Yoga der Hingabe

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Yoga der Hingabe ist eine deutsche Übersetzung des Begriffs Bhakti Yoga. Hingabe heißt Gottesliebe, Liebe zu Gott. Der Yoga der Hingabe ist ein Yoga , eine spirituelle Praxis. Durch verschiedene Übungen, Sadhana, und durch die Kultivierung von Gottesliebe im Alltag, wird die Hingabe immer weiter verstärkt, bis die Gegenwart Gottes immer stärker erfahrbar ist. Gott ist die Liebe - durch Hingabe wird diese Liebe erfahrbar. Mehr zum Yoga der Hingabe unter dem Hauptstichwort Bhakti Yoga.

Eine Puja ist ein Ritual der Hingabe zu Gott

Der Yoga der Hingabe ist ein besonders schöner und freudevoller. Gottesliebe, Hingabe zu Gott, führt schnell zur Gotteserfahrung. Erfahre mehr über die verschiedenen Bhakti Praktiken. Bekomme Tipps, wie du Hingabe, Gottesliebe, kultivieren kannst.

Yoga der Hingabe - Bhakti Yoga

Was ist Bhakti Yoga, der Yoga der Hingabe? Bhakti Yoga ist der Yoga der Gottesliebe. Im Bhakti Yoga geht es darum, die Beziehung, die du vielleicht hast oder auch entwickeln kannst zu Gott, zur Tiefe deiner Seele, zu einer höheren Wirklichkeit- wie auch immer du dies nennen willst.

Was ist für dich Gott?

Singen und Tanzen ist reine Hingabe

Du kannst dir überlegen, was ist für dich die höhere Wirklichkeit. Vielleicht nennst du sie Gott oder göttliche Mutter, höheres Selbst oder innere Stimme, kosmische Energie oder kosmische Intelligenz. Du kannst selbst überlegen, was für dich eine höhere Wirklichkeit ist.

Sprich wie in einem Gebet:

„Liebe kosmische Wirklichkeit, lieber Gott, liebe göttliche Mutter, liebe kosmische Intelligenz, liebes höheres Selbst ich möchte dich spüren, ich bitte dich um Führung. Lass mich dich erfahren in dieser Meditation.“

Sprich dies Gebet auf eine Weise, die für dich stimmig ist.

Du kannst auch ein Mantra verwenden in der Vorstellung, dass dies eine Anrufung an die höhere Wirklichkeit ist

  • Om Namah Shivaya, wörtlich Ehrerbietung an die Liebe und Güte
  • Om Namo Narayanaya, Ehrerbietung an die höhere Wirklichkeit, die in allen Wesen ist und sich um alle Wesen kümmert.
  • Om, Ausdruck ist der allumfassenden Wirklichkeit
  • Oder wenn du gerne einen weiblichen Aspekt verehrst und Gott als göttliche Mutter, oder als kosmische Energie, kosmische Intelligenz wiederholen willst, kannst du dreimal

Om Sri Durga Jay Namaha wiederholen

Wiederhole zunächst das Mantra in deinem Herzen. Wiederhole das Mantra und spüre tief in dein Herz hinein. Versuche zu spüren, ob du das Göttliche nun besonders spürst, als Freude, als Liebe, als Tiefe deiner Seele in deinem Herzen.

Lass nun für ein Augenblicke das Mantra wegfallen und in dieser wortlosen Stille in die Tiefe deines Herzens gehen. Spüre dort das Göttliche als Liebe und als Freude.

Bleibe nun entweder in dieser gedankenlosen, wortlosen Stille oder verwende das Mantra erneut und gehe dann in die Stille. Spüre das Göttliche mit oder ohne Mantra tief in deinem Herzen als Liebe als Freude, als Stimme der Tiefe deiner Seele.

Vertiefe langsam wieder den Atem, sprich innerlich ein Gebet wie: „Lieber Gott, liebe göttliche Wirklichkeit, lass mich dich spüren, bitte führe mich zeige mir was meine Aufgabe ist.“

Die 6 Hauptwege des Yoga

Bhakti Yoga, der Yoga der Gottesliebe, ist der Yoga der Hingabe. Du erinnerst dich es gibt 6 Hauptwege des Yoga:

  1. Jnana Yoga, Yoga des Wissens
  2. Raja Yoga, der königliche Yoga, der Yoga des Geistes der psychologische Yoga
  3. Kundalini Yoga, der Yoga der Energie, der Öffnung der Chakras, der Aktivierung deiner inneren Kräfte.
  4. Karma Yoga, den Yoga des uneigennützigen Dienens
  5. Hatha Yoga, den Yoga der Körperübungen haben wir in Form von Auflockerungsübungen und Atemübungen gemacht
  6. Bhakti Yoga, der Yoga der Hingabe, der Gottesverehrung

Gott ist nicht ein Bild

Für Baktiyoga ist Gottesverehrung etwas ganz Zentrales. Gott? Was ist Gott? Gott ist nicht wirklich in Worten beschreibbar, Gott ist erfahrbar durch Worte. Gott hat so viele verschiedene Namen. In der Jüdischen Bibel, im alten Testament der Bibel findest du den Satz: „Mache dir kein Bild von Gott und nenne seinen Namen nicht umsonst.“

Sich kein Bild von Gott zu machen heißt, sich keine zu konkrete Vorstellung von Gott zu machen. Was ist überhaupt Gott? Aber du kannst dir eine Vorstellung machen wie kann ich Gott überhaupt sehen? Wie kann ich Kontakt aufnehmen - mit Gott. Die Inder sehen das so: Weil Gott in Wahrheit ohne Form ist, weil Gott nicht Vorstellbar ist durch den Menschen, kann Gott durch jeden Menschen individuell wahrgenommen werden. Du kannst sagen die göttliche Mutter, göttlicher Vater, göttlicher Freund, du kannst zum lieben Gott sprechen oder „Oh kosmische Energie, kosmische Intelligenz“, du kannst sprechen zum höheren Selbst. Während ich diese Möglichkeiten aufzähle, überlegst du unter Umständen bereits: Wie könnte ich Gott nennen?

Gott wohnt auch in der Natur

Gott wohnt auch in der Natur

Manche sehen Gott am stärksten in der Natur. Wenn du spazieren gehst, den Himmel anschaust, nach oben blickst spürst du - da ist Etwas. Wenn du vor einem Baum stehen bleibst und diesen eine Weile ansiehst, von Herzen her zu dem Baum hin spürst, ja über diesen alten Baum spricht Gott zu mir. Oder wenn du einfach ruhig stehst und die Erde spürst, vielleicht noch die Erde berührst oder dich vor der Erde verneigst, den Kopf auf die Erde gibst, kannst du die Erde fühlen mit deinen Händen, deinem Herzen, über die Stirn, mit deinem ganzen Wesen. Dann kannst du sagen Mutter Erde, das ist nicht einfach Materie - da ist Liebe.

Wenn du etwas überlegst, was ist meine Beziehung zu Gott? Wie kann ich mir Gott vorstellen? Wie kann ich mir mir die höhere Wirklichkeit vorstellen? Dann wäre der nächste Schritt: Wie kann ich diese Beziehung vertiefen?

Die Beziehung zu Gott vertiefen

Bhaktiyoga ist wiederum ein Übungssystem um Einheit und Verbindung zu erfahren. Beim Bhaktiyoga findest Du Übungen, um einen Kontakt zu Gott her zu stellen oder zu vertiefen.Bhaktiyoga ist dabei religionsneutral. Es gibt eine göttliche Wirklichkeit, die sich auf die unterschiedlichsten Weisen ausdrückt (christlich, jüdisch, buddhistisch, hinduistisch, muslimisch u.a.) Vielleicht hast du einen christlichen Bezug zu Gott? Gott Vater, Jesus, heiliger Geist. Vielleicht hast du einen muslimischen Bezug zu Gott in Form von Allah? Vielleicht hast du einen religionsneutralen Zugang, vielleicht einen strengeren, vielleicht einen weiteren oder spielerischen Zugang zu Gott? Vom Standpunkt des Bhaktiyoga, ist das egal.

Die 9 Hauptbhaktipraktiken

  1. Shravana: Hören oder Lesen über Gott und die Heiligen
  2. Kirtana: spirituelles Singen
  3. Vandana: Verneigen
  4. Padasevana: Einen Altar haben, Symbole für Gott haben.
  5. Shravana: dich an Gott erinnern, Gott vergegenwärtigen
  6. Archana: Rituale zur Verehrung Gottes
  7. Dasya: Kultivierung des Gefühls Gottes Diener zu sein
  8. Sakhya: Kultivierung des Gefühls Freund Gottes zu sein
  9. Atma Nivedana: Vollkommene Hingabe an Gott

Shravana

Shravana: heißt Geschichten erzählen, hören, lesen, über verschieden Aspekte Gottes und seine Heiligen. Im Christentum z.B. die Bibel lesen. Das Wirken Gottes liest du im alten Testament, das Wirken von Jesus im neuen Testament. Du liest über seine Apostel, über die Propheten. Wenn du so liest, in einem spirituellen Buch, dann verbindest du dich mit Gott. Gerade im evangelischen Christentum ist das Lesen in der Bibel eine der wichtigsten Tugenden die die Religion fordert. Du kannst aber auch in indischen Schriften lesen oder im Koran, dem Talmud und natürlich auch über die Heiligen. Z.B. über die großen Yogameister, so wie Swami Sivanada. Oder es gibt Biografien wie die Biografie eines Yogis, Mutter Theresa, Krishnamurti, Sri Aurobindo oder die Mutter. Solche Biografien zu lesen das hilft dir Gott zu spüren und du merkst diese Menschen haben ihr Leben auf Gott ausgerichtet.

Kirtana

Kirtana: spirituelle Lieder singen, z.B. Mantra singen. Singe Mantras, höre ihnen zu, entweder über das Internet, über gute CD's und noch besser in dem du gemeinsam mit Anderen singst im Satsang, in einem Yogazentrum oder Ashram.


Vandana

Familiäre Liebe gehört auch zum Bhakti Yoga

Vandana: heißt sich zu verneigen. Ehrerbietung haben. Du kannst dich innerlich verneigen. In Indien grüßt man andere durch zusammengelegte Hände. Namaste, ich erweise dir meine Ehrerbietung oder Om Namah Shivaya: Ich Grüße die Liebe und Güte in dir. Sieh mehrmals am Tag Gott in seiner Schönheit. Sieh dir eine Blume an und übe daran Ehrerbietung. Du kannst dich verneigen, aber noch wichtiger du kannst diesen Bezug zu Gott wahrnehmen und so das Gefühl von Ehrerbietung in dir wachen lassen. Das macht das Leben, mystisch und magischer, rettet dich vom profanen Einerlei, gibt dir Schönheit und Freude. Das göttliche spüren mit Respekt. Die Wunder in der Schöpfung in jedem Menschen spüren. Vandana meint auch deinen Partner anzuschauen und diese Liebe zu spüren, dankbar zu sein. Vandana ist auch im Umgang mit deinem Kind geeignet. Freude, Liebe und Dankbarkeit für das Geschenk ein Kind aufziehen zu dürfen.

Padasevana

Padasevana: einen Altar zu haben mit Figuren oder Skulpturen die auch für Gott stehen. Gott kann auch gemütlich sein, er schenkt dir Vertrauen, er ist schon da und hat die Ruhe weg. Er hebt eine Hand und sagt: „Ich werde mich um Alles kümmern.“ Wie du den Altar aufbaust ist dir überlassen, ob mit Pflanzen, Edelsteinen, Kerzen... Egal was darauf steht, einen Altar zu haben den du verehren kannst ist eine gute Sache. Diesen auch zu pflegen mit Kerze, Räucherwerk oder frischen Blumen. Dies hilft dir ein Gefühl der göttlichen Gegenwart zu ermöglichen.

Padasevana bedeutet einen Altar zu haben und diesen auch zu pflegen

Shravana

Shravana: Erinnern. Alle Techniken des Bhaktiyoga helfen dir dich zu erinnern, es heißt auch ein Gebet zu sprechen. Ein einfaches Gebet ist: „Gott, wenn es dich gibt, lass mich dich erfahren; lass mich dich spüren; wenn es dich gibt, so würde ich dir Folgendes sagen; wenn es dich gibt dann bitte ich dich mich zu führen.“ Auch wenn du bisher nicht an Gott glaubst, so kannst du den Versuch machen, in so fern für dich die Option besteht, dass es Ihn/Sie/Es doch geben sollte, in Kontakt zu treten. Sage ihm Ihr was du auf dem Herzen hast, bitte darum dass Er/Sie dir zeigt, was zu tun ist. Oder bedanke dich für etwas bei Gott.

Archana

Archana: Rituelle Gottesverehrung. Rituale gibt es in den verschiedensten Religionen und auch religionsübergreifend. Im Christentum gibt es den Gottesdienst. Im hinduistisch geprägten Bhaktiyoga gibt es die Lichtzeremonie das Arati, es gibt Pujas, Homas, Feuerrituale und andere Rituale. Du kannst auch dein eigenes Ritual entwickeln und dies pflegen zum aufwachen oder zum zu Bett gehen.

Dasya

Dasya: Das Gefühl zu kultivieren Gottes Diener zu sein. Überantworte Gott dein Tun. „Was auch immer ich heute tue, ich tue es in deinem Namen. Zeige mir dein Licht und deine Wahrheit so das sie mich leiten. Bitte leite mich an dem heutigen Tag, es sei dir gewidmet.“Wann immer du etwas neues ausprobierst sage: „Was auch immer ich jetzt tue, ich tue es für dich.“ Abends: „Was immer ich getan habe ich habe es für dich getan. Ich bringe es dir dar.“ Wenn ich einen Fehler gemacht habe: „Bitte vervollständige es, ich bringe es dir dar.“

Sakhaya

Sakhya: Freundschaft zu Gott erfahren. Mit einem Freund bist du vertraut. Zu Gott kannst du eine freundschaftliche Gegenwart aufbauen, kannst dich von Gott umarmt fühlen. Du kannst dich danach sehnen Gottes Gegenwart zu spüren. Du bist nicht allein da ist immer Jemand da, du kannst dich an ihn wenden du kannst zu ihm sprechen, du kannst spüren er spricht zu dir. Du kannst dir bewusst werden die Ereignisse die kommen, Menschen die kommen, alles ist eine Manifestation Gottes.

Atma Nivedana

Atma Nivedana: Vollkommene Hingabe an Gott. Vollkommene Darbringung deiner Selbst an Gott. Das Selbst darbringen. „Alles was ich bin habe ich von dir, alles was ich tue tue ich für dich; alles was ich habe habe ich von dir; alles was ich bin bin ich in dir; letztlich: ich bin du. Du manifestierst dich in jedem Ereignis in jeder Aufgabe.“ Schließlich spürst du Gott überall. In dir außerhalb von dir Überall. Atma Nivedana: vollkommene Hingabe, vollkommenes Verschmelzen.

Entwickle einen Bezug zu Gott

Nach diesen ganzen Informationen zum Bhakti Yoga kann es sein, dass du im Herzen tief berührt bist, oder aber auch wenig damit anfangen kannst. Wenn du wenig Bezug zu Gott hast, kann es für dich eine Erklärung sein, was Gott für andere Menschen bedeutet. Vielleicht möchtest du es auch ausprobieren. Übe in der nächsten Woche die Meditation vom Anfang und du kannst überlegen wie ist meine Beziehung zu Gott. Wie ist sie als Kind gewesen hat sich durch was wie verändert? War sie schon einmal tiefer? Du kannst überlegen, ob du die Beziehung zu Gott durch eine dieser Bhakti Praktiken wieder vertiefen möchtest. Sei es über Gebet, Staunen, Ehrerbietung erweisen zu allem was großartig ist, durch Innehalten und durch Gott spüren. Gott spüren als Freude in dir, als deine Umgebung und in anderen Menschen. Ich wünsche dir dafür alles Gute, Erfahrungen von Liebe und Freude, Erfahrungen der Nähe Gottes.

Video und Audio: Yoga der Hingabe - Bhakti Yoga

Hier ein Videovortrag von und mit Sukadev Bretz zum Thema Yoga der Hingabe - Bhakti Yoga:

Dieser Vortrag ist ein Auszug aus dem 9. Kursvideo des 10wöchigen Video Meditationskurses für Anfänger.

Audiovortrag zum Thema Yoga der Hingabe - Bhakti Yoga

Hier die Tonspur des oberen Vortrags:

Die fünf Stufen der Hingabe

Die Streichhölzer geben sich dem Feuer hin

- Abschnitt aus dem Buch: Yoga der Liebe von James Swartz -

Diese Zusammenfassung des zwölften Kapitels der „Bhagavad-gītā“ entfaltet für uns die fünf Stufen der Liebe, die in Befreiung münden. Sie ist vergleichbar mit dem ersten Kapitel des „Nārada-bhakti-sūtra“.

Liebe regiert die Welt

Unsere Anstrengungen, Objekte zu bekommen, basieren auf dem Wunsch, das Selbst zufriedenzustellen. Wir wollen uns zufrieden stellen, weil wir uns selbst lieben. Weil die Realität nondual ist, sind Wissen und Liebe eins. Doch es hält sich hartnäckig eine ignorante Vorstellung in der spirituellen Welt, die sagt, dass Wissen nichts mit Liebe zu tun hat. Doch so wie Zeit und Raum zwei verschiedene Möglichkeiten sind, die Entfernung von einem Objekt zum nächsten zu messen, sind Wissen und Liebe zwei miteinander verbundene Wege, um die Entfernung von oder die Nähe zum eigenen Selbst zu messen.

Stufe 1: Um Dinge bitten (sakāma-bhāva)10

Karma-yoga ist Liebes-yoga, weil er ein weltliches Leben in ein spirituelles Leben verwandelt. Ich praktiziere ihn, weil ich einen ruhigen Geist liebe. Ich liebe einen ruhigen Geist, weil Unterscheidungsfähigkeit, die für Freiheit zwingend notwendig ist, nur dann funktioniert, wenn der Geist klar ist. Unterscheidungsfähigkeit offenbart die immer freie Liebe, die ich bin. Freiheit ist bedingungslose Selbstliebe.

Auf dieser Stufe nutzt der bhakta anfänglich īśvara als Allzweckmittel und überträgt ihm eine Vielzahl an Aufgaben. Er wälzt seine Probleme auf īśvara ab und am liebsten wäre es ihm, wenn īśvara auch noch ein paar Wunder drüberstreut. Gegen die Wundergläubigkeit auf dieser Stufe hat vedānta nichts einzuwenden, doch bhaktas müssen sich so schnell wie möglich aus diesem Geisteszustand herausentwickeln. Wunder machen den bhakta nicht zu etwas spirituell Besonderen, da Wunder ausschließlich durch īśvaras Gnade geschehen. Vedānta transzendiert Wunder und Mystizismus. Er belegt die Aussage, dass du die Autorität bist, die jede Erfahrung bewertet. Welches Wunder – eigentlich handelt es sich um eine Tatsache – könnte größer sein als dieses?

Jedenfalls verlangt karma-yoga von uns, unsere Ärgernisse und Enttäuschungen als ein Geschenk Gottes anzunehmen, was sehr schwierig ist, wenn die Hingabe ichbezogen ist. Auf dieser Stufe bittet und jammert der sich Hingebende wie ein Kind: „Ich brauche ein neues Dieses und ein neues Jenes.“ Oder ein geschäftlich orientierter bhakta wird Versprechungen machen: „Ich werde deinen heiligen Namen tausendmal wiederholen, wenn du dich darum kümmerst, dass mein Sohn seine Aufnahmeprüfung zur Hochschule besteht.“ Es ist keine besonders noble Form der Hingabe, aber sie zeigt einen rudimentären Wunsch, sich mit Gott zu verbinden; irgendwo müssen wir anfangen. Die Dinge Gottes zu lieben, beseitigt nicht Angst und Depression. Doch zumindest ist ein grundlegendes Verständnis dafür vorhanden, dass Gott – das Feld der Existenz – verantwortlich ist, wünschenswerte Objekte zu liefern und es ist ein zaghafter Versuch, Gottes Willen zu akzeptieren.

Auf dieser Stufe, die in den purāṇas häufig empfohlen wird, kann es sein, dass der bhakta einfach mechanisch den von ihr oder ihm am meisten geliebten Namen Gottes wiederholt, ohne zu verstehen, zu wem sie oder er spricht. Oder eine Person könnte glauben, dass die Umrundung eines heiligen Berges in einer Vollmondnacht oder eine Million Wiederholungen eines speziellen mantras ausreicht, um Befreiung zu erlangen. Tatsächlich, obwohl es die niedrigste Form der Hingabe ist, wird sie im letzten Vers des zwölften Kapitels der „Bhagavad-gītā“ als die höchste Form gepriesen, um Anfänger zu ermuntern. Der Ausweg aus diesem Stadium besteht darin, für das Wohlergehen anderer zu beten.

Stufe 2: Ein Nährboden für Heilige (niṣkāma-bhakti)11

Auf dieser Stufe ist das Bitten um weltliche Dinge nicht erlaubt, nur Gebete, um den Mut und die Kraft zu haben, positive und negative Ergebnisse gleichermaßen als Geschenk īśvaras annehmen zu können, das heißt das Gesetz von karma akzeptieren zu können. Der bhakta ist auf keine bestimmte Erfahrung aus. Wünsche sind zwar da, aber diese Wünsche gelten einzig dem friedlichen Geist. Diese Stufe bereinigt Vorlieben und Abneigungen, weil man das annimmt, was īśvara, die gegebene Situation, von einem verlangt. Der bhakta hört auf, Gott wie einen Problemlöser zu behandeln, nimmt sein karma an wie ein Mann und hört außerdem auf, Gott die Schuld für sein schlechtes karma zu geben.

„Selbstloses“ Dienen

Natürlich ist aus der nondualen Perspektive jede Handlung ein Dienst des Selbst an sich selbst. Doch auf der zweiten karma-yoga-Stufe versucht der extrovertierte bhakta seine Selbstbezogenheit zu bereinigen, indem er Gott bittet, anderen zu helfen, nicht ihm selbst. Auf dieser Stufe werden Heilige geboren. Der Welt zu dienen ist ebenso gut wie Gott zu dienen, denn die Welt ist Gott. Es ist kein einfaches Stadium, denn der sich Hingebende betet um die Kraft, weltlichen Begierden zu widerstehen. Auf der ersten Stufe hast du vielleicht erkannt, dass das Begehren von Objekten nicht gesund ist, aber du hängst immer noch an ihnen. Gleichzeitig weißt du, dass du für die Selbsterkenntnis ein reines Herz benötigst.

Bhaktas, die sich in diesem Stadium befinden, arbeiten häufig in Klöstern, Kirchen und Tempeln und üben eine rudimentäre Form von karma-yoga, ohne die Nuancen seiner Logik zu verstehen. Da das karma, welches sie ausüben, anderen gilt, sammeln sie selbst keine vāsanās (Wünsche) – außer der vāsanā des Dienens, die genauso bindend sein kann wie jede andere vāsanā. Die meisten großen spirituellen und religiösen Organisationen sind auf den Rücken dieser Art von bhaktas gebaut. Sie glauben, wenn all ihr karma durch ihr Handeln verbrannt ist, wird Erleuchtung sich von selbst einstellen. An der Küchenwand eines sehr wohlhabenden āśramas habe ich folgenden Hinweis gelesen: „Eine Stunde Geschirrwaschen verbrennt das karma eines ganzen Lebens!“ Sie verstehen nicht, dass eine Handlung nicht die Unwissenheit verbrennen kann und dass mokṣa den Handelnden im Feuer der Selbsterkenntnis verbrennt.

Stufe 3: Meine persönliche Gottheit (iṣṭa-devatā-abhyāsa)12

Innere Arbeit – Meditation

Die einzelnen Stufen des karma-yoga verwandeln einen extrovertierten in einen introvertierten Geist. In der Meditationsphase finden eine stufenweise Verringerung weltlicher Aktivitäten und eine Verstärkung bewusster mentaler Aktivität statt, die auf das Selbst gerichtet ist.

Das Ziel des spirituellen Lebens ist es, Gott, das Selbst, in allem zu sehen. Eine nonduale Vision, die auf nonduale Liebe hinausläuft, verlangt jedoch einen stark verfeinerten Geist. Auf dieser Stufe ist der Geist des bhakta noch nicht ausreichend geöffnet, um dieses Sehen zu erlangen, also verehrt er oder sie ein spezielles Symbol Gottes, welches für das Ganze steht, eine iṣṭa-devatā.

Weil sich die Gedanken jetzt Symbolen des Selbst zuwenden und Symbole die Gottheit anrufen, auf die sie verweisen, in diesem Fall īśvara – erinnere dich, īśvara ist nonduale Liebe (parama-premā) –, erfährt der bhakta nun eine Liebe, die sich nicht auf Objekte oder Ereignisse bezieht. Auf dieser Stufe verbindet sich der bhakta mit īśvara und stärkt seine Beziehung zu ihm. Er ist nicht mehr von Liebesbeziehungen, wie Familie und Freunden, abhängig, sondern wendet sich īśvara zu, um emotionale Unterstützung zu erhalten. Dieses Stadium beseitigt Furcht.

Es ist in Ordnung das zu tun, da in Wirklichkeit kein Objekt vom Ganzen getrennt ist, obwohl es den Anschein hat. Das zehnte Kapitel der „Bhagavad-gītā“ zählt eine Reihe besonders außergewöhnlicher, schöner und ehrfurchtgebietender Manifestationen Gottes auf, die einem Verehrung und Anbetung leicht machen: die Sonne, den Himālaya, große Heilige, prachtvolle Tiere, die Brillanz eines brillanten Geistes, übernatürliche menschliche Schönheit etc. Man muss nur an die Objekte denken, die den eigenen Geist erfreuen (zum Beispiel den Nachthimmel) und gewissenhaft über ihren Ursprung nachdenken. Wie der Name für diese Art der Anbetung andeutet, hängt die Hingabe mit dem persönlichen Geschmack zusammen, also gibt es immer noch Vorlieben und Abneigungen. Mentale und körperliche Handlungen und deren Ergebnisse werden der eigenen Gottheit gewidmet – Jesus Christus, Maria (Mutter Gottes), Allāh, Kṛṣṇa, Śiva, Engeln etc.

Stufe 4: Verehrung von allem (virāṭ-svarūpā)13

Diese vorletzte Stufe erweitert und reinigt den Geist. Sie beseitigt Eifersucht, Hass, Besitzgier etc. Nach wie vor ist auf dieser Stufe Dualität vorhanden, doch die „Person“, mit der man in Verbindung steht, ist ein Wesen, welches als alles erscheint.

Die Göttlichkeit in ganz bestimmten Objekten zu sehen, die unsere Liebe zu Gott verstärken, ist gut und schön, aber das Ziel ist es, das Göttliche in allen Objekten zu sehen. Auf dieser Stufe muss der sich Hingebende in jedes Objekt eindringen, das in seinem Bewusstsein erscheint, bis er sein eigenes innerstes Selbst darin erstrahlen sieht.

Das elfte Kapitel der „Bhagavad-gītā“ stellt das Selbst in seinem kreativen Aspekt als eine kosmische universelle Person dar, als jemanden, der sowohl wundervoll als auch furchterregend ist. Die Idee dahinter ist die, dass der/die bhakta die hässlichen, zornigen, furchtsamen Seiten seines/ihres Selbst lieben lernt und das Böse in der Welt als eine unausweichliche Konsequenz der Selbstignoranz akzeptieren kann. Es ist leicht, die eigenen heiligen Anteile zu lieben; mit den dunklen Seiten haben wir schon mehr Schwierigkeiten. Solange im Geist des bhakta Unterschiede bestehen, ist seine Liebe bedingt.

Emotionale Auswirkungen der Vision des Ganzen

Der Zweck dieser Vision besteht darin, ein Gefühl der Ehrfurcht und Liebe für alles zu erzeugen, weil alles nichts anderes ist als das Selbst des sich Hingebenden, des bhakta. Alles als sich selbst zu sehen erzeugt großes Staunen: Wie kann eine Sache und ihr Gegenteil ich sein? Das erzeugt auch Angst, weil es das Akzeptieren unvermeidbarer Verluste der Liebesobjekte einschließt, die fester Bestandteil des Lebens sind. Die Vision ist dann vollständig, wenn der bhakta seine Ängste überwunden und freudig den unausweichlichen Tod aller Objekte akzeptiert hat.

Auf dieser Stufe ist für den bhakta jede Handlung eine Huldigung Gottes. Er kümmert sich nicht um die Ergebnisse von Handlungen, weil sein Hauptziel darin besteht, auf der letzten Stufe anzukommen.

Stufe 5: Die Frucht der Hingabe (Nondualität)14

Auf dieser Stufe erkennt der bhakta, dass īśvara und jīva identisch sind, womit die Beziehung zwischen dem Individuum und der Welt zerstört wird. Du bist ich und ich bin du. Alles ist ich. Ich bin Liebe.

Erleuchtete bhaktas sind frei von mentalen und emotionalen Ereignissen. Sie können die Wünsche anderer erfüllen, weil sie keine Gegenleistung erwarten. Sie sind hier, um zu dienen, sind emotional tolerant und lehnen diejenigen nicht ab, die sich nicht ihren Werten anpassen. Sie sind frei von Besitzgier weil sie verstehen, dass alles īśvara gehört und sie lassen sich nicht von māyās Schönheit, Vielseitigkeit und Originalität betören. Sie sind frei von Arroganz, Stolz, Überheblichkeit und Konkurrenzdenken, und kommen mit jedem klar und jeder kommt mir ihnen klar, weil sie eine strahlende, mitfühlende Persönlichkeit besitzen. Alles, was sie tun, wertet das Leben auf.

Um es zusammenzufassen: es gibt zwei Ebenen von karma-yoga, zwei Ebenen von upāsana-yoga und eine Ebene von jñāna-yoga. Diese fünf zusammen ergeben den yoga der Hingabe.

Bhakti Yoga

Hingabe ist Gottesliebe

- Ein Beitrag aus dem Yoga Vidya Journal Nr. 39, II/2019 von Sukadev Bretz -

Bhakti Yoga ist der Yoga der Hingabe, der Yoga der Gottesverehrung. Bhakti bedeutet Hingabe. Bhakti ist Gottesliebe. Yoga heißt Einheit, Vereinigung. Bhakti Yoga heißt Einheit durch Gottesliebe.

Bhakti Yoga ist sowohl der Zustand der Einheit und Gottesliebe als auch der Weg, um dort hinzukommen. Durch verschiedene Praktiken kannst du Gott erfahren. Im Bhagavatam, einer der wichtigsten Schriften über Bhakti Yoga, werden die neun Bhakti Techniken erläutert.

Die neun Formen von Bhakti:

1. Zum ersten haben wir Shravana, das Hören von Erzählungen über Gott und seine Heiligen.
2. Die zweite Form ist Kirtana (Singen). Wir preisen und loben Gott vom Herzen her. Das Singen spiritueller Lieder gibt es in allen religiösen Traditionen. Spirituelle Lieder öffnen das Herz und machen Gott erfahrbar, spürbar.
3. Als nächstes gibt es Smarana, sich erinnern. Du erinnerst dich an die göttliche Gegenwart und rufst die göttliche Gegenwart immer wieder wach, sei es, über ein Mantra, sei es, über das Betrachten von Schönheit, sei es über Symbole, die für dich Gott symbolisieren.
4. Die vierte Form ist Vandana, das heißt verneigen. Verneige dich vor Gott, erweise Gott deine Ehrerbietung. In Indien macht man das durchaus äußerlich. Es ist üblich, dass ein spiritueller Mensch sich immer wieder verneigt, verneigt vor ehrwürdigen Menschen, vor einem Baum, vor einem Berg, vor einem Fluss. Du kannst äußeres Verneigen üben, oder das innere Verneigen, das hier im Westen üblicher ist.
5. Padasevana ist eine weitere Form der Hingabe, um Bhakti zu entwickeln und bedeutet: Dienen zu Füßen Gottes. Bei Padasevana hast du einen Altar, pflegst ihn und verehrst Gott.
6. Es folgt Archana, die rituelle Gottesverehrung wie zum Beispiel durch Puja (Verehrungsritual), Homa (Feuerritual), und so weiter.
7. Bei Dasya dienen wir Gott im Äußeren und bringen alle Handlungen Gott dar. Wie dienst du Gott? Indem du auch den Menschen dienst. Jesus hat gesagt: „Was du getan hast dem Geringsten unter deinen Nächsten, das hast du mir getan.“
8. Sakhya ist die Kultivierung der Freundschaft Gottes, wir kommen Gott immer näher.
9. Schließlich ist die neunte Form von Bhakti, Atma Nivedana, Selbsthingabe an Gott. Krishna hat in der Bhagavad Gita noch sehr viel mehr über Bhakti Yoga gesagt. Er erwähnt Vibhuti Yoga und sagt: „Siehe Gott im Schönen, im Großartigen, im Besonderen, in der Natur, in dir selbst, in allen Menschen.

Arten von Bhakti

Apara Bhakti: bezeichnet den gläubigen Menschen als Anfänger, der Rituale und Zeremonien ausführt und Anhänger einer Religionsgemeinschaft ist.

Para Bhakti: Ein Para Bhakti Yogi umfasst alles und schließt alles mit ein. Er besitzt kosmische Liebe, Vishwaprem. Die ganze Welt ist für ihn Vrindavan (Garten Gottes). Er braucht keine Tempel zum Gottesdienst. Er fühlt, dass die Welt eine Manifestation Gottes ist und alle Bewegungen und Aktivitäten seine Lila (Spiel). Er empfindet keinen Ekel vor irgendetwas.

Bhavas im Bhakti

1. Dasya Bhava: der/die Gottesverehrer/in findet Freude und Glück im Dienst an Gott als seinem Meister. Er ist stets bestrebt, ihm in jeder erdenklichen Weise zu dienen.

2. Sakhya Bhava: man sieht Gott als Freund an, mit dem man sich auf gleicher Ebene bewegt.

3. Shanta Bhava: bezeichnet die friedvolle Beziehung zu Gott. Er/sie sieht das Göttliche in allem gleichermaßen, und lässt sich nicht nur von seinen Emotionen leiten. Sein Herz ist voller Liebe und Freude.

4. Vatsalya Bhava: der/die Bhakta sieht Gott als sein/ihr Kind. Er umsorgt ihn, wie eine Mutter es bei ihrem Kind tut. Oder der/ die Gottesverehrer/in sieht Gott als Mutter beziehungsweise Vater.

5. Madhurya Bhava: die intensivste Form von Bhakti. Es bezeichnet die Beziehung zu Gott als seinem Geliebten. Der/die Gottliebende und Gott fühlen sich als eins, halten aber trotzdem die Getrenntheit aufrecht, um die Wonne der Liebe miteinander zu erfahren. Dies ist Einheit in Getrenntheit und Getrenntheit in Einheit.

Siehe auch

Literatur

Seminare

Bhakti Yoga

Hier erscheint demnächst wieder eine Seminarempfehlung: url=interessengebiet/bhakti-yoga/?type=2365 max=2

Mantras und Musik

Hier erscheint demnächst wieder eine Seminarempfehlung: url=interessengebiet/mantras-und-musik/?type=2365 max=2