Übung

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Als Übung bezeichnet man die regelmäßige Wiederholung einer bestimmten Tätigkeitsabfolge, mit der man lernen und bestimmte Fähigkeiten und Fertigkeiten verstärken und ein Lernziel erreichen will. Wer ein Musikinstrument erlernen will, muss üben, und auch die Yogapraxis verlangt ständige Übung (Abhyasa) Nur durch Üben kann man die Meisterschaft erreichen.

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Swami Sivananda zur Wichtigkeit von körperlichen Übungen

Auszug aus dem Buch "Practice of Nature Cure" (1951) von Swami Sivananda, S.109-110. Divine Life Society

Bewegung ist sehr wichtig, um den Körper gesund zu erhalten, vor allem für Menschen, die viel sitzen, sitzende Tätigkeiten ausüben und für Menschen, die träge sind.

Ein Kind braucht von Geburt an Bewegung. Sogar vor der Geburt bewegt sich das Kind im Mutterleib, streckt Arme und Beine aus. Direkt nach der Geburt bewegt sich das Kind kräftig, bewegt die Gliedmaßen, wechselt die Seiten und macht Schwimmbewegungen. Das Kind greift nach Dingen, zieht sich hoch oder strampelt freudig mit Armen und Beinen. Es lernt zuerst krabbeln, dann gehen und stehen. Dafür ist Übung notwendig.

Während der Schwangerschaft ist Bewegung absolut notwendig für die Gesundheit des Kindes im Mutterleib und um eine normale gesunde Entbindung mit möglichst wenig Schmerzen, Anstrengung und Störungen zu gewähren. Wenn eine Frau träge ist und sich während der Schwangerschaft nicht bewegt, dann werden die Wehen bei der Geburt nicht stark genug sein. Sie wird zwar ständige, aber schwache Wehen haben und somit das Leben ihres Kindes und ihr eigenes in Gefahr bringen. Die körperlichen Übungen sollten gemäßigt sein. Man sollte sich nicht müde oder erschöpft dabei fühlen. Das Heben von schweren Gewichten sollte man meiden.

Die Übungen macht man am besten an der frischen Luft oder in einem gut durchlüfteten Raum. Die Wirkungen von Körperübungen sind vielerlei. Die Muskeln entwickeln sich gut. Der Fluss der Lymphe und die Durchblutung werden verbessert. Der Körper wird leicht. Alle Organe funktionieren gut. Der Ausscheidungsprozess verläuft auch gut.

Sivananda: Mit 10 Minuten Yoga kann man die größte Wirkung erzielen

Man ist voller Vitalität und Kraft und kann mehr arbeiten. Man wird lange leben, einen guten Appetit und eine gute Verdauung haben, das zentrale Nervensystem wird gut funktionieren. Man schläft gut. Der Darm bewegt sich frei und arbeitet gut. Der Brustkorb wird weit und entwickelt sich gut.

Körperübungen stimulieren und verbessern die Durchblutung. Sie helfen, Unreinheiten aus dem Körper zu beseitigen, und lebenswichtige Stoffe besser aufnehmen zu können. Man sollte sich nicht überanstrengen und nicht über die eigenen Grenzen hinausgehen. Wenn man sich sehr anstrengen muss, ist es besser aufzuhören. Der Geist sollte froh und heiter nach den Übungen sein. Wenn du schwach und erschöpft bist, dann praktiziere keine Köperübungen.

Wer viel isst, muss sich viel bewegen. Wenn das nicht möglich ist, muss man weniger essen. Nur spazieren gehen ist nicht ausreichend. Es ist gut für diejenigen, die sich von einer Krankheit erholen und für die Schwachen. Rennen an der frischen Luft hat eine wunderbare Wirkung. Die Bauchmuskeln müssen trainiert werden. Anderenfalls wird man Übergewicht entwickeln. Tennis und Golf sind sehr gut. Rudern kräftigt die Bauchmuskeln. Schwimmen ist gut für junge Menschen.

Indische Übungen wie Dand und Bhailaks sind sehr gut. Sie haben eine langanhaltende Wirkung. Das System von Müller, schwedische Übungen usw. sind gut für einige Menschen.

Asanas und Pranayama sind hervorragend. Sie stärken die inneren Organe. Sie haben einen spirituellen Wert. Sie können Krankheiten beseitigen. Sie sind kostenlos. Man kann innerhalb von zehn Minuten die größte Wirkung erzielen. Lies meine Bücher “Yoga Asanas“, "Yogische Übungen für zuhause“ und "Hatha Yoga“. Bhastrika und tiefe Atmung sind wirksam bei Schwindsucht und Asthma. Sie stärken die Lungen. Übungen im Bett, wie im "Gospel des göttlichen Lebens“ beschrieben, sind gut für ältere Menschen und in der Rekonvaleszenz. Man kann sogar einige Asanas sanft im Bett üben.

Der Weg der Übung

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Lehrgespräch über Übung als Weg zum Ziel zwischen einem Schüler und seinem Meister Ramana Maharshi aus einer Nacherzählung von Heinrich Zimmer aus seinem Buch "Der Weg zum Selbst" 1944 erschienen im Rascher Verlag Zürich

Vorgehensweise

Der Schüler: Welches ist der rechte Weg für den Schüler bei seinen Übungen?
Der Meister: Allererst soll er begreifen: das Selbst (Atman) ist kein Ding außerhalb und verschieden von dem, der es sucht, das er gewissermaßen von außen bekommen müßte. Weiter soll er bedenken: es gibt nichts Höheres und Zarteres als den Gegenstand seines Suchens, der mit ihm selbst gleich ist, Darum soll er, so ihn ernstlich nach Erlösung verlangt, zunächst zwischen Vergänglichem und Unvergänglichem unterscheiden lernen. Dank dieser unterscheidenden Einsicht soll er sonder Zweifel und Mißverständnis erkennen, was er wirklich ist, worin sein wahres Wesen besteht. Erfährt er diesen wahren, eigentlichen Stand seiner selbst in Wirklichkeit, so soll er wandellos und fest darin verharren. Das ist der rechte Weg der Übung (Sadhana), er heißt »Weg unterscheidender Erkenntnis« (Vichara Marga), Er ist vor anderen geeignet, geradeaus zur unmittelbaren Erkenntnis des Selbst zu führen.
Der Schüler: Kann jeder, der sucht, ohne Ansehen seiner geistlichen Reife unverzüglich diesen Weg wandeln und die Übung des Suchens nach dem Selbst angehen?
Der Meister: Nein, dieses Verfahren ist nur für reife Seelen, Andere sollen sich die notwendige Eignung und Übung erwerben durch Verfahren, die ihrer geistigen und sittlichen Reife angemessen sind.

Vorbereitung

Der Schüler: Welches sind die vorbereitenden Verfahren?
Der Meister: Unter anderem das Singen frommer Preislieder (Stotra), das Flüstern heiliger Namen und Silben (Japa), Sammlung in Meditation (Dhyana), Yoga und Erkenntnis (Jiiana), — »Stotra« heißt Preislieder zum Lobe der Gottheit singen nach Herzenslust, bis das Herz in Tränen seliger Hingabe schmilzt. »Japa« ist laut oder inwendig leise die heiligen Namen der Gottheit flüstern, der sich der Fromme geweiht hat, oder heilige Sprüche und Silben (wie die Silbe OM), Uebt der Fromme beide Verfahren: »Namajapa« (Namen flüstern) und »mantra Japa« (Sprüche flüstern), so wird sein Gemüt zu Zeiten unwillkürlich auf äußere Dinge abschweifen, zu anderen Zeiten sinkt es in große Tiefen und erlangt vertiefte Sammlung. Der Mangel bei dieser Uebung ist, daß der Uebergang von einem Zustand in den anderen: von tiefer Sammlung zu Zerstreuung und umgekehrt, sich meist der Kontrolle durch den Frommen selbst entzieht.
»Dhyana« ist ein innerliches Rezitieren mit frommer Inbrunst und Anspannung zu innerer Verwirklichung, Dabei übernimmt das Gemüt selber die Rolle der Sprache. In diesem Zustand wird der Uebende sein Gemüt deutlich gewahr, denn das Gemüt kann nicht zugleich nach außen abgelenkt und in sich gesammelt sein, kann nicht Sinneswahrnehmungen nachlaufen, launisch und unstät sein, während es sich im Zustand der Meditation oder inneren Schau befindet. Daher kann man an Hand der Meditation leicht den Bewegungen des Gemüts hierhin und dorthin folgen, kann das Eindringen fremder Vorstellungen hemmen, sobald sie sich aufdrängen, und kann das Gemüt in »Dhyana« stetig und fest machen. Vollendung in der Uebung des »dhyâna« bedeutet stetig das Selbst inne werden. Da Meditation eine äußerst subtile Tätigkeit ist und sich so nahe an der Quelle aller Vorstellungen und Regungen des Gemüts abspielt, ist es schwierig, jeweils das Aufsteigen und zur Ruhe Sinken des Gemüts, wenn es sich erhebt und legt, zu verfolgen.
Dem »Yoga« liegt der Umstand zugrunde, daß Gemütsvorgänge einerseits, Atem- und Lebensvorgänge anderseits ein und dieselbe Quelle haben. Wird eines der beiden gemeistert, hat man das andere von selbst in der Hand, Yoga besteht darin, »Mano Laya« Zergehen oder Einschmelzen des Gemüts zu erzielen durch «Pranalaya« Schwinden oder Einschmelzen des Atems und der Lebenskräfte, Letzteres geschieht durch Meisterung und Anhalten des Atems (Pranayama). Wenn der Yogin sein Gemüt in einem inneren Zentrum, wie dem Tausendblättrigen Lotos der Hirnschale (Sahasrara) zur Ruhe bringt, kann er solange er wünscht in diesem Zustand verharren, ohne seines leiblichen Daseins inne zu werden. Solange das Gemüt in diesem Ruhestand verbleibt, hat der Yogin das Gefühl, er erfahre eine Art Seligkeit. Sobald aber das Gemüt aus diesem Ruhestande wieder auftaucht, ist es erneut allen Einwirkungen des In-der-Welt-Seins ausgesetzt. Vollzieht der Adept hingegen während dieses Auftauchens eine Übung (Sadhana): eine Meditation innerer Schau (Dhyana) oder Erforschen des Selbst (Atma Vichara), so vermag er schließlich einen Stand zu erreichen, wo es kein zur Ruhekommen und Wiederauftauchen oder Wiederaufleben des Gemüts mehr gibt.
»Erkenntnis« (Jnana) ist die völlige Vernichtigung des Gemüts: dank unablässiger Uebung von Meditation (Dhyana) oder Erforschung des Selbst (Atma Vichara) wird es dazu gebracht, seine völlige Einheit mit dem Selbst (Atman) als die wahre Wirklichkeit zu erfahren, Völlige Vernichtigung des Gemüts ist gleichbedeutend mit dem Stande reinen Seins, in dem alle Bemühungen, das Gemüt zu meistern oder zu leiten endgültig aufgehört haben; sie waren nur erforderlich, solange das Gemüt unstet schweifte oder sonst Einwirkungen der Umwelt erlag. Wer diesen Stand erreicht hat, wankt nie mehr aus ihm. Was man Schweigen oder Stille (Mauna), den Stand des Weisen (Muni) genannt hat', ist fürwahr dieser Stand.
Die mannigfachen Uebungen (Sadhana) dienen nur dazu, das Gemüt stetig zu machen und aus seiner alltäglichen Verstreuung auf vielerlei Anziehungspunkte durch Sammlung auf einen Gegenstand innerer Schau zur »Sammlung in eine Spitze« zu erziehen und umzuformen. Vorstellungen und ihr Verschwinden, Anziehen und Abstoßen, das Langen nach Gegenständen und ihr Fahrenlassen: all das sind nur Wandlungsformen (Vikara), die das Gemüt in unablässigem Wechsel seiner Gestalt annimmt. Sie gehören nicht zu unserem wahren Wesen, wie es, wandellos und verharrend, allein wirklich ist. Dies geradezu und unmittelbar als unser eigenes wahres Wesen erfahren, in das Selbst verschlungen verharren, heißt Befreiung, »Aufhören der Bindung« (Bandha Nivritti) oder Zerschneiden des »Knotens« (Granthi). Solange du nicht festen Halt in diesem Stand reinen Seins gewonnen hast, der Stille und vollkommener Frieden ist, bleiben zwei Uebungen unerläßlich: den Halt am Selbst nicht fahren zu lassen und dem Gemüt zu wehren, daß es sich nicht mit Vorstellungen von außen trübt.
Alle Wege und Übungen, das Gemüt fest und stark zu machen, zielen auf das gleiche Ergebnis: Die Einheit mit dem Selbst, dem Höchsten Wesen, als Wirklichkeit zu erfahren. Jeder mag sich den Gegenstand wählen, auf den er sein Gemüt sammelt und heftet; die verschiedene Wahl ändert nichts am Ergebnis, — denn am Ende des Uebens ergibt sich: Das Gemüt bleibt allein übrig als der eigentliche Gegenstand, die Vorstellungen, die von außen kommen und nach außen lenken, sind völlig vernichtigt. Das versteht man unter »Vollendung in gesammelter Schau« (Dhyana Siddhi) oder Vollendung in Meditation.
Wer den Pfad der »Erforschung des Selbst« (Atma Vichara) beschreitet, erfährt: was er schließlich fragend ergründet, ist wahrhaft das Unbedingte (Brahman), Ebenso erfährt, wer den Pfad »gläubiger Hingabe« (Bhakti Marga) geht: was am Ende seines Uebens übrig bleibt, ist der eigentliche Gegenstand seiner gläubigen Hingabe. Das schließliche Ergebnis beider Wege ist das Gleiche. Unerläßlich für jeden, der Befreiung sucht, ist ernste unablässige Uebung in gläubiger Hingabe oder Selbsterforschung, bis er ans Ziel gelangt ist.

Mauna

Der Schüler: Was ist Stille (Mauna)? Ist sie in sich voll bewegender Kraft, oder ist sie reine Ruhe und Trägheit?
Der Meister: Sie ist kein Zustand der Trägheit, bar aller Tätigkeit, Jede Betätigung, jeder Vorgang, die außen in der Alltagswelt erfahren werden, sind stoßweise von einzelnen Stücken oder Strekken des Gemüts getragen. Aber die innere Ruhe, in der das Selbst bei sich verharrt (Atma Vyavahara), oder der Umgang mit dem Selbst, ist eine ununterbrochene Tätigkeit des Gemüts in seiner Gesamtheit, Die Maya, der Schein von Welt und Ich ist auf keine andere Weise zu vernichtigen als durch diesen einwärtsgewandten Umgang mit dem Selbst, der Tätigkeit im höchsten Sinne ist.

Ziel - Maya erkennen

Der Schüler: Was ist Maya?
Der Meister: Maya oder die Gewalt des Scheins bewirkt, daß uns das nicht vorhanden und unwirklich erscheint, was allgegenwärtig und alldurchdringend ist: ganz vollkommen und Licht in sich selbst und in Wahrheit das Selbst, Kern unseres Wesens. Entsprechend läßt Maya uns für wirklich und in sich selbst gegründet nehmen, was nicht-seiend und unwirklich ist: Die Dreiheit der Welt (Jagat), der Ich-Seelen (Jiva) und des Höchsten (Para), die zu allen Zeiten unter allen Himmelsstrichen für Schein erklärt worden sind.

Das vertraute Selbst

Der Schüler: Wenn das Selbst Licht in sich selber ist und ganz vollkommen, warum ist es dann nicht jedermann und in der üblichen Weise vertraut wie irgend ein ander Ding in der Welt außen?
Der Meister: Wenn e i n Ding vertraut ist, so ist es in der Tat das Selbst (Atman), denn es ist sich selber vertraut und weiß nun um sich als das Ding, das es wahrnimmt. Denn Wissen oder Gewahrsein, inneres Licht, das sich selbst erhellt, dank dessen du die Dinge der äußeren Welt gewahrst, ist wahrhaftig die Kraft und treibende Regsamkeit (Shakti) des Atman selbst. Das Selbst ist geistig (Chit), reines Innesein, und es gibt keinen andern Gegenstand als das Selbst, Es ist der Untergrund des Lebens und Vorstellens und offenbart sich als das Gemüt, das Gegenstände wahrnimmt, die selber leblos sind und darum ihres eigenen Daseins nicht gewahr werden. Ihr Sein und Da-Sein ist dem Atman selber beizumessen, Die Auffassung von einer Vielheit der Gegenstände, die anscheinend ein selbständiges Dasein führen, ist die Folge davon, daß einer sein eigenes Sein mit seinem Da-Sein im stofflichen Leibe gleichsetzt, mit anderen Worten: die anscheinende Vielfältigkeit des Da-Seins beruht darauf, daß man in Ausdrücken des stofflichen Leibes denkt, indes reines geistiges Innesein (Chit) eines und allumfassend ist. Nimmt man ein Dasein der Gegenstände außer dem Selbst an, so sind sie weder Licht in sich selbst, das heißt: ihres eigenen Daseins gewahr, noch können sie einander erkennen oder sind erkennbar. Weil das Subjekt seiner selber gewahr wird, wird es auch der Gegenstände gewahr, und was nicht seiner selbst gewahr ist, wird auch keines anderen Dinges gewahr. Weil das Selbst nicht auf diese Weise erkannt wird, daß in allem, was erkannt wird, das Selbst sich selber erkennt, davon nimmt es die Gestalt des Einzel-Ichs oder der Individuation (Jiva) an, die ins Meer kreisender Wiedergeburten (Sansara) versinkt und sich träge und benommen in ihnen dahin bewegt. Der Nichtwissende begreift nicht seine wirkliche Einheit mit dem Selbst und vergißt den Umstand, daß sein stofflicher Leib ebenso sehr Gegenstand seines Vorstellens ist wie jedes andere Ding sinnlicher Wahrnehmung in der Erscheinungswelt, welches das nach außen strömende Gemüt ihm heraufbeschwört; darum quält es sich in dem Wahn ab, Geburt und Tod seien wirklich, indes sie nicht wirklicher sind als die greifbaren Dinge der äußeren Welt. So versinkt er in Maya und Sansara.

Erfahrung des Höchsten

Der Schüler: Wenn das Höchste Wesen allgegenwärtig ist, wie es von ihm heißt, müßte es doch ein Leichtes sein, seine Wirklichkeit zu erfahren, Aber die heiligen Schriften lehren, daß ohne seine Gnade der Höchste Herr nicht einmal verehrt, geschweige denn in seiner Wirklichkeit erfahren werden könne, Wie kann da das Einzel-Ich (Jiva) je aus eigener Kraft das Selbst erfahren oder das Höchste Wesen, — es sei denn dank seiner Gnade?
Der Meister: Nie war eine Zeit, in der das Höchste Wesen unerkannt und nicht in seiner Wirklichkeit erfahren war, denn es ist eins mit unserem Selbst, Seine Gnade (Anugraha) ist das Gleiche wie das unmittelbare Gewahrwerden seiner göttlichen Gegenwart (Prasannata) mit Erleuchtung und Offenbarung. Daß einer von dieser sich selbst offenbarenden Unmittelbarkeit der göttlichen Gnade nichts ahnt, beweist nichts dagegen. Die Eule schaut die Sonne nicht, die alle Welt erleuchtet, — liegt das an der Sonne oder der Eule? Wird der Mensch in seinem Nichtwissen den ewig strahlenden Atman, das Selbst, nicht gewahr, — ist das dem Wesen des Selbst beizumessen? — Der höchste göttliche Herr ist die ewige Gnade selbst, Daher gibt es im Grunde keinen solchen persönlichen Vorgang wie das Ausströmen der Gnade, und da er allgegenwärtig ist, so ist die Offenbarung der Gnade nicht auf irgend eine Zeit oder Gelegenheit beschränkt.

Wo das Selbst ruht

Der Schüler: Gibt es für das Selbst einen eigenen Ort im stofflichen Leibe, daß man sagen könnte: dort weilt es?
Der Meister: Im allgemeinen gilt die rechte Seite der Brust als der Sitz des Selbst, Es ist eine Alltagserfahrung: wer auf sich selbst verweist, deutet mit der Hand auf seine rechte Brust und sagt: »Ich tat das, — ich habe das gesagt« usw. Manche meinen, der Tausendblättrige Lotos in der Hirnschale (Sahasrara) sei der Sitz des Selbst, Dann sollte aber einem, der müde wird, der Kopf nicht sinken, sondern aufrecht bleiben, Zudem bedeutet das Wort »Herz« (Hridaya) »selbst«. Freilich ist der Ort des Selbst, den man als »Herz« bezeichnet, nicht das muskulöse Gefäß, welches das Blut pumpt, oder ein Teil davon, denn das Selbst, das Unbedingte, das mit »seiend, geistig, selig« (Sat Chit Ananda) umschrieben wird, ist vollkommen, ewig und jenseits der Grenzen von Zeit und Raum; die Wechselbegriffe räumlichen Vorstellens wie Innen und Außen, Oben und Unten haben eigentlich keinen Bezug auf das Selbst. Mit anderen Worten: Der Ort des Selbst ist dort, wohin die Vorstellungen und Regungen des Gemüts zurückweichen, worin sie versinken und zur Ruhe gelangen. Jenseits der Vorstellungen und Regungen gelangt man zum Selbst, das bedeutet: Jenseits von Zeit und Raum, die der Sphäre des Vorstellens angehören. Wenn der Adept sich nicht bei bloßen Vorstellungen und Begriffen zufrieden gibt, sondern verlangt, den heiteren und stillen Stand wirklich zu erfahren: im Selbst oder im reinen Innesein zu verharren, dann sind solche Erwägungen, ob der Ort des Selbst innen oder außen am stofflichen Leibe ist, belanglos. Wenn einer im Selbst verharrt, ist gar keine Möglichkeit, daß solche Fragen auftauchen.

Vorstellungen

Der Schüler: Wie kommt das: Auch wenn man nicht in unmittelbarer Berührung mit Sinnesgegenständen steht, tauchen Vorstellungen von innen im innersten Winkel unseres Gemüts auf und vereiteln es, den stillen Stand zu erleben, im Selbst zu verharren?
Der Meister: Die wirklichen Gegenstände solcher Vorstellungen sind nicht außen, es sind die feinen Neigungen und Gewohnheiten des Gemüts innen (Vasana), die seinen Erbbestand aus früheren Leben bilden auf Grund früherer Gewohnheiten, Gedanken und Taten: in diese sind die Vorstellungen eingebettet. Ihre Gegenstände existieren eigentlich nur im Gemüt, das seine eingeborene Stille verloren hat, weil wir fälschlich unser Dasein mit unserem Leben im Leibe gleichsetzen; davon ist das Gemüt den ewig wechselnden Einwirkungen der Sinnesgegenstände ausgesetzt, Gestatten wir dem Gemüt nicht, sich in solche Vorstellungen zu verwickeln, sondern fragen nach innen und suchen, wenn solche Vorstellungen aufsteigen, zu erkennen, wem sie einfallen, dann verschwinden sie auf der Stelle.

Der Schein des Triputi

Der Schüler: Wie kommt es, daß die Dreiheit (Triputi) des Sehenden, des Sehens und des Gesehenen, die im traumlos tiefen Schlafe, in Versenkung (Samadhi) und verwandten Zuständen nicht vorhanden ist, sich als Schein am Selbst einstellt und entfaltet, das doch in sich eins und allumfassend ist?
Der Meister: Aus dem Selbst in seinem reinen und ursprünglichen Stande des Seins strahlt an erster Stelle der gespiegelte Schein des Inneseins (Chit Abhasa), und aus ihm steigt die Ich-Vorstellung auf; sie ist die Wurzel aller Vorstellungen und Regungen, Dieses Ich, das Ego, stellt mit dem, was aus ihm folgt und an ihm hängt — Welt und Sinneswahrnehmungen — den Seher der gesehenen Gegenstände dar. So erwächst die anscheinende Entfaltung des Dreier-Verhältnisses von Seher, Sehen und Gesehenem, denn keines der drei Glieder besteht unabhängig voneinander und kann ohne das andere da sein.

Durchdringen des Selbst

Der Schüler: Es heißt: das Selbst ist jenseits von Wissen und Nichtwissen, Wie kann es dann den stofflichen Leib durchdringen und dem Gemüt und den Sinnesorganen Leben und Tätigkeit verleihen?
Der Meister: Die alten Seher, die um das Wirkliche wußten, lehren; da ist eine feine Verbindung, ein Knoten (Granthi) zwischen dem Ort des Selbst und dem Zentrum des Nervensystems, Dieser Knoten ist der Herzknoten (Hridaya Granthi), und solange diese Verbindung nicht durch das Erlebnis der Wahrheit zerschnitten ist, offenbart und entfaltet sich das Selbst durch das Nervensystem und verleiht dem Gemüt und den Sinnesorganen Leben und Tätigkeit, so wie die feine und unsichtbare Elektrizität durch Drähte und Fäden Licht und Kraft verleiht. Wird dieser Knoten zwischen dem Ort des Atman und dem Nervensystem zerschnitten, so verharrt, wie die Seher lehren, der Atman in sich selber als reines eigenschaftsloses Innesein: So wie er allzeit ist.

Erkennen im Verhältnis zum bedingten Erkennen

Der Schüler: Wie verhält sich dieser ursprüngliche Stand des Inneseins oder reinen Erkennens zum bedingten Erkennen der Erscheinungswelt, das die Dreiheit von Seher, Sehen und Gesehenem in sich schließt?
Der Meister: Du kannst dir dieses Verhältnis nach Art eines Filmapparates vorstellen: das Selbst, oder das reine Innesein, ist die Lampe, die Lichtquelle im Inneren, Das Gemüt, frei von leidenschaftlicher Bewegtheit (Rajas) und dumpfer Dunkelheit (Tamas), im Stande lichter Klarheit (Sattva) und dem Atman nahe, ist die Linse vor der Lichtquelle, Die Skala der ererbten Neigungen und Gewohnheiten (Vasana) im Gemüt, die einander in Gestalt äußerst feiner, ungreifbar hinhuschender Vorstellungen und Regungen folgen, ist der Filmstreifen mit seinen Bildern voll Gestalten, der an der Linse vorüberläuft. Das Gemüt ist die Linse, sein belebter oder erhellter Zustand sind die Lichtstrahlen, die durch die Linse gehen: beide bilden zusammen mit dem Selbst das Einzel-Ich (Jiva): Die Lampe mit dem Licht, das die Linse versammelt und weiterwirft, Wie das Licht, das durch die Linse geht, als heller Schein auf den Schirm gegenüber fällt, so erscheint das Licht des Selbst, vom Gemüt durch die Sinnesorgane nach außen geströmt, als die Welt gegenständlicher Erscheinungen, Das aus dem Brennpunkt der Linse strahlende Licht erhellt den Schirm gegenüber: So wird die leblose, fühllose Welt des Stoffs vom Gemüt angehellt, das die innere Helle des Selbst nach außen weiterleitet.
Die Bilder des Films, die dank dem Licht aus der Linse sich auf dem Schirm folgen, sind die verschiedenen Gegenstände, die mit Namen und Gestalt als Sinneswahrnehmungen in der Erscheinungswelt auftauchen, dank dem Licht, das ihnen vom Gemüt her zuteil wird. Die Maschinerie, die den Film laufen läßt, entspräche dabei dem göttlichen Gesetz, kraft dessen die ererbten Gewohnheiten und Neigungen (Vasana) sich selber nacheinander dem Gemüt eingeben. Die Bilder erscheinen auf dem Schirm, solange der Film läuft und seine Schatten durch die Linse auf den Schirm wirft: ebenso spielt die Erscheinungswelt sinnlicher Wahrnehmungen von Gegenständen als eine anscheinend eigenständige Wirklichkeit so lange, wie die ererbten Neigungen und Gewohnheiten im Gemüt ihr Spiel treiben, und das Einzel-Ich (Jiva) wird sie im Wachen und Traum gewahr. Weiter: wie die Linse die zahllosen winzigen Bilder des Filmstreif ens vergrößert und in riesigem Ausmaß mit Augenblicksschnelle auf den Schirm wirft, so vergrößert das Gemüt die keimhaft winzigen feinen Neigungen und Gewohnheiten zu gewaltigen Maßen im Bruchteil eines Augenblicks und gibt ihnen Namen und Gestalt. Ist kein Film da, so scheint die Lampe, ohne Bilder auf den Schirm zu werfen: Ebenso scheint das Licht des Atman allein ohne die Dreifalt (Triputi) von Seher, Sehen und Gesehenem, wenn keine Neigungen (Vasana) im Spiel sind, die sich in Vorstellungen und Regungen ausprägen: nämlich im traumlos tiefen Schlaf, in Zuständen der Bewußtlosigkeit, der Versenkung (Samadhi) usw, Der Lampe geschieht gar nichts, sie bleibt völlig unverändert, wandellos und unberührt, indes sie Linse, Film und Schirm erhellt: so bleibt auch das Selbst, indes es das Gemüt, seine Neigungen und Gewohnheiten und die Sinnesorgane mit seinem Licht erhellt, immer wie es in sich selber ist: rein und wandellos.

Übung ist Dhyana - Meditation

Der Schüler: Was ist Meditation (Dhyana)?
Der Meister: Dhyana besteht darin, daß du fest und ohne Wanken als eines mit dem eigenen reinen Sein verharrst, — einerlei in welchem der drei Zustände Wachen, Traum oder tiefer Schlaf du dich befindest, — ohne daß du die Vorstellung hegst, dich in Meditation zu befinden, Wer das kann, wird der Unterschiede zwischen diesen drei Zuständen nicht im leisesten in seinem Gemüt gewahr, So darf der scheinbare Schlaf in tiefer Meditation als Dhyana angesehen werden, Meditation besteht wesentlich darin, hinaus zu gelangen über das Gewahrsein der Vorstellung oder des Eindrucks »ich bin in Meditation«.

Unterschied Zwischen Meditation/Dhayana und Samadhi

Der Schüler: Was ist dann der Unterschied zwischen solcher Meditation und dem Aufgesogensein in das Selbst (Samadhi)?
Der Meister: Meditation wird durch bewußte Anstrengung des Gemütes eingeleitet und getragen, Ist solche Anstrengung völlig zur Ruhe gelangt, so spricht man von Samâdhi,

Die Wichtigkeit der Konzentration auf das Selbst oder das reine Sein in der Meditation

Der Schüler: Auf welche Bestandteile des Übens soll, wer Meditation treibt, besonders achten?
Der Meister: Wer im Selbst verharren will, darf niemals abschweifen aus der in eine Spitze gesammelten Aufmerksamkeit auf das Selbst oder reine Sein, das er selber ist, Schweift er aus dieser Sammlung ab oder entgleitet ihr, so tauchen mannigfache innere Gesichte auf, die das Gemüt vor sein inneres Auge heraufbeschwört, Aber er soll sich von solchen Gesichten nicht in die Irre führen lassen, ob sie nun Licht sind oder Raum, auch nicht vom »Nada«, dem feinen zarten Ton, den er etwa innerlich vernimmt, auch nicht von Gesichten der personhaft erscheinenden Gottheit, die er in seinem Innern oder außen vor sich erschaut, als hätte das Alles eine gegenständliche Wirklichkeit, und etwas davon für das wahrhaft Seiende, Wirkliche (Sat) nehmen, Wenn die Kraft geistiger Vergegenwärtigung, durch die solche Gesichte vorgestellt und wahrgenommen werden, schon in sich Trug und scheinhaft ist, wie können die Dinge, die durch sie wahrgenommen werden und gar erst deren Gesichte wirklich sein?

Ratschläge

Beim Üben (Sadhana) sollte man vornehmlich auf Viererlei achten:
  1. Wenn der Adept nur jeden Augenblick, den er mit eitlem Denken über Dinge, die das Nicht-Selbst bilden, vergeudet, in ernstlichem Erforschen und Ergründen des Selbst zubringen wollte, würde er sehr bald die Wirklichkeit des Selbst erleben
  2. Bis das Gemüt einen festen Halt im Stande reinen Seins erlangt hat, ist es wesentlich, tiefe Meditation zu üben, die vom Überschwang frommer Hingabe durchtränkt ist (Bhavana), ausgehend vom innig vergegenwärtigten Bilde der Gottheit, in deren Kult der Fromme eingeweiht ist, durchdringt die gläubige Hingabe den Adepten bis in den Kern seines Wesens und macht sein Gemüt weit aufgeschlossen, ohne daß es deshalb abschweift. Andernfalls wird das Gemüt eine leichte Beute schweifender Vorstellungen oder wird von Schlaf überwältigt.
  3. Der Adept soll seine Zeit nicht mit endloser Wiederholung von Formeln der heiligen Überlieferung verschwenden, wie »Shivoham«, ich bin Shiva (der Höchste Gott), oder »Aham Brahmasmi«, ich bin Brahman (das Unbedingte), die als bezeichnend gelten für die verehrende Meditation über das jenseits aller Eigenschaften wesende höchste Göttliche in seiner Unbedingtheit (Nirgunam Brahman), um dessen Stand zu erreichen, Statt dessen soll der Adept mit der Kraft, die er aus dem Wiederholen heiliger Worte und Sprüche und aus andächtiger Verehrung der Gottheit (Upasana) schöpft, die Erforschung des Selbst (Atma vichara) betreiben, so wie es ist, ohne sich Vorstellungen wie »ich bin Brahman« beizumessen.
  4. Der Vorzug dieser Art Übung vor anderen Wegen besteht wesentlich darin, daß der Adept auf keine Weise Vorstellungen, die sein Gemüt umlagert halten, den Spielraum gewährt, sich einzudrängen.

Hindernisse

Der Schüler: Es heißt: Alles geschieht nach Schicksalsfügung, Danach müssen auch die Hemmnisse, die erfolgreiche Meditation verzögern oder verhindern, als unübersteiglich gelten, da sie unwiderruflich vom Schicksal verhängt sind, Wie kann man da überhaupt hoffen, ihrer Herr zu werden?
Der Meister: Was man Schicksal nennt und was Meditation (Dhyana) verhindert, besteht nur für das nach außen gestrahlte Gemüt, nicht für das einwärts gekehrte, Wer einwärts forscht mit Ergründung des Selbst, den schreckt von Anbeginn, wie er eben ist, kein Hemmnis, das im Weg zu stehen scheint, seine Meditationsübung fortzusetzen. Der bloße Gedanke an solche Hemmnisse ist das größte Hemmnis.

Vorschriften

Der Schüler: Welche Enthaltungen oder Vorschriften soll der Adept befolgen?
Der Meister: Mäßigung im Essen, Schlafen und Reden.

Die letzte Stufe der Übung

Der Schüler: Bis zu welcher Stufe ist Übung (sadhana) erforderlich?
Der Meister: Unablässige Übung ist erforderlich, bis du ohne die leiseste Anstrengung den natürlichen, ursprünglichen Stand des Gemüts erreichst, der frei von Vorstellungen und Regungen Ist, — bis Vorstellungen wie »ich«, »mich« und »mein« völlig ausgerodet und vernichtigt sind.

Einsamkeit für deine Geistige Entwicklung

Der Schüler: Was hat es mit dem Leben in Einsamkeit und Abgeschiedenheit (Ekanta Vasa) auf sich, das als förderlich zur geistlichen Entwicklung empfohlen wird?
Der Meister: Das Selbst ist allerfüllend, alldurchdringend, daher gibt es keinen besonderen Ort, der dem geistlichen Leben insbesondere zugewiesen wäre, In jenem stillen Stande verharren, der frei von Vorstellungen und Regungen ist, heißt wahrhaft ein Leben der Einsamkeit und Abgeschiedenheit führen.

Unterscheidende Erkenntnis: Viveka

Der Schüler: Was ist das Zeichen der »unterscheidenden Erkenntnis« (Viveka), die wahres Wissen in sich schließt?
Der Meister: Hast du erkannt, was wahr und wirklich ist, so besteht »unterscheidende Erkenntnis« (Viveka) darin, von nichts mehr getäuscht und in die Irre geführt oder durch Einwirkung von außen abgelenkt zu werden. Solange noch das leiseste Gefühl von Unterschiedlichkeit am Unbedingten haftet, das eines, umfassend und vollkommen ist, wird den Adepten, der seine Wirklichkeit erleben soll, Verlangen, Furcht und Verdruß befallen, Sie erweisen einfach, daß es ihm an unterscheidender Erkenntnis (Viveka) mangelt. Wer in der Vorstellung lebt, sein Leib sei das Selbst (Dehaatma Buddhi), ist wahrlich nichtwissend; aus dieser falschen Gleichsetzung entspringt der Eindruck der Unterschiedlichkeit, und dieser ist die Ursache aller abirrenden Verwandlungen des Gemüts (Vikara) zu Verlangen, Furcht, Verdruß usw.

Vollkommener Verzicht: Sannyasa Ashrama

Der Schüler: Ist es ein unerläßlicher Schritt, um festen Stand und Verharren im Selbst (Atma Nishtha) zu erreichen, daß einer in den Lebensstand des allverzichtenden Asketen (Sannyasa Ashrama) trete?
Der Meister: Der einzige Weg, um festes Verharren im Selbst (Atma Nishtha) zu erlangen, ist das fortgesetzte Bemühen, das Hangen am eigenen Leibe loszuwerden, Ohne Reife und Reinheit des Gemüts und ohne Erforschung des Selbst wird dieses Hangen am Leibe nicht überwunden, einerlei in welchem der Vier Lebensständen einer sich befinde, Denn das Hangen am Leibe ist eine Verwicklung des Gemüts, die Vier Lebensstände aber mit ihren Vorschriften und Abzeichen beziehen sich, soweit sie dazu dienen, das Gemüt zu reinigen, auf den Leib und sind äußerlichen Wesens. Wie kann die bloße Anpassung an äußere Vorschriften des Verhaltens oder gar bloß das Tragen von Abzeichen die Bande des Gemüts lösen? Das Hangen am Leibe rührt daher, daß das Gemüt unreif und unrein ist, rührt vom Mangel an Selbstergründung (Atma Vichara) her und wird nur behoben, wenn das Gemüt reif und rein wird und sich der Selbstergründung zuwendet, Der Stand des allverzichtenden Asketen (Sannyasa Ashrama) ist nur ein Mittel, um Freisein von Leidenschaften (Vairagya) zu erlangen, und dieses Freisein ist wiederum ein Mittel, um Ergründung des Selbst üben zu können. Der Stand des allverzichtenden Asketen ist bei denen, die ernstlich Befreiung suchen, eine mittelbare Hilfe, um Ergründung des Selbst zu üben, indem sie Freisein von Leidenschaften anstreben.
Der Lebensstand des Allverzichts setzt Reinheit und Reife des Gemüts voraus; fehlen beide, ist es zuträglicher, als Haus- und Familienvater in der Welt zu leben und die Pflichten dieses Standes zu erfüllen, statt sein Leben zu vergeuden, indem man Asket wird. Die eigentliche Bedeutung von »Sannyasa«, »Ablegen«, Verzicht ist, daß man von Entschlüssen (Sankalpa) und Unschlüssigkeiten (Vikalpa) frei wird: von Entschlüssen, die unterm Drang des Verlangens sich bilden und zu Handlungen führen, und von Unschlüssigkeiten, die das Gemüt zwischen Verlangen und Hemmung in der Schwebe halten, Diese beide halten das Gemüt in Atem und bilden recht eigentlich die »Familie Hangen und Bangen«. Nicht der Verzicht auf Heim und Familie und daß einer die Abzeichen des bettelnden Pilgers anlegt, machen den Allverzicht (Sannyasa) aus, sondern der Verzicht auf diese »Familien«-Bande des Gemüts. Kraft seiner mag das Gemüt dahin gelangen, fest im Selbst zu verharren.

Tat und Pflicht

Der Schüler: Es wird unzweideutig gelehrt: solange noch die leiseste Spur des »Täter-Seins« (Kartritva) oder das Gefühl: »ich bin es, der das tut« bestehen, kann keine Erleuchtung oder Erkenntnis des Selbst (Atma Jiiana) Platz greifen. Kann nun ein Hausvater (Grihastha), der ernstlich nach Befreiung verlangt, die Pflichten seines Standes vollkommen erfüllen, ohne »Täter zu sein« (Kartritva)?
Der Meister: Da ist kein Gesetz, das sagt, Betätigung sei nur möglich auf Grund des »Täter-Seins« (Kartritva), und so ist kein Anlass zu zweifeln und zu fragen, ob Betätigung möglich ist ohne die Vorstellung des »Täters« (Kartri) und des »Täter-Seins«, Nimm ein Beispiel: Ein Kassierer versieht seinen Dienst den ganzen Tag über gewissenhaft; wer ihm zuschaut, könnte meinen, er sei verantwortlich für das Geldgebaren des Geschäftes. Aber er weiß, daß er mit dem Geld, das eingeht und das er auszahlt, eigentlich nichts zu tun hat. So hängt er nicht daran und ist ohne »Täter-Sein« bei aller Erfüllung seiner Pflicht und versieht sie tadellos, Geradeso steht es mit einem Weisen im Hausvaterstande, der ernstlich nach Befreiung strebt: es ist ihm durchaus möglich, seine Lebenspflichten, die ihm aus angesponnenem Karman früherer Leben (Prarabdha) zugewachsen sind, zu erfüllen, ohne daran zu hängen, Er sieht sich rein als Werkzeug an. Solche Betätigung (Karman) ist kein Hemmnis auf dem Wege zur Erkenntnis (Jnana), und Erkenntnis hindert nicht, die Lebenspflichten zu erfüllen, Jnana und Karman sind einander nicht feind und hindern einander nicht.

Pflichterfüllung

Der Schüler: Was bezeichnet das Leben eines geistlich gesinnten Hausvaters, der all seine Zeit daran wenden muß, seinen Unterhalt zu verdienen und seine Familie zu unterhalten, und was haben er und seine Familie dabei voneinander?
Der Meister: Wenn solch ein Hausvater, ohne auf sein eigenes Behagen zu schauen, sich müht, seine Familie zu unterhalten, so hat seine Pflichterfüllung als selbstloser Dienst an den Gliedern seiner Familie zu gelten, für deren Bedürfnisse er auf Grund seines ausgesponnenen Karman aus früheren Leben (Prarabdha) zu sorgen hat. Fragt man, welchen Segen er dabei für sich von seiner Familie hat, so ist die Antwort, daß er von der Familie an sich nichts erhält, denn die Erfüllung seiner Pflichten gegen die Familie war für ihn allezeit ein Mittel, geistlicher Einsicht näher zu kommen, und da er schließlich höchste Wunscherfüllung erreichen wird, wenn er die höchste Seligkeit der Erkenntnis gewinnt — das letzte Ziel und höchste Gut des Lebens, das es mit allen Mitteln zu erlangen gilt —, so bedarf er keines anderen Entgelts von seiten der Familienglieder oder aus dem Familienleben.

Last der Pflichten

Der Schüler: Wie kann ein Hausvater unter der Last seiner Pflichten, die ihm von selber immer wachsende Betätigung auferlegen, den Frieden der Abgeschiedenheit und das Freisein vom Drange der Betätigung finden, — inmitten seiner Geschäftigkeit?
Der Meister: Nur von außen gesehen erscheint ein erleuchteter Hausvater bei seiner Betätigung als geschäftig. So sehr er anscheinend mit der Erledigung von Pflichten ohne Ende befaßt ist, so wenig ist er eigentlich mit irgend einer Tätigkeit befaßt, Seine äußere Betätigung hindert ihn nicht, so geschäftig er sie übt, den vollkommenen Frieden der Abgeschiedenheit, das völlige Freisein vom ruhelosen Drange, tätig zu sein, zu erfahren, Der Sinn in diesem scheinbaren Widerspruch ist: Wer in Erkenntnis erleuchtet ist (Jnanin), ist nicht mehr der göttlichen Ordnung für Welt- und Menschenleben (Dharma) untertan, vielmehr diese Ordnung selbst beruht auf ihm und empfängt an seiner beispielhaften Erfüllung ihre Bestätigung. Denn er hat die Wirklichkeit erfahren, aus der sie fließt und die zu erlangen die göttliche Menschenordnung (Dharma) als Mittel gesetzt ist, — darum ist er ihr nicht mehr unterworfen, Sie aber hängt in ihrer Gültigkeit und ihrem Erweis von ihm ab, denn er gibt den übrigen Sterblichen ein unvergängliches Beispiel ihrer Erfüllung. So ist er eine Quelle und Stütze der ewigen Ordnung, indes er selber über sie hinaus ist. Weil er der Wirklichkeit, die diesem Sachverhalt zugrunde liegt, völlig gewahr ist, bleibt er immer aus dem Spiel als reiner Zuschauer und unberührter Zeuge seiner eigenen Betätigung und verliert sich nie in siel.

Spuren und Nachwirkungen von Handlungen (Vasana)

Der Schüler: Aber wenn der »Erkennende« (Jnanin) auf Grund seines angesponnenen Karman aus früheren Leben (Prarabdha) handelt, lassen dann diese Handlungen keine Spuren und Nachwirkungen (Vasana) als feine Neigungen und Gewohnheiten in seinem Gemüt zurück, die am Gemüte haften und ihn notwendig treiben, sich in weitere Betätigung zu verstricken?
Der Meister: Nur der ist ein »Erkennender«, der frei von solchen »Vasana« ist. Wie könnten seine Handlungen, die ohne Hangen daran geschehen, Spuren (Vasana) hinterlassen? Da keine Spuren entstehen, können sie auch nicht im Gemüt haften.

Bedeutung von Brahmacharya

Der Schüler: Was bedeutet »Brahmacharya«, der keusche Wandel des Brahmanenschülers auf dem Wege der Einweihungen heiligen Wissens um das Höchste (Brahman)?
Der Meister: Allein das Forschen nach dem Leben des Unbedingten (Brahman) ist wahrer »Brahmanwandel« (Brahmacharya).

Brahamacharya und Regeln als Übung

Der Schüler: Sind die Vorschriften und Verhaltensregeln dieses Lebensstandes der Schülerzahl (Brahmacharya Ashrama) Weg und Mittel (Sadhana), um zur Erkenntnis zu gelangen?
Der Meister: Die Tugenden und Übungen, die Mittel zum Erlangen der Erkenntnis sind, finden sich allesamt in den Verhaltensregeln des Schülerstandes einbegriffene, Wer unverheiratet ist, sollte diese Regeln genau beobachten, um seiner sittlichen Entwicklung voranzukommen.

Überspringen von Entwicklungsstufen

Der Schüler: Darf einer vom jugendlichen Stande keuscher Schülerschaft (Brahmacharya Ashrama) unmittelbar zum letzten Lebensstande des Allverzichts (Sannyasa Ashrama) übergehen, ohne die beiden mittleren Lebensstufen des Hausvaters (Grihastha Ashrama) und des Waldeinsiedels (Vanaprastha) zuvor erfüllt zu haben?
Der Meister: Wer voll geeignet ist, Erkenntnis zu erlangen — ein »Adept höchster Eignung« (Uttama Adhikarin), — muß nicht durch alle vier Lebensstadien nacheinander gehen. Wer sein eigenes wahres Wesen erkannt hat, achtet die Unterschiede zwischen den Lebensstadien nicht mehr, und der Stand, dem er zufällig angehört, dünkt ihm weder förderlich noch abträglich für seine geistliche Vollendung.

Dienst an der Menschheit

Der Schüler: Ist ein Abweichen von der Lebensordnung der Kasten und Lebensstufen für den Einzelnen abträglich?
Der Meister: Die Beobachtung aller Vorschriften und Regeln hat allein den Sinn, Mittel auf dem Weg zur Erkenntnis zu sein; daher ist es für einen, der unablässig Erkenntnis übt, nicht unbedingt geboten, die Pflichten des Lebensstandes, indem er sich gerade findet, zu erfüllen. Wenn solch ein Weiser sie genau erfüllt, geschieht es ausschließlich, um der Menschheit zu dienen und zum Frommen der Welt im Großen. Ihm selber trägt die Erfüllung solcher Pflichten nichts ein und nichts weg.

Siehe auch

Literatur

Seminare

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