Identifizieren

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Identifizieren Identifizieren als Quelle allen Leidens.

Identifizieren - erläutert vom Yoga Standpunkt aus

Identifizieren

Identifikation mit Gegenständen

Im Yoga wird gesagt, dass die Quelle von allem Leiden ist das Identifizieren mit dem, was du nicht bist. Das Identifizieren des Sehenden mit dem Instrument des Sehens, das Identifizieren des Handelnden mit dem Instrument des Handelns. Angenommen, du hättest einen Hammer und du würdest dich mit dem Hammer identifizieren und dann wachst du morgens auf und der Hammer ist weg. Vielleicht, weil jemand anderes den Hammer genommen hat, dann würdest du furchtbar lamentieren. Oder angenommen, du identifizierst dich mit deinem Auto und du kommst am Abend nach einem langen anstrengenden Tag zu deinem Auto und das Auto hat irgendwo einen Kratzer und du identifizierst dich damit, dann leidest du: „Oh mein armes Auto!“. Ich hoffe, dass du diese Art von Identifikation weniger hast.

Identifikation mit dem Körper

Aber Mensch kann sich auch identifizieren mit seinen Körper. Der Körper ist ein Instrument. Vor der Geburt warst du schon als Feinstoffwesen. Im Moment, in den zwei Schritten, wo der Körper im Mutterleib war, bis zur Geburt. Dort inkarnierst du dich auf dieser Erde. Du hast einen Körper, du wirst nicht zum Körper, so wenig, wie du zu deiner Kleidung wirst, wenn du sie morgen anziehst und so wenig, wie du zu deinem Auto wirst, nur weil du da morgens einsteigst und mit dem Auto durch die Gegend fährst. Das Identifizieren mit dem Körper führt zu so vielen Problemen, denn der Körper ist Alter, Krankheit, Tod unterworfen. Der Körper reagiert auf die Umwelt, erzeugt alles Mögliche. So ähnlich, wie ein Auto reagieren kann. Oder angenommen, du reitest auf einem Pferd: Dann wird auch das Pferd irgendwie seine Eigendynamik haben, aber du wirst deshalb nicht zum Pferd. Das Identifizieren mit dem Körper führt also zu Leid, weil der Körper der Vergänglichkeit unterworfen ist und der Probleme unterworfen ist.

Identifikation mit der Psyche

Auch das Identifizieren mit der Psyche führt zum Leid. Die Psyche hat Emotionen, die Psyche hat Wünsche, die Psyche hat Fähigkeiten und so weiter. Intuitiv weißt du: „Ich bin das unsterbliche Selbst!“. Du bist nicht zufrieden mit begrenztem Glück. Die Psyche kann nur begrenztes Glück erfahren. Du willst aber unendliches Glück erfahren, weil du intuitiv weißt: "Eigentlich wäre es richtig, dass ich unendliches Glück bin!". Der Körper ist beschränkt, aber im tiefen Inneren weißt du, dass du unendlich bist, dass du immer schon warst und immer sein wirst und dass du auch eigentlich mit Allem verbunden bist. Aber, wenn du dich identifizierst mit dem physischen Körper, bist du beschränkt. Dann versuchst du irgendwie mit mehr Geld und mehr Macht und Position irgendwo die Beschränktheit des physischen Körpers zu überwinden. Das klappt aber nicht wirklich. Es klappt teilweise und es klappt vorübergehend, aber es reicht dir nie aus.

Identifikation führt zur Begrenzung

Egal, wie bedeutsam früher Könige waren: Sie wollten immer mehr. Egal, wie machtvoll Diktatoren sind: Es reicht ihnen nie aus! Das Selbst ist unendlich und ewig. Es will nicht begrenzt sein. Aber wenn es sich anfängt, zu identifizieren mit dem Körper und der Psyche, fühlt es sich begrenzt und das führt zu Leiden. Und so sagt Patanjali: „Ursache des Leidens sind die fünf Kleshas.“

  • Das erste ist „Avidya“ – die Unwissenheit. Du weißt nicht, wer du bist, dass du nicht das unendliche Selbst bist.
  • Dann folgt „Asmita“ – das Identifizieren, das „ICH“-Gefühl, der „Ich“-Macher. Dann identifizierst du dich mit Körper, Psyche und mit Rollen in der Gesellschaft und Selbstbild und Fremdbild und so weiter.
  • Daraus entwickelst du „Raga“ und „Dwesha“ – Mögen und Nichtmögen
  • und schließlich „Abhinivesha“ Angst und letztlich Furcht vor dem Vergehen, dass das, mit dem du dich identifizierst, vergeht.

Höre auf zu identifizieren, meditiere, spüre in der Meditation dein reines Selbst, spüre die ruhende Stille in dir, das Bewusstsein an sich, welches alles beobachtet, unvergänglich ist, ewig, eins mit der Weltenseele. Das ist wahres Glück.

Video - Identifizieren

Hier ein Vortragsvideo mit dem Thema Identifizieren :

Autor/Sprecher: Sukadev Bretz, Gründer von Yoga Vidya, Seminarleiter zu den Themen Yoga und Meditation.

Identifizieren Audio Vortrag

Hier die Audiospur des oberen Videos zu Identifizieren :

Viveka Chudamani - Das Ego identifiziert sich mit dem Körper

Das Ego sieht sich selbst als etwas Besonderes

- Kommentar zum Viveka Chudamani Vers 104 von Sukadev Bretz -

Wisse, es ist das Ego, ahaṁkāraḥ, das Ich-Bewusstsein, das sich mit dem Körper identifiziert als Substanz Erfahrungen sammelt und in Verbindung mit den gunnars drei Zustände annimmt. Den Wachzustand, den Traumzustand und den Tiefschlafzustand.

Das Ego - Ahamkara existiert nicht wirklich

Ahamkarah, das Ego, sa - das, vijñeyaḥ - ist zu betrachten, kartā - als der Handelnde, bhokta - der Genießende, ābhimāny - als das was sich hält für. Das Ich-Bewusstsein denkt es handelt und sammelt Erfahrungen, es genießt und handelt. Es ist natürlich eine Illusion, denn das Ego, ahaṁkāraḥ existiert nicht wirklich. Es ist eine Reflexion von Atman. Es gibt das Bewusstsein. Wenn sich das Bewusstsein mit dem Körper identifiziert, denkt es, ich handle. Wenn es etwas wahrnimmt, denkt es, ich nehme wahr. Dann kommt dieses Ich-Gefühl. Ich nehme wahr. Ich als Körper handle. Ich als Psyche nehme wahr. Ayam, dieses, sattvādiguṇayogena, in Verbindung mit den drei Qualitäten der Gunas, wie sattva, Reinheit. Auch in Verbindung mit der Dreiheit der Bewusstseinszustand, Avastha. Wachen, Träumen und Tiefschlaf, so erfährt etwas.

Die Identifikation mit dem Instrument der Wahrnehmung

Das Ego ist äußerst komplex. Es gibt das reine Bewusstsein und dies nimmt etwas wahr. Die Identifikation des Bewusstseins mit dem Instrument der Wahrnehmung, das ist letztlich das Ego. Das Ego das sagt: Ich bin der Körper. Ich bin die Psyche. Ego ist zunächst die Identifikation mit dem Instrument. Dann geht das Ego weiter und identifiziert sich mit allem das mit dem Instrument in Verbindung steht. Mein Haus, mein Garten, meine Kinder, meine Arbeit, mein Chef, mein Volk, mein Fußball Club, mein Yogacenter. Das ist alles ahaṁkāra. Aber in Wahrheit bist du das unsterbliche Selbst.

Viveka Chudamani – Nur ein Tor identifiziert sich mit seinem Körper

Der Körper ist eine Ansammlung von Haut, Fleisch, Fett, Knochen und Kot, identifiziere dich nicht damit

- Kommentar zum Viveka Chudamani Vers 159 von Sukadev Bretz -

Shankara schreibt: Nur ein Tor identifiziert sich mit dieser Ansammlung von Haut, Fleisch, Fett, Knochen und Kot. Wer aber prüfend überlegt, erkennt seine eigenes wahres Wesen, verschieden vom Körper, als die höchste Wirklichkeit.

Du bist nicht der Körper

Er hämmert uns das geradezu ein. Die letzten Verse geht er immer um das Gleiche und ich will grade mal schauen, wie ist es im nächsten Vers? Auch die nächsten Verse geht es wieder darum, dass du nicht der Körper bist. Immer wieder will er uns das sagen.

Und du fragst: Will ich das wirklich immer wieder lesen? Ja, es ist gut das zu lesen und es ist jeden Tag gut sich das bewusst zu machen. Es reicht nicht aus es einmal zu hören und sich das nächste Mal wieder aufzuregen, wenn dein Körper einen [[Schmerz erzeugt. Oder einfach zu sagen: Aham Brahmasmi - aber wehe du bekommst eine [[Erkältung. Oder zu sagen: Sat Chit Ananda Svarupoham und wenn du ein Kilo mehr auf der Waage siehst, dann bist du verzweifelt.

Du bist die höchste Wirklichkeit

Du bist das unsterbliche Selbst. Beobachte öfter den Körper. Da ist die Haut, da ist Fleisch, da ist Fett, da sind Knochen und letztlich endet das alles in Kot.

Und auf gewisse Weise, isst du Nahrung und du transformierst die Nahrung in Kot und teilweise ist es vorübergehend dieser Körper. Das was du isst ist vorübergehend vielleicht ein schöner Körper, aber es endet alles in Kot und Urin und Schweiß und Haare und abgeschnittene Nägel.

Das ist das, was aus dem Körper wird. Bist du das? Nein, du bist es nicht. Du bist die höchste Wirklichkeit. Eins mit der höchsten Wirklichkeit. Sage dir das immer wieder.

Du könntest dir auch sagen: Auf der einen Seite spüre ich jetzt meinen Körper und er fühlt sich vielleicht gut oder schmerzhaft an. In der Tiefe meines Wesens bin ich Sein, Wissen und Glückseligkeit. Reine Freude.

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Siehe auch

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