Kena Upanishad

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Kena Upanishad (Sanskrit: केनोपनिṣअद् kenopaniṣad f. < kena + upaniṣad) Die Kena Upanishad ist eine der kürzeren klassischen Upanishaden, sie besteht sowohl aus Prosa als auch aus in metrischer Form gehaltenen Mantren und wird dem Samaveda zugeordnet. Sie erhielt ihren Namen vom Sanskritwort 'kena' ("von wem"), mit dem sie beginnt. Ein anderer Name für diese Upanishad ist Talavakara Upanishad. Die Upanishade wurde von Dr. Roer für die Bibliotheca Indica übersetzt.

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Inhaltsverzeichnis

Inhalt und Bedeutung der Kena Upanishad

von Swami Sivananda; aus "Principal Upanishads"

Die Kenopanishad gehört zum Sama Veda. Wie bei der Ishavasya Upanishad, leitet sich ihr Name auch vom ersten Wort des ersten Verses ab, nämlich Kena, „durch den, durch welchen“. Sie wird auch Talavakara genannt oder Jaimini Brahmana des Samaveda. Die Rezension Sakha, wird Talavakara oder Jaiminiya Brahmana genannt. Shankaracharya sagt in seinem Kommentar, die Upanishade beginne im 9. Kapitel des Talavakara Brahmana des Sama Veda. In der Mss-Ausgabe des Brahmana, die von Dr. Burnell entdeckt wurde, beginnt die Upanishade jedoch im 10. Abschnitt (Anuvaka) des 4. Kapitels. Es gibt zwei verschiedene Kommentare von Shankaracharya zu dieser Upanishade, den Pada-bhashya und den Vakya-bhashya.

Die Kenopanishad ist ein kurzer Text von 4 Abschnitten (Khandas). Sie handelt im Wesentlichen von der Natur des Brahman und dem Wissen um das Selbst. Brahman wird in der Einleitung beschrieben mit dem Ausdruck „Keneshitam“ („durch wen, durch wessen Wunsch/Veranlassung“), und ist in Form von Frage und Antwort aufgebaut. Brahmavidya, die höchste Wissenschaft der Seele ist in der Tat eine komplizierte Wissenschaft. Es ist schwer, die Natur Brahmans, des höchsten Selbst, zu verstehen. Um ein leichteres Verständnis zu ermöglichen, ist die Upanishade in Form eines Dialogs zwischen Lehrer und Schüler gehalten.

Die ersten beiden Teile sind in Dialogform. Es wird erklärt, wie man Brahman verwirklichen kann indem man Geist und Sinne transzendiert. Ebenso wird die Natur Brahmans behandelt. Atman, Brahman, ist jenseits der Reichweite von Sinnen und Geist. Er ist der Geist des Geistes, das Ohr des Ohres. Hinter Atem und Sinnen ist das höchste Brahman. Nur dank des Lichtes von Brahman funktionieren Geist, Prana und Sinne. Der 3. Teil enthält den bekannten Deva Yaksha Samvada, den Dialog zwischen den Devas (Engelswesen) und den Yakshas (Naturgeister, niedrige Götter). Im 4. Teil werden Meditationstechniken über Brahman und die Ergebnisse dieser Meditation erklärt.

Wenn man handelt (Karma, bzw. die vorgeschriebenen Rituale korrekt ausführt) ohne die Erwartung von Früchten, reinigt es den Geist, das Gemüt, und schafft im Aspiranten einen starken Wunsch nach endgültiger Befreiung.

Der Wunsch, Brahman zu erkennen und Freiheit von Geburt und Tod zu erlangen kann nur in dem Menschen erwachen, der mit einem reinen, ruhigen Geist versehen ist, der frei ist von Wünschen und welcher der äußeren Objekte dieser illusorischen Welt überdrüssig ist.

Brahman kann man nicht durch logische Diskussionen verwirklichen. Die Shruti (Schrift) sagt: „Um Brahman zu erkennen, mag sich der Aspirant einem Lehrer nähern, der versiert ist in den Vedas und der in Brahman begründet ist, mit Samit, dem Opferfeuer, in der Hand.“ – „Derjenige weiß, der unter einem Lehrer studiert hat.“ Nur Wissen, das man auf diese Art unter der Anleitung eines Lehrers erwirbt, führt zum Guten.

Wenn man Wissen von Brahman erlangt, verschwindet Avidya; die Unwissenheit, welche der Same von Bindung und Ursache der Karmas (Handlungen) ist, die man ausführt, um bestimmte Wünsche zu erfüllen. Die Shruti (Schrift) sagt: „Für den Kenner des Selbst, der den einen Atman überall wahrnimmt, gibt es weder Sorge noch Täuschung.“ – „Wer den Atman kennt geht jenseits des Leides.“

Moksha (Befreiung) kann man nicht erlangen durch Karma oder durch Wissen kombiniert mit Karma (Anmerkung des Übersetzers: Karma hier im Sinne von vorgeschriebenen rituellen Opferhandlungen). Das Wissen um Atman ist dem Karma entgegengesetzt und kann daher nicht zusammen mit Karma existieren. Bei Karma (Handlung in bestimmter Absicht) gibt es immer einen Handelnden, Ergebnisse, Früchte des Handelns usw. Das Ausführen vorgeschriebener Karmas bringt einen nur in die Welt der Vorfahren, es kann einen nicht unsterblich machen. Brahman, die einzige Wirklichkeit, kann man nicht durch andere Mittel erlangen als durch die Aufhebung von Unwissenheit durch Erkenntnis des Selbst.

Dieses höchste Brahman, welches unsterblich, furchtlos, ewig, aus sich selbst leuchtend, reine Wonne und alldurchdringend ist, kann von allen erreicht werden. Nur wenn man dieses Brahman erlangt, ist man frei von Geburt und Tod. Ein Aspirant, der der illusorischen sinnlichen Freuden dieser Welt überdrüssig war und einen brennenden Wunsch nach Erkenntnis des Brahman und Erreichen der endgültigen Befreiung hatte, kam zu einem Lehrer, der die Vedas kannte und selbst in Brahman aufgegangen war und fragte den Lehrer. Das ist der Inhalt der Verse in dieser Upanishade, beginnend mit Keneshitam.

Weitere Informationen zur Kena Upanishad

Die Kena Upanishad (Kenopaniṣat) ist ein vedischer Sanskrit-Text, der als eine der primären oder Mukhya Upanishaden klassifiziert wird und im letzten Abschnitt des Talavakara Brahmanam des Samaveda eingebettet ist. Sie ist als Nummer 2 in der Muktikā, dem Kanon der 108 Upanishaden des Hinduismus, aufgeführt.

Die Kena Upanishad wurde wahrscheinlich irgendwann um die Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. verfasst. Sie hat eine ungewöhnliche Struktur, bei der die ersten 13 Verse als metrisches Gedicht komponiert sind, gefolgt von 15 Prosaabschnitten des Haupttextes plus 6 Prosaabschnitten des Epilogs. Paul Deussen schlägt vor, dass der letztere Prosaabschnitt des Haupttextes viel älter ist als der poetische erste Abschnitt, und dass die Kena Upanishad die ältere Prosa-Ära der Upanishaden mit der metrischen, poetischen Ära der Upanishaden, die folgte, überbrückt.

Die Kena Upanishad ist bemerkenswert in ihrer Diskussion von Brahman mit Attributen und ohne Attribute, und dafür, dass sie eine Abhandlung über "rein begriffliches Wissen" ist. Sie behauptet, dass die wirksame Ursache aller Götter, die symbolisch als Kräfte der Natur vorgestellt werden, Brahman ist. Dies hat sie zu einer grundlegenden Schrift der Vedanta-Schule des Hinduismus gemacht, sowohl der theistischen als auch der monistischen Unterschulen nach unterschiedlichen Interpretationen. Die Kena Upanishad ist auch bedeutsam für die Behauptung der Idee des "spirituellen Menschen", "Seele ist ein wunderbares Wesen, das sogar Götter verehren", "Atman (Seele) existiert" und "Wissen und Spiritualität sind die Ziele und die intensive Sehnsucht aller Geschöpfe".

Die Kena Upanishad hat drei Teile: 13 Verse im ersten Teil, 15 Absätze im zweiten Teil und 6 Absätze im Epilog. Diese sind in vier khaṇḍas (खण्ड, Abschnitte oder Bände) verteilt. Die erste Khanda hat 8 Strophen, die zweite hat 5 Strophen. Das dritte Khanda hat 12 Abschnitte, während das vierte Khanda die restlichen 9 (3 Abschnitte des Haupttextes und 6 Abschnitte des Epilogs) hat.

Die ersten beiden Khandas der Kena Upanishad sind Gedichte, die letzten beiden sind Prosa, mit einer Ausnahme. Absatz 9 ist Prosa und strukturell fehl am Platz, was Gelehrte zu der Aussage veranlasst hat, dass der Absatz 9 eingefügt wurde oder eine korrumpierte Version des ursprünglichen Manuskripts in einer moderneren Ära ist. Ein weiteres seltsames strukturelles Merkmal der poetischen Khandas der Kena Upanishad ist Vers 3, der 8 Zeilen hat (typischerweise als 3a und 3b gekennzeichnet), während alle anderen poetischen Verse in den ersten beiden Abschnitten nur 4 Zeilen mit mathematisch-metrischem Aufbau sind.

Es gibt einige Unterschiede in der Positionierung der Kena Upanishad in Manuskripten, die in verschiedenen Teilen Indiens entdeckt wurden. In südindischen Manuskripten ist sie zum Beispiel das neunte Kapitel des Talavakara Brahmana und wird in der Bhasya (Kommentar) von Shankara erwähnt, während das Burnell-Manuskript von Abschnitten des Sama Veda sie im zehnten Anuvaka des vierten Kapitels (im Jaiminia Brahmana) platziert.

Die Kena Upanishad wird als Teil des Sama Veda akzeptiert, aber sie findet sich auch in Manuskripten der Atharva-Sammlung. Der Unterschied zwischen den beiden Versionen ist geringfügig und strukturell - in den Sama-Veda-Manuskripten hat die Kena Upanishad vier Abschnitte, während die Atharva-Manuskripte keine solche Einteilung in Abschnitte zeigen.

Kena Upanishad vollständiger Text

Kenopanishad Sanskrit Text IAST Transliteration

Hier die vollständige Kenopanishad in der wissenschaftlichen IAST Transliteration mit diakritischen Zeichen:

Anfangs-Mantra

om āpyāyantu mamāṅgāni
vākprāṇaścakṣuḥ śrotram
atho balamindriyāṇi ca sarvāṇi
sarvaṃ brahmopaniṣadaṃ
māhaṃ brahma nirākuryāṃ
mā mā brahma nirākarod
anirākaraṇamastu
anirākaraṇam me 'stu
tadātmani nirate
ya upaniṣatsu dharmāḥ
te mayi santu
te mayi santu॥
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ॥

Prathamaḥ Khaṇḍaḥ

keneṣitaṃ patati preṣitaṃ manaḥ । kena prāṇaḥ prathamaḥ praiti yuktaḥ ।
keneṣitāṃ vācamimāṃ vadanti । cakṣuḥ śrotraṃ ka u devo yunakti ॥ 1॥
śrotrasya śrotraṃ manaso mano yat | vāco ha vācaṃ sa u prāṇasya prāṇaḥ |
cakṣuṣaścakṣuratimucya dhīrāḥ | pretyāsmāllokādamṛtā bhavanti || 2 ||
na tatra cakṣurgacchati na vāggacchati no mano
na vidmo na vijānīmo yathaitadanuśiṣyāt।
anyadeva tadviditādatho aviditādadhi।
iti śuśruma pūrveṣāṃ ye nastadvyācacakṣire॥ 3॥
yadvācāanabhyuditaṃ yena vāgabhyudyate।
tadeva brahma tvaṃ viddhi nedaṃ yadidamupāsate॥ 4॥
yanmanasā na manute yenāhurmano matam।
tadeva brahma tvaṃ viddhi nedaṃ yadidamupāsate॥ 5॥
yaccakṣuṣā na paśyati yena cakṣūṃṣi paśyati।
tadeva brahma tvaṃ viddhi nedaṃ yadidamupāsate॥ 6॥
yacchrotreṇa na śṛṇoti yena śrotramidaṃ śrutam।
tadeva brahma tvaṃ viddhi nedaṃ yadidamupāsate॥ 7॥
yatprāṇena na prāṇiti yena prāṇaḥ praṇīyate।
tadeva brahma tvaṃ viddhi nedaṃ yadidamupāsate॥ 8॥

Dvitīyaḥ khaṇḍaḥ

yadi manyase suvedeti dabhramevāpi nūnaṃ tvaṃ vettha brahmaṇo rūpam।
yadasya tvaṃ yadasya deveṣvatha nu mīmāṃsyameva te manye viditam॥ 1॥
nāhaṃ manye suvedeti no na vedeti veda ca।
yo nastadveda tadveda no na vedeti veda ca॥ 2॥
yasyāmataṃ tasya mataṃ mataṃ yasya na veda saḥ।
avijñātaṃ vijānatāṃ vijñātamavijānatām॥ 3॥
pratibodhaviditaṃ matamamṛtatvaṃ hi vindate।
ātmanā vindate vīryaṃ vidyayā vindate'mṛtam॥ 4॥
iha cedavedīdatha satyamasti। na cedihāvedīnmahatī vinaṣṭiḥ।
bhūteṣu bhūteṣu vicitya dhīrāḥ। pretyāsmāllokādamṛtā bhavanti॥ 5॥

Tṛtīya khaṇḍaḥ

brahma ha devebhyo vijigye tasya ha brahmaṇo vijaye devā amahīyanta।
ta aikśantāsmākamevāyaṃ vijayo'smākamevāyaṃ mahimeti॥ 1॥
taddhaiṣāṃ vijajñau tebhyo ha prādurbabhūva tanna vyajānata kimidaṃ yakṣamiti॥ 2॥
te'gnimabruvan jātaveda etadvijānīhi kimetadyakṣamiti tatheti॥ 3॥
tadabhyadravattamabhyavadatko'sītyagnirvā ahamasmītyabravījjātavedā vā ahamasmīti॥ 4॥
tasmiṃstvayi kiṃ vīryamityapīdaṃ sarvaṃ daheyaṃ yadidaṃ pṛthivyāmiti॥ 5॥
tasmai tṛṇaṃ nidadhāvetaddaheti tadupapreyāya sarvajavena tanna śaśāka dagdhuṃ sa tata
eva nivavṛte naitadaśakaṃ vijñātuṃ yadetadyakśamiti॥ 6॥
atha vāyumabruvan vāyavetadvijānīhi kimetadyakśamiti tatheti ॥ 7॥
tadabhyadravattamabhyavadat ko'sīti vāyurvā ahamasmītyabravīnmātariśvā vā ahamasmīti॥ 8॥
tasmiṃstvayi kiṃ vīryamityapīdaṃ sarvamādadīya yadidaṃ pṛthivyāmiti॥ 9॥
tasmai tṛṇaṃ nidadhāvetadādatsveti tadupapreyāya sarvajavena tanna śaśākādātuṃ
sa tata eva nivavṛte naitadaśakaṃ vijñātuṃ yadetadyakśamiti ॥ 10॥
athendramabruvan maghavannetadvijānīhi kimetadyakśamiti tatheti
tadabhyadravat tasmāttirodadhe॥ 11॥
sa tasminnevākāśe striyamājagāma bahuśobhamānāmumāṃ haimavatīṃ tāṃ
hovāca kimetadyakśamiti॥ 12॥


Caturthaḥ Khaṇḍaḥ

sā brahmeti hovāca brahmaṇo vā etadvijaye mahīyadhvamiti tato haiva
vidāñcakāra brahmeti॥ 1॥
tasmādvā ete devā atitarāmivānyāndevānyadagnirvāyurindraste
hyenannediṣṭhaṃ pasparśuste hyenatprathamo vidāñcakāra brahmeti॥ 2॥
tasmād vā indro'titarāmivānyāndevānsa hyenannediṣṭhaṃ pasparśa sa
hyenatprathamo vidāñcakāra brahmeti॥ 3॥
tasyaiṣa ādeśo yadetadvidyuto vyadyutadā itīnnyamīmiṣadā
ityadhidaivatam॥ 4॥
athādhyātmaṃ yaddetad gacchatīva ca mano'nena
caitadupasmaratyabhīkśṇaṃ saṅkalpaḥ॥ 5॥
taddha tadvanaṃ nāma tadvanamityupāsitavyaṃ sa ya etadevaṃ vedābhi hainam sarvāṇi bhūtāni saṃvāñchanti॥ 6॥
upaniṣadaṃ bho brūhītyuktā ta upaniṣad brāhmīṃ vāva ta upaniṣadama-
brūmeti॥ 7॥
tasyai tapo damaḥ karmeti pratiṣṭhā vedāḥ sarvāṅgāni satyamāyatanam॥ 8॥
yo vā etāmevaṃ vedāpahatya pāpmānamanante svarge loke jyeye pratitiṣṭhati
pratitiṣṭhati॥ 9॥

Kenopanishad Devanagari Sanskrit Text

Hier die vollständige Kenopanishad in der Devanagari Schrift:

शान्ति मन्त्र

ओम् आप्यायन्तु ममाङ्गानि
वाक्प्राणश्चक्षुः श्रोत्रम्
अथो बलमिन्द्रियाणि च सर्वाणि
सर्वं ब्रह्मोपनिषदं
माहं ब्रह्म निराकुर्यां
मा मा ब्रह्म निराकरोद्
अनिराकरणमस्तु
अनिराकरणम् मे ऽस्तु
तदात्मनि निरते
य उपनिषत्सु धर्माः
ते मयि सन्तु
ते मयि सन्तु॥
ओं शान्तिः शान्तिः शान्तिः॥

प्रथमः खण्डः

केनेषितं पतति प्रेषितं मनः । केन प्राणः प्रथमः प्रैति युक्तः ।
केनेषितां वाचमिमां वदन्ति । चक्षुः श्रोत्रं क उ देवो युनक्ति ॥ १॥
श्रोत्रस्य श्रोत्रं मनसो मनो यत् | वाचो ह वाचं स उ प्राणस्य प्राणः |
चक्षुषश्चक्षुरतिमुच्य धीराः | प्रेत्यास्माल्लोकादमृता भवन्ति || २ ||
न तत्र चक्षुर्गच्छति न वाग्गच्छति नो मनो
न विद्मो न विजानीमो यथैतदनुशिष्यात्।
अन्यदेव तद्विदितादथो अविदितादधि।
इति शुश्रुम पूर्वेषां ये नस्तद्व्याचचक्षिरे॥ ३॥
यद्वाचाअनभ्युदितं येन वागभ्युद्यते।
तदेव ब्रह्म त्वं विद्धि नेदं यदिदमुपासते॥ ४॥
यन्मनसा न मनुते येनाहुर्मनो मतम्।
तदेव ब्रह्म त्वं विद्धि नेदं यदिदमुपासते॥ ५॥
यच्चक्षुषा न पश्यति येन चक्षूंषि पश्यति।
तदेव ब्रह्म त्वं विद्धि नेदं यदिदमुपासते॥ ६॥
यच्छ्रोत्रेण न शृणोति येन श्रोत्रमिदं श्रुतम्।
तदेव ब्रह्म त्वं विद्धि नेदं यदिदमुपासते॥ ७॥
यत्प्राणेन न प्राणिति येन प्राणः प्रणीयते।
तदेव ब्रह्म त्वं विद्धि नेदं यदिदमुपासते॥ ८॥

द्वितीयः खण्डः

यदि मन्यसे सुवेदेति दभ्रमेवापि नूनं त्वं वेत्थ ब्रह्मणो रूपम्।
यदस्य त्वं यदस्य देवेष्वथ नु मीमांस्यमेव ते मन्ये विदितम्॥ १॥
नाहं मन्ये सुवेदेति नो न वेदेति वेद च।
यो नस्तद्वेद तद्वेद नो न वेदेति वेद च॥ २॥
यस्यामतं तस्य मतं मतं यस्य न वेद सः।
अविज्ञातं विजानतां विज्ञातमविजानताम्॥ ३॥
प्रतिबोधविदितं मतममृतत्वं हि विन्दते।
आत्मना विन्दते वीर्यं विद्यया विन्दतेऽमृतम्॥ ४॥
इह चेदवेदीदथ सत्यमस्ति। न चेदिहावेदीन्महती विनष्टिः।
भूतेषु भूतेषु विचित्य धीराः। प्रेत्यास्माल्लोकादमृता भवन्ति॥ ५॥

तृतीय खण्डः

ब्रह्म ह देवेभ्यो विजिग्ये तस्य ह ब्रह्मणो विजये देवा अमहीयन्त।
त ऐक्शन्तास्माकमेवायं विजयोऽस्माकमेवायं महिमेति॥ १॥
तद्धैषां विजज्ञौ तेभ्यो ह प्रादुर्बभूव तन्न व्यजानत किमिदं यक्षमिति॥ २॥
तेऽग्निमब्रुवन् जातवेद एतद्विजानीहि किमेतद्यक्षमिति तथेति॥ ३॥
तदभ्यद्रवत्तमभ्यवदत्कोऽसीत्यग्निर्वा अहमस्मीत्यब्रवीज्जातवेदा वा अहमस्मीति॥ ४॥
तस्मिंस्त्वयि किं वीर्यमित्यपीदं सर्वं दहेयं यदिदं पृथिव्यामिति॥ ५॥
तस्मै तृणं निदधावेतद्दहेति तदुपप्रेयाय सर्वजवेन तन्न शशाक दग्धुं स तत
एव निववृते नैतदशकं विज्ञातुं यदेतद्यक्शमिति॥ ६॥
अथ वायुमब्रुवन् वायवेतद्विजानीहि किमेतद्यक्शमिति तथेति ॥ ७॥
तदभ्यद्रवत्तमभ्यवदत् कोऽसीति वायुर्वा अहमस्मीत्यब्रवीन्मातरिश्वा वा अहमस्मीति॥ ८॥
तस्मिंस्त्वयि किं वीर्यमित्यपीदं सर्वमाददीय यदिदं पृथिव्यामिति॥ ९॥
तस्मै तृणं निदधावेतदादत्स्वेति तदुपप्रेयाय सर्वजवेन तन्न शशाकादातुं
स तत एव निववृते नैतदशकं विज्ञातुं यदेतद्यक्शमिति ॥ १०॥
अथेन्द्रमब्रुवन् मघवन्नेतद्विजानीहि किमेतद्यक्शमिति तथेति
तदभ्यद्रवत् तस्मात्तिरोदधे॥ ११॥
स तस्मिन्नेवाकाशे स्त्रियमाजगाम बहुशोभमानामुमां हैमवतीं तां
होवाच किमेतद्यक्शमिति॥ १२॥


चतुर्थः खण्डः

सा ब्रह्मेति होवाच ब्रह्मणो वा एतद्विजये महीयध्वमिति ततो हैव
विदाञ्चकार ब्रह्मेति॥ १॥
तस्माद्वा एते देवा अतितरामिवान्यान्देवान्यदग्निर्वायुरिन्द्रस्ते
ह्येनन्नेदिष्ठं पस्पर्शुस्ते ह्येनत्प्रथमो विदाञ्चकार ब्रह्मेति॥ २॥
तस्माद् वा इन्द्रोऽतितरामिवान्यान्देवान्स ह्येनन्नेदिष्ठं पस्पर्श स
ह्येनत्प्रथमो विदाञ्चकार ब्रह्मेति॥ ३॥
तस्यैष आदेशो यदेतद्विद्युतो व्यद्युतदा इतीन्न्यमीमिषदा
इत्यधिदैवतम्॥ ४॥
अथाध्यात्मं यद्देतद् गच्छतीव च मनोऽनेन
चैतदुपस्मरत्यभीक्श्णं सङ्कल्पः॥ ५॥
तद्ध तद्वनं नाम तद्वनमित्युपासितव्यं स य एतदेवं वेदाभि हैनम् सर्वाणि भूतानि संवाञ्छन्ति॥ ६॥
उपनिषदं भो ब्रूहीत्युक्ता त उपनिषद् ब्राह्मीं वाव त उपनिषदम
ब्रूमेति॥ ७॥
तस्यै तपो दमः कर्मेति प्रतिष्ठा वेदाः सर्वाङ्गानि सत्यमायतनम्॥ ८॥
यो वा एतामेवं वेदापहत्य पाप्मानमनन्ते स्वर्गे लोके ज्येये प्रतितिष्ठति
प्रतितिष्ठति॥ ९॥

Kena Upanishad vollständige Übersetzung von Paul Deussen

Die Kena-Upanishad des Sāmaveda

Erster Khanda

1. „Von wem gesandt, fliegt ausgesandt das Manas hin?
Von wem zuerst geschirrt, streicht hin der Odem?
Wer schickt die Rede aus, die wir hier reden?
Wer ist der Gott, der anschirrt Ohr und Auge?“
2. Des Hörens Hören und des Denkens Denken,
Der Rede Reden  sie ist Hauch des Hauchs nur, 
Des Auges Seh'n,  der Weise lässt sie fahren;
Und wird, hinscheidend aus der Welt, unsterblich.
3. „Das, bis zu dem kein Aug' vordringt,
Nicht Rede und Gedanke nicht,
Bleibt unbekannt, und nicht sehn wir,
Wie einer es uns lehren mag!“
3b. Verschieden ist's vom Wissbaren,
Und doch darum nicht unbewusst! 
So haben von den Altvordern
Die Lehre überkommen wir.
4. Was unaussprechbar durch Rede,
Wodurch Rede aussprechbar wird,
Das sollst du wissen als Brahman,
Nicht jenes, was man dort verehrt.
5. Was durch das Denken undenkbar,
Wodurch das Denken wird gedacht,
Das sollst du wissen als Brahman,
Nicht jenes, was man dort verehrt.
6. Was durch das Auge unsehbar,
Wodurch man auch das Auge sieht,
Das sollst du wissen als Brahman,
Nicht jenes, was man dort verehrt.
7. Was durch die Ohren unhörbar,
Wodurch man auch das Ohr vernimmt,
Das sollst Du wissen als Brahman,
Nicht jenes, was man dort verehrt.
8. Was man durch Riechen nicht wahrnimmt,
Wodurch das Riechen wird gewirkt,
Das sollst Du wissen als Brahman,
Nicht jenes, was man dort verehrt.

Zweiter Khanda

9. Wenn du (in der erwähnten Weise das Brahman verehrend) vermeinst, dass du es wohl kennest, so ist das trügend; auch so kennst du von Brahman nur die Erscheinungsform, was von ihm du (als verehrendes Subjekt) bist und was von ihm unter den Göttern (als Objekt der Verehrung) ist. Du musst es also noch weiter erforschen.
„Ich meine doch, es zu wissen!
10. Zwar weiß ich es nicht ganz, doch auch
Nicht weiß ich, dass ich es nicht weiß!
Wer von uns etwas weiß, weiß es,
Nicht weiß er, dass er es nicht weiß.“
11. Nur wer es nicht erkennt, kennt es,
Wer es erkennt, der weiß es nicht, 
Nicht erkannt vom Erkennenden,
Erkannt vom Nicht-Erkennenden!
12. In wem es aufwacht, der weiß es
Und findet die Unsterblichkeit;
Dass er es selbst ist, gibt Kraft ihm,
Dass er dies weiß, Unsterblichkeit.
13. Wer ihn hienieden fand, besitzt die Wahrheit,
Wer ihn hier nicht fand, dem ist's groß Verderben.
In jedem Wesen nimmt ihn wahr der Weise
Und wird, hinscheidend aus der Welt, unsterblich.

Dritter Khanda

14. Es geschah, dass das Brahman für die Götter den Sieg (über die Dämonen, Brih. 1,3) erfocht. Die Götter aber brüsteten sich ob dieses Sieges des Brahman; denn sie dachten: „Unser ist der Sieg, unser ist dieser Ruhm.“
15. Als das Brahman bemerkte, dass sie das taten, machte es sich ihnen offenbar; sie aber erkannten es nicht und sprachen: „Was ist das für ein Wunderding?“
16. Und sie sprachen zu Agni: „Erforsche doch, o Wesenkenner, was das für ein Wunderding ist!“ „So sei es!“ sprach er.
17. Und er stürzte auf dasselbe los. Da redet das Brahman ihn an und sprach: „Wer bist du?“ „Ich bin der Agni“, sprach er, „ich bin der Kenner der Wesen.“
18. „Wenn du der bist, welches ist deine Kunst?“ „Ich vermag, dieses alles zu verbrennen, was hier auf Erden ist.“
19. Da legte ihm Brahman einen Strohhalm vor und sprach: „So verbrenne dieses!“ Er stürmte darauf los mit allem Ungestüme, aber er vermochte nicht, ihn zu verbrennen. Da kehrte er zurück und sprach: „Ich habe es nicht zu erforschen vermocht, was das für ein Wunderding ist.“
20. Da sprachen sie zu Vāyu (dem Gott des Windes): „Erforsche doch, o Vāyu, was das für ein Wunderding ist!“  „So sei es!“ sprach er.
21. Und er stürzte auf dasselbe los. Da redete das Brahman ihn an und sprach: „Wer bist du?“  „Ich bin der Vāyu“, sprach er, „ich bin der Mātarishvan (der in der Mutter, d. i. dem Luftraume, Schwellende, Shank.).“ 
22. „Wenn du der bist, welches ist deine Kunst?“  „Ich vermag, dieses alles fortzureißen, was hier auf Erden ist.“ 
23. Da legte ihm Brahman einen Strohhalm vor und sprach: „So reiße dieses fort!“  Er stürmte darauf los mit allem Ungestüme, aber er vermochte nicht, es fortzureißen. Da kehrte er zurück und sprach: „Ich habe es nicht zu erforschen vermocht, was das für ein Wunderding ist.“
24. Da sprachen sie zu Indra: „Erforsche doch, o Mächtiger, was das für ein Wunderding ist!“  „So sei es!“ sprach er. Und er stürzte auf dasselbe los. Da verbarg es sich vor ihm.
25. Er aber begegnete an demselbigen Orte einem Weibe, die war sehr schön, der Umā, Tochter des Himavant (der Gemahlin des Shiva, hier nach Shank. als Personifikation des Wissens auftretend). Zu der sprach er: „Was ist das für ein Wunderding?! 

Vierter Khanda

26. „Das ist das Brahman“, sprach sie, „das Brahman, welches jenen Sieg erfocht, ob des ihr euch brüstet!“  Da erst erkannte er, dasss das Brahman war.
27. Darum, fürwahr, sind diese Götter gleichsam erhaben über die anderen Götter, nämlich Agni, Vāyu und Indra. Denn sie hatten das Brahman am nächsten berührt, sie (und unter ihnen wieder Indra) hatte es zuerst erkannt, dass das Brahman war.
28. Darum, fürwahr, ist Indra gleichsam erhaben über die andern Götter, denn er hatte Brahman am nächsten berührt, er hatte es zuerst erkannt, dass es das Brahman war.
29. Über selbiges ist diese Unterweisung. Was an dem Blitze das ist, dass es blitzt und man ruft „ah“ und schließt die Augen, - dies, dass man „ah“ ruft (ist seine Unterweisung) in Bezug auf die Gottheit.
30. Nun in Bezug auf die Seele. Wenn etwas gleichsam eintritt in den Geist, dass man dadurch sich erinnert an etwas im Augenblick, dieses Vorstellen (ist seine Unterweisung).
31. Selbiges heißet mit Namen: „Nach-ihm-das-Sehnen“; als „Nach-ihm-das-Sehnen“ soll man es verehren. Wer selbiges als solches weiß, zu dem wohl sehnen hin sich die Wesen alle.
32. Sagst du noch: „Lehre mich die Upanishad“, so antworten wir: Gelehrt ist die Upanishad, denn wir haben dir die geheimnisvolle Lehre von dem Brahman verkündigt.
33. Die Buße, die Bezähmung, das Werk, das sind ihre Grundlagen (die sie voraussetzt), die Veden bilden alle Glieder (Taitt. 2,3) derselben, die Wahrheit, das ist ihr Stützpunkt.
34. Wahrlich, wer dieselbe also weiß, der wehret dem Bösen und in der unendlichen Himmelswelt, der unüberwindlichen (ajyeye mit M.Müller) ist er gegründet, - ist er gegründet.

Vollständige Kena Upanishad jeder Vers einzeln übersetzt und erläutert

Shanti Mantra

Anfangs-Mantra

om āpyāyantu mamāṅgāni
vākprāṇaścakṣuḥ śrotram
atho balamindriyāṇi ca sarvāṇi
sarvaṃ brahmopaniṣadaṃ
māhaṃ brahma nirākuryāṃ
mā mā brahma nirākarod
anirākaraṇamastu
anirākaraṇam me 'stu
tadātmani nirate
ya upaniṣatsu dharmāḥ
te mayi santu
te mayi santu॥
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ॥

Om. Mögen meine Glieder, meine Sprache, mein Auge, mein Ohr, meine Stärke und alle meine Sinne kräftig und vital werden. Alles ist das brahman der upaniṣad. Möge ich niemals das brahman verleugnen. Möge brahmanmich niemals zurückweisen. Möge es keine Verleugnung des brahman geben. Möge es keine Zurückweisung durch brahman geben. Mögen alle Tugenden, die durch die upa- niṣads beschrieben werden, gegenwärtig sein in mir, der im ātman seine Freude hat. Mögen sie in mir gegenwärtig sein! Oṃ, Frieden! Frieden! Frieden!

om (Partikel) = om (eine heilige Silbe)

āpyāyantu (1. Klasse Verbwurzel: āpyai) (Imperativ, parasmaipada , 3. Person, Plural) = mögen sie im Überfluss in Lebenskraft
mama (Pronomen, 1. Person, Genitiv, Singular) = mein
aṅgāni (Stammform: aṅga) (Neutrum, Nominativ, Singular) = Gliedmaßen
vāk (Stammform: vāk) (Femininum, Nominativ, Singular) = Rede
prāṇas (Stammform: prāṇa) (männl., Nominativ, Singular) = Atem
cakṣus (Stammform: cakṣus) (männl., Nominativ, Singular) = Anblick
śrotram (Stammform: śrotra) (Neutrum, Nominativ, Singular) = Hören
atho (Adverb) (unbestimmbar) = und auch
balam (Stammform: bala) (Neutrum, Maskulinum/Akkusativum, Singular) = Stärke
indriyāṇi (Stammform: indriya) (Neutrum, Maskulinum/Neutrum, Plural) = Sinne
ca (Konjunktion) (uneindeutig) = und\
sarvāṇi (Stammform: sarva) (Neutrum, Nominativ, Plural)= alle
sarvam (Stammform: sarva) (Neutrum, Nominativ, Singular) = alle
brahma (Stammform: brahman) (Neutrum, Nominativ, Singular) = Brahman
upaniṣadam (Stammform: upaniṣad) (feminin, Akkusativ, Singular) = Upanishad
mā (prohibitiv) (unbestimmbar) = nicht
aham (Pronomen, 1. Person, Nominativ, Singular) = ich
brahma (Stammform: brahman) (Neutrum, Akkusativ, Singular) = Brahman
nirākuryām (Verbwurzel 8. Klasse: nirākṛ) (Optativ, parasmaipada , 1. Person, Singular) = darf ich ablehnen
mā (Pronomen, 1. Person, Akkusativ, Singular) = ich
mā (Prohibitiv) (unbestimmbar) = nicht
brahma (Stammform: brahman) (Neutrum, Nominativ, Singular) = Brahman
nirākarod (Verbwurzel 8. Klasse: nirākṛ) (Imperfekt, parasmaipada , 3. Person, Singular) = abgelehnt
anirākaraṇam (Stammform: nirākaraṇa) (a + nirākaraṇam) (Neutrum, Akkusativ, Singular) = Nicht-Ablehnung
astva (2. Klasse Verbwurzel: als) (Gerundium) (unbestimmbar)= da sein
nirākaraṇam (Stammform: nirākaraṇa) (Neutrum, Nominativ, Singular) = keine Erwartung; ich (Pronomen, 1. Person, Dativ, Einzahl) = für mich
astu (2. Klasse Verbwurzel: as) (Imperativ, parasmaipada , 3. Person, Singular) = möge es sein
tat (Pronomen, 3. Person, Neutrum, Nominativ, Singular)= das
ātmani (Stammform: ātman) (Maskulinum, Lokativ, Singular) = im Selbst
nirate (Stammform: nirata) (Maskulinum/Neutrum, Lokativ, Singular) = in der Zufriedenheit
yas (Pronomen, 3. Person, Maskulinum, Nominativ, Singular) = der
upaniṣatsu (Stammform: upaniṣad) (feminin, Lokativ, Plural) = in den Upanishaden
dharmās (Stammform: dharma) (Maskulinum, Nominativ, Plural) = dharmas
te (Pronomen, 3. Person, Neutrum, Nominativ, Plural) = sie
mayi (Pronomen, 1. Person, Lokativ, Singular) = in mir
santu (Verbwurzel 2. Klasse: als) (Imperativ, parasmaipada , 3. Person, Plural) = sie müssen sein
te (Pronomen, 3. Person, Neutrum, Nominativ, Plural) = sie
mayi (Pronomen, 1. Person, Lokativ, Singular) = in mir
santu (Verbwurzel 2. Klasse: als) (Imperativ, parasmaipada , 3. Person, Plural) = sie müssen sein
om (Partikel) = om (eine heilige Silbe)
śāntis (Stammform: śānti) (feminin, Nominativ, Singular) = Frieden
śāntis (Stammform: śānti) (Femininum, Nominativ, Singular) = Frieden
śāntis (Stammform: śānti) (Femininum, Nominativ, Singular) = Frieden


Erstes Kapitel - Prathamaḥ Khaṇḍaḥ

1.1. Erster Vers 1. Kapitel Kenopanishad

keneṣitaṃ patati preṣitaṃ manaḥ ।
kena prāṇaḥ prathamaḥ praiti yuktaḥ ।
keneṣitāṃ vācamimāṃ vadanti ।
cakṣuḥ śrotraṃ ka u devo yunakti ॥ 1॥

Übersetzung Swami Sivananda: SCHüLER: Wer treibt den Geist an, dass er sich auf seinen Objekten niederlässt? Auf wessen Befehl beginnt prāṇa zu funktionieren? Auf wessen Befehl sprechen die Menschen? Welche Intelligenz lenkt die Augen und die Ohren (auf ihre jeweiligen Objekte)?

Übersetzung 2: Om. Wodurch wird das Belebte, der Geist getrieben? Wodurch wird der erste Atemzug manifestiert? Wodurch wird diese belebte Sprache? Und welche Gottheit jocht Sehen und Hören?

Übersetzung Paul Deussen:

„Von wem gesandt, fliegt ausgesandt das Manas hin?
Von wem zuerst geschirrt, streicht hin der Odem?
Wer schickt die Rede aus, die wir hier reden?
Wer ist der Gott, der anschirrt Ohr und Auge?“

Wort-für-Wort-Übersetzung

kena (mn. inst. sing. interrogativ pron. kim): von wem? mit wem? von was? mit was?
iṣitam (n. nom. sing. iṣita; pass. p. √iṣ): bewegt, getrieben, hinausgeschickt.
patati (3. Sing. pres. indic. P. √pat): fliegt, schwebt, rauscht weiter; fällt.
preṣitam (n. nom. sing. praiṣita; vergangenes pass. P. √iṣ): in Bewegung gesetzt, angetrieben.
manaḥ (n. nom. sing. manas; von √man): Geist.
kena (mn. inst. sing. Interrogativpronomen kim): durch wen? mit wem? durch was? mit was?
prānaḥ (m. nom. sing. prāṇa): Lebensatem, Atem, Vitalität; eingeatmete Luft.
prathamaḥ (m. nom. sing. prathama; Superlativ pra): vorderste, erste (in Zeit oder Rang); früheste, ursprüngliche; vorangehende.
praiti (3. Sing. pres. indic. P. pra √i): geht voran.
yuktaḥ (m. nom. sing. yukta; past pass. p. √yuj): gejocht.
kena (mn. inst. sing. interrogativ pron. kim): von wem? mit wem? mit was? mit was?
iṣitām (f. acc. sing. iṣita; past pass. p. √iṣ): bewegt, getrieben, hinausgeschickt.
vācam (f. sing. acc. vāc; von √vac): Rede, Wort.
imām: (f. acc. sing. pron. idam): das.
vadanti (3. Pl. pres. indic. P. √vad): (sie) sprechen, sagen, erzählen, äußern, verkünden.
cakṣuḥ (n. acc. sing. cakṣus; von √cakṣ): Auge, sehen.
śrotram (n. acc. sing. śrotra; von √śru): Ohr, Hören.
kaḥ (m. nom. sing. Interrogativpronomen kim): wer? was?
u (ind.): ein Ausdruck der Betonung; ein Ausrufezeichen.
devaḥ (n. nom. sing. deva; von √div): Gott, Gottheit.
yunakti (3. Sing. pres. indic. P. √yuj): jochen.

Erläuterung Swami Sivananda: Die acht mantras (bzw. verse) dieses khaṇḍa sind sehr erhebend und inspirierend. sie werden dich stetig zum ziel bringen, wenn du über diese Ideen meditierst. sie werden dich erkennen lassen, dass dir das selbst sehr nahe ist. Diese mantras sind geeignet für ständiges Wiederholen, für reflektion und Meditation. sie werden den Geist nach innen ziehen. sie werden dich sehr schnell vor das tor der Intuition führen, wenn du konzentriert über diese Gedanken meditierst, am besten zu brāhma-muhūrta (ca. 4 Uhr morgens), wenn der Geist noch frei ist von den strömungen von rajas und tamas.

Kena – durch wen? durch welchen Urheber?; iṣitam – gewünscht, dirigiert, gelenkt; patati – fällt, lässt sich nieder, schreitet voran, geht (zu seinen Objekten); preṣitam– ausgesandt.

Der Fragende ist ein intelligenter Mensch, der Unterscheidungsfähigkeit hat. er ist wahrhaft ein Forschender. er dürstet nach wahrem Wissen. Er ist sehr darauf bedacht, die höchste entität zu erkennen, die unveränderlich und ewig ist. er glaubt, dass eine höhere, unabhängige Intelligenz den Geist/verstand kontrolliert und lenkt, ebenso wie die lebenskraft (prāṇa) und die sinne.

1.2. Zweiter Vers 1. Kapitel Kenopanishad

śrotrasya śrotraṃ manaso mano yat |
vāco ha vācaṃ sa u prāṇasya prāṇaḥ |
cakṣuṣaścakṣuratimucya dhīrāḥ |
pretyāsmāllokādamṛtā bhavanti || 2 ||

Übersetzung Swami Sivananda: LEHRER: Es ist das Ohr des Ohres, der Geist des Geistes, die Zunge der Zunge (die Sprache der Sprache) und auch das Leben des Lebens und das Auge des Auges. Die Weisen, die losgelassen haben (die Idee von „Selbst“ oder Ich-Identifikation) und sich über das Sinnesleben erhoben haben, werden unsterblich.

Übersetzung 2: [Lehrer:] Was das Gehör des Gehörs ist, der der Verstand vom Verstand, die Rede von der Rede, der Atem des Atems, und das Sehen des Sehens, das ist das eine. Die Weisen, die sich befreit haben und von dieser Welt weggehen sind unsterblich.

Übersetzung Paul Deussen:

Des Hörens Hören und des Denkens Denken,
Der Rede Reden  sie ist Hauch des Hauchs nur,
Des Auges Seh'n,  der Weise lässt sie fahren;
Und wird, hinscheidend aus der Welt, unsterblich.

Wort-für-Wort-Übersetzung

śrotrasya (n. gen. sing. śrotra; von √śru): des Ohres, des Gehörs.
śrotram (n. nom. sing. śrotra; von √śru): das Ohr, das Gehör.
manasaḥ (n. gen. sing. manas; von √man): des Geistes.
manaḥ (n. nom. sing. manas; von √man): der Geist.
yat (n. nom. sing. Relativpronomen yad): das, was, das.
vācaḥ: (f. gen. sing. vāc; von √vac): der Rede, des Wortes.
vācam (f. acc. sing. vāc; von √vac): die Rede, das Wort.
saḥ (m. nom. sing. pron. tad): er; das.
u (ind.): ein Ausdruck der Betonung; ein Ausrufezeichen.
prāṇasya (m. gen. sing. prāṇa): von Lebensatem, von Vitalität.
prāṇaḥ (m. nom. sing. prāṇa): der Lebensatem, die Lebenskraft.
cakṣuṣaḥ (n. gen./abl. sing. cakṣus; von √cakṣ): vom Auge, vom Sehen; vom Auge, vom Sehen.
cakṣuḥ (n. nom. sing. cakṣus; von √cakṣ): das Auge, das Sehen.
atimucya (ger. ati √muc): losgelassen haben, befreit.
dhīrāḥ (mf. nom. pl. dhīra; prob. von √dhṛ oder √dhā): der Weise, Geschickte, Kluge; der Stetige, Beständige, Feste.
pretya (ger. pra √i): hinausgegangen sein (d.h. gestorben sein).
asmāt (m. abl. sing. pron. idam): von diesem.
lokāt (m. abl. sing. loka): aus der Welt.
amṛtāḥ (mf. nom. pl. amṛta; pass. p. a √mṛ): der Unsterbliche.
bhavanti (3. Pl. pres. indic. P. √bhū): (sie) sind, werden, entstehen.

Erläuterung Swami Sivananda:

Dieser Vers ist die Antwort auf die Fragen des 1. Verses. Der Lehrer antwortet dem würdigen Schüler, der ihn gefragt hat. Hinter dem Geist, Atem und den Sinnen ist Brahman, das Höchste Selbst. Wer dieses Brahman kennt erlangt Unsterblichkeit.

Unwissende Menschen identifizieren sich mit dem Körper, Geist, Prana und den Sinnen aufgrund von Unwissenheit, Avidya. Sie halten irrtümlicherweise diese falschen vergänglichen begrenzenden Attribute oder Fahrzeuge für den reinen unsterblichen Atman und sind daher im Kreislauf von Geburt und Tod gefangen. Aber weise Menschen lassen diese falsche Identifikation hinter sich, trennen sich von diesen begrenzenden Hüllen durch Hinterfragen, Unterscheidung und Anvaya-vatireka Yukti und die Praxis von Neti-Neti (Ich bin nicht der Körper, ich bin nicht das Prana, ich bin nicht der Geist, ich bin nicht die Sinne), identifizieren sich mit dem alldurchdringenden, ewigen, reinen Brahman, erlangen Wissen über Brahman und erreichen die Unsterblichkeit.

Atimuchya – frei seiend; der Ich-Identifikation mit den begrenzenden Werkzeugen wie Körper, Geist, Prana, Sinnen entsagt habend; der falschen Vorstellung entsagt habend, dass das Ohr, der Geist, das Prana usw. der Atman ist; Pretya – indem sie sich davon abgewandt haben; Asmat – von diesem; Lokat – Welt, Körper.

Einige Kommentatoren interpretieren Asmallokat pretya als „diese Welt verlassend“ oder „diesen sterblichen Körper verlassen habend“. Es kann aber auch bedeuten „sich über das sinnliche Leben erhebend“, denn die Weisen erlangen Unsterblichkeit sobald sie sich über das sinnliche Leben erheben und im höheren Selbst leben. Sie werden unsterblich, noch während sie in diesem Körper weilen. Sie brauchen nicht zu warten, bis sie den Körper oder die Welt verlassen, um unsterblich zu werden. Diese Interpretation ist passender.

So wie Wasser in einem Gefäß durch die Sonne oder ein Feuer erwärmt wird, so borgen auch der Geist, das Prana und die Sinne ihr Licht und ihre Kraft vom Atman. Der Atman ist die Quelle all dieser Organe. Das Ohr hört nur dank des Lichtes des Atman, die Zunge spricht nur durch die Kraft des Atman, der Geist denkt nur durch die Kraft des Atman und das Prana wirkt als Lebenskraft nur durch die Kraft des Atman. Der Geist und die Organe sind unbelebt und nicht intelligent aus sich heraus. Sie scheinen eine eigene Intelligenz zu besitzen durch das Licht und die Kraft des Atman. Brahman, Atman, gibt dem Ohr die Kraft des Hörens, dem Geist die Kraft des Denkens, der Zunge die Kraft der Rede, die Kraft des Leben dem Prana, dem Auge die Kraft des Sehens. Daher heißt es, Es ist das Ohr des Ohres, der Geist des Geistes, usw.

Es gibt einen Herrscher des Ohres, des Auges, der Zunge, des Geistes, der Lebenskraft, der sich von Ohr, Geist, Prana usw. unterscheidet. Die Ohren, die Augen, der Geist, das Prana usw. existieren für Seinen Gebrauch, so wie das Haus für den Gebrauch des Eigentümers da ist. Der Herrscher ist Brahman bzw. Atman.

Die Shruti (Schrift) sagt: „Brahman strahlt aus Seinem eigenen Licht heraus.“ „Durch Sein Licht wird das ganze Universum erleuchtet.“ „Die Sonne, der Mond, die Sterne, das Feuer und der Blitz strahlen durch Sein Licht.“ „Wer könne leben und atmen, wenn da nicht das aus sich selbst strahlende Brahman wäre.“ „Er lenkt den Prana nach oben und den Apana nach unten.“ Die Bhagavad-Gita (XIII-33) sagt;: „Wie die Sonne die ganze Welt erleuchtet, so erleuchtet der Atman (Kshetri), o Bharata, all diese Körper (Kshetra).“

Durch Verzicht auf alle Wünsche wird man unsterblich. In dieser Welt spricht der Mensch immer von „mein Sohn“, „meine Frau“, „mein Haus“ usw. Die Weisen unterlassen all solche weltlichen Gespräche und Wünsche (pretya asmallokat) und erlangen Unsterblichkeit durch Meditation über Brahman, der das Ohr des Ohres, der Geist des Geistes, usw. ist. Die Shruti sagt: „Nicht durch Taten, noch durch Nachkommenschaft, noch durch Reichtum, sondern nur durch Entsagung erreicht man die Unsterblichkeit.“ „Wenn man alle Wünsche hinter sich lässt, erlangt man das Brahman.“ „Alle Sinne nach innen gezogen habend um des Wunsches nach Unsterblichkeit willen.“

1.3. Dritter Vers 1. Kapitel Kenopanishad

na tatra cakṣurgacchati na vāggacchati no mano
na vidmo na vijānīmo yathaitadanuśiṣyāt।
anyadeva tadviditādatho aviditādadhi।
iti śuśruma pūrveṣāṃ ye nastadvyācacakṣire॥ 3॥

Übersetzung Swami Sivananda: Dorthin gelangt das Auge nicht, auch nicht die Sprache und nicht der manas.

Wir wissen deshalb nicht, wie wir jemanden über ES lehren sollen.

ES ist verschieden von dem, was bekannt ist und ES ist jenseits von dessen, was unbekannt ist.

So haben wir es von den Lehrern der alten Zeit gehört, die es uns gelehrt haben.

Übersetzung 2: Das Sehen geht nicht dorthin, die Sprache geht nicht dorthin, auch nicht der Verstand.

Wir können nicht wissen und wir können nicht unterscheiden, wie man das lehren könnte.

Das ist in der Tat anders als das Bekannte und auch jenseits des Unbekannten. So hörten wir von den Alten, die uns das erklärt haben.

Übersetzung Paul Deussen:

„Das, bis zu dem kein Aug' vordringt,
Nicht Rede und Gedanke nicht,
Bleibt unbekannt, und nicht sehn wir,
Wie einer es uns lehren mag!“
Verschieden ist's vom Wissbaren,
Und doch darum nicht unbewusst!
So haben von den Altvordern
Die Lehre überkommen wir.


Wort-für-Wort-Übersetzung


na (ind.): nicht.
tatra (ind.): dort.
cakṣuḥ (n. nom. sing. cakṣus; von √cakṣ): das Auge, das Sehen.
gacchati (3. Sing. pres. indic. P. √gam): geht.
na (ind.): nicht.
vāk (f. nom. sing. vāc; von √vac): Rede, Wort.
gacchati (3. Sing. pres. indic. P. √gam): geht.
na (ind.): nicht.
u (ind.): ein Ausdruck der Betonung; ein Ausrufezeichen.
manaḥ (n. nom. sing. manas; von √man): der Geist.
na (ind.): nicht.
vidmaḥ (1. Pl. pres. indic. P. √vid): wir nehmen wahr, wissen, wissen.
na (ind.): nicht.
vijānīmaḥ (1. Pl. pres. indic. P. vi √jñā): wir unterscheiden, erkennen, wissen.
yathā (ind.): das, als, als ob, wie, wie.
etat (n. acc. sing. pron. etad): dies.
anuśiṣyāt (3. Sing. opt. P. anu √śās): sollte/könnte/könnte regieren, lehren.
anyat (n. nom. sing. pronominal adj. anya): anders als, verschieden von; ein anderer.
eva (ind.): so, in der Tat, wirklich, nur.
tat (n. nom. sing. pron. tad): es, das.
viditāt (n. abl. sing. vidita; past pass. p. √vid): als das Bekannte, Gesehene.
atho (ind.): jetzt, gleichfalls, als nächstes, deshalb.
aviditād (n. abl. sing. avidita; pass. p. a √vid): als das Unbekannte, Ungesehene, Unbewusste.
adhi (ind.): über, über.
iti (ind.): so; ein Hinweis, dass die vorherigen Worte gesagt oder gedacht wurden.
śuśruma (1. Pl. pf. P. √śru): (wir) hörten.
pūrveṣām (m. gen. pl. pūrva): von den Ersten, Früheren, Vorangegangenen, Alten.
ye (m. nom. pl. Relativpronomen yad): wer, was, was, das.
naḥ (dat. pl. Kurzpronomen asmad): für uns; für uns.
tat (n. nom. sing. pron. tad): es, das.
vyācacakṣire (3. Pl. pf. Ᾱ. vi ā √cakṣ): erklärt, vorgetragen.


Erläuterung Swami Sivananda:

Das auge und die Organe können nicht zu brahman gelangen. sie können sich Ihm nicht nähern, denn man kann nicht zu seinem eigenen selbst gehen. Wie könnten die augen den seher sehen, der sieht? Das auge ist ein Objekt der Wahrnehmung für den Geist und den ātman. Wie geschickt ein akrobat auch sein mag, er kann nicht auf seine eigenen schultern springen. so ist es auch mit den sinnen. Das auge kann nur die äußeren Objekte des Universums sehen. Das ist seine einzige aufgabe. Wie kann es seine eigene Quelle kennen oder erreichen, die extrem subtil ist? Denn es ist nicht möglich, zu seinem eigenen selbst zu gehen. ebenso kann auch die sprache nicht dorthin gelangen. Wenn du das Wort „Kuh“ aussprichst, dann erhellt dieses Wort den Gegenstand Kuh, der durch es bezeichnet wird. Dann wird gesagt, dass das Wort zu seinem Objekt geht. Die Quelle, die Grundlage, der Wohnsitz und der ruheplatz des Wortes und des Organs, das es ausspricht, ist brahman. Daher können die sprache bzw. der Mund dorthin nicht gehen; sie können sich brahman nicht nähern.

Der manas (Geist, Denkorgan, verstand, Gefühle etc.) kann auch nicht dorthin gelangen. Wie kann er den erkennenden erkennen? Genau wie das Feuer, das andere Dinge verbrennt oder beleuchtet, nicht sich selbst verbrennen oder beleuchten kann, so kann auch der manas, der äußere Objekte über die Wege der sinne erkennt, nicht ātman bzw. brahman erkennen, denn brahman ist auch die Quelle vom begrenzten manas. Wie könnte das endliche das Unendliche erkennen? Der grobstoffliche, unreine Geist kann sich brahman nicht nähern; aber der subtile, reine Geist kann zu ihm kommen, denn der reine Geist ist selbst brahman. Brahman kann kein Objekt der Wahrnehmung sein, denn brahman ist ohne teile, ohne eigenschaften und extrem subtil. er ist jenseits der reichweite der sinne (atīndriya) (unerreichbar adriśya). er kann nur intuitiv in der Meditation realisiert werden. Die sinne und der manas können nur äußere Objekte des Universums wahrnehmen.

Du kannst anderen Menschen etwas über sinnesgegenstände erklären, indem du ihre attribute beschreibst, ihre art, ihre aktivitäten etc. aber brahman ist ohne attribute, ohne art etc. Daher ist es nicht möglich, schüler etwas über brahman zu lehren. Brahman zu definieren bedeutet brahman zu negieren. Saccidānanda (Wahrheit [sat], Wissen [cit], Wonne [ānanda]) ist nur eine behelfsmäßige Definition. Deswegen drücken die śrutis (schriften) brahman durch die neti-neti-lehre aus. Der lehrer sollte sich sehr anstrengen, wenn er lehrt; und der schüler sollte einen feinen, scharfen, reinen und zielgerichteten Intellekt haben.

es ist nicht möglich, den schüler durch das zeugnis der sinne oder andere Beweise zum Glauben an den ātman zu bringen. aber es ist durchaus möglich, ihn glauben und verstehen zu lassen mit der hilfe der śrutis. Brahman kann nicht auf gleiche Weise erkannt und erklärt werden, wie wir die natur der Objekte erkennen und erklären.

Tat – Das, brahman, das Ohr des Ohres; viditat – von dem bekannten vyakta (das Manifeste), d.h. dem ganzen manifesten Universum, allen objektiven Phänomenen; anyat – etwas Unterschiedenes; aviditāt – durch das Unbekannte bzw. avyakta, den samen aller Manifestation; adhi – „oberhalb“/„darüber“, verschieden bzw. etwas verschiedenes von…

Brahman unterscheidet sich vom Bekannten (vyakta), von dem ganzen manifesten Universum und von dem Unbekannten (avyakta). Wenn es heißt: „Brahman unterscheidet sich vom Bekannten“, mögen die leute vielleicht den avyakta bzw. das Unbekannte für brahman halten. Um diese verwirrung oder Fehlinterpretation zu vermeiden, sagt der text: „Brahman ist auch jenseits des Unbekannte“.

Wenn uneingeweihte Menschen die zeile „Brahman unterscheidet sich von dem Bekannten und ist jenseits von dem Unbekannten“ lesen, mögen sie vielleicht schlussfolgern, dass brahman eine nichtentität ist oder nur ein merkwürdiges Produkt der einbildung der ṛṣis und vedāntīs. ein eingeweihter würde antworten: Das ist nicht so. Brahman ist die einzige Wirklichkeit. Brahman ist Grundlage und Quelle von allem. Brahman ist kein Objekt. Brahman ist das alldurchdringende, geheimnisvolle und unerfassbare caitanya (reines Bewusstsein). Brahman muss erkannt werden durch Intuition oder selbsterkenntnis. es ist sehr schwierig, die natur von brahman zu erklären, denn dafür gibt es kein Werkzeug und keine sprache. Die ṛṣis der vorzeit haben ihr Bestes versucht, den schülern brahman verständlich zu machen, indem sie sich verschiedenster Weisen des ausdrucks bedienten. Diejenigen, die mit einem reinen und feinen Intellekt ausgestattet sind, können die subtilen Gedanken der upaniṣads leicht begreifen. Für die weltlich Gesinnten aber, die voller verlangen sind und einen unreinen und auswärts gerichteten Geist haben, sind sie ein Buch mit sieben siegeln. Für sie ist alles nur latein und Griechisch (d.h. unverständlich).

Da brahman jenseits der reichweite der sinne und des (unreinen) Geistes ist, sollte der aspirant zunächst einmal ein umfassendes verständnis von brahman gewinnen, und zwar durch das studium der upaniṣads und die Unterweisungen eines erleuchteten lehrers. er sollte sich mit den vier hilfsmitteln* ausrüsten und regelmäßige und stetige Meditation praktizieren. Dann wird er Wissen um brahman erhalten. er wird brahman erkennen wie eine āmalakī-Frucht in der hand.

Dann verschwinden alle zweifel und täuschungen.

Das was sich sowohl vom Bekannten wie auch vom Unbekannten unterscheidet ist Brahman bzw. Atman. Das Wissen von Brahman wurdet traditionell vom Lehrer auf den Schüler weitergegeben. Gaudapada hat das Wissen um Brahman (Brahma Vidya) dem Govindapada weitergegeben; Govindapada an Shankara; Shankara an Padmapada, und so weiter. Brahman kann man nur durch die Instruktion eines erleuchteten Lehrers, eines verwirklichten Weisen, erkennen, nicht durch logische Diskussionen, noch durch Intelligenz, durch Gelehrsamkeit, gelehrte Darlegungen, Askese, Rituale usw. So wurde es uns von den Lehrern überliefert, die uns das Brahman gelehrt haben.

1.4. Vierter Vers 1. Kapitel Kenopanishad

yadvācāanabhyuditaṃ yena vāgabhyudyate।
tadeva brahma tvaṃ viddhi nedaṃ yadidamupāsate॥ 4॥


Übersetzung Swami Sivananda: Was die Sprache nicht erhellt, aber was die Sprache erhellt, erkenne Dies allein als Brahman, und nicht das, was die Menschen hier auf Erden verehren.

Übersetzung 2: Durch welche Sprache es nicht gesprochen wird, durch welche Sprache es gesprochen wird, in der Tat, das ist Brahman. Das musst du wissen, und nicht das was sie hier anerkennen.

Übersetzung Paul Deussen:

Was unaussprechbar durch Rede,
Wodurch Rede aussprechbar wird,
Das sollst du wissen als Brahman,
Nicht jenes, was man dort verehrt.

Wort-für-Wort-Übersetzung

yat (n. nom. sing. Relativpron. yad): wer, was, was, das.
vācā (f. inst. sing. vāc; von √vac): durch Rede, Wort.
anabhyuditam (n. nom. sing. anabhiudita; past pass. p. an abhi √udi): unausgesprochen; lit. nicht aufgestanden, unaufgestanden.
yena (mn. inst. sing. Relativpron. yad): durch wen, durch was.
vāk (f. nom. sing. vāc; von √vac): Rede, Wort.
abhyudyate (3. sing. pres. pass. abhi √ud): erhoben, emporgehoben.
tat (n. nom. sing. pron. tad): es, das.
eva (ind.): so, tatsächlich, wahrhaftig, nur.
brahma (n. nom. sing. brahman; von √bṛh): Brahman.
tvam (nom. sing. pron. yuṣmad): du.
viddhi (2. Sing. ipv. P. √vid): wissen! sehen! wahrnehmen!
na (ind.): nicht.
idam (n. nom. sing. pron. idam): dies.
yat (mn. nom. sing. Relativpron. yad): wer, was, was, das.
idam (n. nom. sing. pron. idam): dies.
upāsate (3. Pl. pres. indic. Ᾱ. upa √ās): (sie) verehren; lit. (sie) sitzen nahe, liegen nahe.

Erläuterung Swami Sivananda: Yat – was; das was Intelligenz selbst ist, reines Bewusstsein; Yena – durch den, durch Brahman

Der Schüler hatte einen Zweifel, dass der Jivatma, die individuelle Seele, nicht Brahman sein kann. Er dachte, der Jivatma ist der Ausführende von Ritualen und derjenige, der die Früchte der Karmas erfährt. Der Lehrer hat aus dem Blick, dem Reden, dem Verhalen des Schülers dessen Zustand erkannt und sagt daher: „Zweifle nicht dergestalt. Der Atman ist Brahman.“

Die Seele des Menschen ist der Atman. Die Seele des Universums ist Brahman. Der Atman ist identisch mit Brahman.

Sprache kann Brahman nicht enthüllen. Brahman ist jenseits der Reichweite der Sprache. Die Zunge spricht durch die Kraft, das Licht des Brahman. Sprache ist begrenzt. Wie kann begrenzte Sprache das unendliche Brahman enthüllen! Brahman allein erleuchtet die Rede und ihr Organ, Vak, die Sprache, die von Agni (Wesenheit des Feuers) gesteuert wird. Daher ist Brahman die Rede der Rede, die Zunge der Zunge. Im Vajasaneyaka heißt es: „Brahman ist innerhalb der Sprache und lenkt die Sprache.“ Dieser Atman ist Brahman oder Bhuma (das Unendliche, das Unkonditionierte). Brahman ist unübertrefflich, groß, großartig, das Höchste von allem, alldurchdringend. Daher wird Es Brahman genannt.

Brahman ist ewig, unveränderlich, aus sich selbst strahlend, ohne Form, ohne Farbe, ohne Attribute, zeitlos, ohne Raum, unteilbar, ungeboren, unvergänglich, unsterblich.

Idam – dies (gemeint ist: diese Welt), die Menschen hier. Brahman ist nicht das, was die Menschen hier (idam) verehren als Ishvara (personifizierte Gottesvorstellung) und als andere Engelswesen, um ihre Wünsche erfüllt zu bekommen.

Manche mögen den Eindruck bekommen, der Text werte Bhakti, Hingabe, ab. Vedanta ist jedoch dem Bhakt gegenüber ganz sicher nicht ablehnend eingestellt. Hier wird nur die Verehrung niedriger Engelswesen mit selbstsüchtigen Interessen kritisiert. Ein Vedantin, ein Weiser, ist ein vollkommener Gottesverehrer. Höchstes Bhakti, höchste Hingabe und Jnana (Erkenntnis) sind eins. Vedanta sagt, dass der Ishvara (Gott), den die Menschen verehren, dein eigens Selbst ist. Vedanta lehrt eine erweiterte Form von Bhakti, eine höhere Form der Hingabe und Verehrung.

Beginne deine Gebet mit der Verehrung eines Bildnisses. Verleihe dem Bildnis alle Attribute Gottes, aber lasse deine Verehrung nicht bei dem Bildnis allein enden. Dehne sie aus. Sieh Gott in jedem Objekt. Spüre, dass die Welt eine Manifestation Gottes ist. Sieh die Welt als Gott. Das Bildnis wird göttliche Liebe in deinem Herzen fördern, und dich schließlich zur Verwirklichung der Einheit mit dem Selbst führen. Das Bild wird als Stütze dienen, auf das du dich am Anfang stützen kannst. Manche unwissende Menschen denken, das Bildnis allein sei Gott. Nur gegen diese Art von Verehrung wendet sich Vedanta.

Brahman ist der stille Zeuge der Aktivität des Sprechorgans.


1.5. Fünfter Vers 1. Kapitel Kenopanishad

yanmanasā na manute yenāhurmano matam।
tadeva brahma tvaṃ viddhi nedaṃ yadidamupāsate॥ 5॥

Übersetzung Swami Sivananda: Was man mit dem Geist nicht denken kann, aber wovon es heißt, es sei das, wodurch der Geist zum Denken veranlasst wird, erkenne dies allein als Brahman, und nicht das, was weltliche Menschen verehren.

Übersetzung 2: Das, was man nicht durch den Verstand begreift, aber durch das, wie sie gesagt haben, der Verstand begriffen wird, das nehme in der Tat als Brahman wahr, nicht das, was sie verehren.

Übersetzung Paul Deussen:

Was durch das Denken undenkbar,
Wodurch das Denken wird gedacht,
Das sollst du wissen als Brahman,
Nicht jenes, was man dort verehrt.


Wort-für-Wort-Übersetzung

yat (n. nom. sing. Relativpron. yad): wer, was, was, das.
manasā (n. inst. sing. manas; von √man): durch den Geist.
na (ind.): nicht.
manute (3. Sing. pres. indic. Ᾱ. √man): denkt, denkt an, glaubt, stellt sich vor, stellt sich vor.
yena (n. inst. sing. Relativpron. yad): durch wen, durch was.
āhuḥ (3. Pl. pf. P. √ah): (sie) sagten, haben gesagt.
manaḥ (n. acc. sing. manas; von √man): der Geist.
matam (n. nom. sing. mata; vergangenes pass. p. √man): gedacht, geglaubt, erdacht.
tat (n. nom. sing. pron. tad): es, das.
eva (ind.): so, tatsächlich, wahrhaftig, nur.
brahma (n. nom. sing. brahman; von √bṛh): Brahman.
tvam (n. nom. sing. pron. yuṣmad): du.
viddhi (2. Sing. ipv. P. √vid): wissen! sehen! wahrnehmen!
na (ind.): nicht.
idam (n. nom. sing. pron. idam): dies.
yat (mn. nom. sing. Relativpron. yad): wer, was, was, das.
idam (n. nom. sing. pron. idam): dies.
upāsate (3. Pl. pres. indic. Ᾱ. upa √ās): (sie) verehren; lit. (sie) sitzen nahe, liegen nahe.


Erläuterung Swami Sivananda:

Erkenne das allein als das Brahman, was nicht vom Geist verstanden werden kann, was aber den Geist dazu bringt, alle Objekte zu begreifen.

Manah – Geist, das, wodurch man denkt; nicht nur Manas, sondern das ganze Antahkarana ist hier gemeint.

Der Geist ist mit allen Organen verbunden. Er ist der Befehlshaber, der Chef. Die Shruti (Schrift) sagt: „Wunsch, Wollen, Überlegen, Vertrauen, Nachlässigkeit, Mut, Ängstlichkeit, Scham, Intelligenz, Furcht – all das ist der Geist.“

Der Geist ist Drik, der Seher, die Objekte sind Drishya, das Gesehene (die sichtbaren Dinge). Der Atman bzw. Brahman ist der Sehende (Drik), der Geist ist das Gesehene (Drisya). Der Geist kann sich Brahman nicht nähern. Der Geist wird von der Intelligenz Brahmans erleuchtet, welche innerlich scheint. Der Geist funktioniert durch das Licht und Kraft Brahmans. Der Geist ist durchdrungen von Brahman. So sagen es die Kenner Brahmans. Die innere Intelligenz des Geistes ist Brahman. Der Geist versteht die Welt bzw. die Objekte dank der Kraft, des Lichtes, der Intelligenz des Brahman.

Die Sinne transportieren die Sinneseindrücke, die Bilder der Objekte zum Geist. Der Geist präsentiert sie dem Selbst (Atman; Purusha). Der Purusha nimmt sie wahr, schaut sie an, stempelt sie gewissermaßen ab und sendet sie zurück zum Geist, so wie ein Herrscher sein Siegel auf Dokumente setzt und sie an den Premierminister oder den Hof zurück gibt. Erst dadurch wird das Verständnis von Objekten vollkommen bzw. vollständig.

Brahman ist der stille Zeuge der Aktivitäten des Geistes.

1.6. Sechster Vers 1. Kapitel Kenopanishad

yaccakṣuṣā na paśyati yena cakṣūṃṣi paśyati।
tadeva brahma tvaṃ viddhi nedaṃ yadidamupāsate॥ 6॥

Übersetzung Swami Sivananda: Was nicht durch das Auge gesehen werden kann, aber wodurch die Augen fähig sind zu sehen – erkenne Dies allein als Brahman, und nicht das, was die Menschen in der Welt verehren.

Übersetzung 2: Das, was man durch das Auge nicht sieht, wodurch aber die Augen sehen - das erkenne in der Tat als Brahman - Nncht das, was verehrt wird.

Übersetzung Paul Deussen:

Was durch das Auge unsehbar,
Wodurch man auch das Auge sieht,
Das sollst du wissen als Brahman,
Nicht jenes, was man dort verehrt.

Wort-für-Wort-Übersetzung

  • yat (n. nom. sing. Relativpron. yad): wer, was, was, das.
  • cakṣuṣā (m. inst. sing. cakṣus; von √cakṣ): durch das Auge, sehend.
  • na (ind.): nicht.
  • paśyati (3. Sing. pres. indic. P. √dṛś): sieht.
  • yena (n. inst. sing. Relativpron. yad): durch wen, durch was.
  • cakṣūṃṣi (n. nom. pl. cakṣus; von √cakṣ): Augen.
  • paśyati (3. Sing. pres. indic. P. √dṛś): sieht.
  • tat (n. nom. sing. pron. tad): es, das.
  • eva (ind.): so, tatsächlich, wahrhaftig, nur.
  • brahma (n. nom. sing. brahman; von √bṛh): Brahman.
  • tvam (n. nom. sing. pron. yuṣmad): du.
  • viddhi (2. Sing. ipv. P. √vid): wissen! sehen! wahrnehmen!
  • na (ind.): nicht.
  • idam (n. nom. sing. pron. idam): dies.
  • yat (mn. nom. sing. Relativpron. yad): wer, was, was, das.
  • idam (n. nom. sing. pron. idam): dies.
  • upāsate (3. Pl. pres. indic. Ᾱ. upa √ās): (sie) verehren; lit. (sie) sitzen nahe, liegen nahe.

Erläuterung Swami Sivananda:

Pashyati – sieht. „Sehen“ bedeutet „als Objekt wahrnehmen“. Brahman lenkt das Auge zu den Farben und Formen. Brahman kann man nicht mit dem Auge sehen, da Es kein Objekt der Wahrnehmung ist. Das Auge ist ein endliches Instrument, das die Eindrücke der Objekte, wie z.B. Farbe, Gestalt, Form, Größe, usw. an den Geist übermittelt. Das Auge erhält seine Kraft des Sehens allein von Brahman, seiner Quelle. Das Auge wird durch die erhellende Intelligenz Brahmans dazu veranlasst, sich zu seinem Objekt hin zu bewegen. Brahman ist der wirkliche ungesehene Seher der Sicht. Er ist der stille Zeuge der Aktivitäten des Auges. Durch das Licht Brahmans, verbunden mit den Aktivitäten des Geistes, nimmt der Mensch die Aktivität des Geistes wahr. Brahman ist der Herr, der Besitzer dieser mentalen Fabrik. Die Augen, Ohren usw. sind die normalen Angestellten. Der Geist ist der Leitende Angestellte. Der Intellekt (Buddhi) ist der Direktor.

1.7. Siebter Vers 1. Kapitel Kenopanishad

yacchrotreṇa na śṛṇoti yena śrotramidaṃ śrutam।
tadeva brahma tvaṃ viddhi nedaṃ yadidamupāsate॥ 7॥

Übersetzung Swami Sivananda: Was man nicht mit dem Ohr hören kann, sondern wodurch die Ohren fähig sind zu hören – erkenne Dies allein als Brahman und nicht das, was die Menschen hier verehren.

Übersetzung 2: Das, was man nicht durch das Ohr hört, durch das das Ohr hört - Das, in der Tat, erkenne als Brahman, Nicht das was sie verehren.

Übersetzung Paul Deussen:

Was durch die Ohren unhörbar,
Wodurch man auch das Ohr vernimmt,
Das sollst Du wissen als Brahman,
Nicht jenes, was man dort verehrt.

Wort-für-Wort-Übersetzung

  • yat (n. nom. sing. Relativpron. yad): wer, was, was, das.
  • śrotreṇa (n. inst. sing. śrotra; von √śru): durch das Ohr, Hören.
  • na (ind.): nicht.
  • śṛṇoti (3. Sing. pres. indic. P. √śru): (man) hört.
  • yena (n. inst. sing. Relativpron. yad): durch wen, durch was.
  • śrotram (n. nom. sing. śrotra; von √śru): das Ohr, das Hören.
  • idam (n. nom. sing. pron. idam): das.
  • śrutam (n. nom. sing. śruta; von √śru pass. p.): das Gehörte.
  • tat (n. nom. sing. Pron. tad): es, das.
  • eva (ind.): so, tatsächlich, wahrhaftig, nur.
  • brahma (n. nom. sing. brahman; von √bṛh): Brahman.
  • tvam (n. nom. sing. pron. yuṣmad): du.
  • viddhi (2. Sing. ipv. P. √vid): wissen! sehen! wahrnehmen!
  • na (ind.): nicht.
  • idam (n. nom. sing. pron. idam): dies.
  • yat (mn. nom. sing. Relativpron. yad): wer, was, was, das.
  • idam (n. nom. sing. pron. idam): dies.
  • upāsate (3. Pl. pres. indic. Ᾱ. upa √ās): (sie) verehren; lit. (sie) sitzen nahe, liegen nahe.

Erläuterung Swami Sivananda:

Brahman lenkt das Ohr zum Klang hin. Das Ohr ist ein endliches Instrument. Es übermittelt Klangeindrücke an den Geist. Die Aktivität des Ohres ist mit der Aktivität des Geistes verbunden. Es erhält seine Kraft des Hörens allein von Brahman, seiner Quelle. Das Ohr wird durch die erleuchtende Intelligenz Brahmans dazu bewegt, sich auf Klänge, Musik und so weiter zu richten.

Brahman ist der wahre ungehörte Hörer. Er ist der stille Zeuge der Aktivität des Ohres.


1.8. Achter Vers 1. Kapitel Kenopanishad

yatprāṇena na prāṇiti yena prāṇaḥ praṇīyate।
tadeva brahma tvaṃ viddhi nedaṃ yadidamupāsate॥ 8॥


Übersetzung Swami Sivananda: Das, wodurch man atmet nicht mit dem Atem, sondern wodurch der Atem geatmet wird, erkenne Dies allein als Brahman und nicht das, was die Menschen hier verehren.

Übersetzung 2:

Das, was man nicht mit dem Lebensatem einatmet
Atem, durch den Lebensatem geführt wird.
Das, in der Tat, erkenne als Brahman,
Nicht dieses, das sie verehren.

Übersetzung Paul Deussen:

Was man durch Riechen nicht wahrnimmt,
Wodurch das Riechen wird gewirkt,
Das sollst Du wissen als Brahman,
Nicht jenes, was man dort verehrt.

Wort-für-Wort-Übersetzung

  • yat (n. nom. sing. Relativpron. yad): wer, was, was, das.
  • prāṇena (m. inst. sing. prāṇa): durch Atem, Lebensatem, Lebenskraft.
  • na (ind.): nicht.
  • prāṇiti (3. Sing. pres. indic. P. pra √an): (ein) atmet ein, inhaliert.
  • yena (n. inst. sing. Relativpron. yad): durch wen durch den.
  • prānaḥ (m. nom. sing. prāṇa): Lebensatem, Atem, Lebenskraft; eingeatmete Luft.
  • praṇīyate (3. Sing. pass. pra √nī): wird geführt.
  • at (n. nom. sing. pron. tad): es, das.
  • eva (ind.): so, tatsächlich, wahrhaftig, nur.
  • brahma (n. nom. sing. brahman; von √bṛh): Brahman.
  • tvam (n. nom. sing. pron. yuṣmad): du.
  • viddhi (2. sing. ipv. P. √vid): wissen! sehen! wahrnehmen!
  • na (ind.): nicht.
  • idam (n. nom. sing. pron. idam): dies.
  • yat (mn. nom. sing. Relativpron. yad): wer, was, was, das.
  • idam (n. nom. sing. pron. idam): dies.
  • upāsate (3. Pl. pres. indic. Ᾱ. upa √ās): (sie) verehren; lit. (sie) sitzen nahe, liegen nahe.


Erläuterung Swami Sivananda:

Prana kann auch riechen bedeuten. Dann wäre die Übersetzung: „Was der Geruchssinn nicht wahrnimmt, sondern was den Geruchssinn zu seinem Objekt hin bewegt, erkenne Dies allein als Brahman und nicht das, was die Menschen in der Welt verehren.“

Es, das nicht von Prana belebt wird sondern dem Prana die Kraft gibt, alle Wesen zu beleben, erkenne Dies allein als Brahman, und nicht das, was die Menschen hier verehren.

Der Atem wird durch die erleuchtende Intelligenz Brahmans dazu bewegt, sich auf seine Objekte hin zu bewegen.

„Das was man atmet nicht mit dem Atem“ bedeutet „Das was man nicht wahrnimmt wie den Geruch, wenn die Luft die Nasenlöcher füllt, und das, was verbunden ist mit der Aktivität des Geistes und des Lebens.“

Dvitiya Khandah - Zweites Kapitel

2.1. Erster Vers 2. Kapitel Kenopanishad

yadi manyase suvedeti dabhramevāpi nūnaṃ tvaṃ vettha brahmaṇo rūpam।
yadasya tvaṃ yadasya deveṣvatha nu mīmāṃsyameva te manye viditam॥ 1॥

Übersetzung Swami Sivananda: Lehrer: Wenn du denkst „ich weiß wohl“, dann ist das sicher nur wenig – nämlich die Form Brahmans die du erkannt hast als die Form der Devas (Engelswesen, Gottheiten). Daher solltest du weiter über Brahman nachforschen.

Schüler: "Ich denke, Brahman ist erkannt.“

Übersetzung Paul Deussen:

Wenn du (in der erwähnten Weise das Brahman verehrend) vermeinst, dass du es wohl kennest, so ist das trügend; auch so kennst du von Brahman nur die Erscheinungsform, was von ihm du (als verehrendes Subjekt) bist und was von ihm unter den Göttern (als Objekt der Verehrung) ist. Du musst es also noch weiter erforschen.
„Ich meine doch, es zu wissen!

Wort-für-Wort-Übersetzung

  • adi (ind.): wenn.
  • manyase (2. Sing. pres. indic. Ᾱ. √man): du denkst, du glaubst, du stellst dir vor.
  • suvedā (f. nom. sing. suveda; von su √vid): leicht bekannt, gefunden, wahrgenommen.
  • iti (ind.): so; ein Hinweis darauf, dass die vorherigen Worte gesagt oder gedacht wurden.
  • dabhram (n. nom. sing. dabhra): wenig.
  • eva (ind.): so, tatsächlich, wahrhaftig, nur
  • api (ind.): und, auch, außerdem; sogar.
  • nun̄am (ind.): jetzt, auf einmal; gewiss, in der Tat.
  • tvam (Nom. sing. pron. yuṣmad): du.
  • vettha (2. Sing. pres. indic. P. √vid): (du) weißt, finden, wahrnehmen.
  • brahmaṇaḥ (n. abl./gen. sing. brahman; von √bṛh): von Brahman; von Brahman.
  • rūpam (n. abl./gen. sing. rūpa): Erscheinung, Form, Form.
  • yat (n. nom. sing. Relativpron. yad): der, die, das, was, das
  • asya (mn. gen. sing. pron. idam): von diesem.
  • tvam (n. nom. sing. pron. yuṣmad): du.
  • yat (n. nom. sing. Relativpron. yad): der, die, das, was, das
  • asya (mn. gen. sing. pron. idam): von diesem.
  • deveṣu (mn. loc. pl. deva, von √div): bei den Göttern, Gottheiten.
  • atha (ind.): jetzt, dann, außerdem.
  • nu (ind): jetzt, gerade, in der Tat, sicher.
  • mīmāṃsyam (m. nom. sing. mīmāṃsya; fut. pass. p. von mīmāṃsā): das zu Überlegende, überlegt, untersucht, erforscht.
  • eva (ind.): so, in der Tat, wirklich, nur.
  • te (m. nom. pl. pron. tad): sie, jene.
  • manye (1. Sing. pres. indic. Ᾱ. √man): Ich glaube, glaube, stelle mir vor.
  • viditam (m. nom. sing. vidita; past pass. p. √vid): das Gewusste, Gefundene, Wahrgenommene.

Erläuterung Swami Sivananda:

Yadi – wenn vielleicht; suveda – ich kenne (Brahman) gut (da ich von dir belehrt wurde); dabhram – wenig; vettha – weißt du; atha nu – daher jetzt; mimamsyam – wert zu hinterfragen.

Du kannst nur von einem Objekt sagen: „Ich kenne eine Sache gut.“ Du kannst nicht sagen: „Ich kenne Brahman gut.“ Das ist eine falsche Vorstellung. Ein Stück Holz kann im Feuer verbrannt werden, aber die Essenz des Feuers selbst kann nicht so verbrannt werden. Brahman ist kein Objekt der Wahrnehmung. Erkenntnis Brahmans ist intuitives Selbst-Gewahrsein. Für den Weisen gibt es unterschiedliches objektives, gegenständliches Ziel und subjektives Bewusstsein. Subjekt und Objekt sind für ihn dasselbe. Er sieht nur Brahman überall. Daher sagt die Upanishade: „Es ist unbekannt für jene, die es kennen und bekannt für jene, die es nicht kennen.“

Ein Schüler der aufmerksam der Darlegung zur Natur Brahmans im ersten Teil gefolgt ist, muss jetzt denken, dass er Brahman vollkommen kennt. Es ist die eindeutige Bedeutung aller Schriften über Vedanta (Philosophie der Einheit), dass das Selbst, die Seele dessen, der etwas erkennt, Brahman ist. Außerdem wird die Vorstellung von Brahman in dieser Upanishade eingeführt durch die Passage: „Es, welches das Ohr des Ohres ist“. Diese Idee wird fest etabliert in dem Passus „Das was sich nicht durch Sprache usw. ausdrückt“. Und schließlich folgt die Feststellung der Vedanta-Schule: „Es ist sogar verschieden von dem, was bekannt ist, usw.“ Trotz dieser augenscheinlich klaren Gründe liegt der Schüler falsch, wenn er annimmt, er habe vollkommene Kenntnis des Brahman erlangt. Von allem, was ein Objekt der Erkenntnis sein kann, ist vollkommene definitive Erkenntnis möglich, aber nicht von etwas, das kein solches Objekt werden kann. Und das ist Brahman, denn Es ist der Erkennende, und der Erkennende kann andere Dinge gut kennen, aber er kann sich nicht selbst zum Objekt seines Wissens machen. Um es in moderne Ausdrucksweise zu kleiden: Das „Ich“ das erkennt, kann niemals sein Objekt werden, denn sobald es Objekt geworden ist, ist es nicht mehr von der Natur des Subjekts. Ebensowenig kann Brahman zum Objekt der Erkenntnis eines anderen gemacht werden, denn außerhalb von Ihm existiert nichts, welches erkennen könnte.

Wenn hier der Schüler fragt, ist die Natur Brahmans vielfältig, da in den Worten des Textes „Was du weißt, ist nur wenig“ impliziert zu sein scheint und was die Vorstellung von einem Mehr oder Weniger erweckt, ist die Antwort: In Wirklichkeit gibt es nur eine einzige Auffassung von Brahman, da Es ohne Form, Farbe usw. ist, aber scheinbar ist Seine Natur vielfältig aufgrund der irrigen Vorstellungen Seiner Wesensart.

Wenn es weiterhin heißt, die Natur von allem ist das, wodurch es definiert ist, so ist Brahman insbesondere definiert als Bewusstsein, welches sich weder auf die äußeren noch die inneren Sinne bezieht, sondern nur auf Brahman, und daher ist Brahman Bewusstsein, so gestehen zu, dass dies zutrifft, jedoch erhalten wir dadurch keine genaue Vorstellung von Brahman, denn das, was wir unter Bewusstsein, Wissen, usw. verstehen, ist für uns nur zugänglich mittels der Sinne oder des Intellekts und drückt daher nicht Wissen an sich aus, sondern Wissen reflektiert durch irgendein Medium. Also genau das, was vorher gesagt wurde, nämlich, Es ist sogar verschieden von dem, was erkannt ist. Somit ist es richtig, dass Es auch jenseits dessen nist, was nicht erkannt ist.

Der Lehrer dachte, der Schüler habe vielleicht die fälschliche Vorstellung: „Ich kenne Brahman gut.“ Er wollte diese falsche Vorstellung ausräumen. Daher sagte er: „Wenn du denkst, du kennst Brahman gut, dann weißt du nur wenig.“ Der Erkennende kann vom Erkennenden nicht erkannt werden (Anmerkung des Übersetzers: d.h., sich nicht selbst als Subjekt erkennen). Es gibt keinen anderen Erkennenden als Brahman, für den Brahman ein zu Erkennendes sein könnte, das verschieden von Ihm selbst wäre. Die Shruti (Schrift) sagt: „Es gibt keinen anderen Erkennenden als Dieses“ Die Existenz eines anderen/weiteren Erkennenden wird verneint. Daher ist es ganz offensichtlich, dass der Glaube „Ich kenne Brahman gut“ eine Illusion bzw. falsche Vorstellung ist.

Wer mit den 4 Mitteln (Anm. des Übersetzers: die 4 Mittel der Erkenntnis, die 4 Voraussetzungen eines spirituellen Aspiranten auf dem Weg der Erkenntnis: Viveka = Unterscheidungskraft; Vairagya = Nicht-Anhaften; Shatsampat = die 6 Tugenden/Stufen des Gleichmuts; Mumukshutwa = der intensive Wunsch nach Befreiung) ausgestattet ist, rein und intelligent ist, kann die Lehren der Upanishaden verstehen. Viele mißverstehen und halten die begrenzten Hüllen, nämlich Körper, Geist, Ich-Sinn usw. für den Atman (höchstes Selbst), obwohl sie die Upanishaden studieren und die Schriften von den Weisen hören, da sie keine wirklichen Schüler bzw. qualifizierte Menschen sind.

Prajapati (myth.: der vedische Schöpfergott) lehrte Virochana (den Dämonenkönig) und Indra (den König der Engelswesen): „Dieser Purusha (Seele, Mensch; Bewusstsein), den man im Auge wahrnimmt, ist das unsterbliche und furchtlose Brahman“. Beide missverstanden diese Lehre und nahmen an, der Körper sei Brahman, da ihre Mängel nicht geläutert und ihre Gemüter unrein und grobstofflich waren. Indra blieb 101 Jahre bei Prajapati, löste seine Fehler und Unreinheiten durch Tapas (spirituelle Praktiken), Glauben und Enthaltsamkeit auf, und verstand schließlich jenes wahre Brahman, das ihm das erste, zweite und dritte Mal gelehrt worden war, erst beim vierten Mal.

Selbst bei weltlichem Wissen ist das so. Wenn 50 Schüler vom selben Lehrer gelehrt werden, verstehen einige ihn richtig, andere missverstehen seine Lehre, manche interpretieren sie als genau das Gegenteil, und wieder andere verstehen sie überhaupt nicht. Wenn das schon bei weltlicher Wissenschaft so ist, um wie viel mehr trifft dies zu bezüglich des Wissens um Brahman, welches subtil und jenseits der Reichweite des Intellekts ist.

Der nächste Punkt ist: Hat Brahman dann viele Formen, groß und klein, weil gesagt wird „dabhram“, wenig? Die Schriften erklären, dass Brahman ohne Form ist (Nirakara, Amurta). Brahman hat Formen vom relativen Standpunkt aus gesehen. Scheinbar viele Formen Brahmans entstehen durch die konditionierenden Faktoren von Name und Form. In Wirklichkeit hat Brahman keine Formen. Die Attribute durch welche Brahman definiert wird kann man sozusagen als seine Formen bezeichnen. Die Shrutis sagen: „Brahman ist Wissen-Wonne“, „Brahman ist verdichtetes Wissen – Prajnanaghana, Vijnanaghana, Chidghana“, „Brahman ist Sein-Wissen-Unendlichkeit – Satyam-Jnanam-Anantam-Brahma“. So wurde die Gestalt Brahmans definiert. Diese Attribute helfen den Aspiranten, am Anfang darüber zu meditieren. Diese Attribute sind zunächst die Stütze (Alambana). Man muss am Anfang seiner spirituellen Praxis den Geist auf diese Attribute heften. Nach und nach fallen sie von selbst weg und du wirst schließlich in Brahman aufgehen. Der Lehrer kann seine Schüler dazu bringen, Brahman durch diese Attribute zu verstehen, nicht, weil es wirklich Seine ureigene Essenz wäre, sondern aufgrund der obigen beiden Zwecke. Daher heißt es, die wahre Essenz Brahmans ist unbekannt für jene, die (die Hilfsattribute) wissen und bekannt für jene, die nicht wissen (Anm. d.Üb.: die nicht glauben, dass man Brahman wie ein Objekt erkennen kann).

Der Lehrer sagte zum Schüler: „Du weißt ein klein wenig über die Form Brahmans, so wie sie konditioniert erscheint im Menschen, und du weißt auch ein klein wenig über das Brahman, so wie Es konditioniert ist in den Devas (Engelswesen).“ Brahman bzw. Bhuma, das, was unendlich, ewig, eins ohne ein Zweites ist, kann man nicht wirklich kennen (wie man ein Objekt kennt). Daher sagte der Lehrer: „Oh Schüler, ich meine, du musst das Brahman noch zu erkennen suchen durch Erforschung. Du hast nur ein bisschen intellektuelles Wissen Brahmans. Du hast nicht das wahre intuitive Wissen des Selbst erlangt.“

Der Schüler begab sich an einen einsamen Ort, dachte über die Lehren nach, dann meditierte er darüber und verwirklichte Brahman in sich selbst. Dann ging er zu seinem Guru zurück und sagte: „Ich denke, ich kenne das Brahman.“

Brahman ist nicht das Unbekannte und Nicht-Erkennbare der Agnostiker, obwohl es heißt: „Brahman ist nicht verstehbar, man kann Es nicht erkennen oder sehen, Brahman ist jenseits der Reichweite von Intellekt und Sinnen.“ Es ist mehr als das Bekannte, da Es als das eigene Selbst (Atman) verwirklicht werden kann. Brahman ist auf immer das stille, bezeugende Bewusstsein. Es ist das Subjekt, der Erkennende und Seher. Alles, was man mit den Sinnen wahrnehmen und mit dem Geist erfassen kann, kann nicht Brahman sein. Nur ein weltliches Objekt kann man mit den Sinnen wahrnehmen bzw. mit dem Geist daran denken. Der Sehende kann niemals gesehen werden. Der Erkennende kann niemals erkannt werden (vom Intellekt, vom Geist). Brahman ist im objektiven Sinn nicht erkennbar. Brahman ist nicht erkennbar durch Geist, Intellekt, und Sinne. Es ist ganz sicher erkennbar durch direkte intuitive Wahrnehmung in Samadhi (Überbewusstsein) als das Selbst, der Atman, durch ein reines Gemüt, welches Brahman selbst ist.

Bis du den höchsten Nirvikalpa-Zustand erreichst, worin du entdecken und fühlen wirst: „Alles ist wahrlich Brahman, es gibt nichts anderes als das Selbst“, musst du wieder und wieder praktizieren, hinterfragen, reflektieren, meditieren und Seine Gegenwart in allen Namen und Formen spüren.

2.2. Zweiter Vers 2. Kapitel Kenopanishad

nāhaṃ manye suvedeti no na vedeti veda ca।
yo nastadveda tadveda no na vedeti veda ca॥ 2॥

Übersetzung Swami Sivananda: Schüler: Ich denke nicht, dass ich (Es) gut kenne; aber auch nicht, dass ich nicht weiß; ich weiß auch. Der unter uns, der Es kennt, kennt Es, und er weiß auch nicht, dass er nicht weiß.“

Übersetzung Paul Deussen:

Zwar weiß ich es nicht ganz, doch auch
Nicht weiß ich, dass ich es nicht weiß!
Wer von uns etwas weiß, weiß es,
Nicht weiß er, dass er es nicht weiß.“

Wort-für-Wort-Übersetzung

  • na (ind.): nicht.
  • aham (nom. sing. pron. asmad): I.
  • manye (1. Sing. pres. indic. Ᾱ. √man): Ich denke, glaube, stelle mir vor.
  • suvedā (f. nom. sing. suveda; von su √vid): leicht bekannt, gefunden, wahrgenommen.
  • iti (ind.): so; ein Hinweis darauf, dass die vorherigen Worte gesagt oder gedacht wurden.
  • naḥ (acc./dat./gen. pl. kurz pron. asmad): zu uns; für uns; von uns, unter uns.
  • na (ind.): nicht.
  • veda (1./3. Sing. pres. indic. P. √vid): (ich) weiß, wahrnehmen; (man) weiß, nimmt wahr.
  • iti (ind.): so; ein Hinweis darauf, dass die vorherigen Worte gesagt oder gedacht wurden.
  • veda (1./3. Sing. pres. indic. P. √vid): (ich) weiß, wahrnehmen; (man) weiß, nimmt wahr.
  • ca (ind.): und.
  • yaḥ (m. Nom. sing. Relativpron. yad): wer.
  • naḥ (acc./dat./gen. pl. Kurzpronomen asmad): zu uns; für uns; von uns, unter uns.
  • tat (n. nom. sing. pron. tad): es, das.
  • veda (1./3. Sing. pres. indic. P. √vid): (ich) weiß, wahrnehmen; (man) weiß, nimmt wahr.
  • tat (n. nom. sing. pron. tad): es, das.
  • veda (1./3. Sing. pres. indic. P. √vid): (ich) weiß, wahrnehmen; (man) weiß, nimmt wahr.
  • na (ind.): nicht.
  • u (ind.): ein Ausdruck der Betonung; ein Ausrufezeichen.
  • na (ind.): nicht.
  • veda (1./3. Sing. Präs. Indik. P. √vid): (ich) weiß, wahrnehmen; (man) weiß, nimmt wahr.
  • iti (ind.): so; ein Hinweis darauf, dass die vorherigen Worte gesagt oder gedacht wurden.
  • veda (1./3. Sing. pres. indic. P. √vid): (ich) weiß, wahrnehmen; (man) weiß, nimmt wahr.
  • ca (ind.): und.

Erläuterung Swami Sivananda: Wir können Brahman nicht erkennen so wie wir andere Objekte dieser Welt kennen, indem wir uns auf sie als zu einer bestimmte Art gehörig beziehen und andere Unterschiede definieren. Andererseits wissen wir nicht, dass wir Es nicht kennen, d.h., niemand kann behaupten, wir würden Es nicht kennen, denn es braucht Brahman, um überhaupt irgend etwas zu erkennen. Wer daher diese doppelte Besonderheit bezüglich des Wissens um Brahman kennt, kennt Brahman, soweit Es erkannt werden kann; und er weiß nicht, noch kann es ihm irgendjemand schlüssig beweisen, dass er Brahman nicht kennt.

Der Schüler sagt: „Ich denke nicht, dass ich Es gut kenne, aber es ist auch nicht so, dass ich Es nicht kenne. (Gleichzeitig) weiß ich auch.“ Dagegen sagt der Lehrer: „Dann kennst du Brahman nicht, denn zwischen dem, was du sagst – „Ich kenne Es nicht gut“ und „Ich kenne Es“ -, ist ein Widerspruch. Wenn du nicht denkst, dass du Es gut kennst, wie kannst du dann denken, du kennst es? Wenn du andererseits denkst dass du es kennst, warum denkst du dann nicht, dass du es gut kennst?“ Der Schüler bleibt unerschütterlich in seinem Glauben dank der Stärke seiner eigenen Erfahrung. Er zeigt die Festigkeit seines Wissens um Brahman und sagt: „Derjenige unter uns (meinen Mitschülern) weiß dies, der es weiß, usw.“

Man kann Brahman nicht kennen wie man ein Objekt kennt. Brahman wird nicht als Objekt erkannt bzw. verwirklicht, sondern als reines Selbst-Bewusstsein durch Intuition, direkte innere Erfahrung, Erleuchtung. In dieser spirituellen Erfahrung gibt es kein objektives Bewusstsein, so wie man diese Welt erfährt. Subjekt und Objekt sind eins in der spirituellen Erfahrung. Das Selbst, Brahman, ist alles. Der Weise sieht Atman überall. Sarvam Khalvidam Brahma – alles ist wahrlich Brahman. Das ist eine erhabene, die Seele aufrüttelnde Erfahrung die man sich weder vorstellen noch in Worten beschreiben kann. Du musst es selbst in Samadhi erfahren, wo Geist, Intellekt und Sinne aufhören zu wirken.

2.3. Dritter Vers 2. Kapitel Kenopanishad

yasyāmataṃ tasya mataṃ mataṃ yasya na veda saḥ।
avijñātaṃ vijānatāṃ vijñātamavijānatām॥ 3॥

Übersetzung Swami Sivananda: Lehrer: Derjenige kennt es, der denkt, er kennt es nicht; wer denkt, er weiß, weiß nicht. Es ist unbekannt für jene, die wissen, und bekannt für jene, die nicht wissen.

Übersetzung Paul Deussen:

Nur wer es nicht erkennt, kennt es,
Wer es erkennt, der weiß es nicht,
Nicht erkannt vom Erkennenden,
Erkannt vom Nicht-Erkennenden!

Wort-für-Wort-Übersetzung

  • yasya (mn. gen. sing. Relativpron. yad): von dem, von dem.
  • amatam (n. nom. sing. amata; past pass. p. a √man): nicht bedacht, nicht geglaubt, ungedacht.
  • tasya (mn. gen. sing. pron. tad): von ihm, von dem, von einem.
  • matam (n. nom. sing. mata; pass. p. √man): gedacht, geglaubt, erdacht.
  • matam (n. nom. sing. mata; pass. p. √man): gedacht, geglaubt, erdacht.
  • yasya (mn. gen. sing. Relativpron. yad): von wem, von dem.
  • na (ind.): nicht.
  • veda (1./3. Sing. pres. indic. P. √vid): (ich) weiß, wahrnehmen; (man) weiß, nimmt wahr.
  • saḥ (m. nom. sing. pron. tad): er; das.
  • avijñātam (n. nom. sing. avijñāta; past pass. p. vi √jñā): der Ununterschiedene, Unbekannte, Unerkanntes.
  • vijānatām (mn. gen. pl. vijānat; von vi √jñā): des dem Unterscheiden, Erkennen, Unterscheiden.
  • vijñātam (n. nom. sing. vijñāta; das vergangene Pass. p. vi √jñā): das Unterscheidende, Wissende, Erkannte.
  • avijānatām (mn. gen. pl. avijānat; von a vi √jñā): des Nichtunterscheidenden, Unwissenden, Unwissenden.

Erläuterung Swami Sivananda: Der Weise, der Kenner Brahmans, weiß sehr gut, dass Brahman nicht erfassbar ist (durch Geist, Intellekt, Sinne, wie ein Objekt), sondern nur durch Intuition als sein eigenes innerstes Selbst, Antaratman, verwirklichbar ist. Daher kennt er Brahman gut.

Er weiß, dass Brahman kein Objekt des Denkens durch den niedrigen Geist ist. Er weiß, dass man auf Brahman meditieren kann mit einem reinen Gemüt, welches mit den vier Mitteln der Befreiung ausgestattet ist und mittels der Lehren eines erleuchteten Gurus. Er weiß auch, dass Brahman der einzige Sehende, Wissende, das stille bezeugende Subjekt und die ursprüngliche Quelle von allem ist. Der Gedanke „Ich kenne Brahman“ kommt ihm nie in den Sinn.

Aber derjenige, der überzeugt ist, er kenne Brahman (Anm.: wie man ein Objekt kennt), kennt Es ganz sicher nicht. Er ist ein Unwissender. Er hält fälschlicherweise den Körper, Geist, das Ego, die Organe und die Pranas (Lebensenergien) für das reine Selbst, dentifiziert sich mit diesen illusorischen begrenzenden Hüllen und sagt, er kenne Brahman. Die zweite Hälfte dieses Verses legt diese unterschiedlichen Schlussfolgerungen eines Weisen und eines Unwissenden nachdrücklich dar.

In unwissenden Menschen, die Brahman als Körper, Geist und Sinne wahrnehmen, steigt die irrtümliche Vorstellung auf, „Ich kenne Brahman“, weil sie nicht zwischen Brahman und diesen illusorischen Produkten, den begrenzenden Konditionierungen, die durch Unwissenheit geschaffen wurden, unterscheiden können. Die zweite Hälfte des Verses will aufzeigen, dass ein solches falsches Verständnis von Brahman irreführend ist. Darüber hinaus begründet sie die Auffassung des ersten Teils des Verses.

Für einen weltlichen Menschen mögen die beiden Feststellungen widersprüchlich erscheinen. Dem ist jedoch nicht so. Wenn man es wieder und wieder aufmerksam und mit einem fokussierten Geist studiert, wird einem alles ganz klar. Der Lehrer kommentiert das, was er in den vorhergehenden Shlokas (Versen) gesagt hat, um sie dem Schüler ganz klar zu machen.

Wer denkt, er kennt Brahman nicht, verfällt nicht dem Irrtum, dass Brahman zum Objekt vollständigen verstandesmäßigen Verstehens gemacht werden könnte. Wer denkt, er kenne Brahman, hat kein Wissen um Brahman, denn er unterliegt der irrtümlichen Vorstellung, dass Brahman vollständig gedanklich erfasst werden könne und begrenzt somit Brahman.

2.4. Vierter Vers 2. Kapitel Kenopanishad

pratibodhaviditaṃ matamamṛtatvaṃ hi vindate।
ātmanā vindate vīryaṃ vidyayā vindate'mṛtam॥ 4॥

Übersetzung Swami Sivananda: Brahman ist dann gut erkannt, wenn es als Zeuge jeden Bewusstseinszustands erkannt wird, denn (durch solches Wissen) erlangt man Unsterblichkeit. Durch sein Selbst erlangt man Stärke und durch Wissen Unsterblichkeit.

Übersetzung Paul Deussen:

In wem es aufwacht, der weiß es
Und findet die Unsterblichkeit;
Dass er es selbst ist, gibt Kraft ihm,
Dass er dies weiß, Unsterblichkeit.


Wort-für-Wort-Übersetzung

  • pratibodha-viditam (n. nom. sing. pratibodha-vidita, TP. comp.): das Erwachend-Wahrgenommene; das durch Erwachen Wahrgenommene.
  • pratibodha (Grammatik nicht angegeben; von
  • prati √budh): das Erwachen, das Erwecken.
  • viditam (n. nom. sing. vidita; past pass. p. √vid): das Gewusste, Gefundene, Wahrgenommene.
  • matam (n. nom. sing. mata; pass. p. √man): gedacht, geglaubt, erdacht.
  • amṛtatvam (n. nom. sing. a √mṛta -tva; past pass. p. √mṛ): Nicht-Tot-Sein; Unsterblichkeit.
  • hi (ind.): für, weil; in der Tat.
  • vindate (3. Sing. pres. indic. P. √vid): (man) nimmt wahr, weiß.
  • ātmanā (m. inst. sing. ātman; von √an, √at, oder √vā): durch/mit dem Selbst.
  • vindate (3. Sing. pres. indic. P. √vid): (man) nimmt wahr, weiß.
  • vīryam (n. acc. sing. vīrya; von √vīr): Männlichkeit, Tapferkeit, Stärke, Kraft; Virilität, Lebendigkeit.
  • vidyayā (f. inst. sing. vidyā): durch/mit Weisheit, Wissen, Lernen, Philosophie.
  • vindate (3. Sing. pres. indic. P. √vid): (man) wahrnimmt, weiß.
  • amṛtam (n. acc. sing. amṛta; past pass. p. a √mṛ): Nicht-tot; unsterblich.

Erläuterung Swami Sivananda:

Wenn man es vollständig in jedem Bewusstseinszustand erkennt, erlangt man in der Tat Unsterblichkeit.

Pratibodhaviditam – erkannt als der Zeuge von oder hinter jedem Akt des Erkennens, verstanden als Objekt intuitiver Erkenntnis, verwirklicht durch direkte Wahrnehmung in Samadhi. Pratibodham bedeutet Verwirklichung durch direkte Intuition (Aparoksha), direkte glückselige Vision.

Vindate – man erlangt; Viryam – Kraft, Stärke, Fähigkeit; Vidyaya – durch Wissen; Amritam – Unsterblichkeit.

Im vorhergehenden Vers wurde ausgeführt, dass Brahman unbekannt ist für jene, die wissen. Das scheint ein Widerspruch, ein Paradox zu sein. Wenn Brahman nicht erkennbar ist, dann gibt es keinen Unterschied zwischen einem unwissenden weltlichen Menschen und einem Kenner Brahmans, einem Weisen. Wie kann also jenes Brahman erkannt werden? Das wird in diesem Vers erklärt. In diesem Shloka wird das Rätsel gelöst.

Brahman nimmt wahr und kennt alle Zustände des Bewusstseins wie Objekte, da Es absolute Intelligenz ist. Es ist das bezeugende Bewusstsein, das Subjekt. Es ist der Zeuge des Wach-, Traum- und Tiefschlafzustandes. Es nimmt all die Modifikationen aller Gemüter wahr, da Es absolutes Wissen ist. Es ist mit jedem Gedanken, mit jeder mentalen Modifikation vermischt. Wenn Brahman daher erkannt, verwirklicht wird als der Zeuge aller Bewusstseinszustände, dann kennt man Es tatsächlich. Da Es der Zeuge aller Bewusstseinszustände ist, ist Es Intelligenz an sich in seiner Essenz; eine Masse reinen Bewusstseins; ohne Geburt, ohne Tod, ohne Verfall, ewig, rein, unbedingt, eins ohne ein Zweites; Es ist das Selbst, der Atman, aller Wesen.

Der Aspirant trennt sich von den Gedanken und mentalen Modifikationen und identifiziert sich mit dem Zeugen aller Wahrnehmungen, Gedanken und Bewusstseinszustände.

Wenn während Pralaya (Auflösung der Schöpfung) die ganze Welt in Brahman aufgeht, gibt es keinen Zeugen, weil alle Objekte verschwinden. Brahman bleibt sich gleich. Auch in Nirvikalpa Samadhi, also wenn alle mentalen Modifikationen vollständig in Brahman aufgehen, gibt es keinen Zeugen.

So wie es keinen Unterschied gibt in der Essenz des Raums in einem Gefäß, einem Zimmer oder einer Wolke, genauso gibt es keinen Unterschied in der Essenz Brahmans. Brahman ist eine homogene Masse reinen Bewusstseins.

Dieser Atman ist nicht verbunden mit irgendetwas. Er trägt alles. Eine Sache, die Attribute hat, mag mit etwas anderem verbunden sein, welches ebenfalls Attribute hat. Wenn man behauptenn würde, jenes Brahman, das ohne Attribute, undifferenziert, fein, formlos, grenzenlos ist und nichts gemein hat mit irgendetwas anderem, würde sich mit etwas anderem verbinden, das andere Eigenschaften hat, so ist das sicher absurd und unlogisch.

Die Shrutis (Schriften) behaupten nachdrücklich: „Brahman ist ewig, rein, aus sich selbst leuchtend, unvergänglich, absolutes Sein, absolutes Wissen, absolute Wonne.“ Das ist nur dann möglich, wenn Brahman der Zeuge aller Bewusstseinszustände ist. Das Wissen, dass der Atman der Zeuge aller Bewusstseinszustände ist, schenkt Unsterblichkeit.

Die Stärke, die man durch Reichtum, Stellung, Gefolge, Soldaten, Munition und Gewehre bekommt, kann nicht den Tod überwinden, denn diese Stärke kommt von Dingen, die selbst sterblich sind. Es ist eine äußerliche flüchtige Stärke. Die Stärke, die man durch das Wissen um Brahman (die Seelenkraft) erlangt, ist die wirkliche unerschöpfliche Stärke, denn sie braucht keine andere Unterstützung. Sie ist inhärent und ewig in sich selbst.

Die Mundaka Upanishad sagt: „Dieser Atman kann nicht erreicht werden von jemanden, dem es an Stärke mangelt.“

Nur der Kenner Brahmans besitzt gewaltige spirituelle Stärke. Echte Stärke kommt nur durch das Wissen des Selbst. Der Kenner Brahmans wird absolut furchtlos. Er weiß, dass sein Selbst nicht im Geringsten von äußeren Bedingungen betroffen ist. Er ist sich voll bewusst, dass das Selbst unverwundbar und unbesiegbar ist. Der Kenner Brahmans kann die ganze Welt bewegen.

Die Herzen reicher Menschen, die Arbeits-Kraft und Geld-Kraft besitzen aber nicht das Wissen um das Selbst, sind von allen möglichen Ängsten erfüllt, wie z.B. der Angst vor Verlust, der Angst vor Krankheit, der Angst vor dem Tod, der Angst vor öffentlicher Kritik, der Angst vor Feinden, usw.

Unsterblichkeit (Amritam) ist die Urnatur Brahmans, so wie Hitze die Natur des Feuers ist. Brahma-Jnana, Wissen des Selbst, zerstört die Unwissenheit so wie Licht Dunkelheit auflöst und enthüllt so die innewohnende unsterbliche Natur.

2.5. Fünfter Vers 2. Kapitel Kenopanishad

iha cedavedīdatha satyamasti। na cedihāvedīnmahatī vinaṣṭiḥ।
bhūteṣu bhūteṣu vicitya dhīrāḥ। pretyāsmāllokādamṛtā bhavanti॥ 5॥

Übersetzung Swami Sivananda: Wenn man (Jenes – Brahman) hier (d.h., in dieser Existenz, in dieser Welt) kennt, (erlangt) man das wahre Ziel (allen menschlichen Strebens). Wenn man (Es) hier nicht erkennt, ist der Untergang groß. Die Weisen, die den einen Atman in allen Wesen erkennen, erheben sich vom Sinnesleben und werden unsterblich.

Übersetzung 2: Hier, wenn es bekannt war, dann war es gut. Wenn hier nicht bekannt war, dann gab es großes Verderben. Die Weisen, die es in welchem Wesen auch immer erkannt haben, erreichen nach dem Verlassen dieser Welt verlassen haben, die Unsterblichkeit.

Übersetzung Paul Deussen:

Wer ihn hienieden fand, besitzt die Wahrheit,
Wer ihn hier nicht fand, dem ist's groß Verderben.
In jedem Wesen nimmt ihn wahr der Weise
Und wird, hinscheidend aus der Welt, unsterblich.

Wort-für-Wort-Übersetzung

  • iha (ind.): hier.
  • ced (ind.): wenn.
  • avedīt (3. Sing. aor. P. √vid): wusste, wahrgenommen.
  • atha (ind.): jetzt, dann, außerdem.
  • satyam (n. nom./acc. sing. satya; pres. act. p. √as -ya): wahr, wirklich; lit. "aus dem Sein kommend", "der Zustand des Existierens", "als Ergebnis von Sein".
  • asti (3. Sing. Präs. Indik. √as): ist.
  • na (ind.): nicht.
  • ced (ind.): wenn.
  • iha (ind.): hier.
  • avedīt (3. Sing. aor. P. √vid): wusste, wahrgenommen.
  • mahatī (f. nom. sing. mahatī; das Präs. p. √mah): vergrößernd, vergrößernd; groß, groß, umfangreich.
  • vinaṣṭiḥ (f. nom. sing. vinaṣṭi; von vi √naś): Zerstörung, Verlust.
  • bhūteṣu (mn. loc. pl. bhūta; past pass. p. √bhū): in den Wesen; lit. in den gewordenen (Einsen), in den Entstandenen (Einsen).
  • bhūteṣu (mn. loc. pl. bhūta; pass. p. √bhū): in den Wesen; wörtl. in den Gewordenen (Einsen), in den Entstandenen (die).
  • vicitya (ger. vi √cit): gesiebt habend; unterschieden; unterschieden haben.
  • dhīrāḥ (mf. nom. pl. dhīra; prob. von √dhṛ oder √dhā): der Weise, Geschickte, Kluge; der Stetige, Beständige.
  • pretya (ger. pra √i): hinausgegangen sein (d.h., gestorben seiend).
  • asmāt (m. abl. sing. pron. idam): von diesem.
  • lokāt (m. abl. sing. loka): aus der Welt.
  • amṛtam (n. nom./acc. pl. amṛta; past pass. p. a √mṛ): Unsterbliche.
  • bhavanti (3. Pl. pres. indic. P. √bhū): (sie) sind, werden, entstehen.

Erläuterung Swami Sivananda:

Mahati – groß; Vinashti – Zerstörung, Untergang (neue Geburten und Tode), die Region der Asuras, die Ebene undurchdringlicher Dunkelheit, Verlust, Schwierigkeiten; Pretya Asmat Lokat – wenn man diese Welt verlässt, nach dem Tod, wenn man diese sterbliche Hülle abwirft; Amritah Bhavanti – unsterblich werden.

Die Leiden des Samsara (Kreislauf von Geburt und Tod) sind jenseits jeglicher Beschreibung. Unwissenheit ist die Grundursache aller menschlichen Leiden. Es ist sehr hart, Geburt, Alter, Tod, Krankheit zu erleiden. Wenn daher ein Mensch Brahman kennt in der oben erklärten Weise, dann herrscht Wahrheit, d.h. Unsterblichkeit für ihn. Wenn er Brahman nicht kennt, ist er gefangen im Kreislauf von Geburten und Tod.

Daher lassen echte strebende Aspiranten die fälschliche Vorstellung von „Ich“ und „Mein“ hinter sich, und wenden sich mit Überdruß von dieser Welt ab, da alles auf dieser Ebene vergänglich, illusorisch und vorübergehend ist. Sie üben Meditation auf das Selbst und nehmen die eine Essenz des Atman, d.h. Brahmans, in allen Objekten der Welt wahr, in den beweglichen und unbeweglichen. Sie erkennen die Einheit des Selbst in allem und werden unsterblich, d.h., werden Brahman selbst. Die Mundaka Upanishad sagt, „Wer jenes höchste Brahman kennt wird Brahman selbst.“

Wer in Brahman lebt, wer den Atman (das höhere Selbst) verwirklicht hat, führt ein wirkliches Leben. Weltliches nach äußeren Sinneseindrücken orientiertes Leben ist unwirklich. Es ist illusorisch. Der Kenner Brahmans erlangt Befreiung noch in diesem Leben (Jivanmukti, eine in diesem Körper befreite Seele). Sobald die Unwissenheit, welche die Ursache der Bindung ist, aufgelöst ist durch Verwirklichung der Erkenntnis Brahmans, erlangt man sofortige Befreiung.

Iti Dvitiiya kandhah

Hier endet der 2. Teil.

Drittes Kapitel Tritiya Khandah

3.1. Erster Vers drittes Kapitel Kenopanishad

brahma ha devebhyo vijigye tasya ha brahmaṇo vijaye devā amahīyanta।
ta aikśantāsmākamevāyaṃ vijayo'smākamevāyaṃ mahimeti॥ 1॥

Übersetzung Swami Sivananda: Lehrer: Brahman erlangte einen Sieg für die Devas (indem Es die Asuras besiegte). Durch den Sieg Brahmans erlangten die Devas Ruhm. Sie dachten: „Uns gehört der Sieg, uns gehört der Ruhm.“

Übersetzung Paul Deussen: Es geschah, dass das Brahman für die Götter den Sieg (über die Dämonen, Brih. 1,3) erfocht. Die Götter aber brüsteten sich ob dieses Sieges des Brahman; denn sie dachten: „Unser ist der Sieg, unser ist dieser Ruhm.“

Wort-für-Wort-Übersetzung

  • brahma (n. nom. sing. brahman; von √bṛh): Brahman.
  • ha (ind.): betont das vorherige Wort.
  • devebhyaḥ (mn. dat./abl. pl. deva; von √div): von den Göttern, Gottheiten; für die Götter, Gottheiten.
  • vijigye (3. Sing. perf. Ᾱ. vi √ji): besiegt, zum Sieg gegangen.
  • tasya (mn. gen. sing. tad): sein, von ihm; sein, von ihm; von dem.
  • ha (ind.): betont das vorherige Wort.
  • brahmaṇaḥ (n. abl./gen. sing. brahman): von Brahman; Brahman's.
  • vijaye (m. loc. sing. vi jaya): in der Eroberung, im Sieg.
  • devāḥ (m. nom. pl. deva; von √div): Götter, Gottheiten.
  • amahīyanta (3. Pl. impf. Ᾱ. mahīya; denominatives Verb von mahī): waren froh, gediehen, waren erhaben, stiegen hoch, wurden geachtet.
  • te (m. nom. pl. pron. tad): sie, die.
  • aikṣanta (3. Pl. impf. Ᾱ. √īkṣ): (sie) sahen, betrachteten, erblickten; dachten, beobachteten.
  • asmākam (gen. pl. pron. asmad): unser, von uns, unser.
  • eva (ind.): so, in der Tat, wirklich, nur.
  • ayam (m. nom. sing. pron. idam): dies.
  • vijayaḥ (m. nom. sing. vijaya; von vi √ji): Sieg, Eroberung, Triumph.
  • asmākam (gen. pl. pron. asmad): unser, von uns, unser.
  • eva (ind.): so, in der Tat, wirklich, nur.
  • ayam (m. nom. sing. pron. idam): dies.
  • mahimā (m. nom. sing. mahiman; von √mah
  • -man): Größe, Macht, Kraft.
  • iti (ind.): so; ein Hinweis, dass die vorherigen Worte gesagt oder gedacht wurden.

Erläuterung Swami Sivananda:

Die Devas hatten die falsche Vorstellung, sie hätten den Sieg in der Schlacht errungen, obwohl in Wirklichkeit Gott die Asuras (Dämonen, negative Kräfte) besiegt hatte. Sie wurden stolz und eingebildet.

Dieser Teil wird allgemein als eine spätere Ergänzung angesehen. Sein Prosastil hat mehr Brahmana-Charakter (Anm. d. Übersetzers: also den Charakter des Brahmana-Teils der Veden) als die vorherigen Verse im Upanishaden-Teil.

Aus dem Vers „Es ist jenen nicht bekannt die wissen“ (Teil 2, Vers 3), mögen manche argumentieren, dass alles was existiert durch Beweise erkennbar sei, und dass alles, was nicht existiert, nicht erkannt werden kann und daher auch nicht existiert, so wie die Hörner eines Hasen, der Sohn einer unfruchtbaren Frau oder der Lotos am Himmel. Die Schlussfolgerung wäre dann: Da Brahman unbekannt ist, existiert Es nicht. Die Geschichte (von den Devas) wird hier eingefügt, um zu verhindern, dass Menschen eine solche irrige Meinung unterhalten. Oder die Geschichte mag dazu dienen, das Wissen um Brahman zu rühmen. Agni (Wesenheit des Feuers) und Indra (König der Engelswesen) erlangten eine Vorrangstellung unter den Devas aufgrund ihres Wissens. Oder die Geschichte will zeigen, dass es sehr schwierig ist, Brahman zu erkennen, da es selbst für Agni und Indra äußerst schwierig war, Es zu erkennen. Oder die Geschichte wird hier eingeführt, um die falsche Vorstellung „Ich bin der Handelnde“ zu überwinden.

Die Geschichte zeigt die Überlegenheit Brahmans. Brahman ist das Leben hinter allen Engelswesen. Sie leiten ihre Macht allein von Brahman her. Die Geschichte lehrt, dass das Brahman, das höchste Absolute, verehrt werden sollte.

Der echte Krieg findet im Inneren statt zwischen den guten Neigungen (Shubha Vasanas) und den schlechten Neigungen (Ashubha Vasanas), zwischen Sattva (Reinheit, Klarheit) und Rajas-Tamas (Unruhe-Trägheit, Ignoranz), zwischen tugendhaften Samskaras (Eindrücken, Veranlagungen) und schlechten Samskaras, zwischen dem niedrigen unreinen Geist und dem höheren reinen Geist. Das ist der wirkliche Krieg zwischen den Devas und den Asuras.

Die Sinne, der Geist und der Prana (Lebensenergie) fangen an zu kämpfen und sagen: „ Wir halten diesen Körper zusammen und stützen ihn.“ Der Prana trägt den Sieg davon. Aber auch der Prana ist an sich unbelebt. Die Quelle dieses Prana ist ebenfalls Brahman. Die Sinnesorgane, der Geist und die Pranas bekommen ihr Licht und ihre Kraft nur von Brahman allein. Sie können kein Wissen um Brahman haben. Es gibt steuernde Wesenheiten für die Organe, den Geist und den Prana, wie z.B. Agni, Vayu, Surya, usw. Sie (diese Wesenheiten/Engelswesen/Götter) versuchten, das Wissen um Brahman zu erlangen, aber ohne Erfolg.

Aber der Jivatman, die individuelle Seele, repräsentiert durch Indra, lässt Arroganz, Egoismus und andere Fehler hinter sich und erlangt das Wissen um Brahman dank der Gnade der göttlichen Mutter, Uma, der Tochter des Himavan (der Herrscher des Himalaya; symbolisiert in der Geschichte den gereinigten Intellekt). Alle Dualitäten, Unterscheidungen, Verschiedenheiten verschwinden jetzt für ihn.

Das ist die esoterische Bedeutung der Parabel von den Devas und Asuras.


3.2. Zweiter Vers drittes Kapitel Kenopanishad

taddhaiṣāṃ vijajñau tebhyo ha prādurbabhūva tanna vyajānata kimidaṃ yakṣamiti॥ 2॥

Übersetzung Swami Sivananda: Es (das Brahman) kannte ihre Einbildung (dass sie von Eitelkeit aufgeblasen waren) und erschien ihnen (in Form eines Yaksha, Naturgeistes, um ihren Stolz zu vernichten). Sie erkannten Es nicht.

Übersetzung 2:

Übersetzung Paul Deussen: Als das Brahman bemerkte, dass sie das taten, machte es sich ihnen offenbar; sie aber erkannten es nicht und sprachen: „Was ist das für ein Wunderding?“

Wort-für-Wort-Übersetzung

  • tat (n. nom./acc. sing. pron. tad): es, das.
  • ha (ind.): wird zur Betonung des vorangehenden Wortes verwendet.
  • eṣām (mn. gen. pl. pron. idam): von diesen.
  • vijajñau (3. Sing. pf. P. vi √jñā): (es) unterschieden, unterschieden.
  • tebhyaḥ (mn. dat/abl. pl. pron. tad): für sie, von ihnen.
  • ha (ind.): wird verwendet, um das vorangehende Wort zu betonen.
  • prādur (ind.; von pra dur): vor, in Sicht, im Licht, in Sicht, lit. "vor der Tür".
  • babhūva (3. Sing. pf. P. √bhū): (es) war, wurde, ist entstanden.
  • tat (n. nom./acc. sing. pron. tad): es, das.
  • na (ind.): nicht.
  • vyajānata (3. Pl. impf. Ᾱ. vi √jñā): (sie) erkannten, unterschieden.
  • kim (n. nom. sing. interrogativ pron. kim): was?
  • idam (n. nom. sing. Pron. idam): dies.
  • yakṣam (n. nom. sing. yakṣa): Geist, Gespenst
  • iti (ind.): so; ein Hinweis darauf, dass die vorherigen Worte gesagt oder gedacht wurden.


Erläuterung Swami Sivananda:

Brahman wusste offensichtlich um diese falsche Vorstellung der Devas, da Es allwissend ist, da Es der innere Herrscher und Lenker aller Wesen ist, da Es der stille Zeuge aller Gemüter ist. Um ihre falsche Einbildung aufzulösen und sie zu segnen, erschien Brahman den Devas in Form eines Yaksha, eines „Great Spirit“ (großen Naturgeistes).

3.3. Dritter Vers drittes Kapitel Kenopanishad

te'gnimabruvan jātaveda etadvijānīhi kimetadyakṣamiti tatheti॥ 3॥

Übersetzung Swami Sivananda: Sie sprachen zu Agni: „Oh Jataveda! Finde heraus, was dieses Große Wesen ist.“ „So sei es!“ sprach er.

Übersetzung Paul Deussen: Und sie sprachen zu Agni: „Erforsche doch, o Wesenkenner, was das für ein Wunderding ist!“ „So sei es!“ sprach er.

Wort-für-Wort-Übersetzung

  • te (m. nom./voc. pl. pron. tad): sie, jene.
  • agnim (m. acc. sing. agni; von √ag): (zu) Agni, dem (Opfer-)Feuer.
  • abruvan (3. Pl. impf. P. √brū): sagte, sprach.
  • jāta-vedaḥ (n. nom. sing. jāta-vedas, TP. comp.): Jataveda; lit. "Kenner der Geborenen", Wissen der Geborenen
  • jāta (Grammatik nicht spezifiziert; pass. p. √jan): der Geborene, von dem Geborenen, aus dem Geborenen, für den Geborenen, durch den Geborenen, etc.
  • vedaḥ (n. nom. sing. vedas; von √vid): das Wissen, der Verstand.
  • etat (n. acc. sing. pron. etad): das.
  • vijānihi (2. Sing. ipv. P. vi √jñā): unterscheiden! erkennen!
  • kim (n. nom. sing. interogatives Pron. kim): was?
  • etat (n. acc. sing. pron. etad): das.
  • yakṣam (n. nom. sing. yakṣa): Geist, Gespenst.
  • iti (ind.): so; ein Hinweis darauf, dass die vorherigen Worte gesagt oder gedacht wurden.
  • tathā (ind.): auf diese Weise, so, also; ja, so sei es.
  • iti (ind.): so; ein Hinweis darauf, dass die vorhergehenden Worte gesagt oder gedacht wurden.

(Zu diesem Vers schrieb Swami Sivananda keine Erläuterung).

3.4. Vierter Vers drittes Kapitel Kenopanishad

tadabhyadravattamabhyavadatko'sītyagnirvā ahamasmītyabravījjātavedā vā ahamasmīti॥ 4॥

Übersetzung Swami Sivananda:

Agni lief zu Ihm (Brahman) hin.
Es (Brahman) fragte: „Wer bist Du?“
Er antwortete: „Ich bin wahrlich Agni, ich bin wahrlich Jataveda (wörtl.: „ der alle Geschöpfe kennt“ - Beiname von Agni, der Wesenheit des Feuers).“

Übersetzung Paul Deussen: Und er stürzte auf dasselbe los. Da redet das Brahman ihn an und sprach: „Wer bist du?“ „Ich bin der Agni“, sprach er, „ich bin der Kenner der Wesen.“

Wort-für-Wort-Übersetzung

  • tat (n. acc. sing. pron tad): es, das.
  • abhyadravat (3. Sing. impf. P. abhi √dru): lief auf ihn zu, eilte ihm entgegen.
  • tam (m. acc. sing. pron. tad): er.
  • abhyavadat (3. Sing. impf. P. abhi √vad): gegrüßt, mit Ehrerbietung angesprochen.
  • kaḥ (m. Nom. sing. Interrogativpron. kim): wer? was?
  • asi (2st. sing. pres. indic. P. √as): (du) bist.
  • iti (ind.): so; ein Hinweis darauf, dass die vorherigen Worte gesagt oder gedacht wurden.
  • abravīt (3. Sing. impf. P. √brū): sprach, sagte.
  • jāta-vedaḥ (n. nom. sing. jāta-vedas, TP. comp.): Jataveda; "Born-Wissen", "Wissen der Geborenen" usw.; der "Born-Reichtum", der "Reichtum der Geborenen" usw.
  • jāta (Grammatik nicht spezifiziert; vergl. p. √jan): der Geborene, von dem Geborenen, aus dem Geborenen, für den Geborenen, durch den Geborenen, etc.
  • vedaḥ (n. nom. sing. vedas; von √vid): Wissen; Reichtum.
  • vā (ind.): oder; manchmal als Ausrufezeichen verwendet.
  • aham (nom. sing. pron. asmad): I.
  • asmi (1. Sing. Präs. Indik. P. √as): bin
  • iti (ind.): so; ein Hinweis darauf, dass die vorherigen Worte gesagt oder gedacht wurden.

(Zu diesem Vers schrieb Swami Sivananda keine Erläuterung).


3.5. Fünfter Vers drittes Kapitel Kenopanishad

tasmiṃstvayi kiṃ vīryamityapīdaṃ sarvaṃ daheyaṃ yadidaṃ pṛthivyāmiti॥ 5॥

Übersetzung Swami Sivananda:

Es (Brahman) fragte ihn: „Welche Macht hast du, der du von solcher Natur bist?“
Agni antwortete: „Ich kann alles verbrennen, was immer hier auf Erden ist.“

Übersetzung Paul Deussen: „Wenn du der bist, welches ist deine Kunst?“ „Ich vermag, dieses alles zu verbrennen, was hier auf Erden ist.“

Wort-für-Wort-Übersetzung

  • tasmin (mn. loc. sing. pron. tad): in dem.
  • tvayi (loc. sing. pron. yuṣmad): in dir.
  • kim (n. nom/acc. sing. interrogativ pron. kim): was?
  • vīryam (n. nom/acc. sing. vīrya; von √vīr): Männlichkeit, Tapferkeit, Stärke, Kraft, Potenz.
  • iti (ind.): so; ein Hinweis, dass die vorherigen Worte gesagt oder gedacht wurden.
  • api (ind.): und, auch, außerdem; sogar; gewiss.
  • idam (n. nom. sing. pron. idam): dies.
  • sarvam (n. nom. sing. pronominal adj. sarva): ganz, vollständig, alle, jedes, alles.
  • daheyam (1. sing. opt. P. √dah): Ich sollte/könnte/könnte brennen.
  • yat (n. nom. sing. Relativpron. yad): das, was, das.
  • idam (n. nom. sing. pron. idam): dies, hier.
  • pṛthivyām (f. loc. sing. pṛthivī): in der Welt.
  • iti (ind.): so; ein Hinweis darauf, dass die vorherigen Worte gesagt oder gedacht wurden.

(Zu diesem Vers schrieb Swami Sivananda keine Erläuterung).

3.6. Sechster Vers drittes Kapitel Kenopanishad

tasmai tṛṇaṃ nidadhāvetaddaheti tadupapreyāya sarvajavena tanna śaśāka dagdhuṃ sa tata
eva nivavṛte naitadaśakaṃ vijñātuṃ yadetadyakśamiti॥ 6॥

Übersetzung Swami Sivananda: Es (Brahman) legte einen Grashalm vor ihn hin und sagte: „Verbrenne dies.“

Er (Agni) näherte sich dem Grashalm mit all seiner Kraft. Er konnte den Halm nicht verbrennen. Da kehrte er zu den Devas zurück und sagte: „Ich war nicht in der Lage festzustellen, was dieses Große Wesen ist.“


Übersetzung Paul Deussen: Da legte ihm Brahman einen Strohhalm vor und sprach: „So verbrenne dieses!“ Er stürmte darauf los mit allem Ungestüme, aber er vermochte nicht, ihn zu verbrennen. Da kehrte er zurück und sprach: „Ich habe es nicht zu erforschen vermocht, was das für ein Wunderding ist.“

Wort-für-Wort-Übersetzung

  • tasmai (m. dat. sing. pron. tad): für ihn.
  • tṛṇam (n. acc. sing. tṛṇa): Gras, Kraut, Stroh.
  • nidadhau (3. Sing. pf. P. ni √dhā): niederlegen.
  • etat (n. acc. sing. pron. etad): dies, es.
  • daha (2. Sing. ipv. √dah): brennen, versengen.
  • iti (ind.): so; ein Hinweis, dass die vorherigen Worte gesagt oder gedacht wurden.
  • tat (n. acc. sing. pron. tad): das, es.
  • upapreyāya (3. sing. pf. P. upa pra √i): sich genähert, genähert, herbeigeeilt.
  • sarva-javena (mn. inst. sing. sarva-java, KD. comp.): mit aller Gewandtheit.
  • sarva (pronominales Adj.): ganz, vollständig, alles, jedes, alles.
  • javena (mn. inst. sing. java; von √jū): durch Schnelligkeit, mit Schnelligkeit.
  • tat (n. acc. sing. pron. tad): das, es.
  • na (ind.): nicht.
  • śaśaka (1. Sing. pf. P. √śak): war fähig, war fähig.
  • dagdhum (inf. √dah): brennen, versengen.
  • saḥ (m. nom. sing. pron. tad): er.
  • tataḥ (n. abl. sing. pron. tat): von dem, aus dem.
  • eva (ind.): so, in der Tat, wirklich, nur.
  • nivavṛte (3. Sing. pf. Ᾱ. ni √vṛt): umgedreht, angehalten.
  • na (ind.): nicht.
  • etat (n. acc. sing. pron etad): das.
  • aśakam (n. nom. sing. aśaka; von a √śak): unfähig, nicht fähig.
  • vijñātum (inf. vi √jñā): zu unterscheiden, zu unterscheiden.
  • yat (n. nom. sing. Relativpronomen yad): welches, was, das.
  • etat (n. acc. sing. pron. etad): das.
  • yakṣam (n. nom. sing. yakṣa): Geist, Gespenst.
  • iti (ind.): so; ein Hinweis darauf, dass die vorherigen Worte gesagt oder gedacht wurden.


Erläuterung Swami Sivananda:

Die Devas wussten nicht, was jenes Große Wesen war. Sie sandten Agni, um herauszufinden, was dieses Große Wesen war. Brahman fragte: „Wer bist Du?“ Agni antwortete: „Ich bin Agni, wohl bekannt als Jataveda (der alle Geschöpfe kennt).“ Brahman sagte: Du sagst, du bist wohl bekannt, welche Kraft besitzt du?“ Agn i antwortete: „Ich kann alles in diesem Universum und alles Unbewegliche auf dieser Erde zu Asche verbrennen.“ Daraufhin legt Brahman einen Strohhalm vor Agni hin und sagte: „Verbrenne dieses Stroh. Wenn du nicht in der Lage bist, es zu verbrennen, gib deine Eitelkeit und deine Überheblichkeit auf, zu behaupten, du könntest alles vernichten.“ Agni näherte sich dem Strohhalm mit großem Selbstbewusstsein. Aber er konnte ihn nicht verbrennen. Er beugte beschämt den Kopf, ging zu den Devas zurück und sagte: „Ich konnte nicht erkennen, was dieses Große Wesen ist.“

3.7. Siebter Vers drittes Kapitel Kenopanishad

atha vāyumabruvan vāyavetadvijānīhi kimetadyakśamiti tatheti ॥ 7॥

Übersetzung Swami Sivananda: Die Devas sagten daraufhin zu Vayu (der Wesenheit des Windes): „Oh Vayu! Finde heraus, was dieses Große Wesen ist.“

Übersetzung Paul Deussen: Da sprachen sie zu Vāyu (dem Gott des Windes): „Erforsche doch, o Vāyu, was das für ein Wunderding ist!“ „So sei es!“ sprach er.

Wort-für-Wort-Übersetzung

  • atha (ind.): jetzt, dann, außerdem.
  • vāyum (m. acc. sing. vāyu; von √vā): zu Vayu.
  • abruvan (3. Pl. impf. P. √brū): sagte, sprach.
  • vāyo (m. voc. sing. vāyu; von √vā): O Vayu.
  • etat (n. acc. sing. pron. etad): dies, es.
  • vijānīhi (2. Sing. ipv. P. vi √jñā): unterscheiden! unterscheiden!
  • kim (n. nom. sing. Interrogativpron. kim): was?
  • etat (n. acc. sing. pron. etad): dies, es.
  • yakṣam (n. nom. sing. yakṣa): Geist, Gespenst, Wesenheit.
  • iti (ind.): so; ein Hinweis darauf, dass die vorherigen Worte gesagt oder gedacht wurden.
  • tathā (ind.): auf diese Weise, so, also; ja, so sei es.
  • iti (ind.): so; ein Hinweis darauf, dass die vorherigen Worte gesagt oder gedacht wurden.

Erläuterung Swami Sivananda:

3.8. Achter Vers drittes Kapitel Kenopanishad

tadabhyadravattamabhyavadat ko'sīti vāyurvā ahamasmītyabravīnmātariśvā vā ahamasmīti॥ 8॥


Übersetzung Swami Sivananda:

Er (Vayu) eilte zu Ihm (Brahman) hin.
Es (Brahman) sagte: „Wer bist du?“
Er (Vayu) antwortete: „Ich bin wahrlich Vayu. Ich bin wahrlich Matarishvan (wörtl.: „Der Wind und Regen beherrscht“, ein Beiname von Vayu, dem Windgott.“


Übersetzung Paul Deussen: Und er stürzte auf dasselbe los. Da redete das Brahman ihn an und sprach: „Wer bist du?“ „Ich bin der Vāyu“, sprach er, „ich bin der Mātarishvan (der in der Mutter, d. i. dem Luftraume, Schwellende).“

Wort-für-Wort-Übersetzung

  • tat (n. acc. sing. pron. tad): es, das.
  • abhyadravat (3. Sing. impf. P. abhi √dru): lief auf ihn zu, eilte ihm entgegen.
  • tam (m. acc. sing. tad): er.
  • abhyavadat (3. Sing. impf. P. abhi √vad): gegrüßt, mit Ehrerbietung angesprochen.
  • kaḥ (m. Nom. sing. Interrogativpronomen kim): wer? was?
  • asi (2. sing. pres. indic. P. √as): (du) bist.
  • iti (ind.): so; ein Hinweis darauf, dass die vorherigen Worte gesagt oder gedacht wurden.
  • vāyuḥ (m. nom. sing. vāyu; von √vā): Vayu.
  • vai (ind.): in der Tat, wahrhaftig, gewiss, wahrhaftig.
  • aham (m. nom. sing. pron. asmad): I.
  • asmi (1. Sing. Präs. Indik. P. √as): bin.
  • iti (ind.): so; ein Hinweis darauf, dass die vorherigen Worte gesagt oder gedacht wurden.
  • abravīt (3. Sing. impf. P. √brū): sprach, sagte.
  • mātariśvā (m. nom. sing. mātariśvan; von mātari-śvan): Luft, Wind; der Feuerstab des Agni; lit. prob. "in der Mutter wachsend".
  • vai (ind.): in der Tat, wahrhaftig, gewiss, wahrhaftig.
  • aham (nom. sing. pron. asmad): I.
  • asmi (1. Sing. Präs. Indik. P. √as): bin.
  • iti (ind.): so; ein Hinweis darauf, dass die vorherigen Worte gesagt oder gedacht wurden.

(Zu diesem Vers schrieb Swami Sivananda keine Erläuterung).

3.9. Neunter Vers drittes Kapitel Kenopanishad

tasmiṃstvayi kiṃ vīryamityapīdaṃ sarvamādadīya yadidaṃ pṛthivyāmiti॥ 9॥

Übersetzung Swami Sivananda: Brahman fragte ihn: „Welche Kraft hast du, der du von solcher Natur bist?“

Vayu antwortete: „Ich kann das ganze Universum wegblasen und alles, was auf Erden ist.“

Übersetzung Paul Deussen: „Wenn du der bist, welches ist deine Kunst?“ „Ich vermag, dieses alles fortzureißen, was hier auf Erden ist.“

Wort-für-Wort-Übersetzung

  • tasmin (m. loc. sing. pron. tad): in dem, in ihm.
  • tvayi (loc. sing. pron. yuṣmad): in dir.
  • kim (n. nom. sing. interrogativ pron. kim): was?
  • vīryam (n. nom. sing. vīrya; von √vīr): Männlichkeit, Tapferkeit, Stärke, Kraft, Potenz.
  • iti (ind.): so; ein Hinweis, dass die vorherigen Worte gesagt oder gedacht wurden.
  • api (ind.): und, auch, außerdem; sogar; gewiss.
  • idam (n. nom. sing. pron. idam): dies.
  • sarvam (n. nom. sing. pronominal adj. sarva): ganz, ganz, alle, jedes.
  • ādadīya (1. Sing. opt. Ᾱ. ā √dā): Ich sollte/möchte/darf annehmen, nehmen; ich sollte/möchte ergreifen, mitnehmen.
  • yat (n. nom. sing. Relativpron. yad): das, was, das.
  • idam (n. nom. sing. Pron. idam): dies, hier.
  • pṛthivyām (f. loc. sing. pṛthivī): in der Welt.
  • iti (ind.): so; ein Hinweis darauf, dass die vorherigen Worte gesagt oder gedacht wurden.

(Zu diesem Vers schrieb Swami Sivananda keine Erläuterung).

3.10. Zehnter Vers drittes Kapitel Kenopanishad

tasmai tṛṇaṃ nidadhāvetadādatsveti tadupapreyāya sarvajavena tanna śaśākādātuṃ
sa tata eva nivavṛte naitadaśakaṃ vijñātuṃ yadetadyakśamiti ॥ 10॥

Übersetzung Swami Sivananda: Es (Brahman) legte einen Grashalm vor ihn hin und sagte: „Blase dies weg.“ Er näherte sich dem Halm mit all seiner Kraft und war nicht in der Lage, ihn wegzublasen. Daraufhin kehrte er zurück und sagte zu den Devas: „Ich war nicht in der Lage, festzustellen, was dieses Große Wesen ist.“

Übersetzung Paul Deussen: Da legte ihm Brahman einen Strohhalm vor und sprach: „So reiße dieses fort!“ Er stürmte darauf los mit allem Ungestüme, aber er vermochte nicht, es fortzureißen. Da kehrte er zurück und sprach: „Ich habe es nicht zu erforschen vermocht, was das für ein Wunderding ist.“

Wort-für-Wort-Übersetzung

  • tasmai (m. dat. sing. pron. tad): für ihn.
  • tṛṇam (n. acc. sing. tṛṇa): Gras, Kraut, Stroh.
  • nidadhau (3. Sing. pf. P. ni √dhā): niederlegen.
  • etat (n. acc. sing. etad): dies, es.
  • ādatsva (2. Sing. ipv. Ᾱ ā √dā): nehmen! wegtragen!
  • iti (ind.): so; ein Hinweis darauf, dass die vorherigen Worte gesagt oder gedacht wurden.
  • tat (n. acc. sing. pron. tad): das, es.
  • upapreyāya (3. sing. pf. P. upa pra √i): ging heran, näherte sich, eilte herbei.
  • sarva-javena (mn. inst. sing. sarva-java, KD. comp.): mit aller Gewandtheit.
  • sarva (pronominales Adj.): ganz, vollständig, alles, jedes, alles.
  • javena (mn. inst. sing. java; von √jū): durch Schnelligkeit, mit Schnelligkeit.
  • tat (n. acc. sing. pron. tad): das, es.
  • na (ind.): nicht.
  • śaśaka (1. Sing. pf. P. √śak): war fähig, war fähig.
  • ādātum (Inf. a √dā): zu nehmen; wegtragen.
  • saḥ (m. nom. sing. pron. tad): er.
  • tataḥ (n. abl. sing. pron. tat): von dem, davon.
  • eva (ind.): so, in der Tat, wirklich, nur.
  • nivavṛte (3. Sing. pf. Ᾱ. ni √vṛt): umgedreht, angehalten.
  • na (ind.): nicht.
  • etat (n. acc. sing. pron. etad): das.
  • aśakam (n. nom. sing. azaka; von a √zak): unfähig, nicht fähig.
  • vijñātum (inf. vi √jñā): zu unterscheiden, zu unterscheiden.
  • yat (n. nom. sing. Relativpronomen yad): welches, was, das.
  • etat (n. acc. sing. pron. etad): das.
  • yakṣam (n. nom. sing. yakṣa): Geist, Gespenst, Wesen.
  • iti (ind.): so; ein Hinweis darauf, dass die vorherigen Worte gesagt oder gedacht wurden.

Erläuterung Swami Sivananda: Vayu wird auch Matarishvan (der Herr über Luft und Regen) genannt, weil er im Raum (Matari) reist (Shva-yati).

3.11. Elfter Vers drittes Kapitel Kenopanishad

athendramabruvan maghavannetadvijānīhi kimetadyakśamiti tatheti
tadabhyadravat tasmāttirodadhe॥ 11॥

Übersetzung Swami Sivananda:

Dann sprachen sie zu Indra: „Oh Maghavan (wörtl.: freigebig, gabenreich; Spender; stark im Handeln; Beiname des Gottes Indra) Finde heraus, was dieses Große Wesen ist.“
Indra sagte: „Ja.“
Er (Indra) eilte zu Ihm hin.
Es (Brahman) verschwand, so dass er Es nicht mehr sehen konnte.


Übersetzung Paul Deussen: Da sprachen sie zu Indra: „Erforsche doch, o Mächtiger, was das für ein Wunderding ist!“ „So sei es!“ sprach er. Und er stürzte auf dasselbe los. Da verbarg es sich vor ihm.

Wort-für-Wort-Übersetzung

  • atha (ind.): jetzt, dann, außerdem.
  • indram (m. sing. acc. indra; prob. von √ind): zu Indra.
  • abruvan (3. Pl. impf. P. √brū): sagte, sprach.
  • maghavan (m. voc. sing. maghavat; von √maṃh -vat): Reichtums-Besitzer.
  • etat (n. acc. sing. pron. etad): dies, es.
  • vijānīhi (2. Sing. ipv. P. vi √jñā): unterscheiden! unterscheiden!
  • kim (n. nom. sing. Interrogativpron. kim): was?
  • etat (n. acc. sing. pron. etad): dies, es.
  • yakṣam (n. nom. sing. yakṣa): Geist, Gespenst, Wesen.
  • iti (ind.): so; ein Hinweis darauf, dass die vorherigen Worte gesagt oder gedacht wurden.
  • tathā (ind.): auf diese Weise, so, also; ja, so sei es.
  • iti (ind.): so; ein Hinweis darauf, dass die vorhergehenden Worte gesagt oder gedacht wurden.
  • tat (n. acc. sing. pron. tad): es, das.
  • abhyadravat (3. Sing. impf. P. abhi √dru): lief auf, eilte zu.
  • tasmāt (m. abl. sing. pron. tad): von ihm.
  • tirodadhe (3. sing. pf. Ᾱ. tiro √dhā): verschwand, verbarg sich vor.


3.12. Zwölfter Vers drittes Kapitel Kenopanishad

sa tasminnevākāśe striyamājagāma bahuśobhamānāmumāṃ haimavatīṃ tāṃ
hovāca kimetadyakśamiti॥ 12॥

Übersetzung Swami Sivananda:

An derselben Stelle erblickte er eine Frau, Uma, sehr schön, von goldener Farbe, die Tochter des Himavan (König des Himalaya).
Er fragte sie: „ Was ist dieses Große Wesen?“

Übersetzung Paul Deussen: Er aber begegnete an demselbigen Orte einem Weibe, die war sehr schön, der Umā, Tochter des Himavant (der Gemahlin des Shiva, hier nach Shankaracharya als Personifikation des Wissens auftretend). Zu der sprach er: „Was ist das für ein Wunderding?!

Wort-für-Wort-Übersetzung

  • saḥ (m. nom. sing. pron. tad): er.
  • tasmin (mn. loc. sing. pron. tad): in dem; in ihm.
  • eva (ind.): so, in der Tat, wirklich, nur.
  • ākāśe (mn. loc. sing. ākāśa; ā √kāś): im freien Raum, der Leere, dem Himmel, dem Äther.
  • striyam (f. sing. loc. strī; von √sū): bei einer Frau.
  • ājagāma (3. Sing. pf. P. ā √gam): kam, kam an.
  • bahuśobhamānām (f. pl. gen. bahu-śobha-mā, KD. comp.): von reichlich glänzenden Lichtern.
  • bahu (ind.): viel, sehr, reichlich, groß.
  • śobha (Grammatik nicht angegeben; von √śubh): hell, glänzend.
  • mānām (f. gen. pl. mā): von Lichtern.
  • umām (f. acc. sing. umā; prob. aus dem Ausdruck "u mā "): (zu) Uma.
  • haimavatīm (f. acc. sing. haimavatī; von hima-vat): von den Himalayas; lit. "des Frost-Besitzers".
  • tām (f. sing. acc. pron. tad): ihr, das.
  • ha (ind.): betont das vorherige Wort.
  • uvāca (3. Sing. pf. P. √vac): sagte.
  • kim (n. nom. sing. interrogativ pron. kim): was?
  • etat (n. nom. sing. Pron. etad): dies, es.
  • yakṣam (n. nom. sing. yakṣa): Geist, Gespenst.
  • iti (ind.): so; ein Hinweis darauf, dass die vorherigen Worte gesagt oder gedacht wurden.

Erläuterung Swami Sivananda:

Indra, der Herr der Engelswesen, Maghavan (der Mächtigste unter ihnen) lief zu dem Großen Wesen. Das Große Wesen sprach nicht einmal zu ihm, denn er wollte seine Überheblichkeit vollkommen zunichte machen. Indra kehrte nicht zu den Devas zurück wie Agni und Vayu. Er dachte ernsthaft nach. Erkenntnis, Weisheit, symbolisiert in Form einer Frau (Uma, der Tochter der Himalayas, der Gemahlin Shivas), mit Gold geschmückt, erschien Indra, um seine Unwissenheit zu zerstreuen. Die vielfältigen Kräfte und besonders Erkenntnis und Weisheit der Götter werden durch ihre „Gemahlinnen“ repräsentiert. Indra näherte sich ihr und fragte: „Wer ist dieses Großes Wesen, der sich gezeigt hat und dann verschwand?“

Warum verschwand Brahman, als Indra näher kam? Indra war noch nicht fortgeschritten genug, um über die wahre Natur Brahmans von Brahman selbst unterwiesen zu werden. Daher verschwand Brahman und ließ Uma zurück, um Indras Fragen zu beantworten.

Da Indra der mächtigste der Götter ist, verschwand Brahman, um deutlich zu machen, wie unerheblich Indras Macht war zur Erlangung des Wissens um Brahman.

Haimavatim – verziert mit Gold, die Tochter des Himavan.

Iti tritīyah khandah .

Hier endet der 3. Teil.


Viertes Kapitel - Chaturthah Khandah

4.1. Erster Vers viertes Kapitel Kenopanishad

sā brahmeti hovāca brahmaṇo vā etadvijaye mahīyadhvamiti tato haiva
vidāñcakāra brahmeti॥ 1॥

Übersetzung Swami Sivananda: Der Lehrer: Sie sagte: „Es ist in der Tat Brahman; denn wahrlich durch den Sieg Brahmans habt ihr Ruhm erlangt.“ So erfuhr Indra einzig und allein aus den Worten Umas, dass es Brahman war (das als Yaksha erschienen war und den Sieg erfochten hatte).

Übersetzung Paul Deussen: Das ist das Brahman“, sprach sie, „das Brahman, welches jenen Sieg erfocht, ob des ihr euch brüstet!“ Da erst erkannte er, dasss das Brahman war.

Wort-für-Wort-Übersetzung

  • sā (f. nom. sing. pron. tad): sie.
  • brahma (n. nom. sing. brahman; von √bṛh): Brahman.
  • iti (ind.): so; ein Hinweis, dass die vorherigen Worte gesagt oder gedacht wurden.
  • ha (ind.): betont das vorhergehende Wort.
  • uvāca (3. Sing. pf. P. √vac): gesagt.
  • brahmaṇaḥ (n. abl./gen. sing. brahman; von √bṛh): von Brahman; des Brahman, von Brahman.
  • vai (ind.): in der Tat, wahrhaftig, gewiss, wahrhaftig.
  • etat (n. nom./acc. sing. pron. etad): dies.
  • vijaye (m. sing. loc. vijaya; von vi √jī): im Sieg, Eroberung, Triumph.
  • mahīyadhvam (2. Pl. impv. Ᾱ. √mah -iya): sei fröhlich!
  • iti (ind.): so; ein Hinweis, dass die vorherigen Worte gesagt oder gedacht wurden.
  • tataḥ (n. abl. sing. pron. tat): von dem, davon.
  • ha (ind.): betont das vorherige Wort.
  • eva (ind.): so, in der Tat, wirklich, nur.
  • vidān (m. acc. pl. vida; von √vid): Wissen.
  • cakāra (3. Sing. pf. P. √kṛ): (er/sie/es) hat, gemacht, gebildet.
  • brahma (n. nom. sing. brahman; von √bṛh): Brahman.
  • iti (ind.): so; ein Hinweis darauf, dass die vorherigen Worte gesagt oder gedacht wurden.

Erläuterung Swami Sivananda: Ha – wahrlich; eva – nur

„Eure Vorstellung, dass der Sieg und Ruhm Euer sind, ist falsch“, sagte Uma. Indra erfuhr nur aus den Worten von Uma, dass es sich um Brahman handelte. Die Kraft von „nur“ betont, dass Indra es nicht von sich aus erkannte.


4.2. Zweiter Vers viertes Kapitel Kenopanishad

tasmādvā ete devā atitarāmivānyāndevānyadagnirvāyurindraste
hyenannediṣṭhaṃ pasparśuste hyenatprathamo vidāñcakāra brahmeti॥ 2॥

Übersetzung Swami Sivananda: Daher wurden diese Devas Agni, Vayu und (Indra) wahrlich hervorragend unter den anderen Göttern, denn sie berührten das Brahman am nächsten; sie wussten als erste, dass dieses Große Wesen Brahman war.

Übersetzung Paul Deussen: Darum, fürwahr, sind diese Götter gleichsam erhaben über die anderen Götter, nämlich Agni, Vāyu und Indra. Denn sie hatten das Brahman am nächsten berührt, sie (und unter ihnen wieder Indra) hatte es zuerst erkannt, dass das Brahman war.

Wort-für-Wort-Übersetzung

  • tasmāt (mn. abl. sing. pron. tad): daher; deshalb.
  • vai (ind.): in der Tat, wahrhaftig, gewiss, wahrhaftig.
  • etat (n. nom/acc. sing. pron. etad): dies.
  • ete (m. nom/voc. pl. pron. etad): diese.
  • devāḥ (m. nom. pl. deva; von √div): Götter, Gottheiten.
  • atitarām (ind.): im Rang höher; besser, höher.
  • iva (ind.): wie, in diesem Sinne; als ob; als wäre es.
  • anyān (m. acc. pl. pronominal adj. anya): anders.
  • devān (m. acc. pl. deva; von √div): Götter, Gottheiten.
  • yat (mn. nom. sing. Relativpron. yad): wer, was, was, das.
  • agniḥ (m. nom. sing. agni; von √ag): Agni.
  • vāyuḥ (m. nom. sing. vāyu; von √vā): Vayu.
  • indraḥ (m. nom. sing. indra; prob. von √ind): Indra.
  • te (m. nom. pl. pron. tad): sie, jene.
  • hi (ind.): für, weil; in der Tat.
  • enat (n. acc. sing. pron. idam): dies, hier.
  • nediṣṭham (n. nom. sing. nediṣṭha): am nächsten.
  • pasparśuḥ (3. Pl. pf. P. √spṛś): (sie) berührten.
  • te (m. nom. pl. pron. tad): sie, die.
  • hi (ind.): für, weil; in der Tat.
  • enat (n. acc. sing. pron. idam): dies, hier.
  • prathamaḥ (m. nom. sing. prathama; Superlativ √pra): vor allem, zuerst (in der Zeit oder im Rang); am frühesten, ursprünglich; vorangehend.
  • vidān (m. acc. pl. vida; von √vid): Wissen.
  • cakāra (3. Sing. pf. P. √kṛ): tat, machte, bildete.
  • brahma (n. nom. sing. brahman; von √bṛh): Brahman.
  • iti (ind.): so; ein Hinweis darauf, dass die vorherigen Worte gesagt oder gedacht wurden.

Erläuterung Swami Sivananda: Die Devas, Agni, Vayu und Indra hatten sich Brahman am weitesten angenähert, denn sie hatten mit Brahman gesprochen und Es von nahem gesehen. Daher übertreffen sie die anderen Engelswesen an Macht, Wert und Wohlstand. Sie waren die ersten die Brahman kannten und so sind sie überragend.

4.3. Dritter Vers viertes Kapitel Kenopanishad

tasmād vā indro'titarāmivānyāndevānsa hyenannediṣṭhaṃ pasparśa sa
hyenatprathamo vidāñcakāra brahmeti॥ 3॥

Übersetzung Swami Sivananda: Daher wurde auch Indra wahrlich hervorragend vor allen anderen Göttern, denn er berührte das Brahman am nächsten; Er wusste als Erster, dass dieses Große Wesen das Brahman war.

Übersetzung Paul Deussen: Darum, fürwahr, ist Indra gleichsam erhaben über die andern Götter, denn er hatte Brahman am nächsten berührt, er hatte es zuerst erkannt, dass es das Brahman war.

Wort-für-Wort-Übersetzung

  • tasmāt (mn. abl. sing. pron. tad): daher; deshalb
  • vai (ind.): in der Tat, wahrhaftig, gewiss, wahrhaftig.
  • indraḥ (m. nom. sing. indra; prob. von √ind): Indra.
  • atitarām (ind.): im Rang übergeordnet; besser, höher.
  • iva (ind.): wie, in diesem Sinne; als ob; als wäre es.
  • anyān (m. acc. pl. pronominal adj. anya): anders.
  • devān (m. acc. pl. deva; von √div): Götter, Gottheiten.
  • saḥ (m. nom. sing. pron. tad): er.
  • hi (ind.): für, weil; in der Tat.
  • enat (n. acc. sing. pron. idam): dies, hier.
  • nediṣṭham (n. nom. sing. nediṣṭha): am nächsten.
  • pasparśa (3. Sing. pf. P. √spṛś): (er) berührt.
  • prathamaḥ (m. nom. sing. prathama; Superlativ pra): vorderste, erste (in Zeit oder Rang); früheste, ursprüngliche; vorhergehende.
  • vidān (m. acc. pl. vida; von √vid): Wissen.
  • cakāra (3. Sing. pf. P. √kṛ): tat, machte, bildete.
  • brahma (n. nom. sing. brahman; von √bṛh): Brahman.
  • iti (ind.): so; ein Hinweis darauf, dass die vorherigen Worte gesagt oder gedacht wurden.

Erläuterung Swami Sivananda: Agni und Vayu erkannten das Brahman aus Indras Worten. Indra hörte als Erster von Brahman durch Uma. Daher übertrifft er die anderen Götter. Er näherte sich dem Brahman am meisten an, da er der Erste war, der Brahman erkannte.

4.4. Vierter Vers viertes Kapitel Kenopanishad

tasyaiṣa ādeśo yadetadvidyuto vyadyutadā itīnnyamīmiṣadā
ityadhidaivatam॥ 4॥

Übersetzung Swami Sivananda: Dies ist eine Erklärung zur Veranschaulichung von Ihm – Er strahlte wie der Glanz des Blitzes. Er verschwand wie das Blinzeln des Auges. Das ist der Vergleich des Brahman in Bezug auf die Devas.

Übersetzung Paul Deussen: Über selbiges ist diese Unterweisung. Was an dem Blitze das ist, dass es blitzt und man ruft „ah“ und schließt die Augen, - dies, dass man „ah“ ruft (ist seine Unterweisung) in Bezug auf die Gottheit.

Wort-für-Wort-Übersetzung

  • tasya (n. gen. sing. pron. tad): von dem, sein.
  • eṣaḥ (m. nom. sing. pron. etad): dies.
  • ādeśaḥ (m. nom. sing. ādeśa; von ā √diś): Rat, Anweisung; Erklärung, Rechenschaft; Regel, Befehl.
  • yat (n. nom. sing. Relativpron. yad): der.
  • etat (n. nom./acc. sing. pron. etad): dies, es.
  • vidyutaḥ (mf. nom./acc. pl. vi dyut): die blitzenden, leuchtenden, glitzernden (die); Blitze.
  • vyadyutat (3. Sing. aor. Ᾱ. vi √dyut): blitzte auf, leuchtete auf; erhellte, erleuchtete, bestrahlte.
  • ā (ind.): als ob, wie; der Laut "ah ".
  • iti (ind.): so; ein Hinweis darauf, dass die vorherigen Worte gesagt oder gedacht wurden.
  • id (ind.): auch, gerade, nur; in der Tat, gewiss.
  • nyamīmiṣat (3. Sing. aor. P. ni √miṣ): die Augenlider schließen, zwinkern.
  • ā (ind.): als ob, wie; der Laut "ah".
  • iti (ind.): so; ein Hinweis, dass die vorherigen Worte gesagt oder gedacht wurden.
  • adhidaivatam (n. nom. sing. adhidaivata; von adhi √div): der Über-Gott, die oberste Gottheit.

Erläuterung Swami Sivananda: Shri Shankara sagt: „Dies ist das Adesha von Brahman, als dem hier behandelten Thema“ Adesha ist eine Instruktion in Form einer Illustration. Die Illustrationen, durch welche Brahman erklärt wird, wird sein Adesha genannt. Brahman zeigte sich den Göttern und verschwand aus ihrer Sicht wie ein Blitzstrahl. Er erstrahlte einen Moment lang wie ein blendender Blitzstrahl. Er erschien und verschwand im Moment eines Lidschlags. Seine Erscheinung war wie das Öffnen und Schließen des Auges, wenn es (das Auge) Gegenstände wahrnimmt bzw. Sich von ihnen abwendet. Brahman erschien plötzlich und verschwand wie ein Blitz oder ein Augenzwinkern. Das ist die Lehre (adesha) für die Götter.

4.5. Fünfter Vers viertes Kapitel Kenopanishad

athādhyātmaṃ yaddetad gacchatīva ca mano'nena
caitadupasmaratyabhīkśṇaṃ saṅkalpaḥ॥ 5॥

Übersetzung Swami Sivananda: Dann folgt ein Vergleich Brahmans in Bezug auf den Atman innerhalb des Körpers – so schnell wie man mit dem Geist an Brahman denkt und so schnell der Geist will.

Übersetzung Paul Deussen: Nun in Bezug auf die Seele. Wenn etwas gleichsam eintritt in den Geist, dass man dadurch sich erinnert an etwas im Augenblick, dieses Vorstellen (ist seine Unterweisung).

Wort-für-Wort-Übersetzung

  • atha (ind.): jetzt, dann, außerdem.
  • adhyātmam (n. nom./acc. sing. adhiātma): über-selbst.
  • yat (n. nom./acc. sing. Relativpronomen yad): wer, was, was, das.
  • etat (n. nom./acc. sing. pron. etad): dies.
  • gacchati (3. Sing. Präs. Indik. P. √gam): geht.
  • iva (ind.): wie, in diesem Sinne; als ob; als wäre es.
  • ca (ind.): und.
  • manaḥ (n. nom./acc. sing. manas; von √man): der Geist.
  • anena (n. inst. sing. pron. idam): mit diesem, durch dieses.
  • ca (ind.): und.
  • etat (n. acc. sing. pron. etad): dies.
  • upasmarati (3. Sing. pres. indic. P. upa √smṛ): (man) erinnert sich.
  • abhīkṣṇam (ind.): beständig, immerwährend.
  • saṅkalpaḥ (m. nom. sing. saṃkalpa; von sam √klṛp): Wille, Willenskraft, Vorstellung, Überzeugung.

Erläuterung Swami Sivananda: Das nächste ist jetzt eine Illustration des Brahman als das Selbst im Körper.

Atha – als nächstes, jetzt, nach dem der Adhidaiva ( die ursprüngliche Gottheit, die sich in allem manifestiert) -Aspekt beschrieben wurde – Adhyatman – wörtl. Wissen um das Selbst; die Lehre durch die Illustration Brahmans durch das (relative) Selbst; Gacchati – geht zu, nimmt in einem Objekt wahr; Abhikshnam – sehr, beständig, wieder und wieder

Brahman, wenn gefiltert durch den Geist, wird als Objekt wahrgenommen aufgrund des Wollens und der Erinnerung des Geistes. Daher ist dies ein Beispiel für Brahman aus dem Inneren des Körper-Geist-Systems, während Blitz und Augenzwinkern als Beispiel aus dem Bereich der äußeren Welt genommen wurden. Im vorherigen Vers wurde Brahman verglichen mit einem Blitzstrahl, der aufleuchtet und wieder verschwindet. In diesem Vers heißt es, Brahman erscheint und verschwindet so schnell wie die Wahrnehmungen des Geistes kommen und gehen. Träge Menschen mit nicht ausgeprägtem Intellekt können Brahman nicht verstehen. Diese Vergleiche sollen ihnen als Hilfe dienen, damit sie Es verstehen können.

Als diese verschlüsselten Lehren erstmals von den Sehern und Weisen weiter gegeben wurden, wurden sie gleichzeitig mündlich erklärt. Heutzutage ist es schwierig, sie mit Gewissheit zu interpretieren.


4.6. Sechster Vers viertes Kapitel Kenopanishad

taddha tadvanaṃ nāma tadvanamityupāsitavyaṃ sa ya etadevaṃ vedābhi hainam sarvāṇi bhūtāni saṃvāñchanti॥ 6॥

Übersetzung Swami Sivananda: Brahman muss wahrlich von allen verehrt werden und wird daher Tadvana genannt. Es soll als Tadvana verehrt werden. Wer Brahman auf diese Weise kennt, wird von allen Lebewesen geliebt.

Übersetzung Paul Deussen: Selbiges heißet mit Namen: „Nach-ihm-das-Sehnen“; als „Nach-ihm-das-Sehnen“ soll man es verehren. Wer selbiges als solches weiß, zu dem wohl sehnen hin sich die Wesen alle.

Wort-für-Wort-Übersetzung

  • tat (n. nom. sing. pron. tad): das.
  • ha (ind.): betont das vorherige Wort.
  • tadvanam (mn. nom. sing. tad-vana, TP. oder KD. comp.): Dass-Fülle (doppeldeutig), Ihre-Fülle (TP.), Das-ist-Fülle (KD.), etc.
  • tat (Grammatik nicht spezifiziert): das, von dem, er, sein, ihr, etc.
  • vanam (mn. nom. sing. vana): Wald, Dickicht; Fülle, Überfluss.
  • nāma (n. acc. sing. nāman): benannt, genannt.
  • tadvanam (mn. nom. sing. tad-vana, TP. oder KD. comp.): Dass-Fülle (mehrdeutig), Ihre-Fülle (TP.), Das-ist-Fülle (KD.), etc.
  • tat (Grammatik nicht spezifiziert): das, von dem, er, sein, ihr, etc.
  • vanam (mn. nom. sing. vana): Wald, Dickicht; Fülle, Überfluss.
  • iti (ind.): so; ein Hinweis, dass die vorherigen Worte gesagt oder gedacht wurden.
  • upāsitavyam (n. nom. sing. upāsitavya): verehrt, geehrt.
  • saḥ (m. nom. sing. pron. tad): er.
  • yaḥ (m. nom. sing. Relativpron. yad): wer.
  • etat (n. acc. sing. pron. etad): dieser.
  • evam (ind.): so, auf diese Weise, auf eine solche Weise, so.
  • veda (3. Sing. Präs. Indik. P. √vid): weiß, nimmt wahr.
  • abhi (ind.): zu, hin, in, über, auf.
  • ha (ind.): betont das vorherige Wort.
  • enam (m. acc. sing. pron. idam): er, dieser.
  • sarvāṇi (n. nom. pl. pronominal adj. sarva): ganz, vollständig, alle, jeder.
  • bhūtāni (n. nom. pl. bhūta; pass. p. √bhū): Wesen.
  • saṃvāñchanti (3. Pl. pres. indic. P. saṃ √vāñch): (sie) sehnen sich danach, wünschen sich.

Erläuterung Swami Sivananda:

Tat – „das“; Brahman; Ha – wohlbekannt, wahrlich

Tadvanam – das was würdig ist, verehrt zu werden, d.h., worüber man meditiert als der eine Atman aller Lebewesen; „Wunsch nach ihm“, abgeleitet von „Van“=“wünschen“.

Dann wird gesagt, was das Ergebnis ist, wenn man über Brahman als Tadvanam meditiert: Alle Wesen lieben denjenigen, der Brahman auf diese Weise erkennt. Er liebt ebenfalls alle Wesen. Sie beten zu ihm wie zu Brahman selbst.


4.7. Siebter Vers viertes Kapitel Kenopanishad

upaniṣadaṃ bho brūhītyuktā ta upaniṣad brāhmīṃ vāva ta upaniṣadama brūmeti॥ 7॥

Übersetzung Swami Sivananda: Der Schüler sagt: „Oh Lehrer, lehre mich die Upanishade.“ Der Lehrer antwortet: „Ich habe dich die Upanishade gelehrt. Ich habe dich ganz sicher die Upanishade, über Brahman, gelehrt.“

Übersetzung Paul Deussen: Sagst du noch: „Lehre mich die Upanishad“, so antworten wir: Gelehrt ist die Upanishad, denn wir haben dir die geheimnisvolle Lehre von dem Brahman verkündigt.

Wort-für-Wort-Übersetzung

  • upaniṣadam (f. acc. sing. upaniṣad; von ūpa ni √sad): die Upanishad; die Geheimlehre; lit. "sich in der Nähe niederlassen".
  • bhos (ind.): O; ein Partikel, um eine andere Person anzusprechen.
  • brūhi (2. Sing. ipv. P. √brū): sprechen, sagen, verkünden; darüber sprechen, verkünden.
  • iti (ind.): so; ein Hinweis darauf, dass die vorherigen Worte gesagt oder gedacht wurden.
  • uktā (f. nom. sing. uktā; past pass. p. √vac): geäußert, gesagt, gesprochen.
  • te (dat./gen. sing. Kurzpronomen yuṣmad): von dir; für dich, zu dir.
  • upaniṣat (f. nom. sing. upaniṣad; von ūpa ni √sad): die Upanishaden; die Geheimlehre; lit. "sich in der Nähe niederlassen".
  • brāhmīm (f. acc. sing. brāhmī; von √bṛh): heilig, sakral, göttlich.
  • vāva (ind.): betont das vorhergehende Wort; gerecht, wahrhaftig, eben.
  • te (dat./gen. sing. Kurzpron. yuṣmad): von dir; für dich, zu dir.
  • upaniṣadam (f. acc. sing. upaniṣad; von ūpa ni √sad): die Upanishad; die Geheimlehre; lit. "sich in der Nähe niederlassen".
  • abrūma (1. Pl. impf. P. √brū): wir haben gesprochen, gesagt, erzählt.
  • iti (ind.): so; ein Hinweis, dass die vorherigen Worte gesagt oder gedacht wurden.

Erläuterung Swami Sivananda:

Der Schüler will wissen, ob ihm die ganze Upanishad mitgeteilt wurde. Eigentlich meint er: Braucht die bereits erklärte Upanishade noch etwas anderes als Ergänzung, um das gewünschte Ziel zu erreichen, oder braucht sie nichts Zusätzliches mehr? Falls ja, bitte lehre mich, was noch nötig ist. Falls nicht, erkläre ausdrücklich wie Pippalada (Name eines Sehers des Atharvaveda.): „Es gibt nichts darüber hinaus.“

Die antwort des Lehrers bedeutet, dass es darüber hinaus nichts mehr gibt. Die Techniken, die in den nächsten Versen erklärt werden, sind nur Mittel zu diesem Ziel. Sie sind in der Upanishade schon enthalten.

Diese Frage und Antwort zielen nur darauf ab, das sicher zu stellen. Es soll heißen: „Was erklärt wurde, ist die gesamte Upanishade. Es braucht nichts darüber hinaus zur endgültigen Erlösung.“

Upanishade bedeutet Wissen um Brahman, oder Geheimlehre. Die Schüler sitzen hingebungsvoll um den Lehrer zur Unterweisung. Upa – nahe; ni – hingegeben; shad – sitzen. Upanishad bedeutet auch das Buch, welches von Brahman handelt.


4.8. Achter Vers viertes Kapitel Kenopanishad

tasyai tapo damaḥ karmeti pratiṣṭhā vedāḥ sarvāṅgāni satyamāyatanam॥ 8॥

Übersetzung Swami Sivananda: Askese, Selbstbeschränkung und Karma, die Veden mit all ihren Teilen sind Seine Grundlage und Wahrhaftigkeit ist Seine Wohnstätte.

Übersetzung Paul Deussen: Die Buße, die Bezähmung, das Werk, das sind ihre Grundlagen (die sie voraussetzt), die Veden bilden alle Glieder (Taitt. 2,3) derselben, die Wahrheit, das ist ihr Stützpunkt.

Wort-für-Wort-Übersetzung

  • tasyai (f. dat. sing. pron. tad): für das, für es.
  • tapaḥ (n. nom. sing. tapas): Hitze, Enthaltsamkeit.
  • damaḥ (m. nom. sing. dama): Selbstbeherrschung, Selbstbeherrschung.
  • karmā (m. nom. sing. karman; von √kṛ): Handlung.
  • iti (ind.): so; ein Hinweis, dass die vorherigen Worte gesagt oder gedacht wurden.
  • pratiṣṭhā (f. nom. sing. pratiṣṭhā; von prati √sthā): stillstehen, ruhen, bleiben, Standhaftigkeit, Stabilität.
  • vedāḥ (mf. nom. pl. veda; von √vid): die Vedas.
  • sarvāṅgāni (n. nom. pl. sarva-āṅga, KD. comp.): alle Glieder.
  • sarva: alle
  • aṅgāni (n. nom. pl. aṅga): Gliedmaßen.
  • satyam (n. nom. sing. satya; präs. act. p. √as
  • -ya): wahr, wirklich, tatsächlich, aufrichtig, gut, rein; lit. aus dem Sein kommend.
  • āyatanam (n. nom. sing. āyatana): Ruhestätte, Stütze, Sitz, Heim, Wohnsitz.

Erläuterung Swami Sivananda:

Askese (spirituelle Praxis), Selbstbeschränkung und Karma (Opferhandlungen) sind Hilfsmittel um das Wissen um Brahman zu erwerben.

TapasBeherrschung des Körpers, der Sinne und des Geistes; DamaSelbstbeschränkung, -zügelung, frei von Leidenschaften sein; KarmaAgnihotra (Feuerzeremonie) und andere Rituale

Das Wissen um Brahman steigt in Menschen auf, die ihren Geist und ihr Gemüt durch spirituelle Praxis, Sinnesbeherrschung und Rituale in diesem oder vorangegangenen Leben geläutert haben. Wer die Unreinheiten des Geistes nicht entfernt hat, glaubt nicht an Brahman oder missversteht Es, wenn Es erklärt wird, wie im Fall von Indra und Virochana. Die Shruti (Schrift) sagt: „Wenn diese Geheimnisse gelehrt werden, werden sie jener großen Seele erleuchtend zuteil, deren Hingabe an Gott groß ist und deren Hingabe an den Lehrer ebenso groß ist wie die an Gott“ Die Smriti (Erläuterungstext, Gesetzestext) sagt: „Wissen dämmert in Menschen indem sie schlechte Handlungen aufgeben.“

Das Wort Iti weist darauf hin, dass die Erwähnung von Tapas etc. nur beispielhaft steht, denn es gibt weitere Hilfsmittel als die erwähnten, wie z.B. frei sein von Stolz, Egoismus, Eifersucht, Hass, usw., um Brahman zu erlangen.

„Askese usw. ist seine Stütze, die Veden sind seine Glieder, die Wahrheit ist seine Wohnstätte“, ist eine weitere Aussage.

Pratishtha – Füße, die Basis, Grundlage; Füße, auf denen Brahmavidya, das Wissen um Brahman, steht. Dieses Wissen hat nur in jenen eine feste Grundlage, die Tapas usw. besitzen.

Wo Askese, Sinnesbeherrschung usw. vorhanden sind, ist das Wissen fest begründet, so wie ein Mensch fest und sicher auf seinen Beinen steht.

Da die Vedas Licht auf das Wissen um Karma (rituelle Handlungen) werfen, da die zusätzlichen Schriften (Vedangas, Anhänge der Veden) die Veden beschützen, werden sie die Füße des Wissens von Brahman genannt. Das Studium der Veden hilft, Wissen um Brahman zu erlangen. Das Verständnis und die Anwendung der Veden erfolgt durch die Vedangas, die sechs Anhänge (Glieder) der Veden.

Ayatanam – Wohnstätte; Satyam – Wahrheit, das Wahre was allezeit unverändert bleibt, also Brahman.

Wahrheit ist Freiheit von Täuschung und Betrug in Wort, Gedanke und Tat. Wissen um Brahman kommt nur in einem Menschen auf, der frei von Betrug in Gedanke, Wort und Tat ist und der im Inneren gut ist. Es kann nicht aufsteigen in Menschen, die andere hintergehen und die bösartig sind. Die Schrift sagt auch: „Wissen um Brahman kommt nicht in einem Menschen der hinterlistig ist und der lügt.“ Daher heißt es auch, dass Wahrhaftigkeit die Wohnstätte von Wissen ist.

Wahrheit ist in Askese, Selbstbeherrschung usw. schon eingeschlossen als dem „Bein, auf dem Wissen steht“. Warum wird es nochmals extra erwähnt als Ruhestätte des Wissens? - Um zu zeigen, dass Wahrhaftigkeit anderen Hilfsmitteln überlegen ist auf dem Weg zum Wissen; denn die Smriti sagt: „Wenn man 1000 Ashvamedha-Opfer (ein ganz besonders aufwändiges Opferritual) und Wahrhaftigkeit gegeneinander aufwiegt, wiegt eine ausgesprochene Wahrheit mehr als die 1000 Opferzeremonien.“


4.9. Neunter Vers viertes Kapitel Kenopanishad

yo vā etāmevaṃ vedāpahatya pāpmānamanante svarge loke jyeye pratitiṣṭhati
pratitiṣṭhati॥ 9॥

Übersetzung Swami Sivananda: Wer also weiß, nachdem er sich von allen Sünden frei gemacht hat, ruht fest im unendlichen, wonnevollen höchsten Brahman. Er ist in Ihm begründet.

Übersetzung Paul Deussen: Wahrlich, wer dieselbe also weiß, der wehret dem Bösen und in der unendlichen Himmelswelt, der unüberwindlichen (ajyeye mit M.Müller) ist er gegründet, - ist er gegründet.

Wort-für-Wort-Übersetzung

  • yaḥ (m. Nom. Sing. Relativpron. yad): der.
  • vai (ind.): in der Tat, wahrhaftig, gewiss, wahrhaftig.
  • etām (f. acc. sing. Pron. etad): dies.
  • evam (ind.): so, auf diese Weise, auf eine solche Weise, so.
  • veda (3. Sing. pres. indic. P. √vid): (man) weiß, nimmt wahr.
  • apahatya (ger. apa √han): abgeschlagen haben, abwehren, vernichten.
  • pāpmānam (m. acc. sing. pāpman): Übel, Unglück, Unglücksfall.
  • anante (m. loc. sing. ananta): im Endlosen, Grenzenlosen.
  • svarge (mn. loc. sing. svarga): im Himmlischen, himmlisch.
  • loke (mn. loc. sing. loka): in der Welt.
  • jyeye (mn. loc. sing. jyeya): das Vorzüglichste, das Beste.
  • pratitiṣṭhati (3. Sing. pres. indic. P. prati √sthā): steht fest.
  • pratitiṣṭhati (3. Sing. pres. indic. P. prati √sthā): steht fest.

Erläuterung Swami Sivananda: Etam – dies, das Wissen Brahmans wie im Vers „Keneshitam“ etc. erklärt. Obwohl bereits im Vers 5, Teil 2, erklärt wurde, dass man durch das Wissen um Brahman Unsterblichkeit erlangt, wird hier zum Schluss die Frucht aus der Kenntnis Brahmans nochmals erwähnt.

Papmanam – Sünde, Übles, der Same des Samsara (Kreislauf der Wiedergeburten), dessen Natur Unwissenheit, Wunsch und Karma ist; Anante – endlos, grenzenlos, das, was selbst am Ende der Kalpas, der Zeitalter, nicht zerstört wird, das sogar jenseits von Zeit, Raum und Ursache ist; Svarga Loka – in Brahman, der reine Wonne ist, und nicht im (relativen) Himmel, wegen des Beiworts „grenzenlos“.

Es könnte argumentiert werden, dass das Wort „grenzenlos“ hier im übertragenen Sinn verwendet werde. Daher fügt die Shruti „Jyeye“ – das Größte bzw. Höchste von allen, hinzu. Das soll ausdrücken, dass er fest begründet ist im unkonditionierten Brahman und nicht wieder dem Samsara, der weltlichen Existenz, anheimfällt.

Pratitishthati – bleibt für immer, kehrt nicht zu ihrer Welt des Todes zurück

Iti chaturthah khandah

Hier endet der 4. Teil.

Shanti Mantra: Om Apyayantu Mangangi

Om āpyāyantu mamāngāni
vākprānaahchakahuh shrotram
atho balamindriyāni cha sarvāni
sarvam brahmaupanishadam
māham brahma nirākuryam
mā mā brahma nirākarod
anirākaranamastu
anirākaranam me'stu
tadātmani nirate
ya upanishatsu dharmāste mayi santu te mayi santu .
Om shāntih shāntih shāntih .

Quellen:

  • Übersetzung und Kommentar von Swami Sivananda aus dem Buch "Principal Upanishads"
  • Wort-für-Wort-Übersetzung in Anlehnung an "Kena Upanishad - Word-for-word Translation with Transliteration and Grammatical Notes" von Stephanie Simoes.

Kena Upanishad केनौपनिषद् kenopaniṣad Aussprache

Hier kannst du hören, wie das Sanskritwort Kena Upanishad, केनौपनिषद्, kenopaniṣad ausgesprochen wird:

Das Mantra der Kena Upanishad

Das erste Mantra dieser Upanishad lautet wie folgt:

केनेषितं पतति प्रेषितं मनः केन प्राणः प्रथमः प्रैति युक्तः | केनेषितां वाचमिमां वदन्ति चक्षुः श्रोत्रं क उ देवो युनक्ति || 1 ||

keneṣitaṃ patati preṣitaṃ manaḥ kena prāṇaḥ prathamaḥ praiti yuktaḥ | keneṣitāṃ vācam imāṃ vadanti cakṣuḥ śrotraṃ ka u devo yunakti || 1 ||

Von wem hervorgebracht und angetrieben ist das Denken (Manas)? Von wem geleitet kommt der erste Lebensatem (Prana) hervor? Von wem hervorgebracht ist dieses Sprechen (Vac), das man spricht? Welcher Gott (Deva) lenkt auch Sehen und Hören?

Kernaussagen der Kena Upanishad von Swami Sivananda

Hari Om! Mögen meine Gliedmaßen, meine Sprache, mein Prana, meine Augen, meine Ohren, meine Kräfte und all meine Sinne kraftvoll sein. Alles ist das Brahman der Upanishaden. Möge ich Brahman nie in Frage stellen. Möge Brahman mich nie missachten. Möge Brahman nie geleugnet werden. Möge Brahman nie missachtet werden. Mögen alle in den Upanishaden dargelegten Tugenden sich in mir finden und meinen Atman erstrahlen lassen! Möge ich ihr Behältnis sein! Om Frieden! Frieden!! Frieden!!!

Die innewohnende Kraft

Brahman in allem

1. Wer ist der Herrscher des Geistes? Wer drängt den Geist hin zum Objekt? Brahman.

2. Auf wessen Befehl hin nimmt Prana seine Tätigkeit auf? Auf Befehl von Brahman.

3. Auf wessen Befehl hin drückt sich der Mensch durch Sprache aus? Auf Befehl von Brahman.

4. Welche Kraft führt Augen und Ohren hin zum Objekt? Die Kraft von Brahman.

5. Hinter Prana und den Sinnen steht Brahman. Wer so weiß, erlangt Unsterblichkeit.

6. Einfältige identifizieren sich mit dem Körper, dem Geist, dem Prana und den Sinnen. Das ist Avidya, Unwissenheit.

7. Sie halten dieses falsche, vergängliche und beschränkte Zubehör für den reinen, unsterblichen Atman und bleiben so im Kreislauf von Geburt und Tod gefangen.

8. Einige weise Menschen legen diese falsche Identifikation ab, entfernen sich von diesem beschränkenden Zubehör durch Prüfen und Unterscheiden (Anvaya Yatireka Yukti). Sie erkennen die Doktrin des Neti Neti – 'Ich bin nicht dieser Körper, Ich bin nicht dieser Prana, Ich bin nicht dieser Geist, Ich bin nicht diese Sinne.' Sie erkennen sich im alldurchdringenden, unsterblichen, reinen Brahman, gelangen zu Wissen über Brahman und erreichen Unsterblichkeit.

9. Erhebe dich über die Sinne und werde eins mit Atman. So wirst du Unsterblichkeit und ewige Glückseligkeit erlangen.

10. Unsterblich wirst du werden, noch während du in diesem Körper weilst, so du das Wissen über Brahman erlangst. Du musst nicht warten, bis du deinen Körper verlassen hast.

11. So wie das Wasser in einer Tasse die Wärme von der Sonne oder dem Feuer borgt, so borgen Geist, Prana und die Sinne ihr [Licht] vom Atman.

12. Die Ohren hören durch die Kraft des Atmans, die Zunge spricht durch die Kraft des Atmans, der Geist denkt durch die Kraft des Atmans und Prana wirkt durch die Kraft des Atmans allein.

13. Der Geist und die Organe sind inaktiv und unfähig. Sie scheinen fähig durch die Kraft des Atmans.

14. Ohren, Augen, Geist und Prana stehen für den Atman bereit, so wie ein Haus für den bereitsteht, der es bewohnt. Der Besitzer ist Atman.

15. Brahman strahlt durch Sich Selbst. Durch Sein Licht wird das Universum erhellt.

16. Sonne, Mond, Sterne, Feuer und Blitz strahlen durch Sein Licht.

17. Kein Wesen kann leben und atmen ohne das aus Sich strahlende Brahman.

18. Brahman führt Prana nach oben und Apana nach unten.

19. Entsage allen Wünschen und erreiche Unsterblichkeit.

Intuitives Erkennen der Wahrheit

20. Die Sruti lehren: Nicht durch Taten, nicht durch Opfer, nicht durch Wohlstand, nur durch Entsagung erreicht man Unsterblichkeit.

21. Wie können die Augen die Sonne sehen, das Auge aller Augen? Das Auge ist ein Instrument der Wahrnehmung für Geist und Atman. Man kann nicht auf seine eigenen Schultern springen.

22. Brahman kann kein Objekt der Wahrnehmung sein, denn Es ist unteilbar, ohne Eigenschaften, extrem fein und unbegrenzt.

23. Brahman zu beschreiben heißt, Brahman zu verneinen.

24. Satchidananda ist nur ein Hilfsmittel, um Brahman zu beschreiben.

25. Die Sruti beschreiben Brahman mit der Neti Neti-Doktrin.

26. Der Schüler sollte einen feinen, scharfen, reinen und einpünktigen Intellekt besitzen.

27. Brahman kann nicht als ein Objekt wahrgenommen werden. Es kann nicht durch Worte beschrieben werden, so wie das bei einem Objekt der sichtbaren Welt möglich ist.

28. Brahman ist verschieden vom manifestierten Universum, verschieden von allem Bekannten und von allem Unbekannten ebenso.

29. Brahman ist das einzig Wahre. Es ist der Urgrund allen Seins.

30. Brahman ist kein Objekt. Es ist alldurchdringend, geheimnisvoll, unbeschreiblich, Chaitanya, reines Bewusstsein.

31. Brahman kann nur über Intuition wahrgenommen werden.

32. Sehr schwer ist es, das Wesen Brahmans zu verstehen. Sehr schwer ist es, das Wesen Brahmans zu beschreiben. Die Sprache reicht dafür nicht aus.

33. Wer mit einem reinen und klaren Intellekt ausgestattet ist, der findet leicht Zugang zu den feinsinnigen Gedanken der Upanishaden.

34. Da Brahman jenseits des durch Geist und Sinne Erreichbaren ist, sollte sich der Aspirant zu allererst ein umfassendes Verstehen von Brahman durch das Studium der Upanishaden und durch Belehrungen eines erleuchteten Lehrers aneignen.

35. Der Aspirant sollte sich selbst mit vier Absichten ausstatten: Viveka (Unterscheidungskraft), Vairagya (Leidenschaftslosigkeit), Shat Sampat (sechsfache Tugenden), Mumukshutva (Sehnsucht nach Befreiung) und beständige Praxis der Meditation. Nur so wird er das Wissen über Brahman erreichen. Er wird Brahman erkennen wie eine Amalaka Frucht in seinen Händen. Zweifel und Täuschung sind verschwunden.

36. Das was verschieden ist von Bekanntem und Unbekanntem, das ist Brahman.

37. Das Wissen über Brahman wird traditionell von Lehrer zu Schüler weitergegeben. Gaudapada lehrte Brahma Vidya Govindapada, Govindapada lehrte es Sankara, Sankara lehrte es Padmapada, und so ging es weiter.

38. Brahman kann nur durch Belehrung eines erleuchteten Lehrers oder eines verwirklichten Weisen erkannt werden. Nicht erkannt werden kann Es durch logische Argumentation, durch Intelligenz, durch umfassende Darlegungen, durch Askese oder durch Riten.

39. Die Seele des Menschen ist der Atman. Die Seele des Universums ist Brahman. Atman und Brahman sind ein und dasselbe.

40. Was die Sprache nicht auszusprechen vermag, wodurch jedoch Sprache ausgesprochen wird, wisse, das ist Brahman allein.

41. Sprache kann Brahman nicht ausdrücken. Brahman ist jenseits von Sprache. Sprache drückt sich aus durch die Kraft Brahmans.

42. Sprache ist endlich. Wie soll die endliche Sprache das unendliche Brahman ausdrücken können?

43. Brahman allein lässt die Sprache sich durch ihr Organ ausdrücken (Vak Indriya). Brahman ist die Sprache der Sprache, die Zunge der Zunge.

44. Brahman ist Sprache und spricht durch die Sprache.

45. Der Atman ist Brahman, Bhuma, unendlich und unveränderlich.

46. Brahman ist unübertroffen, groß, erhaben, das Höchste, alldurchdringend. Deshalb wird Es Brahman genannt.

47. Brahman ist ewig, unveränderlich, aus Sich Selbst strahlend, formlos, farblos, ohne Eigenschaften, zeitlos, raumlos, unteilbar, ungeboren, unsterblich.

48. Der Vedanta verurteilt nicht die Hingabe. Er verurteilt lediglich mit Wünschen verbundene Darbringungen.

49. Ein Vedantin oder ein Weiser sind vollkommene Bhaktas.

50. Parabhakti, Höchste Hingabe, und Jnana, Weisheit, sind ein und dasselbe.

51. Der Vedanta lehrt, dass Isvara, den die Menschen verehren, das eigene Selbst ist. Der Vedanta lehrt eine erweiterte Form der Bhakti, die höchste Form der Hingabe.

Das Selbst und der Geist

„Der Frühling“, von Pierre Auguste Cot., 1873

52. Brahman ist der stille Zeuge der geistigen und körperlichen Aktivitäten.

53. Was der Geist nicht zu verstehen vermag, wodurch jedoch das Verstehen versteht, wisse, das ist Brahman allein.

54. Der Geist ist mit allen Organen verbunden. Er ist der Oberbefehlshaber aller Tatkraft.

55. Wunsch, Wille, Überlegen, Glaube, Fahrlässigkeit, Mut, Furcht, Scham, Intelligenz, all das ist der Geist.

56. Der Geist ist der Seher (Drik), die Objekte sind das Gesehene (Drishya). Der Atman ist der Seher, der Geist ist der Gesehene.

57. Die Sinne tragen die Eindrücke über das Gesehene zum Geist. Der Geist stellt sie dem Atman vor. Der Atman gibt sie dem Geist zurück. Nur so wird das Begriffsvermögen abgeschlossen.

58. Was die Augen nicht zu sehen vermögen, wodurch jedoch die Augen sehen, wisse, das ist Brahman allein.

59. Brahman kann nicht durch die Augen wahrgenommen werden, da Es kein Objekt der Wahrnehmung ist.

60. Das Auge ist ein begrenztes Instrument, das die Empfindungen, die das Objekt in Gestalt, Farbe, Form und Größe auslöst, dem Geist übermittelt.

61. Das Auge erhält seine Sehkraft durch Brahman, seine Quelle.

62. Das Auge erkennt das Objekt durch die Strahlkraft Brahmans.

63. Brahman ist der unsichtbare Seher. Es ist der stille Zeuge des sehenden Auges.

64. Brahman ist der Herr über den Geist. Die Sinnesorgane sind Seine Assistenten. Der Geist ist der Vorsteher. Der Intellekt ist der Leiter.

65. Was die Ohren nicht zu hören vermögen, wodurch jedoch die Ohren hören, wisse, das ist Brahman allein.

66. Brahman führt die Ohren zum Klang.

67. Das Ohr ist ein begrenztes Instrument, das die Empfindungen, die der Klang auslöst, dem Geist übermittelt.

68. Das Ohr erhält seine Hörkraft durch Brahman, seine Quelle.

69. Das Ohr erkennt den Klang durch die Strahlkraft Brahmans.

70. Brahman ist der unhörbare Hörer. Es ist der stille Zeuge des hörenden Ohres.

71. Was die Nase nicht zu riechen vermag, wodurch jedoch die Nase riecht, wisse, das ist Brahman allein.

72. Was die Lunge nicht zu atmen vermag, wodurch jedoch die Lunge atmet, wisse, das ist Brahman allein.

73. Was Prana nicht zu beleben vermag, wodurch jedoch Prana belebt, wisse, das ist Brahman allein.

74. Brahman ist kein Objekt der Wahrnehmung. Das Wissen über Brahman ist intuitive Erfahrung des Selbst.

75. Prana belebt durch die Strahlkraft Brahmans.

Die transzendente Wahrheit

76. Der Weise unterscheidet nicht zwischen Objekt und Subjekt. Objekt und Subjekt sind dasselbe für ihn. Er sieht überall nur Brahman.

77. Die Seele, das Selbst, eines jeden ist Brahman.

78. Brahman kann nicht zum Objekt des Wissens gemacht werden, da jenseits von Ihm kein Wissen besteht.

79. Brahman ist jenseits von allem Bekannten. Es ist ebenso jenseits von allem Unbekannten.

80. Wer mit den vier Absichten (siehe Vers 35) ausgestattet ist und über einen reinen Intellekt verfügt, versteht die Lehren der Upanishaden.

81. Brahman ist der stille Zeuge. Es ist Subjekt, Wissendes und Sehendes.

82. Der Seher kann nie gesehen werden.

83. Der Erkennende kann vom Intellekt nicht erkannt werden.

84. Alles was durch Sinne und Geist wahrgenommen werden kann, kann nicht Brahman sein.

85. Nur ein Objekt der Erscheinungswelt kann durch Sinne und Geist wahrgenommen werden.

86. Brahman kann von Geist, Intellekt und Sinnen nicht wahrgenommen werden.

87. In Samadhi wird Brahman als Atman wahrgenommen, durch reine Geistigkeit, die Brahman Selbst ist.

88. Bis du die höchste Erkenntnis, Nirvikalpa, erfährst und erkennst, dass wahrlich alles Brahman ist und nichts existiert außer dem Selbst, musst du praktizieren und forschen, reflektieren und meditieren. Du musst Seine Anwesenheit in allen Namen und Formen spüren.

89. Du kannst Brahman nicht so einfach erkennen wie ein Objekt. Brahman ist durch Bewusstsein, durch Intuition oder durch direkte innere Erfahrung zu erkennen. Subjekt und Objekt sind im spirituellen Erleben nicht existent.

90. Brahman ist der Zeuge im Wachen und im Tiefschlaf.

91. Brahman ist Geistigkeit in seiner Essenz. Es ist homogenes Strahlen reinen Bewusstseins.

92. Brahman ist ohne Geburt, ohne Tod, ewig, bedingungslos, Eines ohne ein Zweites. Es ist das Selbst, der Atman aller Wesen.

93. In Nirvikalpa Samadhi, wenn alle Modifikationen des Geistes in Brahman eingegangen sind, findet sich kein Zeuge mehr.

94. Brahman ist ewig reiner Glanz, Sein, Bewusstsein, Glückseligkeit.

95. Wer Brahman erkennt, besitzt eine gewaltige spirituelle Kraft.

96. Der Atman kann nicht von denen erreicht werden, die nicht über Willenskraft verfügen.

97. Wahre Stärke erwächst nur durch das Wissen über das Selbst.

98. Wer Brahman erkannt hat, wird furchtlos.

99. Der Atman ist unverletzbar und unsichtbar.

100. Unsterblichkeit ist das Wesen Brahmans, so wie das Wesen des Feuers Hitze ist.

101. Nirvikalpa Samadhi ist eine feine, die Seele aufrührende Erfahrung, sie kann durch Worte weder vorgestellt noch beschrieben werden. Du musst es selbst in Samadhi erfahren, wenn Geist, Intellekt und Sinne aufgehört haben zu wirken.

Bereit zur Befreiung

102. Brahma Jnana vertreibt die Unwissenheit, so wie Licht die Dunkelheit vertreibt, und enthüllt die uns innewohnende Unsterblichkeit.

103. Unwissen ist die Wurzel allen menschlichen Leides.

104. Wer Brahman nicht erkennt, der ist gefangen im Kreislauf von Geburt und Tod.

105. Wahrhaft dürstende Aspiranten legen die falsche Vorstellung von Ich und Mein ab und entsagen der vergänglichen Welt der Illusion.

106. Sie meditieren auf den Atman und erkennen die Essenz des Atmans in allen Dingen. Sie erkennen die Einheit mit dem Selbst und werden unsterblich. Sie werden Brahman.

107. Wer Brahman erkennt, wird selbst Brahman.

108. Wer in Brahman weilt, wer den Atman erkennt, der lebt das wahre Leben.

109. Die Erscheinungswelt ist unwahr. Sie ist Illusion.

110. Der Kenner Brahmans erlangt noch zu Lebzeiten Befreiung (Jivanmukti).

111. Sobald sich die Unwissenheit, die Ursache der Bindung, durch das Erkennen Brahmans auflöst, tritt augenblicklich Befreiung ein.

Die Moral der Yaksha Upakhyana

112. Gut und Böse führen einen wahren Krieg in uns, zwischen Sattva, Rajas und Tamas, zwischen den niederen Instinkten und dem reinen Geist.

113. Sinne, Geist und Prana beginnen zu kämpfen: Wir halten zusammen und unterstützen diesen Körper. Prana erlangt den Sieg.

114. Auch Prana ist inaktiv. Die Quelle von Prana ist ebenso Brahman. Sinne, Geist und Prana erlangen ihr Licht und ihre Kraft von Brahman allein.

115. Upanishad bedeutet Wissen über Brahman oder geheime Doktrin. Die Schüler sitzen ergeben nahe beim Lehrer. Upa – nahe, Ni – hingegeben, Sad - sitzen.

116. Enthaltsamkeit, Selbstkontrolle und Darbringungen sind Hilfsmittel, um das Wissen über Brahman zu erlangen.

117. Das Wissen erwacht im Menschen, indem er schlechte Taten vermeidet.

118. Das Wissen über Brahman erwacht in denen, die ihren Geist durch Enthaltsamkeit, Selbstkontrolle und Werke geläutert haben, sei es in diesem Leben oder in den vergangenen.

119. Deren niedere Instinkte nicht geläutert sind und die Brahman in Frage stellen, denen wird es wie Virochana ergehen.

120. Wer diesen Geheimnissen lauscht, wird zu der großen Seele erhoben, die sich dem Herrn weiht und im Lehrer ebenso den Herrn erkennt.

121. Das Wissen über Brahman hat nur in den Menschen eine Grundlage, die durch Enthaltsamkeit Selbstkontrolle erlangt haben.

122. Wahrheit ist das Reich von Brahma Vidya, spirituellem Wissen. Enthaltsamkeit und Selbstkontrolle sind die Helfer. Die Veden sind die Glieder.

123. Wahrheit ist Freiheit von Falschheit, schlechter Rede, schlechter Handlung und schlechten Gedanken.

124. Das Wissen über Brahman erwacht nur in gutartigen Menschen, die frei sind von Dünkel, schlechter Rede, schlechter Handlung und schlechten Gedanken.

125. Das Wissen über Brahman erwacht nicht in bösartigen, verlogenen Menschen. Deshalb sagt man, die Wahrheit ist das Reich des Wissens.

126. Die Wahrheit zeichnet sich als Hilfsmittel zum Wissen aus.

Die Kena Upanishad - Erläuterungen nach Deussen

Artikel aus „Upanishaden. Die Geheimlehre des Veda“ in der Übersetzung von Paul Deussen, herausgegeben von Peter Michel, Marix Verlag, 2. Auflage, 2007, Wiesbaden, S. 267 - 269.

Die kleine, aber gehaltvolle Kena Upanishad gehört ursprünglich dem Brahmana-Besitz der Talavakaras (auch Talvakaras, Vacaspatyam s. v.) oder Jaiminiyas, einer Schule des Samaveda, an.[1] Ihr älterer Name, bei Shankara u. a., ist daher Talavakara Upanishad; erst nachdem sie von dem literarischen Bestand ihrer Schule losgetrennt und zu einer allgemeineren Bedeutung erhoben worden war, mochte die Bezeichnung nach dem Anfangsworte Kena (zuerst, unseres Wissens Muktika Up. v. 29) üblich werden. Unter diesem Namen fand sie denn auch, ohne erhebliche Änderungen (Ind. Stud. IL 182), Aufnahme in verschiedenen Sammlungen (Anquetil, Colebrooke) der Atharva Upanishaden.

Nach Form und Inhalt zerfällt die Kena Upanishad in zwei wohlgeschiedene Teile, 1-13 und 14-28, deren erster, mit Ausnahme des vielleicht korrupten Absatzes 9, ganz aus Versen besteht, während der zweite, in Prosa, eine Parabel erzählt, woran sich 29-34 ein gleichfalls in Prosa verfaßter Epilog schließt.

Der erste Teil (1-13) weist den Schüler von dem attributhaften Brahman, wie es den Gegenstand der Verehrung bildet (Idam, Yad Idam Upasate) auf das attributlose Brahman hin, welches als das Subjekt des Erkennens die Voraussetzung aller Erkenntnis und Tätigkeit der Organe ist, selbst aber schlechthin unerkennbar und nur dem, in welchem es als sein Atman erwacht (Pratibodha, v. 12), erfaßbar ist. Die Lehre von der Unerreichbarkeit des Brahman auf dem Wege der Erkenntnis findet in dem vielzitierten Verse 11 ihren schärfsten Ausdruck. - Dieser Teil stammt aus der Zeit der vollendeten Vedanta-Anschauung, wie sie uns in Kathaka, Isa und den Versen Brih. 4,4 entgegentritt, mit welchen sich mehrfach Berührungen zeigen.

Einer viel älteren Zeit dürfte der zweite Teil angehören (14-28), welcher in durchsichtiger Allegorie das Verhältnis des Brahman zu den vedischen Göttern darstellt. Alle Götter, d. h. alle Kräfte der Natur, tragen ihre Wirkungskraft von Brahman zum Leben und vermögen nicht das Geringste gegen den Willen des Brahman. - Hier erscheint das Brahman noch als etwas Neues, als ein Wunderding (Yaksham, wie in den Skambhahymnen, Atharvav. 10,7-8), welches seine Superiorität über die anderen Götter erst noch zu erweisen nötig hat.

Der Epilog (29-34) symbolisiert, wie es scheint, die Zeitlosigkeit des Brahman durch die momentane Dauer des Blitzes und des Gedankens (29-30), bezeichnet dasselbe als das Ziel der Sehnsucht aller Kreaturen (31) und versichert, daß damit alles zu wissen Nötige gelehrt sei (32). Der oft vorkommende Gedanke, daß aller Werkdienst usw. eine Vorübung der Erkenntnis des Brahman sei, und die üblichen Verheißungen bilden den Schluß (33-34).

Fußnoten

  1. Über das Tulavakara-(Jaiminiya ) Brahmanam und die fünf Bücher, aus denen es besteht, vgl. oben S. 62. Außer dem fünften Buche Arsheya Brahmanam) liegt jetzt auch das vierte in Text und Übersetzung von Harms Oertel (Journal of the American Or. Soc., vol. XVI, 1894) vor. Dasselbe führt den Spezialtitel: Upanishad Brahmanam, d. h. wohl: "Das Brahmanam der Geheimsinne", und ist reichhaltiger, als die Mitteilungen Bumells (bei M. Müller, Up. I, p. XC, oben S. 62) darüber vermuten ließen. Ganz in der Weise der Aranyakas des Rigveda und Yajurveda ergeht es sich in allegorischen, durch Legenden belebten Betrachtungen über den geheimen Sinn, (Upanishad) von Om, Udgitha, Gayatri usw., über das Saman und seine verschiedenen Teile und Arten, über die Entstehung des Prana und sein Eingehen in den Menschen (4,22 f.). Hierbei berührt es sich in Stoff und Ausführung oft nahe mit den ersten Büchern der Chandogya Upanishad, zu der es sich ganz ähnlich verhält, wie zur Kaushitaki Upanishad das Aitareya Aranyakam; und wie dieses in seine allegorischen Betrachtungen die kleine aber bedeutende Aitareya Upanishad eingebettet enthält, so das Talavak. Up. Br. die nicht weniger wertvolle Kena Upanishad.

Siehe auch

Literatur

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