Konstitution

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Konstitution, von lateinisch constitutio Zusammensetzung, bezeichnet die dauerhaften Charakteristiken eines Menschen.

Konstitutionen im Ayurveda.

Die Konstitution des Menschen bestimmt den Körpertyp, die emotionale Prädisposition, die Persönlichkeit. Sanskrit Ausdrücke für Konstitution sind Prakriti und Svabhava. Krishna schreibt in der Bhagavad Gita (18. Kapitel), dass der Mensch gemäß seiner Prakriti leben solle. Spiritualität und jede Yoga-Praxis wird geprägt von Konstitution, von Lebensumständen, sowie der inneren Motivation.

Konstitution

Konstitution bedeutet Temperament, übergeordnete Persönlichkeitsstruktur. Als Konstitution bezeichnet man im engeren Sinne im Ayurveda die drei Doshas, die überwiegen, die sogenannte Prakriti, die Dosha-Prakriti. Als Konstitution bezeichnet man in der sogenannten Humorislehre auch den vorherrschenden Humor; oft wird vorherrschender Saft gesagt, also vorherrschendes Temperament.

In der mittelalterlichen Medizin und Psychologie

In der mittelalterlichen Medizin und Psychologie spricht man von vier Konstitutionen, die letztlich von den Griechen und Römern stammen. Da gibt es:

  • Melancholiker – wörtlich die schwarze Galle –, das heisst ein Mensch, der eher traurig, deprimiert, antriebslos ist
  • Choleriker – wörtlich die gelbe Galle –, das heisst der dynamische, feurige, eher zu Wut neigende Menschen
  • Sanguiniker – wörtlich der Bluttyp –, das heisst locker luftige, leichte, kommunikative Menschen
  • Phlegmatiker – wörtlich der Schleim Behaftete –, das heisst ruhige, beständige, ausdauernde Menschen.

Im alten Griechenland waren das erst einmal vier Konstitutionstypen, und in Rom – v.a. im Mittelalter und der frühen Neuzeit – hieß es, wenn einer der Körpersäfte zu stark wird, wird man krank.

Im Ayurveda

Ähnlich finden wir die Konstitutionen im Ayurveda. Da gibt es:

Ich möchte nur auf die reinen Konstitutionen eingehen. Die Konstitution ist die Dosha-Prakriti, also die natürliche Konstitution. Es gibt auch die Vikriti, das ist der gestörte Dosha-Zustand. Das würde dann heißen, dort weicht es ab vom natürlichen Zustand und dann kann es zu Krankheiten kommen.

Die Konstitution bezeichnet also, was das übergeordnete Naturell des Menschen ist.

  • Vata: die luftige, leichte, offene, anpassungsfähige, flexible Konstitution.
  • Pitta: die feurige, durchsetzungsstarke, erfolgsorientierte, warme, auch zu Ärger neigende Konstitution.
  • Kapha: die eher wässrige, etwas ruhigere Konstitution; jemand mit dieser Konstitution ist tendenziell etwas dicker, schwerer, ruhiger und auch phlegmatischer. Mehr über diese Konstitutionen erfährst du unter Ayurveda.

Ayurveda Konstitutionslehre

Im Yoga am wichtigsten ist die Ayurveda Konstitutionslehre. Diese unterscheidet insbesondere:

  • Vata: Der eher luftig-leichte Typ
  • Pitta-Typ: Der feurige, zielorientierte, durchsetzungsstarke Typ
  • Kapha-Typ: Der eher beständige, ruhige, gemütliche Typ

Neben diesen "reinen" Typen gibt es die Mischtypen.

Temperament und Ayurveda Konstitution

Die Temperamentenlehre, also die Lehre der Humores, von Galenos von Pergamon (129-216 n.Chr )?)) hat große Gemeinsamkeiten mit der Ayurveda Konstitutionslehre. Eventuell ist sie sogar vom Ayurveda beeinflusst. Denn in der römischen Zeit gab es einen regen Austausch zwischen Indien und dem Mittelmeerraum. Da sind nicht nur Waren transportiert, sondern auch Ideen ausgetauscht worden.

Im europäischen Mittelalter bis in die Neuzeit spielte diese Temperamentenlehre eine große Rolle. Es wurden folgende Temperamente unterschieden:

  • Sanguiniker: geprägt von Luftelement bzw. Blut (lat. sanguis), heiter, aktiv; Gemeinsamkeiten mit Vata-Typ
  • Choleriker: geprägt von Feuer bzw. gelbe Gallenflüssigkeit (gr. χολή, cholé), reizbar und erregbar; Gemeinsamkeiten mit Pitta-Typ
  • Phlegmatiker: geprägt von Wasserelement bzw. Schleim (gr. φλέγμα, phlegma), passiv, schwerfällig; Gemeinsamkeiten mit Kapha-Typ
  • Melancholiker: geprägt von Erdelement bzw. schwarze Gallenflüssigkeit (gr. μέλαινα χολή, mélaina cholé), traurig, nachdenklich, Gemeinsamkeiten mit Kapha-Typ

Körperliche Konstitutionstypen

Ernst Kretschmer (1888-1964) entwickelte eine Konstitutionstypologie nach Körperbau und postulierte damit zusammenhängendes Temperament. Ernst Kretschmer unterschied 3 Haupttypen:

  • Leptosome: Schlankwüchsig, entsprechend der Vata-Konstitution
  • Pyniker: Breitwächsig, entsprechend der Kapha-Konstitution
  • Athletiker: grobwüchsig und muskulär, entsprechend der Pitta-Konstitution

Konstitution, Leistungsvermögen und Krankheit

Im Deutschen wird der Ausdruck Konstitution nicht nur zur Unterscheidung der Temperamente verwendet. Konstitution kann auch stehen für körperliche Leistungsfähigkeit bzw. die Art der körperlichen Leistungsfähigkeit. Und man sagt auch: Jemand hat eine gute Konstitution und meint damit: Er ist weniger krankzheitsanfällig, ist leistungsfähiger.

Video Konstitution

Hier findest du ein Vortragsvideo zum Thema Konstitution :

Autor/Sprecher/Kamera: Sukadev Bretz, Gründer von Yoga Vidya.

Siehe auch

Weblinks