Spirituelle Praxis

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Spirituelle Praxis ist jede Übung, die man macht, um sich mehr auf eine höhere Wirklichkeit einzustimmen. Spirituelle Praxis bedeutet, dass man bewusst daran arbeitet, die höhere Wirklichkeit zu erfahren und im Alltag bewusst zu machen.

Spirituelle Praxis in der Natur

Ebenen der spirituellen Praxis

Die 4 großen S

Eines der Grundkonzepte in den Lehren von Yoga Vidya sind die 4 großen S, also Sadhana, Satsang, Seva und Sattwa. Diese 4S machen die praktischen Tipps aus, wie man spirituell praktizieren sollte. Die 4 S machen Abhyasa aus, die spirituelle Praxis:

Es gibt verschiedene Ebenen der spirituellen Praxis:

4 S - Spirituelle-Praxis

Puja - spirituelle Praxis

- Ein Vortrag von Sukadev Bretz 2019 -

In dieser Lektion geht es um die vier wichtigen Aspekte von spiritueller Praxis, ein Vortrag im Rahmen der Yoga Vidya Schulung, ein Vortrag im Rahmen der Vortragsreihe ‚Spiritueller Weg‘, im Rahmen der Vorträge zu Vicharana, die spirituelle Entwicklungsstufe der bewussten spirituellen Praxis.

Die 4 S ist eines der Grundkonzepte, wie Yoga gelehrt wird, Yoga als spirituelles Übungssystem. Die 4 S sind die vier spirituellen Praktiken: Sadhana, Satsang, Sattva, Seva.

Diese 4 S formen einen Teil von Abhyasa – spiritueller Praxis. Mit Abhaysa wollen wir zu Brahman kommen, zum Göttlichen, wir wollen herauskommen aus Maya, der Illusion und der Täuschung des irrtümlichen Verständnisses. Wir wollen Duhkha, die Grundlagen des Leidens überwinden, zu Moksha kommen, zur Erleuchtung, zur Befreiung, zur Gottverwirklichung kommen. Wir wollen einen tieferen Sinn im Leben sehen, unsere Aufgaben erfüllen, auch von den Lernlektionen des Lebens lernen und wir vertrauen auf die Gnade Gottes. Bei all dem ist insbesondere Abhyasa wichtig, die eigenständige spirituelle Praxis. Was man selbst tun kann, um sein Leben spirituell auszurichten, wird in den 4 S praktisch zusammengefasst:

Sadhana, die spirituelle Praxis

Asanapraxis in Gemeinschaft in der Natur

Sadhana, als Teil von Abhyasa, besteht im engeren Sinne aus dem, was wir konkret tun, was eine bestimmte Zeit braucht, in der wir nichts anderes tun, als diese Praktiken. Dazu gehören in der Yoga Vidya Tradition, im ganzheitlichen Yoga:

Es gibt noch weitere wie:

aber für die meisten Menschen besteht ihr tägliches Sadhana auf dem Yoga Vidya Weg aus Asana, Pranayama, Meditation als Grundlage. Je nach Interesse und Zeit gibt es verschiedene Weisen, wie viel man üben kann. Hier drei Empfehlungen:

Sanfte Praxis

Übe jeden Tag etwas 5-15 min lang, was du gerne machst, wo du dich darauf freust, es zu tun, wo du eine gewisse tiefe Erfahrung hast, und wo du dich danach spirituell und gut fühlst. Praktiziere dann einmal pro Woche mehr und intensiver und tiefer.

Zum Beispiel gibt es Menschen, die jeden Tag 5-10 min. meditieren und einmal die Woche in eine Yogastunde gehen und für sich noch 20-30 min. Meditation praktizieren.

Oder es gibt Menschen, die täglich für sich eine Viertelstunde üben: eine Runde Kapalabhati, Sonnengruß und 5-10 min. Meditation, und einmal die Woche ins Yogazentrum gehen, an Yogastunde und Satsang hintereinander teilnehmen, und damit 3 h üben. Oder es gibt zum Beispiel die Möglichkeit sich einmal die Woche zu treffen mit intensiver Asana-Pranayama-Praxis und Meditation und Input mit Vorträgen, wie das zum Beispiel bei der 2-jährigen Yogalehrer Ausbildung umgesetzt wird, und zusätzlicher täglicher Praxis, also jeden Tag 5-15 min. und einmal die Woche intensiv praktizieren.

Du kannst dir überlegen, ob diese Kategorie für dich zutrifft, wenn du nicht zu viel Zeit hast und auch nicht zu involviert sein willst, und du kannst dir überlegen, welches deine Praktiken wären, die du täglich machen willst.

Mittlere Praxis

regelmäßige Meditation bringt dich in deine Mitte

Dies würde bedeuten, jeden Tag eine Stunde mit spirituellen Praktiken zu verbringen. Die Empfehlung für den Durchschnitts-Aspiranten, der vielleicht im Berufsleben, Familienleben steht, ist eine Stunde pro Tag mit Praktiken zu verbringen, zum Beispiel jeden Tag 20 min. meditieren und 40 min. Pranayama und Asanas. Weiterhin kann empfohlen werden einmal die Woche mehr und einmal die Woche etwas weniger zu praktizieren. Es kann sein, dass du dann einmal die Woche 90 min. Asanas und Pranayama machst, vielleicht 30 min. meditierst und außerdem noch Mantrasingen machst und einmal die Woche auf Asanas verzichtest oder die Asana-Pranayama-Praxis verkürzt.

Intensivere Praxis

Wechselatmung - reinigt und harmonisiert

Dies wird nicht für jeden zeitlich machbar sein. Wenn man berufstätig ist und Zeit für Beziehung, Familie braucht, wird es etwas schwierig. Aber wenn du aus verschiedenen Gründen nicht mehr beruflich tätig bist, vielleicht Rente oder vorübergehende Arbeitslosigkeit, oder du in keiner Beziehung bist oder wenn du im Ashram lebst, dann kannst du mehr üben, zum Beispiel als Sevaka im Ashram musst du nicht um Einkäufe und viele andere Dinge kümmern, vieles wird für dich gemacht. Dann würde man jeden Tag mindestens drei Stunden mit spirituellen Praktiken verbringen. Angenommen, du lebst in einem Ashram, der Satsang dauert mindestens eine Stunde, dann hast du noch 20 min. für eine zweite Meditation am Tag und 1,5 h für Asanas und Pranayama und 10 min. dafür vielleicht noch etwas Zusätzliches zu lesen. Dies kann auch anders verteilt werden. Ein ernsthafter Aspirant in einem Ashram kriegt das normalerweise hin.

Wenn du nicht in einem Ashram lebst, kannst du jeden Tag einmal eine halbe Stunde meditieren, ein zweites Mal 20 min. und dann vielleicht noch eine bis eine und eine viertel Stunde mit Asanas und Pranayama verbringen. Wenn du Zeit hast und die Motivation rentiert es sich, das entweder für eine Weile oder dauerhaft zu machen.

Satsang

Satsang - Zwei mal täglich in den Yoga Vidya Ashrams

Satsang heißt gemeinsame spirituelle Praxis und es gibt verschiedene Weisen des Satsangs. Zum einen könnte Satsang heißen einmal die Woche gemeinsam mit anderen zu praktizieren, zum Beispiel in einer Yogastunde, einer gemeinsamen Meditationsgruppe, für manche mag auch der sonntägliche Gottesdienst ihr Satsang sein.

Satsang im engeren Sinne heißt eine bestimmte Form der gemeinsamen spirituellen Praxis, wenn du dieser Yoga Vidya Schulungsreihe gefolgt bist, wurde da schon mehr über Satsang erwähnt. Wenn du mal in einem der Yoga Vidya Ashrams warst, hast du schon öfters an Satsangs teilgenommen. Zu diesen Satsangs gehört: Meditation, Jaya Ganesha, Kirtan- / Mantrasingen (1-3 weitere Kirtans), Vortrag oder Lesung, Om Tryambakam, Friedensgebete, Arati (Lichtritual).

Satsang hilft dabei sich mit anderen, dem Göttlichen, den Meistern zu verbinden. Regelmäßiger Satsang-Besuch hilft die Beziehung zu vertiefen und gibt neue Kraft für alle spirituellen Praktiken und je nachdem wo du bist, kannst du unterschiedlich häufig Satsang üben. Als Teil der Yoga-Vidya-Sevaka-Gemeinschaft wird dir empfohlen einmal täglich zum Satsang zu gehen. Wenn in der Nähe eines Yoga-Vidya-Zentrums lebst, könntest du dort in den Satsang gehen, die meisten Yoga Vidya Zentren haben einmal die Woche einen Satsang abends und viele haben jeden oder fast jeden Morgen Satsang. Wenn du an der 2-jährigen Yogalehrer Ausbildung teilnimmst, könnte dein wöchentlicher Kursabend dein Satsang sein und in diesem Rahmen hast du auch alle zwei Monate ein Wochenendseminar im Ashram, das auch mit formellem Satsang verbunden ist. Manche, die 4-5 mal im Jahr in einen Yoga Vidya Ashram gehen, haben dort intensiven Satsang.

Eine weitere Bedeutung des Wortes Satsang ist Verbindung mit der höheren Wahrheit über Selbststudium von Schriften. Das kann heißen, dass du aus einer Schrift eines selbstverwirklichten Meisters liest, wie Swami Sivananda, Ramana Maharshi, Anandamayi Ma oder Buddha. Es kann auch heißen, dass du aus einer der großen heiligen Schriften liest, bestimmte Teile der Bibel, des Korans, der Bhagavad Gita, den Yoga Sutras. Es kann auch heißen, dass du Internet-Videos anschaust, um auch Satsang zu haben. Auch die Beschäftigung mit diesem, vorliegenden Text, ist eine Art Satsang. Ebenso könntest du jeden Samstag von 20-22 Uhr den live im Internet übertragenen Yoga Vidya Satsang anschauen bzw. auf diese Satsang Videos zu anderen Zeiten zugreifen.

Sattva

Sattvige Ernährung für einen sattvigen Gemütszustand

Sattva heißt Reinheit. Sattva heißt alle Aspekte deines Lebens sattvig zu gestalten. Nahezu jeder Aspekt des Lebens kann

sein. Die Art, wie du sprichst- tamasig wäre Schimpfwörter oder Fäkalienausdrücke zu nutzen, das sollte man als spiritueller Aspirant nicht gebrauchen. Die Art zu sprechen kann auch rajasig sein: andere aufregen, unbedacht oder sattvig: liebevoll, freundlich, höflich. Deine Kleidung kann tamasig - dreckig, riechend, andere störend, rajasig - nicht angemessen, die Gefühle anderer verletzend, aufreizend oder sattvig - ökologisch, stimmig, erhebend sein. Dein Musikgeschmack kann sattvig, rajasig, tamasig sein.

Du verzichtest auf tamasige Dinge, die dich eher in die Dumpfheit hinein bringen und du kannst auf rajasige verzichten, die dich unruhig machen, und auf Sattviges Wert legen, das was dich erhebt. Wenn du überlegst, was sattvige, tamasige, rajasige Musik ist, ist es nicht nur das, was du magst oder nicht magst. Grundsätzlich kann man sagen: Musik, die von jemandem kommt, der die Gottverwirklichung erreicht hat, ist sattvig, Musik von jemandem, der drogensüchtig ist oder war und ein Leben geführt hat, was nicht von Gottesbewusstsein geprägt ist, ist vermutlich nicht so sattvig. Wobei es auch Menschen gibt, die vorübergehend in Gottesbewusstsein kommen, die wunderbar sattvige Musik komponieren können, aber im sonstigen Leben nicht so sattvig sind. Du kannst auch überlegen, welche Musik dir hilft, liebevoll, freundlich mit deinen Mitmenschen umzugehen, oder in einen meditativen Gemütszustand zu kommen.

Die Ernährung kann sattvig, rajasig, tamasig sein. Mache deine Ernährung sattvig. Deinen Lebensunterhalt kannst du auf sattvige, rajasige, tamasige Weise verdienen, deine Wohnung kannst du sattvig, rajasig, tamasig einrichten. Für all das wird es noch Vorträge geben.

Du kannst als Abhyasa immer überlegen ob dein Leben ausreichend sattvig ist und wo du es sattviger machen kannst. Das ist zu Anfang wichtig, aber es ist vielleicht auch wichtig für Menschen, die schon eine Weile auf dem spirituellen Weg sind, die es sich vielleicht irgendwie gemütlich gemacht haben und irgendwo ihre kleineren und größeren Schwächen akzeptieren und sagen: ‚So geht es irgendwo‘. Manchmal muss man schauen, es noch etwas sattviger zu gestalten.

Seva

Selbstloser Dienst zur Überwindung des Egos

Seva heißt Dienen, sein Leben so zu führen, dass man Gutes bewirkt. Seva-Einstellung heißt auch ein inneres Gebet: ‚Bitte zeige mir, was meine Aufgabe ist. Ich möchte engagiert sein, Gutes zu bewirken in dieser Welt. Ich möchte Gutes bewirken für meine Mitmenschen, Gutes bewirken für andere Geschöpfe und die Erde. Ich möchte mich in den Dienst Gottes stellen, den Dienst Gottes und der Meister. Ich möchte alles tun, dem widmen, anderen Gutes zu tun‘.

Es ist wichtig nicht nur für dich selbst zur Erleuchtung kommen zu wollen, sondern auch anderen zu helfen. Auch das hilft über das Ego hinaus zu wachsen, denn ansonsten wenn du nur die anderen Sachen übst, kann das sehr selbstbezogen sein und kann letztlich verhindern, dass du zur Erleuchtung kommst. Es braucht Seva, uneigennütziges Dienen, um von den Klauen des Egos wegzukommen. Und manchmal ist es sogar wichtig so viel Seva zu machen, dass du aus einer Bequemlichkeitszone heraus kommst und dass es ein echtes Opfer ist.

So gilt für Seva zum einen sein Leben so zu führen, dass du das auch dauerhaft durchhalten kannst, aber ab und zu mal über deine selbstgemachten Grenzen hinaus zu gehen und Gott durch dich wirken zu lassen.

Abschluss

Das Kunststück des spirituellen Weges ist alle 4 S zu beachten, alle vier zu gehen. Am Anfang geht man es schrittweise an, etwas praktizieren jeden Tag, Satsang, sich bemühen, das Leben schrittweise sattviger zu machen und schrittweise das was du tust in Seva umzuwandeln. Und im Laufe der Zeit gilt es dein Leben vollständig von diesen 4 S prägen zu lassen. Ausreichend spirituelle Praktiken, regelmäßig im Satsang zu sein, das ganze Leben weitestgehend sattvig ausrichten und alles, was du tust auch als Seva machen, als Dienst an anderen.

So kannst du davon ausgehen, dass deine Lebensumstände deiner spirituellen Entwicklung zuträglich sind, wenn du dann auf die Gnade Gottes vertraust, wird es dir gelingen, immer mehr über Maya hinaus zu wachsen, über Duhkha hinaus zu wachsen, immer mehr Erfahrungen von Brahman zu machen, was irgendwann zu Moksha führt.

Das waren die 4 großen S, es wird noch einen weiteren Vortrag in der Reihe ‚Der spirituelle Weg‘ als Teil der Yoga Vidya Schulung für alle Aspekte des Menschseins geben über die 5 Ks, das sind die Dinge, die dem Sattva am stärksten entgegenstehen und die man als spiritueller Aspirant vermeiden sollte. Alle Informationen auf den Yoga Vidya Internetseiten.

Videovortrag - 4S - Die spirituelle Praxis

In diesem Videovortrag gibt Sukadev dir Tipps über die 4S. Er zeigt dir ganz konkret, was du tun kannst, um dich spirituell zu entwickeln.

Videovortrag - Vicharana - bewusstes spirituelles Streben

Dieser Vortrag von Sukadev ist Teil der Vortragsreihe zu Vicharana, bewusstes spirituelles Streben. Vicharana ist eines der 7 Bhumikas. Die Vortragsreihe zu Vicharana wiederum ist Teil der Vortragsreihe zu „Spiritueller Weg“. Und dieser wiederum ist Teil der Vortragsreihe Yoga Vidya Schulung – Der ganzheitliche Yogaweg, in der du in Rund 90 Videovorträgen umfassende und weiterführenden Einblick in den ganzheitlichen Yogaweg bekommst.

Spirituelle Praxis und innerer Frieden als Basis für Selbsterkenntnis

Shankaracharya beschreibt die spirituelle Praxis als Hilfe zur Selbstverwirklichung

Der große Yogameister Shankaracharya sagt im 2. Vers des Atma Bodha:

`Ich verfasse dieses Atma Bodha, die Abhandlung über die Erkenntnis des Selbst, für die, die sich durch spirituelle Praxis gereinigt haben. Diese Menschen sind friedvoll und ruhig im Herzen und frei von Verlangen und sehnen sich nach Erlösung.´

Hier sagt Shankaracharya, dass spirituelle Praxis auf die Erkenntnis des Selbst vorbereitet, die Selbstverwirklichung.

Kommentar zu Atma Bodha von Sukadev Bretz

In dem nachfolgendem Video kommentiert Sukadev Bretz diesen Vers wie folgt:

Shankaracharya sagt, um Selbsterkenntnis zu erlangen, ist es erst einmal wichtig, spirituell zu praktizieren und jeden Tag Asanas und Pranayama zu üben, zu meditieren, Mantras zu rezitieren oder was auch immer die spirituelle Praxis sein mag. Der Geist muss gereinigt sein, um die Tiefen des Selbst zu erkennen und zu erfahren.

Denjenigen, die sich durch spirituelle Praxis gereinigt haben, stellt sich auch manchmal die Frage: Wie finde ich einen Guru oder spirituellen Lehrer? Manche Menschen denken, sie müssten dann vielleicht durch die Welt reisen. Manche denken, sie müssten im Internet nach Gurus suchen, oder man kann sicher auch nach den besten Gurus suchen. Man wird dort eine Reihe von Menschen finden, vielleicht gibt inzwischen auf Englisch eine Guru-Bewertungsseite, auf denen man Gurus bewerten kann. Dies funktioniert jetzt auf dem spirituellen Weg nicht, sondern man muss selbst praktizieren, nicht umsonst gibt es die Redewendung: Ist der Schüler bereit, ist der Lehrer nicht weit. Wenn du einen Guru suchst, dann praktiziere intensiv und richte dein Leben auf spirituelle Praktiken aus. Wenn du spirituelle Praktiken übst und dein Leben nach der Erkenntnis der Wahrheit ausrichtest, dann wird der Meister von alleine kommen. Dies kann auch in Gestalt eines Buches passieren, wenn du erst einmal weiter praktizierst und du wissen willst was ist wirklich, was unwirklich ist, dann wirst du von den Worten profitieren. Die großen spirituellen Schriften, egal ob Bibel, Bergpredigt, Bhagavad Gita oder auch die Atma Bodha, erschließen sich immer wieder neu, wenn man eine Weile praktiziert hat. Bei jedem Lesen lernt man neue Aspekte kennen. Aus diesem Grund ist es zunächst wichtig zu praktizieren und mein Tipp ist zu überdenken, wieviel Zeit du jeden Tag auf das Praktizieren verwendest. Mein Empfehlung: mindestens 20 Minuten meditieren, lies jeden Tag in einem Buch, als Beispiel die Atma Bodha, oder höre eine Hörsendung über spirituelle Schriften und praktiziere nach Möglichkeit Asanas, Pranayama und rezitiere Mantras oder was auch immer du an spirituellen Praktiken kennst und üben willst.

Innere Ruhe

Die zweite Qualifikation für einen Aspiranten der den Vedanta Weg gehen kann, ist schon eine gewisse innere Ruhe, Gelassenheit, zu haben. Wenn du sofort aufspringst, weil etwas nicht so läuft wie du es dir vorstellst oder ängstlich bist, wegen allem Möglichen, ist es schwierig von Vedanta zu profitiere. Es wäre dann klüger, erst einmal Asanas zu üben, Tiefenentspannung, regelmäßig zu meditieren oder Raja Yoga Techniken zu praktizieren. Lerne dich Selbst kennen und lerne deinen Geist etwas zu beruhigen. Du brauchst keine vollständige Ruhe des Geistes, jedoch eine gewisse Ruhe des Geistes. Es ist jedoch wichtig in der Ruhe zu bleiben, auch wenn Dinge nicht ganz so laufen, wie du es gerne hättest, weil Menschen dich kritisieren oder es irgendwie schwierig wird. Zusammenfassend bedeutet das zweite Kriterium, im friedvollen Herzen zu sein und ruhig und gelassen zu agieren. Und vielleicht kannst du auch überlegen, ob du heute oder morgen ganz besonders die Ruhe des Geistes praktizieren willst, die Ruhe im Herzen.

Freiheit von Gier und Verlangen

Die dritte Qualifikation von vier, die Shankara hier gibt, ist frei von Gier und Verlangen zu sein. Vairagya, also frei von Raga zu sein. Wenn du denkst du brauchst dieses und jenes, wird es auch wieder schwierig. Es gilt sich öfters bewusst zu machen: Was brauche ich wirklich, um glücklich zu sein? Bist du wirklich glücklich, wenn du das neuste Smartphone besitzt, die neuste Kleidung trägst, oder bist du glücklicher, wenn du das neuste Automodell fährst usw. Du solltest versuchen, dich von Raga zu lösen, auch wenn du hin und wieder nicht vollkommen sein musst. Jedoch gilt es sich immer mehr zu lösen. Wenn der Geist sagt: Ich will das unbedingt haben, das brauche ich, sollte man sich einen Moment nehmen und dem Geist danken, das er mir diesen Vorschlag macht. Ich werde noch darüber nachdenken, ob ich es mir wirklich kaufen will oder nicht, aber danke dir lieber Geist für diesen Vorschlag. Das ist eine Technik die ich gerne anwende und anderen empfehle. Kommen Wünsche sehe sie einfach als Handlungsempfehlungen mit Energie, das Unterbewusstsein gibt dir Empfehlungen, an die du jedoch nicht gebunden bist.

Oder auch Emotionen, die Shantam, die Ruhe des Geistes stören. Shankaracharya sagt hier, dass es wichtig ist, von der Ruhe des Geistes erfüllt zu sein. Wenn du merkst, da sind Emotionen, sei dir bewusst, das sind Emotionen, oft Informationen mit Energie. Du kannst deinem Unterbewusstsein auch dankbar für diese Informationen mit Energie sein. Als Beispiel kannst du dich ärgern, wenn dich jemand nicht richtig behandelt hat und dein Ärger ist verständlich. Jedoch sollte dich dies nicht in der Seele ergreifen und auch nicht im Herz. Du kannst dann sagen: Danke liebes Unterbewusstsein für diese Informationen, die du mit Energie versehen hast, um sich dann davon zu lösen. Wünsche kannst du als Handlungsempfehlung mit Energie verstehen und du sagst danke für diese Handlungsempfehlungen und kannst dich dann ruhig entscheiden.

Die Sehnsucht nach Befreiung

Und dann schließlich die Sehnsucht nach Befreiung, Mumukshutva. Mumukshu beschreibt jemanden, der sich nach Befreiung sehnt. Moksha bedeutet Befreiung von allem, von Identifikation, Verlangen, Gier, von Bindung usw. Dies ist die vierte Eigenschaft und die hilft. Shankaracharya sagt in einem anderen Werk auch: Du brauchst nicht alle Eigenschaften vollständig zu haben. Wenn du eine oder zwei Eigenschaften hast, ist dies schon eine gute Basis. Mumukshutva ist der intensive Wunsch nach Erlösung und der ist besonders wichtig. Denn angenommen, du weißt ich habe alle möglichen Verhaftungen, ich habe alle möglichen Emotionen, bin mir aber bewusst, dass dies nicht richtig ist und willst dich davon lösen. Indem Moment wo du das hast, spielt das andere nicht die große Rolle. Zusammenfassend sagt Shankaracharya hier: Die Unterweisung über die Erkenntnis des Selbst für Menschen die vier Eigenschaften haben. Das erste ist sie haben schon spirituell praktiziert. Das zweite sie haben einen gewissen Frieden im Herzen, eine gewisse Gelassenheit und können mit Emotionen gut umgehen. Das dritte beschreibt, unabhängig von Wünschen zu handeln, also nicht getrieben zu sein. Das vierte was einen antreibt, ist der Wunsch nach Befreiung. Wenn du diese vier Eigenschaften in einem gewissen Maße hast, oder mindestens zwei dieser vier bist du bereit für Atma Bodha. Du kannst dann sehr davon profitieren und vielleicht hast du nach dem Studium der 68 Verse, wirklich Atma Bodha erreicht und somit die Erkenntnis des Selbst.

Hier also die vier Tipps, die Shankara gibt um die Qualifikation zur Selbstverwirklichung zu erreichen:

  1. Spirituelle Praktiken
  2. Ruhe des Geistes
  3. Befreie dich von Mögen und Nichtmögen
  4. Denke nach über das Selbst

Beständigkeit in der spirituellen Praxis

Um Erfolg auf dem spirituellen Weg zu haben, braucht es Beständigkeit beim Üben, Ausdauer bei der spirituellen Praxis. Hierzu einige Anregungen und Inspirationen:

Mehr Infos findest du durch Klicken auf Englischsprachige Videos, Artikel und Bücher von Swami Chidananda

Spirituelle Praxis 4S – Quintessenz Video

Hier ein Vortrag zum Thema Spirituelle Praxis 4S – Quintessenz . Hier findest du die wichtigsten Yoga Vidya Lehren bzgl. der spirituellen Praxis zusammengefasst:


Siehe auch

Literatur

Seminare

Indische Schriften

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