Rohkost

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Rohkost (auch Vitalkost oder Urkost genannt) ist eine Ernährungsweise, die sich aus Früchten, Gemüsen, Samen/Nüssen und grünem Blattgemüse/ Wildkräutern zusammensetzt. Auch Sprossen und Algen gehören dazu. Alle diese Nahrungsmittel werden in naturbelassenem/ rohen Zustand verzehrt, d. h. nicht über 42 Grad erhitzt. Innerhalb der Oberkategorie "Rohkost“ gibt es allerdings eine Vielzahl an Ernährungsformen, was es schwierig macht, allgemeine Aussagen über diese Art der Ernährung zu treffen. Die meisten Rohköstler ernähren sich roh und vegan, während einige auch rohes Fleisch verzehren. Auch die Yogische Ernährung empfiehlt überwiegend Rohkost, da eine rohstoffreiche Ernährung uns ideal mit Prana versorgt (Swami Sivananda empfiehlt beispielsweise 80% Rohkost.)

Obst ist(roh-)köstlich

Was essen Rohköstler?

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Rohköstler ziehen nicht oder wenig verarbeitete Lebensmittel vor. Einige abgepackte Lebensmittel wie kaltgepresste Öle, bei niedrigen Temperaturen getrocknete Nüsse, Samen und Trockenfrüchte und fermentierte Nahrungsmittel wie Miso oder Sauerkraut, roher Essig, roher Agavensirup, rohe Soya-Sauce und die in immer mehr Naturkostläden erhältlichen Riegel, Schokoladen und Cracker in Rohkostqualität können den Speiseplan ebenso bereichern. Rohe Kakaobohnen und Oliven, Hanfsamen oder Buchweizen kann man auch im Rohkostsortiment entdecken[1]- der Rohkostmarkt boomt.

Rohkost sollte man allerdings nicht so verstehen, dass man eigentlich das gleiche ist, nur eben roh- oder das "Fehlende" durch rohe Supplemente ersetzt. Bei der gekochten Ernährung kommt einer geringen Anzahl von Nahrungsmitteln eine sehr große Bedeutung zu, die daher Grundnahrungsmittel genannt werden (Nudeln, Kartoffeln, Fleisch etc). Obst oder Nüsse sind dabei oft nur Extra- Knabbereien. Die Umstellung auf Rohkost bedeutet meist also eine erhebliche Ernährungsumstellung. Mit der Begründung der mangelnden Ursprünglichkeit halten einige Rohköstler einige Produkte, die durch Kunstgriffe wie Fermentation gewonnen werden, z.B. Sauerkraut, nicht für geeignet für eine rohköstliche Ernährung. Viele Rohköstler achten auch beim Einkauf auf die Naturbelassenheit des Obstes und des Gemüses. Kernlose Früchte sind eindeutig chemisch behandelt, da die hormonelle Wirkung der fehlenden Kerne ersetzt werden muss. Auch übermäßig gekühlte Lebensmittel, wie Äpfel außerhalb der Saison oder Bananen, die zum Transport gekühlt werden, werden gemieden.[2]

Argumente für Rohkost

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Je naturbelassener unsere Nahrung ist, desto vollwertiger und gesünder ist sie. Dies trifft auf Rohkost zu. Rohkost ist eine artgerechte und natürliche Nahrung. Pflanzen, Früchte, Nüsse, Samen, Keimlinge, Sprossen, (Wild-)Kräuter und Algen- das sind Lebensmittel im ursprünglichen Sinne. Die Industriezeit, vor allem die letzten 100 Jahre, brachte Veränderungen in unserem Ernährungsverhalten mit sich, an die der menschliche Körper evolutionär nicht angepasst ist und sich wohl auch nie anpassen wird.

Der Gesundheitswert der Nahrung, die meist hitzebehandelt und/oder industriell hergestellt ist, ist erheblich vermindert. Kochen, Backen, Braten, Frittieren mindern den physiologischen Wert der Nahrung. Temperaturen über 42 Grad zerstören die Enzyme, die Zündkerzen und "Verdauungshelfer“ des Stoffwechsels. So sind in einem Apfel genau die Enzyme enthalten, um ihn optimal verdauen zu können. Ein gekochter Apfel braucht somit mehr Verdauungsenergie. Das Kochen zerstört 85 Prozent des Nährwertes, Ballaststoffe verlieren 80 Prozent ihrer Wirkung, Vitamine, Chlorophyll und Aromastoffe gehen verloren. Mineralien verlieren ebenso ihre Effektivität durch den Erhitzungsprozess. [3] Ähnlich verhält es sich mit den Proteinen: Gekochte Proteine sind nach Forschungsergebnissen des Max-Planck-Instituts nur noch zu 50% biologisch verfügbar.

Manche gekochten Lebensmittel haben sogar eine direkt schädliche Wirkung auf den Körper, z.B. Karzinogene (entsteht beim Garen von Fleisch), raffinierter Zucker. Auch Acrylamid, ein krebserregender Stoff, entsteht durch das Erhitzen. Verarbeitete Lebensmittel enthalten Chemikalien, künstliche Geschmacksstoffe, Konservierungsmittel etc. All dies vermeidet man bei einer Rohkost- Ernährung.

In Rohkost hingegen gibt es einen hohen Anteil aktiver Ballaststoffe. Sie verkürzen die Darmpassage, binden Schadstoffe und tragen zur Senkung des Zucker- und Cholesterinspiegels bei. Der Basenreichtum der Rohkost sorgt dafür, dass Säuren neutralisiert werden und das Blut intakt gehalten wird. Die Nährstoff- und Vitalstoffdichte ist höher, was für ein schnelleres Sättigungsgefühl sorgt und schlank und gesund hält. So ist man vor ernährungsabhängigen Krankheiten wie Bluthochdruck, Krebs, Rheuma, Gicht, Diabetes usw. geschützt, stärkt sein Immunsystem und kann Allergien entgegenwirken. [3]

Essentiell bei der heilsamen Wirkung von Rohkost ist zudem wie oben erwähnt die Wichtigkeit der Enzyme- alle unsere Lebensprozesse hängen von Enzymfunktionen ab. Enzyme helfen uns bei der Verdauung, sie zerlegen Fette und Proteine, sodass unser Körper sie gut assimilieren kann. Funktioniert diese Assimilation gut, kann der Körper sich mehr um seine anderen Aufgaben wie Zellreparatur, mentale und körperliche Bewegung und Immunfunktionen kümmern. Dies führt dazu, dass man mit Rohkost- Ernährung mehr Energie zur Verfügung hat. [4] Zu heiß gegessene Nahrungsmittel können zudem die Enzymsysteme in der Magenschleimhaut zerstören und auch die Magenschleimhaut verletzen. [4]

Für Rohkost spricht auch, dass der menschliche Körper auf gekochte Nahrung wie auf einen Fremdkörper reagiert, es wird ein entzündlicher Prozess in Gang gesetzt. Beim Verzehr gekochter Nahrung kommt es zum rapiden Anstieg der weißen Blutkörperchen (Leukozyten), dieser Prozess der Vermehrung der weißen Blutkörperchen wird auch Verdauungsleukozytose genannt. Es handelt sich also um eine vorübergehende entzündliche Reaktion, die auf Dauer (bei regelmäßigem Verzehr von gekochter Nahrung) jedoch verhindert, dass die weißen Blutkörperchen ihren eigentlichen Aufgaben nachgehen, nämlich den Abbau abgestorbener Zellen, der Beseitigung von Krebszellen usw. [5]

Ein weiteres Argument für Rohkost ist unsere Verwandtschaft mit den Menschenaffen und die Beobachtung ihrer Ernährungsweise. Die Menschenaffen und der Mensch sind genetisch seit Jahrmillionen an diese natürliche Nahrung angepasst. Zu dieser natürlichen Ernährung zählen Obst und Gemüse, Salate, Kräuter, Nüsse und Wasser. Alle Lebewesen bis auf der Mensch und die von ihm abhängigen Tiere verzehren ihre Nahrung in roher Form und kennen keine Zivilisationskrankheiten etc. [5] Ein Beispiel: Die uns nahe verwandten Schimpansen ernähren sich nach einer Studie von Jane Goodall durchschnittlich zu 52 Prozent von Früchten und Beeren, zu 35 Prozent von Blättern, Wildpflanzen und Sprossen, zu 7 Prozent von Wurzeln, Samen, Rinden und Gallen, zu 5 Prozent von Blüten und zu einem Prozent von Kleingetier und Insekten. [6]

Besonders die Wildkräuter, die mit ihrem hohen Gehalt an Chlorophyll und Vitalstoffen die Rohkost-Ernährung bereichern, sind ökologisch angebauten Kulturpflanzen sogar noch überlegen. [5] So enthält die Brennnessel beispielsweise über 30-mal mehr Vitamin C als ein kultivierter Salat und rund das 10-Fache an Eisen. [1]

Interessant beim Wechsel zu Rohkost ist auch zu beobachten, wie der ursprüngliche Ernährungsinstinkt stärker wird. Ein Beispiel dafür sind die sogenannten "Instinctos“, die auch rohes Fleisch und Fisch nicht ausschließen. Von den einen wird sich als einzige ursprüngliche Ernährung hochgehalten, die anderen sehen in ihr stark ideologische Züge. [7] Sie vertrauen bei ihrer Ernährung auf die instinktive Sperre. Die instinktive Sperre sagt sehr genau, wann ein Lebensmittel zu genüge aufgenommen wurde. Die instinktive Sperre tritt dadurch in Erscheinung, dass eine Obst-/Gemüsesorte mit einem Mal verändert schmeckt, oft sogar unangenehm oder geschmacklos. Die Wahrnehmung verändert sich dahingehend, dass dem Esser die Konsistenz anders erscheint oder eine Geschmackskomponente extrem in den Vordergrund gerät. Der Körper signalisiert somit, dass er genug von einem bestimmten Lebensmittel aufgenommen hat. Dieser ursprüngliche Ernährungsinstinkt ist den meisten Zivilisationsessern abhandengekommen. [8]

Die Ernährungsweise, bei denen Lebensmittel willkürlich zu einem Menü zusammengestellt, zubereitet und verzehrt werden, wird als unsinnige Methode sich zu ernähren empfunden, da der Verstand nicht ahnen kann, welche Nährstoffbedürfnisse der Körper heute hat. Man sollte vielmehr wieder auf seinen Geruchssinn vertrauen, der weiß, welche Lebensmittel die Nährstofferfordernisse decken. Dies ist eine instinktive Ernährung: Der Geist wechselt vom Behauptungszustand ("Das werde ich heute essen: Dieses Menü, dieses Rezept…") zu einem Befragungszustand (die eigenen Sinne werden befragt).

Rohkost: Fehlt etwas?

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Die meisten Menschen brauchen sich keine Gedanken um ihre Energiezufuhr (Kohlenhydrate, Eiweiß, Fette) zu machen, was fehlt, sind gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe. Essentiell sind die sekundären Pflanzenstoffe, die wichtige Aufgaben in unserem Körper übernehmen. Am meisten nimmt man davon auf, wenn man die Pflanzen in roher Form verzehrt. Wichtig ist natürlich, möglichst viele unterschiedliche Pflanzen zu sich nehmen. Dabei ist Gemüse tendenziell wichtiger als Obst, da eine evolutionär ursprüngliche Ernährung nicht vorgesehen hat, das ganze Jahr über auf Größe und Süße hochgezüchtetes Obst zu essen. Die Basisernährung sollte aus dunkelgrünen Blättern bestehen. Das Grüne hilft bei der Entgiftung.

Zwei Stoffe werden in folgendem näher unter die Lupe genommen, die öfter erwähnt werden, wenn der Rohkost eine Unterversorgung unterstellt wird.

  • Eiweiß: Die meisten Pflanzen haben einen Eiweißanteil von 2%, was dem Anteil an Eiweiß der menschlichen Muttermilch entspricht. Dies ist optimal, um sogar in der größten Wachstumsphase für optimales Wohlbefinden zu sorgen. Das Eiweiß in der Rohkost ist unbehandelt und nativ, und damit sehr hochwertig. In Gurken, Bananen, Avocados, Nüssen, Sonnenblumenkernen, Mungbohnen-, Kichererbsenkeimlingen sind z. B. alle essenziellen Aminosäuren enthalten- diese braucht der Körper als "Bausteine“. [3]
  • Kalzium: Bei einer Ernährung mit Rohkost ist der Mineralstoffbedarf geringer, da die Mineralien hochwertig und organisch zugeführt werden und da man keine "Mineralstoffräuber“ wie Zucker, Weißmehl oder Kaffee zu sich nimmt. Wildkräuter, alle Grünblattpflanzen und Sprossen, gemahlener Sesam, Datteln, Feigen und Mandeln sind sehr reich an Kalzium. [3]

Argumente dagegen

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Es gibt noch nicht ausreichend wissenschaftliche Evidenz, was diese Ernährungsweise betrifft. Die "Gießener Studie“, die 1996 bis 1998 durchgeführt wurde, ist die größte Rohkoststudie. Die Probanden, die sich von über 70 Prozent Rohkost ernähren sollten, wurden auf ihren Gesundheitsstatus untersucht. Während 700 Teilnehmer erfasst wurden, lagen zum Schluss nur die Datensätze von 201 Personen vor. Einen wissenschaftlichen Schluss aus dieser Studie zu ziehen- 63 davon ernährten sich fast ausschließlich von Rohkost, 73 zu über 80 %; 57 Personen waren Veganer, 88 Vegetarier, 56 sogenannte omnivore Rohköstler, die auch (ungekochtes) Fleisch und Fisch verzehren- wird bei der Vielfalt wohl sehr schwer werden. Der Gesundheitszustand der Probanden ließ zu wünschen übrig: die Hälfte der Probanden hatten Untergewicht, ein Drittel der Frauen hatten keine Menstruation mehr. Vitamine A, C, E, B1, B6, Folsäure, Betacarotin, Selen und Antioxidantien waren überoptimal, Calcium, Zink, Iod, Vitamin D und Vitamin B12 waren jedoch mangelhaft. Auch ein Eisenmangel und eine daraus folgende Anämie waren sehr verbreitet. Relativierend- abgesehen von dem nicht großen Datensatz und der Fülle an unterscheidlicher Ernährungsweisen kann man anführen, dass die Studie nun schon vor beinahe 20 Jahre durchgeführt wurde. In den letztem Jahrzehnt haben sich- vor allem über das Internet- Informationen über gesunde Ernährung massiv verbreitet.

Als Gegenargument wird auch angeführt, dass Rohkost im Vergleich zu gegarter Kost zu einer unvollständigeren Verdauung führt. Dies kann die Aufnahme von manchen Vitaminen und Spurenelementen verschlechtern sowie Mangelerkrankungen und Blähungen begünstigen. Das Erhitzen bricht die Zellmembranen der Zellen auf und der Verdauung stehen mehr Nährstoffe zur Verfügung. Die Bioverfügbarkeit schwankt von Vitamin zu Vitamin: Vitamin C leidet unter Hitzeeinwirkung und wird durch roh verzehrtes Obst und Gemüse am ehesten aufgenommen, Vitamin E und Vitamin A jedoch stärker nach dem Erhitzen der Nahrung. Einige Pflanzen, z.B. Hülsenfrüchte, enthalten in roher Form Giftstoffe, die sich erst durch das Kochen entfernen lassen.

Wie kann man den Umstieg zur Rohkost gestalten?

Eine graduelle Umstellung ist empfehlenswert. Sich kleine Veränderungen vorzunehmen und sie in Fleisch und Blut übergehen zu lassen, bevor man sich an den nächsten Schritt wagt, kann hilfreich sein. Man könnte auch nach und verschiedene Mahlzeiten durch Rohkost ersetzen, zum Beispiel zunächst das Frühstück, dann das Mittagessen und schließlich das Abendessen. Ein wichtiger Tipp ist, dass man- wenn man noch Kochkost isst- die enzymreiche, leichter verdauliche Rohkost stets vor der erhitzten Nahrung verzehren sollte. Am besten jedoch in unterschiedlichen Mahlzeiten, da es blähende Kombinationen gibt. Obst ist am besten allein und auf leeren Magen verträglich. Eine Umstellung kann auch von einem Fasten eingeleitet sein. Für manche ist auch ein abrupter Umstieg leichter. Da Rohkost Heilwirkungen hat, können auch hier Reinigungsreaktionen auftreten.[3]

Eine Rohkostkur für 3 bis 4 Wochen ist für den Einstieg zum empfehlen. Viele erleben diese Zeit als so positiv, dass sie sich von der herkömmlichen Ernährung verabschieden und die rohköstliche Ernährungsform mehr oder weniger beibehalten. Auch einzelne Rohkosttage sind möglich. Erst die (probehalber?) volle Umstellung gibt einen vollen Eindruck, wie Rohkost auf den Organismus und die Energie wirkt. [1]

Grüne Smoothies- also Mischungen aus Gemüse, Obst und Wildkräutern sind sehr empfehlenswert und sehr praktikabel für den Beginn einer Rohkost-Ernährung. Das Pflanzengrün entgiftet, Obst süßt und sorgt für den leckeren Geschmack. Kopfsalat, Römersalat und Feldsalat können für den Anfang das Grüne im Smoothie sein. Spinat, Mangold, Grünkohl (also grünere Sorte) können folgen– danach kann man mit Wildkräutersmoothies (Brennessel, Giersch u.v.m.) experimentieren. Grüne Smoothies (die Verarbeitung im Hochleistungsmixer) imitieren auch das lange Kauen, was optimal ist, um Zellwände aufzureißen und das herauszuholen, was die Pflanze an Nährstoffen bereithält.

Rohkost- trendy? Eine kurze Geschichte

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Frühe Erfahrungen bei der Therapie von Krankheiten mit Rohkost-Ernährung wurden bereits in den 1920ern gemacht. Ärzte experimentierten erfolgreich mit Rohkost, um unter anderem rheumatische Erkrankungen, Hautkrankheiten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Nierenerkrankungen, Übergewicht und Fettleibigkeit zu heilen. [1] Dieser Ansatz setzte sich jedoch nicht durch. Ab den 1980ern gab es dann eine Widerbelebung der Rohkostbewegung, da Laien (Franz Konz, Helmut Wandmaker) Wissen über diese Ernährungsform verbreiteten.

Momentan ist Rohkost recht präsent, in Bio-Läden stößt man auf viele rohköstliche Produkte. Stars wie Hollywood-Schauspieler propagieren die Rohkost. Auch wenn wenige davon 100 Prozent Rohköstler sind, so sorgen sie für die Beliebtheit dieser Ernährungsweise.

Roh - Vegan trifft Ayurveda

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Ein Artikel von Julia Lang, aus dem Yoga Vidya Journal Nr.35 - Herbst 2017

Beim wundervollen Xperience Festival im August fanden etliche Interessenten keinen Platz mehr in der Seminarküche, als es darum ging, nur scheinbar Unvereinbares harmonisch zu verbinden. Roh- vegan und Ayurveda. Die Teilnehmer waren begeistert dabei, als es darum ging, doshagerechte Smoothies oder roh-veganen Käse mit ayuvedischen Gewürzen zu zaubern. Für viele Ayurvedis scheint hingegen schon vegan eine kaum zu bewältigende Herausforderung. Nicht erst seit die Begründerin des Jivamukti Yoga, Sharon Gannon, ihr letztes Buch, mit dem Titel: „Why a Yogi should be vegan“, veröffentlicht hat, wird mehr und mehr Yogis bewusst, dass sich die Ausbeutung von Tieren nicht mit einer yogischen Lebensweise vereinbaren lässt.

Die Ausbeutung von Mutter Erde und ihren Geschöpfen gehört dem alten Paradigma an, das uns an den Rand des Ruins gebracht hat und es ist Zeit für jene anarchistische, revolutionäre und radikale Geisteshaltung, mit der wir uns trauen, uns um das Wohlergehen anderer zu kümmern: Dare to care, wie Sharon Gannon es nennt, sehr schön erklärt von ihr im Veggie Channel auf Youtube.

Roh und vegan

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Wollen wir also die vedischen Geschwister Yoga und Ayurveda (Wissenschaft vom Leben) nicht separieren, kommen wir auch im Ayurveda um vegan nicht herum- aber roh? Yogisch passt das ja noch ganz gut, denn vitale Kost hat wesentlich mehr Prana (Energie) als gekochte. Nachweisbar ist das durch die Biophotonenmessung nach Prof. Fritz Albert Popp, bei der biologisch gewachsene Pflanzen besonders gut abschneiden. Im Ayurveda wird hingegen beharrlich hauptsächlich Kochkost empfohlen, obwohl er in seinen Ursprüngen selbst rohköstlich gewesen sein soll.

Da sich die Menschheit vor einigen tausend Jahren jedoch bereits weit in der Degeneration befand, wurde das Geschenk Indras wohl entsprechend angepasst. Bis die Menschen vor etwa 12.000 Jahren sesshaft wurden, verzehrten sie im Jahr 500 - 1000 unterschiedliche Pflanzen-(teile), kaum Tierisches, und sie waren offenbar viel gesünder und auch größer (Quelle: Kosmos Naturführer: „Unsere essbaren Wildpflanzen“). Ein degeneriertes Verdauungssystem, das nicht über ausreichend Agni (Verdauungsfeuer) verfügt, ist jedoch nicht in der Lage Rohkost, insbesondere auch Wildkräuter angemessen zu verstoffwechseln.

Es darf also erst einmal durch eine Darmsanierung, durch natürliche Prä- und Probiotika, die Zufuhr fehlender Vitamine und Spurenelemente und eine yogisch- ayurvedische Lebensweise, ein gut funktionierendes Mikrobiom im Darm installiert werden, welches dann dafür sorgt, dass vitale Kost auch mehr und mehr vertragen wird.

Während der Begriff Probiotika, die für unsere Gesundheit förderlichen Milchsäure-Bakterienstämme bezeichnet, ist mit dem Wort Präbiotika, z.B. Topinambur, Spargel, die Nahrung gemeint, die diese für ein aktives und langes Leben benötigen. Das Mikrobiom bezeichnet im weiteren Sinne die Gesamtheit aller den Menschen besiedelnden Mikroorganismen.

Dem Darmmikrobiom etwa werden neben der Verwertung der aufgenommenen Nahrung viele weitere wichtige Funktionen zugeschrieben, darunter die Synthese lebenswichtiger Vitamine wie B1, B2, B6, B12 und K, die Produktion kurzkettiger Fettsäuren, die Bekämpfung von Entzündungen, die Entgiftung von Fremdstoffen, die Stimulation des Immunsystems, die Verdrängung von Krankheitserregern und mehr.

Veränderungen des Darmmikrobioms stehen unter anderem mit Erkrankungen wie Darmentzündungen, Darmtumoren und Darmkrebs, Adipositas, metabolischem Syndrom, Arthritis und auch Autismus und Morbus Alzheimer in Zusammenhang.

Zubereitung lebendiger Nahrung

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Gabriel Cousins, praktischer Arzt und Psychiater, der sich in seinem Tree of Life Rejuvenation Center in Arizona besonders mit der Wechselbeziehung von lebendiger Nahrung und spirituellem Sein beschäftigt, hat unter anderem das lesenswerte Buch: „Die Kunst der Zubereitung lebendiger Nahrung“ geschrieben. Eines der wenigen Bücher zum Thema Ayurveda roh-vegan. Die sehr einfach gehaltenen Rezepte sind jeweils mit Bemerkungen zu ihrer Wirkung auf die Doshas (individuelle Konstitution) Vata, Pitta, Kapha und zum Einfluss auf den Säure-Basenhaushalt versehen.

Auch die Wirkung von Gewürzen, z.B. Asafoetida zur Vermeidung von Blähungen bei Kohlgerichten für Vata Typen, oder Fenchel und Cumin als sanfte Agni Anreger für alle Doshas, wird ausführlich besprochen und es wird ein guter Eindruck davon vermittelt, wie durch geschickte Kombination, Anwärmen, Einweichen etc. eine harmonische Wirkung erzielt werden kann.

Lediglich die Kombination von frischem Obst mit Saaten und Ähnlichem würde ich eher nicht empfehlen. Frisches Obst sollte lediglich mit grünem Blatt, also Salat, Spinat, Kräutern, Wildkräutern, auch Gersten- und Weizengras sowie Mikroalgen, gemischt werden. Selbstverständlich nicht alles auf einmal. Ein solcher Smoothie könnte dann durch warmes Wasser und wärmende Gewürze, wie Zimt und Kardamom, auch für Vata Menschen gut verdaulich werden.

Wie schön, dass der Ayurveda so lebendig und dadurch auch mit roh-vegan kompatibel ist, da er ausdrücklich auf die jeweilige Zeit, den Ort und den Menschen individuell angepasst werden soll und kann.

Rezept

Detox Smoothie für alle Doshas

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  • 1 Birne (für Vata ohne Schale) oder ein Apfel
  • Einige achtsam gepflückte Brennnesselspitzen und kleine Löwenzahnblätter
  • 1 TL Chlorella

(wenn kein Amalgam im Mund ist, sonst Spirulina oder Afa)

  • Je eine Prise Pippali

(langer Pfeffer), schwarzer Pfeffer, Zimt und Kardamom

  • Etwas Wasser

(für Vata und Kapha warm)

Nachdem alles im Mixer püriert wurde, wird der Smoothie sofort verzehrt, wobei jeder Schluck gut gekaut, sprich eingespeichelt wird.

Siehe auch

Fußnoten

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Vebu: Rohköstliche Ernährung
  2. Rohkost-Wiki: Für die Rohkost ungeeignete Lebensmittel
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 Vegetarische Initiative: Rohkost
  4. 4,0 4,1 Roh macht froh: Roh-warum eigentlich
  5. 5,0 5,1 5,2 Heilkost: Warum Rohkost
  6. Jane Goodall: »The Chimpanzees of Gombe«, Harvard University Press, Cambridge, S. 233
  7. Spiegel online: Der Nase nach
  8. Rohkostwiki: Die instinktive Sperre

Weblinks

Literatur

Seminare

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