Herzzentrum

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Das Herzzentrum ist das Energiezentrum von Liebe und Freude in der Mitte der Brust. Das Herzzentrum, Sanskrit Anahata Chakra, ist das mittlere der 7 Chakras. Meditation über das Herzzentrum kann zu sehr tiefen Erfahrungen führen.

Hrid Chakra, das Herzzentrum
Klassische Darstellung des Anahata Chakras, das Zentrum des Herzens
Herzzentrum - die Künstlerin Sharada hat sich hier einige künstlerische Freiheiten genommen

Meditation auf das Anahata Chakra - Artikel von Heinz Grill

Chakra Meditation ist eine Möglichkeit die Seele für den Geist vorzubereiten.

Allgemeine Unterscheidung über Seele und Geist

In der Gheranda Samhita heißt es zum Anahata Chakra „lass ihn darüber kontemplieren, dass ein Meer von Nektar in seinem Herz ist: dass in der Mitte des Meeres eine Insel aus kostbaren Steinen ist...“

Die Texte der Gheranda Samhita reichen in das 17. Jahrhundert zurück und das war eine Zeit, in der gerade die Tantra-Tradition zu einer relativ hohen Blüte in Indien tendierte. In diesen Jahrhunderten bis heute entwickelte sich aus der allgemeinen Yogalehre die Tantra-Tradition, die die Chakrenlehre als ein bedeutungsvolles neues Element hervorbrachte.

In den früheren Zeiten, beispielsweise dreitausend Jahre vor Christus, als die Bhagavad Gita überliefert wurde, hätte man sich noch nicht auf ein Chakra als gegenständliche Meditation konzentriert, denn man erstrebte in diesen noch sehr lichten, einfachen, sowohl natur- als auch kosmischverbundenen Zeiten, mehr das gesamte Hineingehen und Aufgehen des Menschen im Geiste. Man erstrebte unmittelbar die Welt des Geistes, brahman. Die Entwicklung des einzelnen Energiezentrums kam erst mit der Zeit als Notwendigkeit auf, da sich mit der Evolution eine Verdichtung des menschlichen Gefühlslebens anbahnte und sich das Aufkommen eines starken irdischen Selbstgefühles und einem daraus resultierenden Materialismus herauskristallisierte. Durch diesen Abschied des Menschen aus seinem ehemals noch empfundenen natürlichen kosmischen Zusammenhang, fühlte er sich sowohl dem irdischen als auch dem geistigen Leben gegenüber befremdet. Die Wahrnehmung des Energiezentrums stellt deshalb eine Art seelische Brücke dar, die eine Verbindung zwischen Geist und irdischer Welt organisiert.

Tatsächlich befindet sich das Energiezentrum im sogenannten Astralleib des Menschen und stellt deshalb eine Art seelisches Glied dar. Man kann sagen, dass der Astralleib im Wesentlichen das Bewusstsein und das Unbewusste darstellt und dieses unterscheidet sich noch einmal von dem Wesensglied, das man als reines Selbst, als den sogenannten paramatman bezeichnet.

Die Meditation auf ein Energiezentrum will den Astralleib ordnen, erweitern und somit das Bewusstsein in seelischer Hinsicht vervollkommnen, damit der Übende eine wachsende Selbstkraft und schließlich eine zunehmende Erfahrung über das Selbst oder den Geist gewinnt. Wenn man den Begriff Geist nimmt, dann meint man damit das Höchste Selbst und wenn man den Begriff Bewusstsein nimmt, meint man im gesamten die Seele und den Astralleib.


Die Bedeutung des Anahata Chakra

Das Anahata Chakra befindet sich auf der Höhe des Herzens, es ist jedoch als feinstoffliches Zentrum nicht mit dem physischen Herz zu verwechseln. Das Organ des Herzens jedoch wird ganz wesentlich durch seinen feinen Träger, dem Chakra, gestärkt und gesund erhalten. Wenn die Gheranda Samhita vom „Meer von Nektar und von kostbaren Steinen“ spricht, so meint der Verfasser dieser Schrift die seelische Innerlichkeit als ruhiges Gefühl und die gleichzeitige Formgestalt des Chakras selbst, die metaphysisch wie ein sechseckiger Diamant oder in kristallinen Formen erscheint. Die Frage stellt sich aber dem der die Meditation über das anahata chakra beginnt, wie er am besten einen praktischen Ansatz findet, um erfolgreich zu einem Ergebnis zu kommen.

Das Herzchakra ist das Zentrum der inhaltlichen Fülle des Menschen. Je mehr jemand gute und brauchbare Inhalte bis in sein Gefühlsleben oder, anders ausgedrückt, Ideen zu Idealen verwirklicht hat, desto mehr entwickelt sich dieses feinstoffliche Zentrum, das mit zwölf Blütenblättern beschrieben wird.


Die Meditation auf das Zentrum erfolgt indirekt

Das Ziel der Meditation soll nicht darin liegen, sich schöne Emotionen und Gefühle einzubilden, in diesen zu schwelgen und sich dadurch eine pseudospirituelle Welt zurechtzurichten, sondern reale Erfahrungen zu sammeln, die dem Herzzentrum tatsächlich eigen sind. Die Seele, als Träger des Bewusstseins, soll in eine reife Blüte kommen und die möglichen Eigenschaften des bestmöglichen Charakters hervorbringen. Jedes Chakra besitzt verschiedene Eigenschaften, die den Menschen tugendhaft vervollkommnen und ihn sowohl gegenüber dem irdischen und sozialen Leben bereichern, als auch dem Geiste näher bringen. Man sagt allgemein umgangssprachlich, dass eine authentische Person besser im Herzen gegründet ist. Das Wissen ist dann nicht nur im Intellekt gegründet, sondern ganz mit dem Willen und Gefühlsleben verknüpft.

Würde man nur auf das Herzzentrum äußerlich meditieren, ohne gute seelische Inhalte in die konkrete Bewusstheit zu nehmen, könnte man das Zentrum in seiner ganzen Fülle nicht entwickeln.


Wie ist das Herzzentrum wahrnehmbar?

Die Eigenschaften des Herzzentrums sind: Innerlichkeit bei gleichzeitiger Offenheit nach außen, tiefe Ruhe bei bestehender Wachheit, friedvolle Sanftmütigkeit und dennoch konkrete Denk- und Willenstätigkeit und die Fähigkeit mit allen Menschen -gleich welcher Gesinnungsart- beziehungsvoll und aufbauend umgehen zu können. Schließlich ist eine Eigenschaft des Herzzentrums die natürliche Frömmigkeit und ein gehobener Sinn für Ästhetik. Eine weitere Wahrnehmung ist ein inneres Wärmegefühl und ein inneres Liebesgefühl als wirkliches dauerhaftes Gefühl, das sich nicht als vorübergehende Emotion zeigt.

Meist wird bei zunehmender Übung ein Farbschimmer wie bläulich mit dem Fühlen des Zentrums erlebt. Dieser bläuliche Schimmer zeigt, dass sich die Eigenschaft von Ruhe und innerer Weite erstmals im Seelen- oder Astralleib anlegt. Subjektiv erlebt eventuell der Übende diese Eigenschaften bei sich. Die blaue Farbe ist durch Weite und Ruhe zugleich gekennzeichnet. Objektiv gesehen offenbart sich das entwickelte Herzzentrum nicht durch sichtbare Äußerungen sondern durch metaphysische Äußerungen. Bei sehr fortgeschrittenem Übungsverlauf zeigen sich beispielsweise goldene Farbtöne und sehr harmonische Rundungen und Kristallgestaltungen.


Ein praktischer Ansatz zur Meditation auf das Anahata Chakra

Zunächst wird sich der Übende des Herzzentrums etwa auf der Höhe des Herzorgans bewusst. Das Zentrum liegt genau in der Mitte zwischen drei oberen und drei unteren Zentren und vereint gewissermaßen die Kräfte des aufsteigenden Stoffwechsels mit den von oben kommenden Nerven- und Sinnesimpulsen.

Des weiteren wird sich nun der Übende auch noch einmal des physischen Herzorgans bewusst. Er geht von der Betrachtung aus, dass dieses Herzorgan nicht wie ein Motor rein mechanisch funktionert, sondern eine Art Vollzugsorgan für den gesamten Kreislauf darstellt. Es ist nicht wie eine Pumpe, wie das Rudolf Steiner in seiner Okkulten Physiologie gegenüber der Wissenschaft kritisierte, sondern das Organ bildet einen lebendigen Mittelpunkt für das strömende Blut. Das Herz bildet die Mitte für den Kreislauf.

Der Übende betrachtet nun dieses Herz noch erweitert als Organ, in dem sich alle Impulse, die sowohl vom Kosmos über das menschliche Denken und Wahrnehmen treffen, als auch alle irdischen Ströme sammeln, die mehr durch die unteren Chakren unbewusst aufgenommen werden. Das Herz bildet genau den Mittelpunkt zwischen irdischer und geistiger Welt. Es bildet und organisiert ein beständiges Gleichgewicht zwischen oben und unten. Indem sich der Übende dieses Herz genau in der Mitte von Geist und Materie vorstellt, gewinnt er ein erstes Fühlen von Ruhe und gleichzeitiger Offenheit nach außen. Er beginnt das Zentrum fühlend zu erleben.

Dieses Erleben des Herzensfühlens kann er beispielsweise durch die sogenannten Gleichgewichtsübungen wie vriksasana oder padangusthasana fördern. Indem der Übende das Gleichgewicht in der Stellung halten muss, bewahrt er seine Sinne im Raum ohne diese zu fixieren und gleichzeitig hält er die Wirbelsäule im stabilen, aufgerichteten, nicht schwankenden Stand. Er ist nach innen ruhig und nach außen wahrnehmend. Indem er auf dieses Empfinden bei Gleichgewichtsstellungen achtet, erlebt er in einer ersten Bewusstheit das Herzzentrum.


Die Förderung von bestimmten Seeleneigenschaften zur Entwicklung des Herzzentrums

Für die Entwicklung des Herzzentrums muss sich der Einzelne unbedingt darin üben, gute Empfindungen und Gefühle zu fördern und übertriebene Emotionen zu meiden. So wie Schrecken auf das physische Herzorgan belastend wirken, können zu viele und unangebrachte Emotionen ebenfalls das physische Herz belasten. Das Chakra als feinstoffliches Organ reagiert außerordentlich sensibel auf emotionale Einflüsse. Gute Gefühle jedoch, die dem sozialen Leben nahe treten und geistig wahrer Art sind, stabilisieren das Zentrum.

Die Entwicklung von guten Gefühlen entsteht durch die bewuste Förderung von wahren und logischen Vorstellungen. Es gibt nichts abträglicheres für das Herzzentrum als emotionales Durcheinander und unlogisch wirre Denkvorgänge. Wenn man von Denkvorstellungen spricht, so ist es wichtig, dass diese möglichst emotionsfrei und in geordneter Weise stattfinden. Sie sind auch von Affirmationen und Autosuggestionen zu unterscheiden, denn diese stellen eine passive Leistung, die an den Körper gerichtet ist, dar, während die aktiven Denkvorstellungen tatsächlich eine Art Schulungsdisziplin darstellen. Es handelt sich bei der Entwicklung von wahren Vorstellungen um logische Denkverrichtungen, die im Yoga mit nyaya bezeichnet werden.

Man stelle sich zum Beispiel einen Kreis vor, der ohne Anfang und ohne Ende ist und werde sich dabei bewusst, dass dieser Kreis an jedem einzelnen Abschnitt die gleiche Außenrundung und in Analogie dazu die entsprechende Innenrundung besitzt. Man konzentriere sich beispielsweise einige wenige Minuten auf diesen Kreis und auf seine Eigenschaften der gleichmäßigen Rundungen. Die Übung wird nur in Gedanken ohne jegliche Emotion vollzogen. Es wird jedoch durch diese Übung eine Vorstellung aktiv erzeugt. Der Kreis wird gemäß der genau vorgenommenen Vorstellung wie automatisch und fortsetzend zu einem inneren Bild geschaffen. Dieses Bild des Kreises mit der gleichmässigen Rundung an der Peripherie schenkt schließlich eine Empfindung von Regelmässigkeit, Ordnung und Harmonie. Das Ergebnis der Übung zeigt sich sehr sensibel in Beruhigung der Emotionen und fördert gleichzeitig eine Erweiterung einer subtilen Empfindung über das Wesen des Runden, Geschlossenen und Harmonischen.

Indem der Übende logische Vorstellungen erzeugt, die er bis zur ruhigen Empfindung entwickelt, fördert er das Herzzentrum. Er wird nach wenigen Minuten eine Art innerliche Einkehr im Herzen und gleichzeitig dennoch ein größeres Potential an Wachheit sowie eine angenehme Beziehungfreude verspüren. Durch diese Auseinandersetzung erlebt er auf empfindsame Weise einen wahren Vorstellungsinhalt in seiner Seele.


Die Konkretheit der Meditation

Ganz allgemein kann eine Meditation auf gegenständliche oder auf nichtgegenständliche Weise stattfinden. Das Schließen der Augen, das sogenannte Abschalten von Gedanken und das gelöste zur Ruhefinden, wären maximal als Entspannung zu nehmen, dürfen aber noch nicht mit Konzentration und Meditation verwechselt werden. Der Übende, der ein chakra entwickeln möchte, sollte möglichst ein sogenanntes Eintauchen des Bewusstseins in eine innere Leere, das wäre eine Meditationsform, die dem Nichtgegenständlichen entspricht, meiden.

Ein chakra ist durch Eigenschaften und Inhalte gekennzeichnet, und wenn diese entwickelt werden, gewinnt der Astralleib eine zunehmende lichte Formgestalt. Aus diesem Grunde bedarf es bei den verschiedenen Konzentrations- und Meditationsübungen auf ein chakra der unbedingten sorgfältigen Wahl und Konkretheit der Inhalte. In ganz besonderem Maße sollte der Übende, der beispielsweise auf das Herzchakra seine Meditation richtet, möglichst logische und vorstellbare Bilder ersuchen, damit er das Denken in geordneter Weise zum Fühlen entwickelt und auf dieser Grundlage die erste Einkehr in die innere Ruhe des Zentrums findet.

Häufig besitzt heute der Übende, der meditieren möchte, eine Angst vor der Konkretheit, die ein Gedanke, wenn er zur Vorstellung entwickelt wird, aufweisen muss. Er glaubt, geprägt durch die einseitigen Wissenschaften, dass die Konkretheit in einem Gedanken wie eine materialistische Anbindung wäre und möchte sich in eine Art innere Welt flüchten. Obwohl keinesfalls Intellektualismus die Maßeinheit der Meditation darstellt, so muß dennoch ein Inhalt in bestmöglicher Vorstellung zum Gegenstand der Konzentration und Meditation werden.

Ein konkreter Gedanke, wie beispielsweise derjenige über einen Kreis, bildet eine neutrale Instanz, die weder materiell gebunden noch emotional mit den unbewussten Trieben verwickelt ist. Das Objekt des Kreises, gedanklich und bildhaft erfasst, stellt vielmehr den Anfang der Meditation dar und fördert durch die entsprechende ruhige Konzentration die Atmosphäre, die erst die Meditation im weiteren Verlauf ermöglicht.

Indem der Übende beispielsweise den Kreis nicht nur symbolisch sondern als Realität des Lebens, als eine Realität des Runden und sich forttragenden Unendlichen erlebt, beginnt er in sich diesen zu fühlen. Eine Idee gewinnt Gestalt, sie wird Inhalt und sie wird im Inneren erlebt. Das Herzchakra nimmt dieses Gefühl auf und entwickelt beispielsweise eine erste schöne sowohl in sich runde als auch sechseckige Gestaltung.


Verschiedene Meditationsinhalte zur Entwicklung des Herzzentrums

Die Chakra-Meditation auf das Herz beschränkt sich nicht nur darauf, dass der Übende sich auf die lokale Region, in der sich das Zentrum befindet, ausrichtet. Er wählt, wie erwähnt, einen geeigneten Inhalt in konkreter Form, konzentriert sich für eine Zeitdauer von drei bis zehn Minuten auf diesen und prüft im nachhinein seine Empfindungen. Er frägt sich schließlich ob die Empfindung zu ruhiger Einkehr nach innen und zu größerer Beziehungfreude nach außen geführt hat und beurteilt auf dieser Grundlage seinen Fortschritt. Eine Meditation sollte keinesfalls zu Verschlossenheit im eigenen Charakter und inhaltsloser Leere führen, sondern vielmehr eine empfindsame Beziehungsfreude fördern und dennoch eine stabile Einkehr in die Seele schenken.

Für die Meditation auf das Herzzentrum eignen sich nicht nur geometrische Symbole wie ein Kreis, ein Dreieck usw., sondern des weiteren verschiedenste Verse aus der Bhagavad Gita, Mantren, am besten mit inhaltlicher Auseinandersetzung, Absätze von Schriften oder unterschiedlichste Formgestalten, die in der Welt beobachtbar sind. Wer beispielsweise seine Konzentration auf eine Gewölbeform eines Gebäudes richtet und sie im Unterschied zu einer eckigen Zimmerdecke betrachtet, erlebt relativ schnell eine Empfindungseinkehr in seine Seele und fördert sein Herzzentrum.

Eine ganz besondere Anregung zur Entwicklung des Herzzentrums entwickelt sich, wenn man den Ausgang der Meditation von einem Begriff nimmt. Man stelle an den Anfang der betrachtenden Phase zum Beispiel den Begriff Wesen, bhutani. Der Begriff erscheint in der Bhagavad Gita auf zahlreiche Weise. Indem man sich nun eine reale Vorstellung über diesen Begriff bildet, wird man bald auf empfindungsvolle Weise erkennen, dass das Wesen eine unsichtbare sogenannte astrale Existenzeinheit bildet. So wie man die Luft in spürbaren Zügen materiell wahrnehmen kann und durch die Atemorgane erspüren lernt, kann man schließlich das unsichtbare Wesen dieses Luftelementes langsam und real entdecken lernen. Das Wesen der Luft ist Ausdehnung und gleichzeitig ist es, wie man es im Yoga naturgemäß bewertet, mit der Energie, mit prana, verwandt. Das Wesen selbst aber ist unsichtbar und dennoch ist es für den Menschen bewusstseinsmässig zugänglich, erfahrbar und erkenntnismässig zu verarbeiten. Wer in die Tiefe einer Sache eindringt, von der äußeren Erscheinung in die innere Natur oder in das Wesen, der fördert sein Herzzentrum.

Die logische Folge, die in der Entwicklung von Begriffen erarbeitet wird, und von der Vorstellungsbildung bis in die Empfindungsentwicklung absolviert wird, führt zur Erfahrung des Herzzentrums.


Das Herzzentrum und die Entspannungslage im Yoga, savasana

Logische, in der Reihenfolge sinnvoll abgestimmte Denkvorgänge, fördern eine innere Ruhe und harmonische Einkehr in die Seele. Indem man beispielsweise eine Autosuggestion über die verschiedenen Gliedmaßen, die zu entspannen sind, in der Entspannungslage vornimmt, entwickelt man, ohne es zu wissen, eine ersteVorstellung. Man leitet als Yogalehrer an „Entspanne die Fußknöchel“. Schließlich folgt man weiter nach oben „Entspanne die Waden, das Kniegelenk, die Kniescheibe usw.“ Der Gedanke gleitet in dem Moment der Wortformulierung an die entsprechende Körperstelle und bildet für kurze Phasen ein Bild über die entsprechende anatomische Form. Indem nun der Yogalehrer sich in der Beschreibung des Kniegelenkes präzisiert und beispielsweise in der Anleitung der Entspannungsübung sagt: „Das Kniegelenk wird von straffen Bändern links und rechts gut gehalten und unter der Kniescheibe befinden sich die Kreuzbänder“, entwickelt der Klient eine erweiterte Vorstellung, die dem Körper logischerweise entspricht. Auf natürliche Weise stärkt sich durch diese Vorstellungsinhalte ein freies bildliches Denken und das Herzzentrum zieht einen sensiblen Nutzen aus diesen Aktivitäten.

Deutlich wird dieser Unterschied des bildlich vorstellenden Denkens zu dem wirren Denken. Würde man als Yogalehrer die Entspannung durcheinander ansagen und zum Beispiel mit oberflächlichen Worten vom Arm zum Bauch springen und vom Bauch wieder zum Bein und so weiter, würde der Blutkreislauf infolge des unlogischen Denkens nur schwer zur Ruhe kommen können und im Herzen kann der verinnerlichende Sammelpunkt nicht erlebt werden.

Heinz Grill ist Heilpraktiker, Autor spiritueller Literatur und der Begründer eines geistigen Schulungsweges, des „Yoga aus der Reinheit der Seele“, später von ihm auch als „Neuer Yogawille“ benannt.