herrn, der ohne begehrenden Entschluss ist, seine Größe.

12.2
Aus ihm entstehen sieben Lebenskräfte, sieben Flammen, Brennstoffe und sieben Zungen. Dies sind die sieben Welten, in denen sich die Lebenskräfte bewegen, jeweils sieben und sieben, aus dem in der Höhle Ruhenden hervorgegangen und eingesetzt.

12.3
Aus ihm [entstehen] die Meere und alle Berge; aus ihm strömen die Flüsse in all ihren Gestalten. Aus ihm [entstehen] auch alle Pflanzen und Säfte, durch die dieser innere Atman, ins Dasein getreten, Bestand hat.

12.4
Brahmanpriester unter den Göttern, Wegfinder unter den Dichtern, Seher unter den Begeisterten, Büffel unter den Wildtieren, Falke unter den Raubvögeln, Axt unter den Bäumen: Laut singend geht Soma durch den Seihfilter hindurch.

12.5
Die eine Ungeborene, rot, weiß und schwarz, bringt viele Nachkommen von gleicher Gestalt hervor. Der eine Ungeborene liegt ihr bei und genießt sie; der andere Ungeborene verlässt sie, nachdem sie ausgekostet worden ist.

12.6
Der Schwan im Reinen, der Vasu im Luftraum, der Opferpriester an der Opferstätte, der Gast im Haus; bei den Menschen wohnend, im Vortrefflichen wohnend, in der rechten Ordnung wohnend, im Himmelsraum wohnend; aus den Wassern geboren, aus den Rindern geboren, aus der rechten Ordnung geboren, aus dem Felsen geboren: die große rechte Ordnung.

12.6a
Von dem das Entstandene nicht verschieden ist, außer dem nichts vorhanden war, der in alle Welten eingetreten ist: Prajapati, mit seinen Geschöpfen in Verbindung, gesellt sich zu den drei Lichtern, er, der Sechzehnteilige.

12.6b
Wir rufen den Erhalter an, Savitri, der auf die Menschen blickt. Möge er uns reichlich Gut gewinnen.

12.7
Sie haben geklärte Butter ausgegossen. Geklärte Butter ist sein Ursprung; in geklärter Butter ruht er, und geklärte Butter ist seine Stätte. Bringe [die Götter] gemäß der Opfergabe herbei und erfreue dich. O Stier, trage die mit Svaha dargebrachte Gabe.

12.8
Aus dem Meer erhob sich eine süße Woge; durch die stille [Darbringung] erreichte sie ganz die Unsterblichkeit. Der verborgene Name der geklärten Butter ist die Zunge der Götter, der Nabel des Unsterblichen.

12.9
Wir wollen den Namen mit geklärter Butter verkünden und ihn in diesem Opfer mit Verneigungen bewahren. Der Brahmanpriester möge hören, was gepriesen wird. Das viergehörnte Wildrind hat dies ausgestoßen.

12.10
Vier Hörner hat er, drei Füße, zwei Köpfe, sieben Hände. Dreifach gebunden brüllt der Stier. Der große Gott ist in die Sterblichen eingetreten.

12.11
Die Götter fanden die geklärte Butter in der Kuh, dreifach niedergelegt und von den Panis verborgen. Einen [Teil] erzeugte Indra, einen die Sonne; einen formten sie aus Vena durch die eigene Kraft.

12.12
Rudra, der alles Überragende, der große Seher, der Hiranyagarbha als den Ersten der Götter am Anfang entstehen sieht: Dieser Gott verbinde uns mit heilvoller Erinnerung.

12.13
Über ihm gibt es nichts Höheres und nichts Niedrigeres; nichts ist kleiner oder größer als er. Wie ein Baum steht er unbeweglich im Himmel, der Eine. Von diesem Purusha ist all dies erfüllt.

12.14
Nicht durch Taten, nicht durch Nachkommenschaft oder Reichtum haben einige Unsterblichkeit erlangt, sondern durch Loslassen. Was die Entsagenden betreten, liegt jenseits des Himmels und leuchtet, in der Höhle verborgen.

12.15
Die Entsagenden, deren Ziel durch die Erkenntnis des Vedanta fest bestimmt ist und deren Wesen durch den Yoga des Verzichts gereinigt ist: Sie alle werden in der Brahmanwelt am letzten Ende ganz frei, in höchster Unsterblichkeit.

12.16
Jener kleine, schuldlose Lotus inmitten der Stadt, der eine vorzügliche Wohnstätte bildet: Auch in diesem kleinen [Lotus] ist ein Raum ohne Trauer. Was darin im Inneren ist, das soll verehrt und betrachtet werden.

12.17
Der Klang, der am Anfang des Veda ausgesprochen wird und am Ende des Veda fest verankert ist: Wer über diesem in den Urgrund eingegangenen [Klang] steht, der ist Maheshvara, der große Herr.

13.1
[Wir betrachten] den tausendköpfigen Gott, dessen Augen überall sind und der dem All Wohl bringt: das All, Narayana, den Gott, den Unvergänglichen, den höchsten Herrn.

13.2
[Wir betrachten] den über alles Hinausgehenden, Ewigen, das All: Narayana, Hari. Dieses ganze All ist der Purusha; aus ihm lebt das All.

13.3
[Wir betrachten] den Herrn des Alls, den Herrn des Selbst, den Ewigen, Gütigen, Unwandelbaren: Narayana, den im höchsten Maß zu Erkennenden, das Selbst des Alls, das höchste Ziel.

13.4
Narayana ist das höchste Brahman; Narayana ist die höchste Wirklichkeit. Narayana ist das höchste Licht; Narayana ist das höchste Selbst.

13.5.1
Narayana ist der höchste Betrachtende; der höchste Narayana ist die Betrachtung.

13.5.2
Was in dieser Welt gesehen oder auch gehört wird: All dies durchdringt Narayana von innen und außen und verweilt [darin].

13.6
[Wir betrachten] den Unendlichen, Unvergänglichen, den Seher, das Ziel im Ozean [des Daseins], der dem All Wohl bringt. Das Herz gleicht einer Lotusknospe und ist nach unten gewandt.

13.7
Es befindet sich eine Spanne unterhalb der Kehle und oberhalb des Nabels. Dieses Herz soll man als große Wohnstätte des Alls erkennen.

13.8
Von Adern durchzogen hängt es, einer Knospenhülle ähnlich. In seinem Inneren ist ein feiner Hohlraum; darin ist alles gegründet.

13.9
In seiner Mitte ist ein großes Feuer, dessen Flammen überallhin reichen und dessen Gesichter nach allen Seiten blicken. Es verzehrt als Erstes und verteilt die Nahrung, beständig verweilend, alterslos, sehend.

13.10.1
Quer, nach oben und nach unten sich erstreckend [ist es]; seine Strahlen sind ausgebreitet. Es erwärmt seinen Körper von der Fußsohle bis zum Scheitel.

13.10.2
In seiner Mitte steht eine Flammenspitze, äußerst fein und aufwärts gerichtet.

13.11
Wie eine leuchtende Blitzlinie inmitten einer dunklen Regenwolke, fein wie die Granne des Wildreises, gelb und strahlend, ist sie von äußerster Feinheit.

13.12
In der Mitte dieser Flammenspitze ist das höchste Selbst gegenwärtig. Es ist Brahma, es ist Shiva, es ist Hari, es ist Indra. Es ist der Unvergängliche, der Höchste, der aus sich selbst Herrschende.

14.1
Jener Aditya, dieser Sonnenkreis, glüht. In ihm sind jene Rik-Verse; dieser Kreis besteht aus Rik-Versen und ist ihre Welt. Was in diesem Kreis als Licht aufleuchtet, das sind die Saman-Gesänge; er ist die Welt der Samans. Der Purusha, der sich im Licht dieses Kreises befindet, ist die Gesamtheit der Yajus-Sprüche. Der Kreis besteht aus Yajus-Sprüchen und ist ihre Welt. Eben diese dreifache Lehre glüht: jener goldene Purusha im Inneren der Sonne.

15.1.1
Aditya ist wahrlich Glanz, Lebenskraft, Stärke, Ruhm, Auge, Gehör, Selbst, Geist, Zorn, Manu, Tod, Satya, Mitra, Wind, Raum, Lebensatem, Welthüter, Ka, das „Was?“, Freude, das „Das“, Wahrheit, Nahrung, das Unsterbliche, Leben, das All, Katama und das aus sich selbst entstandene Brahman. Dies ist der unsterbliche Purusha; dies ist der Oberherr der Wesen.

15.1.2
Wer so weiß, erlangt Vereinigung mit Brahman und das Wohnen in derselben Welt. Mit eben diesen Gottheiten erlangt er Vereinigung, gleiche Herrschaft und das Wohnen in derselben Welt. So lautet die geheime Lehre.

15.2
Der Glühende, Surya, Aditya – Om. [Ihn] verehren sie als Glut und Wahrheit; Süßes lassen sie strömen. Das ist Brahman; das ist Wasser. Wasser, Licht, Essenz, Unsterblichkeit: Brahman. Erde, Zwischenraum, Himmelswelt. Om.

16.1.1
Verehrung dem Herrn des Vergehens!

16.1.2
Verehrung dem Bezwinger des Herrn des Vergehens!

16.1.3
Verehrung dem Erhabenen!

16.1.4
Verehrung dem mit erhabenem Zeichen!

16.1.5
Verehrung dem Goldenen!

16.1.6
Verehrung dem mit goldenem Zeichen!

16.1.7
Verehrung dem Schönfarbigen!

16.1.8
Verehrung dem mit schönfarbigem Zeichen!

16.1.9
Verehrung dem Himmlischen!

16.1.10
Verehrung dem mit himmlischem Zeichen!

16.1.11
Verehrung Bhava, dem Werden!

16.1.12
Verehrung dem Zeichen des Werdens!

16.1.13
Verehrung Sharva!

16.1.14
Verehrung dem Zeichen Sharvas!

16.1.15
Verehrung Shiva, dem Gütigen!

16.1.16
Verehrung dem Shiva-Linga!

16.1.17
Verehrung dem Flammenden!

16.1.18
Verehrung dem mit flammendem Zeichen!

16.1.19
Verehrung dem Selbst!

16.1.20
Verehrung dem Zeichen des Selbst!

16.1.21
Verehrung dem Höchsten!

16.1.22
Verehrung dem höchsten Zeichen!

16.1.23
Dieses [Mantra] setzt das allumfassende Zeichen Somas und Suryas ein: ein reinigendes Handmantra.

17.1
Ich nehme Zuflucht zu Sadyojata. Wahrlich, Sadyojata sei Verehrung, Verehrung! [Bestimme] mich nicht zu Dasein um Dasein; [führe] mich in das Übersteigen des Daseins. Verehrung dem Ursprung des Werdens!

18.1.1
Verehrung Vamadeva, dem gütigen Gott!

18.1.2
Verehrung dem Ältesten!

18.1.3
Verehrung dem Besten!

18.1.4
Verehrung Rudra!

18.1.5
Verehrung der Zeit!

18.1.6
Verehrung Kalavikarana, dem Umgestalter!

18.1.7
Verehrung dem, der die Kräfte ausdifferenziert!

18.1.8
Verehrung der Kraft!

18.1.9
Verehrung dem Bezwinger der Kraft!

18.1.10
Verehrung dem Bezwinger aller Wesen!

18.1.11
Verehrung Manonmana, dem Erheber des Geistes!

19.1
Den nicht schrecklichen und den schrecklichen, den schrecklichen und noch schrecklicheren [Gestalten]: Überall, o Sharva, sei Verehrung dir und allen deinen Rudra-Gestalten.

20.1
Jenen Purusha wollen wir erkennen; auf den großen Gott richten wir unsere Betrachtung. Rudra möge uns dazu anregen.

21.1
Der Herr aller Wissensgebiete, der Gebieter aller Wesen, der Oberherr der heiligen Rede, der Oberherr Brahmas, das höchste Brahman: Er sei mir gütig, Sadashiva, der immer Gütige. Om.

22.1
Verehrung dem Goldarmigen, dem Goldfarbenen, dem mit goldener Gestalt, dem Herrn des Goldes, dem Gemahl Ambikas, dem Gemahl Umas, dem Herrn der Lebewesen: Verehrung, Verehrung!

23.1
Rechte Ordnung, Wahrheit, höchstes Brahman, der dunkle und rotbraune Purusha, dessen Zeugungskraft aufwärts gerichtet ist und dessen Augen ungewöhnlich sind: Dem Allgestaltigen wahrlich Verehrung, Verehrung!

24.1
Alles ist wahrlich Rudra; diesem Rudra sei Verehrung. Der Purusha ist wahrlich Rudra, Sein und großer Glanz: Verehrung, Verehrung! Das ganze entstandene All, die vielfältige Welt, was auf vielerlei Weise geboren ist und geboren wird – all dies ist ja Rudra. Diesem Rudra sei Verehrung.

25.1.1
Wann werden wir dem weisen, überaus reichlich spendenden und mächtigen Rudra ein Lied sprechen, das dem Herzen höchste Wohltat bringt?

25.1.2
All dies ist ja Rudra. Diesem Rudra sei Verehrung.

26.1
Wer eine Agnihotra-Opferkelle aus Vikankata-Holz besitzt, dessen Opfergaben gelangen tatsächlich zu festem Bestand; außerdem [dienen sie] seiner Festigung.

27.0
Die fünf [Verse], die mit „Entfalte deine Kraft“ beginnen.

27.1
Entfalte deine Kraft wie ein weites Fangnetz. Ziehe dahin wie ein mächtiger König mit seinem Gefolge. Dem ungestümen Vorstoß folgend, dahinstürmend: Du bist ein Schütze; durchbohre die Rakshas mit den glühendsten [Geschossen].

27.2
Deine wirbelnden [Flammen] fliegen rasch. Ergreife [die Feinde] mit kühnem Ansturm, hell auflodernd. O Agni, schleudere mit deiner Zunge die fliegenden Glutkörper aus; ungebunden sende die Funken in alle Richtungen.

27.3
Sende deine Späher aus, überaus eiliger [Agni]. Sei der ungetäuschte Hüter dieser Gemeinschaft. Wer uns in der Ferne Böses wünscht oder wer in der Nähe ist, o Agni: Kein solcher Angreifer möge es wagen, dir nahezutreten.

27.4
Erhebe dich, o Agni, und breite dich [den Gegnern] entgegen aus. Brenne die Feinde nieder, o du mit scharfer Waffe. Wer uns Feindschaft erwiesen hat, o Entflammter, den verbrenne ganz hinab wie trockenes Buschwerk.

27.5
Richte dich auf und schlage [die Feinde] von uns zurück. Mache deine göttlichen [Kräfte] offenbar, o Agni. Löse die Befestigungen derer, die mit Zaubermacht vorgehen. Zerschlage die Feinde, den Verwandten wie den Nichtverwandten.

28.1
Aditi ist die Mutter der Götter, Gandharvas, Menschen, Ahnen und Asuras, all dieser Wesen: Medini, die Erde; die Große, die Verehrte, Savitri, Gayatri, die Bewegte, die Weite, die Breite, die Reiche, die Allumfassende, die Gewordene, die überaus Beglückende, die Körperliche. Sie [heißt] „die Wahre“ und „die Unsterbliche“ – so [spricht] Vasishtha.

29.1
Wahrlich, all dies ist Wasser. Alle Wesen sind Wasser. Die Lebenskräfte sind wahrlich Wasser; die Tiere sind Wasser; die Nahrung ist Wasser; das Unsterbliche ist Wasser. Der Allherrscher ist Wasser, der Weitherrscher ist Wasser, der Selbstherrscher ist Wasser. Die Versmaße sind Wasser, die Lichter sind Wasser, die Opfersprüche sind Wasser, die Wahrheit ist Wasser. Alle Gottheiten sind Wasser. Erde, Zwischenraum und Himmelswelt sind Wasser. Om.

30.1
Die Wasser mögen die Erde reinigen; die gereinigte Erde möge mich reinigen. [Die Wasser] mögen den Herrn der heiligen Rede reinigen; die durch Brahman gereinigte [Erde] möge mich reinigen.

30.2
Was an Speiserest, an nicht zu Essendem oder an schlechtem Handeln von mir [herrührt] und auch das Annehmen [von Gaben] unredlicher Menschen: Von all dem mögen die Wasser mich reinigen. Svaha!

31.1
Agni, Manyu und die Herren des Manyu mögen mich vor den aus Manyu entstandenen Verfehlungen schützen. Was ich während des Tages durch Geist, Rede, beide Hände, Füße, Bauch und Geschlechtsorgan an Schuld begangen habe, möge der Tag tilgen. Was immer an Übel in mir ist: Dieses und mich selbst bringe ich im Ursprung der Unsterblichkeit, im wahren Licht, als Opfer dar. Svaha!

32.1
Surya, Manyu und die Herren des Manyu mögen mich vor den aus Manyu entstandenen Verfehlungen schützen. Was ich während der Nacht durch Geist, Rede, beide Hände, Füße, Bauch und Geschlechtsorgan an Schuld begangen habe, möge die Nacht tilgen. Was immer an Übel in mir ist: Dieses und mich selbst bringe ich im Ursprung der Unsterblichkeit, im Sonnenlicht, als Opfer dar. Svaha!

33.1
„Om“: Diese eine Silbe ist Brahman. Agni ist die Gottheit; Brahman wird als [zugehöriger] Seher genannt. Gayatri ist das Versmaß; das höchste Selbst ist [ihre] Gestalt. Die Vereinigung [mit ihm] ist die Anwendung.

34.1
Die gabenverleihende Göttin möge kommen, Gayatri, die Mutter der Versmaße. Nimm dieses unser Gebet an, das dem unvergänglichen Brahman entspricht.

34.2
Von der Schuld, die jemand am Tag begeht, wird er noch an diesem Tag frei; von der Schuld, die er nachts begeht, wird er noch in dieser Nacht frei. O du mit allen Lauten, große Göttin, Wissen der Dämmerungsandacht, Sarasvati!

35.1.1
Du bist Lebenskraft, du bist Überwindungskraft, du bist Stärke, du bist Glanz. Du bist Wohnstätte und Name der Götter. Du bist das All, du bist das Leben des Alls. Du bist alles, du bist das Leben von allem, du bist die Überwindende. Om.

35.1.2
Ich rufe Gayatri herbei. Ich rufe Savitri herbei. Ich rufe Sarasvati herbei. Ich rufe die Versmaße und die Rishis herbei. Ich rufe Shri herbei.

35.1.3
Für die Gayatri gilt: Gayatri ist das Versmaß, Vishvamitra der Seher, Savitri die Gottheit. Agni ist ihr Mund, Brahma ihr Kopf, Vishnu ihr Herz, Rudra ihr Scheitelbüschel, die Erde ihr Ursprung. [Ihre Lebenskräfte sind] Prana, Apana, Vyana, Udana und Samana; sie ist mit Lebensatem versehen, von weißer Farbe und gehört zum selben Gotra wie Samkhyayana. Gayatri hat vierundzwanzig Silben, drei Versfüße, sechs Leibesräume und fünf Köpfe. Ihre Anwendung erfolgt bei der Einführung in das Veda-Studium.

35.2.1
Om. Erde!

35.2.2
Om. Zwischenraum!

35.2.3
Om. Himmelswelt!

35.2.4
Om. Die große Welt!

35.2.5
Om. Welt der Geburt oder der Lebewesen!

35.2.6
Om. Welt der Glut und Askese!

35.2.7
Om. Welt der Wahrheit!

35.2.8
Om. Wir nehmen den erwählenswerten Glanz des göttlichen Savitri in unseren Geist auf. Er möge unsere Einsichten antreiben.

35.2.9
Om. Wasser, Licht, Essenz, Unsterblichkeit: Brahman. Erde, Zwischenraum, Himmelswelt. Om.

36.1
O Göttin, auf dem höchsten Gipfel geboren, auf der Erde, auf der Spitze des Berges: Von den Brahmanen entlassen, gehe, o Göttin, wie es dir angenehm ist.

36.2
Die von mir gepriesene, gabenverleihende Mutter der Veden, die antreibt [wie] der Wind und an zwei Orten geboren ist, [gehe] zur hervorgebrachten Brahmanwelt, nachdem sie mir auf der Erde Lebensdauer, Vermögen und die Leuchtkraft heiliger Gelehrsamkeit gegeben hat.

37.1
Der Glühende, Surya, Aditya, der Unvergängliche, zieht dahin wie [seine] Strahlung. [Die Wasser] lassen Süße strömen, seine Essenz. Wahrlich, diese Essenz ist Wahrheit. Wasser, Licht, Essenz, Unsterblichkeit: Brahman. Erde, Zwischenraum, Himmelswelt. Om.

38.1.1
Brahman möge mich erreichen.

38.1.2
Das Süße möge mich erreichen.

38.1.3
Brahman selbst, das Süße, möge mich erreichen.

38.1.4
O Soma, unter deinen Geschöpfen bin ich dieser dein Junges. O Vernichter böser Träume, schwer zu überwältigender [Herr]! Die Lebenskräfte, die dein sind, o Soma, bringe ich als Opfer dar.

38.2
Man soll einem Brahmanen Trisuparna unaufgefordert geben. Die Brahmanen, die Trisuparna rezitieren, tilgen wahrlich die Schuld der Tötung eines Brahmanen. Sie erlangen Soma. Sie reinigen eine Reihe [von Speisenden] bis zu tausend. Om.

39.1.1
Brahman [wird] durch Einsicht [erlangt].

39.1.2
Das Süße [wird] durch Einsicht [erlangt].

39.1.3
Brahman selbst, das Süße [wird] durch Einsicht [erlangt].

39.2
Heute, o Gott Savitri, schaffe uns Glück mit Nachkommenschaft. Treibe das böse Träumen fort.

39.3
O Gott Savitri, treibe alle Übel fort. Was gut ist, das bringe mir herbei.

39.4
Süß wehen die Winde dem, der nach der rechten Ordnung strebt. Süßes lassen die Flüsse strömen. Süß mögen unsere Pflanzen sein.

39.5
Süß sei die Nacht und auch [die Zeit] am Morgen; süß sei der irdische Raum. Süß sei uns der Himmel, unser Vater.

39.6
Süß sei uns der Baum; süß sei die Sonne. Süß mögen unsere Kühe sein.

39.7
Wer [diesen Text weitergibt], soll einem Brahmanen Trisuparna unaufgefordert geben. Die Brahmanen, die Trisuparna rezitieren, tilgen wahrlich die Schuld der Tötung eines Embryos oder eines gelehrten Brahmanen. Sie erlangen Soma. Sie reinigen eine Reihe [von Speisenden] bis zu tausend. Om.

40.1.1
Brahman [ist] mit dem Opfer verbunden.

40.1.2
Das Süße [ist] mit dem Opfer verbunden.

40.1.3
Brahman selbst, das Süße [ist] mit dem Opfer verbunden.

40.2
Brahmanpriester unter den Göttern, Wegfinder unter den Dichtern, Seher unter den Begeisterten, Büffel unter den Wildtieren, Falke unter den Raubvögeln, Axt unter den Bäumen: Laut singend geht Soma durch den Seihfilter hindurch.

40.3
Der Schwan im Reinen, der Vasu im Luftraum, der Opferpriester an der Opferstätte, der Gast im Haus; bei den Menschen wohnend, im Vortrefflichen wohnend, in der rechten Ordnung wohnend, im Himmelsraum wohnend; aus den Wassern geboren, aus den Rindern geboren, aus der rechten Ordnung geboren, aus dem Felsen geboren: die große rechte Ordnung.

40.4.1
Zum heiligen Lied [rufe ich] dich!

40.4.2
Zum heiligen Lied [rufe ich] dich!

40.4.3
Zusammen strömen sie, die nährenden [Ströme], wie Flüsse, im Inneren durch Herz und Geist geläutert. Die Ströme der geklärten Butter schaue ich an.

40.5
Ein goldener Schilfstängel ist in ihrer Mitte. Darin sitzt der schön gefiederte Vogel, der Süßes bereitet und ein Nest hat; er teilt den Gottheiten Süßes zu. An seinem Rand sitzen sieben Goldgelbe, die eine Eigengabe melken, einen Strom der Unsterblichkeit.

40.6
Wer [diesen Text weitergibt], soll einem Brahmanen Trisuparna unaufgefordert geben. Die Brahmanen, die Trisuparna rezitieren, tilgen wahrlich die Schuld der Tötung eines Helden. Sie erlangen Soma. Sie reinigen eine Reihe [von Speisenden] bis zu tausend. Om.

41.1
Die Göttin Medha möge uns wohlwollend nahen, allwärts gewandt, heilbringend und freundlich gesinnt. Von dir begünstigt, mögen wir, [die bisher] an schlechten Reden Gefallen fanden, mit tüchtigen Nachkommen in der Versammlung Großes aussprechen.

41.2
Von dir begünstigt wird man ein Seher, o Göttin; durch dich [wird man] ein Brahmanpriester, und durch dich gelangt man zu Glanz und Wohlstand. Von dir begünstigt findet man vielfältigen Besitz. So nimm uns wohlwollend an, o Medha, mit Vermögen.

42.1
Indra möge mir Einsicht geben, [ebenso] die Göttin Sarasvati. Die beiden Ashvins mit ihren Lotuskränzen mögen mir Einsicht verleihen.

42.2
Die Einsicht, die in den Apsaras ist, und der Geist, der in den Gandharvas ist, die göttliche Einsicht, Sarasvati: Diese wohlriechende Medha möge mich wohlwollend annehmen. Svaha!

43.1
Zu mir [komme] die wohlriechende, vielgestaltige, goldfarbene Medha, die sich durch die Welt bewegt und immer wieder aufzusuchen ist, kraftvoll und mit Milch nährend. Diese Medha mit dem schönen Antlitz möge mich wohlwollend annehmen.

44.1.1
In mich lege Agni Einsicht, in mich Nachkommenschaft, in mich Leuchtkraft.

44.1.2
In mich lege Indra Einsicht, in mich Nachkommenschaft, in mich Kraft.

44.1.3
In mich lege Surya Einsicht, in mich Nachkommenschaft, in mich Glanz.

45.1
Der Tod weiche; Unsterblichkeit komme zu uns. Vaivasvata schaffe uns Furchtlosigkeit. Wie ein Blatt vom Baum möge [unsere Schuld] von uns abfallen. Kraftvoller Reichtum möge uns begleiten.

46.1
Gehe fort, o Tod, folge dem fernen Weg, der dein eigener ist und sich vom Götterweg unterscheidet. Zu dir, der du Augen hast und hörst, spreche ich: Verletze unsere Nachkommenschaft nicht und auch unsere Helden nicht.

47.1
Mit dem Geist halten wir uns an den Wind, den Lebensatem, an Prajapati, der die Welt behütet. Er schütze uns vor dem Tod und bewahre uns vor Bedrängnis. Lange lebend mögen wir das Alter erreichen.

48.1
O Brihaspati, löse [mich] von der Existenz dort drüben und von der Anklage Yamas. O Agni, mögen die beiden Ashvins, die Ärzte der Götter, durch ihre Kräfte den Tod von uns wegtreiben.

49.1
Die Götter folgen dem hinwegnehmenden Hari, dem Herrn des Alls, dem Stier unter den Gedanken. Möge mir dieser Weg zukommen, der dieselbe Gestalt hat wie Brahman. Verletze [ihn] nicht; schreite kraftvoll voran.

50.1
Indem ich das Feuer mit Holzspänen entzünde, möchte ich beide Welten gewinnen. In beiden Welten gedeihend, überschreite ich den Tod.

51.1
Schneide [mein Leben] nicht ab, o Tod; töte nicht. Entreiße mir meine Kraft nicht, beraube mich nicht. Verletze weder meine Nachkommenschaft noch meine Lebensdauer, o Gewaltiger. Dich, der du auf die Menschen schaust, wollen wir mit einer Opfergabe verehren.

52.1
Verletze weder unseren Großen noch unseren Kleinen, weder den Heranwachsenden noch den Gezeugten. Töte unseren Vater nicht und auch unsere Mutter nicht. Verletze unsere geliebten Körper nicht, o Rudra.

53.1
Verletze uns nicht an Kindern und Nachkommen, nicht an unserer Lebensdauer, nicht an unseren Rindern und Pferden. Töte unsere Helden nicht in deinem Zorn, o Rudra. Mit Opfergaben versehen wollen wir dich in Verehrung ehren.

54.1
O Prajapati, kein anderer als du hat alle diese entstandenen Wesen umfasst. Was wir beim Opfern an dich ersehnen, möge uns zuteilwerden. Mögen wir Herren von Reichtümern sein.

55.1
Der Heil spendende Herr der Siedlungen, der Vritra-Töter, der Widerstände zerschlägt und Macht besitzt: Dieser kraftvolle Indra gehe uns voran, Heil spendend und Furchtlosigkeit schaffend.

56.1
Wir verehren den Dreiäugigen, den Wohlriechenden, der das Gedeihen mehrt. Wie eine reife Gurkenfrucht von ihrer Bindung [gelöst wird], möge ich vom Tod befreit werden, nicht von der Unsterblichkeit.

57.1
Deine tausend und zehntausend Schlingen, o Tod, die den Sterblichen töten sollen: Sie alle opfern wir durch die wirksame Kraft des Opfers hinweg.

58.1.1
Dem Tod: Svaha!

58.1.2
Dem Tod: Svaha!

59.1.1
Du bist das Sühneopfer für die von Göttern verursachte Schuld. Svaha!

59.1.2
Du bist das Sühneopfer für die von Menschen verursachte Schuld. Svaha!

59.1.3
Du bist das Sühneopfer für die von Ahnen verursachte Schuld. Svaha!

59.1.4
Du bist das Sühneopfer für die selbst verursachte Schuld. Svaha!

59.1.5
Du bist das Sühneopfer für die von anderen verursachte Schuld. Svaha!

59.1.6
Du bist das Sühneopfer für die von uns verursachte Schuld. Svaha!

59.1.7
Für die Schuld, die wir bei Tag und bei Nacht begangen haben, bist du das Sühneopfer. Svaha!

59.1.8
Für die Schuld, die wir schlafend und wachend begangen haben, bist du das Sühneopfer. Svaha!

59.1.9
Für die Schuld, die wir im Tiefschlaf und im Wachsein begangen haben, bist du das Sühneopfer. Svaha!

59.1.10
Für die Schuld, die wir wissend und unwissend begangen haben, bist du das Sühneopfer. Svaha!

59.1.11
Du bist das Sühneopfer für Schuld um Schuld. Svaha!

60.1
Was wir euch, ihr Götter, mit der Zunge oder durch eine Regung des Geistes als schwere Kränkung angetan haben: Diese Schuld legt, ihr Vasus, auf den, der uns nichts gönnt und Unheil gegen uns im Sinn hat. Svaha!

61.1
Das Begehren hat es getan. Verehrung, Verehrung. Das Begehren hat es getan; Begehren handelt, ich handle nicht. Begehren ist der Handelnde, ich bin nicht der Handelnde. Begehren veranlasst die Handlung, ich bin nicht ihr Veranlasser. Diese Gabe ist für dich, o Begehren. Dem Begehren: Svaha!

62.1
Der Zorn hat es getan. Verehrung, Verehrung. Der Zorn hat es getan; Zorn handelt, ich handle nicht. Zorn ist der Handelnde, ich bin nicht der Handelnde. Zorn veranlasst die Handlung, ich bin nicht ihr Veranlasser. Diese Gabe ist für dich, o Zorn. Dem Zorn: Svaha!

63.1
Ich opfere saftige Sesamkörner, mit Mehl vermischt. O Gandhāra, mögen [deine Eigenschaften] in meinem Geist Freude finden. Svaha!

63.2
Rinder, Gold, Besitz, Speise und Trank – zum Wohlergehen aller: Svaha!

63.3
Möge [das Göttliche] mir Fülle und Glück, Gedeihen und guten Ruf, Schuldenfreiheit, Brahmanentum und viele Söhne gewähren, dazu Vertrauen, Einsicht und Nachkommenschaft. Svaha!

64.1
Schwarze Sesamkörner, weiße Sesamkörner, milde Sesamkörner, die mir zur Verfügung stehen: Mögen die Sesamkörner meine Schuld reinigen, welches Übel auch immer in mir ist. Svaha!

64.2
Die Nahrung eines Diebes, die Speise eines ersten Totenopfers, Brahmanenmord, das Aufsuchen des Lagers des Lehrers, Rinderdiebstahl, das Trinken von berauschendem Trank und die Tötung eines Embryos: Mögen die Sesamkörner [diese Vergehen] beschwichtigen und Frieden [gewähren]. Svaha!

64.3
Fülle und Glück, Gedeihen und guten Ruf, Schuldenfreiheit, Brahmanentum und viele Söhne, Vertrauen, Einsicht und Erkenntnis – dies möge Jātavedas gewähren. Svaha!

65.1
Meine fünf Lebensströme – Prana, Apana, Vyana, Udana und Samana – mögen rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!

65.2
Meine Rede, mein Geist, mein Sehen, mein Hören, meine Zunge, mein Geruchssinn, meine Zeugungskraft, meine Urteilskraft, meine Absicht und meine Entschlüsse mögen rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!

65.3
Meine äußere und innere Haut, mein Fleisch, mein Blut, mein Fett, mein Mark, meine Sehnen und meine Knochen mögen rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!

65.4
Mein Kopf, meine Hände und Füße, meine Flanken, mein Rücken, meine Oberschenkel, mein Bauch, meine Unterschenkel, mein Glied, mein Schoß und mein After mögen rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!

65.5
Erhebe dich, Purusha, du Grünlich-Dunkler, Gelbbrauner, Rotäugiger! Gib, gib; sei mein Spender. Mögen [meine inneren Regungen] rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!

66.1
Meine Elemente Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum mögen rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!

66.2
Meine Sinnesqualitäten Klang, Berührung, Gestalt, Geschmack und Geruch mögen rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!

66.3
Meine Handlungen mit Geist, Rede und Körper mögen rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!

66.4
[Befreit] von Ichbildungen, deren Wesen verborgen ist, möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!

66.5
Mein Selbst möge rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!

66.6
Mein inneres Selbst möge rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!

66.7
Mein höchstes Selbst möge rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!

66.8.1
Dem Hunger: Svaha!

66.8.2
Hunger und Durst: Svaha!

66.8.3
Der alldurchdringenden Macht: Svaha!

66.8.4
Dem Ordner der Rigverse: Svaha!

66.8.5
Kashotka: Svaha!

66.8.6
Om. Svaha!

66.9
Ich vertreibe die Unreinheit von Hunger und Durst, Jyestha und Alakshmi, Mangel und mangelndes Gedeihen. Vertreibe all mein Übel und meine Schuld. Svaha!

66.10
Mein aus Nahrung, Prana, Geist, Erkenntnis und Glückseligkeit bestehendes Selbst möge rein werden. Möge ich Licht werden, frei von Trübung und frei von Schuld. Svaha!

67.1.1
Dem Agni: Svaha!

67.1.2
Allen Göttern: Svaha!

67.1.3
Der beständigen Fülle: Svaha!

67.1.4
Dem festen Grund: Svaha!

67.1.5
Der unerschütterlichen Wohnstätte: Svaha!

67.1.6
Agni, der das Opfer recht vollendet: Svaha!

67.1.7
Dem Dharma: Svaha!

67.1.8
Dem Adharma: Svaha!

67.1.9
Den Wassern: Svaha!

67.1.10
Den Kräutern und Bäumen: Svaha!

67.1.11
Den Rakshasas und den göttlichen Wesen: Svaha!

67.1.12
Den Hausgottheiten: Svaha!

67.1.13
Den Wohnstätten: Svaha!

67.1.14
Den Herren der Wohnstätten: Svaha!

67.1.15
Allen Wesen: Svaha!

67.1.16
Dem Kama: Svaha!

67.1.17
Dem Zwischenraum: Svaha!

67.1.18
Was sich in der Welt bewegt und was tätig ist: Dieser Anteil gehört dem Namen. Dem Namen: Svaha!

67.1.19
Der Erde: Svaha!

67.1.20
Dem Luftraum: Svaha!

67.1.21
Dem Himmel: Svaha!

67.1.22
Dem Surya: Svaha!

67.1.23
Dem Mond: Svaha!

67.1.24
Den Gestirnen: Svaha!

67.1.25
Dem Indra: Svaha!

67.1.26
Dem Brihaspati: Svaha!

67.1.27
Dem Prajapati: Svaha!

67.1.28
Dem Brahman: Svaha!

67.1.29
Svadha den Ahnen. Svaha!

67.1.30
Verehrung dem Rudra, dem Herrn der Wesen. Svaha!

67.1.31
Den Göttern: Svaha!

67.1.32
Den Ahnen sei Svadha!

67.1.33
Den Wesen: Verehrung!

67.1.34
Den Menschen: Nehmt hin!

67.1.35
Dem Prajapati: Svaha!

67.1.36
Dem Parameshthin: Svaha!

67.2.1
Wie ein Brunnen hundert Ströme und tausend Ströme hat und unerschöpft bleibt, so sei mein Getreidevorrat tausendfach strömend und unerschöpflich.

67.2.2
Dhanadhani, der Geberin von Reichtum und Nahrung: Svaha!

67.3
Den Wesen, die Tag und Nacht umherziehen, nach einer Gabe verlangen und Boten des Vitudas sind, bringe ich, Gedeihen ersehnend, die Bali-Gabe dar. Möge der Herr des Gedeihens mir Gedeihen verleihen. Svaha!

68.1
Om, das ist Brahman. Om, das ist Vayu. Om, das ist Atman. Om, das ist Wahrheit. Om, das ist alles. Om, jenes – dem Großen sei Verneigung.

68.2
Om. Im Inneren der Wesen, in der Höhle ihrer vielfältigen Gestalten, bewegt sich das Göttliche. Du bist das Opfer, du der Vashat-Ruf, du Indra, du Rudra, du Vishnu, du Brahman, du Prajapati. Du bist jenes, das Wasser. Wasser, Licht, Lebenssaft, Unsterbliches, Brahman; Erde, Zwischenraum und Himmel – Om.

69.1.1
Im Vertrauen verankert bringe ich dem Prana das Unsterbliche als Opfer dar.

69.1.2
Im Vertrauen verankert bringe ich dem Apana das Unsterbliche als Opfer dar.

69.1.3
Im Vertrauen verankert bringe ich dem Vyana das Unsterbliche als Opfer dar.

69.1.4
Im Vertrauen verankert bringe ich dem Udana das Unsterbliche als Opfer dar.

69.1.5
Im Vertrauen verankert bringe ich dem Samana das Unsterbliche als Opfer dar.

69.1.6
Mein Selbst sei in Brahman gegründet, zur Unsterblichkeit.

69.2
Du bist die Unterlage für das Unsterbliche.

69.3.1
Im Vertrauen verankert bringe ich dem Prana das Unsterbliche als Opfer dar. Tritt heilvoll in mich ein, damit ich nicht verzehrt werde. Dem Prana: Svaha!

69.3.2
Im Vertrauen verankert bringe ich dem Apana das Unsterbliche als Opfer dar. Tritt heilvoll in mich ein, damit ich nicht verzehrt werde. Dem Apana: Svaha!

69.3.3
Im Vertrauen verankert bringe ich dem Vyana das Unsterbliche als Opfer dar. Tritt heilvoll in mich ein, damit ich nicht verzehrt werde. Dem Vyana: Svaha!

69.3.4
Im Vertrauen verankert bringe ich dem Udana das Unsterbliche als Opfer dar. Tritt heilvoll in mich ein, damit ich nicht verzehrt werde. Dem Udana: Svaha!

69.3.5
Im Vertrauen verankert bringe ich dem Samana das Unsterbliche als Opfer dar. Tritt heilvoll in mich ein, damit ich nicht verzehrt werde. Dem Samana: Svaha!

69.3.6
Mein Selbst sei in Brahman gegründet, zur Unsterblichkeit.

69.4
Du bist die Bedeckung für das Unsterbliche.

70.1.1
Im Vertrauen in Prana eingekehrt, habe ich das Unsterbliche geopfert. Stärke Prana durch diese Nahrung.

70.1.2
Im Vertrauen in Apana eingekehrt, habe ich das Unsterbliche geopfert. Stärke Apana durch diese Nahrung.

70.1.3
Im Vertrauen in Vyana eingekehrt, habe ich das Unsterbliche geopfert. Stärke Vyana durch diese Nahrung.

70.1.4
Im Vertrauen in Udana eingekehrt, habe ich das Unsterbliche geopfert. Stärke Udana durch diese Nahrung.

70.1.5
Im Vertrauen in Samana eingekehrt, habe ich das Unsterbliche geopfert. Stärke Samana durch diese Nahrung.

71.1
Der daumengroße Purusha, der auch im Daumen seinen Sitz hat, der Herr und Gebieter der ganzen Welt, der alles genießt, möge erfreut sein.

72.1
Rede sei in meinem Mund, Lebenshauch in den Nasenlöchern, Sehkraft in den Augen, Hörkraft in den Ohren, Stärke in den Armen und Lebenskraft in den Schenkeln. Alle Glieder und der Leib seien unversehrt. Zusammen mit meinem Leib sei dir meine Verneigung dargebracht. Verletze mich nicht.

73.1
Wie schön geflügelte Vögel kamen die um Einsicht bemühten Seher bittend zu Indra: „Decke die Dunkelheit auf, erfülle unser Sehen; löse uns, die wie mit einer Fessel gebunden sind.“

74.1
Du bist der Knoten der Lebenskräfte. Als Rudra tritt in mich ein, als der Beendende. Stärke dich durch diese Nahrung.

75.1
Verneigung vor Rudra, vor Vishnu. Schütze mich vor dem Tod.

76.1
Du, Agni, wirst aus den Himmelslichten geboren, du rasch Leuchtender; du aus den Wassern, du aus dem Stein, du aus den Wäldern, du aus den Pflanzen. Du, Herr der Menschen, wirst für die Menschen als der Reine geboren.

77.1
Vollende dich für mich mit Heilvollem; vollende dich für mich mit Wohlergehen; vollende dich für mich mit gutem Gedeihen; vollende dich für mich mit dem Glanz heiligen Wissens. Folge der Erfüllung des Opfers. Dir, o Opfer, nahe ich in Verneigung; dir in Verneigung; dir in Verneigung.

78.1
Wahrhaftigkeit ist das Höchste; das Höchste ist Wahrhaftigkeit. Durch Wahrhaftigkeit fällt man niemals aus der himmlischen Welt. Denn Wahrhaftigkeit gehört zu den Guten. Deshalb finden sie Freude an der Wahrhaftigkeit.

78.2
„Askese“, so lautet eine weitere Antwort. Keine Askese steht über dem Fasten. Denn jene höchste Askese ist schwer zu bestehen und schwer zu überwinden. Deshalb finden sie Freude an der Askese.

78.3
„Beherrschung der Sinne“, sagen beständig die Brahmacharins. Deshalb finden sie Freude an der Selbstbeherrschung.

78.4
„Ruhe des Geistes“, sagen die Weisen im Wald. Deshalb finden sie Freude an der inneren Ruhe.

78.5
„Geben“, das preisen alle Wesen. Nichts ist schwerer zu vollbringen als Geben. Deshalb finden sie Freude am Geben.

78.6
„Dharma“, so lautet eine weitere Antwort. Durch Dharma wird all dies zusammengehalten. Nichts ist schwerer zu verwirklichen als Dharma. Deshalb finden sie Freude am Dharma.

78.7
„Fortpflanzung“, sagen viele. Denn dadurch werden sehr viele geboren. Deshalb finden sehr viele Freude an der Weitergabe des Lebens.

78.8
„Die Feuer“, sagt man. Deshalb sollen die heiligen Feuer angelegt werden.

78.9
„Agnihotra“, sagt man. Deshalb finden sie Freude am Agnihotra.

78.10
„Opfer“, so lautet eine weitere Antwort. Denn durch das Opfer gelangten die Götter in den Himmel. Deshalb finden sie Freude am Opfer.

78.11
„Die geistige Übung“, sagen die Wissenden. Deshalb finden gerade die Wissenden Freude an der geistigen Sammlung.

78.12
„Entsagung“, sagt Brahma. Denn Brahma ist der Höchste, und der Höchste ist Brahma. Diese genannten asketischen Übungen sind nachgeordnet; die Entsagung übertraf sie alle. Wer dies so weiß – so lautet die Upanishad.

79.1
Aruni, Nachkomme Prajapatis und Sohn der Suparna, trat zu seinem Vater Prajapati und fragte: „Was nennen die Ehrwürdigen das Höchste?“ Ihm antwortete dieser:

79.2
Durch Wahrheit weht der Wind heran; durch Wahrheit leuchtet die Sonne am Himmel. Wahrheit ist die Grundlage der Rede. In Wahrheit ist alles gegründet. Deshalb nennen sie Wahrheit das Höchste.

79.3
Durch Tapas gelangten die Götter am Anfang zur Göttlichkeit. Durch Tapas fanden die Seher die Himmelswelt. Durch Tapas wollen wir Widersacher und Feinde vertreiben. In Tapas ist alles gegründet. Deshalb nennen sie Tapas das Höchste.

79.4
Durch Selbstbeherrschung schütteln die Beherrschten Verfehlung ab. Durch Selbstbeherrschung gelangten die Brahmacharins in die Himmelswelt. Selbstbeherrschung ist für die Wesen schwer zu überwinden. In Selbstbeherrschung ist alles gegründet. Deshalb nennen sie Selbstbeherrschung das Höchste.

79.5
Durch innere Ruhe handeln die zur Ruhe Gekommenen heilvoll. Durch innere Ruhe fanden die Weisen den Himmel. Innere Ruhe ist für die Wesen schwer zu überwinden. In innerer Ruhe ist alles gegründet. Deshalb nennen sie innere Ruhe das Höchste.

79.6
Das Geben, die Opfergabe an die Mitwirkenden, ist der Schutz der Opfer. In der Welt leben alle Wesen von einem Gebenden. Durch Geben vertrieb man die Feinde. Durch Geben werden Feindselige zu Freunden. Im Geben ist alles gegründet. Deshalb nennen sie Geben das Höchste.

79.7
Dharma ist die Grundlage der ganzen Welt. In der Welt suchen die Menschen den besonders Rechtschaffenen auf. Durch Dharma vertreibt man das Böse. In Dharma ist alles gegründet. Deshalb nennen sie Dharma das Höchste.

79.8
Die Fortpflanzung ist gewiss eine Grundlage in der Welt. Wer den Faden der Nachkommenschaft gut weiterspinnt, wird gegenüber den Vorfahren schuldenfrei. Eben dies ist seine Befreiung von der Schuld. Deshalb nennen sie Fortpflanzung das Höchste.

79.9
Die Feuer sind gewiss das dreifache Wissen, der Weg zu den Göttern. Das Garhapatya-Feuer entspricht dem Rigveda, der Erde und dem Rathantara-Gesang. Das Anvaharyapachana-Feuer entspricht dem Yajurveda, dem Zwischenraum und dem Vamadevya-Gesang. Das Ahavaniya-Feuer entspricht dem Samaveda, der Himmelswelt und dem Brihat-Gesang. Deshalb nennen sie die Feuer das Höchste.

79.10
Das Agnihotra am Abend und am Morgen ist die Wiedergutmachung für die Haushalte: ein gut vollzogenes Opfer, eine gut dargebrachte Gabe, der Anfang der Opferhandlungen und das Licht zur himmlischen Welt. Deshalb nennen sie das Agnihotra das Höchste.

79.11
„Opfer“, so lautet eine weitere Antwort. Denn das Opfer gehört den Göttern. Durch das Opfer gelangten die Götter in den Himmel; durch das Opfer vertrieben sie die Asuras. Durch das Opfer werden Feindselige zu Freunden. Im Opfer ist alles gegründet. Deshalb nennen sie das Opfer das Höchste.

79.12
Die geistige Sammlung gehört gewiss zu Prajapati und ist läuternd. Mit dem in geistiger Sammlung geübten Geist sieht man recht. Durch den Geist schufen die Seher Geschöpfe. In geistiger Sammlung ist alles gegründet. Deshalb nennen sie die geistige Sammlung das Höchste.

79.13
Das, was „Entsagung“ heißt, nennen die Weisen Brahma. Brahma ist das All, Katama, der aus sich selbst Seiende, Prajapati und das Jahr – so wird gelehrt.

79.14
Das Jahr ist jene Sonne dort. Der Purusha, der dort in der Sonne ist, ist der im höchsten Bereich Weilende, Brahma und das Selbst.

79.15.1
Mit den Strahlen, durch welche die Sonne wärmt, lässt die Regenwolke Regen fallen. Durch den Regen entstehen Kräuter und Bäume; durch Kräuter und Bäume entsteht Nahrung.

79.15.2
Durch Nahrung werden die Lebenskräfte erhalten; durch Lebenskräfte entsteht Stärke, durch Stärke Tapas, durch Tapas Vertrauen, durch Vertrauen Auffassungskraft, durch Auffassungskraft Einsicht, durch Einsicht geistige Besinnung, durch geistige Besinnung Ruhe, durch Ruhe klares Bewusstsein, durch klares Bewusstsein Erinnerung, durch Erinnerung beständiges Vergegenwärtigen und durch dieses Vergegenwärtigen unterscheidende Erkenntnis. Durch diese Erkenntnis erkennt man das Selbst.

79.15.3
Deshalb gibt, wer Nahrung gibt, all diese Dinge. Aus Nahrung entstehen die Lebenskräfte der Wesen; durch die Lebenskräfte entsteht der Geist und aus dem Geist Erkenntnis; aus Erkenntnis entsteht Freude. Brahman ist der Ursprung.

79.16.1
Dieser Purusha ist wahrlich fünffach, von fünffachem Wesen. Durch ihn ist all dies verwoben: Erde und Zwischenraum und Himmel und die Himmelsrichtungen und die Zwischenrichtungen. Er ist gewiss diese ganze Welt; er ist das Gewesene und das Kommende.

79.16.2
Durch suchendes Erkennen bestimmt, aus Wahrheit geboren, im Reichtum gegründet, Vertrauen selbst, wahr und von großer Leuchtkraft, steht er über der Dunkelheit. Erkenne ihn so mit Geist und Herz; als Wissender gehe nicht erneut dem Tod entgegen.

79.16.3
Deshalb nennen sie die Entsagung diesen asketischen Übungen überlegen.

79.17
Du bist der Spender des Reichtums, der in vielfältigen Gestalten Seiende. In der Lebenskraft bist du der Verbindende. O Brahman, du durchdringst das All. Du spendest dem Feuer Glut; du spendest der Sonne Strahlkraft; du spendest dem Mond Glanz. Du bist im Upayama-Gefäß aufgenommen. Dich weihe ich dem großen Brahman.

79.18
Mit „Om“ soll man sich auf das Selbst sammeln. Dies ist gewiss die große vertrauliche Lehre, das Geheimnis der Götter. Wer dies so weiß, erlangt die Größe Brahmans. Deshalb: die Größe Brahmans – so lautet die Upanishad.

80.1.1
Im Opfer dessen, der so weiß, ist das Selbst der Opferherr; Vertrauen ist seine Gattin; der Körper ist das Brennholz; die Brust ist der Altar; die Körperhaare sind das Opfergras; der Veda ist der Haarschopf; das Herz ist der Opferpfosten; das Begehren ist die geklärte Butter; der Zorn ist das Opfertier; Tapas ist das Feuer; Selbstbeherrschung ist der Schlachtende; Geben ist die Opfervergütung.

80.1.2
Die Rede ist der Hotri; der Lebenshauch ist der Udgatri; das Auge ist der Adhvaryu; der Geist ist der Brahman-Priester; das Gehör ist der Agnidh.

80.1.3
Solange er am Leben erhalten wird, dauert seine Weihe. Was er isst, ist seine Opfergabe; was er trinkt, ist sein Somatrinken.

80.1.4
Wenn er sich freut, sind das seine Upasad-Riten. Wenn er umhergeht, sich setzt und aufsteht, ist das sein Pravargya.

80.1.5
Sein Mund ist das Ahavaniya-Feuer; seine Äußerung ist die Opferdarbringung. Was seine Erkenntnis ist, das bringt er als Opfer dar.

80.1.6
Was er abends und morgens isst, ist seine Brennstoffgabe. Morgen, Mittag und Abend sind seine drei Soma-Pressungen.

80.1.7
Tag und Nacht sind seine Neu- und Vollmondopfer. Die Halbmonate und die Monate sind seine Viermonatsfeiern.

80.1.8
Die Jahreszeiten sind seine Tieropfer. Die Jahre und die weiterlaufenden Jahreskreise sind seine Reihen von Opfertagen.

80.1.9
Dies ist wahrlich eine Opfersitzung, bei der der gesamte Besitz eingesetzt wird. Der Tod ist das abschließende Bad. Dies ist gewiss das bis zum Tod im Alter dauernde Agnihotra, eine fortgesetzte Opfersitzung.

80.1.10
Wer dies so weiß und während des nördlichen Sonnenlaufs stirbt, gelangt zur Größe der Götter und erreicht die Gemeinschaft mit der Sonne.

80.1.11
Wer hingegen während des südlichen Sonnenlaufs stirbt, gelangt zur Größe der Vorfahren und erreicht die Gemeinschaft mit dem Mond.

80.1.12
Diese beiden Machtbereiche von Sonne und Mond erlangt der wissende Brahmane. Von dort aus erlangt er die Größe Brahmans. Deshalb: die Größe Brahmans – so lautet die Upanishad.

Schlussgebet 1
Om. Mitra sei uns zum Heil, Varuna sei uns zum Heil. Aryaman sei uns zum Heil. Indra und Brihaspati seien uns zum Heil. Vishnu mit den weiten Schritten sei uns zum Heil. Verneigung vor Brahman. Verneigung vor dir, Vayu. Du allein bist das unmittelbar wahrnehmbare Brahman. Dich allein habe ich als das unmittelbar wahrnehmbare Brahman ausgesprochen. Das Rechte habe ich gesprochen; die Wahrheit habe ich gesprochen. Es hat mich geschützt; es hat den Lehrenden geschützt. Es hat mich geschützt; es hat den Lehrenden geschützt. Om. Frieden, Frieden, Frieden.

Schlussgebet 2
Om. Es schütze uns beide gemeinsam. Es nähre uns beide gemeinsam. Gemeinsam wollen wir kraftvoll wirken. Unser beider Studium sei von Klarheit erfüllt. Mögen wir einander nicht hassen. Om. Frieden, Frieden, Frieden.

Kolophon
So ist die Mahanarayana-Upanishad abgeschlossen.

Fünf Empfehlungen für ernsthafte spirituelle Aspiranten

  • Meditiere über das nicht Sichtbare. Lies 1.10–1.11 langsam und sitze anschließend einige Minuten still. Richte die Aufmerksamkeit auf Herz und Geist, ohne dir Brahman als sichtbaren Gegenstand vorzustellen.
  • Verbinde Essen mit Aufmerksamkeit. Lies eine der fünf Formeln aus Anuvaka 69 und betrachte die Nahrung als empfangene Gabe. Nimm dir anschließend Zeit für eine ruhige Mahlzeit.
  • Übe Wahrhaftigkeit im Kleinen. Wähle aus 10, 78 oder 79 einen Satz zu Satya und prüfe abends eine konkrete Situation, in der genaueres oder ehrlicheres Sprechen möglich gewesen wäre.
  • Verbinde Erkenntnis mit Geben. Nimm die Nahrungskette in 79.15 zum Anlass für eine konkrete, deiner Situation angemessene Hilfe. Lass Dana und Svadhyaya einander ergänzen.
  • Bringe den Zorn in die Übung ein. Erinnere dich an 80.1.1, bevor du in Ärger handelst. Beobachte den Impuls und übe eine Antwort, die Ahimsa und Selbstbeherrschung ausdrückt.

Literatur und Quellen

  • Swami Vimalananda: Mahānārāyaṇopaniṣad. Sri Ramakrishna Math, Madras. Sanskrittext mit traditioneller Sanskrit-Worterklärung und englischer Übersetzung. Für die vorliegende Fassung wurden die gedruckten S. 1–394 des digitalisierten Exemplars als Textgrundlage herangezogen. Die deutsche Fassung wurde aus dem Sanskrit neu erstellt.
  • Jean Varenne: La Mahā Nārāyaṇa Upaniṣad. Zwei Bände. Publications de l'Institut de Civilisation Indienne, Fasc. 11. E. de Boccard, Paris 1960. Nachweis und digitalisierter erster Band. Kritische Edition mit eigenem Zählsystem und französischer Übersetzung.
  • SanskritDocuments: Mahānārāyaṇa Upaniṣad. Ergänzend verglichene elektronische Sanskritfassung; für die 80-Anuvaka-Zählung, die ausgeschriebenen Zusatzhymnen nach 1.11, die Schlussgebete und das Kolophon herangezogen. Die im Artikel dokumentierten Auslassungen und redaktionellen Zusätze dürfen bei ihrer Benutzung nicht übersehen werden.
  • Vishwa Adluri: Introduction to the Nārāyaṇīya, besonders „Origins and Composition“. Wissenschaftliche Einordnung der Narayana-Tradition und ausdrücklicher Bericht über Srinivasans Datierung der Mahanarayana Upanishad.
  • Doris Meth Srinivasan: Many Heads, Arms, and Eyes: Origin, Meaning, and Form of Multiplicity in Indian Art. Brill, Leiden 1997, Kapitel 10. Weiterführende Untersuchung; die Datierungsposition wird im vorliegenden Artikel über Adluris ausdrücklich angegebenen Bericht referiert.

Siehe auch

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