Ayurveda

Aus Yogawiki

Ayurveda (Sanskrit: आयुर्वेद āyurveda m.) wörtl.: "das Wissen (Veda) vom langen Leben (Ayus)"; Ayurveda ist „die Wissenschaft vom langen und gesunden Leben“, das älteste, überlieferte Gesundheitssystem. Es blickt auf eine über 5000-jährige Tradition zurück und hat seine Wurzeln in den Veden, der ältesten Schriften der Menschheit.

Im Ayurveda spielt die Verdauung eine Schlüsselrolle bei der Gesundheit des Menschen.

Ayurveda Massagen bei Yoga Vidya

Ayurveda ist ein System der Vorbeugung und Heilung. Es zeigt uns, wie wir unsere Gesundheit, Vitalität und Lebensfreude bis ins hohe Alter erhalten können. Ayurveda sieht den Menschen als Einheit von Körper und Geist und berücksichtigt die Wechselwirkung des ganzen Organismus in Beziehung zur Natur und Umwelt.

Ayurveda Einführung

Der Begriff Ayurveda stammt aus dem Sanskrit und bedeutet wörtlich übersetzt Wissen vom Leben. "Ayus", das Leben, wird in der Sanskritsprache mit einer langen und erfüllten Lebensspanne in Verbindung gebracht. Das Wort "Veda" bezeichnet ursprünglich „Wissen“ in seiner reinsten Form. Veda sind tiefere Zusammenhänge des Lebens, ewige Wahrheiten, heilige Schriften, Erkenntnisse großer Weiser oder Offenbarungen der Stille. Ayurveda ist die älteste wissenschaftlich belegte Medizin. Festgehalten ist das Ayurveda in den Veden, die auf ca. 5000 v. Chr. (oder 1500-1200 v.Chr.) datiert werden. Das Wissen ist aber wesentlich älter, da in früheren Zeiten alles mündlich überliefert wurde.

Rishis (Weise Indiens, „Seher“) legten vor ca. 5000 Jahren den Grundstein des Ayurveda. Sie waren Meister der Meditation, mit überaus sensiblen Wahrnehmungsfähigkeiten und der Gabe, tiefere Lebensgrundsätze zu erkennen. Ihr Ziel war es, den kommenden Generationen einen Weg zu wahrer Lebensqualität aufzuzeigen, zu einem Leben, das Gesundheit, wirtschaftlichen Erfolg, Sinnesgenuss und Spiritualität sinnvoll miteinander vereint. So wurde der Beginn einer Wissenschaft gelegt, die die Gesetze der Natur und Wirkkräfte des Universums auf die Gesundheit und glückerfüllte Langlebigkeit des Menschen anwendet. Seit seiner Entstehung vor etwa 5000 Jahren hat sich Ayurveda als eines der wirkungsvollsten Medizinsysteme etabliert und weiterentwickelt. Mit Medizin ist dabei nicht ausschließlich die Behandlung von Krankheit gemeint, sondern ebenso deren Vorbeugung.

Ayurveda ist eine Ganzheitsmedizin, d.h. Körper, Geist und Seele werden nicht getrennt betrachtet sondern gehören unteilbar auch in der Behandlung zusammen. Ayurveda ist die eigentliche Schulmedizin von Indien und Sri Lanka. Die Ärzte studieren 5 Jahre an der Universität für Ayurvedische Medizin und sind genau so anerkannt wie Kollegen mit westlicher medizinischer Ausbildung. Der Hausarzt ist bei großen Teilen der indischen Bevölkerung daher sowohl ein westlicher wie auch ein ayurvedischer Arzt.

Das Ziel des Ayurveda ist es, gesund und glücklich alt zu werden, in der Harmonie von Körper, Geist und Seele.

Die Grundanliegen sind:

Da es sich um eine Ganzheitsmedizin handelt, werden Körper, Geist und Seele gleichermaßen in die Behandlung einbezogen. Ayurveda gibt ganz klare Anweisungen wie man ein gesundes Leben führen kann. Man muss sich der Natur gemäß verhalten und sich ihr anpassen. D.h. z. B. sich im Winter warm anziehen, die richtige typgerechte Nahrung zu sich nehmen, die Abwechslung von Aktivität und Passivität einhalten etc. Und vor allem auf sich selbst und seinen Körper hören, der eigentlich genau weiß, was gut für ihn ist. Eine Krankheit ist letztendlich immer auf falsche Ernährung in irgendeinem Lebensbereich zurückzuführen, sei es falsche Ernährung, zuviel Stress oder Fehlverhalten im emotionalen Bereich, wie z.B. zu lange Trauer, Aggression etc.

Der Ayurveda-Arzt behandelt die Krankheit und, was sehr wichtig ist, er sagt dem Patienten, was er in seinem Leben ändern muss, damit er nicht mehr krank wird. Eine Krankheit will also schließlich dazu führen, dass man ein glückliches Leben führt. Überhaupt ist Ayurveda sehr lebensbejahend und genießerisch. Man soll jetzt gut und glücklich leben und nicht erst im Nirvana oder Himmel. Man darf auch genießen und muss sich nicht asketisch verhalten, so muss auch eine Ayurvedadiät schmecken.

Ein großes Ziel des Ayurveda ist es, in Harmonie mit der Natur zu leben. Daher kann auch Natur heilend wirken, z.B. das Geräusch des Regens, Meeresrauschen, riechen von Blumenduft u.a.

Yoga und Meditation gehören untrennbar zu Ayurveda. Wobei Meditation auf viele Weisen möglich ist, es kann bei Musik sein oder beim Betrachten eines Sonnenunterganges.

Ayurveda verlangt von dem Patienten Selbstverantwortung, d.h. der Arzt dient als Wegweiser zur Gesundheit, handeln muss aber jeder selbst. Es liegt also nach ayurvedischer Lehre an jedem selbst, ob man gesund alt werden kann.

Nach traditioneller Weise geht der Arztbesuch bei einem Ayurveda Arzt folgendermaßen vor sich: Der Patient überreicht dem Arzt beim ersten Besuch ein Betelblatt um damit auszudrücken, dass er ihm sein Vertrauen schenkt. Dieser bedankt sich und gibt es ihm zurück zum Zeichen, dass er helfen will, dass der Patient aber die Verantwortung selber trägt. Normalerweise verlangt der Arzt vom Patienten, dass er die Medikamente selbst zubereitet, also auch die Kräuter selbst sammelt etc.

Diese Sorgfalt ist zentral im Ayurveda. Jedoch wird man heutzutage in Kuren verwöhnt und erhält die Medikamente bereits fertig zubereitet.

Stärken und Grenzen von Ayurveda

Stärken des Ayurveda

  • die ganzheitliche Sichtweise: der Mensch als Ganzes, Körper, Geist, Seele und auch die Umgebung etc. werden wahrgenommen.
  • will gesund erhalten, vorbeugende Maßnahmen, setzt nicht erst an, wenn der Mensch schon krank ist
  • wirkt sanft über längere Zeit
  • Ursache / Wurzel der Krankheit wird gesucht
  • gut bei chronischen Krankheiten
  • als Rehabilitation
  • nach Operationen, zum Stärken und Aufbauen

Grenzen des Ayurveda

Ayurveda ist weniger geeignet bei

  • Notfallmedizin
  • Akuten Krankheiten
  • Traumata
  • Diagnostik
  • Chirurgie

Ayurveda und Meditation

Buddha war noch ein junger Prinz, Siddharta genannt, als er auf einer Reise zum ersten Mal alte, tote oder kranke Menschen sah und unter anderem einem Meditierenden begegnete. Als ihm erklärt wurde, dass es darum ginge, tiefe Freude und tiefen Frieden zu erlangen, legte Prinz Siddharta sein luxuriöses Leben ab und meditierte über das Leiden in der Welt. So verband er sich mit dem kosmischen oder göttlichen Bewusstsein und wurde zu Buddha.

Seit jeher gab es in Indien Seher, Rishis und Yogis, die durch Meditation eine hohe Bewusstseinsstufe erreichten und Kräfte wahrnehmen konnten, welche die Welt zusammenhalten. Auch waren Visionen darunter, aus denen sich zum Beispiel die heutige Gesundheitslehre des Ayurveda entwickelte. Im indischen Weltbild ist Leiden, so auch Krankheit, in vielen Fällen die Ursache von Fehlhandlungen früherer Leben. Dieses Karma wird allerdings nicht als Strafe verstanden, sondern es ist vielmehr eine Entwicklungschance für den Suchenden, um sich zu reinigen und dem Göttlichen schneller nah zu kommen. Heilen und heilig werden greifen ineinander. Dabei nimmt Meditation die zentrale Rolle ein, in der man sich loslöst von Gedanken, Gefühlen, Bewertungen, Wünschen und Begierden, um sich mit dem Göttlichen zu verbinden.

Hier dient Meditation allerdings nicht als Allheilmittel. Im Falle von größeren Krankheiten wie zum Beispiel Krebs sollte trotzdem immer ein Arzt aufgesucht werden. Bei kleineren Krankheiten können homöopathische Mittel besser wirken als allopathische, weil sie subtiler auf das Nervensystem wirken. Es gibt jedoch auch die Möglichkeit, das ein oder andere Leiden durch Meditation zu beheben oder präventiv entgegenzuwirken. Gesünder durch Meditation. 05/2013. Sri Chinmoy Centre

Die fünf Elemente des Ayurveda

Die Grundlage des Ayurveda bildet die Tatsache, dass die gesamte Natur - einschließlich des Menschen - aus verschiedenen Elementen (Mahabhuta) besteht. Im Ayurveda werden hier die fünf Elemente Erde (Prithivi), Wasser (Ap), Feuer (Agni), Luft (Vayu) und Äther (Akasha) als die Essenz allen Wirkens beschrieben. Aufgrund der verschiedenen Eigenschaften der einzelnen Elemente nimmt jedes von ihnen essenzielle Funktionen ein.

  • Erde: Das Erdelement ist schwer und kalt. Es steht für Stabilität und Festigkeit. Lebende Organismen lagern über die Nahrungsaufnahme Erde in Form von Mineralien in ihren Körper ein (z.B. Knochen), um eine feste Struktur aufzubauen.
  • Wasser: Das Wasserelement ist die Träger- und Transportsubstanz des Lebens. Die meisten Lebewesen bestehen zu über 70% aus Wasser.
  • Feuer: Das Feuerelement ist leicht und heiß. Es steht für das Prinzip der Umwandlung. Das Verdauungsfeuer wandelt die Nahrung in für uns verfügbare Energie um. Jede Zelle eines Lebewesens hat ihren eigenen Stoffwechsel, einen eigenen Energiehaushalt.
  • Luft: Das Luftelement ist leicht und kalt. Luft schafft Raum in Form von Hohlorganen. Pflanzen, Tiere und Menschen stehen über die Atmung mit der Außenwelt in Verbindung. Luft ermöglicht als Zwischenraum Bewegung in Gelenken. Auch in den Gedärmen der meisten Säugetiere sorgt ein Luftanteil für Bewegungsfreiraum.
  • Äther: Äther steht für die subtilere Lebensenergie, für Gedankenkraft und geistiges Potenzial. Durch technische Hilfsmittel lassen sich mittlerweile verschiedenste Energieströme im Körper nachweisen. Selbst bei Pflanzen kann man eine Art Aura-Bild erstellen, das beim Menschen noch sehr viel komplexer ist.

Panchakarma

Ein wichtiger Teil des Ayurveda ist die Reinigung, das sogenannte Panchakarma. Durch Fehlverhalten in irgendeinem Lebensbereich, sei es durch Stress, Rauchen, falsche Ernährung, Umweltverschmutzung u.a. lagern sich Giftstoffe im Körper ab, die nach einiger Zeit zur Krankheit führen. Die Gifte bleiben vor allem im Muskel- und Fettgewebe unter der Haut. Es ist Sinn der Massage, das Gift langsam in den Darm zu transportieren. Es werden noch weitere ausleitende Verfahren angewandt, die helfen die Toxine vollkommen auszuscheiden. Die Behandlungen dienen unter anderem auch der Entspannung und dem Loslassen. Es ist daher wichtig während einer Kur ganz auf sich zu hören, auf seinen Körper und seine Bedürfnisse. Dies hat Priorität. Wenn man sich z.B. müde fühlt, sollte man dem nachgehen und ruhen und sich nicht weiter anstrengen.

Die fünf (Pancha) Reinigungstechniken (Karmas) sind:

  1. Vamana: therapeutisches Erbrechen
  2. Virechana: therapeutisches Abführen
  3. Basti: Darmeinlauf
  4. Nasya: Nasenölung
  5. Raktamoksha: Blutreinigung durch Aderlass oder mit Blutegeln; oft auch ersetzt z.B. durch Trinken von Haridra-Wasser

Unterstütztende Techniken:

  1. Nasenreinigung mit Neti
  2. Verdauungsfeuer Agni anregen durch z.B. Ingwertee trinken oder Trinken von heißem Wasser: verhindert Ansammlung von Ama – Giften im Körper
  3. Massagen (Abhyanga)
  4. Reinigungsdiät

Historischer Hintergrund

Laut yogischer und ayurvedischer Auffassung befand sich die Menschheit vor über 5000 Jahren in einer Hochkultur. Es heißt, dass danach auf der Erde das „Eiserne Zeitalter“ anfing. Auch als „Dunkles Zeitalter“ bezeichnet, ist es durch Materialismus, Mechanisierung, Gewalt und Terrorismus, Egoismus und Eigennutz, Umweltzerstörung und -Katastrophen gekennzeichnet. Die Aufgabe der Menschen ist jetzt, die Vergänglichkeit des Egos zu erkennen und durch Liebe und Tugendhaftigkeit die Verbindung mit der Natur und sich selbst wiederherzustellen. Da Krankheit und Leid auf der Erde gegenwärtiger als je sind, suchten die alten „Rishis“ (Weisen) Indiens nach Wegen, Gesundheit, Langlebigkeit und seelische Erfüllung auch in jener „dunklen“ Zeit erreichen zu können. Die „Rishis“ waren Meister der Meditation, die durch intensive Beobachtung der Natur verborgene Prinzipien erkannten. Ihre Wahrnehmungsfähigkeiten waren derart außergewöhnlich sensibel, dass sie die tiefen Wurzeln des Lebens erfassen konnten. Sie definierten daraus Grundsätze, die für alle Zeit gelten. Das „Wissen vom Leben“ vollstreckt sich über die Kenntnisse der Elemente mit ihren groben und subtilen Eigenschaften und deren Zusammenwirken; wie die inneren Organe mit den Naturelementen zusammenwirken; wie Sinneswahrnehmungen und selbst Emotionen mit den Elementen interferieren. Der brillante Wissensschatz befähigt uns Menschen, durch sehr naturbezogene Heil- und Lebenspraktiken einen Seinszustand zu erreichen, der den meisten von uns bisher verborgen blieb – idealerweise ein Zustand völligen Wohlseins und Gesundseins. Tiefergehendes geschichtliches Hintergrundwissen und die Legende, wie Ayurveda zu den Menschen kam, ist auf der Seite "Ayurveda Geschichte" zusammengefasst.

Die drei Doshas

Laut Ayurveda gibt es 3 Doshas, am besten übersetzt mit Bioenergien. Wörtlich heißt Dosha "Verderber". Denn wenn eines der Doshas zu stark wird, verderben sie die Gesundheit und das geistige Gleichgewicht. Ich übersetze es aber lieber als Bioenergie, was sicher ihrem Wesen eher entspricht.

Die drei Doshas nennen sich Vata, Pitta und Kapha. Auf Sanskrit heißt es Kapha, und auf Hindi heißt es Kafa. Denn "ph" wird als "pa" ausgesprochen und im Hindi wird "ph" transformiert zu "f". Da Ayurveda traditionellerweise in Nordindien bekannt war und in Nordindien die gesprochene Sprache Hindi ist, sagen deshalb die meisten Ayurveda-Ärzte Kafa und nicht Kapha.

Die Dosha-Lehre bezieht sich auf die 5 Elemente Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther. Kapha ist ein Zusammenspiel von Wasser und Erde, Pitta ist Feuer. Vata ist ein Zusammenspiel von Äther und Luft. Jeder Mensch hat alle drei Doshas.

Das Vata-Dosha

Vata steht für alle Aspekte von Bewegungsenergie. Seine Elemente sind "Luft" und "Äther". Vata ist verantwortlich für:

  • Bewegungsabläufe in den Körperzellen und Eingeweiden
  • die Wachstumssteuerung
  • die Aktivität des Geistes und aller Sinnesorgane
  • die Kontrolle der beiden anderen Doshas

Das Element Äther steht hier für fehlenden Widerstand und wird in Beziehung zum Gehör, somit zum Ohr, aber auch der Zunge und damit der Sprache gesetzt. Das Element Luft steht für Ausdehnung und Bewegung. Ihm zugeordnet sind der Tastsinn, somit die Haut und der Anus.

Das Vata-Dosha können wir in unserem Körper durch die Eigenschaften kalt, trocken, rau, fein, schnell, hart und rissig erkennen und lokalisieren. Wenn das Vata-Dosha vorherrscht, so ist die Haut trocken, Hände und Füße sind häufig kalt, der Stoffwechsel und die Sprechweise schnell und die Haare fein. Auf der psychischen Ebene wird Vata durch eine feine Wahrnehmung sowie schnelle und sprunghafte Gedankenabfolgen bestimmt.

Der Vata-Typ ist begeisterungsfähig, wissensdurstig, reiselustig und hat eine Abneigung gegen kaltes, windiges Wetter. Die Lust, etwas zu verändern, unerforschte Wege zu gehen und dem Leben einen neuen Sinn zu verleihen, entsteht durch die aktive und positive Vata-Kraft. Ist diese Vata-Energie jedoch negativ gepolt, so stehen Unzufriedenheit, Hoffnungslosigkeit und mangelnder Mut einem Neubeginn im Weg. Der Mensch ist mit seiner alten Lebenssituation unzufrieden und findet keinen Weg, das Neue einzuleiten.

Ist der Vata-Anteil zu hoch, ist man immer auf der Suche, verliert leicht das Ziel aus den Augen und kann sich oft nicht entscheiden, welcher Weg der Optimale ist. Man fängt alles mit großer Euphorie an, doch nach kurzer Zeit schwindet das Interesse, und man beginnt sich zu langweilen. Das Leitmotiv des Vata-Types ist „wechselhaft“. Vata führt die anderen Doshas an. Wann immer ein Dosha aus dem Gleichgewicht gerät, ist Vata das erste und verursacht die Frühstadien einer Erkrankung. Es kann die anderen Doshas täuschen, so dass man zunächst glaubt, dass Pitta oder Kapha das Problem schaffen. Vata ist der König der Doshas; ist es im Gleichgewicht, sind es normalerweise auch Pitta und Kapha. Vata ist die Grundlage für unser Gleichgewichtsgefühl, daher ist die Ausgeglichenheit dieses Doshas lebensnotwendig.

Befinden wir uns bzw. befinden sich unsere Doshas im Gleichgewicht, sind wir wesentlich empfänglicher für positive Gefühle. Die Art und Weise unseres Denkens und unserer Gefühle wird durch unser gegenwärtiges Dosha beeinflusst. Unsere ganzen Gefühlsregungen und Verhaltensweisen sind jeweils auf unsere Konstitution zurückzuführen.

  • Positiv: Leichtigkeit, Heiterkeit und Lebensfreude, Wachheit, Klarheit, Kreativität
  • Negativ: Angst, Kummer, Traurigkeit, Unsicherheit, Depressionen
  • Hilfreich bei zuviel Vata: regelmäßiger Tagesablauf, wärmende Mahlzeiten, wenig Rohkost, Massagen, Bäder
  • Ernährung: Vata reduzierend: süß, sauer, salzig / Vata erhöhend: scharf, bitter, herb

Das Pitta-Dosha

Pitta wird mit dem Energieprinzip identifiziert und hat das Element „Feuer“ als Grundlage. Pitta ist verantwortlich für folgende Aspekte:

Das Element Feuer steht hier für Hitze. Ihm zugeordnet sind der Sehsinn, somit die Augen, sowie die Geschlechtsorgane.

Pitta hat seinen Sitz im Magen, im Zwölffingerdarm und im Dünndarm. Seine Attribute sind: heiß, scharf, flüssig, feucht, sauer, bitter, leicht, sich gut verteilend und plötzlich auftretend.

Ein Pitta-Typ ist vor allem an seiner ausgeprägten Führungspersönlichkeit zu spüren. Pitta schafft Lust am Arbeiten, Bestimmen und Bewegen. Eine innere Kraft, Wissen und Motivation erfüllt den Menschen, lässt Hindernisse klein werden und Unangenehmes bewältigen. Pitta-Menschen sind sehr ehrgeizig und wollen immer perfekt sein. Der innere Leistungsdruck ist so stark, dass sie selten zufrieden sind. Doch das ist für sie kein Grund zur Verzweiflung - im Gegenteil! Es dient dem Antrieb, Unmögliches wahr zu machen und keine Mühe zu scheuen.

Die Pitta Energie verleiht eine starke Ausstrahlung, brillante Intelligenz und große Willenskraft. Wenn ein Pitta-Typ einen Raum betritt, so ist der Raum „voll“. Jeder spürt die Dynamik und das Charisma.

Leider ist die Pitta-Kraft nicht immer leicht zu zügeln. Oft schießt sie über ihr Ziel hinaus und äußert sich in Aggressionen, cholerischen Anfällen und Fanatismus. Menschen mit viel Pitta sind mit einer Art „Kritik-Finger“ geboren: Ihr brillanter Verstand spürt sofort Fehler auf und sieht Unzulänglichkeiten. Dadurch entseht der Eindruck, niemals gut genug zu sein. Tatsächlich bringt Pitta einen sehr hohen Erfolgsanspruch mit sich, aber auch die Fähigkeiten, das gewünschte Ziel zu erreichen. Pitta-Menschen verlieren ihr Ziel niemals aus den Augen und werden durch Stress und Anforderungen nur noch schneller, effizienter und genauer. Die Angst vor Fehlern lässt sie auch bei Zeitdruck immer perfekter und pingeliger werden. Für andere Menschen ist der Umgang mit einer ausgeprägten Pitta-Persönlichkeit oft nicht einfach. Durch ihr einnehmendes Wesen und der Hang zur Intoleranz fühlt man sich leicht bedrängt, kritisiert und wenig geschätzt.

Pitta ist eine feurige Kraft, und sie braucht das richtige Maß an „Brennmaterial“, um sich nicht selbst zu verzehren. Dieses Brennmaterial besteht aus geistigen Anforderungen, körperlicher Aktivität und typgerechter Ernährung. Wenn der Körper schwitzt, breitet sich ein wohliges Gefühl von Stärke, Zufriedenheit und Vitalität aus. Auch negative Emotionen können durch körperliche Aktivität sehr gut abgebaut werden. Sport ist für Pitta-Typen dann interessant, wenn es auch etwas zu gewinnen gibt. Der Wunsch, der Beste zu sein, die eigenen Leistungen immer wieder zu übertreffen und andere auszustechen, ist ein immerwährender Kitzel auf allen Lebensbereichen.

Rein körperlich betrachtet äußert sich Pitta in den Eigenschaften sauer, scharf und flüssig. Dies macht sich vor allem in übermäßigem Schwitzen, Übersäuerung und starkem Appetit bemerkbar. Ist das Pitta zu hoch, so brennt die Verdauungsenergie sehr stark. Man hat ständig Hunger und ist sehr ungeduldig, ärgerlich und gereizt, wenn nicht sofort etwas Essbares zur Verfügung steht. Alle natürlich süßen Speisen, Rohkost und grünes Gemüse bieten dann den idealen Ausgleich.

Unreine Haut, Magenschmerzen, Sodbrennen, Durchfall und Entzündungen sind oft auftretende Pitta-Probleme: Durch übermäßige Säurebildung und psychische Anspannung erhöht sich das Pitta in uns, insbesondre bei Verzehr von säuernden Speisen wie Fleisch, Weißmehlprodukten, Alkohol, Kaffee und Zucker. Scharfe Speisen regen ebenfalls die Säurebildung an und haben eine verbrennende und anheizende Wirkung auf unsere Pitta-Kraft. Zum Ausgleich eignen sich alle kühlenden Speisen und Gewürze wie Melone, Kartoffeln, Fenchel, Kardamom, Minze und Koriander am besten.

  • Positiv: viel Energie, Charisma, Ausstrahlung, glühende Augen, zielgerichtete Energie, begeisterungsfähig.
  • Negativ: Aggressionen, Neid, Hass, Eifersucht, Stolz
  • Hilfreich bei zu viel Pitta: auf ausreichend Entspannung und bewusste Atmung achten, mehr Schlaf, zurückziehen
  • Ernährung: Pitta reduzierend: süß, bitter, herb / Pitta erhöhend: scharf, sauer, salzig

Das Kapha-Dosha

Kapha repräsentiert das erhaltende und stabilisierende Prinzip des Körpers und setzt sich aus den Elementen Wasser und Erde zusammen. Kapha hat seinen Sitz im oberen 2/3 des Magens und in der Brust.

Kapha ist verantwortlich für folgende Aspekte:

  • die Körperstruktur,
  • den Flüssigkeitshaushalt,
  • den Zusammenhalt und die Stabilität der Strukturen unseres Körpers,
  • die Förderung der natürlichen Abwehrkräfte.

Das Element Wasser steht hier für Flüssigkeit und repräsentiert den Geschmackssinn, somit die Zunge und den Gaumen, sowie die Füße. Das Element Erde steht hier für Festigkeit, Rauheit und Form. Ihm zugeordnet ist der Geruchssinn, somit die Nase sowie die Hände. Seine Eigenschaften sind: süß, schwer, beständig, weich, kalt, ölig, fettig, träge und weiß.

Kapha ist die erhaltende, bewahrende und aufbauende Struktur in uns. Körperlich drückt sie sich durch die feste Körperstruktur, das Lymph- und Immunsystem aus. Auf der psychischen Ebene ist Kapha der Teil in uns, mit dem wir innere Ruhe, Frieden und Harmonie erfahren und genießen möchten. Mit Kapha haben wir Zeit, die kleinen Schönheiten des Lebens zu genießen, sind zufrieden und lieben das Altbewährte. Menschen, die von der Kapha-Energie geprägt sind, wirken auf andere manchmal etwas schwerfällig und behäbig, dafür sind sie sehr ausdauernd und stark. Hat eine Kapha-Persönlichkeit erst einmal ein neues Ziel gefasst, so wird sie nicht müde, dies bis zum erfolgreichen Abschluss in Geduld und Zähigkeit zu verfolgen.

Aus diesem Grund hält man in der indischen Kultur Kapha für die erfolgsversprechende Kraft im Menschen. Kapha-Typen agieren eher wohlüberlegt, gründlich und bevorzugen einen ruhigen, gleichmäßigen Lebens- und Arbeitsstil. Überstürzte Entscheidungen, hektische Aktivitäten und spontane Erneuerungen werden mit Misstrauen und Abneigung begutachtet und das Praktische und Traditionelle wird immer den Vorrang haben. Der Einfluss von Kapha macht häuslich, und die Priorität des Lebens ist primär auf die Familie ausgerichtet. Privates Glück in einer beständigen Partnerschaft, gesunde, glückliche Kinder und treue Freundschaften sind dann das Wichtigste und schenken innere Zufriedenheit, Sicherheit und Lebensglück.

Ist Kapha zu stark, so wird man leicht unflexibel und schränkt seinen Lebensradius immer mehr ein. Das aktive Leben wird dann durch seine intensive Bewegung und Veränderung zu anstrengend. Dadurch nimmt der Kapha-Typ immer weniger am Leben teil, kapselt sich ab und isoliert sich emotional und geistig von seiner Umgebung. Heißhunger und unkontrollierte Gelüste nach Essen, insbesondere nach süßen, fetten Speisen, Käse, Wurst usw. aus Lust und Langeweile bewirken eine Gewichtszunahme und Überfettung des Gewebes. Jede Kapha-Konstitution kennt Phasen des inneren Rückzuges, den Wunsch nach Alleinsein, Faulenzen und das Bedürfnis, Konfliktsituationen erst einmal in sich selbst auszusitzen.

Steigert sich diese natürliche Regenerationsphase in eine typische Kapha-Depression, so fühlt man sich vom Leben überfordert und taucht vollständig in eine Traumwelt ab. Bewegung und Aktivität würden dann nur Unbeständigkeit in das auf Sicherheit ausgerichtete Weltbild bringen. Der Kapha-Typ lehnt in solchen Situationen jeglichen Gefühlsaustausch mit anderen ab, igelt sich ein und stumpft gleichzeitig ab.

Um das Kapha wieder in seine gesunde Form zurückzubringen, ist ein regelmäßiges Bewegungsprogramm auf körperlicher und geistiger Ebene sehr zu empfehlen. Hilfreich ist ein bewusst aktives gestaltetes Leben. Einmal in der Woche zu walken, zu schwimmen oder in die Sauna zu gehen ist ein Minimalprogramm für körperliche Vitalität. Auf geistiger Ebene ist es für Kapha-Typen sehr anregend, zusammen mit anderen Menschen etwas zu unternehmen. Soziales Engagement sowie Interesse für Sprachen, Kultur und Psychologie sind für kaphageprägte Menschen eine natürliche Motivation zum vitalen und erfüllten Lebenswandel.

Der Genuss von warmen und mit leichter Schärfe gewürzten Speisen ist eine hervorragende Anregung für den Stoffwechsel und die Verdauungskraft. Besonders empfehlenswert sind bittere Gemüse (wie z.B. Chicorèe, Spinat, Mangold, Artischocken) mit den verdauungsfördernden Gewürzen Kreuzkümmel (Cumin), Pfeffer, Chili, Meerrettich, Kurkuma, Ingwer und Senfkörnern.

  • Positiv: ruhige beständige Persönlichkeit, Geduld, Mitleid, Zärtlichkeit, Standfestigkeit
  • Negativ: fehlende Antriebskraft, Lethargie, Ignoranz, Trägheit. Er ist geistig festgefahren und unbeweglich
  • Hilfreich bei zu viel Kapha: viel Bewegung, auch mit körperlicher Anstrengung, Aktivurlaub
  • Ernährung: Kapha reduzierend: scharf, bitter, zusammenziehend / Kapha erhöhend: süß, sauer, salzig

Die individuelle Konstitution (Prakriti und Vikriti)

Die These des Ayurveda ist, dass jeder Mensch von Geburt an eine individuelle Konstitution mitbringt, die sogenannte Prakriti. Hierbei überwiegen ein oder zwei Doshas, ein drittes ist zwar präsent, wirkt aber im Hintergrund. In seltenen Fällen sind alle drei Doshas gleichmäßig vertreten (Tridosha). Die Prakriti stellt die ureigene Persönlichkeit des Menschen dar. Sie steht für unsere körperlichen Anlagen und Talente. Ein zierlicher Körperbau ist durch Vata geprägt, eine sportliche und dynamische Veranlagung durch Pitta. In einer kräftigen bis pompösen Figur, die zu Trägheit neigt, zeigt sich Kapha.

Auch geistige Veranlagungen sind auf die Prakriti zurückzuführen. Allerdings ist der Mensch im Laufe seines Lebens vielen Einflüssen ausgesetzt, beginnend mit der Erziehung im Elternhaus, und weiter mit der schulischen und beruflichen Ausbildung. Jeder Mensch hat eine Art Schicksal, das ihn wesentlich prägt. Hier spricht man von der Vikriti, der momentanen Konstitution oder Störungsnatur. So kann sich im Laufe des Lebens durch Alltagsstress oder gar Traumata die körperliche und geistige Konstitution verändern. Kurzzeitige oder chronische Krankheiten können auftreten. Ein wichtiges Ziel im Ayurveda ist daher das Zurückfinden und Verwirklichen seiner ureigenen Natur, der Prakriti. An ihr hängt unsere eigentliche Bestimmung im Leben, unsere Zufriedenheit und unser Glück. Wenn wir in unserer Prakriti leben, fühlen wir uns ganz in unserem Element und können unsere persönlichen Ziele mit Leichtigkeit verwirklichen. Leben wir uns nicht auf diese Weise aus, kommt es zu einer Unterdrückung unserer eigentlich dominierenden Bioenergie. Diese staut sich innerlich an, es kommt zur Störung des Elementgleichgewichts, Krankheit kann entstehen.

Das natürliche Gleichgewicht

Ein zweiter wichtiger Grundsatz im Ayurveda ist der Gedanke, dass sich kein Dosha im Körper und Geist auf Dauer zu sehr übersteigern darf. Die drei Doshas bilden gemeinsam eine Dreierwaage. Ist ein Dosha wesentlich dominanter, bringt es die anderen beiden ebenfalls aus ihrer Mitte. Zu starkes Vata bewirkt zu viel Unruhe, nervliche Störungen können die Folge sein. Vata bedeutet auch Trockenheit. Nimmt diese übermäßig zu, kann dies Verstopfung bedeuten oder knackende Gelenke, im Ernstfall auch Arthrose oder Immunkrankheiten. Zu viel Pitta birgt die Gefahr von entzündlichen Prozessen und Ansteckungskrankheiten sowie Leber- oder/und Gallenproblemen, Haut- und Blutkrankheiten jeglicher Art. Ein Übermaß an Kapha kann Übergewicht bedeuten, Krankheiten, bei denen übermäßig Schleim im Spiel ist, abnormale Wasseransammlungen sowie Diabetes als schlimmere Krankheit. Ayurveda ist die Kunst, das natürliche Gleichgewicht der drei Bioenergien aufrecht zu erhalten. Dabei geht es vorwiegend um ein kreatives Ausleben seiner ureigenen Wesensnatur. Ayurveda kann körperliche und geistige Anzeichen einer Störung frühzeitig deuten und mit sehr naturbezogenen Heilmethoden auskurieren. Die ayurvedische Manualtherapie, bei der der Körper mittels spezieller Kräuteröle und verschiedener äußeren Behandlungstechniken zu Reinigung und Regenerierung angeregt wird, ist ebenso berühmt wie die ayurvedische Kräuterheilkunde, die für jede Krankheit ein Kraut weiß. Im Ayurveda wird der Mensch als Ganzes betrachtet, und die tief sitzende bioenergetische Ursache berücksichtigt.

Klassische Werke

Die große Trilogie

  • "Charaka Samhita" von Charka 1. bis 2. Jh. n. Chr.: 120 Kapitel über Ursprung und Verbreitung von Ayurveda, Aufbau des Universums sowie die Beziehung zu den Geweben des menschlichen Körpers, Pharmakologie, Ernährungslehre, Ätiologie, Pathologie, Diagnostik, Embryologie, Anatomie, Prognostik, Symptomatologie, Pancha Karma.
  • "Sushruta Samhita" von Sushruta 350 n. Chr.: 184 Kapitel in Chirologie, Marma, HNO, Toxologie, Psychologie.
  • "Ashtangasamgraha" von Vagbhata 625 n. Chr.: Zusammenfassung der bestehenden Werke,Kompendium von Gesundheit, persönliche Hygiene, langes u. gesundes Leben, Einfluss der Jahreszeiten, Ernährungsweise.

Zwei weitere Klassiker

  • "Chakradatta" (Chikitsasamgraha) von Chakrapani Datta (1060): Kommentierung der Charaka Samhita, erstmals Quecksilber u. metallische Präparate in Verwendung, tantrische Praktiken, neue medizinisch- chirogische Fälle.
  • "Madanpala Nighantu" von Madana Pala (1374): detaillierte Beschreibung von über 500 Heilpflanzen, Mineralien und tierischen Präparaten.

Wirkungsebenen

Im Westen hat Ayurveda heute 3 Hauptaspekte:

Wellness

In den letzten Jahren ist besonders der Wellness Aspekt in den Vordergrund getreten. Ayurveda Massagen, Ayurveda Beauty Masken, Stirngüsse, Ayurveda Dampfbäder und Aromatherapie erfreuen sich immer größerer Beliebtheit, um sich wohl zu fühlen und Körper und Geist zu harmonisieren. Diese Wellness Anwendungen geben einem schnell neue Kraft und Energie, verhelfen zu einem wunderschönen Gefühl, beseitigen Hautunreinheiten. Nicht umsonst gelten sie in Indien als sehr wirkungsvolle Verjüngungsmittel. Nach einer 1-2-wöchigen Kur kann man um Jahre jünger aussehen und sich um Jahre jünger fühlen.

Lebensstil

Ein zweiter Aspekt des Ayurveda ist Leben in Harmonie mit seiner eigenen Natur, Prakriti. Ayurveda hilft einem, seine individuelle Natur zu erkennen. Es hilft einem, seiner Natur gemäß so zu leben, dass man sich in Harmonie mit sich selbst, mit seinen Mitmenschen und mit der Umwelt befindet. Es kann einem helfen, seine Ernährung, seinen Tagesrhythmus, seine Arbeit, Umgang mit Familie, seinen spirituellen Weg, seine Meditation, seine Asanas und Pranayama typgerecht zu gestalten. So lernt man, wie man sein Leben erfüllt leben kann. Ayurveda hilft dabei, beginnende Störungen in Körper und Geist frühzeitig zu erkennen, um so geistiges Leiden und körperlichen Krankheiten vorzubeugen.

Heilung

Der dritte Aspekt des Ayurveda ist Heilung von Krankheiten. Dieser Aspekt steht in Indien sicher im Vordergrund. Das ayurvedische Medizinsystem hat verschiedene Abteilungen und Unterabteilungen hervorgebracht. Die drei Hauptabteilungen sind: Rationale Therapie, feinstoffliche Therapie und psychisch/geistige Therapie. Zu den rationalen Therapien gehören: Chirurgie, Pflanzenheilkunde, Diätetik, therapeutische Massagen, Reinigungskuren, Asanas und Pranayama.

Ayurvedische Ernährung

Grundsätzliches

Sehr viele unterschiedliche Auffassungen von gesunder und richtiger Ernährung kritisieren sich gegenseitig. Ayurvedische Ernährung erhebt indes keinen Anspruch auf Vollkommenheit einer einziger Ernährungsform. Sie gibt möglichst viele Hinweise, eine eigene individuelle Ernährungsweise bestens zu gestalten. Einige Grundsätze:

  • Keine gleiche Ernährung für jeden, sondern konstitutionsbezogene Nahrungsaufnahme. „Was für den einen Gift ist, kann für einen anderen Nektar sein“.
  • Das allerwichtigste beim Essen ist der Esser, nicht die Nahrung. „Wir sind nicht das, was wir essen, sondern das, was wir verdauen“. "Agni", das Verdauungsfeuer spielt hierbei eine zentrale Rolle.
  • Ein wichtiges Ziel der ayurvedischen Ernährung ist das Vermeiden von "Ama" (Schlacken/Giftstoffen), um Vitalität, Klarheit und Bewusstheit bis ins hohe Alter beizubehalten.
  • Anzeichen nach einen gutem „Essen“: Gefühl der Stärkung, energiegeladen, Lebendigkeit, Bauch fühlt sich gut an (kein „Gluckern“, Blähungen…), keine Müdigkeit.
  • Was einem nicht schmeckt, tut einem nicht gut. Charaka: „Speisen und Getränke, deren Aussehen, Geruch, Geschmack und Berührung die Sinne erfreuen und entspechend den Prinzipien von Ayurveda verzehrt werden, schaffen die vitale Essenz aller Lebewesen.“

Nahrungsmittelkombinationen

Ungünstige Nahrungsmittelzusammenstellungen sind eine der fatalsten Fehler in der westlichen Ernährung. Nahrungsmittel, die nicht zusammen verdaut werden können, erweisen sich für das Verdauungssystem als große Belastung und zehren an unserem gesamten Energiehaushalt. Alles was wir an Nahrung nicht selbst verdauen ist Nährboden für Darmparasiten (Darmpilze, Fäulniskeime, ungünstige Gärungsstämme), die wiederum Toxine bzw. ein Übermaß an Säure bilden. Das Blut nimmt die Schadstoffe vom Darm auf und führt sie im gesamten Körper herum. Je nach Konstitution fallen körperliche und geistige Symptome unterschiedlich aus (Durchfall/Verstopfung, Über-/Untergewicht, Sodbrennen, Hautprobleme, Gallensteine, Lebererkrankungen u.a.).

  • rohes Obst und Getreide wie z.B. im klassischen Müsli (sehr gärungsanfällige Mischung)
  • Obst (v.a. saure Früchte) & Milch (in dieser Mischung denaturiert/verklumpt die Milch und das Obst gärt)
  • Obst und Joghurt wie z.B. im Lassi (es können heftige Gärungsprozesse entstehen)
  • rohes Obst und rohes Gemüse kann aufgrund unterschiedlichen Enzymbedarfs nicht zusammen verdaut werden
  • Getreide mit Joghurt, Quark oder Sauermilchprodukten (Die Sauermilch-Kulturen verstoffwechseln die zerlegten Stärkemoleküle, es finden unnötige Gärungsvorgänge statt.)
  • Joghurt oder Quark mit Milch (die Milch verklumpt im Bauch und gärt)
  • Hartkäse ist laut Ayurveda ein sehr ungünstiges Nahrungsmittel (fermentiert, oft hitzebehandelt, mit körperfremden Enzymen und Pilzen versetzt und abgestanden), alternativ sind selbstgemachter Frischkäse, Hüttenkäse, Ziegen- und Schafskäse angesagt (bei Milchprodukten ist Bio erste Wahl)
  • Kohlenhydrate zusammen mit Eiweißprodukten jeweils in größerer Menge zusammen wie z.B. Brot und Käse oder Kartoffeln und Tofu. Um Eiweiße zu verdauen, benötigt der Magen/Darm Säure, die vom Enzym Pepsin gebildet wird. Bei der Verdauung von Kohlenhydraten zersetzt Alpha-Amylase die KH in kleinere süße Moleküle, die die Eiweißverdauung blockieren.
  • Fett und Salz jeweils in größere Menge zusammen erhöht Pitta auf ungemeine Weise und führt oft zu Haut und Leberproblemen
  • Milch nicht mit Salz (wirkt im Darm toxisch)
  • Honig und Ghee in gleicher Menge
  • Eier mit Milch, Joghurt, Melone, Käse, Früchten und Kartoffeln
  • Milch mit sauren Früchten, Rettich oder Melone
  • Kalte Getränke mit fettigem Essen
  • Kalte Speisen mit heißen Speisen
  • Fleisch oder Fisch und Milch (laut Ayurveda sogar tödlich)

Die Zubereitung

Karana die Zubereitung der Nahrung verändert die Eigenschaften der Nahrung. Durch schonendes Garen findet eine Vorverdauung statt, die Nahrung wird leichter und lässt Vata „verpuffen“. So wird im Ayurveda von zu viel Rohkost, speziell bei Vata-Dominanz, abgeraten. Zu langes Kochen zerstört jedoch die Nahrung. Gewürze / Kräuter beeinflussen sowohl Agni (Verdauungsfeuer) als auch die Doshas und spielen somit in der ayurvedischen Ernährung eine zentrale Rolle.

Siehe auch

Weblinks

Seminare

Multimedia

Yoga und Ayurveda, Vortrag mit Sukadev

Sukadev, Gründer und Leiter von Yoga Vidya, spricht in diesem Vortrag über Yoga Atemübungen für spezifische Harmonisierung, Agni Aktivierung und Ama Reinigung. Dieser Vortrag war Teil des Ayurveda Kongress 2012 bei Yoga Vidya Bad Meinberg. <mp3player>http://kongress-yoga-ayurveda.podspot.de/files/Sukadev%2C+Vortrag+Yoga+u.+Ayurveda.mp3</mp3player>