Sannyasi

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Ein Sannyasi (Sanskrit: सन्न्यासिन् sannyāsin und संन्यासिन् saṃnyāsin adj. und m.) ist jemand, der Sannyas genommen hat, also ein Mönch.

Ein typischer indischer Sannyasin in orangenem Gewand - Einziger Besitz: Ein Behälter für Essen und Malas.

Swami Sivananda über Vanaprastha

Auszüge aus dem Buch "Lord Krishna, His Lilas and Teachings" von Swami Sivananda, The Divine Life Society Publication. Nacherzählung der Geschichte "Die Aufgaben und Lebensweise eines Entsagten (Sannyasi)"

Die Beschreibung entspricht weitgehend dem, was klassischerweise im alten Indien üblich war. Als heutiger spiritueller Aspirant/Aspirantin kannst du es sinngemäß auf die heutigen Verhältnisse unserer Zeit und Gesellschaft und deine persönliche Lebenssituation übertragen.

Wenn man der Dinge vollkommen überdrüssig ist, die einem diese und die himmlichen Welten bieten können, weil man erkennt, dass sie Kummer und Sorgen nach sich ziehen und nicht ewig sind, sollte man alle Rituale und Handlungen aufgeben und Sannyasin werden. Dazu führt man die in den Veden überlieferten Einweihungsrituale durch, gibt seinen Besitz auf, nimmt das Feuer geistig in sich auf und geht in die Lebensphase des Sannyasin über, ohne noch irgendetwas zu wollen oder sich um irgendetwas zu kümmern. Es heißt, die Gottheiten/Engelswesen wollen den, der Sannyasin werden will, durch verschiedene Hindernisse zurückhalten, weil sie fürchten, dass er sie übertrifft und direkt Brahman erreicht. Da der Sannyasin alles aufgegeben hat, sollte er ausser dem Lebensnotwendigen nichts mehr besitzen, es sei denn, er gerät in Gefahr. Beim Gehen sollte er sich achtsam vergewissern, dass er den Fuß nur so aufsetzt, dass er kein Lebewesen tötet. Er sollte nur reines Wasser trinken. Er sollte nur die Wahrheit sprechen und nur das tun, was gut und richtig ist. Schweigen (Mauna), Aufgeben eigennütziger Handlungen und Kontrolle des Prana dienen der Beherrschung von Rede, Körper und Geist. Sie sind wahres Sannyas. Wer sie nicht übt, ist noch lange kein Sannyasin, nur weil er die entsprechende Kleidung und Stab und Bettelschale trägt. Er kann von allen Almosen annehmen, außer von denen, die in irgendeiner Weise anstößig sind, und höchstens in sieben Haushalten darum bitten und nur so viel, wie er für eine Mahlzeit braucht. Er sollte nicht vorher an das Essen denken und auch nichts Bestimmtes erwarten. Die Speisen besprenkelt er symbolisch mit Wasser zur Reinigung, bringt einen Teil davon den Gottheiten und allen Wesen dar und isst dann schweigend. Er soll allein leben, ohne Anhaftung an irgendjemanden und Geist und Sinne beherrschen. Sein einziges Interesse und seine Freude sei das Selbst. Er sollte alles als gleich ansehen und in allem Brahman sehen.

An einem sicheren, abgeschiedenen Platz meditiere er über Brahman, mit einem Geist, der durch intensive Hingabe rein und durchlässig geworden ist. Er sollte über die Natur von Bindung und Befreiung nachdenken und erkennen: Bindung besteht in der Zerstreuung der Sinne und Befreiung besteht darin, sich von ihrer Herrschaft frei zu machen. Seine Meditation wird ihn überzeugen, dass die Erkenntnis seiner Einheit mit Brahman gleichbedeutend mit Befreiung ist und dass die Identifikation mit dem Körper Ich-Bezogenheit und Karma schafft und gleichbedeutend mit Bindung ist. Er erkennt, dass Handlungen im Hinblick auf die Erfüllung von egoistischen Wünschen Bindung schafft und dass das Aufgeben solcher zweckbezogener Handlungen zur Befreiung führt. Wenn er so seine Sinne beherrscht und die sechs Ablenkungen – Hunger, Durst, Sorge, Täuschung, Verfall und Tod – kraft seiner Hingabe an mich überwunden hat, wird er alles als Gott sehen. In tiefer Meditation erfährt er höchste Wonne und Frieden aus dem Selbst im Inneren. Er sollte diese Welt nicht als Wirklichkeit betrachten, weil alles in ihr vergänglich ist. Mit einem Geist frei von Anhaftungen gibt er alle Aktivitäten auf, die auf irgendwelche vergängliche Freuden in dieser oder der Himmelswelt gerichtet sind. Wenn man durch logische Schlußfolgerungen zu der Erkenntnis gelangt ist, dass die ganze Welt und der Körper mitsamt den Lebenskräften (Pranas), der Sprache und dem Geist nichts anderes ist als Maya, eine illusorische Projektion auf den Atman, sollte man sie aufgeben und nicht mehr daran denken, sondern sich nur noch auf das Selbst konzentrieren.

Sukadev über Sannyasi

Niederschrift eines Vortragsvideos (2014) von Sukadev über Sannyasi

Sannyasi ist jemand, der die Sannyas-Einweihung bekommen hat, oder jemand, der durch Sannyasi charakterisiert ist. Sannyas ist die Entsagung. Sannyas ist der Hindi-Ausdruck und Sannyasa der Sanskrit-Ausdruck. Wenn jemand Sannyas genommen hat, Sannyasa genommen hat, dann heißt das, er hat das Mönchsgelübde abgelegt. Auf unseren Internetseiten unter yoga-vidya.de kannst du unter „Sannyas“ oder „Sannyasa“ nachschauen und dort findest du eine Menge Informationen über Sannyasa in Indien, der Sivananda und der Yoga Vidya Tradition.

Noch ein paar weitere Worte zu Sannyasa. Sannyasa, also Mönchsgelübde. Es gab eine Zeit, da gab es einen Lehrer, der hieß damals Bhagwan Rajneesh, und der hat Sannyas mehr im Sinne der Bhagavad Gita verstanden. Er hat gesagt, ein Sannyasi ist jemand, der Verhaftung an die Handlungen aufgibt, der also nicht an den Früchten seiner Handlungen hängt, sondern das tut, was für die Spiritualität nötig ist. Er hat dann alle seine Schüler zu Sannyasins gemacht. Aber auch im bewussten Gegensatz zu dem, wie es in Indien praktiziert wird. Wenn du also hörst, jemand ist ein Osho Sannyasi, heißt das nicht, dass er ein Mönch oder eine Nonne ist. Das ist eine spezielle Form von Sannyas, die Osho – früher Bhagwan Rajneesh – entwickelt hatte, wo es weniger darum ging, entsagt zu leben und das Gelübde der Enthaltsamkeit, der Keuschheit, der Besitzlosigkeit auf sich zu nehmen, sondern es ging um Verhaftungslosigkeit.

Wenn aber in Indien normalerweise von Sannyas gesprochen wird, dann ist es das formelle Ablegen eines Mönchsgelübdes, und ein Sannyasi wird typischerweise dann orange Kleider anziehen, denn beim Sannyas-Ritual, bei der Sannyasa Diksha wird auch ein heiliges Feuer entzündet, es werden die alten Verhaftungen ins Feuer hineingegeben. Um sich daran zu erinnern und für das spirituelle Feuer, trägt ein Sannyasi orangene Kleidung. Also Sannyasi ist ein Mönch, jemand, der das Gelübde der Entsagung abgelegt hat, insbesondere das Gelübde der sexuellen Enthaltsamkeit, der Keuschheit, wie auch das Gelübde, auf persönlichen Besitz verzichten zu wollen, auf Nachkommen verzichten zu wollen und auch auf Ruhm und Anerkennung verzichten zu wollen.

Siehe auch

Literatur

  • Dowson, John: A Classical Dictionary of Hindu Mythology and Religion – Geography, History and Religion; D.K.Printworld Ltd., New Delhi, India, 2005
  • Bhagavad Gita, Teil der Mahabharata, mit Einführung in die Mahabharata

Weblinks

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