Handelnde

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Was ist dein Motiv zu handeln?

Handelnde - Sattwig, rajasig und tamasig Handelnde. Wie unterscheiden sich sattwige, rajasige und tamasige Handelnde? Erfahre mehr darüber was Krishna im 18. Kapitel, ab Vers 26 dazu sagt, interpretiert von Sukadev.

Sattwige, rajasige und tamasige Handelnde

- Ein Vortrag von Sukadev Bretz 2020 -

Kommentar zum 18. Kapitel der Bhagavad Gita ab Vers 26 Krishna sagt:

muktasaṅgo ’nahaṃvādī dhṛtyutsāhasamanvitaḥ
siddhyasiddhyornirvikāraḥ kartā sāttvika ucyate

Ein Mensch, der ohne Verhaftung und ohne Ich-Gedanken handelt, der über Beständigkeit und Begeisterung verfügt und von Erfolg und Misserfolg unberührt bleibt, dieser wird sattwig genannt.

Ja, ab Vers 26 des 18. Kapitels geht es also darum: Wie sind die Handelnden an sich – welche Motivation haben sie? Und hier sagt er: Wenn man handelt ohne Verhaftung und Identifikation, ohne Ich-Gedanken, Ichbezogenheit, also Du tust, was getan werden muss, Du tust es als Instrument Gottes, Du spürst, Gott will durch Dich hindurch wirken, dann bist Du ohne Verhaftung]und ohne Ich-Gedanken.

Dabei braucht es aber auch Beständigkeit, das ist auch immer etwas, das man immer wieder dazufügen muss, denn manche Menschen, wenn sie verhaftungslos hören denken – wow toll ich bin verhaftungslos, wenn ich keine Lust mehr hab, hör ich halt auf. Nein, das heißt nicht verhaftungslos. Verhaftungslos heißt, nicht verantwortungslos etwas aufzugeben, nur weil Du keine Lust mehr hast, weil es unbequem wird, weil Du zuviel zu tun hast, weil Dir andere Wünsche kommen. Das ist alles Verantwortungslosigkeit, das ist tamasig. Also er sagt dort schon: Es braucht Dhriti – Beständigkeit.

Und was auch wichtig ist: Eine Karma Yoga Handlung ist aber auch mit Begeisterung. Auch hier gibt es manche Menschen, die sagen: Ich will ja nicht egobehaftet sein und deshalb sind sie nachlässig. Nein, er sagt: utsaha - das heißt: Mit Begeisterung. Also diese Begeisterung ist wichtig. Also ohne Verhaftung und ohne Ich-Bezogenheit und trotzdem mit Beständigkeit und Begeisterung.

Für einen Außenstehenden ist es eben nicht immer ganz leicht zu erkennen ob ein Mensch rajasig oder sattwig ist. Ich kannte ja einen großen Meister namens Swami Vishnu-devananda. Bei ihm konnte ich sehen, wenn er irgendwo eine Eingebung hatte. Da war eine Begeisterung dabei, da war eine Intensität dabei, da war eine Energie dabei und es schien so, als ob ihm das das allerwichtigste ist. Aber nachher, wenn etwas nicht ging konnte er auch loslassen.

Ich kann mich mal erinnern, 1987 hat er plötzlich die große Idee gehabt: Wir wollen von den Sivananda Yoga Vedanta Zentren eine große Menschenmenge in den Sivananda Ashram Rishikesh bringen, zur 100 Jahr Feier. Er hat uns irgendwie aufgefordert, wir sollen alle ein Flugzeug mieten, ein Charterflugzeug, das von jedem Zentrum aus so mindestens 100 bis 500 Menschen, bei den größeren sogar einen Jumbojet mieten, das alle dort hinkommen würden. Und er war begeistert und hatte uns motiviert und so weiter. Und dann mussten wir mit Reiseunternehmen sprechen und versuchen wie kann man all das chartern kann und so weiter. Gut und wir haben in den Zentren natürlich sehr viel Werbung gemacht und begeistert gesprochen, unser Meister will es und so weiter. Und es gab auch einige Zentren, die fanden das alle nur dumm und haben eben nichts gemacht, da hat Swami Vishnu auch geschimpft und gesagt: Wie könnt ihr das? Ihr müsst das jetzt machen, engagiert Euch und so weiter. Gut und dann haben wir uns alle bemüht und zum Schluss hat natürlich nicht jedes Zentrum ein Flugzeug voll gekriegt, wir haben dann auch kein Charterflugzeug gehabt, sondern aber es kamen dann doch irgendwie ich glaube vielleicht 100 Leute zusammen aus den verschiedenen Zentren die in den Sivananda Ashram Rishikesh gekommen sind. Und dann war es für Swami Vishnu auch gut und okay und er hat dann gesagt: Toll, dass ihr Euch so eingesetzt habt und toll, dass 100 Leute hingekommen sind, es waren dann zwar nicht die 1000 bis 2000, aber es war eine gewisse Menge.

Unverhaftet konnte ich immer wieder bei ihm feststellen. Ich konnte feststellen, er hatte schon eine Beständigkeit und hörte nicht beim ersten Hindernis auf, er hatte eine Intensität, er hatte eine Begeisterung, aber nachher konnte man doch merken – keine Verhaftung.

Und so sei ohne Verhaftung, ohne Identifikation aber trotzdem beständig, verlässlich und begeistert und dann sei nicht berührt von Erfolg und Misserfolg.

Vers 27:

Leidenschaftlich, gierig, nach dem Ertrag der Handlungen verlangend, gierig, grausam, unrein und getrieben von Freude und Sorge. Wer so handelt wird rajasig genannt.

Also, wann ist man rajasig? Wenn man irgendwo ragi ist, also raga wird ja oft mit leidenschaftlich übersetzt. Aber der Ausdruck leidenschaftlich trifft es jetzt nicht wirklich, auch wenn ich es hier jetzt schon stehengelassen habe in meiner Übersetzung, denn man könnte auch sagen, es gibt die sattwige Leidenschaft, also das heißt irgendwo, das Gefühl Gott will es durch mich bewirken und da ist eine Kraft, eine Inspiration und so weiter.

Aber hier, was er hier als ragi nimmt, also letztlich mit mögen, man mag etwas. Das will ich erreichen, das ist mein persönliches Ziel, das ist meine Sache, die ich erreichen will. Und ich sehe es mit einer gewissen Sorge, dass immer mehr Aspiranten heute fragen: Was will ich? Und das ist meins und die sagen mir: Das ist nicht mein Ding und so weiter. Also ich sehe, dass immer mehr Aspiranten und Aspirantinnen es nicht mehr darum geht sich vom Ego zu lösen, sondern sie retten letztlich das Ego in die Spiritualität indem sie überlegen, was will ich, was brauche ich, was ist mein Ding, wie kann ich mich gerecht verhalten? Das ist dann alles rajas in das tägliche Leben hineingebracht.

Krishna spricht hier davon über raga hinauszugehen. Wenn Du etwas aus Deinem persönlichen Mögen und Nichtmögen heraus willst ist es automatisch schon rajasig. Und dann willst Du natürlich auch den Ertrag bekommen. Du überlegst ständig:

  • Das will ich haben,
  • das brauche ich,
  • das steht mir zu,
  • das bin ich mir wert.

Das sind alles typische rajasige Motivationen. Gut und das führt dann natürlich auch zu Gier. Du wirst nie zufrieden sein mit dem was Du bekommst. Wenn der Wunsch das Motiv Deiner Handlungen war ist der Wunsch nicht erfüllt oder vorbei wenn Du das erreicht hast was Du willst. Gier will immer mehr. Es kann auch zu Grausamkeit führen. Das heißt ja Himsa admakaha. Auch bereit andere zu verletzen.

Sattwige Handlungen heißt, probieren so wenig Leid wie möglich anzurichten und immer zu überlegen auf dem Weg zu dem was zu tun ist wie kann ich das mit besonderem maitri, mit besonderem Mitgefühl machen? Wie kann ich besonders wenig Menschen verletzen? Währenddessen – die Gier geht auch über Leichen. Es ist das Jahr 2017 – Menschen gehen sehr grausam mit der Umwelt um. Sie handeln nicht so wie es für die Umwelt gut ist. Wenn sie irgendwie den Wunsch haben irgendwo ihren Urlaub zu verbringen, dann fahren sie dort hin. Überlegen nicht, welche Auswirkungen das auf den Planeten hat.

Wenn Menschen irgendwo Lust haben ein Steak zu essen, dann essen sie es. Sie kommen nicht auf die Idee zu überlegen: Ist es überhaupt angemessen heutzutage Fleisch zu essen?

Heute Morgen habe ich irgendwo so eine wissenschaftliche Studie gelesen, die gesagt hat: Der gesamte Planet könnte mit Biolandwirtschaft versorgt werden. Es ist vollkommen überflüssig mit diesem ganzen Insektenvertilgungsmittel, dem so genannten Pflanzenschutzmittel zu arbeiten. Wir bräuchten nicht all diese Überdüngung und so weiter. Zwei Dinge wären dafür nötig:

  • 1. sehr viel weniger Fleischverzehr
  • und 2. weniger Verschwendung von den zubereiteten Nahrungsmitteln.

All diese Umweltzerstörung die wir machen ist letztlich nur, weil Menschen nicht an die Konsequenzen ihrer Handlung denken und im Zweifelsfall grausam sind. Und man könnte jetzt noch endlos weiter fortfahren wie sehr Individuen zur Erfüllung ihrer Wünsche zur Grausamkeit bereit sind und nicht mit Verantwortungsbewusstsein handeln und natürlich noch mehr Wirtschaftsführer, Politiker und so weiter. Gut und dann getrieben von Vergnügen und Sorge.

Natürlich, wenn das Motiv Deines Handelns Wünsche sind dann bist Du natürlich mal voller Freude, dass das geschieht, was Du erreichen wolltest, Du hast Dein Ziel erreicht, Deine Wünsche erreicht aber dann kommen auch gleich wieder Sorgen: Nimmt mir das jemand weg und wie geht es weiter? Das alles ist rajasig.

Vers 28:

Unbeständig, vulgär, unbeugsam, betrügerisch, hinterlistig, faul, mutlos und zaudernd – wer so handelt wird tamasig genannt.

Also tamasig: unbeständig. Letztlich auch verantwortungslos. Das heißt: Mal machst Du’s - mal nicht, man kann nicht auf Dich bauen. Wenn Du etwas versprichst tust Du es nicht, ohne dass Du dreimal ermahnt wirst. Das ist tamasig. Natürlich auch vulgär, das heißt einfach mit einer Ausdrucksweise, die nicht richtig ist oder auch unbeugsam, Du beharrst auf dem was Du machen willst unabhängig davon, ob es hilfreich ist. Dann geht es natürlich auch ins unethische: betrügerisch und hinterlistig, das ist dann auch tamasig.

Also es gibt unterschiedliche Arten von tamas man könnte sagen:

  • Das eine tamas ist einfach unverlässlich, also nicht halten was Du versprichst und was Deine Aufgabe ist,
  • das zweite wäre sturköpfig und
  • das dritte wäre unethisch und
  • das vierte wäre jetzt einfach träge. Also faul, mutlos und zaudernd, das ist auch eine weitere Manifestation von tamas.

Also er erwähnt hier vier Manifestationen von tamas. Ja und jetzt kannst Du selbst mal ehrlich Rechenschaft über Dich selbst abgeben. Wann bist Du tamasig, wann bist Du rajasig, wann bist Du sattwig? Und nimm Dir vor weniger tamasig zu sein, weniger rajasig zu sein, sattwiger zu sein. So wirst Du glücklich sein. So wirst Du Gott erfahren und das ist das, was Du ja wirklich willst.

Video

Der Handelnde

Denk nach bevor du handelst

- Abschnitt aus dem Buch: Yoga der drei Energien von James Swartz -

Die guṇas zu verstehen, löst noch ein weiteres großes Problem: das des „Handelnden“. Wegen einer scheinbar unantastbaren Verbindung mit dem physischen Körper sieht jeder automatisch sich selbst als Handelnden. Der Handelnde hat nur eine Aufgabe: ein Genießer zu werden. Er handelt, um in den Genuss von Resultaten zu kommen, von denen er glaubt, dass sie ihn glücklich machen. Wenn du aber schon glücklich bist, handelst du freudig, nicht um Freude zu erlangen. Auf diese Weise sind die Resultate deiner Handlungen keine Stressquelle. Aber wenn etwas geschehen muss, damit du dich wohl fühlen kannst, hast du ein Problem, denn es besteht immer ein Abstand zwischen der Handlung und ihrem Ergebnis.

Sicher, du brauchst Luft, um dich wohlzufühlen, aber Luft ist immer vorhanden, sodass keine Angst mit dem Atmen verbunden ist, es sei denn, deine Lungen arbeiten nicht richtig. Wenn du aber Objekte möchtest, die rar sind – einen guten Job zum Beispiel – wird es schon schwieriger. Knappe Objekte sind tendenziell wertvoller, weil die Nachfrage nach ihnen das Angebot übersteigt. Wenn du ein relativ wertvolles Objekt brauchst, um dich glücklich zu fühlen, zum Beispiel einen schönen, reichen, gebildeten Mann mit einer Traumvilla in einer abgeschirmten Wohnanlage oder eine ebensolche Frau, dann wird dein Stress in direktem Verhältnis zur Knappheit des Objekts, zu deinen Mitteln, es zu erreichen, und zur Intensität deines Verlangens nach ihm stehen. Es gibt keine wirkliche Logik hinter dem Stress, denn das, was du erreichen willst, liegt ohnehin nicht in deiner Hand, vorausgesetzt, du hast das nötige dafür getan, um es zu erreichen. Aber es ist schmerzhaft, von dem getrennt zu sein, was du eigentlich willst, nämlich Zugang zu ungetrübter Freude, die dein Selbst ist.

Vielleicht erübrigt sich die Frage, aber wirst du nie müde, du selbst zu sein? Langweilen dich deine eigenen, immer gleichen Beschwerden, Rationalisierungen, Rechtfertigungen und Ausreden, um dein Selbstwertgefühl zu stärken, nicht zu Tode? Nein? Das sollten sie aber. Oder wenn sie es nicht tun, dann liebst du dich wahrscheinlich bedingungslos, was gut ist – oder du bist einfach nur hirntot. Fast jeder wünscht sich ein besseres oder anderes Ich zu sein, gerade weil es extrem ermüdend und oft schmerzhaft ist, ein Macher und ein Genießer zu sein. Manage die guṇas und du wirst jeden Tag als frisches neues Selbst aufwachen, denn du wirst wachsen und nicht wie eine Topfpflanze stagnieren. Deine Geschichte wird interessant und du wirst zu einer schillernden Persönlichkeit.

Kein Gefühl, ein Handelnder zu sein

Nicht Ich mache, sondern Gott wirkt durch mich hindurch

- Abschnitt aus dem Buch: Yoga der drei Energien von James Swartz -

Īśvara, die guṇas, machen alles. Freie Menschen haben nicht das Gefühl, dass sie etwas tun; sie beobachten unparteiisch, was passiert. Die Bhagavad-Gītā (4.18) sagt: „Derjenige, der im Handeln Nichthandeln sieht und im Nichthandeln Handeln, ist weise und hat alles getan, was zu tun ist.“

Eine selbstverwirklichte Person weiß, dass, wenn etwas in der scheinbaren Realität geschieht, das Selbst davon unberührt bleibt. Eine Person, die in einem haltenden Zug sitzt, der aus einer Richtung gekommen war, hat das Gefühl als würde ihr Zug sich weiterbewegen, wenn sich auf dem Nebengleis ein Zug in die entgegengesetzte Richtung bewegt. Selbstverwirklichung ist völlige Identifikation mit dem unveränderlichen, nicht erfahrenden Zeugen, nicht mit den Gedanken, die kommen und gehen. Aus Sicht des Bahnhofs ist nichts passiert. Das Gefühl „Ich tue“ wird durch die Überlagerung der Handlung auf das handlungslose Selbst verursacht. Das „Ich“ ist immer frei von Handlungen.

„Aktionslosigkeit in Aktion“: Ein Boot am Horizont, das sich schnell auf See fortbewegt, scheint für eine Person, die auf dem Pier steht und dem Boot nachblickt, unbeweglich zu sein. Obwohl scheinbar nichts passiert, geschieht etwas. Freiheit vom Handeln wird nicht durch Nichtstun erreicht, weil unser „Equipment“ ständig aktiv ist. Ein selbstverwirklichter Mensch ist so wie alle anderen in der Welt tätig. „Ich bin nicht der Handelnde“, bedeutet: „Ich bin grenzenloses, nichtduales Bewusstsein, frei von jeder Handlung.“ Es ist keine Aussage über Körper, Geist und Intellekt. Ein befreiter Mensch ist frei von der Notwendigkeit zu handeln, während er handelt. Die scheinbare Person ist eigentlich das Selbst und lebt in ihrem Körper anders als der Rest von uns. Es gibt kein Gefühl von Geschlecht. Er oder sie ist glücklich mit dem, was durch Zufall kommt und will nicht wie jeder andere sein.

Siehe auch

Literatur

Seminare

Yogalehrer Ausbildung

01.10.2021 - 08.10.2021 - Yogalehrer Ausbildung Intensivkurs Woche 2
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01.10.2021 - 08.10.2021 - Yogalehrer Ausbildung Intensivkurs Woche 3
Wie bringe ich als Yogalehrer meine Schüler in eine Yoga Stellung und korrigiere sie beim Yoga? In Woche 3 der Yogalehrer Ausbildung wird auch dies Thema sein. Woche 3 der 4-wöchigen Yogalehrer A…