Suprabheda Agama

Aus Yogawiki

Suprabheda Agama (Sanskrit: सुप्रभेदागम, Suprabhedāgama) ist eine umfassende heilige Schrift des Shaiva Siddhanta, die Shiva-Verehrung, spirituelle Lebensführung, Yoga und befreiende Erkenntnis miteinander verbindet. Als eines der achtundzwanzig Hauptagamas des Shaivismus erschließt es einen Weg, auf dem Mantra, Einweihung, Puja und Meditation das Leben auf das Göttliche ausrichten. Seine Leitfrage berührt jeden ernsthaften Aspiranten: Wie kann ein Mensch seine Bindungen überwinden und die reine Natur des Selbst erkennen?

Shiva und Shakti: Das Suprabheda beschreibt ihre Untrennbarkeit mit dem Bild von Feuer und Wärme.

Eine besonders eindrückliche Antwort gibt das Suprabheda mit dem Bild einer verhüllten Lampe. Wird ihre Hülle entfernt, leuchtet sie auf. Ähnlich beschreibt das Werk die Seele: Ihrem Wesen nach ist sie rein, doch Unwissenheit und bindende Gewohnheiten verdecken ihre Klarheit. Sadhana bedeutet, diese Verhüllung zu durchschauen und zu überwinden. Hingabe, die Unterweisung des Guru, bewusste Übung und Selbsterkenntnis wirken auf diesem Weg zusammen.

Dabei umfasst Spiritualität den ganzen Menschen. Die Hände bringen eine Blume dar, die Stimme wiederholt einen Mantra, der Atem unterstützt die Sammlung, und der Geist wendet sich Shiva zu. Auch der Umgang mit anderen Wesen gehört dazu: Wer ein im Schlamm gefangenes Tier sieht, soll ihm helfen, bevor er weitergeht. Diese konkrete Aufforderung zu Mitgefühl steht in derselben Schrift wie die ausführlichen Anweisungen zur Tempelweihe und zur inneren Versenkung.

Der Dialog beginnt auf dem Kailash. Ganesha, hier Vinayaka oder Vighnesha genannt, bittet Shiva, die Lehre zum Wohl der Menschen zusammenzufassen. Aus dieser Frage entfaltet sich eine große spirituelle Welt: Tempel und heilige Bilder, Feste und tägliche Verehrung, Shakti und die Kräfte des Körpers, Gleichmut und Befreiung. Die Bedeutung des Suprabheda liegt gerade in dieser Verbindung. Es zeigt, wie eine äußere Handlung von innerer Aufmerksamkeit getragen sein kann und wie Erkenntnis die Lebensführung verwandelt.

Für Yoga-Aspiranten ist das Werk besonders dort anregend, wo es die Beziehung zwischen sichtbarer Form und unsichtbarer Gegenwart erschließt. Shiva und Shakti sind untrennbar wie Feuer und Wärme; das Göttliche ist im geheiligten Zeichen gegenwärtig wie Duft in einer Blume. Solche Bilder laden dazu ein, die eigene Praxis mit Hingabe zu erfüllen und ihre Bedeutung tiefer zu verstehen.

Auf dieser Seite folgen die Einführung und die vollständige deutsche Übersetzung des vorhandenen Textes. Zur vertiefenden Lektüre stehen der Sanskrittext in IAST, der Sanskrittext in Devanagari und 108 ausgewählte Verse und Mantras bereit.

Name und Stellung in der Shaiva-Tradition

Der Name Suprabheda verbindet das verstärkende su, »gut« oder »vorzüglich«, mit prabheda, »Unterscheidung«, »Gliederung« oder »differenzierte Darlegung«. Als sinngemäße Deutung bietet sich »die vorzügliche, klar unterscheidende Darlegung« an. Agama bezeichnet eine überlieferte beziehungsweise offenbarte Lehre. Der Titel verspricht somit eine geordnete Erschließung des heiligen Wissens; er ist keine Bezeichnung für eine einzelne Meditationstechnik.

Das Werk nennt sich selbst eine Essenz der Lehre und ordnet sich ausdrücklich dem Siddhanta zu. In seiner Liste der achtundzwanzig Agamas steht es an zehnter Stelle, nach dem Amshuman und vor dem Vijaya. Nahe verwandte Zugänge zur Verbindung von Ritual, Weltordnung und Befreiung bieten Kamika Agama, Raurava Agama, Kirana Tantra, Mrigendra Tantra und Matanga Parameshwara Agama. Die gemeinsame Zugehörigkeit bedeutet jedoch keine vollständige Übereinstimmung aller Einzelvorschriften.

Für das Suprabheda gehört die Verbindlichkeit einer überlieferten Ordnung zur spirituellen Praxis. Ein begonnenes Tempelritual soll nach der dafür gewählten Schrift zu Ende geführt werden. Zugleich erlaubt es, bei einer dort nicht behandelten Frage eine andere einschlägige Lehre heranzuziehen. Tradition erscheint damit als tragender Zusammenhang, der sorgfältige Entscheidungen ermöglicht.

Historische Einordnung

Die religiöse Erzählung versteht das Agama als Unterweisung Shivas. Historisch gehört seine erhaltene Gestalt in die gewachsene Sanskritüberlieferung der südindischen Tempelreligion. Die ausführlichen Regelungen zu erblichen Priestergruppen, Stiftungen, Bildherstellung, Festen und Tempelbezirken zeigen eine bereits weit entwickelte religiöse Institution.

Ein bestimmtes Entstehungsjahr oder ein einzelner menschlicher Verfasser lässt sich dafür nicht zuverlässig angeben. In der Forschung wird das Suprabheda zu jenen südlich überlieferten Agamas gerechnet, deren heutige Gestalt nicht allein aus dem hohen Alter ihres kanonischen Titels datiert werden darf. Alte Agama-Listen und spätere Textgestalten sind zu unterscheiden. Alexis Sanderson beschreibt diese Werke im Zusammenhang mit der Entfaltung der südindischen Adishaiva-Tempeltradition.[1]

Die spirituelle Bedeutung des Werkes hängt nicht an einer möglichst frühen Datierung. Sein besonderer Wert liegt darin, wie umfassend es eine shivaitische Lebenswelt erschließt: den gebauten Raum, das gemeinschaftliche Fest, den menschlichen Lebenslauf, den subtilen Körper und die Erkenntnis des Selbst.

Aufbau des Werkes

Das Suprabheda entfaltet vier miteinander verbundene Bereiche. Die Reihenfolge führt von der rituellen Handlung über die Lebensführung und den Yoga zur Erkenntnis.

Teil Kapitel Schwerpunkt
Kriyapada – Handlung 56 Mantras, Reinigung, tägliche Verehrung, Feueropfer, Feste, Ritualgeräte, Tempelbau, Bildgestaltung, Weihe und Erneuerung von Heiligtümern
Caryapada – Lebensführung 12 Gemeinschaft der Shaivas, Einweihung, Lebensriten, Gelübde, Japa, Stiftungsriten, Bestattung, Ahnenverehrung und Sühne
Yogapada – Yoga 3 Körper und Lebenskräfte, Nadis, Zeitzyklen, Mantra, innere Grundlagen und die acht Glieder des Yoga
Jnanapada – Erkenntnis 3 Shiva und Shakti, die gebundene Seele, Gnade und Befreiung sowie die Ebenen und Welten des Kosmos

Diese vier Teile sind keine voneinander abgeschlossenen Disziplinen. Der Acharya soll nach dem Werk im Ritual kundig sein, die Lebensordnung befolgen, Yoga üben und sich der Erkenntnis widmen. Ein Lehrer verkörpert die Verbindung der vier Bereiche. Ebenso ist die Sadhana des einzelnen Menschen mehr als eine isolierte Technik: Sie betrifft Handeln, Haltung, Aufmerksamkeit und Verstehen.

Wer zuerst die unmittelbar meditativen Lehren kennenlernen möchte, findet im dritten Kapitel des Yogapada und im zweiten Kapitel des Jnanapada einen guten Einstieg. Die Ritualteile erschließen anschließend den größeren Zusammenhang, in dem diese Lehren stehen.

Shiva, Shakti und die Gestalten des Göttlichen

Shiva ist im Suprabheda jenseits dessen, was Sprache und Denken vollständig erfassen können. Zugleich nimmt er aus freiem Willen Gestalt an, damit die Menschen ihn erkennen und verehren können. Seine Transzendenz schließt seine Gegenwart in der Welt nicht aus. Gerade weil er nicht auf eine Form begrenzt ist, kann er durch Formen zugänglich werden.

Das Werk unterscheidet Nishkala, das Ungegliederte, Sakala, das Gegliederte, und Sakala-Nishkala, die Verbindung beider. Ein Linga und eine ausgearbeitete Murti erschließen diese Beziehung auf unterschiedliche Weise. Das Linga verweist auf einen Ursprung, in den die Wesen bei der Auflösung eingehen und aus dem sie bei der Schöpfung hervortreten. Die Bildgestalt macht Eigenschaften wie Schutz, Gnade, Macht und Erkenntnis anschaulich.

Shakti ist dabei keine bloße Ergänzung eines bereits vollständigen männlichen Gottes. Der Text sagt ausdrücklich, dass es ohne Shakti keinen Shiva und ohne Shiva keine Shakti gibt. Wie Wärme und Feuer sind beide untrennbar. Im Linga und seinem Sockel werden Sadashiva und Manonmani vergegenwärtigt. Das ganze bewegliche und unbewegliche Universum wird als von Shakti und Shambhu erfüllt beschrieben.

Diese Sicht lädt dazu ein, spirituelle Kraft und Bewusstsein zusammen zu betrachten. Wirksamkeit ohne Bewusstheit verliert ihre Richtung; eine nur gedachte Geistigkeit bleibt ohne Ausdruck im Leben. Im Suprabheda wird das Göttliche sowohl als höchste Wirklichkeit als auch in seinen Kräften, Gestalten und Handlungen verehrt.

Ein ergänzender Vortrag aus der heutigen Yoga-Vidya-Tradition erläutert die Kundalini als kosmische Kraft im Menschen. Er bietet eine moderne Vergleichsperspektive; die besonderen Körpermodelle des Suprabheda werden im Yoga-Abschnitt gesondert erklärt.

Der Mensch zwischen Bindung und Erkenntnis

Die drei Grundbegriffe Pati, Pashu und Pasha bezeichnen den Herrn, die gebundene Seele und ihre Fesseln. »Pashu« ist hier eine Fachbezeichnung für das in seiner Erkenntnis eingeschränkte Wesen. Die Seele durchwandert Lebensformen, handelt, erfährt Freude und Leid und identifiziert sich mit begrenzten Bedingungen.

Das Suprabheda unterscheidet drei Formen der Bindung: die anfangslose Begrenzung durch Anava Mala, die durch Maya bedingte Bindung an Körper und Welt sowie die durch Karma entstandenen Folgen des Handelns. Diese Lehre erklärt, weshalb ein Mensch zwar bewusst ist, aber nicht ohne Weiteres seine volle Wirklichkeit erkennt. Seine Erfahrung ist von Gewohnheit, Handlungsgeschichte und begrenzten Erkenntnismitteln geprägt.

Bemerkenswert ist die Bildsprache des Jnanapada: Ein Kristall kann durch einen nahen farbigen Gegenstand dunkel oder blau erscheinen, ohne seine eigene Klarheit zu verlieren. Eine Lampe bleibt leuchtend, auch wenn ein Gefäß ihr Licht verdeckt. Ebenso wird die Seele als ihrem Wesen nach rein beschrieben. Der spirituelle Weg soll ihre Verhüllung beseitigen.

Dabei verwendet der Text sowohl die Unterscheidung von Herr, Seele und Bindung als auch starke Aussagen der Einheit: »Ich bin Er«, die Erkenntnis aller Wesen als Selbst und die Vereinigung mit Shiva. Diese Stimmen sollen in ihrer eigenen Spannung gehört werden. Die Lehre lässt sich weder auf ein starres Gegenüber von Gott und Mensch noch ohne Weiteres auf eine vollständige Gleichsetzung mit dem Advaita Vedanta reduzieren. Ein Vergleich mit Pratyabhijnahridaya oder Ishvara Pratyabhijna Karika kann die Frage nach Selbsterkenntnis vertiefen, ohne die verschiedenen Überlieferungen gleichzusetzen.

Guru, Diksha und Mantra

Der Guru vermittelt im Suprabheda Wissen, Befähigung und einen verbindlichen Übungszusammenhang. Der Text beschreibt den Herrn selbst als in der Gestalt des Acharya gegenwärtig: In dieser Gestalt zerschneidet er die Fesseln, im Linga empfängt er die Verehrung und im Feuer die Opfergabe. Die Lehrerbeziehung gehört damit zur religiösen Erfahrung und ist zugleich mit konkreter Verantwortung verbunden.

Diksha ist ein geordneter Übergang in eine neue Beziehung zu Shiva, Mantra und ritueller Verpflichtung. Sie schließt Vorbereitung, Mandala, Reinigung, Übertragung und Unterweisung ein. Der Jnanapada stellt davor das Herabkommen der Kraft, Shaktipata: Die Hinwendung zu Shiva wird selbst als Ausdruck seiner Gnade verstanden. Aus dieser Hinwendung erwachsen Einweihung, Verehrung, Yoga und Erkenntnis.

Ein Mantra ist in diesem Zusammenhang eine wirksame sprachliche Gegenwart. Das Werk unterscheidet zwischen dem bezeichnenden Laut und Shiva als dem dadurch Bezeichneten. Besonders klar erklärt es den fünfsilbigen Mantra Namah Shivaya. Seine Wiederholung soll die Aufmerksamkeit immer wieder auf das Göttliche ausrichten.

Die Abstufung von lautem, flüsterndem, in der Kehle gebildetem und rein geistigem Japa zeigt eine Bewegung nach innen. Die äußere Stimme unterstützt die Sammlung; schließlich kann die Erinnerung an Shiva ohne hörbare Rede fortbestehen. Die Zahlen der Wiederholungen geben dem Üben eine Form. Entscheidend bleibt die Verbindung von Laut, Bedeutung und innerer Ausrichtung.

Verwandte Fragen nach Einweihung, Mantra und Befreiung behandeln Kirana Tantra, Mrigendra Tantra und Sarvajnanottara Agama. Das Kularnava Tantra bietet einen weiteren, anders geprägten Zugang zur Bedeutung von Guru und Übertragung.

Ritual, Tempel und innere Verehrung

Die große Aufmerksamkeit für Tempelmaße, Gefäße, Speisen, Musik und Festabläufe kann heutige Leser zunächst überraschen. Für das Suprabheda ist Ritual jedoch eine Weise, das ganze Leben auf eine heilige Mitte auszurichten. Ort, Zeit, Körper, Sprache und Gemeinschaft wirken dabei zusammen.

Die Weihe macht aus einem hergestellten Bild den Mittelpunkt einer verbindlichen Verehrung. Der Text beschreibt die Gegenwart des Herrn mit einem feinen Vergleich: wie Duft in einer Blume und Öl im Sesam. Das Sichtbare trägt eine Gegenwart, die sich nicht auf seine äußere Oberfläche beschränkt.

Äußere und innere Verehrung berühren sich auch im Nyasa, dem rituellen Einsetzen von Mantras und göttlichen Kräften im Körper. Der Verehrende soll seine Aufmerksamkeit und sein Selbstverständnis verwandeln. Während eines Weiherituals wird ausdrücklich die Vergegenwärtigung »Ich bin Shiva« gefordert. Das Ritual handelt somit nicht nur von einem fernen Gegenüber.

Auch einfache Gaben haben ihren Ort. Blätter, Blumen, Früchte und Wasser können dargebracht werden; der Text kennt ebenso geistige Gaben. Das Öffnen des Herzens und die Sammlung des Geistes geben der äußeren Handlung ihre Richtung. Ein Vergleich mit Vijnana Bhairava Tantra oder Malinivijayottara Tantra macht unterschiedliche Wege der inneren Vergegenwärtigung sichtbar, während Kamika Agama besonders nahe zur ausgearbeiteten Tempelordnung steht.

Zum Tempel gehört im Suprabheda außerdem die Sorge für Menschen. Musiker, Handwerker, Lehrer, Schreiber, Gäste und Dienende brauchen verlässlichen Unterhalt. Wer ihre Versorgung zu knapp bemisst, verfehlt nach dem Text die religiöse Aufgabe. Großzügigkeit und verantwortliche Planung sind damit Teile der Verehrung.

Yoga und Meditation

Der Yogapada beschreibt den Körper als von Nadis durchzogen und von Lebenskräften getragen. Seine Darstellungen verbinden Elemente, Sinne, innere Organe, Atembewegungen und göttliche Zuordnungen. Sie sind ein spirituelles Körpermodell, in dem der Mensch als Teil einer größeren Wirklichkeit verstanden wird.

Das Werk nennt acht Glieder des Yoga: Yama, Niyama, Asana, Pranayama, Pratyahara, Dhyana, Dharana und Samadhi. Die Reihenfolge nennt Dhyana vor Dharana; eine ebenso ausführliche Einzeldefinition aller acht Glieder folgt nicht. Die bekannte Achtgliederung erhält hier eine ausdrücklich shivaitische Ausrichtung.

Nichtverletzen, Wahrhaftigkeit, Nichtstehlen, Selbstbeherrschung und Nichtanhäufen bilden den ethischen Boden. Reinheit, Zufriedenheit, Tapas, Svadhyaya und Hingabe an den Herrn gestalten die persönliche Übung. Sammlung beginnt damit schon in der Art, wie ein Mensch spricht, handelt und mit seinen Wünschen umgeht.

Die Atemregelung verbindet Ausatmen, Einatmen und Atemhalten mit Sonne, Mond und Feuer sowie mit Brahma, Vishnu und Rudra. Meditation wird als Vergegenwärtigung an inneren Grundlagen beschrieben. Der Ausdruck Adhara-Adheya verbindet den inneren Ort mit der dort gegenwärtigen Gottheit. Yoga ist die bewusste Verbindung beider.

Die besonderen inneren Grundlagen des Suprabheda

Das Werk bietet kein durchgehend mit heutigen Sieben-Chakra-Darstellungen identisches System. Es nennt einen Feuerbereich unter dem Nabel, eine achtfach gewundene Kundali-Nadi in der Nabelregion, einen darüberliegenden Lotus sowie weitere Sitze an Herz, Hals beziehungsweise Ohrwurzel, Gaumen, Stirn und Scheitel. Einzelne Ortsangaben unterscheiden sich innerhalb der Darstellung. Die Begriffe Chakra und Kundalini helfen beim Vergleich, sollten diese Eigenheiten aber nicht verdecken.

Der Herzlotus nimmt eine besondere Stellung ein. Er wird achtblättrig beschrieben; in ihm werden Licht, Seele und göttliche Gegenwart vergegenwärtigt. Von den inneren Sitzen führt die Betrachtung zu dem ungeteilten, unvergänglichen Brahman über dem Kopf. Die Übung verbindet anschauliche Formen mit der Ausrichtung auf das Formlose.

Die kosmische Zeitrechnung des zweiten Yoga-Kapitels erweitert diese Perspektive. Der menschliche Tag wird in größere Rhythmen eingeordnet; selbst göttliche Welten unterliegen Entstehung und Auflösung. Für den Übenden kann dies eine Betrachtung der Vergänglichkeit sein: Was heute übermächtig erscheint, ist Teil eines größeren Wandels.

Befreiung und spirituelle Lebensführung

Das Werk unterscheidet die Gemeinschaft in Shivas Welt, seine Nähe, die Angleichung an seine Gestalt und die Vereinigung mit ihm: Salokya, Samipya, Sarupya und Sayujya. Diese Begriffe beschreiben verschiedene Formen der Gottesnähe und der Vollendung.

Besonders eindrücklich ist die Lehre vom Jivanmukta, dem schon im Leben Befreiten. Die Erkenntnis verändert das Verhältnis zur Erfahrung: Freude und Leid, Angenehmes und Unangenehmes werden mit Gleichmut betrachtet. Bereits wirksam gewordenes Karma kann noch auslaufen. Die Töpferscheibe dreht sich weiter, obwohl die Arbeit beendet ist; verbrannte Samen bringen dagegen keine neue Pflanze hervor. So erklärt das Suprabheda fortdauerndes Leben ohne neue bindende Verstrickung.

Diese Freiheit hat eine ethische Seite. Ein Mensch, der ein im Schlamm feststeckendes Tier sieht, soll ihm helfen, bevor er weitergeht. Er soll Verleumdung meiden und sich dem Mitgefühl für alle Lebewesen widmen. Solche Verse verhindern, dass die lange Rituallehre nur als Beschäftigung mit korrekten Formen gelesen wird. Die Hinwendung zu Shiva soll sich im Umgang mit verletzlichem Leben bewähren.

Das Werk heute lesen

Das Suprabheda verbindet inspirierende Einsichten mit historischen Gesellschaftsordnungen. Es enthält erbliche Amtsrechte, Ausschlüsse nach Geburt, Geschlecht oder körperlichen Merkmalen sowie harte religiöse Straf- und Bußvorstellungen. Diese Aussagen gehören zur überlieferten Welt des Textes. Sie begründen keine heutige Abwertung von Menschen. Auch seine kosmologischen und körperkundlichen Darstellungen sind als traditionelle Lehren zu lesen.

Für heutige Aspiranten bieten sich insbesondere Hingabe, regelmäßiges Japa, sorgfältige Lebensführung, innere Sammlung und die Betrachtung des Selbst als Zugänge an. Die historischen Regeln für Tempelweihe und Initiation setzen dagegen einen konkreten Traditions- und Lehrerzusammenhang voraus. Beschriebene extreme Bußen und körperlich schädigende Handlungen sind keine Praxisempfehlungen.

Eine fruchtbare Lektüre kann mit einem Vers beginnen: ihn langsam lesen, seinen Sinn betrachten und fragen, wie er das eigene Handeln berührt. Aus einer Aussage über die Untrennbarkeit Shivas und Shaktis kann größere Achtung vor dem Leben erwachsen; aus einem Vers über Gleichmut eine andere Antwort auf eine schwierige Situation. So wird Schriftstudium selbst zu einem Teil der Sadhana.


Deutsche Übersetzung des Suprabheda Agama

Kriyapada – Ritual und Verehrung

Om. Alles ist von Shiva erfüllt. Suprabheda.


Kapitel 1 – Die Fragen an Shiva

1.1 Auf dem Gipfel des Kailash saß der Herr, umgeben von Scharen von Weisen, Göttern, Yakshas, Gandharvas, Siddhas und Vidyadharas.

1.2 Auch Brahma, der Mond, die Sonne und die Weltenhüter umgaben ihn. Als Vighnesha, der Herr der Hindernisse, den Herrn der Götter erblickte, verneigte er sich und sprach:

1.3 „Erhabener, Herr der Götter, Beschützer der Welt, Herr des Alls! Mit ganz auf dich gerichtetem Geist bitte ich dich: Lehre die höchste Erkenntnis Shivas,

1.4 durch deren Erlangung alle Menschen zur vollkommenen Befreiung gelangen. Erkenntnis, Yoga, Ritual und Lebensführung hast du einst ausführlich dargelegt.

1.5 Um den Menschen deine Gnade zu erweisen, erkläre sie nun in zusammengefasster Form. Wie sind die Tantras entstanden, und wie entstehen die Mantras?

1.6 Was sind Reinigung und rituelles Schlürfen von Wasser, o Gott? Wie vollzieht man das Bad und die Anwendung heiliger Asche? Was gehört zur Verehrung, wie wird die Puja ausgeführt, und welche Merkmale haben die Mudras?

1.7 Wie bereitet man Speisegaben, wie vollzieht man das Feuerritual, wie gestaltet man die Feuergrube und die Bali-Gaben? Welche Vorschriften gelten für die Feste und für die rituelle Übergießung?

1.8 Wie ist die Zeremonie mit dem kühlenden Krug auszuführen, o Gott? Welche Merkmale hat die Darbringung der neuen Ernte? Wie begeht man das Krittika-Lichterfest im Monat Karttika und das Puraka-Ritual im Monat Ashadha?

1.9 Wie reifen die Früchte der rituellen Handlungen? Welche Eigenschaften soll der Acharya besitzen? Wie sind die Ritualgeräte beschaffen, und wie werden Dörfer und andere Siedlungen angelegt, o Herr?

1.10 Wie bestimmt man die verfügbaren Mittel? Wie vollzieht man das rituelle Pflügen? Wie errichtet man das vorläufige Heiligtum, und welche Regeln gelten für den Baugrund des Tempels?

1.11 Wie wird der erste Ziegel gelegt? Wie geschieht die Niederlegung der Gründungsdepots? Wie bestimmt man das Fingermaß, und welche Merkmale hat der Tempelbau?

1.12 Wie werden die abschließenden Ziegel im oberen Teil gelegt? Wie ist ein Lingam beschaffen, wie ein Götterbild, und wie vollzieht man das Aussäen der Keime?

1.13 Wie weiht man das Lingam, wie ein bildhaft gestaltetes Götterbild? Wie werden die Shaktis eingesetzt, und welche Merkmale haben die begleitenden Gottheiten?

1.14 Wie werden die acht Begleitgottheiten jeweils für sich eingesetzt? Wie vollzieht man die Weihe von Indra und den anderen Gottheiten und die Einsetzung des Sonnengottes?

1.15 Wie werden Kshetrapala und der Dreizack geweiht? Wie setzt man den König der heiligen Waffen und den Gott Shastri ein?

1.16 Wie erneuert man ein beschädigtes Heiligtum, und wie vollzieht man Sühneriten? Was lehrt der Kriyapada über die Vermischung unterschiedlicher Tantras, o Herr?

1.17 Wie erklärt der Caryapada den Ursprung der Shaivas, o Herr? Wie werden die verschiedenen gesellschaftlichen Herkunftsgruppen unterschieden, und wie wird das Mandala gestaltet?

1.18 Wie wird dort der Weg ihrer Einweihung festgelegt? Wie vollzieht man die sechzehn Lebensriten für Adishaivas und Anushaivas?

1.19 Welche Gelübde und Verhaltensregeln gelten für sie? Wie wird das Pavitra-Fest begangen? Wie vollzieht man für Eingeweihte und Könige die Zeremonien des goldenen Schoßes und der Waage?

1.20 Wie geschehen Hiranyagarbha und Tulabhara? Welche Vorschriften gelten für die Verbrennung der Toten, für das Ahnenopfer und für die Eingliederung des Verstorbenen in die Gemeinschaft der Ahnen?

1.21 Wie begeht man die Ashtaka-Ahnenriten, und wie vollzieht man die Sühne? Wie beschreibt die Yogalehre das Geflecht der Nadis, und was ist das Rad der Zeit?

1.22 Wie werden im Yogapada Träger und Getragenes in ihrem Zusammenhang erklärt? Wie beschreibt der Jnanapada die Entfaltung der Schöpfung durch Shiva, o großer Gott?

1.23 Wie entstehen die gebundenen Seelen, und was kennzeichnet die sechs Wege der Entfaltung? Diese Fragen und alle weiteren Fragen, die ich gestellt habe,

1.24 mögest du mir beantworten, o Gott. Gewähre mir deine Gnade, o Herr!“ Der erhabene Herr sprach: „Gut, sehr gut, du überaus Verständiger! Du hast diese Fragen gestellt.

1.25 Dieses Tantra gehört zur reinen Shaiva-Lehre. Es soll nicht unterschiedslos weitergegeben oder öffentlich bekannt gemacht werden. Ein Eingeweihter, der besonnen und ganz der Hingabe an Shiva ergeben ist,

1.26 soll es hören; seine Weitergabe an andere wird nicht empfohlen. Das Tantra besteht aus vier Teilen und führt zu weltlicher Erfüllung und Befreiung.

1.27 Dieses Suprabheda ist die Essenz der Essenz, o Vinayaka. Aus Zuneigung zu dir werde ich es darlegen. Höre nun alles der Reihe nach.

1.28 Vier Überlieferungen werden unterschieden: Shaiva, Pashupata, Soma und Lakula. Unter ihnen gilt Shaiva als die höchste und friedvolle; Pashupata und die anderen werden als Rudra zugehörige, machtvolle Richtungen bezeichnet.

1.29 Shaiva wiederum gliedert sich in vier Richtungen: Vama, Dakshina, Mishra und Siddhanta. Unter ihnen gilt der Siddhanta als der höchste.

Höre nun die wahrheitsgemäße Darlegung des Siddhanta mit seinen achtundzwanzig Unterteilungen.“

So endet das erste Kapitel über die Fragen.


Kapitel 2 – Die Offenbarung der Tantras

2.1 „Nun werde ich den erhabenen Ursprung der Tantras erklären. Ein Tantra entfaltet die umfassenden Bedeutungen, die in der Lehre und den Mantras enthalten sind,

2.2 und gewährt den Menschen Schutz; deshalb wird es Tantra genannt. Die Schriften heißen Kamika, Yogaja, Cintya, Karana und Ajita,

2.3 Dipta, Sukshma, Sahasra, Amshuman, Suprabheda, Vijaya, Nishvasa, Svayambhuva und Anala,

2.4 Vira, Raurava, Makuta, Vimala, Candrajnana, Bimba, Protgita und Lalita,

2.5 Siddha, Santana, Sarvokta, Parameshvara, Kirana und Vatula: Dies sind die achtundzwanzig Samhitas.

2.6 Ich werde die Verkünder und Empfänger aller Tantras nennen. Die eine Erkenntnis habe ich in zehn und achtzehn Samhitas unterteilt

2.7 und unmittelbar nach der Schöpfung zur Befreiung gelehrt, o Vighnesha. Das Kamika wurde dem Praṇava Genannten mit einem Umfang von Parardha-Texteinheiten verkündet.

2.8 Von Pranava gelangte es zu Trikala und von Trikala zu Hara. Drei Unterteilungen werden genannt; dazu gehört das Bhairavottara,

2.9 ferner Narasimha und Vaivatsa: dies sind die drei dem Kamika zugeordneten Texte. Das Yogaja wurde Sudha in einem Umfang von hunderttausend Texteinheiten gelehrt.

2.10 Von Sudha empfing es Bhasma, von diesem wiederum Vibhu. Vinashikhottara, Tara, Sudhasantati

2.11 und Atmayoga werden genannt; insgesamt werden dem Yogatantra fünf Unterteilungen zugeschrieben. Das Cintya wurde dem Sudipta Genannten mit hunderttausend Texteinheiten gelehrt.

2.12 Von Dipta erhielt es Gopati, danach Calika. Sucintya, Subhaga, Vama, Papanasha, Surodbhava

2.13 und Amrityavidra werden als seine sechs Unterteilungen bezeichnet. Das Karana wurde dem Karana Genannten in zehn Millionen Texteinheiten verkündet.

2.14 Von Karana empfing es Sharva-Rudra, von Sharva wiederum Prajapati. Karana, Pavana, Daurga, Mahendra, Bhimasamhita

2.15 und Marana werden aufgezählt; dem Karana werden sieben Unterteilungen zugeschrieben. Das Ajita wurde dem Shiva Genannten mit einem Umfang von Niyuta-Texteinheiten gelehrt.

2.16 Von Sushiva erhielt es Shiva, von Shiva sodann Acyuta. Prabhuta, Parodbhuta, Parvati und Padmasamhita

2.17 werden hier als seine vier Unterteilungen genannt. Das Dipta wurde Isha in einem Umfang von Niyuta-Texteinheiten verkündet.

2.18 Von Isha empfing es Trimurti, von diesem Hutashana, der Feuergott. Ameya, Abda, Acchadya, Asankhya, Amitaujas,

2.19 Ananda, Madhavodbhuta, Adbhuta und Amrita: So wird Dipta neunfach unterteilt. Höre nun die Darstellung des Sukshmatantra.

2.20 Das Sukshma wurde Sukshma mit einem Umfang von Padma-Texteinheiten gelehrt. Danach empfing es Kalabhima und von Bhima Dharma.

2.21 Atita, Amala, Shuddha, Aprameya, Jatubhak, Vubudha, Vibudha, Hasta, Alankara und Subodhaka:

2.22 Diese zehn werden als Unterteilungen des Sahasratantra bezeichnet. Das Amshuman wurde dem Ambu Genannten in fünfhunderttausend Texteinheiten gelehrt.

2.23 Von Ambu erhielt es Agra und von Agra der Sonnengott. Vidyapurana, Vasava, Nilalohita,

2.24 Prakarana, Bhutatantra, Atmalankara, Kashyapa, Gautama, Aindra, Brahma und Vasishtha

2.25 sowie Ishanottaratantra werden als die zwölf Unterteilungen des Amshuman genannt. Dieses Suprabhedatantra wurde Dashesha verkündet.

2.26 Von Dashesha empfing es Vighneshvara; anschließend wird ein Empfang durch Dasha von Brihodara genannt. Es wurde mit dreißig Millionen Texteinheiten gelehrt und besitzt keine Unterteilungen.

2.27 Von der Rituallehre bis zur Erkenntnis wird alles in ihm dargelegt. Aus diesem Grund trägt diese Lehre den Namen Suprabheda.

2.28 Damit sind die Shiva-Unterteilungen genannt; nun folgen die Rudra-Unterteilungen. Dem Anadi genannten Rudra wurde das vortreffliche Vijayatantra gelehrt.

2.29 Von ihm empfing es Paramesha; sein Umfang wird mit dreißig Millionen Texteinheiten angegeben. Vijaya, Udbhava, Saumya, Aghora, Mrityunashana,

2.30 Kuberesha, Mahaghora und Vimala bilden die acht Unterteilungen des Vijaya. Das Nishvasa wurde Dasharna mit zehn Millionen Texteinheiten gelehrt.

2.31 Von Dasharna erhielt es Shailaja, die Tochter des Berges. Acht Unterteilungen werden angegeben: Nishvasottara, Nishvasa, Nishvasamukhodaya,

2.32 Nishvasanayana, Nishvasakarika, der Ghora genannte Text und Guhya; so wird die Überlieferung als achtfach bezeichnet.

2.33 Das Svayambhuta wurde Nidhana mit einem Umfang von anderthalb Koti, also fünfzehn Millionen Texteinheiten, gelehrt. Von Nidhanesha hörte es Svayambhu; die weitere Empfängerangabe ist nicht eindeutig überliefert.

2.34 Prajapatimata, Padma und Svayambhuva bilden drei Unterteilungen. Danach wird das Agneya mit dreißigtausend Texteinheiten genannt; in der Überlieferungsfolge steht der Name Mena.

2.35 Das Agneyatantra empfing sodann Hutashana. Agneya wird als ein einziger Text bezeichnet; der anschließende Wortlaut über Agneya und Nada ist unklar.

2.36 Das Vira wurde Tejas mit einem Umfang von Niyuta-Texteinheiten gelehrt. Von ihm empfing es Prajapati. Es hat dreizehn Unterteilungen:

2.37 Prastara, Phulla, Amala, Prabodha, Bodhabodhaka, Amoha, Mohasamaya, Shakata, Shakatayika,

2.38 Hala, Vilokhara, Bhadra und Vira: dies sind die dreizehn Texte des Vira. Das Raurava wurde Brahmanesha mit einem Umfang von acht Ambuja-Einheiten verkündet.

2.39 Von ihm erhielt es Nandikesha. Sechs Unterteilungen werden genannt: Kaladaha, Kalatita, Raurava, Rauravottara,

2.40 Mahakalamata und Aindra; so ist Raurava sechsfach. Das Makuta wurde dem Shiva Genannten in hunderttausend Texteinheiten gelehrt.

2.41 Von ihm empfing es Mahadeva. Zwei Unterteilungen werden angegeben: Makutottara und Makuta.

2.42 Das Vimala wurde Sarvatmaka mit dreihunderttausend Texteinheiten gelehrt. Von ihm empfing es Virabhadra. Es hat sechzehn Unterteilungen:

2.43 Ananta, Bhoga, Akranta, Vrisha, Linga, Prashodara, Prashodbhuta, Sudanta, Raudra und Bhadravidhi,

2.44 Arevata, Atikranta, Attahasa, Alankrita, Ajita und Marana: dies sind die sechzehn Texte des Vimala.

2.45 Das Candrajnana wurde Ananta in dreißig Millionen Texteinheiten gelehrt. Von ihm erhielt es Brihaspati. Es hat vierzehn Unterteilungen:

2.46 Sthira, Sthana, Mahanta, Nandisha, Nandikeshvara, Ekapadapurana, Shankara, Tularudraka,

2.47 Shribhadra, Kalpabheda, Shrimukha, Shivashasana, Shivashekhara und Devyamata.

2.48 So ist das Candrajnanatantra vierzehnfach unterteilt. Das Mukhabimba wurde Prashanta mit hunderttausend Texteinheiten gelehrt.

2.49 Der Weise Dadhici empfing es. Seine fünfzehn Unterteilungen sind Caturmukha, Mahayoga, Samstobha, Pratibimbaka,

2.50 Arthalankara, Vayavya, Totaka, Tutinikara, Pratyaya, Catulayoga, Kuttima, Pattishekhara,

2.51 Mahavidya, Mahasaura und Bimba. Das Protgita wurde Shulin in dreihunderttausend Texteinheiten verkündet.

2.52 Der Kavaca Genannte empfing es. Sechzehn Unterteilungen werden ihm zugeschrieben: Kavaca, Varaha, Pingalamata,

2.53 Pashabandha, Dandadhara, Kusha, Dhanudharin, Shivajnana, Vijnana, Shrikala, Jnana,

2.54 Ayurveda, Dhanurveda, Sarvadamshtravibhedana, Gita, Bharata und Atodya: so wird Protgita sechzehnfach unterteilt.

2.55 Das Lalita wurde Alaya in achttausend Texteinheiten gelehrt. Von Alaya empfing es Lalita. Lalitodara,

2.56 Kaumara und Vighnesha werden als drei Unterteilungen genannt. Dieses Siddhatantra wurde Bindu mit einem Umfang von anderthalb Koti gelehrt.

2.57 Von Bindu empfing es Sambandha, nach diesem Candeshvara. Sarottara, Aishanottara,

2.58 Shalabheda und Shashimanda bilden die vier Unterteilungen des Siddhatantra. Das Santana wurde Shivanishta mit sechstausend Texteinheiten gelehrt.

2.59 Von ihm empfing es Vayu innerhalb der Shaiva-Überlieferung. Sieben Unterteilungen werden genannt: Lingadhyaksha, Suradhyaksha, Shankara, Amaleshvara,

2.60 Asankhya, Anila und Dvandva: so wird Santana siebenfach bezeichnet. Das Sarvokta wurde Somadeva mit zweihunderttausend Texteinheiten gelehrt.

2.61 Narasimha empfing es von Soma. Fünf Unterteilungen werden ihm zugeschrieben: Shivadharma, Dharmanta, Vayuprota,

2.62 Divyaprota und Aishana; so wird die Sarvokta-Überlieferung, hier auch Sharvotgita genannt, aufgeführt. Der Shridevi wurde das vortreffliche Parameshvara gelehrt.

2.63 Sein Umfang beträgt zwölfhunderttausend Texteinheiten, und es verbreitete sich in sieben Unterteilungen. Der Weise Ushanas empfing es von Shridevi in der Überlieferungsfolge.

2.64 Matanga, Yakshini, Padma, Parameshvara, Pushkala, Suprayoga und Hamsa werden genannt; am Ende der Aufzählung steht außerdem Samanya.

2.65 Das Kirana wurde Garuda mit fünfzig Millionen Texteinheiten gelehrt. Samvartaka empfing es. Seine Unterteilungen sind neun:

2.66 Garuda, Nairrita, Nila, Rutvi, Bhanuka, Dhenuka, Prabuddha, Buddhakala und als neuntes Kirana.

2.67 Das Vatula wurde Shiva mit hunderttausend Texteinheiten verkündet. Von ihm empfing es Mahakala. Zwölf Unterteilungen werden genannt:

2.68 Vatula, Uttara, Kalajnana, Prarohita, Sarva, Sarvatmaka, Shreshtha, Nitya, Shuddha, Mahanana,

2.69 Vishva und Vishvakara: so wird die Vatula-Überlieferung als zwölffach bezeichnet. Damit sind die Umfänge und Unterteilungen der achtundzwanzig Tantras dargelegt.

2.70 Das Kamika Agama bildet die beiden Füße; Yogaja die Knöchel. Cintya wird den Zehen zugeordnet, Karana den Unterschenkeln.

2.71 Ajita bildet die Knie, Dipta den Wurzelbereich, Sukshma den verborgenen Samen und Sahasra die Hüftregion.

2.72 Amshuman bildet den Rücken, Suprabheda den Nabel. Vijaya ist die Bauchgegend, Nishvasa das Herz.

2.73 Svayambhuva bildet die beiden Brüste, Anala die Augen, Vira den Hals und Raurava das Gehör.

2.74 Das Makutatantra ist die Krone; Glieder und Nebenglieder werden einbezogen. Vimala bildet die Arme, Candrajnana die Brust.

2.75 Das Bimbatantra bildet das schöne Antlitz, Protgita die Zunge, Lalita die Wangen und Siddha die Stirn.

2.76 Santana ist der Glanz der Ohrringe, Sarvokta die heilige Schnur, Parameshvara die Halskette und Kirana der Edelsteinschmuck.

2.77 Vatula ist der Lebenshauch des höchsten Herrn. [Die anschließende Wendung ist verderbt.] Kalpa wird mit der Anordnung der Schnüre verbunden, Shivadharma mit der Salbung.

2.78 Lalita ist der Blumenkranz, Siddhanta die Opfergabe. Die Tantras bilden seinen Leib, die Mantras seinen Lebensatem.

2.79 Mit diesen Haupt- und Unterteilungen besteht die Gestalt auf der Ebene Sadasiva, die Sadakhya genannt wird. Diese Shaiva-Überlieferung umfasst die zehn und achtzehn Samhitas.

2.80 Sie strahlt wie ein wunscherfüllender Edelstein: Die eine Lehre unterweist auf vielfältige Weise, wie ein einziger Sprecher viele Zuhörer unterrichtet.

2.81 Nach dem Tantra, mit dem man die Handlungen vom Pflügen des Tempelgrundes bis zur Verehrung begonnen hat, soll man sie auch fortsetzen. Man soll dabei nicht zu einem anderen Tantra wechseln.

2.82 Eine andere Tantra-Lehre darf man heranziehen, wenn die betreffende Vorschrift im eigenen Text nicht eigens ausgesprochen ist. Die Offenbarung der Tantras ist damit erklärt. Höre nun die Herleitung der Mantras.“

So endet das zweite Kapitel über die Offenbarung der Tantras.


Kapitel 3 – Die Herleitung der Mantras

3.1 „Nun werde ich die höchste Weise erklären, die Mantras herzuleiten. Sie gilt als vortrefflich, verleiht alle Vollkommenheiten und erfüllt alle Wünsche.

3.2 Manana bedeutet hier umfassendes Erkennen, Trana die Rettung aus dem Ozean des Samsara. Weil ein Mantra diese beiden Eigenschaften besitzt – erkennende Betrachtung und rettenden Schutz –, trägt es diesen Namen.

3.3 Ich werde die Mantras Shivas, der Brahma-Aspekte, der Glieder, der Vidyeshvaras, der Ganeshas und der Weltenhüter erklären, ferner die Waffenmantras, die Vidya-Glieder, die Keimsilben und das Kshurika-Mantra,

3.4 die Keimsilben der Erde und der anderen Elemente, das zuvor genannte Bija-Brahman, das Pinda-Mantra, das Kala-Mantra, die fünf Brahma-Mantras und das Rudra-Mantra.

3.5 Dies soll im Einzelnen dargelegt werden. Höre, Gajanana: Jener Gott, der das Höchste und das diesem Nachgeordnete umfasst, ist allwissend und stets alldurchdringend.

3.6 Er ist das höchste Brahman, frei von Teilen. Aus ihm geht die zweifache Shakti hervor. Auch dieses Kräftepaar wird als ungeteilt bezeichnet; daraus entsteht Nada, der ursprüngliche Klang.

3.7 Aus Nada entsteht Bindu, aus Bindu die Verbindung von Schoß und Samen. Die sechzehn Vokallaute von a bis zum Visarga bilden dabei die Samen.

3.8 Die übrigen dreiunddreißig Laute sind die unvergänglichen Ursprungskräfte, die Yonis. Aus ihnen sind die Tantras und aus ihnen die Mantras hervorgegangen.

3.9 Die Mantras bezeichnen ihn; wie ihre Beziehung zueinander hier genauer ausgesagt wird, ist im Wortlaut undeutlich. Dieses aus zehn Keimsilben bestehende Mantra wird im Zusammenhang aller Mantras gelehrt.

3.10 Die erste Keimsilbe ist oṃ, die zweite ā, die dritte ī, die Ursache aller wirkenden Kräfte.

3.11 Die vierte Keimsilbe ist ū, die fünfte vyo, die sechste ma und die siebte vyā.

3.12 Die achte Keimsilbe ist pi, die neunte ne, die zehnte oṃ, das als das Selbst von allem bekannt ist.

3.13 So soll man die von Shiva ausgesprochene Lehre verstehen. Dies wird Shiva-Mantra genannt. Nun wird seine Gestalt beschrieben.

3.14 Sadashiva weilt auf seiner Wirklichkeitsebene, unmittelbar gegenwärtig und nach allen Seiten gewandt. Aus der Willenskraft geht ein Lotus hervor, geschmückt mit tausend Blütenblättern.

3.15 Er besitzt Fruchtboden und Staubgefäße. Auf ihm befindet sich Sadashiva mit fünf Häuptern, vier Gesichtern und zwölf Augen,

3.16 mit vier Mündern, vier Nasen, acht Ohren und vier Hälsen, zehn Armen, einem Körper und zwei Füßen, auf dem Lotus ruhend.

3.17 Er gleicht reinem Bergkristall, leuchtet wie zehn Millionen Sonnen und ist zugleich kühl wie Mondlicht und Schnee. Er trägt allen Schmuck.

3.18 Der Gott trägt weiße Gewänder und eine weiße heilige Schnur. Rechts zeigt er die Geste der Furchtlosigkeit und hält Dreizack, Axt, Vajra und Schwert;

3.19 links hält er Schild, Elefantenstachel, Schlinge, Glocke und Feuer. Zu seiner Linken befindet sich Manonmani inmitten der fünf umgebenden Kreise.

3.20 So meditiere man über Sadashiva, der alles Unheilsame abschneidet. Über diese Gestalt soll man stets meditieren; sie gewährt die Früchte aller heiligen Handlungen.

3.21 Dies ist die Gestalt Sadashivas. Höre nun von Umesha, dem Herrn Umas: Eine weitere meiner Erscheinungsformen besitzt ein Gesicht und vier Arme.

3.22 Damit ist das als Shiva-Mantra Bekannte erklärt. Höre nun von den Brahma- und Gliedermantras. Beginnend mit der ersten werden fünf Keimsilben den Brahma-Aspekten zugeordnet.

3.23 Weiß, Rot, Dunkelblau, Safranrot und Milchweiß sind die fünf Farben der fünf Aspekte. Diese werden hier die fünf Brahmans genannt.

3.24 Die anschließende Folge der Shiva-Glieder wird durch eine undeutlich überlieferte Lautreihe bezeichnet. Als Farben werden Mondweiß, Rauchgrau, leichtes Rauchgrau, Schwarz und sonnenähnlicher Glanz genannt.

3.25 Auch eine dunkle Gestalt ist zu unterscheiden. Shivas Waffenmantra leuchtet wie zehn Millionen Sonnen; als weitere Bezeichnung dieser Shiva-Waffe wird Aghorastra genannt.

3.26 Die Mantras werden mit einer einzigen Keimsilbe verbunden, beginnen mit oṃ und enden mit namaḥ. Die Waffe erhält Visarga, die übrigen Bindu.

3.27 Die weiteren Shiva-Glieder werden mit überlang gesprochenen Vokalen verbunden. Die Brahma- und Gliedermantras sind damit genannt; nun werden ihre Gestalten beschrieben.

3.28 Sie besitzen drei Augen und vier Arme, sind friedvoll und mit allen glückverheißenden Merkmalen versehen. Sie tragen Halsketten, Oberarmreifen und vielfältigen Schmuck.

3.29 Ihre Gestalt habe ich erläutert. Höre nun die Merkmale der Vidyeshvaras. Ihre Mantras beginnen mit der zweiten Keimsilbe und enden mit namaḥ.

3.30 Ananta leuchtet wie eine rote Hibiskusblüte, Sukshma ist blau. Shivottama gleicht der weißen Kunda-Blüte, Ekanetra der Bandhuka-Blüte.

3.31 Ekarudra hat Lotusglanz, Trimurti gleicht der roten Ashoka-Blüte. Shrikantha gleicht dem blauen Lotus, Shikhandin dunkler Augensalbe.

3.32 Von Ananta bis Shikhandin werden acht Vidyeshvaras gezählt. Für die Verehrung ihres Herzens sind zwei oṃ-Laute vorgesehen.

3.33 Ihre Gestalt besitzt die zuvor beschriebenen Merkmale. Nun werde ich die Merkmale der Ganeshas erklären. Höre die Wahrheit, Gajanana.

3.34 Die Keimsilben der Ganeshas beginnen mit e; die weitere Bildung wird mit der zweiten Keimsilbe verbunden. Devi besitzt einen Leib von Goldglanz, Canda gleicht der Sonne.

3.35 Nandisha gleicht einem Rubin, Kala einem Smaragd. Vrishabha gleicht einer herbstlichen Wolke, Ganesha einem Lotus.

3.36 Bhringisha ist weiß, Shanmukha rot. Die Gottheiten von Devi bis Shanmukha sind als Herren der Ganas zu verstehen.

3.37 Die Verehrung ihres Herzens ist wie zuvor bei den Vidyeshvaras zu verstehen. Höre nun, Gajanana, die Mantras der Weltenhüter, beginnend mit Indra.

3.38 Die zehn Keimsilben werden ihnen in der Reihenfolge vom Osten aus zugeordnet. Indra ist gelb, der Feuergott goldbraun.

3.39 Yama ist schwarz, Nirriti rauchfarben. Varuna ist weiß, Vayu gelb.

3.40 Soma gleicht dem Schnee, Isha dem Bergkristall. Danach wird Flammen- und Blitzglanz genannt; Brahma wird die rote Farbe des Indragopa-Insekts zugeordnet.

3.41 Ihre einzelnen Gestalten sind damit beschrieben. Höre nun die Merkmale der Mantras: Die Aussprache erfolgt der Reihe nach von der zehnten bis zur ersten Keimsilbe.

3.42 Der Vajra besitzt viele Farben, der Speer strahlt wie ein Blitz. Der Stab gleicht einer blauen Regenwolke, das Schwert dem blauen Lotus.

3.43 Die Schlinge gleicht dem Feuer, der Elefantenstachel einem Rubin. Die Keule besitzt eine hier als Shara bezeichnete Farbe, der Dreizack gleicht einem Saphir.

3.44 Der Diskus gleicht einer Flachsblüte, der Lotus der Sonne. Die Waffen soll man über den Häuptern der zugehörigen Wesen anordnen.

3.45 In der Mitte befinden sich Shivas Keimsilbe sowie seine Brahma- und Gliedermantras. Hinzu kommen Vidyeshvaras, Ganeshas und Weltenhüter mit ihren Waffen.

3.46 Die Mantras, Gestalten und Farben sind im Zusammenhang der zehn Keimsilben im Einzelnen erklärt. Höre nun, Elefantengesichtiger, der Reihe nach die weiteren Mantras.

3.47 Wir erläutern die Merkmale der Vidya-Glieder einschließlich des Augenmantras. Sieben, acht und fünf werden als Maße genannt; die nähere Zuordnung der Eigenschaften und Farben ist im Wortlaut undeutlich.

3.48 Das Herzmantra beginnt mit oṃ und enthält praśāntāya namaḥ. Für das Haupt steht die Formel oṃ praṇavātmaṃ namonamaḥ; seine Farbe gleicht Bergkristall.

3.49 Die Scheitelspitze wird mit einer bei oṃ beginnenden Formel und śikhāyai huṃ verbunden; sie gleicht dunkler Augensalbe. Auch der Schutzpanzer wird mit huṃ verbunden und gleicht einem Lotusblatt.

3.50 Phaṭ bezeichnet hier die Waffe, die wie zehn Millionen Sonnen strahlt. Diese Pashupata-Waffe besitzt leicht hervortretende, furchterregende Fangzähne.

3.51 Beim Auge wird eine mit oṃ und jihvā beginnende Lautfolge genannt; seine Farbe ist rötlich. Die Gestalten entsprechen den zuvor beschriebenen. Höre nun die Keimsilbe der Shakti.

3.52 Als Shakti-Mantra steht die Lautfolge oṃ bhṝṃ jṝṃ kṣmṝṃ. Die Gottheit verkörpert die führende Keimsilbe und leuchtet wie glühendes Gold. Ihre Gestalt wird so beschrieben:

3.53 Sie besitzt vier Arme und drei Augen und trägt allen Schmuck. Ihre Hüften sind breit, ihre Taille schlank und ihre Brüste voll.

3.54 Mit diesen Merkmalen erscheint die ursprüngliche Shakti Manonmani. Die Gestalt der Shakti ist damit beschrieben. Höre nun von der Kshurika-Waffe.

3.55 Ihr höchstes Mantra ist als die Lautfolge ościpikhīcidakṣi ut überliefert. Die Kshurika-Waffe gleicht reinem Bergkristall und besitzt vier Arme.

3.56 Genannt werden die Vidyanga-Waffe, die Shivanga-Waffe und als dritte Aghorastra. Die Shivanga-Waffe erscheint zweifach; außerdem wird Shivas Waffe genannt.

3.57 Das alles umfassende Erkenntnisherz sowie das aus Yoga hervorgehende und das aus den Elementen hervorgehende Herz werden unterschieden. In diesem Zusammenhang wird auch Ghora genannt; dreifach ist das Herzmantra.

3.58 Mit dem aus den Elementen hervorgehenden bewirkt man die Entfaltung, mit dem aus Yoga hervorgehenden die Rücknahme. Das Erkenntnisherz gilt den Weisen als befreiend.

3.59 Die Keimsilben der Elemente, beginnend mit Erde, werden durch die Laute la, va, ra, ya und ha bezeichnet; die Lautreihe ist an der Stelle ya gestört. Die Brahma-Mantras gelten wie zuvor erklärt. Höre nun ihre weitere Gliederung.

3.60 Zuerst kommt das Brahma-Bija, als Zweites das Pinda-Mantra, als Drittes das Kala-Mantra. So wird das Brahman dreifach unterschieden.

3.61 Die Brahma-Aspekte in der Form ihrer Keimsilben heißen Bija-Brahman. Die nachfolgend der Ordnung gemäß gelehrten Mantras von Sadyojata bis Ishana

3.62 sind als Pinda-Mantras zu verstehen. Höre nun die Kala-Mantras: Sadyojata besitzt acht Kalas, Vamadeva dreizehn,

3.63 Aghora acht, das als Vaktra bezeichnete Gesicht vier. Ishana soll der Kundige in fünf Teile gliedern.

3.64 So ergeben sich achtunddreißig Kalas; dies heißt Kala-Brahman. Ich werde nun Brahman und Rudra im Zusammenhang mit dem Kreis und der geordneten Einsetzung der Laute erklären.

3.65 Man errichte dort einen Pavillon von neun Hasta Maß oder einen Schutzbau mit zwölf Säulen.

3.66 Er soll einen Baldachin und Fahnen besitzen und mit Räucherwerk und Lichtern geschmückt sein. In seiner Mitte gestalte man den Kreis.

3.67 Man spanne ein Schnurpaar von Osten nach Westen und ebenso eines von Süden nach Norden.

3.68 Ihr Abstand betrage sieben Angula nach dem festgelegten Fingermaß. In der Mitte zeichne man einen Kreis mit einem Maß von sechzehn Angula.

3.69 In ihm gestalte man einen achtblättrigen Lotus, außen einen sechzehnblättrigen. Darum zeichne der Kundige die umgebenden Kreise in der vorgesehenen Reihenfolge.

3.70 Ihr Abstand betrage fünf Angula. Vor den Toren zeichne man Dreizackzeichen. Im äußeren Bereich setze man dreiunddreißig Gottheiten ein.

3.71 Man stelle sich dort die Gottheiten auf den äußeren Feldern des Vastu vor und setze sie der Reihe nach mit Schwert und Schild ein.

3.72 Die Gottheiten sind rot und halten die Hände vor dem Herzen zum Gruß gefaltet. Ringsum ordne man sie mit jeweils einem Zwischenraum an.

3.73 Die Brahma-Laute gehören in die Hauptrichtungen, die Rudra-Laute in die anderen Richtungen. Von Osten bis Norden leite man die Brahma-Mantras her.

3.74 In den Zwischenrichtungen, beginnend im Südosten, leite man die Rudra-Mantras her. Höre nun die Einsetzung in dieser Folge von Brahman und Rudra.

3.75 Man zeichne die Brahma-Linie mit weißem Pulver und gestalte von ihr aus mit verschiedenfarbigen Pulvern die umgebenden Kreise.

3.76 Mit rotem Mineralpulver lege man die Reihen der Laute aus. Die achte Keimsilbe, von der mit ya beginnenden Gruppe aus gezählt, wird mit der Feuerkeimsilbe verbunden,

3.77 außerdem mit dem vierzehnten Vokal sowie Bindu und Nada. Durch ihre bloße Wiederholung, heißt es, vergeht selbst die Schuld einer Brahmanentötung und ähnlicher Vergehen.

3.78 Nachdem man dieses lebenspendende Mantra hergeleitet hat, setze man es auf den Fruchtboden. Auf das östliche Blütenblatt setze man den Pranava, rechts davon dyā.

3.79 Auf den achtblättrigen Lotus setze man die Lautgruppen pa, pra, gaccho und sadyo sowie anschließend sadyojā, ta und pṛcchipa.

3.80 Auch jā gehört dazu. Diese Zeichen setze man auf die für die Verehrung vorgesehenen Blütenblätter. Es folgen ma, sa und go.

3.81 Weiter werden jātāya, vai, naṃ und eine mit Visarga verbundene, undeutlich überlieferte Folge genannt, danach bhā, ve, bha, cetanā und atibha.

3.82 Mi gehört auf das nach Indra, also nach Osten gerichtete Blatt. Die weiteren Gruppen lauten bhatīnāve, bhavegamaḥ, na, vai, vatājānyosā. Man ordne sie auf den sechzehn in die Richtungen weisenden Blättern an.

3.83 So verfahre man im Uhrzeigersinn auch in den weiteren Umkreisen. Genannt werden ja, bha, pe, ma, pyo und tamo.

3.84 Es folgen kha, vi, kha, omā, kā, pa, po und die undeutlich überlieferte Folge hyocare kārayeva.

3.85 Weiter folgen mu, ya, drā, rudraḥ, śanno, pa, dhi und gā, vom Osten aus im Uhrzeigersinn.

3.86 Vierundzwanzig Zeichen sind damit für den ersten Umkreis der Reihe nach genannt. Es folgen na, mā, sva, vya und di.

3.87 Danach kommen ne, pa, vyā, pa, nā und ra; ferner die Gruppen bālabādhaparā, ra und ghocara.

3.88 Weiter folgen sra, vi, ka, ṣa, pi, co, pra, dra, mu, pra und śa.

3.89 Diese werden als zweiunddreißig Laute im zweiten Umkreis bezeichnet. Danach stehen ma mit Visarga und die als ravatāvā überlieferte Zeichengruppe.

3.90 Außen, auf dem sechzehnblättrigen Lotus, folgen bha, mocaya, pā, rū, kva, ri und ca.

3.91 Weiter folgen ba, moca, na, ma, pāma, mo, malo und a mit Visarga.

3.92 Danach stehen retau, ni, dyā, ni, ya, ta, ein langes ā, śi, der Pranava sowie yā und da.

3.93 Ka wird mit Visarga verbunden; ferner werden tedhamā und prapa genannt. Im dritten Umkreis sind sechsunddreißig Laute angegeben.

3.94 Es folgen na und vā, dann Dipa, die als nādhā überlieferte Gruppe, pra und jane; anschließend vyā, rva, samau, pra, la und bhukti.

3.95 Weiter stehen ni, ya, drā, oṣṭha und jye. Eine mit Visarga verbundene Gruppe ist undeutlich überliefert; danach werden ma, sa, ma und ein langes ā genannt.

3.96 Es folgen ṇya, ra, hi, mocana, dha, tyā, na, ī und ta.

3.97 Weiter folgen ta, bhū, navau, bhānau, va und bha. Für den vierten Umkreis werden hier vierundvierzig Laute angegeben.

3.98 Es folgen ya, vā, de und die Gruppe mādyovā; danach pādo, hāmā, ya, vā und śi.

3.99 Ma wird mit Visarga verbunden, darauf folgen na und der Pranava. Anschließend stehen die undeutlich getrennten Gruppen yadhau, nādhābda, śā und śabdāsāḥ mit Visarga.

3.100 Es folgen ta, ṇe, virū, hu, ba, ya, hyā, sarva, śa, ra und ein langes ta beziehungsweise tā.

3.101 Weiter werden tu, he, se, ca, la, na, la und ni genannt. Die anschließende Anweisung über die mit dem ersten Vokal beginnende Gruppe ist undeutlich überliefert.

3.102 U wird ein r vorangestellt. Danach folgen sa, dya, pi sowie die Gruppen nyā, pitti, śā, tyā, śa und va.

3.103 Weiter folgen va, vyo, bhavyau und bha. Für den fünften Umkreis werden achtundsechzig Laute angegeben.

3.104 Es folgen jye, mo, na sowie die Gruppe dāpadapā; danach ya, pākṛti, pa und kāne mit dem ersten Vokal.

3.105 Weiter folgen ya, āya und sa sowie hārgasā mit Visarga. Danach stehen na, jo und die Gruppen tejasau sowie jāte.

3.106 Es folgen ai, vi und ū; śa wird ein r vorangestellt, danach kommen sa und ya.

3.107 Die folgende Anweisung nennt einen langen, mit vorangestelltem r verbundenen Laut. Danach folgen spa, ṇe, virū sowie die undeutlich getrennten Gruppen na, hyorve, ghotatīṃ, tāśā, tā und śā.

3.108 U wird lang gesprochen und mit r verbunden. Danach folgen ra, pa, tithau, ṇāminābhyā sowie śliṃ, śīṃ und ślīṃ.

3.109 Es folgen der Pranava, śa, die Gruppe deśādettā, jā, a, ṣa, ru und die Gruppen pūṣau und rūpa.

3.110 Für den sechsten Umkreis werden der Reihe nach sechsundsiebzig Laute angegeben. Danach folgen die Gruppen tadhaṣṭhā, ṣā, śevi und pācaya.

3.111 Weiter stehen rūcadra, raucaya, nāśāvi, ghna, vi, rvasau, yā und taru.

3.112 Ca wird ein r vorangestellt. Danach folgen ru, ṇḍa, gadhau, ḍā, gaṇepi, rūḍā, rāvasā und raṇe.

3.113 Es folgen die Gruppen rūstustaimā und prova; danach wird ein mit dem ersten Vokal verbundenes ma mit Visarga genannt. Weiter stehen ta, va, śimastā, va, śi und bha.

3.114 Danach folgen taraghomogarā sowie sa, ra und śa. Weiter werden dreimal hrī und dreimal hri im Zusammenhang mit Dipa genannt.

3.115 Es folgen drei huṃ-Laute, der Pranava und dreimal phaṭ; anschließend werden Dipaka und Amsha genannt. Für den siebten Umkreis werden achtzig Laute angegeben.

3.116 Es folgen drau, ru, mocana, ra, rupī, ya, ṣṭā, daṃ, tū, va und lipī.

3.117 Weiter folgen li, ki, lipī, li, hi, tantī, nāmādā, dvaṃ, ṇepi, rūlā und drū.

3.118 Danach stehen ya, lā, mū, ṇepi, rūjā, bījāyā, bī, ṇepi und berudra.

3.119 Das Zeichen ma erhält Visarga. Danach stehen na, yadā und namo; die anschließende Anweisung nennt erste Vokale und Visarga, ist aber in ihrer Gliederung undeutlich.

3.120 Weiter folgt die ungeklärt getrennte Lautgruppe vīhya pomona hyatāmrarvanāścantā cana. Danach stehen a, phaṭ, huṃ und wiederum der Pranava.

3.121 Es folgen ṣaṭ, vau, nochmals ṣaṭ, dann svā und hā, anschließend svā, sti und sa; ma und na werden mit Visarga verbunden.

3.122 Für den achten Umkreis werden achtundachtzig Laute angegeben. Darauf folgen ma mit Visarga, na und yayau.

3.123 Es folgen yānnirve, dhamāḥ, sā, ju, gya, ṛ, śva, hvā, jīṃ, gra, no und ein langes ha beziehungsweise hā.

3.124 Weiter stehen līpe, pā, pa, lāpā, nānā, monayā und pi; anschließend die Gruppe rudrapā und ein langes ya beziehungsweise yā.

3.125 Danach folgen drāpaṇe, pitatārū, la, nāyau, calā sowie nā, rūrāṃ, rudrā und ya.

3.126 Es folgen rācarū, ta, der Pranava, a, pa, si, dya, cāpi, rva und sa.

3.127 Ma erhält Visarga; danach stehen ta, bhya, nuyo sowie die Gruppen tava, gopte und gauyau, anschließend hyā und gu.

3.128 Weiter folgen monahu, prā, ha, sma, vraṃ, nāṃ, ta, hā, svā, ya und ein langes ra beziehungsweise rā.

3.129 Es folgen ya, bhī, bhū, ma, pre und ein langes ha; danach sā, ya, rā, ya, ja und va.

3.130 Weiter folgen hā, svā, talī, jva, su und da. Für den neunten Umkreis werden hundertacht Laute angegeben.

3.131 Es folgen ya, lā, kā sowie die Gruppen vyālikaili und kiṃ. Danach stehen ya, tā, śva, śā, ya und ein langes va.

3.132 Weiter werden dhrā, ya, tā, tā, śrī und die Gruppe ānā cayau genannt. Danach stehen tā und nā; die folgende Anweisung nennt den ersten Vokal, ya, ntā und na.

3.133 Es folgen a, ma, nomaṇa, pitā, la, pa, ya, lā und bha.

3.134 Weiter folgen ṇe, pi, rū, pañcapu, ya, ṣvā, pu und ṇa sowie die Gruppen viśvarūpar und bhagau.

3.135 Es folgen ya, bhā, ga, ṇe, ṣvā, ru, pu, dyo, ātma, vyocana und ta.

3.136 Weiter stehen cecanā und ta; danach wird die Folge cece mit den ersten Vokalen verbunden. Anschließend folgen ya, rā, pa, ra und ya.

3.137 Es folgen me, ra, pa, ya, pā, parū, ni, dyo, ye, ta und die undeutlich getrennte Gruppe paścatiṇāccivāḥ.

3.138 Weiter stehen na, ein Vokal, dyo, ra, pa, candra, ru, ṣṇu, pi, hyā, pu und rakau.

3.139 Es folgen sya, nai, sā, rva, sa, da, pra, kha, sutau, hū und rva.

3.140 Für den zehnten Umkreis werden hundertzwölf Laute angegeben. Danach folgen ka, ma mit Visarga sowie die Gruppe nayāye und ein langes ru.

3.141 Es folgen yā, kāraya, rā, ein langes ha, na, dhyā, ne und die undeutliche Folge gityayotyaṃ niyā.

3.142 Weiter stehen tā, sthi, sa, ma, pī, ga, yo, balaṃ, nayau, nā, ṇe und vi.

3.143 Es folgen ru, no, ma, secanamau, ṇe, virūtau und re.

3.144 Weiter folgen setareṇe, viruntā, na, yā, ya, ta, na, a, tma, vi und vadhū.

3.145 Danach werden Agni und die ersten Vokale genannt; es folgen die undeutlichen Gruppen śvarūpa und nityojaḥ mit Visarga sowie te und mathā.

3.146 Es folgen pra, vi, rūnau, viśvarū, apiṃ, vyā, vi, vyomin, smā, pra und ti.

3.147 Weiter stehen śikṣa, kṣmā, sū, abda, śa, na, jñā, ga, piṃ, ga, ta und parū.

3.148 Es folgen tu, ṣi, sā, ta, sthi und rva. Auch pūtau, stu und anau soll man eigens einsetzen.

3.149 Für den elften Umkreis werden hundertsechzehn Laute angegeben. Danach folgen ka, vilau, a, ya sowie vā und śirāḥ.

3.150 Es folgen ghomānā, ya, jñā, va, ṣa, ru, pu, tayau sowie vā, śiye und die Gruppe tat pagā.

3.151 Weiter stehen ja, ya, nāśā, ī und der erste Laut, danach der Pranava mit Visarga sowie ma, pra und ya.

3.152 Es folgen pāruti, kṛ, pra, ṇe, virūraka, haṃsa, abhya, ein Vokal, ya, rā und ein langes ka.

3.153 Weiter stehen aṃ und die ersten Vokale, dann ṇe und vi; danach die Gruppe rurthau und wiederum erste Vokale, schließlich yartha und der erste Laut.

3.154 Es folgen mahāmahe, bahu und der Pranava; danach rū mit Visarga und nochmals der Pranava.

3.155 Su wird viermal genannt, ebenso nā viermal; danach folgen die Gruppen denāde, nā, a am Ende und na.

3.156 Weiter stehen a, sma, a, nta und rbha. Die anschließende Anweisung über den ersten Vokal und ma ist undeutlich; danach folgen mevo, śi und ca.

3.157 Es folgen ṣāṃ, śāṃ, vāṃ, lāṃ, yāṃ, o, ne, vi, vyāma und ca.

3.158 Weiter folgen vyo, ūcaṃ, ra, ā, der Pranava, vaya, ma, na und ma.

3.159 Es folgen śi, da und die undeutliche Gruppe rvasau, danach rva, śa und va. Für den zwölften Umkreis werden hundertzwanzig Laute angegeben.

3.160 Es folgen ya, ṇā, ra, vā, pā, pa, ya sowie die Gruppen hyāguvā und devamāyā.

3.161 Weiter stehen no, dann prayadyu, vidhaṃ, drā und kā; danach va, si, da, bhūyabhya und ca.

3.162 Es folgen re, ghoṇe, virudrā, vi und ein langes yadya; danach vi, ṇe, pi, rūpaddha und śuyau.

3.163 Weiter folgen yā, gu, ṇe, ru, māyā und yathau, danach mā, ṇe, rūti, ka, ya und vā.

3.164 Es folgen deya, vyā und der erste Vokal, danach ve, bha und vimau sowie die undeutlich getrennte Gruppe vācamāvākane und kāne mit dem ersten Vokal.

3.165 Weiter stehen tryaṃ, sa und Dipa, danach va mit Visarga, ta, der Pranava sowie na mit Visarga.

3.166 Es folgen ja und Dipaka, dann ha mit Visarga, ma und der Pranava sowie spa mit Visarga.

3.167 Weiter folgen der Pranava, dā, sa, stu, tapo, ta, bhāvai, svā und ma mit Visarga.

3.168 Es folgen na, pe, bha, pra und gaccha; danach ma mit Visarga, naye, tā und pa.

3.169 Weiter stehen na, śādrau, kṣaṃ, kṣa mit Visarga, tvaiṃ, kṣūṃ, kṣaṃ, tvāṃ, kṣāṃ, hāṃ und hā.

3.170 Für den dreizehnten Umkreis werden hundertachtundzwanzig Laute angegeben. Danach folgen ya, mo, ru, va und kāyau.

3.171 Es folgen rā, yāktyā, śa, di, mā sowie die Gruppen layektā und mū, danach ta, jādyo und sa.

3.172 Weiter stehen candra, na, dhārā, vi, su, aṣṭha, ri, va, ṇya, re, va und ravau.

3.173 Es folgen ya, ghe, ya und a; danach ra, Agni, lā, kā und ma mit Visarga.

3.174 Weiter folgen niyavāśi, hau, der Pranava, ṇe, pi, rū, vī, śidāsā und ya.

3.175 Es folgen pāśidā, sā, ṇe, pi, ruya, na, yānā, mahimau, dhīye, vā und śi.

3.176 Weiter stehen dāsaḥ, sarva, cau, śi, vaṃ, ha, noyani, na, dhani und der erste Vokal.

3.177 Es folgen maṃpadhā, ta und tīra; eine weitere Vokalanweisung ist undeutlich. Danach stehen na, ma, sanau, sa, śānteśāyā und Dipaka.

3.178 Va erhält Visarga; danach setze man śi ein. Es folgen ma mit Visarga sowie nayenāṃ und paṇāṃ.

3.179 Es folgen drā, ru und ma mit Visarga, na sowie netmaka; danach mṛ, a, ma mit Visarga, na und ne.

3.180 Weiter folgen mavau, sa, ma mit Visarga, na, nochmals na, ne und ātma.

3.181 Es folgen ma mit Visarga, na und e. Für den vierzehnten Umkreis werden hundertsechsunddreißig Laute angegeben.

3.182 Nachdem man die Laute auf diese Weise eingesetzt hat, beginne man mit ihrer Herleitung. Nun werde ich die Saudha-Gestalt beschreiben, die fünf Gesichter besitzt.

3.183 Sie hat fünfzehn Augen und erstrahlt mit zehn Armen. Zwei Hände zeigen die Gesten der Gnadengewährung und der Furchtlosigkeit, acht halten Waffen.

3.184 Sie trägt feine Seidengewänder und allen Schmuck und sitzt im Lotussitz. Diese Gestalt wird Prasada genannt.

3.185 Eine weitere Gestalt besitzt ein Gesicht, drei Augen und vier Arme und ist von schöner Erscheinung. Der Gott trägt himmlische Gewänder und himmlischen Schmuck.

3.186 Damit ist Brahman beschrieben. Nun werden die Merkmale Rudras erklärt: Er besitzt vier Gesichter, vier Arme und zwölf Augen.

3.187 Seine Hände zeigen die Gesten der Gnadengewährung und der Furchtlosigkeit; außerdem hält er Dreizack und Elefantenstachel. Er trägt allen Schmuck und eine weiße heilige Schnur.

3.188 Man meditiere über seine rote Gestalt, bekleidet mit feinem Gewebe. Beim Übergang der Sonne in ein neues Tierkreiszeichen, bei Tagundnachtgleiche, zur Sonnenwende und unter dem eigenen Geburtsgestirn,

3.189 am Ende von Einweihung und Tempelweihe, bei Hungersnot, unheilvollen Vorzeichen, Erdbeben, flammendem Horizont, Fieber oder Seuchen

3.190 übergieße man Shiva unter Rezitation des Rudra-Mantras mit Kuhmilch, duftendem Wasser, Ghee, Honig oder Kokoswasser.

3.191 Dadurch, heißt es, vergeht die in sieben Geburten angesammelte Schuld des Auftraggebers. Die Mantras aller Gottheiten werden in dieser Weise zweifach verstanden.

3.192 Der Anfangslaut des jeweiligen Namens bildet die Grundlage; die weitere Anweisung nennt einen Vokallaut und das Feuerzeichen. Mit Bindu und Nada verbunden ergibt sich das jeweilige Wurzelmantra.

3.193 Die langen Vokale bilden die Gliedermantras; sechs Glieder werden genannt. Die Waffe wird mit Visarga verbunden, die fünf Brahma-Mantras erhalten kurze Vokale.

3.194 Entsprechend dem Laut ist die Gestalt, wie es in dieser Mantralehre vorgeschrieben wird. Diese sämtlichen Mantras Shivas, des höchsten Selbst,

3.195 sind bei allen entsprechenden Handlungen anzuwenden und gelten als Vollkommenheit verleihend. Die Herleitung der Mantras ist damit erklärt. Höre nun von Reinigung und rituellem Schlürfen des Wassers.“

So endet das dritte Kapitel über die Herleitung der Mantras.


Kapitel 4 – Reinigung und rituelles Schlürfen von Wasser

4.1 „Nun werde ich die Merkmale von Shaucha, der Reinigung, und Achamana, dem rituellen Schlürfen von Wasser, erklären, zum Wohl der Übenden in den vier Lebensständen.

4.2 In der Brahmamuhurta soll der Kundige im Geist über Shiva nachsinnen. Sie liegt täglich am Ende der Nacht; die anschließende Zeitangabe ist sprachlich gestört.

4.3 Diese Zeit wird in meiner Zeiteinteilung Brahmamuhurta genannt. Nach dem Aufstehen begebe man sich außerhalb des Dorfes, um die Körperreinigung zu vollziehen.

4.4 Bei der Entleerung von Darm und Blase halte man die Sonne zur Rechten. Nachts richte man sich nach Süden und lege Gras auf den Boden.

4.5 Man lege die heilige Schnur in die Hand oder an den Ansatz des Ohres, bedecke den Kopf und halte den Körper gerade. Die letzte Verhaltensanweisung ist undeutlich überliefert.

4.6 Nicht tue man dies der Sonne, dem Wasser, dem Feuer, dem Mond, einer Kuh oder einem Brahmanen zugewandt, nicht in der Nähe eines Tempels, an einem Brunnen, im Kuhstall oder auf Asche,

4.7 nicht auf einem Feld, im Schatten eines Baumes, in einem Fluss oder See, bei einem heiligen Baum oder am Ufer des großen Meeres,

4.8 nicht auf einem öffentlichen Platz und nicht im Inneren eines Hauses. Danach halte man das Glied mit der linken Hand und einen Erdklumpen in der rechten.

4.9 Man begebe sich zu sauberem Wasser und vollziehe die Reinigung. Das Glied reinige man einmal mit Erde in der Größe einer Aksha-Frucht.

4.10 Entsprechend verwende man die Erde auch an den übrigen zu reinigenden Stellen und an den Füßen. Die linke Hand reinige man zehnmal, beide Hände gemeinsam siebenmal.

4.11 Stets soll man sie mit Wasser säubern. Dies ist für Haushälter vorgeschrieben. Für Brahmacharins gilt die doppelte Anzahl,

4.12 für Waldeinsiedler die dreifache, für Entsagende die vierfache. Man reinige sich so lange, bis auch im Geist das Empfinden der Reinheit entstanden ist.

4.13 Danach verlasse man diese Uferstelle und vollziehe Achamana an einem anderen Ort. Man wasche Hände und Füße, beginnend mit der rechten Seite.

4.14 Alle rituellen Handlungen vollziehe man mit einem Pavitra-Ring an der Hand. Dabei stehe der rechte Fuß auf trockenem Boden, der linke im Wasser.

4.15 Man blicke weder zum Himmel noch nach allen Seiten umher. Mit der Hand in der Form eines Kuhohrs trinke man lautlos so viel Wasser, dass eine Masha-Bohne darin untertauchen könnte.

4.16 Nachdem man dreimal getrunken hat, berühre man den Mund mit dem Daumen, dann das Gesicht mit der Hand und besprenge die Füße.

4.17 Mit Daumen und Ringfinger berühre man die Augen, mit Daumen und Zeigefinger die Nase,

4.18 mit Daumen und kleinem Finger die Ohren. Das dreimalige Trinken dient der Befriedigung von Rigveda, Yajurveda und Samaveda.

4.19 Für den Atharvaveda und die Überlieferung der Itihasas berühre man zweimal den Mund. Die Besprengung beider Füße dient der Befriedigung der sieben Rishis.

4.20 Es folgen Berührungen von Kopf, Mund, Augen, Ohren, Armen, Nabel und Herz. Der Vers ordnet ihnen Gottheiten zu, darunter Indra, Vishnu und Feuer; die vollständige Zuordnung ist im Wortlaut nicht eindeutig.

4.21 Nach Niesen und Schleimauswurf sowie weiteren hier undeutlich benannten Anlässen vollziehe man unverzüglich Achamana. Der Kundige berühre den Mund mit dem Daumen und vollziehe danach das rituelle Schlürfen.

So ist Achamana erklärt. Höre nun die Vorschrift für das Bad.“

So endet das vierte Kapitel über Reinigung und Achamana.


Kapitel 5 – Das rituelle Bad

5.1 „Nun werde ich das höchste, von Verfehlungen reinigende Bad erklären. Fünf Arten dienen der Reinigung der Brahmanen und der übrigen hier niedriger eingestuften Gruppen.

5.2 Es gibt das Wasserbad, das Feuerbad, das himmlische Bad, das Windbad und das geistige Bad. Das Varuna-Bad geschieht mit Wasser, das Agni-Bad mit Asche.

5.3 Das himmlische Bad geschieht bei gleichzeitigem Sonnenschein und Regen, das Windbad durch den von Kühen aufgewirbelten Staub. Das geistige Bad geschieht durch Mantras. So werden fünf Bäder beschrieben.

5.4 Ich werde das Wasser- und das Aschebad erklären. Höre die Wahrheit, Gajanana. Das Wasserbad geschieht vierfach: in einem Fluss, in einem angelegten Wasserbecken, in einem Teich oder mit Brunnenwasser.

5.5 Man soll kein Brunnenbad wählen, wenn ein Wasserbecken oder eine andere bessere Badestelle vorhanden ist. Auch soll man nicht im Teich baden, wenn ein Fluss zur Verfügung steht, Gajanana.

5.6 Das Wasserbecken gilt als zehnmal verdienstvoller als der Brunnen, der Fluss als zehnmal verdienstvoller als das Becken. Nochmals zehnmal höher werden die Flüsse gewertet, die ins Meer münden.

5.7 Der Guru begebe sich zum Bad und richte sich nach Osten oder Norden. Dem Bad mit Blick nach Osten wird hundertfaches Verdienst zugeschrieben.

5.8 Besonders das südliche Ufer soll unermessliche Frucht gewähren. Wasser in der Nähe eines Shiva-Tempels gilt, ob gewöhnlich als rein oder unrein beurteilt,

5.9 durch seine Verbindung mit Shivas Heiligtum als Shiva-Ganga. Man begebe sich zu einer solchen heiligen Badestelle und vollziehe dort das Bad.

5.10 An einem sauberen Ort sitze man bequem nach Osten oder Norden gewandt. Mit Zweigen von Plaksha, Udumbara oder Neem reinige man die Zähne.

5.11 Zuerst vollziehe man das Bad zur Entfernung körperlichen Schmutzes, danach das vorgeschriebene Ritualbad. Glieder und Körperteile werden eingerieben; die genaue Liste der dazu verwendeten Stoffe ist gestört.

5.12 Dies heißt das reinigende Körperbad. Höre nun das Mantrabad. Wasser wird von Fischen, Fröschen, Schlangen

5.13 und anderen Wassertieren bewohnt und gilt deshalb im rituellen Zusammenhang als beeinträchtigt. Zur Beseitigung dieser Beeinträchtigung richte man eine Shiva-Badestelle ein.

5.14 Man grenze einen quadratischen Bereich von einem Hasta Seitenmaß ab. Mit huṃ und phaṭ nehme der Übende reine Erde auf.

5.15 Mit dem Sadyojata-Mantra lege er sie nieder, mit Vamadeva besprenge er sie, mit Aghora berühre er sie und mit Tatpurusha teile er sie in drei Portionen.

5.16 Diese ordne er im Osten, Süden und Norden an. Über jede spreche er das Ishana-Mantra.

5.17 Dann rezitiere er das Waffenmantra, das Brahma-Mantra und das Shiva-Mantra und ordne die Portionen vom Osten aus zu. Die mit dem Waffenmantra besprochene Erde werfe er in die zehn Richtungen.

5.18 Die mit dem Shiva-Mantra besprochene Portion werfe er in die Mitte der Badestelle. Mit phaṭ und der Anwendung der Naraca-Waffe

5.19 werden nach dieser Vorschrift die feinen rituellen Beeinträchtigungen des Wassers vertrieben. Mit der Hälfte der durch das Brahma-Mantra geweihten Erde reibe man den Körper ein,

5.20 insbesondere Kopf, Gesicht, Herzgegend, Füße und Schambereich. Mit der übrigen Hälfte vollziehe man die entsprechende Berührung und bade, wobei das Wasser wiederholt durchteilt wird.

5.21 Nach dem rituellen Schlürfen bade man in der Mitte der Shiva-Badestelle. An den Händen der Zweimalgeborenen gibt es fünf heilige Stellen:

5.22 Brahma-, Agni-, Ahnen-, Götter- und Rishi-Tirtha. Die Brahma-Stelle befindet sich an der Daumenwurzel, die Agni-Stelle in der Mitte der Finger.

5.23 Zwischen Zeigefinger und Daumen liegt die Ahnen-Stelle; an den Wurzeln der Finger liegt die Götter-Stelle.

5.24 An den Fingerspitzen liegt die Rishi-Stelle. Man setze die fünf Gottheiten ein: Agni, Vayu, Prajadhyaksha, den strahlenden Sonnengott und Indra.

5.25 Beginnend mit dem Daumen ordne der Kundige sie der Reihe nach an. Zum Trinken verwende er das Brahma-Tirtha, zur Besprengung das Agni-Tirtha.

5.26 Man vollziehe eine königliche Behandlung mit wohlriechenden Stoffen, Amalaka und anderem. Nach dem Aufenthalt im Wasser übergieße man sich mit der Vaktra-Mudra.

5.27 Der Kundige bade unter Verwendung der Shiva-, Brahmanga- und Vidyanga-Mantras. Mit den fünf Brahma-Mantras, den Shiva-Gliedermantras und den dreifüßigen Formeln vollziehe er Aghamarshana, die rituelle Tilgung der Verfehlungen.

5.28 Unter Wasser schließe man die Augen und lasse den Körper nicht sichtbar werden. Danach richte man sich zur heiligen Badestelle; als weitere Form wird das Eintauchen des Gesichts genannt.

5.29 Für das Eintauchen des Gesichts wird eine Frucht von hundertfünfzig, für das des halben Körpers von eintausendfünfhundert und für vollständiges Untertauchen von zehn Millionen angegeben; die Bezugsgröße dieser Zahlen bleibt hier unausgesprochen.

5.30 In innerer Sammlung steige man heraus und vollziehe ordnungsgemäß Achamana. Morgens spreche man die mit sūrya beginnende Formel, mittags die mit āpa beginnende.

5.31 Abends rezitiere man die mit agniś ca beginnende Formel und vollziehe entsprechend Achamana. Mit āpo hi ṣṭhā besprenge man sich; unter Rezitation der Savitri versprenge man Wasser.

5.32 Morgens vollziehe man die Sandhya-Verehrung gereinigt und mit gefalteten Händen im Stehen. Mittags darf man stehen oder sitzen; abends sitze man.

5.33 Man vollziehe nach Vermögen einmal Pranayama und wiederhole danach die Savitri achtmal. So verfahre man regelmäßig zu den Sandhya-Zeiten.

5.34 Mit drei durch ihre Anfangswörter mitrā, satyena und imam bezeichneten Mantras vollziehe der Kundige die Verehrung am Morgen und zu den folgenden Zeiten.

5.35 Götter, Rishis und Ahnen erfreue man durch Wasserspenden: mit Vamadeva, Aghora und Sadyojata, jeweils nach Osten, Norden und Süden gewandt.

5.36 Nächtliches Baden wird nicht empfohlen, außer bei einem hier undeutlich bezeichneten Sonnenereignis. Nach der mythischen Erklärung strömt nachts Vritras Blut in die Flüsse.

5.37 Deshalb soll man dann nicht ohne Weiteres darin baden oder daraus trinken. Muss man nachts Wasser für die Gottheit oder für sich selbst entnehmen,

5.38 wird seine Reinigung in Gegenwart von Gold oder durch Pranayama vorgeschrieben. Der kundige Lehrer vollziehe gegebenenfalls drei Atemregelungen.

5.39 So gilt das Wasser als rituell gereinigt und kann für das nächtliche Bad verwendet werden. Dabei nehme man eine Leuchte mit, sowohl für die Gottheit als auch für sich selbst.

5.40 So verfahre man regelmäßig und rezitiere danach das Shiva-Mantra. Unter Rezitation der heiligen Verse berühre man Wasser und benetze sich der Reihe nach vom Kopf bis zu den Füßen.

5.41 Nach Vermögen wiederhole der Kundige das Shiva-Mantra zusammen mit den Brahma- und Gliedermantras. Mit phaṭ hebe er die zuvor eingerichtete Shiva-Badestelle rituell wieder auf.

5.42 Er lege ein gewaschenes Gewand an und das nasse ab. Danach begebe er sich zum Shiva-Heiligtum und vollziehe die Umrundung im Uhrzeigersinn.

5.43 Vor Shiva, der höchsten Ursache, werfe er sich lang ausgestreckt auf den Boden. Überall dort, wo der Haupteingang zwei Türflügel besitzt,

5.44 verehre er an den Türen die neun Gottheiten. Bhujanga und Patanga ordne er jeweils oben und unten an.

5.45 In der Mitte des Türsturzes vollziehe er die vorgesehene Einsetzung. Mit dem Anfangslaut des jeweiligen Namens verehre er die Gottheiten durch Duftstoffe, Blumen und weitere Gaben.

5.46 Mit dem Waffenmantra zeige er die zugehörige Mudra, öffne die Türen und trete in die Vorhalle ein.

5.47 Danach bilde er die Shodhani-Mudra und vollziehe mit huṃ die Reinigung. Das Wasserbad ist damit erklärt. Höre nun das Aschebad.“

So endet das fünfte Kapitel über das Bad.


Kapitel 6 – Das Bad mit heiliger Asche

6.1 „Nun werde ich die höchste Vorschrift für das Aschebad erklären. Es verleiht Glanz, reinigt und dient als Schmuck wie eine Halskette.

6.2 Es gilt als verdienstvoll, zieht die Menschen an und tilgt täglich Verfehlungen. Durch Shivas Willen gelangten fünf Kühe aus seiner göttlichen Welt auf die Erde.

6.3 Aus dem herrlichen Milchozean, den Götter und Asuras quirlten, gingen fünf Kühe hervor, die Mütter aller Welten:

6.4 Nanda, Subhadra, Surabhi, Sushila und Sumanas. Ihre Farben sind der Reihe nach Falbbraun, Schwarz, Weiß, Rauchgrau und Rot.

6.5 So sind die Farben von Nanda bis Sumanas genannt. Zum Wohl aller Welten und zur Befriedigung der Götter

6.6 bleiben diese Kuhmütter auf der Erde, insbesondere für die rituelle Übergießung Shivas. Kuhdung, Gorocana, Kuhurin, Milch, Dickmilch und Ghee

6.7 bilden sechs heilige Bestandteile, denen die Gewährung aller Vollkommenheiten zugeschrieben wird. Durch die Kühe werden die Opfer ermöglicht; in den Kühen ruhen die Götter.

6.8 Mit den Kühen werden auch die Veden in ihren Rezitationsweisen und mit ihren sechs Hilfswissenschaften verbunden. An den Hornwurzeln der Kühe befinden sich stets Brahma und Vishnu.

6.9 An den Hornspitzen weilen alle heiligen Stätten, die festen und die beweglichen. In der Mitte des Kopfes weile ich selbst, umgeben von meinen Wesen.

6.10 Auf der Stirn befindet sich, mein Lieber, dein Bruder. Die beiden Nagas Kambala und Ashvatara weilen in den Nasenöffnungen.

6.11 In den Ohren weilen die Ashvin-Götter, in den Augen Mond und Sonne, in den Zähnen die Maruts und auf der Zunge Varuna.

6.12 Im Muhen weilt Sarasvati, an den Wangen Yama und der Yaksha-Herr, an den Lippen die beiden Dämmerungen und am Hals der Mond.

6.13 In der Mitte der Hufe weilen die Gandharvas, an ihren Vorderenden werden die Panchagas genannt. Die Zuordnung am hinteren Hufbereich ist undeutlich überliefert.

6.14 Die Rudras weilen in den Nadis, die Winde in allen Gelenken, die Ahnen an den Hüften, Uma und Rama in der Brust.

6.15 Shri weilt im Ausscheidungsbereich der Kuh, Dharma im Schwanz. Die Schwanzhaare sind die Sonnenstrahlen, im Urin weilt Ganga selbst.

6.16 Alle Rishis befinden sich an den Haarspitzen. Im Bauch liegen Erde und Lebewesen, Gajanana.

6.17 Die vier Zitzen sind die vier gefüllten Meere. So ist das gesamte Weltall in den Kühen gegründet, o Vighnesha.

6.18 Gabe, Feueropfer, Nahrung und die gesamte bewegliche und unbewegliche Welt sind mit den Kühen verbunden. Von der falbbraunen Kuh nehme man Urin, von der schwarzen den Dung,

6.19 von der weißen Milch, von der rauchgrauen Dickmilch und von der roten Ghee. Gorocana darf von Kühen aller Farben genommen werden.

6.20 Aus Kuhurin, so die Ursprungserzählung, entstand der wohlriechende, erfreuliche Guggulu. Er ist eine Gabe für alle Götter und insbesondere für Shiva.

6.21 Aus Kuhdung entstand der herrliche Bilvabaum, den Shiva liebt. In ihm weilt Shri mit dem Lotus in der Hand; deshalb heißt er auch Shri-Baum.

6.22 Auch die Samen von Utpala und Padma entstanden aus Kuhdung. Alle anderen Samen der Welt soll man als aus der Milch hervorgegangen verstehen.

6.23 Aus der Dickmilch entstanden die glückverheißenden Dinge, die der Erfüllung von Zielen dienen. Aus Ghee ging Amrita hervor, das die Unsterblichen sehr lieben.

6.24 Deshalb übergieße man Shiva ehrfürchtig mit diesen sechs Bestandteilen der Kühe. Gorocana gilt als glückverheißend, heiligend und alle Wünsche erfüllend.

6.25 In diesem Bewusstsein über die Kühe nehme man den Dung zur Bereitung der Asche unter Rezitation des Sadyojata-Mantras. Die Angabe, ob er bereits den Boden berührt haben darf, ist im Wortlaut gestört.

6.26 Mit Vamadeva forme man Klumpen, mit Aghora trockne man sie, mit Tatpurusha verbrenne man sie und mit Ishana bespreche man die Asche.

6.27 Zusammen mit Ketaki-Blüten bewahre man sie in neuen Gefäßen auf. Der Kundige darf auch Asche aus einem Agnihotra-Feuer verwenden.

6.28 Zuerst vollziehe man das Wasserbad, danach das Aschebad. Für spätere Gelegenheiten wird das Aschebad auch ohne vorausgehendes Wasserbad vorgeschrieben.

6.29 Das Aschebad geschehe unter Rezitation der Shiva-, Brahma- und Gliedermantras. Mit Ishana bestäube man den Kopf, mit Tatpurusha das Gesicht,

6.30 mit Bahurupa die Herzgegend, mit Vamadeva den Nabel und mit Sadyojata den ganzen Körper.

6.31 Man lege ein reines Gewand an; die nähere Angabe zu dessen vorherigem Gebrauch ist undeutlich. Dann reinige man Hände und Füße und vollziehe Achamana.

6.32 Wenn das Bestäuben des Körpers mit Asche nicht erfolgt, sind die drei Tripundra-Streifen vorgeschrieben. Ohne diese drei Streifen soll man die rituellen Opferhandlungen nicht ausführen.

6.33 Die drei Streifen bringe man mit Zeige-, Ring- und Mittelfinger an. Ihre zugeordneten Gottheiten sind Brahma, Vishnu und Rudra.

6.34 Am Kopf ist Brahma selbst zugeordnet, an der Stirn Skanda, am Hals Vinayaka und an den Armen Keshava.

6.35 Am Herzen wird Ishvara genannt, am Nabel Prajapati, an den Knien die Ashvins und an den Füßen die Panchagas.

6.36 Welche Frucht das Baden an allen heiligen Stätten und die Teilnahme an allen Opfern gewährt – diese Frucht, heißt es, wird durch das Aschebad zehnmillionenfach erlangt.

Das Aschebad ist damit erklärt. Höre nun von den Voraussetzungen der Verehrung.“

So endet das sechste Kapitel über das Aschebad.


Kapitel 7 – Die Bestandteile der Verehrung

7.1 „Nun werde ich die Bestandteile der Verehrung zusammenstellen: Wasser zum Waschen der Füße, Wasser zum rituellen Schlürfen, das ehrende Arghya-Wasser, Duftstoffe, Blumen und Räucherwerk,

7.2 ferner Licht und Speisegabe sowie die beiden am Ende undeutlich benannten Bestandteile. Insgesamt werden zehn gezählt. Die mit zehn Bestandteilen ausgestattete Puja gilt als die höchste Verehrung Shivas.

7.3 Die bis zur Lichtgabe reichende Verehrung heißt Arcana, die bis zur Speisegabe reichende Pujana. Die befriedende Feier reicht bis zu Bali-Gaben und Tanz. So wird die Verehrung dreifach unterschieden.

7.4 Ushira, Sandelholz, Durva-Gras und weißer Senf bilden die vier Bestandteile des Wassers zum Waschen der Füße.

7.5 Kardamom, Gewürznelken, Kampfer, ein hier als tra pū bezeichnetes Mittel und Muskatnuss werden als fünf Bestandteile des Achamana-Wassers genannt.

7.6 Wasser, Milch, Spitzen von Kusha-Gras, Gerste, weißer Senf, enthülster Reis, Sesam und unenthülster Reis bilden das achtteilige Arghya.

7.7 Im Zusammenhang mit Akshata werden Gerste, enthülster Reis, weißer Senf und unenthülster Reis genannt. Insbesondere die Verbindung von unenthülstem und enthülstem Reis wird hier als Akshata bezeichnet.

7.8 Adlerholz, Sandelholz, Kostha und Safran werden zusammen mit Kampfer verwendet. Die Mengenangaben nennen gleiche Teile, die Hälfte und ein Viertel; ihre genaue Zuordnung ist im Wortlaut nicht eindeutig.

7.9 Damit sind die Duftstoffe erklärt. Höre nun von den Blumen. Weiß, Schwarz und Rot werden den drei Gunas zugeordnet: Sattva, Tamas und Rajas.

7.10 Gelbe Blumen besitzen eine Mischung von Sattva und Rajas. Dunkle, tamasige Blumen soll man meiden, mit Ausnahme des blauen Lotus.

7.11 Am Vormittag ist Nandyavarta vorgesehen, mittags Karavira, abends Mallika und um Mitternacht Dvikarnika.

7.12 Drona, weißer Lotus, Jati, Bahukarnika, Nandyavarta, Shriyavarta, Mandara und Shatapatrika,

7.13 ferner weißer Arka, Malati, Punnaga und Kurava: solche Blumen gelten als sattvig.

7.14 Roter Utpala und Padma, Brihati, Dhurdhuraka sowie rote Patali-Blüten gelten als rajasig.

7.15 Karnikara, Dhurtura, Sarala und Aragvadha sowie andere gelbe Blumen werden als gemischt bezeichnet.

7.16 Karanja, Vakula, Shirisha, Ketaki, Langali, die hier Vihita genannte Pflanze, Bandhuka und Granatapfel,

7.17 ferner Kimshuka, Madanti und Kumuda soll man meiden. Auch mit überreifen oder unreifen Blüten und mit Knospen soll man Hara nicht verehren.

7.18 Blumen, die durch Haare oder Insekten verunreinigt, von Spinnfäden bedeckt, von selbst abgefallen oder vom Vortag übrig geblieben sind, soll man meiden.

7.19 Als Blätter beziehungsweise grüne Gaben werden Shami, Bilva, Apamarga, Kusha, Durva, Saha, Naganandi, Rudraparni und Dhataki genannt,

7.20 ferner Bhadri, Mahabhadri und Drona-Blätter. Mit stechend riechenden oder völlig duftlosen Gaben soll man insbesondere nicht verehren.

7.21 Unter allen Blattarten wird das Bilvablatt besonders gepriesen; unter den Blüten nimmt entsprechend die Lotusblüte diese Stellung ein.

7.22 Bei Festen, Prozessionen, Umzügen und beim Schmücken bildhafter Gottheiten dürfen auch sonst ausgeschlossene Blumen angenommen werden.

7.23 Damit sind die Blumen erklärt. Nun wird das Räucherwerk beschrieben. Man nehme schwarzes Adlerholz; danach wird eine doppelte Menge genannt, deren Bezugsstoff undeutlich überliefert ist.

7.24 Sandelholz wird in dreifacher Menge angegeben, mit etwas Kampfer vermischt. Dieses Shitari genannte Räucherwerk soll mit Honig durchtränkt werden.

7.25 So entsteht ein besonders hochwertiges, vortreffliches Räucherwerk. Möglich sind auch Guggulu, Ghee, Rohzucker oder Bilva-Räucherwerk.

7.26 Auch Kostha oder Sandelholz, mit Ghee vermischt, verwende man zum Räuchern. Für das Licht nehme man Kuhghee, Öl oder Kampfer in Verbindung mit einem Docht.

7.27 Als vorzüglich gilt eine Flamme von drei oder vier Angula Höhe. Denn der erhabene Sadashiva, der Gott der Götter, liebt das Licht.

Die Bestandteile der Verehrung sind damit erklärt. Höre nun die Vorschrift für die Verehrung selbst.“

So endet das siebte Kapitel über die Bestandteile der Verehrung.


Kapitel 8 – Die Verehrung Shivas

8.1 Nun erkläre ich die göttliche Ordnung der Verehrung Shivas. Sie tilgt Verfehlungen und bringt allen Welten Wohlergehen.

8.2 Sie verleiht Segen, beseitigt Hindernisse und fördert das Reich des Königs. Sie wird zweifach unterschieden: als Verehrung für den Einzelnen und als Verehrung für die Gemeinschaft.

8.3 Für die persönliche Verehrung dienen ein vorübergehend geformtes oder bewegliches Lingam, ein ritueller Bodenplatz, ein Mandala, ein Bildnis oder ein gemaltes Bild.

8.4 Die Verehrung eines fest eingesetzten Lingams in einem Shiva-Heiligtum eines Dorfes oder anderen Ortes gilt als Verehrung für die Gemeinschaft.

8.5 Sand, Reis, gekochte Speise, Flusserde, Kuhdung, Butter, Rudraksha, Teig und Sandelholzmasse werden als Materialien genannt.

8.6 Mit Blumenkränzen und den weiteren, undeutlich überlieferten Materialien werden zwölf vorübergehende Formen gezählt. Nach der Verehrung löst man sie auf und führt die göttliche Gegenwart ins Herz zurück.

8.7 Ein Lingam aus Bergkristall, Edelstein, Stein oder Metall sowie ein Bana-Lingam gilt als beweglich. Der rituelle Bodenplatz wird mit Reis angelegt,

8.8 oder mit Sand. Auf einer handbreit bemessenen, mit Kuhdung bestrichenen Fläche zeichne man einen achtblättrigen Lotus.

8.9 Dies heißt Mandala. Die folgende Angabe nennt die Verehrung von zwölf Bildnissen und die Bezeichnung Kautuka; auch ein Wandbild wird angeführt.

8.10 Diese Formen dienen der persönlichen Verehrung und sollen sachgemäß verwendet werden. Die Feier reicht bis zur Lichtgabe oder bis zur Speisendarbringung, sowohl beim persönlichen als auch beim gemeinschaftlichen Kult.

8.11 Dies ist beiden gemeinsam. Zur gemeinschaftlichen Verehrung gehören darüber hinaus insbesondere das tägliche Fest, das tägliche Feueropfer und die Verehrung der heiligen Sandalen,

8.12 ferner die nächtliche Lichtzeremonie, Gesang, Tanz und Instrumentalmusik. All dies vollziehe man nach Vermögen vor dem fest eingesetzten Lingam.

8.13 Von diesen Handlungen darf man, abgesehen vom täglichen Fest und der Sandalenverehrung, die übrigen auch zur persönlichen Verehrung ausführen.

8.14 Die persönliche Verehrung ist für eingeweihte Zweimalgeborene und Angehörige der als Anuloma bezeichneten Abstammungsgruppen vorgesehen. Adishaivas dürfen die gemeinschaftliche wie auch die persönliche Verehrung vollziehen.

[Hier ist eine größere Textlücke überliefert.]

8.15 Mit den Flammen des Feuerkreises und der Feuerkeimsilbe verbrenne man in der Vorstellung den Körper von den großen Zehen bis zum Scheitel wie trockenes Holz.

8.16 Man stelle ihn sich als Asche vor, fasse diese durch den Wind zusammen und lasse den zuvor genannten Nektar auf sie herabströmen.

8.17 Mit dem Sarvatma-Herzmantra führe man das Selbst dorthin. So entsteht ein göttlicher Leib. Höre nun die Einsetzung der Mantras in die Glieder.

8.18 Die vom Kopf ausgehende Einsetzung entspricht der Schöpfung, die von den Füßen ausgehende der Auflösung. Die von der Nase bis zum Herzen wird hier als erhaltende Einsetzung bezeichnet.

8.19 Mit dem fünften Mantra gestalte man das Haupt fünffach. Die vier Gesichter vergegenwärtige man durch das Gesichtsmantra.

8.20 Das fünfte Gesicht gestalte man mit dem Sarvatma-Herzmantra. Aghora ordne man, entsprechend gegliedert, Herz, Hals, Schultern und dem Bereich unterhalb der Brust zu.

8.21 Am Nabel, Bauch und Rücken erfolgt eine weitere Einsetzung; die anschließende Zehnerzuordnung ist sprachlich gestört. Genannt werden Schambereich, After, Oberschenkel, Knie und beide Unterschenkel.

8.22 Danach Gesäßhälften, Taille und Flanken; Sadyojata wird achtfach eingesetzt. Auch Hände, Füße, Nase und der äußere Kopfbereich werden genannt.

8.23 An der rechten Hüftseite ordne man die Kshurika-Waffe an. Auf Kopf, Gesicht, Herz, Schambereich und Füßen

8.24 setze man die Brahma-Mantras, beginnend mit Ishana, in der Schöpfungsfolge ein. Bei der auflösenden Einsetzung beginne man an den Füßen mit Sadyojata.

8.25 Die Einsetzung vom Nabel bis zum Herzen heißt erhaltende Einsetzung. Sarvatman setze man ins Herz, Shiva auf das Haupt.

8.26 Jvalini setze man auf die Scheitelspitze, den Schutzpanzer um den Körper und die Waffe in die Hände. So vollziehe man die fünf Gliedereinsetzungen.

8.27 Die Vidya-Glieder setze man wie zuvor ein, das Augenmantra in die Augen. An den zweiunddreißig Gelenkstellen setze man das Hauptbija ein.

8.28 Im Herzlotus vergegenwärtige man den Gott mit seinen achtunddreißig Kalas. Man meditiere über den unbeweglichen, daumengroßen Herrn als Pranava.

8.29 Mit geistig dargebrachten Blumen, Düften, Räucherwerk, Licht und weiteren Gaben verehre man ihn im Herzen. Dies heißt Reinigung des eigenen Wesens.

8.30 Danach verehre man die Torgottheiten mit Duftstoffen und Blumen. Oben an den Türpfosten verehre man rechts die Göttin der Rede und links Shri.

8.31 In der Mitte verehre man Vighnesha, rechts die Nandi-Gruppe, links Yamuna und Mahakala, jeweils mit ihren eigenen Namen.

8.32 Man fege und besprenge den Ort und verschließe die Richtungen mit dem Waffenmantra. Mit dem Herzmantra vertreibe man Hindernisse auf der Erde, am Himmel und im Zwischenraum.

8.33 Die irdischen Hindernisse vertreibe man durch den Prana-Blick, jene im Zwischenraum durch den Tattva-Blick und jene in den Richtungen durch den Erkenntnisblick, jeweils mit benennender Formel und Mudra.

8.34 Am Brahma-Platz verehre man Brahma mit Blumen, Duftstoffen und dem Herzmantra. So geschieht die Reinigung des Ortes. Höre nun von der Reinigung der Gegenstände.

8.35 Man bestreiche die Fläche mit Kuhdung und stelle die Gefäße für die Gaben auf: Arghya-Gefäß, Schale sowie die Gefäße für Fußwaschung und Achamana.

8.36 Auch das Vardhani-Wassergefäß wasche man mit dem Waffenmantra. Mit dem Herzmantra betrachte man die Gefäße und hülle sie mit dem Schutzpanzermantra ein.

8.37 Man nehme das Arghya-Gefäß, reinige sein Inneres durch die Vorstellung des Verbrennens und berühre es mit dem Herzmantra. Darin stelle man sich einen weißen Lotus und die drei Kreise vor.

8.38 In diesen vergegenwärtige man die drei Wirklichkeiten Atman, Vidya und Shiva. Mit Shiva-Wasser, dem Shiva-Mantra und den fünf Brahma-Mantras

8.39 bespreche man das Gefäß der Reihe nach in den Formen von Kalas, Lauten und vollständigen Mantrakörpern. Der Mantrakundige gebe duftende Blumen und Duftstoffe ins Wasser.

8.40 Mit einem Kusha-Halm gebe er davon unter dem Herzmantra Tropfen in alle Gefäße und Behälter der Opfergaben.

8.41 Dies ist die Reinigung der Gegenstände. Nun folgt die Reinigung der Mantras: Sie beginnen mit oṃ und werden mit namaḥ abgeschlossen.

8.42 Zuerst spreche man das Shiva-Mantra, dann die Brahma- und Gliedermantras, die Vidya-Glieder, das Hauptbija und Kshurika.

8.43 Zur Reinigung meditiere man über die jeweils zugehörige Gestalt. Bei den entsprechenden Ritualhandlungen verwende man diese Mantras; beim Feueropfer enden sie mit svāhā.

8.44 Auch die anschließend genannten Mala- und Aishvarya-Mantras werden einbezogen; ihre Bezeichnung ist undeutlich überliefert. Damit ist die Mantrareinigung erklärt. Nun folgt die Reinigung des Lingams.

8.45 Mit huṃ und phaṭ lasse man die große Glocke erklingen. Man entferne den verhüllenden Vorhang und beginne die Reinigung des Lingams.

8.46 Zu Beginn des Entfernens alter Opfergaben, zu Beginn und Ende des Bades, beim Räuchern sowie vor und nach der Speisedarbringung

8.47 und nach dem täglichen Fest und dem Tanz lasse man die große Glocke erklingen. Besonders beim Entfernen alter Opfergaben und nach dem Bad,

8.48 vor der Speisedarbringung und nach dem Tanz ziehe man den Vorhang vor. Zu Beginn des Bades, beim Räuchern und nach der Speisedarbringung

8.49 sowie beim täglichen Fest entferne man ihn. Die zuvor Shiva dargebrachte Gabe entferne man mit dem Herzmantra und Arghya-Wasser.

8.50 Frische Blumen nehme man mit Daumen und Zeigefinger auf. Die alten entferne der Guru mit kleinem Finger, Ringfinger und Mittelfinger.

8.51 Auch während des Entfernens lege man eine Blume auf das Haupt. Shivas Scheitel soll niemals ohne Blume bleiben, vortrefflicher Guru.

8.52 Die alten Gaben vom Sockel bringe man Chandesha dar. Die Reinigung soll das Lingam samt Sockel umfassen.

8.53 Das Lingam wasche man mit dem Waffenmantra, den Sockel mit dem Pashupata-Mantra. Mit der rechten Hand entferne man alte Duftstoffe und andere Reste durch Wasser.

8.54 Nach diesen fünf Reinigungen folgt die Gestaltung des Sitzes. Auf dem Sitz rufe man die göttliche Gestalt herbei. Beide sind innerhalb der Entfaltungsordnung

8.55 als Durchdrungenes und Durchdringendes zu verstehen; in diesem Wissen beginne man die Verehrung. Der aus der Willenskraft hervorgegangene Lotus umfasst die Stufen von Erde bis Shiva.

8.56 Seine Basis besteht aus dem Erd-Weltei; der Stängel reicht durch den Wasserbereich bis zur Ebene der Urnatur und ist mit Dornen versehen.

8.57 Die Laute von a bis kṣa werden diesen Dornen zugeordnet. Der Stängel ist dunkel; danach wird sein innerer Faden beschrieben.

8.58 Er umfasst die Ebenen vom individuellen Geist bis Kala. Der Sitz besitzt acht Blätter. Seine Füße sind Dharma, Erkenntnis, Loslösung und göttliche Herrschaft.

8.59 Vom Südosten aus ordne man sie als Löwengestalten mit furchterregenden Zähnen an: weiß, rot, gelb und schwarz, dreiäugig und von diamantener Festigkeit.

8.60 Sie sind einander zugewandt, mit unzähligen Löwen verbunden und besitzen gewaltige Kraft. Mit dem hierfür genannten, undeutlich überlieferten Mantra setze man sie ein.

8.61 Adharma, Unwissenheit, fehlende Loslösung und fehlende Herrschaft ordne man vom Osten bis zum Norden an, fest gegründet und weiß leuchtend.

8.62 Mit den drei Gunas bilde man obere und untere Bedeckung. Über dem Sitz befindet sich der Knoten der Mahamaya, Gajanana.

8.63 Den Fruchtboden stelle man sich als Vidya-Tattva vor. Willenskraft und die weiteren Kräfte sind die Samen, die Vidyeshvaras die Blätter.

8.64 Die Mantras bilden die Staubgefäße; sie sind in Vidya gegründet. Mit dem Hauptbija vergegenwärtige man dort die Shakti.

8.65 Wurzel, Mitte und Spitze erscheinen der Reihe nach weiß, rot und dunkel. Die Blätter sind weiß, der Fruchtboden goldglänzend.

8.66 Die fünfundzwanzig Samen sind grün. Danach setze man die Anordnung der Shaktis ein, strahlend wie glühendes Gold.

8.67 Auf den Staubgefäßen und in der Mitte ordne man vom Osten aus die Kräfte an: Vama, Jyeshtha, Raudri, Kali und Kalavikarani,

8.68 Balavikarani, Balapramathani und Sarvabhutadamani. In die Mitte des Fruchtbodens setze man die Göttin Manonmani.

8.69 Auf den Blättern befindet sich der Sonnenkreis, auf den Staubgefäßen der Mondkreis und über dem Fruchtboden der Feuerkreis; in diesem weilt Manonmani.

8.70 Der Bereich von der Willenskraft bis zum Stängel heißt Anantasana. Die Ebene von Dharma und Erkenntnis bis zu den Gunas heißt Löwensitz.

8.71 Dieser wird auch Yogasitz des höchsten Herrn genannt, du Gelübdetreuer. Vom Lotusknoten bis zu den Staubgefäßen reicht der Lotussitz.

8.72 Von den Staubgefäßen aufwärts bis zur Shakti liegt der Fruchtboden als reiner Sitz, Vimalasana. So gestalte man den Lotussitz und verehre seine Teile mit ihren jeweiligen Namen.

8.73 Zuerst bilde man Mukuli-, dann Padma-Mudra. Mit Shashakarni und der weiteren Shiva zugeordneten Geste vollziehe man die Darstellung bis zum Fruchtboden.

8.74 Über dem Sitz vergegenwärtige man den unübertrefflichen Sadashiva mit fünf Gesichtern und Häuptern und fünfzehn Augen.

8.75 Seine zehn Arme erstrahlen mit acht Waffen. Rechts zeigt er Furchtlosigkeit und hält Dreizack, Axt, Vajra und Schwert.

8.76 Links zeigt er Gnadengewährung und hält Elefantenstachel, Schlinge, Glocke und Feuer. Er gleicht klarem Bergkristall und verkörpert die achtunddreißig Kalas.

8.77 Er umfasst die fünf Brahma-Mantras, die Glieder, die Vidya-Glieder und die zehn Keimsilben. Er trägt himmlische Gewänder und einen mit dem Vajra-Zeichen versehenen Haarknoten.

8.78 Er sitzt im gebundenen Lotussitz, besitzt einen muschelartig schönen Hals und jugendliche Gestalt. Seine drei Augen sind Willenskraft, Erkenntniskraft und Handlungskraft.

8.79 Er trägt eine weiße heilige Schnur und allen Schmuck. Man erkenne ihn als den höchsten und zugleich in den niederen Ebenen gegenwärtigen Gott; so meditiere man über ihn und rufe ihn herbei.

8.80 Am Umfang der Lingambasis vergegenwärtige man Manonmani. Im fest eingesetzten wie im beweglichen Lingam vergegenwärtige man Sadashiva; eine verbindende Wortgruppe ist gestört.

8.81 Nachdem man die Gestalt so vergegenwärtigt hat, denke man an das Herbeirufungsmantra. Man fülle die gefalteten Hände mit Blumen und bilde die Herbeirufungsmudra.

8.82 Im Bereich des Herzens vergegenwärtige man Shivas Gestalt. Im Geist spreche man den Pranava und betrachte den mit Allwissenheit und den weiteren Eigenschaften ausgestatteten Herrn:

8.83 frei von allen begrenzenden Bestimmungen, Ursache aller Ursachen, dem bloßen Schlussfolgern entzogen, unermesslich, beständig und unvergänglich.

8.84 Mit unbeweglichem Geist meditiere man über sein Hervortreten im Bindu. Der Lehrer setze ihn in die vor ihm befindliche feste Gestalt ein, in die Mitte der Sadashiva-Gegenwart.

8.85 Mit Herbeirufung und den folgenden Handlungen verehre man den höchsten Herrn in Bhakti. Mit Sadyojata rufe man ihn herbei, mit dem geheimen Mantra befestige man seine Gegenwart.

8.86 Mit Bahurupa bewirke man seine Nähe, mit Tatpurusha seine Bewahrung am Ort. Mit Ishana vergegenwärtige man ihn vollständig mit allen Gliedern.

8.87 Mit Avahana-Mudra rufe man ihn herbei, mit Shanta-Mudra lasse man ihn verweilen, mit Dhvaja-Mudra bewirke man Nähe, mit Nishthura-Mudra das Festhalten.

8.88 Mit dem Herzmantra bringe man Fußwaschwasser dar, mit dem Gesichtsmantra Achamana. Mit dem Hauptmantra reiche man Arghya an den fünf Häuptern.

8.89 Die zuvor zur Selbstreinigung beschriebenen Handlungen vollziehe man auch hier, Gajanana, jedoch ohne die Einsetzung in die Hände und ohne inneres Verbrennen und Überfluten.

8.90 Zu drei Zeitpunkten bringe der Mantrakundige Arghya dar: bei der Herbeirufung, am Ende der Verehrung und bei der Entlassung.

8.91 Duftstoffe verwende man dreimal: im Arghya, beim Salben und beim Bad. Bei Herbeirufung, Arghya, Fußwaschung, Bad, Räucherung und Salbung,

8.92 bei Speisedarbringung und Entlassung werden Blumen verwendet: insgesamt achtmal. Wasser verwende man bei sieben dieser Handlungen, ausgenommen die Herbeirufung.

8.93 Duftstoffe verbinde man mit Blumen und Blumen mit Duftstoffen. Räucherwerk verbinde man mit Licht; die folgende Wendung wiederholt „Licht mit Licht“ und ist undeutlich.

8.94 Mit dem Herzmantra salbe man das Lingam mit Sesamöl, handgepresstem Öl oder Kuhghee.

8.95 Man reibe es mit Reismehl oder Kurkumapulver ab. Unter Rezitation des Shiva-Mantras, der Pinda- und Kala-Mantras sowie der weiteren genannten Mantras,

8.96 des tausendsilbigen Mantras, des Vyomavyapin- und des zehnsilbigen Mantras, der fünf Glieder, der Vidya-Glieder, Kshurikas und des Hauptbijas

8.97 übergieße man es mit Wasserströmen, die wohlriechende Blumen enthalten. Unter Sadyojata verwende man Kuhurin, unter dem geheimen Mantra Kuhdung,

8.98 unter Bahurupa Milch, unter Tatpurusha Dickmilch, unter Ishana Ghee. Danach vereinige man diese fünf Kuhprodukte

8.99 und vollziehe die Übergießung in den vorgeschriebenen Mengen mit dem zehnsilbigen Mantra. Auch Honig, Zuckerrohrsaft und Kokoswasser

8.100 sowie klares, mit Gorocana vermischtes Wasser dienen unter dem Herzmantra zur Übergießung. Sind nicht alle genannten Stoffe vorhanden, verwende man die verfügbaren.

8.101 Nach dem Einreiben mit Kurkumapulver übergieße man mit Duftwasser. Gewand, Achamana-Wasser und Arghya bringe man mit dem Herzmantra dar.

8.102 Man verehre mit feinen Seiden- und Baumwollgewändern verschiedener Art, schönen Blumenkränzen und zugeschnittenem Blattschmuck.

8.103 Bei ausreichenden Mitteln schmücke man mit Goldbändern und verschiedenem Körperschmuck, mit goldenen Blumen sowie hellen und dunklen Blüten.

8.104 Man melde dem Gott der Götter die Gaben der Sammlung und des Genusses an und bitte um Vergebung. Japa, Lobpreis, Verneigung, Meditation und gläubige Hingabe

8.105 sowie Tanz, Gesang, Instrumentalmusik und der Klang der großen Glocke werden als Bestandteile der Sammlung in der täglichen Verehrung bezeichnet.

8.106 Die übrigen sind Bestandteile des Genusses. Mit beidem verehre man ihn. Danach ordne man die Gottheiten in den fünf umgebenden Kreisen an.

8.107 Sadyojata verehre man auf dem westlichen Blatt, Vamadeva im Norden, Aghora im Süden und Tatpurusha im Osten.

8.108 Ishana setze man im Nordosten ein und verehre ihn. Bad und Licht seien ihnen gesondert dargebracht, entsprechend ihrer Zugehörigkeit als Glieder des Gottes.

8.109 Auf dem Fruchtboden verehre man im Süden Atma-Tattva, im Norden Vidya-Tattva und in der Mitte Shiva-Tattva.

8.110 An diesen drei Wirklichkeitsebenen verehre man Atman, Antaratman und Paramatman mit dem Herzmantra und hellen und dunklen Blumen.

8.111 Dies ist der innerste Kreis. Es folgt der Kreis der Vidyeshvaras. Auf den Lotusblättern außerhalb des innersten Kreises

8.112 verehre man Ananta im Osten, Trimurti im Südosten, Sukshma im Süden und Shrikantha im Südwesten,

8.113 Shivottama im Westen, Shikhandin im Nordwesten, Ekanetra im Norden und Ekarudra im Nordosten.

8.114 So verehre man den zweiten Kreis mit dem Pranava und den jeweiligen Namen. Danach verehre man Uma im Norden und den Stier im Osten,

8.115 den Elefantenherrn im Süden und Guha im Westen, Mahakala im Südwesten und Bhringisha im Nordwesten,

8.116 Chandesha im Nordosten und Nandisha im Südosten. Diese Gottheiten gehören auf die Blätter des dritten Kreises.

8.117 Indra und die weiteren Weltenhüter verehre man vom Osten aus. Brahma verehre man im Süden, Vishnu im Norden.

8.118 Brahma und Vishnu befinden sich zwischen dem Kreis der Weltenhüter und dem der Ganas, im Süden und Norden. Dies ist der vierte Kreis. Höre nun den Kreis der Waffen.

8.119 In den acht Richtungen ordne man Vajra und die übrigen Waffen an, den Diskus im Norden; die Zuordnung des Lotus ist undeutlich. Die Weltenhüter samt Waffen verehre man jeweils mit ihrem eigenen Mantra.

8.120 Für die Mantras des innersten Kreises zeige man die Bija-Mudra, für Vidyeshvaras und Ganeshas die Kalakantha-Mudra.

8.121 Für Weltenhüter und Waffen wird die Shula-Mudra vorgeschrieben. Während der Verehrung soll der Kundige die Gottheit entsprechend verhüllen,

8.122 vor Menschen, die der Text als durch Verfehlung, Krankheit oder ihre Taten beeinträchtigt bezeichnet, vor Grausamen, Buckligen und weiteren abwertend eingeordneten Gruppen,

8.123 ferner vor nur vorgeblich Ergebenen, Verleumdern und Übeltätern sowie anderen als beeinträchtigend angesehenen Personen.

8.124 Beim Klang der großen Glocke entfernen sich Rakshasas, Asuras, Brahmarakshasas, Pishachas, Bhutas, Yakshas und Schlangenfürsten

8.125 in die Ferne; die Götter aber kommen nahe. Räucherwerk und Licht soll man unter Glockenklang darbringen.

8.126 Das mit glühenden Kohlen gefüllte Räuchergefäß halte man in der rechten, die Glocke in der linken Hand.

8.127 Der Guru lasse die schön geformte Glocke mit ihrem tiefen Klang ertönen. Der Klang bei der Räucherung soll dem Dorf Frieden bringen.

8.128 Dann reiche man Achamana-Wasser und zeige Spiegel, Schirm und Wedel, entweder tatsächlich oder in der Vorstellung.

8.129 Bija-, Namaskara-, Mukuli-, Padma-, Dhvaja- und Linga-Mudra zeige man dem Gott der Götter.

8.130 Alle Shiva zugehörigen Bildnisse verehre man angemessen, mit Sitz und umgebenden Kreisen, jedoch ohne gesonderte Verehrung der Torhüter.

8.131 Ist ein tägliches Bad nicht möglich, bade man die Bildnisse an Festtagen. Die Bildnisse werden ohne den Chandesha zugeordneten Begleitkreis verehrt; die genaue Abgrenzung ist im Wortlaut undeutlich.

8.132 Shivas Begleitgottheiten verehre man vorschriftsgemäß. Beim Zeigen der Mudras folgt eine weitere Darbringung an Shiva nach dem Bad.

8.133 Man bringe Arghya an den fünf Häuptern dar: zunächst im Osten, dann im Süden, Norden, Westen und oben.

8.134 Mit Sadyojata, Aghora, Tatpurusha, Vamadeva und dem fünften Mantra wird eine gegenläufige Arghya-Folge beschrieben, die bei der Verehrung regelmäßig gilt.

8.135 Arghya gebe man wiederholt in rechter und linker Umlaufrichtung und auch am nach oben gerichteten Gesicht. Es werden dem Gott zugewandte und abgewandte Darreichungen unterschieden.

8.136 Bei der gegenwärtigen Gestalt ist man zugewandt, bei der Entlassung abgewandt. Danach bringe man Speise dar, nach Maßgabe der verfügbaren Mittel.

8.137 Feste und weiche Speisen, Nahrung und Getränke sollen mit guten Früchten, Ghee und Rohzucker verbunden sein. Nach der Lichtgabe vollziehe man das tägliche Feueropfer.

8.138 Beim bewahrten Shiva-Feuer reinige man die Umgebung und entfache die Glut. Man besprenge ringsum und verehre mit dem Herzmantra, anschließend die Weltenhüter.

8.139 Dann verehre man Shiva auf dem Lotus zusammen mit den Brahma- und Gliedermantras. Man opfere mit Ghee vermischte Speise, Ghee allein oder Reis.

8.140 Für jeden Mantra vollziehe man drei Opfergaben oder auch nur eine. Mit dem Besprengungsmantra besprenge man erneut und vollziehe die Entlassung.

8.141 So sieht das tägliche Feuerritual bei mittlerem oder geringerem Aufwand aus. Bei der höchsten Ausführung vollziehe man alles, was im Kapitel über das Feuerritual vorgeschrieben ist.

8.142 Nach den Bali-Gaben an die Begleitgottheiten entferne man die verbliebene Opferspeise. Man reiche Mundduft und Betel sowie die tägliche Pavitra-Schnur.

8.143 Zur Tilgung aller rituellen Mängel werde diese beräuchert und besprengt. Unter Vergegenwärtigung der zehn Keimsilben lege man sie an.

8.144 Zu Beginn der nächsten Verehrung nehme man die Pavitra-Schnur vom Lingamhaupt ab; nach der Verehrung lege man sie wieder an.

8.145 Das tägliche Fest begehe man vorschriftsgemäß zu den drei Tagesübergängen. Die Nirajana-Lichtzeremonie vollziehe man besonders jede Nacht.

8.146 Man wasche Hände und Füße, verneige sich ehrfürchtig mit acht Körperteilen, umschreite das Heiligtum dreimal, rezitiere das Mantra und bitte um Vergebung:

8.147 „Ewiger Shiva, du bist jenseits der drei Zeiten und der Gunas und zugleich das Wesen der Zeit, die eine heilige Ursache von Entstehen, Bestehen und Auflösung.

8.148 Lass meine vielfältigen Handlungen der Askese und Verehrung stets fruchtbar, wirksam und vollständig werden. Sei mir gnädig.“

8.149 Nach dieser Formel spreche der Guru zum Herrn: „Vergib!“ Für das tägliche Ende der Nacht folgt eine Zeitangabe von drei Ghatikas samt einem Dreiviertelanteil.

8.150 Diese Zeit heißt Brahmamuhurta; sie soll durch Klang angezeigt werden. Man lasse die fünf großen Arten von Klängen ertönen, um Unheil abzuwenden.

8.151 Nach Reinigung und Bad vollziehe der Adishaiva die Verehrung. Die Handlungen beginnen ihrer Ordnung nach vor Sonnenaufgang.

8.152 Als beste Dauer einer Sandhya-Feier gilt ein Yama, als mittlere fünf Nadikas; die geringe Dauer liegt darunter. Man handle entsprechend seinen Mitteln.

8.153 Für das Bad wird eine Ghatika, für die Verehrung werden zwei, für die Speisedarbringung eine halbe und für Bali ebenfalls eine halbe Ghatika angegeben.

8.154 Eine weitere Zeitspanne wird mit anderthalb Ghatikas bemessen und auf tägliches Fest, Bad, Reinigung und reinen Tanz bezogen; ihre genaue Aufteilung ist undeutlich.

8.155 Für die mit reichen Gaben ausgestattete Verehrung werden ferner dreieinhalb Ghatikas genannt. Bei geringeren Mitteln gelten die mittlere und die geringere Zeitbemessung.

8.156 Wird Shiva so verehrt, ist alles Bewegliche und Unbewegliche mitverehrt. Deshalb sollen die Verständigen und Hochherzigen das Lingam verehren.

8.157 Was man durch Brahmacharya, Vedenstudium, mannigfache heilige Opfer, Agnihotra, Entsagung und gewissenhafte Erfüllung der Lebensstände,

8.158 durch den dreifachen Asketenstab, alle Gelübde sowie Pashupata- und andere asketische Übungen an heilsamer Frucht erlangt,

8.159 diese Frucht erlangt auch der gute Mensch, der ganz der Lingaverehrung ergeben ist. Wenn einer das Lingam verehrt und ein anderer Askese übt,

8.160 dann gilt unter beiden hier jener als der Höhere, der das Lingam vollkommen verehrt. Nach dem Wandern durch viele Tausende von Geburten

8.161 erlangt ein Mensch, der sich der Lingaverehrung widmet, Befreiung. Die Verehrung Shivas ist damit erklärt. Höre nun die Merkmale der Mudras.

So endet das achte Kapitel über die Verehrung Shivas.


Kapitel 9 – Die Merkmale der Mudras

9.1 Nun erkläre ich die erhabenen Merkmale der Mudras, die bei Verehrung und anderen Ritualhandlungen in ihrer richtigen Form verwendet werden.

9.2 Genannt werden Astri, Vaktri, Mahamudra, Shodhani, Samharini, Pancamukhi, Surabhi, Dravya und Mukuli,

9.3 Padma, Shashakarni, Shakti, Bija, Avahani, Shanta, Manorama und Dhvaja,

9.4 Nishthura, Linga, Gayatri, Kalakantha, Shula und Namaskara. Insgesamt werden dreiundzwanzig angegeben.

9.5 Man führe beide Fäuste zusammen und strecke dann die Hände rasch aus. Dies heißt Astra-Mudra, die Furcht einflößende Waffengeste.

9.6 Man lege die Finger der rechten Hand auf die linke, beuge sie alle und verschließe sie mit dem Daumen.

9.7 Die Finger und Daumen werden dabei fest an den linken Daumen gedrückt. Diese Vaktra-Mudra dient dem rituellen Bad des Lehrers.

9.8 Mit beiden Händen berühre man die Füße und lege dann beide Hände auf den Kopf. Dies ist Mahamudra nach der rituellen Zurüstung der Hände.

9.9 Man führe vor dem Herzen die Handwurzeln zusammen und schlage die Hände aneinander. Diese Geste heißt Shodhani, die Reinigende.

9.10 Man strecke die rechten Finger aus, halte den Daumen oben und schließe die Hand zur Faust. Dies wird Samharini, die Zurücknehmende, genannt.

9.11 Man verschränke die Finger beider Hände von der Rückseite her, lege einen Teil quer und drücke mit beiden Daumen darauf.

9.12 Zeigefinger und Mittelfinger sowie die Ringfinger werden erhoben. Diese Geste Shankaras heißt Pancamukhi, die Fünfgesichtige; die genaue Fingerstellung ist im Wortlaut nicht vollständig klar.

9.13 Man verschränke die Hände wie ein Geflecht und führe die Daumen zusammen. Zeige- und Mittelfinger sowie kleine Finger und Ringfinger werden paarweise verbunden.

9.14 So entstehen vier Fingerpaare. Diese Surabhi-Mudra lässt nach der Vorstellung himmlischen Nektar regnen und dient der Reinigung der Gaben.

9.15 Man falte die Hände, verbinde Daumen und Ringfinger und strecke die übrigen Finger aus. Dies ist die Dravya-Mudra.

9.16 Man führe beide Hände zusammen und lasse zwischen ihnen einen Hohlraum. In der Form einer Lotusknospe zeige man Mukuli-Mudra.

9.17 Aus der vor dem Herzen gehaltenen Knospengeste öffne man die Finger zu einem erblühten Lotus. Dies ist Padma-Mudra.

9.18 Man beuge beide Zeigefinger und lege ihre Spitzen auf die Spitzen der Daumen; die mittleren Fingerbereiche werden gleichmäßig zusammengehalten.

9.19 Die rechte Hand lege man am Handgelenk auf die linke. Diese Shashakarni-Mudra wird bei yogischen Handlungen verwendet.

9.20 Man beuge einen Zeigefinger zum Daumen hin. Diese Shakti-Mudra wird für die Shaktis gebildet.

9.21 Man drehe die Handflächen nach oben und verschränke die Finger. Die Daumen werden in der Höhlung zwischen den Händen verborgen.

9.22 Die kleinen Finger werden ausgestreckt und vorn verbunden. So zeige man Bija-Mudra; eine nähere Verbindungsangabe ist undeutlich.

9.23 Wenn die Spitzen von Zeigefinger und Daumen verbunden sind, heißt die Geste Shanta. Danach halte man beide Hände nach oben und lege die Daumen an die kleinen Finger.

9.24 Man bringe sie gleichmäßig an die Grundgelenke. Diese Geste wird hier Varidhi genannt. Bei der folgenden Gestaltung werden die kleinen Finger der nach oben gerichteten Hände gebeugt.

9.25 Auch die Mittelfinger werden entsprechend gebogen; die gebeugten Ringfinger liegen an den eigenen Handflächen.

9.26 Die Zeigefinger werden ausgestreckt und an den Spitzen verbunden. Die Daumen werden an ihren Grundgelenken gebeugt.

9.27 Dies heißt Manorama und gilt als Vereinigung mit Shiva gewährende Geste. Anschließend umfasse man die Spitze des linken Zeigefingers mit der rechten Hand.

9.28 Man richte den Daumen auf und halte die Geste vor dem Herzen. Den linken Daumen umfasse man mit drei linken Fingern.

9.29 Diese Dhvaja-Mudra wird bei yogischen Handlungen verwendet. Für die folgende Geste lege man beide Daumen nach innen und drücke sie mit den Fäusten zusammen.

9.30 (erste Zählung) Mit beiden so geformten Händen bilde man Nishthura-Mudra. Danach forme man Fäuste mit aufgerichteten Daumen.

9.30 (zweite Zählung) Diese Geste heißt Linga-Mudra und wird beim Anblick des Lehrers gezeigt. Für die folgende Geste werden alle Finger ineinander verschränkt und die Handrücken verbunden.

9.31 Daumen und Finger bilden dabei die vorgeschriebene Gestalt; eine ergänzende Angabe ist gestört. Gayatri-Mudra verwende man bei der Gayatri-Rezitation während der Verehrung.

9.32 Man forme Fäuste, ordne die Finger an und verbinde die Daumenspitzen. So zeige man Kalakanthi-Mudra.

9.33 Man verschränke die Finger, verbinde die Handrücken und richte die Mittelfinger auf. Dies heißt Shula-Mudra, die Dreizackgeste.

9.34 Beide Hände mit verbundenen Fingern werden vor dem Herzen gehalten. Bei der Verbindung wird der linke Daumen angedrückt.

9.35 Dies heißt Namaskara-Mudra und wird bei allen Ritualhandlungen verwendet. Die Lehrer zeigen die Mudras, um die Ausführung des Rituals zu vervollständigen.

Damit sind die Kennzeichen der Mudras erklärt. Höre nun von den Opferspeisen.

So endet das 9. Kapitel.


Kapitel 10 – Die Darbringung der Speisen

10.1 Nun erkläre ich die vortreffliche Vorschrift für die Speisegabe: Wildreis, Weizen, Gerste und Bambussamen

10.2 gelten als bevorzugte Körner für Shivas Speiseopfer. Sind diese nicht verfügbar, verwende man Shali-Reis:

10.3 weißen, großen, roten, schwarzen oder goldenen Shali-Reis sowie weitere Sorten.

10.4 Man nehme enthülste Körner von Shali oder Vrihi. Körner, deren Farbe, Geruch oder Geschmack beeinträchtigt ist, sind ungeeignet.

10.5 Eine Frau aus einer der vier sozialen Gruppen, deren Mann und Sohn leben, oder eine andere entsprechend für die Aufgabe vorbereitete Frau

10.6 soll voller Hingabe den Reis zubereiten. Das in der Sonne getrocknete Getreide gebe sie in den Mörser.

10.7 Nach Osten oder Norden gewandt stoße man es mit dem Stößel. Mit der Worfschwinge entferne man Hülsen, Reste und Bruchkörner.

10.8 Man verwende ganze, weiße, reine Körner. Zwei Gunja ergeben ein Mashaka, zwanzig Mashaka ein Dharana.

10.9 Acht Dharana ergeben ein Pala; ein Pala heißt hier auch Mushti. Vier Mushti ergeben ein Pada, vier Pada ein Prastha.

10.10 Vier Prastha ergeben ein Adhaka, vier Adhaka ein Drona. Nach dem jeweiligen Umfang des Heiligtums bemesse man die Speisegabe.

10.11 Bei Verehrung morgens und abends und Speisegabe mittags koche und opfere man zu dieser Zeit zwei Prastha.

10.12 Zu den beiden Tageszeiten nehme man je ein Licht, nachts zwei. Diese Bemessung gilt als geringste Stufe.

10.13 Bei der folgenden Stufe werden morgens und mittags je zwei Prastha Reis dargebracht; abends folgt die Verehrung. Die Lichterzahl wird gegenüber der vorigen Stufe verdoppelt.

10.14 Bei der nächsten Stufe bringe man zu allen drei Zeiten je zwei Prastha dar. Vier Lichter sind vorgesehen, am Abend die doppelte Anzahl.

10.15 Dies sind die drei unteren Stufen. Instrumentalklang begleitet Bad, Speisung, Prozession und die Handhabung des Vorhangs,

10.16 ferner Bali-Gabe und Morgenanbruch. Bei der niedrigsten mittleren Stufe wird mittags ein Adhaka Speise dargebracht,

10.17 zu den beiden anderen Zeiten jeweils zwei Prastha. Zwanzig Lichter sind vorgesehen. Die drei mittleren Stufen werden mit Instrumentalmusik ausgeführt.

10.18 Dreimal täglich bringe man mit dem Bali-Lingam die Opfergaben dar. Bei der mittleren der mittleren Stufen werden zu allen drei Zeiten je ein Adhaka angeboten.

10.19 Bei der zusätzlichen Ardhayama-Feier nehme man die Hälfte davon. Vierundzwanzig Lichter sind vorgesehen. Die nächtliche Feier wird hier Ardhayama genannt.

10.20 Sie umfasst das Bad bis zur Speisegabe, jedoch ohne Bali und Feueropfer. Eine verkürzte Ausführung ohne Bad wird ebenfalls genannt; ihre Grenze ist undeutlich.

10.21 Die Feier am Ende des ersten nächtlichen Yama nach der Abendzeit heißt auch Yamanta. Dreimal täglich werden Bali sowie Blumen und Arghya dargebracht,

10.22 begleitet von Instrumenten, Muschelhörnern und Trompeten. Mittags findet das tägliche Feueropfer mit dem Shiva-Mantra statt.

10.23 Bei der höchsten mittleren Stufe werden zu den drei Zeiten je drei Adhaka gegeben, bei Ardhayama ein Adhaka; siebzig Lichter gehören dazu.

10.24 Dreimal täglich gibt es Bali-Speise, zweimal Feueropfer. Alle Instrumente sollen zu sechs Zeiten erklingen.

10.25 Wo die sechs Ausführungen stattfinden, gilt die vorangegangene Zeitbegrenzung nicht in gleicher Weise. Die niedrigste obere Stufe verwendet zu den drei Sandhyas je ein Drona.

10.26 Bei Ardhayama nehme man ein halbes Drona. Achthundert Lichter werden genannt, dazu dreimal Bali und dreimal Feueropfer.

10.27 Vierundzwanzig Musiker mit sämtlichen Instrumenten sowie vierunddreißig oder vierundzwanzig Tempeltänzerinnen werden angegeben; die alternative Zahl ist sprachlich nicht ganz klar.

10.28 Junge, anmutige Tänzerinnen sollen dreimal täglich tanzen. Fünf Acharyas wirken mit; jede Feier dauert einen Yama.

10.29 Bei der mittleren oberen Stufe bereite man zu den drei Zeiten vier verschiedene Speisearten, darunter Milchreis, jeweils aus einem Drona Reis.

10.30 Die Speisen werden gesondert gekocht. Für Ardhayama nennt der Text ein weiteres Drona mit undeutlicher Mengenbestimmung. Zweihundert Lichter sind vorgesehen.

10.31 Dreimal täglich finden Bali und Feueropfer statt; Shitari-Räucherwerk wird verwendet. Vierunddreißig Musiker und fünfzig Tempeltänzerinnen wirken mit.

10.32 Die Zeit wird wiederum mit einem Yama angegeben; zu den drei Sandhyas findet Tanz statt. Für das Bad gelten zwei Ghatikas, für die Verehrung eine.

10.33 Für die Speisegabe und für die Prozession sind je drei Viertel einer Ghatika vorgesehen. Danach werden drei Ghatikas mit Muschelhörnern und festlicher Musik genannt.

10.34 Die verbleibende Zeit dient der großen Speisegabe, weiteren Speisen, der Bedienung und der festlichen Unterhaltung durch Gesang und anderes.

10.35 Die Türen werden erst nach Abschluss der Ardhayama-Feier geschlossen. Zu anderen Zeiten soll man sie nicht schließen.

10.36 Damit ist die mittlere obere Stufe beschrieben. Nun wird die Reihenfolge der Speisegaben bei der höchsten aller Stufen erklärt.

10.37 Milchreis und die anderen Speisen werden jeweils aus fünf Drona bereitet, zur Ardhayama-Feier aus der Hälfte. Fünfhundert Lichter gehören dazu.

10.38 Dreimal gibt es Bali und Feueropfer, begleitet von fünfzig Musikern. Für Milchreis nehme man die dreifache Milchmenge im Verhältnis zum Reis und füge Bananen hinzu,

10.39 ferner zerbrochene Mungbohnen im Umfang eines Viertels und Rohzucker nach Vermögen. Dies ist Payasa. Höre nun von Krisara.

10.40 Zum Reis gebe man ein Viertel seiner Menge an Sesampulver und davon wiederum ein Viertel Ghee. Man koche es vorschriftsgemäß.

10.41 Dies heißt Krisara. Nun wird Zuckerreis beschrieben: Zum Reis gebe man die doppelte Milchmenge und die Hälfte an Rohzucker; der Bezug der zweiten Menge ist nicht eindeutig.

10.42 Die Hälfte der Zuckermenge gebe man als Ghee hinzu. Dies heißt Gula-Reis. Für die folgende Speise nehme man Mungbohnen im Umfang eines Viertels der Reismenge

10.43 und fein zerteilte Kokosnuss im Umfang der Hälfte der Mungbohnen. Nun folgt die große Opfergabe: Ihre geringste Stufe beträgt acht Drona.

10.44 Die folgenden unteren Stufen betragen das Doppelte und Dreifache; die drei mittleren das Vier-, Fünf- und Sechsfache.

10.45 Die drei oberen Stufen betragen das Sieben-, Acht- und Neunfache. Nun erkläre ich die Beilagen; höre aufmerksam, Gajanana.

10.46 Ghee beträgt ein Zweiunddreißigstel, die als Gulmasha bezeichnete Beilage ein Sechzehntel, Dickmilch ein Achtel der zugrunde gelegten Menge.

10.47 Man bringe reife Bananen, Jackfrüchte und Mangos dar. Auch junge Früchte dienen als Beilagen. Höre nun die zum Kochen bestimmten Beilagen.

10.48 Banane, Kürbis, Gurke, Patolika, Koshataki, die als Carupushpa bezeichnete Pflanze, Rohrspitzen und Likuca werden genannt.

10.49 Für ein Prastha werden drei Früchte angegeben; die weitere Mengen- und Pflanzenliste ist gestört. Genannt werden noch Rankenspitzen und weitere Pflanzenteile.

10.50 Ferner Flaschenkürbis, Kokosnuss, Surana, Bittergurke und andere saubere, wohlschmeckende Knollen, Wurzeln und Früchte.

10.51 Je nach Verfügbarkeit koche man scharfe, saure, bittere und süße Beilagen mit Salz.

10.52 Den Reis wasche man sorgfältig mit Wasser und reinige ihn besonders mit dem Hauptbija-Mantra.

10.53 Die Wassermenge betrage das Anderthalbfache der Reismenge. Man entzünde das Feuer im Herd und verehre es mit seiner eigenen Keimsilbe.

10.54 Darauf stelle man das Gefäß und nähre das Feuer mit Holz. Von Würmern befallenes und stark Funken sprühendes Holz

10.55 sowie von Ameisen besetztes Holz darf nicht verwendet werden. Man verehre mit Duftstoffen und Blumen und umhülle das Gefäß mit einem Tuch.

10.56 Ungekochte, überkochte und abgestandene Speisen meide man. Die Gefäße und Schalen reinige man besonders auch außen.

10.57 Außen auf allen Gefäßen bringe man die drei Aschestreifen an. Mit huṃ hebe man die Gefäße der Reihe nach vom Herd.

10.58 Der Koch bedecke dabei den Mund mit einem Tuch. Der Weg werde ringsum besprengt; Schirm und Federwedel begleiten den Transport.

10.59 Unter Muschelhornklang bringe man die Speisen ins Heiligtum und stelle sie nördlich oder südlich in der Halle ab.

10.60 Über Speise und Beilagen gebe man Ghee. Als Unterlage dient ein goldenes, silbernes oder kupfernes Gefäß oder ein Bananenblatt.

10.61 Auch ein Gefäß aus reinem Glockenmetall von hundert Pala Gewicht wird genannt. Es werden fußlose Schalen und dreifüßige Ständer unterschieden; die Konstruktion ist undeutlich.

10.62 Die Ständer und Gefäße sollen gleichmäßig und aus reinem Glockenmetall sein. Man nehme eine Kelle der vorgeschriebenen Größe und Form.

10.63 Zuerst gebe man Ghee hinein und fülle dann das Gefäß mit Speise. Der Anteil für Shiva wird durch eine Viererteilung bestimmt; die Formulierung ist gegenüber der folgenden Verteilung verkürzt.

10.64 Die Speise forme man wie einen Vollmond und umgebe sie mit Hülsenfrüchten, Rohzucker, Früchten, Ghee, Dickmilch und Beilagen.

10.65 So bringe man Shiva die als alle Vollkommenheiten gewährende Speise vorschriftsgemäß mit dem Herzmantra dar.

10.66 Ein Viertel ist für Bali an die Begleitgottheiten bestimmt, ein Viertel für das Feueropfer.

10.67 Der verbleibende Anteil werde dem Lehrer als Speise gegeben. Nach Achamana mit dem Herzmantra bringe man Chandesha die ihm bestimmte Gabe dar.

10.68 Danach reiche man Betel: Auf eine Frucht kommen viermal so viele Blätter, verbunden mit Öl und dem zugehörigen Pulver.

10.69 Weitere Dienste bringe man mit dem Herzmantra dar. Die bereits Sadashiva geopferten und wieder abgenommenen Gaben sind hier nicht als menschliche Speise bestimmt.

10.70 Man gebe sie Tieren, etwa Elefanten, oder ins Wasser; alternativ verbrenne oder vergrabe man sie.

10.71 Die Speisegaben an die bildhaft dargestellten Gottheiten dienen den Tempeldienern als Nahrung. Über das Essen durch andere folgt eine undeutliche Einschränkung.

Damit sind die Opferspeisen erklärt. Höre nun von den Handlungen am Feuer.

So endet das 10. Kapitel.


Kapitel 11 – Das Feuerritual

11.1 Nun erkläre ich die Ordnung des Feuerrituals: die tägliche und die anlassbezogene Ausführung bei Weihe und Fest,

11.2 bei Finsternis, Tagundnachtgleiche, Sonnenübergang, beim Erscheinen von Feinden, zu Befriedung und Gedeihen, bei Einweihung und Pavitra-Fest,

11.3 bei Empfängnisritual und weiteren Lebensriten der Shaivas, bei ihrer Leichenverbrennung und bei Sühneriten soll man das Feuerritual vollziehen.

11.4 Homa findet entweder in einer Feuergrube oder auf einem Bodenaltar statt. Die Grube gestalte man nach den Regeln ihrer geometrischen Anlage.

11.5 Den Bodenaltar errichte man aus frischem Sand, einen Hasta breit. Es folgen Reinigung, Waschung, Trocknung und rituelles Erhitzen.

11.6 Drei Linien verlaufen nach Osten, eine nach Norden. Man ziehe sie mit dem Waffenmantra und besprenge mit dem Schutzpanzermantra.

11.7 Die drei nach Osten gerichteten Linien sind Brahma, Vishnu und Rudra; die nach Norden gerichtete ist Shiva.

11.8 Mit Blumen und ungebrochenen Körnern verehre man sie und bereite das Shiva-Feuer. Am besten entsteht es durch einen Sonnenstein oder durch Reibhölzer.

11.9 Man kann Feuer auch von einem geeigneten heiligen Ort oder aus dem Haus eines Vedakundigen holen. Es wird in Kupfer, einer Schale, Gold oder Silber getragen,

11.10 oder, wenn dies nicht verfügbar ist, in einem neuen Tongefäß. Der Tantrakundige stelle es im Südosten auf.

11.11 Mit dem Waffenmantra reinige, mit dem Schutzpanzermantra umhülle und mit dem Hauptbija-Mantra verwandle man es in der Vorstellung in Nektar.

11.12 Kshurika verehre man mit Duftstoffen und Blumen. In der Grube oder auf dem Bodenaltar lege man einen Sitz aus Darbha-Gras aus.

11.13 In dessen Mitte vergegenwärtige man Vagishvari, nach ihrem Bad am Ende der Monatszeit zur Empfängnis bereit; eine weitere Bestimmung ist gestört.

11.14 Das Feuer führe man dreifach gegliedert auf yogischem Wege in die Grube ein. Mit dem Bija-Mantra setze man es ein und reiche Wasser zur Reinigung und zu Achamana.

11.15 Mit Sadyojata vollziehe man das Bad und vergegenwärtige dreimal Praśānta. So ist das Empfängnisritual des Feuers vollzogen. Es folgt Pumsavana.

11.16 Mit Vamadeva verehre man Rudrani. Dies ist Pumsavana. Höre nun vom Scheitelritual Simantonnayana.

11.17 Mit dem Hauptmantra und Bahurupa bringe man Duftstoffe und Blumen dar. Mit dem Gesichts- und Waffenmantra vollziehe man den Geburtsritus.

11.18 Mit dem Herzmantra vergegenwärtige man die Feuergestalt: zwei Gesichter, zwei Nasen, sechs Augen, drei Gürtel, drei Füße, vier Hörner und zwei Häupter.

11.19 Sie trägt heilige Schnur und Haarknoten, reitet auf einem Stier, besitzt ein helles Antlitz und sieben Arme. Ihr Leib strahlt; sieben Zungen umgeben sie.

11.20 Die sieben Zungen heißen Hiranya, Kanaka, Rakta, Krishna, Suprabha, Atirikta und Bahurupa.

11.21 Hiranya liegt im Westen, Kanaka in der Mitte, Rakta im Norden und Krishna im Süden.

11.22 Suprabha liegt im Osten, Atirakta im Südosten und Bahurupa im Nordosten. So sind ihre Plätze angegeben.

11.23 Diese geheime Gestalt des Feuers wird zur umfassenden Befriedung beschrieben. In ihrer Vergegenwärtigung vollziehe man den Geburtsritus.

11.24 Mit Tatpurusha und Ishana verehre man durch Duftstoffe und weitere Gaben. Dies heißt Namengebung. Damit sind fünf heiligende Riten genannt.

11.25 Rings um die Grube breite man Kusha-Gras mit Spitzen nach Osten und Norden aus. Drei Begrenzungshölzer liegen im Westen, Süden und Norden.

11.26 Im Südosten und Nordosten lege man Brennhölzer auf den Grubenrand. Im Süden gestalte man Brahmas Platz als Lotus.

11.27 Im Norden stelle man das Pranita-Wassergefäß auf; seine Gottheit ist Vishnu. Mit dem Hauptbija-Mantra verehre man Brahma und Vishnu.

11.28 Auf dem Grubenrand verehre der Lehrer die Weltenhüter. Ghee-Gefäß, Caru-Kochtopf, Pranita- und Besprengungsgefäß

11.29 sowie die Opferstoffe und Gefäße stelle man links auf Darbha-Gras. Für Götterriten stehen sie paarweise, für Ahnenriten einzeln.

11.30 Der Kundige richte alle Gefäße und Opferstoffe her: Brennstoff, Ghee, Opferhölzer, Milch, Dickmilch, Honig, gekochte Opferspeise,

11.31 Puffreis, geröstetes Getreidemehl, Sesam, Mungbohnen, Straucherbsen, schwarze Bohnen, Senf, Dhava, Wildreis, Früchte und Kuchen: achtzehn Stoffe werden gezählt.

11.32 Diese verwendet man der Reihe nach bei täglichen und anderen Feueropfern. Für das tägliche Opfer können auch die ersten sieben Stoffe, beginnend mit Brennstoff, dienen.

11.33 Im nördlich stehenden Pranita-Wasser vergegenwärtige man alle heiligen Wasserstätten. Opferstoffe und Besprengungsgefäß werden sodann auf der rechten Seite angeordnet.

11.34 Besonders soll man nach Osten oder Norden gewandt opfern. Das Ghee reinige man der Reihe nach durch Umführen des Feuers und das Durchziehen der Kusha-Halme.

11.35 Mit Kusha vollziehe man die Reinigung und lege die Halmspitzen hinein. Mit der bei adite beginnenden Formel besprenge man ringsum.

11.36 Nach Berührung mit Wasser erwärme man die Opferkelle im Feuer. Unter Vergegenwärtigung der Feuerkeimsilbe vollziehe man die anschließende, mit fünfundzwanzig bemessene Handlung; ihr Verb ist gestört.

11.37 So wird die erste Speisung des Feuers vollzogen. Für weitere Riten gebe man mit dem Herzmantra jeweils sieben Opfergaben.

11.38 Die Handlungen am Mund und die übrigen Riten vollziehe man mit dem Herzmantra. So ist das Shiva-Feuer hervorgebracht. Danach gestalte man den Sitz.

11.39 In der Mitte des Feuers vergegenwärtige der Mantrakundige den Lotus des Herrn wie zuvor beschrieben und rufe Shiva herbei.

11.40 Herbeirufung und weitere Handlungen geschehen nach der früheren Vorschrift. Man opfere mit dem Shiva-Mantra, den Glieder-, Vidya-Glieder- und Brahma-Mantras.

11.41 Vidyashvaras und Weltenhüter samt Waffen und Kräften verehre man mit Düften und Blumen und bringe ihnen Feueropfer dar.

11.42 Für Shiva gebe man zehn Opfergaben, für die übrigen jeweils eine. Alle Opferstoffe werden Shivas Mund übergeben.

11.43 Mit Shiva-, Brahma-, Glieder- und Vidya-Gliedermantras opfere man Ghee und die anderen Stoffe: tausendmal, fünfhundertmal, zweihundertfünfzigmal,

11.44 oder hundertachtmal, fünfundzwanzigmal oder sechzehnmal. Nach jeder Stoffgruppe opfere man mit den Vyahritis; zu Beginn erfolgt die Besprengung.

11.45 So opfere der vortreffliche Übende in der vorgeschriebenen Ordnung. Am Feuer beobachte er Farbe, Geruch, Klang, Rauch und Flamme.

11.46 Glanz wie Diamant, Gold, Silber, Zinnober, Mond, aufgehende Sonne oder gelber Haritala

11.47 sowie wie Vaidurya, Goldbraun und glühendes Metall gelten als die zehn beschriebenen Farben.

11.48 Angenehm gelten Düfte nach Sandelholz, Adlerholz, Kampfer, Kaccola, Jati, Mallika, Patali und Mandara,

11.49 ferner nach Ushira, Naga, Punnaga und Campaka. Klänge wie Muschelhorn, Pauke, Donner und Trommel

11.50 gelten als Gedeihen verheißend. Höre nun vom Rauch: Er kann einer weißen Kunda-Blüte oder einer dunklen Lackfärbung gleichen,

11.51 auch Papageienfedern. Aufsteigende Flammen in glückverheißender Form oder wie ein Schirm,

11.52 wie ein Pfau oder eine Kadamba-Knospe gelten beim Feueropfer als sichere Zeichen des Gelingens.

11.53 Der Tantrakundige erkenne solche günstigen Zeichen und vollziehe die Handlung. Danach bringe der Lehrer mit dem Shiva-Mantra die vollständige Schlussgabe dar.

11.54 Zuerst entlasse er Shiva, danach das Feuer. Am Ende des Feuerrituals vollziehe er das Opfer im Feuer des Lebensatems.

11.55 Neben der Feuerhalle liegt der Speiseplatz. Diesen reinige man besonders und bestreiche ihn mit Kuhdung.

11.56 Man schmücke ihn mit Mehlzeichnungen, Baldachin und Licht. Als Speiseunterlage diene ein geeignetes Kupfer- oder Glockenmetallgefäß oder ein Bananenblatt.

11.57 Nach dem Anordnen der übrigen Gefäße verehre man Shiva im eigenen Inneren. Das Selbst ist der Opferherr, die Buddhi seine Gemahlin.

11.58 Auf dem Altar des Herzlotus verehre man das innere Feuer. Die Körperhaare gelten als ausgelegtes Darbha-Gras. Den mit Shiva verbundenen Pranava

11.59 spreche man, besprenge ringsum und benetze die Füße. Mit der bei amṛtopa beginnenden Formel trinke man Wasser.

11.60 Mit Ringfinger, Mittelfinger und Daumen nehme man langsam Speise auf und bringe mit den fünf Prana-Mantras fünf Gaben an die Lebenskräfte dar.

11.61 Nach Berührung des Gefäßes esse der Kundige. Danach vollziehe er ordnungsgemäß Achamana und stelle sich der Sonne zugewandt auf.

11.62 Mit dem Shiva-Mantra streiche er mit der rechten Hand über den Bauch. Danach erfolgt eine Berührung mit dem rechten Daumen am rechten großen Zeh.

11.63 Unter Vergegenwärtigung Shivas und Rezitation des Herzmantras lasse er eine Handvoll Wasser an den Fuß herabfließen; die Schlusswendung ist undeutlich.

11.64 Dies ist das tägliche Pranagnihotra, das Opfer im Feuer des Lebensatems. In der Gestalt des Acharya zerschneidet der Herr die Fesseln.

11.65 Im Lingam empfängt er die Verehrung, im Feuer die Opfergabe. Das Feuerritual ist damit erklärt. Höre nun die Merkmale der Feuergrube.

So endet das 11. Kapitel.


Kapitel 12 – Die Gestaltung der Feuergruben

12.1 Nun erkläre ich die vortrefflichen Merkmale der Feuergrube. Zur Weihe und zu Festen errichte man einen Pavillon.

12.2 Bei der Weihe stehe er vor dem Tempel, insbesondere nordöstlich oder östlich an seiner Seite.

12.3 Das Haus des täglichen Feuers liege beim Küchenbereich im Südosten. Für sonst nicht näher bestimmte Opfer gelten die genannten Plätze.

12.4 Der höchste Pavillon misst zehn Hasta, der mittlere neun, der kleinste sieben. So werden drei Größen unterschieden.

12.5 Er besitzt sechzehn oder zwölf Säulen. Die Haupt- und Zwischenrichtungen sollen geordnet und das Dach ohne Öffnungen ausgeführt sein; die letzte Bestimmung ist undeutlich.

12.6 Er hat vier Eingänge und vier Torbögen. Seine Plattform ist ein Tala oder sechs Angula hoch.

12.7 Man umwinde ihn mit Darbha-Girlanden, schmücke ihn mit Blumenkränzen und Perlenschnüren und decke ihn oben mit einem Baldachin.

12.8 In der Mitte gestalte man den Altar mit einem Drittel der Gesamtbreite, einen Hasta hoch und spiegelglatt.

12.9 Östlich davon liege eine quadratische Grube, südöstlich eine Yoni-förmige, südlich eine halbmondförmige, südwestlich eine dreieckige,

12.10 westlich eine runde, nordwestlich eine sechseckige, nördlich eine lotusförmige und nordöstlich eine achteckige.

12.11 Zwischen Osten und Nordosten errichte man eine weitere runde Grube. Die Grube für das tägliche Feueropfer misst einen Hasta.

12.12 Für fünfzig Opfergaben beträgt das Maß eine Faust, für hundert eine Aratni, für tausend einen Kara.

12.13 Für zehntausend Opfergaben beträgt es zwei Kara, für hunderttausend vier Hasta, für eine Million sechs Kara und für zehn Millionen acht Hasta.

12.14 Dies bezeichnet die Breite der Grube. Über zehn Millionen hinaus bleibt sie acht Kara groß. Für nicht eigens angegebene Opferzahlen verwende man eine der beschriebenen Gruben.

12.15 Höre nun die Anlage der quadratischen Grube: Drei Schnüre verlaufen nach Osten, drei ebenso nach Norden.

12.16 So entsteht ein Quadrat mit vier Feldern. Auch die Yoni-Form und alle anderen Grubenformen werden aus einem Quadrat entwickelt.

12.17 Man nehme an einer Ecke ein Viertel des Maßes und schlage damit einen Bogen bis zur Hälfte der Fläche; entsprechend schlage man den gegenüberliegenden Bogen.

12.18 Ein Siebtel der Diagonalen trage man nach Osten ab. Von dort ziehe man zwei Schnüre, sodass die Gestalt eines Ashvattha-Blattes entsteht.

12.19 Man teile die Fläche in zehn Teile und lasse zwei weg. Aus den mittleren acht Teilen zeichne man die Halbmondform.

12.20 Für die Dreiecksform teile man die Fläche in fünf Teile und trage seitlich je zwei Teile ab. Mit Schnüren dieses Maßes verbinde man die Endpunkte.

12.21 Die so gelegten drei Schnüre bilden das Dreieck. Für die folgende Form teile man die Fläche in achtzehn Teile und trage einen Teil nach außen ab.

12.22 Vom daraus bestimmten Mittelpunkt schlage man den Kreis. Für die nächste Form teile man die Fläche in acht Teile und trage seitlich je einen Teil nach außen ab.

12.23 Man bestimme die Mitte und die halben Strecken durch Schnüre. Sechs ringsum gelegte Schnüre ergeben das Sechseck.

12.24 Man zeichne wie zuvor einen Kreis, in dessen Mitte einen Fruchtboden und darum sechzehn Blätter mit nach außen weisenden Spitzen.

12.25 Dies heißt Lotusgrube und gilt als alle Wünsche erfüllend. Für die nächste Form trage man ein Vierundzwanzigstel nach außen in die Richtungen ab.

12.26 Vom Mittelpunkt aus bestimme man die Ecken und spanne acht Schnüre. So entsteht nach der Lehre das Achteck.

12.27 Die Tiefe entspricht der Breite. Der erhöhte Rand soll der jeweiligen Form der Grube folgen.

12.28 Man bilde drei Randstufen oder nur eine. Die einzelne Stufe ist vier Angula hoch und ebenso breit.

12.29 So ist die einstufige Form beschrieben. Bei drei Stufen ist die obere vier Angula, die mittlere drei Angula

12.30 und die untere zwei Angula hoch und breit. Auf dem Rand bringe man eine Yoni in Gestalt eines Ashvattha-Blattes an.

12.31 Sie ist ein Angula hoch, vier Angula breit und sieben Angula lang; der Abfluss misst ein Angula.

12.32 Damit sind die Gruben beschrieben. Ein Bodenaltar werde entsprechend ausgeführt, vier Angula hoch und spiegelglatt.

12.33 Der Platz für das Pranita-Gefäß ist ein Angula hoch und acht Angula breit. Entsprechend bemesse man Brahmas Platz.

12.34 Der erste ist quadratisch, Brahmas Platz lotusförmig. Ohne solche Erhöhungen darf man beide auch auf ebener Fläche aufstellen und verehren.

12.35 Ein Sandaltar misst einen Hasta. Bisher wurden die Maße der Grube von einem Hasta der Reihe nach beschrieben.

12.36 Bei Gruben von zwei Hasta und mehr vergrößere man Randstufen und weitere Teile jeweils um ein Angula in Breite und Höhe.

12.37 Alles werde ringsum gleichmäßig ausgeführt. Oberhalb der Grube bilde man eine Lippe; bei einem Hasta beträgt ihr Maß ein Angula in der Mitte des Randes.

12.38 Mit wachsender Grubengröße vergrößere man sie jeweils um ein Angula. Für die Acht-Hasta-Grube folgt eine alternative Angabe von sechs beziehungsweise vier Angula, deren Zuordnung unklar ist.

Damit sind die Merkmale der Feuergruben erklärt. Höre nun vom täglichen Fest.

So endet das 12. Kapitel.


Kapitel 13 – Das tägliche Tempelfest

13.1 Nun erkläre ich das tägliche Fest. Dreimal täglich, am Ende der Verehrung, wird die Bali-Gabe des Opfers dargebracht.

13.2 Man bringe sie für alle Wesen dar; deshalb heißt sie Bali. Yakshas, Rakshasas, Pishachas, Bhutas und Nagas

13.3 ziehen sich nach außen zurück, sobald sie den Klang dieser Bali-Zeremonie hören. Deshalb vollziehe der Kundige das tägliche Fest mit Sorgfalt.

13.4 Südlich der Halle zeichne man ein quadratisches Mandala. Als Gefäß dienen Gold, Silber, Kupfer oder Glockenmetall.

13.5 Die Gefäßwand ist je nach Stufe vier, drei oder zwei Yava dick. Die größte Breite beträgt einen Hasta; die anschließende Lippenangabe ist gestört.

13.6 In der Mitte gestalte man einen Lotus von einem Drittel der Gefäßbreite. Eine vorausgehende Dickenangabe ist unklar; anschließend wird Glockenmetall ausgeschlossen, obwohl es zuvor zugelassen war.

13.7 Der Lotus sei zwei oder ein Angula hoch. Um den Fruchtboden ordne man acht Blätter an, mit entsprechend halbiertem Maß.

13.8 Ihre Höhe verringert sich nochmals zur Spitze. Das Gefäß ist rund; die mittlere Ausführung misst zwanzig Angula.

13.9 Die kleinere misst sechzehn Angula. Das so bereitete Bali-Gefäß stelle man auf das Mandala.

13.10 Bei der höchsten Ausführung forme man dreimal täglich ein Speise-Lingam für Bali. Bei der mittleren geschehe dies morgens und mittags.

13.11 Bei der geringsten Ausführung wird nur mittags ein Lingam aus gekochter Speise gebildet, Gajanana; morgens eines aus Blumen, abends eines aus Reis.

13.12 Für die größte Ausführung koche man ein Adhaka Reis, für die mittlere die Hälfte, für die geringste fünf Pada.

13.13 Ungekochte, überkochte, übermäßig heiße oder kalte Speise meide man. Die Bali-Speise soll ohne Salz und die hier als Rasa bezeichnete Würzung sein.

13.14 Man vermische sie mit Dickmilch, Ghee und Früchten und knete sie fest. Das größte Lingam ist sechzehn Angula hoch; sein Grundmaß beträgt das Doppelte.

13.15 Nach oben verjüngt es sich gleichmäßig auf drei Angula Umfang. Das mittlere ist zwölf Angula hoch und oben zwei Angula bemessen.

13.16 Das kleine ist acht Angula hoch und oben ein Angula bemessen. Man setze die Pashupata-Waffe ein und meditiere über ihre Gestalt:

13.17 dreiäugig, vierarmig, furchterregend, mit dem Glanz unzähliger Flammen. Zwei Hände gewähren Segen und Furchtlosigkeit; die anderen halten Rosenkranz und Dreizack.

13.18 So vergegenwärtige man Pashupata und verehre ihn im Bali-Lingam. Der Lehrer zeige die Astra- und die hier Shastra genannte Mudra,

13.19 ferner Namaskara- und Padma-Mudra. Mit Düften und Blumen verehre er auch das Bildnis dieser Gestalt.

13.20 Das Bildnis geht voran, Speise und weitere Gaben folgen. Ringsum werden die zehn Waffen mit vollständigem Schmuck getragen.

13.21 Die Träger und Tempeldiener sollen vorher das Ritualbad vollzogen haben. Sie tragen weißen Turban und weißes Obergewand, weiße Kränze und helle Salbung.

13.22 Der Träger trägt einen Pavitra-Ring, schweigt und hält einen Stab von einem Hasta. Er ist geschmückt und soll körperlich wohlgestaltet sein.

13.23 Auf dem Kopf trägt er das Lingam bei der Umrundung. Die morgendliche Bali-Handlung erfreut Brahma.

13.24 Mittags trägt er roten Turban und rotes Obergewand sowie weiße Kränze und Salbung. Dies erfreut mich.

13.25 Abends trägt er gelben Turban und gelbes Obergewand; dies erfreut Vishnu. Nach Süden gewandt besprenge man den Schüler mit dem Herzmantra.

13.26 Nach Darbringung von Duftstoffen und Blumen setze man ihm das Gefäß auf den Kopf. Der Transport kann auf einem Tragegestell, in einer Sänfte oder auf einem Elefanten erfolgen,

13.27 oder zu Fuß. So vollziehe man die Umrundung, begleitet von Pataha- und Mardala-Trommeln, Jhallari und Siegesglocken,

13.28 von Trompeten, Zimbeln, Muschelhörnern, Vina und Flöten, mit Schirmen, Fahnen, Federwedeln und Camara-Wedeln,

13.29 mit Räucherwerk und Licht, unter einem schönen Baldachin, begleitet von Tanz und Gesang und geschmückt durch Tempeltänzerinnen.

13.30 Auch andere Gläubige gehen mit und singen Lobpreisungen. Vom Osten aus werden Samahasta und als Nächstes Bhringini-Patata genannt,

13.31 als Drittes Kadru-Vadya, als Viertes Dhakkaka, als Fünftes Kayata, als Sechstes Kuncitala,

13.32 als Siebtes Prahara und als Achtes Vishamacchinna. Man umschreite den äußeren Bali-Sockel einmal und den vorderen Tempelbereich im Uhrzeigersinn.

13.33 Für Indra wird Shubhra-Tala gespielt, für Agni Baddhavana, für Yama Dvyaguni, für Nirriti Malla-Tala,

13.34 für Varuna Nava-Tala, für Vayu Naga-Tala, für Soma Kollika, für Ishana Dhakkari.

13.35 Mit diesen Rhythmen umschreite man den Tempel dreimal, wasche die Füße und beginne die Verehrung der heiligen Sandalen.

13.36 Mit Fußwaschwasser, Achamana, Arghya, Düften, Blumen und Räucherwerk verehre man sie und bringe die erste Bali-Gabe dar.

13.37 Danach folgt die Rückkehr beziehungsweise das Absetzen; die Wendung ist gestört. Man stelle die Gabe auf das zuvor angelegte Mandala und verehre mit Düften, Blumen und dem Herzmantra.

13.38 Mit dem zuvor beschriebenen Waffenmantra vereine man die Gegenwart wieder mit Shiva. Man verehre den Gott der Götter und zeige Namaskara-Mudra.

13.39 Es folgen drei Umgänge mit rechts- und linksgerichteten Bewegungen; die genaue Wegführung ist undeutlich. Man werfe sich lang wie ein Stab nieder: Dies heißt Danda-Verneigung.

13.40 Danach wird die achtgliedrige Verneigung erklärt: Kopf, beide Knie, beide Ohren, Kinn und beide Arme

13.41 bilden ihre acht Glieder. Höre auch die fünfgliedrige Verneigung: Kopf, beide Hände und beide Knie berühren den Boden.

13.42 Dies ist die fünfgliedrige Form. So sind drei Verneigungen genannt; die letzte gilt als die einfachste. Man vollziehe sie nach Vermögen.

13.43 Danach bringe man die Opferblumen Chandesha dar. Das Speise-Lingam gebe man ins Wasser oder lege es auf den äußeren Bali-Sockel.

13.44 Zum Abschluss führe man den vorgeschriebenen Tanz aus. Er gilt als täglicher ergänzender Bestandteil nach der Verehrung.

13.45 In der vielfältig geschmückten Halle werden Pauken und andere Instrumente eingesetzt. Die weitere Anordnung vor Shiva ist durch eine Textlücke unterbrochen.

13.46 Tänzer und Trommler befinden sich südlich, Sänger und Flötenspieler nördlich.

13.47 Der Acharya nimmt im Süden Platz, der Leiter nördlich. Alle sollen gebadet, Achamana vollzogen und Duftstoffe aufgetragen haben.

13.48 Die Tanzenden tragen weiße Gewänder und Kränze, vollständigen Schmuck und sind in Tanz und Gesang geschickt.

13.49 Zur morgendlichen Sandhya erklingen Gandhara und anschließend Shadapanca, mittags Natta-Raga und danach Kaushika.

13.50 Abends wird Cedaka genannt, um Mitternacht Pancama. Zu jedem Tagesübergang lasse man den von Bharata gelehrten Tanz ausführen.

13.51 Wo solcher Tanz stattfindet, sollen Fülle und Frieden herrschen, unheilvolle Vorzeichen vergehen und die Menschen im Gebiet frei von Bedrängnis sein.

13.52 Auch dem Herrn werden weltliche Erfüllung und Befreiung spendende Wirkungen zugeschrieben; die Anfangswendung ist gestört. Nach dem Schließen der Türen kehre man ins eigene Haus zurück.

Damit ist das tägliche Fest erklärt. Höre nun vom großen Fest.

So endet das 13. Kapitel.


Kapitel 14 – Das große Shiva-Fest

Eine heutige Puja veranschaulicht die Verbindung von Gaben, Aufmerksamkeit und gemeinschaftlicher Verehrung.

14.1 Höre nun die Ordnung des Shiva-Festes. Neun Tage gelten als höchste, sieben Tage als mittlere Dauer.

14.2 Fünf Tage gelten als geringste der drei Hauptformen. Wenn dies nicht möglich ist, begehe man ein dreitägiges oder eintägiges Fest.

14.3 Bei den ersten drei Formen beginnt man mit dem Hissen der Fahne; bei den beiden kürzesten ist dies nicht vorgeschrieben.

14.4 Man kann die jeweilige Festdauer verdreifachen oder verdoppeln und am Anfang dieses Zeitraums die Fahne hissen, oder unmittelbar am ersten Festtag.

14.5 Die Eröffnung kann mit Fahnenhissung oder Paukenschlag geschehen, bei entsprechend verdreifachter oder verdoppelter Vorbereitungszeit.

14.6 Zuvor findet das Aussäen der Keime statt, beginnend in der ersten Nacht. Danach schlägt man die Pauke und hisst die Fahne.

14.7 Bei Fest und Weihe gilt der Beginn am Abend als besonders günstig. Das abschließende Reinigungsbad findet morgens statt; die Eröffnung am Abend.

14.8 Nacht, Abend und Morgen werden als die festgelegten Zeiten genannt. Beim neuntägigen Fest gibt es achtzehn Bali-Darbringungen, beim siebentägigen vierzehn,

14.9 bei fünf, drei und einem Tag entsprechend zehn, sechs und zwei. So vollzogen gilt das Fest als Frieden für die Welt bewirkend.

14.10 Im Monat Karttika ende das Shiva-Fest unter Krittika, im Margashirsha unter Ardra,

14.11 im Pausha unter Pushya, im Magha unter Magha, im Phalguna unter Uttara-Phalguni, im Caitra unter Citra,

14.12 im Vaishakha unter Vishakha, im Jyeshtha unter Mula, im Ashadha unter Uttara-Ashadha, im Shravana unter Shravana,

14.13 im Bhadrapada unter Purva-Bhadrapada und im Ashvayuj unter Ashvini. So richte der Kundige das Fest aus.

14.14 In jedem Monat kann das Shiva-Fest auch unter Ardra enden, am sechsten oder achten Mondtag, an Neumond oder unter einem anderen glückverheißenden Gestirn.

14.15 Auch bei königlichen Anlässen und vor einem Krieg werde es begonnen; die erste Anlassangabe ist gestört. Die Fahne erhält einen ihrer Breite entsprechenden Schweif, oder zwei beziehungsweise drei Schweife.

14.16 In ihrer Mitte zeichne man einen stehenden oder liegenden Stier. Sie werde mit Darbha-Girlanden und kleinen Glocken versehen.

14.17 Man umschreite das Dorf oder das Heiligtum. Als Fahnenmast dienen Bambus, Arekapalme, Sandelholz, Jati oder Bilva,

14.18 ferner Sala, Khadira, Campaka, Zeder oder Kokospalme. Der ausgewählte Mast sei fest und tragfähig.

14.19 Seine Länge kann das Dreifache, Doppelte oder Einfache des Tempelmaßes betragen; auch Grenzen an Turmspitze, Turmhals und Stierplattform werden genannt.

14.20 Ebenso kann er bis zum zweiten oder dritten Geschoss oder zur Höhe des Torbaus reichen. Der größte Mastumfang beträgt sechsunddreißig Angula.

14.21 Für die mittlere und geringste Ausführung gelten dreißig und vierundzwanzig Angula Umfang.

14.22 Der Mast besitzt drei als Ghatika bezeichnete Halterungen, acht Angula breit und vier oder drei Angula dick.

14.23 Ihre Länge beträgt zwölf oder sechzehn Angula. Man arbeite passende glatte Öffnungen in den Mast.

14.24 In diesen befestige man die drei Halterungen und führe darin einen Bambusstab. Dessen Spitze liege auf gleicher Höhe mit der Mastspitze.

14.25 Man kann auch einen anderen Stab fest in die Halterungen einsetzen. Der Bambusstab misst zwölf Tala,

14.26 alternativ sechzehn, vierzehn oder zehn Tala; sein Umfang beträgt zwölf Angula.

14.27 Für den Hebemechanismus befestige man einen eisernen Ring mit einem Viertel des zugrunde gelegten Maßes. Ist Eisen nicht verfügbar, kann Holz dienen.

14.28 Durch sein Ende führe man ein bis zum Fuß reichendes, doppelt geführtes Seil, fest aus Fasern gefertigt und so dick wie ein Mittelfinger.

14.29 Der Mast steht zwischen Bali-Sockel und Torbau, oder vor dem Stier, in der mittleren Tempelumfriedung oder im mittleren Bereich der entsprechenden Anlage.

14.30 Man grabe eine oberschenkeltiefe Vertiefung, lege Gold hinein und setze den mit Darbha-Girlanden umwundenen Mast ein.

14.31 Der Fahnensockel sei vier Tala breit, zwei Tala hoch und spiegelglatt.

14.32 Die größte Ausführung ist fünf Tala breit und drei Tala hoch. Zwischen der kleineren und der größeren Ausführung

14.33 werden acht Zwischenabschnitte unterschieden, sodass neun Sockelgrößen entstehen. Mit dem Seilmechanismus hisse man die Fahne.

14.34 Dem Tempel zugewandt befestige man sie unter dem Aghorastra-Mantra am Mast und ziehe sie vorschriftsgemäß hoch.

14.35 Vor dem Tempel errichte man einen quadratischen Pavillon und darin einen Bodenaltar aus reinem Reis.

14.36 Darauf lege man den Dreizack, der alle Gottheiten verkörpert. In seiner mittleren Spitze befindet sich Rudra, in der rechten Brahma,

14.37 in der linken Vishnu. Dies sind die Gottheiten der drei Spitzen. Jyeshtha und Raudri werden links beziehungsweise an der Basis des Dreizacks vergegenwärtigt; die genaue Verteilung ist undeutlich.

14.38 Die Querplatte gehört Skanda, der knaufförmige Teil Varuna, die Auflage Agni und der Stab Sarasvati.

14.39 Der Sockel gehört Parvati, der erdberührende Teil Vasundhara. Nach der Verehrung mit Duftstoffen stelle man davor die Krüge auf.

14.40 Sie werden den Vidyeshvaras zugeordnet, der mittlere dem Stier. Sie enthalten Kusha-Büschel, Deckel, Waffenzeichen und Gold.

14.41 Mit ihren jeweiligen Namen, Düften und weiteren Gaben verehre man sie. Davor stelle man auf einem Bodenaltar die in ein Tuch gehüllte Pauke auf.

14.42 Ihr Körper gehört Vishnu, ihr Hohlraum Vayu, ihr Klang Brahman und ihre Gestaltlosigkeit Ishvara.

14.43 Die Lederschnur ist Vasuki, die beiden Ringe Sonne und Mond, die sieben Pflöcke sind die sieben Mütter. Der Schlägel gehört Skanda.

14.44 Nach der Verehrung mit Wohlgerüchen und dem Herzmantra verehre man zuerst den Acharya, danach den Musiker.

14.45 Mit Vamadeva schlage der Acharya dreimal an. Anschließend spiele der Musiker insbesondere den Bali-Rhythmus.

14.46 Mit Gesang und Tanz spiele man die Rhythmen der Richtungen. Es folgt eine Anrufung des Stieres: „Wir erkennen den mit scharfen Hörnern; wir meditieren über den, dessen Füße die Veden sind.

14.47 Möge dieser Stier uns anregen.“ Danach ist eine Textlücke verzeichnet. Unter Erinnerung an dieses Mantra lasse man den vorgesehenen Klang ertönen.

14.48 Am Fuß des Mastes vollziehe man die Übergießung mit den Krügen und bringe Mungbohnenreis dar. Es folgt die Heiligung des Tages und Paukenschlag.

14.49 Unter Muschelhorn- und Trommelklang, Gesang und Tanz, mit vollständigem Schmuck und dem Dreizack

14.50 umschreite man das Dorf und verehre die Gottheiten der Wegkreuzungen. Man rufe die Weltenhüter herbei und bringe ihnen Bali dar.

14.51 Freudig verkünde der Acharya den Tag des heiligen Bades. Dreizack und Fahne verehre man täglich mit Speisegaben.

14.52 Vor Festbeginn fertige man Wagen und weitere Prozessionsgeräte, feste mechanische Schaukeln und kunstvoll bewegliche Plattformen,

14.53 bewegliche Tempelaufbauten und kleine Hallen, sich drehende Elefantengestalten und Löwenmechanismen,

14.54 auch bewegliche Stiergestalten. Man fertige Schirme mit verschiedenen Federn und unterschiedliche Fächer,

14.55 verschiedene Schirme, Fahnen und Camara-Wedel. Das Heiligtum schmücke man innen und außen.

14.56 An den Torbögen bringe man Bananen- und Arekapflanzen an. Vor dem Tempel errichte man einen besonders schönen Schutzpavillon,

14.57 oben mit Baldachin bedeckt, mit Perlenschnüren und Blumenkränzen geschmückt.

14.58 Die Säulen umwinde man mit Stoffen, Früchten, Blumen und Fahnen. Seitlich der vorgesehenen Anlage errichte man die Opferhalle,

14.59 im Norden, Nordosten oder Südosten, oder in einem festen Pavillon mit sechzehn Säulen.

14.60 Ein Neuntel der Fläche nehme der mittlere Altar ein. Er sei einen Hasta hoch und spiegelglatt.

14.61 Ringsum errichte man Feuergruben oder auch nur eine. Die Fläche bestreiche man mit Kuhdung und bestreue sie mit verschiedenen Blumen.

14.62 Mit feinem Reismehl und verschiedenfarbigen Pulvern zeichne man Vajra, Elefantenstachel, Dreizack und Diskus,

14.63 Lotus, Utpala, Nandyavarta, Krug, Halbmond und Baumgestalten.

14.64 Auch Dorf und Stadt werden besonders geschmückt. Straßen und Nebenstraßen sollen frei von Unebenheiten sein.

14.65 Den ebenen Boden reinige, besprenge und bestreiche man. Mit Bannern, Fahnen und weiteren Fahnenformen,

14.66 Bananenpflanzen, Räucherwerk, Lichtern, Torkrügen, Keimgefäßen, durchbrochenen Krügen und Pflanzschalen

14.67 sowie Stoffen, Duftstoffen und Girlanden schmücke man jedes Haus. Danach vollziehe man zu Beginn der Festtage die Keimaussaat.

14.68 Sie erfolgt nach der im Aussaatkapitel beschriebenen Vorschrift. In der Mitte des Altars bilde man einen Bodenaltar aus Reis,

14.69 aus sechs, fünf oder vier Drona. Darüber kommen enthülster Reis, Sesam und Darbha-Gras.

14.70 In die Mitte stelle man den Shiva-Krug mit Schnur, Kusha-Büschel, Gewand und fünf Edelsteinen, zu seiner Linken das Vardhani-Gefäß.

14.71 Auch dieses erhält Gewand, Kusha-Büschel und Gold. Im Shiva-Krug vergegenwärtige man Sadashiva.

14.72 Im Vardhani-Gefäß setze man Manonmani ein. Ringsum stelle man acht Krüge für die Vidyeshvaras auf.

14.73 Sie enthalten Kusha-Büschel, Gewänder, Gold und Wasser. Ihre Gottheiten verehre man jeweils mit den eigenen Mantras.

14.74 Die zehn Waffenbilder fertige man aus Metall, Holz oder in gemalter Form nach den später beschriebenen Regeln.

14.75 Rings um den Altar verehre man die Waffen. Vom Osten aus ordne man Vajra und die übrigen im Uhrzeigersinn an.

14.76 Den Diskus stelle man links, den Lotus rechts auf. Außerhalb des Altars verehre man die acht glückverheißenden Zeichen.

14.77 Auch den heiligen Dreizack setze man dort für das Fest ein. Danach vollziehe man das Feuerritual in neun, fünf oder einer Feuerstelle.

14.78 Eine einzelne Feuerstelle liegt östlich, nördlich oder westlich des Altars. Die Gruben können rund oder quadratisch sein.

14.79 Man reinige die Opferhalle durch Umführen des Feuers. Gerste opfere man mit dem Herzmantra, weißen Senf mit Sadyojata,

14.80 Sesam mit Ishana und Mungbohnen mit dem Augenmantra. Nach jedem Stoff folgen Vyahriti-Gaben; die vollständige Schlussgabe erfolgt mit dem Wurzelmantra.

14.81 Am Ende der Verehrung vollziehe man die im Feuerkapitel beschriebenen Handlungen. Jeden Morgen und Abend wird vorschriftsgemäß verehrt.

14.82 Nach dem Feueropfer kommt Bali, nach Bali die Festprozession. Die erste Nacht heißt Vishva-Nacht, die zweite Bhuta-Nacht,

14.83 die dritte Rishi-Nacht, die vierte Indra-Nacht, die fünfte Brahma-Nacht und die sechste Vishnu-Nacht,

14.84 die siebte Rudra-Nacht, die achte Ishvara-Nacht und die neunte Sadashiva-Nacht. Dies sind die zugeordneten Gottheiten der neun Tage.

14.85 Beim siebentägigen Fest beginnt man mit der Rishi-Nacht und endet mit Sadashiva. Beim fünftägigen beginnt man mit Brahma und endet mit Sadashiva,

14.86 beim dreitägigen reicht die Folge von Rudra bis Sadashiva, beim eintägigen gilt allein Sadashiva.

14.87 Die Angabe zu drei und einem Tag wird nochmals wiederholt. An allen diesen Tagen verwende man besondere Speisen und Lichter.

14.88 Man verehre entsprechend den vorhandenen Mitteln und ehre auch die Schutzgottheiten des Dorfes besonders.

14.89 Reine gekochte Speise mit Dickmilch, Laddu, Kuchen, Früchten und Rohzucker gilt als Ganesha besonders lieb.

14.90 Mit Kurkuma, Ghee-Reis, Dickmilch und geröstetem Mehl wird die Gabe für die machtvollen Bhutas beschrieben; die Anfangswendung ist undeutlich.

14.91 Fünf Wurzeln, Kusha-Spitzen, Shali-Reis mit Ghee und Bananen gelten als Bali für die Rishis.

14.92 Indravalli, Kurkuma und Priyangu, mit Ghee vermischt, bilden am vierten Tag Indras vortreffliche Gabe.

14.93 Lotusblüten, Kurkuma, Milchreis und Puffreis werden am fünften Tag Brahma dargebracht.

14.94 Zuckerreis mit Ghee und Brihati-Früchten gebe man am sechsten Tag, um Vishnu zu erfreuen.

14.95 Krisara mit Ghee und Kokosnuss gebe man am siebten Tag, um Rudra zu erfreuen.

14.96 Die hier als Venuka bezeichnete Speise mit Dickmilch und Bananen wird am achten Tag Ishvara dargebracht.

14.97 Reine gekochte Speise mit Dickmilch, Puffreis, Kuchen, Bananen, Jackfrüchten und Rohzuckerstücken

14.98 gebe man am neunten Tag Shiva in seiner Sadakhya-Gestalt. Für alle Gottheiten darf man auch reine Speise mit Ghee und Dickmilch

14.99 unter ihrem jeweiligen Mantra darbringen. Man koche ein Drona, ein halbes oder ein Viertel Drona.

14.100 Jede einzelne Bali-Gabe habe die Größe einer Kapittha-Frucht. Vor der Prozession bringe man die Bali-Gaben für das Dorf dar.

14.101 Instrumentalklang, Räucherwerk, Licht, Fahnen, Federwedel, Lobpreis und glückverheißende Worte begleiten die Handlung.

14.102 Auf der Opferplattform stelle man Dreizack und Speise-Lingam auf, ringsum die zehn Waffen.

14.103 Fehlt die entsprechende Tragevorrichtung, werden diese auf dem Kopf getragen. Der Acharya geht mit Schülern und vollständig geschmückt mit.

14.104 Der Adishaiva trägt Turban und Obergewand, ist festlich geschmückt, innerlich heiter und von Vertrauen und Hingabe erfüllt.

14.105 Im Dorf bringe man den Gottheiten Bali dar, in der Folge von Brahma bis Ishana oder von Indra bis Ishana.

14.106 Morgens und abends erfolgt Bali besonders nach dem Feueropfer. Danach beginne die vollständig geschmückte Prozession.

14.107 Vorn gehen Bewaffnete mit Elefanten; darauf folgen Reiter und weitere Elefanten mit ihren Trägern.

14.108 Dann kommen bewegliche Plattformen, geschmückt mit festlich gekleideten Frauen, weitere Mechanismen, Schaukeln und Hallenaufbauten.

14.109 Es folgen bewegliche Tempel mit Tanz und Gesang. Als erste Gottesgestalt wird der bequem Sitzende genannt, als zweite der mit Uma Vereinte,

14.110 als dritte der Stierreiter, als vierte der Zerstörer Tripuras, als fünfte der Tanzende, als sechste Candrashekhara,

14.111 als siebte Ardhanarishvara, als achte Harihara, als neunte Bhikshatana, als zehnte der Bezwinger der Zeit,

14.112 als elfte der Verbrenner Kamas und als zwölfte die hier als ursprüngliches Lingam bezeichnete Form. Diese zwölf Bildnisse tragen vollständigen Schmuck.

14.113 Mit Hingabe stelle man sie auf Plattform, Sänfte oder Wagen. Adishaivas und Anushaivas folgen den Gottheiten.

14.114 Danach gehen Pashupatas, Träger des großen Gelübdes, Kalamukhas und anschließend Brahmanen.

14.115 Davor gehen die reich geschmückten Rudra-Tempeltänzerinnen; danach werden Sänger und Tänzer genannt.

14.116 Ishvara mit seiner Shakti bewegt sich langsam in der vorgesehenen Folge, begleitet von Frauen, Dreizackzeichen und beweglichen Leuchten.

14.117 Waffenleuchten, Stableuchten, Baldachine, durchbrochene Lampen und Banner schmücken den Zug ringsum.

14.118 Hinter allen folgt der geschmückte Chandesha. Vor ihm lasse man sämtliche Instrumente geordnet erklingen.

14.119 Pataha, Mardala, Zimbeln, Bheri, Panava, Dundubhi, Jarjhari, Jhallari und weitere Instrumente sowie Vina und Flöte

14.120 erklingen vorne und hinten. Danach folgen Vaishyas, Shudras und weitere Gläubige voller Hingabe.

14.121 Alle gesellschaftlichen Gruppen folgen in ihrer vorgesehenen Ordnung. Wer der Gottheit mit ganz auf sie gerichtetem innerem Wesen folgt,

14.122 erlangt nach der Verheißung mit jedem Schritt die Frucht eines Pferdeopfers. Alte, Kinder, Jugendliche, Frauen und Männer

14.123 werden dabei von allen Verfehlungen befreit. So umschreite man das Dorf oder die Stadt.

14.124 Langsam kehre man zum Tempel zurück, lege Bali auf den Opferstein, wasche die Füße und betrete das Heiligtum.

14.125 Die Gottheit nehme mit allen Götterscharen im Festpavillon Platz. Vor Shiva erklingen Mridanga und andere laute Instrumente.

14.126 Die Rezitation von Namaka und Camaka hat ihren Platz im Süden, Sänger und Flötenspieler im Norden.

14.127 Der Acharya sitzt südlich, der König nördlich. Auf beiden Seiten der Gottheit befinden sich die Tempeltänzerinnen.

14.128 Vor der Gottheit führe man Tanz mit Gesang auf. Beim Fest vollziehe man die Nirajana-Lichtzeremonie für den Gott der Götter.

14.129 Asche, Blumen und Licht lege man in Schalen. Zuvor reiche man Achamana-Wasser und lege Blumen auf das Haupt.

14.130 Eine weitere, als Acyuta überlieferte Gabe werde auf das Haupt gelegt, danach Duftstoff. Erneut reiche man Achamana, Räucherwerk und Licht.

14.131 Eine in Teig eingesetzte Lampe schwenke man über Shivas Haupt. Danach reiche man Asche und zeige den Spiegel.

14.132 Unter Instrumentalklang tragen die Tempeltänzerinnen die Gabe fort. Man lege sie vor den Bali-Sockel oder außerhalb der Umfassungsmauern nieder.

14.133 Der leitende Ritualkundige sorge besonders am Abend für diese Ausführung. Den Gläubigen gebe man Gewänder und andere Gaben.

14.134 Diese festliche Bedienung gilt schon durch ihren Anblick als Verfehlungen tilgend. Solange das Fest dauert,

14.135 gebe man täglich allen gesellschaftlichen Gruppen Speise und weitere Versorgung, um die Gottheit zu erfreuen. Vor dem Tag des heiligen Bades beginne die Jagdprozession.

14.136 In der Darstellung eines kriegerischen Aufbruchs umschreite man das Dorf. In jener Nacht binde man besonders das Schutzband an.

14.137 Ein goldenes, silbernes oder baumwollenes Band werde auf den Bodenaltar gelegt, ebenso der Dreizack.

14.138 In der Opferhalle binde man mit dem Herzmantra das Schutzband an den Dreizack und vollziehe die Heiligung des Tages.

14.139 Mit dem Herzmantra binde man auch dem Festbild das Band an. Auf einem Bodenaltar stelle man neun Krüge auf,

14.140 mit Deckeln, Kusha-Büscheln und Gewändern, Shiva und den Vidyeshvaras zugeordnet. Nach Verehrung mit Düften übergieße man mit ihnen den Dreizack.

14.141 Das Bad kann in einem Fluss, Wasserbecken, Teich oder See stattfinden. Auch ohne Bad in solchen Gewässern lassen sich die übrigen Handlungen vollziehen.

14.142 Nach morgendlichem Feueropfer, Bali und Prozession folgt das Pulverfest. Vor dem Tempel, südlich oder südöstlich davon

14.143 bestreiche man die Fläche mit Kuhdung, schmücke sie mit Räucherwerk, Lichtern und Pflanzschalen und errichte einen Bodenaltar.

14.144 Im Westen stelle man Dreizack, Mörser und Stößel auf. Den Mörser umhülle man mit einem Tuch und Darbha-Gras.

14.145 Mit Duftstoffen verehre man Dreizack und Mörser. Ghee werde am oberen Teil dargebracht, zusammen mit Gold, Durva-Keimen und ungebrochenen Körnern.

14.146 Gut getrocknete Kurkuma gebe man mit dem Herzmantra in den Mörser. Mit dem Waffenmantra stoße der Lehrer zunächst dreimal.

14.147 Danach mahle er gemeinsam mit den Gläubigen. Unter den fünf Brahma-Mantras bade man das Lingam mit dem Pulver.

14.148 Mit dem Herzmantra bade man auch Festbild und Dreizack unter Verwendung von Öl. Den Acharya ehre man mit Gewändern, Gold und Fingerringen.

14.149 Zügig umschreite man Dorf oder Stadt. Am Fluss- oder Teichufer errichte man zwei Bodenaltäre.

14.150 Auf einem stelle man den Dreizack auf, östlich davor die Krüge. Beide verehre man mit ihren jeweiligen Mantras.

14.151 Die sieben Flüsse Ganga, Yamuna, Narmada, Sarasvati, Sindhu, Godavari und Kaveri

14.152 rufe man in den mittleren, mit Duftwasser gefüllten Krug. In die umgebenden Krüge setze man Ananta bis Shikhandin ein.

14.153 Nach der Heiligung des Tages verehre man die Gottheiten der Dreizackwaffe, übergieße sie mit dem Krugwasser und vollziehe das Bad im heiligen Gewässer.

14.154 Wer dort gemeinsam mit dem Dreizack das heilige Bad nimmt, soll alle Verfehlungen abstreifen wie eine Schlange ihre alte Haut.

14.155 In der Opferhalle bringe man im Shiva-Feuer erneut die vollständige Schlussgabe dar und vollziehe die vorgeschriebenen Handlungen nach dem Opfer.

14.156 Den Herrn des Opfers verehre man mit guten Duftstoffen und Blumen; mit den geweihten Krügen vollziehe man die Übergießung Shivas.

14.157 Gläubigen und Dienern gebe man Gewänder und weitere Gaben. Es folgt das Einholen der Fahne in der dafür vorgesehenen Ordnung.

14.158 Alternativ wird sie nach drei, fünf oder sieben Tagen eingeholt. Danach vollziehe man besonders die Übergießung des Hauptlingams,

14.159 auch der Festbildnisse, des Dreizacks und der Fahne, begleitet von Lobpreis und glückverheißenden Worten.

14.160 Man bringe Bali aus Kurkumareis oder reiner Speise mit Beilagen dar. Am Ende der Verehrung hole man die Fahne ein.

14.161 Nach einer Umrundung entlasse man die Kreuzungsgottheiten. Die beim Opfer verwendeten Gegenstände gebe man dem Lehrer.

14.162 Wer als Mensch ein solches Fest für Shiva begeht, erhebt nach der Verheißung einundzwanzig Generationen seiner Familie und gelangt in Shivas Welt.

Das Shiva-Fest ist damit erklärt. Höre nun von der rituellen Übergießung.

Damit ist Shivas Fest erklärt. Höre nun von der rituellen Übergießung.

So endet das vierzehnte Kapitel.


Kapitel 15 – Die rituellen Übergießungen

15.1 Nun erkläre ich die Ordnung der rituellen Übergießung. Sie findet am fünften, neunten und vierzehnten Mondtag sowie an den beiden monatlichen Wendepunkten statt,

15.2 ferner bei Sonnenübergang, Tagundnachtgleiche, Sonnenwende und Finsternis. Von den zuerst genannten Zeiten bis zur Finsternis soll ihr Verdienst jeweils um das Zehnfache steigen.

15.3 Sie geschieht nach Einweihung, Weihe, Besprengung, Fest und Opfer, unter einem günstigen Gestirn und beim Krittika-Lichterfest,

15.4 unter dem Geburtsgestirn, zu glückverheißenden Anlässen, bei Mantra-Sadhana, Königskrönung, nach einem Todesfall und bei einer Geburt,

15.5 bei übermäßigem oder ausbleibendem Regen, Hungersnot, unheilvollen Vorzeichen, Erdbeben, flammendem Horizont, Fieber und Seuchen.

15.6 Bei Krankheiten, feindlicher Bedrängnis und Sühneriten soll der Guru Shiva rituell übergießen.

15.7 Neun Formen werden unterschieden. Höre sie kurz der Reihe nach: Die erste Zahlenfolge nennt fünf, nochmals fünf und fünfundzwanzig Krüge; die zweite Fünferangabe ist offenbar gestört.

15.8 Dies sind die drei unteren Formen. Die drei mittleren verwenden neunundvierzig, einundachtzig

15.9 und hundertacht Krüge. Für die oberen Formen werden zweihundertsechzehn und dreihundertacht

15.10 sowie tausendacht angegeben, jeweils mit der genannten zusätzlichen Shiva-Zuordnung. Höre nun die Ausführung aller Formen.

15.11 Vor dem Tempel errichte man einen quadratischen Pavillon. Die ersten Breitenangaben nennen zwanzig Hasta sowie weitere durch Zahlwörter verschlüsselte Maße, deren Trennung gestört ist.

15.12 Es folgen neun, acht, sieben, sechs und fünf Hasta. Insgesamt werden neun Größen beschrieben; die anschließende Maßbestimmung ist nicht eindeutig.

15.13 Für die oberen Formen sind sechsunddreißig Stützen vorgeschrieben, für die mittleren sechzehn,

15.14 für die unteren zwölf. Man baue einen überdachten Aufbau oder Pavillon nach dem jeweils vorgesehenen Maß.

15.15 Er besitzt vier Eingänge und vier Torbögen, Baldachin, Fahnen und Darbha-Girlanden.

15.16 Nach der später beschriebenen Vorschrift vollziehe man die Keimaussaat. Danach nehme der Adishaiva die Krüge und bereite sie rituell vor.

15.17 Sie bestehen aus Gold, Silber oder Kupfer; auch Muschelhörner, Muschelschalen und Kuhhörner können dienen,

15.18 oder gut gebrannte Tongefäße von gutem Klang, glatter Oberfläche, schönem Glanz und den vorgeschriebenen Merkmalen.

15.19 Mit solchen Gefäßen übergieße man den höchsten Herrn. Das größte fasst ein Drona, das mittlere die Hälfte,

15.20 das kleinste ein Adhaka; alternativ können alle ein Adhaka fassen. Muscheln und Hörner fülle man entsprechend ihrem eigenen Fassungsvermögen.

15.21 Man umwinde sie mit Schnüren und lasse sie geweiht ruhen. Nach dem Bestreichen des Bodens mit Kuhdung spanne man die vorgesehenen Schnüre.

15.22 Den Schnüren und Stützen werden Adharma beziehungsweise Dharma und die entsprechenden weiteren Prinzipien zugeordnet. Den Bodenaltar bilde man aus reinem Reis.

15.23 Für jeden Krug verwende man ein Adhaka oder ein halbes Adhaka unenthülsten Reis, darüber halb so viel enthülsten Reis und wiederum halb so viel Sesam.

15.24 Von den neun Übergießungsformen höre zunächst die ersten sieben. Im Pavillon zeichne man einen vierblättrigen Lotus mit Fruchtboden.

15.25 Dies ist die Anordnung für fünf Krüge, mit Blättern in den Hauptrichtungen. Vier Schnüre nach Osten und vier nach Norden ergeben neun Felder.

15.26 Für die folgende Anordnung spanne man je acht Schnüre in beiden Richtungen. Die mittleren neun Felder werden belegt, ein äußerer Ring bleibt frei.

15.27 In den vier Hauptrichtungen nehme man jeweils ein Feld hinzu, in den Zwischenrichtungen vom Südosten bis Nordosten jeweils drei Felder.

15.28 Neben den Hauptrichtungsfeldern lasse man je zwei Felder für Tore frei. So entstehen fünfundzwanzig Plätze für die dritte untere Form.

15.29 Jedes Feld misst ein Tala. Je zwölf Schnüre verlaufen in Ost- und Nordrichtung; acht Zugänge werden angelegt.

15.30 In der Mitte verwende man fünfundzwanzig Felder; ringsum bleiben zwei Feldreihen frei. Die weitere Anweisung über fünfunddreißig Felder ist undeutlich.

15.31 Dies wird die Neunundvierziger-Anordnung genannt. Höre die mit einundachtzig Plätzen: Man füge eine Feldreihe ringsum hinzu und lasse die Torfelder frei.

15.32 So entstehen einundachtzig Plätze. Für die nächste mittlere Ausführung lege man je sechzehn Schnüre nach Osten und Norden.

15.33 Man nehme die mittleren fünfundzwanzig Felder und in jeder Zwischenrichtung neun Felder. Für die Tore lasse man je zwei Felder frei.

15.34 In den Hauptrichtungen folgen weitere Abzüge aus den mit Tithi-Zahlen bestimmten Feldgruppen. So werden hundertacht Plätze mit zusätzlichem Shiva-Platz angegeben.

15.35 Nun lege man je zwanzig Schnüre nach Osten und Norden. In der Mitte nehme man fünfundzwanzig Felder, ringsum lasse man zwei Reihen frei.

15.36 Acht Tore werden vorgesehen. Mit Kuhdung und Wasser bereite man die Fläche; in Haupt- und Zwischenrichtungen kommen je fünfundzwanzig Felder.

15.37 In der Mitte der zentralen Anordnung spare man neun Felder aus und zeichne einen Lotus. So entstehen zweihundertsechzehn Plätze.

15.38 Die neun Formen sind benannt. Höre nun ihre Stoffe: Diamant, Smaragd, Vaidurya und Koralle

15.39 sowie Perle bilden die fünf Edelsteine im Shiva-Krug. Fehlen sie, verwende man Gold; auch für die neun Grundgefäße ist Gold vorgesehen.

15.40 Fußwaschwasser, Achamana, Arghya, die fünf Kuhprodukte, Kusha-Wasser, Milch, Dickmilch und Ghee bilden den ersten Kreis.

15.41 Für die Mischung der fünf Kuhprodukte werden ein Viertel Prastha Ghee, ein halbes Prastha Dickmilch, drei Viertel Prastha Milch und ein Prastha Kuhdung angegeben.

15.42 Kuhurin wird mit dem Sechsfachen bemessen; die Bezugsmenge bleibt unausgesprochen. Weitere Stoffe sind Honig, Zuckerrohrsaft, Jackfrucht und Mango,

15.43 Banane, Kokosnuss, Senf, Sesam, Bilva, Zitronatzitrone und zwei Arten von Naranga-Früchten,

15.44 Gerste, Wildreis, Puffreis und dessen Mehl, Rohzucker, Sandelholz, Laghu-Kushtha, Kaccola sowie Blüten und Blätter,

15.45 Kampfer, Himabera, Jatamamsi, Murantrana, Shami, Durva, weißer Arka, Bilvablätter und Campaka,

15.46 Shankhapushpa, Apamarga, Vishnukranti, Dhurtura, Nandyavarta, weißer Lotus, Punnaga und Atipatali,

15.47 Sahadevi, Shatapatri, Lakshmi, Sthalaravindaka, Dhataki, Tulasi, Karavira und Krishna-Mallika,

15.48 Mallika, Shatavari, Gokshura, Kritanjali, Mahadrona, Drona, Bhadri und Madhumadrika,

15.49 Indravalli, Rudrapani, Dhatri, Haridraki, Vyaghranavi, Manjishthi, Sarala und Bhadrakashuka,

15.50 frische Butter, Dravila, Sarjarasa, Takkola, Bala, Atibala, Simhi, Priyangu und die als Loddhrita überlieferte Pflanze,

15.51 Nagakesara, Jambuka, Kapittha, Ashvattha, Guggulu, Kardamom, Kreuzkümmel und Schwarzkümmel,

15.52 gutes Öl, Safran, Megha, Adlerholz, Krishna-Locana, Shriveshtaka, Gandharasa, langer Pfeffer und Hastapippali,

15.53 schwarzes Adlerholz, Tagara, Manahshila, rotes Sandelholz, Gewürznelken, Kurkumapulver, Rindenabkochung und Reinigungsmittel.

15.54 Die Abkochung besteht aus Rinde von Pippala, Udumbara, Plaksha und Vata. Für die Reinigung werden Sesam und Kusha-Spitzen verwendet.

15.55 Diese Stoffe dienen zwei verschiedenen Handlungen: Übergießen und Abreiben. Alle flüssigen Stoffe gelten als Übergießungsmittel.

15.56 Früchte, Pulver und Pflanzen dienen dem Abreiben. Alle nicht von sich aus flüssigen Stoffe fülle man mit Wasser auf.

15.57 Für fünf Krüge wird eine bis zu den fünf Kuhprodukten reichende Auswahl genannt, für neun die Reihe bis Ghee. Die folgende Zuordnung zur Fünfundzwanzigerform ist im Text gestört.

15.58 Für neunundvierzig reicht die Auswahl von Rohzucker bis Punnaga; für einundachtzig wird eine weitere, an ihren Grenzen undeutliche Stoffreihe genannt.

15.59 Für hundertacht reicht die Reihe von Fußwaschwasser bis zu den Reinigungsmitteln. Danach unterbricht eine Textlücke die Zuordnung der Haupt- und Zwischenrichtungen.

15.60 Die mittlere Anordnung gehört Shiva; insgesamt werden neun Teilanordnungen genannt. Man verehre mit Duftstoffen und Blumen und lege Darbha ringsum.

15.61 In der Mitte stelle man mit dem Shiva-Mantra den Shiva-Krug auf, gefüllt mit zweiunddreißig, vierundzwanzig oder sechzehn Prastha.

15.62 Das Vardhani-Gefäß fasst jeweils die Hälfte. Der Shiva-Krug enthält fünf Edelsteine und ein Kusha-Büschel und ist in Stoff gehüllt.

15.63 Er steht in der Mitte der Shiva-Anordnung. Das Vardhani-Gefäß steht nördlich dieser Anordnung oder unmittelbar nördlich des Shiva-Kruges.

15.64 Es erhält Kusha-Büschel, Gewand und Gold. Unter dem Bija-Mantra setze man Manonmani darin ein.

15.65 Mit dem Herzmantra, Duftstoffen und Blumen verehre man sie. Über die acht Stoffe von Fußwaschwasser bis Ghee herrschen die acht Vidyeshvaras.

15.66 Über die Stoffe von Honig bis zu den Reinigungsmitteln herrschen die hundert Rudras. Jeden Krug verehre man einzeln und gebe ihm ein eigenes Gewand.

15.67 Mit dem jeweiligen Namen im Dativ verehre man durch Duftstoffe und Blumen. Die zweihundertsechzehn Gefäße ordne man wie zuvor an.

15.68 Die vorher genannten Stoffe sind die Hauptgaben. Mit Ushira, Adlerholz, Kampfer, Sandelholz und Blumen

15.69 vermischtes reines Wasser dient zur ergänzenden Übergießung. Ebenso werden die sieben heiligen Flüsse darin vergegenwärtigt; die Zahlenzuordnung ist verkürzt.

15.70 Von der geringsten bis zur niedrigsten oberen Ausführung sind damit Gottheiten und Stoffe im Einzelnen beschrieben.

15.71 Bei der mittleren oberen und höchsten Ausführung unterscheiden sich Übergießung und Stoffanordnung etwas, Gajanana.

15.72 Man spanne je sechs Schnüre nach Osten und Norden. Ein Feld besitzt eine Breite von fünf Tala.

15.73 Ringsum lasse man acht Felder frei. In den vier Hauptrichtungen verlaufen vier Wege von jeweils vier Feldern.

15.74 In den vier Eckbereichen nehme man zwölf Felder; jedes dieser zwölf Felder werde in fünfundzwanzig Plätze unterteilt.

15.75 Die mittlere Anordnung erhält gesondert neun Plätze. Der kundige Einsetzer ordne alles in sechs Umkreisen an.

15.76 In der Mitte stehen wie zuvor neun Krüge, links davon das entsprechend vorbereitete Vardhani-Gefäß.

15.77 Höre die fünf äußeren Reihen: Die erste enthält Samen, die zweite Metalle,

15.78 die dritte Edelsteine, die vierte mineralische Stoffe und die fünfte die fünf Kuhprodukte. Eine anschließende Summenzahl ist gestört.

15.79 Gerste, Wildreis, Mungbohnen, Sesam, Senf, weißer Shali, großer Shali und roter Shali

15.80 sowie duftender und goldener Shali bilden die zehn Samenarten. Man verteile sie auf zweiundzwanzig Krüge im ersten Kreis.

15.81 (erste Zählung) Ebenso viele Gefäße mit ergänzendem Badewasser kommen hinzu. So stehen ringsum vierundvierzig Krüge.

15.81 (zweite Zählung) Man verehre sie vorschriftsgemäß unter Vergegenwärtigung des Bija-Mantras. Dies ist der erste Kreis. Höre nun den zweiten.

15.82 Camikara, Hema, Shatakumbha, Jambunada und Tapta werden als Goldarten genannt; die anschließende Metallliste ist undeutlich.

15.83 Man lege sie zusammen mit Wasser in sechsundzwanzig Krüge. Ebenso viele Krüge enthalten ergänzendes Wasser.

15.84 Diese zweiundfünfzig Krüge ordne man in den vier Eckbereichen des zweiten Kreises an und verehre sie mit den Brahma-Mantras.

15.85 Damit ist der zweite Kreis erklärt. Der dritte enthält Rubin, Vaidurya, Diamant, Pushya,

15.86 Bergkristall, Perle, Nila, Indranila und Koralle. Wasser mit diesen neun Edelsteinen fülle man in dreißig Krüge.

15.87 Ebenso viele Krüge mit Zwischenwasser kommen hinzu: insgesamt sechzig. Man verehre sie mit den Gliedermantras.

15.88 Damit ist der dritte Kreis erklärt. Für den vierten nehme man Haritala, Manji, Anjana, Manahshila,

15.89 Rodhra, Blei und roten Ocker. Diese sieben Stoffe werden mit Wasser auf vierunddreißig Krüge verteilt.

15.90 Ebenso viele Krüge mit Zwischenwasser kommen hinzu, insgesamt achtundsechzig.

15.91 Jeden verehre man mit den Vidya-Gliedermantras. Höre nun die Einsetzung der fünf Kuhprodukte im fünften Kreis.

15.92 Kuhurin, Kuhdung, Milch, Dickmilch, Ghee und Kusha-Wasser werden auf achtunddreißig Krüge verteilt.

15.93 Darin setze man die achtunddreißig Kalas der fünf Brahma-Mantras der Reihe nach ein. Eine gleiche Anzahl Gefäße mit Zwischenwasser kommt hinzu.

15.94 In den Stoffkrügen vergegenwärtige man besonders die hundert Rudras. Sie werden auf die dreihundert äußeren Krüge jeweils verteilt.

15.95 Nach vorschriftsgemäßem Bad und Verehrung mit den eigenen Namen ist damit die Dreihundertacht-Form beschrieben. Höre nun die höchste Form.

15.96 Je zwölf Schnüre nach Osten und Norden ergeben hundert einundzwanzig Felder, Vinayaka.

15.97 In den vier Eckbereichen lege man je vier weitere Schnüre, vom Südosten aus und jeweils mit einem Feld Abstand.

15.98 Die sechsunddreißig Stützen werden berücksichtigt, ihre Plätze bleiben frei. Je zwei Felder für die Tore werden ausgespart; vierzig Felder bleiben.

15.99 Das mittlere Feld unterteile man in neun Plätze, die übrigen jeweils in fünfundzwanzig.

15.100 So entstehen tausendacht Krugplätze in elf Kreisen. Die Krüge der Vidyeshvaras, Umas und Shivas setze man wie zuvor ein.

15.101 Abgesehen vom Vidyeshvara-Kreis höre nun die zehn weiteren: Im ersten stehen Samen, im zweiten Metalle,

15.102 im dritten Edelsteine, im vierten mineralische Stoffe, im fünften die Kuhprodukte, im sechsten Fruchtwasser,

15.103 im siebten Duftstoffe und Pflanzen, im achten acht Erdarten, im neunten Rindenabkochungen,

15.104 im zehnten Blumen. Höre die Einzelheiten. Von den Samen bis zu den Kuhprodukten verfahre man wie zuvor.

15.105 Die ersten fünf Kreise sind damit beschrieben. Im sechsten verwende man Banane, Bilva, Mango, Zitronatzitrone und Granatapfel,

15.106 Kokosnuss, Naranga, Likuca und Jackfrucht. Ihr Fruchtwasser wird auf zweiundsechzig Krüge verteilt.

15.107 Ebenso viele Krüge mit Zwischenwasser werden einzeln hinzugefügt. Insgesamt sind es hundertvierundzwanzig.

15.108 Jeden verehre man mit der bei praśāntāya beginnenden Formel. Höre den siebten Kreis mit Duftstoffen und Pflanzen.

15.109 Ushira, Sandelholz, Kampfer, Jati, Shankhapushpa, Shridevi, Vishnukranti und Shatavari

15.110 bilden die acht genannten Stoffe. Sechsundsechzig Krüge werden damit gefüllt, ebenso viele mit ergänzendem Badewasser.

15.111 Insgesamt sind es hundertzweiunddreißig. Von Kräutern, Rankengewächsen und Bäumen

15.112 sammle man die entsprechenden Früchte, Blüten und Wurzeln. Damit ist der siebte Kreis erklärt. Höre den achten.

15.113 Erde entnehme man unter Darbha-Gras, an einem Elefantenstoßzahn, an einer vom Eber aufgewühlten Stelle, an einem Ameisenhügel, am Horn eines Stiers, am Fluss und am Berg,

15.114 ferner am Meer. Man reinige sie und verteile sie einzeln auf siebzig Krüge.

15.115 Diese werden mit Wasser gefüllt; ebenso viele Gefäße mit Zwischenwasser kommen hinzu, insgesamt hundertvierzig.

15.116 Man verehre sie mit der Erdkeimsilbe. Höre nun den neunten Kreis: Mango, Jackfrucht, Nyagrodha und Udumbara,

15.117 Ashvattha, Shirisha, Madhuka und Palasha liefern die acht Rindenarten. Man gebe ihr Pulver mit Wasser in die Krüge.

15.118 Vierundsiebzig Gefäße werden so gefüllt, ebenso viele mit ergänzendem Badewasser.

15.119 Insgesamt sind es hundertachtundvierzig. Mit dem Scheitelmantra, Duftstoffen und Blumen verehre man sie.

15.120 Höre nun die Blumen des zehnten Kreises: Lotus, Palasha, Nandyavarta, Mallika,

15.121 Karavira, Campaka und blauer Lotus werden genannt; der Text zählt acht Arten, nennt aber nur sieben eindeutig. Sie werden auf achtundsiebzig Krüge verteilt.

15.122 Die Blumenkrüge fülle man mit Wasser auf. Eine gleiche Anzahl Gefäße mit ergänzendem Badewasser kommt hinzu.

15.123 So richte man die zehn Kreise mit Düften, Blumen und ungebrochenen Körnern ein. Jeden Krug umhülle man sorgfältig mit einem Gewand.

15.124 In den Stoffen vergegenwärtige man die hundert Rudras, im Wasser die heiligen Badeorte. Die neun Grundformen sind damit beschrieben. Man zeige die Mudras.

15.125 Am Anfang und Ende zeige man Namaskara, dazwischen Bija und Manorama. Sitz, Herbeirufung und weitere Handlungen

15.126 vollziehe man wie zuvor; danach beginne man den Abhisheka. Nach besonderer Heiligung des Tages verehre man die Krüge.

15.127 Einen kundigen Shaiva aus einer Adishaiva-Familie, der die Vorschriften beherrscht, verehre man als Acharya.

15.128 Man ehre ihn mit Gewändern, Schmuck, Blumen, Ringen und den weiteren genannten Gaben. Den Shiva-Krug hebe man mit den Händen oder trage ihn auf dem Kopf.

15.129 Man bringe ihn in die innere Tempelkammer. Nach Norden gewandt setze der Mantrakundige den Gott der Götter mit dem Wurzelmantra ein.

15.130 Mit dem Ganambika-Mantra übertrage man die Gegenwart aus dem Vardhani-Gefäß auf den Sockel. Alle Gottheiten werden wie zuvor an ihren jeweiligen Stellen eingesetzt.

15.131 Die Stoffe zum Übergießen hebe man ordnungsgemäß an. Mit dem jeweiligen Einsetzungsmantra übergieße man Sadashiva.

15.132 Den Krug halte man links und leite mit der rechten Hand einen ununterbrochenen Strahl in der Stärke einer Kuhhornspitze.

15.133 Die verwendeten Krüge entlasse man rituell. Nach allen Übergießungen erfolgt eine abschließende Anwendung von Kurkumapulver.

15.134 Danach bade und verehre man den Herrn und bringe reichlich Speise dar. Fehlen die verschiedenen Samen, verwende man Wildreis oder Gerste.

15.135 Fehlen die Metalle, verwende man gereinigtes beziehungsweise erhitztes Gold; fehlen Edelsteine, nehme der Lehrer eine Perle.

15.136 Fehlen die mineralischen Stoffe, wird Haritala genannt; fehlen Blumen, nehme man Lotus.

15.137 Wer dies voller Hingabe vollzieht, wird nach der Verheißung in Shivas Welt geehrt und erfreut sich dort wie Shiva.

15.138 Nach eigenem Willen kann er auf die Erde zurückkehren und Alleinherrscher werden. Die neun Übergießungsformen sind erklärt. Höre nun vom kühlenden Krug.

So endet das 15. Kapitel.


Kapitel 16 – Der kühlende Krug

16.1 Nun erkläre ich den kühlenden Krug. Bei ausbleibendem Regen, Hungersnot und feindlichem Eindringen

16.2 wird er zur Abwendung von Fieber, Epilepsie, Pocken und anderen Krankheiten rituell eingerichtet.

16.3 Der glänzende Krug fasst zweiunddreißig Prastha und wird mit dreifacher Schnur umwunden; die Abstände werden mit Yava beziehungsweise Angula angegeben.

16.4 Vor Shiva errichte man einen Bodenaltar mit achtblättrigem Lotus und Fruchtboden, geschmückt mit Reis und mit Sesam und Darbha-Gras belegt.

16.5 Man nehme acht Drona unenthülsten Reis, halb so viel enthülsten Reis und wiederum halb so viel Sesam.

16.6 Den Shiva-Krug fülle man mit durch Stoff gefiltertem Wasser, allen Duftstoffen und fünf Edelsteinen.

16.7 Mit Gewand, Deckel, Kusha-Büschel und Gold stelle man ihn auf den Bodenaltar und verehre ihn mit Düften und Blumen.

16.8 Die vorbereitende Weihung erfolgt am Vortag. Nachts halte man Wache; in den Richtungen wird rezitiert, insbesondere unter Berührung des Kruges.

16.9 Davor vollziehe man ein befriedendes Feueropfer. Am Morgen bereite man über dem Haupt der Gottheit eine mit Öffnung versehene Vorrichtung.

16.10 Ihre Stützen werden mit Stoff umwunden und mit Blumenkränzen geschmückt. In die Mitte stelle man den Krug mit der vorgesehenen Ausflussöffnung.

16.11 Das goldene Röhrchen sei so weit wie die Spitze einer Metallnadel. Für Milch wird die Öffnung doppelt, für Honig dreimal so groß bemessen.

16.12 Mit dem Herzmantra bringe man den Krug sorgfältig an. Einen ergänzenden Krug stelle man wie zuvor auf einen Bodenaltar.

16.13 Einundzwanzig, vierzehn, sieben, fünf oder drei Tage

16.14 lasse man ununterbrochen Flüssigkeit auf das Haupt strömen. Dies gilt als befriedend. Zu den festgesetzten Zeiten vollziehe man die tägliche Verehrung besonders sorgfältig,

16.15 mit doppeltem Aufwand oder nach Vermögen. Aus dem ergänzenden Krug fülle man Wasser nach und verfahre wie zuvor.

16.16 Bis zur Abnahme des Kruges vollziehe man das Feueropfer. Den Acharya ehre man mit Gewändern, Ringen und weiteren Gaben.

16.17 Man gebe ihm insbesondere den Opferlohn. Am Ende entlasse man den Krug mit dem Gesichtsmantra.

16.18 Nach der früher beschriebenen Vorschrift bringe man reichlich Speise dar und ehre auch die anderen Gläubigen mit Essen und Trinken.

Damit ist das kühlende Gefäß erklärt. Höre nun vom Opfer der neuen Ernte.

So endet das 16. Kapitel.


Kapitel 17 – Die Darbringung der neuen Ernte

17.1 Nun erkläre ich die Darbringung der neuen Ernte, die Agrayana heißt. Ihr Vollzug gilt als Sieg und Gelingen bringend.

17.2 Unter günstiger Stunde, Aszendent, Mondgestirn und Karana, begleitet von Instrumentalklang und dem Dreizack,

17.3 mit vollständigem Schmuck und den Gläubigen betrete man das eigene Feld und begebe sich in dessen Nordosten.

17.4 Den Feldhütern bringe man Bali aus Dickmilchreis dar. Mit einer Sichel schneide man unter dem Herzmantra die Ähren.

17.5 Die Ähren, reiner enthülster Reis und sämtliche Beilagen werden anschließend um Dorf oder Stadt getragen.

17.6 Der Zug trägt vollständigen Schmuck und wird von allen Instrumenten begleitet. Die weiteren Träger und Elefanten gehen voraus; die erste Angabe ist undeutlich.

17.7 Zuerst werden Ährenbündel, danach Bündel unenthülsten Reises, dann die Beilagen und schließlich enthülster Reis getragen.

17.8 Musiker und Tempeltänzerinnen gehen festlich geschmückt mit. Hinter ihnen wird das Bildnis langsam getragen.

17.9 Danach folgen die Gläubigen der Reihe nach. Im Heiligtum lege der Mantrakundige die Ährenbündel ab.

17.10 Die in der Sonne getrockneten Körner gebe man in einen Mörser. Mit verschiedenfarbigem Mehl zeichne man das vorgesehene Mandala.

17.11 Auf einem Bodenaltar aus Reis stelle man den Mörser auf, umhülle ihn mit einem Gewand und verehre ihn samt Stößel.

17.12 Unter dem Hauptbija bearbeite man die Körner und nehme sorgfältig den enthülsten Reis. Man verbinde ihn mit Kokosnuss, Rohzucker, Pfeffer und Kreuzkümmel.

17.13 Mit dem Herzmantra bringe man ihn voller Hingabe der Gottheit dar, dann mit demselben Mantra auch den anderen Bildnissen.

17.14 Nach Bali an die Begleitgottheiten bringe man Chandesha seine Gabe dar. Besonders reiche man Betel mit dem Herzmantra.

17.15 Nach reichlicher Speisedarbringung gemäß der früheren Vorschrift bewirte man alle Gläubigen mit der neuen Ernte.

Damit ist das Opfer der neuen Ernte erklärt. Höre nun von den Lichtern zum Krittika-Fest.

So endet das 17. Kapitel.


Kapitel 18 – Das Krittika-Lichterfest

18.1 Nun erkläre ich das Krittika-Lichterfest. Im Monat Karttika, unter dem Gestirn Krittika, vollziehe man die Lichtfeier.

18.2 Man schmücke den Tempel und sammle alles für die Lichter. Eine rituelle Übergießung erfolgt nach dem Wunsch des Auftraggebers.

18.3 Rings vor dem Tempel, besonders in den acht Richtungen, errichte man kleine überdachte Gestelle mit vier Stützen.

18.4 Auf ihren Auflagen bringe man Erde an und stelle darauf Lampen. Auch Lichtsäulen werden errichtet.

18.5 Khadira-Holz oder Kokosschalen werden für die Gefäße genannt. Man fülle sie mit Ghee oder gereinigtem Öl.

18.6 Baumwollsamen und Stoffstreifen dienen als Dochtmaterial. Man setze sie ins Ghee und entzünde die Leuchten oben auf den Säulen.

18.7 Den ganzen Tempel schmücke man mit Lichterketten: kleine und große Dachausbauten, Krugbekrönungen und Gesimse,

18.8 Nischen und weitere Bauteile, Turmspitzen, Hallen und Torbauten werden durch Lampenvorrichtungen erhellt.

18.9 Besonders auf den Umfassungsmauern bringe man überall Lichter an. An Säulen befestige man Halterungen, ringsum mit Lampen besetzt.

18.10 Mit dem Aghorastra-Mantra bringe man die Lichter auf den Lichtmasten an. Am höchsten gilt die Feier mit den überdachten Lichtgestellen, als mittlere die mit Lichtsäulen.

18.11 Die bloße Aufstellung vieler Lampen gilt als einfachste Form. Danach werden Bhavani und der dreizacktragende Gott der Götter einbezogen; die genaue Handlungsangabe ist verkürzt.

18.12 Man kann ein eintägiges Fest nach der Vorschrift ausrichten. Eine bloße Feier im Heiligtum umfasst nicht die ganze Folge von Bali und Prozession.

18.13 Dorf, Stadt oder Tempel werden umschritten und mit Lichtern geschmückt, begleitet von hingebungsvollen Menschen.

18.14 Nach der festlichen Umrundung des Dorfes kehre man ins Heiligtum zurück und vollziehe die vorgeschriebene Bedienung der Gottheit.

18.15 Man bringe dem Gott der Götter reichlich Speise dar und erfreue ihn mit Lobpreis, Rezitation, Gläubigen, Musik und Tanz.

18.16 So vollziehe man die Handlung vollständig. Das Krittika-Lichterfest ist erklärt. Höre nun das Pura-Ritual.

So endet das 18. Kapitel.


Kapitel 19 – Das Ashadha-Pura-Ritual

19.1 Unter Purva-Ashadha vollziehe man nach der vorbereitenden Weihung am Vortag nachts Feueropfer und sorgfältige Bali-Darbringung.

19.2 Nachts binde man das Schutzband an und verehre den Acharya. Am Morgen verehre man besonders den Gott der Götter.

19.3 Man bringe Bali dar, umschreite das Dorf und sammle Puffreismehl und weitere Stoffe für Shivas Bad.

19.4 Am Wasser errichte man einen vollständig geschmückten Pavillon. Die in seiner Mitte aufgestellte Gottheit verehre man mit dem Herzmantra.

19.5 Puffreismehl mit Rohzucker, Mangos, Bananen, Jackfrucht und insbesondere Kuchen

19.6 lege man jeweils hingebungsvoll in reine Tongefäße und bringe sie mit dem Herzmantra dar.

19.7 Vor Shiva verteile man mit dem Herzmantra das Puffreismehl. In frischem Wasser bade der Lehrer den Dreizack.

19.8 Nach der Rückkehr zum Heiligtum vollziehe man die Übergießung und bringe vor Shiva mit dem Herzmantra reichlich Speise dar.

19.9 Shiva gebe man eine besonders reichliche Gabe und bringe auch den anderen Bildnissen Speise dar.

Damit ist dies kurz erklärt. Höre nun vom Reifen der Früchte des Handelns.

So endet das 19. Kapitel.


Kapitel 20 – Die Früchte der Verehrung

20.1 Nun erkläre ich das Reifen der Früchte der Verehrung. Wer Shiva schon aus der Ferne erblickt und sich vor ihm verneigt,

20.2 streift nach der Verheißung alle Verfehlungen ab wie eine Schlange ihre Haut. Auch wer erschöpft von einem langen Weg die Umrundung vollzieht,

20.3 widmet dem Herrn die Mühe des Weges; dadurch vergehen seine Verfehlungen. Auf Erden wird er von anderen begleitet und geehrt; die zweite Aussage ist sprachlich undeutlich.

20.4 Wer beim Fest und bei der Bali-Feier die Umrundung vollzieht, soll mit jedem Schritt die Frucht eines Pferdeopfers erlangen.

20.5 Entsprechend seiner Verneigung wird er in den Welten geehrt. Man bringe der Gottheit Wasserblumen oder andere schöne Blüten dar.

20.6 Wer sie mit vielerlei Blumen schmückt, erlangt vielfältige Freuden. Wer auf Erden einen Garten für den Gott der Götter anlegt,

20.7 wird reich, gesegnet und geehrt. Die folgende Verdienstvergleichung nennt eine zehntausendfache Gabe an einen vedakundigen Brahmanen; das Objekt der Gabe ist unklar.

20.8 Ein Milchbad der Gottheit mit einer über ein Kuhhorn bemessenen Menge wird dieser Gabe gleichgesetzt. Mit den fünf Produkten einer falbbraunen Kuh und Kusha-Wasser

20.9 den Gott der Götter zu übergießen, gilt als der Gabe von zehn Millionen Kühen gleichwertig. Wer hingebungsvoll eine der neun Übergießungsformen vollzieht,

20.10 wird mit vielfältigen Freuden in Shivas Welt geehrt. Den neun Ausführungsstufen entsprechen neun Stufen der Frucht.

20.11 Auch den neun Speisedarbringungen entsprechen neun Arten der Freude. Wer Glocke und Schellen schenkt, erlangt besonderen Ruhm und Wohlstand.

20.12 Wer den Gott der Götter mit Gewändern und Schmuck ausstattet, wird selbst mit vielerlei vollständigen Gewändern und Schmuck

20.13 geehrt, auch von den Göttern, und soll Alleinherrscher auf Erden werden. Wer dem Gott der Götter auch nur einmal zur rechten Zeit Licht darbietet,

20.14 leuchtet selbst wie eine Lampe in der Welt und besitzt Reichtum. Wer mit Geist, Tat und Wort Shiva zum Ziel nimmt,

20.15 bei all seinen Unternehmungen – hier unterbricht eine Textlücke den Satz –, erlangt eine Frucht, die mit allen Gaben, Askesen und Opfern verglichen wird.

20.16 Seine himmlische Frucht soll diese noch übertreffen. Durch das rituelle Pflügen des Tempelgrundes soll er alle sieben Welten gewinnen.

20.17 Wer dem Herrn ein Haus aus Ziegeln, Stein oder Metall errichtet, wird in Shivas Welt in einem goldenen Himmelswagen geehrt.

20.18 Wer im fertiggestellten Tempel die vorschriftsgemäße Einsetzung vollzieht, gelangt in Shivas Welt und wird stets von den Unsterblichen verehrt.

20.19 Wer ein Shiva-Lingam herstellen lässt, erlangt die Nähe des Herrn. Welche Gottesgestalt er einsetzt, deren Gestalt wird ihm zuteil.

20.20 So erhält er eine Shiva ähnliche Gestalt und weilt mit Ishvara. In dessen Welt bewegt er sich frei nach seinem Willen, gleich dem Herrn.

20.21 Blumen, Blätter, Früchte, Samen und insbesondere Getreide, die Shiva gewidmet wurden,

20.22 gelangen dem Opferherrn voraus in Shivas Welt. Nach dem vollendeten Shiva-Opfer folgen auch die durch seine Ausführung einbezogenen Lebewesen.

20.23 Die Verheißung umfasst zwanzig Angehörige seiner Abstammung: zehn Vorfahren und zehn nachfolgende Generationen.

20.24 Auch Angehörige mütterlicherseits erhalten dort einen Platz, ebenso Dienende, Ehefrauen, Söhne und Brüder.

20.25 Sie wohnen in Shivas Welt, die selbst für Götter schwer erreichbar ist. Nachdem sie weite Freuden erfahren haben, erlangen sie beim Herannahen der Weltauflösung

20.26 Erkenntnis und Yoga und werden dort befreit. Wer Umfassungsmauern und Hallen errichtet, erlangt die gewünschten himmlischen Welten.

20.27 Wer für die Gottheit Wasserbecken, Brunnen und Teiche anlegt, wird reich und gelangt schließlich zu Shiva.

20.28 Wer zur Ausführung solcher Werke nicht fähig ist, aber stets an den Herrn denkt und dort stirbt, dem wird gewiss eine himmlische Stätte verheißen.

20.29 Wer Sitz und den darauf Sitzenden in ihrer wahren Beziehung erkennt und Shiva verehrt, erlangt schrittweise dieselbe Welt, seine Nähe und Gestaltgleichheit.

20.30 Feuerverehrung und Bali führen zur gleichen Welt, das Fest zur Nähe und die Betrachtung Rudras zur Gestaltgleichheit.

20.31 Wer, durch Unwissenheit verblendet, Shiva schmäht, wird im Text mit einer schrecklichen Hölle bedroht; die anschließende Zahlenangabe trisaptati ist nicht eindeutig zugeordnet.

20.32 Der Text fordert gegenüber einem solchen Schmähenden: „Man soll ihn töten; ist man dazu nicht imstande, soll man den Ort verlassen.“ Anschließend spricht er von einem Menschen, der um Shivas willen sein Leben aufgibt.

20.33 Dessen Verdienst, so der Sprecher, könne er nicht vollständig aussprechen; ihm werde Vereinigung mit Shiva zugesprochen.

20.34 Bhakti wird zweifach unterschieden: natürlich gewachsene und bewusst hervorgebrachte Hingabe. Die natürliche Hingabe ist in früheren Geburten gereift.

20.35 Sie gilt als angeboren und gewährt Glück in dieser und in der kommenden Welt. Die bewusst entwickelte Hingabe gewährt insbesondere Glück in der kommenden Welt.

20.36 Ob angeboren oder durch Übung entwickelt: Solche Hingabe vergeht nicht. Einen von ihr erfüllten Menschen soll man als Shiva zugehörig, ja als Shiva selbst betrachten.

20.37 Hundert oder fünfzig Hasta rings um das Lingam bilden Shivas heiligen Bezirk. Dort zu wohnen gilt als Ursache für den Zugang zu Shivas Welt.

20.38 Dort den Körper zu verlassen gilt ebenfalls als Ursache dafür. Diese Ausdehnung betrifft ein von Menschen errichtetes Lingam.

20.39 Bei einem selbst entstandenen Lingam beträgt der Bezirk tausend Hasta, bei einem durch einen Rishi eingesetzten die Hälfte. Gärten, Wasserbecken und die darin befindlichen unbeweglichen Wesen

20.40 gelangen durch die Macht des höchsten Herrn zum Göttlichen. Deshalb soll man seine Wohnstätte in der Nähe eines Shiva-Bezirks errichten.

20.41 Alle sollen Shiva für ihr eigenes Heil mit Gaben verehren. Daher bringe der Kundige Blätter, Früchte, Blumen, Wasser oder auch geistige Gaben dar.

20.42 Erfülle den Geist mit Shiva und verehre ihn stets. Die Lehre erklärt: Einen höheren Dharma als Shivas Dharma hat es nicht gegeben und wird es nicht geben.

20.43 Andere, hier als Lehren der gebundenen Wesen bezeichnete Wege führen nach ihrer Wertung nur zum Himmel; Shivas Lehre dagegen gewährt weltliche Erfüllung und Befreiung.

20.44 Darum solle man andere Lehrsysteme zurücklassen und sich Shivas Lehre widmen. Das Reifen der Früchte ist erklärt. Höre nun die Merkmale des Acharya.

So endet das 20. Kapitel.


Kapitel 21 – Der Acharya und die Kunsthandwerker

21.1 Nun erkläre ich die Merkmale des Acharya. Wer die Lehre von den Früchten der Verehrung hört, soll Hingabe an Shiva entwickeln.

21.2 Dann erwacht der Wunsch, ein Lingam einzusetzen. Zuerst suche man einen Acharya, danach die Hüter der göttlichen Gestalten.

21.3 Der Acharya stammt aus einer Adishaiva-Familie, gehört einer der fünf vorgesehenen Abstammungslinien an, kennt den Sinn der Lehrschriften und ist in Shiva-Erkenntnis bewandert.

21.4 Er versteht den Shaiva Siddhanta, verehrt Shiva, Feuer und Guru und besitzt nach der damaligen Vorschrift einen vollständigen Körper mit den erforderlichen Merkmalen.

21.5 Er ist älter als sechzehn und jünger als siebzig Jahre, trägt einen Haarschopf oder gebundenes Haar, ist dankbar und von angenehmer Erscheinung.

21.6 Ein Haushälter gilt als besonders geeignet; auch ein Bhautika-Brahmacharin kommt infrage. Er ist in den Lehren von Ritual bis Erkenntnis gefestigt.

21.7 Im Kriyapada ist er kundig, den Caryapada befolgt er, die Übungen des Yogapada praktiziert er und dem Jnanapada ist er zugewandt.

21.8 Er erkennt, was aufzugeben und was anzunehmen ist, und steht fest im Verständnis der Wirklichkeit. Die weitere Aussage über die höchste und fünffache Wirklichkeit ist undeutlich.

21.9 Er kennt den Grund der körperlichen Bindung, wurde ordnungsgemäß eingeweiht, erfreut sich am Nektar der Shiva-Erkenntnis und versteht prüfendes Erwägen und Unterscheiden.

21.10 Ein solcher Kundiger darf Einsetzung und weitere Riten ausführen. Er allein gilt hier als Einsetzer des Herrn, mein Lieber.

21.11 Anushaivas und andere Gruppen sollen diese Einsetzungen nicht ausführen. Sie sind den Adishaivas in der Überlieferung von Kanva und den anderen zugewiesen.

21.12 Eine andere Ausführung gilt im Text als schädigend für den König. Der Herr nehme sie nicht an, und die beabsichtigte Frucht entstehe nicht.

21.13 Wer sie dennoch aus Verblendung ausführt, bewirke keine göttliche Gegenwart. Nun erkläre ich die Hüter der Gestalten; auch sie stammen aus Adishaiva-Familien.

21.14 Sie sind in der vom Acharya verwendeten Lehrschrift frei von Zweifeln, verstehen seine Absicht und arbeiten mit ihm zusammen.

21.15 Sie kennen die göttlichen Gestalten und deren Träger und sind gesammelt. Menschen mit diesen Eigenschaften soll der Kundige auswählen.

21.16 Die folgende Ausschlussliste nennt Kleinwüchsige, Feinde der eigenen Überlieferung und Menschen mit fehlenden Körperteilen.

21.17 Ferner nennt sie Ungläubige, Neidische, Kranke, Gehörlose, Zinsverleiher, Ärzte, gewerbsmäßige Lehrer und Bühnenkünstler,

21.18 Verleumder, grausam Handelnde, Unbeständige, Ehebrecher, Ängstliche, Hofpriester, Hochmütige, Unwahrhaftige und Undankbare,

21.19 Entsagende, bloße Disputierer, von ihrer Ordnung Abgefallene, stark Abgemagerte, mit chirurgischen Eingriffen Beschäftigte, Verleumder anderer, lebenslange Brahmacharins und Kapalikas.

21.20 Auch übermäßig kleine, dicke oder große Menschen, solche mit als unschön bewerteter Erscheinung, auffälligen Zähnen oder Nägeln und Kahle werden aufgeführt; eine Wortgruppe ist gestört.

21.21 Es folgen Menschen mit Hautveränderungen oder Wunden, rötlichem Bart, Brauen oder Augen, Bauchgeschwülsten, vergrößerten Hoden oder Hämorrhoiden.

21.22 Ausgeschlossen werden außerdem solche mit nur geringer Kenntnis der Weiherituale, Vorliebe für fremde Lehren, ohne Unterweisung oder mit zerstreutem beziehungsweise verwirrtem Geist.

21.23 Die Liste nennt Menschen mit fehlenden oder zusätzlichen Gliedmaßen, Betrüger, Händler, Eunuchen und weitere undeutlich bezeichnete Gruppen sowie Menschen mit raubtierähnlichen Zähnen.

21.24 Solche Personen schließt der Text von diesen Ritualaufgaben aus. Bei dennoch erfolgender Einsetzung werde die göttliche Gegenwart nicht hergestellt.

21.25 Nach Auswahl des beschriebenen Acharya und der Gestalthüter suche man einen aus guter Familie stammenden Kunsthandwerker.

21.26 Unterschieden werden Sthapati, Sutragrihin, Vardhaka und Takshaka. Die Anweisungen des Ritualleiters werden nach der Kunst- und Baulehre umgesetzt.

21.27 Der Sthapati errichtet Tempel und weitere Bauten. Der Sutragrahin kennt die Maße; der Vardhaki bearbeitet beziehungsweise fügt das Holz.

21.28 Der Takshaka ist für das Zurichten und Abtragen zuständig. Er schneidet, was zu schneiden ist, und spaltet, was zu spalten ist.

21.29 Er durchbohrt, was zu durchbohren ist: So wird seine Arbeit dreifach beschrieben. Sthapati und Sutragrahin leiten Tempelbau und Bildherstellung.

21.30 Das Öffnen der Augen und entsprechende bildhauerische Arbeiten geschehen durch den Takshaka. Von den eigentlichen Mantrahandlungen bleibt er ausgeschlossen.

21.31 Die Kunsthandwerker handeln nach der Weisung des Sthapati; dieser richtet sich bei seinen Arbeiten nach dem Ritualleiter.

21.32 Der Sthapati kennt Lehre und Praxis, besitzt Erfahrung, entstammt guter Familie und soll nach der Vorschrift körperlich vollständig sein. Er ist rechtschaffen und wahrhaftig.

21.33 Er erkennt verborgene Störungen im Baugrund, ist zuverlässig, besitzt feste Bindungen und arbeitet unermüdlich. Einen solchen Meister wähle man und beginne das Werk.

Damit sind die Eigenschaften des Acharya erklärt. Höre nun die Vorschriften der Ritualgeräte.

So endet das 21. Kapitel.


Kapitel 22 – Die Geräte der Verehrung

22.1 Nun erkläre ich die Merkmale der Ritualgeräte. Weil sie als Hilfsmittel des Opfers dienen, heißen sie Karana, Werkzeuge.

22.2 Beschrieben werden Darbha-Gras, Pavitra-Ringe, Kusha-Büschel, Darbha-Girlanden und Grassitze,

22.3 Ghee- und Caru-Gefäße, Krüge, Speiseschalen samt Deckeln und Wasserwannen,

22.4 Räuchergefäße, Glocken, Schalen, Lichtmasten und mechanische Vorrichtungen,

22.5 Bali-Gefäße, dreifüßige Ständer, Kellen, Baldachine, Fahnen, Gewänder und verhüllende Vorhänge,

22.6 Turbane, Obergewänder, Ruhebetten, Sitze, Wagen, Sänften und Liegen,

22.7 Löwenthrone, Tragevorrichtungen, Säulenverkleidungen, Plattformen, Sandalen, Spiegel, Fächer und Camara-Wedel,

22.8 weiße Schirme, Federwedel, glückverheißende Zeichen, Waffen und die beiden Arten von Torbögen,

22.9 Goldbänder, goldene Blumen, Lingamhüllen, Kronen, Ohrringe, Halsketten und Oberarmreifen,

22.10 Armspangen, Hüftbänder, Fußreifen, Bauchbänder und der Schmuck weiblicher Gottheiten,

22.11 Rasiermesser, Scheren und Reinigungsgeräte. Ihre Merkmale erkläre ich der Reihe nach, Gajanana.

22.12 Darbha-Gras soll nicht vertrocknet, zerschnitten, gespalten oder an den Spitzen beschädigt sein. Es sei weich, dunkelgrün und glatt; eine anschließende Angabe über Alter und helle Farbe ist gestört.

22.13 Weiche dunkelgrüne Halme werden als weiblich, zarte feste als männlich eingestuft. Nicht zarte, starre Halme werden als geschlechtslos eingeordnet; ihre Zulassung ist undeutlich formuliert.

22.14 Damit ist Darbha beschrieben. Höre die Pavitra-Ringe: Sie bestehen aus Kusha, Darbha, Kuhschwanzhaar oder Gold.

22.15 Drei, fünf oder sieben Halme werden verbunden. Spitze und Stiel messen jeweils zwei Angula, der Knoten ein Angula.

22.16 Der Knoten wird nach rechts gedreht. Der Ring entspricht der Breite des Ringfingers, um ein Achtel vermindert.

22.17 Der goldene Pavitra wird aus gereinigtem Gold hergestellt. Für Kusha-Büschel nehme man fünfzehn, zwölf, elf,

22.18 zehn, neun, sieben oder fünf Halme. Bei neun und mehr entspricht die Länge in Angula der Halmzahl.

22.19 Bei sieben oder fünf Halmen beträgt die Länge neun Angula. Der rechtsgedrehte Knoten misst ein Angula.

22.20 Die Spitze des Büschels misst vier Angula. Das Büschel aus fünfzehn Halmen gehört in den Shiva-Krug.

22.21 Danach wird ein zwölfhalmiges Büschel zugeordnet; die übrigen gehören in die übrigen Gefäße. Knoten und Spitzen werden aufwärts beziehungsweise ostwärts gerichtet.

22.22 Die Büschel sind beschrieben. Darbha-Girlanden werden zweifach rechtsgedreht aus Gruppen von zwei, drei oder fünf Halmen geflochten.

22.23 Zwischen den Halmgruppen liegen zwei Angula; sie hängen einen Hasta herab. Die tragende Schnur sei so dick wie der kleine Finger.

22.24 Solche herabhängenden Darbha-Girlanden gelten als günstig. In ihrem umschlossenen Bereich werden Japa, Homa und Verehrung ordnungsgemäß ausgeführt.

22.25 Tempel und Opferhalle werden damit sorgfältig umgeben. Ein Grassitz aus fünf Halmen hat einen Knoten von einem Angula.

22.26 Wurzel- und Spitzenseite sind jeweils zehn Angula lang. Ein weiteres Büschel wird aus siebenundzwanzig oder einundzwanzig Halmen

22.27 oder aus fünfzehn Halmen hergestellt. Sein Knoten beträgt zwei Angula, die Spitze das Doppelte.

22.28 Der Stiel beträgt neunzehn Angula und wird mit Darbha gebunden. Dies ist der Besprengungswedel. Höre nun die Grasauslegung.

22.29 Einundzwanzig Halme werden zu den vorgeschriebenen Knoten verbunden. Wurzel- und Spitzenbereich entsprechen der mittleren Länge des Grubenrandes; die Einzelangabe ist verkürzt.

22.30 So ist die Grasauslegung beschrieben. Die Begrenzungshölzer entsprechen den für Opferhölzer vorgesehenen Materialien und Maßen.

22.31 Sie sind einen Hasta lang und so dick wie der kleine Finger. Drei Begrenzungshölzer liegen westlich, südlich und nördlich.

22.32 Nun die Opferhölzer: Sie dürfen nicht rissig oder hohl sein, sollen gerade und frei von Knoten sein.

22.33 Sie sind zwölf Angula lang und so dick wie der kleine Finger. Das Rührholz erhält dasselbe Maß.

22.34 Nun beschreibe ich die große Opferkelle, höre, lieber Vinayaka. Khadira, Shami, Bilva, Palasha, Plaksha und Sandelholz

22.35 oder andere verfügbare Opferhölzer dienen dazu. Sie ist dreißig Angula lang und acht Angula breit.

22.36 Ihre Dicke beträgt die Hälfte. Die Form wird mit einer Schnur bestimmt. Eine folgende Maßangabe nennt sechs Angula und eine Breite von sieben Angula; der Bezug ist gestört.

22.37 Die Spitze teile man dreifach und forme sie dreieckig, einer Elefantenlippe ähnlich, mit einer Vertiefung von einem Yava.

22.39 Außen bringe man einen Rand mit einer in Yava bemessenen, undeutlichen Breite an. Die Kellenplattform ist acht Angula breit und acht Angula lang.

22.40 In ihrer Mitte höhle man eine Vertiefung aus; die genaue Breitenangabe ist gestört. Darum liegt ein Rand von einem Yava.

22.41 Außerhalb dieses Randes verläuft eine um ein Yava vertiefte Zone. Rings um die Höhlung folgt ein weiterer Rand von einem halben Angula.

22.42 Um die Höhlung gestalte man einen schönen achtblättrigen Lotus. Von dort bis zur Ausgussöffnung verlaufe eine Rinne von der Breite des kleinen Fingers.

22.43 Sie dient dem gleichmäßigen Fluss und darf keine Unebenheiten besitzen. Zwischen Stiel und Plattform liegt ein dreifach gegliederter Abschnitt von drei Angula.

22.44 Die Teile werden jeweils um ein halbes Angula abgestuft und rund oder quadratisch geformt. Der Stiel ist neun Angula lang und hat sechs Angula Umfang.

22.45 Am unteren Stielende bilde man eine Knospe von zwei Angula Länge und acht Angula Umfang.

22.46 Auf der Rückseite der Plattform gestalte man eine Lotusform mit erhöhtem Fruchtboden. Der Fußbereich misst drei Angula in der Breite

22.47 und ein Angula in der Höhe. Die kleinere Opferkelle wird eine Aratni lang und erhält vorn eine Höhlung.

22.48 Ihr Grundumfang beträgt sechs Angula, am Hals die Hälfte. Die Schöpfmulde entspricht dem Grundmaß und besitzt eine zweigeteilte, nasenähnliche Form.

22.49 Die Vertiefung ist so tief, dass eine Masha-Bohne einsinkt, und besitzt zwei Höhlungen. Der Stiel gleicht einem Kuhschwanz. So ist die kleinere Opferkelle beschrieben.

22.50 Das Gefäß für Opferstoffe wird aus Gold, Silber, Kupfer oder Ton hergestellt. Es ist acht Angula breit und so tief, dass es ein Prastha fasst.

22.51 Seine Wanddicke wird in Angula angegeben; der Wert ist undeutlich. Nun werden die Mengen der Stoffe für das Feueropfer beschrieben.

22.52 Von Kuhghee nehme man eine volle kleine Opferkelle. Geröstetes Mehl wird faustweise bemessen, Honig ebenso wie Ghee.

22.53 Puffreis nehme man handvollweise, Rohzucker in der Größe einer Aksha-Frucht. Opferhölzer, Pflanzen und Früchte werden entsprechend ihrem eigenen Maß dargebracht.

22.54 Gekochte Speise wird ebenfalls in Aksha-Größe bemessen; die vollständige Schlussgabe füllt die große Opferkelle. Sesam und Senf bemisst man mit einer Shukti-Schale.

22.55 Dickmilch und Milch werden wie Ghee bemessen. Gerste, Bambussamen und Pferdebohnen opfere man jeweils in Shukti-Menge.

22.56 Kuchen werden mit vier Nishka, Getreide mit einer Faust bemessen. Damit sind die Opfermengen erklärt. Höre nun das Ghee-Gefäß.

22.57 Ghee- und Pranita-Gefäß entsprechen dem Gefäß für Opferstoffe. Ihre Öffnung ist sechs Angula weit, die Lippe ein Angula.

22.58 Der Henkel misst ein Angula, der Bauch zwölf Angula in der Breite. Das Übrige gestalte man sachgemäß.

22.59 Entsprechend ist das Caru-Kochgefäß. Höre die Krüge: Ihr Bauch ist zwölf Angula breit.

22.60 Der Umfang beträgt das Dreifache. Der Henkel ist zwei Angula hoch und vier Angula breit.

22.61 Die Lippe ist zwei Angula hoch und ragt zwei Angula heraus. Mittlere und kleinere Ausführungen werden proportional abgestuft.

22.62 Der kundige Meister passe die übrigen Maße sinnvoll an. Ein Schalen-Deckel entspricht in seiner Breite der Gefäßöffnung.

22.63 Er ist drei Angula hoch und in der Mitte zwei Angula vertieft. Nun höre die Gestalt des großen Topfes.

22.64 Seine Form entspricht dem Krug; hier folgt eine Textlücke. Er wird mit vierfach vergrößerten Maßen hergestellt.

22.65 Das Speisegefäß gleicht dem Caru-Topf. Seine Größe richtet sich nach der verfügbaren Reismenge.

22.66 Der Deckel entspricht der Öffnung und trägt in der Mitte einen Ring. Das Speisegefäß wird aus Kupfer oder einer Kupferlegierung gefertigt.

22.67 Eine runde oder quadratische Wasserwanne fertige man aus Gold, Silber, Kupfer oder Ton.

22.68 Sie hat keinen Hals und fasst zehn, acht, sechs oder fünf Drona Wasser,

22.69 oder vier beziehungsweise drei. Höre das Vardhani-Gefäß: Seine Öffnung misst vier Angula und besitzt die genannten beiden Randlippen.

22.70 Seitlich liegt ein hohles Ausgussrohr von vier Angula. Das Gefäß hat einen weiten Bauch und einen schmalen Hals und wird gut proportioniert.

22.71 Das Kamandalu ist ähnlich, mit einer oberen Ausgussvorrichtung im Bereich der Öffnung. Lippe und Öffnungen werden passend gestaltet; hinten ragt ein Fußteil heraus.

22.72 Dessen Maß beträgt ein Angula. Eine seitliche Öffnung und eine obere, nach Pippala bemessene Öffnung werden genannt; die genaue Bauform ist gestört.

22.73 So fertige man das Kamandalu mit allen erforderlichen Merkmalen. Wasser, das trüb, von Würmern oder Algen durchsetzt oder an unreinem Ort gesammelt ist,

22.74 das verdorbenen Geruch, Farbe oder Geschmack besitzt, kein Sonnenlicht erhält, durch Schlamm oder Steine verunreinigt, salzig oder abgestandenes Pfützenwasser ist,

22.75 soll man nicht verwenden. Man nehme Wasser ohne diese Mängel. Acht Drona Wasser bilden die kleinste rituelle Badestufe.

22.76 Die mittlere verwendet die doppelte, die höchste die dreifache Menge. Höre nun das Blumengefäß.

22.77 Es ist zwanzig Angula breit, sein Umfang beträgt das Dreifache; dies bezieht sich auf sein Innenmaß.

22.78 Das Arghya-Gefäß ist halb so groß und besitzt keinen Ausguss. Danach wird eine schalenförmige, zweiteilige Gefäßanordnung beschrieben.

22.79 An der Rückseite der Schale befindet sich ein acht Angula langer Griff, zweckmäßig quer angebracht und am Ende mit einem Stützteil versehen.

22.80 Der knospenförmige Deckel hat zahlreiche Öffnungen. Dies ist das Räuchergefäß. Höre nun die große Glocke.

22.81 Sie ist zwölf Angula hoch; das folgende Stiel- oder Umfangsmaß beträgt das Dreifache. Der Klöppel misst zwölf Angula, die Bekrönung die Hälfte.

22.82 In der Mitte befindet sich eine Öffnung mit Ring. Die Randlippe ist dreimal so dick wie die Glockenwand.

22.83 Der Hals ist drei Angula hoch. Dies sind die Maße der kleinsten Form; die weiteren sind doppelt und dreifach. Höre nun die Räucherglocke.

22.84 Diese Glocke besteht aus Glockenmetall. Ihr Grundmaß und ihre Breite betragen vier Angula, die Bekrönung die Hälfte.

22.85 Eine weitere Glockenlänge wird mit acht Angula angegeben, der Klöppel mit vier. Die Lippenwand beträgt wiederum das Dreifache der Wanddicke.

22.86 Dies ist die kleinste Form; das mittlere Grundmaß beträgt fünf, das größte sechs Angula. Die übrigen Proportionen bleiben gleich.

22.87 Der obere Griff entspricht dem Grundmaß. Auf seine Spitze setze man einen Dreizack, ein Blattzeichen, Muschel und Diskus oder einen Stier.

22.88 Bei der Räucherung lasse man die Glocke erklingen. Dem Hören ihres Klangs schreibt der Text Befreiung von allen Verfehlungen zu.

22.89 Eine flache Schale ohne Fuß wird eine Aratni breit und aus Gold, Silber, Kupfer oder Glockenmetall gefertigt.

22.90 Ihre Randlippe ist ein Angula hoch; eine weitere Dickenangabe nennt das Doppelte. Mittlere und größte Ausführung sind anderthalbmal beziehungsweise doppelt so groß.

22.91 Die Schale ist beschrieben. Lichtmasten reichen in ihrer Höhe von einem bis neun Hasta.

22.92 Der Stielumfang beträgt ein Achtel der Höhe. Teilt man die Höhe durch fünf, beträgt die Fußbreite zwei Teile.

22.93 Vom Fuß aus folgen im Abstand eines Hasta weitere entsprechende Ausladungen. Der Mast erhält verschiedenartige Verzierungen und krugförmige Glieder.

22.94 Oben endet er in einer Knospenform mit gegliedertem Stiel. Damit ist der Lichtmast beschrieben. Höre die Lichteranordnung.

22.95 Man fertige sie aus Kupfer, Eisen oder Holz, am Tor in Torform und hinter der Gottheit in Form eines Strahlenbogens.

22.96 Weitere Formen sind Dreizack mit zugehörigen Gottheiten, Diskusleuchte und eine einzelne, oben einer Dhurtura-Blüte gleichende Lampe.

22.97 Dies sind die Lampengestalten. Mechanische Vorrichtungen fertige man aus Eisen, ihr Schaft so dick wie der Mittelfinger.

22.98 Sie werden passend mit dem Türriegel verbunden und besitzen zwei nach vorn und hinten gerichtete Enden.

22.99 An der Basis sitzt ein Ring; die Oberfläche ist glatt. Damit ist die Vorrichtung beschrieben. Höre das Bali-Gefäß.

22.100 Es besteht aus Eisen, Gold oder Kupfer und ist vier, drei oder zwei Tala breit.

22.101 In seiner Mitte steht ein achtblättriger Lotus mit Fruchtboden. Die Erhebung beträgt zwei Angula, der Fruchtboden ein Drittel der Breite.

22.102 Vier Ständerarten werden unterschieden: Muschelständer, Dreifuß, Vorhangständer und Schalenständer.

22.103 Der Muschelständer ist sechs Angula hoch, seine obere Breite beträgt die Hälfte, sein Stielumfang entspricht dem kleinen Finger.

22.104 Der Dreifuß ist doppelt so groß und hat eine passende obere Aufnahme. Seine Basis ist schalenförmig; das Übrige gestalte man zweckmäßig.

22.105 Der Vorhangständer ist dreimal so hoch wie der Dreifuß. Der Schalenständer entspricht der Höhe des zugehörigen Sockels.

22.106 Die Ständer sind erklärt. Eine Kelle ist eine Aratni lang und gleicht vorn der ausgebreiteten Haube einer Schlange.

22.107 Sie ist acht Angula breit; das Fuß- beziehungsweise Stielmaß beträgt die Hälfte. Für die mittlere Form wird eine weitere Halbierung genannt.

22.108 Ein Baldachin ist fünf Hasta lang und breit, aus doppeltem Stoff, fein, fest und weiß.

22.109 Auch vielfältig farbige Gestaltung ist möglich. So ist der Baldachin beschrieben. Nun die Fahne.

22.110 Sie besteht aus feinem Leinen, Seide, Dukula oder Baumwolle, einen Hasta breit und doppelt so lang.

22.111 Sie besitzt vier, drei oder zwei Schweife; der obere und untere Abschnitt wird nach der halben Fahne bemessen. Ein Banner ist doppelt so lang wie die beschriebene Fahne.

22.112 Die übrigen Maße sind gleich. Die folgende Stoffbeschreibung nennt Seide, Devanga, Netra und weiße Baumwolle.

22.113 Die Gewandbreite beträgt ein Viertel der Sockelhöhe, seine Länge das Achtfache der Breite. Es besitzt geeignete Säume und die geforderten Merkmale.

22.114 Von Mäusen benagte, verbrannte oder verschlissene Gewänder sind auszusondern. Nun wird der verhüllende Vorhang beschrieben.

22.115 Er ist anderthalbmal so breit wie die Tür und doppelt so lang. Er soll den Anblick vor den hier als sündig, grausam, abgefallen, ungläubig oder vedafremd bezeichneten Personen verbergen,

22.116 ferner vor Händlern mit Kuhprodukten, aus ihrer Ordnung gefallenen Zweimalgeborenen und Verkäufern von Vedenwissen oder Lehrschriften.

22.117 Der Text erklärt, bei einem solchen unerwünschten Anblick werde die Verehrung fruchtlos. Der Vorhang wird beim Entfernen alter Gaben und beim Blumenschmuck,

22.118 bei der Speisedarbringung und in zweifelhaften Situationen verwendet. Turban und Obergewand bestehen aus feinem weißem Stoff.

22.119 Beide werden mit neun Hasta bemessen. Die folgende Liege besitzt Füße von zwei Aratni Höhe

22.120 oder einem Hasta. Ihre Breite ist das Doppelte der Fußhöhe, ihre Länge das Doppelte der Breite. Man bespanne sie mit Gurten.

22.121 Die Liege ist beschrieben. Höre nun den Sitz: Er hat vier Löwenfüße und ist einen Hasta hoch.

22.122 Seine Breite beträgt zwei Aratni; er kann rund oder quadratisch sein. Die obere Fläche wird fest und fugenlos mit Holz abgedeckt.

22.123 Die Füße können auch Schwänen, Bhutas, Elefanten oder Stieren gleichen.

22.124 Er erhält Gesimse und vorspringende Zierformen sowie vielfältigen Edelsteinschmuck und besteht aus Gold, Silber oder geeignetem Holz.

22.125 Nun der Lotussitz: Er ist rund und besitzt nach oben und unten gerichtete Blütenblätter.

22.126 Weitere Sockel sind bettförmig, quadratisch oder länglich, auch als Platte ohne Füße. Nun wird der Wagen beschrieben.

22.127 Er hat vier Räder mit den zugehörigen zwei Achshölzern. Darüber liegen Plattform und tragender Oberbalken.

22.128 Darauf folgen Lotusleiste und schmale Zierleiste, dann eine Platte mit Gesims und vorspringenden Schmuckteilen.

22.129 Zwölf, acht, sechzehn oder zwanzig kleine Stützen sind vorgesehen, ebenso viele Zierausbauten.

22.130 Vorn bilde man eine Knospenform mit dreifach gebogenem Stiel. Seitlich setze man zwei Stiere, zwischen ihnen Brahma.

22.131 Er sitzt vorn mit Stab und Zügel. Darüber errichte man einen tempelartigen Aufbau, eine Halle oder einen Torbogen.

22.132 Der Wagen ist kurz erklärt. Eine Plattform wird wie sein Unterbau gestaltet, jedoch ohne Brahma und die Knospenform.

22.133 Sie kann einer Halle oder einem Tempel gleichen. Zwei Geschosse bestehen aus Holz; die Beschreibung des oberen Aufbaus ist gestört.

22.134 In der Mitte stehen vier Elefanten oder eine Stier-, Löwen- beziehungsweise Baumgestalt. Oben können mechanische Schaukeln und andere genannte Aufbauten angebracht werden.

22.135 So ist die Plattform beschrieben. Sänften gibt es in drei Formen: Shibika, Maundi und Shekhari.

22.136 Ihre höchste Breite beträgt sieben Tala, die mittlere fünf, die geringste vier.

22.137 Die Länge ist doppelt so groß wie die Breite oder um ein Viertel geringer. Sie bestehen aus Elfenbein oder festem Kernholz und sind mit Gold und anderem geschmückt.

22.138 Eine Lotusleiste und feste Platten bilden den Aufbau. Die Lotusleiste misst sechs Angula, die Platte ein Angula weniger.

22.139 Die Wandhöhe beträgt bei der größten Form sechzehn Angula, bei mittlerer und kleinerer jeweils ein Angula weniger.

22.140 Die obere Leistenbreite beträgt bei der größten Form acht Angula, bei den beiden kleineren jeweils ein Angula weniger.

22.141 In der Mitte verlaufen Leiste und vergitterte Platte. Die Befestigungsnägel an Wand und Füßen bestehen aus Eisen.

22.142 Vielerlei Gestalten und Tänzerfiguren schmücken die Sänfte. Die vordere Wand wird entsprechend der Mittelleiste erhöht.

22.143 Am Wandende liegen Löwenfiguren quer, darüber Makara-Köpfe. Die schalenförmigen Füße sind sieben oder acht Angula hoch.

22.144 So ist die Shibika beschrieben. Bei Maundi und Shekhari entspricht die Wandhöhe der Breite.

22.145 Maundi besitzt die Form eines Hallenbaus; Shekhari trägt Türmchen, Gesimse und Stützen.

22.146 Die Sänften sind beschrieben. Höre die Arten des Bettzeugs: aus Eiern hervorgegangen, aus Pflanzenköpfen hervorgegangen, aus Haar, aus Fell

22.147 und aus Seide – fünf Arten. „Aus Eiern hervorgegangen“ bedeutet Füllung mit Vogelfedern.

22.148 Baumwolle wird Mundaja genannt, Wolle von Schafen und ähnlichen Tieren Romaja.

22.149 Fell von Tiger oder Löwe heißt Carmaja, Seide Vamaja. Auch ein gewebtes Seidentuch mit geeignetem Saum kann verwendet werden.

22.150 Federfüllung wird weiß, Baumwollfüllung gelb, Wollfüllung schwarz und Fell rot zugeordnet.

22.151 Seide und Seidentuch werden weiß angegeben. Alles soll passend ausgeführt werden, ebenso die Kissen.

22.152 Neun, zwölf oder fünfzehn Stoffe, verschiedenfarbig oder einfarbig und mit unterschiedlichen Mustern,

22.153 bilden eine schöne Stoffdekoration. Stoffe in Säulenlänge dienen zur Umhüllung der Säulen.

22.154 Der Spiegel der Gottheit wird aus reinem Glockenmetall gefertigt, eine Aratni, sechzehn oder zwölf Angula breit.

22.155 Seine Höhe beziehungsweise sein Griffmaß beträgt die halbe Breite; der Bezug ist nicht eindeutig. Die Sandalen werden zwölf Angula lang oder passend zum Bildnis bemessen.

22.156 Ihre Breite beträgt die halbe Länge, ihre Höhe die halbe Breite. Das Paar wird aus Metall hergestellt.

22.157 Nun werden Wedel und Fächer beschrieben. Der Fächer besteht aus Pfauenfedern, der Camara-Wedel aus dem Schweifhaar des Camari-Tieres.

22.158 Der Griff besteht aus Gold mit Edelsteinen, Silber, Kupfer, Elfenbein oder festem Kernholz.

22.159 Höre nun den weißen Schirm und den Federwedel. Die Breite beträgt sieben, sechs oder fünf Tala.

22.160 Den Schirm überziehe man vollständig mit Stoff und schmücke ihn mit Perlen. Für den Federwedel verwende man Pfauenfedern.

22.161 Die Bekrönung besteht aus Gold, Silber oder Kupfer. Der Stab kann neun, acht, sieben, sechs, fünf, vier

22.162 oder drei Hasta lang sein, je nach Möglichkeit. Auch ein Palmblattschirm wird in angemessener Größe gefertigt.

22.163 Schirm und Federwedel sind beschrieben. Die acht glückverheißenden Zeichen sind Spiegel, voller Krug, Stier und ein Paar Camara-Wedel,

22.164 Shrivatsa, Svastika, Muschel und Lampe. Diese Zeichen setze man auf die Häupter weiblicher Trägergestalten.

22.165 Die Gestalten sind eine Aratni hoch und vierzehn Angula breit. Die Zeichen von Spiegel bis Lampe werden auf ihren Köpfen angebracht.

22.166 Sie sind ganz weiß und tragen allen Schmuck. Man bemesse sie nach den Proportionen himmlischer Frauen.

22.167 Sie stehen auf Lotussockeln und falten die Hände vor dem Herzen. Der Meister fertige sie aus Metall oder Holz.

22.168 Bei glückverheißenden Ritualen verehre man sie mit ihren Namen. Alternativ werden Zeichenplatten von acht Angula Breite und sechzehn Angula Länge beschrieben.

22.169 Ihr unterer Lotussockel nimmt ein Viertel des Maßes ein. Darüber werden Spiegel und die übrigen Zeichen plastisch dargestellt oder gemalt.

22.170 Die acht glückverheißenden Zeichen sind erklärt. Höre die Waffen: Dreizack, Axt, Vajra, Schwert, Schlinge und Elefantenstachel,

22.171 Glocke, Schlange, Feuer und Kshurika bilden zehn Waffen. Sie sind jeweils ein Tala groß und stehen über ihren Trägerwesen.

22.172 Die Trägerwesen sind zwanzig Angula hoch und werden nach den für solche Gestalten geltenden Proportionen gefertigt.

22.173 Ihre Farben und Namen entsprechen jeweils der Waffe. Beim Dreizack werden Spitzen und Knauf nach den vorgesehenen Teilmaßen gestaltet; die Teilwerte sind nicht ausgeführt.

22.174 Der Dreizack ist beschrieben. Bei der Axt folgen Knauf und Schaft den zuvor gegebenen Proportionen.

22.175 Stiel, Knoten und vierseitiger Kopf werden nach Anteilen gestaltet. So ist die Axt beschrieben. Nun der Vajra.

22.176 Er ist ein Tala lang und acht Angula breit. In der Mitte liegt ein vier Angula großer Knauf.

22.177 Die übrigen acht Angula bilden oberhalb und unterhalb dreizackähnliche Formen. Seitliche Blätter sind gebogen, die mittlere Spitze steht gerade.

22.178 Der Vajra ist beschrieben. Beim Schwert beträgt die Breite ein Angula; unten befindet sich eine hülsenartige Fassung.

22.179 Die quadratische Schutzplatte ist vier Angula breit. Das Griffglied ist drei Angula lang und zwei Angula im Umfang.

22.180 Darüber liegt ein Abschluss mit der halben Größe der Schutzplatte. Eine weitere Angabe nennt ein Angula Breite und ein halbes Angula Länge; ihr Bezug ist undeutlich.

22.181 Die Klinge ist gerade, ihre Spitze gebogen. So ist das Schwert beschrieben. Die Schlinge erscheint als Schlange mit zwei Hauben.

22.182 Die Glocke wird wie zuvor beschrieben gefertigt. Die Schlange ist ohne Gliedmaßen, mit Haube und Zunge dargestellt.

22.183 Die Feuerdarstellung besitzt Flammen und einen Stiel von halbem Maß. Kshurika ist ein Tala hoch und an der Basis wie das Schwert gestaltet.

22.184 Sie ist gerade, scharf und läuft fein zu. So sind die zehn von Sadashiva getragenen Waffen beschrieben.

22.185 Bei allen glückverheißenden Feiern, Festen und Opfern soll man sie besonders verehren. Höre nun die Waffen der Weltenhüter.

22.186 Vajra, Speer, Stab, Schwert, Schlinge, Elefantenstachel, Keule, Dreizack, Diskus und Lotus sind ihre zehn Waffen.

22.187 Man fertige sie nach den Maßen der zuvor beschriebenen zehn Waffen. Der Vajra bleibt wie zuvor. Nun wird der Speer beschrieben.

22.188 An der Basis liegt ein Knauf von einem Angula. Drei Knaufglieder nehmen in der Breite jeweils um ein Angula zu.

22.189 Die Basis des folgenden Stabes ist vier Angula lang und sechs Angula im Umfang. Darüber folgen Knauf und Krugform.

22.190 So ist der Stab beschrieben; Schwert und Schlinge bleiben wie zuvor. Am Ende eines mit Knauf versehenen Stabes sitzt eine Spitze wie eine helle junge Mondsichel.

22.191 Dies ist der Elefantenstachel. Die Keule wird unterhalb ihres krugförmigen Kopfes wie zuvor gestaltet.

22.192 Mit einem krugförmigen Kopf ist sie sonst dem Stab ähnlich. Der Dreizack besitzt die früher beschriebenen Teile.

22.193 Der Diskus entspricht dem Maß des Dreizacks, besitzt zwölf Speichen, eine Nabe in der Mitte und schneidende Blätter ringsum.

22.194 Der Diskus ist beschrieben. Die Lotusknospe misst acht Angula und besitzt acht Blätter.

22.195 Ihr Stiel misst vier Angula. Die Gegenstände können aus Gold, Silber, Kupfer, Eisen oder Holz bestehen.

22.196 Ihre Trägerfiguren sind eine Aratni hoch und nach menschlichen Proportionen gestaltet. Eine Besonderheit besteht darin, dass die Shakti-Waffe eine weibliche Trägergestalt erhält.

22.197 Die übrigen Träger sind männlich und vollständig geschmückt. Sie tragen die Waffen auf dem Kopf und halten die Hände zum Gruß gefaltet.

22.198 Farbe und Name entsprechen der jeweiligen Waffe. Die Waffen sind erklärt. Höre nun die Torbögen.

22.199 Sie werden aus Palasha, Khadira, Ashvattha, Shami, Bilva, Shirisha oder anderen für Opfer geeigneten Hölzern gefertigt.

22.200 Ihre Höhe beträgt sieben, sechs oder fünf Hasta, die Breite die Hälfte. In der Mitte tragen sie einen Dreizack von einem Hasta.

22.201 Die Torbögen sind beschrieben. Ein Bhadra-Torbogen wird bei glückverheißenden Feiern an Türen und Torbauten aufgestellt.

22.202 Er ist ein Viertel höher als die Tür und ebenso breit. Die Säulen besitzen Krug- und Knaufglieder; der Querbalken ist eine Aratni breit.

22.203 Er trägt Kränze aus Ashvattha-Blättern und die acht glückverheißenden Zeichen; oben sitzt ein Dreizack von einem Hasta.

22.204 Der Bhadra-Torbogen ist beschrieben. Eine goldene Blume ist zwölf Angula breit oder nach einer weiteren, durch das Zahlwort Vasu bezeichneten Teilung bemessen.

22.205 Sie besitzt einen Fruchtboden und acht Blätter. Nun höre vom Goldband und der Lingamhülle.

22.206 Das Band ist ein Teilmaß breit und so lang wie der Lingamumfang. Die Hülle wird passend zum Lingam mit der nötigen Öffnung gestaltet.

22.207 Für Ishvara ist eine Haarknotenkrone vorgesehen, für die Shaktis eine Kirita-Krone. Kronen, Ohrringe, Halsketten und Oberarmreifen,

22.208 Armspangen, Hüftbänder, Fußreifen und Bauchbänder sowie Edelsteinschmuck für die weiblichen Gestalten

22.209 werden jeweils passend zum Bildnis gefertigt. Der Schmuck ist erklärt. Höre nun Rasiermesser und Schere.

22.210 Das Rasiermesser wird acht Angula lang und halb so breit aus Eisen gefertigt; sein Griff misst vier Angula.

22.211 Die Schere wird mit zwölf Angula und zwei gebogenen Schneiden beschrieben. Beide werden bei der Diksha verwendet.

22.212 Ein erstes Reinigungsgerät wird mit zwölf Angula bemessen; sein Materialname ist gestört. Das zweite besteht aus zahlreichen festen Blattrippen der Kokospalme.

22.213 Es ist eine Aratni lang und an der Basis mit einer Schnur gebunden. So sind zwei Arten von Besen für die Reinigung beschrieben.

22.214 Alle Tongefäße sind nach einem Monat auszusondern. Geräte aus Metall, Holz und ähnlichen Stoffen können bis zu ihrem Verschleiß verwendet werden.

Die Ritualgeräte sind damit kurz beschrieben. Höre nun von Dörfern und anderen Siedlungen.

Damit sind diese kurz erklärt. Höre nun von den Dörfern und anderen Siedlungen.

So endet das zweiundzwanzigste Kapitel.


Kapitel 23 – Dörfer, Städte und Heiligtümer

23.1 Nun erkläre ich die Anlage von Dörfern und anderen Siedlungen. Sie werden auch im Hinblick auf die Verehrung der Gottheiten geordnet.

23.2 Unterschieden werden Dorf, Stadt, Handelsstadt, Kharpata, Khetaka, Kutika, Heerlager und Residenz,

23.3 sowie Senamukha; insgesamt spricht der Text von zehn Formen. Eine Wohnstätte von Brahmanen mit landwirtschaftlichem Ertrag heißt Dorf.

23.4 Dient sie vornehmlich Brahmanen, heißt sie Agrahara. Ein Ort mit vielen Herkunftsgruppen und verschiedenen Handwerkern,

23.5 mit Kauf und Verkauf und Heiligtümern aller Gottheiten, heißt Stadt. Höre nun die Handelsstadt.

23.6 Ein am Meer liegender Ort, an dem Waren aus anderen Inseln oder Ländern gehandelt werden, heißt Pattana. Eine Mischform aus beiden heißt Kharpata.

23.7 Ein Ort mit Handel, verschiedenen Bevölkerungsgruppen und Webern wird Pura genannt.

23.8 Eine von Shudras bewohnte Siedlung heißt Khetaka. Eine kleinere Wohnstätte in deren Zwischenräumen wird Kutika genannt.

23.9 Die Unterkunft der königlichen Truppen heißt Shibira. Eine Ansiedlung mit den vier Heeresabteilungen und königlichem Reichtum,

23.10 die den Königspalast enthält, heißt Rajadhani. Ein Ort mit allen Herkunftsgruppen, königlichem Wohnsitz

23.11 und zahlreichen Schutzvorrichtungen heißt Senamukha. Für die folgenden Größenklassen werden zwölftausend und zehntausend

23.12 sowie achttausend als drei obere Größen genannt; siebentausend, sechstausend und fünftausend bilden die mittleren.

23.13 Viertausend, dreitausend und zweitausend bilden die unteren. Damit sind neun Klassen genannt; der Bezugsgegenstand dieser Zählung bleibt hier verkürzt. Nun die Kleinsiedlungen.

23.14 Tausend, fünfhundert und zweihundertfünfzig bilden deren obere Größen; zweihundert, hundert und fünfzig die mittleren.

23.15 Vierzig, dreißig und zwanzig bilden die unteren. Unter diesen achtzehn Formen wähle man entsprechend seinen Mitteln.

23.16 Man lade bedürftige, in Veden und Lehrschriften kundige Brahmanen ein, die Bildung, gutes Verhalten und Tugenden besitzen und ihren Verpflichtungen gegenüber Familie, Feuer und Lehrer nachkommen.

23.17 Namen und Gotras der Brahmanen schreibe man auf eine Kupferplatte. Man bestimme die landwirtschaftliche Grundlage des Dorfes; eine weitere Berechnungsangabe ist undeutlich.

23.18 Das nach seinen Maßen festgelegte Land übergebe man mit einer Wasserspende. Danach beginne man die Siedlungsanlage.

23.19 Den Boden ebne, grabe und pflüge man. Für die größte Anlage werden fünftausend Danda angegeben,

23.20 für die mittlere tausend und für die kleinste die Hälfte davon.

23.21 Die Anlage kann rund, quadratisch, in Ost-West-Richtung oder in Nord-Süd-Richtung länglich sein.

23.22 Im südwestlichen Bereich lege man eine einen Danda große Fläche für den Schattenstab an und stelle den vorschriftsgemäßen Stab in ihre Mitte.

23.23 Er besteht aus Khadira, Sandelholz, Sala oder anderem Opferholz, ist zwölf Angula hoch und hat halb so viel Umfang.

23.24 Die Spitze ist gegenüber der Basis um ein Sechzehntel verjüngt. Er sei fest, gerade und unbeschädigt. Ringsum werden Kreise nach doppeltem und dreifachem Stabmaß angelegt; die Zahl der Kreise ist verkürzt angegeben.

23.25 Man meditiere über Brahma, setze den Stab in die Kreismitte und markiere sorgfältig, wohin seine Schattenspitze fällt.

23.26 Vormittags und nachmittags ziehe man die zugehörige Schnur. So bestimmt man die Ostlinie, durch eine fischförmige Bogenkonstruktion die Nordlinie.

23.27 Mit Schnüren teile man die Fläche in einundachtzig Felder. Die dort befindlichen Gottheiten vergegenwärtige und verehre man mit Düften und Blumen.

23.28 Im Osten liegen Ishana, Parjanya, Jayanta, Mahendra, Aditya, Satya, die als Abhramsha überlieferte Gottheit und Antariksha.

23.29 Im Süden liegen Agni, Pushan, Vitatha, Grihakshata, Yama, Gandharva, Bhringaraja und Mriga.

23.30 Im Westen liegen Nirriti, Dauvarika, Sugriva, Pushpadanta, Varuna, Asura, Shosha und Papayakshma.

23.31 Im Norden werden Vayu, Naga, Mukhya, Bhallata, Soma sowie eine gestörte Schlussfolge genannt. Insgesamt zählt der Text zweiunddreißig äußere Gottheiten.

23.32 Im Inneren folgen Marici, Vivasvat, Mitra, Prithividhara, Apas, Apavatsa, Savitar und Savitra,

23.33 Indra, Indrajaya, Rudra und Rudrajaya. Die anschließende Anordnung ist durch eine Textlücke verloren.

23.34 Dieser Vers ist weitgehend lückenhaft; erhalten sind nur Hinweise auf gleiche Maße beziehungsweise genannte Felder.

23.35 Eine kleinere Nord-Süd-Straße wird mit der Hälfte bemessen. Vor dem Beginn des Wohnhausbaus errichte man die einzelnen Heiligtümer.

23.36 Shrivatsa, Nabhivarta, Parshvayukta, Padmaka, Nandyavarta, Bhadra, Svastika und Prakirnaka

23.37 heißen die beschriebenen Dorf- und Agrahara-Grundrisse. Für Heerlager werden Kumbha, Vedika und Simha unterschieden.

23.38 Städte und ähnliche Anlagen können auch als Dandaka gestaltet werden. Bei der folgenden Form verlaufen drei Straßen nach Osten und sieben oder fünf nach Norden.

23.39 Mit acht Toren heißt diese Anlage Shrivatsa. Dieselben Straßen mit einem zentralen Nabelplatz

23.40 und seitlichen Königsstraßen ergeben Nabhivarta. Ohne Nabelplatz, sonst wie zuvor, heißt sie Parshvayukta.

23.41 Eine Anlage mit acht Toren und fünf ostwärts verlaufenden Straßen, sonst wie zuvor, heißt Nandyavarta.

23.42 Bei Bhadraka wird eine besondere Verbindung zwischen Torstraße und Mittelbereich beschrieben; der Wortlaut ist gestört. Höre nun Svastika.

23.43 Ungerade angeordnete Querstraßen und die mit vier bezeichnete ostwärts gerichtete Straßenanlage bilden Svastika. Höre nun Padmaka.

23.44 Ein Nabelplatz mit glückverheißenden Hauptstraßen, ungerader Zahl kleiner Straßen, äußerem Rundweg und Tor bildet Padmaka.

23.45 Eine Svastika ähnliche Anlage mit Toren in den Eckmitten heißt Karnika-Padma. Höre nun Padmavarta.

23.46 Die lotusförmig weitergeführte Straßenanlage heißt Padmavarta. Mit Nabelplatz in der Mitte und damit verbundener äußerer Straße

23.47 heißt die weitere Form Prakirnaka. Eine umschlossene Anlage mit der beschriebenen Straße wird Kumbhaka genannt.

23.48 Dieser Vers ist weitgehend verloren; erhalten bleiben das Zahlwort fünf und eine Anweisung zur nördlichen Anlage.

23.49 Für die mittlere Form werden tausend Danda, für die kleinste halb so viele angegeben.

23.50 Eine beliebig lange, einzelne Straße mit zwei Toren heißt Dandaka. So sind die Siedlungsformen benannt.

23.51 Der als Nabel bezeichnete zentrale Bereich und die Messlinien dürfen nicht ungehörig durchschnitten werden. Ein Ort mit Gründungsdepot soll gedeihen, einer ohne Depot Schaden erleiden.

23.52 Deshalb versehe man zuerst die Erde mit einem Gründungsdepot. Aus zweihundert, hundert oder fünfzig Pala Kupfer

23.53 fertige man einen festen Behälter von einem Hasta mit neun Fächern und Deckel.

23.54 Darin lege man Edelsteine, Samen, Metallstücke und Knollen nieder und setze ihn zu einer günstigen Stunde ein.

23.55 Geeignete Plätze sind die Dorfmitte, der Versammlungsort, die rechte Torseite, das Heiligtum, der Garten und das Teichufer.

23.56 Nach dem Gründungsdepot beginne man die Häuserreihen. Drei, fünf und sieben Danda bilden die unteren Größen.

23.57 Neun, elf und zehn Danda werden als mittlere Größen überliefert; die dritte Zahl ist auffällig. Fünfzehn, siebzehn und neunzehn

23.58 bilden die oberen. Man wähle eine dieser Breiten; die weitere Längenbestimmung nennt Verdoppelung und Zusatz eines Danda, ist aber gestört.

23.59 Weitere Proportionen nennen halbe, doppelte und dreifache Längen. Der Hauptwohnraum des Mannes liegt im Süden.

23.60 Im Norden befindet sich der Aufenthaltsbereich; bei Frauen gilt die umgekehrte Anordnung. Der Hauptsitz liegt im Nordosten, der Eingang im Mahendra-Feld.

23.61 Im Südwesten lagert Getreide, im Parjanya-Feld liegt der Wasserabfluss. Die Haustüren sind zur Straße gerichtet.

23.62 Die Hauptstraße kann siebenundzwanzig Danda breit sein; das Tor erhält dieselbe Breite und liegt in den dafür vorgesehenen Vastu-Feldern.

23.63 Die kleinere Nord-Süd-Straße misst die Hälfte. Noch vor dem Hausbau werden die einzelnen Gotteshäuser errichtet.

23.64 Shivas Platz liegt im Nordosten, zwischen Norden und Nordosten oder zwischen Osten und Nordosten.

23.65 Bei mehr als tausend Brahmanen wird ein Brahmesha-Platz im Nordwesten genannt. Janardana setze man nach der Vorschrift der fünf Gestalten ein; die räumliche Verknüpfung ist verkürzt.

23.66 Im Osten liegt der Sonnentempel, im Südosten der Platz der hier Mahamoti genannten Göttin, im Süden Durga, im Südwesten Maheshi.

23.67 Im Westen liegt Vishnu, im Nordwesten Subrahmanya, im Norden Vinayaka mit den Müttern.

23.68 Ein weiterer Platz der Mütter ist außerhalb von Mauer und Graben vorgesehen. Ihr Eingang richtet sich nach Norden, zum Wohl der Siedlung.

23.69 Der Sonnentempel hat den Eingang im Westen, die anderen im Osten. Am Teichufer setze man die Göttin Jyeshtha ein.

23.70 Die einzelnen Heiligtümer können innen oder außen liegen. Shivas Tempel wird außerhalb des Wohn-Vastu an dem genannten Ort errichtet.

23.71 Auf empfindlichen Schnittpunkten, Gelenkstellen oder unmittelbar am Straßenende sollen keine Heiligtümer stehen. Ein Fünftel der Dorfausdehnung werde ringsum gesondert bemessen.

23.72 Dieser Bereich heißt Paishaca; dort wird der Tempel vorgesehen. Die tägliche Verehrung Shivas gewährt nach der Lehre weltliche Erfüllung und Befreiung.

23.73 Die tägliche Verehrung der anderen Gottheiten fördert das Dorf. Wo es keinen Götterplatz gibt, solle man sich nicht einmal kurz niederlassen.

23.74 Wo die tägliche Verehrung fehlt, verursache göttlicher Unwille Bedrängnis. Die jeweiligen Priester wohnen an der Seite oder in der Nähe ihres Heiligtums.

23.75 Ihre Wohnstätten werden ungestört angelegt. Rings um Dorf und Siedlung liegen nach der überlieferten Ordnung die Wohnstätten der Shudras.

23.76 Eine undeutlich als Varija bezeichnete Gruppe wohnt westlich oder südlich, Töpfer östlich oder westlich.

23.77 Fleischverkäufer wohnen im Westen, Fischer im Nordwesten, Ölhersteller im Süden, Blumenhändler im Norden,

23.78 Barbiere im Südosten und Weber im Südwesten. Außerhalb der Umfriedung werden die als Antyaja eingeordneten Gruppen gesondert angesiedelt.

23.79 Metallhandwerker wohnen östlich oder westlich; jenseits der Handwerker werden die als Candala bezeichneten Menschen angesiedelt.

23.80 Der Verbrennungsplatz liegt einen Krosha vom Dorf entfernt, bei Städten die Hälfte, vorzugsweise nordöstlich.

23.81 Alternativ liegt er in einiger Entfernung am Fluss oder im Norden. Teiche können in allen vier Richtungen oder in den Ecken angelegt werden.

23.82 Damit sind Dörfer und andere Siedlungen kurz beschrieben. Höre nun aufmerksam die Bestimmung der erforderlichen Mittel.

So endet das 23. Kapitel.


Kapitel 24 – Die Sicherung der Mittel

24.1 Nun erkläre ich die Bestimmung der Mittel. Zwei Vorgehensweisen werden unterschieden: Samrata und Haraka.

24.2 Samrata wird Shiva zugeordnet, Haraka den anderen Gottheiten. Wer Samrata nicht ausführen kann, beginne nach Haraka.

24.3 Bei Samrata geht die vollständige Bereitstellung der nachfolgenden Tätigkeit voraus; bei Haraka wird die Vollendung erst im weiteren Verlauf erreicht. Die technische Unterscheidung ist im Wortlaut knapp.

24.4 Die Opferausstattung plane der Kundige sorgfältig in neun Abstufungen. Er wähle Adishaivas, die Askese üben, die Vorschriften kennen und in Mantras unterwiesen sind,

24.5 die Shivas Gelübde tragen und im Shaiva-Wissen bewandert sind. Wen er mit Vertrauen verehrt, den lade er gemäß der Lehre ein.

24.6 Diese Schrift ruht auf umfassender Lehrkenntnis, ist unter den Wissenslehren schwer erreichbar, umfasst alle Verehrungshandlungen und dient der Verwirklichung aller Ziele.

24.7 Diese höchste göttliche Lehre gleicht der Sonne gegenüber der Dunkelheit. Die Shaiva-Lehre wird als vorzüglich unter kostbaren Lehren gepriesen; der Edelsteinvergleich ist im Wortlaut gestört.

24.8 Wer den Sinn dieses göttlichen Shaiva-Juwels durchdrungen hat, gilt als bewegliche Verkörperung Shivas.

24.9 Man verneige sich ordnungsgemäß vor solchen Lehrern und trage ihnen die Bitte vor. Die im eigenen Land lebenden, hingebungsvollen und in Gelübden festen Männer spreche man an:

24.10 „Ihr seid die hervorragenden Diener Shivas. Ich bin ein ergebener Diener und verehre euch mit Hingabe.

24.11 Gebt mir eure Zustimmung und nehmt meine Verehrung an. Ich möchte die Einweihung und das höchste Opfer vollziehen.

24.12 Möget ihr dieses langdauernde Opfer zum Abschluss bringen. Übernehmt es, um Unheil zu befrieden.

24.13 Ich lege diese große Aufgabe in eure Hände.“ Es können hundertacht Adishaivas dafür gewonnen werden.

24.14 „Bis zur Vollendung werde ich dieses Opfer tragen. Nach eurer Unterweisung wollen wir es sorgfältig ausführen.

24.15 So viel ist für die Speisen mittlerer Ausführung und die Gaben der Verehrung bestimmt, so viel für Düfte, Blumen und Räucherwerk,

24.16 so viel für Übergießungen, so viel für Feste und so viel für Unterhalt und Versorgung der Tempeldiener,

24.17 so viel für Sühneriten, für das Krittika-Lichterfest, für die neue Ernte und für die große Speisegabe,

24.18 so viel für fehlende oder zusätzliche Gegenstände, für die Lehrer, den Bewahrer der Tantra-Überlieferung und den Schreiber,

24.19 für Zuhörer und Vortragenden, den Kalender- und Sternkundigen, die Helfer und ihre Versorgung,

24.20 für Shaiva-Gäste und Gläubige, für Musiker und den Bildhauer beziehungsweise Zimmermann.“

24.21 Jeder Bedarf soll angemessen bedacht und erfüllt werden. Nachdem man alles geordnet veranschlagt hat,

24.22 weise man Landanteile für ihren Unterhalt zu. Die anschließende Aussage über Entzug während des Verlaufs und die Vollendungsfrucht ist undeutlich.

24.23 Man sorge für unverminderte Versorgung und reine Speise. Die Beteiligten sollen ohne Not leben, ausreichende Kleidung besitzen und regelmäßig Duftstoffe erhalten.

24.24 Man setze geeignete Haushälter ein, stelle alle Geräte bereit und sichere reichlichen, dauerhaften Unterhalt durch eine verbindliche Urkunde.

24.25 Wer nur geringe Mittel gewährt und dadurch die Dienenden bedrängt, den werde der im festen Bild gegenwärtige Herr selbst bedrängen.

24.26 Die Gegenwart des Herrn werde nicht bleiben oder keinen Reichtum bewirken. Wer sich bemüht und gibt, empfängt die Frucht; wer nicht gibt, bleibt ohne sie. Einzelne Verknüpfungen sind gestört.

24.27 Die Folge betrifft ihn mit einundzwanzig Vorfahren und den Angehörigen seiner Familie. Wer beim Vermögen oder bei der religiösen Verpflichtung betrügt,

24.28 erlangt, von Gier beherrscht, nicht die verheißene Frucht. Deshalb teile man sein Vermögen in drei Teile: einen für den eigenen Lebensunterhalt

24.29 und zwei für den Dharma, denn das Leben ist vergänglich. Nach vollständiger Festlegung halte man die Stiftung auf einer Kupferplatte fest.

Damit ist die Festlegung des Vermögens erklärt. Höre nun vom Pflügen des Baugrunds, du Gelübdetreuer.

So endet das 24. Kapitel.


Kapitel 25 – Die Prüfung und das Pflügen des Baugrundes

25.1 Nun erkläre ich das Pflügen des Tempelgrundes. Zu günstiger Stunde und unter günstigem Aszendenten beginne der Lehrer gemeinsam mit den Handwerkern.

25.2 Pflügen und weitere Vorbereitungen sollen während des nördlichen Sonnenlaufs beginnen. Die sechs Jahreszeiten sind Spätwinter, Frühling, Sommer, Regenzeit,

25.3 Herbst und Frühwinter. Tapas und Tapasya, also Magha und Phalguna, bilden den Spätwinter.

25.4 Caitra und Vaishakha, auch Madhu und Madhava, bilden den Frühling; Jyeshtha und Ashadha, hier Shukla und Shuci genannt, den Sommer.

25.5 Shravana und Bhadrapada, auch Nabhas und Nabhasya, bilden die Regenzeit; Ashvayuj und Karttika, auch Isha und Urja, den Herbst.

25.6 Margashirsha und Pausha, auch Sahas und Sahasya, bilden den Frühwinter. Der südliche Sonnenlauf gilt als Nacht der Götter,

25.7 der nördliche als ihr Tag. Bei Dringlichkeit ist auch der südliche erlaubt. Margashirsha, Ashadha, Proshthapada und Magha soll man meiden.

25.8 Die übrigen Monate sind nach Shivas Bestimmung geeignet. Unter ihnen gilt der Frühling als besonders günstig.

25.9 Es werden höchste, mittlere und geringste Zeitqualitäten unterschieden; der südliche Sonnenlauf gilt als geringste. Mondgestirne, Monatshälften und Wochentage sind ebenfalls zu beachten.

25.10 Krittika gehört Agni, Rohini Prajapati, Mrigashirsha Soma und Ardra Shiva.

25.11 Punarvasu gehört Aditi, Tishya Brihaspati, Ashlesha den Nagas und Magha den Ahnen.

25.12 Purva-Phalguni gehört Bhaga, Uttara-Phalguni Aryaman. Hasta gehört Savitar und gilt für alle Unternehmungen als günstig.

25.13 Citra gehört Tvashtar, Svati Vayu, Vishakha Indra und Agni. Anuradha wird hier undeutlich als Mishraka zugeordnet.

25.14 Jyeshtha gehört Indra, Mula Nirriti und Purva-Ashadha den Wassern; Letzteres gilt hier für Einsetzungen als ungünstig.

25.15 Uttara-Ashadha gehört den Vishvedevas, Abhijit Brahma, Shravana Hari und Shravishtha den Vasus.

25.16 Shatabhishaj gehört Varuna, Purva-Proshthapada Aja und Uttara-Proshthapada Ahirbudhnya.

25.17 Revati gehört Pushan, Ashvini den Ashvins, Bharani Yama. Dies sind die zugeordneten Gottheiten.

25.18 Als geeignete Gestirne werden Tishya, Shravana, Hasta, Ardra, Anuradha, Punarvasu, Magha, Rohini, Ashvini, Svati, Mrigashirsha, Revati und die drei Uttara-Gestirne genannt.

25.19 Geeignete Mondtage sind der zweite, dritte, fünfte, sechste, siebte, zehnte, elfte, erste und dreizehnte,

25.20 ferner Vollmond, besonders in der zunehmenden Monatshälfte. Bewegliche Tierkreiszeichen und der Schütze werden ausgenommen; die übrigen gelten als geeignet.

25.21 Mittwoch, Freitag, Montag und Donnerstag gelten als besonders günstig. Dekan, Teilzeichen und Planetenstunde sollen miteinander übereinstimmen; die genaue Bedingung ist verkürzt.

25.22 Eine als Mondaufgang bezeichnete Konstellation wird ausgeschlossen, andere Aufgänge gelten als günstig. Von ungünstigen Planeten beherrschte Tage sollen Krankheit und Bedrängnis bringen.

25.23 Sonne, Mond und Mars gelten im dritten, sechsten und elften Haus als günstig; am Aszendenten sollen sie Krankheit, Trauer und Angst bewirken.

25.24 Alle Planeten im achten Haus gelten als nachteilig für den Auftraggeber, im elften als Sicherheit, Gesundheit und Gedeihen bringend.

25.25 Venus im sechsten, siebten oder zehnten Haus gilt als Furcht bringend, Jupiter im neunten, zweiten, siebten oder fünften als günstig.

25.26 Der Mond im zweiten oder fünften Haus soll Wohlbefinden bringen. Sonntag gilt mit Revati, Hasta und den drei Uttara-Gestirnen als günstig.

25.27 Samstag gilt zusammen mit Svati oder Rohini als günstig. Die folgenden ungünstigen Verbindungen nennen Mittwoch mit dem zweiten und Donnerstag mit dem sechsten Mondtag,

25.28 sowie Montag mit dem elften; sie sollen das Leben bedrängen. Revati am siebten Mondtag wird als für die Bevölkerung schädlich bezeichnet.

25.29 Montag mit Uttara-Ashadha gilt als ungünstig. Vishti, bestimmte Endabschnitte von Gestirnen und Gulika-Zeiten soll man meiden.

25.30 Auch Unwettertage, flammender Horizont, Erdbeben, heftiger Sturm und Donnerschlag gelten als ungünstig.

25.31 Sonnenübergang, Finsternis, Sonnenwende, Tagundnachtgleiche, Fest- und Befriedungszeiten sowie Shadashitimukha werden ebenfalls als Ausschlusszeiten dieser Gründungsarbeit genannt.

25.32 Wer dennoch aus Verblendung beginnt, soll Verlust am Bau erleiden. Wer eigenes Gedeihen wünscht, prüfe diese Umstände vor Beginn.

25.33 Auf schönen Bergen, im Dorf oder in der Stadt, zwischen Osten und Nordosten, im Nordosten oder zwischen Norden und Nordosten,

25.34 an einem ansprechenden Ort beginne man den Tempelbau. Zuerst prüfe man die Erde, danach pflüge man sie.

25.35 Weiße, rote, gelbe und schwarze Erde werden Brahmana-, Kshatriya-, Vaishya- und Shudra-Erde genannt. Die erste soll Befreiung, die zweite Sieg gewähren,

25.36 die dritte Reichtum, die vierte Nachkommen. Salzigen Boden, von Ungeziefer durchsetzte Erde und Ameisenhügel meide man.

25.37 Man grabe eine knietiefe Grube und fülle sie mit der entnommenen Erde. Bleibt Erde übrig, gilt der Boden als vorzüglich; reicht sie genau, als mittel.

25.38 Fehlt Erde, meide man den Ort. Die dortigen Gottheiten werden berücksichtigt; Bhutas, Pretas und Pishachas erhalten besonders Bali.

25.39 Man spreche: „Hier soll auf Erden ein Platz für den Gott der Götter entstehen. Nehmt Opfergabe und Verehrung an und zieht rasch in Frieden weiter.“

25.40 Nach dieser Entlassung beginnt das Pflügen. Man nehme zwei gelbbraune, helle oder rote Stiere ohne fehlende Gliedmaßen.

25.41 Andere Farben werden ausgeschlossen, ebenso zu junge oder alte Tiere. Hörner und Hufe werden mit Gold geschmückt; man verehrt sie mit dem Stiermantra.

25.42 Joch und Pflug bestehen aus geeignetem Opferholz: Shami, Bilva, Khadira, Jackfruchtbaum oder dem als Stambaka überlieferten Holz.

25.43 Der Zimmermann fertige den Pflug mit Metallteilen und verbinde ihn durch ein Rindslederseil mit dem Joch.

25.44 Der Adishaiva-Acharya heiligt zuvor seinen Leib durch Mantra-Einsetzung, lässt die Heiligung des Tages aussprechen und besprengt mit den fünf Kuhprodukten.

25.45 Unter dem Shiva-Mantra pflügt er den nach Osten und Norden geneigten Boden. Danach verehrt man den Acharya und schenkt ihm die Stiere samt Pflug.

25.46 Man säe Sesam, Senf, Mungbohnen und Shali-Reis. Wenn sie innerhalb von fünf Nächten keimen, gilt der Boden als geeignet; andernfalls wird er verworfen.

25.47 Den Aufwuchs gebe man zur vorgesehenen Zeit den Rindern. So prüfe und übernehme der Lehrer den Baugrund.

25.48 Wenn die Sonne das hier genannte Widder- und Stiergebiet verlassen hat, nehme man an einem günstigen Tag den Schatten des Messstabes auf. Dazu zeichne man einen Kreis.

25.49 Die Fläche sei eben und mit Kuhdung bestrichen. Der Stab ist zwölf Angula lang; der Text setzt seinen Grundumfang der Länge gleich.

25.50 Oben wird der Umfang um ein Achtel verringert. Der Stab besteht aus Shami, Bilva, Palasha oder anderem Opferholz.

25.51 Man stelle ihn in die Mitte, zeichne drei Kreise und beobachte die Schattenspitze vormittags und nachmittags.

25.52 Daraus lege der Lehrer mit der Schnur die Ostlinie fest. Über dieser konstruiere man durch Kreisbögen die Fischform.

25.53 So erhält man auch die Nordlinie und bildet das Quadrat. Danach bestimmt man die Ausdehnung von Tempel, Hallen und Umfassungsmauern.

25.54 Nach sorgfältiger Festlegung lasse man den Tag heiligen. Sobald der Hauptplatz bestimmt ist, errichte man das vorläufige Heiligtum.

Damit ist die Vorschrift des Pflügens erklärt. Höre nun vom vorläufigen Heiligtum.

So endet das 25. Kapitel.


Kapitel 26 – Das vorläufige Heiligtum

26.1 Nun erkläre ich das vorläufige Heiligtum. Es gibt eine erste und eine zweite Form.

26.2 Die erste wird vor der Errichtung des Hauptheiligtums angelegt. Die zweite entsteht bei Neubau, Beschädigung oder Erneuerung eines bestehenden Tempels.

26.3 Diese zweite Form wird ebenfalls als vorläufiges Heiligtum bezeichnet. Die übrigen Handlungen sind für beide gleich.

26.4 Nach Bestimmung des Hauptplatzes richte man den vorläufigen Platz ein. Zuerst wird das vorläufige Lingam geweiht, danach das Hauptlingam.

26.5 Ohne vorheriges vorläufiges Heiligtum soll das Hauptheiligtum nicht angelegt werden. Der Text verbindet die Auslassung mit Unheil für Kinder und Enkel.

26.6 Deshalb errichte man es sorgfältig. Nach Übernahme des Baugrundes

26.7 kann es davor, nördlich, vorne links oder rechts oder besonders nordöstlich stehen.

26.8 Fünf, sieben oder neun Nächte vorher vollziehe man die Keimaussaat. Das Lingam kann aus Metall, Stein, Holz oder Ton bestehen.

26.9 Der Lehrer lasse es nach den vorgeschriebenen Merkmalen anfertigen. Für Holz eignen sich Shami, Bilva, Madhuka, Ashvattha und Udumbara.

26.10 Ein tönernes Lingam sei gut gebrannt. Als höchstes Maß werden zwölf Angula Höhe genannt.

26.11 Als geringstes werden sieben Angula angegeben; anschließend werden neun Größen mit Zunahmen von zwei Angula genannt. Diese Zahlenfolge stimmt nicht widerspruchsfrei mit der vorigen Angabe überein.

26.12 Das Lingam ist rund, mit eigener runder Basis. Sein Kopf ist schirmförmig; die sonstigen Linienmarkierungen werden nicht ausgeführt.

26.13 Der Sockel wird passend gestaltet oder aus Ziegeln hergestellt. Das vorläufige Heiligtum misst sieben, fünf oder drei Hasta.

26.14 Damit ist die erste Form beschrieben. Bei der zweiten entspricht die Lingamlänge dem sichtbaren Verehrungsteil des Hauptlingams, drei Vierteln oder der Hälfte davon.

26.15 Der Umfang entspricht der Länge; Linienmarkierungen fehlen. Brahma- und Vishnu-Abschnitt werden nicht ausgeführt, der Kopf entspricht dem Hauptlingam.

26.16 Nach Herstellung des Lingams bemesse man das vorläufige Haus mit der Hälfte, einem Drittel oder einem Viertel der Hauptzelle.

26.17 Der Sockel im vorläufigen Haus ist so hoch wie das vorläufige Lingam und ebenso breit. Er hat eine Einsetzungsöffnung und einen Abfluss.

26.18 Ein Drittel der Lingamlänge wird in den Sockel eingelassen. Dieser ist rund, quadratisch oder sechzehneckig.

26.19 Edelsteindepot und die genannten Fundamentsteine werden nicht vorgesehen. Auch ein weiteres Lingam und die zugehörige Linienausführung entfallen; die technische Bezeichnung ist verkürzt.

26.20 Vor dem Heiligtum errichte man einen Pavillon von zehn, acht, neun oder sieben Hasta.

26.21 Er besitzt sechzehn Säulen und vollständigen Schmuck. Ein Neuntel seiner Fläche nimmt der mittlere Altar ein.

26.22 Dieser ist einen Hasta hoch und spiegelglatt. Nach dem Bestreichen mit Kuhdung bewirte man Brahmanen.

26.23 Es folgen Heiligung des Tages, Vastu-Feueropfer und Reinigung durch Umführen des Feuers.

26.24 Auf der geschmückten Unterlage werden Stoff, Reis, Darbha und Blumen angeordnet. Das Lingam verweilt zuvor bis zum Hals im Wasser.

26.25 Man hebe es daraus und stelle es auf den Badealtar. Ein Schutzband aus Gold, Silber, Leinen oder Baumwolle

26.26 binde man mit dem Herzmantra an, gebe Ghee auf das Haupt und lege das Lingam samt Sockel mit dem Kopf nach Osten auf das Lager.

26.27 Mit Düften, Blumen und ungebrochenen Körnern verehre man es und bedecke es unter dem Herzmantra mit Stoff, Blumen und Darbha.

26.28 Das Lager wird mit allen vorgeschriebenen Merkmalen bereitet. Die vorherige Wasserlagerung dauert drei Nächte oder eine Nacht.

26.29 Der Krug wird mit Schnur und einem Gewand umwunden, enthält fünf Edelsteine und erhält eine doppelte Stoffhülle.

26.30 Man meditiere über den formlosen Sadashiva, der wie der Raum alles durchdringt, und setze ihn unter dem Shiva-Mantra in den Krug ein.

26.31 Mit dem Herzmantra, Düften und Blumen verehre man ihn. Links setze man Gauri mit ihrem Mantra in das Vardhani-Gefäß ein.

26.32 Dieses erhält Gold und Gewand und wird wie zuvor verehrt. Bei der zweiten Form des vorläufigen Heiligtums wird die Gegenwart aus dem Hauptlingam herbeigerufen.

26.33 Man bitte den Gott der Götter: „Verweile für die Zeit von einem bis zwölf Jahren fest im vorläufigen Heiligtum.“

26.34 Innerhalb dieses Zeitraums soll die Rückkehr ins Hauptheiligtum erfolgen. Diese Bitte gilt für die zweite Form; bei der ersten entfällt sie.

26.35 Vidyashvaras, Uma und Shiva werden jeweils in ihre Krüge eingesetzt, unter Vergegenwärtigung ihrer Gestalt und mit ihrem eigenen Mantra.

26.36 Die Krüge besitzen Kusha-Büschel, Gewänder und alle vorgeschriebenen Merkmale. Mit dem Herzmantra, Düften und Blumen werden sie verehrt.

26.37 In den Richtungen werden Rigveda, Yajurveda, Samaveda und Atharvaveda rezitiert. Das Feueropfer findet in neun, fünf, drei oder einer Feuerstelle statt.

26.38 Nach der früher beschriebenen Reinigung und Zurüstung des Feuers verwende man Khadira, Vata, Bilva, Plaksha, Ashvattha und Udumbara,

26.39 Shami und Vaikankata als Opferhölzer vom Osten aus. Für das Hauptfeuer verwende man Palasha und opfere mit dem Herzmantra.

26.40 Alternativ darf für alle Feuer Udumbara dienen. Opferholz, Ghee und gekochte Speise werden mit den jeweiligen Mantras einzeln geopfert.

26.41 Opferholz wird mit dem Herzmantra, Ghee mit dem Wurzelmantra und Caru besonders mit der Shiva-Gayatri dargebracht.

26.42 Nach Berührungsgaben mit den Shiva-Gliedermantras berühre man die zugehörigen Glieder. Am klaren Morgen folgen Feueropfer und vollständige Schlussgabe mit dem Shiva-Mantra.

26.43 Man ehre Acharya, Gestalthüter, Kalenderkundigen, Rezitierende und Tempeldiener.

26.44 Das Lingam wird vom Lager erhoben und im vorläufigen Heiligtum fest und passend in die Sockelöffnung eingesetzt.

26.45 Mit dem Shiva-Mantra übertrage man die Gegenwart des Gottes aus dem Krug ins Lingam, danach die Shiva-Glieder. Manonmani setze man im Sockel ein.

26.46 Die acht Vidyeshvaras ordne man vom Osten aus auf dem Sockel an. Mit den Krügen für Vidyeshvaras, Uma und Shiva vollziehe man die Übergießung unter der genannten Waffenformel.

26.47 Danach verehre man nach der allgemeinen Vorschrift und bringe Speise dar. Von den Toren bis zum Bali-Sockel werden die vorgesehenen Einsetzungen vollzogen.

26.48 Die Übergießung geschehe nach Vermögen, ebenso das dazugehörige Fest. Für die zweite Form des vorläufigen Heiligtums folgt eine besondere Einschränkung:

26.49 Täglich wird die Verehrung bis einschließlich Bali ausgeführt, jedoch kein Fest veranstaltet. Das vorläufige Heiligtum ist erklärt. Höre nun die Vastu-Ordnung des Tempels.

So endet das 26. Kapitel.


Kapitel 27 – Die Ordnung des Tempelbaugrunds

27.1 Nun erläutere ich die Ordnung des Tempelbaugrunds. Nachdem man den vorgesehenen Hauptstandort gereinigt hat, zeichne man das Vastu-Schema.

27.2 Man lasse den Segen des glückverheißenden Tages sprechen, besprenge den Platz mit Shiva geweihtem Wasser und verehre die Vastu-Gottheiten mit Blumen und den übrigen Gaben, jede mit ihrem eigenen Namen.

27.3 Man beobachte, welches Körperglied der Bauherr nach der Verehrung berührt. An der entsprechenden Stelle im Körper des Vastu soll man ein verborgenes Hindernis im Boden angeben.

27.4 Berührt er den Kopf, wird dort in zwei Ellen Tiefe ein Knochen angenommen; bei Berührung des Mundes in einer Elle Tiefe Holz. Die anschließende Ortsangabe ist unklar überliefert.

27.5 Bei Berührung des Halses wird ein Knochen beziehungsweise in drei Ellen Tiefe eine Kette angegeben; bei Berührung der Brust ebenfalls eine Kette in drei Ellen Tiefe.

27.6 Bei Berührung der Hand kündige man an ihrem entsprechenden Ort ein Schwertstück an; berührt der Bauherr den Oberarm, werden in drei Ellen Tiefe Kohlen angenommen.

27.7 Bei Berührung des Knöchels wird ein Pferdefuß in der Tiefe eines Fußmaßes angegeben; bei Berührung des Fußes Gold in einer Spanne Tiefe.

27.8 Bei Berührung des kleinen Fingers oder des Daumens wird ein Teil einer Elle genannt; der genaue Gegenstand ist unklar. Bei Berührung der Hüfte liegt nach dieser Vorschrift ein eisernes Hindernis in zwei Ellen Tiefe.

27.9 Bei Berührung des Knies wird in einer Elle Tiefe ein Barbiergerät angenommen. Nachdem man die störenden Gegenstände aus dem Boden entfernt hat, hebe man den Platz aus.

27.10 Die Tiefe soll der Tempelbreite entsprechen oder deren Hälfte betragen; auch um die Hälfte vermehrte Maße werden genannt. Die beiden letzten Maßangaben sind nicht eindeutig voneinander unterschieden.

27.11 Ein Viertel oder ein Drittel der Grubentiefe fülle man gleichmäßig mit Sand und verdichte ihn durch Pferde- und Elefantenfüße, Stampfer und Hämmer.

27.12 Man gleiche die Fläche aus, besprenge sie mit dem Shiva-Astra-Mantra und begieße sie mit Panchagavya, während man den Pavamana rezitiert.

27.13 Der Lehrer lege das Vastu mit zehn Schnüren je Richtung an. Das so entstehende Vastu aus einundachtzig Feldern soll den Menschen alle Wohlfahrt bringen.

27.14 Zum Wohl der Asuras vollzog Shukra einst große Askese. Daraus entstand ein überaus mächtiges Wesen von geisterhafter Gestalt.

27.15 Das noch ungebundene Wesen begann einen Kampf mit den Göttern. Als diese erkannten, dass Waffen es nicht töten konnten, brachten sie es unter ihre Gewalt.

27.16 Mit dem Gesicht zur Erde lag es dort; an dieser Stelle fehlt Text. Zwei Hauptlinien, Vamsha genannt, sind zu unterscheiden; sie verlaufen durch die Ecken.

27.17 Seitliche und aufwärts verlaufende Verbindungen werden als acht bezeichnet. Die nach Osten und Norden gerichtete Schnur heißt aufrechter Vamsha; die Formulierung ist nicht vollständig klar.

27.18 Die acht seitlichen Eckpunkte werden als Kopf-Marmas bezeichnet. Die Schnüre gelten als Adern, ihre Kreuzungen als Gelenke.

27.19 Die Teilung eines Feldes in sechs Teile wird Shatka genannt, seine Viertelung Chatushka.

27.20 Was an einem Schnurende liegt, heißt einfach Marma. In der Mitte des Vastu liegt der Lotus, dessen Feld achtfach gegliedert ist.

27.21 Von der Ecke aus werden Trishula, Fuß und halber Fuß sowie die zusammengelegten Hände bestimmt. Eine Beeinträchtigung dieser Stellen soll zahlreiche Schäden verursachen.

27.22 Die Beschädigung von Adern, Kopf und Marmas soll die Bewohner des Ortes zugrunde richten; die eines Gelenks soll Freunde vernichten, die eines Shatka ringsum Feindschaft hervorrufen.

27.23 Beim Chatushka wird der Verlust der Fahrzeuge, bei den Marmas der Tod genannt; am Lotusplatz Verderben und am Trishula der Verlust einer Leibesfrucht.

27.24 Die Beeinträchtigung der zusammengelegten Hände soll den Viehbestand vernichten. Man ordne nun sämtliche Vastu-Gottheiten, beginnend mit Ishana, ihren Plätzen zu.

27.25 Im östlichen Abschnitt stehen Ishana, Parjanya, Jayanta, Mahendra, Aditya, Satya, eine verderbt überlieferte Gottheit und Antariksha.

27.26 Im Süden stehen Agni, Pusha, Vitatha, Grahakshata, Yama, Gandharva, Bhringaraja und Mriga.

27.27 Im Westen stehen Nirriti, Dauvarika, Sugriva, Pushpadanta, Varuna, Roga, Shosha und Papayakshma.

27.28 Im Norden stehen Vayu, Naga, Mukhya, Bhallata, Soma, Riga, Aditi und Diti. Dies sind die zweiunddreißig äußeren Gottheiten; einzelne Namen sind unsicher überliefert.

27.29 Jede von ihnen nimmt ein Feld ein. Brahma besitzt dagegen in der Mitte des Vastu neun Felder.

27.30 Östlich steht Samarika, südlich Vivasvat, im westlichen Teil Mitra und nördlich Prithividhara.

27.31 Diese stehen in den vier Richtungen um Brahma und besitzen je sechs Felder. Apas und Apavatsa stehen im Nordosten.

27.32 Shunasira und Savitra stehen im Südosten, Indra und Indrajaya im Südwesten.

27.33 Rudra und Rudrajaya stehen im Nordwesten. So sind die Eckgottheiten angegeben. Ihr Feldanteil wird zunächst mit zwei, anschließend mit zweieinhalb angegeben; die Lesung ist widersprüchlich.

27.34 Charaki, Vitari, Putana und Paparakshasi stehen außen in den vier Ecken, beginnend im Nordosten; sie besitzen kein eigenes Feld.

27.35 Nach dieser Anordnung entwerfe man die Gestalt des Vastu-Körpers. Jedes Vastu-Schema stellt diesen Körper dar.

27.36 Man lege den Kopf nach Nordosten; die folgende Körperzuordnung nach Südwesten ist verderbt. Knie und Ellenbogen liegen im Südosten und Nordwesten.

27.37 Man lege das Geschlechtsglied auf Indras Feld und die Füße nach Südwesten. Marichi wird dem Bauch zugeordnet; auch die Brüste sind entsprechend einzutragen.

27.38 Bei Vivasvat und Mitra lege man die beiden Bauchseiten an. Schenkel und Handflächen ordne man Savitri zu.

27.39 In der Mitte zwischen Schenkel und Unterarm ordne man die Füße Savitri zu. Rudra und Rudrajaya werden wie zuvor angeordnet. Die Körperzuordnung dieser Verse ist teilweise verderbt.

27.40 Die Gottheiten von Mahendra bis Antariksha gelten als in der Mitte des Armes befindlich. Knie und Ellenbogen lege man bei Agni an.

27.41 Die Gottheiten von Pusha bis Mriga ordne man dem einen Unterschenkel zu, die von Dauvarika bis Papayakshma dem anderen.

27.42 Bei Vayu liegen Ellenbogen und Knie; die anschließenden Gottheiten bis Riga befinden sich am Arm. Der Vastu-Gott liegt mit dem Gesicht nach unten auf der Erde.

27.43 Weil er gewaltig und sehr furchterregend ist, sollen ihn diejenigen verehren, die das Bauvorhaben ausführen wollen. Man lasse den Tagessegen sprechen und besprenge den Platz mit Panchagavya.

27.44 Mit Duftstoffen, Blumen und Räucherwerk verehre man die Vastu-Gottheiten. Zuerst verehre man Ishana mit Ghee, das mit ungebrochenen Reiskörnern vermischt ist.

27.45 Parjanya gebe man insbesondere blaue Lotusblumen und ähnliche Gaben, Jayanta eine blaue Fahne.

27.46 Mahendra erhalte Edelsteine, Bhaskara ein Baldachintuch, Satya Weizenfladen und Bhrisha Fisch.

27.47 Antariksha gebe der Lehrer Vogelfleisch, Agni einen Opferlöffel und Pusha geröstete Reiskörner.

27.48 Für Vitatha ist Milchreis bestimmt, für Grahakshata Honigreis, für Yama Fleischreis und für Gandharva Duftstoff.

27.49 Bhringa erhalte eine Vogelzunge, Mriga Gerste und Sesam, Pitri ein Reis-Hülsenfrucht-Gericht und Dauvarika ein Zahnreinigungshölzchen.

27.50 Sugriva erhalte Gerste, Pushpadanta Kusha-Gras, Varuna eine Lotusgabe, deren nähere Bezeichnung unklar ist, und Roga Honig.

27.51 Shosha erhalte Ghee-Reis, Papayakshman Gerste. Für Roga wird außerdem ein mit Ghee bestrichener Fladen genannt.

27.52 Naga erhalte Naga-Blüten, Mukhya Kuchen, Bhallata Mungbohnenreis und Soma Milchreis mit Honig.

27.53 Riga erhalte eine Lotuswurzel, Aditi rote Gaben und Diti gefülltes Gebäck. Damit ist die Reihenfolge der Bali-Gaben angegeben.

27.54 Milch, Quark, Kusha-Gras, Kurkumareis, Reis mit Rohzucker, gekochtes Fleisch, reiner Reis und zubereitetes Fleisch werden weiter genannt.

27.55 Diese Bali-Gaben gebe man einzeln den Gottheiten der Zwischenrichtungen, beginnend mit Apas. Ghee-Reis, rote Speise, Laddus und schwarze Bohnen sind weitere Gaben.

27.56 Diese gebe man den Gottheiten der Hauptrichtungen, beginnend mit Samarika im Osten. Sesam, ungebrochene Reiskörner, Gerste, Panchagavya und Kusha-Gras

27.57 bringe man zusammen mit Opferbrei besonders Brahma dar. Charaki und den übrigen äußeren Gottheiten biete man gekochtes Fleisch an.

27.58 Sind die vorgeschriebenen Gaben nicht verfügbar, kann man allen reinen Reis mit Rohzucker, Ghee und Quark sowie Duftstoffe und die übrigen Verehrungsgaben darbringen.

27.59 Die Mantras aller Gottheiten bestehen aus ihrem Namen, verbunden mit dem Pranava. Bei der Verehrung enden sie auf Namah, bei der Bali-Darbringung auf Svaha.

27.60 Nach der Bali-Darbringung lasse man wiederum den Tagessegen sprechen und besprenge den Platz unter Rezitation des Wurzelmantras mit Panchagavya.

27.61 Dann vollziehe man das Vastu-Feueropfer in der Mitte oder im Nordosten. Gerade zu Beginn des Bauvorhabens soll dieses Feueropfer stattfinden.

27.62 Man errichte dort eine Opferfläche von einer Elle Seitenlänge und vier Fingerbreit Höhe, versehen mit Duftstoffen, Blumen und Darbha-Gras.

27.63 Nach der früher beschriebenen Vorschrift erzeuge man das Shiva-Feuer. In seiner Mitte vergegenwärtige man Vastu samt den dort ansässigen Gottheiten.

27.64 Ghee und die übrigen Opferstoffe gebe man der Reihe nach in den Mund des Vastu. Mit dem Erdbija bringe man alle Stoffe ins Feuer dar.

27.65 Für die dort befindlichen Gottheiten opfere man mit ihren Namen und der Endung Svaha: jeweils hundertmal, halb so oft oder wiederum die Hälfte davon.

27.66 Oder man opfere von jedem Stoff zehnmal. Nach Abschluss der Stoffopfer bringe man die Vyahritis dar und vollziehe die vollständige Opfergabe für Shiva.

27.67 Nach Verabschiedung der Vastu-Gottheiten verabschiede man das Feuer. So soll der vorzügliche Sadhaka das Vastu des Tempels verehren.

27.68 Nachdem er Bali dargebracht und das Feuer verehrt hat, beginne er die Bauarbeit. Immer wenn die Vastu-Arbeit begonnen wird, soll dieses Feueropfer stattfinden.

27.69 Ein Bauwerk, das ohne Vastu-Feueropfer errichtet wird, soll zugrunde gehen. Die entsprechende Abfolge bis zum Feueropfer gilt ebenso für die hier genannten weiteren Bauanlagen; der Anfang des zweiten Halbverses ist unklar.

27.70 Für das Haus-Vastu wird eine andere Feldeinteilung genannt und der Eingang dem Mahendra-Feld zugewiesen. Die Zahl der Felder ist verderbt überliefert.

27.71 Damit ist die Ordnung des Tempelbaugrunds erklärt. Höre nun mit gesammeltem Geist die Vorschrift für die ersten Ziegel.

So endet das siebenundzwanzigste Kapitel über die Ordnung des Tempelbaugrunds.


Kapitel 28 – Die Niederlegung der ersten Ziegel

28.1 Nun will ich die Vorschrift für die ersten Ziegel erklären; höre zu. Nachdem Aushub und Auffüllung beendet sind, verehre man die Vastu-Gottheiten.

28.2 Nördlich oder östlich davon errichte man einen Schutzbau. In seiner Mitte bereite man aus ungeschältem Reis eine vier Fingerbreit hohe Opferfläche.

28.3 Während der Nacht weihe man dort die vier ersten Ziegel. Soll der Tempel aus Stein bestehen, weihe man entsprechend vier Steinblöcke.

28.4 Für einen Ziegeltempel verwende der Kundige Ziegel. Als Höhe werden drei Tala und als Breite das Doppelte genannt.

28.5 Die Länge betrage das Doppelte der Breite; dies wird als oberes Maß der mittleren Gruppe bezeichnet. Für das mittlere Maß dieser Gruppe nennt der Text anderthalb Tala, gefolgt von einer unklaren Maßangabe.

28.6 Ein Tala Höhe gilt als unteres Maß der mittleren Gruppe. Damit sind die drei mittleren Maße genannt; nun folgen die drei unteren.

28.7 Für das obere Maß der unteren Gruppe nehme man elf Fingerbreit Höhe, für das mittlere neun und für das unterste sieben.

28.8 So sind die Höhen angegeben. Die Breite betrage jeweils das Doppelte, die Länge wiederum das Doppelte der Breite. Nach diesen Maßen fertige man alle Stücke an.

28.9 Dies waren die Maße der Steine. Höre nun der Reihe nach die der Ziegel: sechs Fingerbreit Höhe und zwölf Fingerbreit Breite,

28.10 bei einer Länge vom Doppelten der Breite, gelten als das größte Maß. Die geringste Höhe beträgt drei Fingerbreit.

28.11 Zwischen dem größten und dem kleinsten Maß ordne man sieben Zwischenmaße an. Damit ergeben sich neun Varianten; man wähle eine passende davon.

28.12 Die Breite sei doppelt so groß wie die Höhe, die Länge doppelt so groß wie die Breite. Die Ziegel sollen gut gebrannt, fest und ansprechend sein.

28.13 Ist ein Stück am unteren Ende dicker, gilt es als weiblich; ist es an der Spitze dicker, als geschlechtsneutral. Sind beide Enden gleich, gilt es als männlich.

28.14 Für männliche Gottheiten verwende man männliche, für weibliche weibliche Stücke. Man wähle Ziegel von der Farbe der Patali-Blüte.

28.15 Man umwinde sie mit Schnüren und Darbha-Gras, hülle sie sorgfältig in Tücher, schmücke sie mit Duftstoffen und Blumen und lege sie auf die Opferfläche.

28.16 Östlich davon stelle man auf der Opferfläche die Gefäße der Vidyeshvaras auf, mit Tüchern bekleidet und mit Schnüren umwunden.

28.17 In der Mitte stehe Shivas Gefäß und links davon das Vardhani-Gefäß. Man verehre sie der Reihe nach mit dem Herzmantra, Duftstoffen, Blumen und den übrigen Gaben.

28.18 Nördlich davon vollziehe der Kundige das Feueropfer nach der Vorschrift mit Brennhölzern, Ghee und Reis.

28.19 Mit einer Mischung von Sesam und Reiskörnern, reichlich mit Ghee durchtränkt, bringe er unter dem Ishana-Mantra hundert Opfergaben dar.

28.20 Nach den einzelnen Opferstoffen opfere er mit den Shiva-Anga- und Vidya-Anga-Mantras. Am Morgen zur günstigen Stunde findet die Niederlegung der Ziegel statt.

28.21 Zuerst ehre man den weihenden Priester, den Sthapaka, danach den Baumeister, den Sthapati. Alle durch Mantras bestimmten Handlungen lasse man vom Sthapaka ausführen.

28.22 Alle Arbeiten ohne Mantra vollziehe der Sthapati. Führt dieser die mit Mantras verbundenen Handlungen aus, so gilt das nach dem Text als unheilvolle Ritualhandlung.

28.23 Deshalb lasse man die mantrischen Handlungen mit aller Sorgfalt vom Sthapaka vollziehen. Zur günstigen Stunde lege der Kundige die vier Ziegel nacheinander nieder.

28.24 Die ersten Ziegel sollen südlich des Eingangs liegen. Man lege sie, im Osten beginnend, in die vier Richtungen unter Rezitation der vier Brahma-Mantras.

28.25 Im Nordosten sollen Spitze und Spitze zusammentreffen, im Südwesten wird eine Verbindung von Grund und Spitze genannt; auch für Südosten und Nordwesten nennt der Text Grund und Spitze. Die Anordnung ist nicht eindeutig überliefert.

28.26 Dabei dienen die Brahma-Mantras, beginnend mit Sadyojata, und die Richtungsfolge von Osten, das Purusha zugeordnet ist. Die Grube zwischen den Ziegeln fülle man mit reinem Wasser.

28.27 Man fülle sie mit dem Wasser aus den Gefäßen unter dem Shiva-Mantra. Eine Rechtsdrehung des Wassers gilt als glückverheißend, eine Linksdrehung als ungünstig.

28.28 Zur Behebung dieses Fehlers bringe man mit dem Ishana-Mantra hundert Feueropfer dar. Dann lege man dort nacheinander die neun Kostbarkeiten nieder.

28.29 Der Reihe nach seien es Diamant, Perle, Vaidurya, Muschel, Bergkristall, Pushyaka, Mondstein, großer blauer Edelstein und Rubin.

28.30 Sind sie nicht verfügbar, lege der Kundige Gold nieder. Man sammle Erde von einer Stelle, die ein Elefantenstoßzahn berührt hat, von einem Feld, einem Ameisenhügel und einem Krebsbau,

28.31 von einer durch ein Stierhorn berührten Stelle, aus einem See, einem Fluss, einem heiligen Badeplatz, vom Berg und vom Meer; damit fülle man die Grube.

28.32 Ist solche Erde nicht zu beschaffen, nehme der Verständige Erde vom Flussufer. Darüber errichte man dann den Tempel nach seinen Bauvorschriften.

Damit ist die Vorschrift für die ersten Ziegel erklärt. Höre nun die Vorschrift zur Niederlegung der Gründungsbeigaben.

So endet das achtundzwanzigste Kapitel.


Kapitel 29 – Die Niederlegung der Gründungsbeigaben

29.1 Nun erkläre ich die Abfolge der Niederlegung des Garbha, der Gründungsbeigaben. Ein Tempel mit solchem inneren Keim bringt den Menschen alle Wohlfahrt.

29.2 Ein Tempel ohne diesen Keim gilt hingegen als unheilbringend. Deshalb soll man zu Beginn die Wohlstand verleihende Garbha-Niederlegung vollziehen.

29.3 Zuerst fertige man das Gefäß aus einem der vorgesehenen Stoffe: Gold, Silber, Kupfer oder Bronze.

29.4 Auch Muschel oder Perlmuschelschale werden als Garbha-Gefäß genannt. Ein Metallkästchen soll nach den vorgeschriebenen Maßen gefertigt werden.

29.5 Muschel und Perlmuschel nehme man in ihrer natürlichen Größe. Der Deckel soll aus demselben Material bestehen, glatt, fest und eben sein; die Materialangabe ist geringfügig verderbt.

29.6 Die Breite des Gefäßes entspreche dem Durchmesser des Pfeilers; es besitze fünfundzwanzig Fächer und dieselbe Höhe wie Breite. Auch eine Ausführung mit neun Fächern ist möglich.

29.7 Die Wandstärke betrage ein Sechzehntel des Maßes, die Stärke der inneren Trennwände die Hälfte davon. Die beste Form ist ebenso hoch wie breit.

29.8 Die Höhe kann auch drei Viertel oder die Hälfte der Breite betragen. Die inneren Trennwände seien ebenso hoch wie das Gefäß, drei Viertel oder die Hälfte davon.

29.9 Man fertige einen etwas größeren, passenden Deckel. Beschädigte oder ausgetrocknete Stücke sind zu verwerfen. So ist das Gefäß beschrieben.

29.10 Man reinige das Garbha-Gefäß mit den Gaben der Kuh und mit Erde. In einer geschmückten Halle östlich des Gebäudes

29.11 bestreiche man den Boden mit Kuhdung, lasse den Tagessegen sprechen und zeichne mit weißem Mineral eine Schlange mit ausgebreiteter Haube.

29.12 Dort bereite man eine geschmückte Opferfläche aus ungeschältem Reis; mit der Hälfte der Menge bilde man ringsum die sieben Inselkontinente und die Meere.

29.13 Man breite Kusha-Gras und Tücher aus und füge Blumen und geröstete Reiskörner hinzu. Dort vergegenwärtige man die Welt und stelle das Garbha-Gefäß auf.

29.14 Das mittlere Feld gehört Brahma; ringsum stehen acht Gottheiten: Marichi, Savitri, Vivasvat,

29.15 Rudra, Mitra, Indra, Bhubhartar und Apas. Im Osten beginnend ordne man diese Schutzgottheiten den neun Fächern zu.

29.16 Ishana, Jayanta, Aditya, Bhrisha, Agni, Vitatha, Yama, Bhringa, Nirriti und Sukarnaka,

29.17 Varuna, Shosha, Vayu, Mukhya, Soma und Aditi gelten als Schutzgottheiten der sechzehn äußeren Fächer.

29.18 Rubin, Diamant, Perle, Vaidurya, Muschel, Bergkristall, gelben Edelstein, Sonnenstein und Mondstein

29.19 lege man unter Aussprache des Pranava in die Fächer von Brahma und den übrigen. Reis, Wildreis, Weizen, dunkle Hirse, schwarze Bohnen und Pferdebohnen,

29.20 Sesam, Nishpava-Bohnen und weißen Senf verteile man im äußeren Kreis nach den acht Richtungen. Haritala, Augensalbe, Shyama, Visaka und Manahshila,

29.21 Kurushka, Gandhapaksha, Rochana und roter Ocker werden außerdem genannt; einzelne Stoffnamen sind unsicher. Man lege sie der Reihe nach in die Fächer von Jayanta und den übrigen.

29.22 Erde vom Berg, von einer heiligen Badestelle, vom Flussufer und aus einem See, von einem Krebsbau, einem Ameisenhügel, einer Muschel und einer vom Elefantenstoßzahn berührten Stelle

29.23 vermische man mit Wasser und verteile sie nach den acht Richtungen. Gold, Silber, Kupfer, Eisen und Zinn

29.24 lege man als die fünf Metalle in die Mitte und in die vier Richtungen. Von Utpala, Padma, blauem und rotem Lotus

29.25 und Kumuda lege man die Wurzeln der Reihe nach nieder. Khatvanga-Stab, Gazelle, Dreizack, Axt und Stier,

29.26 Schädelschale, Schildkröte und Schlange lege man als goldene Nachbildungen hinzu. Unter dem Pranava verteile man sie von Brahma bis Ishana.

29.27 Man verehre alles mit Duftstoffen, Blumen und den übrigen Gaben, verschließe es nach der Vorschrift und bedecke es sorgfältig mit Tuch und Darbha-Gras.

29.28 Der Lehrer lege es auf die vorbereitete Unterlage über dem Altar. Südlich davon vollziehe der Kundige das Feueropfer.

29.29 Er opfere mit den achtunddreißig Kalas, den sechs Angas und den zehnsilbigen Formeln, sodann mit den Namen der Gottheiten des inneren und äußeren Vastu.

29.30 Nach dem vorgeschriebenen Sampata-Opfer vollziehe er die vollständige Opfergabe. Den genau bestimmten Garbha-Platz besprenge er mit den Gaben der Kuh unter dem Herzmantra.

29.31 Im Heiligtum und in der Halle liegt dieser Platz rechts vom Ausgang, bei allen Gopuras rechts vom Eingang.

29.32 Er befinde sich am Fundament des Tempels, am Sockel oder an der Umfassung. Für Angehörige der Shudra-Klasse wird die Lage im Boden, für Könige und Vaishyas am Sockel angegeben.

29.33 Für Brahmanen nennt der Text eine Stelle im südwestlichen Bereich, deren nähere Bezeichnung unklar ist. Für alle gilt die Umfassung als geeignet; auch eine Niederlegung im Boden ist möglich.

29.34 Bei einem Osteingang liege die Stelle zwischen Osten und Südosten. Ist ein Westeingang gewünscht, lege man das Gefäß an der südlichen Wand nieder.

29.35 Auch an der Verbindung von Türflügel und Riegel kann das Garbha-Gefäß niedergelegt werden; in einer Halle wähle der Kundige den Fuß eines Pfeilers der ersten Umfassung.

29.36 Bei Gopuras lege man es an der Südseite nieder. Der Kundige reinige den Garbha-Platz mit den Gaben der Kuh und Erde unter dem Herzmantra.

29.37 Er nehme das Kästchen mit dem Sadyojata-Mantra auf, spreche darüber das Vama-Mantra, schütze es mit Aghora und bringe mit dem Mukha-Mantra das Ehrenwasser dar.

29.38 In dieser Nacht, unter einem ungeteilten Mondhaus und beim Aufgang eines günstigen festen Tierkreiszeichens, setze der Kundige es mit dem Shiva-Mantra unbeweglich und fest ein.

29.39 Der Baumeister vollende mit freudigem Geist die Befestigungsarbeiten. Zuerst ehre man den weihenden Priester und danach den Baumeister.

29.40 Die Gabe an den Sthapaka ist eine mit Gold geschmückte Kuh. Höre nun, mein Kind, nach der rechten Ordnung die Bestimmung der Fingermaße.

So endet das neunundzwanzigste Kapitel über die Niederlegung der Gründungsbeigaben.


Kapitel 30 – Die Fingermaße und die Proportionen der Bildgestalten

30.1 Nun erläutere ich die Fingermaße. Das erste heißt Mana-Angula, das zweite Matra-Angula.

30.2 Als drittes gilt das am Körper gewonnene Fingermaß. Das, unterhalb dessen es kein kleineres Teilchen gibt, heißt Paramanu.

30.3 Vom Paramanu über das nächstgrößere, unklar bezeichnete Teilchen, Haarspitze, Nisse, Laus und Gerstenkorn folgen die Größen jeweils im Verhältnis eins zu acht.

30.4 So wird das normierte Fingermaß, Mana-Angula, bestimmt. Höre nun vom Matra-Angula: An der rechten Hand des Acharya nehme man am Mittelfinger

30.5 das mittlere Fingerglied als Matra-Angula. Höre auch vom Körpermaß: Man teile die Höhe der Bildgestalt nach der für sie festgelegten Anzahl von Einheiten.

30.6 Ein solcher Teil gilt als das am Körper gewonnene Fingermaß. Tempel, Hallen, Umfassungsmauern und Tortürme,

30.7 ferner Dörfer, Wege und Felder bemisst man nach dem Mana-Angula. Für die Feueropferfläche, Brennhölzer und dergleichen dient das Fingermaß der rechten Hand des Acharya.

30.8 Für Grasbüschel, Reinigungsringe, kleine und große Opferlöffel und andere beim Opfer verwendete Gegenstände verfahre man nach dem Matra-Angula.

30.9 Man kann bei Opferhandlungen auch das normierte Fingermaß verwenden. Die Bildgestalt hingegen fertige der Kundige nach dem aus ihren Körperproportionen gewonnenen Maß an.

30.10 Für ein Fingermaß stehen die Bezeichnungen Bindu, Moksha und Matra; die Worttrennung ist unsicher. Kala, Kolaka, Padmakshi und Ashvini bezeichnen zwei Fingerbreit.

30.11 Rudraksha, Agni, Guna, Shula und Vidya bezeichnen drei Fingerbreit; Yuga, Bhaga, Veda und Turiya vier.

30.12 Rudranana, Indriya, Bhuta und Bana bezeichnen fünf Fingerbreit; Karma, Anga, Ayana und Rasa sechs.

30.13 Patala, Muni, Dhatu und Abdhi stehen für sieben Fingerbreit; Vasu, Lokesha und Murti für acht.

30.14 Dvara, Sutra, Graha und Shakti stehen für neun Fingerbreit; Disha, Nadi, Ayudha und Pradurbhava für zehn.

30.15 Für zwanzig wird eine verderbt überlieferte Bezeichnung genannt; Gati bezeichnet dreißig, Trijagat vierzig und Shakvari fünfzig.

30.16 Atishakvari bezeichnet sechzig, Yashti siebzig, Atyashti achtzig und Dhriti neunzig.

30.17 Atidhriti bezeichnet hundert Fingerbreit. So sind die Benennungen erklärt. Die Zahlenstufen lauten: eins, zehn, hundert, tausend, Ayuta,

30.18 Niyuta, Prayuta, Koti, Arbuda, Vrinda, Kharva, Nikharva, Shankha, Padma,

30.19 Samudra, Madhya, Antara, Para, Apara und Parardha; jede Stufe ist das Zehnfache der vorhergehenden.

30.20 So sind die zwanzig Zahlenstufen genannt. Kala, Yama, Tribhaga, sechs Kalas, Vitasti,

30.21 sechs Kolakas und Mukha sind Bezeichnungen für zwölf Fingerbreit. Die Spanne zwischen Daumen und Zeigefinger heißt Pradesha.

30.22 Die Spanne zwischen Mittelfinger und Daumen gilt als Tala-Maß; die zwischen Daumen und Ringfinger heißt Vitasti.

30.23 Die Spanne zwischen kleinem Finger und Daumen trägt den Namen Gokarna. Pradesha, Vitasti und Gokarna, diese drei,

30.24 sind bei Opferhandlungen anzuwenden; Tempel und andere Bauten soll man damit nicht vermessen. Die Elle mit geschlossener Faust heißt Ratni, die mit ausgestreckten Fingern Aratni.

30.25 Weitere Maße sind Kishku, Prajapatya, Dhanurmushti und Dhanurgraha. Vierundzwanzig Fingerbreit heißen bei den Kundigen Kishku.

30.26 Fünfundzwanzig Fingerbreit heißen Prajapatya, sechsundzwanzig Dhanurmushti und siebenundzwanzig Dhanurgraha.

30.27 Diese vier Maße, beginnend mit Kishku, beruhen auf dem normierten Fingermaß. Mit solchen Ellenmaßen errichte man Tempel und andere Bauten.

30.28 Lager und Sitze fertige man nach dem Kishku-Maß. Linga und Sockel, Tempel und Torturm,

30.29 Umfassungsmauer und Halle bemesse man hingegen mit der Prajapatya-Elle. Vier Dhanurgrahas bilden das Danda-Maß.

30.30 Tausend Dandas ergeben einen Krosha. Das Doppelte davon heißt Gavyuti, dessen Doppeltes Ghataka.

30.31 Vier Ghatakas werden Yojana genannt. Die Höhe einer Bildgestalt teile man nach dem Tala-Maßstab ein.

30.32 Beim Zehn-Tala-System beträgt die oberste Ausführung hundertvierundzwanzig Einheiten, die mittlere hundertzwanzig und die kleinste hundertsechzehn.

30.33 Hundertzwölf Einheiten ergeben die oberste Form des Neun-Tala-Systems, hundertacht die mittlere und hundertvier die kleinste.

30.34 Hundert, sechsundneunzig und zweiundneunzig Einheiten bilden entsprechend die drei Ausführungen des Acht-Tala-Systems.

30.35 In derselben Weise vermindere man die Einheiten bis zum Ein-Tala-System. Für das Gesicht der größten Ausführung nennt der Text eine verderbte Zahlenform, dann dreizehn für die mittlere.

30.36 Für die kleinste nennt er eine weitere unklare Halbzahl; diese Angaben beziehen sich auf das Zehn-Tala-System. Bei der größten Form des Neun-Tala-Systems misst das Gesicht zwölf Fingerbreit.

30.37 Jeweils um ein halbes Fingermaß vermindert ergeben sich mittlere und kleinste Form. Die drei Formen des Zehn-Tala-Systems gelten für die drei großen Gottheiten.

30.38 Die drei Formen des Neun-Tala-Systems gelten für Götter und weibliche Gestalten; acht Tala für Menschen, sieben für Rakshasas.

30.39 Sechs Tala gelten für Gandharvas, fünf für Ganadhipa und ebenso für Vamana; vier Tala für Bhutas.

30.40 Drei Tala gelten für Kinnaras, zwei für Fische und eines für winzige Lebewesen. Für Pishachas nennt der Text zwanzig, ohne die Einheit an dieser Stelle nochmals anzugeben.

Die Fingermaße sind damit erläutert. Höre nun die Merkmale des Tempels.

So endet das dreißigste Kapitel.


Kapitel 31 – Tempel, Hallen und Umfassungen

31.1 Nun erläutere ich die Merkmale der Tempel. Sieben, acht und neun Ellen bilden die drei kleinsten Breiten.

31.2 Zehn, zwölf und sechzehn Ellen bilden die mittlere Gruppe; zwanzig, dreißig und fünfzig Ellen gelten als die drei größten Maße.

31.3 So sind neun Tempelbreiten angegeben. Der Kundige teile den Grundriss in fünfundzwanzig Felder.

31.4 Neun Felder bilden das innere Heiligtum, sechzehn den Bereich der Mauern. Oder man teile in sechzehn Felder, von denen vier die Breite des Heiligtums bilden.

31.5 Zwölf Felder bilden dann ringsum den gleichmäßigen Mauerbereich. Bei einer Einteilung in einundachtzig Felder sind neun für das Heiligtum bestimmt.

31.6 Sechzehn Felder bilden die innere Mauer. Außen folgt ein als Salila bezeichneter Streifen und außerhalb davon eine weitere Mauerzone.

31.7 Die äußere Mauer habe vier Eingänge oder einen einzigen. Die übrige Anlage soll entsprechend gleichmäßig sein; der Kundige führe sie bis zur Dachbekrönung aus.

31.8 Die angegebenen Mauerbreiten gelten für äußere und innere Mauern. Für beide werden drei Maßvarianten zugelassen.

31.9 Höre nun die Breite eines Tempels, dessen Maße vom Linga ausgehen. Der Sockel sei dreimal so breit wie der Durchmesser des Linga.

31.10 Die dreifache Breite des Sockels ergibt das innere Heiligtum. Die Mauerstärke wird auf ein Drittel der Breite dieses Raumes festgelegt.

31.11 Wenn der Bauherr eine bestimmte Breite wünscht, soll diese berücksichtigt werden. Der Sockel sei doppelt oder dreimal so breit wie der zur Verehrung bestimmte Teil des Linga.

31.12 Das Heiligtum sei dreimal so breit wie der Sockel, die Mauer ein Drittel davon. Nach Prüfung des Bodens errichte man bei ebenem Gelände einen Untersockel.

31.13 Die Höhe des Untersockels betrage ein Achtel der Breite, ein Viertel weniger oder die Hälfte dieses Maßes. Man teile diese Höhe in zwölf Teile.

31.14 Die untere Leiste erhalte zwei Teile, die obere einen. Der Karna-Abschnitt erhalte sechs Teile und die kleine Leiste einen.

31.15 Darüber folge ein zwei Teile hoher Hals, mit Stützen geschmückt. So ist der mit geeigneten Zierformen versehene Untersockel beschrieben.

31.16 Auf trockenem Boden errichte man den eigentlichen Sockel, Adhishthana. In dieser Schrift werden vier besondere Formen genannt.

31.17 Sie heißen Padmabandha, Charubandha, Padabandha und Pratikrama. Die Sockelhöhe betrage ein Viertel der Breite.

31.18 Ich beschreibe nun Padmabandha; höre zu, Elefantengesichtiger. Seine Höhe teile man in siebenundzwanzig Teile; zwei entfallen auf die Leiste.

31.19 Ein Teil entfällt auf das Blattglied, einer auf den Untertritt und sechs auf die Jagati-Platte; es folgen zwei Teile für das Halbblattglied.

31.20 Die Schulter erhalte einen halben Teil, das obere Blatt einen, das Kumuda-Glied drei und der untere Lotus einen.

31.21 Die Leiste erhalte einen Teil, der Hals zwei. Darüber folge über dem Lotusband ein weiterer Teil.

31.22 Die nächste Leiste erhalte zwei Teile, das Verbindungsglied einen und das anschließende Glied ebenfalls einen. So wird Padmabandha genannt; die überlieferten Teilmaße ergeben keine eindeutige Gesamtsumme.

31.23 Für die nächste Form teile man die Sockelhöhe in vierundzwanzig Teile. Zwei Teile gehören der Leiste und einer dem Untertritt.

31.24 Sechs Teile gehören der Jagati, fünf dem Kumuda, einer der Leiste und drei dem Hals.

31.25 Eine weitere Leiste erhält einen Teil, die obere Leiste drei; für die große Leiste werden ebenfalls drei genannt und für das Vajana-Glied einer. Auch diese Maßfolge ist nicht widerspruchsfrei überliefert.

31.26 Diese Form heißt Padabandha und ist für alle Bauvorhaben geschätzt. Die Form Vritikrama soll im Wesentlichen wie Padabandha ausgeführt werden.

31.27 Dabei werden Leisten an den vorspringenden Flächen und eine Rundung des Kumuda genannt. So ist dieser gegliederte Sockel in Kürze beschrieben.

31.28 Die Höhe der Stützen betrage allgemein das Doppelte der Sockelhöhe. Das Gebälk sei halb so hoch wie die Stützen, der Karna-Abschnitt ebenso hoch wie das Gebälk.

31.29 Für den oberen Dachaufbau gilt die doppelte Gebälkhöhe als geeignet. Die Bekrönung fertige man in einem entsprechenden Teilmaß, mit allen Zierformen versehen.

31.30 Über dem Gebälk bringe man Eckpavillons und in den vier Richtungen Kapota-Gesimse an, dazwischen acht Panjara-Nischen.

31.31 Der Hals erhält einen halben Teil, der Dachaufsatz ebenfalls einen halben. So ist der einstöckige Tempel beschrieben. Höre nun von den zweistöckigen und den übrigen.

31.32 Von Gebälk und Grundstützen aus vermindere man die Maße bei jedem höheren Geschoss um ein Siebtel. So wird das Verhältnis der Geschosse bestimmt.

31.33 In dieser Weise kann man bis zu zwölf Geschosse anlegen. Damit ist die Höhe erläutert. Höre nun die verschiedenen Türen.

31.34 Vom oberen Sockelbereich bis zur Unterkante des oberen Querbalkens wird die Türhöhe gemessen. Als Breite gelten die halbe Höhe sowie um ein oder zwei Zehntel verminderte Maße.

31.35 Diese heißen größte, mittlere und kleinste Breite. Der Kundige lege den Eingang nach Osten oder nach Westen.

31.36 Bei Sockeln wie Padmabandha liegt der Durchgang oberhalb des betreffenden umlaufenden Glieds. Bei Padabandha wird ein Einschnitt darunter in den Sockel beschrieben.

31.37 Ein Einschnitt in das Bauglied ist auszuführen; die anschließende Einschränkung ist verderbt. Damit sind die Türformen genannt. Höre nun die Bauklassen.

31.38 Man unterscheidet Nagara, Dravida und Vesara. Was vom Hals an rund ist, heißt Vesara.

31.39 Ein vom Hals an achteckiger Tempel heißt Dravida; ein durchgehend viereckiger Tempel heißt Nagara.

31.40 So sind die Klassen genannt. Höre ihre einzelnen Formen: Kailasa, Mandhara, Meru, Himavat und Nishadha,

31.41 Nilaparvata, Mahendra, Nalinaka, Pralinaka, Nandyavarta, Shrivarta und die bergförmige Anlage.

31.42 Diese und ähnliche gelten als die Varianten. Vier langgestreckte Dachhäuser und vier Eckpavillons kennzeichnen Kailasa.

31.43 Vier Dachhäuser und acht Eckpavillons heißen Mandhara. Acht Dachhäuser und acht Eckpavillons heißen Meru.

31.44 Ein Tempel mit sechzehn Panjara-Nischen, acht Dachhäusern und acht Eckpavillons ist als Himavat bekannt.

31.45 Nishadha wird zunächst als ohne Eckpavillons und Dachhäuser bezeichnet, anschließend jedoch mit acht Dachhäusern und acht Panjaras beschrieben. Die Überlieferung ist hier widersprüchlich.

31.46 Eine Anlage mit vier Dachhäusern, Plattform und Treppen heißt Nalinaka. Höre nun von Pralinaka.

31.47 Sein oberer Abschluss ist viereckig; seitlich besitzt er Nischen, Panjaras mit Giebelöffnungen und Treppen an beiden Seiten.

31.48 Dies heißt Pralinaka. Höre von Nandyavarta: vier Eckpavillons, vier Dachhäuser und vier seitliche Giebelöffnungen,

31.49 dazu ein vorderer Hauptgiebel und zwölf kleinere Giebelöffnungen sowie vier Treppen auf jedem Geschoss

31.50 kennzeichnen Nandyavarta, mein Kind. Höre nun von Shriprada: Es besitzt vier Nischen an den vier Ecken,

31.51 vier Hauptgiebelöffnungen und achtzehn kleinere. Eine so ausgestattete Anlage heißt Shriprada.

31.52 Eine mit Eckpavillons, Dachhäusern, Panjaras, Giebelöffnungen, Brüstungen und Gitterwerk versehene Anlage heißt bergförmig.

31.53 Auf jedem Geschoss vermindere man das Maß um einen Teil. Damit sind Klassen und Varianten erläutert; nun werden die Stützen beschrieben.

31.54 Sie können viereckig, achteckig, sechzehneckig oder rund sein. Einige besitzen ein Krugglied, andere keines.

31.55 Einige Stützen sind mit Kumbha- und Mandi-Gliedern ausgestattet. Nachdem die Arten genannt sind, folgen ihre Merkmale.

31.56 Die Stützenbreite beträgt ein Vierundzwanzigstel der Gebäudebreite. Dieses Maß heißt bei der Gestaltung der Stützenzier Danda.

31.57 Nach oben wird die Breite gegenüber dem Fuß um ein Siebtel vermindert. Das Mandi-Glied sei zwei Dandas hoch und anderthalb Dandas breit; die zweite Zahl ist unsicher überliefert.

31.58 Der Hals erhalte ein Achtel als Höhe, das Krugglied zwei Dandas als Breite. Für die Höhe werden drei Viertel und für die Deckplatte ein um ein Viertel vermindertes Maß genannt.

31.59 Die Breite der Deckplatte betrage drei Dandas, ihr Vorsprung die Hälfte davon. Der Virakantha sei ein Danda hoch und ebenso breit.

31.60 Darüber folge das Trageglied Potika; seine Höhe betrage drei Viertel des Bezugsmaßes. Seine geringste Länge ist drei Dandas, die mittlere vier.

31.61 Die größte Länge der Potika beträgt fünf Dandas. Man schmücke sie mit Figuren, Blattwerk und Wellenmustern.

31.62 So ist die Stütze mit Krugglied beschrieben. Nun erläutern wir die Form ohne Krugglied: Die Stütze wird mit der Potika verbunden, die übrigen Zwischenglieder werden nicht ausgeführt.

31.63 Dies sind die Stützen ohne Krugglied. Nun folgt die Rankenkumbha-Form: Am Fuß befindet sich ein krugförmiges Glied, darüber ein Lotus.

31.64 Über der Deckplatte bringe man Ranken an; alles Übrige entspricht der Kumbha-Stütze. Auch zwischen den Stützen kann man solche Zierarbeit ausführen; fehlen die Mittel, lasse man sie weg.

31.65 Bei allen Stützen beträgt der Vorsprung ein Viertel des Stützenmaßes. Die Namen lauten Shrikara, Chandrakanta, Saumukhya, Priyadarshana

31.66 und Shubhamkari. Shrikara bezeichnet die runde Stütze, Chandrakanta die sechzehneckige.

31.67 Saumukhya bezeichnet die achteckige, Priyadarshana die viereckige; eine Verbindung von vier- und achteckigen Abschnitten heißt Shubhamkari.

31.68 Damit sind die Stützen beschrieben. Nun folgen die Toranas. Solche Zierbögen soll man an Rückseite und Seiten anbringen.

31.69 Die Höhe des Torana entspreche der Türhöhe, seine Breite der Hälfte davon. Man teile die Höhe in sechs Teile.

31.70 Zwei Teile entfallen auf das Makara-Motiv, die übrigen auf die Stützen. Deren Maß betrage die Hälfte des Maßes der Hauptstützen.

31.71 Über dem Makara-Abschnitt bilde man in der Mitte eine gerundete Vertiefung; darüber folgt ein längliches Zierglied, dessen Bezeichnung unklar ist.

31.72 Damit ist das Maß des Torana erklärt. Höre nun vom Gebälk. Seine Höhe teile man in fünf Teile.

31.73 Drei Teile gehören dem oberen Balken; ein Viertelmaß ist für sein Vajana-Glied bestimmt. Darüber fertige man eine ein Teil hohe Lotusleiste.

31.74 An den Enden des Gebälks bringe man Reihen von Elefanten und Wildtieren an. So ist das Gebälk für die einzelnen Geschosse beschrieben.

31.75 Nun werden die Maße von Eckpavillons und Dachhäusern erläutert. Höre zu. Ihre Höhe bis zum Kapota-Gesims teile man in sechs Teile.

31.76 Sie erhalten eine Plattform und einen Halsabschnitt; zwei Teile gehören dem Stützenbereich und zwei dem Dachaufsatz.

31.77 Ein Teil ist für die Bekrönung vorgesehen. So führe der Kundige sie aus. Die Breite teile man in sechs Teile; einer davon gehört dem Eckpavillon.

31.78 Zwei Teile gehören dem Dachhaus, zwei dem Panjara. Der Eckpavillon sei viereckig, das Dachhaus habe die Form eines Gopura.

31.79 An den Seiten bringe man Giebelöffnungen an, dazwischen kleinere. Oben befinden sich zwei, drei oder vier Krugbekrönungen.

31.80 Eine Anlage mit einer einzigen Giebelöffnung heißt Panjara. Eine mit Giebelöffnung versehene Nische im Eckpavillon heißt Koshtha.

31.81 Die Höhe des Halses entspreche der Gebälkhöhe. Man teile sie in zwölf Teile; zwei entfallen auf die Leiste.

31.82 Zwei Teile gehören der Plattform, fünf dem Hals, einer einer weiteren Leiste und zwei der Lotusleiste.

31.83 Darüber liegt der Dachaufsatz; sein Vorsprung beträgt einen halben Teil. Seine Höhe teile man in drei Abschnitte; einer bildet die Länge des Stützenabschnitts.

31.84 Ein Teil gehört der Giebelöffnung; ihre mittlere Vertiefung beträgt die Hälfte davon. Den verbleibenden Abschnitt teile man wiederum in drei: einer gehört dem Schaft,

31.85 einer dem Panjara und einer dem Dreizack. Für die kleinere Giebelöffnung wird ein Viertelmaß oder dessen Hälfte angegeben.

31.86 Damit ist die Giebelöffnung erläutert. Nun folgt die Bekrönung. Ihre Höhe beträgt die Hälfte des Dachaufsatzes und wird in fünfundzwanzig Teile gegliedert.

31.87 Sieben Teile gehören dem Blattglied, einer dem Hals, acht dem Krug und vier dem Schaft.

31.88 Die Plattform erhält zwei Teile, die Knospe ein Kala-Maß. Unterhalb der Knospenspitze liegt ein ein Teil hohes Band der Bekrönung.

31.89 In den Zwischenrichtungen stelle man Stiere auf, in den Hauptrichtungen Göttergestalten. Im Osten bilde man Skanda, im Süden den Herrn Shrikantha,

31.90 der als Guru den Weisen den Sinn der Schriften zu ihrer Befreiung verkündet. Im Westen stelle der Kundige Narasimha auf; als Alternative wird der Norden genannt.

31.91 Im Norden bilde man Brahma mit vier Gesichtern. Die Gestalten sitzen am Halsabschnitt oberhalb der Ebene der Stiere; die genaue Verbindung der Bauglieder ist unklar.

31.92 Die Gottheiten sind für die Dachhäuser bestimmt, nicht für die Eckpavillons. Himmlische und menschenförmige Göttergestalten bringe man nach passender Anordnung an.

31.93 Darzustellen sind insbesondere Shivas Spiele, Haris Spiele und Szenen der Askese, ferner Yakshas, Rakshasas, Gandharvas, Siddhas, Vidyadharas und Schlangenwesen.

31.94 Man verteile sie sinnvoll auf die acht Richtungen, im Osten beginnend. Die Merkmale des Tempels sind erklärt; höre nun die Vorschrift für die Hallen.

31.95 Die Länge der Vorhalle beträgt die Hälfte der Tempelbreite, ihre Breite entspricht dieser ganz. Auch drei Viertel werden für die Vorhallenlänge genannt; anschließend erscheint eine anderthalbfache Hallenbemessung.

31.96 Die erste ist die Götterhalle, die zweite dient der rituellen Übergießung, die nächste dem Stier und die vierte dem Tanz.

31.97 Wo eine Götterbildgestalt aufgestellt ist, heißt die Halle Götterhalle. Wo die Gefäße zur Übergießung aufgestellt werden, heißt sie Snapanamandapa.

31.98 Wo der Stier steht, heißt sie Stierhalle; wo getanzt wird, Tanzhalle.

31.99 Weitere Hallen können beim Torturm, in Zwischenbereichen oder außerhalb vor diesen vier Hallen angeordnet werden; die nähere Aufzählung ist verderbt.

31.100 Ihre Namen will ich nennen; höre gesammelt zu, mein Kind: Nandavritta, Shriyavritta, Virasana und Vrittaka,

31.101 Nandyavarta, Manibhadra und Vishala. Nandavritta besitzt vier Stützen, die hier Shripratishthita genannte Form sechzehn.

31.102 Eine Halle mit zwanzig Pfeilern heißt Virasana, eine mit zweiunddreißig Jayabhadra.

31.103 Eine mit sechsunddreißig Stützen heißt Nandyavarta, eine mit vierundsechzig Manibhadra.

31.104 Eine Halle mit hundert Stützen trägt den Namen Vishala. Bis zum Gebälk gelten Maße nach Art des Tempels.

31.105 Die Hallenstützen übertreffen die Tempelstützen um ein Viertel, um die Hälfte oder erreichen das um ein Viertel verminderte Doppelte.

31.106 Die Breite der Stütze betrage ein Achtel ihrer Höhe. Sie kann rund, viereckig oder aus vier- und achteckigen Abschnitten zusammengesetzt sein,

31.107 auch sechzehneckig und reich mit Bildwerken geschmückt. Das Trageglied rage über die Stütze hinaus, der obere Balken wiederum über dieses.

31.108 Das Vajana-Glied rage über den oberen Balken hinaus; darüber bringe man die Mudrika an, über diese hinausragend den Querbalken und darüber die Jayanti.

31.109 Man decke mit Ziegeln und lege darüber die Deckstücke. Sand und feines Pulver mische man zu gleichen Teilen; Rohzucker und schwarze Bohnen füge man nach der Reihenfolge hinzu.

31.110 Diese Masse stampfe man mit einem Stampfer und verbinde sie mit Kies und den übrigen Stoffen, mit zusammenziehenden und schleimigen Bindemitteln sowie Triphala-Wasser.

31.111 Dazu nehme man einen Teil Haritaki, zwei Teile Vibhitaka und drei Teile Dhatri, zerstoßen und mit dem weiteren, unklar bezeichneten Zusatz vermischt.

31.112 Die Mischung lasse man sechs Monate, drei Monate oder einen Monat stehen. Hinzu kommen Quark, Wasser von schwarzen Bohnen und Kokoswasser.

31.113 Mit Milch und Quark vermischt vollende man die Bauarbeit sorgfältig. Man errichte Eckpavillons, Dachhäuser und Versammlungshallen, die gut nutzbar sind.

31.114 Treppen und elefantenrüsselförmige Geländer bringe man passend an. So ist die Halle in Kürze nach der Vorschrift beschrieben.

31.115 Ringsum errichte man eine Umfassung, deren Maße sich nach dem Tempel richten. Zuerst zeichne man seine festgelegte Breite auf dem Boden an.

31.116 Die Tempelbreite wird hierbei Danda genannt. Danach richtet sich der innere Umfassungsbereich; die genaue erste Abstandsangabe ist verderbt.

31.117 Die innere Umfassung liegt bei einem Danda, die mittlere bei zwei. Bei vier Dandas errichte man die Grenzmauer.

31.118 Die große äußere Grenzmauer liegt bei sieben Dandas. Für die Ausdehnung nach hinten und vorn werden halbe, doppelte und dreifache Maße genannt,

31.119 auch die vierfache Länge nach vorn. Die Umfassungsmauern seien eine Elle dick und reichen bis zum Kapota-Gesims.

31.120 Sie können Eckpavillons und Dachhäuser tragen oder bis zu deren Abschluss reichen. In Verbindung mit der Umfassung wird der Torturm angelegt.

31.121 Für den innersten Bereich wird eine Torzier, für den nächsten eine Torhalle, für den mittleren ein Torheiligtum und an der Grenzmauer ein Torpalast genannt; einzelne Bereichsnamen sind verderbt.

31.122 An der großen äußeren Grenze steht das Gopura. So sind fünf Formen angegeben. Man ordne sie den vier Richtungen der einzelnen Umfassungen zu.

31.123 Einige haben die Gestalt einer Galerie, andere eines Gopura. Die Torzier ist zwei, drei oder fünf Ellen breit.

31.124 Für die Torhalle werden sechs, sieben, acht oder neun Ellen genannt; für das Torheiligtum elf oder dreizehn.

31.125 Vierzehn oder fünfzehn Ellen gelten für den Torpalast, einundzwanzig oder dreiundzwanzig für das Gopura.

31.126 Die Länge betrage das Doppelte der Breite, die Höhe das Doppelte der Länge. Die Türhöhe wird vom Boden bis zur Grenze des oberen Querbalkens gemessen.

31.127 Ihre Breite beträgt die Hälfte davon; die Ausschmückung entspricht der des Tempels. An die Umfassungsmauer angelehnt errichte man eine umlaufende Halle.

31.128 Diese Galerie oder Halle kann außen oder innen liegen. So besteht die Anlage aus fünf Umfassungen. Höre nun von den Heiligtümern der Begleitgottheiten.

31.129 Für sie wird ein Viertel oder die Hälfte des Haupttempelmaßes genannt; eine weitere Halbmaßangabe ist unklar. Das Heiligtum der Mütter errichte man in Gestalt eines Gopura.

31.130 Auch die Form eines Elefantenrückens wird für ein Heiligtum genannt. Die reine Küche kann vier Hallenflügel oder einen einzigen besitzen.

31.131 Man versehe sie mit einer Umfassung, außen oder innen gelegen. Ein im Osten liegendes Heiligtum erhält den Eingang im Westen, ein westliches richtet sich nach Osten.

31.132 Ein südliches erhält den Eingang im Norden, ein nördliches richtet sich nach Süden. Für im Südosten oder Nordosten gelegene Anlagen wird ein Westeingang verlangt.

31.133 Für im Südwesten oder Nordwesten gelegene Anlagen gilt ein Osteingang als gut; die erste Richtungsbezeichnung ist verderbt. Die Stierhalle erhält vier Eingänge.

Damit sind die Merkmale des Tempels erläutert. Höre nun von den Dachziegeln.

So endet das einunddreißigste Kapitel.


Kapitel 32 – Dachabschluss und Weihe des Tempelaufbaus

32.1 Nun erläutere ich die Vorschrift für die abschließenden Dachziegel; höre zu. Nördlich oder vor dem Tempel errichte man einen Schutzbau nach den vorgeschriebenen Merkmalen.

32.2 Dort bereite man eine Opferfläche aus Sesam, geschältem und ungeschältem Reis. In ihrer Mitte lege man nacheinander fünf Ziegel nieder.

32.3 Mit Reismehlpaste schreibe man die Silben darauf: Ya im Osten, Ra im Süden,

32.4 La im Westen, Pa im Norden und Ha in der Mitte. Jeden Ziegel umhülle man einzeln mit einem Tuch.

32.5 Ringsum stelle man acht Gefäße auf, mit dreifacher Schnur umwunden, mit Deckeln, Grasbüscheln und Tüchern versehen und mit duftendem Wasser gefüllt.

32.6 Gold und Edelsteine lege man hinein. Ihre Schutzgottheiten sind die Welthüter. Der Lehrer stelle sie auf und verehre sie mit den jeweiligen Mantras und mit Duftstoffen und weiteren Gaben.

32.7 Den Bekrönungsstab fertige man aus Metall oder Holz. Er sei so lang wie der Dachaufsatz und acht oder sechs Fingerbreit stark; ein Ausdruck vor der Bezeichnung des Stabes ist verderbt.

32.8 Zur Spitze hin verjünge er sich allmählich auf ein Fingermaß. Unten sei er viereckig, in der Mitte achteckig,

32.9 darüber rund und wie ein Pfauenfuß angeordnet. Man reinige ihn mit den Gaben der Kuh und lege ihn auf die Opferfläche.

32.10 Man bedecke ihn mit ungebrauchten Tüchern und sorgfältig ausgebreitetem Darbha-Gras. Nach dem Vastu-Feueropfer trage man dessen Feuer reinigend ringsum.

32.11 Mit dem Astra-Mantra vollziehe man den Schutz. In den Hauptrichtungen lege man nach der Vorschrift viereckige Feuergruben an und im Nordosten eine runde.

32.12 Oder man bereite entsprechende Opferflächen aus Sand. Feuergründung und alle weiteren Handlungen erfolgen nach der früher genannten Vorschrift.

32.13 Die fünf Elemente, beginnend mit Erde, sind die Schutzmächte der fünf Ziegel. Brennhölzer, Ghee, Opferreis, gerösteten Reis und Gerste opfere man nacheinander mit den Mantras von Sadyojata an.

32.14 Im Osten beginnend sind Udumbara, Vata, Ashvattha, Plaksha und Palasha als Brennhölzer bestimmt; dies gilt auch für die Opferflächen.

32.15 Man opfere von jedem Stoff hundert- oder fünfzigmal und bringe dann die vollständige Opfergabe dar. Im Nordosten kann ein einziges Feueropfer stattfinden, bei dem man die Einheit der fünf Elemente vergegenwärtigt.

32.16 Am klaren Morgen, unter einem passenden Mondhaus und Karana, zu günstiger Stunde und bei günstigem Aszendenten, sollen Sthapaka und Sthapati

32.17 weiße Gewänder, weiße Kränze und weiße Salben tragen. Mit ungeteilter Aufmerksamkeit legen sie die Ziegel nacheinander nieder.

32.18 Dabei vergegenwärtigen sie die Brahma-Mantras von Sadyojata an und beginnen im Osten. Die fünf Elemente von Erde an werden entsprechend angeordnet.

32.19 In die Mitte lege man nach der früher beschriebenen Weise die neun Kostbarkeiten und setze dort mit dem Ishana-Mantra die Bekrönung ein.

32.20 Der Baumeister führe die übrigen Arbeiten dauerhaft und fest aus. Der Sthapaka ist für die Mantras zuständig, der Sthapati für die Bauausführung.

32.21 Über dem Dachaufsatz seien drei Fünftel oder die Hälfte der Bekrönung sichtbar; der übrige Teil werde fest verankert.

32.22 Alle Glieder des Tempels fertige man nach der Lehre der Schrift. Bei einem steinernen Heiligtum, ob bemalt oder unbemalt,

32.23 oder einem aus Ziegeln errichteten, mit Kalk und weiteren Stoffen verputzten Heiligtum vollziehe der Kundige die besondere Weihe des Tempelaufbaus.

32.24 Man entferne Bauschutt und Geräte und entlasse die Handwerker. Danach vollziehe man die Augenöffnung, Feueropfer und vedische Rezitationen.

32.25 Zuerst ehre man den Sthapaka, danach den Sthapati mit Gewändern, goldenen Ringen, Kühen, Land, Geld und Getreide.

32.26 Nach der früher erläuterten Vorschrift vollziehe man die Aussaat der Keimlinge an einem von den Brahmanen bestimmten Tag vor dem Weihetag.

32.27 In den vier Richtungen des Tempels errichte man Schutzbauten von je fünf Ellen. In der Mitte des Tempels liege ein Altar von einem Drittel des entsprechenden Maßes.

32.28 Seine Höhe betrage die Hälfte seiner Breite oder ein Faustmaß. An den vier Seiten des Altars, im Osten, Süden, Westen und Norden,

32.29 lege man die vorgeschriebenen oder viereckige Feuergruben an. Im Inneren des Tempels vollziehe man ordnungsgemäß das Vastu-Feueropfer.

32.30 Man führe die Reinigung durch Umtragen des Feuers mit dem Mantra aus, der mit „Mahavyoma“ beginnt, lasse den Tagessegen sprechen und besprenge alles gleichmäßig mit Wasser.

32.31 Man nehme neun neue, feste und fehlerfreie Gefäße, jedes für ein Drona Wasser, umwinde sie mit Schnüren und fülle sie mit Wasser und allen Duftstoffen.

32.32 Man lege Gold und Blumen hinein, umhülle jedes mit einem Tuch, füge Mangoschösslinge hinzu und stelle sie auf die Opferfläche.

32.33 Auf den Altären bereite man jeweils mit acht Dronas oder der Hälfte davon die Unterlage und zeichne darauf einen achtblättrigen Lotus mit Fruchtboden.

32.34 Die Menge des geschälten Reises betrage die Hälfte des ungeschälten, die des Sesams wiederum die Hälfte davon. Auf jedem Altar stelle man die Gefäße von der Mitte bis zum Nordosten auf.

32.35 Hinzu kommt jeweils ein Vardhani-Gefäß; alles wird mit den eigenen Mantras geweiht. Im mittleren Gefäß des östlichen Altars vergegenwärtige man Shanmukha.

32.36 Links von ihm im Vardhani-Gefäß vergegenwärtige man Sumati; in den acht Gefäßen ringsum die Welthüter mit den Elefanten ihrer Richtungen.

32.37 Im mittleren Gefäß des südlichen Altars vergegenwärtige man den Herrn Shrikantha, links im Vardhani-Gefäß Gauri mit ihrem Mantra.

32.38 Ringsum ordne man die Vidyeshvaras von Ananta bis Shikhandin an. Im westlichen mittleren Gefäß vergegenwärtige man Vishnu,

32.39 links im Vardhani-Gefäß Shri. Purusha, Satya, Avyakta, Aniruddha, Pradyumna, Vasudeva,

32.40 Sankarshana und Ananta ordne man in den acht Gefäßen ringsum an. Im nördlichen mittleren Gefäß vergegenwärtige man Brahma mit seinem Mantra,

32.41 links von ihm im Vardhani-Gefäß Savitri. In den acht Gefäßen ringsum ordne man Vyasa, Agastya, Vasishtha, Kaushika, Kashyapa,

32.42 Gautama, Bharadvaja und Parashara an. So, wie die Gottheiten im Tempel ihren Platz haben, stelle man sie sich auch in den Gefäßen vor.

32.43 Man verehre sie mit den genannten Mantras; wo keine Formel angegeben ist, verwende man ihren jeweiligen Namen. Jedem bringe man Opferspeise mit Beigaben dar.

32.44 Dann vollziehe man die Feueropfer in den vier Richtungen. Zuvor führe der Kundige die Vorbereitung des Feuers nach der früher erläuterten Vorschrift aus.

32.45 Die Gottheiten der mittleren Gefäße sind die Schutzgottheiten der Feueropfer. Pippala, Udumbara, Plaksha und Vata sind im Osten beginnend die Brennhölzer.

32.46 Die elf Opferstoffe sind Brennholz, Ghee, Opferreis, gerösteter Reis, Sesam, weißer Senf, Mungbohnen, Gerste, schwarze Bohnen, Pferdebohnen und Wildreis.

32.47 Mit den fünf Brahma-Mantras und den Vidya-Angas opfere man von jedem Stoff dreihundert-, zweihundert- oder hundertachtmal.

32.48 Der Lehrer bade die steinernen Gottheiten auf den oberen Geschossen des Tempels; bemalte Bildgestalten besprenge er mit ihren jeweiligen Mantras.

32.49 Mit dem Herzmantra binde er einen goldenen Weihelfaden an ihre rechte Hand. Unter den Schutzmantras bedecke er die Bildgestalten mit Darbha-Gras und schönen Tüchern.

32.50 In den vier Richtungen rezitiere man die Veden, beginnend mit dem Rigveda. So ist die Nacht gestaltet. Am Morgen soll der vorzügliche Lehrer

32.51 gründlich baden, die Sakalikarana-Handlung vollziehen, Turban, Obergewand und weiße Kleidung anlegen, einen Kranz tragen und weiße Duftsalbe auftragen.

32.52 Er schmücke sich mit den fünf Schmuckarten, mit goldenem Opferfaden und Ringen, verehre die Gefäße nach der Vorschrift und bringe mit dem Herzmantra die vollständige Opfergabe dar.

32.53 Zur günstigen Stunde und bei günstigem Aszendenten hebe man die mittleren Gefäße samt den Vardhanis auf und bringe sie an den oberen Aufstellungsort; dessen Bezeichnung ist verderbt.

32.54 Man entferne Schutzfaden und Tuch mit dem Herzmantra und lege die jeweiligen Mantras und Silbengruppen vom Scheitel bis zu den Füßen auf.

32.55 Aus jedem Gefäß verbinde man das entsprechende göttliche Prinzip mit seiner Bildgestalt. Links davon ordne man die Gottheiten aus den Vardhani-Gefäßen an.

32.56 Mit den jeweiligen Mantras vollziehe man ihre Verbindung und die passende Übergießung. Die Gottheiten der acht umgebenden Gefäße ordne man ihren Richtungen zu.

32.57 Mit dem Gefäßwasser besprenge man auch die übrigen Gottheiten im Tempel und alle Tempelglieder von der Bekrönung bis zum untersten Sockel.

32.58 Der Kundige ehre wie zuvor den Sthapaka, die für die Göttergestalten zuständigen Priester, die Rezitierenden, die Dienenden und alle Shiva-Verehrer.

32.59 Dann lasse man die Gottheit im Inneren des Heiligtums rituell baden, bringe reichliche Opferspeise dar und bewirte die Brahmanen.

32.60 Die Verehrung in einem Tempel, dessen Aufbau geweiht wurde, trägt Frucht. Wird diese Weihe unterlassen, gilt die dortige Verehrung als fruchtlos.

32.61 So habe ich die Weihe des Tempelaufbaus für Shiva beschrieben. Für alle anderen Gottheiten verfahre man nach derselben Ordnung.

32.62 Die Mantras unterscheiden sich dabei; ein Unterschied des Handlungsablaufs ist nicht anzusetzen. Für die Gottheiten am Halsabschnitt des Tempels verwende man ihre eigenen Mantras.

32.63 Der vorzügliche Lehrer vollziehe alles nach der angegebenen Vorschrift. Damit ist die Vorschrift für die abschließenden Dachziegel samt der Weihe des Tempelaufbaus erläutert.

Nun werde ich weiter sprechen. Höre die Merkmale des Linga.

So endet das zweiunddreißigste Kapitel.


Kapitel 33 – Das Linga: Gestalt, Bedeutung und Herstellung

33.1 Nun erläutere ich die vorzüglichen Merkmale des Linga. Weil bei der Auflösung alle Wesen darin zur Ruhe eingehen

33.2 und zur Zeit der Schöpfung aus ihm die Schöpfung hervorgeht, wird es Linga genannt. Das Linga wird in drei Formen beschrieben: mit Gestalt, ohne Gestalt und als Verbindung beider; die dritte Bezeichnung ist verkürzt überliefert.

33.3 Die gestaltbezogene Erscheinung wird weiter gegliedert. Ihre Merkmale werden nun erklärt. Jenseits von Richtung, Ort und Zeit, jenseits dessen, was Sprache und Denken erreichen,

33.4 ist jener Herr der Götter. Aus eigenem Willen nimmt er einen Leib an, wobei er in seinem höchsten Wesen und in Eigenschaften wie Allwissenheit gegründet bleibt.

33.5 Damit die Yogis ihn erkennen, damit die Schriften offenbar werden und zum Wohl der Lebewesen nimmt Shiva eine sichtbare Gestalt an.

33.6 Aus dem, was höher ist als das Höchste, geht Shivas Shakti hervor. Als zweite wird die Shakti-Gestalt genannt, sodann Bindu und als vierte Nada.

33.7 Ohne Bindung an Richtung, Ort und Zeit sind das Bezeichnete und das Bezeichnende. Sie bedürfen keiner äußeren Aufstellung und sind durch Shakti im Geist zugänglich; beide sind gestaltlos.

33.8 Dies ist das gestaltlose Linga. Höre nun von der Verbindung des Gestaltvollen und Gestaltlosen. Nishkala ist ohne Gliederung, Sakala mit Gliederung versehen.

33.9 Weil das Gestaltvolle mit dem Gestaltlosen verbunden ist, heißt es Sakala-Nishkala. Das Linga wird von Weisen, Göttern und Menschen mit Ehrfurcht verehrt.

33.10 Das Linga nennt man gestaltlos, eine zu vergegenwärtigende Bildgestalt dagegen gestaltvoll. Die andere, zweifache Erscheinungsweise geht aus Bindu und Nada hervor.

33.11 Das Mukhalinga, das Linga mit Gesichtern, ist deshalb aufgrund seiner Doppelform gestaltvoll und gestaltlos zugleich. In diesem Linga verehre man Sadashiva.

33.12 Als seine Hälfte wird Ishvara bezeichnet, dessen Form gestaltvoll heißt. Aus einem tausendsten Anteil in seiner Mitte geht Rudra hervor.

33.13 Links entsteht Vishnu aus einem Anteil von zehn Millionen, rechts Brahma aus einem solchen Anteil.

33.14 Diese und die übrigen Formen sind gestaltvoll. Ishvara gilt als Herr über Schöpfung, Erhaltung und Auflösung.

33.15 Durch Brahma wird alles hervorgebracht, durch Vishnu alles erhalten; die Auflösung aller Welten gehört dem höchsten Shiva.

33.16 Wie eine Erscheinung aus Shambhu hervorgeht, so geht ihr Gegenstück aus Shakti hervor. Ist er gestaltlos, ist auch sie gestaltlos; besitzt er Gestalt, besitzt auch sie Gestalt.

33.17 Wie dem Feuer seine Hitze ist Shakti dem allgegenwärtigen Herrn untrennbar verbunden. Brahma, Vishnu, Rudra, Ishvara und Sadashiva

33.18 sind Savitri, Shri, Uma Devi, Ishvari und Manonmani zugeordnet. Im Linga ist Sadashiva gegenwärtig, im Sockel Manonmani.

33.19 So werden den fünf Gestalten fünf weitere Gestalten zugeordnet. Weil die Welt aus ihnen hervorgeht, ist sie von Shakti und Shambhu erfüllt.

33.20 Höre nun die Merkmale des Linga in seinen beiden Erscheinungsweisen. Die verschiedenen Formen von Linga und Yoni, beginnend mit der aus Sand, will ich dir erklären.

33.21 Vorübergehend geformte Lingas sowie solche aus Ton, Metall, Edelstein, Holz und Stein bilden die sechs Klassen, Herr der Hindernisse.

33.22 Die vorübergehenden Formen sind zwölf, die tönernen zweifach, die hölzernen achtfach und die metallenen ebenfalls achtfach.

33.23 Die Edelsteinformen sind siebenfach, die Steinformen vierfach. Die vorübergehenden Lingas werden nach der Verehrung aufgegeben, die anderen erst bei ihrer Auflösung beziehungsweise ihrem Verfall.

33.24 Edelstein- und Metall-Lingas sowie Bana-Lingas gelten als beweglich. Stein-Lingas können beweglich oder fest sein, ebenso tönerne und hölzerne.

33.25 Ich nenne die Früchte der vorübergehenden Formen: Ein Sand-Linga ist für diejenigen bestimmt, die Befreiung erstreben; eines aus Reiskörnern für Wohlstand, eines aus gekochtem Reis verleiht Nahrung.

33.26 Eines aus Flusserde soll Landbesitz bringen, eines aus Kuhdung Krankheiten beseitigen, eines aus frischer Butter den Geist erfreuen und eines aus Rudraksha die Erkenntnis mehren.

33.27 Eines aus Duftpaste ist für Glück bestimmt, eines aus einem Grasbüschel für Befreiung; eines aus Blumen soll das Leben verlängern, eines aus Rohzucker den gewünschten Erfolg bringen.

33.28 Eines aus Mehlteig soll Gedeihen verleihen. So sind die Früchte dieser vorübergehenden Lingas. Für sie sind weder feste Maße noch eine dauerhafte Aufstellung vorgeschrieben.

33.29 Das tönerne Linga soll Herrschaft verleihen; man unterscheidet gebrannte und ungebrannte Formen. Man nehme Erde von einem reinen Ort und forme den Verehrungsteil mit seiner Yoni.

33.30 Wird diese Form gebrannt, heißt sie gebrannt. Nun wird die ungebrannte erläutert: Mit Gersten- und Weizenmehl, Ghee, Milch und zusammenziehenden Pflanzenauszügen,

33.31 mit Harzen von Sarja, Guggulu, Shriveshtaka und Kapittha sowie pulverisierten Stoffen mische man gute Erde und lasse sie einen Monat oder einen halben Monat ruhen.

33.32 Mit Edelsteinen und Samen versehen fertige man das ausgereifte Linga; das Wort „pakva“ steht hier trotz der zuvor angekündigten ungebrannten Form. Gold, Silber, Kupfer, Bronze, Messing,

33.33 Eisen, Blei und Zinn sind die Metallarten. Ein goldenes Linga soll Glück und Fülle verleihen, ein silbernes Herrschaft ermöglichen.

33.34 Ein kupfernes soll Söhne verleihen, ein bronzenes dient nach der überlieferten Zuordnung der Entzweiung, ein messingenes der Vertreibung und ein eisernes der Vernichtung.

33.35 Ein bleiernes soll Krankheiten nehmen, ein zinnernes das Leben verlängern. So sind die Metallformen beschrieben; nun folgen die Edelsteinformen.

33.36 Perle, Koralle, Vaidurya, Bergkristall, gelber Edelstein, Smaragd und blauer Edelstein werden genannt.

33.37 Bergkristall dient weltlichem Wohlergehen und Befreiung; Edelsteine dienen der Erfüllung des Erstrebten. Bei Metall- und Edelstein-Lingas fertige man den Verehrungsteil mit dem Sockel.

33.38 Bergkristall und die übrigen Steine bearbeite man nach ihrer verfügbaren Größe. Der Sockel soll dabei nach einer Dreiteilung bemessen werden.

33.39 Ein Sockel, dessen Breite der genannten Länge entspricht, gilt als günstig. Von einem bis zu vierundzwanzig Fingerbreit

33.40 reichen die Metall-Lingas; weitere Merkmalsbestimmungen werden hier nicht ausgeführt. Für Holz und Stein begebe sich der standhafte Guru in den Wald.

33.41 An einem günstigen Tag, unter passendem Mondtag und Wochentag und besonders zur günstigen Stunde rufe man Acharya und Handwerker herbei und ehre sie mit Gewändern und goldenen Ringen,

33.42 mit weißen Kränzen, Salben und weiteren Gaben voller Hingabe. Der Kundige lasse Äxte und die übrigen Geräte aufnehmen; ein Ausdruck ist verderbt.

33.43 Der Acharya ziehe mit den Handwerkern und kräftigen Helfern aus, begleitet von Segens- und Siegesrufen, Muschelhorn- und Trommelklang.

33.44 Zur jeweiligen Zeit beobachte man die Vorzeichen am Himmel, im Luftraum und auf der Erde, die günstigen wie die ungünstigen.

33.45 Als günstig nennt der Text bestimmte Bewegungen und Rufe einer Krähe, deren Richtungsangabe verderbt ist, sowie einen Falken mit Fleisch, der vor einem von rechts nach links fliegt.

33.46 Ebenso gelten der Anblick von Mädchen, das Besteigen eines Rindes, Quark, ein volles Gefäß und ein Brahmane mit Blumen,

33.47 loderndes Feuer, eine Fleischlast, der Anblick einer Kurtisane, ein Eber und ein Pferd als günstig.

33.48 Nach solchen guten Zeichen ziehe der Kundige weiter. Das Fallen einer Feuererscheinung, ein feuriger Schein in den Himmelsrichtungen und das Aufkommen eines heftigen Windes

33.49 gelten dagegen als ungünstige Himmelszeichen, ebenso die Umkehrung der zuvor genannten Zeichen. Ein mit Öl Gesalbter, ein Ölgefäß und ein Mensch mit offenem Haar,

33.50 ein neues Tongefäß und jemand mit abgeschnittener Nase werden als irdische Zeichen genannt. So prüfe man nach dieser Vorschrift Günstiges und Ungünstiges.

33.51 Bei günstigen Zeichen setze man den Weg fort, bei ungünstigen kehre man um. Bei einem ungünstigen Zeichen bereite man ein Feuer und opfere hundertmal mit dem Shiva-Mantra.

33.52 Bei günstigem Vorzeichen gehe der Acharya mit den Handwerkern weiter. Der Kundige betrete die Wälder und Haine,

33.53 im Mahendra-, Malaya-, Sahya- oder Vindhya-Gebirge, und gehe so weit, bis geeigneter Stein oder geeignetes Holz vorhanden ist.

33.54 Shami und Madhuka, Randuka und Karnikara, Tinduka und Arjuna, Pippala und Udumbara

33.55 bilden vier Gruppen, die der Reihe nach den Brahmanen und den übrigen gesellschaftlichen Klassen zugeordnet sind. Auch viele andere schöne, im Inneren feste Bäume kommen infrage.

33.56 Sie sollen glänzende Blätter besitzen, groß und an einem günstigen Ort gewachsen sein. Vom Feuer verbrannte, vertrocknete und von Vögeln bewohnte Bäume

33.57 sowie von Schlingpflanzen oder Ameisenhügeln umgebene meide der vorzügliche Sadhaka. Auch die Art eines Steines ist durch Prüfung seiner Eigenschaften zu bestimmen.

33.58 Es gibt vier Farben: weiß, rot, gelb und schwarz. Eine Farbe wie Kuhmilch oder Muschel gilt als geeignet für Brahmanen.

33.59 Eine Farbe wie Japa- oder Bandhuka-Blüten wird Königen zugeordnet, eine Farbe wie Kurkuma oder Gold den Vaishyas.

33.60 Eine Farbe wie schwarze Bohnen oder Guggulu soll Shudras Wohlergehen bringen. Ein schwarzer Stein gilt für alle als Quelle allen Wohlergehens.

33.61 Steine, die durch Fett, salzhaltige Erde oder Feuchtigkeit beeinträchtigt, durch Sonnenstrahlen übermäßig erhitzt oder durch Feuer verbrannt sind, meide man sorgfältig; ein Teil der Stoffbeschreibung ist verderbt.

33.62 Nördlich davon bereite man auf einer Opferfläche das Feuer, opfere hundertmal mit dem Shiva-Astra-Mantra und ruhe davor auf einem Lager.

33.63 Man rezitiere den Traum-Manavaka-Mantra, schlafe während der Nacht und gedenke Shivas. Bei einem ungünstigen Traum opfere man hundertmal mit dem Wurzelmantra.

33.64 Ist der Traum günstig, beginne der Kundige mit dem Abtrennen. Am klaren, glückverheißenden Morgen besprenge man das Material mit Shiva geweihtem Wasser.

33.65 Mit dem Aghora-Astra-Mantra trenne man es ab; Honig wird dabei ebenfalls genannt. Die Unterseite bestimme man als Vorderseite und die Rückenseite als Oberseite; die Orientierung ist nicht eindeutig überliefert.

33.66 Die Seiten bleiben Seiten. Das untere Ende liege im Süden oder Westen, das obere bestimme der Kundige im Osten oder Norden.

33.67 Man kennzeichne es mit Schriftzeichen und beginne dann die Bearbeitung. Vom unteren Teil nehme man den Fußstein; weitere Stücke stammen aus den seitlichen Bereichen.

33.68 Man unterscheide nach ihren Merkmalen junge, reife und alte Steine. Der junge ist glatt, an der Oberfläche weich und von schwachem Klang.

33.69 Ein Stein mit gutem Klang und Glanz gilt als reif. Ein durch Feuer geschädigter, brüchiger, rauer und klangloser Stein gilt als alt.

33.70 Junge und alte Steine lasse man beiseite und wähle einen reifen. Nach Prüfung auf innere Einschlüsse führe man die vorgeschriebene Arbeit aus.

33.71 Man bestreiche das Linga mit Milch und einer Mischung aus gemahlenen Stoffen und rotem Ocker, lasse es eine Nacht stehen und wasche es dann mit Wasser ab; ein Bestandteil der Mischung ist unklar.

33.72 Punkte, Linien und Flecken gelten als Steinfehler. Wo sich eine kreisförmige Zeichnung zeigt, nehme man einen inneren Einschluss an.

33.73 Ein weißer Kreis soll eine Schlange anzeigen, ein roter eine Eidechse, ein gelber einen Waran und ein krappfarbener einen Frosch.

33.74 Ein gelbbrauner Kreis soll eine Maus anzeigen, ein buntfarbiger einen Skorpion und ein weiß-rot gemischter einen Wurm.

33.75 Ein honigfarbener soll ein Leuchtkäferchen anzeigen, ein taubenfarbener einen Hausgecko, ein roh-zuckerfarbener einen Stein und ein schwertfarben glänzender Wasser.

33.76 Steine mit solchen Einschlüssen sind ausgeschlossen, ebenso solche mit Vimala-Einschlüssen. Diese werden dreifach als gold-, bronze- und eisenartig bezeichnet.

33.77 Nach solcher Prüfung fertige man ein Linga ohne Einschlüsse und andere Fehler. Die Breite des inneren Heiligtums messe man mit einer Schnur.

33.78 Drei Fünftel dieser Breite gelten als größtes Linga-Maß; fünf Neuntel als mittleres.

33.79 Die Hälfte des Heiligtumsmaßes gilt als kleinstes. Dies sind die drei Maße. Teilt man den Unterschied zwischen kleinstem und größtem in acht gleiche Schritte,

33.80 ergeben sich neun Maße; man wähle nach Wunsch eines davon. Nach einer anderen Einteilung gliedert man das Heiligtumsmaß wiederum neunfach.

33.81 Drei gelten als obere, drei als mittlere und drei als untere Maße. So sind neun Varianten erläutert.

33.82 Von einer bis neun Ellen ergeben sich ebenfalls neun Größen; ebenso von drei bis elf Tala.

33.83 Die Formen heißen gleichteilig, zunehmend und Shiva-betont. Der untere Abschnitt ist viereckig, der mittlere achteckig,

33.84 der obere rund. Sind alle drei Abschnitte gleich hoch, heißt dies gleichteiliges Linga. Höre nun von der zunehmenden Form.

33.85 Bei vierundzwanzig Höheneinheiten erhält der viereckige Abschnitt sieben, der achteckige acht und der runde neun.

33.86 Dies ist das zunehmende Linga. Nun folgt das Shiva-betonte: Man teile die Höhe in zehn; drei Teile gehören dem viereckigen Abschnitt,

33.87 drei dem achteckigen und vier dem runden. Diese glückverheißende Shiva-betonte Form wird gepriesen; sie verleiht Wohlergehen und Befreiung.

33.88 Der Umfang des viereckigen Abschnitts entspricht der Gesamthöhe des Linga. Der mittlere Umfang beträgt sieben Achtel dieser Höhe,

33.89 der runde Umfang sechs Achtel. Teilt man die Linga-Höhe in vierundzwanzig, beträgt der Durchmesser fünf Teile.

33.90 Für die Umfänge der viereckigen und weiteren Abschnitte werden außerdem zwanzig, sechzehn oder neun genannt; ihre Zuordnung ist verderbt. So sind die Umfangsmaße der Lingas angegeben.

33.91 Höre gesammelt, mein Kind, von gerippten Lingas und Gesichter-Lingas. Die Rippenzahl kann fünf, sieben, neun oder zwölf betragen,

33.92 ferner sechzehn, zwanzig, vierundzwanzig oder achtundzwanzig. Vom achteckigen Abschnitt bis zum oberen Gestaltteil sind die Rippen ein halbes oder ein ganzes Gerstenkorn erhaben.

33.93 Man teile den vorderen Abschnitt dreifach; im oberen Teil liege das Gesicht. Die Gestalt besitzt fünf Köpfe, vier Gesichter und einen gemeinsamen Hals,

33.94 acht Ohren und zehn Lippen und alle vorgeschriebenen Merkmale. Darunter liegt die Linga-Form. Höre nun die Merkmale des Sockels.

33.95 Die Sockelbreite beträgt das Dreifache, Dreieinhalbfache oder Vierfache der Linga-Breite; dies sind die drei Größen von der kleinsten an.

33.96 Die Sockelhöhe entspricht dem Vishnu-Abschnitt oder dem Brahma-Abschnitt zuzüglich eines Achtels.

33.97 Lotussockel, Bhadra-Sockel, Altar-Sockel und runder Sockel sind die vier Arten. Höre ihre Merkmale.

33.98 Man teile die Höhe in sechzehn. Zwei Teile bilden die untere Leiste, fünf den darüberliegenden Lotus mit sechzehn Blättern.

33.99 Die Blattmitte sei ein Fingermaß hoch; dies heißt Lotusvertiefung. Der mittlere, ringsum feste Abschnitt erhält zwei Teile.

33.100 Vier Teile gehören dem oberen Lotus, zwei der oberen Leiste. Darüber fertige man eine ein Teil hohe Rinne für Ghee und Wasser.

33.101 Im Norden bringe man einen Auslauf von einem Drittel der Sockelbreite an. Für seine Breite werden ein Viertel des Bezugsmaßes und weitere Halbierungen genannt; die Staffelung ist nicht eindeutig.

33.102 Am Ansatz werden doppelte oder dreifache Maße, an der Spitze eine Verminderung um die Hälfte genannt. Es folgen Viertel- und Halbmaßangaben, deren Bezug verderbt ist.

33.103 Die Wasserrinne betrage ein Drittel des betreffenden Maßes. So ist der Lotussockel beschrieben. Höre nun vom Bhadra-Sockel.

33.104 Wie zuvor teile man seine Höhe in sechzehn. Ein Teil gehört dem Untertritt, vier der Jagati-Platte.

33.105 Drei Teile gehören dem Kumuda, einer der Leiste, drei dem Hals und einer einer weiteren Leiste.

33.106 Die große Leiste erhält zwei Teile, die Rinne für Ghee und Wasser einen. So ist der Bhadra-Sockel beschrieben. Nun folgt der Altar-Sockel.

33.107 Man teile seine Höhe in neun: zwei Teile gehören der unteren Leiste, vier dem Hals und zwei der oberen Leiste.

33.108 Die Rinne erhält einen Teil. Die ganze Anlage ist viereckig. So ist der Altar-Sockel beschrieben. Nun folgt der runde.

33.109 Der Bhadra-Sockel in runder Form heißt Parimandala. Für die einzelnen Glieder gelten ein ganzes Teilmaß, drei Viertel oder die Hälfte,

33.110 sowohl für Rücksprünge als auch für Vorsprünge. Diese Sockelmerkmale gelten gemeinsam für gestaltvolle Bildwerke und Lingas.

33.111 Für den Linga-Sockel fertige der Kundige eine Öffnung, die dem achteckigen mittleren Vishnu-Abschnitt entspricht.

33.112 Zur Aufnahme des Brahma-Abschnitts sei die entsprechende Vertiefung viereckig. Die anschließende Bestimmung zu Rinne, Auslauf und Sitz gestaltvoller Bildwerke ist verderbt.

33.113 Ich beschreibe die Nandyavarta-Steine: Unter dem Sockel liegen vier Steine. Ringsum überragen sie ihn um ein Tala oder sechs Fingerbreit.

33.114 Diese günstigen Nandyavarta-Steine sind allseits viereckig und so hoch wie der Brahma-Abschnitt.

33.115 Oder ihre Höhe beträgt sieben Achtel des viereckigen Abschnitts. Der günstige Grundstein misst ein Neuntel der Breite des Heiligtums.

33.116 Weitere Maße sind die Hälfte oder das einfache Bezugsmaß; die Höhe beträgt ein Neuntel davon. Die mittlere Vertiefung beträgt ein Achtel des viereckigen Maßes.

33.117 Die Breite der Aushöhlung entspricht der Linga-Breite. In ihrer Mitte sind neun kleine Vertiefungen für die Niederlegung der Kostbarkeiten vorgesehen.

33.118 Der Schildkrötenstein ist ebenso hoch wie der Brahma-Stein und anderthalbmal so breit. So ist er fest und viereckig zu gestalten.

33.119 Alle genannten Teile fertige man zunächst mit geringem Übermaß. Man lege sie auf einen Wagen und fahre damit in den Ort.

33.120 Unter Instrumentalklang umkreise man den Ort im Uhrzeigersinn. Nördlich des Tempels errichte der Kundige eine Werkhütte.

33.121 Dorthin bringe er das Linga, mit seinem Kopf nach Osten, lege es auf eine Unterlage und lasse die Feinarbeit ausführen.

33.122 Der Acharya arbeite mit den Handwerkern nach den vorgeschriebenen Merkmalen. Die Rundung des Kopfes ist vierfach.

33.123 Die erste Form ist schirmförmig, die zweite gurkenförmig, die dritte wie ein Hühnerei und die vierte wie ein Halbmond.

33.124 Man teile den Durchmesser des Linga-Kopfes in sechs Teile und führe die Rundung mit einem Teilmaß bis zur mittleren Vertiefung aus.

33.125 Dies heißt schirmförmig und soll alle Vollendungen verleihen. Wieder teile man den Durchmesser in sechs und führe die Rundung nach dem genannten zweieinhalbteiligen Maß aus; die Zahl ist nicht ganz eindeutig.

33.126 So entsteht die Gurkenform, die Wohlergehen und Befreiung verleiht. Bei der Hühnereiform beträgt die Rundung die Hälfte der Breite.

33.127 Man teile den Linga-Durchmesser in drei und runde mit zwei Teilen. Dies heißt Halbmondform und wird für das Streben nach Befreiung empfohlen.

33.128 So ist Sadashiva als höchster Spender aller Vollendungen beschrieben. Die übrigen umgebenden Gottheiten verehre man mit ihren Meditationsformeln und Mantras.

Die zugleich gestaltvolle und gestaltlose Form ist erläutert. Höre nun von der gestaltvollen, du Gelübdetreuer.

So endet das dreiunddreißigste Kapitel.


Kapitel 34 – Die gestaltvollen Götterbilder

Virabhadra gehört zur vielfältigen Bildwelt Shivas. Die folgenden Vorschriften erschließen unterschiedliche göttliche Gestalten.

34.1 Nun erkläre ich die Merkmale der gestaltvollen Darstellungen. Weil alle ihre Körperglieder sichtbar sind, heißen sie Pratima, Bildgestalt.

34.2 Die vier Gestalten von Ishvara an werden als gestaltvoll bezeichnet. Ich erläutere diese Darstellungen in drei Arten.

34.3 Sie heißen Chitra, Halb-Chitra und Chitrabhasa. Eine vollständig mit allen Körpergliedern sichtbare Rundplastik heißt Chitra.

34.4 Eine nur zur Hälfte sichtbare Gestalt heißt Halb-Chitra, also Relief. Was auf Tuch oder Wand gemalt wird, heißt Chitrabhasa.

34.5 Die Höhe der Bildgestalt kann der Länge des Verehrungsteils des Linga entsprechen. Das Doppelte und Dreifache gelten als mittleres und größtes Maß.

34.6 Jede dieser Größen wird dreifach unterteilt, sodass neun Maße entstehen. Auch durch Neunteilung des Heiligtumsmaßes ergeben sich neun Größen.

34.7 Man teile die Türhöhe in sechzehn Teile und lasse oben und unten je zwei Teile für die genannten Türglieder weg.

34.8 Der Rest ist die lichte Türhöhe; diese bildet das größte Maß der Bildgestalt. Zwei Drittel davon gelten als mittleres Maß,

34.9 ein Drittel als kleinstes. Jede Gruppe wird wiederum dreifach unterteilt, sodass neun Maße entstehen. Höre nun die Bemessung nach der Stütze.

34.10 Die Hälfte der Stützenhöhe bilde das kleinste Maß, drei Viertel das mittlere und die volle Höhe das größte.

34.11 Durch dreifache Unterteilung jeder Gruppe entstehen wie zuvor neun Maße. Als größtes Tala-Maß werden vier, als mittleres drei Tala genannt,

34.12 als kleinstes zwei. Höre nun das Ellenmaß: von einer bis zu neun Ellen

34.13 werden neun Größen unterschieden. Höre auch die Bemessung in Fingerbreiten: Die Größe des Auftraggebers bildet das höchste Maß, drei Viertel davon das mittlere,

34.14 die Hälfte das kleinste, jeweils auf den Auftraggeber bezogen. Die genannten Maße werden in normierte Fingerbreiten eingeteilt.

34.15 Zur Anpassung der Maße füge man jeweils ein Fingermaß hinzu oder ziehe eines ab; der Zweck der erwähnten Paarung ist nicht eindeutig überliefert.

34.16 Man kann auch Maße von einem bis zu zwölf Fingerbreit wählen. Die anschließende Beschränkung größerer und kleinerer Maße in Bezug auf das Heiligtum ist verderbt.

34.17 Die bestimmte Gesamthöhe teile man in drei. Zwei Teile entfallen auf die Gestalt vom Scheitelaufsatz bis zu den Füßen.

34.18 Ein Teil gehört dem Sockel. Diesen teile man dreifach: ein Teil für den Lotus, zwei für den eigentlichen Sitzsockel.

34.19 Bei einer stehenden Gestalt betrage die Sockelhöhe ein Viertel der Bildhöhe. Stehen, Sitzen und Fahren beziehungsweise Reiten gestalte man der jeweiligen Form entsprechend.

34.20 Außer Vishnu soll keine Bildgestalt liegend dargestellt werden. Man wähle ein Maß, das Acharya, Handwerker und Auftraggeber billigen.

34.21 Für eine Tonfigur errichte man im Inneren ein Stützgerüst. Für eine Metallfigur fertige man insbesondere ein Modell aus Bienenwachs.

34.22 Man forme Haupt- und Nebenglieder und füge sie fest zusammen. Dann verehre man das Werk mit Duftstoffen, Blumen, Räucherwerk und Licht.

34.23 Südlich davon bereite man das Shiva-Feuer und opfere mit dem Herzmantra von Brennholz und den übrigen Stoffen jeweils hundertachtmal.

34.24 Dann bringe man die vollständige Opfergabe dar und vergegenwärtige die betreffende Gestalt in sich selbst. Unter Aussprache des Herzmantras verbinde man ihre einzelnen Glieder.

34.25 Gemeinsam mit den Handwerkern vollende man die Bildgestalt mit allen Körperteilen. Die festgelegte Bildhöhe teile man in neun Abschnitte.

34.26 Ein Abschnitt gehört dem Gesicht, ein Drittel eines Abschnitts dem Hals, ein Abschnitt vom Hals bis zur Brust und einer von dort bis zum Nabel.

34.27 Ein Abschnitt reicht bis zum Geschlechtsglied, zwei bilden die Oberschenkel. Das Knie erhält ein Drittel eines Abschnitts, der Unterschenkel zwei Abschnitte.

34.28 Für den folgenden, verderbt bezeichneten Körperteil wird ein Drittel genannt. Die Oberarmlänge beträgt zwei Abschnitte, die Unterarmlänge ein um ein Viertel vermindertes Zweifaches.

34.29 So ist das allgemein geschätzte Maßsystem erklärt. Breiten und Umfänge fertige man nach den aus dem Tala-System gewonnenen Fingermaßen.

34.30 Mukha, Tala, Yama und Vitasti bezeichnen zwölf Fingerbreit. Die vier Gestalten von Ishvara an fertige man im Zehn-Tala-System.

34.31 Für Shaktis und andere Gottheiten wird das Neun-Tala-System genannt; himmlische Wesen, Seher und Menschen gestalte man nach acht Tala.

34.32 Für Rakshasas und Asuras gelten sieben Tala, für Gandharvas sechs und für Vighnaka fünf.

34.33 Auch Vamana erhält fünf Tala, Bhutas vier, Kinnaras drei und Fische zwei.

34.34 Kushmandas erhalten ein Tala, Pishachas zwanzig Fingerbreit. Größere und kleinere Proportionen werden durch die Tala-Unterschiede bestimmt.

34.35 Breite und Umfang werden nach den jeweils geltenden Fingermaßen festgelegt. Mana bezeichnet hier die Breite, Unmana den Umfang.

34.36 Pramana heißt die Länge. Nach Breite, Umfang und Länge gliedere man die Form. Das Gesicht teile man in drei; ein Teil bildet die Stirnhöhe,

34.37 ein weiterer reicht bis zum Nasenende und der dritte bildet den verbleibenden Abschnitt. Die übrigen Maße vom Scheitelaufsatz bis zu den Füßen werden in Fingerbreiten angegeben.

34.38 Der Scheitelaufsatz misst ein Fingermaß, der obere Kopf drei. Der Kopfumfang beträgt sechsunddreißig Fingerbreit.

34.39 Der Abstand zwischen den Ohren über die Stirn beträgt achtzehn Fingerbreit, vom Scheitelaufsatz bis zum Ohr zwölf.

34.40 Die Augenlänge wird mit einem anderthalbfachen Kala-Maß angegeben, die Breite mit der Hälfte davon. Für Wimpernlinie und Augenwinkel folgt eine Gerstenkornangabe, deren Wortlaut verderbt ist.

34.41 Der dunkle Augenbereich nimmt ein Drittel ein, die Pupille ein Fünftel. Die Nasenlänge beträgt zwei Kalas, die Breite beider Nasenflügel die Hälfte davon.

34.42 Zwischen den Nasenflügeln wird ein Gerstenkornmaß genannt. Die Nasenspitze gleiche einer Sesamblüte; sie springe zwei Fingerbreit hervor, die Nasenwurzel halb so weit.

34.43 Die Brauen seien sechs Fingerbreit lang, ihr Abstand ein Kala. Die Unterlippe misst ein Fingermaß, die Oberlippe die Hälfte davon.

34.44 Der Mund sei ein Kala lang, das Kinn in seiner Mitte halb so groß. Für Vorsprung und Halsmitte folgen vier Fingerbreit und ein zusätzlicher Fingerbreit; ihre genaue Zuordnung ist unklar.

34.45 Das Ohr sei vier Fingerbreit lang und halb so breit; die Vertiefung ein Fingermaß. Für den Ohrumfang werden drei Fingerbreit genannt.

34.46 Danach nennt der Text sechs Teile für einen als Ohrumfang bezeichneten Wert und ein um ein Kala größeres Wurzelmaß; offenbar liegt eine Verderbnis vor. Der Abstand der Schultern beträgt sechsunddreißig Fingerbreit.

34.47 Für das Armende wird ein Umfang von drei Teilen genannt, für das Handgelenk ein zusätzliches Fingermaß. Die Handfläche wird mit einem Indu-Teil beziehungsweise sechs Fingerbreit bemessen.

34.48 Ihre Länge beträgt sieben Fingerbreit, ihre Stärke zwei. Sie besitzt Linien, ist in der Mitte vertieft und außen kräftiger, mein Kind.

34.49 Der Mittelfinger ist sieben Fingerbreit lang. Zeigefinger und Ringfinger sind um ein halbes Fingermaß kürzer.

34.50 Daumen und kleiner Finger erhalten das hier als Bhaga bezeichnete Maß. Der Umfang des Daumens entspricht seiner Länge.

34.51 Der Umfang des Mittelfingers ist um ein halbes Fingermaß kleiner. Für Zeige- und Ringfinger sind jeweils drei Fingerbreit Umfang vorgesehen.

34.52 Der Umfang des kleinen Fingers ist um ein halbes Fingermaß geringer. Das oberste Fingerglied erhält ein Fünftel der Fingerlänge,

34.53 das mittlere zwei Fünftel und das untere ebenso viel. Der Daumen besitzt zwei gleich lange Glieder.

34.54 Der Nagel liegt auf dem Ende des obersten Gliedes und entspricht dem jeweiligen Fingermaß. Die Kronenhöhe entspricht dem Gesicht oder übertrifft es um einen Teil.

34.55 Auch eine Vermehrung um die Hälfte wird genannt; der Umfang beträgt das Doppelte. Für Ishvara und die Herren der Bhuta-Scharen nennt der Text einen vierfachen Umfang.

34.56 Die allgemeinen Maße gelten für alle; nun werden besondere Gestalten erläutert. Ich beschreibe zuerst Ishvara in der rechten Reihenfolge.

34.57 Ishvara ruht im Atma-Prinzip und hat überall Augen, Köpfe und Gesichter. Aus der Willenskraft entsteht ein Lotus mit tausend Blättern,

34.58 mit Fruchtboden und Staubfäden. Auf diesem Lotus vergegenwärtige man Maheshvara mit fünf Köpfen, vier Gesichtern und zwölf Augen,

34.59 vier Mündern, vier Nasen, acht Ohren und vier Hälsen. Sein Leib hat zwei Füße und zehn bewaffnete Arme.

34.60 Er gleicht reinem Bergkristall, strahlt wie zehn Millionen Sonnen und ist zugleich kühl wie Mondlicht und Schnee. Er trägt allen Schmuck.

34.61 Der Gott trägt weiße Gewänder und einen weißen Opferfaden. Rechts zeigt er die Furchtlosigkeitsgeste und hält Dreizack, Axt, Donnerkeil und Schwert;

34.62 links hält er Schild, Elefantenhaken, Schlinge und Glocke und zeigt die Segensgeste. So gestalte man Mahesha. Höre nun die Merkmale der Shakti.

34.63 Sie besitzt vier Arme und drei Augen, trägt allen Schmuck, hat breite Hüften, eine schlanke Taille und hohe Brüste.

34.64 Rechts hält sie eine blaue Lotusblume, links einen Kranz; die übrigen Hände zeigen Segen und Furchtlosigkeit. Sie trägt feines Seidengewand.

34.65 Mit einer Karanda-Krone geschmückt sitzt sie links von Ishvara auf demselben Sitzsockel, innerhalb seines Strahlenkreises.

34.66 Sie gleicht Mond, Sonne und Feuer und bewirkt das Heil der Welt. So bilde man Ishvari. Höre nun von Vama und den übrigen.

34.67 Die acht Shaktis von Vama an und Ishvari sind jeweils zu gestalten. Ishvaris Höhe reicht bis zum Kinn, zur Schulter oder zur Brust Ishvaras.

34.68 So ist das Maß Ishvaris angegeben. Die Shaktis erhalten drei Viertel davon; ebenso werden die umgebenden Gottheiten bemessen.

34.69 Die Brahma-, Vidya-Anga- und weiteren Anga-Gottheiten, die Vidyeshvaras und Ganeshas sind dreiäugig, vierarmig, friedvoll und mit allem Schmuck versehen.

34.70 Sie legen die Hände zum Gruß zusammen und halten Gebetskette und Lotus. Alle tragen eine Krone aus aufgetürmtem Haar.

34.71 Ihre Farben wurden bereits genannt. Damit sind die umgebenden Gottheiten mit ihren Merkmalen erläutert. Höre nun meine eigenen Gestalten.

34.72 Die erste ist der angenehm Sitzende, die zweite der mit Uma Vereinte, die dritte der auf dem Stier Reitende und die vierte der Feind der drei Städte.

34.73 Die fünfte ist die Tanzgestalt, die sechste der mit der Mondsichel Bekrönte. Die siebte Bezeichnung ist als Dhanadhisha überliefert, während die spätere Beschreibung die halbweibliche Gestalt behandelt; die achte ist die zur Hälfte Hari seiende Form.

34.74 (erste Zählung) Die neunte ist der bettelnd Umherziehende, die zehnte der Vernichter Kamas, die elfte der Bezwinger Kalas und die nächste die aus dem Linga-Mythos bekannte Gestalt.

34.74 (zweite Zählung) So sind zwölf Bildgestalten genannt; ihre Merkmale werden nun erläutert. Einst befand ich mich am Hang des Meru beim Ashram der Weisen.

34.75 Als ihre Frauen mich nackt erblickten, gerieten sie in Verwirrung. Die Weisen erkannten dies und vollzogen ein gegen mich gerichtetes Schadensopfer.

34.76 Daraus ließen sie eine Schlange, eine schwarze Gazelle, Apasmara, eine Axt, einen Stier, einen Tiger und einen Löwen hervorgehen;

34.77 auch ein furchtbarer Schädel und andere Dinge kamen gegen mich. Schlange, Gazelle und Axt nahm ich spielerisch in meine Hände.

34.78 Apasmara drückte ich unter meinen Fuß, den Schädel setzte ich auf mein Haupt. Löwe und Tiger tötete ich und legte ihre Felle an.

34.79 Der Stier wurde mein Reittier und erfreut mich immer. Das Gift aus dem großen Meer halte ich im Hals, die Mondsichel trage ich auf dem Haupt.

34.80 Beim Tanz trug ich im aufgetürmten Haar auch den als Baka bezeichneten Schmuck. Die übrigen Merkmale sind den Bildgestalten gemeinsam.

34.81 Drei Augen, vier Arme, ein friedvolles Antlitz, die junge Mondsichel als Kopfschmuck, Dhattura-Blüten, Schlangen und die Krone aus aufgetürmtem Haar,

34.82 ein Tigerfell als Gewand, Halsketten und Armreifen, Opferfaden und zwei Ohrgehänge:

34.83 Dies sind die gemeinsamen Merkmale der zwölf Gestalten. Nun werde ich ihre Besonderheiten der Reihe nach erläutern.

34.84 Auf einem Sitz ruht er bequem, hält Gazelle und Axt und zeigt rechts Furchtlosigkeit, links die Segensgeste

34.85 oder die Kataka-Handhaltung. Er sitzt ohne Uma und Skanda. Dies ist Sukhasana. Nun folgt die mit Uma verbundene Gestalt.

34.86 Uma Devi sitzt mit ihm auf demselben Sitz, strahlend mit sehr friedvollem Gesicht, zweiarmig, einen Lotus haltend und mit Krone und Schmuck versehen.

34.87 Die linke Hand hält sie in Kataka-Haltung oder ausgestreckt. Shanmukhas Höhe reiche bis zu Umas Schulter oder Brust.

34.88 Er trage ein Shula-Zeichen am Hals und das gekreuzte Brustband Channavira. Als Kind befinde sich Skanda zwischen Uma und Shankara,

34.89 sitzend oder stehend, mit Segensgeste und Kataka-Handhaltung. Den höchsten Herrn gestalte man wie zuvor bequem sitzend.

34.90 Gauri wende sich leicht dem Gesicht des Gottes zu. Nun erläutere ich die Stiergestalt: Der Stier steht im Hintergrund.

34.91 Uma und Rudra stehen; Rudras Ellenbogen ruht auf dem Kopf des Stiers. Mit Gazelle und Axt bilde man den Herrn, dessen Reittier der Stier ist.

34.92 Mit Bogen und Pfeil, schwarzer Gazelle und Axt, zusammen mit Uma, gestalte man den Vernichter der drei Städte.

34.93 Für den Tanz wird das linke Bein gehoben, das Knie auf Nabelhöhe. Es folgen Zuordnungen von Zehenspitze und Knie, deren genaue Haltung nicht eindeutig überliefert ist.

34.94 Die linke Hand strecke man stabartig über den Brustbereich; die rechte zeigt Furchtlosigkeit, die weitere rechte hält die Damaru-Trommel.

34.95 Diese hebe man anmutig bis zur Halslinie. Die weitere linke Hand mit dem Feuer ist bis zur Schulterhöhe erhoben.

34.96 Unter dem Fuß liegt Apasmara, mit einer Schlange spielend. Im Haar befinden sich Dhattura, Schädel, Ganga, Mond und eine Reiherfeder.

34.97 Drei, fünf oder sieben Haarsträhnen breite man nach rechts und ebenso nach links aus, blumengeschmückt und leuchtend wie flammendes Feuer.

34.98 Diese Tanzgestalt, mein Kind, dient umfassendem Frieden. Den Gott stelle man für die folgende Form gerade aufgerichtet dar, Gazelle und Axt haltend,

34.99 mit einem Fell als Gewand: So ist Chandrashekhara zu bilden. Bei der nächsten Form ist rechts Hara und links Parvati.

34.100 Der rechte Fuß ist gebeugt, der linke steht gerade. Den mittleren Körper gestalte man geneigt und dreifach geschwungen.

34.101 Haras rechter Ellenbogen ruht auf dem Stier. Auf dem Unterarm sitzt ein Papagei; Hara hält die Axt. Die Zuordnung des Papageis zur Körperhälfte bleibt im Wortlaut unklar.

34.102 Links ist die Hand in Kataka-Haltung, rechts zeigt sie Furchtlosigkeit. Das Gesicht der Göttin ist dunkel, Hara ist rot.

34.103 Der Gott trägt Tigerfell, Parvati feines Gewebe. Bei der folgenden Gestalt trägt Vishnu ein gelbes Gewand, Hara ein Tigerfell.

34.104 Vishnu trägt eine hohe Krone, Shankara aufgetürmtes Haar. Hari ist dunkel; Shankara ist in der ihm eigenen Gestalt darzustellen.

34.105 Dies ist die halb-Hari-Gestalt. Nun folgt Bhikshatana: Er trägt den Schädel der Schöpfergestalt und den Leib der Erhaltergestalt,

34.106 ist mit einer Damaru-Trommel versehen und mit Asche und Schlangen geschmückt. Am Hals trägt er ein Shula-Zeichen und über der Brust das gekreuzte Channavira-Band.

34.107 Seine Füße stehen auf Sandalen; alle Bhutas umgeben ihn. So ist Bhikshatana, mein Kind. Höre nun vom Vernichter Kamas.

34.108 Den Feind Kamas gestalte man furchterregend, Kama seitlich niedergeworfen. So ist diese Form auszuführen. Nun beschreibe ich den Vernichter Kalas.

34.109 Rechts hält er den Dreizack, links zeigt er mit dem Zeigefinger. Ein Fuß ist auf Kalas Brust gesetzt, während er auf dem anderen steht.

34.110 Dies ist der Vernichter Kalas. Nun folgt das Hervortreten aus dem Linga: Man bilde das Linga und darüber Brahma in Schwanengestalt.

34.111 Unter dem Linga gestalte man Vishnu mit Ebergesicht. Zu beiden Seiten stehen Brahma und Vishnu mit vor der Brust zusammengelegten Händen.

34.112 In der Mitte des Linga bilde man Chandrashekhara wie zuvor, doch seine Lotusfüße und seine Krone bleiben unsichtbar.

34.113 Damit sind die unterschiedlichen Formen der zwölf Gestalten erklärt, Elefantengesichtiger. Nun beschreibe ich kurz die Merkmale der Göttin; höre zu.

34.114 Ihre Höhe reiche bis zum Kinn, zur Schulter oder zur Brust des Gottes. Sie ist zweiarmig, dunkel und mit allem Schmuck versehen.

34.115 Rechts hält sie eine blaue Lotusblume, links streckt sie die Hand aus. Sie trägt eine Kirita- oder Karanda-Krone und hat hohe, volle Brüste.

34.116 Vom früher genannten Taillenumfang ziehe man ein Siebtel ab. Dies ist ihr Taillenmaß; die übrigen Proportionen entsprechen den bereits genannten.

34.117 So erkenne die Gestalt Gauris. Höre nun Vishnus Gestalt: Hari hält Muschelhorn und Diskus und trägt ein gelbes Gewand.

34.118 Mit Shri und Bhumi an seiner Seite und allem Schmuck versehen kann der Gott stehend, sitzend oder liegend dargestellt werden.

34.119 Brahma gestalte man strahlend, viergesichtig und vierarmig, Wassergefäß und Gebetskette haltend, rot und mit aufgetürmtem Haar.

34.120 Links von ihm steht Savitri mit allem Schmuck. So bilde man den glückverheißenden Viergesichtigen, der die Welt erschafft.

34.121 Die Merkmale der übrigen Bildgestalten werden bei den Vorschriften ihrer Aufstellung in der rechten Reihenfolge ausführlich erklärt.

Damit sind die gestaltvollen Darstellungen erläutert. Höre nun die Vorschrift für das Aussäen der Keimlinge.

So endet das vierunddreißigste Kapitel.


Kapitel 35 – Die Aussaat der glückverheißenden Keimlinge

35.1 Nun erläutere ich die Abfolge des Aussäens der Keimlinge. Zu Beginn jeder glückverheißenden Handlung soll man die segensreichen Keimlinge aussäen.

35.2 Dies gilt für Aufstellung, erneute Besprengungsweihe, rituelle Übergießung und Fest. Man beginne neun, sieben oder fünf Nächte zuvor,

35.3 jeweils am Abend; die anschließende weitere Tagesangabe ist verderbt. Soma ist der Herr der Samen; deshalb soll man sie nachts aussäen.

35.4 Man umkreise den Ort im Uhrzeigersinn unter Muschelhorn- und Trommelklang, mit Schirmen, Fahnen und Baldachinen, auf Elefanten, Pferden und Wagen,

35.5 mit Pfauenfederfächern, Yakschweifwedeln und Dreizack. Shiva-Verehrer tragen die Aussaatgefäße auf ihren Köpfen.

35.6 Drei Gefäßformen sind vorgesehen: Palika, Ghatika und Sharava. Sie bestehen aus Gold, Silber, Kupfer oder Ton.

35.7 Die Öffnung der kleinsten Palika ist zwölf Fingerbreit weit, die der mittleren sechzehn,

35.8 die der größten zwanzig. Höhe und Breite sind gleich; die Fußbreite beträgt die Hälfte. Das Gefäß sei rund, fest und ebenmäßig.

35.9 Der umlaufende Rand misst ein Sechstel der Breite, die runde innere Öffnung ein Drittel.

35.10 So bestimme man Mündung und Höhlung; den verbleibenden Teil forme man als Stiel. Seine Breite beträgt ein Drittel der Gefäßbreite.

35.11 Die Ghatika ist krugförmig; Stiel und Fuß entsprechen der vorherigen Form. In den vier Richtungen besitzt sie vier dreieckige Öffnungen von drei Fingerbreit.

35.12 Die Sharava-Schale hat die halbe Größe der Palika. Am Ufer eines Flusses oder Teiches, auf einem Feld, am Berg oder im Wald

35.13 suche man einen reinen Ort, säubere die Erdoberfläche, besprenge sie mit dem Herzmantra und verehre sie mit demselben Mantra durch Duftstoffe und weitere Gaben.

35.14 Shivas gedenkend lasse der Mantrakundige mit einer Hacke unter dem Herzmantra graben. Mit dem Vama-Mantra sammle er Erde und kehre zum Heiligtum zurück.

35.15 Vor dem Heiligtum errichte man eine viereckige Halle, lasse den Tagessegen sprechen und besprenge den Boden.

35.16 Dort bereite man eine Opferfläche und stelle die Gefäße auf, von jeder Art sechzehn, acht oder vier.

35.17 Man lege ein Schema von einundachtzig Feldern an und lasse vierundzwanzig Felder frei. In der Mitte bilden neun Felder einen Lotus; für die Ecken werden zwölf genannt.

35.18 Oder man lege fünfundzwanzig Felder mit einem regelrechten Lotus in der Mitte an; auch sechzehn Felder mit vier Mittelfeldern sind möglich.

35.19 Auf den Lotus stelle man ein Gefäß mit König Soma als Schutzgottheit, versehen mit Deckel, Grasbüschel, Gold und Tuch.

35.20 Soma verehre man mit Duftstoffen und weiteren Gaben unter seinem Amrita-Bija. Danach folgt eine verschlüsselte Angabe eines Lautes aus der Anila-Gruppe, verbunden mit dem ersten Vokal.

35.21 Man verbinde ihn mit Anusvara und dem genannten Da-Laut; weitere Lautangaben sind verderbt. Zuerst spreche man den als Dipa bezeichneten Anfangslaut, danach das Bija.

35.22 Der Guru spreche anschließend „Soma“ im Dativ und die genannte Abschlussformel. König Soma bringe man Milchreis mit Beigaben dar. Die vorausgehende Mantrabeschreibung ergibt keine sicher rekonstruierbare vollständige Formel.

35.23 Palikas ordne man den Ecken zu, Ghatikas und Sharavas der Reihe nach den vier Richtungen, im Osten beginnend.

35.24 So ist die Aufstellung in größter und kleineren Formen erläutert. Die Palikas stehen in Haupt- und Zwischenrichtungen.

35.25 Die Krüge stehen weiter innen, die Schalen in der Mitte. Brahma ist die Schutzgottheit der Palika, Vishnu die der Ghatika.

35.26 Ishvara ist die Schutzgottheit der Sharava-Schalen. Man fülle die Gefäße gut mit Erde, getrocknetem Kuhdung und Sand.

35.27 Die zehn Saaten sind Sesam, Senf, Mungbohnen, schwarze Bohnen, Nishpava-Bohnen, Reis, Priyangu, Apamarga, Gerste und Shyamaka-Hirse.

35.28 Der Kundige wasche sie mit Milch und säe sie unter dem zehnsilbigen Bija-Mantra aus. Täglich besprenge er sie mit dem Wasser aus dem geweihten Gefäß.

35.29 Täglich fülle er das Gefäß mit duftendem Wasser nach, verschließe es nach der Vorschrift und bewahre es gut geschützt auf.

35.30 Helle, zarte Keimlinge gelten als günstig. Dunkle, verkrümmte oder seitlich wachsende gelten als fehlerhaft.

35.31 Zur Behebung dieses Fehlers opfere man hundertmal im Gedenken an Shiva. Damit ist die Vorschrift für die Keimlinge erläutert. Höre nun von der Aufstellung des Linga.

So endet das fünfunddreißigste Kapitel.


Kapitel 36 – Die Weihe und Aufstellung des Linga

36.1 Nun erläutere ich die höchste Aufstellung des Linga: Sie ist verdienstvoll, bewirkt alle Vollendungen und verleiht die Frucht aller Opfer.

36.2 Keine andere Handlung lässt nach dieser Lehre eine solche Frucht reifen wie die Aufstellung des Linga. Deshalb bemühe sich der Strebende mit aller Kraft darum.

36.3 Nach Fertigstellung des Tempelsockels, vor dem Einsetzen des Türrahmens, vor dem Dachabschluss oder beim Abschluss der Geschosse,

36.4 oder wenn alle Tempelglieder vollendet sind, stelle der Kundige das Linga auf, unter günstigem Mondhaus, Mondtag, Wochentag, Yoga und günstiger Stunde.

36.5 Fünf, sieben oder neun Tage zuvor säe man die Keimlinge. Von der Aussaat bis zum Abschluss der Weihe lasse man die Handlungen durch einen Adishaiva ausführen.

36.6 In der Werkhütte lasse man die Handwerker das Linga fein bearbeiten und es samt seinem Sockel mit Schleifsteinen glätten.

36.7 Man passe das Linga seinem Sockel sachgerecht ein. Nach Festlegung der Merkmale beginne man die weitere Handlung; hier fehlt ein Teil des Textes.

36.8 Vor dem Tempel, nicht zu weit entfernt, oder an seiner Südseite errichte man eine Halle mit allem Schmuck.

36.9 In ihrer Mitte bereite man eine Opferfläche und lege das Linga darauf. Mit einem goldenen Zeicheninstrument – der Wortlaut nennt ein goldenes Linga – zeichne man unter dem Herzmantra mit rotem Ocker.

36.10 Zuerst lasse man vom Handwerker die groben Linien nach der Vorschrift anlegen. Der Kundige teile den Verehrungsabschnitt in sechzehn gleiche Teile.

36.11 Oben lasse man vier Teile frei; ein Teil bildet die Knospe. Ihre Spitze nimmt ein Drittel eines Teils ein, ihre Grundbreite entspricht dem genannten Maß.

36.12 Dieses Maß gilt für den Ansatz; unten lasse man zwei Teile frei. Zwei Linien bilden den Schaft. Die abschließende Angabe zu dessen Breite ist verderbt.

36.13 Seitlich zeichne man die beiden Rudra-Linien vom Knospenbereich bis zum genannten Endpunkt. Es folgt eine Dreiteilangabe für den Abstand, deren Bezug unklar ist.

36.14 Oberhalb des gegliederten Bereichs führe man die beiden Linien ringsum und verbinde sie an der Rückseite. Ihre Vertiefung beträgt ein ganzes oder ein halbes Gerstenkorn.

36.15 Das Linienende bezeichnet die Vorderseite, ihre Verbindung die Rückseite, die seitlichen Linien die Seiten und ihr Ansatz den Lotusfuß.

36.16 Der Sthapaka ehre den Sthapati und vollziehe danach die Reinigung mit acht Erdarten, Panchagavya und reinem Wasser.

36.17 Der Lehrer umkreise mit den Handwerkern den Ort im Uhrzeigersinn. An einer Stelle mit reinem Wasser von der genannten, unklar überlieferten Tiefe errichte er einen Schutzbau.

36.18 Dieser sei mit Baldachin, Fahnen, Kränzen und Darbha-Girlanden geschmückt. Man umhülle das Linga sorgfältig mit Tüchern und Darbha-Gras.

36.19 Auf einem Brett oder Sockel lege man es mit dem Kopf nach Osten und den Linien nach oben nieder; den Sockel lege man daneben.

36.20 Zum Schutz stelle man ringsum acht Gefäße auf, mit den Welthütern als Schutzgottheiten, mit Grasbüscheln versehen und in Tücher gehüllt.

36.21 Die Lagerung im Wasser dauere fünf Nächte, drei Nächte oder eine Nacht. In Panchagavya lasse man das Linga eine Nacht ruhen.

36.22 Oder man bade es mit den einzelnen Kuhgaben in Mengen von je einem Adhaka. Vor dem Heiligtum errichte man eine viereckige Halle,

36.23 zehn, zwölf, dreizehn, fünfzehn oder zwanzig Ellen breit,

36.24 mit sechzehn Stützen, vier Eingängen, vier Zierbögen und Darbha-Girlanden.

36.25 Sie sei reich an Baldachinen und Fahnen, mit hängenden Blumenkränzen, verschiedenfarbigen Tüchern und vielerlei Schmuck ausgestattet.

36.26 In der Mitte errichte man einen Altar von einem Drittel ihrer Breite, eine Elle hoch und an der Oberfläche glatt wie ein Spiegel.

36.27 Ringsum lege man die Feuergruben nach der Vorschrift an: im Osten eine viereckige, im Süden eine halbmondförmige,

36.28 im Westen eine runde, im Norden eine lotusförmige, im Südosten eine yoniförmige und im Südwesten eine dreieckige,

36.29 im Nordwesten eine sechseckige und im Nordosten eine achteckige. Zwischen Nordosten und Osten lege man eine weitere runde Feuergrube an.

36.30 Die ausführliche Form besitzt neun Feueropfer, die verkürzte fünf. Bei fünf Feuern liegen die Gestaltfeuer in den Hauptrichtungen, das Shiva-Feuer im Nordosten.

36.31 Man bestreiche den Boden mit Kuhdung und schmücke ihn mit Mehlzeichnungen. Nördlich davon errichte man die Badehalle.

36.32 Sie messe sieben, acht oder neun Ellen und werde wie zuvor geschmückt. In ihrer Mitte liege der Badealtar, nördlich davon eine ordentliche Abflussgrube.

36.33 Der Altar sei eben und viereckig; als Maße nennt der Text vier, drei oder neun Ellen, eine auffällige Reihenfolge. Er besitze drei Randstufen und sei ein Tala hoch.

36.34 Die Randstufen seien vier, drei und zwei Fingerbreit breit; auch ein einzelner Rand ist möglich. Im Norden führe ein Wasserablauf aus der Halle hinaus.

36.35 Im Tempel und in der Halle bewirte man Brahmanen, die Shivas Gelübde halten, rein sind und Shiva mit Hingabe verehren.

36.36 Man entferne die Speisereste und bestreiche den Boden mit Kuhdung. Dann lasse man den Tagessegen sprechen, begleitet vom Klang vedischer Rezitation.

36.37 Im Tempel vollziehe man nach der früheren Vorschrift das Vastu-Feueropfer. Mit Darbha-Gras und Blättern von Palasha, Shami, Pippala und Bilva

36.38 vollziehe man die Reinigung durch Umtragen des Feuers, zuerst im Tempel, dann in der Halle. Mit dem Shiva-Mantra besprenge man sie mit Panchagavya und Kusha-Wasser.

36.39 Der Kundige bereite das Lager mit reinem Reis und Gerste: acht Dronas ungeschälten Reis und halb so viel geschälten,

36.40 dazu halb so viel Sesam wie geschälten Reis. Man zeichne einen Lotus und verehre ihn, breite Darbha-Gras darüber und füge Blumen und gerösteten Reis hinzu.

36.41 Mit ungebrauchten, unbeschnittenen Tüchern richte man die folgenden Lagerarten ein: aus Vogelfedern, aus Baumwolle, aus Haaren beziehungsweise Wolle, aus Seide

36.42 und aus Fell. Diese fünf Lager bereite der Vorschriftenkundige. Das „aus Eiern entstandene“ besteht aus Vogelfedern.

36.43 Das als Mundaja bezeichnete besteht aus Baumwolle und ähnlichen Stoffen. Das Haarlager wird aus der Wolle von Schafen und anderen Tieren gefertigt.

36.44 Seide heißt hier Vamaja; das Felllager besteht aus Löwen- oder Tigerfell. Sind diese Stoffe nicht vorhanden,

36.45 vergegenwärtige der Kundige sie sorgfältig mit dem Fünfgesichter-Mantra über der Opferfläche. Der ausführende Lehrer stammt aus einer Adishaiva-Familie und besitzt die früher genannten Merkmale.

36.46 Er kennt die Ordnung der Shaiva-Tantras und hält die verpflichtenden Regeln ein. Er bade gründlich, vollziehe das rituelle Wassernippen und anschließend das Aschebad.

36.47 Er trägt allen Schmuck und feine Gewänder, weiße Kränze, weiße Duftsalbe, einen weißen Turban und schöne Kleidung.

36.48 So als Shiva vergegenwärtigt vollziehe er alle Handlungen. Als Unterlagen werden viereckige, achteckige oder runde Platten genannt; ein Ausdruck ist verderbt.

36.49 Der Mantrakundige stelle die Platte in die Mitte des Altars. Das in Panchagavya gelagerte Linga reinige er wiederholt.

36.50 Erde nehme man von Darbha-Wurzeln, von der Spitze eines Elefantenstoßzahns, von einer durch einen Eber aufgewühlten Stelle, von einem Ameisenhügel, von einem Stierhorn, aus einem Fluss, vom Berg

36.51 und vom Meer. Mit Wasser, dem diese acht Erdarten beigegeben sind, vollziehe man dort die Waschung.

36.52 Unter tausendfacher Rezitation des Vyomavyapi-Mantras bade man es wiederholt mit Wasser, dann mit Panchagavya, und verehre es mit Duftstoffen und Blumen.

36.53 Honig, Milch und Ghee, zusammen mit Gold und Blumen, gebe man in Gefäße aus Gold, Silber, Kupfer oder Bronze.

36.54 Der Kundige fülle drei Gefäße mit je einem Prastha. Mit diesen Stoffen zeichne er unter dem Bija-Mantra mittels einer goldenen Nadel die vorgesehenen Linien nach.

36.55 Unter Segens- und Tagesheilsrufen binde man danach den Schutzfaden an. Er besteht aus Gold, Silber, feinem Gewebe oder Baumwolle.

36.56 Mit dem Shiva-Mantra binde man ihn um die Mitte des Verehrungsabschnitts. Dann lege man das Linga mit dem Kopf nach Osten und der Vorderseite nach oben auf das Lager.

36.57 Man bedecke es mit Tüchern und breite Darbha-Gras ringsum aus. Gesammelt verehre man es mit dem Herzmantra, duftenden Blumen und weiteren Gaben.

36.58 Den Sockel lagere man wie das Linga zu dessen Fußende. An den Zierbögen der Richtungen stelle man die Gefäße der Welthüter auf,

36.59 mit Grasbüscheln und Deckeln, in je zwei Tücher gehüllt und mit glückverheißenden Keimlingen versehen.

36.60 Man nehme das Hauptgefäß, dessen Füllmaß als zweiunddreißig mit einer verderbten Einheit angegeben ist, und eine Vardhani von halber Größe. Der Bezug zur Bildgestalt wird genannt, bleibt aber unklar.

36.61 Man umwinde sie mit Schnüren. Eine einzige Schnur gilt als fehlerhaft, eine dreifache als friedensfördernd. Zwischen den Windungen liege ein Gerstenkorn Abstand.

36.62 Man fülle die Gefäße mit duftendem Wasser, umhülle sie mit je zwei Tüchern und versehe sie mit Grasbüschel und Deckel.

36.63 Mangoschösslinge, Blumen und ein darüber ausgespannter Baldachin schmücken sie. In das Hauptgefäß kommen fünf Kostbarkeiten, in die Vardhani Gold.

36.64 Zum Wohl der Brahmanen lege man Nachbildungen von großem und kleinem Opferlöffel und Wassergefäß hinein, zum Wohl der Kshatriyas von Elefanten, Pferden, Wagen und Soldaten.

36.65 Für Vaishyas ist eine Waage, für Shudras sind Joch und Pflug genannt. Der Kundige lege diese in Vardhani und Shiva-Gefäß.

36.66 Vor dem vorläufigen Heiligtum stelle man die Gefäße auf eine Opferfläche. Den im vorläufigen Linga gegenwärtigen Gott übertrage man in das Hauptgefäß.

36.67 Die in dessen Sockel gegenwärtige Göttin rufe man in die Vardhani. Acht Gefäße unter dem Schutz der Vidyeshvaras versehe man mit Tüchern, Gold und Waffenzeichen,

36.68 mit Grasbüscheln, ungebrochenen Reiskörnern, bedeckten Öffnungen, Früchten und Schösslingen. Der Kundige stelle sie rings um das Shiva-Gefäß.

36.69 Der Mantrakundige rufe die Vidyeshvaras, Begleitgottheiten, Torhüter und übrigen Gottheiten mit ihren jeweiligen Mantras in die entsprechenden Gefäße.

36.70 Nachts vollziehe man die Feueropfer mit allen Mantras einzeln. Das vorläufige Linga hebe man aus und lege es in ein Gewässer ohne Algenbewuchs; die Wasserbeschreibung ist verderbt.

36.71 Ein hölzernes Linga kann im Feuer verbrannt oder ins Wasser gelegt werden. Nachdem Shiva und Shakti daraus herausgelöst sind, trage man die geweihten Gefäße sorgsam auf dem Kopf.

36.72 Pfauenfederfächer, Yakschweifwedel, Schirme, Fahnen und Baldachine begleiten sie. Man lasse lauten Festklang, Tanz und Gesang ertönen.

36.73 Man umkreise den Tempel im Uhrzeigersinn, wobei aus der Vardhani ein Wasserstrom ausgegossen wird. Dann stelle man die Gefäße im Nordosten des Altars auf der Opferfläche ab.

36.74 Shiva, die Brahma- und Vidya-Angas, die Vidyeshvaras, Ganeshas, Welthüter und ihre Waffen verehre man mit den entsprechenden Mantras.

36.75 Gesang, Tanz und Instrumentalklang begleiten die Handlung. In den Richtungen von Osten an rezitiere man Rigveda, Yajurveda, Samaveda und Atharvaveda.

36.76 Mit Japa und Hymnen verbunden vollziehe man dann das Feueropfer in den genannten Gruben nach der früher erläuterten Vorschrift.

36.77 Die übrigen Opferstoffe sind überall dieselben; höre die unterschiedlichen Brennhölzer: im Osten Shami, im Südosten Vata,

36.78 im Süden Kankata, im Südwesten Plaksha, im Westen Ashvattha, im Nordwesten Udumbara,

36.79 im Norden Bilva und im Nordosten Arka. So sind die Hölzer aller Feuergruben genannt; für das Shiva-Feuer dient Palasha.

36.80 Mit den Vidya-Angas und Shiva-Angas opfere man und berühre das Linga. Jeweils hundert Ghee-Gaben bringe man als Berührungsopfer dar.

36.81 Man vergegenwärtige: „Ich bin Shiva“, und opfere sorgfältig in diesem Bewusstsein. Raum, Wind, Feuer, Wasser, Erde, Mond,

36.82 Sonne und Selbst sind die acht Gestalten, deren Träger Bhava und die übrigen sind: Bhava, Sharva, Pashupati, Ugra, Rudra, Bhima,

36.83 Mahan und Isha. Diese heißen die Träger der Gestalten. Bis zum Abschluss der Weihe erhalte man die Feuer in den Gruben mit Brennstoff.

36.84 Am Morgen zur günstigen Stunde beginne man die Niederlegung der Kostbarkeiten. Die Türbreite teile man in einundzwanzig Abschnitte.

36.85 Den mittleren Abschnitt teile man sechsfach und versetze die Linie um zwei solcher Teile nach links. Diese heißt Brahma-Linie.

36.86 Auf dieser Mittellinie stelle man das Linga und darin Shiva auf. Eine abweichende Aufstellung gilt als schädlich für König und Land.

36.87 Zuerst lege man den festen Schildkrötenstein mit dem zugehörigen Brahma-Abschnitt nieder, darauf den Brahma-Stein und die Nandyavarta-Steine.

36.88 Man bereite die Stelle eben und fest mit bindenden Stoffen. Rubin, Vaidurya, blauer Edelstein, Smaragd,

36.89 Perle, Gomeda, Diamant, gelber Edelstein und Koralle lege man als neun Kostbarkeiten von der Mitte aus nieder.

36.90 Gerste, Wildreis, Mungbohnen, Sesam, Senf, Reis, Priyangu, Shyamaka und Pferdebohne sind die neun Samen.

36.91 Haritala, Shyama, Sandelholz, Manahshila, Saurashtra-Mineral, Quecksilber, Blei, roter Ocker und goldfarbener Pyrit sind die weiteren Stoffe.

36.92 Der Kundige lege sie nieder und vergegenwärtige dabei Lebenskräfte, Körperbestandteile und Sinne. Die Kostbarkeiten heißen Lebenskräfte, die guten Samen Sinne,

36.93 die Mineralstoffe entsprechen den Körperbestandteilen. Mit dem Haupt-Bija lege man sie nieder, verehre sie mit Duftstoffen und Blumen und setze den Nandyavarta-Stein auf.

36.94 Man hebe das Linga vom Lager, entferne die nicht mehr frischen Gaben und bringe ordnungsgemäß Ehrenwasser und Blumen mit dem Herzmantra dar.

36.95 Der Kundige richte das Linga mit dem Herzmantra nach Westen aus. Den Acharya, die Gestaltpriester, Rezitierenden und Dienenden,

36.96 den Astrologen und die Mantrarezitierenden ehre man angemessen. Nach Vermögen lasse man alle bis hin zu den Chandalas mit Speisen bewirten.

36.97 Das auf einem Wagen befindliche Linga umkreise den Tempel. Der Acharya berührt seine Spitze, die Gestaltpriester die ihnen zugeordneten Richtungsseiten.

36.98 Der Auftraggeber berührt den Fuß; voraus geht der Wasserstrom aus der Vardhani. Nach der Umkreisung halte man mit dem Gott beim Eingang an.

36.99 Man verehre ihn mit Duftstoffen und Blumen und bringe Ehrenwasser mit dem Herzmantra dar. Dann führe man das Linga behutsam in die vorbereitete Grube des Heiligtums.

36.100 Zur günstigen Stunde, bei günstigem Aszendenten, Mondhaus und Karana vergegenwärtige man Sadashiva und gedenke des Wurzelmantras.

36.101 So stelle man das Linga dort auf, leicht nach Nordosten ausgerichtet. Man befestige es mit den Nandyavarta-Steinen und füge den Sockel an.

36.102 Man verbinde es fest mit seiner eigenen Yoni, dem Sockel; die weitere Befestigungsangabe ist verderbt. Der Sthapaka führe dies unter fachlicher Anleitung des Sthapati aus.

36.103 Danach bereite man die achtteilige Bindemasse aus Lack, Guggulu, dem als Siddhi bezeichneten Stoff, Sarja-Harz, kristallinem Stoff, Kies und Kuruvindaka,

36.104 mit Öl als achtem Bestandteil. Der Kundige erhitze die Mischung, bis sie klebrig wird, und bringe sie zwischen Linga und Sockel ein, fest und gleichmäßig.

36.105 Ihre Breite betrage ein Sechzehntel des Verehrungsabschnitts, ihre Höhe ein Viertel dieses Maßes. Dies gilt als Ashtabandha.

36.106 Die Verbindung zwischen Linga und Sockel sei glatt; alternativ verwende man die als Vajrabandha bezeichnete Bindung. Der Acharya bade erneut und umgebe seinen Leib mit Mantras.

36.107 Er lasse den Tagessegen sprechen, bade das Linga mit Panchagavya, verehre es mit Duftstoffen und Blumen und bereite den göttlichen Sitz.

36.108 Der Mantrakundige rufe Shiva herbei, verehre ihn und vollziehe Sakalikarana. Nach der Sättigung der Mantras bringe er die vollständige Opfergabe dar.

36.109 Nach besonderer Verehrung der Gefäße und der förmlichen Bitte ehre man den Acharya entsprechend den vorhandenen Mitteln.

36.110 Man gebe ihm Turban, Obergewand, Untergewand, goldene Ringe, Duftstoffe und Blumen,

36.111 Krone, Ohrgehänge, Halskette, Oberarmreifen, Armreifen und Gürtelband.

36.112 Die geringste Goldgabe an den Acharya beträgt zehn Nishkas, die mittlere das Doppelte und die höchste das Dreifache.

36.113 Nachdem man ihn so ordnungsgemäß geehrt hat, schenke man Kühe mit Kälbern. Die Zufriedenheit im Herzen des Acharya ist ein Grund der Freude des Gottes.

36.114 Den Gestaltpriestern gebe man einzeln Gewänder und je einen Gold-Nishka. Den Rest des Feueropfers führe der Kundige danach mit dem Herzmantra fort; die nähere Handlung ist nicht eindeutig.

36.115 Man richte die vorgeschriebene Bitte an den im Gefäß gegenwärtigen Herrn der Götter. Der Acharya hebe das Hauptgefäß auf, ein Schüler die Vardhani.

36.116 Die Gestaltpriester tragen die übrigen Gefäße. Man umkreise den Tempel, halte beim Eingang an, und der Guru bringe mit dem Herzmantra Ehrenwasser dar.

36.117 Dann trete er zum Linga ein und stelle sich nach Norden gewandt auf. Das Shiva-Gefäß setze er auf einen dreifüßigen Ständer.

36.118 Er vergegenwärtige den aus den sechs Wegen bestehenden Sitz und zeige die Linga-Mudra. Wie Duft in der Blume und Öl im Sesam ist der Herr darin gegenwärtig.

36.119 Den Herrn der Götter im Gefäß verbinde er mit dem Inneren des Linga. Unter Aussprache des Shiva-Mantras vergegenwärtige er Shiva in sich selbst.

36.120 Die Übergießung des Linga mit diesem Wasser heißt seine Belebung. Man vergegenwärtige die alles durchdringende Shakti und verbinde sie entsprechend mit dem Sockel.

36.121 Alle Gottheiten der Umhüllungskreise ordne man wie zuvor an, rufe sie aus den Gefäßen herbei und vollziehe die Übergießung mit deren Wasser.

36.122 Der Reihe nach bringe man Duftstoffe, Blumen, Räucherwerk und Licht dar. Alle Begleitgottheiten von den Torhütern bis zu den Sockelgottheiten

36.123 übertrage man aus ihren Gefäßen an die jeweiligen Plätze. Milchreis, Reis mit Hülsenfrüchten, Rohzuckerreis, Mungbohnenreis und reiner Reis

36.124 bilden die fünf Arten der Opferspeise. Man bringe auch den Begleitgottheiten Bali dar und vollziehe das Fest nach der vorgeschriebenen Abfolge, am Abend beginnend.

36.125 Damit ist die Weihevorschrift erläutert. Höre nun von der erneuten Besprengungsweihe. Alles ist sachgerecht nach dem Ablauf der ursprünglichen Weihe auszuführen.

36.126 Wie zuvor stelle man die Gefäße ordnungsgemäß in die Mitte des Altars. Vor ihrer Aufstellung reinige man insbesondere das Linga,

36.127 den Sockel und den Ort nach der Abfolge der fünf Reinigungen. Man bestreiche sie mit allen Duftstoffen und hülle sie in Tücher.

36.128 Bei der Besprengungsweihe findet das vorausgehende Herbeitragen nicht statt; die Formulierung ist knapp. Dies war die Vorschrift für ein Linga. Höre nun die für fünf.

36.129 In die Mitte stelle man Sadashiva, nach Osten Purusha, nach Süden Aghora, nach Westen Sadyojata

36.130 und nach Norden Vamadeva. Der Kundige kann sie auch in den Zwischenrichtungen anordnen; in Haupt- oder Zwischenrichtungen wenden sie sich Sadashiva zu.

36.131 Jeder erhält ein eigenes Heiligtum, die übrigen Handlungen erfolgen wie zuvor. Dies ist die Vorschrift für fünf Lingas. Höre nun die für neun.

36.132 Ihre Heiligtümer werden nach der früheren Vorschrift in den acht Richtungen angelegt. In Haupt- und Zwischenrichtungen sind sie Sadashiva zugewandt.

36.133 So ist die Vorschrift für neun Lingas erklärt. Höre nun die für tausend. In der Mitte steht wie zuvor Sadashiva; die Vidyeshvaras erhalten jeweils eigene Plätze.

36.134 Vierundzwanzig Lingas werden als Umkreis der Vidyeshvaras genannt. Die Namen und Formen der übrigen entsprechen der für Sadakhya beschriebenen Art; die Gesamtanordnung der angekündigten Tausend ist hier nicht vollständig erläutert.

36.135 Man stelle sie nach der Vorschrift mit ihren jeweiligen Namensmantras auf, innerhalb von acht oder sechzehn Tagen oder einem Monat.

36.136 Alles vollziehe man wie bei der Weihe eines einzelnen Linga. Sadakhya soll in Linga-Form dargestellt werden; eine andere Linga-Form ist hier nicht gewünscht.

36.137 Ein Mensch, der so handelt, erlangt die Vereinigung mit Shiva. Damit ist die Aufstellung des Linga erläutert. Höre nun die Vorschrift für die gestaltvollen Bildwerke.

So endet das sechsunddreißigste Kapitel.

Überlieferter Zusatz: Agamas für verschiedene Linga-Arten

Für selbstentstandene Lingas werden die vier Agamas Karana, Vatula, Sukshma und Suprabheda genannt.

Für von Göttern aufgestellte Lingas soll der Vorschriftenkundige Kamika, Vijaya, Svayambhuva und Anala heranziehen.

Für himmlische Lingas sind Chintya, Sahasra, Dipta und Ayuta zur Verehrung und allen Handlungen genannt.

Für von Rishis aufgestellte Lingas verwende der Kundige Yogaja, Makuta, Nishvasa und Raurava, besonders beim Ardhayama-Gottesdienst.

Für von Menschen aufgestellte Lingas nennt der Text Vira, Vimala, Udbheda, Chandrajnana, Bimbaka und Parama; die Namensabgrenzung ist teilweise unsicher.

Für Rakshasa-Lingas werden Prodgita, Lalita, Siddhi und Santana genannt; nach ihnen vollziehe man Besprengung und Verehrung auch der Asura-Lingas.

Für Bana-Lingas werden Parameshvara, ein als Sankhyokta überlieferter Ausdruck, Amshuman und Kirana genannt. Die anschließende Erwähnung einer Fünfergruppe von Ganas ist nicht eindeutig.

Der Wirkungsbereich eines menschlichen Linga wird mit weniger als einem Yojana angegeben, der eines puranischen mit zehn, der eines Rishi-Linga mit hundert und der eines göttlichen mit tausend Yojanas.


Kapitel 37 – Die Weihe der gestaltvollen Bildwerke

37.1 Nun will ich die Weihe der gestaltvollen Bildwerke erklären; höre die gemeinsame Aufstellungsvorschrift für die Gestalten von Ishvara an.

37.2 Diese vorzügliche gemeinsame Ordnung gilt für die zwölf Bildgestalten. Für bewegliche und unbewegliche gilt grundsätzlich derselbe Weiheablauf.

37.3 Höre die Aufstellungsvorschrift für bewegliche sowie steinerne und tönerne Bildwerke. Die Niederlegung der Kostbarkeiten, die Wasserlagerung, das Ruhelager und die Umkreisung

37.4 werden bei gemalten Bildern nicht unmittelbar am Bild vollzogen. Die Kostbarkeiten werden am vorgesehenen Grund niedergelegt; die weiteren Handlungen vollziehe man für ein gemaltes Bild sorgfältig an einem Spiegel.

37.5 Über einem dreifüßigen Gestell in einem Wasserbecken lasse man Wasser über den Spiegel fließen. So vollziehe man Wasserlagerung und rituelles Bad.

37.6 Im Übrigen gilt für alle gestaltvollen Bilder dieselbe Ordnung. Zuerst vollziehe man die Aussaat der Keimlinge nach der früher beschriebenen Vorschrift.

37.7 In einer geschmückten Halle vor dem Tempel bereite man eine Opferfläche aus reinem ungeschältem Reis.

37.8 Man verehre sie mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben. In der Mitte des Lotussockels fertige man die vorgesehenen Vertiefungen – der Ausdruck ist verderbt – und lege die Kostbarkeiten ordnungsgemäß nieder.

37.9 Rubin, Vaidurya, blauer Edelstein, Smaragd, Perle, Gomeda, Diamant, gelber Edelstein und Koralle

37.10 lege man mit dem Herzmantra von der Mitte aus nieder. Die anschließende Samenliste beginnt mit Sesam, Mungbohnen und einer verderbten Bezeichnung, danach nochmals Sesam und Senf;

37.11 es folgen Shyamaka, Reis, Pferdebohne und Priyangu als neun Samen. Auch goldene Nachbildungen dieser Samen können mit dem Schutzmantra niedergelegt werden.

37.12 Augensalbenmineral, Haritala, Shyama, Manahshila, Quecksilber, Saurashtra-Mineral, Siddhaka und roter Ocker sind die weiteren Stoffe.

37.13 Mit dem Shiva-Mantra setze der Sthapaka die Bildgestalt auf der Mittelplatte des Sockels ein und lasse die Verbindung glatt ausführen.

37.14 Mit Sandpulver und Rindslederstreifen poliere man die Bildgestalt, bis sie völlig rein und glatt ist.

37.15 Zur Augenöffnung bereite man wie zuvor eine Opferfläche, stelle das Bild darauf und umgebe es mit einem großen Tuch.

37.16 Ringsum stelle man acht Gefäße mit Grasbüscheln, ungebrochenen Reiskörnern und Blumen auf und verehre darin nach der Vorschrift die Richtungshüter.

37.17 Der Acharya gedenke gemeinsam mit dem Handwerker des Augenmantras. Bei Stein- und Metallbildern arbeite man mit goldener Nadel und geeignetem Schlagwerkzeug.

37.18 Bei gemalten und tönernen Bildern male man sorgfältig mit Farbe. Man ziehe die Brauenlinien und die Wimpernlinien; eine Zwischenangabe ist verderbt.

37.19 Man zeichne den weißen Augenbereich, darin den dunklen Kreis und in diesem die Pupille als Lichtkreis.

37.20 Der Handwerker führe dies deutlich aus, während der Guru das Augenmantra rezitiert. Sthapaka und Sthapati ehre man mit Gewändern und Goldschmuck.

37.21 Nachdem man sie geehrt und zufriedengestellt hat, entlasse man den Handwerker. Mit Honig und Ghee benetze man die Augen mittels goldenen Durva-Grases.

37.22 Mit Milch verfahre man ebenso unter dem Augenmantra. Man nehme drei Gefäße aus Kupfer oder Bronze,

37.23 fülle sie mit je einem Prastha Milch, Ghee und Honig und lege Gold und Silber hinzu.

37.24 Honig zeige beziehungsweise bringe man an das rechte Auge, das dem Sonnenwesen entspricht; Kuhghee an das linke im Gedenken an den Mond.

37.25 Milch bringe man an das obere Auge, das dem Feuer entspricht. Der Guru besprenge die Augen mit diesen Stoffen unter den jeweiligen Mantras.

37.26 Zeige-, Mittel- und Ringfinger seien mit Gold versehen. Den Zeigefinger ordne man dem rechten Auge zu, den Mittelfinger dem oberen und den Ringfinger dem anderen.

37.27 Mit dem Herzmantra und den übrigen Formeln vollziehe man die Berührung und besprenge mit duftendem Wasser. Man entferne den Vorhang und führe eine junge, wohlgenährte

37.28 Milchkuh mit ihrem Kalb vor. Unter dem vorgesehenen Kuh- und Opfermantra melke man sie, verehre sie mit der Savitri-Formel und zeige sie dem Bild.

37.29 Danach zeige man Brahmanen und weitere Zweimalgeborene. Dieser Ablauf gilt gemeinsam für alle gestaltvollen Bildwerke.

37.30 Man reinige jedes Bild mit dem für sein Material geeigneten Mittel. Mit allem Schmuck versehen führe man es im Uhrzeigersinn um den Ort.

37.31 Die Wasserlagerung vollziehe man in reinem, bis zum Hals reichendem Wasser. Ein Schutzbau mit vier Stützen, Baldachin und Fahnen

37.32 steht im Wasser und trägt Darbha-Girlanden. In zwei Tücher gehüllt und mit Darbha-Gras und Blumen umgeben,

37.33 lege man das Bild auf einen Sockel oder ein Brett, mit dem Kopf nach Osten, für fünf, drei oder eine Nacht.

37.34 Danach bereite man die Halle entsprechend den Mitteln vor, an einem schönen Ort im Osten, Süden oder Westen.

37.35 Sie sei zehn oder zwölf Ellen groß, mit sechzehn Stützen, vier Eingängen und vier Zierbögen.

37.36 Sie trage Darbha-Girlanden und hängende Blumenkränze, oben einen Baldachin und Fahnen in den acht Richtungen,

37.37 glückverheißende Keimlinge und Perlenschnüre. Im mittleren Feld der neunfach gegliederten Halle

37.38 errichte man einen breiten Nebenaltar von einem Tala Höhe. Im Inneren des Heiligtums bereite man einen festen, glückverheißenden Altar,

37.39 eine Elle hoch und spiegelglatt. In den acht Richtungen lege man richtig bemessene Feuergruben an.

37.40 Im Osten seien sie viereckig, im Südosten wie ein Pippala-Blatt, im Süden halbmondförmig und im Südwesten dreieckig,

37.41 im Westen rund, im Nordwesten sechseckig, im Norden lotusförmig und im Nordosten achteckig.

37.42 Zwischen Nordosten und Osten lege man eine runde Feuergrube an. Nördlich der Halle liege die Badehalle.

37.43 In deren Mitte errichte man einen Badealtar von drei, zwei oder einer Elle Breite, eine Elle hoch, eben, fest und glückverheißend.

37.44 Er besitze drei Randstufen von fünf, vier und drei Fingerbreit; alternativ einen einzigen günstigen Rand von acht Fingerbreit.

37.45 Man bestreiche den Boden mit Kuhdung, lasse ihn trocknen und reinige ihn rituell. Nach der Bewirtung der Brahmanen folgt das Vastu-Feueropfer.

37.46 Man trage das Feuer reinigend um Tempel und Opferhalle, lasse den Tagessegen sprechen und besprenge alles mit Panchagavya.

37.47 Der Kundige bereite auf dem Altar das Ruhelager aus acht Dronas ungeschältem Reis oder der Hälfte davon; geschälter Reis beträgt wiederum die Hälfte.

37.48 In der Mitte bilde man aus Reiskörnern einen achtblättrigen Lotus und lege die zuvor genannten Lagerstoffe von den Vogelfedern an sorgfältig übereinander.

37.49 Sind diese nicht verfügbar, breite man fünf Tücher aus. Darüber vergegenwärtige man die neun Shaktis sowie die Kräfte des Wollens, Erkennens und Handelns.

37.50 Man verehre sie mit Duftstoffen und Blumen und schmücke alles mit glückverheißenden Keimlingen. Das Bild hebe man aus dem Wasser und lagere es in Panchagavya

37.51 für eine Nacht; oder man bade es damit. Dann stelle man die Bildgestalt in die Mitte des Badealtars.

37.52 Der Kundige bade sie mit Wasser und den acht Erdarten und verehre sie mit dem Herzmantra. Mit goldenem Durva-Gras bringe er Ghee auf das Haupt; die begleitende Reiskornangabe ist verderbt.

37.53 Einen goldenen oder silbernen Weihelfaden binde man mit dem Herzmantra als Schutz an die rechte Hand.

37.54 Man verehre die Gestalt mit Duftstoffen und weiteren Gaben, bringe sie auf den Altar und verehre den nach Westen gerichteten Gott mit dem Herzmantra.

37.55 Auf das Lager lege man ihn mit dem Kopf nach Osten und dem Gesicht nach oben. Handelt es sich um eine Ishvara-Gestalt, liege Shakti mit ihm an seiner linken Seite.

37.56 Die Niederlegung der Kostbarkeiten und die übrigen Handlungen vollziehe man für beide gemeinsam. Bei anderen Bildgestalten beachte der Kundige, welche Verbindung angemessen ist.

37.57 Man bedecke die Bilder mit Tüchern, Darbha-Gras und Blumen. Acht Gefäße der Vidyeshvaras seien mit Gold und den Waffenzeichen von Vajra an versehen,

37.58 mit je zwei Tüchern umhüllt, mit Grasbüscheln und Deckeln ausgestattet. Mit den jeweiligen Mantras stelle man sie in den acht Richtungen rings um das Bild auf.

37.59 Nordöstlich vom Kopf der Bildgestalt stelle man ein weiteres Gefäß auf. Es enthält sechzehn Einheiten; die Maßeinheit und der Bezug zum Bildglanz sind verderbt überliefert.

37.60 Man umwinde es mit dreifacher Schnur, die Windungen ein Gerstenkorn voneinander entfernt, lege fünf Kostbarkeiten hinein und fülle es mit reinem Wasser.

37.61 Mit Mangoschösslingen, Grasbüschel und Deckel versehen, in zwei Tücher gehüllt, stelle man es auf die Opferfläche.

37.62 Zum Wohl der Brahmanen lege man Nachbildungen von Opferfaden und beiden Opferlöffeln hinein; zum Wohl der Kshatriyas solche von Elefanten, Pferden und Wagen,

37.63 zum Wohl der Vaishyas Waage und Messgefäße, zum Wohl der Shudras Stier und Pflug.

37.64 Diese fertige man aus Gold und lege sie mit den sechs Anga-Mantras nieder. Man vergegenwärtige genau die Gestalt, deren Bild aufgestellt werden soll.

37.65 Man stelle sie geistig in die Mitte des Gefäßes und gedenke ihres Wurzelmantras. Die sechsfach beschriebene Meditation rufe man herbei und ordne sie Shiva zu; die Formulierung bleibt knapp.

37.66 Nach der zuvor erläuterten Weise vollziehe man die Mantra-Auflegung und verehre mit dem Herzmantra, Duftstoffen und Blumen.

37.67 Links stelle man entsprechend die Vardhani mit dem Haupt-Bija auf. Rings auf dem Nebenaltar stehen acht Gefäße,

37.68 mit Tüchern, Grasbüscheln, ungebrochenen Reiskörnern, Schnüren und Schösslingen, mit goldenen Waffenzeichen von Vajra an und den Welthütern als Schutzgottheiten.

37.69 Man verehre sie mit ihren eigenen Mantras und stelle die Torgefäße auf. Die acht glückverheißenden Zeichen stelle man außerhalb des Altars auf,

37.70 verehre sie mit ihren Namen und vollziehe dann das Feueropfer. In den Richtungen rezitiere man Rig-, Yajur-, Sama- und Atharvaveda.

37.71 Es können neun, fünf, drei oder ein Feuer verwendet werden. Bei drei Feuern liegen die Gruben im Osten, Süden und Norden.

37.72 Sadashiva, Ishvara und Rudra gelten der Reihe nach als Herren dieser drei Gruben. Bei einem einzigen Feuer opfere der Kundige im Shiva-Feuer im Osten.

37.73 Zuerst opfere man im Shiva-Feuer, dann folgen die Gestaltopfer. Den allgegenwärtigen Herrn vergegenwärtige man in den Prinzipien von Shiva bis zur Erde.

37.74 Der Kundige betrachte sich selbst in den jeweiligen Gestalten und verehre das Feuer. Im Osten ist die Sonne die Gestalt, Bhava ihr Träger.

37.75 Im Südosten ist Feuer die Gestalt, Sharva ihr Träger; im Süden Erde, deren Träger Pashupati ist.

37.76 Im Südwesten ist Raum die Gestalt; der Trägername ist verderbt und erscheint als Rudra. Im Westen ist Wasser die Gestalt und Rudra ihr Träger.

37.77 Im Nordwesten ist Wind die Gestalt, Bhima ihr Träger; im Norden der Mond, dessen Träger Mahan ist.

37.78 Im Nordosten ist das Selbst die Gestalt und Isha ihr Träger. So sind die acht Gestalten und ihre Träger geordnet.

37.79 Shiva ist die Hauptgottheit. Ganz auf die jeweilige Vergegenwärtigung gerichtet bereite man das Feuer wie zuvor vor und opfere dann die Stoffe.

37.80 Die elf Stoffe sind Brennholz, Ghee, Opferhölzchen, Reis, gerösteter Reis, geröstetes Mehl, Sesam, Gerste, weißer Senf, Mungbohnen und Honig.

37.81 Den Brennstoff lege man schweigend ein, Ghee opfere man mit dem Wurzelmantra, die Opferhölzchen mit dem Haupt-Bija und den Opferreis mit Sadyojata.

37.82 Gerösteten Reis opfere man mit dem Herzmantra, geröstetes Mehl mit dem Kopfmantra, Sesam mit dem Haarschopfmantra und Gerste mit dem Schutzmantra.

37.83 Weißen Senf opfere man mit Bahurupa, Mungbohnen mit Astra und Honig mit dem Augenmantra. Danach opfere man mit den Vyahritis.

37.84 Im Osten dienen Palasha-Hölzchen, im Südosten Kankata, im Süden Vata und im Südwesten Ashvattha,

37.85 im Westen Plaksha, im Nordwesten Udumbara, im Norden Arka und im Nordosten Bilva.

37.86 Zwischen Osten und Nordosten dienen Palasha-Hölzchen. Von jedem Stoff bringe man tausend Gaben dar, die Hälfte davon oder nochmals die Hälfte,

37.87 oder hundertacht, fünfzig, fünfundzwanzig beziehungsweise sechzehn Opfergaben je Stoff.

37.88 Man opfere mit den Brahma- und Anga-Mantras und berühre die entsprechenden Stellen des Bildes. Danach opfere man die Vyahritis. Während der Nacht verzichte man auf Schlaf.

37.89 Am klaren Morgen, vor dem für die Weihe bestimmten Aszendenten, ehre man zuerst den Acharya mit Gewändern, Ringen und weiteren Gaben.

37.90 Man gebe ihm Gold, Blumen, Opferfaden, Ohrgehänge und Armreifen; die historische Vorschrift nennt außerdem weibliche und männliche Dienende, Kühe und Land als Gaben.

37.91 Die geringste Gabe an den Lehrer beträgt zehn Nishkas, die mittlere das Doppelte und die höchste das Dreifache.

37.92 Jeden Gestaltpriester ehre man mit einem Achtel der Lehrergabe; Astrologe und Vastu-Opferpriester erhalten das Dreifache der Gabe eines Gestaltpriesters.

37.93 Die Rezitierenden erhalten einzeln drei Viertel der Gabe eines Gestaltpriesters. Dazu gebe man ihnen einen goldenen Ring und zwei Gewänder.

37.94 Den Gläubigen und Dienenden gebe man nach Vermögen. Armen, Blinden und Bedürftigen lasse man Speise, Trank und weitere Hilfen zukommen.

37.95 Mit allen Mantras bringe man die vollständige Opfergabe dar; eine zusätzliche Zahlenangabe ist verderbt. Alle abschließenden Feueropferhandlungen vollziehe man der Reihe nach.

37.96 Kurz vor der günstigen Stunde hebe man Shiva vom Lager und verehre ihn mit Duftstoffen und Blumen unter Muschelhorn- und Trommelklang.

37.97 Mit allem Schmuck versehen beginne man die Mantra-Auflegung. Man hebe das Shiva-Gefäß und die Vardhani auf und stelle sie vor Shiva ab.

37.98 Nach Darbringung des Ehrenwassers vollziehe man Sakalikarana am eigenen Leib, vergegenwärtige die entsprechende göttliche Gestalt im Feuer und verbinde sie mit dem Bild.

37.99 Shakti ordne man links mit den Haupt-Bijas an. Aus dem Gefäß übertrage man das göttliche Prinzip in das Bild und lege die Angas auf.

37.100 Mit den Gefäßen Shivas, Umas und der Vidyeshvaras vollziehe man die Übergießung. Danach folgen das rituelle Bad und eine große Speisedarbringung.

37.101 Anschließend feiere man das Fest nach der früheren Vorschrift. So sind die Ishvara-Bildgestalten für den Festgebrauch erläutert.

37.102 Die zwölf genannten Bildgestalten dienen auch den Festhandlungen. Abgesehen von Ort, Zeit und besonderer Gestalt ist die Ordnung gleich.

37.103 Alle Schritte der Verehrung ordne man wie bei Shiva an. Bei anderen Gottheiten gelten jeweils die für sie vorgeschriebenen Bestimmungen.

37.104 Ihre Gestalt und ihre eigenen Namensmantras sind entsprechend zu beachten. Nach Abschluss jeder Aufstellung vollziehe man das rituelle Bad und das Fest.

37.105 Damit ist die Weihe gestaltvoller Bildwerke erläutert. Höre nun von ihrer erneuten Besprengung. Auf dem Altar stelle der Kundige die Gefäße Shivas, Umas und der Vidyeshvaras auf,

37.106 auf dem Nebenaltar die Gefäße der Welthüter. Tücher und goldene Nachbildungen füge man wie zuvor hinzu.

37.107 Die Handlungen von der Kostbarkeiten-Niederlegung bis zum Ruhelager werden im Zusammenhang mit dem Bild genannt; die genaue Einschränkung ist verderbt. Man bedecke das Bild mit Tüchern und vollziehe das Feueropfer wie zuvor.

37.108 Das rituelle Bad findet im Nordwesten statt; alles Übrige bleibt gleich. Die verwendeten und zur Ausführung dienenden Geräte übergebe man dem Acharya.

So ist die Aufstellung der gestaltvollen Bilder erläutert. Höre nun von der Aufstellung der Shakti.

So endet das siebenunddreißigste Kapitel.


Kapitel 38 – Die Weihe der Shakti

Die Verehrung der Shakti erhält im Suprabheda einen eigenen Platz innerhalb der Tempelweihe.

38.1 Nun erläutere ich die höchste Aufstellung der Shakti. Wie die Hitze dem Feuer ist Shakti dem allgegenwärtigen Herrn untrennbar verbunden.

38.2 Ist er gestaltlos, heißt auch sie gestaltlos; besitzt er Gestalt, besitzt auch sie Gestalt. Seine Erscheinungen unterscheiden sich als Sadashiva, Shiva, Rudra, Vishnu und Brahma,

38.3 ihre als Manonmani, Ishvari, Uma, Shri und Savitri. Diese höheren und niederen Erscheinungsweisen dienen der Gnade für die Welten.

38.4 Manonmani und Ishvari werden jeweils gemeinsam mit ihrem Herrn aufgestellt. Bei den übrigen Shaktis kennt man drei Arten: einzeln, nachträglich verbunden und gemeinsam.

38.5 Wo Shakti allein aufgestellt wird, steht im Text das Wort „agha“, Unheil; im Zusammenhang der Dreiteilung ist die Lesung unsicher. Wird zuerst Shambhu geweiht und danach Shakti

38.6 nach der Vorschrift mit ihm verbunden, heißt dies die verbundene Form. Werden Shakti und Shambhu zugleich aufgestellt, heißt dies die gemeinsame.

38.7 Höre die drei Formen gemeinsamen Wurzelmantras und weiteren Formeln. Das Maya-Bija mit dem Raumlaut, Bindu und Nada

38.8 bildet das Wurzelmantra der ursprünglichen Shakti; als Variante wird der Raumlaut mit Bindu genannt. Für die sechs Angas werden die folgenden Vokale bestimmt: der zweite,

38.9 der vierte, der achte, der zwölfte, der vierzehnte und der sechzehnte Vokal.

38.10 Mit ihnen verbindet man Herz-, Kopf-, Haarschopf-, Schutz-, Augen- und Waffenmantra. Beim Kopfmantra besteht eine Besonderheit: Es wird mit dem Wasserlaut verbunden.

38.11 Das Waffenmantra erhält Visarga und bleibt ohne Bindu und Nada. Der erste, dritte, fünfte, zehnte

38.12 und zwölfte Vokal bilden die fünf Brahma-Mantras von Sadyojata an. Nun folgt die Gauri-Gayatri: „Wir erkennen die Mutter der Scharen“.

38.13 Danach spreche man: „Wir versenken uns in die von großer Askese Erfüllte.“ Und anschließend: „Möge Gauri uns anregen.“

38.14 Diese vierundzwanzigsilbige Formel heißt Gauri-Gayatri. Für die Einzelaufstellung werden Ton und Stein genannt, für die übrigen Formen Metall.

38.15 Bei einem Tonbild ist keine Wasserlagerung vorgesehen. Alles andere gilt für alle Bilder gleichermaßen und wird entsprechend den Möglichkeiten ausgeführt.

38.16 Der Kundige fertige die Bildgestalt nach der früheren Vorschrift. Vor dem Weihetag ist die Aussaat der Keimlinge zu vollziehen.

38.17 Nach der Niederlegung der Kostbarkeiten wie zuvor lasse man das Bild glatt vollenden und beginne die Augenöffnung.

38.18 Der Lehrer beginne mit goldenem Schlagwerkzeug und goldener Nadel unter dem Augenmantra. Diese Anweisung ist im Vers zweimal überliefert.

38.19 Zuerst zeichne man die Brauenlinien, danach die Wimpernlinien, dann den weißen Augenbereich und darin den dunklen Kreis.

38.20 In dessen Mitte lasse man den Handwerker die Pupille als Lichtkreis ausführen. Nach Entlassung des Handwerkers vollziehe der Guru die weiteren Handlungen.

38.21 Zeige- und Mittelfinger seien mit goldenen Nagelaufsätzen versehen. Damit berühre der Kundige die Augen unter dem Shakti-Mantra.

38.22 Honig und Ghee in Bronzegefäßen trage man mit goldenem Durva-Gras unter dem Herzmantra auf. Eine Milchkuh mit ihrem Kalb

38.23 zeige der Lehrer unter dem dafür vorgesehenen Kuhmantra. Unter dem Augenmantra lasse man die Göttin Brahmanen und alle weiteren Menschen erblicken.

38.24 Dann reinige der Kundige das Bild mit reinem Wasser. Mit allem Schmuck versehen führe man es im Uhrzeigersinn um den Ort.

38.25 Danach folgt die Wasserlagerung für drei Nächte oder eine. Man errichte einen viereckigen Schutzbau mit Darbha-Girlanden,

38.26 hülle die Shakti-Gestalt in Tücher, Blumen und Darbha-Gras und lagere sie dort in reinem, bis zum Hals reichendem Wasser.

38.27 Rings im Wasser stelle man die Gefäße der Richtungshüter auf. Die Weihehalle errichte man mit allem Schmuck,

38.28 mit sechzehn Stützen, vier Eingängen, vier Zierbögen und Darbha-Girlanden.

38.29 In ihrer Mitte errichte man einen Altar von einem Drittel der Hallenbreite, eine Elle hoch und spiegelglatt.

38.30 Man bereite einen Nebenaltar von einem Tala Höhe und nördlich in der Nähe entsprechend die Badehalle.

38.31 In deren Mitte liege ein Badealtar mit drei, zwei oder einer Randstufe. Auf der Opferfläche über dem Hauptaltar bereite man aus acht Dronas Reis,

38.32 Sesam und geschältem Reis einen achtblättrigen Lotus. Mit den Lagerstoffen von den Vogelfedern an richte man das Ruhelager ein.

38.33 Sind diese nicht verfügbar, verwende man fünf Tücher. Der Lehrer stammt aus einer Adishaiva-Familie und besitzt die früher genannten Merkmale.

38.34 Nach gründlichem Bad und rituellem Wassernippen legt er allen Schmuck an, holt das im Wasser gelagerte Bild und badet es mit Panchagavya.

38.35 Auf dem Badealtar bade er es ordnungsgemäß mit dem Mantra, der mit „Ganambika“ beginnt, und mit Wasser, dem die acht Erdarten zugesetzt sind.

38.36 Durch Säurebehandlung und andere geeignete Mittel reinige er das Bild sachgerecht. Dann verehre der Lehrer es mit dem Haupt-Bija, Duftstoffen und Blumen.

38.37 Der Kundige binde den Schutzfaden aus Gold an und bringe mittels goldener Durva-Schösslinge Ghee und ungebrochene Reiskörner auf das Haupt.

38.38 Er lege Shakti mit dem Kopf nach Osten und dem Gesicht nach oben auf das Lager, bedecke sie mit Tüchern und vollziehe die Besprengung mit heiligem Wasser; der letzte Ausdruck ist verkürzt.

38.39 Auf der Opferfläche des Nebenaltars stelle man fehlerfreie, günstige und feste Gefäße auf, versehen mit Tüchern, Gold, Schnüren, Reiskörnern und Schösslingen.

38.40 Die acht Gefäße der Welthüter stehen im Osten beginnend. Weitere acht Gefäße des Umkreises sind mit goldenen Schnüren beziehungsweise Zeichen versehen,

38.41 mit Grasbüscheln und Deckeln ausgestattet und in je zwei Tücher gehüllt. In ihnen ordne man mit dem Herzmantra die acht Shaktis von Vama an.

38.42 Der Kundige verehre sie mit Herzmantra, Duftstoffen und Blumen. Die Vardhani sei mit Schnüren versehen und in zwei Tücher gehüllt,

38.43 mit Grasbüschel und Deckel, mit der ursprünglichen Shakti als Schutzgottheit, einem goldenen Lotus und neun Kostbarkeiten.

38.44 Man stelle sie mit dem Bija am Kopfende des Bildes auf, verehre sie mit Duftstoffen, Blumen und Reiskörnern und beginne die Feuerhandlung.

38.45 Neun, fünf, drei oder ein Feuer sind möglich. Die Feuergruben lege man nach der Vorschrift yoniförmig an.

38.46 Von der Feuergründung an vollziehe man die sechzehn Handlungen wie zuvor. Der Mantrakundige rufe mit dem Haupt-Bija die betreffende Shakti ins Feuer.

38.47 Mit ihren eigenen Mantras bringe er Brennhölzer, Ghee und die übrigen Stoffe dar. Danach vollziehe er mit den jeweiligen Mantras das Berührungsopfer.

38.48 Am Morgen zur günstigen Stunde, begleitet von allen Instrumenten, ehre man Acharya, Gestaltpriester und Astrologen.

38.49 Mit dem Haupt-Bija bringe man die vollständige Opfergabe dar, hebe das Shakti-Bild auf und stelle es auf den Badealtar.

38.50 Der nach Norden gewandte Lehrer hebe die Vardhani auf. Am Herzen, Scheitel, Nabel und unteren Ende des Bildes vollziehe er die vorgesehenen Auflegungen.

38.51 Nach den Brahma- und Anga-Mantras lege er sämtliche Matrika-Laute auf. Die Shakti aus dem Vardhani-Gefäß verbinde er durch das Wurzelmantra mit dem Bild.

38.52 Mit dem Haupt-Bija übergieße er es mit dessen Wasser. Die Shaktis von Vama an ordne er mit ihren eigenen Mantras und den Wassern ihrer Gefäße zu.

38.53 Mit den entsprechenden Mantras vollziehe er Bad, Salbung und weitere Wasserriten. Der Göttin bringe er Fußwasser, Wasser zum rituellen Nippen und Ehrenwasser mit dem Herzmantra und den übrigen Formeln dar.

38.54 Man verehre sie mit Duftstoffen und Blumen, schmücke sie vollständig und bringe ihr mit dem Herzmantra Milchreis als Opferspeise dar.

38.55 So ist diese Form erläutert. Nun spreche ich von der nachträglichen Verbindung. Man errichte die Halle nach der Vorschrift und in ihrer Mitte den Altar,

38.56 mit allem Schmuck, Baldachinen und Fahnen. Darin bereite man die Opferfläche und verehre das Feuer.

38.57 Im westlichen Bereich ordne man Uma und Rudra an, Uma links, mit allem Schmuck. Eine nähere Maß- oder Ortsbezeichnung ist verderbt.

38.58 Mit neuen Gewändern schmücke man Uma und Rudra unter der mit „Prashanta“ beginnenden Formel. Der Acharya vergegenwärtige sich als Brahma und vollziehe sämtliche Hochzeitshandlungen.

38.59 Feuergründung und weitere Schritte erfolgen nach der früheren Vorschrift. Man rufe dort Vishnu herbei; mit vorausgehender Wassergabe lasse man die Göttin

38.60 unter dem Haupt-Bija in Rudras rechte Hand übergeben. Links lege man einen Stein hin und spreche die Gauri-Gayatri.

38.61 Rudra lasse den Fuß der Göttin berühren und auf den Stein setzen. Der Mantrakundige opfere mit dem Shiva-Mantra dreimal gerösteten Reis.

38.62 Alle weiteren Handlungen vollziehe man in Verbindung mit Shakti und bringe reichliche Opferspeise dar. So ist die verbundene Form erläutert. Höre nun die gemeinsame Aufstellung.

38.63 Wenn alle Handlungen vom Beginn bis zur Aufstellung gemeinsam vollzogen werden, heißt dies gemeinsame Weihe. Das Fest ist nach der Vorschrift zu feiern.

38.64 In derselben Weise verfährt man bei Lakshmi und Savitri. Damit ist die Aufstellung der Shakti erläutert. Höre nun von den Begleitgottheiten.

So endet das achtunddreißigste Kapitel.


Kapitel 39 – Die Begleitgottheiten und die Tempelbezirke

39.1 Nun erläutere ich die Ordnung der Begleitgottheiten. Als Parivara gilt der Umkreis von den Torhütern bis zu den Gottheiten der Opfersockel.

39.2 Zuerst verehre man die im Türrahmen befindlichen Gottheiten, danach die Torhüter, als Drittes den Stier und als Viertes Indra und die übrigen Welthüter.

39.3 Als Fünftes folgt der Bhadra-Opfersockel und entsprechend der äußere Umkreis. An jedem Haupteingang mit seinen beiden Türflügeln

39.4 ordne man die neunfache Folge an; das Verb ist verderbt. Bhujanga und Patanga vergegenwärtige man oben und unten.

39.5 Uttara und Pataka stehen rechts und links. Vimala und Subahu ordne man links und rechts zu.

39.6 Shri und Sarasvati ordne man über und unter dem bezeichneten Schulterglied an; in deren Mitte Vighnesha, jeweils auf einem durch den eigenen Namen bezeichneten Sitz.

39.7 Mit dem Anfangslaut des Namens, Duftstoffen und Blumen verehre man sie. So verfahre man ordnungsgemäß an jedem Eingang.

39.8 Die beiden Türflügel seien fest, aus Kernholz und nach den vorgeschriebenen Merkmalen gefertigt. Ein einzelner Türflügel gilt als unheilvoll leer, zwei als friedensfördernd.

39.9 Man befestige Querriegel und die unteren Holzglieder, Buckel und Halbmondverzierungen nach der Baukunstschrift.

39.10 Oben und unten wird ein Achtel der Höhe für die Stärke genannt, seitlich ein Viertel der Breite; die genaue Zuordnung der Türglieder bleibt knapp.

39.11 So sind die Türflügel beschrieben. Zuerst verehre man die darin befindlichen Gottheiten. Damit sind die Türgottheiten genannt; höre nun die Torhüter.

39.12 Die Tür zum inneren Heiligtum heißt Shakti-Tür. Rechts steht Jnanada Shakti, die Erkenntnis schenkt, links Dharmada, die Dharma schenkt.

39.13 Beide sind eingesichtig, zweiarmig, schlank in der Mitte und mit Brüsten dargestellt. Mahakala ist safranrot und trägt eine Axt als Waffe; die Überleitung zu diesem Torhüter ist unvollständig.

39.14 Anantesha und Pashupati sind die südlichen Torhüter. Ananta ist rot und mit Gewand und Waffe versehen.

39.15 Pashupati hat die Farbe eines Lotus, hält einen Speer und besitzt furchterregende Augen. Die westlichen Torhüter heißen Dandin und Mundisha.

39.16 Dandin trägt die hier mit Indras Bogen verbundene Waffe sowie ein Schwert und hat furchterregende Fangzähne. Mundin ist weiß wie Kunda-Blüte und Mond und trägt einen Bhindipala.

39.17 Vijaya und Bhringisha sind die nördlichen Torhüter. Bhringisha hat die Farbe einer Biene und hält ein Messer; der Beginn seiner Beschreibung ist verderbt.

39.18 Vijayas Farbbezeichnung ist unklar überliefert; er hält einen Dreizack und ist furchterregend. Alle stehen dreifach gebogen und mit einem gebeugten Bein.

39.19 Sie besitzen furchterregende Fangzähne, kräftige runde Körperformen und eine hinweisende Hand. Sie können vier oder zwei Arme und drei Augen haben,

39.20 auch zwei Augen; die Zähne sind furchterregend. Die genannte Handhaltung ist verderbt. Ihre Höhe entspricht der Türhöhe; sie glänzen mit Kronen, Armreifen und weiterem Schmuck.

39.21 So sind sie an den Eingängen des Tempels und der Hallen vorgesehen. An der großen äußeren Grenzmauer, beiderseits der Tortürme,

39.22 gestalte man in den vier Richtungen besonders große Figuren: Samvartaka, Shriyavarta, Kundodara und Brihodara,

39.23 Simhamukha, Hayamukha, Ekapada und Adhomukha. Die erste Gruppe wird weiß dargestellt, die folgende dunkel.

39.24 Alle sind zweiäugig und zweiarmig, mit Dreizack und Schwert bewaffnet. Je zwei Bhutas ordne man im Osten beginnend im Uhrzeigersinn an.

39.25 Für die Begleitgottheiten, deren Opfersockel in der inneren Umfassung stehen, sehe man eigene Heiligtümer auch in der zweiten Umfassung vor.

39.26 Am Versanfang fehlt Text. Im Südosten steht Agni; im Süden stehen die Mütter zusammen mit Vira und Vighna.

39.27 Oder man stelle dort Vishnu sitzend oder stehend auf. Vighnesha steht im Südwesten, Subrahmanya im Westen.

39.28 Im Nordwesten stelle der Guru Jyeshtha beziehungsweise Shri auf; die Verbindung der Namen ist nicht eindeutig. Im Norden errichte man Durga oder Brahma.

39.29 Chandesha steht im Nordosten, Bhaskara im Osten. Der Brunnen liegt im Nordosten, die Küche im Südosten.

39.30 In den nicht eigens bestimmten Zwischenräumen richte man nach passender Wahl die Schlafstätte ein, in der Shiva mit Parvati ruht.

39.31 Alle Heiligtümer der Begleitgottheiten können außen oder innen liegen. Damit ist die zweite Umfassung beschrieben. Höre nun die dritte.

39.32 Indra und die übrigen Welthüter stehen an ihren eigenen Plätzen in den acht Richtungen. Zwischen Osten und Nordosten ist hier ein Platz der Ahnen vorgeschrieben.

39.33 Zwischen Südwesten und Westen stehen die Apsaras-Scharen, zwischen Westen und Nordwesten werden die zwölf Adityas genannt.

39.34 Bhaskara und Kshetrapala sind insbesondere für den Nordosten vorgesehen. Zwischen Osten und Südosten ordne man die beiden Ashvins an.

39.35 Zwischen Südosten und Süden stelle man die sieben Rohinis auf; zwischen Süden und Südwesten liegt ein Ahnenplatz.

39.36 Zwischen Südwesten und Westen nennt der Text nochmals einen Ahnenplatz und unmittelbar danach wiederum die Apsaras-Schar. Die Ortszuordnung ist nicht widerspruchsfrei.

39.37 Zwischen Westen und Nordwesten befindet sich der vorzügliche Platz der Weisen, zwischen Nordwesten und Norden der der Vasus.

39.38 Zwischen Norden und Nordosten stehen die elf Rudras. Danach errichte der Kundige in den vier Richtungen Bali-Sockel.

39.39 Am Osteingang errichte man je einen innen und außen: innen für alle Bhutas, außen für die Pishachas.

39.40 Der südliche Sockel gehört den Yakshas, der westliche den Rakshasas. Die folgende Angabe zur vorderen oder inneren Lage ist verderbt.

39.41 Man teile das Heiligtumsmaß in fünf: vier Teile ergeben die größte Höhe, drei die mittlere und zwei die kleinste.

39.42 Als größtes Maß wird auch die Türhöhe genannt, als mittleres ein Drittelbezug; die kleinste Angabe ist unvollständig. Höhe und Breite des Sockels seien gleich.

39.43 Die Höhe teile man in neunzehn. Ein Teil gehört dem Untertritt, vier der Jagati-Platte.

39.44 Drei Teile gehören dem Kumbha-Glied, einer der darüberliegenden Leiste, drei dem Hals und einer der oberen Leiste.

39.45 Die große Leiste erhält zwei Teile; die Höhe von Blattglied und Hals ist verderbt angegeben. Der Fruchtboden erhält einen Teil. So ist die vorzügliche Höhenordnung beschrieben.

39.46 Nun nenne ich Rücksprünge und Vorsprünge. Die Breite teile man in sechzehn: Der Untertritt nimmt alle sechzehn Teile ein, die Jagati vierzehn.

39.47 Das Kumuda misst zwölf Teile, die Leisten zehn, der Hals acht und die obere Leiste zehn.

39.48 Die große Platte misst zwölf Teile, die Plattform zehn, das Blattglied acht und der Fruchtboden drei.

39.49 Den Sockel fertige man viereckig, außer dem Lotusblattglied. Nach Abschluss der Aufstellung verehre man diese besonders.

39.50 Der vorzügliche Lehrer vollziehe die Weihe nach ihrem vorgeschriebenen Ablauf. So gilt sie als ausgezeichnet und alle Vollendungen verleihend.

39.51 Vom Türbereich bis zu den Bhuta-Sockeln ordne der Guru alles der Reihe nach. Die anschließende Anweisung zur Lage weiterer Bauten ist verderbt.

39.52 Im Südosten errichte man eine Halle für Schirme und weitere Geräte, im Südwesten eine Halle zum Hören des Dharma.

39.53 Im Nordwesten liegt die Halle für Gesang und Übung, im Nordosten die Halle für Opfer und Festhandlungen.

39.54 Dies gilt für die mittlere Umfassung. Höre nun die Anlage an der Grenzmauer. Zwischen Gopura und Nordosten liegt der Getreidespeicher.

39.55 Zwischen Süden und Südosten errichte man die als Jananashala bezeichnete Halle, zwischen Süden und Südwesten die Waffenhalle.

39.56 Zwischen Westen und Südwesten liegt die Versammlungshalle, zwischen Westen und Nordwesten die Halle für Tanzübungen.

39.57 Zwischen Norden und Nordwesten liegt die Schatzhalle, zwischen Nordosten und Norden die Blumenhalle.

39.58 Damit ist die Grenzmauer beschrieben. Höre nun von der großen äußeren Grenzmauer. In den vier Richtungen errichte man an den Haupteingängen Gopuras.

39.59 In den Zwischenräumen ordne man im Uhrzeigersinn Lehr- und Übungsstätten an für Rigveda, Yajurveda, Samaveda und Atharvaveda, für Metrik und Astronomie,

39.60 für Lautlehre, Ritualkunde, Worterklärung und Grammatik, für die Lehre des Shaiva Siddhanta und des Pashupata,

39.61 für das Somasiddhanta-Tantra, für die Lehren der Buddhisten und der Arhats sowie für das Pancharatra-Tantra.

39.62 Man richte Speiseräume für Brahmanen und für die hier als Linga-Träger bezeichneten Personen sowie Einrichtungen für Adishaivas und Anushaivas ein; die zweite Gruppenbezeichnung ist nicht eindeutig.

39.63 So sind die Umfassungen samt den Begleitgottheiten beschrieben. Höre nun insbesondere von der Aufstellung des Stiers.


So endet das 39. Kapitel.


Kapitel 40 – Die Aufstellung des Stiers

40.1 Nun erläutere ich die höchste Aufstellung des Stiers. Nach Shivas Lehre werden in der inneren Umfassung verschiedene Gottheiten angeordnet.

40.2 Weil die Götter dort gegenwärtig sind, besteht dieser Umkreis. Die Gestalten gehen aus tausendsten Anteilen des Stiers hervor; der Zusammenhang ist knapp überliefert.

40.3 Drei Arten der Aufstellung werden genannt: aus Stein, Metall oder Stuck. Eine Metallgestalt kann stehend oder liegend ausgeführt werden.

40.4 Stein- und Stuckgestalten fertige der Kundige liegend. Die drei Formen sollen den Menschen alles Wohlergehen bringen.

40.5 Eine Metallgestalt gilt als die beste, Herr der Hindernisse; eine steinerne als mittlere und eine aus Stuck als geringste.

40.6 Höre die Höhe des Stiers, bemessen nach der Tür: ein Viertel, die Hälfte oder ein um ein Viertel vermindertes Maß der Türhöhe werden genannt.

40.7 Auch gleiche, doppelte oder dreifache Bezugsmaße sind angegeben. Die Länge des Stiers wird dann mit zweiundsiebzig Fingerbreit bestimmt.

40.8 Das Gesicht erhält vier Teile, die Nase drei. Das Auge misst zwei Fingerbreit; die anschließende Abstandsangabe ist verderbt.

40.9 Die Hornlänge beträgt zwei Teile, die Breite am Ansatz einen. Beide Hörner sollen sich allmählich zu scharfen Spitzen verjüngen.

40.10 Die Ohren sind zehn Fingerbreit lang und halb so breit. Am Ansatz und am Ende wird jeweils ein Kala-Maß genannt.

40.11 Zwischen den Augen liegen drei Teile, ebenso zwischen den Hörnern. Zwischen Auge und Ohr liegt ein Teil, ebenso zwischen Ohr und Horn.

40.12 Die Nasenöffnungen messen zwei Fingerbreit, ihre Krümmung ein Teilmaß. Zunge und Zahnreihen gestalte man passend.

40.13 Die Oberschenkel sind achtzehn Fingerbreit lang, ihr Umfang dreimal so groß. Die Unterschenkel messen zehn Fingerbreit; darüber wird ein Maß von vier Kalas genannt.

40.14 Der Fuß misst sechs Fingerbreit, der Huf die Hälfte davon. Für den hinteren Fuß und seinen oberen Abschnitt folgen Kala-Maße, deren Verhältnis unklar ist.

40.15 Der Schwanz reicht vom Ansatz bis zum bezeichneten Ende. Am Ansatz ist er vier Fingerbreit stark, in der Mitte zwei und an der Spitze eines.

40.16 Die Hoden sind zwei Kalas lang und zwei Fingerbreit breit. Damit sind die Merkmale des Stiers beschrieben. Höre nun seine Aufstellung.

40.17 Die Unterscheidung von Metall-, Stein- und Stuckgestalt ist am Versanfang lückenhaft. Bei einer Stuckgestalt vollziehe man weder Wasserlagerung noch Ruhelagerung.

40.18 Die Augen öffne man mit dem Augenmantra. Danach fehlt Text über das Lager. Acht Gefäße werden mit den Welthütern als Schutzgottheiten aufgestellt.

40.19 In ihrer Mitte steht das Stiergefäß. Darin vergegenwärtige man den von Kühen umgebenen Stier, mit klingenden Glockenkränzen geschmückt, weiß und von großem Glanz.

40.20 Am Versanfang fehlt Text; der Lehrer verwendet das Wurzelmantra. Neun, fünf, drei oder ein Feuer sind vorgesehen.

40.21 Man bereite das Shiva-Feuer wie zuvor und rufe den Stier in dessen Mitte. Mit dem früher genannten Wurzelmantra bringe man dort hundert Opfergaben dar.

40.22 Mit den Shiva-Anga-Mantras und dem Shiva-Mantra berühre man Herz und weitere Stellen. Am klaren Morgen bringe man die vollständige Opfergabe mit dem Astra-Mantra dar.

40.23 Nach einer kurzen Textlücke folgt: Mit den eigenen Namensmantras vollziehe man die Übergießung aus den Gefäßen; mit dem mittleren Gefäß übergieße der Lehrer unter der Stier-Gayatri.

40.24 Nach Verehrung mit Duftstoffen und Blumen bringe man Mungbohnenreis dar. Das Stierfest vollziehe man für neun, sieben oder fünf Tage,

40.25 oder für drei beziehungsweise einen Tag, nach der Vorschrift. Bei der Umkreisung gehe der Stier voran; die übrigen Handlungen entsprechen dem bereits Gesagten.

Damit ist das Stieropfer erläutert. Höre nun von der Aufstellung des Feuers.

So endet das 40. Kapitel.


Kapitel 41 – Die Aufstellung des Feuergottes

41.1 Nun erkläre ich die Aufstellung des Feuergottes; höre zu. Im Südosten des Begleitgötterbezirks errichte man sein Heiligtum wie zuvor.

41.2 Darin fertige man die Bildgestalt nach den früher genannten Maßen. Für den Sockel kann eine Elle oder eine halbe Elle verwendet werden.

41.3 Der Sockel besitze drei Randstufen oder sei ein Lotussockel. Man vollziehe die Weihe der auf dem Sockel befindlichen Gestalt beziehungsweise des Sockels selbst ordnungsgemäß.

41.4 Das erste Bija wird aus einem verderbt bezeichneten Laut mit dem ersten Vokal gebildet. Das zweite enthält Ra, verbunden mit dem elften Vokal und dem Feuerlaut.

41.5 Das dritte ist das Feuer-Bija mit dem zwölften Vokal. Das vierte verbindet den bezeichneten Shikha-Laut mit demselben Vokal.

41.6 Für die fünfte, zusammenfassende Feuerformel werden das End-Bija der Jiva-Gruppe, Zeit, Feuer, Nila und Maya genannt. Die Lautanweisungen sind nicht sicher aufzulösen.

41.7 Alle erhalten die als Mauli bezeichnete Bekrönung und sollen Wohlergehen und Befreiung verleihen. Nun beschreibe ich Agnis Gestalt: rot und vierarmig.

41.8 Er zeigt Segen und Furchtlosigkeit. Nach einer Textlücke werden in der weiteren linken Hand ein Speer und in der rechten ein Opferlöffel genannt.

41.9 Er ist eingesichtig, dreiäugig und steht über einem roten Lotuskelch. So ist die Feuergestalt beschrieben; so stelle man sie im Heiligtum auf.

41.10 Bei der Verehrung im Feuer vergegenwärtige man ihn in der bereits beschriebenen Form. Der Kundige berühre das Bild und opfere mit den fünf Bijas beziehungsweise der zusammenfassenden Formel.

41.11 In einer schönen Halle vor dem Heiligtum mit einem Altar in der Mitte lege man nach der früheren Ordnung fünf Feuer an.

41.12 Auch drei oder ein Feuer sind möglich. Bei einem Metallbild vollziehe man Kostbarkeiten-Niederlegung und Augenöffnung.

41.13 Man lagere das Bild im Wasser. Bei einem Steinbild vollziehe man Augenöffnung und die weiteren vorbereitenden Handlungen außerhalb, dann bringe man es ins Heiligtum.

41.14 Vor dem Weihezeitpunkt lege man die Kostbarkeiten in den Sockel. Neun fehlerfreie Gefäße und die Vardhani versehe man mit Schnüren,

41.15 fülle sie mit duftendem Wasser und versehe sie mit Grasbüscheln, Baldachin, feinen Tuchbändern, Gold und Kostbarkeiten.

41.16 Auf der Opferfläche des Altars zeichne man einen Lotus und stelle auf dessen Fruchtboden das Hauptgefäß.

41.17 Links davon steht die Vardhani, ringsum in den Richtungen die acht Gefäße. Die folgende Zuordnung nennt Vidyeshvaras, Uma und Agni, ist aber nicht eindeutig überliefert.

41.18 In der Vardhani vergegenwärtige man Svaha Devi, am östlichen Platz Shiva, im linken Gefäß Bhaskara und in den jeweiligen Richtungen die Welthüter.

41.19 Man verehre sie mit Duftstoffen und weiteren Gaben. Südlich der Gefäße bereite man wie zuvor den Sitz beziehungsweise das Lager und lege das Bild darauf.

41.20 Nach Beginn der Verehrung und Meditation vollziehe man das Feueropfer. Der Kundige bereite in allen Gruben das Shiva-Feuer wie zuvor.

41.21 Er vergegenwärtige Agnis Gestalt und opfere Brennhölzer, Reis, Ghee, gerösteten Reis und Sesam mit den fünf Bijas jeweils hundertmal.

41.22 Am Morgen zur günstigen Stunde hebe man das Bild vom Lager, verehre es mit Duftstoffen und umkreise das Heiligtum im Uhrzeigersinn.

41.23 Die Passage zur Metallgestalt am Badealtar enthält eine unsichere Negation. Die Steingestalt stelle man nach der Kostbarkeiten-Niederlegung im Heiligtum auf den Sockel.

41.24 Das fünfte Bija lege man auf das Herz, die übrigen der Reihe nach auf Scheitel, Mund, Nabel und den verborgenen unteren Körperbereich.

41.25 Nach Verehrung mit Duftstoffen zeige man die Lotus-Mudra. Der Mantrakundige bringe mit den Bijas und der Gesamtformel die vollständige Opfergabe dar.

41.26 Dann hebe man die Gefäße auf. Mit den fünf Bijas und der Gesamtformel vollziehe man vom mittleren Gefäß aus die Verbindung mit dem Bild nach der früheren Auflegungsweise.

41.27 Mit Hauptgefäß und Vardhani bade man es unter den Bija- und Gesamtformeln, mit den Wassern der übrigen Gefäße unter deren jeweiligen Mantras.

41.28 Man verehre mit Duftstoffen und weiteren Gaben, bringe eine große Opferspeise dar und ehre den Lehrer mit Gewändern und goldenen Ringen.

Damit ist die Aufstellung des Feuergottes erläutert. Höre nun von der Aufstellung der Mütter.

So endet das 41. Kapitel.


Kapitel 42 – Die Aufstellung der Mütter

42.1 Nun erläutere ich die höchste Aufstellung der Mütter. Brahma schuf sie zur Vernichtung des Nirrita.

42.2 Brahmani gestalte man wie Brahma, Maheshi wie Ishvara, Kaumari wie Kumara und Vaishnavi wie Vishnu.

42.3 Varahi hat ein Ebergesicht, trägt einen Pflug und ist weiblich-anmutig dargestellt; die Gesichtsbezeichnung ist verderbt. Shakrani gestalte man wie Shakra – beide Namen sind als Chakra überliefert –, Chamundi furchterregend.

42.4 Chamundi erhält weit ausgebreitetes Haar, dunkle Farbe und vier Arme; sie hält Schädelschale und Dreizack.

42.5 Die Mütter zeigen Segen und Furchtlosigkeit und tragen die Waffen ihrer jeweiligen männlichen Entsprechungen, ebenso deren Farben, Reittiere und Banner.

42.6 Alle besitzen vier Arme und befinden sich auf Lotusblumen. Im Osten steht Virabhadra, im Westen Vighnesha.

42.7 Vireshvara und Vighnesha gestalte man im Heldensitz. Der Kundige fertige die Bildwerke aus Ton, Holz, Stein oder Metall.

42.8 Nach der Kostbarkeiten-Niederlegung lagere man sie im Wasser; anschließend folgen Augenöffnung und Lagerung auf dem Ruhelager.

42.9 Man bereite das vorgeschriebene Feuer, vergegenwärtige die Gottheiten und vollziehe das Feueropfer. Zur günstigen Stunde stelle man sie mit ihren Namensmantras auf.

42.10 Den Müttern bringe man Opferspeise unter der Matri-Gayatri dar. Das Mütteropfer vollziehe man nach der im Yamala gelehrten Reihenfolge.

Damit ist die Aufstellung der Mütter erläutert. Höre nun von der Aufstellung Vighneshas.

So endet das 42. Kapitel.


Kapitel 43 – Die Aufstellung Ganeshas

43.1 Nun erläutere ich die höchste Aufstellung Vighneshas. Einst weilte ich zum Spiel mit Uma in einem Wald des Himalaya.

43.2 Dort vereinigte sich eine Elefantenkuh mit einem mächtigen Elefanten. Als ich dies zufällig sah, nahm ich diese Gestalt an.

43.3 Uma nahm die Gestalt einer Elefantenkuh an, und ich spielte innig mit ihr. In ihr wurde eine Leibesfrucht gezeugt; der abschließende Ausdruck des Verses ist verderbt.

43.4 Die Gestalt wird als ein Zehntel eines tausendsten Anteils Maheshvaras beschrieben. Es folgt eine Mantra-Anweisung mit dem neunzehnten Laut, dem Ende der Bha-Gruppe und dem Feuerlaut.

43.5 Dazu treten der dreizehnte Endlaut beziehungsweise Vokal, Bindu und Nada. Dies wird als Wurzelmantra des erhabenen Vighnesha bezeichnet; die Lautverschlüsselung ist unsicher.

43.6 Es folgt eine Verbindung des dritten Lautes der zweiten Gruppe mit einem kurzen Vokal. „Brahma jajnanam“ wird genannt; die sechs Angas werden mit dem als Dipa bezeichneten Laut verbunden.

43.7 Am Ende der Anga-Formeln steht Visarga; die übrigen erhalten die jeweiligen Vokale. Der Guru spreche sodann: „Wir erkennen den, dessen Banner die Maus trägt.“

43.8 „Wir versenken uns in den Elefantenrüsselträger. Möge der Stoßzahntragende uns anregen.“ In seiner rechten Hand hält er eine Frucht, in der linken seinen eigenen Stoßzahn.

43.9 Die oberen Hände halten Schlinge und Elefantenhaken, der Rüssel einen Laddu. Er trägt eine Karanda-Krone und allen Schmuck.

43.10 Hinter seinem Kopf bilde man einen kreisförmigen Glanz. Er befindet sich auf einem Lotussockel, hat die Farbe der Granatapfelblüte und trägt allen Schmuck.

43.11 Den Herrn der Hindernisse kann man sitzend oder stehend darstellen, im Fünf-Tala-System nach den dafür genannten Proportionen.

43.12 Man teile seine Höhe in neun Teile: Zwei gehören dem Gesicht, vier reichen bis zum Geschlechtsglied; die abschließende Bezeichnung ist verderbt.

43.13 Für den Abschnitt bis zum Knie und den folgenden Unterschenkel wird ein Teilmaß genannt. Auch Fuß und die als Ohrbezug überlieferte weitere Größe erhalten ein Teilmaß; die Gliederung ist beschädigt.

43.14 Für den Arm bis zum Handgelenk werden zwei Teile genannt. Der Unterarm ist um ein Achtel des Hand- beziehungsweise Armmaßes geringer; die Bezugsgröße ist unsicher.

43.15 Der Rüssel ist um die Hälfte länger als das genannte Handmaß. Die Ohrhöhe beträgt einen Teil, die Breite ein Viertel weniger.

43.16 Die Stoßzahnlänge richtet sich nach dem Maß über der Ohrbreite. Neun Fingerbreit werden als weiteres Gesamtmaß nach der früheren Ordnung genannt; die Zuordnung ist unklar.

43.17 So ist die Gestalt beschrieben. Höre nun die Aufstellung. Zuerst errichte der Kundige das Heiligtum nach der früheren Vorschrift.

43.18 Vor dem Tempel errichte man eine viereckige Halle, in ihrer Mitte einen Altar mit allen vorgeschriebenen Merkmalen.

43.19 Seine Breite beträgt ein Drittel der Hallenbreite, seine Höhe reicht bis zum Knie. Ringsum lege man die Feuergruben in der richtigen Folge an.

43.20 Nach der Kostbarkeiten-Niederlegung lagere man das Bild im Wasser und öffne seine Augen ordnungsgemäß mit dem Augenmantra.

43.21 Man breite Tücher auf dem Lager aus und lege das Bild darauf. Ein Gefäß mit allen vorgeschriebenen Merkmalen werde mit Schnüren umwunden,

43.22 mit Grasbüschel, Deckel und Tuch versehen, mit Wasser gefüllt und mit Gold ausgestattet. Man stelle es auf und verehre es mit Duftstoffen und Blumen.

43.23 Mit dem Wurzelmantra vergegenwärtige man die Gestalt mit allen Haupt- und Nebengliedern im Gefäß und zeige die Schlaf-Mudra.

43.24 Ringsum stelle man acht Gefäße der Welthüter und übrigen Gottheiten auf. Danach vollziehe man das Feueropfer mit neun, fünf, drei oder einem Feuer.

43.25 Brennhölzer, Ghee, Opferreis, gerösteter Reis, der als Kurcha überlieferte Stoff, Senf, Laddus, Rohzuckerstücke, Früchte und Milch sind die Opfergaben.

43.26 Man vergegenwärtige das Shiva-Feuer wie zuvor und Ganesha in dessen Mitte. Mit der Vighna-Gayatri opfere man sämtliche Stoffe.

43.27 Der Lehrer vollziehe mit dem entsprechenden Mantra das Berührungsopfer. Nach der vollständigen Opfergabe spreche er das Wurzelmantra.

43.28 Das göttliche Prinzip im Gefäß übertrage man in die Bildgestalt. Aus den Gefäßen bade man Vighnesha und verehre ihn mit Duftstoffen und Blumen.

43.29 Als Opferspeise bringe man Rohzuckerreis mit Früchten dar. Das Fest feiere man nach der Ritualordnung und den verfügbaren Mitteln.

Damit ist seine Aufstellung erläutert. Höre nun von der Aufstellung Skandas.

So endet das 43. Kapitel.


Kapitel 44 – Die Aufstellung Skandas

44.1 Nun erläutere ich die höchste Aufstellung Skandas. Zuerst höre kurz von seiner Entstehung, Elefantengesichtiger.

44.2 Nach Satis Aufgabe ihres Leibes übte ich Yoga; der Bezug auf den Vater am Versanfang ist verderbt. Sati nahm erneut einen Leib an und wurde Tochter des Himalaya.

44.3 Am Berghang vollzog sie Askese als dessen Tochter Parvati. Die Götter erbaten dort unsere Vereinigung.

44.4 Agni nahm den Samen auf und legte ihn in das Schilfdickicht. Deshalb trägt Skanda auch den Namen Sharavanabhava, „im Schilfdickicht entstanden“.

44.5 Weil er bei den sechs Krittikas aufgenommen wurde, heißt er Shanmukha, „der Sechsgesichtige“, und Kartikeya. Die abschließende Aussage über Kinderlosigkeit ist verderbt.

44.6 Kumara ging aus einem tausendsten Anteil der ursprünglichen Shakti hervor. Seine Entstehung wurde früher umfassend erzählt; höre nun die Aufstellung.

44.7 Nach regelrechter Errichtung des Heiligtums fertige man die Bildgestalt aus Stein, Ton, Holz oder Metall im Neun-Tala-System.

44.8 Sie kann zwei, vier oder acht Arme besitzen. Bei zwei Armen hält sie einen Lotus; bei der erweiterten Form tragen die weiteren Hände Donnerkeil und Speer.

44.9 Die vorderen Hände zeigen Furchtlosigkeit und Segen: Dies ist die vierarmige Form. Mit Schwert, Schild, Schlinge und Lotus in weiteren Händen wird sie achtarmig.

44.10 Drei Haltungen sind vorgesehen: sitzend, stehend oder reitend. Die sitzende Form ist zweiarmig, die stehende vierarmig.

44.11 Die reitende Form gestalte man achtarmig für die Aufstellung im Begleitgötterkreis. Skanda sitzt auf einem Lotus beziehungsweise Elefanten und trägt den Opferfaden.

44.12 Er hat die Farbe der Granatapfelblüte, trägt allen Schmuck und besitzt sämtliche zuvor beschriebenen Merkmale.

44.13 Ihn begleiten Vidya und Medha, weiß beziehungsweise dunkel, mit allem Schmuck versehen, zweiarmig und Lotusblumen haltend.

44.14 So ist die Gestalt mit ihrem Gefolge. Höre nun genau die Weihe. In einer geschmückten Halle vor dem Tempel

44.15 vollziehe man die Kostbarkeiten-Niederlegung, die Lagerung im Wasser, die Augenöffnung und die Lagerung auf dem Ruhelager.

44.16 Dort stelle man das Hauptgefäß und ringsum die weiteren Gefäße auf. Nach ihrer Vorbereitung wie zuvor vergegenwärtige man Skanda mit seinem Wurzelmantra in der Mitte.

44.17 Ringsum ordne der Mantrakundige die Welthüter mit ihren eigenen Bijas an. Das Feueropfer findet wie zuvor mit neun, fünf, drei oder einem Feuer statt.

44.18 Bei neun Feuern sind die Welthüter und Skanda die Opfergottheiten. Bei fünf werden die östliche Macht, Antaka, der Wassergott, Soma und Skanda genannt; der erste Name ist unsicher.

44.19 Bei drei Feuern wird die vorzügliche Form genannt; Skanda ist die Hauptgottheit des Opfers. Mit Wurzelmantra, Brahma-Mantras, sechs Angas und Gayatri sowie den genannten Kuhgaben-Formeln

44.20 opfere man der Reihe nach und bringe mit dem Wurzelmantra die vollständige Opfergabe dar. Mit der Skanda-Gayatri vollziehe man das Berührungsopfer.

44.21 Der vorzügliche Sthapaka stelle Skanda mit dessen Wurzelmantra auf. Die Mantras vom fünften bis Sadyojata lege der Kundige mit dem Herzmantra auf den Scheitel und die entsprechenden Stellen.

44.22 Man vollziehe Fest und rituelles Bad, bringe Opferspeise dar und ehre ordnungsgemäß Acharya und Gestaltpriester.

Damit ist die Aufstellung Skandas erläutert. Höre nun von der Aufstellung Jyeshthas.

So endet das 44. Kapitel.


Kapitel 45 – Die Aufstellung Jyeshthas

45.1 Nun erläutere ich die höchste Aufstellung Jyeshthas. Sie entstand aus der ursprünglichen Shakti und später aus dem Meer.

45.2 Als das Meer gequirlt wurde, erhob sie sich daraus, Elefantengesichtiger. Die Göttin ist dunkel wie schwarze Augensalbe und trägt allen Schmuck.

45.3 Sie reitet auf einem Esel – dessen Name ist verkürzt überliefert – und heißt Gattin der Zeit. Neben ihren Knien befinden sich ihre Tochter, wohl Mani genannt, und der stiergesichtige Vrishabha; die Namensfolge ist beschädigt.

45.4 Vrishabha ist rot, Mani glänzt wie Gold. Nachdem man diese Gestalten gefertigt hat, vollziehe man ihre Weihe ordnungsgemäß.

45.5 Nach der Kostbarkeiten-Niederlegung lagere man sie im Wasser; danach folgen Augenöffnung und Lagerung auf dem Ruhelager.

45.6 Man stelle dort die Gefäße auf und vollziehe das Feueropfer wie zuvor. Man bereite das Shiva-Feuer und rufe Jyeshtha hinein.

45.7 Mit Jyeshthas Wurzelmantra opfere man alle Stoffe. Zur günstigen Stunde stelle man sie auf und bringe danach Opferspeise dar.

Damit ist die Aufstellung Jyeshthas erläutert. Höre nun von der Aufstellung Durgas.

So endet das 45. Kapitel.


Kapitel 46 – Die Aufstellung Durgas

46.1 Nun erläutere ich die höchste Aufstellung Durgas. Sie ist aus der ursprünglichen Shakti hervorgegangen, glückverheißend und Vishnus jüngere Schwester; die genauere Herkunftsbezeichnung ist verderbt.

46.2 Die Göttin trägt Muschelhorn und Diskus, Bogen und Pfeil, Schwert und Schild, Dreizack und Schlinge.

46.3 Man kann sie auch vierarmig gestalten. Sie trägt allen Schmuck, ist dunkel, hat ein schönes Gesicht und steht auf dem Kopf des Büffels.

46.4 Oder man stelle sie auf einem Löwen reitend oder auf einem Lotus sitzend dar. Vor dem Heiligtum errichte man einen Schutzbau nach den vorgeschriebenen Merkmalen.

46.5 Dort vollziehe man die Kostbarkeiten-Niederlegung und die Lagerung im Wasser. Der Kundige führe die Augenöffnung samt den mantrisch begleiteten Augenlinien aus und binde den Schutzfaden an.

46.6 Man bereite das Lager und lege die Gestalt mit den jeweiligen Mantras darauf. Mit den Gefäßmantras ordne man die Gefäße an und vergegenwärtige ihre Gestalt in sich selbst.

46.7 Ringsum stelle man die weiteren Gefäße auf und ordne die Welthüter zu. Das Feueropfer vollziehe man mit fünf, drei oder einem Feuer und den zuvor genannten Stoffen.

46.8 Der Kundige rufe die Herrin der Götter in die Mitte des Feuers und opfere Ghee, Opferreis, gerösteten Reis und Udumbara-Hölzchen.

46.9 Der vorzügliche Lehrer opfere mit Durgas Wurzelmantra. Dann hebe er die Göttin vom Lager und stelle sie auf den Badealtar.

46.10 Mit dem Gefäß, dem Bija und dem Wurzelmantra vollziehe er die Verbindung mit dem Bild; die Formulierung ist verkürzt. Danach bade er es aus den Gefäßen und bringe reichliche Opferspeise dar.

Damit ist die Aufstellung Durgas erläutert. Höre nun von der Aufstellung Chandeshas.

So endet das 46. Kapitel.


Kapitel 47 – Die Aufstellung Chandeshas

47.1 Nun erläutere ich die höchste Aufstellung Chandeshas: zuerst seine Entstehung und danach die Aufstellung in der rechten Reihenfolge.

47.2 Ein Rudra-Anteil Rudras trägt den Namen Chanda. Im Umkreis der Ganeshas befindlich, gliedert er sich nach dem hier genannten Zehntausendstel-Bezug; die Zahlenverbindung ist unsicher.

47.3 Aus ihm treten die fünf Gestalten von Prachanda an hervor. Zuerst wird Prachanda-Chanda genannt, danach Vikranta-Chanda,

47.4 als Dritter Bhuvichanda und als Vierter Virachanda. Obwohl der Text fünf Chandeshas aus den fünf Brahma-Gestalten nennt, sind hier nur vier klar abgegrenzt.

47.5 Prachanda gilt als Herr des Kritayuga, Vikrantachanda als Herr des Tretayuga.

47.6 Im Dvaparayuga herrscht Vibhu-Chandesha, im Kaliyuga wird Virachandesha die Herrschaft zugeschrieben.

47.7 So wird die fünfteilige Namensordnung Chandas gelehrt. Im Nordosten des Tempels errichte man sein Heiligtum nach der früheren Vorschrift.

47.8 Man gestalte ihn dreiäugig und vierarmig oder zweiäugig und zweiarmig, mit aufgetürmtem Haar und allem Schmuck; ein Attribut vor dem Haar ist verderbt.

47.9 Er zeigt Furchtlosigkeit, hat einen friedvollen Leib und trägt Schlinge und Axt. Bei zwei Armen gestalte man ihn friedvoll mit der Tanka-Axt.

47.10 Er trägt einen weißen Opferfaden und weiße Gewänder. Stehende oder sitzende Darstellung erfolgen nach der früheren Vorschrift; die erste Haltungsbezeichnung ist verderbt.

47.11 Alle Handlungen vollziehe man sachgerecht wie bei der Weihe eines beweglichen Bildes. Der Anfangslaut seines Namens bildet sein Wurzelmantra.

47.12 Dessen kurze und lange Vokalformen ergeben die Brahma- und Anga-Mantras. Bei Shivas Verehrung wird für ihn außerdem eine zehnsilbige Form aus dem Wurzel-Bija genannt.

Damit ist die Aufstellung Chandeshas erläutert. Höre nun von der Aufstellung Indras und der übrigen.

So endet das 47. Kapitel.


Kapitel 48 – Die Aufstellung der Welthüter und weiterer Gottheiten

48.1 Nun erläutere ich die höchste Aufstellung Shakras und der übrigen Welthüter; der Name ist als Chakra überliefert. Im Osten stelle der Kundige Indra auf, der Donnerkeil und Elefantenhaken trägt.

48.2 Er ist dunkel, reitet auf einem Elefanten und ist von Apsaras-Scharen umgeben. Agni reitet auf einem Widder, ist rot und hat rote Augen.

48.3 Mit aufsteigenden Flammen versehen trägt er Speer und Opferlöffel. Yama hält einen kräftigen Stab und sitzt auf einem Büffel.

48.4 Er ist furchterregend und schwarz; die andere Hand zeigt die genannte, nicht eindeutig lesbare Haltung. Nirriti ist dunkel und trägt Schwert und Schild.

48.5 Er ist furchterregend, von entstellter Gestalt, zweiäugig und reitet auf einem Löwen. Varuna hält die Schlinge und leuchtet weiß.

48.6 Mit der anderen Hand zeigt er Segen und trägt allen Schmuck. Vayu ist rauchfarben, reitet auf einer Gazelle und trägt eine wehende Fahne.

48.7 Es folgt eine dunkle Gestalt mit Elefantenhaken rechts; die Zuordnung ist verderbt. Der Herr der Yakshas trägt eine Keule, ist dunkel und furchterregend.

48.8 Er ist zweiarmig, trägt rote Gewänder, hat rote Augen und hält einen Lotus. Ishana ist vierarmig, dreiäugig und trägt aufgetürmtes Haar.

48.9 Er hält den Dreizack, reitet auf dem Stier und zeigt Segen und Furchtlosigkeit. Auch eine Vina-tragende Göttergestalt sowie Brahma und Vishnu sind wie zuvor zu bilden.

48.10 Aryaman, Indra, Varuna, Pusha, Vishnu, Bhaga, Ajaghnya, Jaghanya, Mitra und Dhatri

48.11 sowie Vivasvat und Parjanya werden als die zwölf Adityas genannt; zwei Namen sind auffällig überliefert. Sie sind zweiarmig, halten Lotusblumen und sitzen auf roten Lotussen.

48.12 Sie sind von Strahlenkreisen umgeben, kräftig rot und Herren der Welt. Nasatya und Dasra heißen die beiden Ashvins.

48.13 Sie tragen weiße Gewänder und Turbane, halten ein Buch und zeigen Furchtlosigkeit. Mit Obergewändern versehen sind sie schön gestaltet und glänzen weiß beziehungsweise goldfarben.

48.14 Kumbhini, Grandhini, Kurcha, Kuttini, Vikarini, Rudrani und Vikari heißen die sieben Rohinis.

48.15 Sie tragen Schlangenschmuck und reiches Haar, halten Schlangen in den Händen und zeigen Segen und Furchtlosigkeit.

48.16 Vater, Großvater und Urgroßvater sind die gepriesenen Ahnen. Höre ihre Merkmale.

48.17 Sie sind kräftig, mit gelb bezeichneten Ohren – die Lesung ist auffällig –, halten Schirm und Stab und tragen weiße Gewänder. So sind die drei Ahnen beschrieben.

48.18 Rambha, Vipula, Urvashi und Tilottama haben schlanke Taillen sowie volle Schenkel, Hüften und Brüste.

48.19 Bhrigu, Vasishtha, Pulastya, Pulaha, Kratu, Kashyapa, Kaushika und Angiras sind die genannten Weisen.

48.20 Sie tragen schöne Rindengewänder und aufgetürmtes Haar, haben freundliche Gesichter und halten Stäbe; die Handbezeichnung ist beschädigt. An der Hüfte sind sie gegürtet und tragen glückverheißende weiße Kleidung.

48.21 Sieben Gattinnen werden mit gelbbraunen und weiteren Augenmerkmalen genannt, doch die Lesung ist unvollständig. Die Vasus heißen Dhara, Dhruva, Soma, Savitra, Anila, Anala,

48.22 Pratyusha und Prabhava. Sie haben kräftige Fangzähne, furchterregende Gestalten, halten Schwert und Schild und besitzen gebogene Brauen und schöne Augen.

48.23 Sie tragen allen Schmuck und bunte Gewänder; außerdem werden rote Gewänder und Gelbfärbung genannt. Der Abschluss dieser Beschreibung ist verderbt.

48.24 Die folgende Rudra-Liste lautet in beschädigter Überlieferung: Girishata, Girisha, Keshanasha, Bhutakasa, Tadeka, Buddhi und Bhavana,

48.25 Kapalisha, Aja, Buddha und Chandramaulin. Ihre Körper sind mit Asche bestäubt; sie halten Dreizack und Schlinge.

48.26 So sind die dreiunddreißig Götter zusammen mit Welthütern und Waffen, ihren Farben und Namen beschrieben. Höre nun ihre Aufstellung.

48.27 Für jeden einzelnen vollziehe man alles wie bei der Weihe eines beweglichen Bildes. Es ist auch die folgende gemeinsame Form möglich.

48.28 Halle und sonstige Vorbereitungen werden gemeinsam ausgeführt; jede Gottheit erhält jedoch ein eigenes Gefäß und insbesondere ein eigenes Feuer.

48.29 Mit ihren jeweiligen Mantras stelle man sie einzeln auf. Damit ist die Aufstellung Indras und der übrigen erläutert. Höre nun von der Aufstellung Adityas.


So endet das 48. Kapitel.


Kapitel 49 – Die Aufstellung des Sonnengottes

49.1 Nun erläutere ich die höchste Aufstellung Adityas. Weil er der Sohn Aditis ist, heißt er Aditya.

49.2 Er wird als halber Anteil Ishvaras und als Auge der Welt bezeichnet. Er ist zweiarmig und friedvoll; deshalb verehre man ihn in friedvoller Gestalt.

49.3 Wer alle Vollendungen erstrebt, stelle ihn besonders in der Mitte des Ortes auf. Im Tempel ordne der Lehrer ihn links an, wenn Wohlstand erstrebt wird.

49.4 Man errichte das Heiligtum nach der Vorschrift, mit den als Ashvakarna bezeichneten Bauteilen. In den vier Richtungen stehen die Erscheinungen Surya, Aksha, Vibhava und Anuga; die Namensgliederung ist unsicher.

49.5 Ihre Farben sind der Reihe nach rot, weiß, gelb und dunkel. Der Tempel sei mit Bildwerken geschmückt und besitze die vorgeschriebenen Merkmale.

49.6 Im Ort richte sich die Tür zum Ort hin, im Tempel nach Westen. Die Bildgestalt fertige man aus Holz, Metall oder Stein.

49.7 Sie ist zweiarmig, hält Lotusblumen, ist rot und schön gestaltet, trägt eine Karanda-Krone und allen Schmuck.

49.8 Der Strahlenkreis hat in seiner Mitte die doppelte Breite der Krone. Usha und Pratyusha stehen rechts und links.

49.9 Aruna befinde sich vorn. Bhaskara, der die Sünden vernichtet, steht beziehungsweise sitzt auf einem Lotus in einem von sieben Pferden gezogenen Wagen.

49.10 Man bereite ihm einen roten Lotussitz. Alle Einzelheiten Adityas gestalte man nach der zuvor erläuterten Ordnung.

49.11 Wird die göttliche Bildgestalt aus Ton gefertigt, verwende man Gerüst, Schnüre, Erde und weitere Stoffe und lasse sie kunstgerecht verschiedenfarbig bemalen.

49.12 Eine steinerne oder metallene Gestalt werde am vorgesehenen mittleren Platz aufgestellt. Höre nun kurz die Handlungen von der Kostbarkeiten-Niederlegung bis zur Aufstellung.

49.13 Vor dem Heiligtum errichte man die vorgeschriebene Halle, in ihrer Mitte einen Altar von einem Drittel ihrer Breite,

49.14 eine Elle hoch und spiegelglatt. Ringsum bereite man die Feuergruben aus Erde oder Sand.

49.15 Der Lehrer bereite aus Reis eine Opferfläche zur Kostbarkeiten-Niederlegung. Sind die vorgesehenen Kostbarkeiten nicht verfügbar, lege man eine Perle nieder.

49.16 Man bedecke das Bild ringsum mit Darbha-Gras und Tüchern, hülle es ein und vollziehe die Lagerung im Wasser.

49.17 Das im Wasser gelagerte Bild hole man herbei, bade es mit Panchagavya und öffne die Augen mit goldener Nadel und Honig unter dem Augenmantra.

49.18 Der Mantrakundige binde den Schutzfaden an, lege das Bild auf das Ruhelager und bedecke es ringsum mit Darbha-Gras und Tüchern.

49.19 Seitlich des Lagers stelle man das in Tuch gehüllte Gefäß auf. Die Gefäße mit Grasbüscheln und Deckeln verehre man ordnungsgemäß mit Duftstoffen und weiteren Gaben.

49.20 Man vergegenwärtige die jeweilige Gestalt; danach fehlt Text. Ringsum stelle man acht Gefäße der Welthüter und übrigen Gottheiten auf,

49.21 jedes mit Tuch, Grasbüschel und Deckel. Danach vollziehe man das Feueropfer mit neun, fünf oder drei Feuern.

49.22 Man vergegenwärtige das Shiva-Feuer wie zuvor und ordne Aditya in seiner Mitte an. Brennhölzer, Ghee, Opferreis, gerösteter Reis, geröstetes Mehl und Senf

49.23 opfere man sämtlich mit der Surya-Gayatri. Danach vollziehe der Lehrer das Berührungsopfer mit dem Wurzelmantra.

49.24 Am Morgen zur günstigen Stunde bringe man die vollständige Opfergabe mit dem eigenen Mantra dar und ehre den Acharya mit Gewändern und goldenen Ringen.

49.25 Man hebe das Bild vom Ruhelager und bringe es zum Badealtar. Nach der Ghee-Darbringung auf das Haupt bringe man das Gefäß in seine Nähe.

49.26 Die Gottheit im Gefäß lege man in das Herz der Bildgestalt. Nach ihrer Einsetzung und der Gefäßhandlung verehre man sie mit Duftstoffen und Blumen.

49.27 Der Lehrer bringe mit dem Wurzelmantra reichliche Opferspeise dar. Der Auftraggeber beginne das Fest entsprechend seinen Mitteln.

49.28 Für dessen Ablauf gelten alle in dieser Schrift gelehrten Festvorschriften. Damit ist die Aufstellung Adityas erläutert. Höre nun die Vorschrift für Kshetrapala.

So endet das 49. Kapitel.


Kapitel 50 – Die Aufstellung des Gebietshüters

50.1 Nun erläutere ich die Vorschrift für den Herrn des Bezirks. Kshetrapala entsteht aus einem zehntausendsten Anteil Ishvaras.

50.2 Im Nordosten eines Ortes oder einer entsprechenden Anlage errichte man zum Schutz der Menschen Heiligtum und Bildgestalt nach der früheren Vorschrift.

50.3 Ein Westeingang gilt als bester, ein Südeingang als mittlerer und ein Osteingang als geringster. Nun folgen die Merkmale der Gestalt.

50.4 Er besitzt vier, sechs oder acht Arme und drei Augen, mächtige Fangzähne und die furchterregende Gestalt Bhairavas. Er ist schwarz und nackt.

50.5 Eine Schlange dient ihm als Opferfaden; er trägt einen Kranz von Köpfen und Schädeln, aufgerichtetes Haar, große runde Augen und Schlangenschmuck.

50.6 In rechten Händen hält er Dreizack und Schwert, in linken Schädelschale und Schild.

50.7 So ist die vierarmige Form. Höre nun die sechsarmige: Eine weitere rechte Hand hält eine Schlange, die linke einen Wurfspeer.

50.8 Mit den zuvor genannten Waffen ist dies die sechsarmige Gestalt. Danach werden Dreizack, Damaru und Khatvanga für weitere rechte und linke Hände genannt.

50.9 So heißt die Form achtarmig und entspricht in ihren übrigen Waffen der sechsarmigen; die zusätzliche Waffenverteilung ist nicht widerspruchsfrei. Nach Kostbarkeiten-Niederlegung und den übrigen Vorhandlungen verfahre man wie bei der beschriebenen Wasser- beziehungsweise Bildweihe.

50.10 Mit Kshetrapalas eigenem Mantra vollziehe man seine Weihe ordnungsgemäß. Damit ist seine Aufstellung erläutert. Höre nun von der Aufstellung des Dreizacks.

So endet das 50. Kapitel.


Kapitel 51 – Die Aufstellung des Dreizacks

51.1 Nun erläutere ich die höchste Aufstellung des Dreizacks. Der Dreizack wird als Bewusstseinskraft des Gottes Sadashiva bezeichnet.

51.2 Er umfasst alle Gottheiten. Höre seine Merkmale. Seine Höhe kann nach der Tempelhöhe oder dem Stützenmaß bemessen werden.

51.3 Es werden Vermehrungen oder Verminderungen um ein Viertel beziehungsweise halbe Viertelmaße genannt. Die genaue Staffelung der Höhen ist verderbt.

51.4 Die Breite des Blattes beträgt ein Zehntel der Gesamthöhe, die Schaftbreite die Hälfte davon und dessen Stärke ein Viertel dieses Maßes.

51.5 Die Spitzen der beiden Seitenblätter forme man wie Mangoblattspitzen. Ein Drittel der Blattbreite wird als Blattstärke angegeben.

51.6 Anschließend wird für die Blattstärke nochmals die Hälfte der genannten Stärke bestimmt. Die viereckige Platte besitzt die doppelte Breite des Bezugsmaßes.

51.7 Ihre Stärke beträgt ein Achtel. Darunter liegt das Krugglied; sein Umfang erhält einen Halbmaßbezug zur Platte, seine Höhe wiederum die Hälfte davon.

51.8 Unter und über dem Krugglied werden für den Hals neun Teile und danach ein Achtel des Krugumfangs genannt. Die beiden Maßangaben lassen sich nicht sicher vereinbaren.

51.9 Darunter folgt ein halbes Krugglied, darunter ein halb so großes Stabgerüst. Bei einer Holzausführung ist dieses anzubringen, bei einer Metallausführung entfällt die zusätzliche Konstruktion.

51.10 Der Stabumfang beträgt drei Fünftel der Plattenbreite. Die Höhe des Sockels entspricht dem Abschnitt vom unteren Ansatz bis zu dem als Asika bezeichneten Endpunkt.

51.11 Die Sockelbreite beträgt drei Fünftel dieser Höhe. Der Sockel kann lotusförmig oder viereckig gestaltet werden.

51.12 Man teile das Maß in acht: Ein Teil gehört dem Fruchtboden, vier der Blatthöhe und einer den Blattspitzen.

51.13 Für den viereckigen Abschnitt werden fünf Teile genannt, danach Teilmaße für die Fußhöhe. Die Sockelstärke beträgt die Hälfte der Plattenstärke; die gesamte Teilfolge ist nicht eindeutig.

51.14 Über dem Sockel errichte man das Gerüst aus Holzstäben. In deren Mitte befestige man die Anlage mit einem festen Bindeband.

51.15 Die Spitze des Dreizacks heißt seine Vorderseite. Auf das mittlere Blatt zeichne man einen Lotus. Nach solcher Herstellung beginne man die Weihe.

51.16 Man vollziehe Wasserlagerung und Bad, bereite die Halle vor, hülle den Dreizack in Tücher und lege ihn auf das Lager über der Opferfläche.

51.17 Die Schutzgottheiten des Dreizacks ordne man zu und verehre sie der Reihe nach. Dort stelle man die Gefäße mit den Schutzgottheiten der Dreizackwaffe auf,

51.18 versehen mit Grasbüscheln, Waffenzeichen und den entsprechenden Bijas. Der Kundige opfere in den jeweiligen Feuern mit den jeweiligen Mantras.

51.19 Zur günstigen Stunde und bei günstigem Aszendenten gedenke er dieser Mantras. Der Herr des mittleren Blattes ist Rudra, des rechten Brahma.

51.20 Im linken Blatt befindet sich Vishnu; dies sind die Gottheiten der drei Blätter. Vama, Jyeshtha und Raudri sind die Gottheiten am Ansatz des Dreizacks.

51.21 Die Platte gehört Skanda, im Krugglied befindet sich Varuna, im halben Krugglied Agni und in den Stäben Sarasvati.

51.22 Im Sockel ist Uma Devi, im Bodenteil Vasundhara. Der Kundige ordne sie der Reihe nach mit Duftstoffen, Blumen und ungebrochenen Reiskörnern an.

51.23 Mit den aus den Anfangslauten ihrer Namen gebildeten Bijas vollziehe man die Übergießung aus den Gefäßen. Man verehre mit dem Herzmantra und bringe Opferspeise dar.

Damit ist die Aufstellung des Dreizacks erläutert. Höre nun die Vorschrift für den König der Waffen.

So endet das 51. Kapitel.


Kapitel 52 – Der König der Waffen

52.1 Nun erläutere ich die Verehrung des Königs der Waffen. Er ist vierarmig, dreiäugig und glänzt mit einem aufgetürmten Haarschopf.

52.2 Rechts und links hält er die Dreizackwaffe, die übrigen Hände zeigen Segen und Furchtlosigkeit. So wird die Rudra-Pashupata-Gestalt, auch Bali-Bild genannt, beschrieben.

52.3 Man gestalte sie stehend oder sitzend und mit einem Strahlenbogen versehen, nach den zuvor genannten Maßen.

52.4 Von der Kostbarkeiten-Niederlegung bis zur Aufstellung vollziehe man alles wie bei der beschriebenen Bildweihe. Man setze sie mit ihrem eigenen Mantra ein; alles Übrige bleibt gleich.

Damit ist die Vorschrift für den König der Waffen erläutert. Höre nun von der Aufstellung Shastas.

So endet das 52. Kapitel.


Kapitel 53 – Die Aufstellung Shastas

53.1 Nun erläutere ich die vorzügliche Aufstellung Shastas. Weil er die ganze Welt lehrt und lenkt, heißt er Shasta, „der Lehrer und Gebieter“.

53.2 Höre von seiner Gestalt und Aufstellung. Als beim Quirlen des Meeres der Unsterblichkeitstrank gewonnen wurde,

53.3 nahm Hari die Frauengestalt namens Mohini an. Als ich Mohini sah, vereinigte ich mich einst mit ihr.

53.4 Damals wurde Mahashasta geboren; die folgende Herkunfts- oder Ortsbezeichnung ist verderbt. Man gestalte ihn zweiäugig und zweiarmig, mit allem Schmuck versehen.

53.5 Er ist dunkel, trägt einen weißen Opferfaden und spielt mit Hunden, Hähnen, Widdern und weiteren Tieren. Er verleiht alle Vollendungen.

53.6 Madana und Varnani, deren Namen und Geschlechtsbezeichnung nicht eindeutig überliefert sind, stehen gelbfarben und mit allem Schmuck an seinen Seiten.

53.7 Links ordne man Damanaka an; die Beschreibung der beiden Begleitgestalten ist beschädigt. Die folgende zweiarmige Gestalt hält rechts einen als Chakra-Danda bezeichneten Stab.

53.8 Die andere Hand trägt Frucht und Schössling beziehungsweise zeigt eine entsprechende Haltung. Hände und Füße sind gebeugt; die Gestalt gleicht einem Bhuta, hat einen großen Bauch und dunkle Locken.

53.9 Damit sind die Merkmale Shastas erläutert. Höre nun genau die Aufstellung. Im Südwesten des Tempels oder eines Ortes

53.10 oder in einer der acht Richtungen, im Osten beginnend, errichte der Kundige ein vom Ort abgewandtes Heiligtum, vorzugsweise in Elefantenrückenform.

53.11 Auch eine runde Anlage ist möglich. Die Bildgestalt sitze im glückverheißenden Sitz oder im Heldensitz.

53.12 Der Schriftkundige lasse sie aus Ton, Holz, Stein oder Metall fertigen. Alles Übrige entspricht der Weihe eines Steinbildes; Mantra und Meditation erfolgen nach der genannten Ordnung.

53.13 Den Anfangslaut seines Namens verwende man als Wurzelmantra. Der Mantrakundige vergegenwärtige seine Gestalt im Feuer und vollziehe das Opfer.

53.14 Ganz von dieser Vergegenwärtigung erfüllt vollziehe er Aufstellung und weitere Handlungen. Eine entsprechende bewegliche Kultgestalt stelle man vor das Hauptbild.

53.15 Man fertige sie aus Metall und den übrigen geeigneten Stoffen; auch Ton und Stein werden genannt. Nach ordnungsgemäßer Verehrung bringe man Opferspeise dar.

So ist die Aufstellung Shastas erläutert. Höre nun die Vorschrift zur Erneuerung des Verfallenen.

So endet das 53. Kapitel.


Kapitel 54 – Die Erneuerung verfallener Heiligtümer und Bildwerke

54.1 Nun erläutere ich die Erneuerung des Verfallenen. Wie ein verkörpertes Wesen seinen alt gewordenen Leib verlässt und einen anderen annimmt,

54.2 so verlässt die Gottheit ein verfallenes oder aus seiner Lage geratenes Bild. In solche vernachlässigten Formen können nach dieser Lehre Rakshasas und andere Wesen eindringen,

54.3 Rakshasas, Asuras, Pishachas und Brahmarakshasas. Deshalb soll man sich mit aller Sorgfalt um die Erneuerung des Verfallenen bemühen.

54.4 Tempel, Linga, Sockel, Umfassungsmauer, Halle, Torturm und Begleitgötteranlagen soll man erneuern, wenn sie verfallen sind.

54.5 Was an Bekrönung, Giebelöffnung, Dachhaus, Gesims, Eckpavillon, Panjara, Stützen oder Sockel schadhaft ist, entferne man.

54.6 Man stelle den Tempelaufbau wie zuvor wieder her und vollziehe die Besprengungsweihe nach der Vorschrift. Fehlt nur ein Glied, ergänze der Kundige es entsprechend seiner früheren Form.

54.7 Dies gilt für die Heiligtümer. Höre nun von den Bildgestalten. Brauenlinien, Augenlinien und Nase sollen nicht beschädigt sein.

54.8 Am Linga dürfen die vorgeschriebenen Linien, am Sockel Linien und Kanten nicht zerstört sein. Erkennt man den Verfall weiterer Glieder am Sockel oder besonders am Linga,

54.9 hebe man das verfallene Linga heraus. Höre den Ablauf: Der Kundige zeichne südlich des Shiva-Linga ein Mandala.

54.10 Er vergegenwärtige den Sitz, verehre ihn und beginne die äußere Verehrung. Er bringe mantrisch gereinigte Opferspeise dar und bereite davor das Feuer.

54.11 Mit Durva, dem als Bhukti überlieferten Stoff, Ghee, Milch, Sesam und Reiskörnern opfere man unter der zehnteiligen Shiva-Formel, den Shiva-Angas, den fünf Brahma-Mantras und den sechs Angas.

54.12 Von jedem Stoff opfere man hundert-, fünfzig- oder fünfundzwanzigmal. Zur Herauslösung des Linga bringe man mit dem Wurzelmantra hundert Gaben dar.

54.13 Mit dem tausendsilbigen Mantra vollziehe man die vollständige Opfergabe. Man verwende ein Seil aus Rinderhaaren, vermischt mit der genannten Pflanzenfaser.

54.14 Ein junger, kräftiger Stier mit den vorgeschriebenen Merkmalen, dessen Farbe der gesellschaftlichen Klasse des Auftraggebers entspricht, werde angemessen geschmückt.

54.15 Man binde das Seil am Linga und am Höcker des Stiers fest und gedenke dabei des Bahurupa-Mantras.

54.16 Mit dem Stier und unter dem Shiva-Mantra lasse der Mantrakundige das Linga herausheben. Den Lehrer ehre man mit Gewändern und Goldschmuck.

54.17 Man lege das alte Linga auf eine Sänfte oder einen Wagen und lasse Muschelhörner, Trompeten und weitere Instrumente laut erklingen.

54.18 Von Shiva-Verehrern mit Lobpreis und Hymnen begleitet bringe man das Linga zum Meer und versenke es unter Mantras mit dem Abschluss Namah.

54.19 Auch ein nicht austrocknender Teich oder ein entsprechendes Gewässer ist möglich; oder man grabe eine Grube und lege es in die Erde. Ein hölzernes Linga kann ins Feuer gegeben werden; die anschließende Wasserangabe ist verkürzt.

54.20 Ein Ersatz-Linga und einen Sockel fertige man nach den früher genannten Merkmalen. Der Kundige stelle sie ordnungsgemäß zum Wohl von König und Land auf.

54.21 Alles bei der Erneuerung Vollzogene teile man dem im Mandala gegenwärtigen Shambhu mit, verneige sich und spreche: „Es möge Heil sein.“

54.22 Man verehre Shiva wie zuvor und verabschiede seine Waffenmacht. Zur Behebung möglicher Lücken vollziehe der Mantrakundige mit dem Aghora-Astra-Mantra

54.23 hundertacht Ghee-Opfer und danach die Vyahriti-Opfergabe. Er verabschiede Shiva aus dem Feuer und vollende die restlichen Opferhandlungen.

54.24 Auch verfallene gestaltvolle Bildwerke entferne man in dieser Weise. Bei beweglichen Bildern vollziehe man die Herausnahme in derselben Reihenfolge, jedoch ohne Stier.

54.25 Ton- und Holzbilder entferne man und gebe sie alsbald auf. Bei einem entfernten Metallbild fertige man aus demselben Material ein neues.

54.26 Dies ist die allgemeine Ordnung. Höre die besondere Bestimmung: Man verwende auch höherwertiges Material und gegebenenfalls ein größeres Maß.

54.27 Das Gegenteil soll man nicht tun; es gilt als Verderben bringend für den Auftraggeber. An Umfassungsmauern, Hallen und anderen Bauten entferne man den verfallenen Teil.

54.28 Der Kundige stelle ihn wie zuvor wieder her, fest und schön. Eine abweichende Ausführung soll den Menschen Schaden bringen.

54.29 Der Text kündigt dafür umfassenden Verlust und Fruchtlosigkeit an. Bei der folgenden Bestimmung über Monate und Monatshälften

54.30 soll man günstige und ungünstige Zeiten nicht erst prüfen, sondern Herausnahme und erneute Aufstellung vollziehen; der genaue zeitliche Anlass ist unklar. Damit ist die Erneuerung erläutert. Höre nun von den Ausgleichsriten.


So endet das 54. Kapitel.


Kapitel 55 – Ausgleichsriten und die Wiederherstellung der rituellen Ordnung

55.1 Nun erläutere ich die Ordnung der Ausgleichsriten, Prayashchitta. Der Text verbindet das Wort mit der Beseitigung eines Fehlers; seine Worterklärung ist verkürzt überliefert.

55.2 Ich beschreibe den Ausgleich für Fehler von der Verehrung bis zum Feueropfer. Wird die Verehrungszeit versäumt, rezitiere man das Shiva-Mantra hundertmal.

55.3 Bei Versäumnis der Verehrung zur Dämmerungszeit verdopple man dies. Wird während eines Tages ein Bestandteil ausgelassen, bringe man mit dem Herzmantra hundert Feueropfer dar.

55.4 Bleibt die Verehrung einen ganzen Tag aus, vollziehe man ein Bad mit neun Gefäßen; bei zwei oder drei Tagen mit fünfundzwanzig.

55.5 Für vier oder fünf Tage wird ein weiterer Fall angekündigt, dessen besondere Maßnahme fehlt. Bei fünf bis zehn Tagen vollziehe man das Bad mit hundert Gefäßen.

55.6 Bei Ausfall der Verehrung bis zu einem Monat verwende man dreihundert Gefäße, bei drei Monaten tausend.

55.7 Nach mehr als sechs Monaten ohne Verehrung vollziehe man eine erneute Besprengungsweihe. Fehlt die Bali-Gabe zu einer Dämmerungszeit, rezitiere man das Rudra-Mantra hundertmal.

55.8 Fehlt sie zu zwei Dämmerungszeiten, rezitiere der Guru hundertfünfzigmal. Fehlt sie zu drei, lasse man ein rituelles Bad vollziehen.

55.9 Bei einer Unterbrechung der Bali-Gaben von zwei Tagen bis zu einem Monat vergegenwärtige man das Shiva-Feuer wie zuvor und vollziehe ein Bad mit hundertacht Gefäßen.

55.10 Bei einem Ausfall von mehr als einem Monat bereite der Kundige das Shiva-Feuer und bringe mit Shiva- und Anga-Mantras tausend Ghee-Opfer dar.

55.11 Der Kundige vollziehe ein Bad mit hundertacht Gefäßen und nehme das tägliche Fest wie zuvor wieder auf.

55.12 Fällt bei der Bali-Prozession das Linga herab, bekommt es einen Riss, verrutscht, zerbricht oder wird abgetrennt beziehungsweise gespalten,

55.13 vollziehe man das Feueropfer an dieser Stelle oder im Heiligtum. Danach führe man die Umkreisung mit dem Bali-Linga wie zuvor aus.

55.14 Oder man vollende zunächst die Umkreisung und vollziehe das Feueropfer danach. Der Kundige rezitiere dort das achtsilbige Wurzelmantra hundertmal.

55.15 Wird ein nicht zu betretender Ort betreten, rezitiere man das Wurzelmantra hundertmal. Erlischt bei der Bali-Prozession das Licht, halte man dort an.

55.16 Man entzünde das Licht erneut und vollende den übrigen Umzug. Wurde die Speisedarbringung ausgelassen, bringe man die doppelte Menge dar.

55.17 Fehlt ein Opferstoff, ersetze der Kundige ihn in doppelter Menge. Wird ein täglich verwendeter Stoff ausgelassen, gebe man ihn beim nächsten Mal doppelt.

55.18 Bei Versäumnis des täglichen Feuerdienstes bringe man mit dem Herzmantra hundert Gaben dar. Höre nun die besonderen Ausgleichsriten beim Fest.

55.19 Wenn Fahne, Fahnenmast oder Glocke zerreißen, zerbrechen, herabfallen, gestohlen werden oder ähnlichen Schaden erleiden,

55.20 stelle man alles wie zuvor wieder her und richte es erneut auf. Mit dem Herzmantra opfere man hundertmal und bade es mit Panchagavya.

55.21 Wird die Opferzeit versäumt, opfere man mit dem Wurzelmantra. Fehlt ein Feueropferstoff, bringe man mit dem Herzmantra hundert Gaben dar.

55.22 Wird bei der Bali-Darbringung eine Gabe von einem Hund fortgenommen oder bleibt die Darbringung unvollständig, opfere man mit dem Herzmantra hundertmal zum allgemeinen Frieden.

55.23 Fallen Dreizackwaffe, andere Waffen oder eines der acht Glückszeichen herab, bade man den Dreizack; für die übrigen bringe man hundert Feueropfer dar.

55.24 Wird ein Bild von den hier als Angehörige ausgegrenzter Gruppen beziehungsweise Trinkende bezeichneten Personen berührt, schreibt der historische Text ein rituelles Bad und ein Opfer mit dem Wurzelmantra vor; die Personenbezeichnung ist verderbt.

55.25 Entstehen durch Unachtsamkeit Brüche, Abtrennungen und ähnliche Schäden, verfahre man wie zuvor. Fehlt ein Körperglied, füge man dieses erneut an.

55.26 Fehlt der Teil des Bildes oberhalb des Halses, vollziehe man die Erneuerung. Dabei beachte der Kundige Mondtag, Wochentag und Stunde nicht als aufschiebende Bedingungen.

55.27 Die vorbereitende Lagerung und die übrigen Handlungen vollziehe man unverzüglich und weihe das Bild erneut. Höre nun weitere Ausgleichsriten.

55.28 Wird die Zeit des rituellen Bades versäumt, opfere man mit dem Kopfmantra hundertmal; fehlt ein Badestoff, mit dem Haarschopfmantra halb so oft.

55.29 Ein undichtes, herabgefallenes, gesprungenes, zerbrochenes oder beschädigtes Gefäß entferne man und bereite ein anderes wie zuvor vor.

55.30 Bei Berührung durch eine als unberührbar geltende Person, einen Hund, eine Krähe oder dergleichen nehme man nach dieser historischen Reinheitsvorschrift ein anderes Gefäß und fülle es mit mantrisch geweihtem Wasser.

55.31 Mit dem Herzmantra opfere man hundertmal und vollziehe das Bad wie zuvor. Ist das vorläufige Heiligtum beschädigt, stelle der Kundige es wieder her.

55.32 Sind vorläufiges Linga oder Sockel zerbrochen oder beschädigt, lege man dieses Linga ins Wasser und stelle ein anderes wie zuvor auf.

55.33 Ein nur herabgefallenes oder verrutschtes Linga stelle man in der früheren Weise wieder auf. Höre nun, Herr der Hindernisse, was ich über das Haupt-Linga sage.

55.34 Ein gesprungenes, zerbrochenes, verfallenes oder abgebrochenes Linga gebe man auf und stelle ein neu gefertigtes auf.

55.35 Ist es lediglich verrutscht, herabgefallen, durch eine Flussströmung umgeworfen oder durch einen Elefanten, Diebe oder Verwirrte herausgehoben worden,

55.36 stelle man dasselbe Linga dort wieder auf und vollziehe die übrigen Handlungen wie zuvor. Bei einem großen, tief gegründeten Linga, das durch Strömung versetzt wurde,

55.37 oder einer anderen Bildgestalt wird eine Versetzung innerhalb von hundert Dandas genannt; die Ortsvorschrift ist nicht eindeutig. Ist das Haupt-Linga verschwunden, weihe man ein neues wie zuvor.

55.38 Dasselbe gilt für den Sockel und andere Bildgestalten. Bei einem Fehler am Weiheort bringe man mit dem Wurzelmantra hundert Opfergaben dar.

55.39 Wurde eine Handlung ausgelassen, hole man sie nach der Schrift mit dem Wurzelmantra nach. Fehlt bei einer Handlung das Mantra, opfere man mit dem Haarschopfmantra hundertmal.

55.40 Fehlt ein Stoff, bringe man mit dem Schutzmantra tausend Gaben dar, Herr der Hindernisse. Bei überzähligen oder unvollständigen Handlungen rezitiere man das Wurzelmantra hundertmal.

55.41 Bei Verunreinigung durch Krähen, Hunde, Esel, Kamele, Betrunkene oder Verwirrte vollziehe man Berührungsopfer und besonders den Tagessegen.

55.42 Mit dem Shiva-Mantra opfere man tausend- oder hundertmal. Wurde der Bereich von Chandalas und anderen hier ausgegrenzten Gruppen berührt oder betreten,

55.43 schreibt der Text erneute Besprengung, Weihe und rituelles Bad vor. Ist der Tempel eingestürzt, zerbrochen, beschädigt oder zerstört,

55.44 überführe man Shiva in ein vorläufiges Heiligtum. Nach Wiederherstellung des Tempels vollziehe man die Besprengungsweihe und beginne danach das Fest.

55.45 Ist der Boden des inneren Heiligtums abgesunken, gleiche man ihn mit den genannten Baustoffen wieder aus; deren Bezeichnung ist verderbt. Danach vollziehe man Vastu-Feueropfer und Tagessegen.

55.46 Ist der Bali-Sockel zerstört, stelle man einen neuen auf. Fehlt ein Heiligtum der Begleitgottheiten, errichte man es wie zuvor.

55.47 Ist dessen Bild herabgefallen und zerbrochen, abgetrennt oder gespalten, gebe man es auf. Nach einem Opfer mit dem Shiva-Mantra fertige man die Bilder wie zuvor neu.

55.48 Ihre Weihe vollziehe man nach der jeweiligen Vorschrift. Nun erläutere ich die Befriedung ungewöhnlicher Zeichen, die Fehler beseitigen soll.

55.49 Wenn alles seine Farbe verliert, ein Bild zu weinen scheint, Fieber oder Seuchen auftreten oder Krankheiten mit Blasenbildung entstehen,

55.50 wenn ein neuer Tempel oder ein heiliger Baum einstürzt und ähnliche Störungen im Ort auftreten,

55.51 vollziehe man zu ihrer Befriedung ein Friedensritual von einundzwanzig Tagen. Bei Erdbeben, feurigem Schein in den Himmelsrichtungen oder dem Erscheinen einer Nebensonne,

55.52 bei Sternsicht am Tag oder einem Regenbogen in der Nacht, bei Hungersnot, Erstarken der Feinde und Gefahr für König und Land

55.53 vollziehe man einen ganzen Monat lang Friedensriten zur Beseitigung des Unheils. Zeigen sich Ameisenhügel im Tempel, in Hallen oder anderen Bauten,

55.54 eine verderbt bezeichnete weitere Erscheinung, Bienenwaben im Tempel oder eindringende Ameisen und Eulen,

55.55 hebe man die betreffende Stelle aus, fülle sie mit reiner Erde, besprenge sie mit Panchagavya und vollziehe erneut ein Friedensritual.

55.56 Ich erläutere dieses kurz; höre genau, Elefantengesichtiger. Man verdopple die Opferspeise und vermehre besonders Lichter und Blumen.

55.57 Über Shiva bringe man ordnungsgemäß ein kühlendes Wassergefäß an. Dann vollziehe man Feueropfer für die Richtungen und insbesondere für die göttlichen Gestalten.

55.58 In den vier Richtungen rezitiere man die vier Veden, im Osten beginnend. Täglich vollziehe man das rituelle Bad ordnungsgemäß und entsprechend den Mitteln.

55.59 Nach Vermögen übergieße man täglich mit Ghee und Milch, ebenso mit Kokoswasser.

55.60 Danach reibe man das Linga mit Kurkumapulver ein und reinige es. Täglich bringe man reichliche Opferspeise dar, am Abschluss die doppelte Menge.

55.61 So ist das Friedensritual beschrieben, das alle Unheilszeichen beseitigen soll. Wo es so vollzogen wird, sollen Reichtum und Getreidevorräte wachsen.

55.62 Bei allen nicht ausdrücklich genannten Fällen beurteile man die Schwere oder Geringfügigkeit und vollziehe entsprechende Ausgleichsriten nach den erläuterten Grundsätzen.

55.63 Der Guru vollziehe das Friedensfeueropfer, die übrigen Handlungen nach ihrer Vorschrift. Damit sind die Ausgleichsriten erläutert. Höre nun von der Vermischung der Tantras.

So endet das 55. Kapitel.


Kapitel 56 – Die Einheit der Ritualordnung und die Vermischung der Tantras

56.1 Nun erläutere ich die Frage der Vermischung der Tantras. Vier Richtungen werden genannt: Shaiva, Pashupata, Soma und Lakula.

56.2 Nach ihren Haupt- und Unterformen verfahre man gemäß der jeweiligen Schrift. Innerhalb dieser vier Tantra-Richtungen wähle der Kundige eine geeignete Ordnung

56.3 und vollziehe danach die Handlungen von der ersten Bodenbearbeitung bis zur Weihe. Diesen ganzen Ablauf lasse man nach einem einzigen Tantra ausführen.

56.4 Diese vorzügliche Ordnung verleiht Wohlergehen und Befreiung; man erlangt alle Vollendungen. Beginnt man nach einer Schrift und verfährt später nach einer anderen,

56.5 so ist dies eine Vermischung, die König und Land schaden soll und nach dem Text Acharya, Auftraggeber und das ganze Vorhaben zugrunde richtet.

56.6 Nach welcher Schrift eine Handlung begonnen wurde, nach derselben vollende man sie. Wird sie nach einer anderen fortgesetzt, gilt dies als Fehler der Tantra-Vermischung.

56.7 Zwei Grundarten gibt es, mein Kind: friedvoll und furchterregend. Die Shaiva-Richtung gilt als friedvoll, die drei übrigen werden als furchterregend bezeichnet.

56.8 Werde ich furchterregend verehrt, verleihe ich entsprechende furchterregende Früchte; werde ich friedvoll verehrt, verleihe ich friedvolle Früchte, mein Kind.

56.9 Eine furchterregende Form soll friedvoll verehrt werden; eine friedvolle nicht auf furchterregende Weise. Wegen ihrer Verbindung mit vedischer Lebens- und Ritualordnung gilt die friedvolle Form als höher.

56.10 Weil die andere außerhalb der in der Shruti gelehrten Ordnung steht, heißt sie furchterregend. In einem bewohnten Ort vollziehe man die Aufstellung friedvoll, nicht furchterregend.

56.11 Eine aus Verblendung furchterregend vollzogene Aufstellung soll den Ort zerstören. Die ganze Welt des Bewegten und Unbewegten besteht aus friedvollen und furchterregenden Aspekten.

56.12 Deshalb verehre man auch das Furchterregende mit aller Sorgfalt auf friedvolle Weise. Dies bewirkt alle Vollendungen; so wird es im Wesen Shivas gelehrt.

56.13 Wird etwas zuerst friedvoll aufgestellt, später aber furchterregend verehrt, sollen König und Land durch eine solche verblendete Handlung zugrunde gehen.

56.14 Wozu viele Worte darüber? Man verehre auf friedvolle Weise. Die achtundzwanzig Tantras von Kamika an gelten als Shaiva-Tantras.

56.15 Diese heißen friedvoll und bilden eben den Siddhanta. Die übrigen Tantras, von Pashupata an, heißen furchterregend.

56.16 Unter den Shaiva-Siddhanta-Tantras wähle man eines als Grundlage. Was darin nicht gelehrt wird, darf man jedoch einer anderen Schrift entnehmen; eine solche Ergänzung gilt nicht als fehlerhafte Vermischung.

56.17 Entsprechend besteht auch innerhalb der jeweiligen anderen Tantra-Richtungen kein solcher Fehler. Damit ist die Frage der Vermischung kurz erläutert.

56.18 In sechsundfünfzig Kapiteln ist der Kriyapada dargelegt. Dies ist der Abschnitt der rituellen Handlungen, mein Kind. Höre nun den Caryapada.

Von der Herabkunft der Tantras an habe ich alles in Kürze erläutert, zuletzt ihre Vermischung innerhalb der Shaiva-Siddhanta-Lehre. Dieser Abschnitt zählt sechsundfünfzig Kapitel und gehört zur Überlieferung der Adishaivas; die abschließende Aussage über seine Nichtachtung durch Übelgesinnte ist beschädigt.

So endet das 56. Kapitel.

Damit ist der Kriyapada des Suprabheda abgeschlossen.

Om. Alles ist von Shiva erfüllt. Suprabheda.

Caryapada – Lebensführung

Kapitel 1 – Herkunft und Gruppen der Shaivas

1.1 Nun erläutere ich die Ordnung des Caryapada, des Abschnitts über die Lebensführung. Zu Beginn höre von der Herkunft der Shaivas.

1.2 Vier Richtungen werden genannt: Shaiva, Pashupata, Soma und Lakula. Diese vier Lehrsysteme werden hier als ohne grundsätzliche Trennung bezeichnet.

1.3 Wer in eine dieser vier Lehren mit Hingabe eingeweiht wurde, erhält die entsprechende Bezeichnung. Drei von ihnen werden dem Bereich des Gestaltvollen zugeordnet; die Formulierung ist beschädigt.

1.4 Die Angehörigen der vierten richten sich auf das Ungestaltete, das frei von Gliederung ist. Menschen, die der Shaiva-Lehre folgen, heißen Shaivas.

1.5 Entsprechend tragen die Anhänger der Schriften von Pashupata an deren Namen. In diesen drei Lehrsystemen bestehen Unterschiede nach ihren jeweiligen Wegen.

1.6 Nun werden die Shaiva-Unterteilungen kurz erläutert. Vier Schriftgruppen sind zu erkennen: die linke, die rechte und die gemischte,

1.7 zusammen mit dem Siddhanta als vierter. Wer in den jeweiligen Schriftgruppen von der linken an die Einweihung empfängt,

1.8 heißt Vamin, Dakshinin, Mishrin oder Siddhantin. Die linke Richtung wird als Shambhu-bezogen bezeichnet, die rechte als Bhairava-bezogen.

1.9 Die gemischte heißt Yamala und stellt die sieben Mütter in den Mittelpunkt. Der Siddhanta ist reiner Shaivismus und ausschließlich Shambhu zugewandt.

1.10 Der Siddhanta gilt als Essenz aller Lehren, als in seinen Prinzipien rein und als Shiva zugehörig. Die linke und rechte Richtung sowie ihre Mischung

1.11 werden demgegenüber als außerhalb des hier maßgeblichen Shaiva-Weges bezeichnet und von diesem nicht verehrt. Die achtundzwanzig Samhitas von Kamika an

1.12 bilden mit ihren Haupt- und Unterteilungen den reinen Shaiva-Siddhanta. Daneben nennt der Text einen gemischten Siddhanta unter der Bezeichnung der neun Yamalas.

1.13 Im linken Weg, im rechten und in ihrer Mischung sind jeweils fünf Arten von Lehrern beziehungsweise religiösen Amtsträgern vorgeschrieben.

1.14 Höre die Merkmale dieser fünf im gemischten Shaiva-Siddhanta: Acharya, Sadhaka, Samayin, Putraka

1.15 und Chitraketaka, der bei den Mütteropfern geehrt wird. Die Angehörigen des reinen Shaiva-Siddhanta sind durch die entsprechende Diksha eingeweiht.

1.16 Der Acharya gilt als Oberhaupt der vier übrigen von Sadhaka an. Aufstellung und Verehrung der Mütter, ihre Sättigung im Feuer,

1.17 rituelles Bad, Fest, Friedensriten und weitere Handlungen lasse man vom Acharya ausführen. Die im gemischten System genannten übrigen Handlungen vollziehen Sadhaka und die anderen.

1.18 Die vier von Acharya an entstammen der Shiva-Abstammungslinie; der Parashiva wird hier Chitraketaka genannt.

1.19 Höre nun kurz die tatsächliche Herkunft der gemischten Shaiva-Gruppen. Die erste Gruppe sind die anfangslosen Shaivas, die zweite die großen Shaivas,

1.20 die dritte die Adishaivas, die vierte die Anushaivas und die fünfte die Antarashaivas. So werden fünf Arten von Shaivas unterschieden.

1.21 Shakti-Gestalt, eine zweite Shakti-Bezeichnung, Nada, Bindu, Sadashiva und Ishvara bilden die sechs genannten Ebenen; die ersten beiden Namen sind unsicher.

1.22 Die dort Befindlichen heißen anfangslose Shaivas. Höre nun von den großen Shaivas: die Gottheiten von Ananta bis Shikhandin sowie die Mantramaheshvaras,

1.23 die mächtigen Rudras im Bereich von Maya bis zur Erde, die Schüler Ananteshvaras, Daityas und Rishis,

1.24 die Götter von Brahma und Vishnu an zusammen mit Yaksha- und Rakshasa-Scharen heißen große Shaivas. Höre nun von den Adishaivas.

1.25 Der folgende Vers nennt jedoch Anushaivas zusammen mit Yakshas, Rakshasas und Schlangenwesen sowie die vier Klassen von Brahmanen an, die von Kashyapa und den übrigen abstammen. Der Übergang der Gruppen ist nicht eindeutig.

1.26 Durch die Gnade des höchsten Herrn wurden sie mit Befugnissen ausgestattet, um Shivas Dharma offenbar zu machen und alle zu unterweisen.

1.27 Für die Durchführung von Aufstellung, Besprengungsweihe und Einweihung nahm Shiva, das höchste Selbst, die Gestalt der Rishis an; die Satzverbindung ist beschädigt.

1.28 Alle, denen so Gnade gewährt wurde, heißen hier Antarashaivas. Sie besitzen Shiva-Erkenntnis und sind ganz Shivas Dharma zugewandt.

1.29 Die Acharyas kennen Shivas Schriften und die Befreiung; auf Erden gelten sie als Shiva gleich. Alle sollen sie wie Shiva betrachten: Dies ist die Festlegung der Schrift.

1.30 Gochara, Gotra und Sutra will ich kurz erklären. Gochara ist das Shiva-Kennzeichen, Gotra die eigene Seher-Abstammungsgruppe,

1.31 Sutra die Lebens- und Ritualordnung der Shaivas. Shiva, Shikha, Jyoti, Savitri und Vyoma

1.32 sind die fünf Namen der Gocharas in Shivas Lehre. Gochara wird auch Kula genannt und gilt als Kennzeichen für Angehörige der vier Klassen.

1.33 Kashyapa, Kaushika, Bharadvaja, Gautama und Atreya sind die fünf hier genannten Sehergruppen.

1.34 Die Seher von Kashyapa an gehören zum Shiva-Gochara: Kashyapa, Namuchi, Manuja und Manubha,

1.35 Vishvamitra, Valmika, Pulastya, Pulaha, Kratu, Sanatkumara, Medhavin, Savakra und Parashara,

1.36 Sanandana, Sadirgha, Sanaka und Sanatana. Diese Sehergruppen gehören zum Shiva-Gochara; einzelne Namen sind unsicher überliefert.

1.37 Die Seher von Kaushika an gehören zum Shikha-Gochara: Kaushika, Kushika und als fünfter Prajapati; die Aufzählung ist unvollständig.

1.38 Es folgen die unsicher überlieferten Namen Shaddhyayanta, Bhumi, Sananta, Khadyapurana, Shandilya, Janaka, Suvarna und Sthandin,

1.39 Shankha, Sthula, Ritu, Viraja und Romaharshana. Alle diese Seher gehören zum Shikha-Gochara.

1.40 Die Seher von Bharadvaja an gehören zum Jyoti-Gochara: Bharadvaja, Vasishtha, Markanda, Sthandila und Guru.

[Hier ist eine größere Textlücke überliefert.]

1.41 Für die ordnungsgemäße Durchführung von Aufstellung, Besprengungsweihe und Einweihung wurden sie durch Shiva, das höchste Selbst, hervorgebracht; der Satz setzt nach der Lücke unvollständig ein.

1.42 Aus Shivas Brahma-Gesicht gelangen sie in die Menschenwelt. Als Rishi-Gestalten tragen sie die Namen Kashyapa und die übrigen.

1.43 Weil Shiva am Anfang steht, werden sie Adishaivas genannt. Da sie von Shiva eingeweiht sind, heißen sie Shiva-Brahmanen.

1.44 „Die Besten von allen“, „höchste Lehrer“, „vorzügliche Brahmanen“, „höchste Shiva-Anhänger“, „die Besten der Zweimalgeborenen“, „Erscheinungen Shivas“ und „von Shivas Wesen“

1.45 sind die Ehrennamen, die ich dir kurz genannt habe. Die folgende Rangordnung beginnt mit Würmern, Insekten und fliegenden Kleintieren; der Übergang zu den höheren Tieren ist verderbt.

1.46 Über den Tieren stehen nach dieser historischen Rangordnung die Menschen, unter ihnen die Zweimalgeborenen, unter diesen die Brahmanen und unter ihnen die Opferkundigen.

1.47 Unter den Opferkundigen stehen die Ausführenden höher, über ihnen die Entsagenden. Über den Entsagenden werden schließlich die Verehrer Shankaras gestellt; die letzten Steigerungen sind sprachlich beschädigt.

So endet das erste Kapitel des Caryapada über die Herkunft der Shaivas.


Kapitel 2 – Geburtsgruppen, Berufe und Zulassung zur Einweihung

2.1 Nun erläutere ich der Reihe nach die Unterscheidung der Geburtsgruppen. Zuerst geschieht Shivas Schöpfung, danach entfaltet sich Brahmas Schöpfung.

2.2 Daraus entstehen die Unterschiede der Gocharas; die Shiva-Zuordnung wird zweifach genannt. Aus Brahmas Mund entstehen die Brahmanen, aus seinen Armen die Kshatriyas.

2.3 Aus seinen Schenkeln entstehen die Vaishyas, aus seinen Füßen die Shudras. Durch Verbindungen zwischen den vier Klassen, in der als aufsteigend oder absteigend bezeichneten Reihenfolge,

2.4 entstehen die Zwischenklassen. Weitere Unterscheidungen ergeben sich aus den Lebensunterhalten. Höre ihre im Text gelehrte Herkunft.

2.5 In jeder Klasse sind die Menschen ihrem Wesen nach von Shakti und Shambhu erfüllt. Die weibliche Gestalt heißt Shakti, die männliche Shambhu.

2.6 Die ganze bewegte und unbewegte Welt wird als von Shakti und Shambhu erfüllt bezeichnet. Es folgen die vier Klassen von Brahmanen an; der anschließende Ausdruck ist verderbt.

2.7 Ich erläutere ihre Lebensunterhalte und Verhaltensordnungen. Bei Shivas Schöpfung gehen sie sämtlich allein aus seinem Mund hervor.

2.8 Die vier Klassen sind dabei reine Klassen; durch Einweihung kann man sie zu Shiva führen. Höre nun die Lebensordnung aller nach weltlichem Brauch.

2.9 Studium und Lehre, eigenes Opfern und Opferleitung für andere, Geben und Annehmen von Gaben werden als Aufgaben der Brahmanen genannt.

2.10 Aus Brahmas Armen entstehen die Kshatriyas, du Verständiger. Nripa, Kshatriya, Rajan, Raja, Bhupa und Bhupaka

2.11 sind ihre sechs gleichbedeutenden Bezeichnungen. Ihre Aufgabe ist der Schutz der Welt und die Wahrung ihres eigenen Dharma.

2.12 Aus Brahmas Schenkeln entstehen die Vaishyas. Ihre fünf Bezeichnungen beginnen mit Pita; weitere sind unsicher überliefert, darunter Vanij, Kamada und Sarvalaukika.

2.13 Diese fünf Namen habe ich als Bezeichnungen der Vaishyas genannt. Ihre drei Tätigkeiten sind Rinderhaltung, Landwirtschaft und Handel.

2.14 Aus den Füßen wurden die Shudras geschaffen, die den drei übrigen Klassen dienen; „drei“ ist verderbt überliefert. Der Dienst an den Zweimalgeborenen wird als ihr Lebensunterhalt bestimmt.

2.15 Krishna, Karshaka, Shudra, Vrishala und Preshyakara sind die fünf Bezeichnungen für Shudras.

2.16 Der Satshudra soll ähnlich wie ein Vaishya betrachtet werden; der Versanfang ist beschädigt. Als Satshudras werden nicht berauschende Getränke trinkende Angehörige angesehener Familien bezeichnet.

2.17 Aus ordnungsgemäßen Verbindungen innerhalb jeder Klasse gehen deren eigene Geburtsgruppen hervor: Brahmanen, Kshatriyas, Vaishyas und Shudras.

2.18 Damit sind die vier Klassen erläutert. Höre nun die Anuloma-Gruppen: zuerst Savarna, als zweite Ambashtha,

2.19 als dritte Parashaiva; diese entstehen nach der vorliegenden Genealogie aus Brahmanen-Vätern. Aus königlicher Vaterschaft entstehen Madgu und Ugra.

2.20 Aus einem Vaishya entsteht Chuchuka. So sind es sechs Anuloma-Gruppen. Verbindet sich ein Brahmane ordnungsgemäß und unter Mantras mit einer Kshatriya-Tochter,

2.21 heißt das daraus geborene Kind Savarna und wird unter den Anulomas geehrt. Es erhält eine Brahmanenbezeichnung, doch seine rituelle Zuordnung wird eingeschränkt; der zweite Halbvers ist verderbt.

2.22 Auf Befehl des Königs kann es Pferde, Elefanten oder Wagen führen und den Lebensunterhalt durch Heerführung oder eine weitere, unklar bezeichnete Aufgabe verdienen.

2.23 Aus einer Vaishya-Frau und einem Brahmanen entsteht der Ambashtha. Die ihm zugewiesenen Tätigkeiten sind beschädigt überliefert; genannt werden eine als Kakshya bezeichnete Arbeit und Tanz mit Feuer.

2.24 Aus einer Shudra-Frau und einem Brahmanen entsteht der Parashava. Als Lebensunterhalt werden ein Shula-Dienst, kleine Musikinstrumente und das Ansagen der Zeit genannt.

2.25 Er soll Tanz, Instrumentalmusik und insbesondere Trommeln ausüben. Aus einem Kshatriya und einer Vaishya-Tochter entsteht der Madgu.

2.26 Er heißt auch Mahashreshthin und lebt von Vaishya-Tätigkeiten. Außerdem wird ihm eine Tätigkeit im Zusammenhang mit den Gestirnen zugeschrieben; die genaue Formulierung ist unsicher.

2.27 Aus einer Shudra-Frau und einem Kshatriya entsteht der hier Shrotra genannte Angehörige; gegenüber der früheren Bezeichnung Ugra liegt eine Abweichung vor. Er ist dem Vollzug von Strafmaßnahmen zugeordnet.

2.28 Aus einer Shudra-Frau und einem Vaishya entsteht Chuchuka. Er lebt von Holz, Gras und anderen Waldprodukten,

2.29 vom Verkauf von Areka-Früchten und Blättern. Damit sind die Anulomas genannt. Höre nun die Pratilomas.

2.30 Vaideha, Pulkasa, Chandala, Ayogava und Magadha werden als aus solchen Verbindungen entstandene Gruppen genannt.

2.31 Hinzu kommt Suta aus königlicher Vaterschaft. Aus einer Vaishya-Frau und einem Shudra entsteht nach dieser Einteilung der Vaidehaka.

2.32 Er betreut Kühe, Büffel und Schafe, lebt von ihrer Haltung und von ihrem Kauf und Verkauf.

2.33 Aus einer Kshatriya-Frau und einem Shudra entsteht der Pulkasa. Sein Lebensunterhalt wird dem Sammeln und Verkaufen alkoholischer Getränke zugeordnet.

2.34 Aus einer Brahmanin und einem Shudra entsteht nach dieser historischen Genealogie der Chandala. Ihm werden Rindsleder an den Ohren und eiserner Schmuck vorgeschrieben.

2.35 Er trägt ein kleines Schlaginstrument und beseitigt Abfälle. Den Ort darf er nach dieser ausgrenzenden Vorschrift nur vormittags betreten, nicht nachmittags.

2.36 Aus einer Kshatriya-Frau und einem Vaishya entsteht der Ayogava. Er lebt vom Webstuhl und ist Weber.

2.37 Aus einer Brahmanin und einem Vaishya entsteht der Magadha. Er vollzieht für alle Begrüßung und besonders den Lobgesang.

2.38 Es folgt eine beschädigte Vorschrift über als niedrig eingestufte Berührung und die Ablehnung ihrer Speise. Als Tätigkeiten werden Botendienste für alle und ein als Varika bezeichneter Beruf genannt.

2.39 Wird einer Brahmanin von einem König in ordnungsgemäßer Verbindung ein Kind geboren, heißt es Suta und wird unter den Pratilomas geehrt.

2.40 Ihm allein wird unter den Pratilomas der als „weiß“ bezeichnete Rang zugestanden. Ihm sind Studium und Unterweisung im Dharma zugewiesen.

2.41 Damit sind die Pratilomas erläutert. Höre nun die heimlich Geborenen. Ein aus einer Brahmanin und einem Brahmanen in einer unerlaubten Verbindung geborenes Kind

2.42 gilt ebenfalls als Brahmane, ist aber von Opferleitung und Lehrtätigkeit ausgeschlossen. Aus einem Brahmanen und einer Kshatriya-Frau in heimlicher Verbindung entsteht die folgende Gruppe.

2.43 Dem als Ganika bezeichneten Angehörigen werden Astronomie, Rechnen, Kenntnis der Geisterlehre und der achtgliedrige Ayurveda als Tätigkeiten zugeschrieben.

2.44 Aus einer Vaishya-Frau und einem Brahmanen in heimlicher Verbindung entstehen nach dieser Darstellung Töpfer, die vom Töpferhandwerk leben; auch Barbiere werden damit verbunden.

2.45 Bei Geburt, Tod und weiteren Anlässen bearbeiten diese den Körper oberhalb des Nabels. Aus einer Shudra-Frau und einem Brahmanen in heimlicher Verbindung entsteht der Nishada.

2.46 Er lebt vom Fangen von Schlangen, Wildtieren und dergleichen. Aus einer Brahmanin und einem König in heimlicher Verbindung entsteht der Wagenbauer.

2.47 Er folgt im Alltag der Shudra-Ordnung und besitzt nicht den als „weiß“ bezeichneten Rang. Er führt Fahrzeuge und versieht den damit verbundenen Dienst.

2.48 Ein heimlich geborenes Kind zweier Kshatriyas gilt ebenfalls als Kshatriya. Es erhält eine Amtsbestellung und Stirnbinde, jedoch keine königliche Salbungsweihe.

2.49 Es lebt nach der Kshatriya-Ordnung und heißt Bhoja. Auch ein aus einer wiederverheirateten Kshatriya-Frau geborenes Kind wird dieser Gruppe zugeordnet.

2.50 Es gilt den Bhojas als gleich; außerdem wird ein vor der Heirat geborenes königliches Kind genannt. Aus einer Vaishya-Frau und einem Kshatriya in heimlicher Verbindung entsteht der dem Pferdehandel Zugeordnete.

2.51 Aus einer Shudra-Frau und einem Kshatriya in heimlicher Verbindung entsteht der Chulika. Auf königlichen Befehl versieht er den Dienst an der Pfahlstrafe.

2.52 Aus einer Brahmanin und einem Vaishya in heimlicher Verbindung entsteht der Kalara. Sein Lebensunterhalt ist das Benetzen und Waschen von Gewändern.

2.53 Aus einer Kshatriya-Frau und einem Vaishya in heimlicher Verbindung entsteht ein von Waldprodukten Lebender; aus einer Vaishya-Frau und einem Vaishya der Edelsteinhandwerker.

2.54 Dieser verkauft Edelsteine und fertigt Armringe aus Muscheln; die Materialbezeichnung ist beschädigt. Aus einer Shudra-Frau und einem Vaishya entsteht der Mattenhändler.

2.55 Aus einer Brahmanin und einem Shudra in heimlicher Verbindung entsteht der als Vedakaraka bezeichnete Angehörige; aus einer Kshatriya-Frau und einem Shudra der Vainaka.

2.56 Diese werden von den drei oberen Klassen als unberührbar behandelt; die folgende Anweisung zu ihrer Tätigkeit ist verderbt. Aus einer Vaishya-Frau und einem Shudra entsteht der Salzverkäufer.

2.57 Er wird auch Chakrika genannt und lebt von Öl und Presskuchen. Aus einer Shudra-Frau und einem Shudra in heimlicher Verbindung entsteht der Malava.

2.58 Sein Lebensunterhalt besteht darin, Graslasten für Rinder, Elefanten und Pferde zu tragen. Damit sind die Zwischenklassen genannt. Höre nun weitere Berufsgruppen.

2.59 Die Anuloma- und Pratiloma-Verbindungen innerhalb der vier Klassen bilden deren Grundlage. Die daraus geborenen Menschen werden nach ihrem Lebensunterhalt benannt.

2.60 Aus einem Ambashtha und einer Brahmanin entsteht ein Rasierender. Für die Verbindung mit einer Kshatriya-Frau folgt eine beschädigte Angabe; der daraus Geborene heißt Unterkörper-Barbier.

2.61 Seine Tätigkeit ist das Rasieren unterhalb des Nabels. Aus einer Brahmanin und einem Chuchuka entsteht der Takshaka, der Zimmermann.

2.62 Aus demselben Vater und einer Kshatriya-Frau entsteht der Kranzbinder, aus einer Vaishya-Frau der Samudra, dessen Lebensunterhalt im folgenden Wort unklar bezeichnet ist.

2.63 Die nächste Vatersbezeichnung ist verderbt; bei einer Brahmanin wird ein Shravana genannt, bei einer Kshatriya-Frau ein Karmakara, ein Handwerker.

2.64 Aus den unsicher überlieferten Elternbezeichnungen Agra-Frau und Pushkala entsteht der Wäscher. Aus einem Chandala und einer Brahmanin entsteht nach dem Text der Shvapacha.

2.65 Dieser Gruppe werden Hundefleisch als Nahrung und der Verbrennungsplatz als Wohnort zugeschrieben. Weitere derartige Unterscheidungen soll man nach der jeweiligen Verbindung bestimmen.

2.66 Selbst in hundert Jahren ließen sich nicht alle Unterschiede aufzählen. Ich habe sie deshalb kurz genannt. Höre nun, wer zur Einweihung zugelassen ist.

2.67 Brahmanen, Kshatriyas, Vaishyas und Shudras sind genannt. Angehörige dieser vier Klassen können nach dieser Vorschrift zum Acharya-Amt bestellt werden.

2.68 Ein solcher vorzüglicher Lehrer vollzieht die religiösen Vollzüge für andere. Zugelassen sind die sechs genannten Anuloma-Gruppen und drei Pratiloma-Gruppen:

2.69 Suta, Magadha und als dritte Ayogava. Auch sämtliche Zwischenklassen werden für die Einweihungshandlung genannt.

2.70 Alle Vratyas sollen einbezogen werden; zugleich nennt der Text ihren Ausschluss von allen übrigen Handlungen, ohne die Abgrenzung klar auszuführen. Damit habe ich die Geburtsgruppen erläutert. Höre nun vom Mandala.

So endet das zweite Kapitel.


Kapitel 3 – Das Mandala der Einweihung

3.1 Nun erläutere ich das alle Wünsche erfüllende Mandala. Es wird als Wesenskern bezeichnet und als Wohnstätte aller Gottheiten gestaltet.

3.2 So hat Shiva, das höchste Selbst, das Mandala bekannt gemacht. Schon sein Anblick soll von allen Sünden befreien.

3.3 Vor der Einweihung fertige der Kundige das Mandala nach der Vorschrift. Zuerst prüfe er den Boden und nehme den geeigneten Platz in Besitz.

3.4 Im Mahendra-, Malaya-, Vindhya-, Himalaya- oder Pariyatra-Gebirge, am Gangesufer, an einem heiligen Fluss oder am Meer,

3.5 in einem Blumengarten, nahe einem milchsaftführenden Baum, an einem reinen, schönen Ort, in einem Haus oder Tempel

3.6 zeichne der Kundige das Mandala auf einem nach Osten oder Norden abfallenden Gelände. Am siebten, neunten, elften,

3.7 dreizehnten Mondtag oder bei Neumond wird die Einweihung empfohlen. Günstige Mondhäuser und die Wochentage Sonntag, Montag,

3.8 Donnerstag, Freitag und Mittwoch gelten als geeignet. Bereits ein Jahr zuvor prüfe man die guten und schlechten Eigenschaften der Schüler.

3.9 Man nehme die mit den erforderlichen Eigenschaften Begabten an und weise Ungeeignete zurück. Nach der früheren Vorschrift säe man die Keimlinge aus.

3.10 Zuerst kommt das Mandala, als Zweites die Einweihungshandlung, als Drittes die Salbungsweihe. So ist die Reihenfolge bestimmt.

3.11 Höre nun kurz vom Mandala, du Gelübdetreuer. Man grabe eine Grube von einer Elle und fülle sie wieder mit ihrer eigenen Erde.

3.12 Bleibt Erde übrig, gilt der Boden als vorzüglich; geht sie genau auf, als mittel; reicht sie nicht aus, als gering. Entsprechend wird seine Wirkung bewertet.

3.13 Der beste Boden dient allen Vollendungen, der mittlere der Erfüllung eigener Wünsche. Den geringen meide man. Auf einem günstigen mittleren oder besten Platz

3.14 errichte man nach viereckiger Einebnung und Besprengung mit Panchagavya eine Halle oder einen Schutzbau mit allem Schmuck,

3.15 zwanzig, sechzehn, zwölf, zehn, neun oder acht Ellen groß, ohne Stütze in der Mitte.

3.16 Die Halle besitzt vier Eingänge und vier Zierbögen. In ihrer Mitte errichte der Kundige den Altar, darauf das Mandala.

3.17 Man bewirte Shiva-Verehrer, besprenge den Ort mit Astra-Wasser und vollziehe nach der Vastu-Verehrung das Vastu-Feueropfer.

3.18 Man bereite eine Opferfläche und stelle das Shiva-Gefäß darauf, links die Vardhani, beide mit Gold, Kostbarkeiten und Wasser versehen.

3.19 Beide erhalten je zwei Tücher, Grasbüschel und Deckel. Das Shiva-Gefäß verehre man mit dem Shiva-Mantra, das Uma-Gefäß mit Gauris Namen.

3.20 Nach dieser ordnungsgemäßen Verehrung besprenge man mit dem reinen Wasser der beiden Gefäße und mit Astra-Wasser Boden, Ritualstoffe und Schüler.

3.21 Nach diesem als Rishi-Opfer bezeichneten Vollzug bereite der Lehrer die Weihe am Vorabend mit den Scharen der Shiva-Mantras vor.

3.22 Mit den Shiva geweihten Stoffen vollziehe er das ganze Shiva-Opfer. In der Mitte vergegenwärtige er den Yogasitz mit den drei Prinzipien.

3.23 Nach ordnungsgemäßer Verehrung Shivas erzeuge er in einer Feuergrube oder auf einer Opferfläche das Shiva-Feuer nach der früheren Vorschrift.

3.24 Er verehre das Feuer ordnungsgemäß und bereite die Schüler vor: Angehörige der Klassen von Brahmanen an, Frauen, Männer und als geschlechtsneutral bezeichnete Personen.

3.25 Die vorgeschriebenen, Shiva ergebenen Menschen soll der Mantrakundige einweihen. Ihnen gebe er Opferbrei, der mit Shiva-Mantras zubereitet ist.

3.26 Er bringe einen Kochtopf herbei, wasche ihn mit Shiva-Wasser, verehre ihn mit Duftstoffen und Blumen und fülle ein Adhaka Reis hinein.

3.27 Der Kundige umgebe ihn unter dem Schutzmantra mit Blumen und Darbha-Gras und fülle Milch einer braunen Kuh, mit Ghee vermischt, dazu.

3.28 Er stelle den Topf in die Feuermitte und koche langsam bei milder Hitze. Ist der Opferbrei gar, nehme er ihn vom Feuer.

3.29 Mit dem Herzmantra gieße er Kuhghee darüber. Nach ordnungsgemäßer Vorbereitung opfere er mit allen Mantras je einmal.

3.30 Nach dem Feueropfer gebe er den übrigen Ghee in den Topf. Ein Viertel des Breis bringe er dem Gott dar.

3.31 Die übrigen drei Viertel gebe er den fastenden Schülern. Ohne die Speise mit den Zähnen zu berühren und im Gedenken an die fünf Brahma-Mantras

3.32 essen sie vorschriftsgemäß; für jeden Bissen gilt die genannte mantrische Handlung. Danach lasse man die Zähne mit einem Hölzchen reinigen und Panchagavya trinken.

3.33 Man rezitiere das zehnsilbige Mantra samt Vidya-Angas und Brahma-Mantras, danach das Haupt-Bija und besonders die Kshurika-Formel.

3.34 Der Acharya binde jedem Schüler einzeln den Schutzfaden an. Nach Verehrung mit Duftstoffen und Blumen schlafe man nachts an Shivas Seite.

3.35 Auf einem Aschelager ruhend und ganz auf Shiva gerichtet rezitiere man: „Om. Dem Shambhu, dem Dreiäugigen, dem Goldbraunen, dem großen Selbst,

3.36 dem Vama, dem Allgestaltigen, dem Herrn der Träume sei Verehrung.“ Nach Rezitation dieses Mantras lasse man den Schüler ebenfalls auf dem Lager ruhen.

3.37 Der Mantrakundige bleibe mit den Schülern am Opferplatz vor Shiva. Am Morgen berichte man dem Guru den während der Nacht gesehenen Traum.

3.38 Man erzähle wahrheitsgemäß, ob er günstig oder ungünstig war. Ein günstiger Traum kündigt den Schülern Glück und eine Frucht in diesem Leben an.

3.39 Ein ungünstiger hingegen wird hier als Hinweis auf Befreiung ohne weltliche Vollendung gedeutet. Das gesamte Einweihungsopfer werde mit den Mitteln des Schülers ausgeführt.

3.40 Der Kundige entferne den Schutzfaden und bade nach der Vorschrift. Nach den so vollzogenen Nachthandlungen zeichne man am Morgen das Mandala.

3.41 Durch dessen Anblick soll das verkörperte Wesen von sämtlichen Fesseln des gebundenen Selbst frei werden. Das Mandala kann eine, zwei, vier oder acht Ellen messen,

3.42 auch zwölf oder sechzehn; größer soll man es nicht anlegen. Man spanne die Schnüre und markiere die vorgeschriebenen Zweier- und Dreierteilungen.

3.43 Mit dem Vamadeva-Mantra vollziehe man das Auslegen der Schnüre. Gesammelt ziehe man zuerst die Ost-West-Linie.

3.44 Dann spanne man die glückverheißende Nord-Süd-Linie der Prinzipien. Die weitere Anweisung zur Schnuraufnahme und Konstruktion ist verderbt.

3.45 Man spanne die Schnüre der Reihe nach von Osten bis Norden, außerdem eine vom Südosten zum Nordwesten

3.46 und eine vom Nordosten zum Südwesten. Das so gleichmäßig angelegte Quadrat teile man in neun Felder.

3.47 Im Mittelfeld zeichne man den Fruchtboden des Lotus. In den vier umgebenden Feldern bilde man den Lotus mit acht Blättern.

3.48 Der erste Bereich ist der Fruchtboden, der zweite die Staubfäden, der dritte die Verbindungsstellen der Blätter und der vierte ihre Spitzen.

3.49 Außerhalb des Lotus ziehe der Kundige die Linien der einzelnen Umhüllungskreise. So ist das Lotusmaß angegeben; weil Shiva unbegrenzt ist,

3.50 kann es bei einer kleinen Anlage kleiner und bei einer großen größer sein. Der Umgang besitzt die halbe oder ganze Breite des Lotus.

3.51 Der Umgang und die zugehörigen Lotus- und Zierfelder werden in gleichen Bezugsmaßen angelegt. Die seitlichen Felder und Nebenzierfelder entsprechen den Hauptzierfeldern; die Fachausdrücke sind teilweise unsicher.

3.52 Als fünfter Bereich werden gleichmäßige Tore in den vier Richtungen genannt. Sie messen zwei oder eine Elle; größer soll man sie nicht ausführen.

3.53 Die Linien seien weder zu dick noch zu dünn, nicht unterbrochen, krumm oder mit Tropfen befleckt. Eine so gestaltete Wohnstätte des Gottes verleiht Befreiung und Vollendung.

3.54 Zu dicke Linien sollen vielerlei Furcht bringen, krumme Streit, unterbrochene das Ausbleiben der Vollendung und Flecken Furcht vor Feinden.

3.55 Zu dünne Linien sollen Krankheit, vermischte Farben Hungersnot bringen. Bei Fehlern der Zierfelder bleibt die göttliche Gegenwart aus; beim Überschreiten der Schnurlinien wird Gefahr vom König genannt.

3.56 Deshalb fertige man alles mit größter Sorgfalt nach den Merkmalen an. Die drei genannten Schnur- beziehungsweise Pulverfarben sind Weiß, Rot und Schwarz.

3.57 Vama, Jyeshtha und Raudri sind ihre Schutzgottheiten. Weiß streue man zur Erhellung des günstigen Augenblicks,

3.58 Rot zur Hervorbringung der entsprechenden Zuwendung und Schwarz zur Abwendung der Dunkelheit.

3.59 Gelb streue man zur Erlangung der Opferfrucht. Mit Weiß und den weiteren Farben zeichne man; dabei wird der kleine Finger als Maß beziehungsweise Auftragshilfe genannt.

3.60 Der Abstand der Linien beträgt ein Gerstenkorn; bei kleineren Anlagen entsprechend weniger. Wer Befreiung erstrebt, zeichnet gegen den Uhrzeigersinn, wer Wohlergehen erstrebt, im Uhrzeigersinn.

3.61 Mit den Fingerspitzen zeichne man für alle Vollendungen, mit der Faust für Wohlstand. Für Weiß verwende man besonders eine Mischung mit Perlenpulver,

3.62 für Rot wird Rubin- beziehungsweise Padmaraga-Pulver empfohlen, für Schwarz Pulver von blauem Saphir.

3.63 Goldpulver ergibt die Uma-Farbe. Sind diese Stoffe nicht verfügbar, nehme man Muschelpulver und Zinnoberpulver,

3.64 schwarzes Augensalbenpulver und Manahshila-Pulver. Fehlen auch diese, verwende man Reismehl,

3.65 Pulver von gebrannten Ziegeln, Pulver von verkohlten Reiskörnern und Kurkumapulver, um den Lotus zu gestalten.

3.66 Der Fruchtboden ist gelb, die fünfundzwanzig Samenerhebungen glänzen goldfarben und sind ein Gerstenkorn hoch.

3.67 Die Staubfäden gleichen feinen Schnüren und sind unten wie oben weiß. Die acht Lotusblätter sind weiß, die Zwischenräume der Linien schwarz.

3.68 Die Ränder neben den Linien sind rot, ebenso die entsprechenden Umhüllungen. Der Umgang rings um den Lotus sei rot.

3.69 Die Tore gestalte man gelb, die Zierfelder und Nebenzierfelder zu ihren beiden Seiten in allen Farben.

3.70 Ist der Lotus so vollendet, rufe der Kundige Shiva herbei. In der Mitte verehre man Sadashiva mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben.

3.71 Nach Verehrung des innersten Kreises folgen der Kreis der Vidyeshvaras, der Kreis der Ganeshas und der der Welthüter.

3.72 Danach verehre man den Waffenkreis nach der Vorschrift. Im Süden verehre man Ishvara, links von ihm Gauri.

Damit ist die Vorschrift für das Mandala erläutert. Höre nun die Vorschrift für die Einweihung.

So endet das dritte Kapitel.


Kapitel 4 – Diksha und die Salbungsweihe des Lehrers

4.1 Nun erläutere ich besonders den Weg der Diksha. Durch sie wird Shiva-Sein verliehen und das Gitter der Verfehlungen zerstört.

4.2 Weil sie in besonderer Weise Zerstörung der Bindung und Gabe des Höchsten verbindet, heißt sie Diksha. Nach Verehrung des Mandalas verehre man davor das Feuer.

4.3 Man opfere im Shiva-Feuer ordnungsgemäß nach der früheren Vorschrift. Danach weihe man die Schüler ein, beginnend mit den Brahmanen.

4.4 Der Lehrer besitzt die Merkmale eines Acharya, kennt den Shaiva-Siddhanta, ist verständig und standhaft und kennt den Shiva-Yoga. So ist er allen ein vorzüglicher Guru.

4.5 Nach gründlichem Bad vollziehe der Kenner der Shiva-Mantras Sakalikarana am eigenen Leib. Zuerst führe er die Besprengung aus und am folgenden Tag die Einweihung.

4.6 Nach ordnungsgemäßer Verehrung der Schüler folgt als zweiter Schritt die Diksha. Die Schüler von den Brahmanen an sollen rein gebadet und ihrer Sinne mächtig sein.

4.7 Nach Norden gewandt befinden sie sich auf dem mit Blumen und Kusha-Gras bedeckten Mandala. Man besprenge sie mit Shiva-Wasser und berühre sie mit Asche unter dem Astra-Mantra.

4.8 Man vergegenwärtige, wie das Zeitfeuer den ganzen Leib wie trockenes Holz verbrennt. Danach vollziehe man die Berührung mit Shiva-Bija und Mudra.

4.9 Mit dem Herzmantra berühre man das Herz, mit dem Kopfmantra den Kopf, mit dem Haarschopfmantra den Haarschopf und mit dem Schutzmantra die Brustmitte.

4.10 Mit dem Augenmantra berühre man die Augen, entsprechend auch die übrigen Körperglieder. Die durch Ishana und weitere Mantras geweihte Shiva-Hand lege man auf.

4.11 Der Kundige lege diese Hand dreimal auf ihre Scheitel und verehre sie mit Duftstoffen und weiteren Gaben. Dies heißt die Besprengungsvorbereitung.

4.12 Vor ihnen fertige man ein viereckiges Mandala, schmücke es mit Mehlpulver und breite Darbha-Gras und Blumen aus.

4.13 In der Mitte ordne der Kundige Ishana an, im Osten die Gesichtsgestalt Tatpurusha, im Süden Aghora und im Westen Sadyojata.

4.14 Im Norden steht Vamadeva, im Südosten das Herz, im Südwesten Brahma-Shiras und im Nordwesten Shikha.

4.15 Im Nordosten ordne man Kavacha an, jeweils mit dem eigenen Namen. Die Schüler, deren Leiber mit Asche bestäubt sind, wende man der Gottheit zu.

4.16 Mit dem Augenmantra verbinde man ihnen die Augen mit neuen Tüchern. Den Schülern der verschiedenen Klassen gebe man Blumen der ihnen zugeordneten Farbe.

4.17 Unter Aussprache des Shiva-Mantras werfen sie die Blumen in das Mandala. Auf welchen Platz die Blume fällt, danach bestimmen sich Einweihungsname und religiöse Zuordnung; ein Wort ist verderbt.

4.18 Ishana, Vaktra, Vidyesha, Aghora, Brahma, Sadya, Rudra, Vama und Humkara werden als die neun Namen genannt.

4.19 Für die vier Klassen wird eine Namensbildung von Shiva bis Gana angegeben, für Frauen eine Endung auf einen Shakti-Namen. So wird der Einweihungsname bestimmt.

4.20 Für dauerhaft Verpflichtete besteht eine besondere Zuordnung von Gochara und Gotra-Linie. Hier werden Shiva, Shikha, Jyoti und Savitri als Gocharas genannt.

4.21 Den vier Gruppen von Durvasas an werden entsprechende Gotras zugeordnet. Die im Caryapada von Shiva gelehrte Ordnung bildet ihr Sutra.

4.22 So werden Lehrerzugehörigkeit, Gochara, Gotra und Sutra festgelegt. Wie zuvor bei den Samayins steht der Guru ihnen gegenüber.

4.23 Nach der Hand-Auflegung vollziehe er inneres Verbrennen und Überfluten. Die achtunddreißig Kalas lege er wie zuvor auf.

4.24 Er lege die sechs Angas von Herz an, die fünf Brahma-Mantras, das zehnteilige Rudra-Mantra und das Prasada-Mantra auf.

4.25 Er vergegenwärtige die sechs Wege und die Shiva-Zuordnung. Die nachfolgenden Angaben zu Nada, Scheitel und weiteren Körperstellen sind beschädigt und nicht sicher zu gliedern.

4.26 Diese lege er einzeln auf die Leiber der Schüler. Dies ist die Reinigung der sechs Wege; danach vollziehe er das Feueropfer.

4.27 Für den Weg der Prinzipien, der Wörter, der Laute, der Welten, der Mantras und der Kalas opfere er jeweils hundertmal.

4.28 Mit den eigenen Mantras der Vidyeshvaras, Ganeshas, Welthüter und der zehn Waffen

4.29 opfere der Kundige jeweils hundert Ghee-Gaben. Ist er zu diesem vollständigen Vollzug nicht imstande, führe er die Tattva-Diksha aus.

4.30 Danach verkünde er vor dem Gott der Götter die Verpflichtungen. Shivas Schrift soll man nicht schmähen; die anschließende Vorschrift verlangt die Hinwendung zu den Eingeweihten, ist aber sprachlich beschädigt.

4.31 Den Acharya, ältere Eingeweihte und das Linga beziehungsweise deren Schatten soll man nicht überschreiten; das betreffende Wort ist verderbt. Geschlechtsgemeinschaft mit einer nicht eingeweihten Frau soll man meiden.

4.32 Man esse keine abgenommenen Kultgaben und schmähe niemanden, der Asche trägt. Diese werden als acht Verpflichtungen der Eingeweihten bezeichnet, obwohl der erhaltene Wortlaut nicht acht einzelne Regeln klar abgrenzt.

4.33 Diese Verpflichtungen sind einzuhalten. Höre weitere Aussagen für Eingeweihte: guter Charakter, gute Lebensführung, Hingabe an Shiva und an den Guru,

4.34 Freude an Shivas Schrift, Großzügigkeit, Geduld und Beherrschung der Sinne. Wer diese acht besitzt, gelangt zum höchsten Ziel; einzelne Wörter des Verses sind beschädigt.

4.35 Wer sie aus Verblendung nicht einhält, gelangt nach der Warnung des Textes in schwere Höllenleiden. Man bringe den Richtungen Bali mit Duftstoffen und Blumen dar.

4.36 Die Schüler, gegebenenfalls mit ihren Ehefrauen, bleiben ihrer jeweiligen Lebensstufe zugeordnet. Nach diesem ordnungsgemäßen Vollzug folgt das Feueropfer.

4.37 Der Mantrakundige bereite das Shiva-Feuer wie zuvor, rufe die Schüler herbei und verehre die ihm Gegenübersitzenden mit Ehrenwasser, Fußwasser und weiteren Gaben.

4.38 Ich erläutere nun die geeignete fünffache Form; höre zu. Unter den genannten Einweihungen wird sie als ausgezeichnet bezeichnet.

4.39 Erde, Wasser, Feuer, Wind und Raum bilden die fünf Prinzipien, denen die Ebenen bis zu Shiva zugeordnet werden; die untere Grenzangabe ist verderbt.

4.40 Das Erdprinzip gehört zur Nivritti-Kala mit den hundert Rudras. Das Wasser gehört zur Pratishtha-Kala, deren Bereich bis Prakriti und Purusha beschrieben wird; die Grenzformulierung ist unsicher.

4.41 Feuer gehört zur Vidya-Kala bis zu den Vidyeshvaras, Wind zur Shanti-Kala bis zu Sadashiva.

4.42 Die höchste, bis Shakti reichende Ebene gehört zu Shantyatita; der Elementname ist verderbt. Am Körper reicht Nivritti bis zu den Knien, Pratishtha bis zum Nabel.

4.43 Vidya reicht bis zu den Ohren, Shanti bis zum Gesicht. Darüber liegt Shantyatita bis zum höchsten und überhöchsten Shiva.

4.44 Für Nivritti opfere man mit Sadyojata, für Pratishtha mit Vamadeva, für Vidya mit Aghora und für Shanti mit Tatpurusha.

4.45 Für Shantyatita opfere der Kundige mit Ishana. Jeweils hundert-, fünfzig- oder fünfundzwanzigmal soll er opfern.

4.46 Nach dem Opfer für die fünf Prinzipien bringe der Kundige zur Beseitigung weiterer Geburt mit dem Herzmantra hundert Gaben dar.

4.47 Dadurch wird der Zustand des gebundenen Wesens zerstört und Shiva-Sein erlangt; das überlieferte Verb beim zweiten Satzteil ist widersprüchlich. Danach bringe man mit den fünf Brahma-Mantras die vollständige Opfergabe dar.

4.48 So vollende man die Diksha. Höre nun von der Salbungsweihe. In einer geschmückten Halle, mit allem Schmuck versehen,

4.49 bereite man das Shiva-Feuer wie zuvor und vollziehe den Abhisheka. Der dafür bestimmte Platz messe nach den Mitteln eine bis fünf Ellen.

4.50 Nach der Vorschrift des rituellen Bades stelle man die Gefäße auf. Der fest im Gelübde stehende Schüler nehme auf dem Bhadra-Sitz Platz.

4.51 Man verehre ihn ordnungsgemäß und vollziehe die vorgeschriebenen Auflegungen. Der Acharya wird dem Ungestalteten zugeordnet, der Sadhaka dem Gestaltvollen.

4.52 Dann vollziehe der vorzügliche Lehrer die Salbungsweihe mit dem zehnsilbigen Mantra und den acht Kuta-Formeln der Reihe nach.

4.53 Nach den verfügbaren Mitteln geschehe das Bad unter Segens-, Sieges- und Glücksrufen. Danach wird der Eingeweihte mit weißen Gewändern geschmückt.

4.54 Man verehre ihn mit Duftstoffen und Blumen, während er auf dem Yogasitz steht beziehungsweise sitzt, und binde ihm einen feinen Turban aus reinem weißem Stoff um.

4.55 Wie bei einem König lege man ihm ein Stirnband an sowie Krone, Ohrgehänge und allen weiteren Schmuck.

4.56 Der Vorschriftenkundige halte einen Schirm über ihn und einen Yakschweifwedel bereit. Fehlen die nötigen Materialien, fertige man diese Dinge aus Darbha-Gras.

4.57 Oder man vergegenwärtige alles geistig mit dem Shiva-Mantra. Rudraksha, Opferfaden, Turban und Obergewand,

4.58 Buch, großer und kleiner Opferlöffel, Zeichengerät und Schere werden übergeben. Shiva-Verehrung, Feuerdienst, Japa und Meditation vollziehe er nach Vermögen.

4.59 Er soll die Lehre erklären und Gnade vermitteln: „So sei es allezeit.“ Mit diesen Worten übertrage der Lehrer dem Schüler die entsprechende umfassende Befugnis.

4.60 Brahmanen, Kshatriyas, Vaishyas und Shudras aus den hier als rein geltenden Familien können den Acharya-Status empfangen; anderen wird er an dieser Stelle verweigert.

4.61 Kenntnis aller Mantrarezitation, Meditation und Erkenntnis, von wahrer innerer Haltung durchdrungen, gilt jedoch für alle als gleich. Die abschließende Aussage über die durch das Opfer Eingeweihten ist beschädigt.

4.62 Durch die Kraft der Mantras vollziehe man so die reinigenden Vollzüge. Angehörige der vier Klassen und auch andere weihe man im Shiva-Opfer ein.

4.63 Der Guru erkenne Anuloma- und Pratiloma-Zugehörigkeit und weihe entsprechend ein. Dem Guru gebe man die Gabe ohne Geiz und ohne Täuschung über die eigenen Mittel:

4.64 Gewänder, Schmuck, Krone, Ohrgehänge, goldenen Opferfaden sowie Gold- und Blumengaben,

4.65 Ringe beziehungsweise Siegel, Lager, Sitze und weitere Gegenstände. Höre nun genau ihre sechzehn Lebensriten, Vinayaka.

So endet das vierte Kapitel über die Einweihung.


Kapitel 5 – Die sechzehn Lebensriten

5.1 Nun erläutere ich die sechzehn Lebensriten der Shaivas. Für Menschen, die zur Einweihung im Shiva-Opfer geeignet sind,

5.2 hat Shiva, das höchste Selbst, diese sechzehn gelehrt. Zuerst kommt die Vereinigung zur fruchtbaren Zeit, als Zweites Garbhadhana, die Festigung der Empfängnis,

5.3 als Drittes Pumsavana, der Ritus für männlichen Nachwuchs, als Viertes das Scheiteln des Haares der Schwangeren, als Fünftes der Geburtsritus und als Sechstes das Aufstehen aus dem Wochenbett.

5.4 Als Siebtes folgt die Namensgebung, als Achtes die erste feste Nahrung, als Neuntes das erste Ausgehen und als Zehntes die Förderung des körperlichen Gedeihens.

5.5 Später folgen die Rückkehr nach der Lehrzeit und als sechzehnter Ritus die Heirat. Die dazwischenliegenden Riten sind in dieser Aufzählung nicht erhalten. Ich erläutere die sechzehn nun einzeln in Kürze.

5.6 Zuerst wird die Vereinigung nach der Monatsblutung behandelt. Die Blutungszeit wird mit drei Nächten angesetzt; am vierten Tag gilt die Frau rituell als rein.

5.7 Beginnt die Blutung im früheren Teil der Nacht, zählt diese Nacht mit; beginnt sie im späteren Teil, wird sie nicht mitgezählt.

5.8 Der Text belegt die Frau an den ersten drei Tagen mit abwertenden rituellen Bezeichnungen: am ersten „Chandali“, am zweiten „Brahmanentöterin“, am dritten „Wäscherin“. Am vierten Tag erklärt er sie für rein.

5.9 Während dieser drei Nächte gelten nach dieser historischen Reinheitsordnung Einschränkungen: kein rituelles Bad, nur eine Mahlzeit täglich und kein Trinken aus zusammengelegten Händen; eine weitere Einschränkung ist verderbt.

5.10 Es werden ferner das Betrachten von Himmelskörpern, Schlaf am Tag und eine unklar bezeichnete Art des Essens eingeschränkt. Am vierten Tag reinige sie die Zähne und bade mit Amalaki und weiteren Stoffen.

5.11 Sie lege reine Kleidung und Salben an; der Text untersagt danach das Gespräch mit Frauen und Shudras. Er behauptet, der zuerst nach dem Bad Gesehene bestimme die Art des späteren Kindes.

5.12 Deshalb solle sie keinen anderen zuerst sehen, sondern ihren Ehemann. Für ein Mädchen bei der ersten Monatsblutung wird vollständiger Schmuck genannt.

5.13 Man vollziehe die in der Schrift gelehrte glückverheißende Handlung und bereite das Shiva-Feuer nach der früheren Vorschrift.

5.14 In dessen Mitte vergegenwärtige man Shiva, verehre ihn wie zuvor und opfere mit den Shiva-Anga- und Brahma-Mantras.

5.15 Die nach der Blutung gebadete Frau befinde sich links; eine Zwischenhandlung ist unklar. Sie hat gebadet, rituell Wasser genippt und ihren Leib mit Asche bestäubt.

5.16 Westlich des Feuers sitzt sie nach Osten gewandt. Nachdem der Acharya das Feuer verehrt hat, wird mit den Mantras geopfert.

5.17 Man vollziehe die Umgießung mit durch Vidya-Angas geweihtem Wasser und opfere mit den fünf Brahma-Mantras tausend- oder hundertachtmal.

5.18 Eine Opfergabe lege man in den Zipfel eines Tuches. Für den Wunsch nach einem Sohn nennt der Text das rechte Nasenloch, für den Wunsch nach einer Tochter das andere; die Anwendung ist verkürzt überliefert.

5.19 Man soll nichts ausspucken und Erschöpfung sowie Zorn meiden. Die Vereinigung sei mit dem Vorsatz auf Nachkommenschaft gerichtet, niemals allein auf Genuss.

5.20 Als Empfängniszeit nennt der Text bis zum zwölften oder sechzehnten Tag nach Beginn der Blutung. Die ersten drei Tage werden ausgelassen, die Vereinigung beginnt frühestens am vierten.

5.21 Gerade Tage sollen nach dieser vormodernen Vorstellung männliche, ungerade weibliche Nachkommen hervorbringen. Ein Überwiegen des Samens wird einem Sohn, ein Überwiegen des Blutes einer Tochter zugeordnet.

5.22 Bei Gleichgewicht beider wird ein als Shanda bezeichnetes Kind angenommen. Was in die Gebärmutter eingegangen ist, wird mit einer Punnaga-Knospe verglichen.

5.23 Wird der in die Gebärmutter gelangte Keim durch den Wind zweigeteilt, entstehen nach dieser Darstellung zwei Leibesfrüchte und zwei Körper.

5.24 Lebensdauer, Karma, Vermögen und weitere Lebensbedingungen stehen unter Ishvara. Damit ist die Vereinigung zur fruchtbaren Zeit erläutert. Höre nun Garbhadhana.

5.25 Erkenne die hier genannten Zeichen einer eben eingetretenen Schwangerschaft: körperliches Spannungsgefühl, Beschwerden und Abneigung gegen den Ehemann; ein Ausdruck ist unsicher.

5.26 Es folgen beschädigte Angaben zu Empfindungen im Genitalbereich und zu Zuckungen. Nachdem die Schwangerschaft anhand dieser Zeichen angenommen wurde, wähle man ein günstiges Mondhaus.

5.27 Man verehre das Feuer wie zuvor und opfere mit Sadyojata hundertachtmal. Gerste werde mit Milch gegeben; außerdem nennt der Text gleiche Teile Milch, Quark und Ghee.

5.28 Diese Mischung lasse man unter dem Ishana-Mantra einnehmen. An der Ehefrau vollziehe man Sakalikarana und berühre mit dem Purusha-Mantra ihren Bauch.

5.29 Damit ist Garbhadhana erläutert. Höre nun Pumsavana. Im zweiten oder vierten Monat der ersten Schwangerschaft,

5.30 unter einem günstigen Mondhaus, verehre man das Feuer wie zuvor und opfere mit Vamadeva tausend- oder hundertachtmal.

5.31 Schwarze Bohnen und die weiteren bezeichneten Bestandteile füge man hinzu; die Mischung ist nicht vollständig klar. Knospen opfergeeigneter Bäume zerreibe man mit Milch.

5.32 Mittels eines neuen Tuches lasse der Kundige diese Flüssigkeit im Gedenken an Shiva unter dem Vamadeva-Mantra in das Nasenloch der Frau gelangen.

5.33 Nach Bewirtung der Shaivas ehre man den Acharya. So ist Pumsavana erläutert. Höre nun den Scheitelungsritus.

5.34 Im vierten, sechsten oder achten Monat vollziehe man das Scheiteln, auch früher unter einem günstigen Mondhaus. Das Feuer bereite man wie zuvor.

5.35 Mit Aghora opfere man hundertachtmal, danach mit den Vyahritis. Darbha-Gras, Udumbara und Kränze beziehungsweise die genannten Zweige binde man für den Ritus zusammen.

5.36 Von der Stirn bis zur Mitte des Scheitels ziehe man die Linie und vollende die Handlung mit den Vidya-Angas. Man gebe der Frau ein neues Gewand.

5.37 Mit Gold, Kränzen und Duftstoffen ehre man sie beim Scheiteln. Es folgt eine mit dem Ishana-Mantra auszuführende Gesichtshandlung, deren Wortlaut verderbt ist.

5.38 Mit dem Purusha-Mantra berühre man Wasser und rezitiere das Shiva-Mantra. So ist der Scheitelungsritus erläutert. Höre nun den Geburtsritus.

5.39 Man prüfe das Geburtszimmer und reinige es zuvor. Mit Sesam- und Senfpulver räuchere man sein Inneres aus.

5.40 Acht erfahrene Frauen sollen zur Gebärenden eintreten; die Qualifikation ist verderbt bezeichnet. Man verehre die Schutzmacht des Hauses und beachte den Zustand des Raumes.

5.41 Wenn das Kind geboren wird, halte man andere fern. Zum umfassenden Schutz opfere man mit dem Astra-Mantra hundertmal.

5.42 Nach der Geburt des Sohnes gedenke man Shivas und betrachte sein Gesicht mit dem Vama-Mantra. Die Nabelschnur trenne man mit dem Astra-Mantra und reinige seine Glieder.

5.43 Unter Aussprache der fünf Brahma-Mantras rieche beziehungsweise küsse man sein Haupt. In sein rechtes Ohr rezitiere man Tatpurusha.

5.44 Der historische Ritus sieht eine Mischung aus Honig, Ghee und Rohzucker vor, geweiht mit den Brahma-Mantras. Mittels goldenen Durva-Grases soll sie unter dem Herzmantra gegeben werden; die Satzfolge ist beschädigt.

5.45 Der vorzügliche Sadhaka gebe sie unter der mit „Hiranyarupa“ beginnenden Formel. Danach lege man das Kind der Mutter in die Arme und reinige ihre Brüste mit Sadyojata.

5.46 Unter der mit „Prashanta“ beginnenden Formel reiche man die rechte Brust. Ein Gefäß verehre man mit dem Aghora-Astra-Mantra.

5.47 Voll Wasser stelle der Kundige es zum Schutz am Kopfende auf. Zehn Nächte lang opfere man gewissenhaft morgens und abends.

5.48 Diese Handlung obliegt täglich dem Ehemann. Am dritten, fünften und siebten Tag reinige man Lager und weitere Gegenstände.

5.49 Damit ist der Geburtsritus erläutert. Höre vom Aufstehen, du Gelübdetreuer. Nach Ablauf von zehn Nächten vollziehe man den Ritus des Aufstehens aus dem Wochenbett.

5.50 Die verwendeten Stoffe und Gefäße entferne man sorgfältig. Für Bronze, Holz, Eisen und weitere Materialien wird eine je eigene Reinigung genannt; das bestimmende Wort ist verderbt.

5.51 Kleidung reinige man mit dem genannten Reinigungsmittel, Gold mit Asche. Das Haus bestreiche man mit Erde, Kuhdung und Wasser.

5.52 Nach dem ersten Reinigungsbad vollziehe man die vorgesehene Haarpflege bei beiden Ehepartnern. Danach baden sie erneut, und der Kundige trägt das Feuer reinigend umher.

5.53 Man bringe neue Gefäße hinein, lasse Panchagavya einnehmen, spreche den Tagessegen und besprenge die Anwesenden der Reihe nach.

5.54 Kusha-Wasser in einer Schale weihe man mit den Shiva-Mantras. Dieses von Shiva erfüllte Wasser lasse man beide Ehepartner nacheinander einnehmen.

5.55 Damit ist das Aufstehen erläutert. Höre nun die Namensgebung. Am elften oder zwölften Tag wird der Name bestimmt.

5.56 Man bereite das Shiva-Feuer ordnungsgemäß. Der Mantrakundige berühre den Sohn und gebe ihm einen auf seine Gottheit bezogenen Namen.

5.57 Die erste Bezeichnung ist Mahadeva, die zweite Maheshvara, die dritte Shankara und die vierte Vrishabhadhvaja,

5.58 die fünfte Krittivasa, die sechste Kamanashana, die siebte Devadevesha und die achte Shrikantha,

5.59 die neunte Ishvara, die zehnte Parvatipriya, die elfte Rudra und die zwölfte Shiva.

5.60 Diese zwölf befreiungsverheißenden Namen bis Shiva ordne der Kundige den Monaten von Karttika an zu und spreche sie in Gegenwart des Feuers aus.

5.61 Mit Durva-Schösslingen und ungebrochenen Reiskörnern vollziehe man die Auflegung von den Füßen bis zum Scheitel unter den Shiva-Anga-Mantras; die Handanordnung ist nicht eindeutig.

5.62 Nach Aussprache des Shiva-Mantras erhält ein Mädchen einen Shakti-Namen: Ambika, Parvati, Gauri, Bhavani, Surarchita,

5.63 Dakshayani, Haimavati, Mahadevi, Haripriya, Uma, Shivakari und Girija.

5.64 Diese zwölf Namen der Shakti ordne man ebenfalls den Monaten von Karttika an zu. Nach Ehrung des Acharya verehre man die Shaivas.

5.65 Damit ist die Namensgebung erläutert. Höre nun die erste feste Nahrung. Im sechsten Monat unter einem günstigen Mondhaus findet dieser Ritus statt.

5.66 Das Kind soll nicht mit Speiseresten in Berührung gekommen sein. An einem günstigen Tag zur passenden Stunde bereite man Reis mit Milch und Ghee und verehre das Feuer wie zuvor.

5.67 Unter dem Bija-Mantra gebe der Kundige dem Kind die Speise aus einem Bronzegefäß. Auch alle Anwesenden bewirte man mit Milchreis.

5.68 Für den Ritus verwende man entsprechend geweihten Opferreis. So ist die erste Speisung erläutert. Höre nun vom ersten Ausgehen.

5.69 An diesem Tag zur günstigen Stunde bereite man an einem schönen Ort im Haus das Feuer und opfere mit Sadyojata hundertachtmal.

5.70 Der Vater schmücke seinen Sohn unter Shiva-Rufen und rieche beziehungsweise küsse mit dem Tatpurusha-Mantra dessen Haupt.

5.71 Nach Rezitation des Shiva-Mantras gehe man langsam zum Tempel. Mit der Stier-Gayatri verneige man sich vor dem Stier; das folgende Ortswort ist unklar.

5.72 Mit dem Sohn und den Verwandten verehre man den Gott der Götter. Dann gehe man zum Heiligtum Guhas und verneige sich vor dem unvergänglichen Guha.

5.73 Langsam bringe man das Kind nach Hause und vollziehe den Schutz mit Asche. Nun erläutere ich die Förderung des körperlichen Gedeihens: Man bereite das Feuer wie zuvor.

5.74 Mit Brahma-Shiras opfere man ordnungsgemäß hundertachtmal. Am rechten großen Zeh beginnend rezitiere man Ishana und die übrigen Mantras der Reihe nach.

5.75 So verfahre der Kundige oder verwende das zehnsilbige Mantra. Mit süßen und nicht laugen- beziehungsweise salzhaltigen Speisen bewirte man sorgfältig die Shaivas; die Speisebezeichnung ist nicht ganz eindeutig.

5.76 Damit ist die Förderung des körperlichen Gedeihens erläutert. Höre nun die erste Haarschur. Im dritten Lebensjahr, bei günstigem Mondhaus und Mondtag während des nördlichen Sonnenlaufs,

5.77 vollziehe man am Vortag das Nandimukha-Ahnenritual. Vor der Haarschur, der Einführung in die Lehrzeit, der Rückkehr nach dem Studium

5.78 und der Eheschließung ist dieses Ritual vorgesehen. Man rufe die Ahnengottheiten herbei und verehre sie mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben.

5.79 Väter, Großväter und Urgroßväter vergegenwärtige man mit diesen Bezeichnungen der Reihe nach in Shivas Wesen.

5.80 Nach dem Nandimukha gebe man die Gabe nach Vermögen. Unter dem Astra-Mantra besprenge man das Kind und binde ihm nachts den Schutzfaden an.

5.81 Am Morgen bereite der Kundige für die Haarschur die Opferfläche und das Shiva-Feuer und bringe mit dem Rudra-Mantra hundertacht Gaben dar.

5.82 Man setze das Kind östlich des Feuers und verehre es mit den Kuhgaben und weiteren Stoffen, unter „Hara, Hara“-Rufen und glückverheißenden Worten.

5.83 Mit Durva, Reiskörnern und Hymnen bringe man Ghee auf das Haupt. Das Rasiermesser berühre man mit dem Astra-Mantra; der Vater lasse den Sohn scheren.

5.84 Dabei verwende man die Brahma-Mantras von Ishana an in der angegebenen Richtungsfolge. Die Haare lege man in ein Gefäß mit Kuhdung.

5.85 In der Kopfmitte verbleibt ein runder Haarschopf, bemessen nach einer Fünfundzwanzigstel-Teilung. Die übrigen Haare entfernt der für den oberen Körper zuständige Barbier.

5.86 Beim ersten Ausgehen, beim Ritus des körperlichen Gedeihens, bei der Haarschur und den genannten glückverheißenden Handlungen, je nach Vertrauen und Mitteln,

5.87 vollziehe man die Riten für Mädchen ohne Feueropfer, jedoch mit der hier genannten Mantrabegleitung. Danach bade man das Kind und entferne den Schutzfaden.

5.88 Mit Gewändern, Kurkuma, Duftstoffen und Blumen geschmückt sitzt es bequem östlich des Feuers. Man verehre es mit Reiskörnern und weiteren Gaben.

5.89 Der Kundige opfere mit dem Shiva-Mantra tausend- oder hundertmal und bringe danach mit dem früher genannten Mantra die vollständige Opfergabe dar.

5.90 Anschließend ehre man den Acharya und schenke ihm eine Kuh mit Kalb. Man sammle den Kuhdung mit den abgeschnittenen Haaren und füge Getreide hinzu.

5.91 Den Kühen zugewandt lege man dies in feuchte Erde oder an die Wurzeln von Darbha beziehungsweise Udumbara. Nach rituellem Wassernippen kehre man zurück.

5.92 Damit ist die Haarschur erläutert. Höre nun die Einführung in die Lehrzeit, Upanayana. Im fünften, sechsten oder siebten Jahr nach der Geburt,

5.93 auch im achten oder neunten, kann sie stattfinden. Diesen Zeitpunkten werden der Reihe nach Erkenntnis, rechte Gestalt, geistiger Glanz, langes Leben und Wohlstand zugeordnet.

5.94 Oder man vollziehe Upanayana bis zum Ende des sechzehnten Jahres. Ist dieses überschritten, soll zuvor das Uddalaka-Gelübde erfüllt werden.

5.95 Der Text beschreibt dafür eine Askesefolge: zwei Monate Gerstenspeise, einen Monat Milch, dann täglich die als Amikshika bezeichnete Speise für einen halben Monat.

5.96 Amikshika entsteht aus gekochter Milch, der Quark zugesetzt wird. Danach wird Milch einer schwarzen oder braunen Kuh genannt und ein achtnächtiges Schlafen auf dem Boden.

5.97 Es folgen sechs Nächte mit einer verderbt bezeichneten Milchspeise, drei Nächte mit Wasser und ein Tag und eine Nacht Fasten. Der Bezug auf das vergangene Dvaparayuga ist unklar.

5.98 Diese Folge soll einmal als Uddalaka-Gelübde vollzogen werden. Als Alternative erscheint eine beschädigte Aussage über ein Bad am Ende eines Pferdeopfers, Vinayaka.

5.99 Die vorausgehenden Lebensriten von Garbhadhana an vollziehe man entsprechend der früheren Ordnung. Nach Abschluss des Gelübdes erfolgt die Einführung im Frühling während des nördlichen Sonnenlaufs,

5.100 unter günstigem Mondhaus und besonders zur guten Stunde. Sieben oder fünf Tage zuvor findet die Aussaat der Keimlinge statt.

5.101 Man bereite Opferfaden, Antilopenfell, Munja-Gürtel und Stab vor. Ich erläutere die Vorschrift für den Opferfaden, den Turban und das Obergewand.

5.102 Unter einem günstigen Mondhaus beschaffe man diese sorgfältig. Eine Brahmanin, eine Königstochter oder eine Vaishya-Tochter

5.103 kann den Faden herstellen, auch eine Shudra-Tochter. Von anderen Frauen gefertigter Faden wird in dieser historischen Vorschrift ausgeschlossen.

5.104 Oder der vorzügliche Sadhaka beziehe ihn von Fadenhandwerkern. Bei der Übernahme reinige man ihn mit Wasser und Asche.

5.105 Am Vormittag beginne der Kundige unter dem Sadyojata-Mantra den Faden zu bemessen: sechsundneunzig Einheiten von jeweils vier Fingerbreit.

5.106 Diesen lege man dreifach zusammen; so wird die Fadenlänge bestimmt. Die weitere Anweisung nennt eine Ost-West-Stellung und eine Nord-Süd-Führung.

5.107 Zuerst führe man den Faden über beziehungsweise hinter die rechte Hand, danach über die linke, bis die Dreifachlegung vollendet ist; die genaue Handbewegung ist beschädigt überliefert.

5.108 Man lege ihn auf den Boden oder eine andere Unterlage mit den Enden nach Osten oder Norden. Blätter, Blumen und Gras füge man hinzu; die abschließende Bearbeitung ist unklar.

5.109 Mit Vamadeva besprenge man ihn und nehme die vorbereitete Schnur auf. Als weiteres Maß dient die Strecke vom Hals über die Hand beziehungsweise vom Daumen bis zum Armende.

5.110 Ein Einzelfaden besitzt dieses Maß; dreifach ergibt er den Opferfaden. Im Knoten ist die Göttin der Sprache fest gegenwärtig.

5.111 Savitri und Gayatri befinden sich an Spitze und Ansatz. Brahma, Vishnu und Rudra sind die Gottheiten der drei Fäden.

5.112 Mit dem Aghora-Astra-Mantra binde man ihn und mit Bahurupa lege man ihn an. Er verläuft ordnungsgemäß rechtsherum oberhalb des Nabels.

5.113 Dieser dreifache Faden gilt für Brahmacharins; Haushälter tragen sechs Fäden, Waldeinsiedler neun und Entsagende zwölf.

5.114 Damit ist die Vorschrift für den Opferfaden erläutert. Höre nun vom Obergewand: Es werde aus dreifachem weißem Stoff nach Art des Opferfadens angelegt.

5.115 So ist das Obergewand beschrieben. Nun folgt der Turban: Vom unteren Kopfbereich bis zum Scheitel soll er reichen und die Ohren sorgfältig bedecken.

5.116 Diese Kopfumwicklung besteht aus weichem weißem Stoff. Damit ist der Turban erläutert. Höre nun vom schwarzen Antilopenfell.

5.117 Man verwende das Fell einer schwarzen Antilope, nicht eines anderen Tieres; es soll von einem gesunden, von selbst gestorbenen Tier stammen.

5.118 Der Fellstreifen sei drei Fingerbreit oder nach einer weiteren Angabe ein Fingerbreit breit und so lang wie der Opferfaden. So wird das schwarze Antilopenfell bemessen.

5.119 Unter dem Sadyojata-Mantra befestige man es mit einer Lederschnur oder Baumwollschnur. Höre nun genau vom Gürtel.

5.120 Munja-Gras von einem reinen Ort lasse man trocknen, spalte es mit einer Nadelspitze und fertige daraus eine dreifache, dreimal gewundene Schnur.

5.121 So ist der Gürtel kurz beschrieben. Höre die Merkmale des Stabes. Geeignet sind Palasha, Bilva, Khadira, Shami und Kankata.

5.122 Er reiche bis zum Kopf oder bis zur genannten Armhöhe, sei mit Rinde versehen, gerade und glatt. Der Rest des Verses fehlt.

5.123 Zuerst vollziehe man Nandimukha, danach Upanayana. Das Shiva-Feuer bereite man wie zuvor und lasse die Haare wie beim Haarschur-Ritus schneiden.

5.124 Die herabhängenden Haare entferne man, Haarschopf und Brauen bleiben. Danach bade man den Schüler und schmücke ihn vollständig.

5.125 Zur Reinigung des Leibes lasse der Kundige ihn Opferbrei essen. Opferfaden und die übrigen Kennzeichen lege man nördlich der Reihe nach bereit.

5.126 Der vorzügliche Lehrer besprenge sie mit dem Mantra, der mit „Shuchivo havya“ beginnt, und rufe den Schüler an die Südseite des Feuers.

5.127 Mit den fünf Brahma-Mantras und der genannten Shuchivo-havya-Formel besprenge er den nach Norden gewandten Schüler und verehre ihn mit ungebrochenen Reiskörnern.

5.128 Nach vorausgehender Umgießung beginne man den Hauptritus. Mit Brahma- und Anga-Mantras sowie der genannten Göttinnenformel bringe man jeweils fünf Gaben dar.

5.129 Man vollziehe die Umgießung und verehre Shiva mit Duftstoffen. Die neue Gürtelschnur binde man mit der hier nur beschädigt zitierten Formel „Iyam …“ an.

5.130 Das Tuch lege man als Lendenschurz an und lasse den Rest hinten herabhängen. Unter eigener Rezitation des betreffenden Mantras übergebe man den Opferfaden.

5.131 Mit Bahurupa lege der Kundige das schwarze Antilopenfell an, mit der Formel „Prashanta …“ das Obergewand.

5.132 Für diesen Schüler ist kein Turban vorgesehen; er gehört den anderen Lebensstufen. Mit dem Astra-Mantra übergebe man den Stab und lege den Reinigungsring an den Ringfinger.

5.133 Man umkreise das Feuer im Uhrzeigersinn, verneige sich, wasche ordnungsgemäß die Füße und nippe zweimal rituell Wasser.

5.134 Unter dem Shiva-Mantra nehme man Brahmakurcha ein. So heißt Panchagavya, dem Kusha-Gras beigegeben ist.

5.135 Nach erneutem rituellem Wassernippen folgt die Bindung an das Savitri-Gelübde. Die Handlung am Kopf erfolgt rechtsherum; mit den fünf Brahma-Mantras wird geopfert.

5.136 Unter der mit „Savitri kandarshi“ beginnenden Formel opfere man zur Gelübdebindung. Danach rezitiere man Savitri und Gayatri achtmal.

5.137 Man umkreise das Feuer, verneige sich ordnungsgemäß, vollziehe die Umgießung und bringe mit dem Shiva-Astra-Mantra hundert Gaben dar.

5.138 Es folgt eine beschädigte Anweisung zu ungespaltenem und gespaltenem Brennholz, das hundertfach mantrisch geweiht wird. Danach erfolgen Umgießung, Gayatri und Vyahritis.

5.139 Mit den Brahma- und Anga-Mantras opfere man jeweils siebenmal. Man verneige sich vor dem Gott der Götter und ehre den Guru und die weiteren Anwesenden angemessen.

5.140 Den Acharya ehre man nach den vorhandenen Mitteln. Mit dem Purusha-Mantra übergebe man eine Bettelschale aus Gold oder einem anderen geeigneten Stoff.

5.141 Der Stab wird links, die Bettelschale rechts gehalten. Zu jeder Angesprochenen sage der Schüler: „Verehrte, gib mir eine Gabe.“

5.142 Für seinen Unterhalt sammle er in jedem Haus Reis. Auf dem Weg soll er nach der wörtlichen Anweisung Tiere mit dem Stab abwehren; der Text verwendet dafür das Verb „schlagen“.

5.143 Er bade ordnungsgemäß, nippe rituell Wasser und vollziehe täglich zu den drei Zeiten die vorgeschriebenen Handlungen mit den früher genannten Mantras.

5.144 Der Kundige folge der Shaiva-Schrift und der Überlieferung der Lehrer, lebe beherrscht und trinke gereinigtes Wasser.

5.145 Shiva-Surya bringe er Ehrenwasser mit Kusha-Gras, Blumen und Reiskörnern dar. Zu jeder der drei Dämmerungszeiten rezitiere er die Gayatri

5.146 hundertachtmal und vergegenwärtige dabei Shiva. Dies vollziehe er täglich zur Reinigung von allen Verfehlungen.

5.147 Der Mantrakundige verehre morgens und abends ordnungsgemäß das Feuer. Mit innerer Mantravergegenwärtigung opfere er Ghee unter den Vyahritis und weiteren Formeln.

5.148 Mit dem zuvor genannten Mantra opfere er auch Brennhölzer. So verfahre man drei Tage; am vierten erfolgt die Entlassung des Stabes aus seiner besonderen Weihebindung.

5.149 Nach dem früheren Ablauf opfere man mit Sadyojata hundertachtmal und vollziehe am Morgen die Verabschiedung mit dem genannten Mantra.

5.150 Die gebrauchten Opferfäden lege der Kundige nach Süden ab und versehe sich wie zuvor mit neuen Opferfäden und den übrigen Kennzeichen.

5.151 Nach ordnungsgemäßer Umgießung bringe man mit Vyomavyapi zehn Gaben dar und mit dem Shiva-Mantra, an Shiva gerichtet und auf Svaha endend, hundertacht.

5.152 Nach diesen Ghee-Opfern ist die Ausstattung für Shivas Dienst vollzogen. Zu diesem Zeitpunkt bitte der vorzügliche Sadhaka um das Brahmacharya-Gelübde.

5.153 In Shivas Lehre werden zwei Arten von Brahmacharins genannt: der zeitweilige, Bhautika, und der lebenslang Verpflichtete, Naishthika.

5.154 Für den Bhautika ist später der Eintritt in den Haushälterstand vorgesehen; der Naishthika bleibt dauerhaft in der Lebensweise des Brahmacharya.

5.155 Nach Entscheidung für eine dieser beiden Formen opfere man erneut hundert Ghee-Gaben und danach die vollständige Opfergabe. Von diesem Tag an wird täglich verehrt.

5.156 Die bei diesem Übergang abzulegenden Opferfäden und weiteren Gegenstände gebe man in einen Fluss oder Teich. Nach Bad und rituellem Wassernippen verneige man sich vor dem Gott der Götter.

5.157 Man erlerne die Verehrungsordnung und verehre den höchsten Herrn. Auch den im Feuer gegenwärtigen Herrn der Götter verehre man nach der Vorschrift.

5.158 Man verneige sich ordnungsgemäß vor dem Guru und verehre ihn. Sadyojata entspricht dem Rigveda, Vamadeva dem Yajurveda,

5.159 Aghora dem Samaveda und Tatpurusha dem Atharvaveda. Ishana umfasst alle Götter; ebenso Shiva mit seinen Angas.

5.160 Die Agamas von Kamika an werden unmittelbar als von Shiva erfüllt bezeichnet. Ihr Studium ist das hier maßgebliche Studium.

5.161 Ihre Unterweisung ist die entsprechende Lehrtätigkeit. Shivas Verehrung bildet das eigene Opfern und die Opferleitung für andere.

5.162 Was man um Shivas willen gibt, ist die Gabe; entsprechend gilt das Annehmen. So werden die sechs Aufgaben bestimmt.

5.163 Ein verständiger reiner Shaiva, der von Shivas wahrer Gegenwart erfüllt ist, soll bei den Lebensriten und den übrigen Vollzügen keiner anderen Ritualordnung folgen.

5.164 Wer andere Feueropferordnungen befolgt, gilt hier als von den Handlungen ausgeschlossen und als vom Gelübde abgefallen. Er soll erneut eingeweiht werden.

5.165 Man vollziehe die Vorbereitung der Studienabschnitte und den Gelübdebeginn. Nach Abschluss eines Gelübdes erfolgt seine rituelle Lösung.

5.166 Vor der Rückkehr aus der Lehrzeit vollziehe man das als Shvakriya überlieferte Gelübde. Nach Feuerbereitung und Nandimukha beginne man die Handlung nachts.

5.167 Am Ende der ersten Nachtwache binde man mit dem Purusha-Mantra einen goldenen oder aus feinem Gewebe gefertigten Schutzfaden an.

5.168 Mit Astra besprenge man den Schüler und hülle ihn in ein Tuch. Nach Rezitation des Vyomavyapi lege er sich schweigend schlafen; der Wortlaut ist beschädigt.

5.169 Am Morgen folgen die weiteren Handlungen dieses Gelübdes. Man bereite das Feuer wie zuvor und opfere mit dem Wurzelmantra hundertmal.

5.170 Nach Erfüllung des Brahmacharya-Gelübdes trete man in den Haushälterstand. Die Rasur erfolge wie bei der ersten Haarschur, mit Ausnahme des Haarschopfs und eines unklar als Unterarm bezeichneten Bereichs.

5.171 Man reinige die Zähne und bade mit Kurkuma. Mit Ishana und den übrigen Mantras opfere man hundertmal und lege Munja-Gürtel und weitere Schülerkennzeichen ab.

5.172 Mit dem früher genannten Mantra übergebe man den sechsfachen Opferfaden und schmücke den Betreffenden unter dem Herzmantra mit Ohrgehängen und weiterem Schmuck.

5.173 Mit Vamadeva gebe man Duftstoffe und weitere Gaben, trage Augensalbe auf und zeige einen Spiegel.

5.174 Mit dem Vama-Mantra reiche man Madhuparka, die Honigmischung. Man umkreise das Feuer und verneige sich davor.

5.175 Schirm, Schuhe und Stab tragend gehe man nach Norden und kehre dann zurück. Mit den Verwandten nehme man auf einem Sitz Platz.

5.176 Mit Vater, Brüdern, väterlichen Onkeln und weiteren Angehörigen esse man gemeinsam. Dies heißt Samavartana. Höre nun die Eheschließung.

5.177 Eine Hochzeit kann zu allen Zeiten stattfinden, ausgenommen die Monate Magha und Proshthapada. Shiva, das höchste Selbst, lehrt acht Eheformen.

5.178 Sie heißen Brahma, Daiva, Prajapatya, Arsha, als fünfte Asura, dann Gandharva und Rakshasa,

5.179 als achte Paishacha. Sie werden nun erklärt. Ein Bräutigam von passendem Alter, guter Lebensführung, Würde, Gestalt und Herkunft

5.180 wird eingeladen; ihm wird die Tochter zusammen mit Kühen, Land und Gold gegeben. Dies heißt Brahma und gilt als beste Eheform.

5.181 Die Übergabe der Tochter an einen Opferpriester während eines Opfers heißt Daiva. Wird sie einem charaktervollen Brahmanen, der heiraten möchte,

5.182 nach eigenem Feueropfer, mit Gewändern und Schmuck versehen und bewusst anvertraut, heißt dies Prajapatya.

5.183 Bei Übergabe einer schönen Braut im Zusammenhang mit zwei Rinderpaaren oder einem Rinderpaar heißt die Ehe Arsha; die Richtung der Gabe ist im Wortlaut nicht klar.

5.184 Wird nach wiederholtem Werben und der Übergabe von Besitz eine Braut übernommen,

5.185 heißt dies Asura, von Unkundigen ausgeübt. Stimmen Mann und Frau aus gegenseitiger Zuneigung überein,

5.186 wird ihre Verbindung Gandharva genannt. Gewaltsame Entführung nach einem furchtbaren Kampf mit Tötung, Fesselung und Schlägen,

5.187 bei der die Braut weinend fortgeführt wird, heißt Rakshasa. Die heimliche Überwältigung einer schlafenden oder ihrer Sinne nicht mächtigen Frau

5.188 heißt Paishacha. Die ersten fünf Formen sind mit einer Wassergabe verbunden. Für einen Brahmanen werden die ersten vier

5.189 oder auch die Asura-Form zugelassen; die drei übrigen soll er meiden. Man wähle eine charaktervolle, ansprechende Frau aus einer geachteten Familie mit Angehörigen,

5.190 die nicht demselben Gotra entstammt und geeignet ist. Man schmücke sie mit Duftstoffen und gebe ihr Gewänder und Gold.

5.191 Vater, Bruder oder mütterlicher Onkel nenne zuerst die Gotras und Namen beider und gebe Wasser in die Hand des Empfängers.

5.192 So ist die Übergabe beschrieben. Bei einer Unstimmigkeit verfahre man nach der vorherigen Regel; der Bezug ist unklar. Im Haus des Bräutigams verehre man das Feuer auf der Opferfläche.

5.193 Erneut wird Wasser dem Bräutigam beziehungsweise seinem Vater gegeben. So erfolgt die erneute Wassergabe. Höre nun den Hochzeitsvollzug, du Gelübdetreuer.

5.194 Westlich des Feuers bereite man einen Sitz und rufe Bräutigam und Braut herbei, beide mit allem Schmuck versehen.

5.195 Mit der Formel „Shivatmaka …“ gebe man Gewänder und Blumen. Der Ehemann sitzt rechts, die Ehefrau links.

5.196 Nach der Umgießung opfere man mit den Brahma- und Anga-Mantras. Unter Aussprache von „Mein Herz …“ berühre der Ehemann ihr Herz.

5.197 Er vergegenwärtige sich selbst als Shiva und seine Frau als Shakti. Mit dem Wurzelmantra, beginnend mit dem Pranava und endend auf Svaha, opfere man hundertmal.

5.198 Man lasse die Honigmischung einnehmen und verfahre nach der früheren Vorschrift. Mit der Gayatri wird das Gelübde vollzogen und Besitz gezeigt; die Verbindung der Handlungen ist knapp.

5.199 Nach erneutem rituellem Wassernippen opfere man mit den Vyahritis hundertmal. Südlich des Feuers verehre man der Reihe nach das Prana-Feuer.

5.200 Mit der vorgesehenen Kuhformel zeige man eine Kuh mit Kalb. Mit dem auf Svaha endenden Shiva-Mantra opfere man erneut hundertachtmal.

5.201 Links vom Feuer vollziehe man die sieben Schritte. Westlich stelle man einen Stein auf und verehre ihn mit ungebrochenen Reiskörnern und weiteren Gaben.

5.202 Der Ehemann hebe mit seiner Hand den rechten Fuß der Frau und setze ihn unter der Shiva-Gayatri auf den Stein.

5.203 Der Kundige führe die sieben Schritte der Reihe nach unter dem Vama-Mantra aus. Mit seiner rechten Hand ergreife der Bräutigam ihre Hand.

5.204 Mit dem Uma-Mahesha-Mantra opfere man drei Handvoll gerösteten Reis. Man verneige sich vor dem Gott der Götter und bringe die Mitteilung samt Körperschmuck dar; die letzte Wendung ist nicht eindeutig.

5.205 Mit Vyomavyapi opfere man für die häuslichen Mächte. Zu Beginn und Ende bringe man Vyahriti-Gaben zum Ausgleich sämtlicher Fehler dar.

5.206 Das häusliche Feuer verehre man täglich mit den Brahma- und Anga-Mantras. Wie zuvor die Hand haltend begebe sich das Paar in ein glückverheißendes Haus,

5.207 das vollständig geschmückt und mit Perlenschnüren versehen ist. Mit Sadyojata reinige man es und bereite Matten und passende Kissen.

5.208 Einen Stein vergegenwärtige man als Shakti und lege ihn zwischen die Ehepartner. Für die erste Nacht gilt Soma als Schutzgottheit,

5.209 für die zweite der Gandharva und für die dritte Agni. Das jeweilige auf Namah endende Mantra rezitiere der Kundige dreißigmal.

5.210 Während dieser Nächte sollen die beiden beim Ruhen weder körperlichen Kontakt noch Gespräch pflegen; die Negation ist nicht ganz klar überliefert. Täglich bade man, nippe rituell Wasser und verehre das Hausfeuer.

5.211 Am Vormittag des vierten Tages erfolgt die Ölsalbung. Beide werden gemeinsam gebadet; nachts bereite man das Feuer.

5.212 Mit den Brahma- und Anga-Mantras opfere man, zeige den Stern Arundhati, richte mit ihrem Mantra die Bitte an sie und verneige sich.

5.213 Mit dem Stein verfahre man wie zuvor; die anschließende Ortsangabe ist beschädigt. Unter dem Herzmantra bereite man das Lager und besprenge es mit dem Shiva-Mantra.

5.214 Man richte Bett oder Matte mit ausgebreiteten Kissen her und bereite das Lager nach der früheren Ordnung für das Paar.

5.215 Der Kundige vergegenwärtige sich selbst als Shiva und seine Frau als Shakti. Die Vereinigung zur fruchtbaren Zeit und die damit verbundenen Handlungen vollziehe man mit dem Vama-Mantra.

5.216 Gemeinsam trete man in das häusliche Leben ein und bringe den Ganas Bali dar. Ankommende Gäste verehre man täglich.

5.217 Damit sind die sechzehn Lebensriten für Angehörige des reinen Shaiva-Weges erläutert. Höre nun genau ihre Gelübde und Lebensordnung, Vinayaka.

So endet das fünfte Kapitel.


Kapitel 6 – Gelübde, Lebensführung, Japa und Rudraksha

Heilige Gewässer gehören zur religiösen Lebenswelt der täglichen Reinigung und Verehrung.

6.1 Nun erläutere ich kurz die vorzügliche Lebensordnung. Die Gelübde werden zweifach unterschieden: allgemein und besonders.

6.2 Brahmacharin, Haushälter, Waldeinsiedler und Bettelmönch bilden die vier Lebensstufen, die als allgemeine Ordnung vorgeschrieben sind.

6.3 Für die vier Gocharas gilt dies im Shiva-Agama gleichermaßen. Zwei Arten von Brahmacharins sind zu unterscheiden: Bhautika und Naishthika.

6.4 Der Bhautika tritt der Reihe nach in die übrigen Lebensstufen ein; der Naishthika hält Brahmacharya bis zum Tod.

6.5 Er kann einen Haarschopf, einen geschorenen Kopf oder verfilzte Haare tragen. Er besitzt Lendenschurz, Gürtel, Stab und Opferfaden und trägt Asche und Rudraksha.

6.6 Er badet dreimal täglich, beherrscht Zorn und Sinne, spricht wahr, lebt von einmal täglich erbettelter Speise und wohnt ständig im Haus des Gurus.

6.7 Er meidet Duftsalben, Kränze, Spiegel, Schuhe, Kurkumaschmuck, Augensalbe, Betel und Salz.

6.8 Unter der Obhut des Acharya vollzieht er das Opfer für den Herrn des Gelübdes; die Verbindung mit dem Haarschopf ist sprachlich unklar. So ist die Ordnung des Brahmacharins. Höre nun die des Haushälters.

6.9 Er nimmt nach ordnungsgemäßer Hochzeit eine Ehefrau zu sich und ehrt ankommende Gäste nach Vermögen.

6.10 Täglich verehrt er Gottheit, Feuer und Guru und erfüllt die Pflichten des Hauses. Die sechs im Shiva-Agama gelehrten Aufgaben pflegt er mit Vertrauen und Hingabe.

6.11 Er trägt Haarschopf oder gebundenes Haar und einen weißen Opferfaden. Er kann sich mit Gold, Silber, Kupfer und Bergkristall schmücken.

6.12 Seiner eigenen Ehefrau wendet er sich zu, besonders zur fruchtbaren Zeit. Mit Sandelholz, Kränzen und weiteren Gaben geschmückt lebt er in einem glückverheißenden Haus.

6.13 Dies ist die Lebensordnung des Haushälters. Höre nun vom Waldeinsiedler. In Shivas Lehre gibt es zwei Formen: ohne Ehefrau und mit Ehefrau.

6.14 Er wohnt im Wald und ernährt sich von Kräutern, Wurzeln und ähnlichen Gaben. Lebt er mit seiner Frau, gelten entsprechend die Pflichten des Haushälters.

6.15 So ist die Form mit Ehefrau erklärt. Höre die ohne Ehefrau: Er wahrt beständig Brahmacharya und verzichtet auf das Annehmen von Geschenken.

6.16 Er schläft auf reinem Boden, auf der unklar bezeichneten Unterlage oder auf Kusha-Gras. Gegenüber allen Sinnesgegenständen meidet er Anhaftung; das betreffende Wort ist beschädigt.

6.17 Zu den drei Zeiten badet er und verehrt Gottheit, Feuer und Guru. Er wohnt ständig im Wald und ernährt sich von Früchten und Wurzeln.

6.18 So ist die Lebensordnung ohne Ehefrau. Höre nun die der Entsagenden. Man erkennt sich selbst als Shiva und übergibt sämtliche Aufgaben

6.19 sowie die eigene Amtsbefugnis einem geeigneten Schüler. Selbst nimmt man keine weiteren Einweihungshandlungen vor. Die anschließende Aussage über andere Formen und Besitzgefühl ist beschädigt.

6.20 Man bleibt gleichmütig in Freude und Leid und verzichtet auf neue Unternehmungen. Gold betrachte man wie einen Erdklumpen; Angenehmem und Unangenehmem begegne man gleich.

6.21 Man wahrt äußere und innere Reinheit und wohnt am Rand der Ortschaften. So ist die entsagende Lebensweise beschrieben. Höre nun die besonderen Gelübde.

6.22 Shiva, Linga beziehungsweise Shikha, Jyoti und Savitri werden als Gocharas genannt; die zweite Bezeichnung ist unsicher. Ein aus Shivas Leib hervorgegangenes Gochara wird außerdem erwähnt.

6.23 Die Seher von Kashyapa an gehören zum Shiva-Gochara, die von Bharadvaja an zum Jyoti-Gochara.

6.24 Die Seher von Gautama an gehören zum Savitri-Gochara, die von Atreya an zum Vyoma-Gochara.

6.25 Höre die besonderen Lebensweisen dieser reinen Shaivas. Den vier Gocharas werden die Vollzüge von Prajapatya an zugeordnet.

6.26 Zuerst Prajapatya, als Zweites Mahipala, als Drittes Kapota und als Viertes Granthika.

6.27 Von der Schüler- bis zur Bettelmönchsstufe bilden diese von Prajapatya an die verschiedenen Lebensweisen des Shiva-Gochara.

6.28 Für das Jyoti-Gochara nennt der Text zuerst Dhritarashtra, dann eine beschädigte Bala-Bezeichnung, ferner Hamsa und Gopalaka.

6.29 Für das Savitri-Gochara werden zuerst Tudika, als Zweites eine unsicher überlieferte Mamankura-Form und als Drittes Kulita genannt.

6.30 So sind die Gocharas bezeichnet; höre die Unterschiede. Schriftstudium, Dienst am Guru, Selbstbeherrschung und Wahrhaftigkeit

6.31 bilden das Prajapatya-Gelübde, das der Brahmacharin stets üben soll. Die nächste Gruppe ist in Friedensriten kundig und auch in Riten der Vernichtung und ähnlichen Handlungen erfahren.

6.32 Sie schützen die ganze Erde und folgen dem Mahipala-Gelübde. Wer wie eine Taube nur auf den Boden gefallene Körner aufliest und isst,

6.33 lebt die Tauben-Lebensweise und heißt Kapota. Die Granthikas widmen sich beständig dem Studium guter Schriften und geben Vermögen und sich selbst

6.34 den Gottheiten hin. So werden sie genannt. Eine weitere Gruppe baut eine Hütte am Meer oder Flussufer und wohnt dort.

6.35 Sie hält Brahmacharya und heißt Kutika. Andere leben mit ihrer Frau in geschützten Gärten oder an heiligen Badestellen,

6.36 sind stets eifrig und werden hier Vetalas genannt. Wer an heiligen Orten von den genannten Arka-Blättern lebt und sich Lotus-Feueropfern widmet,

6.37 folgt dem Waldeinsiedlerstand und heißt Padmachanda. Eine weitere Gruppe verbindet Kenntnis der vedischen Ordnung mit Erkenntnis und Yoga.

6.38 Sie lebt von einer geringen Zahl kleiner Speisebissen; die Zahl und die Ortsangabe sind verderbt. Die nur kleine Bissen Essenden heißen Gulikas und halten ein großes Gelübde.

6.39 Wer den Körper züchtigt und beständig den Heldensitz übt, wird wegen dieser Gelübdezügelung Dandana genannt.

6.40 Im Haus des Gurus wohnen, dreimal täglich baden, zulässige Nahrung essen und Brahmacharya schützen: Dies heißt das hier als Brahmodaha überlieferte Gelübde.

6.41 Wer der eigenen Ehefrau zugewandt, reinen Geistes und von ungebeten erhaltenen Mitteln lebt und sich in einer Hütte aufhält, heißt Kuticharaka.

6.42 Wer in reiner Umgebung ständig im Wald lebt, wird Hamsa genannt; die nähere Beschreibung des Aufenthalts ist beschädigt.

6.43 Eine weitere Lebensweise folgt der Regel, nur eine Nacht in einem Ort zu bleiben; der Schluss des ersten Halbverses ist unleserlich. So sind die besonderen Gelübde der Gocharas beschrieben.

6.44 Am Ende vollziehe man das Opfer für den Herrn des Gelübdes und löse das Gelübde. Höre kurz und genau dieses Vrateshvara-Opfer.

6.45 Man bereite ein viereckiges Mandala, bestreiche es mit Kuhdung und zeichne fünf Lotusse. Der mittlere ist weiß,

6.46 der östliche gelb, der südliche schwarz, der westliche blassweiß und der nördliche sonnenfarben.

6.47 Auf dem mittleren Lotus verehre man Ishana, auf dem östlichen Purusha, auf dem südlichen Aghora und auf dem westlichen Sadyojata.

6.48 Auf dem nördlichen Lotus steht Vamadeva. Ishana und die übrigen verehre man gesammelt mit ihren eigenen Mantras, Duftstoffen und weiteren Gaben.

6.49 Jedes Mantra rezitiere man hundert-, fünfzig- oder fünfundzwanzigmal. Man verneige sich vor dem Herrn des Gelübdes mit dem Wunsch, es vollständig erfüllt zu haben.

6.50 Dem Herrn teile man die Erfüllung des Gelübdes mit und verabschiede ihn am Vormittag. Danach vollziehe man besonders das rituelle Bad des Gottes der Götter.

6.51 Man verneige sich vor dem Herrn des Gelübdes und spreche die Erklärung seiner reinen Erfüllung. So dient die Verehrung Vrateshvaras der Vollendung des Gelübdes.

6.52 Ist dies nicht möglich, höre die Vorschrift für das Versenken eines Linga im Wasser. An einem Fluss oder Teich, an einem ebenen, reinen Ufer,

6.53 forme man ein Linga aus Speise, Erde, Kuhdung oder ähnlichen Stoffen, verehre es zur Reinigung des Gelübdes und nehme es ordnungsgemäß auf.

6.54 Mit Vyomavyapi und dem Shiva-Mantra lege man das Linga ins Wasser. Nur das rituelle Bad entfällt; alles andere bleibt gleich.

6.55 Damit ist das Gelübdeopfer erläutert. Höre nun die Praxisordnung. Der Pranava umfasst alle Laute; Shiva ist allumfassend und alldurchdringend.

6.56 Sein Rishi ist Sanatkumara, seine Farbe weiß und sein Metrum Gayatri. Er entspringt dem Shiva-Prinzip.

6.57 Alle Yogis nennen Om das einsilbige Brahman. So ist der Pranava kurz erläutert. Höre nun vom fünfsilbigen Mantra.

6.58 Es ist als das Bezeichnende zu erkennen, Shiva als das dadurch Bezeichnete. Seine Rezitation verleiht Wohlergehen; das Aufgehen darin wird mit dem Weisen verbunden, doch die Schlussformulierung ist unklar.

6.59 Höre der Reihe nach Rishis, Metren, Farben, Prinzipien und Gottheiten: Kashyapa, Kaushika, Bharadvaja, Gautama

6.60 und Atreya werden als Rishis genannt; Narada und weitere Seher erscheinen zusätzlich. Als Metren werden Anushtubh und Trijagati genannt; danach fehlt Text.

6.61 So sind die Metren bezeichnet. Höre die Farben: Rot, Schwarz, Dunkelblau, Gelb und kristallhell.

6.62 Erde und die folgenden Elemente sind ihre Prinzipien; die fünf Brahma-Gestalten von Sadyojata an ihre Gottheiten.

6.63 Bei der Rezitation verbinde man das Mantra mit dem Pranava; so heißt es sechssilbig. Die abschließende Aussage enthält eine unsichere Trishula-Bezeichnung und betont seine Unvergleichlichkeit.

6.64 Für alle, die Japa üben wollen, werden vier Arten genannt: geistig, in der Kehle, flüsternd und deutlich hörbar.

6.65 Flüsterndes Japa gilt als zehnmal wirksamer als lautes; die innere Artikulation mit Kehle und Lippen als hundertfach, geistiges Japa als tausendfach. Höre nun von der Zählung mit Fingern und anderen Mitteln.

6.66 Das Zählen an den Fingern besitzt die einfache Wirkung, das Zählen an ihren Linien die achtfache und mit Jiva-Samen die zehnfache.

6.67 Kusha-Knoten werden für die Dämmerungszeit genannt. Korallenperlen verleihen tausendfache, Edelsteine zehntausendfache und Perlen hunderttausendfache Wirkung.

6.68 Lotussamen verleihen zehnmillionenfache Wirkung; für Rudraksha wird keine Grenze genannt. Höre nun von ihrer Entstehung.

6.69 Nach tausend göttlichen Jahren öffnete ich die Augen. Die aus meinen Augen fallenden Tränen heißen Rudraksha.

6.70 Eine einflächige Rudraksha ist unmittelbar Shiva; die Frucht ihres Tragens ist unbegrenzt. Wer sie beim Sterben trägt, gelangt zum höchsten Ziel.

6.71 Eine zweiflächige heißt Shakti, eine dreiflächige Nada, eine vierflächige Bindu und eine fünfflächige Sadashiva.

6.72 Eine sechsflächige heißt Ishvara, eine siebenflächige Rudra, eine achtflächige Vishnu und eine neunflächige Brahma, der Viergesichtige.

6.73 Von der neunflächigen bis zur einflächigen nimmt die zugeschriebene Frucht jeweils um das Zehnfache zu. Man trage sie zusammen mit Asche an Hand, Hals, Haarschopf und Ohr.

6.74 Dadurch soll man von allen Verfehlungen frei werden und Vereinigung mit Shiva erlangen. Ihr Anblick vernichtet Sünde, ihre Berührung verleiht alle Vollendungen.

6.75 Das Verdienst ihres Tragens wurde bereits genannt; es soll die Frucht aller Vollendungen bringen. Deshalb trage man Rudraksha beständig.

6.76 Der Text verheißt dem, der im Augenblick des Sterbens Rudraksha verzehrt, Rudras Stätte und Freiheit von Wiedergeburt. Dies ist eine historische Heilsbehauptung innerhalb des Ritualtextes.

6.77 Deshalb übe man stets sorgfältig Japa mit Rudraksha. Die Rezitationszeiten und die übrigen Bestimmungen werden nun kurz erläutert.

6.78 Am Vormittag, Mittag, Nachmittag und um Mitternacht: Man übe zu vier oder drei Zeiten. Höre auch die geeigneten Orte.

6.79 Am Ufer eines Flusses oder Teiches, in einem Rinderbezirk, im Tempel, im Wald, auf einem Berg, an einer heiligen Stätte oder zu Hause soll man verehren.

6.80 Sieht man einen Tempel, auch aus der Ferne, verneige man sich mit Hingabe. Auch erschöpft auf dem Weg soll man dies tun, wenn ein Tempel sichtbar wird.

6.81 Nach der zuerst genannten, beschädigten Friedens- beziehungsweise Halbmaßangabe vollziehe man die Umkreisung. Beim Anblick des Linga bringe man eine Blume dar und verneige sich.

6.82 Man soll nicht mit leeren Händen vor den Gott der Götter treten, sondern mit Blättern, Blumen oder Früchten. Auch der Kopf soll nicht unbedeckt beziehungsweise ungeschmückt sein; der Ausdruck ist knapp.

6.83 Erblickt man jemanden, der Asche trägt, zeige man die Linga-Mudra. Die Träger von Shivas Zeichen soll man mit Hingabe begleiten.

6.84 Sieht man ein Tier im Schlamm versunken, helfe man ihm heraus, bevor man weitergeht. Man lasse Verleumdung hinter sich und widme sich dem Mitgefühl für alle Lebewesen.

6.85 Nach Berührung eines Nicht-Eingeweihten folgt eine beschädigte Reinheitsanweisung; Menschen, die Verfehlungen begehen, soll man meiden. Damit ist Japa kurz erläutert. Höre nun die Auflegung der heiligen Schnüre.

So endet das sechste Kapitel.


Kapitel 7 – Pavitrarohana: Die Auflegung der heiligen Schnüre

7.1 Nun erläutere ich die Auflegung der heiligen Schnüre, Pavitrarohana. Höre zu. Sie dient der Vervollständigung aller Verehrung und der Erfüllung der Gelübde.

7.2 Wo Handlungen unvollständig geblieben sind, vollziehe der Kundige sie zum Ausgleich, beginnend bei der Gottheit im Heiligtum, zur Erlangung allen Wohlergehens.

7.3 Wer Shiva verehrt, soll diesen Ritus ausführen, besonders in der hellen Monatshälfte des Ashadha oder Shravana,

7.4 auch im Monat Proshthapada oder Ashvayuja beziehungsweise in deren dunkler Hälfte. Man beginne am zweiten, vierten oder sechsten Mondtag

7.5 und vollende den alle Vollendungen gewährenden Pavitra-Ritus am achten. Oder man beginne am achten, zehnten oder zwölften Mondtag

7.6 und vollende die Auflegung am vierzehnten. Sie dauert sieben, fünf oder drei Tage.

7.7 Als Vorbereitungstage werden der siebte oder dreizehnte Mondtag sowie die Mondhäuser Revati, Krittika, Ardra und Rohini genannt.

7.8 Zuerst säe man die Keimlinge aus und vollziehe die vorbereitende Lagerung. Das rituelle Bad erfolgt nach Vermögen, ebenso die besondere Verehrung des Shiva-Feuers.

7.9 Nach besonderer Verehrung und Verneigung spreche man: „Die Gaben, die ich dargebracht habe, die verwendeten Stoffe und die Gelübde,

7.10 mögen durch diese Verehrung alle vollständig werden. Sei gnädig!“ So richte man die Bitte an Shambhu und verneige sich voller Hingabe.

7.11 Man bringe Asche, Zahnreinigungshölzer, Wasser und Fäden herbei sowie Flusserde und Amalaki; die Gefäßzuordnung ist teilweise beschädigt.

7.12 Wie zuvor sammle man Zahnreinigungshölzer von Palasha oder anderen opfergeeigneten Bäumen, neun oder sieben an der Zahl.

7.13 Sie seien so dick wie der kleine Finger und zwölf Fingerbreit lang. Einen neuen Tonkrug fülle man mit durch ein Tuch gefiltertem Wasser,

7.14 zweiunddreißig Prasthas, die Hälfte davon oder nochmals die Hälfte. Man umwinde ihn mit Schnüren und hülle ihn sorgfältig in Tücher.

7.15 Fünf Kostbarkeiten lege man hinein, ersatzweise Gold. Die zuvor beschafften Fäden sollen von einer Tochter der Zweimalgeborenen gefertigt sein.

7.16 Oder man nehme verfügbare Fäden und reinige sie mit Wasser und Asche. Der Faden wird verdoppelt und nochmals verdoppelt; diese Angabe ist mit der folgenden Neunerzahl nicht klar verbunden.

7.17 Ein Pavitra aus neun Fäden wird als erfolgbringend bezeichnet. Die neun Shaktis von Vama an sind die Schutzgottheiten dieser Fäden.

7.18 Für das Linga entspricht die Länge des Pavitra der Linga-Höhe. Auch eine Länge von einer Elle gilt als ansprechend.

7.19 Durch Vermehrung der Fäden ergeben sich neun Pavitra-Größen. Neun, sechzehn und zwanzig bilden die drei unteren,

7.20 fünfundzwanzig, zweiunddreißig und sechsunddreißig die drei mittleren, fünfzig, siebzig und neunzig die drei höchsten.

7.21 Nach Vermögen wähle man eine dieser regelrechten Formen. Mit der Formel „Prashanta …“ knüpfe man das Pavitra.

7.22 Der Lehrer binde zehn Knoten in seinen mittleren Bereich. Dafür werden neun, sieben oder acht Fäden genannt.

7.23 Indra und die übrigen Welthüter sind die Schutzgottheiten der Knoten. So erfolgt auch für den persönlichen Gebrauch die Beschaffung und Anordnung der Fäden.

7.24 Bei gestaltvollen Bildern entspricht die Pavitra-Länge ihrer Höhe. Die besondere Vorbereitung der Schnüre findet während der Nacht statt.

7.25 Am bestimmten Tag bereite man die reinen Schnüre und ihre Schutzgottheiten in einer schönen, nach Osten offenen Halle vor, geschmückt mit Baldachinen und weiteren Zierformen.

7.26 In ihrer Mitte zeichne man das Mandala nach der früheren Weise und vergegenwärtige darin Sadashiva nach der Verehrungsvorschrift.

7.27 Man bringe Opferspeise, Früchte und vielerlei Gebäck dar und lagere vor ihm die Pavitra-Schnüre während dieser Nacht.

7.28 Vor den Schnüren bereite man in einer Grube oder auf einer Opferfläche das Shiva-Feuer wie zuvor, mit Brennhölzern, Ghee und Reis.

7.29 Die Nachtvorbereitung dient der Reinigung der Pavitra-Schnüre. Man bereite eine viereckige Opferfläche mit ungeschältem und geschältem Reis, Blumen und weiteren Gaben.

7.30 Darüber breite man ein Tuch mit Duftstoffen und Blumen aus, lege die Schnüre darauf und verehre sie.

7.31 Mit dem Kopfmantra bedecke man sie mit Tüchern, mit dem Herzmantra beräuchere man sie. Reine Asche liegt im Süden, Erdpulver im Westen,

7.32 Wasser im Norden und Zahnreinigungshölzer im Osten. Mit dem Herzmantra verehre man all dies durch Duftstoffe und Blumen.

7.33 Der Lehrer bedecke alles oben mit Darbha-Gras und verehre den Herrn der Götter mit Duftstoffen, Blumen und Kränzen.

7.34 Man bedecke ihn ordnungsgemäß mit Duftstoffen, sorgfältig mit Blumen, danach mit Darbha-Gras und umwinde ihn mit den Schnüren.

7.35 Nachts lege man Shiva samt dem Sockel das Pavitra auf und verehre ihn mit dem Herzmantra, Räucherwerk und Licht.

7.36 Nach dem Opfer verehre man das Feuer und lege ihm das Pavitra wie beim Linga auf. Reichliche Speise, insbesondere die fünf Arten von Opferreis, bringe man dar.

7.37 Im Shiva-Feuer opfere der Kundige mit dem Wurzelmantra hundertmal, die einzelnen Stoffe mit dem Herzmantra und danach die Vyahritis.

7.38 Mit Tanz und Gesang verbringe man die Nacht ohne Schlaf. Am Morgen bade man ordnungsgemäß und vollziehe Sakalikarana am eigenen Leib.

7.39 Man entferne die gebrauchten Blumen und Pavitra-Schnüre, verehre wie zuvor und vollziehe besonders das rituelle Bad.

7.40 Zuerst erfolgt die Reinigung mit Erdpulver, danach mit Asche. Der vorzügliche Lehrer reinige die Zähne mit den vorbereiteten Hölzchen.

7.41 Nach dem Bad mit Wasser aus dem vollen Gefäß verehre der Lehrer erneut mit Duftstoffen, Gewändern und Schmuck unter dem Wurzelmantra

7.42 den Herrn der Götter, begleitet von Tanz und Gesang. Er gedenke Sadashivas und spreche das Wurzelmantra.

7.43 Er lege dem Herrn der Götter samt dem Sockel die Pavitra-Schnüre auf und verehre Shiva im Mandala der Reihe nach mit Duftstoffen und weiteren Gaben.

7.44 Mit dem tausendsilbigen Mantra opfere er und übergebe dem Feuer das Pavitra. Danach vollziehe er die abschließenden Handlungen.

7.45 Den Gottheiten der fünf Umhüllungskreise gebe man mit dem Herzmantra Pavitra-Schnüre, ebenso den übrigen Gottheiten.

7.46 Der Lehrer gebe sie dem Auftraggeber, sich selbst, den Ehefrauen beider, den Schülern und Dienenden.

7.47 Nach Verehrung mit Duftstoffen, Blumen, Räucherwerk und Licht bringe man reichliche Opferspeise, Milchreis und weitere Gerichte dar.

7.48 Das Feueropfer vollziehe man entsprechend; am Anfang und Ende bewirte man die Weisen. Allen Menschen gebe man angemessene Gaben.

7.49 Den Acharya ehre man mit Gewändern, Schmuck und weiteren Geschenken, ebenso die Entsagenden, reinen Shaivas und anderen Maheshvaras.

7.50 Nach besonderer Bewirtung und Gaben entsprechend den eigenen Möglichkeiten spreche man gesammelt vor dem Gott der Götter:

7.51 „Mögen diese Gelübde und Gaben vollständig sein. Sei gnädig!“ So teile man dem Gott den Abschluss mit.

7.52 „Zerschneide das Netz der Fesseln und gewähre mir Befreiung.“ Dabei werfe man sich lang ausgestreckt zu Boden und verneige sich innig.

7.53 Von diesem Zeitpunkt an halte man die besondere Verpflichtung ein Jahr, sechs oder vier Monate, einen Monat oder den vorgesehenen Tag; die letzte zeitliche Bestimmung ist verkürzt.

7.54 Während dieser Zeit verehre der Kundige entsprechend der Linga-Vorschrift. Nach Entfernung der gebrauchten Gaben bade er und vollziehe die Verehrung.

7.55 Täglich lege er das unbeschädigte Pavitra erneut auf. Nach Abschluss der Verpflichtungszeit folgt die Abnahme der Gelübdeschnur.

7.56 Man entferne Pavitra und Blumen, verehre wie zuvor und bringe reichliche Opferspeise dar.

7.57 Die beim Opfer verwendeten Gegenstände übergebe man dem Acharya. Damit ist Pavitrarohana erläutert. Nun folgen Goldschoß und Waage.

So endet das siebte Kapitel.


Kapitel 8 – Goldschoß und Aufwiegen als königliche Gabenriten

8.1 Nun erläutere ich Hiranyagarbha, den Goldschoß-Ritus, und Tulabhara, das Aufwiegen. Beide sind für eingeweihte Könige vorgesehen.

8.2 Finsternisse, Tagundnachtgleichen und Sonnenwenden gelten als besonders geeignet. Die Riten können an menschlich, von Rishis oder Göttern gegründeten sowie an uralten Kultstätten stattfinden.

8.3 Ein von Menschen aufgestelltes Linga heißt menschlich, ein von Rishis aufgestelltes rishibezogen und ein von Göttern aufgestelltes göttlich.

8.4 Ein von selbst hervorgegangenes Linga gilt hier als uralt, Paurana. Von der menschlichen bis zur uralten Form nimmt die zugeschriebene Frucht zu.

8.5 Deshalb vollziehe der Kundige den Ritus an einer uralten Stätte. Eine göttliche gilt als mittlere Wahl, die übrigen als geringere.

8.6 Im Nordosten des Tempels, im Osten, Süden, Westen oder Norden oder in einem schönen Zwischenbereich

8.7 errichte man eine viereckige Halle mit vier Eingängen, zehn oder zwölf Ellen groß und mit sechzehn Stützen.

8.8 Sie besitzt vier Zierbögen, allen Schmuck, Darbha-Girlanden sowie schöne Perlenschnüre und Kränze.

8.9 In ihrer Mitte errichte man einen Altar von einem Neuntel der Hallenfläche beziehungsweise ihres Bezugsmaßes. Seine Höhe wird mit einem unklaren Charu-Maß angegeben; die Oberfläche sei spiegelglatt.

8.10 In den Richtungen lege man die Feuergruben nach der früheren Vorschrift an; alternativ viereckige in den Hauptrichtungen und runde in den Zwischenrichtungen.

8.11 Zwischen Osten und Nordosten liegt eine runde Grube. Man opfere im Feuer wie zuvor mit den Vidya-Angas und dem Herzmantra.

8.12 Auf dem Altar bereite man eine Opferfläche aus reinem Reis und zeichne dort einen achtblättrigen Lotus mit Fruchtboden.

8.13 Man verehre ihn mit Duftstoffen, Blumen, Räucherwerk und Licht. Der untere Teil des Goldgefäßes erhält ebenfalls einen Lotus mit Fruchtboden; die Blattangabe ist beschädigt.

8.14 Der obere Teil besitzt vier Öffnungen. Beide Teile ordne der Mantrakundige mit dem Haupt-Bija an.

8.15 Man reinige das Gefäß mit Panchagavya und verehre es. Der König reinigt zuvor die Zähne und badet mit Wasser.

8.16 Danach vollzieht er das Aschebad, salbt sich mit weißem Sandelholz, trägt weiße Gewänder und weißen Opferfaden und schmückt sich mit weißen Kränzen.

8.17 Mit Turban, Obergewand und allem Schmuck tritt er in das Gefäß und nimmt nach Osten gewandt Platz.

8.18 Er rezitiert das Shiva-Mantra und versenkt sich ganz in Shiva. Der Kundige bedeckt ihn mit dem oberen Gefäßteil unter dem Herzmantra.

8.19 Man umwindet das Gefäß sorgfältig mit Schnüren und schmückt es mit Blumenkränzen. Der König vergegenwärtigt: „Ich bin Shiva“, solange es seinem Vermögen entspricht; die Zeitangabe ist unklar.

8.20 Dann tritt der König heraus und verneigt sich vor Sadashiva. Durch den Eintritt in den Goldschoß soll er keiner Wiedergeburt mehr unterliegen.

8.21 Als aus dem Goldschoß Hervorgegangener wird er mit dem Schöpfer aller Wesen verbunden. Er verneigt sich vor dem Guru und ehrt ihn besonders.

8.22 Die Opferpriester ehrt er ordnungsgemäß mit Gewändern und goldenen Ringen. So soll er die Frucht aller Opfer und aller Gaben erlangen.

8.23 Eingeweihte Könige sollen diesen Ritus sorgfältig vollziehen. Den auf dem Shaiva-Weg stehenden Haushältern, Linga-Trägern

8.24 und Gläubigen übergebe der König das Goldgefäß als Gabe. Damit ist Hiranyagarbha erläutert. Höre nun Tulabhara.

8.25 Der König vollziehe es an den zuvor genannten Orten und Zeiten. Aus Khadira, Sandelholz, Tala, Champaka oder Bilva

8.26 oder anderen Kernhölzern fertige man zwei Stützen. Darüber lege man einen Querbalken und befestige in der Mitte den Waagebalken.

8.27 Als Länge werden sieben, sechs oder fünf Ellen, als Umfang zweiunddreißig Fingerbreit genannt. An den Enden bringe man Öffnungen an und befestige Ketten daran.

8.28 Zwei gleichmäßig runde Kupferschalen von drei Ellen Durchmesser, leicht vertieft und mit Befestigungsöffnungen, hänge man mit Seilen daran.

8.29 Die mittlere eiserne Aufhängung fertige der Kundige glatt. Darbha-Girlanden und Blumenkränze schmücken die Anlage.

8.30 Man umhülle die Stützen mit Tüchern und bringe allen Schmuck an. Der vollständig geschmückte König besteigt die Waage.

8.31 Mit dem Waagemantra und dem Herzmantra vollziehe der Kundige die Handlung. In die andere Schale lege man Gold, bis es das Gewicht des Königs ausgleicht.

8.32 Der König rezitiert das Shiva-Mantra und versenkt sich in Shiva. Danach steigt er von der Waage; das Gold wird wie zuvor verteilt.

8.33 Den Gottheiten, Shaivas, Brahmanen, dem Guru, Adishaivas und Anushaivas gebe man davon jeweils angemessen.

8.34 Die verheißene Frucht entspricht tausend Vajapeya-Opfern, hundert Rajasuya-Opfern und tausend Pferdeopfern.

Damit sind Goldschoß und Waage erläutert. Höre nun von den Bestattungsriten.

So endet das achte Kapitel.


Kapitel 9 – Bestattung und Verbrennung

9.1 Nun erläutere ich die Abfolge der Verbrennungsriten. Wenn das Lebensbewusstsein den Körper verlassen hat, beginne man die Bestattungshandlung.

9.2 Verbrennung, Ersatzbild-Bestattung und Grubenbestattung werden genannt; eine weitere Bezeichnung lautet Bhadra. Höre kurz die Handlungen von der Grubenbestattung an, du Gelübdetreuer.

9.3 Bei früher Fehlgeburt, späterem Schwangerschaftsverlust, einer im Mutterleib gestorbenen Frucht und bei Kindern vor dem Haarschur-Ritus ist die Grubenbestattung vorgesehen; die Altersgrenze ist sprachlich nicht eindeutig.

9.4 Für sie unterlasse man Verbrennung und Bali-Riten. Für nach der Haarschur Verstorbene folgen Bestimmungen nach vollendeten Lebensjahren.

9.5 Bali- und Verbrennungshandlungen sind grundsätzlich gleich. Nach Vollendung des zehnten Lebensjahres bringe man zehn Tage lang Bali dar.

9.6 Nun wird die Grubenbestattung kurz beschrieben. Zuerst reinige man den Körper und schmücke ihn mit Kurkuma und Blumen.

9.7 Man umhülle ihn sorgfältig mit Darbha-Gras oder Baumwolltuch und lasse ihn, von Angehörigen begleitet, forttragen.

9.8 Der Ausführende sei Shiva ergeben und rein, der Leib mit Asche bestäubt. Er trage den Opferfaden in der für Totenriten bestimmten umgekehrten Lage und Darbha-Gras als Obergewand.

9.9 An einem reinen, geeigneten Ort des Bestattungsplatzes grabe man eine Grube, deren Länge und Breite dem Körper entsprechen.

9.10 Die Tiefe betrage ein Armmaß. Man lege Darbha-Gras, Reiskörner und weitere Gaben hinein und bette den Verstorbenen mit dem Kopf nach Süden.

9.11 Schweigend verehre man ihn mit Duftstoffen, bedecke ihn mit Darbha-Gras und fülle die Grube mit Erde, glatt und ordentlich; die letzte Materialangabe ist unsicher.

9.12 Danach bade man gemeinsam mit den nahen Verwandten. Wo keine Verbrennung stattfindet, soll nach dieser Vorschrift kein Bali-Ritus ausgeführt werden.

9.13 Damit ist die Grubenbestattung erläutert. Höre nun die Bestattung eines Ersatzbildes. Der Text nennt zunächst eine unklar bezeichnete Todesart, danach Tod durch Waffen oder Faustschläge,

9.14 durch Pocken, Schwindsucht, Aussatz und ähnliche Krankheiten, durch Selbsttötung, Wasser, gehörnte Tiere oder Feuer,

9.15 ferner durch Schlangen, andere Tiere oder Elefanten sowie den Fall einer in ein fremdes Land fortgegangenen Person.

9.16 Sind bei einer Verschollenen zwölf Jahre vergangen, ist die Verbrennung eines Ersatzbildes vorgesehen. Hat der Betreffende eine Frau, wird ihr Witwenstand rituell festgestellt.

9.17 Man vollziehe Bali und die übrigen Handlungen mit Mantras. Kehrt der für tot Gehaltene nach dem Ritus zurück, wird der glückverheißende Eheschmuck wieder angelegt.

9.18 Das Ehezeichen werde der Frau erneut um den Hals gelegt, verbunden mit dem Obergewand; die Handlung ist knapp formuliert. Der Kundige ehre den Acharya bis zum Lebensende.

9.19 Eine beschädigte Einschränkung betrifft zuvor vollzogene Riten und Geburt. Bei Tod durch Waffen und ähnlichen Todesarten erfolgt der Ersatzritus nach einem Jahr.

9.20 Den tatsächlichen Leichnam verbrenne oder begrabe man zunächst ohne Mantras. Später fertige man aus gutem Darbha-Gras eine Ersatzgestalt und umwinde sie mit Schnüren.

9.21 Man umhülle sie mit Palasha-Blättern, bilde alle Körperglieder und vollziehe sämtliche Handlungen wie für den Verstorbenen.

9.22 Damit ist die Verbrennung des Ersatzbildes erläutert. Höre nun die gewöhnliche Verbrennung. Zuerst reinige man den Leichnam, danach folgt das Aschebad.

9.23 Der Lehrer bereite auf Sand eine dem Körper entsprechende Opferfläche, breite Darbha-Gras darüber und lege den Verstorbenen darauf.

9.24 Hände und Füße werden gebunden, der Leib mit Farben und Kränzen geschmückt. Man vergegenwärtige ihn als Shivas Leib, aus Brahma- und Anga-Mantras gebildet.

9.25 Man rezitiere das Ohrmantra und das Haupt-Bija. Nach Bad und rituellem Wassernippen lege man den Opferfaden in die hier genannte linke Lage; der Bezug ist nicht ganz eindeutig.

9.26 Nahe Verwandte und Angehörige vollziehen die Waschung. Für das Shiva-Feuer richte man einen viereckigen Platz her und setze drei Pflöcke ein.

9.27 Darauf stelle man ein Gefäß, darunter Spelzen, und entzünde darunter das Feuer. Im Spelzenfeuer vergegenwärtige man ordnungsgemäß

9.28 das Shiva-Feuer und verehre es mit Duftstoffen. An einem reinen Platz prüfe man zuvor nochmals den Atem des Verstorbenen.

9.29 Der Kundige berühre der Reihe nach Herz, Nase und Ohren und prüfe unter dem Herzmantra, ob noch Atem vorhanden ist.

9.30 Mit dem Aghora-Mantra hebe man den Leichnam auf und bringe ihn zum Bestattungsplatz. Dort hebe man den Boden auf seine Körperlänge aus,

9.31 eine Elle oder eine halbe tief. Mit Vamadeva besprenge man die Stelle mit Sesam, Reiskörnern und Kusha-Wasser und setze Pflöcke in die Ecken.

9.32 Man umspanne sie rings mit Schnüren und lege das Holz hinein. Südlich des Leichnams bereite der Kundige das Shiva-Feuer wie zuvor.

9.33 Mit dem Herzmantra opfere er hundertmal, ebenso unter Nennung des Verstorbenen. Den Opferrest aus Ghee, Opferreis, Milch und Reiskörnern

9.34 lege er mit dem Herzmantra auf Nabel, Herz und Mundbereich. Den Leichnam bette man auf das Brennholz mit dem Kopf nach Süden.

9.35 Goldstückchen lege der Kundige in die neun Körperöffnungen: Mund, beide Augen, beide Ohren, beide Nasenlöcher, After

9.36 und Geschlechtsöffnung. Mit dem Herzmantra vollziehe man dies. Milch mit Reiskörnern gebe man unter dem Vama-Mantra in den Mund.

9.37 Mit dem Aghora-Astra-Mantra durchtrenne der Mantrakundige die Bindung. Er lege Kranz und Tuch an beziehungsweise ab; das Verb ist unklar. Nahe Verwandte und Brüder begleiten die Handlung.

9.38 Man vollziehe drei Umkreisungen mit einem neuen Tongefäß, aus dem Wasser ausströmt; die Angabe zum Tragen am Feuer ist beschädigt.

9.39 Während der Umkreisung öffne der Lehrer das Gefäß mit dem Astra-Mantra. Nach drei Umkreisungen lege man es links ab.

9.40 Wasser aus der Scherbe beziehungsweise dem Gefäß bringe man an die Lebenssitze. Von Kopf bis Fuß bestreiche man den Körper sorgfältig mit Ghee.

9.41 Man berühre beide Füße und gedenke der hier nur verkürzt genannten Opferformel. Mit Aghora lege man das Feuer am Kopf an und gedenke Shivas.

9.42 Gemeinsam mit den Trägern bade man gründlich in einem Fluss oder Teich. Nach Einnahme von Panchagavya und Ghee rezitiere man das Wurzelmantra hundertmal.

9.43 Nach Vermögen gebe man armen Brahmanen Geld. An einer heiligen Badestelle bade man ordnungsgemäß zusammen mit den nahen Verwandten.

9.44 Unter vorausgehender Nennung des Namens des Verstorbenen bringe man Sesamwasser dar. So ist der Verbrennungsritus für die Lebensstufen vom Brahmacharya an erläutert.

9.45 Bei Entsagenden findet keine Verbrennung, sondern Grubenbestattung statt. Man trage sie auf einer Sänfte oder ähnlichem unter lautem Instrumentalklang fort.

9.46 Der Kundige lasse alle glückverheißenden Handlungen vollziehen. Man grabe eine Grube nach dem Stabmaß und setze den Verstorbenen wie zuvor nach Osten gewandt hinein.

9.47 Ein anschließendes Reinigungsbad ist hier nicht vorgeschrieben; für den Mantrakundigen besteht keine Totenunreinheit. Bali ist zu vollziehen, jedoch ohne die besonderen Ekoddishta-Riten.

Damit sind die Bestattungsriten kurz erläutert. Höre nun die Vorschrift des Ahnenopfers.

So endet das neunte Kapitel.


Kapitel 10 – Das Ahnenopfer

10.1 Nun erkläre ich die Ordnung des Ahnenopfers. Nach der Verbrennung bringt man eine Bali-Gabe und in der Nähe das einem einzelnen Verstorbenen gewidmete Opfer dar.

10.2 Für die drei Lebensstände sind Bali-Gabe, Reiskloß und Wasserspende vorgesehen. Links vom Eingang stellt man die für die Seele bestimmte Schale auf.

10.3 Ein Grasbüschel von einer Handspanne Länge wird zwischen Steine gelegt. Man ruft die als Gottheit verehrte Ahnenseele herbei und verehrt sie mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben.

10.4 Der Kundige weiht alle Gaben mit dem Herzmantra unter Nennung von Familienlinie und Namen. Am ersten Tag bringt er die Bali-Gabe selbst dar; an den anderen Tagen lässt er sie darbringen.

10.5 Mit Sorgfalt lässt er das geben, was dem Verstorbenen Freude bereitet hat. Die Ahnenverehrung soll ihm stets Zufriedenheit schenken.

10.6 Am zweiten Tag geht der mit dem Tantra Vertraute gemeinsam mit demjenigen, der den Scheiterhaufen entzündet hat, und den nahen Verwandten erneut zur Feuerstätte auf dem Verbrennungsplatz.

10.7 Die verbliebenen Körperreste werden mit Ghee und einer weiteren, im Wortlaut unklaren Beigabe verbrannt. Innerhalb der siebentägigen Frist sammelt man die Knochen in einem neuen Gefäß.

10.8 In den vier Himmelsrichtungen werden Mehl, gerösteter Reis, gekochter Reis und Kuchen dargebracht. Die einzelnen Körperteile werden mit den entsprechenden Gliedermantras aufgenommen und niedergelegt.

10.9 Der Verständige vollzieht zum Heil der Verkörperten die glückverheißende Handlung. Am neunten Tag, nachmittags, verfährt er mit Schale und Stein wie zuvor. [Der erste Halbvers ist sprachlich unsicher.]

10.10 Nach Ablauf der zehn Nächte verabschiedet er alle darin gegenwärtig gedachten Wesen. Er stellt die Wassergefäße auf und bestreicht den Ort mit Kuhmist.

10.11 Im Haus wird die vollständige Segenshandlung des glückverheißenden Tages vollzogen. Am elften Tag findet das Einzeltotenopfer mit seiner abschließenden Entlassung statt.

10.12 Von Beginn der Handlung an soll der Kundige im Haus oder davor einen überdachten Platz errichten lassen. [Die zusätzliche Bestimmung über die Speisung ist verderbt.]

10.13 Der Platz sei viereckig, eben, rein und vollständig geschmückt. In seiner Mitte versammelt er diejenigen, die die shivaitischen Tantras kennen.

10.14 Er reicht Wasser für Füße, Mundspülung und Ehrengabe und verneigt sich vor ihnen: »Möge dieses mein Ahnenopfer dem Sinn aller heiligen Lehrtexte entsprechen.«

10.15 Er bittet: »Erweist mir eure Gunst.« Dann beginnt er das Shraddha-Ritual und bereitet südlich die Plätze für dessen Vertreter. [Eine Angabe über zwei Einrichtungen ist nicht eindeutig lesbar.]

10.16 Als Vertreter werden ehrwürdige, vedisch gebildete Männer gewählt, die der shivaitischen Lebensordnung folgen; die Vertreter der Vishvedevas stehen an erster Stelle.

10.17 Nachdem er sie versammelt und begrüßt hat, werden ihre Füße gewaschen. Zunächst richtet er zwei Plätze her und breitet dort Darbha-Gras aus.

10.18 In die Mitte streut er Sesam. Dann werden alle mit Öl gesalbt und führen das Bad aus.

10.19 Für das Opfer an Gott, Feuer und Ahnen werden drei Opferflächen angelegt: im Norden für den Herrn der Götter, in der Mitte für das Feuer.

10.20 Im Süden bereitet der Lehrer den Platz für den Ahnenreiskloß in Gestalt einer Getreideschwinge. Mit Hingabe vollzieht er Shivas Verehrung nach der Vorschrift; auch das Zufächeln gehört dazu.

10.21 Nachdem er im mittleren Feuer ordnungsgemäß geopfert hat, richtet er das südliche Feuer ein. Auch dort verwendet er Einfassungshölzer, Brennholz, Ghee, gekochten Reis und Sesam.

10.22 Mit dem jeweiligen Grundmantra werden je hundert Opfergaben dargebracht. Mit dem tausendsilbigen Mantra führt er das Feueropfer nach seinen Kräften aus. [Die Bezeichnung des ersten Mantras ist unsicher.]

10.23 Mit Aghora opfert er hundertmal, ebenso hundertmal unter dem Namen des Verstorbenen. Er speist die drei Vertreter und verehrt die beiden Vishvedevas.

10.24 Er verehrt sie mit Duftstoffen und anderen Gaben und gibt ein Vardhani-Gefäß mit Reis, ferner Gewand, Bronzegefäß, Gold, Lagerstatt und Sandalen.

10.25 Voller Hingabe gibt er nach seinen Möglichkeiten das Opferhonorar, reicht insbesondere Betel und verneigt sich.

10.26 Mit den Spitzen des Darbha-Grases verabschiedet er die angerufenen Wesen. Danach bereitet der Lehrer in der Schwinge den Reiskloß aus gekochtem Reis und den zugehörigen Beigaben. [Einzelne Zubereitungswörter sind verderbt.]

10.27 Der Reiskloß erhält die Gestalt einer Bananenblüte und weist mit seiner Spitze nach Süden. Das hierbei genannte Mantra endet mit Svaha oder dem Pranava.

10.28 In seiner Mitte steht der Name des Verstorbenen im Dativ. Dazu werden heiliger Faden, Duftstoffe und Blumen sowie besonders Räucherwerk und Licht dargebracht.

10.29 Man gibt Sesam, Wasser und daneben Betel. Der Kundige meditiert über Shiva als höchste Wirklichkeit und über die Vereinigung des Verstorbenen mit ihm.

10.30 Er hebt den Reiskloß in ein Gefäß und vollzieht die Verbindung mit Hamsa, der Seele. Sorgfältig werden die Shiva-Verehrer gespeist; nachts legt man den Reiskloß ins Wasser.

Damit ist die Vorschrift des Ahnenopfers erklärt. Höre nun von der Eingliederung in die Ahnengemeinschaft.

So endet das 10. Kapitel.


Kapitel 11 – Die Eingliederung in die Ahnengemeinschaft

11.1 Nun erkläre ich die vorzügliche Eingliederung in die Gemeinschaft der Ahnen, Sapindikarana. Sie findet am zwölften Tag, nach drei oder sechs Monaten oder nach einem Jahr statt.

11.2 Ölsalbung und die übrigen Vorbereitungen werden wie zuvor ausgeführt. Der Herr der Götter wird in der Mitte aufgestellt, Feuer und Schwinge südlich.

11.3 Nachdem alles wie zuvor verehrt worden ist, speist man den Vertreter. Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum werden vergegenwärtigt.

11.4 In diesen stellt man sich sämtliche Wirklichkeitsebenen gegenwärtig vor. Für die fünf, beginnend mit der Erde, werden fünf Reisklöße niedergelegt.

11.5 Über ihnen verehrt man Sadashiva auf der Sada-Ebene. Hierzu wird ein zwölf Fingerbreiten langes Linga geformt.

11.6 Darin verehrt man Shiva nach den Vorschriften der Gottesverehrung. Den Reiskloß bereitet man wie zuvor und verbindet ihn mit den einzelnen Wirklichkeitsebenen.

11.7 Zuerst vergegenwärtigt man die Gemeinschaft in derselben Welt, Salokya, als Zweites die Nähe, Samipya, als Drittes die Gleichgestaltigkeit, Sarupya, und als Viertes die Vereinigung, Sayujya.

11.8 Wenn man auf diese Weise richtig meditiert, ist die Eingliederung in die Ahnengemeinschaft vollzogen. Höre nun, du Gelübdetreuer, in Kürze vom Ashtaka-Feueropfer.

11.9 Es wird besonders in den Monaten Magha und Proshthapada begangen; genannt werden ferner Sonne, Saturn und Mars. [Die genaue kalendarische Zuordnung ist im überlieferten Wortlaut nicht sicher.]

11.10 Der Kundige vollzieht die Ashtaka-Feier, gegebenenfalls am Eingang. Nachdem er wie zuvor im Shiva-Feuer geopfert hat, bringt er mit den fünf Brahma-Mantras hundert Opfergaben dar.

11.11 Er speist insbesondere fünf oder sechs Shiva-Verehrer und gibt nach seinen Kräften ein Honorar, vor allem Gewänder und Gold.

11.12 An jedem entsprechenden Festtag sollst du dies nachmittags deinen Möglichkeiten gemäß vollziehen. Damit ist das Ashtaka-Feueropfer erklärt; höre nun die Vorschrift der Sühne.


So endet das 11. Kapitel.


Kapitel 12 – Sühne und Wiederherstellung der rituellen Ordnung

12.1 Nun erkläre ich die Ordnung der Sühnehandlungen. Für Verwandte und Angehörige derselben Familienlinie wird hier keine besondere Sühne genannt.

12.2 Auch der zur Erkenntnis Erwachte soll die gesellschaftliche Lebensordnung nicht übertreten. [Die folgende Bestimmung über die Sühne eines Erwachten ist textlich nicht eindeutig.]

12.3 Nach Berührung eines Eingeweihten der eigenen Geburtsgruppe wird besonders das Aschenbad vorgeschrieben; nach Berührung eines Shudra ein Bad mitsamt den Kleidern.

12.4 Nach Berührung von Angehörigen der dazwischenliegenden Gruppen gelten beide Bäder. Geschah die Berührung aus Unachtsamkeit, wird dem Kundigen das Wasserbad vorgeschrieben.

12.5 Danach nimmt er das Aschenbad und wiederholt das Shiva-Mantra hundertmal. Bei absichtlicher Berührung vollzieht er ebenfalls die zuvor genannte Badehandlung.

12.6 Erblickt er den betreffenden Menschen während des Essens, soll er die Speisereste aufgeben, beide Bäder ausführen und das Grundmantra hundertachtmal wiederholen.

12.7 Wenn ein übler Geruch mit dem Wind an seine Nase gelangt, soll er an Kuhmist riechen und sogleich den fünfsilbigen Mantra wiederholen.

12.8 Hat er unabsichtlich bei Eingeweihten seiner eigenen Geburtsgruppe gegessen, wiederholt er den Vyomavyapin-Mantra; tat er es absichtlich, wiederholt er ihn hundertmal.

12.9 Beim Verzehr der Speise eines Königs wiederholt er Aghora hundertmal; beim Essen von Speisen eines Vaishya soll er bis zu tausend Wiederholungen ausführen.

12.10 Hat er unabsichtlich die hier als »Rudra-Speise« bezeichnete Nahrung gegessen, übt er Kricchra und Chandrayana; bei absichtlichem Verzehr werden Chandrayana, Kricchra und eine weitere, unsicher bezeichnete Buße genannt. [Möglicherweise ist »Shudra-Speise« gemeint.]

12.11 Dauert dieses Essen länger als einen Tag, soll er Kricchra und Chandrayana ausführen. Bei ununterbrochenem Verzehr während eines Monats wird ihm der Stand eines Shudra zugesprochen.

12.12 Wer fortwährend mit einem Shudra verbunden lebt, verhält sich nach dieser Ordnung selbst wie ein Shudra. Nach Geschlechtsverkehr mit einer Shudra-Frau werden sieben Kricchra-Bußen vorgeschrieben.

12.13 Bei einer Verbindung von einem halben oder ganzen Monat werden sieben Kricchras und weitere Kricchra-Bußen genannt; bei sechs Monaten oder einem Jahr Kricchra und Chandrayana. [Die Abstufung des ersten Halbverses ist unklar.]

12.14 Für eine Verbindung über ein Jahr hinaus wird keine Sühne angegeben. Seine Lebensordnung soll dann bis zum Tod der betreffenden Gruppe entsprechen.

12.15 Nach Berührung einer menstruierenden Frau und nach dem Essen soll er baden und das Shiva-Mantra wiederholen. Hat er von Blättern des Rizinus, des Banyan oder des Ashvattha gegessen,

12.16 so wiederholt er, ob absichtlich oder unabsichtlich, das Shiva-Mantra hundertmal. Bei mit Ghee vermischten Speiseresten oder mit Salz vermischter Milch

12.17 wiederholt er den Herzmantra, der alle Fehler beseitigen soll. Findet er beim Essen ein Haar in der Speise, gibt er sie auf und reinigt sich mit Asche.

12.18 Er erinnert sich an den Herrn der Götter und reinigt sich mit Wasser. Knoblauch, Fisch, Fleisch und bereits der Gottheit dargebrachte Opferreste soll er meiden.

12.19 Hat er sie aus Unachtsamkeit gegessen, wiederholt er gereinigt das Shiva-Mantra; hat er sie absichtlich gegessen, wiederholt er es hundertmal.

12.20 Höre nun, du Gelübdetreuer, zusammenfassend von den schweren Vergehen: die Tötung eines Brahmanen, das Trinken berauschenden Getränks und der Diebstahl von Gold,

12.21 ferner der Verkehr mit der Frau des Gurus; als fünftes gilt die Gemeinschaft mit solchen Tätern. Für drei davon – Verkehr mit der Guru-Frau, Alkoholgenuss und Brahmanentötung –

12.22 werden auf den Tod gerichtete Bußen genannt. Höre von diesen Todesstrafen: Für den Verkehr mit der Guru-Frau fordert der Text das gewaltsame Abschneiden der Geschlechtsteile an ihrer Wurzel,

12.23 unter Verwendung eines Palmblattstiels, und den Tod des Täters. Auch für den Trinker wird der Tod durch etwas glühend Heißes verlangt. [Die genaue Verbindung der Wörter im zweiten Halbvers ist verderbt.]

12.24 Höre die weitere Bestimmung: Im Zusammenhang mit unabsichtlich entstandenem Feuer soll er das Kennzeichen des Brahmanen ablegen und den selbstgewählten Tod aufsuchen. [Dieser Vers ist stark verderbt; die Zuordnung bleibt unsicher.]

12.25 Oder er zieht fort und erklärt: »Ich bin ein Brahmanentöter«, und unternimmt die große letzte Wanderung. Ein Dorf darf er nur einmal betreten, kein zweites Mal.

12.26 [Die erste Vershälfte über eine Frau, ihren Mann und das nächtliche Verbringen an den Dorfrand ist verderbt.] Dies gilt für die unabsichtliche Tat; höre nun, du Gelübdetreuer, von der absichtlichen.

12.27 Er führt die zuvor genannte Lebensweise zwölf Jahre lang aus. Danach wird von einem Gang in Wasser, Feuer oder Kampf gesprochen,

12.28 bei dem er den Tod finden und dadurch rein werden soll. Höre nun in Kürze vom Golddiebstahl und von der Gemeinschaft mit den Tätern.

12.29 Ein Jahr lang gibt er Spenden, badet an heiligen Orten und wiederholt das Shiva-Mantra. Danach vollzieht er die Uddalaka-Buße.

12.30 Dies ist die für Golddiebstahl vorgeschriebene Sühne. Wer mit den vier genannten Arten von Tätern verbunden war, absichtlich oder unabsichtlich,

12.31 wiederholt drei Jahre lang die fünf Brahma-Mantras, in einer Wohnung, in einem Shiva-Tempel oder im Wald. [Eine Ortsangabe am Versanfang ist unsicher.]

12.32 Bei absichtlichem Verhalten werden hunderttausend Wiederholungen im Wasser und tägliches Baden genannt. Die besonderen schweren Vergehen sind damit erklärt; höre nun von den allgemeinen.

12.33 Nach Verletzung eines Wildtiers wiederholt man den Sadyojata-Mantra hundertmal. Nach Verletzung eines Haustiers vollzieht man das zuvor genannte Gelübde.

12.34 Nach Verletzung von Vögeln wiederholt man Aghora hundertmal; nach Verletzung von Kriechtieren und ähnlichen Lebewesen den Purusha-Mantra hundertmal.

12.35 Nach Verletzung unbeweglicher Lebewesen, also Pflanzen, wiederholt man den Isha-Mantra hundertmal. Eine Verletzung im Zusammenhang mit der Entlohnung des Gurus wird hier von Schuld ausgenommen. [Der Geltungsbereich dieser Ausnahme bleibt unklar.]

12.36 Damit sind die allgemeinen Vergehen beschrieben. Höre nun vom gewöhnlichen Diebstahl: Erde, Holz, Stein und Metall können absichtlich oder unabsichtlich entwendet werden.

12.37 Der Kundige wiederholt den Isha-Mantra hundertmal, bei Absicht hunderttausendmal. Damit ist der Diebstahl kurz behandelt; höre nun von den Unreinheitsfristen.

12.38 Für den Haushalter gibt es im Familienleben zwei Arten: bei Geburt und bei Tod. Für den Brahmanen gilt die Reinigung nach zehn Tagen, für den Kshatriya nach zwölf.

12.39 Für den Vaishya wird ein halber Monat, für den Shudra ein Monat genannt. Der wahrhaft Erkennende, der in seiner eigenen Lebensordnung steht, soll deshalb seine Verwandten nicht aufgeben.

12.40 Der Erkennende gilt unmittelbar als rein; für den Nichterkennenden gelten die genannten Fristen. Andernfalls würde die Familie geschädigt, selbst wenn eine Sühne vollzogen wird.

12.41 Bei versäumter Verehrung der Gottheit, des Feuers oder des Gurus wird die Handlung doppelt nachgeholt. Durch hundert Wiederholungen von Aghora wird die eigene Verpflichtung erfüllt.

12.42 Nach dem Verzehr von Speise aus einem von ritueller Unreinheit betroffenen Haushalt wird Kricchra vorgeschrieben. Auch Milchspeise und Ähnliches zu den drei Tagesübergängen im Zusammenhang mit einem Todesfall werden genannt. [Die Satzverbindung ist unklar.]

12.43 Tritt während einer geburtsbedingten Unreinheitsfrist ein weiterer solcher Fall ein, richtet sich die Reinigung nach der vorherigen Frist. Ebenso werden Geburt während einer Geburtsfrist und Tod während einer Todesfrist behandelt.

12.44 Der Reinigungstag des späteren Ereignisses geht in der früheren Unreinheitsfrist auf. Wenn jemand einer hier als niedriger geltenden Geburtsgruppe ständig im Haus wohnt,

12.45 soll man nach dieser Vorschrift alle Gefäße aufgeben und sich durch Kricchra reinigen. Genannt werden Kricchra, Atikricchra, Taptakricchra,

12.46 Paraka, Chandrayana und Uddalaka. Höre ihre Ausführung: drei Tage eine einzige Mahlzeit täglich, drei Tage nur ungebeten erhaltene Nahrung,

12.47 drei Tage Essen erst bei Nacht und drei Tage ohne Nahrung – dies heißt Kricchra. Höre nun von Atikricchra.

12.48 Einundzwanzig Tage lang wird ein Kudupa-Maß Milch getrunken, verbunden mit Baden und heiliger Rezitation. Dies heißt Atikricchra.

12.49 Drei Tage warmes Wasser, drei Tage Milch, drei Tage warmes Ghee und drei Tage nur Luft als Nahrung:

12.50 Dies wird Taptakricchra genannt. Höre nun Paraka: zwölf Tage ohne Essen, mit Baden zu den drei Tagesübergängen,

12.51 heißen Paraka. [Eine anschließende Wendung über die Stoffe ist unklar.] Einen halben Monat lang wächst die Zahl der Bissen, einen halben Monat nimmt sie ab.

12.52 Dies heißt Chandrayana. Höre nun Uddalaka: einen halben Monat Amiksha, ein Milchprodukt, trinken, acht Nächte lang Ghee,

12.53 sechs Nächte ungebeten erhaltene Nahrung, drei Nächte Wasser und einen ganzen Tag samt Nacht fasten – dies wird Uddalaka genannt.

12.54 [Textlücke.] Eine weitere, als Kusuma bezeichnete Form beschränkt die Nahrung auf einen Bissen. Bei diesen Sühneübungen badet man wiederholt und rezitiert das Shiva-Mantra.

12.55 Nach seinen Kräften vollzieht man tausend oder hundertacht Wiederholungen. Vier Abstufungen werden genannt; höre nun diese auf Shiva bezogenen Vorschriften. [Die Benennung ist unsicher.]

12.56 Zusammenfassend nennt der Vers das angegebene Maß, eine Vermehrung um ein Viertel, um die Hälfte und eine Verdoppelung. [Die Namen der Abstufungen sind verderbt.]

12.57 Was in dieser Lehre nicht ausdrücklich behandelt ist, wird nach der allgemeinen Vorschrift ausgeführt. Damit ist die Sühneordnung im Caryapada zusammenfassend erklärt.

Damit endet der Caryapada. Höre nun den Yogapada.

So endet im Suprabheda der Teil über die Lebensführung.

Om. Alles ist von Shiva erfüllt. Suprabheda.

So endet das 12. Kapitel.

Yogapada – Der Weg des Yoga

Kapitel 1 – Körper, Lebenskräfte und der Kreis der Nadis

Ergänzende heutige Praxis: Chakra-Energie-Meditation mit Sukadev. Die innere Körperordnung des folgenden Agama-Kapitels besitzt eigene Merkmale.

1.1 Nun erkläre ich in Kürze den Yogapada. Höre zu Beginn dieses Teils die Ordnung des Kreises der Nadis.

1.2 Zweiundsiebzigtausend Nadis werden genannt. Von ihnen ist der Körper durchzogen wie ein altes Ashvattha-Blatt von seinen Adern.

1.3 In vierundachtzig Hunderttausenden von Erscheinungsformen spielt das Göttliche nach seinem freien Willen im Körper. [Die grammatische Beziehung zum höchsten Herrn ist im Wortlaut unsicher.]

1.4 Aus vier Gruppen von Lebewesen gehen alle Geburtsweisen hervor: aus Eiern Geborene, aus Feuchtigkeit Geborene, aus dem Boden Sprießende und aus einem Mutterleib Geborene.

1.5 Wesen, die aus einem Ei hervorgehen, heißen eiergeboren; Wesen, die aus Feuchtigkeit entstehen, heißen feuchtigkeitsgeboren.

1.6 Was auf der Erde aus Wasser und Samen hervorsprießt, heißt sprossgeboren. Was von einer Hülle umgeben geboren wird, heißt mutterleibgeboren.

1.7 Innerhalb dieser vier Gruppen werden sechs Arten unterschieden, beginnend mit dem Menschen: Mensch, Wildtier, Haustier, Vogel,

1.8 Kriechtier und ortsfestes Lebewesen. Das sind die sechs Geburtsklassen. Diejenigen, die sich durch sprachliche Rede ausdrücken, werden Menschen genannt.

1.9 Wisse, Vinayaka: Ein Tier mit aufwärts gerichtetem Schwanz wird hier als Wildtier bezeichnet; eines mit langem, herabhängendem Schwanz als Haustier.

1.10 Wesen mit zwei Flügeln heißen Vögel; was kriecht, heißt Kriechtier; was an einem Ort feststeht, heißt ortsfest. So gibt es sechs Arten von Wesen.

1.11 Nun werden die Unterschiede der Geburtsstätten behandelt. Höre vom Feld und seinen Grundlagen: Wo die Wirklichkeitsebenen von der Erde an bei der Auflösung ruhen,

1.12 das heißt Ort der Auflösung, jenseits der Tattvas, höher als das Höchste. Daraus geht eine im Wortlaut unsicher bezeichnete erste Entfaltung hervor, und daraus entsteht Shakti.

1.13 Daraus entsteht Nada, daraus Bindu. Daraus wird Sadashiva genannt, der um der Schöpfung willen fünffach erscheint.

1.14 Daraus tritt die individuelle Seele hervor, verbunden mit der anfangslosen Verunreinigung. Wisse: Sie ist der Kenner des Feldes und wird als in Shakti ruhend bezeichnet.

1.15 Oberhalb davon wird der reine Zustand beschrieben. Zur Erlangung guter und schlechter Folgen gelangen die Seelen in die entsprechenden Zustände und werden geboren. [Der Vers ist sprachlich beschädigt.]

1.16 Von Maya bis zur Erde erscheint die Seele hier an einen Körper gebunden. Mit dem Wirksamwerden des Karma erfolgt die Geburt; mit dem Ende dieses Karmas der Tod.

1.17 Die Annahme eines Körpers dient der Erfahrung von Freude und Leid. Der Körper wird hier in zwei Formen beschrieben: männlich und weiblich.

1.18 Das Männliche ist durch das Linga, das Weibliche durch die Yoni gekennzeichnet. Das Linga gilt als vom Herrn erfüllt, die Yoni als von Shakti erfüllt.

1.19 Darum ist diese ganze bewegliche und unbewegliche Welt Shiva und Shakti. Der Körper wird wiederum zweifach genannt: grobstofflich und feinstofflich.

1.20 Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum gehören dazu. Der Samen heißt der Samenanteil, das Blut der Feldanteil.

1.21 Knochen, Sehnen und Mark werden als die drei väterlichen Anteile genannt; Haut, Fleisch und Blut als die drei mütterlichen.

1.22 So heißt der Körper sechsfach umhüllt und entsteht aus diesen Anteilen. Hinzu kommen Nägel, Zähne, Körperhaare, Kopfhaar und Nadis,

1.23 sowie die fünf Gegenstandsqualitäten Klang, Berührung, Gestalt, Geschmack und Geruch. Mit diesen Elementgruppen verbunden ist der grobstoffliche Körper.

1.24 Wisse: Er ist das Gehäuse des feinstofflichen Körpers und das Mittel für heilsames wie unheilsames Handeln. Geburt und Tod entstehen durch Karma.

1.25 Damit habe ich den grobstofflichen Körper kurz beschrieben. Gehör, Haut, Auge, Zunge und Nase gelten als die Erkenntnissinne.

1.26 Rede, Füße, Hände, Ausscheidungsorgan und Geschlechtsorgan gelten als Handlungsorgane. Dazu kommen Prana, Samana, Udana, Apana und Vyana,

1.27 Naga, Kurma, Krikara, Devadatta und Dhananjaya. Denken, unterscheidende Einsicht, Ichbildung und Bewusstseinsgedächtnis heißen das innere Organ.

1.28 Auch Stolz, Missgunst, Selbstüberhebung und Ähnliches gehören zum feinstofflichen Körper. Dieser Körper heißt Linga, der kennzeichnende Leib. Höre nun von der Entstehung beider Körper.

1.29 Samen verbindet sich mit Blut und verweilt im Mutterleib. Wenn das Karma wirksam wird, tritt die verkörperungsfähige Seele in diesen hohlen Aufenthaltsort ein.

1.30 Von den Anteilen des Feldes und des Samens wird der Körper gebildet. Nach dieser Vorstellung entsteht bei Überwiegen des Blutes ein weibliches, bei Überwiegen des Samens ein männliches Kind.

1.31 Bei gleichen Anteilen von Samen und Blut entsteht nach dieser Lehre ein weder eindeutig männliches noch weibliches Kind. Wie ein Tropfen in einem Gefäß wächst der Keim allmählich.

1.32 Im Mutterleib besitzt er die Gestalt einer Punnaga-Knospe. Die karmischen Bedingungen für Tod und weitere Lebensereignisse sind dabei wirksam. [Die letzte Wendung ist unsicher.]

1.33 Lebensdauer, Vermögen, Tätigkeit, Wissen, Tod und Glück: Mit diesen sechs Bestimmungen tritt das Wesen in den Mutterleib ein.

1.34 Dabei entstehen auch die Gunas und die drei Doshas der Lebewesen. Sattva, Rajas und Tamas heißen hier die drei Gunas.

1.35 Wahrhaftigkeit, Erkenntnis, Askese, Schweigen, Gedächtnis, Einsicht, Standhaftigkeit, Geduld, Tatkraft, Entschlossenheit und Mut kennzeichnen Sattva.

1.36 Hochmut, starkes Ichbewusstsein, Niedergeschlagenheit, gefällige Rede, rastloses Bemühen und Missgunst werden als Eigenschaften des Rajas bezeichnet.

1.37 Trägheit, Verblendung, Schlafsucht, Unbeständigkeit, niedrige Lebensführung, Neigung zum Unrecht und Verleumdung anderer kennzeichnen Tamas.

1.38 Das Gleichgewicht der Gunas heißt Mulaprakriti, die ursprüngliche Natur. Die drei Gunas sind damit kurz erklärt; höre nun von den drei Doshas.

1.39 Vata, Pitta und Kapha gelten als die bestimmenden Faktoren der Krankheiten. Sie sind allen Lebewesen gemeinsam und können ausgeglichen oder im Übermaß vorhanden sein.

1.40 Diese und weitere Faktoren gehen in die Höhlung des Mutterleibs ein. Während des Aufenthalts dort wird der Keim durch den Lebenswind gegliedert.

1.41 Er nimmt eine zweifache Gestalt an und wächst allmählich. Am fünften und zehnten Tag gleicht er Wasser auf einem Lotusblatt.

1.42 Am Ende des ersten Monats gleicht er einer Aksha-Frucht, im zweiten einer Mango. Im dritten ist er acht Fingerbreiten lang; im vierten entsteht nach dieser Darstellung der Kopf.

1.43 Hände und Füße werden dem fünften Monat zugeordnet. Nägel, Finger und Zehen, Füße, Knöchel und die unteren Beinteile,

1.44 Unterschenkel, Knie, Oberschenkel, Hüften, Gesäß, Unterleib, Brustwarzen, Seiten, Bauch, Achseln, Brust und beide Arme,

1.45 die Linien an Händen und Füßen, Daumen, Nägel und Gelenke, Hals, Ohren, Zunge, Lippen, Zähne und Nase,

1.46 Augen, Brauen, Stirn, Kopf, Haare und die übrigen Glieder entstehen nach dieser Lehre vollständig im sechsten Monat.

1.47 Im siebten Monat werden Nahrung und Trank durch die Nabelschnur aufgenommen. Es kann in diesem Monat zur Geburt kommen; bleibt die Wirkung des Geburtswindes aus, erfolgt sie noch nicht. [Die zweite Vershälfte ist unsicher.]

1.48 Im achten Monat richtet sich das Wesen auf und stützt sich auf den als Vina-Stab bezeichneten Rücken. Es erlangt die acht Herrlichkeiten, beginnend mit Anima.

1.49 Es erkennt die drei Zeiten, und durch Erkenntnis wird ihm alles offenbar. Über eine Geburt im achten Monat und das Weiterleben des Kindes ist die abschließende Lesung uneindeutig.

1.50 Es wird im neunten oder zehnten Monat geboren, gegebenenfalls auch im elften. Dann wird der Mensch von Maya angetrieben.

1.51 Die Fähigkeit zu erkennen ist nun eingeschränkt. Ermüdung, Hitze, Hunger und ähnliche Zustände wachsen nach und nach. [Der erste Halbvers ist sprachlich beschädigt.]

1.52 Durch die Kraft der Nahrung wachsen die sieben Körpergewebe. Aus dem flüssigen Anteil der Nahrung entsteht Rasa, der Nährsaft; daraus entsteht Blut.

1.53 Aus Blut entsteht Fleisch, aus Fleisch Fett, aus Fett Knochen und aus Knochen Mark.

1.54 Aus Mark entsteht Samen: Dies sind die sieben Dhatus. Durch diese Gewebe wird der Körper getragen; an sie sind auch Klang und die übrigen Wahrnehmungen gebunden.

1.55 Nach vollendeten zwei Monaten entsteht das Erkennen der Sinnesgegenstände, beginnend mit dem Klang. Nun werden die fünfundzwanzig Tattvas kurz erklärt.

1.56 Die Elemente, ihre feinen Qualitäten, die Erkenntnissinne, die Handlungsorgane, o Vighnesha, und die inneren Organe,

1.57 zusammen mit dem Unentfalteten, werden als fünfundzwanzig genannt. Die Wirklichkeitsebenen von der Erde an durchdringen den ganzen Körper.

1.58 Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum heißen die großen Elemente. Höre von ihren Unterscheidungen.

1.59 Was fest ist, ist Erde; was flüssig ist, heißt Wasser; was heiß ist, Feuer. Luft ist das, was sich bewegt.

1.60 Was Raum gewährt, ist der Ätherraum. Dies sind die großen Elemente. Knochen, Haut, Fleisch, Haare und Nadis

1.61 sind als Erdanteile zu verstehen. Höre nun die Wasseranteile: Schleim, Blut, Harn, Mark und Samen.

1.62 Dies sind die flüssigen Anteile, die in allen Lebewesen vorhanden sind. Hunger, Schlaf, Durst, Trägheit und Geschlechtstrieb

1.63 werden als fünf Eigenschaften dem Feuer zugeordnet. Sitzen, Liegen, Gehen, Ausstrecken und Zurückhalten

1.64 werden als fünf Eigenschaften der Luft genannt. Begierde, Zorn, Gier, Furcht und Verblendung

1.65 werden als fünf Eigenschaften dem Raum zugeordnet. So sind die Eigenschaften der Elemente dargestellt; nun werden ihre Sinnesqualitäten erklärt.

1.66 Es gibt fünf: Klang, Berührung, Gestalt, Geschmack und Geruch. Klang ist die Qualität des Raumes, Berührung die der Luft.

1.67 Gestalt ist die Qualität des Feuers, Geschmack die des Wassers und Geruch die der Erde. So sind sie den Elementen zuzuordnen.

1.68 Sie sind als Sinnesgegenstände bekannt und heißen Eigenschaften der Elemente. In der Erde sind die Qualitäten vom Klang an vollständig enthalten.

1.69 Im Wasser sind vier, im Feuer drei, in der Luft zwei und im Raum nur eine vorhanden.

1.70 Damit sind die Sinnesgegenstände genannt. Höre nun von den Erkenntnissinnen: Gehör, Haut, Auge, Zunge und Nase.

1.71 Sie gelten als die Mittel zur Wahrnehmung der Gegenstände vom Klang an. Höre ihre Zuordnung zu innerem Organ, Gegenstandsbereich und Gottheit.

1.72 Das Gehör ist die innere Seite, das Hörbare die gegenständliche Seite. Die zugehörige Gottheit wird im Text uneindeutig mit Shiva verbunden. Die Haut gilt als die nächste innere Seite.

1.73 Das Tastbare ist ihr Gegenstandsbereich, Vayu die zugehörige Gottheit. Das Auge ist die innere Seite, das Sichtbare die gegenständliche.

1.74 Surya ist dabei die Gottheit. Die Zunge ist die innere Seite, das Schmeckbare der Gegenstandsbereich und Varuna die Gottheit.

1.75 Die Nase ist die innere Seite, das Riechbare der Gegenstandsbereich und Brihaspati die Gottheit. [Die abschließende Benennung der Kraft ist unsicher.]

1.76 Damit sind die Erkenntnissinne erklärt. Höre nun die Handlungsorgane: Die Rede ist die innere Seite, das Auszusprechende die gegenständliche.

1.77 Sarasvati ist ihre Gottheit. Die Hand ist die nächste innere Seite, das zu Gebende ihr Gegenstandsbereich und Shakra ihre Gottheit.

1.78 Der Fuß ist die innere Seite, das Gehen sein Gegenstandsbereich; als Gottheit wird Shakra genannt. Das Ausscheidungsorgan ist die nächste innere Seite. [Hier sind die Organbezeichnungen teilweise verschrieben.]

1.79 [Der Gegenstandsbereich der Ausscheidung ist durch eine Lücke verloren.] Mitra ist die zugehörige Gottheit. Das Geschlechtsorgan ist die innere Seite, die Lust sein Gegenstandsbereich.

1.80 Prajapati ist dessen Gottheit. Dies wird als Kriya Shakti, Kraft des Handelns, bezeichnet. Damit sind die Handlungsorgane erklärt; höre nun vom inneren Organ.

1.81 Manas, Ahamkara, Buddhi und Chitta gelten als das innere Organ. Manas ist die innere Seite, das zu Denkende ihr Gegenstandsbereich.

1.82 Soma ist seine Gottheit. Ahamkara ist die nächste innere Seite, die Ichbildung sein Gegenstandsbereich und die Gestalt Rudras seine Gottheit.

1.83 Buddhi ist die innere Seite, das zu Erkennende ihr Gegenstandsbereich und der Feldkenner ihre Gottheit. Chitta gilt als die nächste innere Seite.

1.84 Bewusstheit ist sein Gegenstandsbereich, Ishvara seine Gottheit. Weil Manas denkt, heißt es Denken; Ahamkara vollzieht die Ichbildung.

1.85 Weil Buddhi erkennt, heißt sie Erkenntnisvermögen; weil Chitta sich besinnt, heißt es Bewusstseinsgedächtnis. Manas wird zweifach genannt: bewegt und unbewegt.

1.86 Ahamkara ist dreifach zu verstehen: elementbezogen, umwandelnd und feurig. In Kürze wird nun sein Hervorgehen als Grundlage der Elemente erklärt.

1.87 Zuerst die feine Qualität des Klangs, zuletzt die des Geruchs: Aus diesen fünf Tanmatras entsteht die Schöpfung der Elemente.

1.88 Aus dem feurigen Ahamkara entstehen die Sinne. Auch aus dem umwandelnden Ahamkara werden hier die Sinne abgeleitet. [Der zweite Halbvers wiederholt offenbar eine bereits genannte Zuordnung.]

1.89 Aus dem umwandelnden Ahamkara entstehen die zugehörigen Gottheiten. Buddhi ist achtfach, beginnend mit Dharma und Adharma.

1.90 Chitta ist als einheitlich zu verstehen und gehört zum inneren Organ. Zusammen mit den vier inneren Organen werden vierundzwanzig Prinzipien gezählt.

1.91 Ihre stoffliche Ursache ist das Unentfaltete. Als dessen Eigenschaften werden die drei Gunas bezeichnet.

1.92 Tamas, Rajas und als Drittes Sattva: Durch Tamas gelangt man in die Hölle, durch Rajas in den Himmel.

1.93 Mit Sattva wird Befreiung verbunden; deshalb wird Sattva empfohlen. Alle Handlungen sollen in Sattva geschehen; die auf eines gesammelte Aufmerksamkeit ist sattvig.

1.94 Darum soll man mit aller Anstrengung die Eigenschaft Sattva pflegen. Die fünfundzwanzig Tattvas sind damit in Kürze genannt.

1.95 Höre nun kurz die elf weiteren Wirklichkeitsebenen: Purusha, Raga, Niyati, Vidya, Kala als begrenzte Wirkkraft und Kala als Zeit,

1.96 reine Erkenntnis, reine Wirkkraft und reine Maya; außerdem werden Atma-Tattva, Vidya-Tattva und darüber Shiva-Tattva genannt. [Die überlieferte Aufzählung lässt sich nicht eindeutig auf die angekündigten elf Glieder reduzieren.]

1.97 Diese elf Tattvas befinden sich im Körper. In drei Hüllen eingegangen, wird die Seele allmählich durch die Zeit bestimmt. [Die letzte Wendung ist beschädigt.]

1.98 Sie wird von Niyati, der Notwendigkeit, umschlossen und bewegt sich in einem Zustand individuellen Selbstseins. Weil sie sich auf Prakriti bezieht, wird sie Purusha genannt. [Die Worterklärung ist unsicher.]

1.99 Die Kenner beschreiben sie wie den hunderttausendsten Teil einer jungen Sonne. Sie heißt die Belebende und auch die im Samsara Wandernde.

1.100 Von der Urnatur bis zu den besonderen Erscheinungen reicht die durchdringende Wirkkraft. Sie heißt Kala-Shakti. [Die anschließende Bestimmung ihrer Ursache ist verderbt.]

1.101 Durch die Verbindung mit Dharma und Adharma besteht die Bindung; die anfangslose Begrenzung heißt Anava. Durch solche Zusammenhänge verweilen die Seelen in den Körpern.

1.102 Aus den Bindungen des Lebewesens entsteht dreifaches Leid: das aus dem eigenen Leib und Geist, das aus anderen Wesen und das aus übergeordneten Mächten.

1.103 Diese drei Arten des Leidens erfährt es. Höre zunächst vom inneren Leid: Es ist zweifach, körperlich und geistig.

1.104 Geschwülste, Hämorrhoiden, Durchfall, Fieber, stechende Schmerzen und viele weitere Leiden werden genannt, ferner Leiden durch Menschen, Wildtiere, Pishachas, Rinder, Vögel, Diebe und Rakshasas.

1.105 Damit ist das körperliche Leid genannt. Höre vom geistigen, du Gelübdetreuer: Trauer, Missgunst, Demütigung, Eifersucht und weitere solche Zustände.

1.106 So wird das geistige Leid beschrieben; anschließend das von äußeren Wesen und Umständen herrührende: Kälte, Hitze, Wind, Regen,

1.107 Blitz, Donnerschlag und Sturm. Das durch diese Mächte entstehende Leid heißt hier übergeordnetes Leid. Ferner werden Mutterleib, Geburt, Alter, Unwissenheit, Tod und Höllenleiden genannt.

1.108 So ist das dreifache Leid dargestellt, das in diesen Zuständen erfahren wird. Im Mutterleib wird das Wesen durch die Hitze des Bauches und durch die Lebensweise der Mutter bedrängt.

1.109 Die Bedrängnis im Geburtskanal wird als millionenfach schmerzhafter beschrieben als der Aufenthalt im Mutterleib. Solche Leiden erfährt der Verkörperte der Reihe nach.

1.110 Höre nun von Wachen, Träumen, Tiefschlaf und dem vierten Zustand. Im Wachen geht die Erkenntnis zu den Sinnen aus und vollzieht die verschiedenen Tätigkeiten.

1.111 Alles zu Tuende wird im Wachzustand wahrgenommen. Wenn die inneren Organe und Sinne gebunden, das heißt zurückgezogen, sind,

1.112 wendet sich die Erkenntnis dem Schlaf zu und stellt sich frühere Handlungen vor. Dies sollst du als Traum verstehen. Höre nun vom Tiefschlaf.

1.113 Die Erkenntnis zieht die Organe ein und geht in Bewusstheit ein. Während sie darin ruht, erkennt sie keine einzelnen Handlungen.

1.114 Dies heißt Tiefschlaf. Turiya, der vierte Zustand, ist ohne diese Organtätigkeit. Im Wachen befindet sich das Lebewesen im Gesicht, im Traum stützt es sich auf das Ohr.

1.115 Im Tiefschlaf ruht es im Herzen; im vierten Zustand gilt es als alldurchdringend. So ist es im Körper gegenwärtig. Höre nun von den Nadis.

1.116 Von der Nabelwurzel und dem Herzstängel aus liegen die Nadis wie ein Rad. Seitwärts, aufwärts und abwärts durchziehen sie alles.

1.117 Sie sind kreisförmig angeordnet; achtundzwanzig gelten als besonders wichtig. Unter diesen nehmen die zehn Nadis, beginnend mit Ida, den ersten Rang ein.

1.118 Genannt werden Ida, Yavima, Shosha, Prithivi, Apani, Tejovati, Vayuvi, Gamani und Mardani. [Die Trennung einiger Namen ist unsicher.]

1.119 Es folgen Rodani, Raktavagi, Mridvangi, Shringini, Shabda, Sparsha, Purna, Sadrupa und Rasadharini.

1.120 Diese durch alle Körperglieder verlaufenden Hauptnadis werden als achtundzwanzig bezeichnet. [Die erhaltene Liste nennt nicht alle.] In ihnen befinden sich die zehn Lebenswinde, beginnend mit Prana.

1.121 Prana, Apana, Vyana, Udana, Samana, Naga, Kurma, Krikara, Devadatta und Dhananjaya:

1.122 Diese werden die zehn Pranas oder Lebenswinde genannt. Prana gilt als der Herr der neun anderen.

1.123 Er befindet sich im Leib der Lebewesen und wirkt beim Ausatmen, Einatmen und Husten. Seine Gestalt wird als saphirblau beschrieben.

1.124 Mit Nada verbunden stützt er sich stets auf das Lebewesen. Als seine Orte werden Herz, Nabel, Nasenspitze und die Bereiche bis zu den großen Zehen genannt.

1.125 An Apana anschließend tritt er links und rechts aus. Damit sind die Kennzeichen Pranas genannt; höre nun von Apana. [Die räumliche Beschreibung im ersten Halbvers ist unsicher.]

1.126 Apana stützt sich auf das Lebewesen; seine Farbe gleicht dem roten Indragopa-Insekt. Sein Ort ist die Wurzel des Geschlechtsorgans, sein Ausgang die Wurzel des Afters.

1.127 Er befindet sich unterhalb des Nabels und hat auch an der Wurzel des Geschlechtsorgans einen Ausgang. Er bewirkt die Ausscheidung und die nach außen gerichteten Vorgänge von Prana und Apana.

1.128 Der große Wagen, der Körper genannt wird, wird stets von Prana und Apana bewegt. Prana, der Herr im inneren Licht, behütet den großen Mantra. [Die zweite Vershälfte ist unsicher.]

1.129 Vyana durchdringt den gesamten Körper und weckt Berührung und weitere Empfindungen. Seine Farbe ist die von Kuhmilch; sein Sitz sind sämtliche Gelenke.

1.130 Udana wird mit dem Entstehen von Kraft und, im überlieferten Wortlaut, von Krankheiten verbunden. Seine Farbe gleicht Blitz und Feuer.

1.131 Seine Orte sind die beiden Körperseiten, Ohren, Augen und Nase. Die Farbe von Samana gleicht einer Flachsblüte.

1.132 Er befindet sich an Schultern, Kopf, Zunge, Unterschenkeln und Knöcheln und verteilt den Nährsaft aus Essen und Trinken von den Fußsohlen bis zum Scheitel.

1.133 Alle Speisen und Getränke werden mit dem Verdauungsfeuer verbunden und in der als Magen bezeichneten Opfergrube dargebracht.

1.134 Nagas Farbe gleicht der aufgehenden Sonne. Er bewirkt Schluckauf, das Aufrichten der Körperhaare und nach diesem Text die Hingabe an den Gesang.

1.135 Als seine Orte werden Stirn, Nase und ein nicht sicher lesbarer weiterer Bereich genannt. Die Gestalt des Kurma-Windes gleicht einer weißen Kunda-Blüte.

1.136 Er erreicht die Augenlider und bewirkt ihr Schließen und Öffnen. Krikaras Farbe gleicht zerbrochenem dunklem Antimon.

1.137 Er befindet sich an der Nasenspitze und bewirkt ständig Hunger und weitere Regungen. Devadattas Farbe gleicht reinem Bergkristall.

1.138 Seine Orte sind insbesondere Mund, Rücken, Füße und Seiten. Er wirkt beim Aufstehen, Liegen, Sitzen und vor allem beim Gähnen.

1.139 Dhananjayas Farbe gleicht dunkler Augensalbe. Er bleibt im Körper und verlässt ihn auch beim Tod nicht sogleich. [Die Verneinung ist im Wortlaut verschrieben.]

1.140 Erst später verlässt er ihn, nachdem der Körper sich verändert und aufgebrochen hat. [Das Wort für diese Veränderung ist verderbt.] So werden die zehn Lebenswinde von Prana an beschrieben.

1.141 Ida und die übrigen Nadis durchziehen den Körper. In ihrem Innern bewegt sich der Lebenswind in entsprechender Ordnung.

1.142 Die große Nadi namens Kundali wird in der Nabelmitte verortet. Sie besitzt acht Windungen und liegt gleichsam schlafend da.

1.143 Über dem Nabel befindet sich ein Lotus, einer im Teich erblühten Lotusblume gleich. In seiner Mitte ruht die Seele, strahlend wie Millionen Sonnen.

1.144 In seinem Innern werden die Kreise von Sonne, Mond und Feuer beschrieben. In ihrer Mitte befindet sich der Gott, leuchtend wie zehntausend Sonnen.

1.145 Links verläuft Ida, rechts Pingala, in der Mitte Sushumna. Der anschließende Verlauf wird bis zum Ende des Daumens beziehungsweise der großen Zehe angegeben; die genaue Beziehung ist unsicher.

1.146 Gandhari gehört zum rechten Auge, Hastijihva zum linken; Pusha zum rechten Ohr und Yashasvini zum linken.

1.147 Alambusha befindet sich am Geschlechtsorgan, Kuhu am After und Shankhini in der Nasenmitte. So sind die zehn Nadis angeordnet.

1.148 Alle Nadis durchziehen den Körper wie ein Rad. Weil sie ihn radförmig umgeben, wird dies Nadi Chakra, der Kreis der Nadis, genannt.

Damit ist der Kreis der Nadis erklärt. Höre nun vom Kreis der Zeit.

So endet das erste Kapitel über den Kreis der Nadis.


Kapitel 2 – Der Kreis der Zeit

2.1 Nun erkläre ich das Wesen des Kreises der Zeit. Weil die Zeit alles bemisst und zur Reife bringt, wird sie Kala genannt.

2.2 Sie ist Ursache des Entstehens und Vergehens der Lebewesen und der Götter. Die Zeit wird als gestaltlos beschrieben; ihre Kennzeichen sind sichtbar und unsichtbar.

2.3 Shiva hat die Zeit dreifach erklärt: als Zeit der Schöpfung, der Erhaltung und der Auflösung.

2.4 Das Hervorgehen von Shiva bis hinab zur Erde heißt Schöpfung. Das Bestehen aller Wesen in ihrer jeweiligen Ordnung heißt Erhaltung.

2.5 Wenn die Ebenen von der Erde bis zu Shiva in das jeweils Höhere eingehen, heißt dies Auflösung. So wird die Zeit dreifach bestimmt.

2.6 Innerhalb dieser drei Vorgänge unterscheidet man wiederum Vergangenheit, Zukunft und die Gegenwart genannte Zeit.

2.7 Was vollständig abgeschlossen ist, gilt als vergangen. Was noch erwartet wird, heißt zukünftig.

2.8 Was begonnen, aber noch nicht vollendet ist, heißt gegenwärtig. So ist die Zeit zu verstehen, auch für die Götter und die übrigen Wesen.

2.9 Während der Erhaltung geschehen Schöpfung und Auflösung gleichzeitig: Einige Wesen entstehen durch die Zeit, andere durchwandern durch sie ihre Zustände.

2.10 Höre nun die Zeitmaße der Menschen, Ahnen und Götter. Die Zeit wird zweifach beschrieben: grob und fein.

2.11 Die gewöhnliche Zeit heißt grob, die Zeit der Yogis fein. Die grobe Zeit ist wiederum zweifach, mein Kind: nach dem Lauf des Mondes und nach dem Lauf der Sonne.

2.12 Der Mondlauf bestimmt die Zeit der Menschen; der Sonnenlauf wird als Zeit der Götter bezeichnet.

2.13 Im Rad der Zeit bewegen sich Sonne und die übrigen Planeten. Dieses Rad hat zwölf Speichen: die Tierkreiszeichen, beginnend mit dem Widder.

2.14 An Radkranz und Nabe sowie in der Mitte wirkt der Wind. Das Rad befindet sich auf dem Gipfel des Meru und ist innerhalb des Welteis angeordnet.

2.15 Wie eine Töpferscheibe dreht es sich beständig. Die göttlichen Gestirne, Mondhäuser und Planeten umkreisen den Meru im Uhrzeigersinn.

2.16 Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang rechnen die Kundigen den Tag; von Sonnenuntergang bis zum Aufgang die Nacht.

2.17 Tag und Nacht zusammen heißen Ahoratra. Diva, Pratar und Ahan werden als Bezeichnungen des Tages angeführt.

2.18 Sharvari, Rajani, Sayam, Nishi, Naktam und Ratrika bezeichnen Nacht beziehungsweise Abend. Es folgen im Wortlaut beschädigte Zuordnungen zu Göttern und Ahnen.

2.19 So wird in den Lehrtexten der Tag-und-Nacht-Zeitraum der Menschen bestimmt, zum Wohl der Menschen und zur Förderung allen Gedeihens.

2.20 Am Vormittag, zu Mittag, am Nachmittag und zur nächtlichen Mitte soll man mit ganzer Sorgfalt an den vier Übergängen die Verehrung vollziehen.

2.21 Man kann auch in jedem Yama an acht Übergängen verehren. Ein halber Yama wird ebenfalls als Übergangszeit bezeichnet; so erstreckt sich die Verehrung über Tag und Nacht.

2.22 Die Tage der Menschen werden zu zwei Halbmonaten von je fünfzehn Tagen geordnet: dem hellen und dem dunklen Halbmonat. [Eine zusätzliche Zahl im ersten Halbvers ist verschrieben.]

2.23 Wenn Mond und Sonne gemeinsam in einem Tierkreiszeichen stehen, heißt dies Neumond. Der damit beginnende Halbmonat heißt hell.

2.24 Steht der Mond im siebten Zeichen von der Sonne aus, ist seine Gestalt voll. Dies heißt Vollmond; danach folgen die fünfzehn Tage des dunklen Halbmonats.

2.25 Zwei Halbmonate bilden einen Monat, zwölf Monate ein Jahr. Varsha und Abda sind gleichbedeutende Bezeichnungen des Jahres.

2.26 Als Lebensdauer der Menschen werden hundert Jahre angegeben; auch für die verschiedenen Arten von Wildtieren nennt der Text hundert Jahre.

2.27 Die Lebensdauer der Menschen wird nochmals mit hundert Jahren bezeichnet. Damit ist ihre Zeit erklärt; höre nun die Zeit der Ahnen.

2.28 Ein Tag und eine Nacht der Menschen gelten als eine Ghatika der Ahnen; dreißig solcher Ghatikas bilden deren Tag und Nacht. Der helle Halbmonat ist ihr Tag.

2.29 Den dunklen Halbmonat sollst du als ihre Nacht verstehen. Das ist der Tag-und-Nacht-Zeitraum der Ahnen. Neumond ist ihr Morgenübergang, der achte Mondtag ihr Mittag.

2.30 Vollmond ist ihr Nachmittag, der achte Tag des dunklen Halbmonats ihre nächtliche Mitte. Zwölf Tage bilden hier einen Monat, zwölf Monate ein Jahr.

2.31 Die Verehrung am Neumond schenkt die Gunst der Ahnen. So ist zum Wohl der Menschen die Zeit der Ahnen erklärt.

2.32 Nun wird die Zeit der Götter vom kleinsten Augenblick bis zur Weltauflösung beschrieben: Truti, Lava, Nimesha, Kashtha und Kala,

2.33 Kshana, Muhurta, Ghatika, Sandhi, Yama, Tag und Nacht, ganzer Tag, Halbmonat, Monat, Jahreszeit, Halbjahr und Jahr,

2.34 Yuga, Manvantara, Kalpa, Mahakalpa und Pralaya. Höre nun die Kennzeichen vom kleinsten Augenblick bis zur Auflösung.

2.35 Das Öffnen des Auges eines ruhig dasitzenden Menschen heißt Nimesha. Ein Viertel davon wird Truti genannt.

2.36 Zwei Trutis sind ein Lava, zwei Lavas ein Nimesha. Fünfzehn Nimeshas bilden eine Kashtha, dreißig Kashthas eine Kala.

2.37 Eine halbe Kala heißt Kshana, zwei Kshanas ein Muhurta; dessen Hälfte heißt Ghatika. Nach ihr werden die verschiedenen Handlungen bemessen. [Diese Maßfolge weicht von verbreiteten Zeitrechnungen ab.]

2.38 Drei und drei Viertel Ghatikas nennen die Kundigen einen Sandhi. Zwei Sandhis bilden einen Yama, vier Yamas einen Tagesabschnitt.

2.39 Das ist der Tag allein; Tag und Nacht zusammen heißen Dina. Fünfzehn Dinas bilden einen Halbmonat, zwei Halbmonate einen Monat.

2.40 Die beiden Halbmonate heißen der erste und der spätere. Zwei Monate bilden eine Jahreszeit, drei Jahreszeiten ein Halbjahr.

2.41 Zwei Halbjahre bilden ein Jahr und zugleich einen Tag-und-Nacht-Zeitraum der Götter. Die drei Jahreszeiten vom Steinbock an gelten als ihr Tag.

2.42 Die drei Jahreszeiten vom Krebs an gelten als ihre Nacht. Dazu werden die Zeichenübergänge, Tagundnachtgleichen und Sonnenhalbjahre bestimmt.

2.43 Der Eintritt der Sonne in ein anderes Tierkreiszeichen heißt Sankranti. Steht die Sonne in Waage oder Widder, sind die beiden Tagundnachtgleichen.

2.44 Mit dem Eintritt in Krebs beginnt Dakshinayana, mit dem Eintritt in Steinbock Uttarayana. Der Übergang zum nördlichen Sonnenlauf heißt der Vormittag der Götter.

2.45 Die Tagundnachtgleiche im Chaitra ist ihr Mittag, der Beginn des südlichen Sonnenlaufs ihr Nachmittag und die Tagundnachtgleiche im Ashvayuj ihre Mitternacht.

2.46 Darum soll man an diesen vier Übergängen den Herrn der Götter verehren. Für Menschen gelten die täglichen Übergänge, für Ahnen die Übergänge des Monats.

2.47 Für die Götter soll man an den Jahresübergängen ordnungsgemäß verehren. So ist ihr Tag-und-Nacht-Zeitraum beschrieben.

2.48 Damit ist die Ordnung der Jahre erklärt. Nun wird das Maß der Weltalter behandelt. Einige Lehrtexte nennen weitere, mit dem Weltei verbundene Weltalter. [Die genaue Bezeichnung ist unsicher.]

2.49 In dieser Lehre hat Shiva vier Weltalter erklärt: Krita Yuga, Treta Yuga, Dvapara Yuga und Kali Yuga.

2.50 Krita umfasst viertausend Jahre und achthundert Jahre Übergangszeit. Die weiteren Angaben zu den Übergängen und zur Verminderung in Treta sind im überlieferten Wortlaut beschädigt.

2.51 Auch die Zahlenangabe zu Dvapara ist verderbt. Kali wird anschließend genannt; danach wächst die Folge wieder an.

2.52 Diese vier Weltalter umfassen zusammen zwölftausend göttliche Jahre. Einundsiebzig Wiederholungen davon heißen ein Manvantara.

2.53 Das Manvantara wird nochmals in göttlichen Jahren bemessen. [Die Zahlen »achtzigtausend« und »fünfzig-zweitausend« sind so verderbt überliefert, dass keine zuverlässige Gesamtsumme gewonnen werden kann.]

2.54 Der erste Manu ist Svayambhuva, danach folgt Svarochisha, ferner Uttama, Raivata, Tapasa und Chakshusha,

2.55 Vaivasvata, Savarna, Merusavarna, Dakshasavarna und Brahmasavarna,

2.56 Rudrasavarna, Raulya und Bhautya: vierzehn. Damit sind dir die Manus in Kürze genannt.

2.57 Diese Zeit wird mit einem Kalpa und einem Tag Brahmas verbunden. [Der Vers enthält verderbte Bezeichnungen und eine nicht sicher zuzuordnende Fünferangabe.]

2.58 So ist der Kalpa beschrieben. Höre nun vom Mahakalpa: dreiunddreißig Götter sowie dreihundert und dreitausend werden genannt.

2.59 In der betreffenden Nacht erfolgt ihre Auflösung. Dies ist der Tag-und-Nacht-Zeitraum Brahmas; dabei wird auch die Auflösung Indras genannt.

2.60 Dreihundertsechzig Tage bilden ein Brahma-Jahr. Darin wiederholen sich die Kreisläufe der Auflösung. [Die zusätzliche Zahlenangabe ist unsicher.]

2.61 Nach hundert Jahren dieses Maßes erfolgt Brahmas Auflösung. Der Zeitraum bis zu dieser Auflösung gilt als Tag und Nacht Vishnus.

2.62 Dreihundertsechzig Auflösungen Brahmas wiederholen sich darin. Nach diesem Maß sind dann hundert Jahre Ishvaras zu verstehen. [Der Übergang von Vishnu zu Ishvara ist verkürzt überliefert.]

2.63 Die Auflösung Ishvaras ist für Sadashiva ein Augenblick. Durch entsprechende Steigerung erfolgt nach hundert Jahren Sadashivas Auflösung.

2.64 Ebenso wird die Auflösung von Bindu und Nada beschrieben. Der Zeitraum bis zur Auflösung der Nada-Gestalt gilt als ein Tag der Shakti.

2.65 Nach entsprechender Vermehrung der Tage besteht Shakti hundert Jahre lang. Die Zeit bis zur Auflösung Shaktis gilt als ein Tag des Höheren.

2.66 Nach hundert Jahren dieses Maßes wird auch von der Auflösung des Höheren gesprochen. Die anschließenden Namen Shakta, Shanta und Shiva werden als entsprechende Bezeichnungen angeführt. [Die erste Namensform ist unsicher.]

2.67 Dies ist als Ursache von Entstehung und Vergehen der höheren und niederen Ebenen zu verstehen. Die Zeit der Götter ist damit genannt; nun folgt die Zeit der Tattvas.

2.68 Von der Erde bis zu Shiva wird die Zeit der Wirklichkeitsebenen beschrieben. Mit der Auflösung Ishvaras wird die Auflösung des Atma-Bereichs verbunden.

2.69 Mit Sadashivas Auflösung reicht die Auflösung bis zum Ende von Nada. Mit Shaktis Auflösung gehen die Ebenen bis hin zu Shiva in ihren Ursprung ein.

2.70 Damit ist die Auflösung der Tattvas erklärt. Höre nun die feine Zeit: Aus Atemzügen und kleinsten Zeiteinheiten wird ein Prana bemessen; sechs Pranas bilden hier eine Ghatika. [Der erste Zusammenhang ist sprachlich unvollständig.]

2.71 Sechzig Ghatikas bilden Tag und Nacht. Durch die Vermehrung der Tage werden wie zuvor Halbmonate und die weiteren Zeiträume gebildet.

2.72 Durch die feine Zeit und durch Yoga werden die Auflösungen der Götter von Brahma an erfasst. Dies wird als die feine Zeit der Erkennenden und Yogis bezeichnet.

Damit ist der Kreis der Zeit erklärt. Höre nun von der Grundlage und dem darauf Beruhenden.

So endet das zweite Kapitel über den Kreis der Zeit.


Kapitel 3 – Innere Grundlagen, Mantra und die Glieder des Yoga

Ergänzende heutige Praxis: Yoga für Chakra-Harmonisierung, Mittelstufe. Der folgende Text beschreibt seine eigene Verbindung von Sitz, Mantra und innerer Sammlung.

3.1 Nun erkläre ich die Kennzeichen der Grundlage und des darauf Beruhenden. Die Grundlage ist der Ort; das darauf Beruhende ist die ihm zugeordnete Gottheit.

3.2 Die Verbindung von Grundlage und darauf Beruhendem wird Yoga genannt. Weil es viele Grundlagen gibt, mein Kind, gibt es viele Arten des Yoga.

3.3 Für die Yogis heißt dies Yoga, für die Erkennenden Erkenntnis. Nun werde ich den Yoga kurz, nicht ausführlich, erklären.

3.4 Höre zuerst von mir die Hilfsmittel für die Übung der Yogis: an erster Stelle den Sitz, an zweiter den Yogagurt,

3.5 an dritter die Gebetskette, an vierter den Bambusstab und an fünfter insbesondere das Wassergefäß.

3.6 Ich erkläre ihre Merkmale. Der Sitz wird schildkrötenförmig aus Khadira-, Devadaru-, Madhuka- oder Bilva-Holz gefertigt,

3.7 oder aus anderen für das Opfer geeigneten Hölzern. Drei Größen werden genannt: das volle, um ein Viertel verminderte oder halbe Maß. [Die Grundeinheit fehlt.]

3.8 Seine Fläche gleicht der Wölbung eines Spiegels, die Unterseite ist entsprechend ausgehöhlt. So wird der Sitz für die Yogaübung beschrieben, Vinayaka.

3.9 Der Yogagurt ist dreifach: erstens aus Tigerfell, zweitens aus dem Fell einer schwarzen Antilope, drittens aus Gewebe.

3.10 Seine Breite beträgt drei Fingerbreiten, seine Länge entspricht einer heiligen Schnur. Es gibt Gebetsketten sowie Ketten für Kopf, Herz und Arme.

3.11 Eine Brustkette reicht von der Gegend hinter den Ohren bis zum Nabel; die Kopfkette entspricht dem Kopfumfang, die Armkette dem Armumfang.

3.12 Höre nun die Zahl der Perlen einer Gebetskette: Für Menschen, die Befreiung suchen, wird Japa mit fünfundzwanzig Rudrakshas genannt.

3.13 Sechsundzwanzig werden mit Shiva verbunden; Erkenntnis und Feindvernichtung werden ebenfalls genannt. Siebenundzwanzig und für das Gedeihen achtundzwanzig folgen. [Die Zuordnung der mittleren Zwecke ist beschädigt.]

3.14 Wer Sieg sucht, verwendet dreißig; für schädigende Riten werden fünfzehn genannt. Damit ist die Gebetskette beschrieben. Höre nun die Ordnung ihrer Verwendung.

3.15 Weil der Pranava bei allen Mantras ausgesprochen wird, erkläre ich ihn in Kürze, nicht ausführlich.

3.16 Er umfasst A, U, M und die Bindu-Gestalt. A ist Brahma zugeordnet, U Vishnu.

3.17 M ist Rudra zugeordnet, Bindu Ishvara und Nada Sadashiva. Dies sind die entsprechenden Gottheiten.

3.18 Der Ort von A ist das Herz, von U die Ohrengegend, von M die Gaumenmitte und von Bindu die Stirn.

3.19 Darüber liegt der Ort von Nada. Die drei Laute von A an werden mit Anusvara und Visarga verbunden.

3.20 Fünf Laute werden gepriesen, die aus A hervorgehen. [Eine größere Lücke unterbricht die Ableitung der Laute.] Weitere werden aus U abgeleitet.

3.21 Es folgen die Laute von K an sowie weitere Zuordnungen zu M, Bindu und Nada. Insgesamt werden fünfzig genannt. [Die einzelnen Buchstabengruppen sind verderbt.]

3.22 Der Pranava umfasst alle Laute und ist von allen Gottheiten erfüllt. Sein Seher ist Sanatkumara, seine Farbe weiß.

3.23 Sein Versmaß heißt Gayatri, seine Wirklichkeitsebene Shiva-Tattva. »Om« ist die eine Silbe. [Der verbleibende Halbvers ist lückenhaft.]

3.24 Damit ist der Pranava kurz erklärt. Höre nun den fünfsilbigen Mantra: »Namah Shivaya« besteht aus fünf Silben und heißt deshalb Panchakshara.

3.25 Er ist der sprachliche Ausdruck; das durch ihn Ausgedrückte ist Shiva. Seine Wiederholung verleiht Kraft; das Eingehen in mich gilt als Befreiung.

3.26 Höre der Reihe nach seine Seher, Versmaße, Farben, Wirklichkeitsebenen und Gottheiten: Kashyapa, Kaushika, Bharadvaja und Gautama,

3.27 sowie Atreya sind der Reihe nach die Seher der fünf Silben, beginnend mit Na. Die Versmaße sind Anushtubh, Trishtubh, Brihati, Jagati und Atijagati.

3.28 Damit sind die Versmaße genannt. Höre nun der Reihe nach die Farben und weiteren Zuordnungen: Rot, Schwarz, Dunkelblau, Gelb und kristallhell.

3.29 Die Wirklichkeitsebenen sind die Elemente von der Erde an; die Gottheiten sind die fünf Gesichter Shivas, beginnend mit Sadyojata.

3.30 Bei der Rezitation kann der Mantra mit dem Pranava verbunden werden. Dann heißt er sechssilbig. Diese Form wird hier Frauen, Shudras und weiteren Gruppen vorenthalten.

3.31 Für diejenigen, die Japa üben möchten, werden vier Arten genannt: geistiges Japa, Japa in der Kehle, flüsterndes und deutlich hörbares Japa.

3.32 Das flüsternde gilt als zehnmal wirksamer als das hörbare, das in der Kehle als hundertfach, das geistige als tausendfach. Höre nun vom Zählen an Fingern und anderen Hilfsmitteln.

3.33 Das Zählen an den Fingern bringt den einfachen Ertrag; an den Fingergliedern den achtfachen. Im Licht einer Lampe wird hundertfacher Ertrag genannt. [Die letztgenannte Lesung ist nicht ganz sicher.]

3.34 Bei Knoten aus Kusha-Gras gilt der Ertrag als hundertfach, bei Korallen als tausendfach, bei Edelsteinen als zehntausendfach und bei Perlen als hunderttausendfach.

3.35 Bei Lotossamen wird der zehnmillionenfache Ertrag genannt, bei Rudraksha ist er unermesslich. Höre nun von der Entstehung der Rudrakshas.

3.36 Nachdem ich meine Augen tausend göttliche Jahre lang offengehalten hatte, vergossen sie Tränen. Was daraus hervorging, heißt Rudraksha.

3.37 Eine Rudraksha mit einem Gesicht ist unmittelbar Shiva; unendlich ist der Ertrag ihres Tragens. Wer stirbt, während er sie trägt, gelangt zum höchsten Ziel.

3.38 Eine mit zwei Gesichtern heißt Shakti, mit drei Nada, mit vier Bindu und mit fünf Sadashiva.

3.39 Eine mit sechs Gesichtern heißt Ishvara, mit sieben Rudra, mit acht Vishnu und mit neun der viergesichtige Brahma.

3.40 Von der neungesichtigen bis zur eingesichtigen steigt der Ertrag jeweils um das Hundertfache. Zusammen mit heiliger Asche trägt man sie an Hand, Ohren, Haarknoten und Hals.

3.41 Dadurch wird man von allen Verfehlungen frei und erlangt die Vereinigung mit Shiva. Ihr Anblick gilt als schuldtilgend, ihre Berührung als alle Vollkommenheiten verleihend.

3.42 Das Tragen am ganzen Körper gilt als verdienstvoll; deshalb soll man Rudrakshas stets tragen. Wer nach dieser überlieferten Vorstellung beim Sterben eine Rudraksha verschluckt,

3.43 erlangt Rudras Zustand und wird nicht wiedergeboren. Darum soll man mit aller Sorgfalt stets mit Rudrakshas Japa üben.

3.44 Nun werden Zeit und Ort des Japa kurz erklärt: vormittags, mittags, nachmittags und um Mitternacht,

3.45 also zu vier oder zu drei Zeiten. Höre nun die Orte: am Ufer eines Flusses oder Teiches, bei einer Rinderherde oder in einem Tempel,

3.46 im Wald, in den Bergen, an einem heiligen Ort oder im eigenen Haus. Damit sind die Orte genannt. Höre nun die Zahl der Wiederholungen.

3.47 Täglich soll der Yogi tausendmal, halb so oft, ein Viertel so oft oder hundertachtmal rezitieren. Dies gilt als Beseitigung aller Verfehlungen.

3.48 Allein durch Japa gelangt er in die unvergängliche Welt Shivas. Damit ist die Zahl der Wiederholungen erklärt. Höre nun vom Bambusstab.

3.49 Für Brahmanen reicht er bis zum Scheitel, für Kshatriyas bis zur Stirn, für Vaishyas bis zur Nase. Shudras und weitere Gruppen werden hier vom Tragen ausgeschlossen.

3.50 Der Bambusstab sei gerade, glatt und frei von Krümmungen und Höhlungen. Damit ist er beschrieben. Höre nun vom Wassergefäß.

3.51 Das größte fasst ein Adhaka, das mittlere drei Prasthas, das kleinste zwei Prasthas. So werden die Maße des Kamandalu angegeben.

3.52 Es kann aus Gold, Silber, Kupfer oder Ton bestehen. Man lässt es gemäß den entsprechenden Handwerkslehren anfertigen.

3.53 Damit sind die fünf Hilfsmittel der Shiva-Verehrer genannt. Ich erkläre nun die acht Glieder des Yoga. Höre mit gesammeltem Geist.

3.54 Yama, Niyama, Asana, Pranayama, Pratyahara, Dhyana, Dharana und Samadhi:

3.55 Diese acht Glieder sind die Mittel der Yogaübung. Nichtverletzen, Wahrhaftigkeit, Nichtstehlen, sexuelle Selbstbeherrschung und Nichtanhäufen

3.56 bilden die fünf Yamas. Höre nun die Niyamas: Reinheit, Zufriedenheit, Askese, Studium und Rezitation der heiligen Lehre,

3.57 sowie Hingabe an den Herrn bilden die fünf Niyamas. Als Sitzhaltungen werden Gomukha, Svastika, Padma, Ardhachandra,

3.58 Vira und Yoga genannt: sechs Arten des Sitzens. Für Gomukha legt man das rechte Knie über das linke,

3.59 und die beiden Fußsohlen werden seitlich nach hinten abgelegt. So erhält die ruhig eingenommene Haltung die Gestalt eines Kuhgesichts.

3.60 Bei Svastika legt man die Sohlen seitlich an die Oberschenkel und verschränkt die Unterschenkel. Liegen die Sohlen auf den Oberschenkeln, heißt dies Padmasana.

3.61 Für Ardhachandra werden die Knöchel ausgerichtet und die Sohlen am Schambereich angeordnet. [Die Angabe »drei Knöchel« im Text ist offenbar beschädigt.] Höre nun von Virasana.

3.62 Der linke Fuß liegt über dem rechten, die beiden Arme werden abgelegt. Dies heißt der feste Heldensitz. [Die genaue Armstellung ist unklar.] Höre nun von Yogasana.

3.63 Ein Yogagurt umschließt Körper und Knie; die Ellbogen werden aufgestützt. Dies wird Yogasana genannt.

3.64 Nachdem man eine dieser Haltungen eingenommen hat, übt man Yoga. Vor der Yogaübung vollzieht man die drei Formen der Atemregelung.

3.65 Man übt Ausatmen, Einatmen und Atemhalten. Vor der Yogaübung vollzieht man diese dreifache Atemregelung.

3.66 Genannt werden Rechaka, Puraka und Kumbhaka. [Eine zusätzliche Ordnungszahl ist verschrieben.] Rechaka entspricht der Sonnenscheibe, Puraka dem Mondkreis.

3.67 Kumbhaka ist dem Feuer zugeordnet. Man verehrt sie in der Vorstellung im eigenen Körper. Rechaka heißt so wegen des Entleerens, Puraka wegen des Füllens,

3.68 Kumbhaka wegen des Zurückhaltens. Alle drei werden mit dem Pranava geübt. Für das Ausatmen werden zwölf Zeiteinheiten genannt, ebenso für das Einatmen.

3.69 Auch für das Atemhalten bestimmt diese Lehre zwölf Zeiteinheiten. Rechaka ist Brahma zugeordnet, Puraka Vishnu.

3.70 Kumbhaka ist Rudra zugeordnet: Dies sind die drei Gottheiten. Aus- und Einatmen üben die Yogis bei Tag und bei Nacht,

3.71 ausgenommen während der rituellen Unreinheitsfristen nach Geburt und Tod, und ergänzen es durch Atemhalten. Damit ist die Ordnung des Pranayama erklärt; höre nun Pratyahara.

3.72 Wenn die Sinne hinsichtlich ihrer Gegenstände an ihrem eigenen Ort gesammelt bleiben, so lange dieser Zustand anhält, heißt dies Pratyahara.

3.73 In den inneren Grundlagen vergegenwärtigt man die eigene beziehungsweise göttliche Gestalt an ihrem entsprechenden Sitz. Dies sollst du als Dhyana verstehen, das alles Leiden behebt.

3.74 Ich erkläre die Merkmale der Grundlagen kurz, nicht ausführlich. Vier Fingerbreiten unterhalb des Nabels befindet sich der Feuerkreis.

3.75 Er wird mit einer Kadamba-Blüte verglichen, mit Blättern versehen und dreieckig beschrieben. Unten heißt er Muladhara; die zweite Grundlage liegt an der Nabelwurzel.

3.76 Sie gleicht einer gewundenen Schlange und besitzt acht Windungen. Die große Nadi namens Kundala wird dort als Sonnenkreis bezeichnet.

3.77 Der Lotus oberhalb des Nabels heißt Mondkreis. Im Herzen, an der Ohrwurzel, an der Gaumenwurzel, an der Stirn

3.78 und am Scheitel stellt man sich weitere Sitze lotusblütenförmig vor und meditiert darüber. Ich erkläre nun der Reihe nach den Herzlotus.

3.79 Die Wurzel seines Stängels liegt im Nabel; der Stängel steigt auf, die Blüte weist nach unten. Der Lotus gleicht einer Bananenblüte und besitzt acht Blätter und einen Fruchtboden.

3.80 In dieser Lehre werden mit dem Herzlotus neun Grundlagen genannt. [Die Worttrennung erlaubt auch eine abweichende Lesung.] Damit sind die Grundlagen erklärt; höre nun vom darauf Beruhenden.

3.81 Wenn das darauf Beruhende eingesetzt und ganz darin gesammelt ist, wird dies mit Samadhi verbunden. Ida und Pingala verlaufen auf beiden Seiten des als Vina-Stab bezeichneten Rückgrats.

3.82 Sushumna verläuft in der Mitte und enthält einen inneren Hohlraum. Mit Seele und Lebensatem verbunden bewegt sich die Kraft durch diese Mitte.

3.83 Während dieses Vorgangs verweilt sie in den Grundlagen. Ihre Verbindung heißt Yoga. Der Yogi richtet sich auf das im inneren Raum Wandelnde. [Die Bezeichnung Khaga ist hier nicht weiter erklärt.]

3.84 Im Muladhara übt er die Verbindung mit dem Feuer. Durch diese Yogaübung berührt er die Welt des Feuers.

3.85 Meditiert er darüber über die Sonne, erlangt er die Sonnenwelt; meditiert er wiederum darüber, gelangt er in die Mondwelt.

3.86 Vergegenwärtigt er Brahma im Herzen, erlangt er Brahmas Welt. Darüber meditiert er über Vishnu an der Halswurzel.

3.87 Durch die Yogaübung lässt er den Purusha von dessen Eigenschaften durchdrungen sein. An der Gaumenwurzel vergegenwärtigt er Rudra, wenn er Rudras Welt erreichen möchte.

3.88 Dieser durchdringt mit seinem eigenen Glanz den Bereich oberhalb des Purusha. Meditiert er an der Stirn über Ishvara, erlangt er dessen Welt. [Die Bereichsangabe des ersten Halbverses ist unsicher.]

3.89 Meditiert er am Kopf über Sadashiva, erfährt er dessen Zustand. Dann geht er in die Mitte des Herzlotus ein und vergegenwärtigt Bindu, Nada und Shakti.

3.90 In einem Bereich von vier Fingerbreiten stellt er sich eine Lichtflamme vor. An den vier Orten verehrt er die jeweils dort gegenwärtige Gestalt.

3.91 Über dem Kopf vergegenwärtigt er das unvergängliche, ungeteilte Brahman. So mit Yoga verbunden, erlangt der Yogi die Frucht des Yoga.

3.92 Weil er die Größe eines Atoms annehmen kann, heißt die entsprechende Vollkommenheit Anima. [Die anschließende Beschreibung eines tausendfachen Weges zum Ursprungsbereich ist verderbt.]

3.93 Weil er sich nach freiem Willen bewegen kann, heißt die nächste Laghima. Durch geistige Rezitation auf der Erde wird er von den Kennern der Lehre geehrt. [Der Übergang ist unsicher.]

3.94 Weil er überall verehrt wird, heißt dies Mahima. Das Erlangen aller Gegenstände heißt Prapti.

3.95 Prakamya wird mit dem Eintritt in gewünschte Körper verbunden. Die anschließende Aussage über Sonne und weitere Mächte wird als Herrschaft bezeichnet; ihre genaue Lesung ist unsicher.

3.96 Die dort ausgeübte Herrschaft heißt Ishitva. Die Fähigkeit zur Vereinigung mit Shiva heißt Shivatva, Shiva-Sein.

3.97 Der Yogi erlangt insbesondere die acht Vollkommenheiten, beginnend mit Anima. Ebenso erreicht er die vier Zustände, beginnend mit Salokya.

3.98 Es sind Salokya, Samipya, Sarupya und Sayujya. Das Erreichen der Welt der meditierten Gottheit heißt Salokya.

3.99 Die Nähe zu dieser Gottheit heißt Samipya. Das Erlangen ihrer jeweiligen Gestalt heißt Sarupya.

3.100 Wenn das eigene Sein mit Shiva verbunden wird, heißt dies Sayujya. Damit ist Yoga kurz erklärt. Höre nun den Jnanapada.

3.101 Dieser Yogapada wurde der Reihe nach anhand seiner Maßgaben kurz dargestellt: der Kreis der Nadis, der Kreis der Zeit und die Lehre von den Grundlagen – in drei Kapiteln.

So endet das dritte Kapitel über die Grundlage und das darauf Beruhende.

Damit endet im Suprabheda der Yogapada.

Om. Alles ist von Shiva erfüllt. Suprabheda.

Jnanapada – Erkenntnis und Befreiung

Kapitel 1 – Shivas Entfaltung und die göttlichen Gestalten

1.1 Nun erkläre ich in Kürze den Jnanapada. Höre zu Beginn mit gesammeltem Geist von Shivas Schöpfung.

1.2 Erkenntnis entfaltet sich, mein Kind, um die Verirrung zu zerstören, die bindende Folge der Weltwege aufzulösen und Shiva offenbar werden zu lassen.

1.3 Unwissenheit gleicht der Dunkelheit, Erkenntnis einer Lampe. Das zu Erkennende gleicht der Sonne; wenn es offenbar ist, tritt auch die vermittelnde Erkenntnis zurück.

1.4 Weil sie das Netz der Fesseln durchschneidet, wird die Erkenntnis als scharf beschrieben. Durch sie versteht der Weise die gebundene Seele, ihre Bindungen und den Herrn.

1.5 Durch Erkenntnis wird Befreiung erlangt; daran besteht kein Zweifel. Höre nun die Kennzeichen der Wirklichkeitsebenen von Shiva bis zur Erde. [Die Worttrennung wird hier als »durch Erkenntnis allein« verstanden.]

1.6 Zum Nutzen der Yogis, zur Befreiung und zum Erfahren der Welt sowie für das Hervorgehen aller Lebewesen wird eine zweifache Schöpfung beschrieben.

1.7 Die erste ist Shivas Schöpfung, die zweite die Schöpfung der gebundenen Seelen. Die mit den reinen Gottheiten verbundene heißt Shivas Schöpfung.

1.8 Wenn das reine Selbst von Verunreinigungen umhüllt wird, heißt dies Schöpfung der gebundenen Seelen. In den Unterschieden von beweglichen und unbeweglichen Wesen spielt der höchste Herr.

1.9 Höre nun in Kürze die ganze Schöpfung Shivas, Gajanana. Shiva ist das höchste Brahman, höher als das Höchste und nicht als gewöhnlicher Gegenstand zu bemessen. [Ein Wort ist beschädigt.]

1.10 Verunreinigung gilt als Mangel, Freiheit von Verunreinigung als Makellosigkeit. Er ist unvergleichlich, ohne seinesgleichen und unvergänglich. [Eine weitere Eigenschaft ist im Wortlaut unsicher.]

1.11 Er ist jenseits des Raumes, höher und feiner als alles, ewig und ohne Ursache. Weil er alles durchdringt, heißt er allgegenwärtig; weil er Herr ist, heißt er der Mächtige.

1.12 Weil er jenseits von Rede und Denken liegt, überschreitet er den Bereich der Erkenntnismittel. Höre aufmerksam, mein Kind, von Wahrnehmung und den übrigen Erkenntnismitteln.

1.13 Wahrnehmung, Schlussfolgerung, zuverlässige Überlieferung, Vergleich, erschließende Annahme und Feststellung des Nichtvorhandenseins gelten als die sechs Erkenntnismittel.

1.14 Was durch Auge und die übrigen Organe erfasst wird, heißt Wahrnehmung. Das Erkennen eines Bezeichneten anhand eines Kennzeichens heißt Schlussfolgerung.

1.15 Was durch die Worte einer zuverlässigen Person zugänglich wird, heißt sprachliches Zeugnis. Was anhand einer Ähnlichkeit erkannt wird, heißt Vergleich.

1.16 Aus dem Essen am Tag wird hier auf das Nichtessen in der Nacht geschlossen. Das Erschließen eines Sachverhalts aus einem anderen wird Arthapatti genannt. [Das überlieferte Beispiel weicht von der üblichen Form dieses Arguments ab.]

1.17 Wenn irrtümliche Erkenntnis fehlt, wird das eigene Erkennen offenbar. Das Erkennen beim Nichtvorhandensein der Täuschung wird hier Abhava genannt. [Die Definition ist sprachlich unsicher.]

1.18 Durch solche Erkenntnismittel ist Shiva schwer zu erfassen. Damit ist Shiva-Tattva erklärt, das Selbst aller Wirklichkeitsebenen.

1.19 Um zu schöpfen, die Welt zu bewahren und ihr Entstehen zu ermöglichen, nimmt er aus freiem Willen eine Gestalt an, zum Heil der Übenden.

1.20 Seine Gestalt ist dreifach zu verstehen: ungeteilt und gestaltlos, zugleich gegliedert und ungegliedert sowie gegliedert und gestaltet.

1.21 Die gestaltlose Form wird vierfach unterschieden, ebenso die gestaltete; zusammen mit der zugleich gestalteten und gestaltlosen werden neun Formen genannt.

1.22 Aus einem tausendsten Anteil von Shiva-Tattva geht die Shanti genannte Ebene hervor. Shanti und Para werden als entsprechende Bezeichnungen angeführt. [Die erste Namensform ist verschrieben.]

1.23 Aus einem tausendsten Anteil davon entsteht die Shakti genannte Ebene. Shakti und Vidya werden hier als entsprechende Bezeichnungen genannt.

1.24 Aus einem tausendsten Anteil davon entsteht die Nada-Gestalt. Nada und Pratishtha gelten als ihre Bezeichnungen.

1.25 Aus einem Zehntel davon entsteht Bindu-Tattva. Bindu und Nivritti sind dessen entsprechende Namen.

1.26 Vom höchsten Zustand an besitzen diese Ebenen Eigenschaften wie Allwissenheit. Ihre Gestalten sind unentfaltet, ihre Handlungen nicht sinnlich wahrnehmbar.

1.27 So wird Shiva-Tattva in vier Formen als ungegliedert beschrieben. Daneben wird ein ungegliederter Zustand genannt, der außerhalb von bildhafter Meditation und Verehrung liegt. [Die Schlusswendung ist unsicher.]

1.28 So ist das Ungegliederte, der höchste Zustand, erklärt. Aus einem Zehntel davon geht die Sadakhya genannte Wirklichkeitsebene hervor.

1.29 Ihre Kennzeichen zeigen sich in Linga und Sockel. Im Linga erscheint Shambhu unter dem Namen Sadashiva.

1.30 Im Sockel erscheint Shakti unter dem Namen Manonmani. So treten Shakti und Shambhu in Sockel und Linga hervor.

1.31 Das Linga bezeichnet das Männliche, sein Sockel das Weibliche. Linga und Sockel sind ungegliederte Zeichen, Shakti und Shambhu gegliederte Gestalten.

1.32 Ungegliedert heißt ohne Teile, gegliedert heißt mit Teilen versehen. Für Asketen, Mantra-Übende, Erkennende und Yogis

1.33 gilt die zugleich gestaltete und gestaltlose Form als Grundlage von Meditation und Verehrung. Den Herrn der Götter soll man stets in der Form von Linga und Sockel verehren.

1.34 Mit achtunddreißig Kalas versehen ist die gestaltete Form. Sadashiva wird durch die Mantras von Ishana bis Sadyojata vergegenwärtigt.

1.35 Mit dem Ishana-Mantra werden die fünf Scheitel angeordnet, mit dem Purusha-Mantra die vier Gesichter.

1.36 Mit dem Aghora-Mantra setzt man Herz und die zugehörigen Bereiche ein; mit Vamadeva den verborgenen Unterleib und die entsprechenden Teile.

1.37 Mit Sadyojata werden Füße und weitere Glieder gestaltet. Acht, dreizehn, acht, vier und fünf sind der Reihe nach

1.38 die Kalas von Sadyojata, Vamadeva, Aghora, Purusha und Ishana. So wird die gegliederte Gestalt bestimmt. [Der letzte Göttername ist im Text verkürzt.]

1.39 Weil Hände, Füße und andere Glieder vergegenwärtigt werden, heißt sie Sakala. Der Herr auf der Sadakhya-Ebene ist anschaulich und nach allen Seiten gewandt.

1.40 Aus der Willenskraft entsteht ein Lotus mit tausend Blütenblättern, Fruchtboden und Staubfäden. Darauf befindet sich Sadashiva.

1.41 Er hat fünf Scheitel, vier Gesichter und zwölf Augen, vier Münder, vier Nasen, acht Ohren und vier Hälse.

1.42 Er hat zehn Arme, einen Rumpf und zwei Füße und sitzt auf dem Lotus. Er gleicht reinem Bergkristall und strahlt wie Millionen Sonnen.

1.43 Zugleich ist er kühl wie Mondlicht, mild und mit allem Schmuck versehen. Der Gott trägt ein weißes Gewand und eine weiße heilige Schnur.

1.44 Rechts zeigt er die Geste der Furchtlosigkeit und hält Dreizack, Axt, Donnerkeil und Schwert; links Schild, Elefantenhaken, Schlinge und Glocke sowie die Geste der Gewährung.

1.45 Mit diesen Kennzeichen wird Sadashiva beschrieben. An seiner linken Seite befindet sich die ursprüngliche Shakti, Manonmani.

1.46 Wie die Wärme zum Feuer gehört, so ist Shakti vom allgegenwärtigen Herrn untrennbar. Ohne Shakti gibt es keinen Shiva; ohne Shiva keine Shakti.

1.47 Alle diese Gottheiten gelten als von Shakti und Shambhu erfüllt. Darum wird diese ganze bewegliche und unbewegliche Welt als von Shiva erfüllt bezeichnet.

1.48 Manonmani hat ein Gesicht und vier Hände, ist mit allem Schmuck versehen, besitzt breite Hüften, eine schmale Taille und volle Brüste.

1.49 Sie ist von den Shaktis, beginnend mit Vama, umgeben und mit ihren Kennzeichen ausgestattet. Der Verständige meditiert über sie und verehrt sie zum Wohlergehen der Welt.

1.50 Der Reihe nach gehen die Brahma- und Anga-Mantras, Vidya-Glieder, Vidyas, Herren der Ganas und tausende Welthüter hervor.

1.51 Alle sind mit ihren jeweiligen Eigenschaften und Kennzeichen versehen, vollständig an allen Gliedern und strahlend wie unzählige Sonnen.

1.52 Sie haben vier Arme, drei Augen und Kronen aus Flechtenhaar. Sie verneigen sich vor Sadashiva und tragen ihre jeweiligen Waffen.

1.53 Sie besitzen verschiedene Farben und Schmuckstücke, sind mit unterschiedlichen Duftstoffen gesalbt und mit vielfältigen Blumen geschmückt.

1.54 Wie Sadashiva selbst, so sind auch die ihn umgebenden Gottheiten zu verehren. Wird er gestaltlos vergegenwärtigt, geschieht auch ihre Verehrung gestaltlos.

1.55 Wird im innersten Heiligtum ein Linga aufgestellt, vergegenwärtigt man darin und in seinem Sockel die entsprechenden göttlichen Gestalten,

1.56 ebenso sämtliche Gottheiten der umgebenden Kreise. Höre nun von den gestalteten Formen: Die Gestalten von Ishvara an heißen Sakala.

1.57 Was über Sadashiva gesagt wurde, gilt entsprechend für Ishvara; was über Manonmani gesagt wurde, gilt für die Ebene Ishvaris.

1.58 Gesichter und umgebende Kreise werden wie zuvor angeordnet. Bildwerke werden aus Holz, Metall, Stein oder Ton gefertigt.

1.59 Der Verständige erkennt den auf Vidya-Tattva ruhenden, vollständig geschmückten Shambhu als die gestaltete Fest- beziehungsweise Stellvertreterfigur des Lingas.

1.60 Nach Abschluss der Linga-Verehrung verehrt er der Reihe nach Ishvara. Aus einem tausendsten Anteil Ishvaras entsteht Rudra.

1.61 Er hat vier Arme und drei Augen, trägt die Mondsichel als Scheitelschmuck, gleicht einer Fülle von Blitzen und hält Axt und Antilope.

1.62 Alle seine Glieder sind vollkommen, und er trägt sämtlichen Schmuck. An seiner nördlichen Seite steht die Göttin Uma mit allen ihren Kennzeichen.

1.63 Aus einem zehnmillionsten Anteil Ishvaras wird Vishnu beschrieben. Hari ist dunkel, hat rötliche Augen und trägt Muschelhorn und Diskus.

1.64 Er trägt ein gelbes Gewand und ist von Shri und Bhumi begleitet. Aus einem zehnmillionsten Anteil Ishvaras entsteht auch Brahma.

1.65 Er hat vier Arme, vier Gesichter und eine Krone aus Flechtenhaar. Er hält Wassergefäß und Gebetskette, ist gelb und besitzt schöne Augen.

1.66 Zusammen mit Savitri gilt er als Gestalt der Schöpfung. Vishnu ist die Gestalt der Erhaltung, Rudra bewirkt die Auflösung.

1.67 Diese drei Gestalten sind innerhalb des Welteis gegenwärtig. Die ungegliederte Form ist der Ort des Eingehens; die zugleich gegliederte und ungegliederte ist mit der göttlichen Amtsausübung verbunden.

1.68 Die gegliederte Form ist der Bereich des Erfahrens. So werden Auflösung, Erfahrung und Amtsausübung zugeordnet. Die ungegliederte heißt das Höhere; die Bezeichnung der gegliederten Form ist hier widersprüchlich überliefert.

1.69 Die zugleich gegliederte und ungegliederte Form heißt höher und niedriger zugleich. Wer diese Zusammenhänge erkennt, wird befreit und durchtrennt seine Fesseln.

1.70 Nach den drei Gottheiten entstehen die dreiunddreißig: zunächst die elf Rudras, dann die zwölf Adityas,

1.71 die acht Vasus und die beiden Ashvins. Dies sind die dreiunddreißig leitenden Gottheiten. Weitere tausend-, hundert- und dreißigfache Göttergruppen werden in ihren Gestalten genannt. [Die Zahlengliederung ist unsicher.]

1.72 Aus der Wesenheit der verkörperten Elemente werden die Götter hervorgebracht. Die Verbindung von Herrschaft und Verunreinigung soll durch die im Herzen bewahrte Erkenntnis aufgehoben werden. [Die zweite Vershälfte ist sprachlich beschädigt.]

Damit ist Shivas Schöpfung erklärt. Höre nun vom Hervorgehen der gebundenen Seelen.

So endet das 1. Kapitel.


Kapitel 2 – Die gebundene Seele und ihre Befreiung

Das Bild des inneren Lichts begleitet die Lehre von der unverhüllten Klarheit des Selbst.

2.1 Nun erkläre ich die Ordnung des Hervorgehens der gebundenen Seelen. In Shivas Lehre wird ihre Gebundenheit als anfangslos bezeichnet.

2.2 Von Shiva aus wird die Seele im Zusammenhang mit der Weltschöpfung erklärt. In Verbindung mit Vidya-Tattva und den weiteren Ebenen wird von Atma-Tattva gesprochen.

2.3 Das Selbst ist makellos und rein, wird aber durch Maya gebunden. Wegen seiner anfangslosen Verbindung mit der Verunreinigung nennen die Weisen es Pashu, die gebundene Seele.

2.4 Diese Seele ist gestaltlos, ewig, ohne die Eigenschaften der Natur, an sich untätig und mächtig. In den Bereich der Maya eingegangen, ist sie durchdringend und bewegt sich unter den Mitteln der Erfahrung.

2.5 Aufgrund der Bindung an ihre Anava-Verunreinigung wird sie im isolierten Zustand Kevala genannt. Diese Verunreinigung heißt anfangslos zugehörig, vergleichbar mit der Hülse eines Korns.

2.6 Verblendung, Überheblichkeit, Verlangen, Niedergeschlagenheit, Auszehrung, Erregung durch Freude und wechselhafte Zerstreuung werden als sieben anfangslos zugehörige Verunreinigungen genannt.

2.7 Die Verbindung mit dieser ursprünglichen Verunreinigung heißt Kevala-Zustand. Damit ist sie beschrieben; höre nun von der hinzukommenden Verunreinigung.

2.8 Auf dem Weg zu Shiva wird diese zweifach genannt: aus Maya und aus Karma entstanden. Eine bestimmte Kraft bindet die Seele an die Ebenen von Kala bis zur Erde.

2.9 Dies sollst du als mayaabhängig verstehen; aus verdienstvollem und unheilsamem Handeln entsteht die karmische Bindung. So gibt es drei: Anava, Mayiya und Karmaja.

2.10 Verunreinigung, Unwissenheit, Dunkelheit, Verhüllung, verfehltes Erkennen und Avidya werden als entsprechende Bezeichnungen genannt. [Ein Wort ist unsicher.]

2.11 Die durch die drei Verunreinigungen gebundene Seele heißt Sakala. Weitere Namen sind gebundenes Selbst, im Samsara Wandernder und auf Gegenstände Bezogener,

2.12 Besitzer des Feldes, Kenner des Feldes, Erfahrender, gebundener Erkenner, Genießer und Verkörperter. Dies sind verschiedene Bezeichnungen der Seele.

2.13 Sie gelangt in vierundachtzig Hunderttausende unterschiedlicher Geburtsformen und trägt darin den Namen Jiva, Lebewesen.

2.14 Damit ist der Sakala-Zustand beschrieben. Höre nun vom reinen Zustand: Zur Vernichtung der Verunreinigungen erfolgt ein anderes Geschehen, das Herabkommen der Kraft.

2.15 Bis zum Herabkommen der Kraft besteht die Erfahrung der Unwissenheit. Wenn die früheren karmischen Wirkungen ins Gleichgewicht kommen, ereignet sich Shaktipata.

2.16 Im Verlangen nach dem Zustand Sadashivas entsteht Hingabe an Shiva. Dann empfängt man die Einweihung und vollzieht voller Hingabe die Verehrung.

2.17 Danach übt man Yoga und vertieft sich in die Erkenntnislehre der Tantras. So vertreibt man die Dunkelheit der Unwissenheit mit der Lampe der Erkenntnis.

2.18 Diese Erkenntnis ist ihrer Natur nach rein; ihr eigentliches Wesen ist makellos. Sie gleicht einem Kristall, der durch die Nähe dunkler oder blauer Gegenstände entsprechend gefärbt erscheint.

2.19 Durch ernsthafte Hinwendung zur Wirklichkeit wird sie wie reiner Bergkristall. Wie eine Lampe, die unter einem Gefäß verborgen ist, beim Entfernen des Gefäßes aufleuchtet,

2.20 und wie die verhüllte Sonne nach ihrer Befreiung wieder strahlt, so werden Bindung und Befreiung des Selbst beschrieben. [Die Bezeichnung der Sonnenverhüllung ist beschädigt.]

2.21 Das von Verunreinigungen umhüllte Selbst nennen die Weisen Pashu. Das von Verunreinigungen freie Selbst nennen sie rein.

2.22 Durch die Vergegenwärtigung Ishvaras wird zu gegebener Zeit der makellose Zustand erlangt. Indem ich Ishvara vergegenwärtige, gehe ich schließlich in das Erfülltsein von ihm ein.

2.23 Wer nachts ein Seil irrtümlich für eine Schlange hält, bleibt in dieser Täuschung befangen. Wenn der Irrtum vergeht, sieht er dort keine Schlange mehr.

2.24 So verhält es sich mit Bindung und Befreiung des Selbst, dessen Natur rein ist. Durch Erkenntnis seiner eigenen Natur geschieht Befreiung; ein solcher Mensch ist ein Jivanmukta, schon im Leben Befreiter.

2.25 Beim Vergehen des Körpers wird das Höchste erlangt, wie der Raum beim Zerbrechen eines Gefäßes frei erscheint. Nach der Erkenntnis »Ich bin Er« lässt man den Weg der äußeren Verehrung zurück. [Die letzte Wortverbindung ist nicht ganz sicher.]

2.26 Alle Wirklichkeitsebenen und Wesen werden als das Selbst gesehen. Freude und Leid, Angenehmes und Unangenehmes werden mit Gleichmut betrachtet.

2.27 Die karmischen Wirkungen, die den gegenwärtigen Körper hervorgebracht haben, werden noch von selbst erfahren. Auch wenn Asafoetida aus einem Gefäß entfernt ist, verschwindet sein Geruch darin nicht sofort.

2.28 Wie die Töpferscheibe sich nach dem Ende der Arbeit weiterdreht, so wirken sie noch nach. Beim Ende des Körpers vergehen die verbliebenen karmischen Wirkungen des Wirklichkeitskenners.

2.29 Samen, die im Feuer verbrannt sind, keimen nicht mehr in der Erde. Wer die hier genannte dreifache Zuordnung erkannt hat, wird nicht wiedergeboren. [Die Bezeichnung »dreifarbiger Ort« ist im Text unklar.]

2.30 Damit ist der reine Zustand im Zusammenhang mit den Wirklichkeitsebenen und ihren Eigenschaften erklärt. Die Seele wird in drei Zuständen beschrieben. Höre nun vom Weltweg, dem Adhvan.

So endet das 2. Kapitel.


Ergänzende heutige Meditation: Anahata-Chakra-Pendelmeditation für Liebe und Freude. Sie kann die Betrachtung von Mitgefühl und innerer Sammlung begleiten.


Kapitel 3 – Die Weltwege und die Ordnung des Kosmos

3.1 Nun erkläre ich in Kürze den Adhvan, den Weltweg. Sechs Arten werden genannt, Vinayaka, beginnend mit dem Weg der Wirklichkeitsebenen.

3.2 Der erste ist der Weg der Tattvas, der zweite der Welten, der dritte der Mantras und der vierte der Laute.

3.3 Der fünfte ist der Weg der Wörter, der sechste der Kalas. Durch diese sechs Wege geht man in den einen Herrn ein.

3.4 Höre zunächst kurz vom Weg der Tattvas, beginnend mit der Erdschale. Die Ebenen von der Erde bis zur Maya werden der Reihe nach beschrieben.

3.5 Der Bereich von Kalagni bis zu den hundert Rudras heißt Weltei. Die Dicke seiner Schale wird mit zehn Millionen Yojanas angegeben.

3.6 Darüber befindet sich die Welt des Gottes Kalagni Rudra. Er verweilt dort, von vielen Millionen Rudras umgeben.

3.7 Sein Löwenthron leuchtet gewaltig und ist mit mannigfachen Edelsteinen geschmückt. Er misst dreitausend Yojanas in der Breite und tausend in der Höhe.

3.8 [Textlücke.] Es werden hundert Millionen Yojanas genannt, ferner sechzig Millionen für den erhitzten Bereich oberhalb der Grundfläche. [Der Bezug der Maße bleibt unvollständig.]

3.9 Die gewaltige Schicht Kalagnis misst hundertsiebzig Millionen. Darüber liegen die Höllen; ihre Zahl wird mit hundertvierzig angegeben.

3.10 Unter ihnen gelten zweiunddreißig als besonders wichtig, unter diesen wiederum drei. Sie liegen übereinander. Höre die zweiunddreißig Höllen.

3.11 Die erste heißt Raurava, die zweite Maharaurava, die dritte Shitoshna und die vierte Santapana.

3.12 Die fünfte ist Padma, die sechste Mahapadma, die siebte Kamala und die achte Suchimukha.

3.13 Die neunte ist Krishnasutra, die zehnte Shrimukha, die elfte Kshuradhara und die zwölfte Asidhara.

3.14 Unter diesen Höllen gilt Raurava als die führende. [Die Zählung »elf« widerspricht der vorausgehenden Liste.] In der nächsten Gruppe steht Kumbhipaka an erster, Humkara an zweiter Stelle.

3.15 Der dritte Name ist als Reshchinokahayastunda verderbt überliefert. Die vierte heißt Asrikpuya, die fünfte Gajapada.

3.16 Die sechste heißt Krikaraccheda, die siebte Taptamoha, die achte Trapuloma und die neunte Taptavaluka.

3.17 Die zehnte ist Asthibhanga; Kumbhipaka steht an der Spitze dieser Gruppe. In der nächsten Gruppe ist Avichi die erste; danach werden Jaluka und Sadanadi genannt.

3.18 Haimavarna wird als dritte, Shalmali als vierte genannt; es folgen Anadhvasa, Nirucchvasa und Putimamsanudakshana. [Die Trennung der Namen ist teilweise unsicher.]

3.19 Jatupanka, Loha und Yugmaparvata schließen sich an. Unter den als neun bezeichneten Höllen dieser Gruppe steht Avichi an erster Stelle.

3.20 Raurava, Kumbhipaka und Avichi sind die drei obersten Höllen, gleichsam die Könige der Könige.

3.21 Raurava soll man sich mit Unrat gefüllt vorstellen, Kumbhipaka als glühend heiß und Avichi als von Würmern erfüllt.

3.22 Diese drei sind jeweils von sieben Nebenhöllen umgeben; die übrigen neunundzwanzig jeweils von drei.

3.23 So ergibt sich die zuvor genannte Höllenzahl von hundertvierzig. Die überaus schrecklichen Höllen werden als dreieckig angeordnet beschrieben.

3.24 Die Hölle gilt als Aufenthalt der Übeltäter, der Himmel als Aufenthalt der Rechtschaffenen. Wer Eigentum der Gottheit raubt oder Shivas Lehre schmäht,

3.25 wer den Vater oder einen Brahmanen tötet und wer ähnliche Taten begeht, gelangt an den Ort der Qual und stürzt in das Meer der Höllen.

3.26 Wer frei von Zorn ist, Reinheit und rechte Lebensführung pflegt, Geduld und Besonnenheit besitzt, aus Hingabe an Shiva verdienstvoll handelt und allen Lebewesen Mitgefühl entgegenbringt,

3.27 der gelangt nicht in die Hölle. Höre nun aufmerksam, mein Kind, von der Ausdehnung der Höllen.

3.28 Jede wird als neunundneunzig Lakshas hoch beschrieben; mit dem Zwischenraum ergibt sich einhundert Lakshas. [Das gesonderte Maß des Zwischenraums ist verderbt.]

3.29 So werden für die Höllen dreihundert Lakshas angegeben. Raurava liegt unten, Kumbhipaka in der Mitte,

3.30 Avichi oben: Dies sind ihre drei Bereiche. Unterhalb und oberhalb werden weitere zwanzigtausend Yojanas genannt.

3.31 Dort befindet sich Kushmanda, der Herr der Höllen. Seine Stadt wird mit neunundneunzigtausend bemessen.

3.32 Hunderttausend heißt ein Laksha. Der Herr der Kushmandas gilt zugleich als Gebieter der Höllen.

3.33 Darüber liegen die Unterwelten, die ich kurz beschreibe: Mahatala, Sutala, Rasatala, Talatala,

3.34 Patala, Shankara und Abhasa – sieben. Diese sieben großen Unterwelten tragen zusammen den Namen Patala.

3.35 Nagas, Rakshasas, Götter und Apsaras leben dort in weiten unterirdischen Räumen, spielen und erfreuen sich ihres Daseins.

3.36 Ihre Höhe beträgt neun Lakshas, der Zwischenraum ein Laksha. Jeweils ein Laksha Abstand wird für die Unterwelten angegeben.

3.37 Darauf folgt die goldene Unterwelt von zehn Lakshas Ausdehnung. Dort befindet sich der göttliche Herr Hataka.

3.38 Sein Bereich ist vielfältig geschmückt und von Millionen Städten umgeben. Weil dort alles golden ist, heißt er Hatakeshvara, Herr des Goldes.

3.39 Darüber werden neun Lakshas Zwischenraum genannt; die Erdschale wird mit einer Höhe von zehn Lakshas angegeben.

3.40 Der von einer im Wortlaut unsicher bezeichneten Macht getragene Bereich misst hundert Lakshas. Hundert Lakshas sind eine Koti; als Gesamtausdehnung werden fünfzig Kotis genannt.

3.41 Damit ist die Ordnung bis zur Erde beschrieben. Höre nun von den oberen Welten. Die von sieben Meeren umgebene Welt heißt Bhurloka.

3.42 Bhurloka, Bhuvarloka, Svarloka, Maharloka, Janaloka, Tapoloka und als siebte Satyaloka:

3.43 Ich erkläre die Maße und Kennzeichen dieser sieben Welten. Zuerst beschreibe ich kurz Bhurloka; höre aufmerksam.

3.44 Sie ist mit verschiedenen Ländern und mannigfaltigen Dingen erfüllt, umfasst Jambudvipa und die weiteren Kontinente sowie den Milchozean.

3.45 In ihrer Mitte steht der große Meru in goldener Gestalt. Er misst einhunderttausend Yojanas und gleicht dem Fruchtboden einer Lotusblüte.

3.46 Sechzehntausend Yojanas reichen unter die Erde, vierundachtzigtausend ragen über sie hinaus.

3.47 Das Maß seiner Wurzel entspricht dem genannten oberen Abschnitt; am Gipfel ist er doppelt so breit. Er besitzt viele Gipfel, Terrassen und Ranken. [Die erste Maßbeziehung ist nicht eindeutig.]

3.48 Auf ihm liegt die Versammlungshalle des großen Brahma namens Manovati, die mit allen Arten von Edelsteinen ausgestattet ist.

3.49 Sie misst vierzehntausend Yojanas, ist vielfältig geschmückt und von Scharen von Rishis und Siddhas erfüllt.

3.50 Nordöstlich darüber liegt der Lichtgipfel, Jyotihshikhara. Seine Breite und Höhe betragen jeweils zwanzigtausend Yojanas.

3.51 Er ist mannigfach geschmückt und vielfarbig, mit goldenen Palästen, goldenen Umfassungsmauern und Torbögen versehen.

3.52 Gandharvas, sämtliche Götterscharen und Ganas umgeben ihn. Eine weitere Größe von dreißigtausend wird genannt, ohne dass ihr Bezug eindeutig ist.

3.53 Dort wohne ich beständig zusammen mit der Göttin Uma. Westlich davon liegt der Gipfel Vaikuntha.

3.54 Er ist mit allem Schmuck versehen und von Munis und Siddhas umgeben. Breite und Höhe betragen jeweils vierzehntausend Yojanas.

3.55 Er strahlt von Edelsteinen und besitzt goldene Mauern und Tore. Dort wohnt Vishnu, umgeben von sämtlichen Götterscharen.

3.56 Zum Schutz der Erdenwelt verweilen sie freudig dort und vollziehen der Reihe nach Schöpfung, Erhaltung und Auflösung.

3.57 Tausend Yojanas unterhalb des Gipfelbereichs liegt im Osten Indras berühmte Stadt Amaravati.

3.58 Im Südosten liegt Agnis Stadt Tejovati; im Süden Yamas Stadt Samyamani.

3.59 Nirritis Stadt heißt Krishnangana und ist ein Aufenthaltsort der Rakshasas. Im Westen liegt Varunas Stadt Shuddhavati.

3.60 Im Nordwesten liegt Vayus Stadt Gandhavati, im Norden Somas Stadt Mahodaya.

3.61 Im Nordosten liegt Ishanas Stadt Dhavati. Der Bereich ist mit tausenden Millionen Städten herrlich geschmückt.

3.62 Nachdem die Bewohner im Wasser der Ganga gebadet haben, spielen sie voller Freude. Die vier Stützberge liegen der Reihe nach in den Himmelsrichtungen von Osten an.

3.63 Im Osten liegt Mandara, im Süden Gandhamadana, im Westen Pingala und im Norden Supasha.

3.64 Ihre Farben sind Weiß, Haritaki-Farbe, Blau und die Farbe einer Granatapfelblüte. Ihre Höhe beträgt fünfzigtausend Yojanas.

3.65 Achttausend reichen in die Erde, zweiundvierzigtausend darüber hinaus. Ihre obere Breite ist doppelt so groß wie ihre Breite an der Wurzel.

3.66 Auf Mandara steht ein Kadamba-Baum von tausend Yojanas Höhe, geschmückt mit tausend Ästen.

3.67 Seine Blüten sind krugförmig, muschelweiß und werden in tausendfacher Fülle beschrieben. Auf dem Gipfel Gandhamadanas steht der Jambu-Baum.

3.68 Seine Höhe, sein Stamm und seine Äste sind doppelt so groß wie beim Kadamba. Seine Früchte haben die Größe mächtiger Elefanten.

3.69 Aus den herabgefallenen Früchten entsteht der Jambu-Fluss. Dort heißt er Vegavati und umkreist den Meru im Uhrzeigersinn.

3.70 Was in ihn eingeht, wird zu Gold, dem Schmuck der Götter. Auch die dortigen Bewohner werden mit dem Jambunada-Gold verbunden.

3.71 Auf Vipula steht ein Ashvattha-Baum namens Ketu. Er ist tausend Yojanas hoch und mit tausend Ästen geschmückt.

3.72 Seine Früchte sind wie Ashvattha-Früchte; er wird als prächtig rund beschrieben. Daneben beziehungsweise auf dem weiteren Berg befindet sich ein Nyagrodha-Baum. [Die Ortsangabe ist beschädigt.]

3.73 Er ist von sieben Gruppen mannigfaltiger herrlicher Wesen umgeben. Nun werden die vier Wälder von Osten bis Norden genannt.

3.74 Im Osten liegt der blumengeschmückte Wald Chaitraratha. In seiner Mitte befindet sich der See Varunodaya.

3.75 Er enthält viele Krokodile und Fische und ist mit Lotusblüten geschmückt. Im Süden liegt der besondere Wald Nandana.

3.76 In seiner Mitte wird der See Manasa genannt. Im Westen liegen Vaibhraja und der See Vipulodaka.

3.77 Im Norden liegt Patravana mit einem überaus lieblichen See. Mit solchen Kennzeichen wird der Meru beschrieben.

3.78 An den Seiten des Meru liegen die Länder, die nun kurz genannt werden. Bis zum Salzozean reicht der Bereich Jambudvipa.

3.79 Jambu, Shaka, Kusha, Krauncha, Shalmaka, Meda und Pushkara heißen die sieben Kontinente. Höre nun von den Meeren. [Einige Namen sind in abweichender Form überliefert.]

3.80 Salzwasser-, Milch-, Ghee-, Zuckerrohrsaft-, Honig- und ein weiterer Wasser-Ozean werden genannt. Die Überlieferung spricht von sieben Meeren, enthält hier aber keine eindeutig vollständige Siebenerliste.

3.81 Jambudvipa misst einhunderttausend Yojanas in der Breite, Vinayaka. Es wird mit einer Lotusgestalt verbunden; außen liegt der Salzozean.

3.82 Außen schließt sich Shakadvipa mit doppeltem Maß an. So verdoppeln sich der Reihe nach die Maße der Kontinente und Meere.

3.83 Vom Meru bis zum Süßwasserozean wird eine Ausdehnung von fünf Kotis und sieben Lakshas genannt. Höre nun von den Herrschern.

3.84 Götter und Rakshasas handeln auf Ishvaras Geheiß. Zuerst beschützte Svayambhuva Manu die sieben Kontinente.

3.85 Sein Sohn war der mächtige Beschützer Priyavrata. Aus seiner Kraft gingen zehn starke Söhne hervor.

3.86 Genannt werden Agnidhrit, Agnibahu, Medha, Medhatithi, Vibhu, Jyotishthan, Dhritiman, Bhavya und Vasana. [Der zehnte Name ist nicht eindeutig erhalten.]

3.87 Agnibahu, Medhavin und ein weiterer Sohn wurden Entsagende. Die übrigen sieben Söhne erhielten die sieben Kontinente als ihren Anteil.

3.88 Agnidhrit beschützte Jambudvipa durch die Stärke seines Arms. Seine Söhne waren Nabhi, Kimpurusha, Hari und Jalavrita,

3.89 Bhadra, Ketumala, Pushyaka und Hiranmaya; der neunte wird nur undeutlich als »Sohn« bezeichnet. So werden neun Söhne genannt.

3.90 Für sie wurde Jambudvipa in neun Teile gegliedert: drei im Süden, drei im Norden

3.91 und drei in der Mitte, jeweils durch Gebirge getrennt. Im Süden liegt Himavat, nördlich davon Hemakuta,

3.92 nördlich von Hemakuta Nishadha. Im Norden liegen Nila, Shveta und Trishringa. [Der mittlere Name ist hier verkürzt, wird aber anschließend ausdrücklich genannt.]

3.93 Diese sechs herrlichen Gebirge verlaufen von Osten nach Westen bis zu den Meeren und sind mit allen Reichtümern versehen.

3.94 Östlich und westlich des Meru liegen Malyavan und Gandhamadana. Sie erstrecken sich zwischen Nishadha und Nila in Nord-Süd-Richtung.

3.95 Sie sind achtzig Yojanas breit und zweitausend hoch. Himavat ist schneeweiß, Hemakuta golden.

3.96 Nishadha gleicht einem Rubin, Gandhamadana ist blau, Malyavan gelb und Nila aus Edelsteinen.

3.97 Shveta ist weiß, Trishringi gleicht Mondstein. Damit sind die Grenzgebirge genannt. Höre nun von den Ländern und ihren Herren.

3.98 Nördlich von Trishringa und südlich des Salzozeans liegt das Kuru genannte Land. Sein Herr wird im überlieferten Text als Guru bezeichnet; die Namensformen sind verschrieben.

3.99 Es hat die Gestalt eines Bogens und misst neuntausend Yojanas. Erde und Sand sind dort wie Gold.

3.100 Überall wohnen Menschen, die sich von den Früchten der Wunschbäume ernähren. Ihre Lebensdauer beträgt dreihunderttausend Jahre.

3.101 Es werden jeweils Kinderpaare geboren, auch weibliche Nachkommen werden genannt. Die Menschen gleichen dunklen Blüten und sind frei von Furcht und Leid. [Die Geburtenbeschreibung ist sprachlich unsicher.]

3.102 Dort liegen zwei Landesgebirge mit sonnensteinartigem Glanz. Als Namen werden Ruru und Kuruvinda angegeben. [Die erste Vershälfte ist beschädigt.]

3.103 Im Salzozean liegt die Insel Chandradvipa; nordwestlich davon die Insel Bhadrakara.

3.104 Dort leben die Menschen tausend Jahre und essen herrliche göttliche Mangofrüchte. Zwischen Trishringa und Shveta liegt das Land Hiranya.

3.105 Es ist neuntausend Yojanas breit und erstreckt sich bis zum Meer. Alle Bewohner haben mondgleiche Gesichter und essen Bakula-Früchte.

3.106 Als ihre Lebensdauer werden tausend Jahre angegeben. Zwischen Nila und Shveta liegt das schöne Land Ramya.

3.107 Es ist neuntausend Yojanas breit und erstreckt sich weit bis zum Meer. Seine Bewohner essen Nyagrodha-Früchte und gleichen blauen Lotusblüten.

3.108 Sie leben zwölftausend Jahre ohne Furcht. Das den Meru rings umgebende Land wird anschließend mit einer im Wortlaut beschädigten Bezeichnung beschrieben.

3.109 Es misst ringsum neuntausend Yojanas. Mondstrahlen und der Glanz des Meru erhellen es.

3.110 Seine Bewohner trinken Jambu-Fruchtsaft und sind frei von Krankheit. Ihre Lebensdauer wird mit dreizehntausend Jahren angegeben.

3.111 Östlich des Meeres und westlich von Gandhamadana liegt das Land Ketumala. Seine Bewohner sind von dunkler Farbe.

3.112 Sie essen Jackfrüchte und leben zehntausend Jahre. Das Land misst von Süden nach Norden vierunddreißigtausend Yojanas,

3.113 von Osten nach Westen zweiunddreißigtausend. Westlich des östlichen Meeres und östlich eines hier unsicher benannten Gebirges

3.114 liegt das Land Bhadrashva. Seine Bewohner gleichen dem Mond, essen dunkle Mangofrüchte und erreichen eine Lebensdauer von zehntausend Jahren.

3.115 Seine Länge und Breite entsprechen denen Ketumalas. Südlich von Nishadha und nördlich von Hemakuta

3.116 liegt Harivarsha, das bis zum Meer reicht. Seine Breite beträgt neuntausend Yojanas.

3.117 Die dortigen Bewohner trinken Zuckerrohrsaft und glänzen wie Silber. Ihre Lebensdauer beträgt zwölftausend Jahre.

3.118 Südlich von Hemakuta und nördlich von Himavat liegt Kimpurushavarsha. Länge und Breite entsprechen dem zuvor genannten Maß.

3.119 Die goldfarbenen Bewohner leben von Plaksha-Früchten. Ihre Lebensdauer wird mit zwölftausend Jahren angegeben.

3.120 Südlich von Himavat und nördlich des Salzozeans liegt das Land, dessen Herrscherlinie von Nabhi über einen hier verderbt bezeichneten Nachkommen zu dessen Sohn Bharata führt.

3.121 Nach ihm heißt es Bharatavarsha. Es ist bogenförmig, neuntausend Yojanas breit und erstreckt sich bis zum Meer.

3.122 Es ist mit vielen Ländern und Völkern erfüllt. Die Menschen kennen Krankheit und Furcht, wenig Glück und großes Leid; sie ernähren sich von angebautem Getreide. [Das Wort für das geringe Glück ist verschrieben.]

3.123 Ihre Lebensdauer beträgt hundert Jahre, verändert sich jedoch mit den vier Weltaltern. Hier werden die Früchte heilsamen und unheilsamen Handelns erworben.

3.124 Wisse: Dies ist das Land des Handelns; die anderen sind himmlische Erfahrungsorte. Hier können die Früchte der Befreiung und der Welterfahrung erlangt werden, indem man zu Shiva gelangt.

3.125 Bharatavarsha wurde wiederum in neun Teile gegliedert. Bharata hatte neun Nachkommen, beginnend mit Indra.

3.126 Indra, Kasheru, Tamravarna, Gabhastiman, Naga, Saumya, Gandharva, Varuna und Kumarika werden genannt.

3.127 Nach ihren Namen heißen der Reihe nach die einzelnen Inselgebiete: Indradvipa, Kasheru, Tamravarna, Gabhastiman,

3.128 Nagadvipa, Saumya, Gandharva, Varuna und als neuntes Kumara. So werden ihre Abteilungen beschrieben.

3.129 Sie sind durch das Meer getrennt; für das Festland wird ein Maß von fünfhundert genannt. Außer Kumaradvipa werden die übrigen hier als Länder der Mlecchas bezeichnet.

3.130 Kumaradvipa besitzt die vier gesellschaftlichen Stände und die vier Lebensstände. Fünfhundert Flüsse, beginnend mit der Ganga, werden genannt. [Die Bezeichnung der Flüsse ist verschrieben.]

3.131 Millionen heiliger Bade- und Pilgerstätten bringen große heilsame Früchte hervor. Im Bereich des Himalaya liegt der große Gipfel Kailasa.

3.132 Er ist silberfarben, wird von großen Munis und Siddhas aufgesucht, ist mit allem Schmuck versehen und überall mit Bäumen geschmückt.

3.133 Dort wohne ich beständig zusammen mit der Göttin Uma. Achtundsechzig große Heiligtümer werden genannt, die seit alter Zeit bestehen. [Die letzte Orts- oder Zeitangabe ist unsicher.]

3.134 Jambudvipa und die weiteren Kontinente liegen in den Meeren. Mahendra, Mandhara, Sahya, Shuktiman und Riksha,

3.135 Vindhya und Paripatra heißen die Landesgebirge. Auf der Malaya-Insel liegt das herrliche, goldene Lanka.

3.136 Es ist mit vielen wunderbaren Dingen versehen; dort erfreuen sich die Rakshasa-Herrscher. Damit ist Jambudvipa beschrieben. Höre nun von mir über den Salzozean.

3.137 Der umgebende Salzozean ist zweihunderttausend Yojanas breit. Zwölf Berge ragen in ihn hinein.

3.138 Im Osten liegen Prabhava, Dhumra und Dundubhi; im Süden Chakra, Mainaka und Valaha.

3.139 Zwischen Mainaka und Chakra befindet sich das untermeerische Vadava-Feuer. Im Westen liegen Varaha, Somaketu und Nandana.

3.140 Im Norden liegen Kanka, Chandra und Drona. Damit ist der Salzozean beschrieben; höre nun von Shakadvipa.

3.141 Für Shakadvipa wird Yavan als Herr genannt, für Kushadvipa Pushpavan, für Kraunchadvipa Jyotishman und für Shalmali Dyutiman. [Der erste Name ist unsicher.]

3.142 Für Gomeda wird Dhanavan genannt; anschließend folgt ein mächtiger Herr mit unsicherem Namen. Zwei Söhne und zwei entsprechende Landesteile werden erwähnt.

3.143 Dort liegt der ringförmige Berg Manasottara. Für die Bewohner der Kontinente von Shaka an wird die Zeit mit den Weltaltern von Krita an verglichen.

3.144 Vom Meru bis zum Süßwasserozean beträgt die zusammenfassend genannte Ausdehnung fünf Kotis und sieben Lakshas.

3.145 Darauf folgt ein goldenes Land von zehn Kotis Breite, das ich als Spielbereich der Götter beschreibe.

3.146 Der ringförmige Berg namens Lokaloka ist tausend Yojanas breit und einhunderttausend hoch.

3.147 Dort stehen die Welthüter, verehrt von Siddhas und Unsterblichen. Innerhalb seines Rings scheint die Sonne; außerhalb herrscht Dunkelheit.

3.148 Um Lokaloka liegt der Garbhodadhi-Ozean. Diesen umgibt die erdhafte Hülle.

3.149 Um diese Erdhülle liegt die Schale von einer Koti Breite. Von der Schale bis zur Mitte des Meru werden fünfzig Kotis angegeben.

3.150 Das Maß ist in den zehn Richtungen gleich und beträgt insgesamt hundert Kotis. Damit ist Bhurloka erklärt; höre nun Bhuvarloka.

3.151 Die Sonnenwelt liegt in einem Abstand von einhunderttausend Yojanas. Die zwölf Adityas, die Vasus und die elf Rudras,

3.152 zusammen mit den beiden Ashvins dreiunddreißig, bewegen sich nach Shivas Willen im Uhrzeigersinn um den Meru. Dieser Bereich heißt Bhuvarloka.

3.153 Darüber liegt im Abstand eines Laksha die Mondwelt. Ein weiteres Laksha über dem Mond liegt der Kreis der Mondhäuser.

3.154 Zwei Lakshas darüber liegt Merkur, weitere zwei Lakshas darüber Venus, dann in gleichem Abstand Mars und wiederum Jupiter.

3.155 Zwei Lakshas darüber wird Saturn genannt; ein Laksha darüber die Rishis: Atri, Vasishtha, Pulastya, Pulaha, Kratu,

3.156 Bhrigu, Angiras und Marichi. Sie werden als sieben Rishis bezeichnet. [Die erhaltene Liste enthält acht Namen.] Ein Laksha darüber befindet sich Dhruva.

3.157 Der Bereich von der Mondwelt bis Dhruva heißt Svarloka. Von der Erdoberfläche bis Dhruva werden fünfzehn Lakshas angegeben.

3.158 Darüber liegt Maharloka, das mit zwei Kotis bemessen wird. Für Janaloka werden fünfundachtzig Lakshas genannt.

3.159 Darüber liegt Tapoloka mit acht Kotis; für Satyaloka werden zwölf Kotis angegeben.

3.160 Von Maharloka bis Satyaloka wohnen Rudras. Die Brahma-Welt wird mit sechzehn Kotis bemessen.

3.161 Die Vishnu-Welt wird mit einer Koti Yojanas, die Rudra-Welt mit neun Kotis angegeben.

3.162 Die Dicke der Schale beträgt eine Koti; für die Hälfte werden fünfzig Kotis genannt. So umfasst das Weltei hundert Kotis Yojanas. [Eine wiederholte Zahlenwendung ist beschädigt.]

3.163 Höre nun die hundert Träger des Welteis: Kapalisha, Aja, Buddha, Vajradeha und Pramardana,

3.164 Vibhuti, Avyaya, Shasta, Pinaki und Tridashadhipa. Sie nehmen Indras Macht in sich auf und sind mit der Kraft des Herrn versehen.

3.165 Als große Rudras wandeln sie umher, von König Indra verehrt. Es folgen Agni, Rudra, Hutasha, Pingala, Kadaka und Hara,

3.166 Jvalana, Dahana, Babhru, Bhasmantaka und Kshayantaka. Sie nehmen Agnis Macht in sich auf und sind mit der Kraft des Herrn versehen. [Die Namensgliederung dieser Gruppe ist nicht eindeutig.]

3.167 Als große Rudras wandeln sie umher, vom Feuerkönig verehrt. Im Süden werden Amrityuhara, Dhata, Vidhata, Kartri und Kalaka genannt,

3.168 Samyoktri, Viyoktri, Dharma, Adharma und Vriti. Sie nehmen Dharmas Macht in sich auf und sind mit der Kraft des Herrn versehen.

3.169 Als große Götter wandeln sie umher, von König Yama verehrt. Es folgen Nairrita, Marana, Hantri, Kruradrishti und Bhayanaka,

3.170 Urdhvakesha, Virupaksha, Dhumra, Lohita und Damshtravan. Sie nehmen Nirritis Macht in sich auf und sind mit der Kraft des Herrn versehen.

3.171 Als große Götter wandeln sie umher, vom Rakshasa-Herrscher verehrt. Eine weitere Gruppe nimmt Varunas Macht in sich auf und ist mit der Kraft des Herrn versehen.

3.172 Diese großen Götter wandeln umher, von Varuna verehrt. [Ihre Namen fehlen in der erhaltenen Folge.] Es folgen Shighra, Laghu, Vayuvega, Sukshma, Tikshna und Kshayantaka,

3.173 Panchantaka, Panchashikha, Kapardi und Meghavahana. Sie nehmen Vayus Macht in sich auf und sind mit der Kraft des Herrn versehen.

3.174 Als große Götter wandeln sie umher; der Text nennt hier Soma als ihren Verehrer. Es folgen Vidyadhara, Sarvajna, Jnanadhrik und Vedaparaga,

3.175 Sureshvara, Sarvesha, Bhutapala, Balipriya, Sukhakrit und Duhkhakrit. Diese werden zusammenfassend dem shivaitischen Bereich zugeordnet.

3.176 Sie nehmen Ishanas Macht in sich auf und sind mit der Kraft des Herrn versehen. Als große Götter wandeln sie umher, von Ishana verehrt.

3.177 Es folgen Vrisha, Vrishadhara, Kanta, Krodhesha, Anilashana, Grasana, Udumbara, Phanindra und Vajradamshtravan. [Die Liste enthält in dieser Lesung neun Namen.]

3.178 Sie nehmen Vishnus Macht in sich auf und sind mit der Kraft des Herrn versehen. Als große Götter wandeln sie umher, von Vishnu verehrt.

3.179 Damit ist der Erdbereich beschrieben. Höre nun vom Wasser-Tattva: Es umgibt das Weltei mit einer zehnmal so großen Hülle.

3.180 Amaresha, Prabhava, Naimisha, Pushkara, Ashadhisha, Pindisha, Harabhuta und Vakula

3.181 bilden die geheime Achtergruppe in der Wasserhülle. Darüber liegt die große Feuerhülle mit wiederum zehnfachem Maß.

3.182 Harishchandra, Sushaila, Jalpera, Amratikeshvara, Mahakala, Madhyama, Kedara und Bhairava

3.183 bilden die überaus geheime Achtergruppe in der Feuerhülle. Darüber liegt die Lufthülle, zehnmal so groß wie die Feuerhülle.

3.184 Gaya, Kurukshetra, Nakhala, Nakhala in einer zweiten Schreibung, Vimala, Attahasa, Mahendra und Bhima

3.185 bilden die noch geheimere Achtergruppe in der Lufthülle. Darüber liegt die Raumhülle mit zehnfachem Maß.

3.186 Vastrapada, Rudrakoti, Ravimukta, Mahalaya, Gokarna, Bhadrakarna, Suvarnaksha und Sthanuka

3.187 bilden die heilige Achtergruppe in der Raumhülle. Darüber liegt Ahamkara mit wiederum zehnfachem Maß.

3.188 Khagalendu, Karanda, Umakoti, Mandaleshvara, Kaunjara, Shankhukarna, Sthuleshvara und Sthaleshvara

3.189 bilden die Achtergruppe der Orte, verteilt von Osten bis Nordosten. Die geheime Achtergruppe ist weiß, die überaus geheime rot,

3.190 die noch geheimere gelb, die heilige schwarz und die Achtergruppe der Orte kristallhell. So werden die fünf Achtergruppen beschrieben.

3.191 [Die erste Vershälfte über ihre Gestalt und ihren Aufenthalt ist verderbt.] Diese gelten als Erfahrungsorte des Herrn Shrikantha.

3.192 Darüber liegt Buddhi mit zehnfachem Maß. Die Bereiche der Pishachas, Rakshasas, Yakshas, Gandharvas und Indras,

3.193 Somas, Prajapatis und Brahmas heißen die acht göttlichen Geburtsbereiche. Wisse: Diese acht Städte befinden sich in der Buddhi-Hülle.

3.194 Diese himmlischen Orte besitzen alle Herrlichkeiten. Darüber liegt die Guna-Hülle, zehnmal so groß wie die Buddhi-Hülle.

3.195 Akrita, Krita, Bhairava, Brahma, Vaishnava, Kaumara, Kaumishra und Ekarna

3.196 werden als die acht Yoga-Bereiche in der Guna-Hülle bezeichnet. Diejenigen, die dort als Yogaherren Erfahrung genießen, sind ganz der Verehrung des Yoga hingegeben.

3.197 Ihre himmlischen Orte sind mit den Herrlichkeiten des Yoga versehen. Darüber liegt das Unentfaltete mit wiederum zehnfachem Maß.

3.198 Krodha, Chanda, Samvarta, Jyotihpingala, Suraka, Panchantaka, Ekavira und der mit Shiva verbundene Ishvara

3.199 bilden die acht großen Götter in der Hülle des Unentfalteten. Avyakta heißt auch Prakriti und Pradhana.

3.200 Darüber liegt eine weitere, Raga genannte Hülle. Dieses vorzügliche Purusha-Tattva ist hundertmal so groß wie Pradhana.

3.201 Dort werden Rudra, Mahatejas, Vamadeva, Bhava, Udbhava, Ekalinga, Ikshana und Ishana mit ihren jeweiligen Welten genannt. [Die Namenstrennung ist teilweise unsicher.]

3.202 Diese Götter sind daumengroß und heißen deshalb Angushthatmaka. Sie sind von der durch Maya bedingten Unwissenheit frei und besitzen die Macht des höchsten Herrn.

3.203 Dort ist auch Purusha zu erkennen, der in der Raga-Hülle weilt. Die sechs Körperhüllen, die Elemente und Sinnesgegenstände,

3.204 Manas, Buddhi, Ahamkara und besonders die drei Gunas sind mit ihm verbunden. So befindet sich Purusha im Bereich von Atma-Tattva.

3.205 Darüber liegt Vidya-Tattva, hundertmal so groß wie Raga. Genannt werden Vamadeva, Bhima und Ugra,

3.206 Sharva, Ishana, Ekavira, Ishvara, Prachandadhrit, ein weiterer Ishvara, Umabhakta, Ajesha und Nanda,

3.207 sowie Ekashiva: Sie befinden sich in der Vidya-Hülle. Darüber liegt Kala-Tattva, hundertmal so groß wie Vidya. [Der Text wechselt hier zwischen Kala als Zeit und Kala als Wirkkraft.]

3.208 Ucchra, Shushka, Ambara, Matanga, Ghorarupa, Yamya, Halahala, Krodhesha und Vasavamukha,

3.209 Sthularudra, Varsharudra und Rudragalaguru werden genannt. Diese zwölf Mächtigen befinden sich in der Kala-Hülle. [Die letzte Namensgruppe lässt sich nicht sicher trennen.]

3.210 Darüber liegt Maya, hundertmal so groß wie Kala. In ihren beiden schalenartigen Abteilungen befinden sich zwölf Rudras.

3.211 Eine Abteilung liegt unten, die andere oben. Gahanesha, Avyaya und Hariharaprabhu,

3.212 Dashaishana, Trikala und Gopati sind die sechs Rudras im unteren Maya-Bereich.

3.213 Kshemisha, Brahmacharin, Vidyeshana, Vishveshvara, Shiva und Ananta sind die sechs

3.214 im oberen Maya-Bereich. Unter ihnen ist der erhabene Anantesha, der Herr der Welt.

3.215 Der Herr vergegenwärtigt die Schöpfung und vollzieht sie nach seinem freien Willen. Die Rudras, die der Reihe nach von Maya bis zur Erde gegenwärtig sind,

3.216 genießen in ihren jeweiligen Bereichen freudig die Erfahrungen. Später wenden sie sich der Erkenntnis zu und gelangen zu Shiva-Tattva.

3.217 Damit sind die Kennzeichen bis zur Maya erklärt. Höre nun, was darüber liegt: Über Maya befindet sich das Selbst in einem hundertfach größeren Bereich.

3.218 Dieses Selbst ist makellos und rein, mit Eigenschaften wie Allwissenheit versehen. Es ist als Same der Welt zu verstehen, als höchstes Offenbarwerden Shivas.

3.219 Von Maya umhüllt, steht das Selbst im Zusammenhang mit Shivas Offenbarwerden. Dabei werden drei Grundverhältnisse unterschieden: die gebundene Seele, die Fessel und der Herr.

3.220 So ist das Selbst zu verstehen. Höre nun Vidya-Tattva: Aus einem tausendsten Anteil des Selbst wird die Vidya-Ebene beschrieben.

3.221 Dort befindet sich Ishvara mit den Brahma- und Anga-Mantras. Darüber liegt Sadakhya; dort ruht Sadashiva.

3.222 Darüber liegt Bindu-Tattva, darüber Nada, darüber Shakti-Tattva und darüber die ursprüngliche Shakti.

3.223 Darüber liegt Shiva-Tattva, über allen Wirklichkeitsebenen. Mit seinem Glanz durchdringt es alles von Shiva bis zur Erde.

3.224 Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum, Ahamkara, Buddhi, Guna und Avyakta,

3.225 Raga sowie die als zehn und fünf zusammengefassten Sinnes- und Gegenstandsbereiche, Vidya, Kala als Zeit, Kala als Wirkkraft, Maya und Atman,

3.226 reine Vidya, Sadakhya, Bindu, Nada, die zweite Shakti-Ebene und die ursprüngliche Shakti:

3.227 Dies sind die sechsunddreißig Tattvas, die hier aus Shiva-Tattva hervorgehen. Das Weltei ist als Erde zu verstehen, der Bereich bis Prakriti als Wasser. [Die Zusammenzählung ist in der überlieferten Kurzliste nicht vollständig eindeutig.]

3.228 Der Bereich bis Vidya entspricht dem Feuer, der bis Sadashiva der Luft und der bis Shakti dem Raum. So sind sie in fünf Tattvas zusammengefasst.

3.229 Diese fünf Tattvas ruhen in der guten beziehungsweise höchsten Wirklichkeit. Die abschließende Zuordnung der bis Maya reichenden Ebenen zu Shiva-Tattva ist im Wortlaut unsicher.

3.230 Das Selbst gilt als Herr der zu Atma-Tattva gehörenden Wirklichkeitsebenen. Der Bereich von Vidya-Tattva bis Shakti wird zusammenfassend Vidya-Tattva genannt.

Ausgewählte zentrale Lehren

Das Suprabheda führt die Sadhana durch mehrere Formen der Aufmerksamkeit. Die Hände bereiten eine Gabe, die Stimme trägt einen Mantra, der Atem wird gesammelt, und der Geist betrachtet seine eigene Bindung. Diese Tätigkeiten können sich gegenseitig stützen. Das Ziel ist ein Leben, in dem die Erinnerung an Shiva allmählich auch jenseits des eigentlichen Rituals gegenwärtig bleibt.

Drei Bilder verdichten diesen Weg: Shakti gehört zu Shiva wie Wärme zum Feuer; die göttliche Gegenwart wohnt im geheiligten Zeichen wie Duft in einer Blume; das reine Selbst wird offenbar wie eine Lampe, deren Hülle entfernt wird. Die 108 ausgewählten Verse laden dazu ein, solche Aussagen langsam zu lesen und mit der eigenen Erfahrung in Beziehung zu bringen.

Siehe auch

Literatur

  • Suprabhedāgama. Śivāgama Siddhānta Paripālana Saṅgham, Devakottai 1931. Sanskritausgabe der hier zugrunde liegenden Überlieferung.
  • Muktabodha Indological Research Institute: Suprabhedāgama, digitale Textausgabe M00090, Transkription unter Leitung von Mark S. G. Dyczkowski; Neuformatierung vom 13. April 2007.
  • Alexis Sanderson: Śaiva Texts. In: Brill’s Encyclopedia of Hinduism, Band 6, 2014, S. 10–42. Zur historischen Einordnung der shivaitischen Textüberlieferungen, einschließlich der südindischen Agamas.

Weblinks

Seminare

Die Beschäftigung mit dem Suprabheda kann durch angeleitete Mantrapraxis, Meditation und das Studium indischer Weisheitslehren vertieft werden. Die folgenden Yoga-Vidya-Angebote erschließen verwandte Praxisfelder; sie sind keine besondere Initiation in die Tempelrituale dieses Agama.

Textgrundlage und Hinweise zur Übersetzung

Die Textgrundlage ist das Suprabhedāgama der Devakottai-Ausgabe von 1931, herausgegeben vom Śivāgama Siddhānta Paripālana Saṅgham, in der digitalen Überlieferung des Muktabodha Indological Research Institute, Katalognummer M00090. Die Transkription entstand unter Leitung von Mark S. G. Dyczkowski; die Vorlage nennt eine Neuformatierung vom 13. April 2007. Obwohl ihr Katalogtitel nur Kriya- und Caryapada nennt, umfasst der Text alle vier hier wiedergegebenen Teile. Muktabodha beschreibt die Devakottai-Reihe als Sammlung gedruckter shivaitischer Ausgaben, die überwiegend auf einzelnen Handschriften beruhen.[2]

Die deutsche Übersetzung umfasst sämtliche vorhandenen 74 Kapitel mit 4.564 nummerierten Texteinheiten sowie die unnummerierten Unterweisungen und Übergänge. Die Nummerierung beginnt in jedem Pada neu. Eine Stellenangabe wie »Yogapada 3.24« bezeichnet daher einen anderen Vers als »Kriyapada 3.24«. Die Doppelzählungen Kriyapada 9.30, 15.81 und 34.74 bleiben als erste und zweite Zählung erkennbar. Kriyapada 22.38 fehlt in der Zählung; daraus allein lässt sich kein verlorener Vers erschließen.

Größere ausdrücklich bezeugte Lücken liegen im Kriyapada nach 8.14 und im Caryapada nach 1.40. Weitere fehlende oder verderbte Wörter sind knapp gekennzeichnet. Der vorhandene Jnanapada endet mit 3.230 ohne Schlusskolophon. »Vollständig« bezeichnet hier den gesamten erhaltenen Text dieser Grundlage einschließlich ihrer erkennbaren Grenzen, keine Ergänzung verlorener Abschnitte.

IAST und Devanagari repräsentieren im Wesentlichen denselben digitalen Text und sind keine voneinander unabhängigen Handschriftenzeugen. Eindeutige Konvertierungsfehler wurden berichtigt; ungesicherte Lesungen werden nicht stillschweigend zu einem vermeintlich fehlerfreien Sanskrit geglättet. Besonders die langen Lautaufstellungen des dritten Kriya-Kapitels, einzelne Maßangaben und kosmologische Namenslisten sind teilweise beschädigt. Die dort übersetzten Lautanweisungen sind deshalb keine verlässliche Grundlage zur eigenständigen Rekonstruktion ganzer Mantras.

Mantra-Namen, einzelne vorgeschriebene Laute und technische Begriffe bleiben dort erhalten, wo sie selbst Gegenstand der Unterweisung sind. Sanskritverse sind nicht zwischen die deutschen Verse eingeschoben. Kala kann je nach Zusammenhang Zeit, begrenzte Wirkkraft oder eine Teilkraft bezeichnen; Linga kann das Verehrungszeichen oder den feinstofflichen Kennleib meinen. Die Übersetzung unterscheidet diese Bedeutungen nach dem jeweiligen Zusammenhang.

Zahlen und Aufzählungen werden auch bei erkennbaren Spannungen nicht nach anderen Lehrsystemen vereinheitlicht. Vorstellungen über Embryonalentwicklung, Körperstoffe, kosmische Maße, Reinheit und die Wirkung von Riten sind Aussagen des historischen Textes. Die ausgeschmückten Heilsverheißungen werden als solche wiedergegeben. Gesellschaftliche Ausschlüsse, gewaltsame Bußen und polemische Forderungen sind keine Empfehlungen für heutiges Handeln.

Die eingestreuten Bilder veranschaulichen verwandte Motive und sind keine Abbildungen einer bestimmten Suprabheda-Handschrift. Die Videos stammen aus der heutigen Yoga-Vidya-Praxis; ihre Chakra- und Kundalini-Erklärungen sind ergänzende Perspektiven, keine wörtliche Wiedergabe des Agama.

Die digitale Sanskritvorlage nennt die Lizenz Creative Commons Namensnennung – Nicht kommerziell 4.0. Für die übernommenen Sanskrittexte und die darauf beruhende Bearbeitung bleiben diese Bedingungen maßgeblich. Die Namensnennung des Muktabodha Indological Research Institute und der Hinweis auf die Bearbeitung und Übersetzung gehören zur Quellenangabe dieser Ausgabe.

  1. Alexis Sanderson: Śaiva Texts. In: Brill’s Encyclopedia of Hinduism, Band 6, 2014, S. 10–42, besonders der Abschnitt zur südindischen Siddhanta-Überlieferung.
  2. Muktabodha: Überblick über die digitale Bibliothek, Abschnitt »The Devakottai Series«.

Verehrung wird Erkenntnis

Der Weg des Suprabheda beginnt mit einer Frage und führt durch eine große Vielfalt von Handlungen und Bildern. Seine bleibende Einladung ist, Hingabe mit Erkenntnis und spirituelle Übung mit Mitgefühl zu verbinden. Wer einen Vers nicht nur versteht, sondern im eigenen Leben prüft, kann entdecken, wie äußere Verehrung zu innerer Sammlung und innere Sammlung zu einem freieren Umgang mit der Welt wird.