Leidenschaft

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Leidenschaft ist ein heftiges ungestümes Gefühl, das von der Vernunft nicht gezügelt werden kann. Leidenschaft ist auch eine überaus heftige Begierde, Zuneigung, oder Liebe. Leidenschaft kann auch eine sehr große Begeisterung für etwas sein.

Leidenschaft kann ins Leiden führen. Leidenschaft kann aber auch durch großen Enthusiasmus zu Freude, Engagement und Erfolg führen. Im Spirituellen spricht man manchmal davon, dass man die Leidenschaften überwinden müsse. Dabei sind aber die sinnlichen Leidenschaften gemeint.

Leidenschaft für eine gute Sache, Leidenschaft für Yoga und Meditation, Leidenschaft für eine bessere Welt, das sind alles sehr wertvolle menschliche Gefühle und Bestrebungen, die man wertschätzen soll.

Leidenschaft als hilfreiche Tugend

Auszug aus einem Vortrag von Sukadev Bretz

Sukadev Bretz, Gründer und Leiter von Yoga Vidya, Yogalehrer, Meditationslehrer, spiritueller Lehrer, Seminar- und Ausbildungsleiter, Autor mehrerer Bücher. Sukadev Volker Bretz lernte 12 Jahre bei Swami Vishnu-devananda.

Leidenschaft hat verschiedene Gesichter. Ich bin ja Yogalehrer, Meditationslehrer, spiritueller Lehrer und dort gibt es verschiedene Aussagen zu Leidenschaft in den verschiedenen Yoga-Schriften und in Aussagen auch meiner Meister, Swami Vishnudevananda, Swami Sivananda. Leidenschaft, - zum einen heißt es, Leiden schafft Leiden, zum anderen heißt es aber auch, man soll ganz engagiert sein bei dem, was man tut. Das, was man tut, soll man auch mit Leidenschaft tun, engagiert sein, und mit Herz.

Das Wort "Leidenschaft" hat im Deutschen ja viele verschiedene Bedeutungen. Leidenschaft bezieht sich zum einen auf die Liebe, auch auf die Partnerliebe, Sexuelle Liebe, dort leidenschaftlich zu lieben, - das heißt, große Wünsche auf sexuellem Gebiet zu haben und dort hat Leidenschaft dann schon mal ein Doppelgesicht.

Das eine Gesicht ist, wenn das in einer festen Partnerschaft ist, dann ist das etwas sehr Gutes und das setzt Energien frei und das hilft, dass man aus der Zweierbeziehung Kraft schöpft, Liebe bekommt und man auch Energie hat, für alles andere.

Wenn die Leidenschaft aber so ist, dass es dazu führt, dass man ständig wechselnde Beziehungen hat oder in Untreue kommt, das ist wiederum nicht so gut. Und so heißt es öfters, dass Leidenschaft ein Tor zur Hölle sein kann. Davon spricht auch Krishna in der Bhagavad Gita, wo er sagt: "Kama Krodha, diese beiden sind Tore zur Hölle."

Leidenschaft, Kama, so wird es oft übersetzt, als Leidenschaft und bei Swami Sivananda als passion, manchmal wird es auch übersetzt als greed, als Gier, und dann Krodha heißt Zorn und Ärger. Das sind also zwei Dinge, die einen in Probleme führen können. Also, ein intensiver Wunsch nach etwas, insbesondere ein Wunsch, der einem die eigenen Vorsätze, die eigenen ethischen Grundlagen raubt.

In diesem Sinne ist Leidenschaft nicht so gut. Leidenschaft kann aber auch etwas sein, wo man mit großer Intensität und mit großer Leidenschaft etwas verfolgt, wo man merkt: "Dafür habe ich eine Berufung, dafür habe ich eine Mission." Beispielsweise, angenommen, du bist ein sehr guter Musiker und du weißt, das ist deine Bestimmung.

Und dann wirst du vielleicht ein leidenschaftlicher Musiker sein, du wirst sogar bereit sein, dafür zu leiden, also viel zu üben, viel zu praktizieren. Vielleicht bist du noch nicht so bekannt, verdienst nicht viel, aber wenn du musizierst, gehst du ganz auf. Und das ist etwas Gutes, etwas zu haben, wo man vollständig drin aufgeht, wo man all seine Energie reinsteckt, das ist eine positive Leidenschaft.

Oder ich wohne ja in einem Yoga-Ashram, wir haben viele Yogalehrer, die mit Haut und Haar, mit ganzer Seele Yogalehrer sind, die sind leidenschaftliche Yogalehrer. Die denken schon am Morgen daran, was sie am Abend so unterrichten werden, oder welchen Vortrag sie um die Mittagszeit geben, die überlegen, was sie machen, wenn sie drin sind, dann strahlen sie und sie leuchten.

Und wenn sie aus einer Yogastunde, oder einem Vortrag rauskommen, dann sieht man irgendwo, wie dieses Licht von ihnen ausgeht. Sie sind Leidenschaftliche Yogalehrer, leidenschaftliche Vortragende.

Oder wir haben auch andere Teams, wir haben leidenschaftliche Köche, die wirklich gerne kochen, und leidenschaftliche Menschen, die vieles andere voranbringen. So in diesem Sinne, wenn es für einen guten Zweck ist und du dort ganz engagiert bist, das ist dann eine gute Leidenschaft. Im Grunde genommen kommen wir im Yoga oft dorthin.

Grundsätzlich, - unsere Emotionen sind etwas Gutes, emotio ist das, was einen aus einem heraus bewegt. Und wir können die Kraft der Emotionen nutzen. In Leidenschaft ist eine Emotion. Aber die Emotionen brauchen den Filter des Buddhi, des Verstandes, der Vernunft, oder des Ichs, wie man auch sagt.

Also, ich sage gerne, die Emotionen sind Informationen mit Energie und sie sind auch Fähigkeiten, mit Energie zu handeln, sie sind Bewegkräfte mit Energie. Wünsche sind auch Handlungsempfehlungen mit Energie. Du kannst jetzt sagen: "Mache ich das oder mache ich das nicht."

So ähnlich wie vielleicht ein Chef, er hat verschiedene Mitarbeiter und der eine sagt, das soll man machen, der nächste sagt, das soll man machen, der nächste sagt, das soll man machen, dann kannst du dich entscheiden, was davon du machst. Jeder meint es gut, es sind alles Verbesserungsvorschläge, alles Vorschläge, was man tun kann. Und dann kannst du entscheiden: "Das mache ich."

Du wirst vielleicht auch dafür sorgen, dass jeder Mitarbeiter mal etwas auch umgesetzt bekommt, aber du musst beurteilen. So ähnlich ist es mit deinen eigenen psychischen Kräften, unter anderem auch mit der Leidenschaft, du kannst damit so umgehen dass du überlegst: "Ist das so sinnvoll? Will ich es machen, will ich es nicht machen?"

Du musst nicht gegen deine Leidenschaften kämpfen, so ähnlich wie ein Chef nicht gegen einzelne Mitarbeiter kämpfen muss, sondern du kannst dir nur bewusst machen: "Aha, da ist die Empfehlung." Du kannst ihr ganz frei folgen oder auch nicht. Und natürlich, wenn du ihr folgst, ist dann auch die entsprechende Energie da. Das waren jetzt einige Aspekte zu einem interessanten Thema, nämlich Leidenschaft, wozu es ja zwiespältige Aussagen gibt in den Schriften, von den Meistern.

In diesem Sinne, überlege selbst, welche Leidenschaften führen dich ins Leiden, egobezogene Leidenschaften, Leidenschaften, die dich von deinen ethischen Grundsätzen entfernen und die dich irgendwo abbringen von dem Weg, von dem du weißt, dass der für dich gut ist.

Und welche Leidenschaften sind die, die gut sind, die dir Energie geben, mit denen du Gutes bewirkst und wo du weißt, dort folgst du deiner Bestimmung. Und wo hast du vielleicht auch Leidenschaften, die du bisher nicht lebst, wo du aber weißt: "Das wäre etwas ethisch Gutes, so könnte ich meiner Bestimmung mehr nachgehen." Vielleicht ist es angemessen, etwas intensiver dein Leben zu leben, vielleicht.

Leidenschaft

Nutze dein Feuer für die Befreiung

- Abschnitt aus dem Buch "Erfolgreich leben und Gott verwirklichen" von Swami Sivananda -

Im weiteren Sinn bedeutet Leidenschaft ein starkes Verlangen, einen starken Wunsch. Es gibt verschiedenste Arten von Verlangen. Manche haben zum Beispiel die Sehnsucht nach einer Partnerschaft und Ehe, nach Erfolg im Beruf, andere den Wunsch, der Gesellschaft zu dienen. Manche haben einen starken Drang nach billiger Lektüre, andere nach spirituellen Büchern. Und es gibt den Wunsch nach Selbstverwirklichung.

Im engeren allgemeinen Sprachgebrauch bedeutet Leidenschaft ein starkes Bedürfnis nach sexueller Befriedigung. Dies ist ein körperliches Verlangen, das durch die Befriedigung immer stärker wird. Ursprünglich ist der sexuelle Impuls beziehungsweise der Zeugungstrieb an sich auf die Erhaltung der Spezies ausgerichtet.

Leidenschaft ist eine Welle auf dem Meer der Gedanken, wenn Rajas (das Prinzip der Bewegung, Unruhe) vorherrscht. Sie kommt aus Nichtwissen (Avidya). Avidya Shakti, die Kraft der Unwissenheit, nimmt die Form der Leidenschaft an, um das Spiel (Lila) dieser Schöpfung aufrechtzuhalten. Im Chandi-Patha oder Durga Shaptashati (auch Devi Mahatmyam genannt, ein Sanskrit Werk, Teil des Markandeya Purana, zur Verehrung von Devi, der göttlichen Mutter.) heißt es: „Ich verneige mich vor der Gottheit, die die Form der Leidenschaft in allen Wesen angenommen hat.“

Leidenschaft, Anziehung zum anderen Geschlecht, ist in Kindern nur als Same angelegt, ebenso wie der Baum latent im Samen ruht, und beunruhigt sie daher nicht. In alten Menschen ist der Same erstickt und kann nicht mehr sprießen. Nur in jungen Männern und Frauen bringt diese geschlechtliche Anziehung in der Jugend und im Erwachsenenalter Unruhe. Die meisten werden zu ihrem Sklaven und können sich nicht helfen. Rajasige Ernährung und Lebensweise, sexy Kleidung, das Lesen von Illustrierten mit entsprechenden Geschichten und Bildern, Kino, (Anmerkung des Herausgebers: Übertragen auf heute: Fernsehen, zu viel im Internet surfen, und so weiter…), Gespräche über sexuelle Dinge, entsprechende gesellschaftliche und Umwelteinflüsse, Alkohol, Rauschmittel, Tabak und so weiter stimulieren diese Leidenschaft.

Selbst für gebildete Menschen ist es schwer verständlich, dass es eine übersinnliche Freude im Atman unabhängig von Sinnesobjekten gibt, denn der Mensch kennt nur Freude über die Sinne und äußere Objekte.

Du erfährst die Seligkeit des Atman täglich im Tiefschlaf. Dann ruhst du in deinem eigentlichen Selbst, in dem die Indriyas (Sinnes- und Handlungsorgane) keine Rolle mehr spielen, die Gedanken schweigen und die beiden Ströme von Anziehung und Abneigung nicht aktiv sind. Trotz dieser im Schlaf erfahrenen Seligkeit, in der es keine Störung gibt, machst du am nächsten Morgen mit demselben sinnlichen außenorientierten Leben weiter.

Es gibt viele Menschen, deren Leben nur darin besteht, unreflektiert ihren Neigungen nachzugehen. Wenn sie aber dann von Unglück betroffen werden, wenn sie zum Beispiel Besitz, Frau/Mann und Kinder verlieren oder unter einer unheilbaren Krankheit leiden, erinnern sie sich plötzlich an Gott und beten zu Gott, er möge sie von dieser Krankheit befreien, ihnen helfen und ihnen ihren oberflächlichen Lebenswandel vergeben.

Für jemanden, der ernsthaft auf dem spirituellen Weg voranschreiten will, ist es notwendig, der Leidenschaft nicht einfach nachzugeben, sondern die darin gebundene Energie zu sublimieren. Dadurch gewinnt man eine ungeheure Kraft, Freude und Frieden.

So wie ein Fischschwarm aufwärts gegen den Strom schwimmt, schwimme als spiritueller Aspirant/Aspirantin gegen den Fluss der nach außen ziehenden Kräfte. Wenn es dir gelingt, die instinktive Leidenschaft zu beherrschen und zu sublimieren, kannst du leichter Selbstverwirklichung erreichen und die unvergängliche Seligkeit des Atman genießen. Die Seligkeit des Atman, die Seligkeit Gottes, kannst du dauerhaft nur durch Verzicht auf die Vergnügungen der Welt erfahren.

Schöne Frauen, attraktive Männer und Besitz sind die Werkzeuge der Maya, um dich zu täuschen und in ihre Netze zu verstricken. Natürlich hast du die Freiheit, so zu leben wie du willst. Mit etwas Unterscheidungskraft und wenn die spirituelle Sehnsucht erwacht ist, wirst du jedoch bald herausfinden, dass die Welt dir nicht wirklich die dauerhafte Befriedigung geben kann, nach der du verlangst, weil alle Objekte und äußeren Erfahrungen bedingt sind durch Raum, Zeit und Kausalität. Wenn du genau beobachtest, wirst du feststellen, dass jedem befriedigten Vergnügen eine Ernüchterung folgt, und du dein ganzes Leben lang diesen Vergnügungen hinterher läufst, um immer wieder frustriert zu werden.

Es gibt Tod, Krankheit, Alter, Sorgen, Kummer, Ängste, Furcht, Verlust, Enttäuschung, Misserfolg, Verletzungen, Kritik, Hitze, Kälte, Erdbeben, Naturkatastrophen, Unfälle etc. Du findest in dieser relativen Welt nicht einmal einen Augenblick lang wirklich Ruhe und Frieden. Solange deine Geistsubstanz von Leidenschaft und Unreinheit erfüllt ist und dadurch dein höheres Verständnis verdunkelt und unklar ist, kannst du die trügerische Natur des Weltalls nicht verstehen und die immerwährende Glückseligkeit des Atman im Inneren nicht begreifen. Versuche daher, deine Leidenschaft wirksam zu beherrschen.

Manche argumentieren, wenn alle sich auf diese Weise dem spirituellen Leben zuwenden würden, gäbe es bald keinen Nachwuchs und keine Welt mehr. Kümmere dich nicht um das Weiterbestehen der Welt, sondern um deine eigenen Angelegenheiten. Gott ist allmächtig. Wenn diese Welt völlig leer wäre oder alle Menschen sich zurückziehen würden, könnte Gott sofort korrigierend eingreifen, wenn er das wollte. Das ist nicht unsere Angelegenheit, sondern die Gottes. Finde du die Methoden heraus, mit denen du deine Leidenschaft beherrschen kannst.

Die Bevölkerung der Welt vermehrt sich enorm. Geburtenkontrolle mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln mag sicherlich gegen zu hohes Bevölkerungswachstum nützlich sein, aber nicht im Hinblick auf die ethischen und spirituellen Gesichtspunkte, die ich hier ins Bewusstsein rufen möchte. Durch Enthaltsamkeit beziehungsweise einen beherrschten gemäßigten Umgang mit sexuellen Kontakten kannst du die sexuelle Energie in spirituelle Energie umwandeln.

Durch die ganze Bhagavad Gita zieht sich das eine Thema, nämlich die Versicherung, dass jemand, der seine leidenschaftliche Natur beruhigt hat, der glücklichste Mensch der Welt ist.

Es ist leicht die Leidenschaft, deinen inneren Feind, zu beherrschen, wenn du dieses Anliegen wirklich ernst nimmst und dich dem spirituellen Weg mit ganzem Herzen, mit Hingabe und Konzentration widmest.

Es gibt wirksame Mittel, diese Art von Selbstbeherrschung zu trainieren. Hier einige praktische konkrete Übungsempfehlungen dafür:

Meditiere über den Atman. Frage dich: „Wer bin ich?“. Mache dir bewusst, dass es im Atman, in deinem essentiellen Selbst, keine Vasanas und somit keine Leidenschaften gibt. Sie bestehen nur im bewussten und unbewussten Denken.

  • Höre auf mit Lesen von Illustrierten und gehe nicht ins Kino.
  • Wenn du durch die Straßen gehst, denke innerlich an deinen Aspekt des Göttlichen.
  • Versuche Gott in allem zu sehen.
  • Iss nicht zu viel am Abend, damit der Magen nicht überfüllt ist.
  • Lebe nach dem Motto: „Einfach leben, erhaben denken.“
  • Lies gute Bücher, die deine Gedanken erheben und begeistern.

Sobald deine Gedanken sich an eine Frau oder einen Mann hängen, stelle dir ihren/seinen physischen Körper genau vor: das Fleisch, die Knochen, die Eingeweide und so weiter. Das wird dich sofort ernüchtern. – Kultiviere Abneigung gegenüber unkontrollierter Lust, nicht aber gegenüber den Frauen beziehungsweise Männern.

Verzichte auf Salz und anregende Speisen. Das kühlt Gedanken und Nerven. Zuerst wird es dir schwerfallen, später aber wirst du salzloses einfaches Essen genießen.

Du wirst deine Leidenschaft beherrschen, wenn du diese Empfehlungen umsetzt. Wer seine Leidenschaft beherrscht hat, wird Gott erfahren. Das Wichtigste aber ist dein ernsthaftes Bestreben, dem spirituellen Weg zu folgen.

Was ist Leidenschaft?

Leidenschaft : Was ist Leidenschaft ? Woher stammt das Wort? Wozu ist Leidenschaft gut? Was sind ihre Grenzen? Wie kann man sie kultivieren? Was ist das Gegenteil von Leidenschaft ?

Unter Leidenschaft versteht man im Allgemeinen eine mit dem Verstand nur schwer zu steuernde oder zu kontrollierende Emotion oder Neigung. Diese kann den Menschen, sein Gemüt, seinen Geist komplett "in Besitz" nehmen und so zur Besessenheit werden. Unter Leidenschaft werden aber auch Dinge verstanden wie:

Auch unsere Gefühle sind vergänglich.

Unsere spirituelle Yoga-Praxis mit Asanas, Pranayama, Entspannung und Meditation und das Bewusstmachen durch Raja Yoga kann uns helfen, die Kontrolle über unsere Leidenschaften zu bekommen.

Leiden schaffen

Schaut man sich das Wort "Leidenschaft" genauer an, so findet man darin die beiden Worte "leiden" und "schaffen". Im spirituellen Sinne wird mit Leidenschaft also eine innere Haltung bezeichnet, durch welche Leid erzeugt oder verstärkt wird.

Das Wort beinhaltet auch, dass man sich das Leid selber schafft.

Verhaftung und Wünsche als Ursache von Angst überwinden lernen

Der Mechanismus von Leidenschaft

Patanjali beschreibt im Yoga Sutra im Abschnitt über die Ursachen von Leid (die 5 Kleshas, Kapitel 2, Vers 3 bis 9) den Mechanismus, wie Leidenschaft entsteht.

Aus Avidya (spiritueller Unwissenheit) heraus verwechseln wir das Vergängliche, Schmerzvolle mit dem Ewigen und Guten. Deshalb identifizieren (Asmita) wir uns mit den falschen Dingen, also mit Dingen, die nicht hilfreich sind, und es entsteht ein duales Bewusstsein, welches zwischen mir und "dem Rest" unterscheidet (Ich-Bewusstsein, Egoismus).

Aus dieser Identifizierung heraus entstehen entweder Mögen und Begehren (Raga) oder Nicht-Mögen und Abneigung (Dvesha). Diese führen zu Anhaftung und Angst (Abhinivesha, in letzter Konsequenz: Furcht vor dem Tod, von der selbst Weise ergriffen werden).

Anhaftung

Zwei der am Engsten mit Leidenschaft verbundenen Verhaltensweisen sind Mögen, Begehren, Wollen und Nicht-Mögen, Ablehnung, Abneigung. Der Unterschied zwischen Beiden ist nicht so groß, wie man denken mag.

Patanjali sagt sinngemäß: Mögen/Begehren ist Anhaftung am Angenehmen. Nicht-Mögen/Ablehnung ist Anhaftung am Schmerz. In beiden Fällen halten wir also fest und lassen nicht los - oftmals unbewusst. Wenn wir nicht im Augenblick sein können, leiden wir früher oder später. Angenehme, geliebte Dinge oder Personen zu verlieren, erzeugt dann Leid. Etwas, das man gerne haben möchte, nicht zu bekommen, erzeugt Leid. Unangenehmes, das man nicht haben möchte, zu bekommen oder nicht wieder loszuwerden, erzeugt Leid. Und das Leid entsteht in diesen Fällen durch unsere Einstellung – durch unseren Widerstand gegen die Wirklichkeit.

Handle ohne Verhaftung

Unterscheidungskraft, Übung und Loslassen

Yoga und mit ihm Patanjali sagt, dass es neben all den anderen, vielfältigen Techniken des Yoga 3 Dinge gibt, die uns besonders dabei helfen können, unsere Leidenschaft zu überwinden.

Was ist Verhaftung?

Viveka - Unterscheidungskraft

Viveka Kyati (beständige Unterscheidungskraft) hilft uns, zwischen den Dingen, die gut, sinnerfüllt und hilfreich sind, und denen, die vergänglich und schmerzhaft sind, zu unterscheiden.

Dazu ist es unter anderem hilfreich, einen Schritt zurück zu treten, ein paar Mal tief in den Bauch zu atmen und eine Zeit lang die Beobachterrolle (Sakshi Bhav, der Zeuge) einzunehmen.

Was ist Viveka im Alltag?

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Vairagya – Loslassen, Anhaftungslosigkeit

Durch Viveka und Vairagya können wir die Dinge in unserem Leben erkennen, die uns nicht gut tun. Wir können auch nach und nach unsere Weltanschauung verändern oder erweitern und die Teile unserer Einstellung, die uns begrenzen und einschränken, langsam loslassen. Dadurch erweitert sich unser Bewusstsein stückweise immer mehr.

Vairagya, der Weg zur unsterblichen Wohnstatt

Abhyasa – Übung, Bemühen

Schließlich gibt es Dinge, die wir beständig üben sollten. Unsere spirituelle Praxis (z.B. Meditation, Pranayama, Asana, Mantrarezitation) gehört dazu, denn diese helfen uns dabei, auf unserem Weg mehr Klarheit zu entwickeln und uns von den Dingen zu lösen, die uns in unserer Freiheit einschränken.

Abhyasa ist das ständige Bemühen um die Ruhe des Geistes

Leidenschaft und andere Emotionen, Eigenschaften und Tugenden

In diesem Yoga Wiki werden über 1000 Tugenden und geistigen Eigenschaften beschrieben. Hier einige Erläuterungen, wie man die Eigenschaft der Leidenschaft in Beziehung zu anderen Tugenden und geistigen Eigenschaften sowie in Bezug auf Laster sehen kann:

Ähnliche Eigenschaften wie Leidenschaft

Ähnliche Eigenschaften wie Leidenschaft, also Synonyme zu Leidenschaft sind z.B. Eifer, Emsigkeit, Engagement, Einsatzfreude.

Ausgleichende Eigenschaften

Jede Eigenschaft, jede Tugend, die übertrieben wird, wird zu einer Untugend, zu einem Laster, einer nicht hilfreichen Eigenschaft. Leidenschaft übertrieben kann ausarten z.B. in Gier, Wollust, Untreue. Daher braucht Leidenschaft als Gegenpol die Kultivierung von Gelassenheit, Erwartungslosigkeit, Achtsamkeit, Gleichmut.

Gegenteil von Leidenschaft

Zu jeder Eigenschaft gibt es ein Gegenteil. Hier Möglichkeiten für Gegenteil von Leidenschaft, Antonym zu Leidenschaft :

Leidenschaft im Kontext von Tugendengruppen, Persönlichkeitsfaktoren und Temperamenten

Entwicklung von Leidenschaft

Willst du Leidenschaft entwickeln, leidenschaftlicher leben? Meistens spricht man im Yoga davon, seine Leidenschaften zu überwinden - dabei sind jedoch meistens sinnliche Anhaftungen gemeint. Leidenschaft im Sinne von Brennen für eine Sache, das ist etwas Positives.

Vielleicht willst du ja Leidenschaft in dir stärker werden lassen. Hierzu einige Tipps:

  • Nimm dir vor, eine Woche lang diese Eigenschaft der Leidenschaft zu kultivieren, leidenschaftlich zu leben. Du kannst nicht mehrere Tugenden auf einmal entwickeln. Aber es ist möglich, jede Woche eine Tugend, eine Eigenschaft, wachsen zu lassen.
  • Triff den Entschluss: "Während der nächsten Woche will ich meine Leidenschaft kultivieren, wachsen lassen, stärker werden lassen. Ich freue mich darauf, in einer Woche ein leidenschaftlicherer Mensch zu sein. Ich möchte diese Woche leidenschaftlich leben, intensiv leben."
  • Nimm dir vor, jeden Tag mindestens eine Handlung auszuführen, die Leidenschaft ausdrückt. Mache jeden Tag etwas von ganzem Herzen, mit all deiner Emotion, mit all deiner Energie. Mache es wirklich gut, mache es leidenschaftlich.
  • Wenn du morgens aufwachst, dann sage eine Affirmation, z.B.: "Heute lebe ich leidenschaftlich".

Affirmationen zum Thema Leidenschaft

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Affirmationen für mehr Leidenschaft Unter dem Stichwort "Affirmation" und "Wunderaffirmationen" erfährst du mehr darüber.

  • Ich lebe leidenschaftlich.
  • Ich lebe leidenschaftlich. Om Om Om.
  • Ich bin ein Mensch, der leidenschaftlich lebt.
  • Was auch immer ich tue, ich tue es mit Leidenschaft.
  • Meine Aufgaben erledige ich mit Intensität und Leidenschaft.
  • Durch die Gnade Gottes lebe ich jeden Tag intensiv.

Gebet für Leidenschaft

Auch ein Gebet ist ein machtvolles Mittel, um eine Tugend zu kultivieren. Hier ein paar Möglichkeiten für Gebete für mehr Leidenschaft:

  • Lieber Gott, bitte gib mir mehr Leidenschaft, mehr Liebe, mehr Energie, mehr Engagement.
  • Oh Gott, ich verehre dich. Ich bitte dich darum, dass ich ein Mensch werde, der seine Aufgaben mit Engagement, mit Liebe, mit Leidenschaft erledigt.
  • Liebe Göttliche Mutter, ich danke dir. Ich danke dir dafür, dass ich jeden Tag die Tugend Leidenschaft mehr und mehr zum Ausdruck bringe.

Was müsste ich tun, um Leidenschaft zu entwickeln?

Du kannst dich auch fragen:

  • Was müsste ich tun, um Leidenschaft für meine Aufgaben zu entwickeln?
  • Wie könnte ich leidenschaftlicher leben?
  • Lieber Gott, bitte zeige mir den Weg zu mehr Leidenschaft
  • Angenommen, ich will leidenschaftlich leben, wie würde ich das tun?
  • Angenommen, ich würde leidenschaftlich leben, wie würde sich das bemerkbar machen?
  • Angenommen, ein Wunder würde geschehen, und ich würde ab morgen ein Leben voller Leidenschaft führen, was hätte sich geändert? Wie würde ich handeln? Wie würde ich denken? Wie würde ich fühlen? Wie würde ich denken? Wie würde ich handeln? Als leidenschaftlicher Mensch, wie würde ich reagieren, mit anderen kommunizieren?

Vortragsmitschnitt zu Leidenschaft - Audio zum Anhören

Hier kannst du einen Vortrag von Sukadev Bretz, Gründer von Yoga Vidya, anhören. Dieser Vortrag ist die Audio Version eines Videos zu Leidenschaft, Teil des Yoga Vidya Multimedia Lexikons der Tugenden.

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Siehe auch

Eigenschaften im Alphabet vor Leidenschaft

Eigenschaften im Alphabet nach Leidenschaft

Literatur

Weblinks

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