Wahrnehmung

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Die Wahrnehmung eines Menschen richtet sich auf die Identifikation, Organisation und Interpretation von sensorischen Informationen, um die Umwelt zu verstehen und zu deuten. Die Aufnahme von Signalen aus der Umwelt sind zunächst ein Ergebnis physischer Stimulation, so z.B. Geräusche, die über das Ohr an den Menschen gelangen, und die bestimmten Ereignissen (Sirene -> Feuerwehr) zugeordnet werden. Zu beachten ist, dass die Sinnesorgane des Menschen Einschränkungen unterliegen. So hören Menschen z.B. deutlich schlechter als Hunde und Katzen. Auch die Sehschärfe ist gerade in der Peripherie eingeschränkt, so dass wir ein Bild mit vielen Informationen gar nicht mit einem Blick erfassen können. Interessant dabei ist, dass diese unvollständige Information vom Menschen nicht als solche wahrgenommen wird (Pollmann, 2007, S. 21), sondern dass wir mit der Annahme, alles „im Blick“ gehabt zu haben, zur Selbstüberschätzung neigen.

Weiterhin sind die Sinne des Menschen nicht einfach passive Aufnahmeorgane. Vielmehr zeigen Studien zu Illusionen und mehrdeutigen Bildern, dass das Gehirn - aktiv auf der Basis vorheriger Erfahrungen und persönlicher Interessen - die Wahrnehmung und Bewertung von Signalen steuert. Jeder kennt das Phänomen: Wir wollen ein Auto kaufen und plötzlich sehen wir überall Autowerbung und Autohäuser, ohne dass uns dies vorher bewusst war. Oder wir beginnen mit Yoga und stellen plötzlich fest, dass es mehrere Kollegen gibt, die ebenfalls Yoga praktizieren; in der eigenen Stadt gibt es mehrere Yogaschulen und im Internet eine Fülle von Informationen dazu. Alles war auch zuvor in der gleichen Häufigkeit vorhanden. Unser Gehirn hat offenbar diese Signale bislang als „nicht wichtig“ bewertet und ihnen keine weitere Aufmerksamkeit geschenkt. Somit ist Wahrnehmung nicht „objektiv“, sondern unterliegt individuellen Ausrichtungen.

Sehr bekannt ist das Phänomen, dass Vorerfahrungen und Erwartungen die eigene Wahrnehmung steuern. Zum Beispiel lassen sich selbst geschriebene Texte nur schwer korrigieren – der Leser kennt schließlich den Inhalt und dann konstruiert das Gehirn die Worte bereits vorausschauend so, dass Buchstabendreher oder ähnliche Fehler oft nicht erkannt werden. Auch Wünsche und Vorlieben beeinflussen die Wahrnehmung. So neigen Fußballfans dazu, eine Situation eher als „Foul“ zu interpretieren, wenn der Vorfall von der gegnerischen Mannschaft verursacht wurde.

Wahrnehmung ist somit ein Konstruktionsprozess, der nicht objektiv vom Empfänger eines Signals abläuft, sondern in erheblichem Maße vom Menschen selbst abhängig ist. Bei Beurteilungen anderer Menschen gibt es darüber hinaus noch eine Tendenz zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung: Eine positive Erwartungshaltung gegenüber einem Menschen führt tendenziell dazu, dass dieser sich bemüht, dem Eindruck zu entsprechen. Wenn dann die Beurteilung später auch positiv ausfällt, ist dies nicht einfach nur einer Wahrnehmungsverzerrung zuzuschreiben, sondern (auch) einem Entwicklungsprozess, der durch das günstige „Vorurteil“ mit gefördert wurde! Auch negativ funktioniert dieser Mechanismus. So kann z.B. ein schlechter erster Eindruck dazu führen, dass spätere Erfahrungen (z.B. eine Ungeschicklichkeit) genau so interpretiert werden, dass die eigene Bewertung bestätigt wird. Und gleichzeitig spürt das Gegenüber die kritische, ablehnende Haltung, was z.B. zu Rückzug oder Abwehr führt und weiter den ersten Eindruck bestätigt. Die falsche Bewertung zu Beginn produziert also das Ergebnis, was zusätzlich dazu beiträgt, dass derjenige sich in seiner Menschenkenntnis noch sicherer fühlt, statt die eigene Konstruktion der Realität zu erkennen.

Ein optimistisches Menschenbild führt somit überwiegend zu positiveren Wahrnehmungen und gleichzeitig auch besseren Erfahrungen mit der Umwelt. Yoga kann hier unterstützen: Durch mehr Harmonie und Achtsamkeit strahlen Yogis eine positive Energie und Erwartungshaltung aus, die wiederum zu mehr guten Erfahrungen führen. Zusammenfassend entspricht Wahrnehmung daher keiner objektiven Aufnahme und Bewertung von Signalen, sondern ist immer selektiv sowie durch den Wahrnehmenden selbst – seine Interessen, Vorerfahrungen und Vorurteile - konstruiert.

Literatur

  • Pollmann, Stefan (2007): Allgemeine Psychologie. Ernst Reinhardt Verlag.
  • Michael Biggs (2009): Selffulling Prophecies. In: Hedström, P./ Bearman, P. (Hrsg.), The Oxford Handbook of Analytical Sociology, Kap. 13. Oxford University Press.

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