Ishavasya Upanishad

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Ishavasya Upanishad (Sanskrit: इस्हावास्य उपनिस्हद् īśāvāsyopaniṣad f. < īśā vāsya + upaniṣad; īśopaniṣad f. < īśā + upaniṣad). Die Ishavasya Upanishad (auch Isha Upanishad) ist eine der kürzeren klassischen Upanishaden, sie besteht aus 18 Versen bzw. Mantren und wird dem weißen Yajurveda zugeordnet. Sie erhielt ihren Namen von den Sanskritwörtern īśā vāsya ("vom Herrn umhüllt") bzw. īśā ("vom Herrn"), mit denen sie beginnt.

Die Ishavasya Upanishad gehört zu den Vedanta Upanishaden. Sie gilt aus Shruti (Śruti), also offenbarte Schrift. Die Ishavasya Upanishad ist das letzte Kapitel des Shukla Yajurveda. Sie gehört zu den Mukhya Upanishaden, zu den zehn wichtigsten Upanishaden, die alle von Shankaracharya kommentiert wurden.

"Vom Herrn ist dieses alles umhüllt, was auch immer sich bewegt in der Welt. In der Loslösung (von der Welt) magst du Freude finden. Begehre wahrlich nicht irgendjemandes Besitz." Zitat: Ishavasya Upanishad

Inhalt der Ishavasya Upanishad

In der Ishavasya Upanishad werden Philosophie, Religion, Rituale und Metaphysik behandelt.

Essenz der Ishavasya Upanishad von Swami Sivananda

Swami Sivananda

Swami Sivananda hat die Ishavasya Upanishad zusammengefasst. Er hat einige Verse ins Englische übersetzt, und andere Teile in eigene Worte in Versform gefasst. So bekommst du einen guten Überblick und Verständnis darüber, worum es in der Ishavasya Upanishad geht:

Shanti Mantra

Das folgende Mantra ist dieser Upanishad vorangestellt:

ॐ पूर्णमदः पूर्णमिदं पूर्णात्पुर्णमुदच्यते |

पूर्णश्य पूर्णमादाय पूर्णमेवावशिष्यते ||

ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ||

oṃ pūrṇam adaḥ pūrṇam idaṃ pūrṇāt pūrṇam udacyate |

pūrṇasya pūrṇam ādāya pūrṇam evāvaśiṣyate||

oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ||

Die Gesamtheit (wörtl.: Fülle) ist all Jenes. Die Gesamtheit ist all Dieses. Die Gesamtheit wurde aus der Gesamtheit geboren. Wenn man von der Gesamtheit die Gesamtheit wegnimmt, verbleibt die Gesamtheit.

Om Friede! Friede!! Friede!!!

Ishavasya Upanishad

Das erste Mantra dieser Upanishad lautet wie folgt:


ईशा वास्यमिदं सर्वं यत्किञ्च जगत्यां जगत् |

तेन त्यक्तेन भुञ्जीथा मा गृधः कस्य स्विद्धनम् || 1 ||

īśā vāsyam idaṃ sarvaṃ yat kiñ ca jagatyāṃ jagat |

tena tyaktena bhuñjīthā mā gṛdhaḥ kasya svid dhanam || 1 ||

Vom Herrn ist dieses alles umhüllt, was auch immer sich bewegt in der Welt.

In der Loslösung (von der Welt) magst du Freude finden. Begehre wahrlich nicht irgendjemandes Besitz.

Ehrerbietung den Upanishaden

1. Grüße an alle Brahma Vidya Gurus oder diejenigen, die das Wissen über Brahman empfangen.

2. Ehrbezeugungen an Satchidananda Para Brahman, der die Stütze, Basis und Quelle aller Dinge ist.

3. Der Höhepunkt der Weisheit der Weisen wird in den Upanishaden gefunden.

4. Die Upanishaden lehren die Philosophie der absoluten Einheit.

5. Das Wissen der Upanishaden zerstört Unwissenheit, die Saat von Samsara.

6. Hinter den Namen und Formen, dort verweilt das Ewige, unendliche Satchidananda Brahman.

7. Diese Welt wird bewohnt vom Para Brahman oder dem Absoluten.

8. Entsage allen Begierden. Entsage Egoismus, Selbstsucht und der Identifikation des Selbst mit dem Körper (Deha Adhyasa). Nur dann wirst du Moksha oder Befreiung erlangen.

9. Das Verlangen nach Befreiung wird alle weltlichen Begierden zerstören.

10. Vollziehe religiöse Rituale und tägliche Pflichten ohne Erwartungen an Ergebnisse.

11. Tue beständig selbstlose Dienste an der Menschheit mit Atma Bhava, dein Herz wird sich dadurch reinigen. Einzig dann wird Atmajnana in deinem Herzen erwachen.

12. Handlungen werden dich nicht binden, wenn du sie ohne Egoismus und der Erwartung an Ergebnisse vollführst.

Natur des Atman

13. Dieser Atman ist bewegungslos, aber schneller als der Geist; weil er allesdurchdringend und alles-erfüllend ist.

14. Bevor der Geist eine Ebene erreicht, ist der Atman bereits dort, da er allesdurchdringend und unendlich ist.

15. Der Atman ist weit und er ist nah. Er ist inmitten von all dem und außerhalb von all dem.

16. Er ist fern für die Unwissenden. Er ist sehr fern für jene, die in Weltlichkeit eingetaucht sind. Er ist sehr nah für den Nachforschenden, für jenen, der mit einem reinen Geist und den vier Hilfsmitteln der Erlösung ausgestattet ist.

17. Der Atman ist sehr subtil. Er ist Antaratma, das innere Selbst aller Wesen. Er erfüllt und bedeckt alle Dinge. Er ist voll. Aus diesem Grund ist er inmitten und außerhalb.

18. Der Atman ist das Substrat oder die Unterstützung (Adhishthana) aller Wesen.

19. Der Weise sieht alle Wesen im Atman und den Atman in allen Wesen.

20. Er, der den Atman als alles durchdringend sieht, und Alles im Atman, hat nicht den Wunsch, sich zu beschützen, da er vor niemandem Angst hat.

21. Ein Weiser, der den Atman erkannt hat, erblickt dass alle Objekte und alle Wesen von seinem eigenen Selbst nicht fern sind und dass sein Atman der Atman aller ist.

22. Der Atman ist das gemeinsame Bewusstsein in allen Wesen.

23. Der Atman ist der Selbe im König und im Bauern, dem Heiligen und dem Sünder, dem Schuster und dem Friseur, der Ameise und dem Elefanten, dem Baum und dem Stein.

24. Wie kann diese befreite Seele, die in ihrem eigenen Atman verweilt und die ein erhabenes, kosmisches Bewusstsein besitzt von irgendeinem Wesen oder Objekt mit einem Gefühl der Abstoßung zurückweichen? Wie kann er etwas nicht mögen? Wie kann er etwas hassen?

25. Ausschließlich Intellektuelle stimmen zu, dass das eine Selbst in allen Wesen verweilt, dass dies nicht ausreicht. Wirkliche Selbsterkenntnis oder direkte Wahrnehmung, Aparoksha Anubhava ist unbedingt erforderlich.

26. Der Kenner des Brahman wird furchtlos. Der Kenner des Brahman transzendiert Verwirrung und Sorge.

27. Die drei Knoten des Herzens (Hridaya Granthi), Avidya (Unwissenheit), Kama (Verlangen) und Karma (Handlung) werden durch das Wissen um Brahman entzwei gerissen. Der Wissende wird absolut frei.

28. Ein Wissender frohlockt beständig in der Glückseligkeit des Atman. Sogar die schwersten Sorgen können ihn nicht erschüttern.

29. Dieser Atman ist alles durchdringend, hell, körperlos, rein, unberührt durch böse oder sündige Handlungen, allwissend, transzendent, aus sich selbst entstammend oder selbst-existent. Er ist ohne Nerven und ohne Muskeln.

30. Dieser Atman ist ohne physikalischen Körper, Astralkörper und Kausalkörper.

31. Der Atman ist unabhängig. Er benötigt nie einen Anderen.

32. Der Atman ist jenseits der Sinne und des Geistes.

33. Der Atman ist der Geist des Geistes, Ohr der Ohren.

34. Hinter dem Atem, den Sinnen, dort ist der höchste Brahman oder das Absolute.

35. Durch das Licht des Brahman allein funktionieren der Geist, das Prana und die Sinne.

Grundlagen von Brahma Jnana

36. Wenn Karma ohne die Erwartung an Früchte vollzogen wird, reinigt es den Geist und generiert im Aspiranten ein starkes Verlangen nach der letztlichen Emanzipation.

37. Das Verlangen, Brahman zu kennen und Freiheit von Geburten und Tod zu erlangen kann nur in der Person erwachen, die mit einem reinen und ruhigen Geist ausgestattet ist, die begierdenlos und von den Sinnesobjekten der illusionären Welt angewidert ist.

38. Nur durch logische Diskussion kann Brahman nicht erlangt werden.

39. Die Srutis sagen: Um Brahman zu erkennen, lasst den Aspiranten sich mit Opferungsstäben (Samit) in der Hand, einen vorbildlichen Menschen, der in den Veden versiert ist und der in Brahman ruht, nähern.

40. Die Srutis sagen: Derjenige weiß, der unter einem Vorbild studiert hat.

41. Nur jenes Wissen, welches durch das Studium bei einem Vorbild erlangt wurde, ist gut.

42. Wenn man Wissen über Brahman erlangt, dann wird Avidya oder Unwissenheit, die der Sitz der Bindung und die Ursache für Karma, welches um der Erlangung von Objekten der Begierde willen ausgeführt wird, vollständig zerstört.

43. Die Srutis sagen: Es gibt weder Sorge noch Verwirrung für den Kennenden des Selbst, der den einen Atman überall sieht. Er, der den Atman kennt, geht jenseits der Sorge.

44. Moksha kann nicht durch Karma oder Wissen kombiniert mit Karma erlangt werden. Jnana alleine kann Moksha gewähren. Karma reinigt den Geist und hilft.

Aus Swami Sivananda: Essence of Principle Upanishads, Divine Life Society Sivananda Ashram Rishikesh

Die Ishavasya Upanishad des weißen Yajurveda - Erläuterungen nach Paul Deussen

Artikel aus „Upanishaden. Die Geheimlehre des Veda“ in der Übersetzung von Paul Deussen, herausgegeben von Peter Michel, Marix Verlag, 2. Auflage, 2007, Wiesbaden, S. 334f.

Diese kostbare kleine Upanishad, welche nach ihrer Stellung im Veda Vajasaneyi-Samhita-Upanishad, oder gewöhnlicher, nach den Anfangsworten, Isa oder Isavasya Upanishad benannt wird, pflegt meistens in indischen Sammlungen die Reihe der Upanishaden als erste zu eröffnen, - historisch betrachtet, trotz ihrer Stellung in einer Samhita, sehr mit Unrecht, da sie einer ziemlich späten Entwicklungsstufe angehört, sachlich aber nicht unpassend, sofern sie einen vortrefflichen Blick auf die Grundlehren der Vedantaphilosophie bietet. Ihrer Zeit nach berührt sie sich mit den spätesten Teilen von Brihadaranyaka, knüpft Vers 9-11 allem Anschein nach an Kena 3b an, erinnert in Vers 3 an Chand. 8,8,5, erscheint in vielen Punkten entwickelter als die Kathaka Upanishad, mit der sie in Vers 8 in einem wichtigen Gedanken (vgl. Kath. 5,13) zusammentrifft, dürfte aber wiederum älter als Svetasvatara Upanishad sein, zu der sie nach der ethischen Seite hin eine wertvolle Ergänzung liefert, ohne an deren häretischen Neigungen teilzunehmen. Die Gründe hierfür werden sich weiterhin ergeben. - Der Grundgedanke besteht in einer Schilderung dessen, der sich als den Atman weiß (Vers 1-2. 6-7. 11. 14), im Gegensatz zu denen, welche auf dem Standpunkt der individuellen Erkenntnis verharren (Vers 3. 9-10. 12-13). Diese Gegenüberstellung wird wiederholt (Vers 4-5. 8) durchbrochen von einer Schilderung der widerspruchsvollen Natur des Atman und beschlossen (Vers 15-18) mit einem Ausblick ins Eschatologische.

1-2. Ethisches Verhalten des Atmanwissers.
3. Verblendung des Nichtwissenden.
4-5. Schilderung des Atman.
6-7. Seligkeit des Atmanwissers.
8. Nochmals der Atman.
9-11. Verwerfung der Avidya und Vidya.
12-14. Bekämpfung des Werdens (Entstehens und Vergehens).
15-18. (s. Brih. 5,15). Ausblick ins Jenseits.

Vers 1-2: Ethisches Verhalten des Atmanwissers. Nachdem die Annahme der Vielheit schon Brih. 4,4,19 (Kath. 4,10-11) aufs schärfste verurteilt war, fordert unsere Upanishad, hierauf fußend, in den Anfangsworten auf, die ganze vielheitliche Welt in dem Abgrund der göttlichen Einheit zu versenken (wörtlich: mit Gott zu umkleiden oder zu überdecken). In diesem Verzichten auf die vielheitliche Welt liegt der wahre Genuß (wie schon Brih. 5,12 an dem Worte Vi-ram entwickelt wurde), nicht in dem Urachten nach fremdem Gut. Wer so steht (Evam Tvayi), der mag immerhin sein Werk treiben und sich volle Lebensdauer wünschen: ihm klebt kein Werk an. Dieser Gedanke ist ein großer Schritt über die Brih. 3,5. 4,4,22 herrschenden Anschauungen hinaus. Dort wird eine praktische Durchführung der Weltentsagung verlangt; unsere Stelle gestattet den Lebensgenuß, wenn nur die Gesinnung eine entsagende ist. Es ist dies derselbe Schritt, der über Johannes den Täufer hinaus von Jesu (Ev. Matth. 11,18-19), und, in anderer Hinsicht, über die Kyniker hinaus von den Stoikern vollzogen wurde.

Übersetzung der 18 Verse Ishavasya Upanishad

Die Isha-Upanishad des weißen Yajurveda

1. In Gott versenke dies Weltall
Und alles, was auf Erden lebt!
Wer ihm entsagt, genießt wahrhaft;
Nach fremdem Gute giere nicht.
2. Mag immerhin, sein Werk treibend,
Hundert Jahre man wünschen sich!
Drum steht's, wenn so du, nicht anders;
Werkbefleckung klebt dir nicht an.
3. Ja, dämonisch ist dies Weltall,
Von blinder Finsternis bedeckt!
Darein geh'n nach dem Tod alle,
Die ihre Seele mordeten.
4. Eins, ? ohne Regung und doch schnell wie Denken, ?
Hinfahrend, nicht von Göttern einzuholen, ?
Stillstehend überholt es alle Läufer, ?
Ihm wob schon die Urwasser ein der Windgott.
5. Rastend ist es und doch rastlos,
Ferne ist es und doch so nah!
In allem ist es inwendig,
Und doch außerhalb allem da.
6. Doch wer die Wesen hier alle
Wiedererkennt im eignen Selbst
Und sich in allem, was lebet,
Der ängstigt sich vor keinem mehr.
7. Wo zu den Wesen hier allen
Das Selbst ward des Erkennenden, ?
Wo wäre Wahn, und wo Kummer
Für ihn, der so die Einheit schaut?
8. Er streckt sich ringshin, körperlos und sehnenlos,
Rein, lauter, unverwundbar, frei vom Übel.
Vorschauend, durch sich selbst nur, allumfassend,
Hat jedem nach der Art die Zwecke er für ew'ge Zeiten vorgezeich-net.
9. In blinde Finsternis fahren,
Die dem Nichtwissen huldigen;
In blindere wohl noch jene,
Die am Wissen genügten sich.
10. Anders als, wozu führt Wissen,
Und wozu führt Nichtwissen, ist's!
So haben von den Altmeistern
Die Lehre überkommen wir.
11. Wer das Wissen und Nichtwissen
Beide (als unzulänglich) weiß,
Der überschreitet durch beides
Den Tod und hat Unsterblichkeit.
12. In blinde Finsternis eingeht,
Wer ein Werden zu Nichts geglaubt,
In blindere wohl noch jener,
Der ein Werden zu Etwas glaubt.
13. Verschieden ist es von Werdung,
Von Nichtswerdung verschieden auch,
So haben von den Altmeistern
Die Lehre überkommen wir.
14. Wer Werden und Zunichtwerden
Beide (als nicht vorhanden) weiß,
Der überschreitet durch beides
Den Tod und hat Unsterblichkeit.
15. Mit einer Schale ganz aus Gold
Ist zugedeckt der Wahrheit Mund;
O öffne, Pushan, diese mir,
Dem Wahrheitstreuen mach' sie kund.
16. O Pushan, einiger Seher, o Yama, Sonnengott, Prajapatis Sohn! zerteile deine Strahlen, schließ zusammen deine Herrlichkeit; ? ja, ich sehe sie, deine lieblichste Gestalt; und jener dort, der Mann dort, ich bin es selbst!
17. Nun werde, Hauch, zum Winde, dem unsterblichen, und dieser Leib mag endigen in Asche!
Om!
O Geist, gedenk! des Werks gedenk!
O Geist, gedenk! des Werks gedenk!
18. O Agni, führe uns auf ebenen Stegen,
Du pfadekundiger Gott, hin zum Gelingen!
Halt fern uns von der Sünde krummen Wegen!
Und höchste Ehre wollen wir dir bringen.

Ishavasya Upanishad Sanskrit Text

Ishopanishad auf Devanagari

ईशोपनिषत्

ॐ पूर्णमदः पूर्णमिदं पूर्णात् पूर्णमुदच्यते ।
पूर्णस्य पूर्णमादाय पूर्णमेवावशिष्यते ॥
ॐ शांतिः शांतिः शांतिः ॥
॥ अथ ईशोपनिषत् ॥
ॐ ईशा वास्यमिदṃ सर्वं यत्किञ्च जगत्यां जगत् ।
तेन त्यक्तेन भुञ्जीथा मा गृधः कस्यस्विद्धनम् ॥ १॥
कुर्वन्नेवेह कर्माणि जिजीविषेच्छतṃ समाः ।
एवं त्वयि नान्यथेतोऽस्ति न कर्म लिप्यते नरे ॥ २॥
असुर्या नाम ते लोका अन्धेन तमसाऽऽवृताः ।
ताṃस्ते प्रेत्याभिगच्छन्ति ये के चात्महनो जनाः ॥ ३॥
अनेजदेकं मनसो जवीयो नैनद्देवा आप्नुवन्पूर्वमर्षत् ।
तद्धावतोऽन्यानत्येति तिष्ठत्तस्मिन्नपो मातरिश्वा दधाति ॥ ४॥
तदेजति तन्नैजति तद्दूरे तद्वन्तिके ।
तदन्तरस्य सर्वस्य तदु सर्वस्यास्य बाह्यतः ॥ ५॥
यस्तु सर्वाणि भूतान्यात्मन्येवानुपश्यति ।
सर्वभूतेषु चात्मानं ततो न विजुगुप्सते ॥ ६॥
यस्मिन्सर्वाणि भूतान्यात्मैवाभूद्विजानतः ।
तत्र को मोहः कः शोक एकत्वमनुपश्यतः ॥ ७॥
स पर्यगाच्छुक्रमकायमव्रण-
मस्नाविरṃ शुद्धमपापविद्धम् ।
कविर्मनीषी परिभूः स्वयम्भू-
र्याथातथ्यतोऽर्थान् व्यदधाच्छाश्वतीभ्यः समाभ्यः ॥ ८॥
अन्धं तमः प्रविशन्ति येऽविद्यामुपासते ।
ततो भूय इव ते तमो य उ विद्यायाṃ रताः ॥ ९॥
अन्यदेवाहुर्विद्ययाऽन्यदाहुरविद्यया ।
इति शुश्रुम धीराणां ये नस्तद्विचचक्षिरे ॥ १०॥
विद्यां चाविद्यां च यस्तद्वेदोभयṃ सह ।
अविद्यया मृत्युं तीर्त्वा विद्ययाऽमृतमश्नुते ॥ ११॥
अन्धं तमः प्रविशन्ति येऽसम्भूतिमुपासते ।
ततो भूय इव ते तमो य उ सम्भूत्याṃ रताः ॥ १२॥
अन्यदेवाहुः सम्भवादन्यदाहुरसम्भवात् ।
इति शुश्रुम धीराणां ये नस्तद्विचचक्षिरे ॥ १३॥
सम्भूतिं च विनाशं च यस्तद्वेदोभयṃ सह ।
विनाशेन मृत्युं तीर्त्वा सम्भूत्याऽमृतमश्नुते ॥ १४॥
हिरण्मयेन पात्रेण सत्यस्यापिहितं मुखम् ।
तत्त्वं पूषन्नपावृणु सत्यधर्माय दृष्टये ॥ १५॥
पूषन्नेकर्षे यम सूर्य प्राजापत्य
व्यूह रश्मीन् समूह तेजः ।
यत्ते रूपं कल्याणतमं तत्ते पश्यामि
योऽसावसौ पुरुषः सोऽहमस्मि ॥ १६॥
वायुरनिलममृतमथेदं भस्मांतṃ शरीरम् ।
ॐ क्रतो स्मर कृतṃ स्मर क्रतो स्मर कृतṃ स्मर ॥ १७॥
अग्ने नय सुपथा राये अस्मान्
विश्वानि देव वयुनानि विद्वान् ।
युयोध्यस्मज्जुहुराणमेनो
भूयिष्ठां ते नमौक्तिं विधेम ॥ १८॥
॥ इति ईशोपनिषत् ॥

Isha Upanishad in römischer Schrift (IAST Transliteration):

īśopaniṣat

oṃ pūrṇamadaḥ pūrṇamidaṃ pūrṇāt pūrṇamudacyate ।
pūrṇasya pūrṇamādāya pūrṇamevāvaśiṣyate ॥
oṃ śāṃtiḥ śāṃtiḥ śāṃtiḥ ॥
॥ atha īśopaniṣat ॥
oṃ īśā vāsyamidaṃ sarvaṃ yatkiñca jagatyāṃ jagat ।
tena tyaktena bhuñjīthā mā gṛdhaḥ kasyasviddhanam ॥ 1॥
kurvanneveha karmāṇi jijīviṣecchataṃ samāḥ ।
evaṃ tvayi nānyatheto'sti na karma lipyate nare ॥ 2॥
asuryā nāma te lokā andhena tamasāvṛtāḥ ।
tāṃste pretyābhigacchanti ye ke cātmahano janāḥ ॥ 3॥
anejadekaṃ manaso javīyo nainaddevā āpnuvanpūrvamarṣat ।
taddhāvato'nyānatyeti tiṣṭhattasminnapo mātariśvā dadhāti ॥ 4॥
tadejati tannaijati taddūre tadvantike ।
tadantarasya sarvasya tadu sarvasyāsya bāhyataḥ ॥ 5॥
yastu sarvāṇi bhūtānyātmanyevānupaśyati ।
sarvabhūteṣu cātmānaṃ tato na vijugupsate ॥ 6॥
yasminsarvāṇi bhūtānyātmaivābhūdvijānataḥ ।
tatra ko mohaḥ kaḥ śoka ekatvamanupaśyataḥ ॥ 7॥
sa paryagācchukramakāyamavraṇa-
masnāviraṃ śuddhamapāpaviddham ।
kavirmanīṣī paribhūḥ svayambhū-
ryāthātathyato'rthān vyadadhācchāśvatībhyaḥ samābhyaḥ ॥ 8॥
andhaṃ tamaḥ praviśanti ye'vidyāmupāsate ।
tato bhūya iva te tamo ya u vidyāyāṃ ratāḥ ॥ 9॥
anyadevāhurvidyayā'nyadāhuravidyayā ।
iti śuśruma dhīrāṇāṃ ye nastadvicacakṣire ॥ 10॥
vidyāṃ cāvidyāṃ ca yastadvedobhayaṃ saha ।
avidyayā mṛtyuṃ tīrtvā vidyayā'mṛtamaśnute ॥ 11॥
andhaṃ tamaḥ praviśanti ye'sambhūtimupāsate ।
tato bhūya iva te tamo ya u sambhūtyāṃ ratāḥ ॥ 12॥
anyadevāhuḥ sambhavādanyadāhurasambhavāt ।
iti śuśruma dhīrāṇāṃ ye nastadvicacakṣire ॥ 13॥
sambhūtiṃ ca vināśaṃ ca yastadvedobhayaṃ saha ।
vināśena mṛtyuṃ tīrtvā sambhūtyā'mṛtamaśnute ॥ 14॥
hiraṇmayena pātreṇa satyasyāpihitaṃ mukham ।
tattvaṃ pūṣannapāvṛṇu satyadharmāya dṛṣṭaye ॥ 15॥
pūṣannekarṣe yama sūrya prājāpatya
vyūha raśmīn samūha tejaḥ ।
yatte rūpaṃ kalyāṇatamaṃ tatte paśyāmi
yo'sāvasau puruṣaḥ so'hamasmi ॥ 16॥
vāyuranilamamṛtamathedaṃ bhasmāṃtaṃ śarīram ।
oṃ krato smara kṛtaṃ smara krato smara kṛtaṃ smara ॥ 17॥
agne naya supathā rāye asmān
viśvāni deva vayunāni vidvān ।
yuyodhyasmajjuhurāṇameno
bhūyiṣṭhāṃ te namauktiṃ vidhema ॥ 18॥
॥ iti īśopaniṣat ॥

Ishavasya Upanishad Vers für Vers: Sanskrit Text, Übersetzungen, Wort-für Wort-Übersetzung

Hier die Ishavasya Upanishad mit

  • Sanskrit Text (IAST)
  • Übersetzung aus dem Englischen in Anlehnung an Stephanie Simoes Übersetzung ins Englische "Iśa Upaniṣad - Word-for-Word Translation with Transliteration and Grammatical Notes"
  • Übersetzung aus dem Englischen "Principal Upanishads" von Swami Sivananda
  • Wort-für-Wort-Übersetzung in Anlehnung an Stephanie Simoes Übersetzung ins Englische "Iśa Upaniṣad - Word-for-Word Translation with Transliteration and Grammatical Notes"
  • Kommentar von Swami Sivananda aus dem Buch "Principal Upanishads"

Einleitung von Swami Sivananda

Die Ishavasya Upanishad, auch geschrieben Isha Upanishad, Ishopanishad, Ishavasyopanishad, ist eine besonders schöne Upanishad. Die erste Zeile des ersten Mantra „Iishavasyamidam sarvam – Diese ganze Welt wird durch den Herrn eingehüllt“ ruft im Geist des Lesers ein elektrisierendes Gefühl hervor. Schon die Meditation über allein diese eine Idee wird zum Erreichen des Wissens über das Selbst führen. Wer über die Bedeutung dieser ersten Zeile kontempliert, wird ein Seher der Einheit, ein Wissender des Selbst. Er wird eine unmittelbare Sicht auf die Realität und eine innere Erleuchtung erfahren. Diese Upanishad, so scheinbar einfach und einsichtig, gehört in Wahrheit zu denen, die am schwierigsten zu verstehen sind.

Der Sucher sollte zu den Lotus-Füßen eines erfahrenen Lehrers sitzen, einem Brahma Shrotri, einem Brahma Nishta Guru, und diese Upanishad mit einem konzentrierten und reinen Geist studieren. Dann wird alles sehr klar werden. Der Leser sollte versuchen, die Bedeutung der Begriffe zu erfassen: Vidya, Avidya, Sambhuti, Asambhuti, Vinasha, Tod, Unsterblichkeit, Krato usw. Unsterblichkeit bedeutet hier relative Unsterblichkeit, nicht absolute Unsterblichkeit.

Diese Upanischad schreibt zwei Pfade vor: den Pfad der Entsagung, Jnana Yoga für Sannyasins, und den Pfad der Handlung, Karma Yoga, für diejenigen, die der Welt nicht entsagen können. In der Upanischad wird erwähnt, dass es wünschenswert ist, Karma mit der Verehrung einer Gottheit (niedere Art des Wissens um Gott) zu verbinden und die Verehrung von Hiranyagarbha mit der Verehrung des Avyaktam, der ungeborenen Prakriti (Natur). Lebe im Geist dieser Upanischad! Verwirkliche das Selbst. Erfreue dich im Sat-Chit-Ananda-Atman. Möge der Segen der Seher der Upanischad auf euch allen ruhen!

Shanti Mantra

oṃ pūrṇamadaḥ pūrṇamidaṃ pūrṇāt pūrṇamudacyate ।
pūrṇasya pūrṇamādāya pūrṇamevāvaśiṣyate ॥
oṃ śāṃtiḥ śāṃtiḥ śāṃtiḥ ॥

Das Ganze ist all Das. Das Ganze ist all Dies. Das Ganze wurde aus dem Ganzen geboren. Das Ganze aus dem Ganzen genommen – was bleibt, ist das Ganze.

  • pūrṇa gefüllt, voll, ganz, n. Volles, Fülle
  • adas n. jenes, hier im Sinne des Jenseitigen
  • idam n. dieses, hier im Sinne dieser Welt
  • ud-acyate (ac/añc) es erhebt sich, kommt hervor
  • ā-dāya (dā) genommen habend
  • eva betont das vorhergehende Wort
  • ava-śiṣyate (śiṣ) wird übrig gelassen.

Kommentar Swami Sivananda: Jeder Veda hat seine eigene Friedens-Anrufung für seine Upanishaden. Diese Anrufungen werden am Beginn und am Ende der Upanischade rezitiert. In dieser, eben zitierten, Anrufung wird die Einheit des Universums mit Brahman ganz wundervoll beschrieben.


1. Vers Ishavasya Upanishad

īśāvāsyamidaṃ sarvaṃ yatkin͂ca jagatyāṃ jagat
tena tyaktena bhuñjīthā mā gṛdhaḥ kasyasviddhanam


Übersetzung 1: All dies – was immer sich in diesem Universum bewegt (und auch, was sich nicht bewegt) – ist bedeckt (bewohnt, durchdrungen, umhüllt oder bekleidet) durch den Herrn. Nachdem du dem entsagt hast, freue dich daran. Begehre nicht den Reichtum von irgendjemandem.

Übersetzung 2: Vom Herrn bewohnt ist dies alles, in allem, was sich bewegt, das Bewegte. Du solltest mit den Entsagten genießen; begehre nicht den Reichtum anderer.

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • īśā (m. inst. sing. īś): durch den Herrscher, Meister, Herrn.
  • āvāsyam (n. nom. sing. āvāsya): bewohnt von; voll von.
  • idam (n. nom. sing. pron. idam): dies.
  • sarvam (n. nom. sing. pronominales Adj. sarva): ganz, vollständig, alles, jedes.
  • yat kim ca (Ausdruck): was auch immer.
  • jagatyām (f. loc. sing. jagatī; von √gam): in der Bewegung, beweglich, lebendig.
  • jagat (mn. nom. sing. jagat; von √gam): in Bewegung, beweglich, lebendig; die Menschheit; die Welt.
  • tena (mn. ins. sing. pron. tad): mit/bei diesem.
  • tyaktena (mn. ins. sing. tyakta; pass. p. √tyaj): mit/durch das Verlassene, Überlassene, Verzichtete.
  • bhun͂jīthāḥ (2. Sing. opt. Ᾱ. √bhuj): man sollte/könnte/darf genießen.
  • mā (ind.): nicht; nicht; nein.
  • gṛdhaḥ (2. Sing. Inj. P. √gṛdh): du begehrst, bemühst dich zu gewinnen.
  • kasya-svid: von jemandem, von jemandem.
  • kasya (mn. gen. sing. kim/ka): wessen?
  • svid (ind.): ein Fragepartikel; ein Wort, das den vorangehenden Fragesatz unbestimmt macht.
  • dhanam (n. acc. sing. dhana): Preis, Beute, Reichtum, Reichtümer, Schatz, Eigentum.


Kommentar Swami Sivananda:

Dieses erste Mantra befasst sich mit Jnaana-Nishta. Es ist gerichtet an diejenigen, die sich bemühen, Wissen um Brahman oder Aatma-Jnaana zu erreichen. Dies ist der Nivritti Marga für Sannyasins, oder der Weg der Entsagung.

Das Wort Iisha kommt von dem Verb Ishte – herrschen. Es bedeutet: „durch den Herrn“. Der Herr, Ishvara, beherrscht die ganze Welt. Er ist der höchste Regent. Vasyam bedeutet: „umhüllt sein“ oder auch „bewohnt sein“. Shankara erklärt, dass man das Gefühl der Wirklichkeit dieser in Wahrheit unwirklichen Welt verlieren sollte, indem man Brahman erkennt – mit dem Verständnis: „Ich allein bin all dies, da ich das innere Selbst von allem bin“.

Diese Welt aus Nama, Rupa, Kriya und Guna (Name, Form, Handlung und Eigenschaft) ist überlagert oder aufgesetzt auf den Aatman (das Selbst), durch Avidya, Unwissenheit. Dadurch ist Dualität zutage getreten. Es sind Täter, Erfahrender, Wissender, Gewusstes, Sehender, Gesehenes, Subjekt, Objekt etc. entstanden. Wer über das Selbst als Paramatman oder reines Brahman kontempliert, wird ganz sicher den drei Arten von Wünschen entsagen, nämlich Kinder, Reichtum, Namen und Ansehen. Tena tyaktena bedeutet: „durch eine solche Entsagung“. Tyaktena heißt „Entsagung“. Shankara nimmt es als Substantiv. Svit ist ein Partizip ohne Bedeutung. Da die Welt also ohne Realität ist und die Objekte ohne Wert – worin könnte also der Sinn liegen, den Reichtum anderer zu begehren? Absehen davon, wirst du den höchsten, unvergänglichen Reichtum des Atman durch Selbstverwirklichung gewinnen.

Verzichte auf die (Wünsche der) Welt. Verzichte auf die Wünsche der anderen Welt. Entsage dem Egoismus, der Selbstsucht und der Idee des Körpers (deha-adhyaasa). Verzichte auf den Wunsch nach Befreiung. Entsage selbst der Entsagung (tyaaga abhimaana). Dann wirst du Das werden. Dann wirst du in Ihm selbst sein. „Brahmavid Brahmaiva bhavati – wer Brahman kennt, wird selbst Brahman“. Der Wunsch nach Befreiung wird alle weltlichen Wünsche vernichten. Du musst sogar dem Wunsch nach Befreiung entsagen. „Na karmena na prajaya dhanena tyagenaike amritatvam-anasuh – weder durch Werke noch durch Nachkommen noch durch Reichtümer, sondern nur durch Loslassen all dessen erreicht man Unsterblichkeit“.

2. Vers Ishavasya Upanishad

kurvanneveha karmāṇi jijīviṣet śataṃ samāḥ
evaṃ tvayi nānyatheto'sti na karma lipyate nare

Übersetzung 1: Wahrlich, indem man Werke in dieser Welt vollbringt, sollte man wünschen, hundert Jahre alt zu werden. Nur so und nicht anders ist es richtig für dich. Handlung wird so einen Menschen nicht binden.

Übersetzung 2: Selbst wenn man hier Handlungen ausführt, sollte man sich wünschen, hundert Jahre zu leben. Auf diese Weise - es ist nicht anders in dieser Welt - wurde die Handlung nicht befleckt.

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • kurvan (pres. act. p. P. √kṛ): tun, handeln, ausführen.
  • eva (ind.): so, in der Tat, wirklich, nur, sogar.
  • iha (ind.): hier.
  • karmāṇi (n. acc. pl. karman; von √kṛ): Handlungen.
  • jijīviṣet (3. Sing. opt. Desiderativ √jīv): sollte/könnte/könnte leben wollen.
  • śatam (n. acc. sing. śata): einhundert.
  • samāḥ (f. acc. pl. samā): Jahre, lit. "derselbe".
  • evam (ind.): so, auf diese Weise, auf eine solche Weise, so.
  • tvayi (loc. sing. pron. yuṣmad): in dir, an dir.
  • na (ind.): nicht.
  • anyatha (ind.): sonst.
  • itas (ind.): daher; in dieser Welt; jetzt; deshalb.
  • asti (3. Sing. Präs. Indik. P. √as): ist.
  • na (ind.): nicht.
  • karma (n. nom. sing. karman; von √kṛ): Handlung.
  • lipyate (3. sing. pass. √lip): war beschmiert, befleckt, befleckt, verunreinigt; wurde angehängt.
  • nare (mn. loc. sing. nara): in/an einem Menschen, einer Person.

Kommentar Swami Sivananda:

Das erste Mantra legt die Regel für Wissen fest. Dieses zweite bestimmt die Regel fürs Handeln. Es gibt denen einen Ratschlag, die sich nicht von den Bindungen an die Welt frei machen können. Karmanishta (der Wunsch zu handeln) wird hier denjenigen vorgeschrieben, die nicht Sannyasa nehmen können. Kurvanneva bedeutet: wirklich handeln, nur durch Handeln – und nicht Handlung vermeiden. Eva betont das noch. Mit karmaani sind Handlungen gemeint, die durch die Veden vorgeschrieben sind, z.B. Agnihotra und andere Rituale. Das Vernachlässigen dieser Handlungen bedeutet Sünde.

Jivivishet bedeutet: „sollte wünschen zu leben“. Shatam samah bedeutet „hundert Jahre“. Das ist die längste Zeit, die ein Mensch im Kaliyuga leben kann. Man sollte wünschen, hundert Jahre lang zu leben, indem man stetig Karma (vedische Rituale – Anm. d. Ü.) ausführt, und nicht anders. Ein müßiges und bequemes Leben wird es nicht bringen. Er sollte täglich religiöse Rituale durchführen, und er sollte, mit Atma Bhava, der Menschheit selbstlos, beständig und ohne Eigeninteresse dienen. Nur dadurch wird er eine Reinigung des Herzens erfahren (Chitta-shuddhi). Nur dann wird Atma-Jnana in seinem Herzen wachsen. Durch solches Handeln, ohne ichbezogene Motive, wird man nicht gebunden. Dies ist der Weg des Handelns – Pravritti Marga.


3. Vers Ishavasya Upanishad

asuryā nāma te lokā andhena tamasā vṛtāḥ.
tāṃste pretyābhigacchanti ye ke cātmahano janāḥ.

Übersetzung 1: Ohne Sonne (ohne Gott) sind jene Welten, umhüllt von Düsternis. Jene Menschen, die ihre eigene Seele töten, gehen in diese (Welten), wenn sie ihren Körper verlassen haben.

Übersetzung 2: Dämonisch werden jene Welten genannt, die von Blindheit, von Dunkelheit bedeckt sind. Ihnen nähern sich die Selbsttöter, nachdem sie sich entfernt haben.

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • asuryā (f. nom. sing. asurya): unkörperlich, geistig, göttlich; dämonisch, zu den Asuras (Geister oder Dämonen, die manchmal als Gegner der Götter angesehen werden) gehörend oder sich auf sie beziehend.
  • nāma (n. acc. sing. nāman): benannt, gerufen.
  • te (m. nom. pl. pron. tad): sie, jene.
  • lokāḥ (m. nom. pl. loka): Welten.
  • andhena (mn. ins. sing. andha): mit/bei Blindheit.
  • tamasā (mn. ins. sing. tamas): mit/bei Dunkelheit, Düsternis; mit/bei Unwissenheit, Illusion, Irrtum.
  • vṛtāḥ (m. nom. pl. vṛta; pass. p. √vṛ): verborgen, abgeschirmt, versteckt, umhüllt.
  • tān (m. acc. pl. pron. tad): sie.
  • te (m. nom. pl. pron. tad): sie, jene.
  • pretya (ger. √pre): gestorben sein; wörtl. fortgefahren/gegangen/abgereist sein, hervorgekommen/erschienen sein.
  • abhigacchanti (3. Pl. Präs. abhi √gam): (sie) gehen heran, nähern sich.
  • ye ke ca (Ausdruck): eine beliebige Person, was auch immer.
  • ye (m. nom. pl. Relativpronomen yad): wer, welcher, was.
  • ke (m. loc. sing. ka): in wen? in was?
  • ca (ind.): und; macht ka unbestimmt.
  • ātma-hanaḥ (m. nom. pl. ātma-han, TP. comp.): Selbsttöter.
  • ātma (Grammatik nicht spezifiziert; von √an, √at, oder √vā): vom Selbst, im Selbst, für das Selbst, etc.
  • hanaḥ (m. nom. pl. han): Mörder, Töter.
  • janāḥ (mf. nom. pl. jana): Geschöpfe, Menschen, Leute.


Kommentar Swami Sivananda:

Es gibt zwei Lesarten: asurya, sonnenlos, und asurya, nicht-göttlich. Im Vergleich mit dem Zustand des Höchsten Selbst sind sogar die erhabensten Welten der Götter nicht-göttlich. Andhena tamasa, blind machende Dunkelheit, d.i. Unwissenheit, die verhindert, dass wir das Selbst verwirklichen. Avrita bedeutet „bedeckt“, „umhüllt“; pretya bedeutet „den Körper verlassend“; abhigacchanti bedeutet „erreichen“; atmahanah bedeutet „die den Atman töten“, d.i. die ihr Selbst töten.

Diejenigen, die den Schleier der Unwissenheit über den Atman gezogen haben, sind nicht fähig, ihr Selbst wahrzunehmen. Sie bewegen sich in der Welt in Selbsttäuschung und laufen hinter vergänglichen Sinnesobjekten her. Ihr Geist ist gefüllt mit Leidenschaft, Gier, Zorn, Stolz und Egoismus. Sie begehen alle möglichen schlimmen Handlungen, wenn sie unter dem Einfluss von Lust, Gier und Ärger stehen. Sie sind wieder und wieder gefangen in dem Rad des Samsara, dem Rad von Geburt und Tod. Sie haben den Körper mit dem unvergänglichen Selbst verwechselt. Sie verehren den vergänglichen Körper, so wie es Virochana tat und seine Anhänger, die Asuras. Sie haben vollkommen die Glorie und den Glanz des unsterblichen Sat-Chit-Ananda-Atman vergessen. Daher werden sie atmahanah genannt, die Töter des Atman.


4. Vers Ishavasya Upanishad

anejadekaṃ manaso javīyo nainaddevā āpnuvanpūrvamarṣat
taddhāvato'nyānnatyeti tiṣṭhat tasminnāpo mātariśvā dadhāti

Übersetzung 1: Es (Atman) ist bewegungslos, eins, schneller als der Geist. Die Devas (die Sinne) konnten ihn nicht einholen, der vor ihnen lief. Sitzend ist er schneller als diejenigen, die hinter ihm herlaufen. Durch Ihn unterstützt Matarishvan (die Luft, Sutratman) die Aktivität aller Dinge.

Übersetzung 2: Unbeweglich, ein, schneller als der Geist - dies haben die Gottheiten nicht erreicht, (es) fließt vorwärts. Still stehend, geht er an den fließenden anderen vorbei; in ihn legt Matarishvan Handlung.

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • anejat (n. nom. sing anejat; das Präs. act. p. an √ej): unbewegt, unbeweglich.
  • ekam (n. nom. sing. pronominales Adj. eka): ein.
  • manasaḥ (n. abl./gen. sing. manas): aus dem Geist, als der Geist; vom Geist.
  • javīyaḥ (n. nom. sing. javīyas): schneller.
  • na (ind.): nicht.
  • enat (n. acc. sing. pron. idam): dies.
  • devāḥ (m. nom. pl. deva): Gottheiten, Götter.
  • āpnuvan (3. Pl. impf. P. √āp): (er/sie/es) erreichte, überholte, traf; erhielt, gewann.
  • pūrvam (ind): vorne; früher, vorangehend; zuerst.
  • arṣat (n. acc. sing. arṣat; pres. act. p. √ṛṣ): fließend, gleitend, sich schnell bewegend.
  • tat (n. nom./acc. sing. pron. tad): es, das.
  • dhāvataḥ (m. acc. pl. dhāvat; pres. act. p. √dhāv): laufen, fließen, strömen.
  • anyān (m. acc. pl. pronominal adj. anya): andere.
  • atyeti (3. Sing. pres. indic. P. √atī): (er/sie/es) geht vorbei, geht über, geht durch, vergeht, überläuft.
  • tiṣṭhat (n. nom sing. tiṣṭhat; pres. act. p. P. √sthā): stehen, fest stehen, bleiben, verbleiben, stillstehen; anwesend sein.
  • tasmin (n. loc. sing. pron. tad): in dem.
  • apaḥ (n. acc. sing. apas): Arbeit, Tätigkeit. Apaḥ ist auch der weibliche Ablativ und Genitiv Singular von √ap, was Wasser oder Wassergottheiten bedeutet.
  • mātariśvā (m. nom. sing. mātariśvan; von mātari-śvan): Luft, Wind; der Feuerstab von Agni; ein Epitheton von Vāyu (Wind); lit. prob. "in der Mutter wachsend".
  • mātari (m. loc. sing. mātr): in der Mutter, in der Messerin.
  • svan (prob. von √svi): anschwellen, wachsen, zunehmen.
  • dadhāti (3. Sing. pres. indic. P. √dhā): (er/sie/es) stellt, legt; hält, besitzt.

Kommentar Swami Sivananda:

Hier ist eine Beschreibung der Natur des Atman. Na und ejat ergeben zusammen anejat. Die Wurzel ejri bedeutet „schütteln“. Anejat bedeutet „nicht aufgerührt“, d.i. fest, stetig.

„Es ist bewegungslos, aber schneller als der Geist.“ Dies ist offensichtlich ein Widerspruch, ein Paradox. Aber das ist nicht so. Wie der Atman alldurchdringend und all-voll (paripurna) ist, sagt man, dass der Atman schneller als der Geist ist. Bevor der Geist einen Platz erreicht, ist der Atman schon da, da er alldurchdringend ist. Deshalb kann der Geist, der Verstand, ihm niemals voraus sein. Hier bedeutet devas die Sinne, Ohr, Auge usw. Das Wort leitet sich von einer Wurzel ab, die „erleuchten“ bedeutet. Tishtat, sitzen, bedeutet, dass der Atman nishkriya ist; er bleibt unbewegt.

Matarishva ist der Herrscher der Atmosphäre. Er ist die göttliche Lebenskraft in allen Formen. Shankara erklärt: „Matari antarikshe svayati gacchatiti vayu – der sich in der Mutter, der Luft, bewegt, die die Erhalterin der ganzen Welt ist, der Sutratman, Hieranyagarbha, die universelle Seele. Matarishva bedeutet Luft. Diese Luft unterstützt das Feuer, den Regen usw.

Apas bedeutet alle Karmas oder Handlungen. Wasser steht für Handlungen, denn alle Opferhandlungen werden mit Wasser ausgeführt.


5. Vers Ishavasya Upanishad

tadejati tannaijati taddūre tadvantike
tadantarasya sarvasya tadu sarvasyāsya bāhyataḥ

Übersetzung 1: Er (der Atman) bewegt sich und bewegt sich nicht. Er ist in der Ferne und Er ist nah. Er ist im Innern von all diesem und er ist auch außerhalb von all diesem.

Übersetzung 2: Es bewegt sich, es bewegt sich nicht; es ist fern, es ist nah! Es ist innerhalb von all dem; es ist, von all dem, außerhalb!

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • tat (n. nom. sing. pron. tad): es, das.
  • ejati (3. sing. pres. indic. P. √ej): bewegt sich, zittert, bebt.
  • tat (n. nom. sing. pron. tad): es, das.
  • na (ind.): nicht.
  • ejati (3. Sing. Präs. Ind. P. √ej): bewegt sich, zittert, schüttelt sich.
  • tat (n. nom. sing. pron. tad): es, das.
  • dūre (n. loc. sing. dūra): in der Ferne. (ind.) weit.
  • tat (n. nom. sing. pron. tad): es, das.
  • u (ind.): ein Ausdruck der Betonung; ein Ausrufezeichen.
  • antike (ind.): nahe.
  • tat (n. nom. sing. pron. tad): es, das.
  • antar (ind.): innerhalb, zwischen, unter, in.
  • asya (mn. gen. sing. pron idam): von diesem.
  • sarvasya (mn. gen. sing. pronominal adj. sarva): von allem.
  • tat (n. nom. sing. pron. tad): es, das.
  • u (ind.): ein Ausdruck der Betonung; ein Ausrufezeichen.
  • sarvasya (mn. gen. sing. pronominal adj. sarva): von allem.
  • asya (mn. gen. sing. pron. idam): von diesem.
  • bāhyatas (ind.): außerhalb, äußerlich.

Kommentar Swami Sivananda:

Die Gedanken des vierten Mantra werden hier fortgesetzt. Ejati bedeutet „bewegt sich“; naijati bedeutet „bewegt sich nicht“. Offensichtlich erscheint auch dieses Mantra voller Widersprüche und Paradoxien. Aber für den Denkenden ist es nicht so. Die Bedeutung ist ganz klar. Der Atman ist das primum-mobile (der ursprüngliche Beweger). Er gibt der Prakriti (Natur) einen Anstoß, und Prakriti bewegt sich. Der Atman ist in sich selbst bewegungslos, aber setzt Prakriti in Bewegung durch einfaches Anschauen, einfach durch Seine Gegenwart. Daher wird gesagt: „Er bewegt sich“. Wenn Er alldurchdringend ist und all-voll, wo und wohin könnte er sich bewegen? Daher ist Er bewegungslos; Er bewegt sich nicht.

Er ist weit entfernt für den Unwissenden. Er ist weit entfernt für diejenigen, die eingetaucht sind in Weltlichkeit, die sich in den Samsara gestürzt haben. Und Er ist sehr, sehr weit entfernt für diejenigen, die sehr selbstsüchtig , stolz, egoistisch, hitzköpfig und jähzornig sind. Aber Er ist nahe für den Sucher. Er ist sehr, sehr nah für diejenigen, die ausgerüstet sind mit Reinheit des Geist (chitta shuddhi) und mit den vier Mitteln der Erlösung; und die angefangen haben zu Füßen des Guru zu lauschen, zu reflektieren und zu meditieren (shravana, manana und nididhyasana), denn Er ist ihr inneres Selbst, ihr Atman (antaratman). Er ist sehr subtil (ati-sukshma). Er transzendiert Akasha (Äther). Er füllt und bedeckt alles. Er ist all-voll (paripurna). Daher ist er innen und auch außen. „All“ bedeutet: „die Objekte dieser ganzen Welt“. Brahman ist das Substrat und die Grundlage (adhishthana) aller Dinge und Wesen, da Er im Innern von allem ist und alles durchdringt.

6. Vers Ishavasya Upanishad

yastu sarvāṇi bhūtānyātmanyevānupaśyati
sarvabhūteṣu cātmānaṃ tato na vijugupsate

Übersetzung 1: Wer alle Wesen in seinem Selbst (Atman) sieht und das Selbst in allen Wesen, fürchtet sich danach nicht vor irgendetwas.

Übersetzung 2: Der aber, in allen Wesen, das Selbst wahrhaftig erblickt, Und in allen Wesen das Selbst - vor ihm will es sich nicht verbergen.

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • yaḥ (m. Nom. sing. Relativpron. yad): der.
  • tu (ind.): aber.
  • sarvāṇi (n. nom. pl. pronominales Adj. sarva): ganz, vollständig, alle, jedes.
  • bhūtāni (n. nom. pl. bhūta; pass. p. √bhū): Wesen.
  • ātmani (m. loc. sing. ātman; von √an, √at, oder √vā): im Selbst.
  • eva (ind.): so, tatsächlich, wahrhaftig, nur, eben.
  • anupaśyati (3. Sing. pres. indic. P. anu √dṛś): (er/sie/es) sieht; sieht voraus.
  • sarva-bhūteṣu (mn. pl. loc. sarva-bhūta, KD. comp.):
  • sarva (Grammatik nicht spezifiziert; pronominales Adj.): ganz, vollständig, alle, jedes, alles.
  • bhūteṣu (mn. pl. loc. bhūta; past pass. p. √bhū): in den Wesen; lit. "in den Gewesenen/im Gewordenen".
  • ca (ind.): und.
  • ātmānam (m. acc. sing ātman; von √an, √at, oder √vā): das Selbst.
  • tataḥ (m. abl./gen. sing. tat): von ihm; von ihm.
  • na (ind.): nicht.
  • vijugupsate (3. Sing. pres. desiderative Ᾱ. vi √gup): (er/sie/es) möchte sich zurückziehen, verstecken, verbergen (sich).

Kommentar Swami Sivananda:

Die Gedanken dieses Mantras finden wir in den zwei Shlokas Bhagavad Gita (VI 29 und 30): „Das Selbst, das durch Yoga harmonisiert ist, sieht das Selbst in allen Wesen und alle Wesen im Selbst; überall sieht er dasselbe“. „Wer Mich überall sieht und alles in Mir, den lasse ich nie allein und er verliert mich nie“. Die Mantren 6 und 7 schildern den Zustand eines Jnani (Wissenden), der Selbstverwirklichung erlangt hat. Sarvani bhutani bedeutet normalerweise: alle Kreaturen. Wörtlich bedeutet es: „alle Dinge, die geworden sind“, das heißt, vom Unmanifesten (avyakta) bis hinunter zu den unbeweglichen Objekten. Auch in den Srutis findet man: „Wer sieht, dass das höchste Selbst alles durchdringt, und wer alles im höchsten Selbst sieht, hat nicht den Wunsch, sich zu schützen, denn er hat vor nichts Angst. Da er furchtlos ist, ist er niemals ängstlich darauf bedacht, sein kleines Selbst zu bewahren“.

Der Weise, der seinen Atman realisiert hat, sieht, dass alle Dinge und alle Wesen nicht von seinem Selbst getrennt sind und dass sein Atman der Atman von allem ist. Der Atman ist das gemeinsame Bewusstsein aller Wesen. Der Atman ist derselbe in dem König und dem Bauern, in dem Heiligen und dem Schurken, dem Schuster und dem Barbier, in der Ameise und dem Elefanten, dem Baum und dem Stein. Wie kann jene große Seele, die in seinem eigenen Atman ruht und ein derart erhobenes kosmisches Bewusstsein hat, vor irgendeinem Wesen oder Ding zurückschrecken in Abscheu? Wie kann er irgendetwas nicht mögen? Wie könnte er irgendjemanden hassen? – Absolut unmöglich.

7. Vers Ishavasya Upanishad

yasminsarvāṇi bhūtānanyātmaivābhūdvijānataḥ
tatra ko mohaḥ kaḥ śoka ekatvamanupaśyataḥ

Übersetzung 1: Wenn für den Wissenden alle Wesen eins werden mit seinem eigenen Atman, wie könnte er in der Täuschung sein, welcher Kummer könnte da sein, wenn er überall Einheit sieht?

Übersetzung 2: In dem alle Wesen vom Unterscheidungsvermögen zum Selbst geworden sind, Darin, was ist die Täuschung, was ist der Kummer des Einheitssehenden?

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • yasmin (mn. loc. sing. Relativpron. yad): in dem, in der.
  • sarvāṇi (n. nom. pl. pronominal adj. sarva):
  • ganz, vollständig, alle, jedes, alles.
  • bhūtāni (n. nom./acc. pl. bhūta; pass. p. √bhū): Wesen.
  • ātmā (m. nom. sing. ātman; von √an, √at, oder √vā): das Selbst.
  • eva (ind.): so, tatsächlich, wahrhaftig, nur, sogar.
  • abhūt (3. Sing. aor. P. √bhū): wurde, war.
  • vijānataḥ (mn. abl./gen. vijānat; pres. act. p. vi √jn͂ā): vom/vom Verstehen, Wissen, Unterscheiden, Unterscheiden; vom/vom Wissenden, dem Unterscheidenden, dem Weisen.
  • tatra (ind.): dort; darin.
  • kaḥ (m. nom. sing. interrogativ pron. kim): wer? welcher?
  • mohaḥ (m. nom. sing. moha; Substantiv von √muh): Bewusstseinsverlust, Verwirrung, Täuschung.
  • kaḥ (m. nom. sing. interrogativ pron. kim): wer? was?
  • śokaḥ (m. nom. sing. śoka; von √śuc): brennen, heiß; Flamme, Glut, Hitze; Kummer, Bedrängnis, Trauer.
  • ekatvam (n. acc. sing. eka -tva): Einssein.
  • anupaśyataḥ (mn. abl./gen. sing. anupaśyat; von anu √dṛś): vom Sehenden (ein); des Sehenden (ein).

Kommentar Swami Sivananda:

Dieses Mantra erklärt die Idee weiter, die in Mantra 6 enthalten ist. Die Worte vijanata, in Mantra 7, und anupashyati, in Mantra 6, haben dieselbe Bedeutung. Rein intellektuelles Zustimmen, das das Selbst in alles Wesen wohnt, reicht nicht aus. Tatsächliche Selbstverwirklichung oder unmittelbare Wahrnehmung (aparoksha anubhuti) sind unerlässlich. In Vers 6 wird gesagt, dass der Kenner von Brahman furchtlos wird. Hier wird gesagt, dass der Wissende Täuschung und Kummer transzendiert. Dies sind die Früchte davon, dass man Brahmajnana erreicht.

„Tarati shokam atmavit – wer Atman kennt, überwindet Kummer“ – dies ist die emphatische Erklärung der Shrutis. Die drei Knoten (hridaya-granthi) sind avidya, kama, karma (Unwissenheit, Wunsch und Handlung). Durch diese drei Knoten ertrinkt der weltliche Mensch in Täuschung und Kummer. Wenn diese drei Knoten zerstört werden, indem man Einheit erkennt und indem man realisiert, dass alle Bhutas eins geworden sind mit dem Atman – wie könnte es da, in dem Kenner des Atman, Täuschung und Kummer geben? Absolut unmöglich. Er freut sich immerzu in der Glückseligkeit des Atman. Selbst der schwerste Kummer kann ihn nicht ein Bisschen erschüttern. Er steht voll in sich gefestigt da. Die Gita sagt: „Yasmin sthito na duhkena gurunapi vichalyate – darin gefestigt, wird er nicht einmal durch schweren Kummer erschüttert.“

8. Vers Ishavasya Upanishad

sa paryagācchukramakāyamavraṇam-asnāviraṃ śuddhamapāpaviddham
kavirmanīṣī paribhūḥ svayambhūryāthātathyato'rthān vyadadhācchāśvatībhyaḥ samābhyaḥ

Übersetzung 1: Er (Atman) ist alldurchdringend, strahlend, körperlos, unversehrt, ohne Muskeln, rein, unberührt durch Sünde (Böses), weise (sehend), allwissend, transzendent, aus sich selbst hervorgegangen. Angemessen wies er den verschiedenen ewigen Schöpfern ihre jeweiligen Funktionen zu.

Übersetzung 2: Er ging umher, er ist hell, körperlos, unbefleckt, ohne Sehnen, geläutert, nicht von Übel befallen. Er ist der Prophet, der Nachdenkliche, das umgebende Wesen, selbstexistierend - wahrhaftig, Objekte, die er für ewige Jahre beiseite stellte.

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • saḥ (m. nom. sing. pron. tad): er, es.
  • paryagāt (3. Sing. impf. P. pari √gā): umging, durchging; umrundete, durchdrang; betrat; kam heran, näherte sich.
  • śukram (m. acc. sing. śukra; von √śuc): hell, strahlend.
  • akāyam (m. acc. sing. a kaya; von a √ci): körperlos (einer).
  • avraṇam (m. acc. sing. a vraṇa): unversehrt, unverletzt; makellos, unbefleckt.
  • asnāviram (m. acc. sing. a snāvira; vgl. asnāvaka): ohne Sehnen.
  • śuddham (m. acc. sing. śuddha; pass. p. √śudh): hell; wörtl. gereinigt, geklärt, geläutert.
  • apāpaviddham (m. acc. sing. apāpaviddha; pass. p. a papa √vyadh): nicht vom Bösen durchdrungen, nicht vom Bösen behaftet.
  • kaviḥ (m. nom. sing. kavi; von √kū): intelligent, wissend, weise, schlau; Denker, intelligenter Mann; Weiser, Seher, Prophet.
  • manīṣī (m. nom. sing. manīṣin): nachdenklich, intelligent, weise, weise.
  • paribhūḥ (mf. nom. sing. pari bhū): das umgebende Wesen, das durchdringende Wesen.
  • svayambhūḥ (mf. nom. sing svayam bhū): unabhängig, selbst existierend, aus eigenem Antrieb seiend/entstehend.
  • yathātathyatas (ind.): aus der Wahrheit, wirklich, wahrhaftig.
  • arthān (m. acc. pl. artha): Ziele, Zwecke; Ursachen, Motive; Dinge, Objekte; Nutzen.
  • vyadadhāt (3. Sing. impf. P. vi √dhā): verteilt, lit. "auseinander gesetzt".
  • śāśvatībhyaḥ (f. dat./abl. pl. śāśvatī): für/von ewig, alles.
  • samābhyaḥ (f. dat./abl. pl. sama/samā): für/von Jahren, gerade (ein), gleich (ein).

Kommentar Swami Sivananda: Sah bedeutet: „der oben beschriebene Atman“. Paryavat bedeutet: „in die Ferne gegangen“ oder „umhergegangen“. Gemeint ist: „Der Atman ist alldurchdringend“. Shukram bedeutet „rein“ oder „brillant“. Akayam bedeutet: „ohne Körper“. Hier bedeutet es, dass der Atman keinen subtilen Körper, linga sharira, hat. Die Worte avranam und asnaviram bedeuten, dass der Atman keinen grobstofflichen Körper hat. Der Ausdruck shuddha (rein) weist darauf hin, dass der Atman keinen Kausalkörper hat und dass er frei ist von der Unreinheit der Unwissenheit. Apapaviddham bedeutet, dass der Atman nicht berührt wird von guten oder schlechten Handlungen (nirlipta, asanga, asakta). Shankara fasst es so auf, dass das Subjekt das Selbst ist, und er erklärt die Neutrum-Adjektive als maskuline, denn das sah am Beginn und die Endung kavih sind maskulin. Kavih bezieht sich auf einen Seher, der unmittelbare Wahrnehmung und Erleuchtung hat. Manishi bedeutet „Herr des Geistes (mind)“, „der den Geist (mind) antreibt“. Paribhu bedeutet „über allem stehend“. „Der Atman ist der beste von allen und allem“. Svayambhu bedeutet „selbst-existent“. Der Atman hängt niemals von einem anderen ab. Die „Jahre“ bedeuten hier die prajapatis, die Schöpfer.

9. Vers Ishavasya Upanishad

andhaṃ tamaḥ praviśanti ye'vidyāmupāsate
tato bhūya iva te tamo ya u vidyāyāṃ ratāḥ.

Übersetzung 1: Diejenigen, welche Unwissenheit verehren, treten ein in die blinde Dunkelheit; um so mehr in der Dunkelheit diejenigen, die sich an der Gelehrsamkeit erfreuen.

Übersetzung 2: Blinde Finsternis betreten jene, die Unweisheit verehren. Mehr als das tun gleichsam die Finsternis, die an Weisheit erfreut sind!

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • andham (n. acc. sing. andha): blind.
  • tamaḥ (n. acc. sing. tamas): Dunkelheit, Finsternis.
  • praviśanti (3. Pl. pres. indic. pra √viś): eintreten, erreichen.
  • ye (m. pl. Relativpronomen yad): wer, was, was, das.
  • avidyām (f. acc. sing. avidyā; von a √vid -ya): Unwissenheit, Unweisheit; lit. "nicht-aus-dem-Wissen-kommen", "nicht-aus-der-Wahrnehmung-kommen".
  • upāsate (3. Pl. Präs. Indik. Ᾱ. upa √ās): (sie) verehren; lit. (sie) sitzen nahe, liegen nahe.
  • tataḥ (n. abl. sing. pron. tat): von dem; als das.
  • bhūyaḥ (n. abl. sing. bhūyas): werden; in größerem Maße werden, mehr; im Überfluss vorhanden sein.
  • iva (ind.): wie, in diesem Sinne; als ob; als wäre es.
  • te (m. nom. pl. pron. tad): sie, jene.
  • tamaḥ (n. acc. sing.): Dunkelheit, Finsternis.
  • ye (m. pl. Relativpronomen yad): wer, welche, was, das.
  • u (ind.): ein Ausdruck der Betonung; ein Ausrufezeichen.
  • vidyāyām (f. sing. loc. vidyā; von √vid -ya): im Lernen, Gelehrsamkeit, Philosophie; Wissen, Weisheit, Erkenntnis; lit. "im Vom-Wissen-kommen", "im Vom-Wahrnehmen-kommen".
  • ratāḥ (mf. nom. pl. rata): erfreut, amüsiert, befriedigt, erfreut.

Kommentar Swami Sivananda: Avidya bedeutet hier Karmas, d.i. Vedische Rituale, wie Agnihotra etc., die mit dem Blick auf Resultate ausgeführt werden. Diejenigen, die solche Karmas ausführen, fallen in tiefe Dunkelheit. Der Wohnsitz der Manen, also pitriloka, wird erreicht durch diejenigen, die derartige Karmas durchführen. Wenn die Früchte ihrer Karmas erschöpft sind, werden sie zurück ins mrityuloka (Reich des Todes) herabgeschleudert. Vidya bedeutet hier niederes Wissen, d.i. das Wissen um die Götter. Durch solches Wissen erreicht man devaloka. Sobald die Früchte der Verehrung von vidya erschöpft sind, kommt der Mensch zurück in diesen Samsara. Diejenigen, die Karmas aufgegeben haben und die ausschließlich das Wissen um die Götter suchen, fallen in noch tiefere Dunkelheit. Karma und vidya bringen verschiedenartige Resultate, wenn jedes für sich allein und getrennt ausgeführt wird. In diesem Vers wird eine Kombination von Karma und vidya empfohlen.

10. Vers Ishavasya Upanishad

anyadevāhurvidyayā anyadāhuravidyayā
iti śuśruma dhīrāṇāṃ yenastadvicacakṣire

Übersetzung 1: Eine Sache, so wird gesagt, wird durch vidya erreicht (Wissen um die Götter), und eine andere Sache wird erreicht durch avidya (Unwissenheit, Durchführung von rituellen Handlungen). So haben wir es gehört von den Weisen, die uns (beides) gelehrt haben.

Übersetzung 2: Anderes, sagten sie, als Weisheit; anderes, sagten sie, als Unweisheit. So hörten wir von den Stetigen, die es uns zeigten.

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • anyat (n. nom. sing. pronominales Adj. anya): anders, anderes, anderes, anders als, entgegengesetzt.
  • eva (ind.): so, tatsächlich, wahrhaftig, nur, sogar.
  • āhuḥ (3. Pl. pf. P. √ah): sie sagten, sprachen.
  • vidyayāḥ (f. abl. sing. vidyā; von √vid -ya): als Lernen, Gelehrsamkeit, Philosophie; Wissen, Weisheit, Erkenntnis; lit. "als das vom-Wissen-kommen", "als das vom-Wahrnehmen-kommen".
  • anyat (n. nom. sing. pronominal adj. anya): anders, anders als, ein anderer.
  • āhuḥ (3. Pl. pf. P. √ah): sie sagten, sprachen.
  • avidyayāḥ (f. abl. sing. vidyā; von √vid -ya): als Unwissenheit, Unweisheit; lit. "als das Nicht-Wissen", "als das Nicht-Wahrnehmen".
  • iti (ind.): so; ein Hinweis darauf, dass die vorherigen Worte gesagt oder gedacht wurden.
  • śuśruma (1. Pl. pf. P. √śru): (wir) hörten.
  • dhīrāṇām (mfn. gen. pl. dhīra; prob. von √dhṛ oder √dhā): des Weisen, Geschickten, Klugen; des Beständigen, Beständigen.
  • ye (m. pl. Relativpronomen yad): wer, was, was, das.
  • naḥ (acc./dat./gen. pl. Kurzpron. asmad): (an) uns, für uns, von uns, unser.
  • tat (n. nom. sing. pron. tad): es, das.
  • vicacakṣire (3. Pl. pf. Ᾱ. vi √cakṣ): erschien, leuchtete; sah deutlich, nahm wahr; machte offenbar, zeigte; verkündete, erzählte.


Kommentar Swami Sivananda:

Anyat bedeutet: etwas klar Unterschiedenes. Durch die Verehrung von vidya wird devaloka, die Welt der Götter, erreicht. Durch avidya, d.i. Karmas, wird das Reich der Manen, die Welt der pitris, also der Vorväter, erreicht. Dies ist die Sichtweise der spirituellen Lehrer, die uns sowohl Wissen als auch Karma gelehrt haben. So wurde es von Guru zu chela (Schüler) weitergegeben.


11. Vers Ishavasya Upanishad

vidyāṃ cāvidyāṃ ca yastadvedobhayam saha
avidyayā mṛtyuṃ tīrtvā vidyayāmṛtamaśnute

Übersetzung 1: Wer zugleich sowohl vidya als auch avidya weiß, überwindet den Tod durch avidya und erreicht Unsterblichkeit durch vidya.

Übersetzung 2: Und Weisheit und Unweisheit - wer diese beiden zusammen wahrnimmt, Hat mit Unweisheit den Tod überquert, Erreicht mit Weisheit das Unsterbliche.

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • vidyām (f. sing. acc. vidyā; von √vid -ya): Lernen, Gelehrsamkeit, Philosophie; Wissen, Weisheit, Wahrnehmung; lit. "aus-dem-Wissen-kommen", "aus-dem-Wahrnehmen-kommen".
  • ca (ind.): und.
  • avidyām (f. acc. sing. avidyā; von einem √vid -ya): Unwissenheit, Unweisheit; lit. "nicht-aus-dem-Wissen-kommen", "nicht-aus-dem-Wahrnehmen-kommen".
  • ca (ind.): und.
  • yaḥ (m. nom. sing. Relativpron. yad): wer.
  • tat (n. nom. sing. Pron. tad): es, das.
  • veda (3. sing. pres. indic. P. √vid): weiß, wahrnimmt.
  • ubhayam (mn. acc. sing. ubhaya): beide.
  • saha (ind.): zusammen, zusammen mit, mit.
  • avidyayā (f. ins. sing. avidyā; von einem √vid -ya): mit/durch Unwissenheit, Unweisheit; lit. "mit/durch das Nicht-Wissen", "mit/durch das Nicht-Wahrnehmen".
  • mṛtyum (mf. acc. sing. mṛtyu; von √mṛ): Tod.
  • tīrtvā (ger. √tṝ): hinübergegangen sein, hinübergegangen sein.
  • vidyayā (f. ins. sing. vidyā von √vid -ya): mit/durch Lernen, Gelehrsamkeit, Philosophie; Wissen, Weisheit, Erkenntnis; lit. "im aus-dem-Wissen-kommen", "im aus-dem-Wahrnehmen-kommen".
  • amṛtam (n. acc. sing. amṛta; past pass. p. a √mṛ): der Unsterbliche.
  • aśnute (3. Sing. pres. indic. Ᾱ. √aś): erreicht, ankommt, bekommt, erlangt.

Kommentar Swami Sivananda: Mrityu, Tod, bedeutet „Werk“ und „weltliches Wissen“. Tirtva bedeutet „überschritten habend“, ashnute bedeutet „erreicht“. Kommunikation mit den Göttern ist amritam oder Unsterblichkeit.


12. Vers Ishavasya Upanishad

andhaṃ tamaḥ praviśanti ye'sambhūtimupāsate
tato bhūya iva te tamo ya u sambhūtyām ratāḥ.

Übersetzung 1: Diejenigen, welche die Nicht-Existenz verehren, fallen in tiefe Dunkelheit. Jene, die sich am Geschaffenen erfreuen, fallen in noch größere Dunkelheit.

Übersetzung 2: Blinde Finsternis betreten jene, die den Nicht-Ursprung verehren. Mehr als das, gleichsam, tun die die Dunkelheit, die am Ursprung entzückt sind!

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • andham (n. acc. sing. andha): blind.
  • tamaḥ (n. acc. sing. tamas): Dunkelheit, Finsternis.
  • praviśanti (3. Pl. pres. indic. P. pra √viś): eintreten, erreichen.
  • ye (m. Nom. pl. Relativpronomen yad): wer, was, was, das.
  • asambhūtim (f. acc. sing. asambhūti; von a sam √bhū): Nicht-Existenz, Zerstörung, Nicht-Ursprung, Nicht-Erzeugung; lit. "Nicht-zusammen-sein".
  • upāsate (3. Pl. pres. indic. Ᾱ. upa √ās): (sie) verehren; lit. "(sie) sitzen nahe", "(sie) liegen nahe".
  • tataḥ (n. abl. sing. pron. tat): von dem; als das.
  • bhūyaḥ (n. abl. sing. bhūyas; von √bhū): werden; in größerem Maße, mehr werden; im Überfluss vorhanden.
  • iva (ind.): wie, in diesem Sinne; als ob; als wäre es.
  • te (m. nom. pl. pron. tad): sie, jene.
  • tamaḥ (n. nom. sing. tamas): Dunkelheit, Finsternis.
  • ye (m. nom. pl. Relativpron. yad): wer, was, was, das.
  • u (ind.): ein Ausdruck der Betonung; ein Ausrufezeichen.
  • sambhūtyām (f. loc. sing. sambhūti; von sam √bhū): in der Geburt, Herkunft; lit. "im Zusammen-Sein"; Gewordenes; Sambhuta (Sanskrit: सम्भूत sambhūta adj. u. m.) entstanden, hervorgegangen, hervorkommend, geworden, entstanden, gemacht aus; Sambhuti steht für die erschaffenen Dinge. Im Übertragenen Sinn kann Sambhuti auch als eine persönliche Vorstellung von Gott, beziehungsweise als "persönlicher Gott" aufgefasst werden.
  • ratāḥ (mf. nom. pl. rata; past pass. p. √ram): erfreut, amüsiert, befriedigt, erfreut.

Kommentar Swami Sivananda: Asambhuti ist das, was nicht sambhuti ist (durch etwas anderes geboren), ist also ungeschaffene Natur – Natur, die keine Ursache hat. Sie ist avyakta oder avyakrita, die unmanifeste Natur, worin die drei gunas in einem Zustand des Gleichgewichts existieren (guna-samya avastha). Materie, Energie und die verschiedenen Arten von Klang existieren dabei in einem undifferenzierten Zustand. Dies ist die Ursache von allem. Die ganze Welt existiert in Samenform in avyaktam, genauso wie ein Baum in dem Samen existiert. Verehrung und Anbetung dieser unmanifesten prakriti ist bekannt als avyakta-upasana. Avyakta ist also Unwissenheit. Sie enthält den Samen aller Wünsche und Karmas. Hiranyagarbha ist sambhute oder karya brahman. Er ist aus avyakta geboren. Er ist die Wirkung der unmanifesten prakriti.

Im Folgenden zitiere ich die schöne Interpretation der Verse 12 bis 14 durch Dr. Paul Deussen:

In blinde Finsternis eingeht,
Wer ein Werden zu Nichts geglaubt,
In blindere wohl noch jener
Der ein Werden zu Etwas glaubt.
Verschieden ist es von Werdung,
Von Nichtswerdung verschieden auch,
So haben von den Altmeistern
Die Lehre überkommen wir.
Wer Werden und Zunichtwerden
Beide (als nicht vorhanden) weiß,
Der überschreitet durch beides
Den Tod und hat Unsterblichkeit.

13. Vers Ishavasya Upanishad

anyadevāhuḥ sambhavādanyadāhurasambhavāt
iti śuśruma dhīrāṇāṃ yenastadvicacakṣire


Übersetzung 1: Eine Sache, so wird gesagt, wird erworben durch die Verehrung von Hiranyagarbha und eine andere durch die Verehrung von der ungeborenen prakriti. So haben wir es gehört von den Weisen, die uns dies gelehrt haben.

Übersetzung 2: Anders, wahrlich, sagten sie, als der Ursprung; anders, sagten sie, als der Nicht-Ursprung. So hörten wir es von den Stetigen, die es uns zeigten.

Übersetzung 3: Verschieden ist es von Werdung, von Nichtswerdung verschieden auch. So haben wir von den Altmeistern die Lehre erhalten.

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • anyat (n. nom. sing. pronominales Adj. anya): anders, anderes, anderes, anders als, entgegengesetzt.
  • eva (ind.): so, tatsächlich, wahrhaftig, nur, sogar.
  • āhuḥ (3. Pl. pf. P. √ah): sie sagten, sprachen.
  • sambhavāt (mn. abl. sing. sam bhava; von √bhụ̄): als der Ursprung, als die Quelle; lit. "als das Beisammensein".
  • anyat (n. nom. sing. pronominal adj. anya): anders, anderes, anderes, anders als, entgegengesetzt.
  • āhuḥ (3. Pl. pf. P. √ah): sie sagten, sprachen.
  • asambhavāt (mn. abl. sing. sambhava; von sam √bhū): als der Nicht-Ursprung, von der Quelle; lit. "als das Zusammen-Sein".
  • iti (ind.): so; ein Hinweis darauf, dass die vorherigen Worte gesagt oder gedacht wurden.
  • śuśruma (1. Pl. pf. P. √śru): (wir) hörten.
  • dhīrāṇām (mfn. gen. pl. dhīra; prob. von √dhṛ oder √dhā): des Weisen, Geschickten, Klugen; des Beständigen, Beständigen.
  • ye (m. pl. Relativpronomen yad): wer, was, was, das.
  • naḥ (acc./dat./gen. pl. Kurzpron. asmad): (an) uns, für uns, von uns, unser.
  • tat (n. nom. sing. pron. tad): es, das.
  • vicacakṣire (3. Pl. pf. Ᾱ. vi √cakṣ): erschien, leuchtete; sah deutlich, nahm wahr; machte offenbar, zeigte; verkündete, erzählte.

Kommentar Swami Sivananda:

Wer sambhuti bzw. hiranyagarbha verehrt (karya brahman), erlangt anima (die Fähigkeit, klein zu werden wie ein Atom) und andere Siddhis. Wer die ungeborene Prakriti verehrt, erlangt Auflösung (laya) in die Prakriti. Er wird ein Prakriti-laya (vgl. Patanjali, Yoga-Sutras, Kap. I, Samadhipada). So haben wir es von den weisen Lehrern gehört, die uns die jeweiligen, verschiedenen, Ergebnisse der Verehrung von Hiranyagarbha bzw. Prakriti gelehrt haben.

14. Vers Ishavasya Upanishad

sambhūtiñca vināśañca yastadvedobhayaṃ saha
vināśena mṛtyuṃ tīrtvā sambhūtyā'mṛtamaśnute

Übersetzung 1: Wer die ungeborene Prakriti und Hiranyagarbha (Zerstörung) gemeinsam verehrt, überwindet den Tod durch die Verehrung von Hiranyagarbha und erreicht Unsterblichkeit durch die Verehrung der ungeborenen Prakriti.

Übersetzung 2: Der Ursprung und die Zerstörung - einer, der beides zusammen wahrnimmt, Der mit der Zerstörung den Tod überwunden hat, erreicht mit dem Ursprung das Unsterbliche.

Übersetzung 3:

Wer Werden und Zunichtwerden
Beide (als nicht vorhanden) weiß,
Der überschreitet durch beides
Den Tod und hat Unsterblichkeit.

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • saṃbhūtim (f. acc. sing. sambhūti; von sam √bhū): Geburt, Ursprung, Erzeugung; lit. "Zusammen-Sein".
  • ca (ind.): und.
  • vināśam (m. acc. vināza; von vi √naś): völliger Verlust, Vernichtung, Zerstörung, Entfernung.
  • ca (ind.): und.
  • yaḥ (m. nom. sing. Relativpron. yad): der.
  • tat (n. nom. sing. Pron. tad): es, das.
  • veda (3. sing. pres. indic. P. √vid): weiß, wahrnimmt.
  • ubhayam (mn. acc. sing. ubhaya): beide.
  • saha (ind.): zusammen, zusammen mit, mit.
  • vināśena (m. ins. sing. vināśa; von vi √naś): mit/bei völligem Verlust, Vernichtung, Zerstörung, Entfernung.
  • mṛtyum (mf. acc. sing. mṛtyu; von √mṛ): Tod.
  • tīrtvā (ger. √tṝ): hinübergegangen sein, hinübergegangen sein.
  • sambhūtyā (f. ins. sing. sambhūti; von sam √bhū): mit/durch Geburt, Herkunft; lit. "mit/durch Zusammensein".
  • amṛtam (n. acc. sing. amṛta; past pass. p. a √mṛ): unsterblich.
  • aśnute (3. Sing. pres. indic. Ᾱ. √aś): erreicht, ankommt, bekommt, erhält.

Kommentar Swami Sivananda:

Hier ist das Wort sambhuti eine Aphärese für asambhuti. Aphärese ist: Ein Buchstabe oder eine Silbe am Anfang des Wortes wird weggelassen. Hier wurde der Buchstabe „a“ weggelassen, Sambhuti bedeutet also in Wirklichkeit Asambhuti. Vinasa bedeutet Hiranyagarbha. Das Abstrakte wird hier für das Konkrete benutzt. „Tod“ bedeutet: begrenzte Fähigkeiten, Wünsche, Laster. Durch die Verehrung von Hiranyagarbha gewinnt der Mensch Aishvarya (Siddhis). Unsterblichkeit bedeutet hier. Aufgehen und Auflösen in Prakriti. In diesem Vers wird also erwähnt, dass es wünschenswert ist, die Verehrung von Hiranyagarbha und die der ungeborenen Prakriti zu kombinieren; genauso wie in Vers 11 erklärt worden war, dass die Kombination der Verehrung von Avidya und Vidya wünschenswert ist.

15. Vers Ishavasya Upanishad

hiraṇmayena pātreṇa satyasyāpihitaṃ mukham
tattvaṃ pūṣannapāvṛṇu satyadharmāya dṛṣṭaye

Übersetzung 1: Das Antlitz der Wahrheit ist verdeckt durch ein goldenes Gefäß. Entferne, oh Sonne, diese Verhüllung – für das Gesetz der Wahrheit, auf dass ich sie sehen möge!

Übersetzung 2: Durch den goldenen Kelch ist das Gesicht des Wirklichen bedeckt; Jenes, o Pushan, enthülle für das Wirkliche-dharma, für das Sehen.

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • hiraṇmayena (mn. ins. sing. hiraṇmaya): mit/durch den goldenen.
  • pātreṇa (mn. ins. sing. pātra): mit/bei dem Kelch, Schale, Becher, Teller, Gefäß.
  • satyasya (mn. gen. sing. satya; pres. act. p. √as -ya): des Wahren, des Wirklichen; lit. "des aus-dem-Sein-kommens".
  • apihitam (n. nom. sing. apihita; präs. pass. p. api √dhā): aufgesetzt; bedeckt, verborgen.
  • mukham (n. nom. sing. mukha): der Mund, das Gesicht.
  • tattvam (n. acc. sing. tattva; von tat -tva): Wahrheit, Wirklichkeit; lit. "das-sein".
  • pūṣan (m. voc. sing. pūṣan): O Pushan (eine vedische Gottheit; der Hüter des Viehs, manchmal auch die Sonne oder derjenige, der sie antreibt).
  • apāvṛṇu (2. Sing. impv. apāvṛ; von apa ā √vṛ): enthüllen! enthüllen! enthüllen!
  • satya-dharmāya (comp.): für Real-Dharma; In seiner Übersetzung der Dreizehn Haupt-Upanishaden deutet Robert Ernest Hume an, dass der Dichter sich auf sich selbst als satya-dharma bezog; für das Dharma des Realen, für das Dharma aus dem Realen, etc.
  • satya (Grammatik nicht angegeben; präs. act. p. √as -ya): von/für/aus/etc. dem Realen, dem Wahren; lit. "von/für/aus/etc. dem Kommenden, dem Wahren".
  • dharmāya (mn. dat. sing. dharma; von √dhṛ): für moralisches oder religiöses Gesetz, Tugend; für Dharma, den Gott des Gesetzes und der Gerechtigkeit.
  • dṛṣṭaye (f. dat. sing. dṛṣṭi; von √dṛś): für Sehen, Betrachten.

Kommentar Swami Sivananda:

Hiranmayena bedeutet: „durch das goldene…“. Patrena bedeutet: „so wie durch eine Scheibe oder einen Deckel“. Die Worte „goldene Scheibe“ bedeuten die Sonnenscheibe. Hiranya bedeutet: „wie eine goldene…“, d.i. voller Licht, strahlend“. Satyasya bedeutet „…des Brahman, der innerhalb des Sonnenballs ist“. Apihitam bedeutet „bedeckt“. Mukham ist „das Gesicht“. Apavrnu bedeutet „offen“. Satydharmaya – für mich, der ich Satya, d.i. die Wahrheit (Brahman), verehrt habe und der ich Satya praktiziert habe, d.h. Tugend in Übereinstimmung mit den Vorschriften der Shastras (Heiligen Schriften). „Oh Pushan (Ernährer), entferne den Schleier von Deinem Gesicht, so dass ich Dich sehen möge, so dass ich Selbstverwirklichung erreichen möge – ich, der ich ein Satya-Dharma (Dharmin?) bin, der ständig über Dich meditiert, den Satya (die Wahrheit)“. Pushan bedeutet „Ernährer“ und ist ein anderer Name der Gottheit der Sonne.


16. Vers Ishavasya Upanishad

pūṣannekarṣe yama sūrya prājāpatya vyūha raśmīn samūha tejaḥ
yatte rūpaṃ kalyāṇatamaṃ tatte paśyāmi yo'sāvasau puruṣaḥ so'hamasmi

Übersetzung 1: Oh Pushan (Sonne, Ernährer), der einzige Seher (der einzige Reisende im Himmel/ der einzige, der sich im Himmel bewegt), der alles kontrolliert (d.i. Yama), Surya, Sohn des Prajapati, breite Deine Strahlen aus und sammle Dein brennendes Licht. Ich sehe Deine glorreiche Form. Ich bin Er, der Purusha (die Person) in Dir.

Übersetzung 2: O Pushan, o einsamer Weiser, o Yama, o Surya, o Nachkomme von Prajapati, breite den Lichtstrahl aus, bringe den Glanz zusammen! Das, was deine Form am erlauchtesten ist, das von dir betrachte ich. Derjenige, der das ist, der Purusha, der bin ich.

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • pūṣan (m. voc. sing. pūṣan): O Pushan (eine vedische Gottheit; der Beschützer des Viehs, der Sonne oder derjenige, der sie antreibt).
  • ekarṣe (m. voc. sing. eka-ṛṣi, KD. comp.): O Einsamer-Weiser.
  • eka (Grammatik nicht angegeben; pronominales Adj.): einer, einsam, einzeln.
  • ṛṣe (m. voc. sing. ṛṣi; von √ṛṣ): O Dichter, o Weiser.
  • yama (mn. voc. sing. yama): O Yama (der Gott des Todes), O Wagenlenker.
  • sūrya (m. voc. sing. sūrya): O Surya (die Sonne oder ihre Gottheit).
  • prājāpatya (mn. voc. sing. prājāpatya): O Nachkomme von Prajapati (der Schöpfergott, der Gott der Fortpflanzung).
  • vyūha (2. Sing. impv. P. vi √ūh (mit saṃdhi, vyūh)): auseinander bewegen, auseinander schieben.
  • raśmīn (m. acc. pl. raśmi): Schnur, Seil; Lichtstrahl, Strahl.
  • samūha (2. Sing. impv. P. sam √ūh): zusammenrücken.
  • tejaḥ (n. acc. sing. tejas): scharfe Kante, Spitze der Flamme oder des Strahls; Glut, Glanz, Brillanz; feurige Energie, Glut.
  • yat (n. nom. sing. Relativpron. yad): wer, was, was.
  • te (dat./gen. sing. Kurzpron. yuṣmad): für dich, von dir.
  • rūpam (mn. acc. sing. rūpa): Form, Gestalt, Gestalt.
  • kalyāṇatamam (n. acc. sing. kalyāṇa-tama): das Schönste, das Angenehmste, das Erhabenste, das Edelste, das Ausgezeichnetste.
  • tat (n. nomacc. sing. tad): das, es.
  • te (dat./gen. sing. yuṣmad): für dich, von dir.
  • paśyāmi (1. Sing. pres. indic. P. √dṛś): Ich sehe, betrachte, betrachte.
  • yaḥ (m. nom. sing. Relativpron. yad): der.
  • asau (mf. nom. sing. Pron. adas): das.
  • asau (mf. nom. sing. pron. adas): das.
  • puruṣaḥ (m. nom. sing. puruṣa): Mensch, Person; Purusha, das Urwesen, das der Ursprung des Universums ist.
  • saḥ (m. nom. sing. pron. tad): er.
  • aham (nom. sing. pron. asmad): I.
  • asmi (1. Sing. Präs. Indik. √as): bin.

Kommentar Swami Sivananda:

Die Verse 15 bis 18 haben wenig Verbindung zu den vorangehenden Versen. Sie sind Gebete eines sterbenden Menschen. Die vier letzten Mantren 15 bis 18 beschreiben nicht die Natur des Wissens um das Selbst. Pushan ist ein Vokativ. Es bedeutet: „Oh Sonne!“. Die Sonne ernährt die Welt; daher wird Sie Pushan genannt. Ekarshi bedeutet „jemand, der alleine reist“. Sohamasmi: Hier wird die Identität von Jiva (individuelle Seele) und Brahman etabliert. Purusha – weil Er alles durchdringt, oder weil er die Stadt Brahmans besetzt, d.h. den Körper.

17. Vers Ishavasya Upanishad

vāyuranilamamṛtamathedaṃ bhasmāntaṃ śarīram
oṃ krato smara kṛtaṃ smara krato smara kṛtaṃ smara

Übersetzung 1: (Möge mein) Prana mit der alldurchdringenden Luft verschmelzen, dem ewigen Sutratman, und möge mein Körper zu Asche verbrannt werden. Om! Oh mein Geist (mind), erinnere dich, erinnere dich an meine Taten! Oh mein Geist, erinnere dich! Erinnere dich an meine Taten!

Übersetzung 2: Wir sollten die unsterbliche Luft blasen, Diese endet in Asche - der Körper.

Om- Kratu erinnere dich an das Geschehene erinnere dich,

Kratu erinnere dich an das Geschehene erinnere dich!

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • vāyuḥ (3. Pl. opt. P. √vā): wir sollten blasen. Alternativ: vāyuḥ (m. nom. sing. vāyu; von √vā): Luft, Wind; Vayu (der Gott des Windes); Atem".
  • anilam (m. acc. sing. anila; von √an): Luft, Wind; Anila (der Gott des Windes, manchmal mit Vayu gleichgesetzt).
  • amṛtam (m. acc. sing. amṛta; vergangenes pass. p. a √mṛ): der Unsterbliche.
  • atha (ind.): jetzt, dann, außerdem.
  • idam (n. nom. sing. pron. idam): dies.
  • bhasmāntam (n. nom. sing. bhasmānta): in Asche endend, endgültig verbrannt.
  • śarīram (n. nom. sing. śarīra; von √śri oder √śṝ): der Körper.
  • om (ind.): Om; die heilige Silbe, eine glückverheißende Begrüßung.
  • krato (mf. voc. sing. kratu; von √kṛ): O Kratu (Intelligenz, ein Sohn von Brahmā).
  • smara (2. Sing. impv. P. √smṛ): erinnere dich! erinnere dich! rufe dir in Erinnerung!
  • kṛtam (mn. acc. sing. kṛta; von √kṛ): getan, gemacht, ausgeführt.
  • smara (2. Sing. impv. P. √smṛ): erinnern! erinnern! in Erinnerung rufen!
  • krato (mf. voc. sing. kratu; von √kṛ): O Kratu (Intelligenz, ein Sohn von Brahmā).
  • smara (2. Sing. impv. P. √smṛ): erinnere dich! erinnere dich! rufe dir in Erinnerung!
  • kṛtam (mn. acc. sing. kṛta; von √kṛ): getan, gemacht, ausgeführt.
  • smara (2. Sing. impv. P. √smṛ): erinnern! erinnern! in Erinnerung rufen!

Kommentar Swami Sivananda:

Der sterbende Mensch, der ein tugendhaftes Leben geführt hat, der heilige Werke vollbracht hat – dadurch dass er sich an seine Handlungen erinnert, erfährt er Glückseligkeit in der anderen Welt. Er sagt: „Möge mein Prana diesen Körper verlassen und sich mit dem alldurchdringenden Sutratman verbinden!“ Krato (Vokativ) bedeutet: „Oh mein Geist!“ Uvata meint in seinem Kommentar, dass Agni, das Feuer, das in seiner Jugend und später verehrt worden ist, hier angerufen wird in der Form des Mind (Geist) und dass Krato das Opferfeuer bedeutet. „Erinnere dich! Erinnere dich an meine Taten. Erinnere dich an all die Karmas, die ich seit meiner Kindheit vollbracht habe!“ Die Wiederholung derselben Worte Krato smara zeigt eine gewisse Angst oder Unruhe des Geistes an.


18. Vers Ishavasya Upanishad

agne naya supathā rāye asmān viśvāni deva vayunāni vidvān
yuyodhyasmajjuhurāṇameno bhūyiṣṭhāṃ te namauktim vidhema

Übersetzung 1: Oh Agni (Feuer), führe uns zu Reichtum (Glückseligkeit, Mukti (Befreiung)) auf einem guten Weg, da du, oh Gott, alle Wege kennst. Entferne Sünde und Verworfenheit aus unserem Innern. Wir bringen dir unsere Verehrung dar!

Übersetzung 2: O Agni, führe uns auf einem guten Pfad zum Reichtum, o Gottheit, die du alle Wege kennst. Wehre von uns krumm gegangenes Unheil ab; mögen wir dir reichlichste Huldigung darbringen!

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • agne (m. voc. sing. agni): O Agni.
  • naya (2. Sing. impv. √nī): führe! Alternativ: "naya (2. sing. impv. √nay): gehen!"
  • supathā (m. ins. sing. supathin): mit/auf einem guten Weg. Alternativ: "supathā (f. nom. sing. supatha): eine gute Straße habend, schöne Wege habend"; "supathāḥ (m. nom. pl. supatha): gute Straßen, tugendhafte Wege"; oder "supathāḥ (mf. nom./acc. pl. supathā" (diejenigen), die eine gute Straße haben, (diejenigen), die schöne Wege haben."
  • rāye (m. dat. sing. rai): Besitz, Besitztum, Reichtum.
  • asmān (acc. pl. pron. asmad): uns.
  • viśvāni (n. nom./acc./voc. pl. viśva): alles, jedes; ganz, vollständig; alles durchdringend, allgegenwärtig.
  • deva (mn. voc. sing. deva): O Gottheit!
  • vayunāni (n. nom./acc./voc. pl. vayuna): wogend, aufgewühlt, unruhig (sein); Pfade, Wege.
  • vidvān (m. nom. sing. vidvas; das pf. act. p. √vid): wissend, verstehend, weise; gewusst haben, verstanden haben, gewusst haben.
  • yuyudhi (2. Impv. sing. P. √yu): trennen, vertreiben, abwehren.
  • asmat (abl. pl. pron. asmad): von uns.
  • juhurāṇam (n. acc. sing. juhurāṇa; das pf. act. p. Ᾱ. √hvar, vgl. √hvṛ): in die Irre gegangen, gestolpert, krumm gegangen.
  • enaḥ (n. acc. sing. enas): Unheil, Verbrechen, Sünde, Fehler; Übel, Unglück, Unglück, Kalamität; Tadel, Tadel.
  • bhūyiṣṭhām (f. acc. sing. bhūyiṣṭha; von √bhū iyas; ein Komparativsuffix.): das Reichlichste, das Wichtigste; viel.
  • te (dat./gen. sing. pron. yuṣmad): für/von dir.
  • namauktim (f. acc. sing. namaukti; von namas ukti): Huldigung, Verehrung.
  • vidhema (1. Pl. opt. P. √vidh): wir sollen/müssen/dürfen/können verehren, darbringen.

Kommentar Swami Sivananda:

Er bittet Agni, ihn auf einem guten Weg zu leiten, nämlich dem nördlichen Pfad, (Uttarayana – den Devayana (Weg der Götter)), auf dem es keine Wiederkehr gibt. Dies ist der Pfad des Archis (Licht). Naya – leite; Supatha – auf einem guten Weg. Raye bedeutet „Reichtum“, d.h. spirituelle Glückseligkeit, Glückseligkeit des Selbst, d.h. Mukti (Befreiung). Vishvani – alle; Deva – Gott; Vayunaani – Gedanken, Wissen, Bemühungen, die auf Befreiung ausgerichtet sind; Vidvan – wissend (der Du weißt); Yuyodhi – zerstöre; asmat – von uns; Juhuranam – erniedrigend, verworfen; Enah – Sünde.

oṃ pūrṇamadaḥ pūrṇamidaṃ pūrṇāt pūrṇamudacyate ।
pūrṇasya pūrṇamādāya pūrṇamevāvaśiṣyate ॥
oṃ śāṃtiḥ śāṃtiḥ śāṃtiḥ ॥


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