Bedürfnis

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Bedürfnis : Definition und praktische Lebenshilfe. Bedürfnis ist etwas, dessen man bedarf, um zu leben. Das Wort Bedürfnis wird heutzutage in verschiedensten Kontexten gebraucht. So spricht man von Grundbedürfnissen des Menschen, als Nahrung, Wasser, Kleidung, Dach über dem Kopf. In der Wirtschaftstheorie bzw. Marketingforschung spricht man von den Bedürfnissen des Konsumenten, die es durch gute Produkte zu befriedigen gilt.

Die indische Glücksgöttin Lakshmi, anzurufen bei Bedürfnis

Es gibt alle Arten von Bedürfnisse, z.B. Mitteilungsbedürfnis, Schlafbedürfnis, Sicherheitsbedürfnis, Ruhebedürfnis. Man kann ein Bedürfnis nach Liebe und Zärtlichkeit verspüren. Manchmal kann es einem auch ein Bedürfnis sein, jemand anderem unbedingt etwas zu sagen, z.B. dass er etwas ganz Tolles gemacht hat.

Das Wort Bedürfnis wird heute häufiger verwandt also früher: In früheren Zeiten galten Wünsche als etwas, das man überwinden sollte. Mit dem Wort Bedürfnisse dagegen soll ausgesagt werden, dass der Mensch etwas braucht um glücklich zu sein. Dahinter steckt die Theorie, dass wenn alle Bedürfnisse des Menschen befriedigt sind, dass der Mensch dann glücklich ist. Dummerweise ist das aber Unsinn: Jede Bedürfnisbefriedigung führt zu neuen Wünschen, die man dann wieder als Bedürfnis bezeichnen kann, um einen Grund zu haben, das zu befriedigen.

Otto Müller Liebespaar Mann Frau.jpg

Man spricht von den Grundbedürfnissen Nahrung, Sex/Fortpflanzung, [Sicherheit], Anerkennung, persönliche Entwicklung, spirituelles Wachstum. In der Psychologie werden verschiedene Bedürfnis-Pyramiden und Bedürfnis-Hierarchien diskutiert. Ein Bedürfnis ist meist etwas Abstrakteres, das sich dann in konkrete Wünsche manifestiert.

Manchmal kann man sich bei konkreten Wünschen und Emotionen fragen, welches Bedürfnis dahinter steckt. Z.B. kann hinter einem auf Thrill und Rausch ausgelegten Leben das tiefe Bedürfnis nach spiritueller Erfahrung stecken. Hinter einem störenden Verhalten von Kindern kann das Bedürfnis gesehen zu werden stecken.

Hinter zwanghaftem Essverhalten steckt vielleicht eine innere Leere, die man füllen will. Im Umgang mit sich selbst und im Umgang mit anderen kann es manchmal hilfreich sein zu überlegen, welches Bedürfnis, welches Anliegen hinter einem bestimmten Wunsch, Gefühl, Emotion, Handlung steckt. Gerade in der humanistischen Psychologie geht man davon aus, dass hinter jedem Verhalten und jedem Empfinden ein wertzuschätzendes Bedürfnis steckt.

Ein Bedürfnis ist keine Tugend, keine Fähigkeit. Ein Bedürfnis ist vielmehr etwas, was ein Mensch, ein Lebewesen braucht. Allerdings ist es eine besondere Fähigkeit, mit seinen eigenen Bedürfnissen und mit den Bedürfnissen anderer gut umzugehen, geschickt umzugehen. In diesem Sinn gehört der Ausdruck Bedürfnis auch in die Reihe der Tugenden und Persönlichkeitsmerkmale, wie sie hier im Wiki vorkommt.

In diesem Yoga Wiki werden über 1000 Tugenden und Persönlichkeitsmerkmale beschrieben. Hier einige Erläuterungen, wie man die Eigenschaft der Bedürfnis in Beziehung zu anderen Fähigkeiten und Verhaltensweisen sowie in Bezug auf Laster sehen kann:

Bedürfnis und Depression

Aus einem Vortrag von Sukadev Bretz

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Bedürfnisse, was haben Bedürfnisse mit Depression zu tun? Es gibt in der westlichen Psychologie die Vorstellung, wenn man Bedürfnisse befriedigt, dann werden Menschen glücklich sein. Und so gilt, herauszufinden: "Was sind meine Bedürfnisse und wie kann ich sie befriedigen?" Das ist mehr oder weniger die unreflektierte Theorie der westlichen Psychologen.

Es zeigt sich aber, es ist nicht die Menge an Dinge, die man hat, es ist auch nicht die Menge an Bedürfnissen, die befriedigt wird, die zu Glück führt. Im Gegenteil, wenn man das Gefühl hat, alle Bedürfnisse sind irgendwo befriedigt, dann ist man nachher depressiv, es gibt nichts mehr, wofür es sich rentiert, tätig zu sein.

Es ist klüger, nicht zu sehr an seine eigenen Bedürfnisse zu denken. Es ist klüger, darüber nachzudenken: "Was kann ich Gutes bewirken für andere? Wo ist meine Aufgabe? Was kann ich tun, um anderen zu helfen und zu dienen? Was kann ich tun, was sinnvoll ist?" Das ist besser, als ständig zu überlegen: "Welche Bedürfnisse habe ich und wie kann ich die befriedigen?"

Natürlich, und das ist jetzt auch wieder wichtig, um langfristig Gutes bewirken zu können, musst du natürlich auch dafür sorgen, dass Körper und Psyche das haben, was sie brauchen, um langfristig Gutes bewirken zu können. Und da könntest du sagen:

"Welche Bedürfnisse hat mein Körper und meine Psyche, damit sie langfristig das tun können, was nötig ist? Welche Bedürfnisse muss ich befriedigen, damit ich langfristig Gutes bewirken kann?" Wenn du über Bedürfnisse so nachdenkst, ist das etwas Gutes.

Bedürfnisse,- für mich, sind aber auch irgendwie so etwas Zwanghaftes. Ein Bedürfnis heißt: "Ich bedarf es, ich brauche es, ich muss es haben. Wenn ich es nicht habe, bin ich unglücklich." Das ist irgendwie eine schräge Geschichte. Was braucht der Mensch wirklich? Der Mensch braucht ein Dach über dem Kopf, etwas zu essen und Kleidung und die meisten Menschen brauchen irgendwas Sinnvolles zum tun und den Kontakt mit anderen. Das ist alles, was der Mensch braucht. Alles andere sind keine Bedürfnisse, sondern Zusätzliches, was ganz nett ist, zu erfahren und zu tun, aber Bedürfnis ist ein machtvoller Ausdruck.

So kann man eben mehr fragen: "Was brauche ich?" Man könnte auch sagen: "Was sind meine Bedürfnisse, spielerisch ausgedrückt?" Aber nicht so: "Ich muss es unbedingt haben." Denn wenn du denkst, "ich muss es unbedingt haben und ich kriege es nicht", dann bist du deprimiert, weil du denkst: "Ich kann jetzt nicht glücklich sein, weil ich das nicht bekomme, was ich brauche."

Du kannst darüber ein bisschen nachdenken, was Bedürfnisse zu tun haben mit Depressivität. Und die Erfahrung ist, Menschen, die hauptsächlich an sich denken, die sind unglücklicher. Menschen, die an andere denken, sind glücklicher. Wer aber nur an andere denkt und nicht dafür sorgt, dass er langfristig Gutes bewirken kann, der kann ausgelaugt sein.

Und wer sich abhängig macht davon, dass, wenn er anderen etwas Gutes tut, dass andere ihm dankbar sind und dass er dann auch sofort Erfolg hat, der kann enttäuscht werden und aus dieser Enttäuschung kann wieder Unglück entstehen. Daher überlege: "Was ist meine Aufgabe? Was kann ich Sinnvolles tun? Was ist meine Mission in diesem Leben? Was gehört zu meinen vielen Missionen in diesem Leben?" Die wenigsten haben ja nur eine Mission.

Dann kannst du noch überlegen: "Was kann ich meinem Körper und meiner Psyche geben, damit sie langfristig Gutes bewirken können?" Und dann hilft auch der feste Entschluss: "Ich tue Gutes, aber ich mache mich nicht abhängig von Lob und Anerkennung. Ich versuche, geschickt zu handeln, hole dazu Feedback von anderen ein und ich lerne von dem, was andere mir sagen. Aber ich mache mein Glück nicht abhängig von der Meinung von anderen und ich mache mein Glück auch nicht abhängig von Erfolg und Misserfolg. Ich handle so gut, wie ich kann, aber ich mache mich unabhängig von Resultat, von Belohnung und der Meinung anderer."

Das ist ein großes Paradox. Geschickt zu handeln, heißt, so zu handeln, dass es höchstwahrscheinlich zum Erfolg führt. Geschickt zu handeln, heißt, so zu handeln, dass du mit anderen gut zurechtkommst. Geschickt zu handeln, heißt, dass du es so machst, dass du verschiedene Umstände berücksichtigst.

Aber trotzdem gilt es, von Lob und Tadel unabhängig zu sein, von Erfolg und Misserfolg, von Belohnung oder Kritik. Das waren ein paar Gedanken zum Thema "Bedürfnisse und Depression" und insbesondere der Tipp, dass du nicht zu sehr an deine Bedürfnisse denkst, sondern mehr daran, was deine Aufgaben sind, dass du aber in dem Maße an Bedürfnisse denkst, wie es nötig ist, dass du auch langfristig deine Aufgaben erfüllen kannst.

Umgang mit Bedürfnissen anderer

Aus einem Vortrag von Sukadev Bretz

Es ist wichtig, die Bedürfnisse anderer kennenzulernen. Im Normalfall wird man schauen, wie man die Bedürfnisse anderer berücksichtigt. Wenn man merkt, dass jemand nicht mitzieht, wenn man merkt, das jemand lamentiert, dann kann man noch einmal fragen, was sind denn ihre Anliegen? Was wäre das was ihnen wichtig ist? Haben sie bestimmte Bedürfnisse? Haben sie bestimmte Dinge, die ihnen wichtig sind?

Man muss vorsichtig sein, der Ausdruck Bedürfnis ist nicht in allen Kreisen gern gesehen. Manchmal wird er sogar als Sozialpädagogen-Ausdruck abqualifiziert. Dort kann man eben sagen: Was ist denn ihnen wichtig? Was würden sie für hilfreich empfinden? Also: Es ist gut, die Bedürfnisse anderer zu kennen, und es ist gut die Bedürfnisse mit ein zu beziehen. Oft ist es gut, danach auch zu fragen. Nicht alle Bedürfnisse kann man berücksichtigen, aber manche. Und wenn irgend möglich ist es gut, die Bedürfnisse anderer mit einfließen zu lassen.

Bedürfnis in Beziehung zu anderen Eigenschaften

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Ähnliche Eigenschaften wie Bedürfnis

Ähnliche Eigenschaften wie Bedürfnis, also Synonyme zu Bedürfnis sind z.B. Verlangen, Bestreben, Anliegen, Interesse, Begehren, Neigung, Sehnsucht.

Ausgleichende Eigenschaften

Jede Eigenschaft, jede Tugend, die übertrieben wird, wird zu einer Untugend, zu einem Laster, einer nicht hilfreichen Eigenschaft. Bedürfnis übertrieben kann ausarten z.B. in Sucht, Gier, Begierde. Daher braucht Bedürfnis als Gegenpol die Kultivierung von Bedürfnislosigkeit, Anspruchslosigkeit, Einfachheit.

Gegenteil von Bedürfnis

Zu jeder Eigenschaft gibt es ein Gegenteil. Hier Möglichkeiten für Gegenteil von Bedürfnis, Antonyme zu Bedürfnis :

Bedürfnis im Kontext von Tugendengruppen, Persönlichkeitsfaktoren und Temperamenten

Siehe auch

Eigenschaften im Alphabet vor Bedürfnis

Eigenschaften im Alphabet nach Bedürfnis

Literatur

Weblinks

Seminare

Yoga und Psychotherapie

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