Pratyahara

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Pratyahara (Sanskrit: प्रत्याहार pratyāhāra m.) Zurückziehung (der Truppen aus der Schlacht), Rückzug; Auflösung, Vernichtung; Zurückziehen der Sinne, fünftes Glied des Ashtanga Yoga (Raja Yoga) Systems. Pratyahara hat mehrere Entwicklungsstufen:

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(1) Zurückziehen der Sinne von den Sinnesobjekten. Dies ist nur für eine Person möglich, die sich isoliert in die Abgeschiedenheit zurückziehen kann, und daher nicht für die Mehrheit der Menschen möglich.

(2) Zurückziehen vom Sinneszentum - vom Wahrnehmungszentrum im Gehirn. In den Upanishaden wird beschrieben, dass nur der Suchende die absolute Wirklichkeit erfahren kann, der, obwohl er Ohren hat, nicht hört, obwohl er Augen hat, nicht sieht, und sogar, obwohl er in dieser Welt lebt, diese nicht wahrnimmt, indem er seine inneren Wahrnehmungszentren daran hindert mit den äußeren Sinnesorganen zusammenzuarbeiten. Das Ohr hört etwas, aber der Übende hört nicht darauf. Er beachtet nicht den laufenden Vorgang des Hörens, bringt sich nicht damit in Verbindung, sondern versucht mit Distanz zu beobachten.

(3) Zurückziehen von der Anhaftung an den Geist: Der Suchende trennt sich Selbst von dem Vorgang in seinem Geist, vom Prozess der Wahrnehmung. Er hört zwar etwas, stellt damit aber keine Verbindung her, lässt sich auf diesen Reiz nicht ein und identifiziert sich nicht mit diesem Zustand des Geistes.

Sukadev über Pratyahara

Niederschrift eines Vortragsvideos (2014) von Sukadev über Pratyahara

Pratyahara heißt tatsächlich einfach nur Rückzug und Zurückziehen. Es ist natürlich insbesondere im Raja Yoga von einer besonderen Bedeutung, da ist es das Zurückziehen, der Rückzug der Sinne. Aber auch sonst, beispielsweise wenn irgendwo Menschen sich zurückziehen oder Soldaten in der Schlacht sich zurückziehen, auch das ist Pratyahara. Aber für uns von besonderem Interesse, Pratyahara als Rückzug der Sinne.

Pratyahara ist eine der Ashtangas, der acht Stufen im Yoga: YamaEthik im Umgang mit anderen. Niyama – persönliche Disziplin. Asana – Stellung, Körperstellungen. Pranayama – Atemübung. Dann folgt als fünftes Pratyahara – Zurückziehen der Sinne. Darauf folgt DharanaKonzentration, DhyanaMeditation, Absorption, Samadhi – Überbewusstsein.

Pratyahara, das Zurückziehen der Sinne ist ein Teil der Meditation. Du setzt dich hin, Asana. Du regulierst deinen Atem, Pranayama. Dann machst du etwas, um deinen Geist, deine Sinne und deine Aufmerksamkeit nach innen zu ziehen. Da gibt es verschiedene Pratyahara-Übungen, z.B. Affirmationen, Gebet, Atembeobachtung, dir den Sinn und Zweck der Meditation vergegenwärtigen. All das ist Pratyahara. Danach folgt Dharana, die eigentliche Konzentration, die eigentliche Meditationstechnik. Dann folgt Dhyana und Dhyana ist dann das Hineinfallen in die tiefe Meditation, die in Samadhi, im Überbewusstsein mündet. Pratyahara ist also ein wichtiger Teil in der Meditation. Das Zurückziehen der Sinne und des Geistes, indem du etwas machst, was den Geist nach innen zieht und inspiriert.

Pratyahara ist auch eine Übung im Alltag. Wann immer du Wünsche hast, kannst du lernen, ihnen nicht zu folgen. Und anstatt dann frustriert durch die Gegend zu laufen, übst du Pratyahara, du ziehst deinen Geist nach innen, du spürst nach innen, du fühlst nach innen, du fühlst das Selbst oder du fühlst dein Mantra, du wiederholst den Atem usw. Also, anstatt jeder Sinneswahrnehmung zu folgen, anstatt jeder Emotion zu folgen, anstatt jedem Gedanken zu folgen, ziehst du dich einfach nach innen, von innen bekommst du Kraft.

In einem anderen Sinne ist Pratyahara auch die Tiefenentspannung. Wenn man im Hatha Yoga die Körperstellungen übt, dann sind das auch Asanas. Wenn du die Atemübungen übst, ist es Pranayama. Machst du die Tiefenentspannung, ist es auch eine Weise, nach innen zu gehen, den Sinnen nicht nach außen zu folgen, sondern im Hier und Jetzt sein und dabei die Ausdehnung des Bewusstseins zu spüren.

Pratyahara in der Meditation

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Übe Pratyahara im Alltag

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Fortgeschrittenes Pratyahara – Kurzvortrag mit Sukadev

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Yoga Sutra von Patanjali Kapitel 2, Vers 54 und 55

"Svavisayasamprayoge cittasvarupanukara ivendryanam pratyaharah
Tatah parama vasyatendriyanam"

Wenn die Sinne nicht in Kontakt mit den Objekten treten und gleichsam in die Natur des Geistes eingehen, entsteht Pratyahara - so entsteht die höchste Meisterschaft über die Sinne.

Swami Sivananda über Pratyahara

Übe Pratyahara!

Der yogische Aspirant sollte beginnen, Pratyahara zu praktizieren, nachdem er einigen Erfolg in der Praxis von Yama, Niyama, Asana, Pranayama erreicht hat. Pratyahara ist Abstraktion oder zurückziehen der Sinne von ihren Objekten. Die Sinne werden durch diese Praxis in Schach gehalten. Wahres inneres Erleben beginnt, wenn der Aspirant in dieser Praxis etabliert ist. Der yogische Aspirant, der sofort zur Meditationspraxis springt, ohne Abstraktion zu praktizieren, ist eine getäuschte Seele. Er wird bei der Kontemplation keinen Erfolg haben. Pratyahara hält die Tendenz der Sinne, sich nach außen zu orientieren, an. Es schaltet sozusagen die Sinne aus. Pratyahara folgt automatisch auf die Pranayamapraxis. Wenn die Lebenskraft durch die Regulierung oder das Anhalten des Atems kontrolliert wird, werden die Sinne ausgedünnt. Man lässt sie verhungern. Sie mergeln aus. Sie können jetzt nicht mehr fauchen, wenn sie mit den Objekten in Kontakt kommen. Pratyahara ist eine schwierige Disziplin. Es ist am Anfang abscheulich, aber später wird es sehr interessant. Du wirst enorme innere Stärke fühlen. Es verlangt beträchtliche Geduld und Ausdauer. Es wird dir gewaltige Kraft verleihen. Du wirst immense Willensstärke entwickeln. Im Laufe der Praxis werden die Sinne wie ein wilder Stier immer und immer wieder zu den Objekten stürmen. Du wirst sie wieder und wieder zurückziehen müssen und den Geist auf den Lakshaya oder Punkt fixieren. Ein Yogi, der in der Praxis des Pratyahara bewnandert ist, kann selbst auf einem Schlachtfeld, wo unzählige Maschinengewehre gefeuert werden, ruhig meditieren.

In der Praxis des Pratyahara musst du die nach außen gehenden Sinne immer und immer wieder von den Sinnesobjekten zurückziehen und den Geist auf deinen Lakshya oder einen bestimmten Punkt fixieren, so wie der Karrenführer die ungestümen Bullen immer wieder zurückzieht und diese am Joch anspannt. Du musst besonders darauf achten, die Sinne sanft zurückzuziehen. Einige Aspiranten ziehen sie vehement zurück. Das ist der Grund, warum sie manchmal ein wenig Kopfweh haben.

Du solltest das zurückziehen der Sinne nacheinander praktizieren, einen nach dem anderen, beginnend mit dem turbulentesten. Wenn du versuchst, alle Sinne auf einmal zu beeinflussen, wirst du versagen. Der Geist ist der Oberbefehlshaber. Die Sinne sind die Soldaten. Die Sinne können ohne die Kooperation des Geistes nichts tun. Wenn du den Geist von den Sinnen abkoppeln kannst, wird die Abstraktion der Sinne automatisch passieren.

Besitzt jemand intensives Vairagya, wird die Praxis des Pratyahara einfach sein. Leidenschaftslosigkeit ist der Feind der Sinne. Einige yogischen Aspiranten praktizieren Pratyahara für 2 oder 3 Jahre und haben dennoch keinen Erfolg. Der einfache Grund dafür ist, dass sie die Gelüste und schwelenden Wünsche noch nicht beseitigt haben. Sie haften sich an sinnliche Objekte. Unterscheidungskraft hilft stark dabei, mit Pratyahara erfolgreich zu sein.

Ein Bhakta oder Anhänger des Bhakti Yoga praktiziert kein Pratyahara. Er versucht in der Liebe Gottes zu versinken. Er versucht seinen Geist entweder auf seine Lotusfüße oder das anmutige Gesicht zu fixieren. Als Konsequenz wird er doch in Pratyahara etabliert. Ein Raja Yogi praktiziert Pratyahara freiwillig. Ein Jnana Yogi praktiziert kein Pratyahara, er versucht sich mit dem verborgenen Selbst in allen Objekten zu identifizieren, indem er deren Namen und Formen negiert.

Swami Sivanandas Tipps für die Entwicklung von Pratyahara

Auszüge aus dem Buch „Samadhi Yoga“ von Swami Sivananda

Chaos und Verwirrung existieren nur an der Oberfläche. Tauche tief in deine Mitte ein, indem du dich von den sinnlichen Objekten zurückziehst und nach innen schaust; du wirst vollkommene innere Stille finden und höchsten Frieden genießen. Das ist Pratyahara. Nichts kann dein Gleichgewicht, deine Seelenruhe stören. Die Rishis von einst lebten beständig in dieser Mitte und waren glücklich und voller Freude, trotz unterschiedlicher äußerer Unruhen. Nichts konnte sie aus ihrem geistigen Gleichgewicht bringen.

Bei der Übung von Pratyahara musst du die nach außen strebenden Sinne wieder und wieder von den sinnlich wahrnehmbaren Dingen abziehen und den Geist auf dein Lakshya, deinen festen Punkt, ausrichten, so wie ein Wagenlenker die ungestümen Ochsen im Zaum hält und sie ans Joch bindet. Du musst die Sinne sanft in die Spur ziehen. Manche Schüler zerren rüde an ihnen. Das ist der Grund dafür, warum sie manchmal Kopfschmerzen haben.

Der Geist ist der Oberbefehlshaber. Die Sinne sind die Soldaten. Die Sinne können ohne die Mithilfe des Geistes überhaupt nichts ausrichten. Die Sinne können nichts unabhängig selbst tun. Sie können nur mit dem Geist zusammenarbeiten. Wenn Du den Geist von den Sinnen trennen kannst, werden sich die Sinne automatisch zurückziehen, zum Pratyahara gelangen.

Ein Yogaschüler sollte Pratyahara üben, nachdem er schon einigen Erfolg beim Üben von Yama, Niyama, Asana und Pranayama erzielt hat. Pratyahara ist das Abziehen der Sinne von den Objekten, an die sie sich geheftet haben. Durch diese Übung werden die Sinne in Zaum gehalten. Ein Yogaschüler, der sofort auf die meditieren möchte, ohne vorher das Zurückziehen der Sinne geübt zu haben, ist ein närrischer Mensch. Er wird keinen Erfolg bei der Kontemplation haben. Pratyahara kontrolliert die Sinne und ihren Hang, nach außen zu streben. Er bremst, wie gesagt, die Sinne. Pratyahara folgt ganz automatisch der Pranayama-Praxis. Wenn die Lebenskraft durch Atemregulierung oder Atemanhalten kontrolliert wird, werden die Sinne ausgedünnt. Sie hungern zu Tode. Sie mergeln aus. Sie können nun nicht mehr fauchen, wenn sie in Kontakt mit den ihnen entsprechenden Dingen kommen.

Pratyahara ist wirklich eine herausfordernde Disziplin. Am Anfang ist sie einem zuwider, aber später wird sie sehr interessant. Man spürt die innere Stärke. Es verlangt einem viel Geduld und Ausdauer ab. Sie wird dir viel Kraft verleihen. Du wirst enorme Willensstärke entwickeln. Im Verlauf der Übung werden die Sinne immer und immer wieder wie wilde Stiere auf die Dinge zurennen. Du wirst sie wieder und wieder zurückholen müssen und den Geist auf das Lakshya, deinen Punkt, ausrichten. Ein Yogi, der Pratyahara meistert, kann ruhig meditieren, selbst wenn er sich mitten auf einem Schlachtfeld befindet und um ihn herum zahllose Maschinengewehre in endlosem Tosen feuern.

Am Besten übst du, die Indriyas eins nach dem anderen zurückzunehmen. Befasse dich zunächst mit dem wildesten Sinn. Übe Pratyahara zu Anfang mit diesem besonderen Sinn. Dann kannst du ein zweites Indriya hinzunehmen. Wenn du versuchst, alle Indriyas gleichzeitig zu kontrollieren, wirst Du keinen Erfolg haben. Es wird ein harter Kampf sein. Du wirst dich ziemlich erschöpft fühlen.

Teilerfolge bei Pratyahara reichen einem Yoga-Schüler nicht aus. Wenn Vairagya schwindet und man beim Üben nachlässig wird, können die Sinne wieder unruhig werden. Aus diesem Grund sagt Krishna zu Arjuna: „Oh Sohn der Kunti, die wilden Sinne selbst eines weisen Mannes, und mag er sich auch bemühen, sie zu kontrollieren, tragen ohne zu überlegen seinen Geist hinfort. Gleich einem Schiff, das von einem Sturm aufs Meer hinfort gerissen wird, reicht ein tobender Sinn, an den der Geist sich heftet, um die Intelligenz hinweg zu tragen. (Gita Kap. II-60-67).

Die Gemahlin des Weisen Tiruvalluvar hatte bemerkenswerte Meisterschaft in der Pratyahara-Praxis erlangt. Sie konnte einen Krug Wasser auf ihrem Kopf mitten durch eine große Menschenmenge tragen, ohne einen Tropfen zu verschütten. Wer Pratyahara beherrscht, kann sofort in dem Moment, in dem er sich in sein Bett legt, einschlafen. Napoleon konnte das, denn er war sehr geübt in Pratyahara.

Sukadeva war außerordentlich gut in Pratyahara. König Janaka wollte ihn in seinem Palast auf die Probe stellen. Janaka organisierte Musik und Tanzfeste um den ganzen Palast herum, um die Aufmerksamkeit von Sukadeva abzulenken. Es gab allerlei Vorführungen und Unterhaltung. Sukadeva sollte eine randvoll gefüllte Tasse Milch in seiner Hand um den Palast herum tragen. Er sollte drei Runden um den Palast gehen, ohne eine Tropfen zu Boden fallen zu lassen. Sukadeva erledigte die Aufgabe mit vollem Erfolg, denn er war in der Pratyahara-Praxis bestens bewandert. Nichts konnte seinen Geist ablenken.

Erfolg beim Pratyahara hängt von der Kraft vergangener Samskaras ab, die ein Yogaschüler besitzt. Wer Yama, Niyama, Asana, Pranayama und Pratyahara in vergangenen Leben schon bis zu einem gewissen Grad praktiziert hat, wird Pratyahara in diesem Leben in kurzer Zeit mit Erfolg umsetzen. Ein Anfänger, der in diesem Leben zum ersten Mal Yoga macht und keine Samskaras aus Vorleben für sich verbuchen kann, kann eventuell lange brauchen, um Pratyahara einschlägig in positiver Weise umzusetzen. Man kann anhand der eigenen Erfahrung und dem Maß des Erfolges bei der Yogapraxis in diesem Leben erfühlen, ob man ein Yoganeuling oder ein alter Yogaschüler oder Yoga Bhrashta ist.

Copyright Divine Life Society

Siehe auch

Literatur

Weblinks

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