Malinivijayottara Tantra

Aus Yogawiki

Malinivijayottara Tantra (Sanskrit मालिनीविजयोत्तरतन्त्र, IAST Mālinīvijayottaratantra), auch Malini Vijayottara Tantra, Malini Vijaya Uttara Tantra oder Malinivijayottaratantra, ist eine Sanskritschrift des shivaitischen Tantra und eine wichtige Quelle der Trika-Tradition. Sie verbindet die Lehre von Shiva und Shakti mit Mantra, Einweihung, Verehrung und einer ausführlichen Darstellung tantrischen Yoga. Ihre Bedeutung für die spätere Auslegung zeigt sich besonders in der Beschäftigung Abhinavaguptas mit dem Werk.[1]

Shiva ist im Malinivijayottara Tantra der höchste Herr und Ursprung der Unterweisung. Erkenntnis, göttliche Kraft und yogische Übung werden auf ihn bezogen.

Die hier wiedergegebene Textfassung umfasst 23 Kapitel mit 1.246 nummerierten Einträgen. Darunter befinden sich zehn nur als Halbvers überlieferte Einträge. Auf die Einführung folgt jeder Eintrag einzeln in IAST mit unmittelbar anschließender deutscher Übersetzung; danach steht die vollständige Devanagari-Umschrift derselben Vorlage. Auch die Kapitelüberschriften und Schlussformeln der Vorlage sind aufgenommen. Ausdrücklich überlieferte Lücken werden gekennzeichnet und nicht durch erfundene Verse ergänzt.[2]

Name und Schreibweise

Als deutschsprachiger Artikeltitel wird Malinivijayottara Tantra verwendet. Er lässt das Wort Tantra gut erkennen und hält den eigentlichen Werktitel zusammen. Die wissenschaftliche Zusammenschreibung lautet Mālinīvijayottaratantra. Eine statistisch nachgewiesene Vorrangstellung einer vereinfachten Schreibweise ist damit nicht behauptet; die anderen Formen eignen sich als Weiterleitungen.

Mālinī bedeutet „die mit einer Girlande Versehene“. Im Text bezeichnet Malini eine göttliche Lautordnung: Die Sanskritlaute werden als Gestalt der Shakti und als Grundlage von Mantras behandelt. Vijaya bedeutet Sieg oder Überwindung; uttara kann einen folgenden, weiterführenden oder höheren Abschnitt bezeichnen. Der Titel lässt sich daher als „weiterführendes Tantra des Malinivijaya“ erläutern. Eine rein wörtliche Übertragung als „Sieg der Girlandenträgerin“ würde den Bezug auf einen überlieferten Schrifttitel und dessen Fortführung nur teilweise erfassen.

Kapitel 1.7 nennt das Mālinīvijayaṃ tantram, Kapitel 23.41 und die abschließende Formel nennen Mālinīvijayottara. Diese Selbstbezeichnungen gehören zur Textüberlieferung und erklären die Verbindung der beiden Titel.

Überlieferung und Textgrundlage

Offenbarung und Gesprächsrahmen

Die Schrift beginnt mit einer Anrufung des Wissens, das aus dem Mund des höchsten Herrn hervorgeht. Weise wenden sich an Kartikeya, um die Vollendung des Yoga zu verstehen. Innerhalb dieser Rahmenerzählung wird das Gespräch der Devi mit Bhairava beziehungsweise Shiva entfaltet. Am Ende wird erklärt, dass Kartikeya die Unterweisung von der Göttin empfangen hat und sie den Weisen weitergibt.

Die Erzählung von umfassenderen früheren Offenbarungen in Kapitel 1 ist eine religiöse Darstellung der Autorität des Tantra. Sie ist von der historischen Frage zu unterscheiden, welche Fassungen tatsächlich durch Handschriften bezeugt sind. Ein menschlicher Einzelverfasser wird hier nicht als gesichert angegeben.

Stellung innerhalb des Trika

Das Werk gehört zum shivaitischen Trika. Besonders sichtbar wird die Dreigliederung in Para, Parapara und Apara, den drei Formen der Göttinnenkraft, deren Lautgestalten und Wirkungen in Kapitel 3 behandelt werden. In der späteren kaschmirischen Auslegung wurde die Schrift intensiv rezipiert. Somadeva Vasudevas Untersuchung behandelt neben den Yoga-Lehren auch Probleme dieser Auslegung durch Abhinavagupta.[1]

Die genaue Entstehungszeit des überlieferten Tantra wird hier nicht auf ein einzelnes Jahr festgelegt. Sein historischer Zusammenhang ist die vormoderne shivaitische Sanskritüberlieferung; die göttliche Zuschreibung der Erzählung ist keine historische Datierung.

Ausgaben und Zählung

Die elektronische Vorlage weist kapitelweise unterschiedliche Grundlagen aus: Für die Kapitel 1–4, 7 und 11–17 nennt sie Somadeva Vasudevas kritische Bearbeitung von 2000; die übrigen Kapitel beruhen auf Madhusudan Kaul Shastris Ausgabe von 1922. Die 2004 erschienene Buchausgabe Vasudevas nennt im Titel die Kapitel 1–4, 7 und 12–17. Diese Angaben dürfen nicht stillschweigend gleichgesetzt werden. Ein kritischer Variantenapparat ist in der elektronischen Fassung nicht enthalten.[2][1]

Die folgende Übersetzung folgt durchgehend der Zählung der elektronischen Vorlage. Ihre Kapitelumfänge betragen 50, 60, 68, 41, 36, 30, 36, 135, 83, 38, 47, 42, 62, 44, 47, 68, 41, 82, 58, 63, 36, 34 und 45 Einträge. Die Summe von 1.246 bezeichnet damit den Bestand dieser Fassung, keine behauptete einheitliche Verszahl aller Handschriften und Ausgaben.

Hinweise zur Übersetzung

Die deutsche Wiedergabe ist eine eigenständige Übersetzung der bereitgestellten Sanskrittranskription. Eckige Klammern kennzeichnen notwendige Ergänzungen, Textlücken und unsichere Stellen. Die kurzen Halbstrophen behalten ihre Nummer. Mehrere Sätze erstrecken sich über zwei oder mehr Verse; deshalb kann eine deutsche Satzhälfte unter der folgenden Versnummer weitergehen.

Die Umschrift normalisiert die älteren Zeichen .R und .L zu und sowie einen vorangestellten Punkt vor elidiertem a zum Avagraha-Zeichen. Wiederholte technische Versmarker mit Prozentzeichen werden entfernt. Darüber hinaus werden beschädigte Wörter nicht durch unbelegte Sanskritkonjekturen ersetzt. Ein Dolchzeichen † verweist auf eine gestörte oder unsichere Stelle der elektronischen Vorlage. Besonders die Lautzuordnungen in 3.37, einzelne Ritualpassagen und mehrere Stellen der späteren Kapitel bleiben erklärungsbedürftig. Die Devanagari-Fassung ist eine Umschrift dieser Textgrundlage, keine unabhängig kollationierte Handschriftenlesung.

Bezeichnungen von Körperteilen können in den Mantraabschnitten als Schlüssel für Sanskritlaute dienen. Die Übersetzung bewahrt diese Bildsprache, statt daraus unbelegte Mantraformeln zu rekonstruieren. Traditionelle Aussagen über Allwissenheit, Unsterblichkeit, Heilung und außergewöhnliche Kräfte werden als Aussagen der Schrift wiedergegeben. Die historischen Anweisungen, insbesondere zu Sonnenbetrachtung, extremem Atemanhalten oder dem Verlassen des Körpers, sind keine heutigen Übungsempfehlungen.

Zentrale Lehren

Shiva, Shakti und die Wirklichkeitsprinzipien

Das Weltall als thematische Illustration: Das Tantra ordnet die erfahrbare Welt in Wirklichkeitsprinzipien, Kräfte und Bewusstseinsstufen. Die Abbildung stellt keine historische Kosmografie des Textes dar.

Kapitel 1 unterscheidet das Anzunehmende vom Aufzugebenden. Shiva, Shakti, Mantras und verschiedene Bewusstseinswesen werden einerseits, Mala, Karma, Maya und die durch sie bestimmte Welt andererseits erläutert. Diese Unterscheidung bildet den Ausgangspunkt des Weges: Der Übende soll erkennen, was bindet und was zur Befreiung führt.

Die folgenden Kapitel entfalten die Tattvas, die Wirklichkeitsprinzipien, und ihre Zuordnung zu Welten, Lauten und Körperbereichen. Dabei ist die Weltordnung zugleich ein Gegenstand der Konzentration. Der Text stellt nicht nur eine Liste metaphysischer Begriffe auf, sondern ordnet ihnen konkrete Formen der Vergegenwärtigung zu.

Drei Formen des Eingehens

Die Verse 2.21–2.23 unterscheiden drei Formen des Samavesha, des Eingehens beziehungsweise Durchdrungenseins:

  • Anava: Ein Eingehen durch Laut- und Atemerhebung, körperliche Verfahren, Meditation, Laute und die Vorstellung bestimmter Orte.
  • Shakta: Ein Eingehen durch geistige Vergegenwärtigung einer Wirklichkeit, ohne die zuvor genannte Lauterhebung.
  • Shambhava: Ein Eingehen bei Freiheit von gedanklicher Tätigkeit, hervorgerufen durch die Erweckung seitens des Gurus.

Diese Stellen sind ein wichtiger Bezugspunkt für die Lehre von Anavopaya, Shaktopaya und Shambhavopaya. Im Zusammenhang des Tantra gehören sie zu einer umfassenden Klassifikation von Zuständen und Erkenntnisweisen. Sie sollten deshalb nicht auf drei voneinander unabhängige moderne Meditationstechniken verkürzt werden.

Malini und die Kraft der Sanskritlaute

Der Matrika-Kreis veranschaulicht die tantrische Bedeutung der Sanskritlaute. Malini bezeichnet im Text eine besondere Lautordnung, die in Mantra und Nyasa verwendet wird.

Kapitel 3 behandelt die Hervorbringung und Gliederung von Lauten und Mantras. Laute erscheinen als Ausdruck göttlicher Kraft. Ihre Zuordnung zu Körpergliedern ermöglicht den Nyasa, das rituelle Einsetzen beziehungsweise Auflegen von Mantras auf den Körper.

Dabei stehen Matrika und Malini für zusammengehörige, aber nicht beliebig austauschbare Lautordnungen. Ein Körperteil wie Zahn, Zunge, Knie oder Schulter kann in einer Anweisung eine Lautposition bezeichnen. Wer diese Verse liest, muss deshalb zwischen anatomischer Bedeutung, ritueller Körpervorstellung und Lautschlüssel unterscheiden.

Einweihung, Erkenntnis und Lehrer

Kapitel 4 fragt ausdrücklich, warum eine Unterweisung über Yoga so viel über Mantras enthält. Die Antwort verbindet Yoga mit Erkenntnis und Einweihung. Die späteren Kapitel entfalten sowohl aufwendige Ritualfolgen als auch Verfahren, deren Schwerpunkt stärker auf geistiger Vergegenwärtigung liegt.

Die Rolle des Guru ist zentral. Zugleich enthält der Text in 18.71–18.73 eine bemerkenswerte Begrenzung: Bei schädigendem Fehlverhalten soll der Lehrer ehrerbietig ermahnt werden; bleibt die Ermahnung ohne Wirkung, soll der Schüler fortgehen und sich Shiva zuwenden. Diese Passage gehört zur Darstellung der Lehrerbeziehung ebenso wie die vorausgehenden Aussagen über Hingabe.

Konzentration und sechs Yogaglieder

Pranayama als ergänzende Illustration zum Thema Atemregelung. Kapitel 17 behandelt verschiedene Atembewegungen innerhalb eines umfassenderen Yogaweges.

Die Kapitel 12–16 entfalten Konzentrationen auf Elemente, feine Sinnesgegenstände, Sinnes- und Handlungsvermögen sowie höhere Wirklichkeitsprinzipien. Die dabei genannten Körperorte und Diagramme bilden ein eigenes System. Sie sind nicht durchgehend mit den heute verbreiteten Darstellungen von sieben Chakras gleichzusetzen.

Kapitel 17 behandelt die sechs Yogaglieder Pranayama, Pratyahara, Dharana, Dhyana, Tarka und Samadhi. Besonders hebt 17.18 Tarka, die unterscheidende Prüfung, hervor. Damit wird die bewusste Einsicht in das Aufzugebende und das anzustrebende Ziel zu einem wesentlichen Teil der Praxis.

Innere Verehrung und Nichtdualität

Kapitel 18 beschreibt ein inneres Linga, das mit dem Pulsieren im Herzen verbunden wird. Die Verehrung richtet sich auf die Wirklichkeit, welche die äußeren Symbole trägt. In 18.44–18.48 werden Wahrnehmungen und Handlungen als Bestandteile einer inneren Verehrung gedeutet: Geschmack wird zur Speisegabe, Laut zur Wiederholung, Sehen zur Meditation.

Die Verse 18.74–18.80 relativieren eine Reihe äußerer Gegensätze. Als entscheidende Bestimmung bleibt, das Bewusstsein in der Wirklichkeit zu festigen. Das bedeutet im Zusammenhang des Textes eine innere Ausrichtung auf Shiva; es ist keine pauschale Aufhebung von Verantwortung im heutigen Alltag.

Die 23 Kapitel im Überblick

Die folgenden deutschen Inhaltsangaben dienen der Orientierung. Sie sind redaktionelle Zusammenfassungen; die Sanskritüberschriften der Vorlage werden im Textteil zusätzlich wiedergegeben.

Kapitel Einträge Schwerpunkt
1 50 Gesprächsrahmen, Offenbarung, Shiva, Shakti und Bindung.
2 60 Durchdringung der Wirklichkeitsstufen und Formen des Samavesha.
3 68 Malini, Lautordnung, Göttinnenkräfte und Gewinnung der Mantras.
4 41 Yoga, Erkenntnis, Einweihung und Zuordnung der Wirklichkeitswege.
5 36 Welten und ihre rituelle Reinigung.
6 30 Anordnung des Wirklichkeitspfades im Körper.
7 36 Mudras und ihre Ausführung.
8 135 Vorbereitungen, Verehrung und rituelle Verpflichtungen.
9 83 Mandala und tätigkeitsbezogene Einweihung.
10 38 Weihebegießung und Ermächtigung.
11 47 Einweihung mit dem Schwerpunkt geistiger Vergegenwärtigung.
12 42 Voraussetzungen des Yoga und Konzentration auf Erde.
13 62 Konzentrationen auf Wasser und die weiteren Elemente.
14 44 Konzentrationen auf feine Sinnesgegenstände.
15 47 Sinnes- und Handlungsvermögen sowie Geist.
16 68 Ichbewusstsein, Urteilskraft und höhere Prinzipien.
17 41 Atemregelung und weitere Yogaglieder.
18 82 Inneres Linga, höchste Erkenntnis und nichtduale Verehrung.
19 58 Kula-Kreis und Pindastha, Padastha, Rupastha, Rupatita.
20 63 Shakti-Wissen, Mantras und Gottheitenkreise.
21 36 Nektar, Körperübergang und Mondbetrachtung.
22 34 Sonnenbetrachtung, Khechari und Lichtwahrnehmung.
23 45 Klang, weitere Anwendungen, Traumwissen und Abschluss.

Beziehungen zu anderen tantrischen Schriften

Mit Shiva Sutra, Spandakarika und Pratyabhijnahridaya teilt das Werk das weitere Themenfeld von Bewusstsein, göttlicher Kraft und Befreiung. Seine literarische Gestalt ist jedoch eine umfangreiche Offenbarungs- und Ritualunterweisung. Es enthält keine bloße Erweiterung der knappen Leitsätze jener Schriften.

Das Vijnanabhairava Tantra eignet sich als Vergleich für die Vielfalt von Zugängen zur Meditation. Bei einem Vergleich sind einzelne Textstellen und ihre Voraussetzungen zu beachten, statt ähnlich klingende Verfahren vorschnell gleichzusetzen. Paratrimsika ist vor allem für Fragen von Laut, Mantra und höchster Wirklichkeit ein verwandtes Studienfeld.

Die wiederholten Selbstverweise auf das Siddhayogishvarimata gehören zum Überlieferungsanspruch des Malinivijayottara. Sie stehen unmittelbar im Sanskrittext und sind von modernen Aussagen über erhaltene Handschriften jenes Werkes zu unterscheiden.

Anregungen für das heutige Schriftstudium

Meditation und bewusste Sammlung können das Studium begleiten. Die hier vorgeschlagenen heutigen Anregungen sind von den historischen Ritualverfahren des Tantra zu unterscheiden.

1. Lies in überschaubaren Abschnitten.
Ein Kapitel enthält teilweise dicht miteinander verbundene Anweisungen. Lies zunächst einen zusammenhängenden Abschnitt und halte seine Hauptfrage in eigenen Worten fest. Für den Einstieg eignen sich etwa 2.21–2.23, 4.1–4.8 und 18.74–18.80.

2. Unterscheide Begriff und Erfahrung.
Notiere beim Svadhyaya, ob eine Passage eine kosmologische Ordnung beschreibt, eine Ritualregel formuliert oder eine Erfahrung deutet. Dadurch werden die vielen Ebenen der Schrift besser nachvollziehbar.

3. Verbinde das Lesen mit stiller Sammlung.
Ein kurzer Moment ruhigen Sitzens vor und nach der Lektüre kann helfen, die Aufmerksamkeit zu sammeln. Dafür ist keine Übernahme der speziellen historischen Atem- oder Ritualverfahren nötig.

4. Prüfe Querverweise.
Wenn ein Vers „wie zuvor“ sagt, suche den vorherigen Zusammenhang auf. Gerade die Konzentrationskapitel arbeiten mit wiederkehrenden Stufen; eine isolierte Strophe kann deshalb missverständlich sein.

5. Lass Fragen offen, wo die Quelle offenbleibt.
Bei beschädigten Lautfolgen ist eine kenntlich gemachte Unsicherheit dem Ergänzen aus Erwartung vorzuziehen. Das gehört zu einem sorgfältigen Umgang mit Sanskrit und zur Achtung vor dem überlieferten Text.

Die folgenden Videos ergänzen das Schriftstudium durch Yoga-Vidya-Meditationen. Sie sind keine Verskommentare zum Malinivijayottara Tantra.

Chakra-Energie-Meditation mit Sukadev

Drei-Chakra-Energie-Meditation mit Sukadev

Vollständige Textfolge: IAST und deutsche Übersetzung

Die folgende Wiedergabe enthält alle nummerierten Einträge der bezeichneten Vorlage in ihrer Reihenfolge. Bei einer Textlücke wird der erhaltene Wortbestand wiedergegeben; eine fehlende Passage kann nicht übersetzt werden. Die zugehörigen Hinweise stehen direkt beim betreffenden Vers.

Werktitel
mālinīvijayottaratantram
Das Malinivijayottara Tantra.

Kapitel 1: Schöpfung und Unterweisung

Überlieferte Kapitelüberschrift
sṛṣṭyadhikāraḥ prathamaḥ
Erster Abschnitt: Schöpfung.

1.1
jayanti jagadānandavipakṣakṣapaṇakṣamāḥ |
parameśamukhodbhūtajñānacandramarīcayaḥ || 1.1 ||
Es siegen die Strahlen des Wissensmondes, der aus dem Mund des höchsten Herrn hervorgegangen ist und die Widersacher der Freude der Welt zu vernichten vermag.

1.2
jagadarṇavamagnānāṃ tārakaṃ tārakāntakam |
sanatkumārasanakasanātanasanandanāḥ || 1.2 ||
Sanatkumara, Sanaka, Sanatana und Sanandana [wandten sich an Karttikeya], den Vernichter Tarakas, der die im Weltenmeer Versunkenen hinüberrettet.

1.3
nāradāgastyasaṃvartavasiṣṭhādyā maharṣayaḥ |
jijñāsavaḥ paraṃ tattvaṃ śivaśaktyunmukhīkṛtāḥ || 1.3 ||
Auch Narada, Agastya, Samvarta, Vasishtha und andere große Seher begehrten die höchste Wirklichkeit zu erkennen; Shivas Kraft hatte sie ihr zugewandt.

1.4
samabhyarcya vidhānena te tam ūcuḥ praharṣitāḥ |
bhagavadyogasaṃsiddhikāṅkṣiṇo vayam āgatāḥ || 1.4 ||
Nachdem sie ihn vorschriftsgemäß verehrt hatten, sprachen sie freudig: „Erhabener, wir sind gekommen, weil wir Vollendung im Yoga ersehnen.

1.5
sā ca yogaṃ vinā yasmān na bhavet tam ato vada |
ṛṣibhir yogam icchadbhiḥ sa tair evam udāhṛtaḥ || 1.5 ||
Da diese ohne Yoga nicht entstehen kann, lehre ihn uns.“ So baten ihn die Seher, die nach Yoga verlangten.

1.6
pratyuvāca prahṛṣṭātmā namaskṛtya maheśvaram |
śṛṇudhvaṃ saṃpravakṣyāmi sarvasiddhiphalapradam || 1.6 ||
Er verneigte sich vor Maheshvara und antwortete freudigen Herzens: „Hört! Ich werde euch die Lehre verkünden, die sämtliche Früchte der Vollendung verleiht:

1.7
mālinīvijayaṃ tantraṃ parameśamukhodgatam |
bhuktimuktipradātāram umeśam amarārcitam || 1.7 ||
das Malinivijaya Tantra, das aus dem Mund des höchsten Herrn hervorgegangen ist. Den von den Unsterblichen verehrten Gemahl Umas, der Welterfahrung und Befreiung gewährt,

1.8
svasthānastham umā devī praṇipatyedam abravīt |
siddhayogeśvarītantraṃ navakoṭipravistaram || 1.8 ||
verehrte die Göttin Uma, als er an seinem eigenen Ort weilte, und sprach: ‚Das Siddhayogeshvari Tantra, das neunzig Millionen [Verse] umfasst,

1.9
yat tvayā kathitaṃ pūrvaṃ bhedatrayavisarpitam |
mālinīvijaye tantre koṭitritayalakṣite || 1.9 ||
hast du früher in drei Formen entfaltet. Im Malinivijaya Tantra, dessen Umfang mit dreißig Millionen angegeben wird,

1.10
yogamārgas tvayā proktaḥ suvistīrṇo maheśvara |
bhūyas tasyopasaṃhāraḥ prokto dvādaśabhis tathā || 1.10 ||
hast du den Yogaweg ausführlich gelehrt, Maheshvara. Anschließend hast du ihn wiederum auf zwölftausend

1.11
sahasraiḥ so 'pi vistīrṇo gṛhyate nālpabuddhibhiḥ |
atas tam upasaṃhṛtya samāsād alpadhīhitam || 1.11 ||
[Verse] zusammengefasst; auch diese Fassung ist umfangreich und wird von Menschen mit geringer Einsicht nicht erfasst. Fasse sie deshalb weiter zusammen, zum Nutzen der weniger Einsichtigen.

1.12
sarvasiddhikaraṃ brūhi prasādāt parameśvara |
evam uktas tadā devyā prahasyovāca viśvarāṭ || 1.12 ||
Verkünde aus Gnade eine kurze Lehre, die alle Vollendungen bewirkt, höchster Herr!‘ Auf diese Worte der Göttin antwortete der Weltenherr lächelnd:

1.13
śṛṇu devi pravakṣyāmi siddhayogeśvarīmatam |
yan na kasya cid ākhyātaṃ mālinīvijayottaram || 1.13 ||
‚Höre, Göttin! Ich werde die Lehre der Siddhayogeshvari verkünden: das Malinivijayottara, das noch niemandem offenbart wurde.

1.14
mayāpy etat purā prāptam aghorāt paramātmanaḥ |
upādeyaṃ ca heyaṃ ca vijñeyaṃ paramārthataḥ || 1.14 ||
Auch ich empfing es einst von Aghora, dem höchsten Selbst. Was anzunehmen und was aufzugeben ist, soll seinem wirklichen Wesen nach erkannt werden.

1.15
śivaḥ śaktiḥ savidyeśā mantrā mantreśvarāṇavaḥ |
upādeyam iti proktam etat ṣaṭkaṃ phalārthinām || 1.15 ||
Shiva, Shakti, die Vidyeshas, Mantras, Mantreshvaras und die individuellen Seelen: Diese Sechsheit wird den nach Früchten Strebenden als anzunehmen bezeichnet.

1.16
malaḥ karma ca māyā ca māyīyam akhilaṃ jagat |
sarvaṃ heyam iti proktaṃ vijñeyaṃ vastu niścitam || 1.16 ||
Befleckung, Karma, Maya und die gesamte aus Maya bestehende Welt gelten als aufzugeben. Das zu erkennende Wirkliche ist genau zu bestimmen.

1.17
etaj jñātvā parityajya sarvasiddhiphalaṃ labhet |
tatreśaḥ sarvakṛc chāntaḥ sarvajñaḥ sarvakṛt prabhuḥ || 1.17 ||
Wer dies erkennt und [das Aufzugebende] hinter sich lässt, erlangt die Frucht aller Vollendungen. Der Herr ist dabei der Allwirkende, Friedvolle, Allwissende, alles vollbringende Gebieter.

1.18
sakalo niṣkalo 'nantaḥ śaktir apy asya tadvidhā |
sa sisṛkṣur jagat sṛṣṭer ādāv eva nijecchayā || 1.18 ||
Er besitzt Teile und ist ohne Teile; er ist unbegrenzt. Seine Shakti ist von derselben Art. Als er die Welt hervorbringen wollte, erweckte er zu Beginn der Schöpfung aus eigenem Willen

1.19
vijñānakevalān aṣṭau bodhayām āsa pudgalān |
aghoraḥ paramo ghoro ghorarūpas tadānanaḥ || 1.19 ||
acht individuelle Wesen im Zustand des Vijnanakevala. [Genannt werden:] Aghora, der höchste Ghora, Ghorarupa und Tadanana,

1.20
bhīmaś ca bhīṣaṇaś caiva vamanaḥ pivanas tathā |
etān aṣṭau sthitidhvaṃsarakṣānugrahakāriṇaḥ || 1.20 ||
Bhima, Bhishana, Vamana und Pivana. Diese acht bewirken Bestand, Vernichtung, Schutz und Gnade.

1.21
mantramantreśvare śuddhe saṃniyojya tataḥ punaḥ |
mantrāṇām asṛjat tadvat saptakoṭīḥ samaṇḍalāḥ || 1.21 ||
Nachdem er sie im reinen Bereich der Mantras und Mantreshvaras eingesetzt hatte, schuf er ebenso siebzig Millionen Mantras mitsamt ihren Kreisen.

1.22
sarve 'py ete mahātmāno mantrāḥ sarvaphalapradāḥ |
ātmā caturvidho jñeyas tatra vijñānakevalaḥ || 1.22 ||
Alle diese erhabenen Mantras verleihen sämtliche Früchte. Das Selbst soll als vierfach erkannt werden; darunter ist der Vijnanakevala

1.23
malaikayuktas tatkarmayuktaḥ pralayakevalaḥ |
malam ajñānam icchanti saṃsārāṅkurakāraṇam || 1.23 ||
allein mit der Befleckung verbunden, der Pralayakevala mit ihr und mit Karma. Als Befleckung gilt das Nichtwissen, aus dem der Keim des Daseinskreislaufs entsteht.

1.24
dharmādharmātmakaṃ karma sukhaduḥkhādilakṣaṇam |
īśvarecchāvaśād asya bhogecchā saṃprajāyate || 1.24 ||
Karma besteht aus verdienstvollem und unverdienstvollem Handeln und äußert sich in Freude, Leid und anderem. Nach dem Willen des Herrn entsteht in diesem [Selbst] das Verlangen nach Erfahrung.

1.25
bhogasādhanasaṃsiddhyai bhogecchor asya mantrarāṭ |
jagad utpādayām āsa māyām āviśya śaktibhiḥ || 1.25 ||
Um dem nach Erfahrung Verlangenden die Mittel dazu zu verschaffen, trat der Mantraherr mit seinen Kräften in Maya ein und brachte die Welt hervor.

1.26
sā caikā vyāpinī sūkṣmā niṣkalā jagato nidhiḥ |
anādyantāśiveśānī vyayahīnā ca kathyate || 1.26 ||
Diese [Maya] ist eine, alldurchdringend, subtil, ungeteilt und der Aufbewahrungsort der Welt. Sie heißt anfangs- und endlos, unvergänglich und Herrin des unheilvollen [Bereichs].

1.27
asūta sā kalātattvaṃ yad yogād abhavat pumān |
jātakartṛtvasāmarthyo vidyārāgau tato 'sṛjat || 1.27 ||
Sie gebar das Prinzip Kala; durch dessen Verbindung erhielt die Person Handlungsvermögen. Danach brachte sie Vidya und Raga hervor.

1.28
vidyā vivecayaty asya karma tatkāryakāraṇe |
rāgo 'nurañjayaty enaṃ svabhogeṣv aśuciṣv api || 1.28 ||
Vidya unterscheidet für die Person Handlung sowie deren Wirkung und Ursache. Raga bindet sie an ihre Erfahrungen, selbst wenn diese unrein sind.

1.29
niyatir yojayaty enaṃ svake karmaṇi pudgalam |
kālo 'pi kalayaty enaṃ tuṭyādibhir avasthitaḥ || 1.29 ||
Niyati verknüpft das individuelle Wesen mit seinem eigenen Karma. Kala, die Zeit, bemisst es durch Zeitabschnitte, angefangen bei der Truti.

1.30
tata eva kalātattvād avyaktam asṛjat tataḥ |
guṇān aṣṭaguṇāṃ tebhyo dhiyaṃ dhīto 'py ahaṅkṛtim || 1.30 ||
Aus dem Prinzip Kala schuf sie sodann das Unentfaltete, daraus die Gunas und aus ihnen den achtfach bestimmten Intellekt; aus diesem entstand das Ichbewusstsein.

1.31
tat tridhā taijasāt tasmān mano 'kṣeśam ajāyata |
vaikārikāt tato 'kṣāṇi tanmātrāṇi tṛtīyakāt || 1.31 ||
Dieses ist dreifach. Aus seiner feurigen Form entstand der Geist als Herr der Sinne; aus der verändernden Form entstanden die Sinnesvermögen, aus der dritten die feinstofflichen Sinnesqualitäten.

1.32
śrotraṃ tvakcakṣuṣī jihvā ghrāṇaṃ buddhīndriyāṇi tu |
karmendriyāṇi vākpāṇipāyūpasthāṅghrayaḥ kramāt || 1.32 ||
Ohr, Haut, Auge, Zunge und Nase sind die Erkenntnisorgane. Die Handlungsorgane sind der Reihe nach Rede, Hand, Ausscheidungsorgan, Geschlechtsorgan und Fuß.

1.33
kalādikṣitiparyantam etat saṃsāramaṇḍalam |
samudrādi jagat kṛtsnaṃ parivartayatīcchayā || 1.33 ||
Dieser Kreis des Daseins reicht von Kala bis zur Erde. [Der Herr] setzt die gesamte Welt mit ihren Meeren und allem Übrigen nach seinem Willen in Bewegung.

1.34
bhedaḥ paraḥ kalādīnāṃ bhuvanatvena yaḥ sthitaḥ |
asṛjat tam asāv eva bhogināṃ bhogasiddhaye || 1.34 ||
Auch die weitere Ausdifferenzierung der Prinzipien von Kala an in Gestalt von Welten schuf er selbst, damit die Erfahrenden ihre Erfahrungen erlangen.

1.35
ity anena kalādyena dharāntena samanvitāḥ |
pumāṃsaḥ sakalā jñeyās tadavasthājighāṃsubhiḥ || 1.35 ||
Personen, die mit den Prinzipien von Kala bis zur Erde verbunden sind, heißen Sakalas. Das sollen diejenigen wissen, welche ihre Zustände erkennen wollen.

1.36
avasthātritaye 'py asmiṃs tirobhāvanaśīlayā |
śivaśaktyā samākrāntāḥ prakurvanti viceṣṭitam || 1.36 ||
In allen drei Zuständen werden sie von Shivas verhüllender Kraft erfasst und vollziehen ihre vielfältigen Tätigkeiten.

1.37
evaṃ jagati sarvatra rudrāṇāṃ yogyatāvaśāt |
aṅguṣṭhamātrapūrvāṇāṃ śatam aṣṭādaśottaram || 1.37 ||
So begnadete Shiva überall in der Welt, entsprechend ihrer Befähigung, einhundertachtzehn Rudras, beginnend mit Angushtamatra,

1.38
anugṛhya śivaḥ sākṣān mantreśatve niyuktavān |
te svagocaram āsādya bhuktimuktiphalārthinām || 1.38 ||
und setzte sie unmittelbar als Mantreshvaras ein. In ihren jeweiligen Wirkungsbereichen gewähren sie denen, die Welterfahrung und Befreiung erstreben,

1.39
brahmādīnāṃ prayacchanti svabalena samaṃ phalam |
ṛṣibhyas te 'pi te cānu manvantebhyo mahādhipāḥ || 1.39 ||
angefangen bei Brahma, Früchte entsprechend ihrer eigenen Macht. Diese wiederum [belehren] die Seher, diese die nachfolgenden großen Herrscher,

1.40
heyopādeyavijñānaṃ kathayanti śivoditam |
brahmādistambaparyante jātamātre jagaty alam || 1.40 ||
und verkünden Shivas Lehre darüber, was aufzugeben und was anzunehmen ist. Sobald die Welt von Brahma bis zum Grashalm hervorgebracht war,

1.41
mantrāṇāṃ koṭayas tisraḥ sārdhāḥ śivaniyojitāḥ |
anugṛhyāṇusaṃghātaṃ yātāḥ padam anāmayam || 1.41 ||
begnadeten fünfunddreißig Millionen von Shiva eingesetzte Mantras die Scharen individueller Seelen und gingen in den leidfreien Zustand ein.

1.42
evam asyātmanaḥ kāle kasmiṃś cid yogyatāvaśāt |
śaivī saṃbadhyate śaktiḥ śāntā muktiphalapradā || 1.42 ||
Ebenso verbindet sich irgendwann, entsprechend seiner Eignung, Shivas friedvolle, Befreiung gewährende Kraft mit diesem individuellen Selbst.

1.43
tatsaṃbandhāt tataḥ kaś cit tatkṣaṇād apavṛjyate |
ajñānena sahaikatvaṃ kasya cid vinivartate || 1.43 ||
Durch diese Verbindung wird der eine augenblicklich befreit; bei einem anderen löst sich die Gleichsetzung mit dem Nichtwissen.

1.44
rudraśaktisamāviṣṭaḥ sa yiyāsuḥ śivecchayā |
bhuktimuktiprasiddhyarthaṃ nīyate sadguruṃ prati || 1.44 ||
Von Rudras Kraft durchdrungen und nach Shivas Willen zum Aufbruch bereit, wird er zu einem wahren Guru geführt, um Welterfahrung und Befreiung zu erlangen.

1.45
tam ārādhya tatas tuṣṭād dīkṣām āsādya śāṅkarīm |
tatkṣaṇād vopabhogād vā dehapāte śivaṃ vrajet || 1.45 ||
Er verehrt ihn und empfängt vom zufriedenen Lehrer Shivas Einweihung. Darauf gelangt er zu Shiva: unmittelbar oder nach vollzogener Erfahrung beim Verlassen des Körpers.

1.46
yogadīkṣāṃ samāsādya jñātvā yogaṃ samabhyaset |
yogasiddhim avāpnoti tadante śāśvataṃ padam || 1.46 ||
Wer die Yogaeinweihung empfangen hat, soll Yoga kennenlernen und üben. Er erlangt die Vollendung des Yoga und zuletzt den ewigen Zustand.

1.47
anena kramayogena saṃprāptaḥ paramaṃ padam |
na bhūyaḥ paśutām eti śuddhe svātmani tiṣṭhati || 1.47 ||
Hat er durch diesen stufenweisen Zusammenhang den höchsten Zustand erreicht, fällt er nicht wieder in Gebundenheit zurück, sondern ruht in seinem reinen Selbst.

1.48
ātmā caturvidho hy eṣa punar eṣa caturvidhaḥ |
ācāryatvādibhedena śuddhātmā paripaṭhyate || 1.48 ||
Dieses Selbst ist vierfach. Das gereinigte Selbst wird wiederum vierfach unterschieden, nach der Stellung als Acharya und den weiteren [Einweihungskategorien].

1.49
nityāditritayaṃ kuryād guruḥ sādhaka eva ca |
nityam eva dvayaṃ cānyo yāvajjīvaṃ śivājñayā || 1.49 ||
Guru und Sadhaka sollen die drei Arten von Pflichten, beginnend mit den regelmäßigen, erfüllen; die beiden anderen nur die regelmäßigen, lebenslang nach Shivas Gebot.

1.50
upādeyaṃ ca heyaṃ ca tad etat parikīrtitam |
jñātvaitaj jñeyasarvasvaṃ sarvasiddhyaraho bhavet || 1.50 ||
Damit sind das Anzunehmende und das Aufzugebende erklärt. Wer dieses Ganze des Wissenswerten erkennt, wird aller Vollendungen würdig.

Überlieferte Schlussformel
iti śrīmālinīvijayottare tantre prathamo 'dhikāraḥ samāptaḥ
Damit endet im erhabenen Malinivijayottara Tantra der 1. Abschnitt.

Kapitel 2: Durchdringung der Wirklichkeitsstufen

Überlieferte Kapitelüberschrift
vyāptyadhikāro dvitīyaḥ
Zweiter Abschnitt: Durchdringung.

2.1
athaiṣām eva tattvānāṃ dharādīnām anukramāt |
prapañcaḥ kathyate leśād yogināṃ yogasiddhaye || 2.1 ||
Nun wird die Entfaltung dieser Prinzipien, von der Erde an, in ihrer Reihenfolge kurz erklärt, damit Yogis die Vollendung des Yoga erlangen.

2.2
śaktimacchaktibhedena dharātattvaṃ vibhidyate |
svarūpasahitaṃ tac ca vijñeyaṃ daśapañcadhā || 2.2 ||
Das Erdprinzip wird nach Kraftträgern und Kräften unterschieden. Mitsamt seiner eigenen Gestalt ist es als fünfzehnfach zu erkennen.

2.3
śivādisakalātmāntāḥ śaktimantaḥ prakīrtitāḥ |
tacchaktayaś ca vijñeyās tadvad eva vicakṣaṇaiḥ || 2.3 ||
Von Shiva bis zur gebundenen Seele werden die Kraftträger aufgezählt. Entsprechend sollen Einsichtige auch deren Kräfte erkennen.

2.4
evaṃ jalādimūlāntaṃ tattvavrātam idaṃ mahat |
pṛthag bhedair imair bhinnaṃ vijñeyaṃ tatphalepsubhiḥ || 2.4 ||
Ebenso ist die große Gruppe der Prinzipien vom Wasser bis zur Urnatur jeweils nach diesen Unterscheidungen zu erkennen, wenn man ihre Früchte erstrebt.

2.5
anenaiva vidhānena puṃstattvāt tu kalāntikam |
trayodaśavidhaṃ jñeyaṃ rudravat pralayākalaḥ || 2.5 ||
Auf dieselbe Weise ist der Bereich von der Person bis zu Kala dreizehnfach zu verstehen; der Pralayakala [wird dabei] wie Rudra [eingeordnet].

2.6
tadvan māyāpi vijñeyā navadhā jñānakevalaḥ |
mantrāḥ saptavidhās tadvat pañcadhā mantranāyakāḥ || 2.6 ||
Ebenso ist Maya zu erkennen. Der Jnanakevala ist neunfach, die Mantras sind siebenfach, die Mantraführer fünffach.

2.7
tridhā mantreśvareśānāḥ śivaḥ sākṣān na bhidyate |
bhedaḥ prakathito leśād ananto vistarād ayam || 2.7 ||
Die Herren der Mantreshvaras sind dreifach; Shiva selbst wird nicht unterteilt. Diese Unterscheidung ist kurz dargelegt; ausführlich ist sie unbegrenzt.

2.8
evaṃ bhuvanamālāpi bhinnā bhedair imaiḥ sphuṭam |
vijñeyā yogasiddhyarthaṃ yogibhir yogapūjitā || 2.8 ||
Auch die Kette der Welten ist nach diesen Unterscheidungen gegliedert. Yogis sollen sie, die im Yoga verehrt wird, zur Vollendung ihres Yoga erkennen.

2.9
eteṣām eva tattvānāṃ bhuvanānāṃ ca śāṅkari |
ya ekam api jānāti so 'pi yogaphalaṃ labhet || 2.9 ||
Wer auch nur eines dieser Prinzipien oder eine dieser Welten erkennt, Shankari, erlangt bereits eine Frucht des Yoga.

2.10
yaḥ punaḥ sarvatattvāni vetty etāni yathārthataḥ |
sa gurur matsamaḥ prokto mantravīryaprakāśakaḥ || 2.10 ||
Wer jedoch alle diese Prinzipien ihrem wirklichen Wesen nach kennt, gilt als ein mir gleicher Guru, der die Wirkkraft der Mantras offenbart.

2.11
dṛṣṭāḥ saṃbhāṣitās tena spṛṣṭāś ca prītacetasā |
narāḥ pāpaiḥ pramucyante saptajanmakṛtair api || 2.11 ||
Menschen, die er wohlwollend ansieht, anspricht oder berührt, werden selbst von Verfehlungen aus sieben Geburten befreit.

2.12
ye punar dīkṣitās tena prāṇinaḥ śivacoditāḥ |
te yatheṣṭaṃ phalaṃ prāpya gacchanti paramaṃ padam || 2.12 ||
Lebewesen, die nach Shivas Antrieb von ihm eingeweiht werden, erlangen die gewünschte Frucht und gehen in den höchsten Zustand ein.

2.13
rudraśaktisamāveśas tatra nityaṃ pratiṣṭhitaḥ |
sati tasmiṃś ca cihnāni tasyaitāni vilakṣayet || 2.13 ||
In ihm ist das Durchdrungensein von Rudras Kraft beständig gegründet. Wenn es vorliegt, soll man folgende Kennzeichen wahrnehmen.

2.14
tatraitat prathamaṃ cihnaṃ rudre bhaktiḥ suniścalā |
dvitīyaṃ mantrasiddhiḥ syāt sadyaḥpratyayakārikā || 2.14 ||
Das erste Zeichen ist unerschütterliche Hingabe an Rudra; das zweite die Vollendung der Mantras, die unmittelbar Gewissheit bewirkt.

2.15
sarvasattvavaśitvaṃ ca tṛtīyaṃ lakṣaṇaṃ smṛtam |
prārabdhakāryaniṣpattiś cihnam āhuś caturthakam || 2.15 ||
Als drittes Kennzeichen gilt die Herrschaft über alle Wesen; als viertes das Gelingen begonnener Vorhaben.

2.16
kavitvaṃ pañcamaṃ proktaṃ sālaṃkāraṃ manoharam |
sarvaśāstrārthavettṛtvam akasmāc cāsya jāyate || 2.16 ||
Als fünftes wird anmutige, mit Redeschmuck versehene Dichtkunst genannt. Unvermittelt entsteht auch das Verständnis sämtlicher Lehrschriften.

2.17
rudraśaktisamāveśaḥ pañcadhā paripaṭhyate |
bhūtatattvātmamantreśaśaktibhedād varānane || 2.17 ||
Das Durchdrungensein von Rudras Kraft wird fünffach dargestellt, schöne Göttin: nach Elementen, Prinzipien, Selbst, Mantraherren und Kraft.

2.18
pañcadhā bhūtasaṃjñas tu tathā triṃśatidhā paraḥ |
ātmākhyas trividhaḥ prokto daśadhā mantrasaṃjñakaḥ || 2.18 ||
Die nach den Elementen benannte Form ist fünffach, die nächste dreißigfach; die nach dem Selbst benannte dreifach, die nach den Mantras benannte zehnfach.

2.19
dvividhaḥ śaktisaṃjño 'pi jñātavyaḥ paramārthataḥ |
pañcāśadbhedabhinno 'yaṃ samāveśaḥ prakīrtitaḥ || 2.19 ||
Auch die nach der Kraft benannte Form ist ihrem Wesen nach zweifach zu erkennen. Damit ist dieses Eingehen als fünfzigfach unterschieden erklärt.

2.20
āṇavo 'yaṃ samākhyātaḥ śākto 'py evaṃvidhaḥ smṛtaḥ |
evaṃ śāmbhavam apy ebhir bhedair bhinnaṃ vilakṣayet || 2.20 ||
Dies wurde als Anava beschrieben; entsprechend gilt auch das Shakta als gegliedert. Ebenso soll man das Shambhava nach diesen Unterscheidungen verstehen.

2.21
uccārakaraṇadhyānavarṇasthānaprakalpanaiḥ |
yo bhavet sa samāveśaḥ samyag āṇava ucyate || 2.21 ||
Ein Eingehen, das durch Laut- beziehungsweise Atemerhebung, körperliche Verfahren, Meditation, Laute und die Vorstellung von Orten entsteht, wird Anava genannt.

2.22
uccārarahitaṃ vastu cetasaiva vicintayan |
yam āveśam avāpnoti śāktaḥ so 'trābhidhīyate || 2.22 ||
Wer eine Wirklichkeit ohne Lauterhebung allein mit dem Geist betrachtet und dadurch ein Eingehen erlangt: Dieses heißt hier Shakta.

2.23
akiṃciccintakasyaiva guruṇā pratibodhataḥ |
jāyate yaḥ samāveśaḥ śāmbhavo 'sāv udīritaḥ || 2.23 ||
Das Eingehen, das bei einem von jeder gedanklichen Tätigkeit Freien durch die Erweckung seitens des Gurus entsteht, wird Shambhava genannt.

2.24
sārdham etac chataṃ proktaṃ bhedānām anupūrvaśaḥ |
saṃkṣepād vistarād asya parisaṃkhyā na vidyate || 2.24 ||
Damit sind der Reihe nach einhundertfünfzig Unterscheidungen kurz genannt. In ausführlicher Darstellung ist ihre Zahl nicht zu bestimmen.

2.25
saṃvittiphalabhedo 'tra na prakalpyo manīṣibhiḥ |
bhedo 'paro 'pi saṃkṣepāt kathyamāno 'vadhāryatām || 2.25 ||
Einsichtige sollen daraus keinen Unterschied der Erkenntnisfrucht konstruieren. Hört aufmerksam eine weitere, kurz gefasste Unterscheidung.

2.26
jāgratsvapnādibhedena sarvāveśakramo budhaiḥ |
pañcabhinnaḥ parijñeyaḥ svavyāpārāt pṛthak pṛthak || 2.26 ||
Nach Wachen, Traum und den weiteren Zuständen sollen Kundige die Folge aller Formen des Eingehens fünffach unterscheiden, jeweils nach ihrer eigenen Tätigkeit.

2.27
tatra svarūpaṃ śaktiś ca sakalaś ceti tattrayam |
iti jāgradavastheyaṃ bhede pañcadaśātmake || 2.27 ||
Im fünfzehnfach gegliederten Bereich bilden die eigene Gestalt, die Kraft und der Sakala diese Dreiheit: Sie ist der Wachzustand.

2.28
akalau dvau parijñeyau samyak svapnasuṣuptayoḥ |
mantrāditatpatīśānavargas turya iti smṛtaḥ || 2.28 ||
Die beiden Akalas sind entsprechend als Traum und Tiefschlaf zu erkennen. Die Gruppe der Mantras, ihrer Herren und Oberherren gilt als der vierte Zustand.

2.29
śaktiśaṃbhū parijñeyau turyātīte varānane |
trayodaśātmake bhede svarūpam akalāv ubhau || 2.29 ||
Shakti und Shambhu sind als das jenseits des Vierten zu erkennen, schöne Göttin. Im dreizehnfach gegliederten Bereich [folgen] die eigene Gestalt und die beiden Akalas,

2.30
mantramantreśvareśānāḥ śaktiśaṃbhū ca kīrtitau |
pralayākalabhede 'pi svaṃ vijñānakalāv ubhau || 2.30 ||
die Mantras, ihre Herren und Oberherren sowie Shakti und Shambhu. Auch beim Pralayakala [werden] die eigene Gestalt und der Vijnanakala [unterschieden],

2.31
mantramantreśvareśānāḥ śaktīśāv api pūrvavat |
navadhā kīrtite bhede svaṃ mantrā mantranāyakāḥ || 2.31 ||
sodann die Mantras, ihre Herren und Oberherren sowie Shakti und der Herr wie zuvor. In der neunfachen Gliederung [stehen] die eigene Gestalt, die Mantras und ihre Führer,

2.32
tadīśāḥ śaktiśaṃbhū ca pañcāvasthāḥ prakīrtitāḥ |
pūrvavat saptabhede 'pi svaṃ mantreśeśaśaktayaḥ || 2.32 ||
deren Oberherren sowie Shakti und Shambhu: So sind die fünf Zustände erklärt. Ebenso im siebenfachen Bereich: die eigene Gestalt, die Mantraherren, deren Herren, Shakti

2.33
śivaś ceti parijñeyāḥ pañcaiva varavarṇini |
svaṃ śaktiḥ sanijeśānā śaktiśaṃbhū ca pañcake || 2.33 ||
und Shiva; auch hier sind es fünf, schöne Göttin. Im fünffachen Bereich [stehen] die eigene Gestalt, die Kraft samt ihrem Herrn sowie Shakti und Shambhu.

2.34
trike svaśaktiśaktīcchāśivapadaṃ vilakṣayet |
svavyāpārādhipatvena taddhīnaprerakatvataḥ || 2.34 ||
Im dreifachen Bereich soll man die eigene Gestalt, die eigene Kraft, deren Willen und Shivas Zustand unterscheiden: durch die Herrschaft über die eigene Tätigkeit und das Antreiben des Untergeordneten,

2.35
icchānivṛtteḥ svasthatvād abhinnam api pañcadhā |
iti pañcātmake bhede vijñeyaṃ vastu kīrtitam || 2.35 ||
durch das Zurücktreten des Willens und das Ruhen in sich selbst [wird] auch das Ungeteilte fünffach [betrachtet]. So ist das Wissenswerte nach der fünffachen Gliederung erklärt.

2.36
bhūyo 'py āsām avasthānāṃ saṃjñābhedaḥ prakāśyate |
piṇḍasthaḥ sarvatobhadro jāgrannāmadvayaṃ matam || 2.36 ||
Nun werden weitere Bezeichnungen dieser Zustände erläutert. Pindastha und Sarvatobhadra gelten als zwei Namen des Wachzustands.

2.37
dvisaṃjñaṃ svapnam icchanti padasthaṃ vyāptir ity api |
rūpasthaṃ tu mahāvyāptiḥ suṣuptasyāpi taddvayam || 2.37 ||
Auch für den Traum werden zwei Namen verwendet: Padastha und Vyapti. Für den Tiefschlaf sind es Rupastha und Mahavyapti.

2.38
pracayaṃ rūpātītaṃ ca samyak turyam udāhṛtam |
mahāpracayam icchanti turyātītaṃ vicakṣaṇāḥ || 2.38 ||
Der vierte Zustand wird Pracaya und Rupatita genannt; das jenseits des Vierten nennen die Einsichtigen Mahapracaya.

2.39
pṛthak tattvaprabhedena bhedo 'yaṃ samudāhṛtaḥ |
sarvāṇi eva tattvāni pañcaitāni yathā śṛṇu || 2.39 ||
Diese Einteilung wurde für die einzelnen Prinzipien erklärt. Höre nun, wie sämtliche Prinzipien insgesamt diese fünf [Bereiche] bilden.

2.40
bhūtatattvābhidhānānāṃ yo 'ṃśo 'dhiṣṭheya iṣyate |
piṇḍastham iti taṃ prāhuḥ padastham aparaṃ viduḥ || 2.40 ||
Der zu beherrschende Anteil der als Elemente und Prinzipien bezeichneten Wirklichkeiten heißt Pindastha; den anderen erkennt man als Padastha.

2.41
mantrās tatpatayaḥ seśā rūpastham iti kīrtyate |
rūpātītaṃ parā śaktiḥ savyāpārāpy anāmayā || 2.41 ||
Mantras, ihre Herren und deren Oberherren heißen Rupastha. Rupatita ist die höchste, leidfreie Shakti, auch wenn sie tätig ist.

2.42
niṣprapañco nirābhāsaḥ śuddhaḥ svātmany avasthitaḥ |
sarvātītaḥ śivo jñeyo yaṃ viditvā vimucyate || 2.42 ||
Als über allem stehend ist Shiva zu erkennen: frei von Entfaltung und Erscheinungsbildern, rein und in sich selbst gegründet. Wer ihn erkennt, wird befreit.

2.43
caturvidhaṃ tu piṇḍastham abuddhaṃ buddham eva ca |
prabuddhaṃ suprabuddhaṃ ca padasthaṃ ca caturvidham || 2.43 ||
Pindastha ist vierfach: unerwacht, erwacht, deutlich erwacht und vollkommen erwacht. Auch Padastha ist vierfach:

2.44
gatāgataṃ suvikṣiptaṃ saṅgataṃ susamāhitam |
caturdhā rūpasaṃsthaṃ tu jñātavyaṃ yogacintakaiḥ || 2.44 ||
hin- und hergehend, stark zerstreut, gesammelt und vollkommen gesammelt. Ebenso sollen die über Yoga Nachdenkenden Rupastha vierfach erkennen:

2.45
uditaṃ vipulaṃ śāntaṃ suprasannam athāparam |
manonmanam anantaṃ ca sarvārthaṃ satatoditam || 2.45 ||
aufgegangen, ausgedehnt, befriedet und völlig klar. [Die weiteren Bezeichnungen lauten:] Manonmana, Ananta, Sarvartha und Satatodita.

2.46
pracaye tatra saṃjñeyam ekaṃ tanmahati sthitam |
ity evaṃ pañcadhādhvānaṃ tridhedānīṃ nigadyate || 2.46 ||
Diese sind im Pracaya zu erkennen; im großen [Pracaya] besteht Einheit. Der so fünffach beschriebene Weg wird jetzt dreifach erklärt.

2.47
vijñānākalaparyantam ātmatattvam udāhṛtam |
īśvarāntaṃ ca vidyāhvaṃ śeṣaṃ śivapadaṃ viduḥ || 2.47 ||
Bis zum Vijnanakala reicht das als Atmatattva bezeichnete Prinzip; bis Ishvara das Vidya genannte. Den verbleibenden Bereich kennt man als Shivas Zustand.

2.48
evaṃ bhedair imair bhinnas tatrādhvā parikīrtitaḥ |
yugapat sarvamārgāṇāṃ prabhedaḥ procyate 'dhunā || 2.48 ||
So ist der Weg nach diesen Gliederungen beschrieben. Jetzt wird die gemeinsame Gliederung sämtlicher Wege erklärt.

2.49
pārthivaṃ prākṛtaṃ caiva māyīyaṃ śāktam eva ca |
iti saṅkṣepataḥ proktam etad aṇḍacatuṣṭayam || 2.49 ||
Das erdhafte, das zur Urnatur gehörige, das Maya zugehörige und das Shakti zugehörige: Dies sind kurz die vier Welteneier.

2.50
pṛthag dvayam asaṅkhyātam ekam ekaṃ pṛthak pṛthak |
ādyaṃ dhārikayā vyāptaṃ tatraikaṃ tattvam iṣyate || 2.50 ||
Die ersten beiden sind jeweils unzählig, die beiden anderen jeweils eines. Das erste ist von Dharika durchdrungen; ihm wird ein Prinzip zugeordnet.

2.51
ekam ekaṃ pṛthak kṣārṇaṃ padārṇamanuṣu smaret |
kālāgnibhuvanād yāvad vīrabhadrapurottamam || 2.51 ||
Je ein [entsprechendes Glied] soll man bei Lauten, Wörtern und Mantras betrachten. Vom Reich Kalagnis bis zur höchsten Stadt Virabhadras

2.52
puraṣoḍaśakaṃ jñeyaṃ ṣaḍvidho 'dhvā prakīrtitaḥ |
āpyāyinyā dvitīyaṃ ca tatra tattvāni lakṣayet || 2.52 ||
sind sechzehn Welten zu erkennen. So ist der sechsfache Weg bezeichnet. Das zweite [Weltenei ist durchdrungen] von Apyayini; darin soll man die Prinzipien erkennen:

2.53
trayoviṃśatyabādīni tadvad dhādyakṣarāṇi ca |
padāni pañca mantrāś ca ṣaṭpañcāśatpurāṇi ca || 2.53 ||
dreiundzwanzig, beginnend mit Wasser; entsprechend die Laute von dha an, fünf Wörter, [fünf] Mantras und sechsundfünfzig Welten.

2.54
tattvāni sapta bodhinyā tac caturdhā purāṇi ca |
tṛtīye sapta varṇāḥ syuḥ padamantradvayaṃ dvayam || 2.54 ||
Im dritten [Weltenei, durchdrungen] von Bodhini, sind sieben Prinzipien und viermal so viele Welten; sieben Laute sowie jeweils zwei Wörter und Mantras.

2.55
utpūyinyā caturthaṃ tu tatra tattvatrayaṃ viduḥ |
varṇatrayaṃ mantram ekaṃ padam ekaṃ ca lakṣayet || 2.55 ||
Das vierte [Weltenei ist durchdrungen] von Utpuyini. Darin kennt man drei Prinzipien, drei Laute, einen Mantra und ein Wort.

2.56
aṣṭādaśa vijānīyād bhuvanāni samāsataḥ |
śivatattvaṃ paraṃ śāntaṃ kalā tatrāvakāśadā || 2.56 ||
Als Welten soll man zusammen achtzehn erkennen. Das Shivaprinzip ist höchster Frieden; die zugehörige Kala ist Avakashada.

2.57
svaraṣoḍaśakaṃ mantraṃ padaṃ caikaṃ vilakṣayet |
ity evaṃ ṣaḍvidho 'py adhvā samāsāt parikīrtitaḥ || 2.57 ||
Man unterscheide dort sechzehn Vokale, einen Mantra und ein Wort. So ist der sechsfache Weg kurz dargelegt.

2.58
śuddhāśuddhaṃ jagatsarvaṃ brahmāṇḍaprabhavaṃ yataḥ |
tasmāc chuddham imaiḥ śuddhair brahmāṇḍaiḥ sarvam iṣyate || 2.58 ||
Die ganze reine und unreine Welt geht aus den Welteneiern hervor. Daher gilt alles als gereinigt, wenn diese Welteneier gereinigt sind.

2.59
brahmā viṣṇuś ca rudraś ca īśvaraś ceti suvrate |
pṛthag eteṣu boddhavyaṃ śāntaṃ paticatuṣṭayam || 2.59 ||
Brahma, Vishnu, Rudra und Ishvara: Diese friedvolle Vierheit von Herren ist jeweils in ihnen zu erkennen, Gelübdetreue.

2.60
yo hi yasmād guṇotkṛṣṭaḥ sa tasmād ūrdhva ucyate |
etat te kathitaṃ sarvaṃ kim anyat paripṛcchasi || 2.60 ||
Wer einen anderen an Eigenschaften übertrifft, gilt als über ihm stehend. Damit habe ich dir alles erklärt. Was möchtest du noch fragen?

Überlieferte Schlussformel
iti śrīmālinīvijayottare tantre vyāptyadhikāro dvitīyaḥ samāptaḥ
Damit endet im erhabenen Malinivijayottara Tantra der 2. Abschnitt: Durchdringung der Wirklichkeitsstufen.

Kapitel 3: Gewinnung der Mantras

3.1
evam uktā mahādevī jagadānandakāriṇā |
praṇipatya punar vākyam idam āha jagatpatim || 3.1 ||
Als der Spender der Weltfreude so gesprochen hatte, verneigte sich die große Göttin und richtete erneut diese Worte an den Weltenherrn:

3.2
evam etan mahādeva nānyathā samudāhṛtam |
yathākhyātaṃ tathā jñātam āditaḥ samanukramāt || 3.2 ||
„So ist es, großer Gott; es wurde nicht anders dargelegt. Wie du es von Anfang an der Reihe nach erklärt hast, so habe ich es verstanden.

3.3
śivādivasturūpāṇāṃ vācakān parameśvara |
sāṃprataṃ śrotum icchāmi prasādād vaktum arhasi || 3.3 ||
Nun möchte ich die Laute hören, welche die Wirklichkeiten von Shiva an bezeichnen, höchster Herr. Erkläre sie mir aus Gnade!“

3.4
ity uktaḥ sa maheśānyā jagadārtiharo haraḥ |
vācakān avadan mantrān pāramparyakramāgatān || 3.4 ||
So von Maheshani angesprochen, verkündete Hara, der das Leid der Welt beseitigt, die bezeichnenden Mantras, wie sie in der Überlieferungsfolge weitergegeben wurden.

3.5
yā sā śaktir jagaddhātuḥ kathitā samavāyinī |
icchātvaṃ tasya sā devi sisṛkṣoḥ pratipadyate || 3.5 ||
„Die Kraft, die als dem Weltschöpfer untrennbar zugehörig erklärt wurde, nimmt bei seinem Wunsch zu erschaffen die Gestalt seines Willens an, Göttin.

3.6
saikāpi saty anekatvaṃ yathā gacchati tac chṛṇu |
evam etad iti jñeyaṃ nānyatheti suniścitam || 3.6 ||
Höre, wie sie, obwohl sie eine ist, zur Vielheit wird. ‚So ist dies zu erkennen, gewiss nicht anders‘:

3.7
jñāpayantī jagaty atra jñānaśaktir nigadyate |
evaṃbhūtam idaṃ vastu bhavatv iti yadā punaḥ || 3.7 ||
Indem sie auf diese Weise in der Welt Erkenntnis bewirkt, heißt sie Erkenntniskraft. Wenn sie dagegen den Entschluss annimmt: ‚Dieses Ding soll so beschaffen sein‘,

3.8
jātā tadaiva tat tadvat kurvaty atra kriyocyate |
evam eṣā dvirūpāpi punar bhedair anantatām || 3.8 ||
und es entsprechend hervorbringt, heißt sie Tätigkeit. Obwohl sie so zweifach ist, gelangt diese Herrin durch weitere Unterscheidungen zur Unbegrenztheit,

3.9
arthopādhivaśād yāti cintāmaṇir iveśvarī |
tatra tāvat samāpannā mātṛbhāvaṃ vibhidyate || 3.9 ||
entsprechend den Bedingungen der Gegenstände, gleich einem Wunschjuwel. Zunächst nimmt sie den Zustand der Mutter an und gliedert sich

3.10
dvidhā ca navadhā caiva pañcāśaddhā ca mālinī |
bījayonyātmakād bhedād dvidhā bījaṃ svarā matāḥ || 3.10 ||
als Malini zweifach, neunfach und fünfzigfach. Nach Samen und Mutterschoß ist sie zweifach; als Samen gelten die Vokale,

3.11
kādibhiś ca smṛtā yonir navadhā vargabhedataḥ |
pṛthag varṇavibhedena śatārdhakiraṇojjvalā || 3.11 ||
als Mutterschoß die Laute von ka an. Nach Lautgruppen ist sie neunfach; nach einzelnen Lauten leuchtet sie mit fünfzig Strahlen.

3.12
bījam atra śivaḥ śaktir yonir ity abhidhīyate |
vācakatvena sarvāpi śaṃbhoḥ śaktiś ca śasyate || 3.12 ||
Der Samen heißt hier Shiva, der Mutterschoß Shakti. In ihrer bezeichnenden Funktion wird sie insgesamt auch als Shambhus Kraft gerühmt.

3.13
vargāṣṭakam iha jñeyam aghorādyam anukramāt |
tad eva śaktibhedena māheśvaryādi cāṣṭakam || 3.13 ||
Die acht Lautgruppen sind der Reihe nach als Aghora und die weiteren [Rudras] zu erkennen; nach ihren Kräften bilden sie die Achtzahl von Maheshvari an.

3.14
māheśī brāhmaṇī caiva kaumārī vaiṣṇavī tathā |
aindrī yāmyā ca cāmuṇḍā yogīśī ceti tā matāḥ || 3.14 ||
Maheshi, Brahmani, Kaumari, Vaishnavi, Aindri, Yamya, Chamunda und Yogishi: Als diese werden sie verstanden.

3.15
śatārdhabhedabhinnānāṃ tatsaṃkhyānāṃ varānane |
rudrāṇāṃ vācakatvena kalpitāḥ parameṣṭhinā || 3.15 ||
Der höchste Herr bestimmte [die Laute] zur Bezeichnung der fünfzig verschieden gestalteten Rudras, schöne Göttin,

3.16
tadvad eva ca śaktīnāṃ tatsaṃkhyānām anukramāt |
sarvaṃ ca kathayiṣyāmi tāsāṃ bhedaṃ yathā śṛṇu || 3.16 ||
und ebenso der gleich vielen Shaktis in entsprechender Reihenfolge. Ich werde ihre gesamte Gliederung erklären; höre!

3.17
amṛto 'mṛtapūrṇaś ca amṛtābho 'mṛtadravaḥ |
amṛtaugho 'mṛtormiś ca amṛtasyandano 'paraḥ || 3.17 ||
Amrita, Amritapurna, Amritabha, Amritadrava, Amritaugha, Amritormi und Amritasyandana;

3.18
amṛtāṅgo 'mṛtavapur amṛtodgāra eva ca |
amṛtāsyo 'mṛtatanus tathā cāmṛtasecanaḥ || 3.18 ||
Amritanga, Amritavapus, Amritodgara, Amritasya, Amritatanu und Amritasecana;

3.19
tanmūrtir amṛteśaś ca sarvāmṛtadharo 'paraḥ |
ṣoḍaśaite samākhyātā rudrabījasamudbhavāḥ || 3.19 ||
Amritamurti, Amritesha und Sarvamritadhara: Diese sechzehn Rudras sind als aus den Samen hervorgegangen erklärt.

3.20
jayaś ca vijayaś caiva jayantaś cāparājitaḥ |
sujayo jayarudraś ca jayakīrtir jayāvahaḥ || 3.20 ||
Jaya, Vijaya, Jayanta, Aparajita, Sujaya, Jayarudra, Jayakirti und Jayavaha;

3.21
jayamūrtir jayotsāho jayado jayavardhanaḥ |
balaś cātibalaś caiva balabhadro balapradaḥ || 3.21 ||
Jayamurti, Jayotsaha, Jayada, Jayavardhana, Bala, Atibala, Balabhadra und Balaprada;

3.22
balāvahaś ca balavān baladātā baleśvaraḥ |
nandanaḥ sarvatobhadro bhadramūrtiḥ śivapradaḥ || 3.22 ||
Balavaha, Balavan, Baladata, Baleshvara, Nandana, Sarvatobhadra, Bhadramurti und Shivaprada;

3.23
sumanāḥ spṛhaṇo durgo bhadrakālo manonugaḥ |
kauśikaḥ kālaviśveśau suśivaḥ kopavardhanaḥ || 3.23 ||
Sumanas, Sprihana, Durga, Bhadrakala, Manonuga, Kaushika, Kala, Vishvesha, Sushiva und Kopavardhana:

3.24
ete yonisamudbhūtāś catustriṃśat prakīrtitāḥ |
strīpāṭhavaśam āpannā eta evātra śaktayaḥ || 3.24 ||
Diese vierunddreißig sind als aus dem Mutterschoß hervorgegangen erklärt. Werden dieselben Namen in weiblicher Form ausgesprochen, bezeichnen sie hier die Shaktis.

3.25
bījayonisamudbhūtā rudraśaktisamāśrayāḥ |
vācakānām anantatvāt parisaṃkhyā na vidyate || 3.25 ||
Sie gehen aus Samen und Mutterschoß hervor und gründen in Rudra und Shakti. Da ihre Bezeichnungen unbegrenzt sind, gibt es keine abschließende Zählung.

3.26
sarvaśāstrārthagarbhiṇyā ity evaṃvidhayānayā |
aghoraṃ bodhayām āsa svecchayā parameśvaraḥ || 3.26 ||
Mit dieser [Malini], welche die Bedeutungen aller Lehrschriften in sich trägt, erweckte der höchste Herr nach seinem Willen Aghora.

3.27
sa tayā saṃprabuddhaḥ san yoniṃ vikṣobhya śaktibhiḥ |
tatsamānaśrutīn varṇāṃs tatsaṃkhyān asṛjat prabhuḥ || 3.27 ||
Durch sie erwacht, bewegte der Herr den Mutterschoß mit seinen Kräften und schuf gleich viele Laute von entsprechendem Klang.

3.28
te tair āliṅgitāḥ santaḥ sarvakāmaphalapradāḥ |
bhavanti sādhakendrāṇāṃ nānyathā vīravandite || 3.28 ||
Von jenen umfasst, gewähren diese den führenden Sadhakas alle ersehnten Früchte; anders geschieht dies nicht, von Helden Verehrte.

3.29
tair idaṃ saṃtataṃ viśvaṃ sadevāsuramānuṣam |
tebhyaḥ śāstrāṇi vedāś ca saṃbhavanti punaḥ punaḥ || 3.29 ||
Sie durchziehen dieses gesamte Weltall mit Göttern, Dämonen und Menschen. Aus ihnen entstehen immer wieder die Lehrschriften und Veden.

3.30
anantasyāpi bhedasya śivaśakter mahātmanaḥ |
kāryabhedān mahādevi traividhyaṃ samudāhṛtam || 3.30 ||
Obwohl die erhabene Shivakraft unendlich gegliedert ist, wird sie nach ihren Wirkungen dreifach dargestellt, große Göttin.

3.31
viṣayeṣv eva saṃlīnān adho 'dhaḥ pātayanty aṇūn |
rudrāṇūnyāḥ samāliṅgya ghorataryo 'parāḥ smṛtāḥ || 3.31 ||
Die Kräfte, die sich mit den Rudra-Seelen verbinden und die in Sinnesgegenstände versunkenen Einzelseelen immer tiefer fallen lassen, heißen Ghoratari und Apara.

3.32
miśrakarmaphalāsaktiṃ pūrvavaj janayanti yāḥ |
muktimārganirodhinyās tāḥ syur ghorāḥ parāparāḥ || 3.32 ||
Diejenigen, die ebenso Bindung an die Früchte gemischten Handelns erzeugen und den Befreiungsweg versperren, heißen Ghora und Parapara.

3.33
pūrvavaj jantujātasya śivadhāmaphalapradāḥ |
parāḥ prakathitās tajjñair aghorāḥ śivaśaktayaḥ || 3.33 ||
Die Shivakräfte, die den Wesen entsprechend Shivas Zustand als Frucht verleihen, heißen bei den Kundigen Para und Aghora.

3.34
etāḥ sarvāṇusaṃghātam api niṣṭhā yathā sthitāḥ |
tathā te kathitāḥ śaṃbhoḥ śaktir ekaiva śāṅkarī || 3.34 ||
Damit habe ich dir erklärt, wie diese alle Scharen von Einzelseelen durchdringen und ihnen als Grundlage dienen. Shambhus Shankari-Kraft ist dennoch nur eine.

3.35
asyā vācakabhedena bhedo 'nyaḥ saṃpracakṣyate |
yatheṣṭaphalasaṃsiddhyai mantratantrānuvartinām || 3.35 ||
Nun wird eine weitere Gliederung nach ihren bezeichnenden Lauten erklärt, damit die Anhänger von Mantra und Tantra die gewünschten Früchte erlangen.

3.36
viśeṣavidhihīneṣu nyāsakarmasu mantravit |
nyasec chāktaśarīrārthaṃ bhinnayoniṃ tu mālinīm || 3.36 ||
Bei Nyasa-Handlungen ohne besondere Vorschrift soll der Mantrakundige Malini mit ihrer veränderten Lautfolge auflegen, um einen aus Shakti bestehenden Körper zu bilden.

3.37
na śikhā ṛṝḷṭ ca śiromālā tha mastakam |
netrāṇi cadha vai nāsā ī samudre ṇuṇū śrutī || 3.37 || †
Na bezeichnet den Haarschopf; die als »ṛ.Rḷṭ« überlieferte, gestörte Lautfolge die Kopfgirlande; tha den Kopf. Es folgen Zuordnungen zu Augen, Nase, Mudras und Ohren mit den Lautangaben »cadha«, »vai«, »ī« und »ṇuṇū«. [Die genaue Segmentierung dieser beschädigten Passage bleibt unsicher.]
Textanmerkung: Die Lautfolge »ṛ.Rḷṭ« und die Segmentierung der anschließenden Zuordnungen sind in der Vorlage gestört. Hier wird nur die technische Kodierung .R zu ṝ vereinheitlicht; eine sichere Rekonstruktion wird nicht behauptet.

3.38
bakavarga iā vaktradantajihvāsu vāci ca |
vabhayāḥ kaṇṭhadakṣādiskandhayor bhujayor ḍaḍhau || 3.38 ||
Ba, die ka-Gruppe, i und ā [gehören] zu Mund, Zähnen, Zunge und Rede; va, bha und ya zu Hals und den beiden Schultern; ḍa und ḍha zu den Armen.

3.39
ṭho hastayor jhañau śākhā jraṭau śūlakapālake |
pa hṛc chalau stanau kṣīram ā sa jīvo visargayuk || 3.39 ||
Ṭha [gehört] zu den Händen; jha und ña zu den Fingern; jra und ṭa zu Dreizack und Schädelschale; pa zum Herzen, cha und la zu den Brüsten; ā heißt Milch, sa mit Visarga heißt Lebensseele.

3.40
tatparaḥ kathitaḥ prāṇaḥ ṣakṣāv udaranābhigau |
maśaṃtāḥ kaṭiguhyoru yugmagā jānunī tathā || 3.40 ||
Der folgende [Laut] heißt Lebensatem; ṣa und kṣa liegen an Bauch und Nabel; ma, śa, Anusvara und ta [werden] Hüfte, Geschlechtsbereich, Schenkelpaar und Knien [zugeordnet].

3.41
eaikārau tathā jaṅghe tatparau caraṇau daphau |
ato vidyāś ca mantrāś ca samuddhāryā yathā śṛṇu || 3.41 ||
E und ai [gehören] zu den Unterschenkeln, die folgenden da und pha zu den Füßen. Höre, wie daraus Vidyas und Mantras zu gewinnen sind.

3.42
sabindukāṃ dakṣajaṅghāṃ tato vācaṃ prakalpayet |
tayaiva jaṅghayā yuktaṃ caturthaṃ daśanaṃ tataḥ || 3.42 ||
Man nehme den rechten Unterschenkel mit Bindu und anschließend die Rede; dann den vierten Zahn, verbunden mit demselben Unterschenkel.

3.43
dakṣajānuyutaṃ daṇḍaṃ prāṇaṃ daṇḍastham īryutam |
pṛthag ghṛddaṇḍakaṭigā dvijadaṇḍau ca pūrvavat || 3.43 ||
[Es folgen] der Stab mit dem rechten Knie und der Lebensatem auf dem Stab mit ī; gesondert Herz, Stab und Hüfte, dann Zahn und Stab wie zuvor.

3.44
usthitaṃ binduyukprāṇaṃ pūrvavad daśanaṃ tataḥ |
daṇḍaṃ kevalam uddhṛtya vāmamudrānvitaṃ punaḥ || 3.44 ||
[Man nehme] den mit u verbundenen Lebensatem samt Bindu, danach den Zahn wie zuvor; den Stab allein und nochmals mit der linken Mudra.

3.45
dakṣajānuyutaṃ hṛc ca prāṇaṃ jīvātmanā yutam |
daśanaṃ purvavan nyasya daṇḍaṃ kevalam eva ca || 3.45 ||
[Es folgen] das Herz mit dem rechten Knie, der Lebensatem mit der Lebensseele, der Zahn wie zuvor und der Stab allein.

3.46
nitambaṃ dakṣamudretaṃ dvitīyaṃ jihvayā dvijam |
sanāsaṃ dakṣaśikharaṃ nitambaṃ kevalaṃ tataḥ || 3.46 ||
[Man nehme] die Hüfte mit der rechten Mudra, den zweiten Zahn mit der Zunge, den rechten Gipfel mit der Nase und danach die Hüfte allein.

3.47
punas tathaiva śikharaṃ jaṭharaṃ kevalaṃ tataḥ |
dakṣajānuyutaṃ karṇaṃ kaṇṭhaṃ kevalam eva ca || 3.47 ||
Dann wieder ebenso den Gipfel, den Bauch allein, das Ohr mit dem rechten Knie und den Hals allein.

3.48
nitambaṃ kevalaṃ nyasya hṛdayaṃ jihvayā yutam |
vaktraṃ kevalam uddhṛtya prāṇam ādyena jānunā || 3.48 ||
Nach der Hüfte allein lege man das Herz mit der Zunge auf; man nehme den Mund allein und den Lebensatem mit dem ersten Knie.

3.49
śūladaṇḍacatuṣkaṃ ca tatrādyaṃ dvayam usthitam |
vāmapādaṃ ca tasyānte kapālaṃ patitaṃ nyaset || 3.49 ||
[Es folgt] die Vierheit von Dreizack und Stäben; die ersten beiden sind mit u verbunden. An ihrem Ende lege man den linken Fuß und die herabgefallene Schädelschale auf.

3.50
tataḥ paramaghorāntaṃ pādyakādye ca pūrvavat |
parāparā samākhyātā aparā ca prakathyate || 3.50 ||
Danach [folgt] das Ende von Paramaghora; Fuß und das mit ka Beginnende wie zuvor. Damit ist Parapara erklärt; nun wird Apara verkündet.

3.51
aghorāntaṃ nyased ādau prāṇaṃ binduyutaṃ punaḥ |
vāmamudrānvitaṃ nyasya pādyaṃ kādyena pūrvavat || 3.51 ||
Am Anfang lege man das Ende von Aghora auf, dann den Lebensatem mit Bindu und mit der linken Mudra; das Fußzugehörige mit dem mit ka Beginnenden wie zuvor.

3.52
apareyaṃ samākhyātā rudraśaktiṃ parāṃ śṛṇu |
mantrāḥ saṃmukhatāṃ yānti yayoccāritamātrayā || 3.52 ||
Damit ist Apara erklärt. Höre nun Rudras höchste Kraft, durch deren bloßes Aussprechen die Mantras sich [dem Übenden] zuwenden.

3.53
kampate gātrayaṣṭiś ca drutaṃ cotpatanaṃ bhavet |
mudrābandhaṃ ca geyaṃ ca śivāruditam eva ca || 3.53 ||
Der Körper erbebt, rasches Aufspringen kann eintreten, das Formen von Mudras, Gesang und ein schakalartiges Heulen.

3.54
atītānagatārthasya kuryād vā kathanādikam |
vāmajaṅghānvito jīvaḥ pāramparyakramāgataḥ || 3.54 ||
Auch Aussagen über Vergangenes und Zukünftiges können entstehen. [Ihr Laut ist] die Lebensseele mit dem linken Unterschenkel, wie in der Überlieferungsfolge empfangen.

3.55
pareyam anayā siddhiḥ sarvakāmaphalapradā |
nāśiṣyāya pradeyeyaṃ nābhaktāya kadā cana || 3.55 ||
Dies ist Para; durch sie entsteht die Vollendung, die alle gewünschten Früchte gewährt. Sie darf niemals einem Nichtschüler oder einem Hingabelosen gegeben werden.

3.56
rudraś ca rudraśaktiś ca guruś ceti trayaṃ samam |
bhaktyā prapaśyate yas tu tasmai deyā varānane || 3.56 ||
Wer Rudra, Rudras Kraft und den Guru in Hingabe als gleich betrachtet, dem soll sie gegeben werden, schöne Göttin.

3.57
śiṣyenāpi tadā grāhyā yadā saṃtoṣito guruḥ |
śarīradravyavijñānaśuddhikarmaguṇādibhiḥ || 3.57 ||
Auch der Schüler soll sie erst empfangen, wenn er den Guru durch Reinheit des Körpers, der Mittel und der Erkenntnis sowie durch Handlungen, Tugenden und anderes zufriedengestellt hat.

3.58
bodhitā tu yadā tena guruṇā hṛṣṭacetasā |
tadā siddhipradā jñeyā nānyathā vīravandite || 3.58 ||
Wenn der Guru sie ihm freudigen Herzens erschlossen hat, soll sie als Vollendung gewährende [Kraft] erkannt werden; andernfalls nicht, von Helden Verehrte.

3.59
parāparāṅgasaṃbhūtā yoginyo 'ṣṭau mahābalāḥ |
pañca ṣaṭ pañca catvāri dvitridvyarṇāḥ krameṇa tu || 3.59 ||
Aus den Gliedern Paraparas gehen acht sehr mächtige Yoginis hervor. Der Reihe nach [umfassen ihre Lautformen] fünf, sechs, fünf, vier, zwei, drei und zwei Laute,

3.60
jñeyāḥ saptaikādaśārṇā ekārdhārṇadvayānvitā |
jīvo dīrghasvaraiḥ ṣaḍbhiḥ pṛthag jātivibheditaḥ || 3.60 ||
[ferner] sieben und elf Laute [nach der betreffenden Gliederung]; eine ist mit zwei halben Lauten verbunden. Die Lebensseele wird gesondert mit sechs langen Vokalen und verschiedenen Mantra-Endungen verbunden.

3.61
vidyātrayasya gātrāṇi hrasvair vaktrāṇi pañcabhiḥ |
oṃkāraiḥ pañcabhir mantro vidyāṅgahṛdayaṃ bhavet || 3.61 ||
[So entstehen] die Glieder der drei Vidyas; mit fünf kurzen [Vokalen] ihre Gesichter. Der Mantra mit fünf Om-Lauten bildet das Herz ihrer Glieder.

3.62
oṃ amṛte tejomālini svāhā padāni bhūṣitam |
ekādaśākṣaraṃ proktam etad brahmaśiraḥ priye || 3.62 ||
Mit den Worten „oṃ amṛte tejomālini svāhā“ versehen, wird dieses elflautige [Glied] Brahmashiras genannt, Geliebte.

3.63
vedavedini hūṃphaṭ ca ca praṇavādisamanvitā |
rudrāṇy aṣṭākṣarā jñeyā śikhā vidyāgaṇasya tu || 3.63 ||
„vedavedini hūṃ phaṭ“, mit dem Pranava beginnend, ist als achtlautige Rudrani zu erkennen, der Haarschopf der Vidya-Gruppe.

3.64
vajriṇe vajradharāya svāhāntaṃ praṇavādikam |
ekādaśākṣaraṃ varma puruṣṭutam iti smṛṭam || 3.64 ||
„vajriṇe vajradharāya“, beginnend mit dem Pranava und endend auf svāhā, heißt der elflautige, vielgepriesene Schutzpanzer.

3.65
ślīpadaṃ paśuśabdaṃ ca hūṃphaḍantaṃ bhavādikam |
etat pāśupataṃ proktam ardhasaptākṣaraṃ param || 3.65 ||
Der Ausdruck ślī und das Wort paśu, mit bhava beginnend und mit hūṃ phaṭ endend, bilden das höchste Pashupata von sechseinhalb Lauten.

3.66
laraṭakṣavayair dīrghaiḥ sūmāyuktaiḥ sabindukaiḥ |
indrādīn kalpayed dhrasvais tadastrāṇi vicakṣaṇaḥ || 3.66 ||
Mit la, ra, ṭa, kṣa, va und ya, verbunden mit langen [Vokalen], sūmā und Bindu, soll der Kundige Indra und die weiteren [Richtungshüter] bilden; mit kurzen [Vokalen] deren Waffen.

3.67
tadvan nāsāpayobhyāṃ tu kalpyau viṣṇuprajāpatī |
svarāv ādyatṛtīyau tu vācakau padmacakrayoḥ || 3.67 ||
Ebenso sind mit Nase und Milch Vishnu und Prajapati zu bilden. Der erste und dritte Vokal bezeichnen Lotus und Diskus.

3.68
iti mantragaṇaḥ proktaḥ sarvakāmaphalapradaḥ |
yogināṃ yogasiddhyarthaṃ kim anyat paripṛcchasi || 3.68 ||
Damit ist die Mantragruppe erklärt, die sämtliche ersehnten Früchte gewährt und Yogis zur Vollendung des Yoga dient. Was möchtest du noch fragen?

Überlieferte Schlussformel
iti śrīmālinīvijayottare tantre mantroddhārādhikāras tṛtīyaḥ samāptaḥ
Damit endet im erhabenen Malinivijayottara Tantra der 3. Abschnitt: Gewinnung der Mantras.

Kapitel 4: Yoga und Erkenntnis

Überlieferte Kapitelüberschrift
yogalakṣaṇadhikāraś caturthaḥ
Vierter Abschnitt: Kennzeichnung des Yoga.

4.1
athaitad upasaṃśrutya munayo muditekṣaṇāḥ |
praṇamya krauñcahantāraṃ punar ūcur idaṃ vacaḥ || 4.1 ||
Nachdem die Seher dies gehört hatten, verneigten sie sich freudigen Blickes vor dem Vernichter Kraunchas und sprachen erneut:

4.2
yogamārgavidhiṃ devyā pṛṣṭena parameṣṭhinā |
tatpratijñāvatāpy uktaṃ kimarthaṃ mantralakṣaṇam || 4.2 ||
„Warum hat der höchste Herr die Merkmale der Mantras erklärt, obwohl die Göttin nach dem Yogaweg fragte und er dessen Erklärung zugesagt hatte?“

4.3
evam uktaḥ sa taiḥ samyak kārtikeyo mahāmatiḥ |
idam āha vacas teṣāṃ saṃdehavinivṛttaye || 4.3 ||
So von ihnen angesprochen, sagte der verständige Karttikeya zur Beseitigung ihres Zweifels:

4.4
yogam ekatvam icchanti vastuno 'nyena vastunā |
yad vastu jñeyam ity uktaṃ heyatvādiprasiddhaye || 4.4 ||
„Als Yoga gilt die Einheit einer Wirklichkeit mit einer anderen. Das zuvor als wissenswert Bezeichnete, dessen Aufzugebensein oder Anzunehmensein festzustellen ist,

4.5
dvirūpam api taj jñānaṃ vinā jñātuṃ na śakyate |
tatprasiddhyai śivenoktaṃ jñānaṃ yad upavarṇitam || 4.5 ||
kann in seinen beiden Formen ohne Erkenntnis nicht erkannt werden. Deshalb hat Shiva die beschriebene Erkenntnis gelehrt.

4.6
sabījayogasaṃsiddhyai mantralakṣaṇam apy alam |
na cādhikāritā dīkṣāṃ vinā yoge 'sti śāṅkare || 4.6 ||
Auch die Bestimmung der Mantras dient der Vollendung des Yoga mit Samen. Ohne Einweihung besteht zudem keine Berechtigung zu Shivas Yoga.

4.7
kriyājñānavibhedena sā ca dvedhā nigadyate |
dvividhā sā prakartavyā tena caitad udāhṛtam || 4.7 ||
Diese [Einweihung] heißt nach Tätigkeit und Erkenntnis zweifach. Sie ist in beiden Formen zu vollziehen; deshalb wurde dies erklärt.

4.8
na ca yogādhikāritvam ekam evānayā bhavet |
api mantrādhikāritvaṃ muktiś ca śivadīkṣayā || 4.8 ||
Durch Shivas Einweihung entsteht nicht allein die Berechtigung zum Yoga, sondern auch zu den Mantras und zur Befreiung.

4.9
śrutvā caitat pater vākyaṃ romāñcitaśarīriṇī |
idam āha punar vākyam ambā munivarottamāḥ || 4.9 ||
Als die Mutter diese Worte ihres Gemahls gehört hatte, sprach sie erneut mit vor Ergriffenheit gesträubten Körperhärchen, ihr vorzüglichen Seher:

4.10
abhinnamālinīkāye tattvāni bhuvanāni ca |
kalāḥ padāni mantrāś ca yathāvad avadhāritāḥ || 4.10 ||
‚Im Körper der ungeteilten Malini habe ich die Prinzipien, Welten, Kalas, Wörter und Mantras richtig verstanden.

4.11
bhinnayonis tu yā deva tvayoktā mālinī mama |
tasyā aṅge yathaitāni saṃsthitāni tathā vada || 4.11 ||
Lehre nun, wie diese im Leib jener Malini angeordnet sind, die du mir mit veränderter Lautfolge erklärt hast, o Gott.‘

4.12
evam ukto mahādevyā bhairavo bhūribhogadaḥ |
sphuraddhimāṃśusaṃtānaprakāśitadigantaraḥ || 4.12 ||
So von der großen Göttin angesprochen, ließ Bhairava, der reiche Erfahrungen gewährt, mit den Strahlen seines funkelnden Mondes die Himmelsrichtungen aufleuchten.

4.13
surāsuraśiromaulimālālālitaśāsanaḥ |
uvāca madhurāṃ vācam imām akleśitāśayām || 4.13 ||
Sein Gebot wird von den Kronen der Götter und Dämonen ehrfürchtig getragen. Er sprach diese süßen Worte, deren Sinn ohne Mühe zugänglich ist:

4.14
yā mayā kathitā devi bhinnayonis tu mālinī |
tadaṅge saṃpravakṣyāmi sarvam etad yathā sthitam || 4.14 ||
‚Ich werde dir erläutern, wie all dies im Leib jener Malini mit veränderter Lautfolge angeordnet ist, von der ich gesprochen habe, Göttin.

4.15
phe dharātattvam uddiṣṭaṃ dādijhānte 'nupūrvaśaḥ |
trayoviṃśatyabādīni pradhānāntāni lakṣayet || 4.15 ||
In pha ist das Erdprinzip bezeichnet. Von da bis jha soll man der Reihe nach die dreiundzwanzig Prinzipien von Wasser bis zur Urnatur erkennen.

4.16
ṭhādau ca saptake sapta puruṣādīni pūrvavat |
iṅagheṣu trayaṃ vidyād vidyātaḥ sakalāvadhi || 4.16 ||
In der Siebenergruppe von ṭha an [liegen] wie zuvor die sieben Prinzipien von Purusha an. In i, ṅa und gha erkennt man die drei von Vidya bis Sakala.

4.17
śivatattve gakārādināntān ṣoḍaśa lakṣayet |
kalāḥ padāni mantrāś ca bhuvanāni ca sundari || 4.17 ||
Im Shivaprinzip soll man die sechzehn Laute von ga bis na erkennen. Kalas, Wörter, Mantras und Welten, schöne Göttin,

4.18
pūrvavad veditavyāni tat saṅkhyārṇavibhedataḥ |
vidyātrayavibhāgena yathedānīṃ tathā śṛṇu || 4.18 ||
sind entsprechend den jeweils zugehörigen Lautzahlen wie zuvor zu verstehen. Höre nun ihre Verteilung nach den drei Vidyas.

4.19
niṣkale padam ekārṇaṃ tryarṇaikārṇam atha dvayam |
sakale tu parijñeyaṃ pañcaikārṇadvayaṃ dvaye || 4.19 ||
Im Ungeteilten [liegt] ein einsilbiges Wort; im Geteilten sind zwei weitere, eines dreisilbig und eines einsilbig, zu erkennen; in den beiden [folgenden] zwei zu fünf und einem Laut.

4.20
caturekākṣare dve ca māyāditritaye mate |
caturakṣaram ekaṃ ca kālādidvitaye matam || 4.20 ||
Zwei [Wörter] zu vier und einem Laut gelten für die Dreiheit von Maya an; ein vierlautiges für die Zweiheit von Kala an.

4.21
rañjake dvyarṇam uddiṣṭaṃ pradhāne tryarṇam iṣyate |
buddhau devāṣṭakavyāptyā padaṃ dvyakṣaram iṣyate || 4.21 ||
Im Färbenden [Raga] ist ein zweilautiges, in der Urnatur ein dreilautiges vorgesehen; im Intellekt ein zweilautiges Wort, das die acht Götter durchdringt.

4.22
tataḥ pañcāṣṭakavyāptyā dvyekadvidvyakṣarāṇi tu |
vidyāpadāni catvāri sārdhavarṇaṃ tu pañcamam || 4.22 ||
Danach durchdringen vier Vidya-Wörter mit zwei, einem, zwei und zwei Lauten die fünf Achtgruppen; das fünfte hat anderthalb Laute.

4.23
ekaikasārdhavarṇāni trīṇi tattve tu pārthive |
parāṅge sarvam anyac ca varṇamantrakalādikam || 4.23 ||
Im Erdprinzip [liegen] drei [Wörter] mit einem, einem und anderthalb Lauten. Im Leib der Para [liegen] auch alle übrigen Glieder, Laute, Mantras, Kalas und andere.

4.24
sārdhenāṇḍadvayaṃ vyāptam ekaikena pṛthag dvayam |
aparāyāḥ samākhyātā vyāptir eṣā vilomataḥ || 4.24 ||
Zwei Welteneier werden von anderthalb [Lauten], die beiden anderen jeweils von einem durchdrungen. Damit ist Aparās Durchdringung in umgekehrter Reihenfolge erklärt.

4.25
sārṇenāṇḍatrayaṃ vyāptaṃ triśūlena caturthakam |
sarvātītaṃ visargeṇa parāvyāptir udāhṛtā || 4.25 ||
Drei Welteneier werden vom sa-Laut, das vierte vom Dreizack und das über allem Stehende vom Visarga durchdrungen. Damit ist Parās Durchdringung erklärt.

4.26
etat sarvaṃ parijñeyaṃ yoginā hitam icchatā |
ātmano vā pareṣāṃ vā nānyathā tad avāpyate || 4.26 ||
All dies muss ein Yogi erkennen, der das eigene Wohl oder das anderer erstrebt; anders lässt es sich nicht erlangen.

4.27
dvāv eva mokṣadau jñeyau jñānī yogī ca śāṅkari |
pṛthaktvāt tatra [3] boddhavyaṃ phalakāṅkṣibhiḥ || 4.27 || †
Zwei gelten als Befreiung gewährende: der Wissende und der Yogi, Shankari. Ihre Verschiedenheit sollen die nach Früchten Strebenden erkennen. [Die Vorlage markiert hier eine Textlücke mit „[3]“.]

4.28
jñānaṃ ca trividhaṃ proktaṃ tatrādyaṃ śrutam iṣyate |
cintāmayam athānyac ca bhāvanāmayam eva ca || 4.28 ||
Erkenntnis wird dreifach genannt: zunächst die aus dem Hören, sodann die aus dem Nachdenken und die aus der meditativen Vergegenwärtigung.

4.29
śāstrārthasya parijñānaṃ vikṣiptasya śrutaṃ matam |
idam atredam atreti idam atropayujyate || 4.29 ||
Als gehörte Erkenntnis gilt das Verstehen des Sinnes der Lehrschrift bei noch zerstreutem Geist: ‚Dies steht hier, jenes dort; dieses ist hier anzuwenden.‘

4.30
sarvam ālocya śāstrārtham ānupūrvyā vyavasthitam |
tadvac cintāmayaṃ jñānaṃ dvirūpam upadiśyate || 4.30 ||
Den gesamten Sinn der Schrift in seiner geordneten Folge erwogen zu haben, ist Erkenntnis aus Nachdenken. Sie wird wiederum zweifach gelehrt:

4.31
mandasvabhyastabhedena tatra svabhyastam ucyate |
suniṣpanne tatas tasmiñ jāyate bhāvanāmayam || 4.31 ||
als schwach und als gründlich eingeübt. Wenn die gründlich eingeübte Erkenntnis vollkommen geworden ist, entsteht daraus die Erkenntnis aus Vergegenwärtigung,

4.32
yato yogaṃ samāsādya yogī yogaphalaṃ labhet |
evaṃ vijñānabhedena jñānī proktaś caturvidhaḥ || 4.32 ||
durch welche der Yogi Yoga erlangt und dessen Frucht empfängt. Nach diesen Erkenntnisarten wird der Wissende vierfach unterschieden.

4.33
saṃprāpto ghaṭamānaś ca siddhaḥ siddhatamo 'nyathā |
yogī caturvidho devi yathāvat pratipadyate || 4.33 ||
Auch der Yogi wird vierfach verstanden, Göttin: als einer, der [Yoga] empfangen hat, als Übender, als Vollendeter und als vollkommen Vollendeter.

4.34
samāveśoktivad yogas trividhaḥ samudāhṛtaḥ |
tatra prāptopadeśas tu pāramparyakrameṇa yaḥ || 4.34 ||
Wie beim Eingehen erklärt, wird Yoga dreifach beschrieben. Wer seine Unterweisung in der Folge der Überlieferung empfangen hat,

4.35
prāptayogaḥ sa vijñeyas trividho 'pi manīṣibhiḥ |
cetaso ghaṭanaṃ tattvāc calitasya punaḥ punaḥ || 4.35 ||
ist von Einsichtigen in jeder der drei Formen als Empfänger des Yoga zu erkennen. Wer den vom Prinzip abgeirrten Geist immer wieder mit ihm verbindet,

4.36
yaḥ karoti tam icchanti ghaṭamānaṃ manīṣiṇaḥ |
tad eva cetasā nānyad dvitīyam avalambate || 4.36 ||
heißt bei den Einsichtigen ein Übender. Wenn er sich mit dem Geist ausschließlich darauf stützt, auf nichts Zweites,

4.37
siddhayogas tadā jñeyo yogī yogaphalārthibhiḥ |
yaḥ punar yatra tatraiva saṃsthito 'pi yathā tathā || 4.37 ||
soll er als im Yoga vollendeter Yogi erkannt werden. Wer dagegen, wo und wie auch immer er sich befindet,

4.38
bhuñjānas tatphalaṃ tena hīyate na kathañ cana |
susiddhaḥ sa tu boddhavyaḥ sadāśivasamaḥ priye || 4.38 ||
dessen Frucht erfährt und sie unter keinen Umständen verliert, ist als vollkommen Vollendeter zu erkennen, Sadashiva gleich, Geliebte.

4.39
uttarottaravaiśiṣṭyam eteṣāṃ samudāhṛtam |
jñānināṃ yogināṃ caiva dvayor yogavid uttamaḥ || 4.39 ||
Jeweils die nächste Stufe wird als höher bezeichnet. Von Wissenden und Yogis ist der Yogakundige der höhere,

4.40
yato 'sya jñānam apy asti pūrvo yogaphalojjhitaḥ |
yataś ca mokṣadaḥ proktaḥ svabhyastajñānavān budhaiḥ || 4.40 ||
weil er auch Erkenntnis besitzt, während dem ersteren die Yogafrucht fehlt. Doch auch dem gründlich eingeübten Wissenden schreiben Kundige die Fähigkeit zu, Befreiung zu gewähren.

4.41
ity etat kathitaṃ sarvaṃ vijñeyaṃ yogipūjite |
tantrārtham upasaṃhṛtya samāsād yogināṃ hitam || 4.41 ||
Damit ist dir, von Yogis Verehrte, alles Wissenswerte erklärt: der Sinn des Tantra, zum Wohl der Yogis kurz zusammengefasst.‘“

Überlieferte Schlussformel
iti śrīmālinīvijayottare tantre caturtho 'dhikāraḥ samāptaḥ
Damit endet im erhabenen Malinivijayottara Tantra der 4. Abschnitt.

Kapitel 5: Der Weg der Welten

Überlieferte Kapitelüberschrift
atha pañcamo 'dhikāraḥ
Nun der fünfte Abschnitt.

5.1
athātaḥ saṃpravakṣyāmi bhuvanādhvānam īśvari |
ādau kālāgnibhuvanaṃ śodhitavyaṃ prayatnataḥ || 5.1 ||
„Nun werde ich den Weg der Welten erklären, Herrin. Zuerst ist die Welt Kalagnis sorgfältig zu reinigen.

5.2
avīciḥ kumbhīpākaś ca rauravaś ca tṛtīyakaḥ |
kūṣmāṇḍabhuvane śuddhe sarve śuddhā na saṃśayaḥ || 5.2 ||
Avici, Kumbhipaka und als drittes Raurava: Ist die Kushmanda-Welt gereinigt, sind alle gereinigt, ohne Zweifel.

5.3
pātālāni tataḥ sapta teṣām ādau mahātalam |
rasātalaṃ tataś cānyat talātalam ataḥ param || 5.3 ||
Danach [folgen] die sieben Unterwelten: zuerst Mahatala, dann Rasatala und Talatala,

5.4
sutalaṃ nitalaṃ ceti vitalaṃ talam eva ca |
hāṭakena viśuddhena sarveṣāṃ śuddhir iṣyate || 5.4 ||
Sutala, Nitala, Vitala und Tala. Durch die Reinigung Hatakas gilt die Reinigung aller als vollzogen.

5.5
tadūrdhvaṃ pṛthivī jñeyā saptadvīpārṇavānvitā |
devānām āśrayo merus tanmadhye saṃvyavasthitaḥ || 5.5 ||
Darüber liegt die Erde mit ihren sieben Inselkontinenten und Meeren. In ihrer Mitte steht Meru, die Wohnstätte der Götter.

5.6
bhuvolokas tadūrdhve ca svarlokas tasya copari |
maho janas tapaḥ satyam ity etal lokasaptakam || 5.6 ||
Darüber liegt Bhuvarloka und darüber Svarloka; Mahas, Janas, Tapas und Satya vervollständigen die sieben Welten.

5.7
caturdaśavidho yatra bhūtagrāmaḥ pravartate |
sthāvaraḥ sarpajātiś ca pakṣijātis tathāparā || 5.7 ||
In ihnen entfaltet sich eine vierzehnfache Schar von Wesen: unbewegliche Wesen, Schlangen und Vögel,

5.8
mṛgasaṃjñaś ca paśvākhyaḥ pañcamo 'nyaś ca mānuṣaḥ |
paiśāco rākṣaso yākṣo gāndharvaś caindra eva ca || 5.8 ||
Wildtiere und als fünfte Haustiere, ferner Menschen, Pishachas, Rakshasas, Yakshas, Gandharvas und die Wesen Indras,

5.9
saumyaś ca prājāpatyaś ca brāhmaś cātra caturdaśa |
sarvasyaivāsya saṃśuddhir brāhme saṃśodhite sati || 5.9 ||
die Wesen Somas, Prajapatis und Brahmas als vierzehnte. Die Reinigung all dessen geschieht, wenn Brahmas Bereich gereinigt ist.

5.10
bhuvanaṃ vaiṣṇavaṃ tasmān madīyaṃ tadanantaram |
tatra śuddhe bhavec chuddhaṃ sarvam etan na saṃśayaḥ || 5.10 ||
Danach kommt Vishnus Welt, anschließend meine. Ist diese gereinigt, ist all dies gereinigt, ohne Zweifel.

5.11
kālāgnipūrvakair ebhir bhuvanaiḥ pañcabhiḥ priye |
śuddhaiḥ sarvam idaṃ śuddhaṃ brahmāṇḍāntarvyavasthitam || 5.11 ||
Sind diese fünf Welten von Kalagni an gereinigt, Geliebte, ist alles innerhalb des Welteneis gereinigt.

5.12
tadbahiḥ śatarudrāṇāṃ bhuvanāni pṛthak pṛthak |
daśa saṃśodhayet paścād ekaṃ tannāyakāvṛtam || 5.12 ||
Außerhalb liegen die einzelnen Welten der hundert Rudras. Man reinige zehn und danach eine weitere, die von ihrem Führer umgeben ist.

5.13
anantaḥ prathamas teṣāṃ kapālīśas tathāparaḥ |
agnirudro yamaś caiva nairṛto bala eva ca || 5.13 ||
Der erste unter ihnen ist Ananta, ein weiterer Kapalisha; dann Agnirudra, Yama, Nairrita und Bala,

5.14
śīghro nidhīśvaraś caiva sarvavidyādhipo 'paraḥ |
śaṃbhuś ca vīrabhadraś ca vidhūmajvalanaprabhaḥ || 5.14 ||
Shighra, Nidhishvara, der Herr aller Vidyas, Shambhu und Virabhadra, strahlend wie rauchloses Feuer.

5.15
ebhir daśaikasaṃkhyātaiḥ śuddhaiḥ śuddhaṃ śataṃ matam |
upariṣṭāt puras teṣām aṣṭakāḥ pañca saṃsthitāḥ || 5.15 ||
Sind diese elf gereinigt, gilt die Hundertzahl als gereinigt. Oberhalb ihrer Städte liegen fünf Achtgruppen.

5.16
lakulī bhārabhūtiś ca diṇḍhyāṣāḍhī sapuṣkarau |
naimiṣaṃ ca prabhāsaṃ ca amareśam athāṣṭakam || 5.16 ||
Lakuli, Bharabhuti, Dindi, Ashadhi, Pushkara, Naimisha, Prabhasa und Amaresha bilden die Achtgruppe.

5.17
etat pratyātmakaṃ proktam ato guhyātiguhyakam |
tatra bhairavakedāramahākālāḥ samadhyamāḥ || 5.17 ||
Diese heißt Pratyatmaka; danach kommt die höchst geheime. Zu ihr gehören Bhairava, Kedara, Mahakala und Madhyama,

5.18
āmrātikeśajalpeśaśrīśailāḥ saharīndavaḥ |
bhīmeśvaramahendrāṭṭahāsāḥ savimaleśvarāḥ || 5.18 ||
Amratikesha, Jalpesha, Shrishaila und Harishcandra. [Dann folgen] Bhimeshvara, Mahendra, Attahasa und Vimaleshvara,

5.19
kanakhalaṃ nākhalaṃ ca kurukṣetraṃ gayā tathā |
guhyam etat tṛtīyaṃ tu pavitram adhunocyate || 5.19 ||
Kanakhala, Nakhala, Kurukshetra und Gaya. Dies ist die dritte, geheime Gruppe; nun wird die heilige erklärt.

5.20
sthānusvarṇākṣakāv ādyau bhadragokarṇakau parau |
mahākālāvimukteśarudrakoṭyambarāpadāḥ || 5.20 ||
Zuerst Sthanu und Svarnaksha, dann Bhadra und Gokarna, Mahakala, Avimuktesha, Rudrakoti und Ambarapada.

5.21
sthūlaḥ sthūleśvaraḥ śaṅkukarṇakālañjarāv api |
maṇḍaleśvaramākoṭadviraṇḍachagalāṇḍakau || 5.21 ||
Sthula, Sthuleshvara, Shankukarna, Kalanjara, Mandaleshvara, Makota, Dviranda und Chagalanda:

5.22
sthāṇvāṣṭakam iti proktam ahaṅkārāvadhi sthitam |
devayonyaṣṭakaṃ buddhau kathyamānaṃ mayā śṛṇu || 5.22 ||
Diese heißt Sthanu-Achtgruppe und reicht bis zum Ichprinzip. Höre die acht göttlichen Geburtsbereiche im Intellekt.

5.23
paiśācaṃ rākṣasaṃ yākṣaṃ gāndharvaṃ caindram eva ca |
tathā saumyaṃ saprājeśaṃ brāhmam aṣṭamam iṣyate || 5.23 ||
Die Bereiche der Pishachas, Rakshasas, Yakshas, Gandharvas, Indras, Somas und Prajapatis sowie als achter Brahmas.

5.24
yogāṣṭakaṃ pradhāne tu tatrādāv akṛtaṃ bhavet |
kṛtaṃ ca raibhavaṃ brāhmaṃ vaiṣṇavaṃ tadanantaram || 5.24 ||
In der Urnatur liegt die Yoga-Achtgruppe: zuerst Akrita, dann Krita, Raibhava, Brahma und Vaishnava,

5.25
kaumāram aumaṃ śraikaṇṭham iti yogāṣṭakaṃ tathā |
puruṣe vāmabhīmograbhaveśānaikavīrakāḥ || 5.25 ||
Kaumara, Auma und Shraikantha. Im Purusha [liegen] Vama, Bhima, Ugra, Bhava, Ishana und Ekavira,

5.26
pracaṇḍomādhavājāś ca anantaikaśivāv atha |
krodheśacaṇḍau vidyāyāṃ saṃvarto jyotir eva ca || 5.26 ||
Pracanda, Umadhava, Aja, Ananta und Ekashiva. In Vidya [liegen] Krodhesha und Canda; Samvarta und Jyotis

5.27
kalātattve parijñeyau surapañcāntakau pare |
ekavīraśikhaṇḍīśaśrīkaṇṭḥāḥ kālam āśritāḥ || 5.27 ||
sind im Prinzip Kala zu erkennen; ferner Sura und Pancanta. Ekavira, Shikhandisha und Shrikantha gehören der Zeit an.

5.28
mahātejaḥ prabhṛtayoḥ maṇḍaleśānasaṃjñakāḥ |
māyātattve sthitās tatra vāmadevabhavodbhavau || 5.28 ||
Die als Mandalaherren bezeichneten, von Mahatejas an, liegen im Mayaprinzip; dort [befinden sich] Vamadeva und Bhavodbhava,

5.29
ekapiṅgekṣaṇeśānabhuvaneśapuraḥsarāḥ |
aṅguṣṭhamātrasahitāḥ kālānalasamatviṣaḥ || 5.29 ||
Ekapingekshana, Ishana und Bhuvanesha an der Spitze, samt Angushtamatra, dem Weltbrand gleich an Glanz.

5.30
vidyātattve 'pi pañcāhur bhuvanāni manīṣiṇaḥ |
tatra hālāhalaḥ pūrvo rudraḥ krodhas tathāparaḥ || 5.30 ||
Im Vidyaprinzip nennen Einsichtige fünf Welten: zuerst Halahala, [genannt] Rudra und Krodha,

5.31
ambikā ca aghorā ca vāmadevī ca kīrtyate |
īśvare pivanādyāḥ syur aghorāntā maheśvarāḥ || 5.31 ||
sodann Ambika, Aghora und Vamadevi. In Ishvara sind die großen Herren von Pivana bis Aghora.

5.32
raudrī jyeṣṭhā ca vāmā ca tathā śaktisadāśivau |
etāni sakale pañca bhuvanāni vidur budhāḥ || 5.32 ||
Raudri, Jyeshtha, Vama, Shakti und Sadashiva: Diese fünf Welten kennen die Kundigen im Sakala.

5.33
evaṃ tu sarvatattveṣu śatam aṣṭādaśottaram |
bhuvanānāṃ parijñeyaṃ saṅkṣepān na tu vistarāt || 5.33 ||
So sind insgesamt einhundertachtzehn Welten in sämtlichen Prinzipien zu erkennen; dies ist ihre kurze, nicht ausführliche Darstellung.

5.34
śuddhenānena śuddhyanti sarvāṇy api na saṃśayaḥ |
sarvamārgaviśuddhau tu kartavyāyāṃ mahāmatiḥ || 5.34 ||
Durch die Reinigung dieser [Welten] werden zweifellos alle gereinigt. Soll der gesamte Weg gereinigt werden, reinige der Einsichtige

5.35
sakalāvadhi saṃśodhya śive yogaṃ prakalpayet |
bubhukṣoḥ sakalaṃ dhyātvā yogaṃ kurvīta yogavit || 5.35 ||
bis zum Sakala und bewirke die Verbindung mit Shiva. Für einen nach Welterfahrung Verlangenden meditiere der Yogakundige auf Sakala und vollziehe die Verbindung.

5.36
ity eṣa kīrtito mārgo bhuvanākhyasya me mataḥ || 5.36 ||
Damit ist der von mir anerkannte Weg erklärt, der als Weg der Welten bezeichnet wird.

Überlieferte Schlussformel
iti śrīmālinīvijayottare tantre pañcamo 'dhikāraḥ samāptaḥ
Damit endet im erhabenen Malinivijayottara Tantra der 5. Abschnitt.

Kapitel 6: Der Wirklichkeitspfad im Körper

Überlieferte Kapitelüberschrift
atha dehamārgādhikāraḥ ṣaṣṭhaḥ
Nun der sechste Abschnitt: der Weg im Körper.

6.1
athāsya vastujātasya yathā dehe vyavasthitiḥ |
kriyate jñānadīkṣāsu tathedānīṃ nigadyate || 6.1 ||
Nun wird erklärt, wie diese Gesamtheit der Wirklichkeiten bei der Erkenntniseinweihung im Körper angeordnet wird.

6.2
pādādhaḥ pañcabhūtāni vyāptyā dvyaṅgulayā nyaset |
dharātattvaṃ ca gulphāntam abādīni tataḥ kramāt || 6.2 ||
Unter den Füßen lege man die fünf Elemente in jeweils zwei Fingerbreiten Ausdehnung auf; das Erdprinzip bis zu den Knöcheln, danach Wasser und die weiteren der Reihe nach.

6.3
tadvat tundopariṣṭāt tu parvaṣaṭkāvasānakam |
puṃstattvāt kalātattvāntaṃ tattvaṣaṭkaṃ vicintayet || 6.3 ||
Oberhalb des Bauches betrachte man entsprechend, bis zum Ende von sechs Gliedmaßenabschnitten, die sechs Prinzipien vom Purusha bis Kala.

6.4
tato māyāditattvāni catvāri susamāhitaḥ |
caturaṅgulayā vyāptyā sakalāntāni bhāvayet || 6.4 ||
Danach vergegenwärtige man gesammelt die vier Prinzipien von Maya bis Sakala mit jeweils vier Fingerbreiten Ausdehnung.

6.5
śivatattvaṃ tataḥ paścāt tejorūpam anākulam |
sarveṣāṃ vyāpakatvena sabāhyābhyantaraṃ smaret || 6.5 ||
Anschließend erinnere man das Shivaprinzip als ungestörtes Licht, das alles außen wie innen durchdringt.

6.6
ṣaṭtriṃśattattvabhedena nyāso 'yaṃ samudāhṛtaḥ |
adhunā pañca tattvāni yathā dehe tathocyate || 6.6 ||
So ist das Auflegen nach den sechsunddreißig Prinzipien erklärt. Jetzt wird beschrieben, wie die fünf Prinzipien im Körper liegen.

6.7
nābher ūrdhvaṃ tu yāvat syāt parvaṣaṭkam anukramāt |
dharātattvena gulphāntaṃ vyāptaṃ śeṣam ihāmbunā || 6.7 ||
[Die Anordnung reicht] der Reihe nach bis sechs Abschnitte über den Nabel. Bis zu den Knöcheln ist sie vom Erdprinzip durchdrungen, der anschließende Bereich vom Wasser.

6.8
dvāviṃśatiś ca parvāṇi tadūrdhvaṃ tejasāvṛtam |
tasmād dvādaśa parvāṇi vāyuvyāptir udāhṛtā || 6.8 ||
Darüber sind zweiundzwanzig Abschnitte vom Feuer umfasst; danach wird für zwölf Abschnitte die Durchdringung durch Luft angegeben.

6.9
ākāśāntaṃ paraṃ śāntaṃ sarveṣāṃ vyāpakaṃ smaret |
śaktyādipañcakhaṇḍādhvavidhiṣv apy evam iṣyate || 6.9 ||
Das Höchste, Friedvolle bis zum Raum soll man als alles durchdringend betrachten. Ebenso verfahre man bei den fünf Wegabschnitten von Shakti an.

6.10
trikhaṇḍe kaṇṭhaparyantam ātmatattvam udāhṛtam |
vidyātattvam atordhvaṃ ca śivatattvaṃ tu pūrvavat || 6.10 ||
In der Dreiteilung reicht das Atmaprinzip bis zum Hals, darüber liegt das Vidyaprinzip; das Shivaprinzip ist wie zuvor.

6.11
evaṃ tattvavidhiḥ prokto bhuvanādhvā tathocyate |
kālāgner vīrabhadrāntaṃ puraṣoḍaśakaṃ tataḥ || 6.11 ||
So ist das Verfahren mit den Prinzipien erklärt; entsprechend folgt der Weg der Welten. Die sechzehn Städte von Kalagni bis Virabhadra

6.12
gulphāntaṃ vinyased dhyātvā yathāvad anupūrvaśaḥ |
tasmād ekāṅgulavyāptyā lakulīśāditaḥ kramāt || 6.12 ||
lege man nach entsprechender Betrachtung der Reihe nach bis zu den Knöcheln auf. Danach mit je einer Fingerbreite Ausdehnung von Lakulisha an

6.13
vinyaset tu dviraṇḍāntaṃ tryaṅgulaṃ chagalāṇḍakam |
tataḥ pādāṅgulavyāptyā devayogāṣṭakaṃ pṛthak || 6.13 ||
bis Dviranda; Chagalanda [erhält] drei Fingerbreiten. Anschließend die Götter- und Yoga-Achtgruppe jeweils mit einer Viertelfingerbreite.

6.14
tato 'py ardhāṅgulavyāptyā puraṣaṭkam anukramāt |
catuṣkaṃ tu dvaye 'nyasminn ekam ekatra cintayet || 6.14 ||
Danach die sechs Städte der Reihe nach mit je einer halben Fingerbreite; die Vierergruppe in zwei weiteren [Abschnitten], je eine in einem [Abschnitt].

6.15
uttarādikramād dvyekabhedo vidyādike traye |
kāle pratyekam uddiṣṭam ekaikaṃ tu yathākramaṃ || 6.15 ||
Bei den drei von Vidya an besteht, von oben ausgehend, die Unterteilung in zwei beziehungsweise eines. In der Zeit sind sie jeweils einzeln der Reihe nach vorgesehen.

6.16
maṇḍalādhipatīnāṃ tu vyāptir ardhāṅgulā matā |
tribhāganyūnaparvākhyā tritayasya tathopari || 6.16 ||
Für die Mandalaherren gilt eine halbe Fingerbreite Ausdehnung; darüber für die Dreiheit ein um ein Drittel verminderter Abschnitt,

6.17
dvitayasya ca saṃpūrṇā pañcakaṃ samudāhṛtam |
aṣṭakaṃ pañcakaṃ cānyad evam eva vilakṣayet || 6.17 ||
für die Zweiheit ein ganzer. So ist die Fünfergruppe erklärt. Die Achtgruppe und die weitere Fünfergruppe soll man entsprechend betrachten.

6.18
bhuvanādhvavidhāv atra pūrvavac cintayec chivam |
padāni dvividhāny atra vargavidyāvibhedataḥ || 6.18 ||
Bei diesem Verfahren mit dem Weltenweg betrachte man Shiva wie zuvor. Die Wörter sind hier nach Lautgruppen und Vidyas zweifach.

6.19
teṣāṃ tanmantravad vyāptir yathedānīṃ tathā śṛṇu |
caturaṅgulam ādyaṃ tu dve cānye 'ṣṭāṅgule pṛthak || 6.19 ||
Höre nun ihre Ausdehnung entsprechend den zugehörigen Mantras. Das erste [Wort reicht] vier Fingerbreiten, zwei weitere jeweils acht,

6.20
daśāṅgulāni trīṇy asmād ekaṃ pañcadaśāṅgulam |
caturbhir adhikaiś cānyad vyāpakaṃ navamaṃ mahat || 6.20 ||
die nächsten drei jeweils zehn, eines fünfzehn, ein weiteres vier mehr. Das große neunte ist alldurchdringend.

6.21
ūnaviṃśatike bhede padānāṃ vyāptir ucyate |
ekaikaṃ dvyaṅgulaṃ jñeyaṃ tatra pūrvaṃ padatrayam || 6.21 ||
Nun die Ausdehnung der Wörter in der neunzehnfachen Gliederung: Die ersten drei sind jeweils als zweifingerbreit zu erkennen;

6.22
aṣṭāṅgulāni catvāri daśāṅgulam ataḥ param |
dvyaṅgule dve pade cānye ṣaḍaṅgulam ataḥ param || 6.22 ||
vier jeweils achtfingerbreit, das folgende zehnfingerbreit; zwei weitere Wörter zweifingerbreit, das nächste sechsfingerbreit;

6.23
dvādaśāṅgulam anyac ca dve 'nye pañcāṅgule pṛthak |
padadvayaṃ catuṣparva tathānye dve dviparvaṇī || 6.23 ||
ein weiteres zwölffingerbreit, zwei weitere jeweils fünffingerbreit; ein Wortpaar vier Abschnitte, zwei andere je zwei Abschnitte.

6.24
vyāpakaṃ padam anyac ca pūrvavat parikīrtitaṃ |
aparo 'yaṃ vidhiḥ proktaḥ parāparam ataḥ śṛṇu || 6.24 ||
Das weitere Wort wird wie zuvor als alldurchdringend erklärt. Damit ist das Apara-Verfahren genannt; höre nun das Parapara-Verfahren.

6.25
pūrvavat pṛthivītattvaṃ vijñeyaṃ caturaṅgulam |
sārdhadvyaṅgulamānāni dhiṣaṇāntāni lakṣayet || 6.25 ||
Das Erdprinzip ist wie zuvor vierfingerbreit zu erkennen; die anschließenden bis zum Intellekt jeweils zweieinhalbfingerbreit.

6.26
pradhānaṃ tryaṅgulaṃ jñeyaṃ śeṣaṃ pūrvavad ādiśet |
pare 'pi pūrvavat pṛthvī tryaṅgulāny aparāṇi ca || 6.26 ||
Die Urnatur ist dreifingerbreit; das Übrige bestimme man wie zuvor. Auch im Para-Verfahren ist die Erde wie zuvor, die anderen [Prinzipien] je dreifingerbreit.

6.27
catuṣparva pradhānaṃ ca śeṣaṃ pūrvavad āśrayet |
dvividho 'pi hi varṇānāṃ ṣaḍvidho bheda ucyate || 6.27 ||
Die Urnatur [umfasst] vier Abschnitte; für das Übrige halte man sich an das Vorige. Die beiden Lautordnungen werden nach einer sechsfachen Gliederung erklärt.

6.28
tattvamārgavidhānena jñātavyaḥ paramārthataḥ |
padamantrakalādīnāṃ pūrvasūtrānusārataḥ || 6.28 ||
Diese ist ihrem wirklichen Sinn nach entsprechend dem Prinzipienweg zu erkennen. Für Wörter, Mantras, Kalas und die übrigen [Wegglieder]

6.29
tritayatvaṃ prakurvīta tattvavarṇoktavartmanā |
itthaṃ bhūtaśarīrasya guruṇā śivamūrtinā || 6.29 ||
stelle man nach den vorangehenden Regeln die Dreiteilung her, wie für Prinzipien und Laute angegeben. An einem Menschen mit so gestaltetem Körper soll der Guru in Shivas Gestalt

6.30
prakartavyā vidhānena dīkṣā sarvaphalapradā || 6.30 ||
vorschriftsgemäß die Einweihung vollziehen, die alle Früchte gewährt.

Überlieferte Schlussformel
iti śrīmālinīvijayottare tantre dehamārgādhikāraḥ ṣaṣṭhaḥ samāptaḥ
Damit endet im erhabenen Malinivijayottara Tantra der 6. Abschnitt: Der Wirklichkeitspfad im Körper.

Kapitel 7: Mudras

Überlieferte Kapitelüberschrift
mudrādhikāraḥ saptamaḥ
Siebter Abschnitt: Mudras.

7.1
athātaḥ saṃpravakṣyāmi mudrākhyāḥ śivaśaktayaḥ |
yābhiḥ saṃrakṣito mantrī mantrasiddhim avāpnuyāt || 7.1 ||
Nun werde ich Shivas Kräfte erklären, die Mudras heißen. Von ihnen geschützt, kann der Mantraübende die Vollendung des Mantras erlangen.

7.2
triśūlaṃ ca tathā padmaṃ śaktiś cakraṃ savajrakam |
daṇḍadaṃṣṭre mahāpretā mahāmudrā khageśvarī || 7.2 ||
Dreizack, Lotus, Speer, Diskus, Vajra, Stab, Fangzahn, große Leichengestalt, Mahamudra und Khageshvari;

7.3
mahodayā karālā ca khaṭvāṅgaṃ sakapālakam |
halaṃ pāśāṅkuśā ghaṇṭā mudgaras triśikho 'paraḥ || 7.3 ||
Mahodaya, Karala, Khatvanga, Schädelschale, Pflug, Schlinge, Stachel, Glocke, Keule und die dreizackige;

7.4
āvāhasthāpanīrodhā dravyadā natir eva ca |
amṛtā yogamudreti vijñeyā vīravandite || 7.4 ||
Herbeirufung, Aufstellung, Zurückhaltung, Darbringung, Verneigung, Amrita und Yogamudra: Diese soll man kennen, von Helden Verehrte.

7.5
tarjanīmadhyamānāmā dakṣiṇasya prasāritāḥ |
kaṇiṣṭhāṅguṣṭhakākrāntās triśūlaṃ parikīrtitam || 7.5 ||
Zeige-, Mittel- und Ringfinger der rechten Hand sind ausgestreckt, der kleine Finger wird vom Daumen gedrückt: Dies wird Dreizack genannt.

7.6
padmākārau karau kṛtvā padmamudrāṃ pradarśayet |
saṃmukhau prasṛtau kṛtvā karāv antaritāṅgulī || 7.6 ||
Man forme beide Hände lotusartig und zeige die Lotusmudra. Dann bringe man die ausgestreckten Hände einander zugewandt zusammen und verschränke die Finger.

7.7
prasṛte madhyame lagne kaumāryāḥ śaktir iṣyate |
uttānavāmamuṣṭes tu dakṣa[6] || 7.7 || †
Die ausgestreckten, aneinanderliegenden Mittelfinger gelten als Kaumaris Speer. [Es folgt eine lückenhafte Anweisung:] Bei der nach oben gerichteten linken Faust die rechte …

7.8
[4] kṣipen muṣṭiṃ cakraṃ nārāyaṇīpriyam |
uttānavāmakasyordhvaṃ nyased dakṣam adhomukham || 7.8 || †
… setze man die Faust: [Dies ist] der Narayani liebe Diskus. Über die nach oben gerichtete linke Hand lege man die rechte nach unten gewandt.

7.9
kaniṣṭhāṅguṣṭhakau śliṣṭau śeṣāḥ syur maṇibandhagā |
vajramudreti vikhyātā aindrīsaṃtoṣakārikā || 7.9 ||
Kleiner Finger und Daumen liegen aneinander; die übrigen [Finger] reichen zu den Handgelenken. Dies heißt Vajramudra, die Aindri erfreut.

7.10
ūrdhvaprasārito muṣṭir dakṣiṇo 'ṅguṣṭhagarbhagaḥ |
daṇḍamudreti vikhyātā vaivasvatakulapriyā || 7.10 ||
Die rechte Faust wird nach oben ausgestreckt, mit dem Daumen im Innern. Diese Stabmudra ist der Familie Vaivasvatas lieb.

7.11
vāmato vaktragāṃ kuryād vāmamuṣṭeḥ kaniṣṭhikām |
daṃṣṭreyaṃ kīrtitā devi cāmuṇḍākulanandinī || 7.11 ||
Den kleinen Finger der linken Faust bringe man links zum Mund. Diese Fangzahnmudra erfreut Chamundas Familie, Göttin.

7.12
vāmajānugataṃ pādaṃ [Vorlagenfehler: but] hastau pṛṣṭhapralambinau |
vikṛte locane grīvā bhagnā jihvā prasāritā || 7.12 || †
[Man lege] den Fuß auf das linke Knie, lasse die Hände hinter dem Rücken herabhängen, verdrehe die Augen, neige den Hals und strecke die Zunge heraus.
Textanmerkung: Das fremdsprachige Wort »but« steht tatsächlich in der Vorlage. Es wird als Vorlagenfehler markiert und nicht in einen erfundenen Sanskritlaut umgewandelt.

7.13
sarvayogigaṇasyeṣṭā pretā yogīśvarī matā |
hastāv adhomukhau padbhyāṃ hṛdayāntaṃ nayed budhaḥ || 7.13 ||
Diese Leichenmudra gilt als Yogishvari und ist allen Yogigruppen lieb. Der Kundige führe die nach unten gerichteten Hände von den Füßen bis zum Herzen.

7.14
tiryag mukhāntam upari saṃmukhāv ūrdhvagau nayet |
mahāmudreti vikhyātā dehaśodhanakarmaṇi || 7.14 ||
Dann führe er sie quer bis zum Gesicht und weiter nach oben, einander zugewandt. Diese ist als Mahamudra bei der Reinigung des Körpers bekannt.

7.15
sarvakarmakarī caiṣā yogināṃ yogasiddhaye |
baddhvā padmāsanaṃ yogī nābhāv akṣeśvaraṃ nyaset || 7.15 ||
Sie bewirkt alle Handlungen zur Vollendung des Yoga. Der Yogi nehme den Lotussitz ein und lege den Herrn der Sinne [den Geist] in den Nabel.

7.16
daṇḍākāraṃ tu taṃ tāvan nayed yāvat kakhatrayam |
nigṛhya tatra tat tūrṇaṃ prerayet khatrayeṇa tu || 7.16 ||
Er führe ihn stabförmig bis zur Dreiheit der Räume, halte ihn dort fest und bewege ihn rasch durch die drei Räume.

7.17
etāṃ baddhvā mahāvīraḥ khe gatiṃ pratipadyate |
adhomukhasya dakṣasya vāmam uttānam ūrdhvataḥ || 7.17 ||
Durch diese Mudra erlangt der große Held Bewegung im Raum. [Für die nächste Mudra lege man] die linke Hand mit der Fläche nach oben über die nach unten gerichtete rechte.

7.18
anāmāmadhyame tasya vāmāṅguṣṭhena pīḍayet |
tarjanyā tatkaniṣṭhāṃ ca tarjanīṃ ca kaniṣṭhayā || 7.18 ||
Deren Ring- und Mittelfinger drücke man mit dem linken Daumen; mit dem Zeigefinger ihren kleinen Finger und mit dem kleinen Finger ihren Zeigefinger.

7.19
madhyamānāmikābhyāṃ ca tadaṅguṣṭhaṃ nipīḍayet |
mudrā mahodayākhyeyaṃ mahodayakarī nṛṇām || 7.19 ||
Mit Mittel- und Ringfinger drücke man ihren Daumen. Diese Mudra heißt Mahodaya und bewirkt für die Menschen großes Aufsteigen.

7.20
anāmikākaniṣṭhābhyāṃ sṛkviṇyau pravidārayet |
jihvāṃ ca lālayen mantrī hāhākāraṃ ca kārayet || 7.20 ||
Mit Ringfinger und kleinem Finger ziehe man die Mundwinkel auseinander. Der Mantraübende bewege die Zunge und erzeuge den Laut „hā hā“.

7.21
kruddhadṛṣṭiḥ karāleyaṃ mudrā duṣṭabhayaṅkarī |
vāmaskandhagato vāma muṣṭir ucchritatarjanī || 7.21 ||
Mit zornigem Blick [vollzogen], ist dies Karala, die Übeltäter erschreckende Mudra. Die linke Faust liegt auf der linken Schulter, ihr Zeigefinger ist erhoben:

7.22
khaṭvāṅgākhyā smṛtā mudrā kapālam adhunā śṛṇu |
nimnaṃ pāṇitalaṃ dakṣam īṣat saṃkucitāṅguli || 7.22 ||
Dies heißt Khatvanga-Mudra. Höre nun die Schädelschale: Die rechte Handfläche wird vertieft, die Finger etwas zusammengezogen.

7.23
kapālam iti vijñeyam adhunā halam ucyate |
muṣṭibaddhasya dakṣasya tarjanī vāmamuṣṭinā || 7.23 ||
Dies ist als Schädelschale zu erkennen. Nun der Pflug: Der Zeigefinger der zur Faust geschlossenen rechten Hand wird von der linken Faust

7.24
vakratarjaninā grastā halamudreti kīrtitā |
muṣṭyā pṛṣṭhagayor dakṣa vāmayos tarjanīdvayam || 7.24 ||
mit gekrümmtem Zeigefinger erfasst; dies heißt Pflugmudra. [Bei der nächsten Mudra sind] die beiden Zeigefinger der rechten und linken Faust nach hinten gerichtet,

7.25
vāmāṅguṣṭhāgrasaṃlagnaṃ pāśaḥ prasṛtakuñcitaḥ |
hale muṣṭir yathā vāmo dakṣahīnas tathāṅkuśaḥ || 7.25 ||
mit der Spitze des linken Daumens verbunden, ausgestreckt und gekrümmt: [Dies ist] die Schlinge. Wie beim Pflug die linke Faust, jedoch ohne die rechte, ist der Stachel.

7.26
adhomukhasthite vāme dakṣiṇāṃ tarjanīṃ budhaḥ |
cālayen madhyadeśasthāṃ ghaṇṭāmudrā priyā matā || 7.26 ||
Bei nach unten gerichteter linker Hand bewege der Kundige den rechten Zeigefinger in deren Mitte. Dies gilt als die geschätzte Glockenmudra.

7.27
karāv ūrdhvamukhau kāryāv anyonyāntaritāṅgulī |
anāme madhyapṛṣṭhasthe tarjanyau mūlaparvage || 7.27 ||
Beide Hände werden nach oben gewandt und ihre Finger ineinander verschränkt; die Ringfinger liegen hinter den Mittelfingern, die Zeigefinger an den Grundgliedern.

7.28
madhyame dve yute kārye kaniṣṭhe puruṣāvadhi |
tarjanyau madhyapārśvasthe virale parikalpite || 7.28 ||
Beide Mittelfinger sind zu verbinden, die kleinen Finger bis zum Purusha [einem technischen Bezugspunkt]; die Zeigefinger werden mit Zwischenraum seitlich der Mittelfinger angeordnet.

7.29
mudgaras triśikho hy eṣa kṣaṇād āveśakārakaḥ |
karābhyām añjaliṃ kṛtvā anāmāmūlaparvagau || 7.29 ||
Dies ist die dreizackige Keule, die augenblicklich Eingehen bewirkt. [Zur nächsten Mudra] lege man die Hände zum Anjali zusammen und bringe

7.30
aṅguṣṭhau kalpayed vidvān mantrāvāhanakarmaṇi |
muṣṭī dvāv unnatāṅguṣṭhau sthāpanī parikīrtitā || 7.30 ||
die Daumen an die Grundglieder der Ringfinger: So verfahre der Kundige bei der Herbeirufung des Mantras. Zwei Fäuste mit erhobenen Daumen heißen Sthapani, die aufstellende [Mudra].

7.31
dvāv eva garbhagāṅguṣṭhau vijñeyā saṃnirodhinī |
dravyadā tu samākhyātā [4]tra saṃmukhī || 7.31 || †
Dieselben beiden Fäuste mit eingeschlossenen Daumen heißen Samnirodhini, die zurückhaltende. Die Darbringungsmudra wird als … einander zugewandt beschrieben. [Vier Silben fehlen in der Vorlage.]

7.32
hṛdaye saṃmukhau hastau saṃlagnau prasṛtāṅgulī |
namaskṛtir iyaṃ mudrā mantravandanakarmaṇi || 7.32 ||
Vor dem Herzen liegen die Hände einander zugewandt aneinander, mit ausgestreckten Fingern. Dies ist die Verneigungsmudra zur Verehrung des Mantras.

7.33
anyonyāntaritāḥ sarvāḥ karayor aṅgulīḥ sthitāḥ |
kaniṣṭhāṃ dakṣiṇāṃ vāme 'nāmikāgre niyojayet || 7.33 ||
Alle Finger beider Hände werden ineinander verschränkt; den rechten kleinen Finger setze man an die Spitze des linken Ringfingers,

7.34
dakṣiṇe ca tathā vāmaṃ tarjanīmadhyame tathā |
aṅguṣṭhau madhyamūlasthau mudreyam amṛtaprabhā || 7.34 ||
den linken entsprechend an den rechten; ebenso Zeige- und Mittelfinger. Die Daumen liegen an den Wurzeln der Mittelfinger. Diese Mudra strahlt Nektar aus.

7.35
dakṣiṇaṃ nābhimūle tu vāmasyopari saṃsthitam |
tarjanyaṅguṣṭhakau lagnau ucchritau yogakarmaṇi || 7.35 ||
Beim Yoga liegt die rechte Hand am Nabelansatz über der linken; Zeigefinger und Daumen sind verbunden und erhoben.

7.36
evaṃ mudrāgaṇaṃ mantrī badhnīyad dhṛdaye budhaḥ |
sarvāsāṃ vācakāś cāsāṃ oṃ hrīṃ nāma tato namaḥ || 7.36 ||
So forme der kundige Mantraübende die Mudras am Herzen. Ihre Bezeichnungsformel lautet jeweils: „oṃ hrīṃ“, dann der Name und anschließend „namaḥ“.

Überlieferte Schlussformel
iti śrīmālinīvijayottare tantre mudrādhikāro saptamaḥ samāptaḥ
Damit endet im erhabenen Malinivijayottara Tantra der 7. Abschnitt: Mudras.

Kapitel 8: Verehrung und Verpflichtungen

8.1
athātaḥ saṃpravakṣyāmi yajanaṃ sarvakāmadam |
yasya darśanamātreṇa yoginīsaṃmato bhavet || 8.1 ||
Nun werde ich die Verehrung erklären, die alle Wünsche erfüllt. Schon durch ihren Anblick wird man von den Yoginis anerkannt.

8.2
tatrādau yāgasadanaṃ śubhe kṣetre manoramam |
kārayed agnikuṇḍena vartulena samanvitam || 8.2 ||
Zuerst lasse man an einem günstigen Ort ein ansprechendes Opferhaus errichten, versehen mit einer runden Feuergrube,

8.3
pañcaviṃśatiparveṇa samantād ardhanābhinā |
turyāṃśamekhalenāpi parvauṣṭhena suśobhinā || 8.3 ||
von fünfundzwanzig Abschnitten [im Maß], ringsum einem halben Nabelmaß, mit einer Umrandung von einem Viertel und einem Rand von einem Abschnitt.

8.4
tataḥ snātvā jitadvandvo bhāvasnānena mantravit |
tac ca ṣaḍvidham uddiṣṭaṃ bhasmasnānādyanukramāt || 8.4 ||
Dann bade der Mantrakundige, der die Gegensatzpaare überwunden hat, mit dem Bad der Vergegenwärtigung. Dieses wird sechsfach erklärt, beginnend mit dem Aschebad.

8.5
bhasmasnānaṃ mahāstreṇa bhasma saptābhimantritam |
malasnānāya saṃhārakrameṇoddhūlayet tanum || 8.5 ||
Für das Aschebad bespreche man Asche siebenmal mit dem großen Waffenmantra. Zur Entfernung der Verunreinigung bestreue man den Körper in der Reihenfolge der Rücknahme.

8.6
vidyāṅgaiḥ pañcabhiḥ paścāc chiraḥ prabhṛti guṇṭhayet |
abhiṣekaṃ tu kurvīta mūlenaiva ṣaḍaṅginā || 8.6 ||
Danach bedecke man ihn vom Kopf an mit den fünf Vidya-Gliedern. Die Begießung vollziehe man mit dem Grundmantra samt seinen sechs Gliedern.

8.7
tato 'vāsāḥ suvāsā ca hastau pādau ca dhāvayet |
ācamya mārjanaṃ kuryād vidyayā bhūrivarṇayā || 8.7 ||
Dann wasche man unbekleidet oder rein gekleidet Hände und Füße, nehme den rituellen Wasserschluck und vollziehe die Reinigung mit der vielsilbigen Vidya.

8.8
nyāsaṃ kṛtvā tu sāmānyām aghamarṣaṃ dvitīyayā |
upasthānaṃ ca mālinyā japec caikākṣarāṃ parām || 8.8 ||
Nach dem allgemeinen Nyasa vollziehe man die Sündentilgung mit der zweiten [Vidya], die verehrende Annäherung mit Malini und wiederhole die einsilbige Para.

8.9
jalasnāne 'pi cāstreṇa mṛdaṃ saptābhimantritam |
pūrvavat tanum ālabhya malasnānaṃ samācaret || 8.9 ||
Auch beim Wasserbad bespreche man Erde siebenmal mit dem Waffenmantra, bestreiche damit wie zuvor den Körper und vollziehe das reinigende Bad.

8.10
vidhisnānādikaṃ cātra pūrvavat kiṃ tu vāriṇā |
sādhāraṇavidhisnāto vidyātritayamantritam || 8.10 ||
Das vorgeschriebene Bad und die weiteren Schritte sind wie zuvor, hier jedoch mit Wasser. Nach dem gewöhnlichen rituellen Bad [nehme man Wasser], das mit den drei Vidyas besprochen ist.

8.11
toyaṃ vinikṣipen mūrdhni mantrasnānāya mantravit |
rajasā godhutenaiva vāyavyaṃ snānam ācaret || 8.11 ||
Dieses gieße sich der Mantrakundige für das Mantrabad auf den Kopf. Das Luftbad vollziehe man mit dem Staub, den Kühe aufwirbeln.

8.12
mahāstram uccaran gacched dhyānayuk padasaptakam |
tad eva punar āgacched anusmṛtya parāparām || 8.12 ||
Den großen Waffenmantra aussprechend, gehe man meditierend sieben Schritte und kehre auf demselben Weg zurück, Parapara vergegenwärtigend.

8.13
varṣātapasamāyogād divyo 'apy evaṃvidho mataḥ |
kiṃ tu tatra parāṃ mantrī sravantīm amṛtaṃ smaret || 8.13 ||
Entsprechend gilt das göttliche Bad als Verbindung von Regen und Sonnenschein. Dabei soll der Mantraübende jedoch Para betrachten, wie sie Nektar ausströmen lässt.

8.14
astreṇāṅguṣṭhamūlāt tu vahnim utthāpya nirdahet |
svatanuṃ plāvayet paścāt parayaivāmṛtena tu || 8.14 ||
Mit dem Waffenmantra lasse man vom Daumenansatz Feuer aufsteigen und verbrenne darin den eigenen Körper; danach überflute man ihn mit Parās Nektar.

8.15
sūryādau mantram ādāya gacched astram anusmaran |
yāgaveśmāstrasaṃśuddhaṃ viśec chucir anākulaḥ || 8.15 ||
Nachdem man den Mantra in Sonne und den weiteren [Stützen] aufgenommen hat, gehe man unter Erinnerung an den Waffenmantra zum Opferhaus und betrete es rein und ungestört.

8.16
tatra dvārapatīn pūjya mahāstreṇābhimantritam |
puṣpaṃ vinikṣiped dhyātvā jvaladvighnapraśāntaye || 8.16 ||
Dort verehre man die Torhüter, bespreche eine Blume mit dem großen Waffenmantra und werfe sie unter der Vorstellung brennenden Feuers zur Beseitigung der Hindernisse.

8.17
daśasv api tato 'streṇa dikṣu saṃkalpya rakṣaṇaṃ |
praviśed yāgasadanaṃ vahnivad vahnisaṃyutam || 8.17 ||
Nachdem man mit dem Waffenmantra Schutz in allen zehn Richtungen hergestellt hat, betrete man das Opferhaus, feurig und mit Feuer verbunden.

8.18
pūrvāsyaḥ saumyavaktro vā viśeṣanyāsam ārabhet |
tatrādāv astramantreṇa kālānalasamatviṣā || 8.18 ||
Nach Osten oder Norden gewandt beginne man den besonderen Nyasa. Zuerst [vergegenwärtige man] mit dem Waffenmantra, der wie das Weltbrandfeuer strahlt,

8.19
aṅguṣṭhāgrāt tanuṃ dagdhāṃ sabāhyābhyantarāṃ smaret |
vikīryamāṇaṃ tadbhasma dhyātvā kavacavāyunā || 8.19 ||
den Körper vom Daumenende an innen und außen verbrannt. Man stelle sich vor, dass der Wind des Schutzpanzermantras die Asche verweht,

8.20
śivabindusamākāram ātmānam anucintayet |
tato 'sya yojayec chaktiṃ so 'ham ity aparājitaḥ || 8.20 ||
und betrachte sich selbst in der Gestalt von Shivas Bindu. Dann verbinde man damit Shakti, unüberwältigt [in der Erkenntnis]: ‚Ich bin er.‘

8.21
vidyāmūrtiṃ tato dadhyān mantreṇānena śāṅkari |
daṇḍākrāntaṃ mahāprāṇaṃ daṇḍārūḍhaṃ sanābhikam || 8.21 ||
Danach meditiere man mit diesem Mantra auf den Vidya-Leib, Shankari: der vom Stab überlagerte große Lebensatem, auf dem Stab ruhend und mit dem Nabel versehen;

8.22
nitambaṃ tadadhastāc ca vāmastanam adhaḥ punaḥ |
kaṇṭhaṃ ca vāmaśikharaṃ vāmamudrāvibhūṣitam || 8.22 ||
darunter die Hüfte, darunter wiederum die linke Brust; sodann Hals und linker Gipfel, geschmückt mit der linken Mudra;

8.23
bindvardhacandrakhaṃ nādaśaktibinduvibhūṣitam |
eṣa piṇḍakaro devi navātmaka iti śrutaḥ || 8.23 ||
Bindu, Halbmond und Raum, geschmückt mit Nada, Shakti und Bindu. Dieser körperbildende [Mantra] heißt Navatmaka, Göttin.

8.24
sarvasiddhikaraś cāyaṃ sarahasyam udāhṛtaḥ |
eṣa tryarṇojjhito 'adhastād dīrghaiḥ ṣaḍbhiḥ svarair yutaḥ || 8.24 ||
Er bewirkt sämtliche Vollendungen und ist damit samt seinem Geheimnis erklärt. Um die drei unteren Laute vermindert und mit sechs langen Vokalen verbunden,

8.25
ṣaḍaṅgāni hṛdādīni jātibhedena kalpayet |
kṣayaravalabījaiś ca dīptair binduvibhūṣitaiḥ || 8.25 ||
bilde er die sechs Glieder vom Herzen an, durch ihre Endungen unterschieden. Mit den leuchtenden, durch Bindu geschmückten Samen kṣa, ya, ra, va und la

8.26
vaktrāṇi kalpayet pūrvam ūrdhvavaktrāditaḥ kramāt |
pratyaṅgavidhisiddhyarthaṃ lalāṭādiṣv atho nyaset || 8.26 ||
bilde man zuerst die Gesichter, vom oberen Gesicht an der Reihe nach. Zur Ausführung des Gliederverfahrens lege man anschließend [die Laute] von der Stirn an auf.

8.27
a lalāṭe dvitīyaṃ ca vaktre saṃparikalpayet |
i ī netradvaye dattvā u ū karṇadvaye nyaset || 8.27 ||
A auf die Stirn, den zweiten [Vokal] auf den Mund; i und ī auf die beiden Augen, u und ū auf die Ohren.

8.28
ṛ ṝ nāsāpuṭe tadvad ḷ ḹ gaṇḍadvaye tathā |
e ai adhordhvadanteṣu o-aukārau tathoṣṭhayoḥ || 8.28 ||
Ṛ und ṝ ebenso auf die Nasenlöcher, ḷ und ḹ auf die Wangen; e und ai auf untere und obere Zähne, o und au auf die Lippen.

8.29
aṃ śikhāyāṃ visargeṇa jihvāṃ saṃparikalpayet |
dakṣiṇaskandhadordaṇḍa karāṅgulinakheṣu ca || 8.29 ||
Aṃ auf den Haarschopf; mit Visarga bilde man die Zunge. Auf rechte Schulter, Oberarm, Hand, Finger und Nägel

8.30
kavargaṃ vinyased vāme tadvac cādyam anukramāt |
ṭatādyau pūrvavad vargau nitamborvādiṣu nyaset || 8.30 ||
lege man die ka-Gruppe, links entsprechend die ca-Gruppe. Die ṭa- und ta-Gruppe lege man wie zuvor von Hüfte und Schenkel an auf.

8.31
pādyaṃ pārśvadvaye pṛṣṭhe jaṭhare hṛdy anukramāt |
tvagraktamāṃsasūtreṣu yavargaṃ parikalpayet || 8.31 ||
Die pa-Gruppe auf beide Seiten, Rücken, Bauch und Herz; die ya-Gruppe auf Haut, Blut, Fleisch und Sehnen.

8.32
śādyam asthivasāśukraprāṇakopeṣu pañcakam |
mūrtyaṅgāni tato dattvā śivam āvāhayed budhaḥ || 8.32 ||
Die fünf von śa an auf Knochen, Fett, Samen, Lebensatem und Zorn. Nach dem Auflegen der Körperglieder rufe der Kundige Shiva herbei.

8.33
prāṇopari nyasen nābhiṃ tadūrdhve dakṣiṇāṅgulim |
vāmakarṇaprameyotaḥ sarvasiddhipradaḥ śivaḥ || 8.33 ||
Über den Lebensatem setze man den Nabel, darüber den rechten Finger, verbunden mit dem linken Ohr: [Dies ist] Shiva, der alle Vollendungen gewährt.

8.34
sadbhāvaḥ paramo hy eṣaḥ bhairavasya mahātmanaḥ |
aṅgāny anena kāryāṇi pūrvavat svarabhedataḥ || 8.34 ||
Dies ist der höchste Sadbhava des erhabenen Bhairava. Mit ihm sind die Glieder wie zuvor durch wechselnde Vokale zu bilden.

8.35
mūrtiḥ sṛṣṭis tritattvaṃ ca aṣṭau mūrtyaṅgasaṃyutāḥ |
śivaḥ sāṅgaś ca ṣoḍhaiva nyāsaḥ saṃparikīrtitaḥ || 8.35 ||
Leib, Schöpfung, drei Prinzipien, die Achtzahl samt Körpergliedern und Shiva samt Gliedern: So ist der Nyasa sechsfach erklärt.

8.36
asyopari tataḥ śāktaṃ kuryān nyāsaṃ yathā śṛṇu |
mūrtau parāparāṃ nyasya tadvaktrāṇi ca mālinīm || 8.36 ||
Höre, wie darauf der Shakti-Nyasa zu vollziehen ist. In den Leib lege man Parapara, ihre Gesichter und Malini;

8.37
parāditritayaṃ paścāc chikhāhṛtpādagaṃ nyaset |
kavaktrakaṇṭhahṛnnābhiguhyorūpādagaṃ kramāt || 8.37 ||
danach die Dreiheit von Para an auf Haarschopf, Herz und Füße; der Reihe nach auf Kopf, Mund, Hals, Herz, Nabel, Geschlechtsbereich, Schenkel und Füße

8.38
aghoryādyaṣṭakaṃ nyasya vidyāṅgāni tu pūrvavat |
tatas tv āvāhayec chaktiṃ sarvayoginamaskṛtām || 8.38 ||
die Achtzahl von Aghori an, dann die Vidya-Glieder wie zuvor. Anschließend rufe man Shakti herbei, vor der sich alle Yogis verneigen.

8.39
jīvaḥ prāṇapuṭāntasthaḥ kālānalasamadyutiḥ |
atidīptas tu vāmāṅghribhūṣito mūrdhni bindunā || 8.39 ||
Die Lebensseele liegt zwischen den Hälften des Lebensatems, strahlend wie das Weltbrandfeuer, äußerst leuchtend, geschmückt mit dem linken Fuß und Bindu am Scheitel,

8.40
dakṣajānuyutaś cāyaṃ sarvamātṛgaṇānvitaḥ |
anena prīṇitāḥ sarvā dadate vāñchitaṃ phalam || 8.40 ||
verbunden mit dem rechten Knie und allen Muttergöttinnen. Durch diesen [Mantra] erfreut, gewähren sie alle die gewünschte Frucht.

8.41
sadbhāvaḥ paramo hy eṣa mātṛṇāṃ paripaṭhyate |
tasmād enāṃ japen mantrī ya icchet siddhim uttamām || 8.41 ||
Dies wird als der höchste Sadbhava der Mütter gelehrt. Deshalb wiederhole ihn der Mantraübende, der die höchste Vollendung ersehnt.

8.42
rudraśaktisamāveśo nityam atra pratiṣṭhitaḥ |
yasmād eṣā parāśaktir bhedenānena kīrtitā || 8.42 ||
Das Durchdrungensein von Rudras Kraft ist darin beständig gegenwärtig, weil die höchste Shakti in dieser Gestalt erklärt wird.

8.43
yāvatyaḥ siddhayas tantre sarvāḥ syur anayā kṛtāḥ |
aṅgāni kalpayed asyāḥ pūrvavat svarabhedataḥ || 8.43 ||
Sämtliche im Tantra genannten Vollendungen werden durch sie bewirkt. Ihre Glieder bilde man wie zuvor durch die Unterscheidung der Vokale.

8.44
mūrtiḥ savaktrā śaktiś ca vidyātritaya eva ca |
aghoryādyaṣṭakaṃ ceti tathā vidyāṅgapañcakam || 8.44 ||
Der Leib mit Gesichtern, Shakti, die drei Vidyas, die Achtzahl von Aghori an, die fünf Vidya-Glieder

8.45
sāṅgāś caiva parā śaktir nyāsaḥ prokto 'atha ṣaḍvidhaḥ |
yāmalo 'yam ato nyāsaḥ sarvasiddhiprasiddhaye || 8.45 ||
und die höchste Shakti samt Gliedern: Damit ist der Nyasa sechsfach erklärt. Dieser paarweise Nyasa dient dem Erlangen aller Vollendungen.

8.46
vāmo vāyaṃ vidhiḥ kāryo muktimārgāvalambibhiḥ |
varṇamantravibhedena pṛthag vā tatphalārthibhiḥ || 8.46 ||
Auch dieses linke Verfahren ist von denen auszuführen, die dem Befreiungsweg folgen; oder gesondert nach Lauten und Mantras von denen, die deren Früchte erstreben.

8.47
yāvantaḥ kīrtitā bhedaiḥ śaṃbhuśaktyaṇuvācakāḥ |
tāvatsv apy evam evāyaṃ nyāsaḥ pañcavidho mataḥ || 8.47 ||
Für sämtliche unterschiedlich erklärten Bezeichnungen von Shambhu, Shakti und Einzelseele gilt dieser Nyasa entsprechend als fünffach.

8.48
kiṃ tu bāhyas tu yo yatra sa tatrāṅgasamanvitaḥ |
ṣaṣṭhaḥ syād iti sarvatra ṣoḍhaivāyam udāhṛtaḥ || 8.48 ||
Doch die jeweils äußere [Gottheit] samt ihren Gliedern kommt als sechste hinzu. So wird er überall als sechsfach erklärt.

8.49
svānuṣṭhānāvirodhena bhāvābhāvavikalpanaiḥ |
yāgadravyāṇi sarvāṇi kāryāṇi vidhivad budhaiḥ || 8.49 ||
Die Kundigen sollen alle Verehrungsmittel vorschriftsgemäß bereiten, entsprechend ihrer eigenen Praxis durch Vorstellungen von Entstehen und Vergehen.

8.50
tato 'rghapātram ādāya bhāvābhāvavikalpitam |
tataś cāstrāgnisaṃdagdhaṃ śaktyambuplāvitaṃ śuci || 8.50 ||
Dann nehme man das Arghya-Gefäß, in Entstehen und Vergehen vorgestellt, vom Feuer des Waffenmantras verbrannt, mit Shaktis Wasser überflutet und rein.

8.51
kartavyā yasya saṃśuddhir anyasyāpy atra vastunaḥ |
tasyānenaiva mārgeṇa prakartavyā vijānatā || 8.51 ||
Auch jedes andere zu reinigende Ding soll der Kundige auf eben diesem Weg reinigen.

8.52
na cāsaṃśodhitaṃ vastu kiñcid apy atra kalpayet |
tena śuddhaṃ tu sarvaṃ yad aśuddham api tac chuci || 8.52 ||
Nichts Ungereinigtes soll man hier verwenden. Alles dadurch Gereinigte ist rein, auch wenn es zuvor unrein war.

8.53
tad ambunā samāpūrya ṣaḍbhir aṅgaiḥ samarpya ca |
amṛtīkṛtya sarvāṇi tena dravyāṇi śodhayet || 8.53 ||
Man fülle das Gefäß mit Wasser, versehe es mit den sechs Gliedern, verwandle es in Nektar und reinige damit sämtliche Verehrungsmittel.

8.54
ātmānaṃ pūjayitvā tu kuryād antaḥkṛtiṃ yathā |
tathā te kathayiṣyāmi sarvayogigaṇārcite || 8.54 ||
Nachdem man sich selbst verehrt hat, vollziehe man die innere Handlung. Wie dies geschieht, werde ich dir erklären, von allen Yogigruppen Verehrte.

8.55
ādāvauāv ādhāraśaktiṃ tu nābhyadhaś caturaṅgulām |
dharāṃ surodaṃ potaṃ ca kandaś ceti catuṣṭayam || 8.55 || †
Zuerst [stelle man] die tragende Kraft vier Fingerbreiten unterhalb des Nabels [vor]; Erde, Weinmeer, Schiff und Wurzelknolle bilden eine Vierheit.
Textanmerkung: Die Vorlage liest »ādāvauāv«. Diese auffällige Lautfolge wird nicht durch eine unbelegte Konjektur ersetzt.

8.56
ekaikāṅgulam etat syāc chūlasyāmalasārakam |
tato nālam anantākhyaṃ daṇḍam asya prakalpayet || 8.56 ||
Jedes [Glied] umfasst eine Fingerbreite und bildet die Amalasaraka-[Basis] des Dreizacks. Dann bilde man den Stängel namens Ananta als dessen Stab.

8.57
lambikāvadhitaś cātra śūlordhvaṃ granthir iṣyate |
abhittvainaṃ mahādevi pāśajālamahārṇavam || 8.57 ||
Dieser reicht bis zum Gaumenzäpfchen; darüber befindet sich der Knoten des Dreizacks. Ohne diesen, ein großes Meer aus dem Netz der Fesseln, zu durchbrechen,

8.58
na sa yogam avāpnoti śivena saha mānavaḥ |
dharmaṃ jñānaṃ ca vairāgyam aiśvaryaṃ ca catuṣṭayam || 8.58 ||
erlangt der Mensch keine Verbindung mit Shiva. Dharma, Erkenntnis, Leidenschaftslosigkeit und Herrschaft bilden eine Vierheit,

8.59
koṇeṣu cintayen mantrī āgneyādiṣv anukramāt |
gātrakāṇāṃ catuṣkaṃ ca dikṣu pūrvādiṣu smaret || 8.59 ||
die der Mantraübende in den Ecken von Südosten an betrachten soll. Die vier Stützglieder vergegenwärtige er in den Richtungen von Osten an.

8.60
granther ūrdhvaṃ triśūlādho bhavitavyā catuṣkikā |
vidyātattvaṃ tad evāhuś chadanatrayasaṃyutam || 8.60 ||
Diese Vierheit ist über dem Knoten, unterhalb des Dreizacks vorzustellen. Sie heißt Vidyaprinzip und ist mit drei Bedeckungen versehen.

8.61
kakhalambikayor madhye tat tattvam anucintayet |
padmākṛti kakhatattvam aiśvaraṃ cintayed budhaḥ || 8.61 ||
Zwischen dem oberen Raum und dem Gaumenzäpfchen betrachte man dieses Prinzip. Der Kundige stelle sich das Ishvara-Prinzip des oberen Raums lotusförmig vor,

8.62
karṇikākesaropetaṃ sabījaṃ vikasat sitam |
pūrvapatrāditaḥ paścād vāmādinavakaṃ nyaset || 8.62 ||
mit Fruchtboden, Staubfäden und Samen, weiß und aufgeblüht. Danach lege man vom östlichen Blatt an die Neunzahl von Vama an auf:

8.63
vāmā jyeṣṭhā ca raudrī ca kālī ceti tathā parā |
kalavikaraṇī caiva balavikaraṇī tathā || 8.63 ||
Vama, Jyeshtha, Raudri, Kali, Kalavikarani und Balavikarani,

8.64
balapramathanī cānyā sarvabhūtadamany api |
manonmanī ca madhye 'pi bhānumārgeṇa vinyaset || 8.64 ||
Balapramathani, Sarvabhutadamani und in der Mitte Manonmani; man ordne sie auf dem Sonnenweg an.

8.65
vibhvādinavakaṃ cānyad vilomāt parikalpayet |
vibhur jñānī kriyā cecchā vāgīśī jvālinī tathā || 8.65 ||
Die weitere Neunzahl von Vibhu an stelle man in umgekehrter Richtung vor: Vibhu, Jnani, Kriya, Iccha, Vagishi und Jvalini,

8.66
vāmā jyeṣṭhā ca raudrī ca sarvāḥ kālānalaprabhāḥ |
brahmaviṣṇuharāḥ pūrvaṃ ye śāktāḥ pratipāditāḥ || 8.66 ||
Vama, Jyeshtha und Raudri, alle leuchtend wie das Weltbrandfeuer. Brahma, Vishnu und Hara, die zuvor als Shakti-Gestalten erklärt wurden,

8.67
dalakesaramadhyasthā maṇḍalānāṃ ta īśvarāḥ |
dhvani [?] cārkenduvahnīnāṃ saṃjñeyā paribhāvayet || 8.67 || †
liegen in Blättern, Staubfäden und Mitte als Herren der Kreise. [Die Zuordnung] von Sonne, Mond und Feuer soll man vergegenwärtigen. [Die Vorlage markiert nach „dhvani“ eine unsichere Stelle.]

8.68
īśvaraṃ ca mahāpretaṃ prahasantaṃ sacetanam |
kālāgnikoṭivapuṣam ity evaṃ sarvam āsanam || 8.68 ||
Auch Ishvara als großen Leichenträger [Mahapreta], lachend und bewusst, mit dem Glanz von Millionen Weltbrandfeuern: Dies alles bildet den Sitz.

8.69
tasya nābhyutthitaṃ śaktiśūlaśṛṅgatrayaṃ smaret |
kakhatrayeṇa niryātaṃ dvādaśāntāvasānakam || 8.69 ||
Man stelle sich die drei Spitzen des Shakti-Dreizacks vor, die aus seinem Nabel aufsteigen, durch die drei oberen Räume treten und am Dvadashanta enden.

8.70
cintayet tasya śṛṅgeṣu śāktaṃ padmatrayaṃ tataḥ |
sarvādhiṣṭhāyakaṃ śuklamām ity etat paramāsanam || 8.70 ||
Auf seinen Spitzen betrachte man drei Shakti-Lotusse. Das weiße „ām“, das allem zugrunde liegt, bildet den höchsten Sitz.

8.71
tatropari tato mūrtiṃ vidyākhyām anucintayet |
ātmākhyāṃ ca tatas tasyāṃ pūrvanyāsaṃ śivātmakam || 8.71 ||
Darüber betrachte man den Vidya genannten Leib und die Selbstgestalt; darin vollziehe man den zuvor gelehrten Shiva-Nyasa.

8.72
tato madhye parāṃ śaktiṃ dakṣiṇottarayor dvayam |
parāparāṃ svarūpeṇa raktavarṇāṃ mahābalām || 8.72 ||
Danach [setze man] die höchste Shakti in die Mitte, die beiden anderen rechts und links: Parapara in ihrer eigenen Gestalt, rot und sehr mächtig,

8.73
icchārūpadharāṃ dhyātvā kiṃ cid ugrāṃ na bhīṣaṇām |
aparāṃ vāmaśṛṅge tu bhīṣaṇāṃ kṛṣṇapiṅgalām || 8.73 ||
als Verkörperung des Willens, etwas streng, jedoch nicht schrecklich; Apara auf die linke Spitze, furchterregend, schwarzbräunlich,

8.74
icchārūpadharāṃ devīṃ praṇatārtivināśinīm |
parāṃ cāpyāyanīṃ devīṃ candrakoṭyayutaprabhām || 8.74 ||
die Göttin in Willensgestalt, welche das Leid der sich Verneigenden vernichtet; Para dagegen als nährende Göttin, strahlend wie unzählige Monde.

8.75
ṣaḍvidhe 'pi kṛte śākte mūrtyādāv api cintayet |
vidyāṅgapañcakaṃ paścād āgneyyādiṣu vinyaset || 8.75 ||
Auch nach dem sechsfachen Shakti-Nyasa betrachte man Leib und die weiteren [Glieder]. Danach lege man die fünf Vidya-Glieder von Südosten an auf:

8.76
agnīśarakṣovāyūnāṃ dakṣiṇe ca yathākrama |
śaktyaṅgāni śivāṅgāni tathaiva vidhinā smaret || 8.76 ||
in Südosten, Nordosten, Südwesten, Nordwesten und Süden. Die Shakti- und Shiva-Glieder betrachte man nach demselben Verfahren,

8.77
kiṃ tu śakrādidikṣv astramantraṃ madhye ca locanam |
aghorādyaṣṭakaṃ dhyāyed aghoryādyaṣṭakānvitam || 8.77 ||
jedoch in den Richtungen von Osten an, den Waffenmantra [entsprechend] und das Auge in der Mitte. Man meditiere auf die Achtzahl von Aghora an, verbunden mit der Achtzahl von Aghori an,

8.78
sarvāsām āvṛtatvena lokapālāṃś ca bāhyataḥ |
sāstrān svamantraiḥ saṃcintya japaṃ paścāt samārabhet || 8.78 ||
als Umkreis aller [Göttinnen]; außen auf die Welthüter samt Waffen mit ihren eigenen Mantras. Danach beginne man die Wiederholung.

8.79
svarūpe tallayo bhūtvā ekaikāṃ daśadhā smaret |
jvalatpāvakasaṃkāśāṃ dhyātvā svāhāntam uccaret || 8.79 ||
In der eigenen Gestalt darin aufgehend, erinnere man jede [Vidya] zehnmal. Man betrachte sie wie flammendes Feuer und spreche sie mit der Endung svāhā aus,

8.80
sakṛd ekaikaśo mantrī homakarmaprasiddhaye |
ity eva mānaso yāgaḥ kathitaḥ sāmudāyikaḥ || 8.80 ||
jede einzeln einmal, um das Feueropfer zu vollenden. Damit ist die gesamte geistige Verehrung erklärt.

8.81
etat triśūlam uddiṣṭam ekadaṇḍaṃ triśaktikam |
ittham etad avijñāya śaktiśūlaṃ varānane || 8.81 ||
Dieser Dreizack besitzt einen Stab und drei Kräfte. Wer diesen Shakti-Dreizack nicht auf diese Weise kennt, schöne Göttin,

8.82
baddhvāpi khecarīṃ mudrāṃ notpatayaty avanītalāt |
ity etac chāmbhavaṃ proktam aṣṭāntaṃ śāktam iṣyate || 8.82 ||
erhebt sich selbst durch das Bilden der Khechari-Mudra nicht vom Erdboden. Dieses [Verfahren] heißt Shambhava; das bis zum achten [Endpunkt reichende] gilt als Shakta.

8.83
turyāntam āṇavaṃ vidyād iti śūlatrayaṃ matam |
pṛthag yāgavidhānena śakticakraṃ vicintayet || 8.83 ||
Das bis zum vierten reichende ist Anava. So sind drei Dreizackformen anerkannt. Den Shakti-Kreis soll man jeweils nach dem entsprechenden Verehrungsverfahren betrachten.

8.84
tenāpi khecarīṃ baddhvā tyajaty evaṃ mahītalam |
tato 'bhimantrya dhānyāni mahāstreṇa trisaptadhā || 8.84 ||
Auch dadurch verlässt man, die Khechari bildend, den Erdboden. Danach bespreche man Körner einundzwanzigmal mit dem großen Waffenmantra,

8.85
nikṣiped dikṣu sarvāsu jvalatpāvakavat smaret |
nirvighnaṃ tad gṛhaṃ dhyātvā saṃhṛtyeśadiśaṃ nayet || 8.85 ||
streue sie in alle Richtungen und stelle sie sich wie flammendes Feuer vor. Man betrachte das Haus als hindernisfrei, nehme [die Kräfte] zurück und führe sie nach Nordosten.

8.86
pañcagavyaṃ tataḥ kuryād vadanaiḥ pañcabhir budhaḥ |
gomūtraṃ gomayaṃ caiva kṣīraṃ dadhi ghṛtaṃ tathā || 8.86 ||
Danach bereite der Kundige mit den fünf Gesichtsmantras Panchagavya: Kuhurin, Kuhdung, Milch, Sauermilch und geklärte Butter.

8.87
mantrayed ūrdhvaparyantaiḥ ṣaḍaṅgena kuśodakam |
mudre dravyāmṛtaṃ baddhvā tattvaṃ tasya vicintayet || 8.87 ||
Man bespreche sie mit den [Gesichtsmantras] bis zum oberen, das Kusha-Wasser mit dem sechsgliedrigen [Mantra]. Nach dem Formen der Darbringungs- und Nektarmudra betrachte man sein Wesen.

8.88
tena saṃprokṣayed bhūmiṃ svalpenānyannidhāpayet |
vāstuyāgaṃ tataḥ kuryān mālinyuccārayogataḥ || 8.88 ||
Damit besprenge man den Boden; einen kleinen Teil verwende man, den Rest stelle man beiseite. Danach vollziehe man die Platzverehrung durch Malinis Aussprache.

8.89
puṣpair añjalim āpūrya phakārādi samuccaret |
dhyātvā śaktyantam adhvānaṃ nakārānte vinikṣipet || 8.89 ||
Man fülle die hohlen Hände mit Blumen, spreche von pha an, betrachte den Weg bis Shakti und werfe [die Blumen] beim Ende na nieder.

8.90
gandhadhūpādikaṃ dattvā gaṇeśānaṃ prapūjayet |
ṣaḍuttham āsanaṃ nyasya praṇavena tatopari || 8.90 ||
Nach Darbringung von Duft, Räucherwerk und anderem verehre man Ganesha. Mit dem Pranava lege man den sechsfach aufgebauten Sitz auf und darüber

8.91
gām ity anena vighneśaṃ gandhapuṣpādibhir yajet |
asyāṅgāni gakāreṇa ṣaḍdīrghasvarayogataḥ || 8.91 ||
verehre man mit „gām“ den Hindernisherrn durch Duft, Blumen und anderes. Seine Glieder bilde man mit ga in Verbindung mit den sechs langen Vokalen.

8.92
trinetraṃ muditaṃ dhyātvā gajāsyaṃ vāmanākṛtim |
visarjya siddhikāmas tu mahāstram anupūjayet || 8.92 ||
Man betrachte ihn dreiäugig, freudig, elefantengesichtig und kleinwüchsig. Nach seiner Entlassung verehre der nach Vollendung Strebende den großen Waffenmantra.

8.93
dattvānantaṃ tathā dharmaṃ jñānaṃ vairāgyam eva ca |
aiśvaryaṃ karṇikāṃ ceti ṣaḍuttham idam āsanam || 8.93 ||
Ananta, Dharma, Erkenntnis, Leidenschaftslosigkeit, Herrschaft und Lotusfruchtboden: Dies ist der sechsfach aufgebaute Sitz.

8.94
asyopari nyased dhyātvā khaḍgakheṭakadhāriṇam |
vikarālaṃ mahādaṃṣṭraṃ mahograṃ bhrūkuṭīmukham || 8.94 ||
Darüber stelle man [die Gottheit] vor, Schwert und Schild tragend, grimmig, mit großen Fangzähnen, äußerst schrecklich und mit gerunzelter Stirn,

8.95
svāṅgaṣaṭkasamopetaṃ diṅmātṛparivāritam |
svārṇair evāṅgaṣaṭkaṃ tu phaṭkāraparidīpitam || 8.95 ||
versehen mit den eigenen sechs Gliedern und umgeben von den Richtungsmüttern. Die sechs Glieder [entstehen] aus den eigenen Lauten, durch „phaṭ“ entflammt.

8.96
tadrūpam eva saṃcintya tato mātraṣṭakaṃ yajet |
indrāṇīṃ pūrvapatre tu savajrāṃ yugapat smaret || 8.96 ||
Nachdem man diese Gestalt betrachtet hat, verehre man die acht Mütter: auf dem östlichen Blatt Indrani mit dem Vajra,

8.97
āgneyiṃ śaktihastāṃ tu yāmyāṃ daṇḍakarāṃ tataḥ |
nairṛtīṃ varuṇānīṃ ca vāyavīṃ ca vicakṣaṇaḥ || 8.97 ||
Agneyi mit dem Speer, Yamya mit dem Stab; sodann Nairriti, Varunani und Vayavi,

8.98
khaḍgapāśadhvajair yuktāṃ cintayed yugapat priye |
kauverīṃ mudgarakarām īśānīṃ śūlasaṃyutām || 8.98 ||
mit Schwert, Schlinge und Banner, gleichzeitig vorzustellen, Geliebte; Kauveri mit der Keule, Ishani mit dem Dreizack.

8.99
gandhapuṣpādibhiḥ pūjya svatantre homam ācaret |
ādau ca kalaśaṃ kuryāt sahasrādhikamantritam || 8.99 ||
Nach ihrer Verehrung durch Duft, Blumen und anderes vollziehe man das Feueropfer nach dem eigenen Tantra. Zuerst bereite man einen Krug, über den mehr als tausendmal der Mantra gesprochen wurde.

8.100
sahasraṃ homayet tatra tato japtvā visarjayet |
śatam aṣṭottaraṃ pūrṇaṃ paścād yajanam ārabhet || 8.100 ||
Man bringe dort tausend Feueropfer dar, wiederhole [den Mantra] und entlasse [die Gottheit]; nach vollen einhundertacht [Wiederholungen] beginne man die Verehrung.

8.101
tatrādau kumbham ādāya hemādimayam avraṇam |
sarvamantrauṣadhīgarbhaṃ gandhāmbuparipūritam || 8.101 ||
Zuerst nehme man einen unbeschädigten Krug aus Gold oder anderem Material, gefüllt mit allen Mantras, Heilpflanzen und duftendem Wasser,

8.102
cūtapallavavaktraṃ ca sraksūtrasitakaṇṭhakam |
rakṣoghnatilakākrāntaṃ sitavastrayugāvṛtam || 8.102 ||
mit Mangozweigen an der Öffnung, einem durch Girlande und Faden geschmückten Hals, einem dämonenabwehrenden Stirnzeichen und zwei weißen Tüchern umhüllt.

8.103
śatāṣṭottarasaṃjaptaṃ mūlamantraprapūjitam |
vārdhāny api tathābhūtā kiṃ tu sāstreṇa pūjitā || 8.103 ||
Er wird einhundertachtmal besprochen und mit dem Grundmantra verehrt. Ebenso die Vardhani-Kanne, jedoch mit dem Waffenmantra verehrt.

8.104
vikirair āsanaṃ dattvā pūrvoktaṃ tu vicakṣaṇaḥ |
indrādīn pūjayet paścāt svadikṣu proktasasvaraiḥ || 8.104 ||
Der Kundige bereite mit Streukörnern den zuvor beschriebenen Sitz. Danach verehre er Indra und die weiteren [Hüter] in ihren Richtungen mit den angegebenen Lauten.

8.105
avicchinnāṃ tato dhārāṃ vārdhānyā pratipādayet |
bhrāmayet kalaśaṃ paścād brūyal lokeśvarān idam || 8.105 ||
Dann lasse er aus der Vardhani einen ununterbrochenen Wasserstrom fließen, führe den Krug herum und spreche zu den Weltherren:

8.106
bho bhoḥ śakra tvayā svasyāṃ diśi vighnapraśāntaye |
sāvadhānena karmāntaṃ bhavitavyaṃ śivājñayā || 8.106 ||
‚Höre, Shakra! Nach Shivas Gebot sollst du in deiner Richtung bis zum Ende der Handlung aufmerksam über die Beseitigung der Hindernisse wachen.‘

8.107
nītvā tatrāsane pūrvaṃ mūrtibhūtaṃ ghaṭaṃ nyaset |
tasya dakṣiṇadigbhāge vārdhānīṃ viniveśayet || 8.107 ||
Man bringe den zur Gottheitsgestalt gewordenen Krug zum zuvor bereiteten Sitz und stelle die Vardhani rechts von ihm auf.

8.108
ātmamūrtyādipūjyāntaṃ kumbhe vinyasya mantravit |
gandhapuṣpādibhiḥ pūjya vārdhānyāṃ pūjayed imam || 8.108 ||
Der Mantrakundige lege im Krug die gesamte Folge von der Selbstgestalt bis zur verehrten Gottheit auf und verehre mit Duft, Blumen und anderem; in der Vardhani verehre er diesen [Waffenmantra].

8.109
gandhair maṇḍalakaṃ kṛtvā brahmasthāne vicakṣanaḥ |
tatra saṃpūjayet ṣaṭkaṃ trikaṃ vāpy ekam eva vā || 8.109 ||
An der Brahma-Stelle zeichne der Kundige mit Duftstoffen einen Kreis und verehre darin die Sechsheit, die Dreiheit oder auch nur die eine [Gottheit].

8.110
kuṇḍasyollekhanaṃ lekhaḥ kuṭṭanaṃ copalepanam |
catuṣpathākṣavāṭaṃ ca vajrasaṃsthāpanaṃ tathā || 8.110 ||
Ausschaben, Einritzen, Feststampfen und Bestreichen der Feuergrube, die Anlage von Kreuzwegen und Achsen sowie das Einsetzen des Vajra,

8.111
kuśāstaraṇaparidhiviṣṭarāṇāṃ ca kalpanam |
sarvam astreṇa kūrvīta vidyām oṃ hrīm iti nyaset || 8.111 ||
das Auslegen von Kusha-Gras und das Anordnen von Begrenzungshölzern und Sitzen: All dies vollziehe man mit dem Waffenmantra. Die Vidya lege man mit „oṃ hrīm“ auf,

8.112
śivam om iti vinyasya saṃpūjya dvitayaṃ punaḥ |
tāmrapātre śarāve vā ānayej jātavedasam || 8.112 ||
Shiva mit „om“; nach Verehrung beider bringe man Feuer in einem Kupfergefäß oder einer Tonschale herbei.

8.113
śivaśukram iti dhyātvā vidyāyonau vinikṣipet |
tatas tv āhūtayaḥ pañca vidyāṅgair eva homayet || 8.113 ||
Man betrachte es als Shivas Samen und lege es in den Mutterschoß der Vidya. Dann bringe man fünf Opfergaben mit den Vidya-Gliedern dar.

8.114
jananādi tataḥ karma sarvam evaṃkṛte kṛtam |
parāparām anusmṛtya dadyāt pūrṇāhutiṃ punaḥ || 8.114 ||
Sind diese vollzogen, gelten die Handlungen von der Geburt an als ausgeführt. Unter Vergegenwärtigung Paraparas bringe man nochmals eine volle Opfergabe dar.

8.115
saṃpūjya mātaraṃ vahneḥ pitaraṃ ca visarjayet |
carvādisādhanāyāgniṃ samuddhṛtya tataḥ punaḥ || 8.115 ||
Nach Verehrung entlasse man Mutter und Vater des Feuers. Man entnehme Feuer zur Bereitung des Opferbreis und der weiteren [Speisen].

8.116
jvalitasyāthavā vahneś citiṃ vāmena vāyunā |
ākṛṣya hṛdi saṃkumbhya dakṣiṇena punaḥ kṣipet || 8.116 ||
Oder man ziehe das Bewusstsein des bereits brennenden Feuers mit dem linken Atemstrom an, halte es im Herzen und gebe es mit dem rechten wieder ab.

8.117
pūrṇāṃ ca pūrvavad dadyāc chivāgner aparo vidhiḥ |
śivarūpaṃ tam ālokya tasyātmāntaḥkṛtiḥ kramāt || 8.117 ||
Die volle Opfergabe bringe man wie zuvor dar. Dies ist ein weiteres Verfahren für das Shiva-Feuer. Man betrachte es als Shiva und vollziehe darin der Reihe nach die innere Gestaltung.

8.118
kuryād antaḥkṛtiṃ mantrī tato homaṃ samārabhet |
mūlaṃ śatena saṃtarpya tadaṅgāni ṣaḍaṅgataḥ || 8.118 ||
Nach der inneren Handlung beginne der Mantraübende das Feueropfer: den Grundmantra sättige er durch hundert [Gaben], seine Glieder entsprechend ihrem sechsfachen Zusammenhang.

8.119
śeṣāṇāṃ mantrajātīnāṃ daśāṃśenaiva tarpaṇam |
tataḥ praveśayec chiṣyāñ śucīn snātānupoṣitān || 8.119 ||
Die übrigen Mantragruppen sättige man mit einem Zehntel. Danach lasse man die Schüler eintreten, rein, gebadet und gefastet.

8.120
praṇamya devadeveśaṃ catuṣṭayagataṃ kramāt |
pañcagavyaṃ caruṃ dadyād dantadhāvanam eva ca || 8.120 ||
Nach der Verneigung vor dem höchsten Gott in seinen vier Stätten reiche man Panchagavya, Opferbrei und das Zahnreinigungshölzchen.

8.121
hṛdayena caroḥ siddhir yājñikaiḥ kṣīrataṇḍulaiḥ |
saṃpātaṃ saptabhir mantrais tataḥ ṣaḍbhāgabhājitam || 8.121 ||
Der Opferbrei wird mit dem Herzmantra aus opfergeeignetem Reis und Milch bereitet. Mit sieben Mantras [vollziehe man] das Zusammenführen, dann teile man ihn in sechs gleiche Teile:

8.122
śivāgniguruśiṣyāṇāṃ vārdhānīkumbhayoḥ samam |
dantakāṣṭhaṃ tato dadyāt kṣīravṛkṣasamudbhavam || 8.122 ||
für Shiva, Feuer, Guru, Schüler, Vardhani und Krug. Danach gebe man ein Zahnreinigungshölzchen von einem Milchsaftbaum.

8.123
tasya pātaḥ śubhaḥ prācīsaumyaiśāpy ordhvadiggataḥ |
aśubho 'nyatra tatrāpi homo 'ṣṭaśatiko bhavet || 8.123 ||
Günstig ist sein Fallen nach Osten, Norden, Nordosten oder oben; anderswohin ungünstig. In diesem Fall sind achthundert Feueropfer darzubringen.

8.124
bahiḥkarma tataḥ kuryād dikṣu sarvāsu daiśikaḥ |
oṃ kṣaḥ kṣaḥ sarvabhūtebhyaḥ svāheti manunāmunā || 8.124 ||
Der Lehrer vollziehe dann die äußere Handlung in allen Richtungen mit diesem Mantra: „oṃ kṣaḥ kṣaḥ sarvabhūtebhyaḥ svāhā“.

8.125
samācamya kṛtanyāsaḥ samabhyarcya ca śaṅkaram |
[lacuna] gṛhe śuciḥ || 8.125 || †
Nach dem rituellen Wasserschluck, dem Nyasa und der Verehrung Shankaras … rein im Haus. [Der mittlere Teil des Verses fehlt in der Vorlage.]

8.126
nyāsaṃ kṛtvā tu śiṣyāṇām ātmanaś ca viśeṣataḥ |
prabhāte nityakarmādi kṛtvā svapnaṃ vicārayet || 8.126 ||
Nach besonderem Nyasa für die Schüler und sich selbst vollziehe man am Morgen die täglichen Pflichten und prüfe die Träume.

8.127
śubhaṃ prakāśayet teṣāṃ aśubhe homam ācaret |
tataḥ puṣpaphalādīnāṃ suveśābharaṇāḥ striyaḥ || 8.127 ||
Günstiges teile man ihnen mit, bei Ungünstigem vollziehe man ein Feueropfer. [Günstige Traumbilder sind:] Blumen, Früchte und anderes, schön gekleidete und geschmückte Frauen,

8.128
āpaduttaraṇaṃ caiva śubhadeśāvarohaṇam |
madyapānaṃ śiraśchedam āmamāṃsasya bhakṣaṇam || 8.128 ||
das Überwinden einer Gefahr, das Hinabsteigen an einen günstigen Ort, Weintrinken, Enthauptung und der Verzehr rohen Fleisches,

8.129
devatādarśanaṃ sākṣāt tathā viṣṭānulepanam |
evaṃvidhaṃ śubhaṃ dṛṣṭvā siddhiṃ prāpnoty abhīpsitām || 8.129 ||
unmittelbare Gottheitsschau und das Bestreichen mit Kot. Wer solche günstigen [Traumbilder] sieht, erlangt die ersehnte Vollendung.

8.130
etad evānyathābhūtaṃ duḥsvapna iti kīrtyate |
pakvamāṃsāśanābhyaṅgagartādipatanādikam || 8.130 ||
Das Gegenteilige heißt ungünstiger Traum: gekochtes Fleisch essen, Einölen, in Gruben und Ähnliches fallen und weitere [Bilder].

8.131
tantroktāṃ niṣkṛtiṃ kṛtvā dvijatvāpādanaṃ tataḥ |
devāgnigurudevīnāṃ pūjāṃ kṛtvā sadā budhaḥ || 8.131 ||
Nach der im Tantra vorgeschriebenen Wiedergutmachung bewirke man die Zweitgeburt. Der Kundige verehre stets Gottheit, Feuer, Guru und Göttinnen.

8.132
eteṣām anivedyaiva na kiṃ cid api bhakṣayet |
devadravyaṃ gurudravyaṃ caṇḍīdravyaṃ ca varjayet || 8.132 ||
Ohne ihnen zuvor darzubringen, esse man nichts. Man meide den Besitz der Gottheit, des Gurus und Candis.

8.133
niṣphalaṃ naiva ceṣṭeta muhūrtam api mantravit |
yogābhyāsarato bhūyān mantrābhyāsarato 'pi vā || 8.133 ||
Nicht einmal für einen Augenblick beschäftige sich der Mantrakundige mit Fruchtlosem; er widme sich dem Yoga oder der Mantraübung.

8.134
ity evam ādisamayāñ śrāvayitvā visarjayet |
devadevaṃ tataḥ snānaṃ śiṣyāṇām ātmano 'pi vā || 8.134 ||
Nachdem man diese und die weiteren Verpflichtungen verkündet hat, entlasse man den höchsten Gott. Danach lasse man die Schüler und sich selbst

8.135
kārayec chivakumbhena sarvaduṣkṛtahāriṇā |
ity etat sāmayaṃ karma samāsāt parikīrtitam || 8.135 ||
mit dem Shiva-Krug baden, der alle Verfehlungen tilgt. Damit ist die mit Verpflichtungen verbundene Handlung kurz erklärt.

Überlieferte Schlussformel
iti śrīmālinīvijayottare samayādhikāro 'ṣṭamaḥ sargaḥ
Damit endet im erhabenen Malinivijayottara Tantra der 8. Abschnitt: Verehrung und Verpflichtungen.

Kapitel 9: Tätigkeitsbezogene Einweihung

Überlieferte Kapitelüberschrift
kriyādikṣādhikāro navamaḥ
Neunter Abschnitt: tätigkeitsbezogene Einweihung.

9.1
athaiṣāṃ samayasthānāṃ kuryād dīkṣāṃ yada guruḥ |
tadādhivāsanaṃ kṛtvā [lacuna] || 9.1 || †
Wenn der Guru diejenigen einweihen will, die in den Verpflichtungen stehen, vollziehe er zunächst die vorbereitende Weihung … [Der Rest des Verses fehlt.]

9.2
sa ca pūrvaṃ diśaṃ samyak sūtram āsphālayet tataḥ |
tanmadhyāt pūrvavāruṇyā vaṅkayeta samāntaram || 9.2 ||
Zuerst bestimme er die Richtung genau und spanne die Schnur. Von deren Mitte aus markiere er gleichmäßig Osten und Westen.

9.3
pūrvāparasamāsena sūtreṇottaradakṣiṇam |
aṅkayed aparād aṅkād pūrvād api tathaiva te || 9.3 ||
Mit der in Ost-West-Richtung angelegten Schnur markiere er Norden und Süden; ebenso von der westlichen wie von der östlichen Markierung aus.

9.4
matsyamadhye kṣipet sūtram āyataṃ dakṣiṇottare |
matakṣetrārdhamānena madhyād dikṣv aṅkayet samam || 9.4 ||
Durch die Mitte der Fischfigur lege er die Schnur in Nord-Süd-Richtung. Mit dem halben Maß des vorgesehenen Feldes markiere er von der Mitte aus gleichmäßig die Richtungen.

9.5
tadvad diksthāc ca koṇeṣu anulomavilomataḥ |
pātayet teṣu sūtrāṇi caturaśraprasiddhaye || 9.5 ||
Ebenso markiere er von den Richtungen aus die Ecken, vorwärts und rückwärts, und spanne dort die Schnüre zur Herstellung des Quadrats.

9.6
vedāśrite hi haste prāk pūrvam ardhaṃ vibhājayet |
hastārdhaṃ sarvatas tyaktvā pūrvodagyāmadiggatam || 9.6 ||
Im vierseitigen, nach Ellen bemessenen [Feld] teile er zuerst die östliche Hälfte. Ringsum spare er eine halbe Elle aus, nach Osten, Norden und Süden.

9.7
guṇāṅgulasamair bhāgaiḥ śeṣam asya vibhājayet |
tryaṅgulaiḥ koṣṭakair ūrdhvais tiryak cāṣṭadvidhātmakaiḥ || 9.7 ||
Den Rest teile er in Abschnitte von drei Fingerbreiten, mit dreifingerbreiten Feldern, längs und quer in zwei Achtreihen.

9.8
dvau dvau bhāgau parityajya punar dakṣiṇasaumyagau |
brahmaṇaḥ pārśvayor jīvāc caturthāt pūrvatas tathā || 9.8 ||
Je zwei Abschnitte im Süden und Norden spare er aus; an beiden Seiten der Brahmalinie sowie östlich von der vierten Querlinie

9.9
bhāgārdhabhāgamānaṃ tu khaṇḍacandradvayaṃ dvayam |
tayor antas tṛtīye tu dakṣiṇottarapārśvayoḥ || 9.9 ||
[zeichne er] jeweils zwei Halbmonde vom Maß eines halben Abschnitts. Innerhalb dieser, am dritten [Abschnitt], an der Süd- und Nordseite,

9.10
jīve khaṇḍenduyugalaṃ kuryād antarbhramād budhaḥ |
tayor aparamarmasthaṃ khaṇḍendudvayakoṭigam || 9.10 ||
zeichne der Kundige auf der Querlinie zwei Halbmonde mit nach innen gerichteter Krümmung; an ihrem hinteren Verbindungspunkt, bis zu den Spitzen der beiden Halbmonde,

9.11
bahir mukhabhramaṃ kuryāt khaṇḍacandradvayaṃ dvayam |
tadvad brahmaṇi kurvīta bhāgabhāgārdhasaṃmitam || 9.11 ||
jeweils zwei nach außen gekrümmte Halbmonde. Ebenso verfahre er an der Brahmalinie mit dem Maß eines Abschnitts beziehungsweise eines halben.

9.12
tato dvitīyabhāgānte brahmaṇaḥ pārśvayor dvayoḥ |
dve rekhe pūrvage neye bhāgatryaṃśaśame budhaiḥ || 9.12 ||
Dann führe er am Ende des zweiten Abschnitts an beiden Seiten der Brahmalinie zwei Linien ostwärts im Abstand eines Drittelabschnitts.

9.13
ekārdhendūrdhvakoṭisthaṃ brahmasūtrāgrasaṃgataṃ |
sūtradvayaṃ prakurvīta madhyaśṛṅgaprasiddhaye || 9.13 ||
Zur Herstellung der mittleren Spitze lege er zwei Schnüre an, welche an der oberen Halbmondspitze liegen und sich am Ende der Brahmaschnur treffen.

9.14
tadagrapārśvayor jīvāt sūtram ekāntare śritam |
ādidvitīyakhaṇḍendu koṇāt koṇāntam āśrayet || 9.14 ||
An beiden Seiten ihrer Spitze lege er von der Querlinie aus eine Schnur mit einem Zwischenraum an, von der Ecke des ersten bis zur Ecke des zweiten Halbmonds.

9.15
tayor evāparāj jīvāt prathamārdhendukoṇataḥ |
tadvad eva nayet sūtraṃ śṛṅgadvitayasiddhaye || 9.15 ||
Von deren hinterer Querlinie aus führe er ebenso eine Schnur von der Ecke des ersten Halbmonds, um die beiden weiteren Spitzen herzustellen.

9.16
kṣetrārdhe cāpare daṇḍo dvikaracchannapañcakaḥ |
dvikaraṃ pañca tadbhāgāḥ pañcapīṭhatirohitāḥ || 9.16 ||
In der anderen Feldhälfte liegt der Stab, dessen fünf [Abschnitte] durch zwei Hände verdeckt werden. Die beiden Hände und die fünf Teile werden durch fünf Sockel verdeckt.

9.17
śeṣam anyad bhaved dṛśyaṃ pṛthutvād bhāgasaṃmitam |
ṣaḍvistṛtaṃ caturdīrghaṃ tadadho 'malasārakam || 9.17 ||
Das Übrige bleibt sichtbar, einen Abschnitt breit. Darunter liegt die Amalasaraka-[Basis], sechs breit und vier lang.

9.18
vedāṅgulaṃ ca tadadho mūlaṃ tīkṣṇāgram iṣyate |
ādikṣetrasya kurvīta dikṣu dvāracatuṣṭayam || 9.18 ||
Darunter ist eine vierfingerbreite Wurzel mit scharfer Spitze vorgesehen. In den vier Richtungen des ursprünglichen Feldes bilde man vier Tore.

9.19
hastāyāmaṃ tadardhaṃ tu vistarād api atasamam |
dviguṇaṃ bāhyataḥ kuryāt tataḥ padmaṃ yathā śṛṇu || 9.19 ||
Ihre Länge beträgt eine Elle, ihre Breite die Hälfte; außen verdoppele man [das Maß]. Höre nun den Lotus.

9.20
ekaikabhāgamānāni kuryād vṛttāni vedavat |
dikṣv aṣṭau punar apy aṣṭau jīvasūtrāṇi ṣoḍaśa || 9.20 ||
Man zeichne vier Kreise im Abstand je eines Abschnitts. In den Richtungen [lege man] acht und nochmals acht, also sechzehn Querlinien an.

9.21
dvayor dvayoḥ punar madhye tatsaṃkhyātāni pātayet |
eṣāṃ tṛtīyavṛttasthaṃ pārśvajīvasamaṃ bhramam || 9.21 ||
Zwischen je zwei lege man nochmals die gleiche Anzahl. Auf dem dritten Kreis ziehe man eine Krümmung entsprechend der seitlichen Querlinie,

9.22
etad antaṃ prakurvīta tato jīvāgram ānayet |
yatraiva kutra cit saṅgas tatsaṃbandhe sthirīkṛte || 9.22 ||
bis zu deren Ende; dann führe man sie zum Ende der Querlinie. Wo die Verbindung zustande kommt, fixiere man sie.

9.23
tatra kṛtvā nayen mantrī patrāgrāṇāṃ prasiddhaye |
ekaikasmin dale kuryāt kesarāṇāṃ trayaṃ trayam || 9.23 ||
Dort ansetzend führe der Mantraübende [die Linie] zur Herstellung der Blattspitzen. In jedes Blatt zeichne er drei Staubfäden.

9.24
dviguṇāṣṭāṅgulaṃ kāryaṃ tadvac chṛṅgakajatrayam |
tataḥ prapūjayen mantrī rajobhiḥ sitapūrakaiḥ || 9.24 ||
Ebenso sind die drei Lotusse auf den Spitzen mit zweimal acht Fingerbreiten auszuführen. Danach fülle der Mantraübende [das Diagramm] mit weißen Farbpulvern,

9.25
raktaiḥ kṛṣṇais tathāpītair haritaiś ca viśeṣataḥ |
karṇikāḷpītavarṇena mūlamadhyāgradeśataḥ || 9.25 || †
roten, schwarzen, gelben und besonders grünen. Der Fruchtboden wird gelb; an Wurzel, Mitte und Spitze
Textanmerkung: Die Vorlage enthält die gestörte Zeichenfolge »karṇikāḷpītavarṇena«. Sie wird als Vorlagenbefund bewahrt; die deutsche Wiedergabe folgt dem erkennbaren Satzsinn.

9.26
sitaṃ raktaṃ tathā pītaṃ kāryaṃ kesarajālakam |
dalāni śuklavarṇāni prativāraṇayā saha || 9.26 ||
wird das Staubfadennetz weiß, rot und gelb. Die Blätter samt ihrer Einfassung werden weiß.

9.27
pītaṃ tadvac catuṣkoṇaṃ karṇikārdhasamaṃ bahiḥ |
sitaraktapītakṛṣṇais tatpādān vahnitaḥ kramāt || 9.27 ||
Ebenso gelb [wird] das äußere Viereck im halben Maß des Fruchtbodens; seine Füße von Südosten an weiß, rot, gelb und schwarz.

9.28
caturbhir api śṛṅgāṇi tribhir maṇḍalam iṣyate |
daṇḍaḥ syān nīlaraktena pītamāmalasārakam || 9.28 ||
Die Spitzen [erhalten] alle vier [Farben], der Kreis drei. Der Stab wird blau und rot, die Amalasaraka-Basis gelb.

9.29
raktaṃ śūlaṃ prakurvīta yat tat pūrvaṃ prakalpitam |
paścād dvārasya pūrveṇa tyaktvāṅgulacatuṣṭayam || 9.29 ||
Den zuvor angelegten Dreizack mache man rot. Danach lasse man östlich vom westlichen Tor vier Fingerbreiten frei.

9.30
dvāraṃ vedāśri vṛttaṃ vā saṃkīrṇaṃ vā vicitritam |
ekadvitripuraṃ tulyaṃ sāmudgam atha vobhayam || 9.30 ||
Das Tor sei viereckig, rund oder gemischt und verziert; mit einer, zwei oder drei Umfassungen, gleichmäßig, schachtelförmig oder beides.

9.31
kapālakaṇṭhaśobhopa śobhādibahucitritam |
vicitrākārasaṃsthānaṃ vallīsūkṣmagṛhānvitam || 9.31 ||
Es sei reich mit Schädeln, Hälsen und Haupt- und Nebenverzierungen geschmückt, mannigfaltig gestaltet, mit Ranken und kleinen Gehäusen.

9.32
evam atra suniṣpanne gandhavastreṇa mārjanam |
kṛtvā snānaṃ prakurvīta pūrvoktenaiva karmaṇā || 9.32 ||
Wenn dies vollendet ist, reinige man [sich] mit einem duftenden Tuch und bade nach dem zuvor beschriebenen Verfahren.

9.33
praviśya pūrvavan mantrī upaviśya yathā purā |
nyasya pūrvoditaṃ sarvaṃ pañcadhā bhairavātmakam || 9.33 ||
Der Mantraübende trete wie zuvor ein, nehme Platz und lege das gesamte zuvor beschriebene fünffache, aus Bhairava bestehende [Nyasa] auf.

9.34
uttare vinyasec chṛṅge devadevaṃ navātmakam |
madhye bhairavasadbhāvaṃ dakṣiṇe ratiśekharam || 9.34 ||
Auf die nördliche Spitze setze er den höchsten Gott Navatmaka, in die Mitte Bhairavasadbhava und auf die südliche Ratishikhara.

9.35
raktatvaṅmāṃsasūtrais tu vāmakarṇavibhūṣitam |
binduyuktaṃ prameyotaṃ ratiśekharam ādiśet || 9.35 ||
Ratishikhara bilde man aus Blut, Haut, Fleisch und Sehnen, geschmückt mit dem linken Ohr, versehen mit Bindu und mit Prameya verbunden.

9.36
śāktaṃ ca pūrvavat kṛtvā tarpayet pūrvavad budhaḥ |
punar abhyarcya deveśaṃ bhaktyā vijñāpayed idam || 9.36 ||
Nach dem Shakti-Nyasa wie zuvor sättige der Kundige [die Gottheiten]. Er verehre den Götterherrn erneut und bringe ihm hingebungsvoll diese Bitte vor:

9.37
gurutvena tvayaivāham ājñātaḥ parameśvara |
anugrāhyās tvayā śiṣyāḥ śivaśaktipracoditāḥ || 9.37 ||
‚Du selbst hast mich zum Guru bestimmt, höchster Herr. Die von Shivas Kraft bewegten Schüler sollen von dir begnadet werden.

9.38
tad ete tadvidhāḥ prāptās tvam eṣāṃ kurv anugraham |
madīyāṃ tanum āviśya yenāhaṃ tvat samo bhavan || 9.38 ||
Solche sind nun gekommen; gewähre ihnen deine Gnade. Tritt in meinen Körper ein, damit ich dir gleich werde

9.39
karomy evam iti prokto harṣād utphullalocanaḥ |
tataḥ ṣaḍvidham adhvānam anenādhiṣṭhitaṃ smaret || 9.39 ||
und so handle.‘ Mit vor Freude geöffneten Augen [vergegenwärtige man] danach den sechsfachen Weg als von ihm beherrscht.

9.40
sṛṣṭyādipañcakarmāṇi niṣpādyāny asya cintayet |
śaktibhir jīvamūrtiḥ syād dvidhaivāsya parāparā || 9.40 ||
Man betrachte die fünf Handlungen von der Schöpfung an als seine Aufgaben. Durch seine Kräfte besitzt er eine lebendige Gestalt; seine Parapara ist zweifach,

9.41
mūrtāmūrtatvabhedena mām apy eṣānutiṣṭhati |
karaṇatvaṃ prayānty asya mantrā ye hṛdayādayaḥ || 9.41 ||
nach verkörperter und unverkörperter Form. Auch mich erhält sie. Die Mantras vom Herzen an werden zu seinen Werkzeugen.

9.42
evaṃbhūtaṃ śivaṃ dhyātvā tadgatenāntarātmanā |
bhāvyaṃ tanmayam ātmānaṃ daśadhāvartayec chivam || 9.42 ||
Auf einen solchen Shiva meditiere man mit ganzem Innern und vergegenwärtige sich selbst als aus ihm bestehend. Zehnmal wiederhole man Shiva,

9.43
triḥkṛtvā sarvamantrāṃś ca garbhāvaraṇasaṃsthitān |
sitoṣṇīṣaṃ tato buddhvā saptajaptaṃ navātmanā || 9.43 ||
dreimal sämtliche Mantras in Innerem und Umkreis. Dann [bereite man] die weiße Kopfbinde, siebenmal mit Navatman besprochen.

9.44
śivahastaṃ tataḥ kuryāt pāśaviśleṣakārakam |
prakṣālya gandhatoyena hastaṃ hastena kena cit || 9.44 ||
Man bilde die Shiva-Hand, welche die Fesseln löst: Die Hand wasche man mit Duftwasser, mit einer beliebigen Hand [helfend].

9.45
gandhadigdho yajed devaṃ sāṅgam āsanavarjitam |
ātmany ālabhanaṃ kuryād grahaṇaṃ yojanaṃ tathā || 9.45 ||
Mit Duft bestrichen verehre man darin den Gott samt Gliedern, ohne Sitz. An sich selbst vollziehe man Berühren, Ergreifen und Verbinden,

9.46
viyogaṃ ca tathoddhāraṃ pāśacchedādikaṃ ca yat |
evaṃ patitvam āsādya prapañcavyāptitaḥ śivam || 9.46 ||
Trennen, Herausheben, Durchschneiden der Fesseln und anderes. So erlange man die Herrschaftsstellung und betrachte Shiva als die Entfaltung durchdringend.

9.47
bhāvayet pṛthag ātmānaṃ tatsamānaguṇaṃ tataḥ |
maṇḍalastho 'ham evāyaṃ sākṣīvākhilakarmasu || 9.47 ||
Dann betrachte man sich selbst gesondert als mit gleichen Eigenschaften versehen: ‚Ich selbst bin dieser im Mandala Gegenwärtige, gleich einem Zeugen aller Handlungen.

9.48
homādhikaraṇatvena vahnāv aham avasthitaḥ |
ā yāgāntam ahaṃ kumbhe saṃsthito vighnaśāntaye || 9.48 ||
Als Ort des Feueropfers bin ich im Feuer gegenwärtig; bis zum Ende der Verehrung bin ich im Krug, um Hindernisse zu stillen,

9.49
śiṣyadehe ca tatpāśa viśleṣatvaprasiddhaye |
sākṣāt svadehasaṃstho 'haṃ kartānugrahakarmaṇaḥ || 9.49 ||
und im Körper des Schülers, um seine Fesseln zu lösen. Unmittelbar in meinem eigenen Körper bin ich der Handelnde bei der Gewährung von Gnade.‘

9.50
ity etat sarvam ālocya śodhyādhvānaṃ vicintayet |
dīkṣāṃ yenādhvanā mantrī śiṣyāṇāṃ kartum icchati || 9.50 ||
Nachdem man all dies erwogen hat, betrachte man den zu reinigenden Weg. Auf welchem Weg der Mantraübende seine Schüler einweihen will,

9.51
tatraivālocayet sarvaṃ yāyāt padam anāmayam |
tatra tenāpṛthagbhūtvā punaḥ saṃcintayed idam || 9.51 ||
darin betrachte er alles und gelange zum leidfreien Zustand. Dort mit ihm ungetrennt geworden, betrachte er erneut:

9.52
aham eva paraṃ tattvaṃ mayi sarvam idaṃ jagat |
adhiṣṭhātā ca kartā ca sarvasyāham avasthitaḥ || 9.52 ||
‚Ich selbst bin die höchste Wirklichkeit; in mir ist diese gesamte Welt. Als Beherrscher und Schöpfer von allem bin ich gegenwärtig.‘

9.53
tatsamatvaṃ gato jantur mukta ity abhidhīyate |
evaṃ saṃcintya bhūyo 'pi śodhyam ādyaṃ samāśrayet || 9.53 ||
Ein Wesen, das Gleichheit damit erlangt, heißt befreit. Nach dieser Betrachtung wende man sich wieder dem ersten zu reinigenden [Glied] zu.

9.54
śiṣyamaṇḍalavahnīnāṃ tatraikaṃ bhāvayet sthitam |
śodhyādhvānaṃ tu śiṣyāṇāṃ nyasya dehe puroktavat || 9.54 ||
Man betrachte es als eines, gegenwärtig in Schüler, Mandala und Feuer. Den zu reinigenden Weg lege man wie zuvor in den Körper der Schüler.

9.55
svena svenaiva mantreṇa svavyāptidhyānam āśrayet |
āgantu sahajaṃ śāktaṃ buddhvādau pāśapañjaraṃ || 9.55 ||
Mit den jeweils eigenen Mantras betrachte man ihre jeweilige Durchdringung. Zuerst erkenne man den Käfig der hinzugekommenen, angeborenen und kraftbedingten Fesseln.

9.56
bāhukaṇṭhaśikhāgreṣu triṣu (vṛt) triguṇatantunā |
svamantreṇa tatas tattvam āvāhyeṣṭvā pratarpya ca || 9.56 ||
An Arm, Hals und Haarschopf [lege man] einen dreifachen Faden. Dann rufe man mit dem eigenen Mantra das Prinzip herbei, verehre und sättige es.

9.57
tatas tacchodhyayonīnāṃ vyāpinīṃ yoniṃ ānayet |
māyānte 'dhvani tām eva śuddhe vidyāṃ vicakṣaṇaḥ || 9.57 ||
Danach rufe man den Mutterschoß herbei, der alle darin zu reinigenden Geburtsstätten durchdringt: bis Maya diese selbst, im reinen [Weg] Vidya.

9.58
tasyāṃ saṃtarpaṇaṃ kṛtvā śiṣyam astreṇa tāḍayet |
ālabhya hṛdaye vidvāñ chivahastena taṃ punaḥ || 9.58 ||
Nach ihrer Sättigung berühre man den Schüler mit dem Waffenmantra. Der Kundige berühre ihn nochmals mit der Shiva-Hand am Herzen

9.59
grahaṇaṃ tasya kūrvīta raśmimātrāviyogataḥ |
nāḍīmārgeṇa gatvā tu haṃhṛnmantrapuṭīkṛtam || 9.59 ||
und ergreife ihn, ohne die strahlenartige Verbindung zu lösen. Durch den Nadi-Weg gehend, hülle man ihn in haṃ und den Herzmantra,

9.60
kṛtvātmasthaṃ tato yonau garbhādhānaṃ vicintayet |
tryarṇārdhākṣarayā mantrī sarvagarbhakriyānvitam || 9.60 ||
nehme ihn in sich auf und stelle seine Empfängnis im Mutterschoß vor. Mit der dreieinhalbsilbigen [Vidya] vollziehe der Mantraübende sämtliche Schwangerschaftsriten.

9.61
bhogyabhoktṛtvasāmarthya niṣpattyā jananaṃ budhaḥ |
dakṣaśṛṅgasthayā mantrī prakurvīta sulocane || 9.61 ||
Als Geburt betrachte der Kundige das Entstehen der Fähigkeit zum Erfahrbaren und zum Erfahrenden. Mit der auf der rechten Spitze [befindlichen Vidya] vollziehe er dies, Schönäugige.

9.62
pibatīpūrvikābhiś ca astrādyaiḥ parayāpi ca |
samyag āhutayo dadyād daśa pañca vicakṣaṇaḥ || 9.62 ||
Mit den [Mantras] von Pibati an, dem Waffenmantra und den weiteren sowie mit Para bringe der Kundige fünfzehn Opfergaben richtig dar.

9.63
tato 'syāparayā kāryaṃ pāśavicchedanaṃ budhaiḥ |
bhuvaneśam athāmantrya tattveśvaram athāpi vā || 9.63 ||
Dann ist mit Apara die Durchtrennung der Fesseln zu vollziehen. Nach der Anrufung des Weltenherrn oder des Prinzipienherrn

9.64
bhogabhāgā[lacuna] paścāt tam idam ādiśet |
bhuvaneśa tvayā nāsya sādhakasya śivājñayā || 9.64 || †
[und Zuweisung] seines Erfahrungsanteils … weise man ihn an: ‚Weltenherr, nach Shivas Gebot darfst du diesen Sadhaka,

9.65
pratibandhaḥ prakartavyo yātuḥ padam anāmayam |
utkṣepaṇaṃ tataḥ kuryāt tayaivādhyuṣṭavarṇayā || 9.65 ||
der zum leidfreien Zustand geht, nicht hindern.‘ Danach vollziehe man das Emporheben mit derselben dreieinhalbsilbigen [Vidya].

9.66
avyāptimantrasaṃyogat pṛthaṅ mārgaviśuddhaye |
dadyād ekaikaśo dhyātvā āhutīnāṃ trayaṃ trayam || 9.66 ||
Zur gesonderten Reinigung der Wege verbinde man [sie] mit dem nicht durchdringenden Mantra und bringe jeweils, entsprechend meditierend, drei Opfergaben dar.

9.67
tataḥ pūrṇāhutiṃ dadyāt parayā vauṣaḍantayā |
śiśum utkṣipya cātmasthaṃ taddehasthaṃ ca kārayet || 9.67 ||
Danach eine volle Opfergabe mit Para, die auf vauṣaṭ endet. Man hebe den Schüler empor, nehme ihn in sich auf und versetze ihn wieder in seinen Körper.

9.68
āhutīnāṃ trayaṃ dadyād dattvā pūrṇāhutiṃ budhaḥ |
mahāpāśupatāstreṇa vilomādiviśuddhaye || 9.68 ||
Nach drei Opfergaben bringe der Kundige eine volle Gabe mit der großen Pashupata-Waffe dar, zur Reinigung der rückläufigen und weiteren [Handlungen].

9.69
visarjayitvā vāgīśīṃ tattvaṃ tu tadantaraṃ |
vilīnaṃ bhāvayec chuddhaṃ aśuddhe parameśvari || 9.69 ||
Man entlasse Vagishi und betrachte das gereinigte Prinzip als im nächsten, noch ungereinigten aufgelöst, höchste Herrin.

9.70
kālāntavyāptisaṃśuddhau kṛtāyām evam ādarāt |
bāhupāśaṃ tu taṃ chittvā homayed ājyasaṃyutam || 9.70 ||
Ist so die Durchdringung bis zur Zeit sorgfältig gereinigt, durchschneide man die Armfessel und opfere sie mit geklärter Butter.

9.71
māyātattve viśudhe tu kaṇṭhapāśe tathā budhaḥ |
māyāntamārgasaṃśuddhau dīkṣākarmaṇi sarvataḥ || 9.71 ||
Nach Reinigung des Mayaprinzips verfahre der Kundige ebenso mit der Halsfessel. Bei allen Einweihungshandlungen zur Reinigung des Weges bis Maya

9.72
kriyāsv anuktamantrāsu yojayed aparām budhaḥ |
vidyādisakalānte ca tadvad eva parāparām || 9.72 ||
verwende man Apara, wenn kein besonderer Mantra vorgeschrieben ist; von Vidya bis Sakala entsprechend Parapara.

9.73
yoyayen naiśvarād ūrdhvaṃ pibantyādikam aṣṭakam |
na cāpi sakalād ūrdhvam aṅgaṣaṭkaṃ vicakṣaṇaḥ || 9.73 ||
Oberhalb Ishvaras verwende man nicht mehr die Achtzahl von Pibanti an, und oberhalb Sakalas auch nicht die sechs Gliedermantras.

9.74
niṣkale parayā kāryaṃ yat kiṃ cid vidhicoditam |
viśuddhe sakalānte tu śikhāṃ chittvā vicakṣaṇaḥ || 9.74 ||
Im Ungeteilten vollziehe man mit Para alles Vorgeschriebene. Ist bis Sakala gereinigt, schneide der Kundige den Haarschopf ab,

9.75
hutvā cājyaṃ tataḥ śiṣyaṃ snāpayed anupūrvataḥ |
ācamyābhyarcya deveśaṃ sruvam āpūrya sarpiṣā || 9.75 ||
opfere ihn mit Butter und bade danach den Schüler. Nach dem Wasserschluck und der Verehrung des Herrn fülle man den Opferlöffel mit Butter.

9.76
kṛtvā śiṣyaṃ tathātmasthaṃ mūlamantram anusmaret |
śivaśaktiṃ tathātmānaṃ śiṣyaṃ sarpis tathānalam || 9.76 ||
Man nehme den Schüler in sich auf und vergegenwärtige den Grundmantra. Shivas Kraft, sich selbst, Schüler, Butter und Feuer

9.77
ekīkurvañ chanair gacched dvādaśāntam ananyadhīḥ |
tatra kumbhakam āsthāya dhyāyan sakalaniṣkalam || 9.77 ||
vereinige man und gehe langsam, unzerstreuten Geistes, zum Dvadashanta. Dort den Atem anhaltend, betrachte man das Geteilte und Ungeteilte

9.78
tiṣṭhet tāvad anudvigno yāvad ājyakṣayo bhavet |
evaṃ yukte pare tattve guruṇa śivamūrtinā || 9.78 ||
und bleibe ungestört, bis die Butter verbraucht ist. So vom Guru in Shivas Gestalt mit der höchsten Wirklichkeit verbunden,

9.79
na bhūyaḥ paśutāṃ eti dagdhamāyānibandhanaḥ |
vidhir eṣa samākhyāto dīkṣākarmaṇi bhauvane || 9.79 ||
kehrt der Schüler nicht zur Gebundenheit zurück; seine Mayafessel ist verbrannt. Dieses Verfahren ist für die Einweihung auf dem Weltenweg erklärt.

9.80
itarādhvavidhiṃ muktvā śivayogavidhiṃ tathā |
vilomakarma saṃtyajya dviguṇas tattvavartmani || 9.80 ||
Abgesehen vom Verfahren der anderen Wege, der Verbindung mit Shiva und der rückläufigen Handlung, [ist das Opfermaß] auf dem Prinzipienweg doppelt,

9.81
tadvac ca varṇamārge 'pi caturdhā padavartmani |
aṣṭadhā mantramārge 'pi kalākhye 'pi ca tad dvidhā || 9.81 ||
ebenso auf dem Lautweg; auf dem Wortweg vierfach, auf dem Mantraweg achtfach und auf dem Kala-Weg wiederum doppelt.

9.82
trikhaṇḍe viṃśatiguṇaḥ sa eva parikīrtitaḥ |
iti sarvādhvasaṃśuddhiḥ samāsāt parikīrtitā || 9.82 ||
In der Dreiteilung wird dasselbe als zwanzigfach erklärt. Damit ist die Reinigung sämtlicher Wege kurz dargelegt.

9.83
sādhakācāryayoḥ karma kathyamānam ataḥ śṛṇu || 9.83 ||
Höre nun die Handlungen für Sadhaka und Acharya.

Überlieferte Schlussformel
iti śrīmālinīvijayottare tantre kriyādīkṣādhikāro navamaḥ samāptaḥ
Damit endet im erhabenen Malinivijayottara Tantra der 9. Abschnitt: Tätigkeitsbezogene Einweihung.

Kapitel 10: Weihebegießung

Überlieferte Kapitelüberschrift
abhiṣekādhikāro daśamaḥ
Zehnter Abschnitt: Weihebegießung.

10.1
atha lakṣaṇasaṃpannaṃ siddhisādhanatatparam |
śāstrajñaṃ saṃyataṃ dhīram alubdham aśaṭhaṃ dṛḍham || 10.1 ||
Einen mit den Kennzeichen versehenen, auf Vollendung gerichteten, schriftkundigen, beherrschten, standhaften, genügsamen, aufrichtigen und gefestigten [Schüler]

10.2
aparīkṣya gurus tadvat sādhakatve niyojayet |
samabhyarcya vidhānena pūrvavat parameśvaram || 10.2 ||
setze der Guru entsprechend als Sadhaka ein, nachdem er den höchsten Herrn vorschriftsgemäß wie zuvor verehrt hat. [Die Vorlage liest aparīkṣya, „ohne Prüfung“; diese auffällige Lesung bleibt kenntlich.]

10.3
dvitīye pūrvavat kumbhaṃ hemādimayam avraṇam |
sarvatra madhyapadmasya dakṣiṇaṃ dalam āśritam || 10.3 ||
In einem zweiten unbeschädigten Krug aus Gold oder anderem Material, wie zuvor, [vergegenwärtige man die Gottheit] auf dem südlichen Blatt des mittleren Lotus.

10.4
nāyakānāṃ pṛthaṅ mantrān pūjayet kusumādibhiḥ |
taṃ saṃtarpya sahasreṇa prakuryād abhiṣecanam || 10.4 ||
Die Mantras der Führer verehre man einzeln mit Blumen und anderem; nach Sättigung durch tausend [Gaben] vollziehe man die Begießung.

10.5
bhadrapīṭhe śubhe sthāpya śrīparṇe dārunirmite |
pūrvāmukham udagvaktraṃ snātaṃ puṣpādyalaṅkṛtam || 10.5 ||
Man setze ihn gebadet, mit Blumen geschmückt, nach Osten oder Norden gewandt auf einen günstigen Bhadrapitha-Sitz aus Shriparni-Holz.

10.6
kṛtamantratanuḥ samyak samyak ca kṛtamaṅgalaḥ |
śaṅkhabheryādinirghoṣair vedamaṅgalanisvanaiḥ || 10.6 ||
Sein Mantra-Leib und die glückverheißenden Vorbereitungen seien vollständig hergestellt. Unter Muschelhorn- und Trommelklang sowie vedischen Segenslauten

10.7
sarvarājopacāreṇa kṛtvā tasyābhiṣecanam |
sadāśivasamaṃ dhyātvā tatas tam api bhūṣayet || 10.7 ||
begieße man ihn mit allen königlichen Ehren, betrachte ihn als Sadashiva gleich und schmücke ihn.

10.8
punaḥ saṃpūjya deveśaṃ mantram asmai daded budhaḥ |
puṣpākṣatatilopetaḥ sajala[lacuna]śvaraṃ nyaset || 10.8 || †
Nach erneuter Verehrung des Herrn gebe der Kundige ihm den Mantra, mit Blumen, ungebrochenem Reis, Sesam und Wasser … [Der Schluss ist lückenhaft.]

10.9
so 'pi mūrdhani taṃ tadvan mūrtim āśritya dakṣiṇam |
abhiṣicya tato 'streṇa rudraśaktiṃ prakāśayet || 10.9 ||
Auch er [lege] ihn entsprechend auf den Kopf, an die rechte Gestalt sich haltend. Nach der Begießung mit dem Waffenmantra offenbare man Rudras Kraft.

10.10
sa tayāliṅgya tanmantraṃ sahasreṇa pratarpayet |
tadā prabhṛti tanniṣṭhas tatsamānaguṇo bhavet || 10.10 ||
Von ihr umfasst, sättige er den zugehörigen Mantra durch tausend [Gaben]. Von da an sei er darin gegründet und mit gleichen Eigenschaften versehen.

10.11
ācāryasyābhiṣeko 'yaṃ sa[lacuna]mantravidhiṃ vinā |
kiṃ tu tasya [lacuna] adhivāsapadānvitam || 10.11 || †
Diese Begießung des Acharya [erfolgt] … ohne das Mantraverfahren; jedoch für ihn … mit dem vorbereitenden Weihungswort. [Zwei Stellen fehlen in der Vorlage.]

10.12
evam etat padaṃ prāpyaṃ duṣprāpyam akṛtātmanām |
sādhako mantrasiddhyarthaṃ mantravratam upācaret || 10.12 ||
So ist diese für Ungeläuterte schwer erreichbare Stellung zu erlangen. Der Sadhaka halte zur Mantravollendung das Mantragelübde.

10.13
evaṃ kṛtvābhiṣekoktaṃ snātvā vidyādhipaṃ japet |
lakṣam ekaṃ daśāṃśena tasya tarpaṇam ācaret || 10.13 ||
Nach Durchführung der für die Begießung angegebenen Handlungen bade er und wiederhole den Vidyaherrn hunderttausendmal; mit einem Zehntel davon vollziehe er die Sättigung.

10.14
pūrvavac cābhiṣekaṃ ca kṛtvā brahmaśiro japet |
tallakṣyas tanmayo bhūtvā lakṣadvayam atandritaḥ || 10.14 ||
Nach einer Begießung wie zuvor wiederhole er Brahmashiras zweihunderttausendmal, unermüdlich, darauf ausgerichtet und darin aufgehend.

10.15
lakṣadvayaṃ ca rudrāṇīṃ catuṣkaṃ tu puruṣṭutam |
lakṣāṇāṃ pañcakaṃ devi mahāpāśupataṃ japet || 10.15 ||
Rudrani zweihunderttausendmal, Purushtuta vierhunderttausendmal und das große Pashupata fünfhunderttausendmal, Göttin.

10.16
sitaraktapītakṛṣṇa vicitrāmbarabhūṣaṇaḥ |
tataḥ saṃrakṣito mantrair ebhir apratimo bhavet || 10.16 ||
In weiße, rote, gelbe, schwarze und bunte Gewänder und Schmuck gekleidet, wird er von diesen Mantras geschützt und unvergleichlich.

10.17
avācyaḥ sarvaduṣṭānāṃ mantratejopabṛṃhitaḥ |
evaṃ cīrṇavrato bhūtvā yaṃ sādhayitum icchati || 10.17 ||
Von der Strahlkraft der Mantras gestärkt, ist er für alle Übeltäter unangreifbar. Hat er so das Gelübde erfüllt, [wähle er den Mantra], den er vollenden möchte,

10.18
dattvārghaṃ tasya lakṣāṇāṃ japen navakam ādarāt |
uttamadravyahomāc ca taddaśāṃśena tarpaṇam || 10.18 ||
bringe ihm Arghya dar und wiederhole ihn sorgfältig neunhunderttausendmal. Mit einem Zehntel davon sättige er ihn durch Feueropfer mit den besten Stoffen.

10.19
mahākṣmāpapalāny āhur uttamādīni tadvidaḥ |
madhyame dviguṇaṃ kṛtvā triguṇaṃ kanyase 'pi ca || 10.19 ||
Die Kundigen nennen Menschen-, Erd- und Wassertierfleisch als höchste und weitere [Opferklassen]. Bei mittlerer Qualität verdoppele man, bei der geringeren verdreifache man [die Zahl].

10.20
ājyaguggulanṛsnehā mahāmāṃsasamāḥ matāḥ |
dadhibilvapayaḥpadmāḥ kṣmāsamāḥ parikīrtitāḥ || 10.20 ||
Geklärte Butter, Guggulu und Menschenfett gelten als Menschenfleisch gleich; Sauermilch, Bilva, Milch und Lotus als dem [Fleisch der] Landtiere gleich.

10.21
dhātrīdurvāmṛtāmīnāḥ samyag ājyasamā matāḥ |
tilādyair atha kurvīta navaṣaṭtriguṇaṃ kramāt || 10.21 ||
Amalaki, Durva, Amrita und Fische gelten als entsprechend der Butter gleich. Mit Sesam und anderen [Stoffen] vollziehe man der Reihe nach die neun-, sechs- und dreifache [Menge].

10.22
pūrvam evam imaṃ kṛtvā siddher arghaṃ daded budhaḥ |
dattvārghaṃ tu japet tāvad yāvat siddhir abhīpsitā || 10.22 ||
Nachdem der Kundige dies zuvor ausgeführt hat, bringe er Arghya zur Vollendung dar und wiederhole [den Mantra], bis die gewünschte Vollendung eintritt.

10.23
lakṣeṇaikena pṛthvīśaḥ sabhṛtyabalavāhanaḥ |
vaśam ānīyate devi dvābhyāṃ rājyam avāpnuyāt || 10.23 ||
Durch hunderttausend [Wiederholungen] wird ein König samt Dienern, Heer und Fahrzeugen unterworfen; durch zweihunderttausend erlangt man ein Königreich.

10.24
tribhir nidhānasaṃsiddhiś caturbhir balasiddhayaḥ |
pañcabhir medinī sarvā ṣaḍbhir apsarasāṃ gaṇaḥ || 10.24 ||
Durch dreihunderttausend vollendet sich der Zugang zu Schätzen, durch vierhunderttausend die Kraft; durch fünfhunderttausend [gewinnt man] die ganze Erde, durch sechshunderttausend die Apsaras-Schar.

10.25
saptabhiḥ sapta lokāś ca daśabhis tatsamo bhavet |
pañcāśadbhis tato gacched avyaktāntaṃ maheśvari || 10.25 ||
Durch siebenhunderttausend die sieben Welten; durch eine Million wird man ihnen gleich. Durch fünf Millionen gelangt man bis zum Unentfalteten, große Herrin.

10.26
māyāntaṃ ṣaṣtibhir lakṣair īśvarāntam aśītibhiḥ |
sakalāvaniparyantaṃ koṭijaptasya siddhyati || 10.26 ||
Durch sechs Millionen bis Maya, durch acht Millionen bis Ishvara. Nach zehn Millionen Wiederholungen gelingt [die Beherrschung] des Bereichs von der Erde bis Sakala.

10.27
athavā vīracittaḥ syāt kṛtvā sevāṃ yathoditām |
kṛṣṇabhūtadine rātrau vidhim enaṃ samācaret || 10.27 ||
Oder man sei heldenmütig und vollziehe nach der vorgeschriebenen Verehrung dieses Verfahren in der Nacht des Bhuta-Tages der dunklen Monatshälfte.

10.28
kṛtvā pūrvoditaṃ yāgaṃ hutvā dravyam athottaram |
ūrdhvakāyo japen mantrī suniṣkampottarāmukhaḥ || 10.28 ||
Nach der zuvor beschriebenen Verehrung und dem Opfer des höchsten Stoffes wiederhole der Mantraübende aufrecht, unbewegt und nach Norden gewandt [den Mantra],

10.29
tāvad yāvat samāyātā yogeśvaryaḥ samantataḥ |
kṛtvā kalakalārāvam atighoraṃ sudāruṇam || 10.29 ||
bis die Yogeshvaris von allen Seiten kommen, unter äußerst schrecklichem und wildem Geschrei.

10.30
bhūmau nipatya tiṣṭhanti veṣṭyāntaḥ sādhakeśvaram |
tāsāṃ kṛtvā namaskāraṃ bhittvā vāmāṅgam ātmanaḥ || 10.30 ||
Sie fallen zu Boden und umringen den führenden Sadhaka. Nachdem er sich vor ihnen verneigt hat, öffnet er die linke Seite seines Körpers

10.31
tadutthena tatas tāsāṃ dattvārghaṃ tatsamo bhavet |
ācāryo 'pi ca ṣaṇmāsaṃ maunī pratidinaṃ caret || 10.31 ||
und bringt ihnen mit dem daraus Hervorgegangenen Arghya dar; dadurch wird er ihnen gleich. Auch der Acharya übe sechs Monate lang täglich schweigend

10.32
daśa pañca ca ye mantrāḥ pūrvam uktā mayā tava |
pūrvanyāsena saṃnaddhas trikālaṃ vahnikāryakṛt || 10.32 ||
die fünfzehn Mantras, die ich dir zuvor erklärt habe, mit dem früheren Nyasa gewappnet und dreimal täglich die Feuerhandlung vollziehend.

10.33
dhyāyet pūrvoditaṃ śūlaṃ brahmacaryaṃ samāśritaḥ |
kṛtvā pūrvoditaṃ yāgaṃ triśaktiparimaṇḍalam || 10.33 ||
In sexueller Enthaltsamkeit meditiere er auf den zuvor beschriebenen Dreizack und vollziehe die Verehrung mit dem Kreis der drei Kräfte.

10.34
abhiṣiñcet tadātmānam ādāv ante ca daiśikaḥ |
evaṃ cīrṇavrato bhūtvā mantrī mantravid uttamaḥ || 10.34 ||
Der Lehrer begieße sich damit zu Beginn und am Ende. Hat der Mantraübende so das Gelübde erfüllt, wird er ein vorzüglicher Mantrakundiger.

10.35
nigrahānugrahaṃ karma kurvan na pratihanyate |
śuddhayor vinyasen mūla madhyāditritaye trayam || 10.35 ||
Bei Handlungen des Hemmens und Begnadens wird er nicht behindert. Auf den beiden gereinigten [Händen] lege man die Dreiheit an Wurzel, Mitte und Ende auf,

10.36
vāmāṅguṣṭhe tule netre tarjanyām astram eva ca |
akṣahrīm iti khaṇḍena śabdarāśiṃ niveśayet || 10.36 ||
auf den linken Daumen [entsprechend] die Augen, auf den Zeigefinger den Waffenmantra. Mit dem Abschnitt „akṣahrīm“ lege man die Lautgesamtheit auf,

10.37
naphahrīm ityanenāpi śaktimūrtiṃ vicakṣaṇaḥ |
viparītamahāmudrā prayogān mūlam eva ca || 10.37 ||
mit „naphahrīm“ die Shakti-Gestalt. Der Kundige verwende die umgekehrte Mahamudra und den Grundmantra,

10.38
svasthāneṣu tathāṅgāni nyāsaḥ sāmānya ity ayam || 10.38 ||
ebenso die Glieder an ihren eigenen Orten. Dies ist der allgemeine Nyasa.

Überlieferte Schlussformel
iti śrīmālinīvijayottare 'bhiṣekādhikāro daśamaḥ samāptaḥ
Damit endet im erhabenen Malinivijayottara Tantra der 10. Abschnitt: Weihebegießung.

Kapitel 11: Einweihung

Überlieferte Kapitelüberschrift
dīkṣādhikāra ekādaśaḥ
Elfter Abschnitt: Einweihung.

11.1
athātaḥ saṃpravakṣyāmi dīkṣāṃ paramadurlabhām |
bhuktimuktikarīṃ samyak sadyaḥpratyayakārikām || 11.1 ||
Nun werde ich die äußerst seltene Einweihung erklären, die Welterfahrung und Befreiung gewährt und unmittelbar Gewissheit hervorbringt.

11.2
nāsyāṃ maṇḍalakuṇādi kiṃ cid apy upayujyate |
na ca nyāsādikaṃ pūrvaṃ snānādi ca yathecchayā || 11.2 ||
Bei ihr werden weder Mandala noch Feuergrube oder Ähnliches benötigt, auch kein vorheriger Nyasa; Baden und anderes stehen im eigenen Ermessen.

11.3
praviśya yāgasadanaṃ sūpaliptaṃ sucarcitam |
prāṅmukhodaṅmukho vāpi supuṣpāmbarabhūṣitaḥ || 11.3 ||
Man betrete das sauber bestrichene und geschmückte Opferhaus, schön mit Blumen und Gewändern geschmückt, nach Osten oder Norden gewandt.

11.4
dīptāṃ śaktim anusmṛtya pādāgrān mastakāvadhi |
mahāmudrāprayogena nirdagdhāṃ cintayet tanum || 11.4 ||
Unter Vergegenwärtigung der leuchtenden Shakti von den Fußspitzen bis zum Kopf betrachte man mittels Mahamudra den Körper als verbrannt.

11.5
anulomaprayogāc ca mālinīm amṛtaprabhām |
cintayet tanuniṣpattyai taddhyānagatamānasaḥ || 11.5 ||
In vorwärtsgerichteter Anwendung betrachte man Malini als nektarstrahlend, ganz in diese Meditation vertieft, zur Neubildung des Körpers.

11.6
śodhyādhvānaṃ tato dehe pūrvoktam anucintayet |
tataḥ saṃśodhya vastūni śaktyaivāmṛtatāṃ nayet || 11.6 ||
Danach betrachte man den zuvor erklärten zu reinigenden Weg im Körper; man reinige die Dinge und verwandle sie allein durch Shakti in Nektar.

11.7
parāsaṃpuṭamadhyasthāṃ mālinīṃ sarvakarmasu |
yojayet vidhānajñaḥ parāṃ vā kevalāṃ priye || 11.7 ||
Bei allen Handlungen verwende der Verfahrenskundige Malini, von Para umschlossen, oder Para allein, Geliebte.

11.8
gaṇeśaṃ pūjayitvā tu purā vighnapraśāntaye |
tataḥ svagurum ārabhya pūjayed gurupaddhatim || 11.8 ||
Nachdem man zuerst Ganesha zur Beseitigung der Hindernisse verehrt hat, verehre man, beim eigenen Guru beginnend, die Lehrerfolge.

11.9
gaṇeśādhas tataḥ sarvaṃ yajen mantrakadambakam |
tatpatīnāṃ tato 'rghaṃ tatraiva paripūjayet || 11.9 ||
Unterhalb Ganeshas verehre man die gesamte Mantragruppe; anschließend dort die Arghya-Gabe für ihre Herren.

11.10
antyādhaḥ pūjayed vidyāṃ tadvad vidyāṃ maheśvarīm |
mantravidyāgaṇasyāntaḥ kulaśaktiṃ niveśayet || 11.10 ||
Unterhalb des letzten [Gliedes] verehre man Vidya, ebenso die große Vidya-Herrin. In die Mantra- und Vidya-Gruppe setze man die Kulashakti.

11.11
pūrvayāmyāparodakṣu māheśyādicatuṣṭayam |
indrāṇīpūrvakaṃ tadvad aiśādidala antagam || 11.11 ||
In Osten, Süden, Westen und Norden die Vierheit von Maheshi an; die Gruppe von Indrani an entsprechend auf die Blätter von Nordosten an.

11.12
tatropari nyased devaṃ kūṭarūpāṇunāmunā |
jīvaṃ daṇḍasamākrāntaṃ śūlasyopari saṃsthitam || 11.12 ||
Darüber setze man den Gott mit diesem zusammengesetzten Laut: die Lebensseele, vom Stab überlagert und über dem Dreizack stehend;

11.13
dakṣāṅguliṃ tato 'dhastāt tato vāmapayodharam |
nābhikaṇṭhau tatodhastād vāmaskandhavibhūṣaṇau || 11.13 ||
darunter den rechten Finger, dann die linke Brust, darunter Nabel und Hals, mit der linken Schulter geschmückt,

11.14
śivajihvānvitaḥ paścāt tadūrdhvoṣṭhena copari |
sarvayoginicakrāṇām adhipo 'yam udāhṛtaḥ || 11.14 ||
danach verbunden mit Shivas Zunge und darüber mit seiner Oberlippe. Dieser ist als Herr sämtlicher Yogini-Kreise erklärt.

11.15
asyāpy uccāraṇād eva saṃvittiḥ syāt paroditā |
tato vīrāṣṭakaṃ paścāc chaktyuktavidhinā yajet || 11.15 ||
Schon aus seinem Aussprechen entsteht die zuvor genannte höchste Erkenntnis. Danach verehre man die acht Helden nach dem für Shakti angegebenen Verfahren.

11.16
prabhūtair vividhair iṣṭvā gandhadhūpaiḥ sragādibhiḥ |
śrīkārapūrvakaṃ nāma pādāntaṃ parikalpayet || 11.16 ||
Mit vielen verschiedenen Düften, Räucherwerken, Girlanden und anderen Gaben verehre man sie. Ihrem Namen stelle man śrī voran und füge am Ende pāda hinzu.

11.17
tataḥ śiṣyaṃ samāhūya bahudhā suparīkṣitam |
rudraśaktyā tu saṃprokṣya devāgre viniveśayet || 11.17 ||
Danach rufe man den vielfach sorgfältig geprüften Schüler herbei, besprenge ihn mit Rudras Kraft und stelle ihn vor die Gottheit.

11.18
bhujau tasya samālokya rudraśaktyā pradīpayet |
tathaivāpy arpayet puṣpaṃ karayor gandhadigdhayoḥ || 11.18 ||
Seine Arme betrachtend, entzünde man sie durch Rudras Kraft; ebenso lege man eine Blume in seine mit Duft bestrichenen Hände.

11.19
nirālambau tu tau dhyātvā śaktyākṛṣṭau vicintayet |
śaktimantritanetreṇa baddhvā netre tu pūrvavat || 11.19 ||
Man betrachte beide als ohne Stütze und von Shakti angezogen. Mit einer durch Shakti besprochenen Augenbinde verbinde man ihm wie zuvor die Augen.

11.20
tataḥ prakṣepayet puṣpaṃ sā śaktis tatkarasthitā |
yatra tat patate puṣpaṃ tatkulaṃ tasya lakṣayet || 11.20 ||
Dann lasse man die Blume werfen; Shakti ist dabei in seiner Hand gegenwärtig. Wohin die Blume fällt, daran erkenne man seine Familie.

11.21
mukham udghāṭya taṃ paścāt pādayoḥ pratipātayet |
tato 'sya mastake cakraṃ hastayoś cārcya yogavit || 11.21 ||
Danach enthülle man sein Gesicht und lasse ihn zu Füßen niederfallen. Der Yogakundige verehre dann den Kreis auf seinem Kopf und seinen Händen.

11.22
taddhastau prerayec chaktyā yāvan mūrdhāntam āgatau |
śivahastavidhiḥ proktaḥ sadyaḥpratyayakārakaḥ || 11.22 ||
Durch Shakti bewege man seine Hände, bis sie zum Scheitel gelangt sind. Dieses Verfahren der Shiva-Hand bewirkt unmittelbare Gewissheit.

11.23
carukaṃ dāpayet paścāṭ kharjūrādiphalodbhavam |
śaktyālambāṃ tanuṃ kṛtvā sthāpayed agrataḥ śiśoḥ || 11.23 ||
Anschließend reiche man einen Opferbrei aus Datteln und anderen Früchten. Man mache die Körpergestalt von Shakti getragen und stelle sie vor den Schüler.

11.24
puṣpakṣepaprayogena hastam ākṛṣya dakṣiṇam |
carukaṃ grāhayen mantrī taddhyānagatamānasaḥ || 11.24 ||
Nach dem Verfahren des Blumenwerfens ziehe der Mantraübende, ganz in die Betrachtung vertieft, die rechte Hand an und lasse sie den Brei ergreifen.

11.25
śivahastaprayogena samāropya mukhaṃ nayet |
anenaiva vidhānena kṣīravṛkṣasamudbhavam || 11.25 ||
Mittels der Shiva-Hand hebe man sie an und führe sie zum Mund. Auf dieselbe Weise gebe man ein von einem Milchsaftbaum stammendes

11.26
dantakāṣṭhaṃ dadet devi ṣoḍaśāṅgulam āyatam |
eteṣāṃ cālanān mantrī śaktipātaṃ parīkṣayet || 11.26 ||
Zahnreinigungshölzchen von sechzehn Fingerbreiten Länge, Göttin. An diesen Bewegungen prüfe der Mantraübende das Herabkommen der Kraft,

11.27
mandatīvrādibhedena mandatīvrādikān budhaḥ |
ity ayaṃ samayī proktaḥ saṃsthitoktena vartmanā || 11.27 ||
nach schwacher, starker und den weiteren Abstufungen. So heißt derjenige Samayin, der auf dem beschriebenen Weg steht.

11.28
cikīrṣuś ca yadāḷdīkṣām asyaivārpitamānasaḥ |
tad iṣṭvā pūrvavad yogī kuleśaṃ tam anukramāt || 11.28 || †
Will man anschließend, ganz darauf ausgerichtet, seine Einweihung vollziehen, verehre der Yogi wie zuvor der Reihe nach den Kulaherrn.
Textanmerkung: Die Vorlage enthält die gestörte Zeichenfolge »yadāḷdīkṣām«. Sie wird als Vorlagenbefund bewahrt; die deutsche Wiedergabe folgt dem erkennbaren Satzsinn.

11.29
saṃpūjya pūrvavac chiṣyam ṛjudehe vilokayet |
śaktiṃ saṃcintya pādāgrān mastakāntaṃ vicakṣaṇaḥ || 11.29 ||
Den Schüler verehre man wie zuvor und betrachte seinen aufrechten Körper. Der Kundige vergegenwärtige Shakti von den Fußspitzen bis zum Kopf,

11.30
śodhyādhvānaṃ tato nyasya sarvādhvavyāptibhāṣanām |
śaktitattvādibhedena pūrvoktena ca vartmanā || 11.30 ||
lege den zu reinigenden Weg auf und betrachte seine Durchdringung sämtlicher Wege, nach Shakti, Prinzipien und den weiteren Gliederungen wie zuvor erklärt.

11.31
upaviśya tatas tasya vidhānam idam ācaret |
mūlaśodhyāt samārabhya śaktiṃ dīptānalaprabhām || 11.31 ||
Dann nehme man vor ihm Platz und vollziehe dieses Verfahren: Vom untersten zu reinigenden [Glied] an verbinde man die wie flammendes Feuer leuchtende Shakti

11.32
yojayec chodhyasaṃśuddhi bhāvanāgatamānasaḥ |
evaṃ sarvāṇi śodhyāni nirdahantīm anāmayām || 11.32 ||
[mit dem Weg], ganz auf dessen Reinigung ausgerichtet. Man betrachte die leidfreie [Kraft], wie sie alles zu Reinigende verbrennt

11.33
śive saṃcintayel līnāṃ niṣkale sakale 'pi vā |
yoginā yojitā mārge svajātīyasya poṣaṇam || 11.33 ||
und im ungeteilten oder geteilten Shiva aufgeht. Vom Yogi auf dem Weg eingesetzt, nährt sie das ihrer eigenen Art Zugehörige

11.34
kurute nirdahaty anyad bhinnajātikadambakam |
anayā śodhyamānasya śiṣyasyāsya mahāmatiḥ || 11.34 ||
und verbrennt die Gesamtheit des Andersartigen. An dem durch sie gereinigten Schüler soll der Einsichtige

11.35
lakṣayec cihnasaṃghātam ānandādikam ādarāt |
ānanda udbhavaḥ kampo nidrā ghūrṇiś ca pañcamī || 11.35 ||
die Zeichen von Freude an aufmerksam beobachten: Freude, Aufsteigen, Beben, Schlaf und als fünftes Taumeln.

11.36
evam āviṣṭayā śaktyā mandatīvrādibhedataḥ |
pāśastobhapaśugrahau prakurvīta yathecchayā || 11.36 ||
Mit der so eingedrungenen Kraft vollziehe man nach ihren schwachen und starken Abstufungen nach Wunsch das Erschüttern der Fesseln und das Ergreifen der gebundenen Seele.

11.37
gṛhītasya punaḥ kuryān niyogaṃ śeṣabhuktaye |
athavā kasya cin nāyam āveśaḥ saṃprajāyate || 11.37 ||
Den Ergriffenen setze man wieder zur noch verbleibenden Erfahrung ein. Wenn bei jemandem dieses Eingehen nicht entsteht,

11.38
tad enaṃ yugapac chaktyā sabāhyābhyantare dahet |
tayā saṃdahyamāno 'sau cchinnamūla iva drumaḥ || 11.38 ||
verbrenne man ihn gleichzeitig innen und außen durch Shakti. Von ihr verbrannt, fällt er wie ein Baum mit durchtrennter Wurzel

11.39
patate kāśyapīpṛṣṭhe ākṣepaṃ vā karoty asau |
yasya tv evam api syān na taṃ caivopalavat tyajet || 11.39 ||
auf den Erdboden oder zeigt Zuckungen. Bei wem selbst so nichts geschieht, den lasse man wie einen Stein beiseite.

11.40
pṛthaktattvavidhau dīkṣāṃ yogyatāvaśyavarjinaḥ |
tattvābhyāsavidhānena vakṣyamāṇena kārayet || 11.40 ||
Die Einweihung nach den einzelnen Prinzipien vollziehe man entsprechend der Befähigung durch das noch zu erklärende Verfahren der Prinzipienübung.

11.41
iti saṃdīkṣitasyāsya mumukṣoḥ śeṣavartanam |
kulakrameṣṭir ādeśyā pañcāvasthāsamanvitā || 11.41 ||
Dem so eingeweihten Befreiungssuchenden werde als verbleibende Lebensführung die Verehrung in der Kula-Folge mit den fünf Zuständen aufgetragen.

11.42
bubhukṣos tu prakurvīta samyagyogābhiṣecanam |
tatreṣṭvā pūrvavad dehaṃ vistīrṇair vibudhair budhaiḥ [?] || 11.42 || †
Für den nach Welterfahrung Verlangenden vollziehe man die vollständige Yoga-Begießung; dabei verehre man den Leib wie zuvor … [Die weitere Wendung ist in der Vorlage als unsicher markiert.]

11.43
hemādidīpakān aṣṭau ghṛtenāruṇavartikān |
kulāṣṭakena saṃbodhya śivaṃ śaṅkhe prapūjayet || 11.43 ||
Acht Lampen aus Gold oder anderem Material mit roten Dochten und Butter weihe man durch die acht Kulas; Shiva verehre man in einer Muschelschale,

11.44
sarvaratnauṣadhīgarbhe gandhāmbuparipūrite |
tenābhiṣecayet taṃ tu śivahastoktavartmanā || 11.44 ||
die alle Edelsteine und Heilpflanzen enthält und mit Duftwasser gefüllt ist. Damit begieße man ihn nach dem Verfahren der Shiva-Hand.

11.45
ācāryasyābhiṣeko 'yam adhikārapadānvitaḥ |
kuryāt piṇḍādibhis tadvac catuḥṣaṣṭiṃ pradīpakān || 11.45 ||
Dies ist die Begießung des Acharya, mit der Amtsübertragung verbunden. Ebenso bereite man mit Pinda und den weiteren [Formen] vierundsechzig Lampen.

11.46
abhiṣiktavidhāv eva sarvayogigaṇena tu |
viditau bhavatas tatra gurur mokṣaprado bhavet || 11.46 ||
Durch das Begießungsverfahren werden beide der gesamten Yogischar bekannt; der Guru wird dabei zum Spender der Befreiung.

11.47
anayoḥ kathayej jñānaṃ trividhaṃ sarvam apy alam |
svakīyājñāṃ daded yogī svakriyākaraṇaṃ prati || 11.47 ||
Beiden erläutere man die gesamte dreifache Erkenntnis. Der Yogi gebe ihnen seine Ermächtigung zur Ausführung ihrer eigenen Handlungen.

Überlieferte Schlussformel
iti śrīmālinīvijayottare tantre dīkṣādhikāra ekādaśaḥ samāptaḥ
Damit endet im erhabenen Malinivijayottara Tantra der 11. Abschnitt: Einweihung.

Kapitel 12: Konzentration auf Erde

Überlieferte Kapitelüberschrift
dhāraṇādhikāro dvādaśaḥ
Zwölfter Abschnitt: Konzentration.

12.1
athaitāṃ devadevasya śrutvā vācam atisphuṭām |
praharṣotphullanayanā jagadānandakāriṇī || 12.1 ||
Als die Weltfreude spendende [Göttin] diese überaus klaren Worte des höchsten Gottes gehört hatte, öffneten sich ihre Augen vor Freude.

12.2
saṃtoṣāmṛtasaṃtṛptā devī devagaṇārcitā |
praṇamyāndhakahantāraṃ punar āheti bhāratīm || 12.2 ||
Vom Nektar der Zufriedenheit erfüllt, verneigte sich die von den Götterscharen verehrte Göttin vor dem Vernichter Andhakas und sprach erneut:

12.3
pūrvam eva tvayā proktaṃ yogī yogaṃ samabhyaset |
tasyābhyāsaḥ kathaṃ kāryaḥ kathyatāṃ tripurāntaka || 12.3 ||
„Du hast zuvor gesagt, der Yogi solle Yoga üben. Wie ist diese Übung auszuführen? Erkläre es, Vernichter Tripuras!“

12.4
evam ukto jagaddhātryā bhairavo bhayanāśanaḥ |
prāha prasannagambhīrāṃ giram etām udāradhīḥ || 12.4 ||
So von der Weltenmutter angesprochen, sprach der großgesinnte Bhairava, der Furcht vernichtet, diese klaren und tiefen Worte:

12.5
yogābhyāsavidhiṃ devi kathyamānaṃ mayā śṛṇu |
sthirībhūtena yeneha yogī siddhim avāpsyati || 12.5 ||
„Höre, Göttin, das von mir erklärte Verfahren der Yogaübung. Wenn es gefestigt ist, erlangt der Yogi dadurch Vollendung.

12.6
guhāyāṃ bhūgṛhe vāpi niḥśabde sumanorame |
sarvabādhāvinirmukte yogī yogaṃ samabhyaset || 12.6 ||
In einer Höhle oder unterirdischen Kammer, still, angenehm und von allen Störungen frei, soll der Yogi Yoga üben.

12.7
jitāsano jitamanā jitaprāṇo jitendriyaḥ |
jitanidro jitakrodho jitodvego gatavyathaḥ || 12.7 ||
Er habe Sitz, Geist, Atem und Sinne gemeistert, ebenso Schlaf, Zorn und Unruhe; er sei frei von Bedrängnis.

12.8
lakṣyabhedena vā sarvam athavā cittabhedataḥ |
dharādiśaktiparyantaṃ yogīśas tu prasādhayet || 12.8 ||
Durch unterschiedliche Meditationsgegenstände oder unterschiedliche Geistesausrichtungen vollende der Yogaherr den gesamten Bereich von Erde bis Shakti.

12.9
vyomavigrahabindvarṇabhuvanadhvanibhedataḥ |
lakṣyabhedaḥ smṛtaḥ ṣoḍhā yathāvad upadiśyate || 12.9 ||
Nach Raum, Gestalt, Punkt, Laut, Welt und Klang gilt der Meditationsgegenstand als sechsfach; dies wird nun genau erklärt.

12.10
bāhyābhyantarabhedena samuccayakṛtena ca |
trividhaṃ kīrtitaṃ vyoma daśadhā bindur iṣyate || 12.10 ||
Der Raum ist nach äußerem, innerem und ihrer Verbindung dreifach. Der Punkt gilt als zehnfach,

12.11
kadambagolakākāraḥ sphurattārakasaprabhaḥ |
śuklādibhedabhedena eko 'pi daśadhā mataḥ || 12.11 ||
einer Kadamba-Kugel ähnlich und wie ein funkelnder Stern leuchtend; obwohl einer, wird er nach Weiß und weiteren Farben zehnfach unterschieden.

12.12
ciñcinīcīravākādiprabhedād daśadhā dhvaniḥ |
vigrahaḥ svāṇubhedāc ca dvidhā bhinno 'py anekadhā || 12.12 ||
Der Klang ist nach Cincini, Ciravaka und weiteren Formen zehnfach; die Gestalt nach eigener und individueller [Mantra-]Gestalt zweifach, weiter jedoch vielfach.

12.13
bhuvanānāṃ na saṅkhyāsti varṇānāṃ sā śatārdhikā |
ekasminn api sādhye vai lakṣed atrānuṣaṅgataḥ || 12.13 ||
Die Welten sind unzählbar, die Laute fünfzig. Auch wenn man nur einen [Gegenstand] vollendet, können dabei beiläufig

12.14
anyāny api phalāni syur lakṣyabhedaḥ sa ucyate |
ekam eva phalaṃ yatra cittabhedas tv asau mataḥ || 12.14 ||
weitere Früchte entstehen: Dies heißt Unterscheidung nach Meditationsgegenständen. Wo nur eine Frucht [angestrebt wird], heißt es Unterscheidung nach Geistesausrichtungen.

12.15
homadīkṣāviśuddhātmā samāveśopadeśavān |
yaṃ siṣādhayiṣur yogam ādāv eva samācaret || 12.15 ||
Durch die Feueropfereinweihung gereinigt und über das Eingehen unterwiesen, beginne man zunächst den Yoga, den man vollenden möchte.

12.16
hastayos tu parābījaṃ nyasya śaktim anusmaret |
mahāmudrāprayogena viparītavidhau budhaḥ || 12.16 ||
Man lege Parās Samenlaut auf die Hände und vergegenwärtige Shakti. Der Kundige wende die Mahamudra in umgekehrter Richtung an,

12.17
jvaladvahnipratīkāśāṃ pādāgrān mastakāntikam |
namaskāraṃ tataḥ paścād baddhvā hṛdi dhṛtānilaḥ || 12.17 ||
[Shakti] wie flammendes Feuer von den Fußspitzen bis zum Kopf betrachtend. Dann forme er die Verneigungsmudra am Herzen und halte den Atem an.

12.18
svarūpeṇa parābījam atidīptam anusmaret |
tasya mātrātrayaṃ dhyāyet kakhatrayavinirgatam || 12.18 ||
Den Samenlaut Parās betrachte er in seiner eigenen, äußerst leuchtenden Gestalt; seine drei Lautmaße meditiere er als durch die drei oberen Räume hervorgehend.

12.19
tatas tālaśatād yogī samāveśam avāpnuyāt |
brahmaghno 'pi hi saptāhāt prativāsaram abhyaset || 12.19 ||
Nach hundert Takten kann der Yogi Eingehen erlangen. Selbst ein Brahmanentöter [erlangt es] nach sieben Tagen, wenn er täglich übt.

12.20
evam āviṣṭadehas tu yathoktaṃ vidhim ācaret |
yaḥ punar guruṇaivādau kṛtāveśavidhikramaḥ || 12.20 ||
Mit so durchdrungenem Körper vollziehe man das beschriebene Verfahren. Wer bereits zu Beginn vom Guru in dieses Eingehen versetzt wurde,

12.21
sa vāsanānubhāvena bhūmikājayam ārabhet |
gaṇanāthaṃ namaskṛtya saṃsmṛtya trigurukramam || 12.21 ||
beginne kraft der eingeprägten Erfahrung mit der Meisterung der Stufen. Er verneige sich vor Ganapati und erinnere die Folge der drei Gurus.

12.22
samyag āviṣṭadehaḥ syād iti dhyāyed ananyadhīḥ |
svadehaṃ hemasaṅkāśaṃ turyāśraṃ vajralāñchitam || 12.22 ||
Er vergegenwärtige sich unzerstreut: ‚Mein Körper sei vollständig durchdrungen.‘ Den eigenen Leib betrachte er goldfarben, viereckig und mit dem Vajra gezeichnet.

12.23
tato gurutvam āyāti saptaviṃśatibhir dinaiḥ |
divasāt saptamād ūrdhvaṃ jaḍatā cāsya jāyate || 12.23 ||
Nach siebenundzwanzig Tagen entsteht Schwere; nach dem siebten Tag stellt sich auch Starrheit ein.

12.24
ṣaḍbhir māsair jitavyādhir drutahemanibho bhavet |
vajradehas tribhiś cābdair navanāgaparākramaḥ || 12.24 ||
Nach sechs Monaten sind Krankheiten überwunden und [der Leib] gleicht geschmolzenem Gold; nach drei Jahren hat er einen Vajra-Körper und die Kraft von neun Elefanten.

12.25
eṣā te pārthivī śuddhā dhāraṇā parikīrtitā |
ādyā pūrvodite devi bhede pañcadaśātmake || 12.25 ||
Damit ist die reine Erdkonzentration erklärt: die erste in der zuvor genannten fünfzehnfachen Gliederung, Göttin.

12.26
savyāpāraṃ smared dehaṃ drutahemasamaprabham |
upaviṣṭaṃ ca turyāśre maṇḍale vajrabhūṣite || 12.26 ||
Man betrachte den eigenen tätigen Körper wie geschmolzenes Gold leuchtend, sitzend in einem viereckigen, vajrageschmückten Kreis.

12.27
saptāhād gurutām eti māsād vyādhivivarjitaḥ |
ṣaḍbhir māsair dharāntaḥsthaṃ sarvaṃ jānāti tattvataḥ || 12.27 ||
Nach sieben Tagen entsteht Schwere, nach einem Monat Krankheitsfreiheit; nach sechs Monaten erkennt man alles im Erdinnern seinem Wesen nach.

12.28
tribhir abdair mahīṃ bhuṅkte saptāmbhonidhimekhalām |
dvitīyaḥ kathito bhedas tṛtīyam adhunā śṛṇu || 12.28 ||
Nach drei Jahren beherrscht man die von sieben Meeren umgürtete Erde. Die zweite Form ist erklärt; höre nun die dritte.

12.29
tadvad eva smared dehaṃ kiṃ tu vyāpāravarjitam |
pūrvoktaṃ phalam āpnoti tadvat pātālasaṃyutam || 12.29 ||
Ebenso betrachte man den Körper, jedoch ohne Tätigkeit. Man erlangt die zuvor erklärte Frucht, nun mitsamt den Unterwelten.

12.30
caturthe hṛdgataṃ dhyāyed dvādaśāṅgulam āyatam |
pūrvavarṇasvarūpeṇa savyāpāram atandritaḥ || 12.30 ||
In der vierten [Form] meditiere man unermüdlich auf [sich] im Herzen, zwölf Fingerbreiten groß, in der zuvor genannten Farbe und Gestalt, tätig.

12.31
prāpya pūrvoditaṃ sarvaṃ pātālādhipatir bhavet |
tad eva sthiram āpnoti nirvyāpāre tu pañcame || 12.31 ||
Nach Erlangung aller vorherigen [Früchte] wird man Herr der Unterwelten. In der fünften, untätigen [Form] erlangt man dasselbe dauerhaft.

12.32
sphuratsūryanibhaṃ pītaṃ ṣaṣṭhe kṛṣṇaghanāvṛtam |
nistaraṅgaṃ smaret tadvat saptame 'pi vicakṣaṇaḥ || 12.32 ||
In der sechsten betrachte man [sich] gelb, wie die strahlende Sonne, von dunklen Wolken umgeben; in der siebten entsprechend regungslos.

12.33
dvaye 'py atra sthirībhūte bhūr bhuvaḥ svar iti trayam |
vetti bhuṅkte ca lokānāṃ puroktair eva vatsaraiḥ || 12.33 ||
Sind beide gefestigt, erkennt und beherrscht man die drei Welten Bhur, Bhuvar und Svar innerhalb der bereits genannten Jahre.

12.34
sakalaṃ hṛdayāntaḥstham ātmānaṃ kanakaprabham |
svaprabhādyotitāśeṣa dehāntam anucintayet || 12.34 ||
Man betrachte sich im Herzen als goldglänzende, gegliederte Gestalt, die mit ihrem Licht den gesamten Körper erhellt.

12.35
savyāpārādibhedena saptalokīṃ tu pūrvavat |
vetti bhuṅkte sthirībhūte bhede 'smin navame budhaḥ || 12.35 ||
Nach der Unterscheidung in tätig und untätig erkennt und beherrscht der Kundige wie zuvor die sieben Welten, wenn diese neunte Form gefestigt ist.

12.36
ravibimbanibhaṃ pītaṃ pūrvavad dvitayaṃ smaret |
brahmalokam avāpnoti pūrvoktenaiva vartmanā || 12.36 ||
Die beiden [nächsten Formen] betrachte man gelb und der Sonnenscheibe gleich wie zuvor. Auf dem bereits erklärten Weg erlangt man Brahmas Welt.

12.37
adhaḥprakāśakaṃ pītaṃ dvirūpaṃ pūrvavan mahat |
cintayen matsamo bhūtvā mallokam anugacchati || 12.37 ||
Danach betrachte man das große, gelbe, nach unten strahlende [Licht] in beiden Formen wie zuvor. Mir gleich geworden, gelangt man in meine Welt.

12.38
sabāhyābhyantaraṃ pītaṃ tejaḥ sarvaprakāśakam |
cintayec chatarudrāṇām adhipatvam avāpnuyāt || 12.38 ||
Man betrachte gelbes Licht, das innen und außen alles erhellt; so erlangt man die Herrschaft über die hundert Rudras.

12.39
ity evaṃ pṛthivītattvam abhyasyaṃ daśapañcadhā |
yogibhir yogasiddhyarthaṃ tatphalāni bubhukṣayā || 12.39 ||
So ist das Erdprinzip von Yogis, die dessen Früchte erfahren möchten, zur Yogavollendung fünfzehnfach zu üben.

12.40
yogyatāvaśagā jātā yasya yatraiva vāsanā |
sa tatraiva niyoktavyo dīkṣākāle vicakṣaṇaiḥ || 12.40 ||
Wo sich entsprechend seiner Befähigung die Neigung eines Menschen gebildet hat, dort sollen Kundige ihn bei der Einweihung einsetzen.

12.41
yo yatra yojitas tattve sa tasmān na nivartate |
tatphalaṃ sarvam āsādya śivayukto 'pavṛjyate || 12.41 ||
In welches Prinzip jemand eingesetzt wurde, daraus fällt er nicht zurück. Nachdem er alle seine Früchte erlangt hat, wird er mit Shiva verbunden und befreit.

12.42
ayukto 'py adhvasaṃśuddhiṃ saṃprāpya bhuvaneśataḥ |
śuddhaḥ śivatvam āyāti dagdhasaṃsārabandhanaḥ || 12.42 ||
Auch ein noch nicht Verbundener erlangt vom Weltenherrn die Reinigung des Weges; gereinigt erreicht er Shivasein, nachdem seine Daseinsfesseln verbrannt sind.

Überlieferte Schlussformel
iti śrīmālinīvijayottare tantre prathamadhāraṇādhikāro dvādaśaḥ samāptaḥ
Damit endet im erhabenen Malinivijayottara Tantra der 12. Abschnitt: Konzentration auf Erde.

Kapitel 13: Überwindung der weiteren Elemente

Überlieferte Kapitelüberschrift
jalādimahābhūtajayādhikāras trayodaśaḥ
Dreizehnter Abschnitt: Überwindung der großen Elemente, beginnend mit Wasser.

13.1
athātaḥ sampravakṣyāmi dhāraṇāṃ vāruṇīm imām |
yayā saṃsiddhayogena jalāntādhipatir bhavet || 13.1 ||
Nun werde ich diese Wasserkonzentration erklären, durch deren Yoga-Vollendung man Herr des gesamten Wasserbereichs wird.

13.2
jalāntaḥsthaṃ smared dehaṃ sitaṃ śītaṃ suvartulam |
sabāhyābhyantaraṃ yogī nānyad astīti cintayet || 13.2 ||
Der Yogi betrachte den eigenen Körper im Wasser, weiß, kühl und vollkommen rund, innen wie außen; er denke: ‚Nichts anderes ist vorhanden.‘

13.3
evam abhyasyatas tasya saptāhāt klinnatā bhavet |
pittavyādhiparityakto māsena bhavati dhruvam || 13.3 ||
Bei solcher Übung entsteht nach sieben Tagen Feuchtigkeit; nach einem Monat ist man gewiss frei von Gallenkrankheiten.

13.4
snigdhāṅgaḥ snigdhadṛṣṭiś ca nīlakuñcitamūrdhajaḥ |
bhavaty abdena yogīndras tribhir varṣati meghavat || 13.4 ||
Nach einem Jahr hat der führende Yogi einen geschmeidigen Leib, glänzende Augen und dunkles, lockiges Haar; nach drei Jahren lässt er es wie eine Wolke regnen.

13.5
ity eṣā vāruṇī proktā prathamā śuddhadhāraṇā |
adhunā saṃpravakṣyāmi bhedair bhinnām imāṃ punaḥ || 13.5 ||
Damit ist die erste reine Wasserkonzentration erklärt. Nun werde ich ihre weiteren unterschiedlichen Formen darlegen.

13.6
pūrvavac cintayed dehaṃ savyāpāraṃ sitaṃ svakam |
jalopari sthitaṃ devi tadgatenāntarātmanā || 13.6 ||
Man betrachte wie zuvor den eigenen weißen, tätigen Körper über dem Wasser, Göttin, mit ganz darin versenktem Innern.

13.7
saptāhān mucyate rogaiḥ sarvaiḥ pittasamudbhavaiḥ |
ṣaṇmāsāj jāyate sthairyaṃ yadi tanmayatāṃ gataḥ || 13.7 ||
Nach sieben Tagen wird man von allen aus Galle entstandenen Krankheiten frei; nach sechs Monaten entsteht Festigkeit, wenn man ganz darin aufgegangen ist.

13.8
jalāvaraṇavijñānam abdair asya tribhir bhavet |
nirvyāpāraprabhede 'pi sarvatra varuṇopamaḥ || 13.8 ||
Nach drei Jahren entsteht die Erkenntnis des Wasserbereichs. Auch in der untätigen Form wird man überall Varuna gleich.

13.9
sa yāti vāruṇaṃ tattvaṃ bhūmikāḥ kramaśo 'bhyaset |
pūrvavat kaṇṭhamadhyastham ātmānaṃ dvādaśāṅgulam || 13.9 ||
Man erreicht das Wasserprinzip und übe die Stufen nacheinander. Wie zuvor vergegenwärtige man sich zwölf Fingerbreiten groß in der Halsmitte;

13.10
saṃsmarañ jalatattveśaṃ prapaśyaty acirād dhruvam |
taddṛṣṭiḥ sthiratām eti svarūpe pañcame sthire || 13.10 ||
so sieht man gewiss bald den Herrn des Wasserprinzips. Dessen Schau wird beständig, wenn die fünfte Form der eigenen Gestalt gefestigt ist.

13.11
dvibhede 'pi sthirībhūte candrabimbe ghanāvṛte |
tatsamānatvam abhyeti tataḥ sakalarūpiṇī || 13.11 ||
Sind beide Formen der von Wolken umgebenen Mondscheibe gefestigt, erlangt man Gleichheit mit ihm. Danach wird die gegliederte Gestalt

13.12
cintyate deham āpūrya sitavarṇena tejasā |
tad eva sthiratām eti tatra susthiratāṃ gate || 13.12 ||
betrachtet, wie sie den Körper mit weißem Licht erfüllt. Dasselbe wird beständig, wenn diese [Betrachtung] fest gegründet ist.

13.13
ghanamuktendubimbābhaṃ tataḥ samanucintayet |
tatpatitvaṃ samabhyeti dvitīye sthiratāṃ vrajet || 13.13 ||
Dann betrachte man [sich] einer wolkenfreien Mondscheibe gleich. Man erlangt dessen Herrschaft; in der zweiten [Form] wird sie dauerhaft.

13.14
adhaḥprakāśakaṃ śuklaṃ tatas tejo vicintayet |
vidyeśvaratvam āpnoti jalāvaraṇasaṃbhavam || 13.14 ||
Danach betrachte man weißes, nach unten strahlendes Licht. Man erlangt die Vidyeshvara-Stellung im Wasserbereich.

13.15
svadehavyāpini dhyāte tatrasthe śuklatejasi |
sarvādhipatyam āpnoti susthire tatra susthiram || 13.15 ||
Meditiert man auf das dort gegenwärtige weiße Licht, das den eigenen Körper durchdringt, erlangt man die Herrschaft über alles; bei gefestigter Meditation dauerhaft.

13.16
dhyeyatattvasamānatvam avasthātritaye sthire |
dvitaye ca tadīśāna saṃvittir upajāyate || 13.16 ||
Sind die drei [ersten] Zustände gefestigt, entsteht Gleichheit mit dem betrachteten Prinzip; in den beiden [nächsten] die Erkenntnis seines Herrn.

13.17
dvitaye 'nyatra tattulyaḥ sthiro bhavati yogavit |
ṣaṭke sarveśatām eti dvitaye 'nyatra tu cyutiḥ || 13.17 ||
In den weiteren beiden wird der Yogakundige ihm dauerhaft gleich; in den sechs [folgenden] erlangt er die Allherrschaft; in den zwei weiteren das Ausscheiden [aus dem begrenzten Bereich].

13.18
ity ayaṃ sarvatattveṣu bhede pañcadaśātmake |
jñeyo vidhir vidhānajñaiḥ phalapañcakasiddhidaḥ || 13.18 ||
Dieses Verfahren gilt für alle Prinzipien in der fünfzehnfachen Gliederung; die Verfahrenskundigen sollen es als Spender der fünf Früchte erkennen.

13.19
tat phalāntaram etasmād uktaṃ yac cāpi vakṣyate |
anuṣaṅgaphalaṃ jñeyaṃ tat sarvam avicārataḥ || 13.19 ||
Alle anderen Früchte, die darüber hinaus genannt wurden oder noch genannt werden, sind ohne Weiteres als beiläufige Früchte zu verstehen.

13.20
itīyaṃ vāruṇī proktā prabhedair daśapañcabhiḥ |
yogināṃ yogasiddhyartham āgneyīm adhunā śṛṇu || 13.20 ||
Damit ist die Wasserkonzentration in fünfzehn Formen zur Yogavollendung erklärt. Höre nun die Feuerkonzentration.

13.21
trikoṇaṃ cintayed dehaṃ raktajvālāvalīdharam |
svaśarīrotthito vahnir jvalan vai sarvadāhakaḥ || 13.21 ||
Man betrachte den Körper dreieckig, mit einer Reihe roter Flammen; aus dem eigenen Leib steigt Feuer auf, flammend und alles verbrennend.

13.22
saptabhir divasair devi taikṣṇyam asyopajāyate |
vātaśleṣmabhavaiḥ sarvair māsān mucyati sādhakaḥ || 13.22 ||
Nach sieben Tagen entsteht Schärfe, Göttin; nach einem Monat wird der Sadhaka von allen durch Wind und Schleim entstandenen Krankheiten frei.

13.23
nidrāhīnaś ca bahvāśī svalpaviṇmūtrakṛd bhavet |
icchayā nirdahed yad yat spṛṣṭaṃ vastu ṛtukṣayāt || 13.23 ||
Er braucht keinen Schlaf, isst viel und scheidet wenig aus. Nach Ablauf von sechs Monaten verbrennt er nach Wunsch jeden berührten Gegenstand.

13.24
tryabdād agnisamo bhūtvā krīḍaty agnir yathecchayā |
sarvaṃ nirdahati kruddhaḥ saśailavanakānanam || 13.24 ||
Nach drei Jahren ist er dem Feuer gleich und spielt als Feuer nach Belieben; erzürnt verbrennt er alles samt Bergen, Wäldern und Hainen.

13.25
trikoṇamaṇḍalārūḍham ātmānam anucintayet |
savyāpārādibhedena sarvatrāpi vicakṣaṇaḥ || 13.25 ||
Der Kundige betrachte sich auf einem dreieckigen Kreis, überall nach der Unterscheidung von Tätigkeit und den weiteren [Formen].

13.26
saptāhād vyādhibhir hīnaḥ ṣaṇmāsād agnivad bhavet |
tribhir abdaiḥ sa saṃpūrṇaṃ tejastattvaṃ prapaśyati || 13.26 ||
Nach sieben Tagen ist er krankheitsfrei, nach sechs Monaten feuerartig; nach drei Jahren sieht er das gesamte Feuerprinzip.

13.27
yacchaktibhede yad dṛṣṭaṃ tat tadbhede sthirībhavet |
pūrvavat tālumadhyastham ātmānaṃ jvalanaprabham || 13.27 ||
Was in der Kraftform gesehen wurde, wird in der entsprechenden [Träger-]Form beständig. Wie zuvor meditiere man auf sich selbst in der Gaumenmitte, feuerstrahlend,

13.28
dhyāyan prapaśyate tejas tattveśān akhilān kramāt |
dhūmākrāntāgnisaṃkāśaṃ ravibimbasamākṛtim || 13.28 ||
und sieht der Reihe nach alle Herren des Feuerprinzips. [Man betrachte sich] rauchumgebenem Feuer ähnlich, in Gestalt einer Sonnenscheibe;

13.29
dhyāyaṃs tanmadhyatas tejas tattveśasamatāṃ vrajet |
prabhāhatatamojālaṃ vidhūmāgnisamaprabham || 13.29 ||
dadurch erlangt man aus ihrer Mitte heraus Gleichheit mit dem Feuerherrn. [Danach betrachte man sich] rauchlosem Feuer gleich, dessen Licht das Dunkelnetz zerstreut.

13.30
tatraiva sakalaṃ dhyāyet tatpatitvam avāpnuyāt |
divasāgniprabhākāraṃ tatra tejo vicintayet || 13.30 ||
Dort meditiere man auf die gegliederte Gestalt und erlangt dessen Herrschaft. Danach betrachte man das Licht wie das Leuchten eines Feuers bei Tag.

13.31
tanmantreśvaratām eti tatra susthiratām gataḥ |
maṇipradīpasaṃkāśaṃ tejas tatra prakāśayet || 13.31 ||
Darin gefestigt erlangt man dessen Mantreshvara-Stellung. Dann lasse man dort Licht wie von einer Edelsteinlampe aufscheinen.

13.32
mantreśeśatvam abhyeti yogī tanmayatāṃ gataḥ |
sabāhyābhyantaraṃ tejo dhyāyan sarvatra tadgataḥ || 13.32 ||
Ganz darin aufgegangen, erlangt der Yogi die Stellung des Herrn der Mantreshvaras. Auf innen und außen gegenwärtiges Licht meditierend, überall darin versunken,

13.33
tasmān na cyavate sthānād āsaṃhāram akhaṇḍitaḥ |
saṃhāre tu paraṃ śāntaṃ padam abhyeti śāṅkaram || 13.33 ||
fällt er bis zur Weltauflösung nicht aus diesem Zustand. Bei der Auflösung erreicht er Shivas höchsten, friedvollen Zustand.

13.34
ity eṣā pañcadaśadhā kathitā vahnidhāraṇā |
svadehaṃ cintayet kṛṣṇaṃ vṛttaṃ ṣaḍbindulāñchitam || 13.34 ||
Damit ist die Feuerkonzentration fünfzehnfach erklärt. [Für die Luftkonzentration] betrachte man den eigenen Körper schwarz, rund und mit sechs Punkten gezeichnet,

13.35
calaṃ sacūcūśabdaṃ ca vāyavīṃ dhāraṇāṃ śritaḥ |
calatvaṃ kaphajavyādhivicchedād vāyuvad bhavet || 13.35 ||
beweglich und mit einem zischenden Laut. In der Luftkonzentration wird man beweglich, durch Beseitigung der Schleimkrankheiten luftgleich.

13.36
ṣaṇmāsam abhyased yogī tadgatenāntarātmanā |
yojanānāṃ śataṃ gatvā muhūrtād ety akhedataḥ || 13.36 ||
Der Yogi übe sechs Monate mit ganz darin versenktem Innern; dann legt er hundert Yojanas zurück und kehrt innerhalb eines Muhurta ohne Ermüdung zurück.

13.37
vatsarais tu tribhiḥ sākṣād vāyurūpadharo bhavet |
cūrṇayaty adrisaṃghātaṃ vṛkṣān unmūlayaty api || 13.37 ||
Nach drei Jahren nimmt er unmittelbar Luftgestalt an, zermalmt Bergmassen und entwurzelt Bäume.

13.38
kruddhaś cālayate śakraṃ sabhṛtyabalavāhanam |
nīlāñjananibhaṃ deham ātmīyam anucintayet || 13.38 ||
Erzürnt erschüttert er Indra samt Dienern, Heer und Fahrzeugen. Den eigenen Körper betrachte man dunkel wie Augensalbe.

13.39
pūrvoktaṃ sarvam āpnoti ṣaṇmāsān nātra saṃśayaḥ |
tryabdāt prapaśyate vāyu tattvaṃ tanmayatāṃ gataḥ || 13.39 ||
Nach sechs Monaten erlangt man zweifellos alles zuvor Genannte; nach drei Jahren, ganz darin aufgegangen, schaut man das Luftprinzip.

13.40
bhruvor madhye smared rūpam ātmano 'ñjanasaṃnibham |
paśyate vāyutattveśān āśugān akhilān api || 13.40 ||
Zwischen den Augenbrauen erinnere man die eigene Gestalt, der Augensalbe gleich; man sieht sämtliche schnellen Herren des Luftprinzips.

13.41
ghanāvṛtendranīlābharavibimbasamākṛtim |
dhyāyaṃs tatsamatām eti tatsaṃlīno yadā bhavet || 13.41 ||
[Man betrachte sich] wie einen von Wolken umgebenen Saphir in Sonnenscheibenform. Darin aufgegangen erlangt man Gleichheit mit ihnen.

13.42
bhinnendranīlasaṃkāśaṃ sakalaṃ tatra cintayet |
tanmantreśatvam āpnoti tatas tasyeśatām api || 13.42 ||
Dort betrachte man die gegliederte Gestalt einem gespaltenen Saphir gleich. Man erlangt die zugehörige Mantreshvara-Stellung, danach die Herrschaft über sie.

13.43
sarvavyāpini tadvarṇe dhyāte tejasy avāpnuyāt |
tadāpradhṛṣyatām eti tatrādhordhvavisarpiṇi || 13.43 ||
Diese erlangt man durch Meditation auf alldurchdringendes Licht von jener Farbe; breitet es sich nach unten und oben aus, wird man unbezwingbar.

13.44
itīyaṃ kathitā divyā dhāraṇā vāyusambhavā |
svadehaṃ vāyuvad dhyātvā tadabhāvam anusmaran || 13.44 ||
Damit ist die göttliche Luftkonzentration erklärt. Nachdem man den Körper luftartig betrachtet hat, vergegenwärtige man dessen Abwesenheit.

13.45
divasaiḥ saptabhir yogī śūnyatāṃ pratipadyate |
māsamātreṇa bhogīndrair api daṣṭo na muhyati || 13.45 ||
Nach sieben Tagen erreicht der Yogi Leere; nach einem Monat wird er selbst durch den Biss mächtiger Schlangen nicht benommen.

13.46
sarvavyādhiparityakto valīpalitavarjitaḥ |
ṣaṇmāsād gaganākāraḥ sūkṣmarandhrair api vrajet || 13.46 ||
Frei von allen Krankheiten, Falten und grauem Haar, wird er nach sechs Monaten raumartig und geht selbst durch feinste Öffnungen.

13.47
vatsaratritayāt sākṣād vyomavac ca bhaviṣyati |
icchayaiva mahākāyaḥ sūkṣmadehas tathecchayā || 13.47 ||
Nach drei Jahren wird er unmittelbar wie der Raum: nach Wunsch von riesigem oder von feinem Körper.

13.48
acchedyaś cāpy abhedyaś ca cchidrāṃ paśyati medinīm |
śatapuṣparasocchiṣṭam ūṣāgarbhakhavan nijam || 13.48 ||
Er ist weder zu zerschneiden noch zu durchbohren und sieht die Erde als durchlässig. [Man betrachte] den eigenen [Körper] wie den Hohlraum eines Tiegels, aus dem der Saft der Shatapushpa entfernt wurde.

13.49
dehaṃ cintayatas tryabdād vyomajñānaṃ prajāyate |
pūrvoktaṃ ca phalaṃ sarvaṃ saptāhādikam āpnuyāt || 13.49 ||
Durch solche Körperbetrachtung entsteht nach drei Jahren Raumerkenntnis; die zuvor genannten Früchte erlangt man von sieben Tagen an.

13.50
lalāṭe cintayet tadvad dvādaśāṅgulam āyatam |
tattattveśān kramāt sarvān prapaśyaty agrataḥ sthitān || 13.50 ||
Ebenso betrachte man [die Gestalt] zwölf Fingerbreiten groß an der Stirn. Man sieht sämtliche Herren dieses Prinzips der Reihe nach vor sich.

13.51
rāhugrastendubimbābhaṃ dhyāyaṃs tatsamatāṃ vrajet |
sakalaṃ candrabimbābham tatrastham anucintayet || 13.51 ||
Durch Meditation auf die von Rahu verschlungene Mondscheibe erlangt man Gleichheit mit ihnen. Danach betrachte man dort die gegliederte Gestalt mondscheibengleich.

13.52
tanmantreśatvam āpnoti jyotsnayā cendratām api |
tayaivādhovisarpiṇyā sabāhyābhyantaraṃ budhaḥ || 13.52 ||
Man erreicht die zugehörige Mantreshvara-Stellung und durch Mondlicht auch die Herrschaft. Durch dasselbe, innen und außen nach unten strömende [Licht]

13.53
mantreśvareśatām āpya vijñānam atulaṃ labhet |
tayā cordhvavisarpiṇyā jyotsnayāmṛtarūpayā || 13.53 ||
erlangt der Kundige die Stellung des Herrn der Mantreshvaras und unvergleichliche Erkenntnis; durch nach oben strömendes, nektarartiges Mondlicht

13.54
svatantratvam anuprāpya na kva cit pratihanyate |
ity evaṃ pañcatattvānāṃ dhāraṇāḥ parikīrtitāḥ || 13.54 ||
erlangt er Unabhängigkeit und wird nirgends behindert. So sind die Konzentrationen auf die fünf Prinzipien erklärt.

13.55
śuddhādyasthā tu saṃvittir bhūtāveśo 'tra pañcadhā |
tāsv eva saṃdadhac cittaṃ viṣādikṣaya ātmanaḥ || 13.55 ||
Die Erkenntnis in den reinen und weiteren [Formen] ist hier das fünffache Eingehen in die Elemente. Richtet man den Geist darauf, vergehen Gift und anderes im eigenen [Körper].

13.56
anyasyām api saṃvittau yasyām eva nijecchayā |
cetaḥ samyak sthirīkuryāt tayā tatphalam aśnute || 13.56 ||
Auch bei jeder anderen Erkenntnis erfährt man die entsprechende Frucht, wenn man aus eigenem Willen den Geist darin vollständig festigt.

13.57
ekāpi bhāvyamāneyam avāntaravibhedataḥ |
antarāyatvam abhyeti tatra kuryān na saṃsthitim || 13.57 ||
Selbst eine einzige dieser Betrachtungen kann durch ihre Untergliederungen zum Hindernis werden. Darin soll man nicht verweilen.

13.58
saṃsthitiṃ tatra kurvanto na prāpsyanty uttamaṃ phalam |
dhāraṇāpañcake siddhe piśācādyā guṇāṣṭakāḥ || 13.58 ||
Wer dort verweilt, erlangt die höchste Frucht nicht. Sind die fünf Konzentrationen vollendet, werden die achtfachen Eigenschaften der Pishachas und weiteren [Wesen]

13.59
aindrāntāḥ pañca siddhyanti yogināṃ bhedato 'pi vā |
iṣṭāḥ pañcadaśāvasthāḥ krameṇaiva samabhyasan || 13.59 ||
bis zu Indras [Bereich] in fünf Gruppen gemeistert, auch je nach Form. Die gewünschten fünfzehn Zustände übe man der Reihe nach.

13.60
tryabdād ādyāṃ prasādhyānyāṃ dvābhyām ekena cāparām |
ṣaṇmāsāt pañcabhiś cānyāṃ caturbhis tribhir eva ca || 13.60 ||
Die erste [Stufe] vollende man in drei Jahren, die nächste in zwei, die folgende in einem; dann in sechs, fünf, vier und drei Monaten,

13.61
dvābhyām ekena pakṣeṇa daśabhiḥ pañcabhir dinaiḥ |
tribhir dvābhyām athaikena vyastecchoḥ pūrvavat kramaḥ || 13.61 ||
in zwei und einem Monat, in einer Monatshälfte, zehn, fünf, drei, zwei und einem Tag. Wer sie einzeln erstrebt, halte sich an die frühere Folge.

13.62
śāśvataṃ padam āpnoti bhuktvā siddhiṃ yathepsitām || 13.62 ||
Nachdem er die Vollendung nach Wunsch erfahren hat, erlangt er den ewigen Zustand.

Überlieferte Schlussformel
iti śrīmālinīvijayottare tantre bhūtajayādhikāras trayodaśaḥ samāptaḥ
Damit endet im erhabenen Malinivijayottara Tantra der 13. Abschnitt: Überwindung der weiteren Elemente.

Kapitel 14: Die feinen Sinnesgegenstände

Überlieferte Kapitelüberschrift
tanmātradhāraṇādhikāraś caturdaśaḥ
Vierzehnter Abschnitt: Konzentration auf die feinen Sinnesgegenstände.

14.1
atha gandhādipūrvāṇāṃ tanmātrāṇām anukramāt |
dhāraṇāḥ saṃpravakṣyāmi tatphalānāṃ prasiddhaye || 14.1 ||
Nun werde ich der Reihe nach die Konzentrationen auf die feinen Sinnesgegenstände, beginnend mit dem Geruch, erklären, damit ihre Früchte verwirklicht werden.

14.2
pītakaṃ gandhatanmātraṃ turyāśraṃ parvasaṃmitam |
nāsārandhrāgragaṃ dhyāyed vajralāñchanalāñchitam || 14.2 ||
Man meditiere über den feinen Geruchsgegenstand: gelb, viereckig, ein Fingerglied groß, an der Spitze der Nasenöffnung gelegen und mit dem Zeichen des Vajra versehen.

14.3
daśamād divasād ūrdhvaṃ yogino 'nanyacetasaḥ |
kvāpi gandhaḥ samāyāti dvidhābhūto 'py anekadhā || 14.3 ||
Nach dem zehnten Tag begegnet dem Yogi, dessen Denken auf nichts anderes gerichtet ist, gelegentlich ein Geruch, der trotz seiner Zweiteilung vielfältig erscheint.

14.4
tato 'sya ṛtumātreṇa śuddho gandhaḥ sthirībhavet |
ṣaḍbhir māsaiḥ svayaṃ gandha maya eva bhaviṣyati || 14.4 ||
Nach einer Jahreszeit wird dieser Geruch für ihn rein und beständig; nach sechs Monaten wird er selbst ganz von Geruch erfüllt sein.

14.5
yo yatra rocate gandhas taṃ tatra kurute bhṛśam |
tryabdāt siddhim avāpnoti prepsitāṃ pāñcabhautikīm || 14.5 ||
Welchen Geruch er wo wünscht, den bringt er dort in Fülle hervor. Nach drei Jahren erlangt er die gewünschte Vollkommenheit im Bereich der fünf Elemente.

14.6
tadūrdhvam ātmano rūpaṃ tatra saṃcintayed yadi |
gandhāvaraṇavijñānaṃ tribhir abdair avāpnuyāt || 14.6 ||
Vergegenwärtigt er darüber hinaus dort seine eigene Gestalt, erlangt er in drei Jahren die Erkenntnis der Geruchssphäre.

14.7
īṣaddīptiyutaṃ tatra tanmaṇḍalavivarjitam |
dhyāyan prapaśyate sarvān gandhāvaraṇavāsinaḥ || 14.7 ||
Meditiert er dort über [seine Gestalt] mit schwachem Leuchten, jedoch ohne deren Diagramm, sieht er alle Bewohner der Geruchssphäre.

14.8
dharātattvoktabimbābhaṃ tatraivam anucintayan |
tatsamānatvam abhyeti pūrvavad dvitaye sthire || 14.8 ||
Vergegenwärtigt er dort ein Bild entsprechend dem beim Erdprinzip beschriebenen, gelangt er zur Gleichheit mit ihm, sobald die beiden [vorherigen Stufen] wie zuvor beständig sind.

14.9
svarūpaṃ tatra saṃcintya bhāsayantam adhaḥsthitam |
tadīśatvam avāpnoti pūrvoktenaiva vartmanā || 14.9 ||
Indem er dort seine eigene Gestalt betrachtet, welche das unter ihr Befindliche erhellt, erlangt er auf dem schon erklärten Weg die Herrschaft darüber.

14.10
dharātattvoktavat sarvam ata ūrdhvam anusmaran |
tadrūpaṃ phalam āpnoti gandhāvaraṇasaṃsthitam || 14.10 ||
Vergegenwärtigt er darüber hinaus alles so, wie beim Erdprinzip beschrieben, erlangt er die entsprechende Frucht innerhalb der Geruchssphäre.

14.11
rasarūpām ato vakṣye dhāraṇāṃ yogisevitām |
yayā sarvarasāvāptir yoginaḥ saṃprajāyate || 14.11 ||
Nun werde ich die von Yogis geübte Konzentration auf den Geschmack erklären, durch die dem Yogi sämtliche Geschmäcke zugänglich werden.

14.12
jalabudbudasaṃkāśaṃ rājanāḍyagrasaṃsthitaṃ |
cintayed rasatanmātraṃ jihvāgrādhāram ātmanaḥ || 14.12 ||
Er betrachte den feinen Geschmacksgegenstand wie eine Wasserblase an der Spitze der königlichen Leitbahn, auf seiner Zungenspitze ruhend.

14.13
suśītaṃ ṣaḍrasaṃ snigdhaṃ tadgatenāntarātmanā |
tato 'sya māsamātreṇa rasāsvādaḥ pravartate || 14.13 ||
Mit ganz darauf gerichtetem Inneren [betrachte er ihn als] sehr kühl, mit den sechs Geschmacksarten versehen und geschmeidig. Nach einem Monat beginnt er, den Geschmack wahrzunehmen.

14.14
lavaṇādīn parityajya yadā madhuratāṃ gataḥ |
tadā tan nigiran yogī ṣaṇmāsān mṛtyujid bhavet || 14.14 ||
Wenn dieser die salzigen und anderen Geschmäcke abgelegt hat und süß geworden ist, soll der Yogi ihn schlucken; nach sechs Monaten wird er zum Bezwinger des Todes.

14.15
jarāvyādhivinirmuktaḥ kṛṣṇakeśo 'cyutadyutiḥ |
jīved ācandratārārkam abhyasyaṃś ca kva cit kva cit || 14.15 ||
Frei von Alter und Krankheit, mit schwarzem Haar und unvermindertem Glanz, lebt er so lange wie Mond, Sterne und Sonne, wenn er von Zeit zu Zeit weiterübt.

14.16
pūrvoktabudbudākāraṃ svarūpam anucintayan |
nīrāvaraṇavijñānam āpnotīti kim adbhutam || 14.16 ||
Betrachtet er seine eigene Gestalt in der zuvor genannten Blasenform, erlangt er die Erkenntnis der Wassersphäre – was wäre daran verwunderlich?

14.17
tam eva dyutisaṃyuktaṃ dhyāyann ādhāravarjitam |
paśyate vatsaraiḥ sarvaṃ rasāvaraṇam āśritam || 14.17 ||
Meditiert er über eben diese [Gestalt] leuchtend und ohne Unterlage, sieht er im Lauf von Jahren alles, was sich in der Geschmackssphäre befindet.

14.18
jalatattvoktabimbādi tadūrdhvam anucintayan |
pūrvoktaṃ sarvam āpnoti rasāvaraṇajaṃ sphuṭam || 14.18 ||
Betrachtet er darüber hinaus Bild und weitere [Stufen] nach der beim Wasserprinzip gegebenen Beschreibung, erlangt er deutlich alle zuvor genannten Früchte der Geschmackssphäre.

14.19
ato rūpavatīṃ vakṣye divyadṛṣṭipradāṃ śubhām |
dhāraṇāṃ sarvasiddhyarthaṃ rūpatanmātram āśritām || 14.19 ||
Nun werde ich die heilvolle, auf den feinen sichtbaren Gegenstand gestützte Konzentration erklären, welche göttliches Sehen verleiht und allen Vollkommenheiten dient.

14.20
ekāntastho yadā yogī bahirmīlitalocanaḥ |
śaratsaṃdhyābhrasaṃkāśaṃ yat tat kiṃ cit prapaśyati || 14.20 ||
Wenn der Yogi in Abgeschiedenheit sitzt und seine Augen nach außen geschlossen hält, sieht er etwas, das einer Wolke am herbstlichen Abendhimmel gleicht.

14.21
tatra cetaḥ samādhāya yāvad āste daśāhnikam |
tāvat sa paśyate tatra bindūn sūkṣmatamān api || 14.21 ||
Wenn er sein Bewusstsein darauf sammelt und zehn Tage dabei verweilt, sieht er dort selbst allerfeinste Punkte.

14.22
ke cit tatra sitā raktāḥ pītā nīlās tathāpare |
tān dṛṣṭvā teṣu saṃdadhyān mano 'tyantam ananyadhīḥ || 14.22 ||
Einige sind weiß, andere rot, gelb oder blau. Hat er sie gesehen, richte er seinen Geist mit völlig ungeteilter Aufmerksamkeit auf sie.

14.23
ṣaṇmāsāt paśyate teṣu rūpāṇi subahūni ca |
tryabdāt tāny eva tejobhiḥ pradīptāni sthirāṇi ca || 14.23 ||
Nach sechs Monaten sieht er darin sehr viele Formen, nach drei Jahren dieselben beständig und von Licht erstrahlend.

14.24
tāny abhyasyaṃs tato dvyabdād bimbākārāṇi paśyati |
tato 'bdāt paśyate tejaḥ ṣaṇmāsāt puruṣākṛti || 14.24 ||
Indem er sie weiter übt, sieht er nach zwei Jahren scheibenförmige Erscheinungen; nach einem weiteren Jahr sieht er Licht, nach sechs Monaten eine menschliche Gestalt.

14.25
trimāsād vyāpakaṃ tejo māsāt sarvaṃ visarpitam |
kālakramāc ca pūrvoktaṃ rūpāvaraṇam āśritam || 14.25 ||
Nach drei Monaten [sieht er] allgegenwärtiges Licht, nach einem Monat ein allseits ausgebreitetes. Im zuvor genannten zeitlichen Verlauf [erlangt er], was zur Sphäre des Sichtbaren gehört.

14.26
sarvaṃ phalam avāpnoti divyadṛṣṭiś ca jāyate |
itīyaṃ kalpanāśūnyā dhāraṇākṛtakoditā || 14.26 ||
Er erlangt sämtliche Früchte, und göttliches Sehen entsteht. So wird diese von begrifflicher Gestaltung freie Konzentration als nicht künstlich hervorgebracht bezeichnet.

14.27
daśapañcavidho bhedaḥ svayam evātra jāyate |
ato 'syāṃ niścayaṃ kuryāt kim anyaiḥ śāstraḍambaraiḥ || 14.27 ||
Ihre fünfzehnfache Gliederung entsteht hier von selbst. Daher soll man auf sie vertrauen; wozu das Gepränge anderer Lehrschriften?

14.28
ataḥ sparśavatīm anyāṃ kathayāmi tavādhunā |
dhāraṇāṃ tu yayā yogī vajradehaḥ prajāyate || 14.28 ||
Nun erkläre ich dir eine weitere Konzentration, die sich auf Berührung bezieht und durch die der Yogi einen vajragleichen Körper erhält.

14.29
ṣaṭkoṇamaṇḍalāntaḥstham ātmānaṃ paribhāvayet |
rūkṣam añjanasaṃkāśaṃ pratyaṅgasphuritākulam || 14.29 ||
Er stelle sich selbst innerhalb eines sechseckigen Diagramms vor: rau, schwärzlich wie Augensalbe und in jedem Glied von pulsierender Bewegung erfüllt.

14.30
tato 'sya daśabhir devi divasais tvaci sarvataḥ |
bhavet pipīlikāsparśas tatas tam anucintayan || 14.30 ||
Nach zehn Tagen, o Göttin, entsteht überall auf seiner Haut eine Berührung wie von Ameisen. Indem er diese weiter betrachtet,

14.31
vajradehatvam āsādya pūrvoktaṃ pūrvaval labhet |
pūrvoktamaṇḍalākāraṃ pūrvarūpaṃ vicintayan || 14.31 ||
erlangt er den vajragleichen Körper und gewinnt das zuvor Genannte auf die frühere Weise. Er stelle sich seine ursprüngliche Gestalt in der Form des zuvor beschriebenen Diagramms vor.

14.32
sparśatattvāvṛtijñānaṃ labhan kena nivāryate |
hīnamaṇḍalam ātmānaṃ dhyāyet tatpatisiddhaye || 14.32 ||
Wer könnte ihn daran hindern, die Erkenntnis der Sphäre des Berührungsprinzips zu erlangen? Um deren Herrschaft zu gewinnen, meditiere er über sich selbst ohne das Diagramm.

14.33
yayā saṃsiddhayā sarva sparśavedī bhaviṣyati |
karṇau pidhāya yatnena nimīlitavilocanaḥ || 14.33 ||
Durch ihre Vollendung wird er sämtliche Berührungen erkennen. Mit sorgfältig verschlossenen Ohren und geschlossenen Augen

14.34
saṃśṛṇoti mahāghoṣaṃ cetas tatrānusaṃdadhet |
dīpyate jāṭharo vahnis tato 'sya daśabhir dinaiḥ || 14.34 ||
hört er ein mächtiges Tönen; darauf richte er sein Bewusstsein. Nach zehn Tagen wird dadurch sein Verdauungsfeuer entfacht.

14.35
dūrāc chravaṇavijñānaṃ ṣaṇmāsād upajāyate |
yas tasyānte dhvanir mandaḥ kiṃ cit kiṃ cid vibhāvyate || 14.35 ||
Nach sechs Monaten entsteht die Fähigkeit, aus der Ferne zu hören. Der leise Klang, der an dessen Ende allmählich wahrgenommen wird,

14.36
sakalātmā sa vijñeyas tadabhyāsād ananyadhīḥ |
śabdāvaraṇavijñānam āpnoti sthiratāṃ gatam || 14.36 ||
ist als die Gestalt des Sakala zu erkennen. Durch ungeteilte Übung darin erlangt er beständige Erkenntnis der Klangsphäre.

14.37
yaḥ punaḥ śrūyate śabdas tadante śaṅkhanādavat |
pralayākalarūpaṃ tad abhyasyaṃ tatphalepsubhiḥ || 14.37 ||
Der Klang, der an dessen Ende wie das Tönen eines Muschelhorns gehört wird, ist die Gestalt des Pralayakala. Wer dessen Frucht begehrt, soll ihn üben.

14.38
sa evātitarām anyaśabdapracchādako yadā |
vijñānākala ity uktas tadāsāv aparājite || 14.38 ||
Wenn dieser selbst die übrigen Klänge in besonderem Maß überdeckt, wird er Vijnanakala genannt, o Unbesiegte.

14.39
manohlādakaro yo 'nyas tadante saṃvibhāvyate |
sa mantra iti vijñeyo yogibhir yogakāṅkṣibhiḥ || 14.39 ||
Ein weiterer, den Geist erfreuender Klang wird an dessen Ende wahrgenommen. Yogis, die nach Yoga streben, sollen ihn als Mantra erkennen.

14.40
tatas tu śrūyate yo 'nyaḥ śāntaghaṇṭāninādavat |
sa mantreśa iti proktaḥ sarvasiddhiphalapradaḥ || 14.40 ||
Was danach wie das sanfte Nachklingen einer Glocke gehört wird, heißt Mantresha und verleiht die Früchte sämtlicher Vollkommenheiten.

14.41
ghaṇṭānādavirāmānte yaḥ śabdaḥ saṃprajāyate |
mantreśeśapadaṃ tad dhi siddhīnāṃ kāraṇaṃ mahat || 14.41 ||
Der Klang, der am Ende des verstummenden Glockentons entsteht, ist die Stufe des Herrn der Mantra-Herren, eine große Ursache der Vollkommenheiten.

14.42
anilenāhatā vīṇā yādṛṅ nādaṃ vimuñcati |
tādṛśo yo dhvanis tatra taṃ vidyāc chāmbhavaṃ padaṃ || 14.42 ||
Einen Klang wie den einer vom Wind angeschlagenen Vina soll man dort als die zu Shambhu gehörende Stufe erkennen.

14.43
pṛthag vā kramaśo vāpi sarvān etān samabhyaset |
prāpnoti sarvavit siddhīḥ śabdāvaraṇam āśritāḥ || 14.43 ||
Man übe all diese [Klänge] einzeln oder der Reihe nach. Allwissend erlangt man die Vollkommenheiten, die zur Klangsphäre gehören.

14.44
ity etāḥ kathitāḥ pañca tanmātrāṇāṃ tu dhāraṇāḥ || 14.44 ||
Damit sind die fünf Konzentrationen auf die feinen Sinnesgegenstände erklärt.

Überlieferte Schlussformel
iti śrīmālinīvijayottare tantre tanmātradhāraṇādhikāraś caturdaśaḥ samāptaḥ
Damit endet im erhabenen Malinivijayottara Tantra der 14. Abschnitt: Die feinen Sinnesgegenstände.

Kapitel 15: Die Sinnes- und Handlungsvermögen

Überlieferte Kapitelüberschrift
akṣadhāraṇādhikāraḥ pañcadaśaḥ
Fünfzehnter Abschnitt: Konzentration auf die Sinne.

15.1
atha vāgindriyādīnāṃ manontānām anukramāt |
dhāraṇāḥ saṃpravakṣyāmi daśaikāñ ca samāsataḥ || 15.1 ||
Nun werde ich kurz die elf Konzentrationen der Reihe nach erklären, beginnend mit dem Sprachorgan und endend mit dem Denkorgan.

15.2
vadanāntar namaḥśabdam ātmanaś cintayed budhaḥ |
gṛhītavāktvam abhyeti maunena madhusūdani || 15.2 ||
Der Verständige stelle sich den Laut »namas« in seinem Mund vor. Durch Schweigen gelangt er zur Beherrschung der Sprache, o Bezwingerin Madhus.

15.3
sarvatrāskhalitā vāṇī ṣaḍbhir māsaiḥ pravartate |
sarvaśāstrārthavettṛtvaṃ vatsarād upajāyate || 15.3 ||
Nach sechs Monaten fließt seine Rede überall ungehindert; nach einem Jahr entsteht die Kenntnis des Sinnes aller Lehrschriften.

15.4
vāg evāsya pravarteta kāvyālaṅkārabhūṣitā |
tribhir abdaiḥ svayaṃ kartā śāstrāṇāṃ saṃprajāyate || 15.4 ||
Seine Rede entfaltet sich von selbst, geschmückt mit dichterischen Ausdrucksmitteln. Nach drei Jahren wird er selbst zum Verfasser von Lehrschriften.

15.5
tatraiva cintayed dehaṃ svakīyam anurūpataḥ |
bhūyas tam eva dhavalam īṣattejovabhāsitam || 15.5 ||
Dort stelle er sich seinen eigenen Körper in entsprechender Gestalt vor; anschließend denselben weiß und von schwachem Licht erhellt.

15.6
rasāntaḥsomabimbāditejontaṃ tam anusmaret |
sarvaṃ phalam avāpnoti vāgāvaraṇajaṃ kramāt || 15.6 ||
Er vergegenwärtige ihn, von der im Geschmack [beschriebenen] Mondscheibe bis zum Licht. So erlangt er der Reihe nach sämtliche Früchte der Sprachsphäre.

15.7
pāṇau cittaṃ samādāya ṣaṇmāsād dūrasaṃsthitam |
vastu gṛhṇāty asaṃdehāt tryabdāt pāre 'pi vāridheḥ || 15.7 ||
Sammelt er das Bewusstsein in der Hand, ergreift er nach sechs Monaten zweifellos einen weit entfernten Gegenstand, nach drei Jahren sogar jenseits des Meeres.

15.8
tatrātmadehapūrvaṃ tu padmābham anucintayan |
savyāpārādibhedena caturdaśakam ādarāt || 15.8 ||
Dort betrachte er aufmerksam die vierzehn [Stufen], beginnend mit seinem eigenen Körper in lotusgleicher Gestalt, unterschieden nach Tätigkeit und den weiteren [Merkmalen].

15.9
puroktakālaniyamāt pūrvoktenaiva vartmanā |
sarvaṃ phalam avāpnoti hastāvṛtisamāśritam || 15.9 ||
Entsprechend der früher bestimmten Übungsdauer und auf demselben Weg erlangt er sämtliche Früchte, die zur Sphäre der Hand gehören.

15.10
pādāv evaṃvidhau dhyāyan vatsaratrayam ādarāt |
muhūrtena samudrāntām aśrānto bhramati kṣitim || 15.10 ||
Meditiert er drei Jahre aufmerksam über seine Füße in derselben Weise, durchwandert er in einem Augenblick unermüdlich die Erde bis zu den Meeren.

15.11
caturdaśa samabhyarcya svadehādikam abhyasan |
prāpnoti pūrvavat sarvaṃ phalaṃ pādāvṛtisthitam || 15.11 ||
Indem er die vierzehn [Stufen] verehrt und die mit dem eigenen Körper beginnende Übung vollzieht, erlangt er wie zuvor sämtliche Früchte der Fußsphäre.

15.12
pāyāv api manastattvaṃ sthirīkurvann avāpsyati |
māsena tadbhavavyādhi vimuktim avilambataḥ || 15.12 ||
Festigt er sein Denken auch am Ausscheidungsorgan, erlangt er nach einem Monat ohne Verzögerung Freiheit von den dort entstehenden Krankheiten.

15.13
puṇyaślokatvam āpnoti tribhir abdair anādarāt |
caturdaśavidhaṃ cātra pūrvavat phalam āpsyati || 15.13 ||
Nach drei Jahren erlangt er mühelos einen gepriesenen Namen; auch hier gewinnt er wie zuvor die vierzehnfache Frucht.

15.14
svarūpataḥ smarel liṅgaṃ māsamātrāj jitendriyaḥ |
ṣaḍbhir māsair anāyāsād icchākāmitvam āpnuyāt || 15.14 ||
Er vergegenwärtige das Geschlechtsorgan in seiner eigenen Gestalt. Nach einem Monat beherrscht er seine Sinne; nach sechs Monaten erlangt er mühelos die Beherrschung des Begehrens nach eigenem Willen.

15.15
caturdaśavidhe bhede tatrābhyaste mahāmatiḥ |
liṅgāvaraṇajaṃ sarvaṃ pūrvaval labhate phalam || 15.15 ||
Wenn der Einsichtige dort die vierzehnfache Gliederung eingeübt hat, erlangt er wie zuvor sämtliche Früchte der Sphäre des Geschlechtsorgans.

15.16
svajihvām induvarṇābhāṃ cintayed daśabhir dinaiḥ |
prāpnoty anubhavaṃ yogī jihvābhāvam ivātmanaḥ || 15.16 ||
Er betrachte seine Zunge mondfarben. Nach zehn Tagen macht der Yogi die Erfahrung, als sei seine Zunge nicht vorhanden.

15.17
āsvādayati dūrasthaṃ ṣaṇmāsād ekamānasaḥ |
vatsarais tu tribhiḥ sākṣāl leḍhy asau paramāmṛtam || 15.17 ||
Nach sechs Monaten schmeckt er mit gesammeltem Geist auch Entferntes. Nach drei Jahren kostet er unmittelbar den höchsten Nektar.

15.18
yenāsau bhavate yogī jarāmaraṇavarjitaḥ |
apeyādiprasakto 'pi na pāpaiḥ paribhūyate || 15.18 ||
Dadurch wird der Yogi frei von Alter und Tod. Selbst wenn er sich mit verbotenen Getränken und Ähnlichem befasst, wird er von Verfehlungen nicht überwältigt.

15.19
pūrvavat sarvam anyac ca svadehādy anucintayan |
phalam āpnoty asaṃdehād rasanāvṛtisaṃbhavam || 15.19 ||
Indem er auch alles Weitere, beginnend mit seinem eigenen Körper, wie zuvor betrachtet, erlangt er zweifellos die Früchte der Geschmackssinnsphäre.

15.20
kanakābhaṃ svakaṃ ghrāṇam anucintayataḥ śanaih |
divasair daśabhir ghrāṇaśunyatānubhavo bhavet || 15.20 ||
Wer seine Nase allmählich goldfarben betrachtet, erfährt nach zehn Tagen das Leersein der Nase.

15.21
ṣaṇmāsād gandham āghrāti dūrasthasyāpi vastunaḥ |
ghātayed gandham āghrāya yasya ruṣṭo bhaviṣyati || 15.21 ||
Nach sechs Monaten riecht er den Duft selbst eines weit entfernten Gegenstands. Durch das Wahrnehmen des Geruchs könnte er den töten, gegen den er zornig geworden ist.

15.22
vatsarais tu tribhir divyaṃ gandham āsādya yogavit |
jarāmaraṇanairguṇyayukto divyatvam arhati || 15.22 ||
Nach drei Jahren erlangt der Yogakundige einen göttlichen Duft; frei von den Eigenschaften des Alters und Todes wird er der Göttlichkeit würdig.

15.23
sarvam anyad yathoddiṣṭaṃ tathaiva ca vicintayet |
kramikaṃ phalam āpnoti ghrāṇāvaraṇam āsthitam || 15.23 ||
Auch alles Weitere betrachte er genau wie angegeben. So erlangt er schrittweise die Früchte innerhalb der Geruchssinnsphäre.

15.24
udayādityasaṃkāśe cintayaṃś cakṣuṣī nije |
daśāhāc cakṣuṣo raktasrāvānubhavam āpsyati || 15.24 ||
Betrachtet er seine Augen wie die aufgehende Sonne, erlebt er nach zehn Tagen einen roten Ausfluss aus den Augen.

15.25
vedanā mahatī cāsya lalāṭe saṃprajāyate |
na bhetavyaṃ mahādevi na cābhyāsaṃ parityajet || 15.25 ||
Zudem entsteht ein heftiger Schmerz an seiner Stirn. Er soll sich nicht fürchten, große Göttin, und die Übung nicht aufgeben.

15.26
saṃtyajann andhatām eti tena yatnāt samabhyaset |
ṣaḍbhir māsair mahāyogī divyadṛṣṭiḥ prajāyate || 15.26 ||
Wer sie aufgibt, wird blind; deshalb soll er sie sorgfältig weiterüben. Nach sechs Monaten erlangt der große Yogi göttliches Sehen.

15.27
chidrāṃ prapaśyate bhūmiṃ kaṭāhāntām atandritaḥ |
ādhruvāntam athordhvaṃ ca karāmalakavad budhaḥ || 15.27 ||
Unermüdlich sieht der Verständige die Erde bis zu ihrer schalenförmigen Grenze wie durchbrochen und nach oben alles bis zum Polarstern, deutlich wie eine Frucht in seiner Hand.

15.28
vatsarais tu tribhir yogī brahmāṇḍāntaṃ prapaśyati |
tadantar yoginījñānaṃ śarīrasthaṃ prajāyate || 15.28 ||
Nach drei Jahren sieht der Yogi bis an die Grenze des Welteies. Innerhalb dessen entsteht in seinem Körper das Wissen der Yoginis.

15.29
svadehādikam anyac ca pūrvoktaṃ pūrvavat smaran |
nayanāvṛtijaṃ sarvam āpnotīti kim adbhutam || 15.29 ||
Betrachtet er auch die übrigen, mit dem eigenen Körper beginnenden [Stufen] wie zuvor, erlangt er sämtliche Früchte der Sehsphäre – was wäre daran verwunderlich?

15.30
sarvatrāñjanapatrābhāṃ nistaraṅgāṃ tvacaṃ smaran |
śastrair api na māsena chettuṃ śakyo bhaviṣyati || 15.30 ||
Betrachtet er seine Haut überall als unbewegt und einem mit Augensalbe bestrichenen Blatt gleichend, kann er nach einem Monat selbst mit Waffen nicht mehr zerschnitten werden.

15.31
ṣaṇmāsād atitīvreṇa nāgnināpy eṣa dahyate |
vatsaratritayād yogī vajropalaviṣāhibhiḥ || 15.31 ||
Nach sechs Monaten verbrennt ihn selbst heftigstes Feuer nicht. Nach drei Jahren wird der Yogi durch Vajra, Steine, Gift und Schlangen

15.32
pīḍyate na kadā cit syād ajarāmaratāṃ gataḥ |
sparśāvṛtijavijñāna gītavac ca caturdaśa || 15.32 ||
niemals verletzt; er ist zur Freiheit von Alter und Tod gelangt. Wie beim Wissen der Berührungssphäre beschrieben, sind auch hier die vierzehn

15.33
bhedāḥ saha phalair jñeyāḥ pūrvakālānusārataḥ |
kiṃ tv atra cintayed dehaṃ svadehādibhir āvṛtam || 15.33 ||
Unterscheidungen samt ihren Früchten entsprechend den früheren Zeitangaben zu verstehen. Hier jedoch betrachte er den Körper als von den mit dem eigenen Körper beginnenden [Formen] umgeben.

15.34
saṃdadhānaḥ svakaṃ cetaḥ śrotrākāśe vicakṣaṇaḥ |
dūrāc chravaṇavijñānaṃ ṣaṇmāsād upajāyate || 15.34 ||
Richtet der Einsichtige sein Bewusstsein auf den Raum des Gehörs, entsteht nach sechs Monaten die Fähigkeit, aus der Ferne zu hören.

15.35
tribhiḥ saṃvatsarair devi brahmāṇḍāntar udīritam |
śṛṇoti sa sphuṭaṃ sarvaṃ jarāmaraṇavarjitaḥ || 15.35 ||
Nach drei Jahren, o Göttin, hört er deutlich alles, was innerhalb des Welteies geäußert wird, und ist frei von Alter und Tod.

15.36
tatrākāśoktavat sarvaṃ svadehādy anucintayet |
śrotrāvaraṇajaṃ sarvaṃ phalam āpnoti pūrvavat || 15.36 ||
Dort betrachte er alles, beginnend mit dem eigenen Körper, wie beim Raum beschrieben. So erlangt er wie zuvor sämtliche Früchte der Gehörsphäre.

15.37
manovatīm ato vakṣye dhāraṇāṃ sarvasiddhidām |
yayā saṃsiddhayā devi sarvasiddhiphalaṃ labhet || 15.37 ||
Nun erkläre ich die auf den Geist bezogene Konzentration, welche alle Vollkommenheiten verleiht. Durch ihre Vollendung, o Göttin, gewinnt man deren sämtliche Früchte.

15.38
mana eva manuṣyāṇāṃ kāraṇaṃ bandhamokṣayoḥ |
tasmāt tad abhyasen mantrī yadīcchen mokṣam akṣayam || 15.38 ||
Der Geist allein ist für die Menschen Ursache von Bindung und Befreiung. Darum soll der Mantrakundige ihn üben, wenn er unvergängliche Befreiung wünscht.

15.39
tad ardhacandrasaṃkāśam adhovaktraṃ hṛdi sthitam |
cintayan māsamātreṇa pratibhāṃ pratipatsyate || 15.39 ||
Er betrachte ihn als abwärts gerichteten Halbmond im Herzen. Nach einem Monat wird er intuitive Einsicht erlangen.

15.40
akasmāt paśyate kiṃ cid akasmāc chṛṇute tathā |
sarvendriyātmakaṃ jñānaṃ akasmāc ca kva cit kva cit || 15.40 ||
Plötzlich sieht er etwas, plötzlich hört er etwas; gelegentlich entsteht unvermittelt eine Erkenntnis, die sämtliche Sinne umfasst.

15.41
svasvakendriyavijñānaṃ saṃpaśyed vatsaratrayāt |
bhavate yogayuktasya yoginaḥ suparisphuṭam || 15.41 ||
Nach drei Jahren wird er die Erkenntnis jedes einzelnen Sinnes wahrnehmen. Für den im Yoga gesammelten Yogi wird sie vollkommen deutlich.

15.42
svadehādikam apy atra pūrvoktavad anusmaran |
cittāvaraṇavijñānaṃ prāpya somaguṇaṃ labhet || 15.42 ||
Betrachtet er hier auch die mit dem eigenen Körper beginnenden [Stufen] wie zuvor, erlangt er die Erkenntnis der Geistessphäre und gewinnt die Eigenschaft Somas.

15.43
ity ekādaśa gītāni samabhyasyāni te tathā |
indriyāṇi yataḥ sarvaṃ phalam eṣu pratiṣṭhitam || 15.43 ||
Diese elf Sinnes- und Handlungsvermögen wurden dir so erklärt und sollen geübt werden, denn in ihnen ruhen sämtliche Früchte.

15.44
bandhamokṣāv ubhāv etāv indriyāṇi jagur budhāḥ |
vigṛhītāni bandhāya vimuktāni vimuktaye || 15.44 ||
Die Weisen haben die Sinne sowohl als Bindung wie als Befreiung bezeichnet: eingeschränkt führen sie zur Bindung, freigelassen zur Befreiung.

15.45
etāni vyāpake bhāve yadā syur manasā saha |
vimuktānīti vidvadbhir jñātavyāni tadā priye || 15.45 ||
Wenn sie zusammen mit dem Geist im alldurchdringenden Zustand verweilen, sollen die Wissenden sie als befreit erkennen, Geliebte.

15.46
yadā tu viṣaye kvāpi pradeśāntaravartini |
saṃsthitāni tadā tāni baddhānīti pracakṣate || 15.46 ||
Verweilen sie hingegen bei irgendeinem Gegenstand an einem begrenzten Ort, werden sie als gebunden bezeichnet.

15.47
ity ayaṃ dvividho bhāvaḥ śuddhāśuddhaprabhedataḥ |
indriyāṇāṃ samākhyātaḥ siddhayogīśvarīmate || 15.47 ||
So ist im Siddhayogishvarimata der zweifache Zustand der Sinne nach der Unterscheidung von rein und unrein erklärt worden.

Überlieferte Schlussformel
iti śrīmālinīvijayottare tantre 'kṣadhāraṇādhikāraḥ pañcadaśaḥ samāptaḥ
Damit endet im erhabenen Malinivijayottara Tantra der 15. Abschnitt: Die Sinnes- und Handlungsvermögen.

Kapitel 16: Weitere Konzentrationen

Überlieferte Kapitelüberschrift
dhāraṇādhikāraḥ ṣoḍaśaḥ
Sechzehnter Abschnitt: Konzentration.

16.1
atha garvamayīṃ divyāṃ dhāraṇāṃ dhāraṇottamām |
mahāgarvakarīṃ vakṣye yogināṃ yogavandite || 16.1 ||
Nun werde ich die göttliche, auf das Ichbewusstsein bezogene höchste Konzentration erklären, die in Yogis ein machtvolles Selbstbewusstsein hervorbringt, o durch Yoga Verehrte.

16.2
ṣoḍaśāraṃ smarec cakram ātmadeham ananyadhīḥ |
eṣo 'ham iti saṃcintya svakāryaparivāritam || 16.2 ||
Er betrachte den eigenen Körper mit ungeteilter Aufmerksamkeit als ein Rad mit sechzehn Speichen, umgeben von seinen eigenen Wirkungen, und denke: »Dies bin ich.«

16.3
apradhṛṣyo bhaved yogī vatsaratritayena tu |
mamatvam acyutaṃ tasya bhavet sarvatra kutra cit || 16.3 ||
Nach drei Jahren wird der Yogi unangreifbar. Überall und in jeder Hinsicht wird sein Gefühl des Meinseins unerschütterlich.

16.4
tādṛgrūpasya cakrasya nābhiṃ mūrtiṃ svakāṃ smaran |
cintayet sarvam evāhaṃ mayi sarvam avasthitam || 16.4 ||
Er betrachte seine eigene Gestalt als Nabe eines solchen Rades und denke: »Ich bin alles; alles ruht in mir.«

16.5
tato 'haṅkāravijñānaṃ prāpnotīti kim adbhutam |
hṛccakre samanudhyāyan matsvarūpam atandritaḥ || 16.5 ||
Dass er dadurch Erkenntnis des Ichprinzips erlangt – was wäre daran verwunderlich? Unermüdlich meditiere er im Herzrad über meine eigene Gestalt.

16.6
avilambam avāpnoti garvāvaraṇajaṃ phalam |
bimbādikaṃ kramāt sarvaṃ cintayan nīlalohitam || 16.6 ||
Ohne Verzögerung erlangt er die Frucht der Sphäre des Ichbewusstseins. Der Reihe nach betrachte er sämtliche [Stufen], beginnend mit dem Bild, als blaurot.

16.7
tadbhavaṃ sarvam āpnoti daśāvasthāpracoditam |
iti garvamayī proktā prajāpatiguṇapradā || 16.7 ||
Er erlangt alles daraus Entstehende, das durch die zehn Zustände bestimmt ist. Damit ist die auf das Ichbewusstsein bezogene [Konzentration] erklärt, welche die Eigenschaften Prajapatis verleiht.

16.8
udyadādityabimbābhaṃ hṛdi padmam anusmaran |
dharmādibhāvasaṃyuktam aṣṭapatraṃ sakarṇikam || 16.8 ||
Er betrachte im Herzen einen Lotus wie die Scheibe der aufgehenden Sonne, achtblättrig, mit Fruchtboden und den Zuständen Dharma und den übrigen versehen.

16.9
māsena sthirabuddhiḥ syāt ṣaḍbhiḥ śrutidharo bhavet |
tribhir abdaiḥ svayaṃ kartā śāstrāṇāṃ saṃprajāyate || 16.9 ||
Nach einem Monat wird seine Urteilskraft beständig, nach sechs Monaten behält er Gehörtes im Gedächtnis. Nach drei Jahren wird er selbst zum Verfasser von Lehrschriften.

16.10
svāṃ tatra cintayen mūrtiṃ buddhitattvaṃ prapaśyati |
tadīśajñānam āpnoti brahmāṇam anucintayan || 16.10 ||
Dort betrachte er seine eigene Gestalt; er schaut das Prinzip der Urteilskraft. Betrachtet er Brahma, erlangt er die Erkenntnis ihres Herrn.

16.11
vedān udgirate suptaḥ samādhistho 'thavā muniḥ |
susthirās te sadābhyāsād anadhītā api sphuṭam || 16.11 ||
Im Schlaf oder in meditativer Sammlung trägt der Weise die Veden vor. Durch beständige Übung werden sie ihm dauerhaft deutlich, auch ohne sie erlernt zu haben.

16.12
bimbādikaṃ kramāt sarvaṃ pūrvoktam anucintayan |
prāpnoti brāhmam aiśvaryaṃ buddhyāvaraṇam āśritam || 16.12 ||
Indem er der Reihe nach die zuvor genannten [Stufen], beginnend mit dem Bild, betrachtet, erlangt er die zu Brahma gehörende Macht in der Sphäre der Urteilskraft.

16.13
hṛdi bimbaṃ raver dhyāyet tadantaḥ somamaṇḍalam |
evam abhyasatas tasya ṣaṇmāsād upajāyate || 16.13 ||
Er meditiere im Herzen über die Sonnenscheibe, in deren Innerem sich der Mondkreis befindet. Wenn er so übt, entsteht nach sechs Monaten

16.14
divyacakṣur anāyāsāt siddhiḥ syād vatsaratrayāt |
svadehaṃ cintayaṃs tatra guṇajñānam avāpsyati || 16.14 ||
mühelos göttliches Sehen; nach drei Jahren tritt Vollendung ein. Betrachtet er dort seinen eigenen Körper, erlangt er Erkenntnis der Gunas.

16.15
liṅgākāraṃ smaran dīptaṃ tadīśatvam avāpnuyāt |
bimbādi pūrvavad dhyāyan daśakaṃ daśakātmakam || 16.15 ||
Betrachtet er eine leuchtende Lingagestalt, erlangt er die Herrschaft darüber. Meditiert er wie zuvor über die zehn [Stufen] von jeweils zehnfacher Beschaffenheit, beginnend mit dem Bild,

16.16
phalam āpnoty asaṃdehād guṇāvaraṇasaṃsthitam |
caturviṃśaty amī proktāḥ pratyekaṃ daśapañcadhā || 16.16 ||
gewinnt er zweifellos die in der Guna-Sphäre befindliche Frucht. Diese vierundzwanzig, jeweils fünfzehnfachen

16.17
dhāraṇāḥ kṣmāditattvānāṃ samāsād yogināṃ hitāḥ |
trayodaśātmake bhede ṣaḍ anyāḥ saṃsthitā yathā || 16.17 ||
Konzentrationen auf die Wirklichkeitsprinzipien, beginnend mit der Erde, sind kurz zum Nutzen der Yogis erklärt worden. Wie sechs weitere in der dreizehnfachen Gliederung enthalten sind,

16.18
yoginām anuvarṇyante tathā yogaprasiddhaye |
dehaṃ muktvā svarūpeṇa nānyat kiṃ cid iti smaret || 16.18 ||
so werden sie den Yogis zur Vollendung des Yoga beschrieben. Man vergegenwärtige: »Abgesehen vom Körper gibt es nichts anderes als die eigene Wesensgestalt.«

16.19
sitapadmāsanāsīnaṃ maṇḍalatritayopari |
evam atra sthirībhūte māsamātreṇa yogavit || 16.19 ||
[Man betrachte sich] auf einem weißen Lotus sitzend, oberhalb der drei Kreise. Wenn der Yogakundige darin beständig geworden ist, wird er nach einem Monat

16.20
sarvavyādhivinirmukto bhavatīti kim adbhutam |
ṣaṇmāsād asya vijñānaṃ jāyate pṛthivītale || 16.20 ||
von allen Krankheiten frei – was wäre daran verwunderlich? Nach sechs Monaten entsteht ihm Erkenntnis auf der Erde.

16.21
abdāj jarādinirmuktas tribhiḥ puṃstattvadṛg bhavet |
hṛdadhaḥ paṅkaje 'traiva dvādaśārdhāṅgulāṃ tanum || 16.21 ||
Nach einem Jahr ist er frei von Alter und Ähnlichem, nach drei Jahren sieht er das Purusha-Prinzip. Auf dem Lotus unterhalb des Herzens [betrachte er] seine eigene Gestalt, sechs Fingerbreiten hoch,

16.22
hṛdantāṃ bhāvayet svākyāṃ ṣaṇmāsān mṛtyujid bhavet |
tribhir abdaiḥ samāpnoti puṃstattveśvaratulyatām || 16.22 ||
bis zum Herzen reichend. Nach sechs Monaten wird er zum Bezwinger des Todes; nach drei Jahren erreicht er Gleichheit mit dem Herrn des Purusha-Prinzips.

16.23
bimbādau pūrvavat sarvaṃ tatra saṃcintite sati |
phalam āpnoty asaṃdehāt puruṣāvaraṇasthitam || 16.23 ||
Wenn dort alles wie zuvor betrachtet wird, beginnend mit dem Bild, erlangt er zweifellos die Frucht der Purusha-Sphäre.

16.24
etad vedāntavijñānaṃ samāsād upavarṇitam |
kapilasya purā proktam etad vistaraśo mayā || 16.24 ||
Dieses Wissen des Vedanta ist kurz beschrieben worden. Einst habe ich es Kapila ausführlich gelehrt.

16.25
śaratsaṃdhyābhrasaṃghābhaṃ svadeham anucintayan |
vītarāgatvam abhyeti ṣaḍbhir māsair na saṃśayaḥ || 16.25 ||
Betrachtet er seinen eigenen Körper wie eine Wolkenansammlung am herbstlichen Abendhimmel, gelangt er nach sechs Monaten zweifellos zur Freiheit von Leidenschaft.

16.26
jarāmaraṇanirmukto varṣeṇaivopajāyate |
tryabdāj jñānam avāpnoti rāgāvaraṇajaṃ mahat || 16.26 ||
Bereits nach einem Jahr wird er frei von Alter und Tod; nach drei Jahren erlangt er die große Erkenntnis der Sphäre des Begehrens.

16.27
raktaṃ saṃcintayed dehaṃ saṃpūrṇābhroparisthitam |
māsaṣaṭkam anudvigno vītarāgatvasiddhaye || 16.27 ||
Zur Vollendung der Leidenschaftslosigkeit betrachte er sechs Monate unbesorgt den Körper als rot und oberhalb einer dichten Wolke befindlich.

16.28
smaran saṃvatsare samyaṅ mṛtyunā na prapīḍyate |
tribhir abdair jitadvandvo rāge ca samatāṃ vrajet || 16.28 ||
Betrachtet er ihn ein Jahr lang richtig, bedrängt ihn der Tod nicht. Nach drei Jahren überwindet er die Gegensatzpaare und erlangt Gleichheit im Bereich des Begehrens.

16.29
raktapadmasthitaṃ raktaṃ pañcaparvaṃ hṛdāvadhi |
dhyāyan phalam avāpnoti pūrvoktam akhilaṃ kramāt || 16.29 ||
Meditiert er über [die Gestalt], rot auf einem roten Lotus sitzend, fünf Fingerglieder groß und bis zum Herzen reichend, erlangt er schrittweise sämtliche zuvor genannten Früchte.

16.30
bimbādi cātra pūrvoktam anucintayato muhuḥ |
phalaṃ bhavati niḥśeṣaṃ rañjakāvṛtisaṃbhavam || 16.30 ||
Wer hier immer wieder die zuvor erklärten [Stufen], beginnend mit dem Bild, betrachtet, erlangt die gesamte Frucht der Sphäre des Färbenden [Raga].

16.31
hṛdi padmaṃ sitaṃ dhyāyed dvyaṣṭapatraṃ sakesaram |
sarvāmṛtamayaṃ divyaṃ candrakalpitakarṇikam || 16.31 ||
Er meditiere im Herzen über einen weißen Lotus mit sechzehn Blättern und Staubfäden, göttlich und ganz aus Nektar bestehend, dessen Fruchtboden als Mond vorgestellt wird.

16.32
niścalaṃ tatra saṃyamya ceto nidrāntam ātmanaḥ |
tato yat paśyate svapne tathyaṃ tat tasya jāyate || 16.32 ||
Dort halte er sein Bewusstsein unbewegt bis zum Eintritt des Schlafes. Was er dann im Traum sieht, wird für ihn wahr.

16.33
evam abhyasatas tasya buddhipadmoditaṃ phalam |
sarvaṃ prajāyate tasya tatkālakramayogataḥ || 16.33 ||
Wenn er so übt, entsteht für ihn die gesamte beim Lotus der Urteilskraft genannte Frucht entsprechend der dort angegebenen zeitlichen Folge.

16.34
caturaṅguladehādi sarvaṃ tatra vicintayan |
pūrvavat sarvam āpnoti vidyātattvasamudbhavam || 16.34 ||
Betrachtet er dort alles, beginnend mit dem vier Fingerbreiten großen Körper, gewinnt er wie zuvor alles, was dem Vidya-Prinzip entspringt.

16.35
hṛdayād ekam ekaṃ tu vyatikramyārdham aṅgulam |
pṛthak cakratrayaṃ dhyāyed raktanīlāsitaṃ kramāt || 16.35 ||
Vom Herzen aus jeweils eine halbe Fingerbreite weitergehend meditiere er einzeln über drei Räder, der Reihe nach rot, blau und schwarz.

16.36
tatratyadvyekaparvaṃ tu puruṣaṃ tatsamadyutim |
bimbādikaṃ ca yat proktaṃ tattvatrayam idaṃ mahat || 16.36 ||
[Er betrachte] die dort befindliche Person von zwei beziehungsweise einem Fingerglied Größe, von gleichem Glanz, sowie die genannten [Stufen], beginnend mit dem Bild. Dies sind die drei großen Prinzipien.

16.37
trayodaśātmakaṃ bhedam etadantaṃ vidur budhāḥ |
ekādaśaprabhedena tattvadvayam athocyate || 16.37 ||
Bis hierher reicht nach Auffassung der Verständigen die dreizehnfache Gliederung. Nun werden zwei Prinzipien mit jeweils elf Unterteilungen erklärt.

16.38
kaṇṭhakūpāvadhau cakre pañcāre nābhisaṃsthitam |
dhyāyet svarūpam ātmīyaṃ dīptanetropalabdhavat || 16.38 ||
Im fünfspeichigen Rad, das bis zur Halsgrube reicht, meditiere er über seine eigene Gestalt in dessen Nabe, wie mit einem leuchtenden Auge wahrgenommen.

16.39
kṣityādikālatattvānte yad vastu sthitam adhvani |
sarvaṃ prasādhya yogīndro na kālenābhibhūyate || 16.39 ||
Was auf dem Wirklichkeitspfad von der Erde bis zum Zeitprinzip vorhanden ist, bringt der Herr der Yogis vollständig zur Vollendung und wird von der Zeit nicht überwältigt.

16.40
bimbādike 'pi tatrasthe yoginām anucintite |
bhavatīti kilāścaryam anāyāsena tatphalam || 16.40 ||
Wenn die Yogis auch über das dort befindliche Bild und die weiteren [Stufen] meditieren, entsteht deren Frucht mühelos – wahrlich erstaunlich.

16.41
kaṇṭhākāśe sthiraṃ cetaḥ kurvan yogī dine dine |
māyotthaṃ phalam āpnoti bimbādāv api tatrage || 16.41 ||
Festigt der Yogi Tag für Tag sein Bewusstsein im Halsraum, erlangt er die aus Maya entstehende Frucht; ebenso bei dem dort befindlichen Bild und den weiteren [Stufen].

16.42
kaṇṭhakūpavidhānābhaṃ rāhugrastendubimbavat |
cintayan na punar yāti māyāder vaśavartitām || 16.42 ||
Betrachtet er [die Gestalt] entsprechend der Anordnung an der Halsgrube wie eine von Rahu verschlungene Mondscheibe, gerät er nicht wieder unter die Gewalt von Maya und den übrigen [Prinzipien].

16.43
tad eva tatra svarbhānumuktavat paricintayan |
tejodehādikaṃ cāpi prāpnoti parameśatām || 16.43 ||
Betrachtet er sie dort wie von Rahu befreit sowie den Lichtkörper und die weiteren [Stufen], erlangt er den Zustand des höchsten Herrn.

16.44
madhyandinakarākāraṃ lambakasthaṃ vicintayet |
samastamantracakrasya rūpaṃ yat sāmudāyikam || 16.44 ||
Am Gaumenzäpfchen betrachte er eine Gestalt wie die Mittagssonne: die gemeinsame Gestalt des gesamten Mantrakreises.

16.45
tataḥ kālakramād yogī mantratvam adhigacchati |
anuṣaṅgaphalaṃ cātra pūrvoktaṃ sarvam iṣyate || 16.45 ||
Im zeitlichen Verlauf erlangt der Yogi dadurch den Zustand eines Mantra. Auch sämtliche früher genannten begleitenden Früchte gelten hier.

16.46
mūrtiṃ tatraiva saṃcintya mantreśatvam avāpnuyāt |
tadadhodīpakaṃ tejo dhyātvā tatpatitāṃ vrajet || 16.46 ||
Betrachtet er dort seine Gestalt, erlangt er den Zustand eines Mantra-Herrn. Meditiert er über das Licht, das darunter Befindliches erhellt, gelangt er zur Herrschaft darüber.

16.47
sabāhyābhyantaraṃ tasmād adhordhvaṃ vyāpi ca smaran |
tejo mantreśvareśānapadān na cyavate naraḥ || 16.47 ||
Betrachtet ein Mensch dieses Licht als außen und innen sowie nach unten und oben alldurchdringend, fällt er nicht von der Stufe des Herrn der Mantra-Herren zurück.

16.48
baddhvā padmāsanaṃ yogī parābījam anusmaran |
bhruvor madhye nyasec cittaṃ tadbahiḥ kiṃ cid agrataḥ || 16.48 ||
Der Yogi nehme den Lotossitz ein und vergegenwärtige die Keimsilbe der Para. Er richte das Bewusstsein auf den Bereich zwischen den Augenbrauen, etwas davor außerhalb [des Körpers].

16.49
nimīlitākṣo hṛṣṭātmā śabdālokavivarjite |
paśyate puruṣaṃ tatra dvādaśāṅgulam āyatam || 16.49 ||
Mit geschlossenen Augen und freudigem Inneren, an einem von Geräusch und Licht freien Ort, sieht er dort eine zwölf Fingerbreiten hohe Person.

16.50
tatra cetaḥ sthiraṃ kuryāt tato māsatrayopari |
sarvāvayavasaṃpūrṇaṃ tejorūpam acañcalam || 16.50 ||
Dort festige er das Bewusstsein. Nach mehr als drei Monaten [sieht er sie] mit sämtlichen Gliedern vollständig, lichtgestaltig und unbewegt.

16.51
prasannam indusaṃkāśaṃ paśyati divyacakṣuṣā |
taṃ dṛṣṭvā puruṣam divyaṃ kālajñānaṃ pravartate || 16.51 ||
Mit göttlichem Auge sieht er sie klar und mondgleich. Hat er diese göttliche Person gesehen, entsteht das Wissen um die Zeit [des Todes].

16.52
aśiraske bhaven mṛtyuḥ ṣaṇmāsābhyantareṇa tu |
vañcanaṃ tatra kurvīta yatnāt kālasya yogavit || 16.52 ||
Erscheint sie ohne Kopf, steht der Tod innerhalb von sechs Monaten bevor. Der Yogakundige soll sich dann sorgfältig darum bemühen, die Zeit zu überlisten.

16.53
brahmarandhropari dhyāyec candrabimbam akalmaṣam |
sravantam amṛtaṃ divyaṃ svadehāpūrakaṃ bahu || 16.53 ||
Oberhalb der Brahmaöffnung meditiere er über eine makellose Mondscheibe, die reichlich göttlichen Nektar ausströmt und damit seinen Körper füllt.

16.54
tenāpūritam ātmānaṃ cetonālānusarpiṇā |
sabāhyābhyantaraṃ dhyāyan daśāhān mṛtyujid bhavet || 16.54 ||
Er betrachte sich außen und innen als von diesem Nektar erfüllt, der dem Bewusstseinskanal folgt. Nach zehn Tagen wird er zum Bezwinger des Todes.

16.55
mahāvyādhivināśe 'pi yogam enaṃ samabhyaset |
pratyaṅgavyādhināśāya pratyaṅgagam anusmaran || 16.55 ||
Auch zur Beseitigung schwerer Krankheit übe er diesen Yoga. Zur Beseitigung der Krankheit eines einzelnen Gliedes vergegenwärtige er [den Nektar] in diesem Glied.

16.56
dhūmravarṇaṃ yadā paśyen mahāvyādhis tadā bhavet |
kṛṣṇe kuṣṭham avāpnoti nīle śītalikābhayam || 16.56 ||
Sieht er [die Person] rauchfarben, bedeutet dies schwere Krankheit; bei schwarzer Farbe Aussatz, bei blauer droht die Kältekrankheit.

16.57
hīnacakṣuṣi tadrogaṃ nāsāhīne tadātmakam |
yad yad aṅgaṃ na paśyeta tatra tadvyādhim ādiśet || 16.57 ||
Fehlen die Augen, [zeige dies] deren Krankheit, fehlt die Nase, eine entsprechende Krankheit. Welches Glied er nicht sieht, dort soll er Krankheit anzeigen,

16.58
ātmano vā pareṣāṃ vā yogī yogapathe sthitaḥ |
varṣais tu pañcabhiḥ sarvam vidyātattvāntam īśvari || 16.58 ||
bei sich selbst oder bei anderen, wenn er auf dem Yogapfad gefestigt ist. Nach fünf Jahren, o Herrin, [erkennt er] alles bis zum Vidya-Prinzip.

16.59
vetti bhuṅkte ca satataṃ na ca tasmāt prahīyate |
tatrasthe tejasi dhyāte sarvadehavisarpiṇi || 16.59 ||
Er erkennt und erfährt es beständig und fällt nicht davon ab. Wenn er über das dort befindliche, den ganzen Körper durchdringende Licht meditiert,

16.60
pūrvoktaṃ sarvam āpnoti tatkālakramayogataḥ |
athordhvavyāpini dhyāne tatra tasmād akhaṇḍitaḥ || 16.60 ||
erlangt er sämtliche zuvor genannten [Früchte] entsprechend ihrer zeitlichen Folge. Meditiert er dort über das nach oben Durchdringende, bleibt er davon ungetrennt.

16.61
sarvamantreśvareśatvān na bhūyo 'pi nivartate |
evaṃ lalāṭadeśe 'pi mahādīptam anusmaran || 16.61 ||
Er fällt nicht wieder vom Zustand des Herrn sämtlicher Mantra-Herren zurück. Betrachtet er auf dieselbe Weise auch im Stirnbereich das mächtig Leuchtende,

16.62
prapaśyaty acirād eva varṇāṣṭakayutaṃ kramāt |
indranīlapratīkāśaṃ śikhikaṇṭhasamadyuti || 16.62 ||
sieht er es bald der Reihe nach in acht Farben: wie Saphir, mit dem Glanz eines Pfauenhalses,

16.63
rājāvartanibhaṃ cānyat tathā vaiḍūryasaṃnibham |
puṣparāganibhaṃ cānyat pravālakasamadyuti || 16.63 ||
ein weiteres wie Lapislazuli und eines wie Beryll, ein weiteres wie Topas und eines mit dem Glanz von Koralle,

16.64
padmarāgapratīkāśam anyac candrasamadyuti |
tāṃ dṛṣṭvā paramāṃ jyotsnāṃ divyajñānaṃ pravartate || 16.64 ||
eines wie Rubin und ein weiteres mit dem Glanz des Mondes. Hat er dieses höchste Leuchten gesehen, entsteht göttliches Wissen.

16.65
vihārapādacārādi tataḥ sarvaṃ pravartate |
adhordhvaṃ vyāpini dhyāte na tasmāc cyavate padāt || 16.65 ||
Freies Umherwandern, Bewegung zu Fuß und alles Weitere entstehen daraus. Meditiert er über das nach unten und oben Alldurchdringende, fällt er von dieser Stufe nicht zurück.

16.66
ity etat sarvam ākhyātaṃ lakṣyabhedavyavasthitam |
adhunā cittabhedo 'pi samāsād upadiśyate || 16.66 ||
Dies alles wurde entsprechend der Unterscheidung der Betrachtungsgegenstände erklärt. Nun wird kurz auch die Unterscheidung des Bewusstseins gelehrt.

16.67
piśācānantaparyantaguṇāṣṭakasamīhayā |
tattadrūpaguṇaṃ kuryāt samyag īśe sthiraṃ manaḥ || 16.67 ||
Wer die achtfachen Eigenschaften von den Pishachas bis zu Ananta erstrebt, richte seinen Geist fest und richtig auf den jeweiligen Herrn, ausgestattet mit dessen Gestalt und Eigenschaften.

16.68
itīśvarapadāntasya mārgasyāsya pṛthak pṛthak |
yathopāsā tathākhyātā yogināṃ yogasiddhaye || 16.68 ||
So wurde für jeden einzelnen Abschnitt dieses bis zur Stufe des Herrn reichenden Weges die entsprechende Verehrung erklärt, damit die Yogis Vollendung im Yoga erlangen.

Überlieferte Schlussformel
iti śrīmālinīvijayottare tantre dhāraṇādhikāraḥ ṣoḍaśaḥ samāptaḥ
Damit endet im erhabenen Malinivijayottara Tantra der 16. Abschnitt: Weitere Konzentrationen.

Kapitel 17: Die Yogaglieder

Überlieferte Kapitelüberschrift
saptadaśaḥ ṣaḍaṅgayogādhikāraḥ
Siebzehnter Abschnitt: Yoga mit sechs Gliedern.

17.1
athaitat sarvam uddiṣṭaṃ yadi na sphuṭatāṃ vrajet |
sphuṭīkṛte 'sthire tatra na manas tiṣṭhate sphuṭam || 17.1 ||
Wenn all das Beschriebene nicht deutlich wird oder wenn der Geist bei dem deutlich gewordenen, aber noch unbeständigen [Gegenstand] nicht klar verweilt,

17.2
gatibhaṅgaṃ tatas tasya prāṇāyāmena kārayet |
sa ca pañcavidhaḥ proktaḥ pūrakādiprabhedataḥ || 17.2 ||
soll man seine Bewegung durch Atemregelung unterbrechen. Diese wird nach Einfüllung und den übrigen Formen fünffach erklärt.

17.3
pūrakaḥ kumbhakaś caiva recako hy apakarṣakaḥ |
utkarṣaḥ pañcamo jñeyas tadabhyāsāya yogibhiḥ || 17.3 ||
Einfüllung, Anhalten, Ausströmung, Zurückziehen und als fünfte das Hinaufführen sind von den Yogis zum Zweck der Übung zu kennen.

17.4
pūrakaḥ pūraṇād vāyor dvedhā ṣoḍhā ca gīyate |
svabhāvapūraṇād eko virecyānyaḥ prapūritaḥ || 17.4 ||
Die Einfüllung heißt so wegen des Einfüllens der Luft; sie wird zweifach und sechsfach gelehrt: einmal als natürliches Einfüllen, das andere Mal als Einfüllen nach dem Ausströmen.

17.5
nāsāmukhordhvatālūnāṃ randhrabhedād vibhidyate |
bhinnaḥ ṣoḍhātvam abhyeti punar bhedair anantatām || 17.5 ||
Nach den verschiedenen Öffnungen von Nase, Mund und oberem Gaumen wird sie unterschieden. So entsteht ihre Sechsteilung; durch weitere Unterschiede wird sie unbegrenzt vielfältig.

17.6
kumbhaḥ pañcavidho jñeyas tatraikaḥ pūritād anu |
vidhṛto recakāt paścād dvitīyaḥ parikīrtitaḥ || 17.6 ||
Das Anhalten ist als fünffach zu verstehen. Das erste erfolgt nach dem Einfüllen; als zweites wird das Festhalten nach dem Ausströmen bezeichnet.

17.7
dvayor ante dvayaṃ cānyat svabhāvasthaś ca pañcamaḥ |
sthānāntaraprabhedena gacchaty eṣo 'py anantatām || 17.7 ||
Zwei weitere erfolgen jeweils am Ende der beiden; als fünftes gilt das natürliche Verweilen. Durch Unterschiede der Orte wird auch dieses unbegrenzt vielfältig.

17.8
recakaḥ pūrvavaj jñeyo dvidhābhūtaḥ ṣaḍātmakaḥ |
sthānasaṃstambhito vāyus tasmād utkṛṣya nīyate || 17.8 ||
Die Ausströmung ist wie zuvor als zweifach und sechsfach zu verstehen. Wird die an einem Ort festgehaltene Luft von dort emporgezogen

17.9
yo 'nyapradeśasaṃprāptyai sa utkarṣaka iṣyate |
tasmād api punaḥ sthānaṃ yato nītas tadāhṛtaḥ || 17.9 ||
und zur Erreichung eines anderen Ortes geführt, gilt dies als Hinaufführen. Wird sie von dort wieder an den Ort gebracht, von dem sie hergeführt wurde,

17.10
apakarṣaka ity ukto dvāv apy etāv anekadhā |
eṣām abhyasanaṃ kuryāt padmakādyāsanasthitaḥ || 17.10 ||
heißt dies Zurückziehen. Auch diese beiden sind vielfältig. Man übe sie im Lotus- oder einem anderen Sitz.

17.11
adhamaḥ sakṛdudghāto madhyamo dviguṇo mataḥ |
jyeṣṭhaḥ syād yas trirudghātaḥ sa ca dvādaśamātrakaḥ || 17.11 ||
Die niedrige [Stufe] hat eine Erhebung, die mittlere gilt als doppelt; die höchste hat drei Erhebungen und misst zwölf Zeiteinheiten.

17.12
trirjānuveṣṭanān mātrā triguṇāc choṭikātrayāt |
ajitāṃ nākramen mātrāṃ vāyudoṣanivṛttaye || 17.12 ||
Eine Zeiteinheit wird durch dreimaliges Umkreisen des Knies beziehungsweise durch die dreifache Folge von drei Fingerschnippen bestimmt. Um Störungen des Atems zu vermeiden, überschreite man keine noch unbeherrschte Zeiteinheit.

17.13
pratyaṅgadhāraṇād vāyuṃ na ca cakṣuṣi dhārayet |
nābhihṛttālukāntasthe vidhṛte maruti kramāt || 17.13 ||
Bei der Atemhaltung in einzelnen Gliedern halte man die Luft nicht im Auge fest. Wird sie der Reihe nach an Nabel, Herz und Gaumen gehalten,

17.14
catasro dhāraṇā jñeyāḥ śikhyambvīśāmṛtātmikāḥ |
yad yatra cintayed dravyaṃ tat tat sarvagataṃ smaret || 17.14 ||
sind vier Konzentrationen zu kennen: auf Feuer, Wasser, den Herrn und Nektar. Welchen Stoff man an einem Ort betrachtet, den stelle man sich als überall gegenwärtig vor.

17.15
bindunādātmakaṃ rūpam īśānī dhāraṇā śritā |
amṛtāyāṃ smared induṃ kālatyāgoktavartmanā || 17.15 ||
Die zum Herrn gehörende Konzentration stützt sich auf eine Gestalt aus Bindu und Nada. Bei der Nektarkonzentration betrachte man den Mond auf dem bei der Überwindung der Zeit beschriebenen Weg.

17.16
dhāraṇābhir ihaitābhir yogī yogapathe sthitaḥ |
heyaṃ vastu parityajya yāyāt padam anāmayam || 17.16 ||
Durch diese Konzentrationen soll der auf dem Yogapfad gefestigte Yogi das Aufzugebende verlassen und die leidfreie Stufe erreichen.

17.17
trivedadvīndusaṅkhyātasamudghātās tv imā matāḥ |
etābhir apy adho 'py uktaṃ phalaṃ prāpnoty anuttamam || 17.17 ||
Ihnen werden Erhebungen in der Zahl drei, vier, zwei und eins zugeschrieben. Auch durch sie erlangt man die zuvor genannte unübertreffliche Frucht.

17.18
yogāṅgatve samāne 'pi tarko yogāṅgam uttamam |
heyādyālocanāt tasmāt tatra yatnaḥ praśasyate || 17.18 ||
Obwohl sie gleichermaßen Glieder des Yoga sind, ist unterscheidende Prüfung das höchste Yogaglied, weil sie das Aufzugebende und die übrigen [Gegenstände] prüft. Daher wird die Bemühung darum gepriesen.

17.19
mārge cetaḥ sthirībhūtaṃ heye 'pi viṣayecchayā |
prerya tenānayet tāvad yāvat padam anāmayam || 17.19 ||
Den auf dem Weg gefestigten Geist, der durch das Verlangen nach einem Gegenstand selbst beim Aufzugebenden verweilt, soll man damit antreiben und bis zur leidfreien Stufe führen.

17.20
tadarthabhāvanāyuktaṃ mano dhyānam udāhṛtam |
tad eva paramaṃ jñānaṃ bhāvanāmayam iṣyate || 17.20 ||
Der mit der Vergegenwärtigung jenes Gegenstands verbundene Geist heißt Meditation. Dies selbst gilt als höchste Erkenntnis, die aus Vergegenwärtigung besteht.

17.21
muhūrtād eva tatrasthaḥ samādhiṃ pratipadyate |
tatrāpi ca suniṣpanne phalaṃ prāpnoty abhīpsitam || 17.21 ||
Wer darin verweilt, gelangt schon nach kurzer Zeit zur Versenkung. Wenn auch diese vollkommen gelungen ist, erlangt er die gewünschte Frucht.

17.22
yat kiṃ cic cintayed vastu nānyatvaṃ pratipadyate |
tena tanmayatām āpya bhavet paścād abhāvavat || 17.22 ||
Welchen Gegenstand er auch betrachtet, er nimmt keine Andersheit mehr an. Indem er ganz dessen Wesen annimmt, wird er schließlich gleichsam nicht mehr vorhanden.

17.23
pañcatām iva saṃprāptas tīvrair api na cālyate |
tataḥ śabdādibhir yogī yoginīkulanandanaḥ || 17.23 ||
Wie einer, der gestorben ist, wird der Yogi, der die Schar der Yoginis erfreut, dann auch von heftigen Geräuschen und anderen [Sinneseindrücken] nicht bewegt.

17.24
ity anena vidhānena pratyāhṛtya mano muhuḥ |
prāṇāyāmādikaṃ sarvaṃ kuryād yogaprasiddhaye || 17.24 ||
Auf diese Weise ziehe er den Geist immer wieder zurück und vollziehe Atemregelung und alles Weitere zur Vollendung des Yoga.

17.25
sarvam apy athavā bhogaṃ manyamāno virūpakam |
svaśarīraṃ parityajya śāśvataṃ padam ṛcchati || 17.25 ||
Oder er betrachtet jegliche Erfahrung als unzulänglich, verlässt seinen eigenen Körper und erreicht die ewige Stufe.

17.26
tadā pūrvoditaṃ nyāsaṃ kālānalasamaprabham |
viparītavidhānena kuryāt skṛkchindiyuggatam || 17.26 ||
Dann vollziehe er die zuvor erklärte Einsetzung in umgekehrter Reihenfolge, leuchtend wie das Feuer der Endzeit und mit »skṛk« und »chindi« verbunden.

17.27
āgneyīṃ dhāraṇāṃ kṛtvā sarvamarmapratāpinīm |
pūrayed vāyunā deham aṅguṣṭhān mastakāntikam || 17.27 ||
Er vollziehe die Feuerkonzentration, welche sämtliche Lebenspunkte erhitzt, und fülle den Körper vom großen Zeh bis zum Scheitel mit Luft.

17.28
tam utkṛṣya tato 'ṅguṣṭhād brahmarandhrāntam ānayet |
chedayet sarvamarmāṇi mantreṇānena yogavit || 17.28 ||
Dann ziehe er sie vom großen Zeh empor und führe sie bis zur Brahmaöffnung. Der Yogakundige durchtrenne sämtliche Lebenspunkte mit diesem Mantra.

17.29
jīvam ādidvijārūḍhaṃ śiromālādisaṃyutam |
kṛtvā tadagre kurvīta dvijam ādyam ajīvakam || 17.29 ||
Er verbinde den Lebenslaut, auf den ersten Zahnlaut gesetzt, mit der Kopfgirlande und den weiteren [Lautzeichen]; davor setze er den ersten Zahnlaut ohne Lebenslaut.

17.30
ity eṣā kathitā kāla rātrir marmanikṛntanī |
naināṃ samuccared devi ya icched dīrghajīvitam || 17.30 ||
Damit ist Kalaratri erklärt, die Durchtrennerin der Lebenspunkte. Wer lange leben möchte, o Göttin, soll sie nicht aussprechen.

17.31
śatārdhoccārayogena jāyate mūrdhni vedanā |
evaṃ pratyayam ālocya mṛtyujiddhyānam āśrayet || 17.31 ||
Nach fünfzig Wiederholungen entsteht Schmerz im Scheitel. Hat er dieses Anzeichen wahrgenommen, wende er sich der Meditation zu, welche den Tod besiegt.

17.32
nipīḍya taṃ tatas tatra bindunādādicintakaḥ |
vegād utkṛṣya tatrasthaṃ kālarātryā visarjayet || 17.32 ||
Er halte ihn dort fest und betrachte Bindu, Nada und die weiteren [Stufen]. Dann ziehe er das dort Befindliche kraftvoll empor und entlasse es durch Kalaratri.

17.33
anena kramayogena ane yojitaḥ parame pade |
samayy api mahādevi dīkṣoktaṃ phalam aśnute || 17.33 || †
Durch diese Abfolge wird [er; die Vorlage ist hier gestört] mit der höchsten Stufe verbunden. Selbst ein Samayin genießt dann, große Göttin, die für die Einweihung genannte Frucht.
Textanmerkung: Die Vorlage liest »ane yojitaḥ«; der Satzanschluss ist gestört.

17.34
[lacuna] siddhayogeśvarīmate |
tatsakāśād bhavet siddhiḥ sarvamantroktalakṣaṇā || 17.34 || †
[Textlücke] im Siddhayogishvarimata. Daraus entsteht die Vollendung mit den Merkmalen, die bei sämtlichen Mantras beschrieben werden.

17.35
tad eva mantrarūpeṇa manuṣyaiḥ samupāsyate |
eṣa te jñeyasadbhāvaḥ kathitaḥ suravandite || 17.35 ||
Eben dies wird von Menschen in Mantragestalt verehrt. Damit ist dir die wahre Beschaffenheit des zu Erkennenden erklärt, o von den Göttern Verehrte.

17.36
abhaktasya guhasyāpi nākhyeyo jātucit tvayā |
udaraṃ sarvam āpūrya brahmarandhrāntam āgatam || 17.36 ||
Du sollst sie niemals einem Hingabelosen mitteilen, selbst nicht Guha. [Bei einer weiteren Übung] fülle man den ganzen Bauch; die bis zur Brahmaöffnung gelangte

17.37
vāyuṃ bhramaṇayogena tatas taṃ prerayet tathā |
yāvat prāṇapradeśāntaṃ yogināṃ manasepsitam || 17.37 ||
Luft treibe man sodann durch kreisende Bewegung so an, dass der vom Geist des Yogi gewünschte Bereich des Lebensatems

17.38
prāpyate punar āvṛtya tathaiva nābhimaṇḍalam |
evaṃ samabhyaset tāvad yāvad vāsarasaptakam || 17.38 ||
erreicht wird; dann führe man sie auf dieselbe Weise wieder zum Nabelkreis zurück. So übe man sieben Tage lang.

17.39
tadāprabhṛti saṃyuktaḥ karṣayet tridaśān api |
anenākṛṣya vijñānaṃ sarvayoginiṣevitam || 17.39 ||
Von da an vermag der Gesammelte selbst die Götter anzuziehen. Indem er dadurch das von allen Yogis gepflegte Wissen heranzieht,

17.40
gṛhṇīyād yogayuktātmā kim anyaiḥ kṣudraśāsanaiḥ |
prathamaṃ mahatī ghūrṇir abhyāsāt tasya jāyate || 17.40 ||
soll er es mit im Yoga gesammeltem Inneren ergreifen. Wozu andere unbedeutende Lehren? Durch die Übung entsteht ihm zuerst ein heftiges Kreisen.

17.41
tataḥ prakampo deveśi jvalatīva tato 'py aṇuḥ || 17.41 ||
Danach folgt Zittern, o Herrin der Götter; anschließend scheint auch die Einzelseele zu flammen.

Überlieferte Schlussformel
iti śrīmālinīvijayottare tantre saptadaśo yogāṅgādhikāraḥ samāptaḥ
Damit endet im erhabenen Malinivijayottara Tantra der 17. Abschnitt: Die Yogaglieder.

Kapitel 18: Höchstes Wissen und innere Verehrung

Überlieferte Kapitelüberschrift
paramavidyādhikāro 'ṣṭādaśaḥ
Achtzehnter Abschnitt: höchstes Wissen.

18.1
śṛṇu devi paraṃ guhyam aprāpyam akṛtātmanām |
yan na kasya cid ākhyātaṃ tad adya kathayāmi te || 18.1 ||
Höre, o Göttin, das höchste Geheimnis, unerreichbar für Menschen ohne innere Reife. Was ich niemandem mitgeteilt habe, werde ich dir heute erklären.

18.2
sarvam anyat parityajya cittam atra niveśayet |
mṛcchailadhāturatnādibhavaṃ liṅgaṃ na pūjayet || 18.2 ||
Man lasse alles andere beiseite und richte das Bewusstsein hierauf. Man verehre kein Linga aus Erde, Stein, Metall, Edelstein oder ähnlichem Material.

18.3
yajed ādhyātmikaṃ liṅgaṃ yatra līnaṃ carācaram |
bahir liṅgasya liṅgatvam anenādhiṣṭhitaṃ yataḥ || 18.3 ||
Man verehre das innere Linga, in dem Bewegliches und Unbewegliches aufgegangen sind. Denn das äußere Linga besitzt seine Kennzeichenhaftigkeit, weil es von diesem getragen wird.

18.4
ataḥ prapūjayed etat paramādvaitam āśritaḥ |
anudhyānena deveśi pareṇa paramāṇunā || 18.4 ||
Deshalb verehre man dieses, gestützt auf höchste Nichtdualität, durch höchste, allerfeinste Betrachtung, o Herrin der Götter.

18.5
yo 'nudhyātaḥ sa evaital liṅgaṃ paśyati nāparaḥ |
yad etat spandanaṃ nāma hṛdaye samavasthitam || 18.5 ||
Nur der so Betrachtende sieht dieses Linga, kein anderer: das, was Pulsieren genannt wird und im Herzen ruht.

18.6
tatra cittaṃ samādhāya kampa udbhava eva ca |
tatra praśāntim āpnoti māsenaikena yogavit || 18.6 ||
Sammelt der Yogakundige das Bewusstsein dort, entstehen Zittern und Aufsteigen; dort gelangt er innerhalb eines Monats zur Ruhe.

18.7
hṛdayād utthitaṃ liṅgaṃ brahmarandhrāntam īśvari |
svaprabhoddyotitāśeṣadehāntam amaladyuti || 18.7 ||
Das vom Herzen aufgestiegene Linga reicht bis zur Brahmaöffnung, o Herrin; mit makellosem Glanz erhellt es durch sein eigenes Licht das gesamte Körperinnere.

18.8
tatraiva paśyate sarvaṃ mantrajālaṃ mahāmatiḥ |
tanmastakaṃ samāruhya māsamātram ananyadhīḥ || 18.8 ||
Der Einsichtige sieht dort das ganze Netz der Mantras. Er steige zu dessen Scheitel auf und verweile einen Monat mit ungeteilter Aufmerksamkeit.

18.9
tatas tatra suniṣpanne ṣaṇmāsāt sarvasiddhayaḥ |
etal liṅgam avijñāya yo liṅgī liṅgam āśrayet || 18.9 ||
Wenn dies vollkommen gelungen ist, [entstehen] nach sechs Monaten alle Vollkommenheiten. Wer als Lingaträger ein Linga verehrt, ohne dieses Linga zu erkennen,

18.10
vṛthāḷpariśramas tasya na liṅgaphalam aśnute |
śaivam etan mahāliṅgam ātmaliṅge [na] siddhyati || 18.10 || †
dessen Anstrengung ist vergeblich; er genießt nicht die Frucht des Linga. Dieses große, zu Shiva gehörende Linga vollendet sich [nicht: unsichere Ergänzung der Vorlage] im Selbst-Linga.
Textanmerkung: Die Vorlage enthält die gestörte Zeichenfolge »vṛthāḷpariśramas«. Sie wird als Vorlagenbefund bewahrt; die deutsche Wiedergabe folgt dem erkennbaren Satzsinn.

18.11
siddhe 'tra liṅgaval liṅgī liṅgastho liṅgavarjitaḥ |
bhavatīti kim āśrayam etasmāl liṅgaliṅitaḥ || 18.11 ||
Ist dies vollendet, wird der Lingaträger dem Linga gleich, im Linga ruhend und zugleich ohne [äußeres] Linga. Was wäre daran verwunderlich? Durch dieses Linga ist er gekennzeichnet.

18.12
anena liṅgaliṅgena yadā yogī bahir vrajet |
tadā liṅgīti vijñeyaḥ purāntaṃ liṅgam iṣyate || 18.12 ||
Wenn der Yogi mit diesem Kennzeichen des Linga nach außen tritt, ist er als Lingaträger zu erkennen. Das Linga gilt als bis zum Ende der Stadt [des Körpers] reichend.

18.13
etasmāl liṅgavijñānād yogino liṅgitāḥ smṛtāḥ |
anenādiṣṭhitāḥ mantrāḥ śāntaraudrādibhedataḥ || 18.13 ||
Aufgrund dieser Erkenntnis des Linga gelten Yogis als Lingaträger. Die von diesem getragenen Mantras unterscheiden sich in friedvolle, furchterregende und weitere Formen.

18.14
bhavantīti kimāścaryaṃ tadbhāvagatacetasaḥ |
raudraṃ bhāvaṃ samśritya yadi yogaṃ samabhyaset || 18.14 ||
Dass sie so werden, ist für einen Menschen, dessen Bewusstsein in diesem Zustand ruht, nicht erstaunlich. Wenn er, auf einen furchterregenden Zustand gestützt, Yoga übt,

18.15
durnirīkṣyo bhavet sarvaiḥ sadevāsuramānuṣaiḥ |
gamāgamavinirmuktaḥ sarvadṛṣṭir akātaraḥ || 18.15 ||
wird sein Anblick für alle – Götter, Asuras und Menschen – schwer zu ertragen. Frei von Kommen und Gehen, allsehend und furchtlos,

18.16
muhūrtaṃ tiṣṭhate yāvat tāvad eveśam āpnuyāt |
āviṣṭaḥ paśyate sarvaṃ sūryakoṭisamadyuti || 18.16 ||
erlangt er den Herrn, sobald er einen Augenblick verweilt. Von ihm durchdrungen sieht er alles mit dem Glanz von zehn Millionen Sonnen.

18.17
yat tad akṣaram avyaktaṃ śaivaṃ bhairavam ity api |
taṃ dṛṣṭvā vatsarārdhena yogī sarvajñatām iyāt || 18.17 ||
Was unvergänglich und unmanifest ist, wird auch als zu Shiva gehörend und als Bhairava bezeichnet. Hat der Yogi es gesehen, gelangt er innerhalb eines halben Jahres zur Allwissenheit.

18.18
ya evainaṃ samāsādya yas tṛptim adhigacchati |
na ca kṛtrimayogeṣu sa muktaḥ sarvabandhanaiḥ || 18.18 ||
Wer, nachdem er dies erreicht hat, darin Erfüllung findet und nicht in künstlich hergestellten Yogaformen, ist von allen Bindungen befreit.

18.19
prāṇāyāmādikair liṅgair yogāḥ syuḥ kṛtrimā matāḥ |
tena te 'kṛtakasyāsya kalāṃ nārhanti ṣoḍaśīm || 18.19 ||
Yogaformen mit Merkmalen wie Atemregelung gelten als künstlich hergestellt. Deshalb erreichen sie nicht einmal ein Sechzehntel dieses nicht künstlich hervorgebrachten [Yoga].

18.20
etat samabhyasan yogī divyacihnāni paśyati |
upaviṣṭa ṛjur yogī na kiñ cid api cintayet || 18.20 ||
Indem der Yogi dies übt, sieht er göttliche Zeichen. Aufrecht sitzend soll der Yogi an nichts denken.

18.21
muhūrtān nirdahet sarvaṃ dehastham akṛtaṃ kṛtam |
dahyamānasya tasyeha prakampānubhavo bhavet || 18.21 ||
In kurzer Zeit verbrennt er alles im Körper Befindliche, Ungetanes und Getanes. Während es verbrennt, erlebt er ein Zittern.

18.22
tatas tatra sthirībhūte jyotir antaḥ prakāśate |
tāṃ dṛṣṭvā paramāṃ dīptiṃ divyajñānaṃ pravartate || 18.22 ||
Wenn dies beständig geworden ist, erscheint im Inneren Licht. Beim Anblick dieses höchsten Leuchtens entsteht göttliches Wissen.

18.23
svatantraśivatām eti bhuñjāno viṣayān api |
animīlitadivyākṣo yāvad āste muhūrtakam || 18.23 ||
Er gelangt zur unabhängigen Shivahaftigkeit, auch wenn er Sinnesgegenstände genießt. Verweilt er einen Augenblick mit ungeschlossenem göttlichem Auge,

18.24
tasmāt sarvagataṃ bhāvam ātmanaḥ pratipadyate |
tam eva bhāvayed yatnāt sarvasiddhiphalepsayā || 18.24 ||
erkennt er dadurch seinen eigenen alldurchdringenden Zustand. Eben diesen kultiviere er sorgfältig, wenn er die Früchte sämtlicher Vollkommenheiten begehrt.

18.25
tatas taṃ bhāvayed yogī kampamāno 'tyanulbaṇam |
tataḥ prapaśyate tejo lalāṭāgre samantataḥ || 18.25 ||
Der Yogi vergegenwärtige ihn dann, zitternd, jedoch nicht übermäßig heftig. Darauf sieht er vor der Stirn überall Licht.

18.26
dṛṣṭvā tatparamaṃ tejo divyajñānam avāpnuyāt |
ṣaḍbhir māsair anāyāsād vatsareṇa prasiddhyati || 18.26 ||
Hat er dieses höchste Licht gesehen, erlangt er göttliches Wissen, nach sechs Monaten mühelos; nach einem Jahr erreicht er Vollendung.

18.27
śivatulyabalo bhūtvā yatreṣṭaṃ tatra gacchati |
cetaḥ sarvagataṃ kṛtvā muhūrtād eva yogavit || 18.27 ||
Mit einer Shiva gleichen Kraft geht er, wohin er möchte. Macht der Yogakundige sein Bewusstsein alldurchdringend, erlangt er schon nach einem Augenblick

18.28
śakyāveśam avāpnoti prakampānubhavātmakam |
tatas tatra sthirībhūte māsamātreṇa yogavit || 18.28 ||
die Durchdringung durch Shakti, die sich als Erfahrung des Zitterns zeigt. Wenn dies beständig geworden ist, sieht der Yogakundige nach einem Monat

18.29
śāktaṃ prapaśyate tejaḥ sabāhyābhyantare sthiram |
tatra samyak suniṣpanne sarvendriyajam ādarāt || 18.29 ||
das zu Shakti gehörende Licht, außen und innen beständig. Ist dies vollkommen verwirklicht, [erlangt er] durch sorgfältige Hingabe die aus sämtlichen Sinnen entstehende

18.30
tatra sphuṭam avāpnoti vijñānam anivāritam |
sarvagaṃ cātra vijñeyaṃ yad akṣarthena saṃgatam || 18.30 || †
Erkenntnis dort deutlich und ungehindert. Als alldurchdringend ist hier das zu verstehen, was mit [»akṣartha«: unklarer Lesung der Vorlage] verbunden ist.
Textanmerkung: Die Vorlage liest »akṣarthena«; die genaue Bedeutung bleibt unsicher.

18.31
evamevedam ākhyātaṃ tattvaṃ paryāyabhedataḥ |
karmendriyāṇi buddhyantaṃ parityajya samastakam || 18.31 ||
Eben diese Wirklichkeit ist hier mit unterschiedlichen Bezeichnungen erklärt worden. Man lasse alle Handlungsvermögen bis hin zur Urteilskraft zurück.

18.32
bhāvayet paramāṃ śaktiṃ sarvatraiva vicakṣaṇaḥ |
niścalaṃ tu manaḥ kṛtvā yāvat tanmayatāṃ gataḥ || 18.32 ||
Der Einsichtige vergegenwärtige überall die höchste Shakti. Er mache den Geist unbewegt, bis er ganz ihr Wesen angenommen hat.

18.33
tāvat sarvagata bhāvaṃ kṣaṇamātrāt prapadyate |
nirdahya pāśajālāni yatheṣṭaṃ phalam āpnuyāt || 18.33 ||
Dann erreicht er innerhalb eines Augenblicks den alldurchdringenden Zustand; nachdem er das Netz der Fesseln verbrannt hat, erlangt er die gewünschte Frucht.

18.34
tasmāt samabhyased enaṃ kṛtvā niścayam ātmanaḥ |
yatrādhāravinirmukto jīvo layam avāpsyati || 18.34 ||
Darum übe man dies mit innerer Entschlossenheit. Der Ort, an dem das Lebewesen ohne Stütze zur Auflösung gelangt,

18.35
tatsthānaṃ sarvamantrāṇām utpattikṣetram iṣyate |
dvividhaṃ tatparijñeyaṃ bāhyābhyantarabhedataḥ || 18.35 ||
gilt als Ursprungsfeld sämtlicher Mantras. Er ist nach äußerem und innerem [Bereich] zweifach zu erkennen.

18.36
prayātavādhikāḷmātrā sā jñeyā sarvasiddhidā |
athavā gacchatas tasya svapnavṛttyā vicakṣaṇaḥ || 18.36 || †
[Der erste Halbvers ist sprachlich gestört; er bezeichnet eine »mātrā«, der alle Vollkommenheiten zugeschrieben werden.] Oder der Einsichtige soll bei seinem Fortgehen, entsprechend dem Verlauf des Traumes,
Textanmerkung: Die Vorlage enthält die gestörte Zeichenfolge »prayātavādhikāḷmātrā«. Sie wird als Vorlagenbefund bewahrt; die deutsche Wiedergabe folgt dem erkennbaren Satzsinn.

18.37
nirodhaṃ madhyame sthāne kurvīta kṣaṇamātrakam |
paśyate tatra cicchaktiṃ tuṭimātrām akhaṇḍitām || 18.37 ||
für einen Augenblick im mittleren Ort ein Anhalten bewirken. Dort sieht er die ungeteilte Bewusstseinskraft, nur einen winzigen Zeitmoment umfassend.

18.38
tad eva paramaṃ tattvaṃ tasmāj jātam idaṃ jagat |
sa eva mantradehas tu sidhhayogīśvarīmate || 18.38 ||
Eben dies ist die höchste Wirklichkeit; aus ihr ist diese Welt entstanden. Im Siddhayogishvarimata gilt sie selbst als Mantrakörper.

18.39
tenaivāliṅgitā mantrāḥ sarvasiddhiphalapradāḥ |
īṣadvyāvṛttavarṇas tu heyopādeyavarjitaḥ || 18.39 ||
Von ihr umfasst verleihen die Mantras die Früchte aller Vollkommenheiten. Wenn [die Aufmerksamkeit] geringfügig von den Lauten abgewandt und frei von Aufzugebendem und Anzunehmendem ist,

18.40
yāṃ saṃvittim avāpnoti śivatattvaṃ tad ucyate |
tatra cittaṃ sthirīkurvan sarvajñatvam avāpnuyāt || 18.40 ||
heißt das dabei erlangte Gewahrsein Shiva-Prinzip. Wer das Bewusstsein darin festigt, erlangt Allwissenheit.

18.41
tatraiva divyacihnāni paśyate ca na saṃśayaḥ |
yatraiva kutra cid gātre vikāra upajāyate || 18.41 ||
Dort sieht er auch zweifellos göttliche Zeichen. Wo auch immer in einem Körperglied eine Veränderung entsteht,

18.42
saṃkalpapūrvako devi tat tattvaṃ tattvam uttamam |
tad abhyasen mahāyogī sarvajñatvajigīṣayā || 18.42 ||
die einer inneren Ausrichtung vorausgeht beziehungsweise durch sie bestimmt ist, o Göttin, dort ist jene höchste Wirklichkeit. Der große Yogi übe sie, um Allwissenheit zu erlangen.

18.43
prāpnoti paramaṃ sthānaṃ bhuktvā siddhiṃ yathepsitām |
gandhapuṣpādibhir yogī nityam ātmānam ādarāt || 18.43 ||
Er erreicht die höchste Stufe, nachdem er die gewünschte Vollkommenheit genossen hat. Der Yogi verehre täglich aufmerksam sich selbst mit Duftstoffen, Blumen und anderem,

18.44
brahmarandhrapradeśe tu pūjayed bhāvato 'pi vā |
dravaddravyasamāyogāt snapanaṃ tasya jāyate || 18.44 ||
im Bereich der Brahmaöffnung oder auch durch innere Vergegenwärtigung. Durch Berührung mit flüssiger Substanz erfolgt seine rituelle Waschung.

18.45
gandhapuṣpādigandhasya grahaṇaṃ yajanaṃ matam |
ṣaḍrasāsvādanaṃ tasya naivedyāya prakalpate || 18.45 ||
Das Wahrnehmen des Duftes von Duftstoffen, Blumen und anderem gilt als Verehrung; das Kosten der sechs Geschmäcke entspricht seiner Speisegabe.

18.46
yam evoccārayed varṇaṃ sa japaḥ parikīrtitaḥ |
tatra cetaḥ samādhāya dahyamānasya vastunaḥ || 18.46 ||
Jeder Laut, den er ausspricht, wird als Mantrawiederholung bezeichnet. Er sammle das Bewusstsein dort; solange er beim brennenden Gegenstand

18.47
jvālanatas tiṣṭhate yāvat tāvad dhomaḥ kṛto bhavet |
yad eva paśyate rūpaṃ tad eva dhyānam iṣyate || 18.47 ||
in dessen Aufflammen verweilt, ist das Feueropfer vollzogen. Jede Gestalt, die er sieht, gilt als Meditation.

18.48
prasaṅgād idam uddiṣṭam advaitayajanaṃ mahat |
udayārkasamābhāsam ūrdhvadvāre manaḥ sthiram || 18.48 ||
Beiläufig wurde damit die große nichtduale Verehrung erklärt. [Er halte] den Geist fest am oberen Tor, leuchtend wie die aufgehende Sonne,

18.49
hṛdi vāḷtat tathā kuryād dvādaśānte 'thavāpnuyāt |
tato māsārdhamātreṇa tadrūpam upalabhyate || 18.49 || †
oder ebenso im Herzen beziehungsweise am Dvadashanta. Nach einem halben Monat wird diese Gestalt wahrgenommen.
Textanmerkung: Die Vorlage enthält die gestörte Zeichenfolge »vāḷtat«. Sie wird als Vorlagenbefund bewahrt; die deutsche Wiedergabe folgt dem erkennbaren Satzsinn.

18.50
upalabdhaṃ tad abhyasya sarvajñatvāya kalpate |
vastreṇa mukham ācchādya yogī lakṣye niyojayet || 18.50 ||
Hat er sie wahrgenommen und übt sie weiter, führt dies zur Allwissenheit. Der Yogi bedecke sein Gesicht mit einem Tuch und richte [das Bewusstsein] auf den Betrachtungsgegenstand.

18.51
nābhikandād adhastāt tu yāvat tattvaṃ śikhāv adhi |
sūkṣmatārakasaṃkāśaṃ raśmijvālākarālitam || 18.51 ||
[Er betrachte ihn] von unterhalb der Nabelknolle bis hinauf zur Spitze, einem winzigen Stern gleichend und von flammenden Strahlen umgeben.

18.52
prāṇaśaktyavasāne tu paśyate rūpam ātmanaḥ |
tad evābhyāsato devi vikāsam upagacchati || 18.52 ||
Am Ende der Lebenskraft sieht er seine eigene Gestalt. Durch Übung entfaltet eben diese sich, o Göttin.

18.53
tanmukhaṃ sarvamantrāṇāṃ sarvatantreṣu paṭhyate |
tato 'sya māsamātreṇa kā cit saṃvittir iṣyate || 18.53 ||
Sie wird in allen Tantras als Eingang sämtlicher Mantras bezeichnet. Nach einem Monat wird ihm eine bestimmte Bewusstheit zugesprochen,

18.54
yataḥ sarvaṃ vijānāti hṛdaye saṃvyavasthitaṃ |
tāṃ jñātvā kasya cid yogī na samyak pratipādayet || 18.54 ||
durch die er alles im Herzen Befindliche erkennt. Hat der Yogi sie erkannt, soll er sie niemandem vollständig mitteilen.

18.55
adhyāyāt kathanaṃ kuryān nākāle mṛtyum āpnuyāt |
mṛto 'pi śvabhrasaṃghāte krameṇa paripacyate || 18.55 || †
[Die Formulierung über die Weitergabe ist in der Vorlage unklar.] Er soll keinen vorzeitigen Tod erleiden; auch nach dem Tod wird [der unrechtmäßig Lehrende] der Reihe nach in einer Vielzahl von Höllengruben gequält.
Textanmerkung: Die überlieferte Formulierung »adhyāyāt kathanaṃ kuryān nākāle« ist in diesem Zusammenhang unklar. Der Sinn wird nur teilweise wiedergegeben.

18.56
evaṃ jñātvāḷmahādevi svahitaṃ samupārjayet |
śiṣyo 'py anyāyato gṛhṇan narakaṃ pratipadyate || 18.56 || †
Dies wissend, große Göttin, soll man für das eigene Wohl sorgen. Auch ein Schüler, der [das Wissen] unrechtmäßig empfängt, gelangt in die Hölle.
Textanmerkung: Die Vorlage enthält die gestörte Zeichenfolge »jñātvāḷmahādevi«. Sie wird als Vorlagenbefund bewahrt; die deutsche Wiedergabe folgt dem erkennbaren Satzsinn.

18.57
na ca tatkālam āpnoti vacas tv avitathaṃ mama |
nyāyena jñānam āsādya paścān na pratipadyate || 18.57 ||
Er erreicht auch nicht dessen rechte Zeit [unklare Formulierung]; mein Wort ist wahr. Wenn er das Wissen rechtmäßig erhalten hat, sich danach aber nicht entsprechend verhält,

18.58
tadā tasya prakurvīta vijñānāpahṛtiṃ budhaḥ |
dhyātvā tam agrataḥ sthāpya svarūpeṇaiva yogavit || 18.58 ||
soll der Verständige ihm das Wissen entziehen. Der Yogakundige stelle ihn meditativ in seiner eigenen Gestalt vor sich hin.

18.59
ṣaḍvidhaṃ vinyasen mārgaṃ tasya dehe puroktavat |
tatas taṃ dīpam ālokya tadaṅguṣṭhāgrataḥ kramāt || 18.59 ||
Er setze den sechsfachen Wirklichkeitspfad wie zuvor in dessen Körper ein. Dann betrachte er jenes Licht und führe es von der Spitze seines großen Zehs aus der Reihe nach

18.60
nayet tejaḥ samāhṛtya dvādaśāntam ananyadhīḥ |
tatas taṃ tatra saṃcintya śivenaikatvam āgatam || 18.60 ||
gesammelt und mit ungeteilter Aufmerksamkeit zum Dvadashanta. Dort stelle er sich dieses als mit Shiva eins geworden vor.

18.61
tatra dhyāyet tamorūpaṃ tirobhāvanaśīlanam |
patantīṃ tena mārgeṇa hy aṅguṣṭhāgrāntam āgatām || 18.61 ||
Dort meditiere er über eine Dunkelheitsgestalt mit der Wirkung der Verhüllung, die auf demselben Weg bis zur Spitze des großen Zehs hinabsinkt.

18.62
sabāhyābhyantaraṃ dhyāyen niviḍāñjanasaprabhām |
anena vidhinā tasya mūḍhabuddher durātmanaḥ || 18.62 ||
Er betrachte sie außen und innen, mit dem Glanz dichter schwarzer Augensalbe. Durch dieses Verfahren werden für jenen verwirrten, übelgesinnten Menschen

18.63
vijñānamantravidyādyā na kurvanty upakāritām |
cittābhisandhimātreṇa hy adṛṣṭasyāpi jāyate || 18.63 ||
Wissen, Mantras, Vidyas und die übrigen [Kräfte] keine Hilfe mehr leisten. Dies geschieht allein durch geistige Ausrichtung auch bei jemandem, den man nicht gesehen hat,

18.64
kathaṃ cid upalabdhasya nityam evāpakāriṇaḥ |
athavā sūryabimbābhaṃ dhyātvā vicchedyam agrataḥ || 18.64 ||
der aber auf irgendeine Weise bekannt geworden ist und beständig Schaden zufügt. Oder man stelle denjenigen, dessen Verbindung gelöst werden soll, vor sich als sonnenscheibengleich vor.

18.65
svarbhānurūpayā śaktyā grastaṃ tam anucintayet |
aparādhasahasrais tu kopena mahtānvitah || 18.65 ||
Man betrachte ihn als von einer Shakti in Rahus Gestalt verschlungen. Durch tausend Verfehlungen zu großem Zorn gebracht,

18.66
vidhim enaṃ prakurvīta krīḍārthaṃ na tu jātu cit |
anena vidhinā bhraṣṭo vijñānād apareṇa ca || 18.66 ||
soll man dieses Verfahren anwenden, niemals aber zum Spiel. Wer durch dieses Verfahren vom Wissen abgefallen ist, kann von einem anderen

18.67
na śakyo yojituṃ bhūyo yāvat tenaiva noddhṛtaḥ |
karuṇākṛṣṭacittas tu tasya kṛtvā viśodhanam || 18.67 ||
nicht erneut damit verbunden werden, solange nicht derselbe [Lehrer] ihn wieder erhebt. Wird dessen Herz von Mitgefühl bewegt, soll er ihn reinigen

18.68
prāṇāyāmādibhis tīvraiḥ prāyaścittaiṛ vidhiśrutaiḥ |
tatas tasya prakurvīta dīkṣāṃ pūrvoktavartmanā || 18.68 ||
durch intensive Atemregelung und die in den Vorschriften gelehrten Sühneübungen. Danach erteile er ihm die Einweihung auf dem früher beschriebenen Weg.

18.69
tataḥ sarvam avāpnoti phalaṃ tasmād ananyadhīḥ |
evaṃ jñātvā prayatnena gurum āsādayet sudhīḥ || 18.69 ||
Dann erlangt er mit ungeteilter Aufmerksamkeit daraus sämtliche Früchte. In diesem Wissen soll der Verständige sorgfältig einen Lehrer aufsuchen,

18.70
yataḥ saṃtoṣa utpannaḥ śivajñānāmṛtātmakaḥ |
na tasyānveṣayed vṛttaṃ śubhaṃ vā yadi vāśubham || 18.70 ||
durch den Zufriedenheit entsteht, bestehend im Nektar des Shiva-Wissens. Er soll dessen Verhalten nicht daraufhin untersuchen, ob es gut oder schlecht ist.

18.71
sa eva tad vijānāti yuktaṃ vāyuktam eva vā |
akāryeṣu yadā saktaḥ prāṇadvayāpahāriṣu || 18.71 ||
Dieser selbst weiß, was angemessen oder unangemessen ist. Wenn er jedoch an unerlaubten Handlungen hängt, welche die beiden Leben [Leib und geistiges Leben] gefährden,

18.72
tadā nivāraṇīyo 'sau praṇatena vipaścitā |
tenātivāryamāṇo 'pi yady asau na nivartate || 18.72 ||
soll der Einsichtige ihn ehrerbietig davon abhalten. Wenn er trotz wiederholter Mahnung nicht davon ablässt,

18.73
tadānyatra kva cid gatvā śivam evānucintayet |
eṣa yogavidhiḥ proktaḥ samāsād yogināṃ hitaḥ || 18.73 ||
soll man anderswohin gehen und allein Shiva betrachten. Damit ist kurz das den Yogis dienliche Yogaverfahren erklärt.

18.74
nātra śuddhir na cāśuddhir na bhakṣyādivicāraṇam |
na dvaitaṃ nāpi cādvaitaṃ liṅgapūjādikaṃ na ca || 18.74 ||
Hier gibt es weder Reinheit noch Unreinheit, keine Prüfung erlaubter Speisen und Ähnlichem, weder Dualität noch Nichtdualität und keine Lingaverehrung oder Vergleichbares,

18.75
na cāpi tatparityāgo niṣparigrahatāpi vā |
saparigrahatā vāpi jaṭābhasmādisaṃgrahaḥ || 18.75 ||
aber auch nicht deren Aufgabe, weder Besitzlosigkeit noch Besitz, weder das Annehmen von verfilztem Haar und Asche

18.76
tattyāgo na vratādīnāṃ caraṇācaraṇaṃ ca yat |
kṣetrādisaṃpraveśaś ca samayādiprapālanam || 18.76 ||
noch deren Ablegen, weder das Einhalten noch das Nichteinhalten von Gelübden, weder das Betreten heiliger Stätten noch die Bewahrung von Verpflichtungen,

18.77
parasvarūpaliṅgādi nāmagotrādikaṃ ca yat |
nāsmin vidhīyate kiṃ cin na cāpi pratiṣidhyate || 18.77 ||
auch nicht Kennzeichen der Gestalt anderer, Namen, Abstammung und Ähnliches. Hier wird nichts davon vorgeschrieben und nichts davon verboten.

18.78
vihitaṃ sarvam evātra pratiṣiddham athāpi vā |
kiṃ tv etad atra deveśi niyamena vidhīyate || 18.78 ||
Alles ist hier erlaubt oder auch verboten. Doch dieses eine, o Herrin der Götter, wird hier verbindlich vorgeschrieben:

18.79
tattve cetaḥ sthirīkāryaṃ suprayatnena yoginā |
tac ca yasya yathaiva syāt sa tathaiva samācaret || 18.79 ||
Der Yogi soll das Bewusstsein mit großer Sorgfalt in der Wirklichkeit festigen. Auf welche Weise dies einem Menschen gelingt, entsprechend soll er handeln.

18.80
tattve niścalacittas tu bhuñjāno viṣayān api |
na saṃspṛśyeta doṣaiḥ sa padmapatram ivāmbhasā || 18.80 ||
Wer mit unbewegtem Bewusstsein in der Wirklichkeit ruht, wird selbst beim Genuss von Sinnesgegenständen nicht von Fehlern berührt, wie ein Lotusblatt nicht vom Wasser.

18.81
viṣāpahārimantrādisaṃnaddho bhakṣayann api |
viṣaṃ na muhyate tena tadvad yogī mahāmatiḥ || 18.81 ||
Wer durch giftbeseitigende Mantras und Ähnliches geschützt ist, wird selbst beim Essen von Gift dadurch nicht verwirrt; ebenso [verhält es sich mit] dem einsichtigen Yogi.

18.82
ity etat kathitaṃ devi kim anyat paripṛcchasi || 18.82 ||
Dies ist dir erklärt, o Göttin. Wonach fragst du noch?

Überlieferte Schlussformel
iti śrīmālinīvijayottare tantre paramavidyādhikāro 'ṣṭādaśaḥ
Damit endet im erhabenen Malinivijayottara Tantra der 18. Abschnitt: Höchstes Wissen und innere Verehrung.

Kapitel 19: Der Kula-Kreis

Überlieferte Kapitelüberschrift
kulacakrādhikāra ekonaviṃśaḥ
Neunzehnter Abschnitt: Kula-Kreis.

19.1
athainaṃ paramaṃ yogavidhim ākarṇya śāṅkarī |
punar āha prasannāsyā praṇipatya jagadgurum || 19.1 ||
Nachdem Shankari dieses höchste Yogaverfahren gehört hatte, verneigte sie sich vor dem Weltenlehrer und sprach erneut mit heiterem Gesicht.

19.2
sādhyatvena śrutā deva bhinnayonis tu mālinī |
vidyātrayaṃ savidyāṅgaṃ vidhivac cāvadhāritam || 19.2 ||
O Gott, ich habe gehört, wie Malini mit unterschiedenen Ursprüngen verwirklicht wird, und die drei Vidyas samt ihren Gliedern vorschriftsgemäß verstanden.

19.3
adhunā śrotum icchāmi hy abhinnā sādhyate katham |
hitāya sādhakendrāṇāṃ prasādād vaktum arhasi || 19.3 ||
Nun möchte ich hören, wie die ungeteilte [Malini] verwirklicht wird. Aus Gnade mögest du dies zum Wohl der hervorragenden Praktizierenden erklären.

19.4
evam ukto maheśānyā jagatāṃ patir ādarāt |
vikasadvadanāmbhojaḥ pratyuvāca vaco 'mṛtam || 19.4 ||
So von der großen Herrin angesprochen, antwortete der Herr der Welten aufmerksam, mit aufblühendem Lotusgesicht, in nektargleichen Worten.

19.5
ārirādhayiṣuḥ śaṃbhuṃ kuloktavidhinā budhaḥ |
kulacakraṃ yajed ādau budho dīkṣoktavartmanā || 19.5 ||
Der Verständige, der Shambhu nach der im Kula gelehrten Vorschrift verehren möchte, verehre zuerst den Kula-Kreis auf dem bei der Einweihung beschriebenen Weg.

19.6
tato japet parām śaktiṃ lakṣam ekam akhaṇḍitam |
parābījapuṭāntaḥsthāṃ na drutāṃ na vilambitām || 19.6 ||
Dann wiederhole er die höchste Shakti hunderttausendmal ohne Unterbrechung, von den Keimsilben der Para umschlossen, weder zu schnell noch zu langsam.

19.7
tadvat khaṇḍāṣtakaṃ cāsyā lakṣaṃ lakṣam akhaṇḍitam |
japet kuleśvarasyāpi lakṣaṣaṭkam ananyadhīḥ || 19.7 ||
Ebenso [wiederhole er] ihre acht Abschnitte jeweils hunderttausendmal ohne Unterbrechung; auch [den Mantra] des Kuleshvara wiederhole er sechshunderttausendmal mit ungeteilter Aufmerksamkeit.

19.8
homayitvā daśāṃśena dravyaṃ pūrvoditaṃ budhaḥ |
nityānusmṛtiśīlasya vāksiddhiḥ saṃprajāyate || 19.8 ||
Nachdem der Verständige mit einem Zehntel [dieser Zahl] das zuvor genannte Material im Feuer geopfert hat, entsteht ihm bei beständiger Vergegenwärtigung die Vollkommenheit der Rede.

19.9
svakule japayuktasya aśaktasyāpi sādhane |
bhavanti kanyasā devi saṃsāre bhogasaṃpadaḥ || 19.9 ||
Wer innerhalb seines eigenen Kula Mantrawiederholung übt, dem entstehen auch ohne Fähigkeit zur vollständigen Verwirklichung, o Göttin, die geringeren Güter des Genusses im Daseinskreislauf.

19.10
śaktas tu sādhayet siddhiṃ madhyamām uttamām api |
kṛtasevāvidhiḥ pṛthvīṃ bhramed udbhrāntapantrivat || 19.10 ||
Wer dazu fähig ist, verwirkliche die mittlere oder auch die höchste Vollkommenheit. Nachdem er den Dienst vollzogen hat, durchwandere er die Erde wie ein umherirrender Vogel.

19.11
nagare pañcarātraṃ tu trirātraṃ pattane tu vai |
grāme 'pi caikarātraṃ tu sthitvainaṃ vidhim ācaret || 19.11 ||
Er verweile fünf Nächte in einer Stadt, drei Nächte in einem Handelsort und eine Nacht in einem Dorf und vollziehe dieses Verfahren.

19.12
yan nāmādyakṣaraṃ yatra varge tat tasya vastunaḥ |
kulam uktaṃ vidhānajñair nagarāder na saṃśayaḥ || 19.12 ||
Zu welcher Lautgruppe der Anfangsbuchstabe des Namens gehört, diese wird von den Vorschriftskundigen als Kula des betreffenden Gegenstands, einer Stadt oder Ähnlichem, bezeichnet.

19.13
yā yatra devatā varge vācyatve saṃvyavasthitā |
saiva tasya patitvena dhyeyā pūjyā ca sādhakaiḥ || 19.13 ||
Welche Gottheit in der jeweiligen Lautgruppe als deren bezeichnete Bedeutung gilt, eben diese sollen die Praktizierenden als deren Herrin betrachten und verehren.

19.14
tasya kiṃ cit samāsādya nagarādikam ādarāt |
svadigvargasthito bhūtvā cakraṃ yojya nijodaye || 19.14 ||
Hat er aufmerksam eine zu ihr gehörende Stadt oder einen anderen Ort erreicht, stelle er sich in den Bereich seiner eigenen Richtung und ordne den Kreis beim eigenen Aufgang an.

19.15
avā [lacuna] samekaika udite [lacuna] |
devatā māheśvara [lacuna] || 19.15 || †
[Mehrere Textlücken; erhalten sind Fragmente über das jeweilige Aufgehen, eine Gottheit und »māheśvara«. Ein zusammenhängender Satz ist nicht überliefert.]

19.16
krameṇaiva yathā rātrau [lacuna] tathāḷdivā |
svadiśi svodaye vargaṃ tam evānusmared budhaḥ || 19.16 || †
Der Reihe nach, wie nachts [Textlücke], ebenso tagsüber, vergegenwärtige der Verständige in seiner eigenen Richtung und beim eigenen Aufgang eben jene Lautgruppe.
Textanmerkung: Die Vorlage enthält die gestörte Zeichenfolge »tathāḷdivā«. Sie wird als Vorlagenbefund bewahrt; die deutsche Wiedergabe folgt dem erkennbaren Satzsinn.

19.17
tiṣṭhed anyodayaṃ yāvat tataḥ svāṃ diśam āśrayet |
svakulaṃ cintayan yāyāt taddeśakulam eva vā || 19.17 ||
Er verweile bis zum Aufgang einer anderen [Gruppe]; dann wende er sich seiner eigenen Richtung zu. Er gehe, sein eigenes Kula oder das Kula jenes Ortes betrachtend,

19.18
yāvad anyāṃ diśaṃ mantrī tatas tad anucintayet |
evaṃ yāvat svakaṃ sthānaṃ kulacakroktavartmanā || 19.18 ||
bis in eine andere Richtung; dann betrachte der Mantrakundige das entsprechende [Kula]. So [gehe er] nach dem beim Kula-Kreis beschriebenen Weg, bis er seinen eigenen Ort

19.19
bhramitvā punar āyāti pūrvakālakrameṇa ca |
tāvad āgatya deveśi tadeśakulanāyikā || 19.19 ||
nach dem Umherwandern wieder erreicht, entsprechend der früheren zeitlichen Abfolge. Dann wird, o Herrin der Götter, die Kula-Herrin jenes Ortes herbeikommen

19.20
daded bhakṣyādikaṃ kiṃ cid dāpayed vātha kena cit |
anena vidhinā yukto guptācāro dṛḍhavrataḥ || 19.20 ||
und ihm Speise oder etwas anderes geben oder durch jemanden geben lassen. Wer dieses Verfahren übt, sein Verhalten verborgen hält und fest im Gelübde steht,

19.21
yoginīmelakaṃ prāpya ṣaṇmāsenaiva siddhyati |
duṣkaro 'yaṃ vidhir devi sattvahīnair narādhamaiḥ || 19.21 ||
erreicht eine Zusammenkunft mit den Yoginis und erlangt bereits nach sechs Monaten Vollendung. Dieses Verfahren ist für Menschen ohne innere Stärke schwer auszuführen, o Göttin.

19.22
sarvasiddhikaro mukhyaḥ kulaśāstreṣu sarvataḥ |
athaikasminn api grāme pattane nagare 'pi vā || 19.22 ||
Es ist das vorzüglichste in sämtlichen Kula-Lehrschriften und bewirkt alle Vollkommenheiten. Oder [man verweile] in nur einem Dorf, Handelsort oder einer Stadt.

19.23
tad digbhāgaṃ samāśritya tad evajapate kulam |
tribhir abdair anāyāsāt sādhayed uttamaṃ phalam || 19.23 ||
Man nehme dort den entsprechenden Richtungsbereich ein und wiederhole eben jenes Kula. Nach drei Jahren verwirklicht man mühelos die höchste Frucht,

19.24
lokayātrāparityakto grāsamātraparigrahaḥ |
athavā nābhicakre tu dhyānacakraṃ kulātmakam || 19.24 ||
wenn man die gewöhnlichen Lebensgeschäfte aufgegeben hat und nur einen Bissen Nahrung annimmt. Oder [man betrachte] im Nabelrad den aus Kula bestehenden Meditationskreis.

19.25
cetasā bhramaṇaṃ kuryāt sarvakālakrameṇa tu |
tato 'sya vatsarārdhena dehāntaṃ yoginīkulam || 19.25 ||
Man lasse ihn im Geist entsprechend der gesamten zeitlichen Folge kreisen. Nach einem halben Jahr erscheint ihm dann im Körperinneren die Schar der Yoginis,

19.26
āvirbhavaty asaṃdehāt svavijñānaprakāśakam |
tenāvirbhūtamātreṇa yogī yogikule kulī || 19.26 ||
die zweifellos das eigene Wissen erhellt. Sobald sie erschienen ist, wird der Yogi zum Angehörigen des Yogikula,

19.27
bhaved api patir devi yogināṃ parameśvari |
athavā cintayed devi yakārādikramāṣṭakam || 19.27 ||
ja auch zum Herrn der Yogis, o Göttin, höchste Herrin. Oder, Göttin, er betrachte die acht mit dem Laut ya beginnenden [Gruppen]

19.28
svarūpeṇa prabhākārakarālākulavigraham |
tasya madhye kuleśānaṃ svabodhakam anusmaran || 19.28 ||
in ihrer eigenen Gestalt, deren Körper von mächtigen Lichtstrahlen erfüllt sind. In ihrer Mitte vergegenwärtige er den Kula-Herrn als denjenigen, der ihn zum Erwachen bringt.

19.29
sarvam eva ca tatpaścāc cakraṃ dīpaśikhākṛtim |
saṃbhūtaṃ cintayed yogī yoginīpadakāṅkṣayā || 19.29 ||
Danach betrachte der Yogi, der die Stufe der Yoginis ersehnt, den gesamten Kreis als zur Gestalt einer Lampenflamme geworden.

19.30
etasmin vyaktim āpanne piṇḍasthaṃ buddha ucyate |
tato 'syākasmikī devi mahāmudropajāyate || 19.30 ||
Wenn dies deutlich erscheint, heißt [dieser Zustand] »erwacht, im Körperganzen ruhend«. Dann entsteht ihm, o Göttin, unvermittelt die große Mudra.

19.31
śṛṅgāravīrakāruṇyaśokakopādayas tathā |
prabuddham etad uddiṣṭaṃ piṇḍastham amarārcite || 19.31 ||
Erotische Stimmung, Heldenmut, Mitgefühl, Trauer, Zorn und weitere [Regungen entstehen]. Dies wird als »weiter erwacht, im Körperganzen ruhend« bezeichnet, o von Unsterblichen Verehrte.

19.32
divasair abhiyuktasya tato 'sya bahubhir dinaiḥ |
dharāditattvabhāvānāṃ saṃvittir upajāyate || 19.32 ||
Wenn er viele Tage sorgfältig geübt hat, entsteht ihm die Bewusstheit der Zustände der Wirklichkeitsprinzipien, beginnend mit der Erde.

19.33
suprabuddhaṃ tad icchanti piṇḍasthaṃ jñānam uttamam |
cakraṃ ca triguṇāṣṭāram athavā tatra cintayet || 19.33 ||
Dieses höchste, im Körperganzen ruhende Wissen nennt man »vollständig erwacht«. Oder er betrachte dort einen Kreis mit dreimal acht Speichen,

19.34
kādihāntākṣarākrāntaṃ pūrvarūpaṃ sabindukam |
tatrāpi pūrvavat sarvaṃ kurvann etad phalaṃ labhet || 19.34 ||
besetzt mit den Lauten von ka bis ha, in der zuvor beschriebenen Gestalt und mit Bindu. Wenn er auch dort alles wie zuvor vollzieht, erlangt er dieselbe Frucht.

19.35
ādivarṇānvitaṃ vātha ṣoḍaśāram anusmaran |
madhyakrameṇa vā yogī pañcamaṃ cumbakādibhiḥ || 19.35 ||
Oder er vergegenwärtige einen sechzehnspeichigen [Kreis] mit den Anfangslauten; oder der Yogi [betrachte] in mittlerer Folge einen fünften mit den anziehenden [Kräften] und den übrigen. [Die knappe Zuordnung bleibt ohne Kommentar mehrdeutig.]

19.36
dvāsaptatisahasrāṇi nāḍīnāṃ nābhicakrake |
yataḥ piṇḍatvam āyānti tenāsau piṇḍa ucyate || 19.36 ||
Weil die zweiundsiebzigtausend Leitbahnen im Nabelrad zu einem Ganzen zusammenkommen, wird dieses »Pinda«, Körperganzes, genannt.

19.37
tatra sthitaṃ tu yaj jñeyaṃ piṇḍasthaṃ tad udāhṛtam |
a [lacuna] mala [lacuna] tkeśa [lacuna] kam || 19.37 || †
Das darin befindliche zu Erkennende heißt »Pindastha«, im Körperganzen ruhend. [Der zweite Halbvers ist nur in voneinander getrennten Fragmenten erhalten.]

19.38
vijvaratvam avāpnoti vatsareṇa yadṛcchayā |
cakrapañcakam etad dhi pūrvavad dhṛdaye sthitam || 19.38 ||
Nach einem Jahr erlangt er mühelos Freiheit von fiebernder Unruhe. Diese fünf Kreise, auf dieselbe Weise im Herzen befindlich,

19.39
padastham iti śaṃsanti caturvhedaṃ vicakṣaṇāḥ |
yatrārthāvagatir devi tat sthānaṃpadam ucyante || 19.39 ||
nennen die Einsichtigen das vierfach gegliederte »Padastha«, in der Stufe ruhend. Der Ort, an dem Bedeutung erkannt wird, o Göttin, heißt Pada.

19.40
catuṣkam atra vijñeyaṃ bhedaṃ pañcadaśātmakam |
sarvatobhadrasaṃsiddhau sarvatobhadratāṃ vrajet || 19.40 ||
Die Vierheit ist hier mit einer fünfzehnfachen Gliederung zu erkennen. Bei Vollendung des allseits Heilvollen gelangt er zur allseitigen Heilsamkeit.

19.41
jarāmaraṇanairguṇyanirmukto yogacintakaḥ |
vyāptāv api prasiddhāyāṃ māyādhastattvagocaraḥ || 19.41 ||
Der den Yoga Betrachtende wird frei von den Mängeln des Alters und Todes. Ist auch die Durchdringung vollendet, [erkennt er] den Bereich der Prinzipien unterhalb Mayas.

19.42
vetti tatpatitulyatvaṃ tadīśatvaṃ ca gacchati |
padasthe kiṃ tu candrābhaṃ pradīpābhaṃ na cintayet || 19.42 ||
Er erkennt [ihn], erlangt Gleichheit mit dessen Herrn und die Herrschaft darüber. Beim Padastha jedoch betrachte man [den Kreis] mondgleich und nicht wie eine Lampe.

19.43
etad evāmṛtaughena deham āpūrayat svakam |
cintitaṃ mṛtyunāśāya bhavatīti kim adbhutam || 19.43 ||
Wird eben dieser so betrachtet, dass er den eigenen Körper mit einer Nektarflut füllt, dient dies der Vernichtung des Todes – was wäre daran verwunderlich?

19.44
upalakṣaṇam etat te candrabimbādyudīritam |
yena yenaiva rūpeṇa cintyate parameśvarī || 19.44 ||
Die erwähnte Mondscheibe und die übrigen [Bilder] sind beispielhafte Kennzeichnungen. In welcher Gestalt auch immer die höchste Herrin betrachtet wird,

19.45
piṇḍasthādiprabhedeṣu tenaiveṣṭaphalapradā |
rūpam aiśvaram icchanti śivasyāśivahāriṇaḥ || 19.45 ||
in den Unterscheidungen von Pindastha und den übrigen [Zuständen], in eben dieser verleiht sie die gewünschte Frucht. Als Gestalt des Herrn gilt diejenige Shivas, der Unheil beseitigt,

19.46
yadbhrūmadhyasthitaṃ yasmāt tena tatravyavasthitam |
pañcakaṃ sūryasaṃkāśaṃ rūpastham abhidhīyate || 19.46 ||
die sich zwischen den Augenbrauen befindet. Deshalb heißt die dort befindliche, sonnengleiche Fünfergruppe »Rupastha«, in der Gestalt ruhend.

19.47
tatrāpi pūrvavat siddhir īśvarāntapadodbhavā |
rūpātītaṃ tu deveśi prāg evoktam anekadhā || 19.47 ||
Auch dort entsteht wie zuvor Vollendung aus den Stufen bis zum Herrn. Was die Gestalt übersteigt, o Herrin der Götter, ist bereits vielfach erklärt worden.

19.48
ity eṣā kulacakrasya samāsādvyāptir uttamā |
kathitā sarvasiddhyarthaṃ siddhayogīśvarīmate || 19.48 ||
Damit ist kurz die höchste Durchdringung des Kula-Kreises beschrieben, die im Siddhayogishvarimata allen Vollkommenheiten dient.

19.49
sarvadātha vibhedena pṛthagvarṇavibhedataḥ |
vidyādisarvasaṃsiddhyai yogināṃ yogam icchanti || 19.49 ||
Ferner wird für Yogis ein nach den einzelnen Lauten unterschiedener Yoga gelehrt, um sämtliche Vidyas und weitere [Kräfte] zu vollenden.

19.50
bhūyo 'pi saṃpradāyena varṇabhedaś ca kīrtyate |
strīrūpāṃ hṛdi saṃcintya sitavastrādibhūṣitām || 19.50 ||
Nochmals wird nach der Überlieferung die Unterscheidung der Laute erklärt. Man betrachte im Herzen eine weibliche Gestalt, mit weißen Gewändern und anderem geschmückt,

19.51
nābhicakropaviṣṭām tu candrakoṭisamaprabhām |
bījaṃ yat sarvaśāstrāṇāṃ tat tadā syād anāratam || 19.51 ||
auf dem Nabelrad sitzend und mit dem Glanz von zehn Millionen Monden. Das, was der Same sämtlicher Lehrschriften ist, [lasse man] dann ununterbrochen

19.52
svakīyenaiva vaktreṇa nirgacchat pravicintayet |
tārahāralatākāraṃ visphuratkiraṇākulam || 19.52 ||
aus dem eigenen Mund hervortreten und betrachte es als eine Kette funkelnder Perlen, umgeben von pulsierenden Strahlen,

19.53
varṇais tārakasaṃkāśair ārabdham amitādyuti |
māsārdhāc chāstrasaṃghātam udgiraty anivāritam || 19.53 ||
aus sternengleichen Lauten gebildet und von unermesslichem Glanz. Nach einem halben Monat trägt er ungehindert eine Fülle von Lehrschriften vor,

19.54
svapne māsāt samādhisthaḥ ṣaḍbhir māsair yathecchayā |
ucchinnāny api śāstrāṇi granthataś cārthato 'pi vā || 19.54 ||
nach einem Monat im Traum, nach sechs Monaten nach Belieben in Versenkung. Selbst verloren gegangene Lehrschriften, sowohl ihrem Wortlaut als auch ihrem Sinn nach,

19.55
jānāti vatsarād yogī yadi tanmayatāṃ gataḥ |
anuṣaṅgaphalaṃ caitat samāsād upavarṇitam || 19.55 ||
kennt der Yogi nach einem Jahr, wenn er ganz deren Wesen angenommen hat. Damit ist kurz die begleitende Frucht beschrieben.

19.56
vidyeśvarasamānatvasiddhir anyāś ca siddhayaḥ |
prativarnavibhedena yathedānīṃ tathocyate || 19.56 ||
Die Vollendung der Gleichheit mit einem Vidyeshvara und weitere Vollkommenheiten werden nun entsprechend der Unterscheidung der einzelnen Laute erklärt.

19.57
dhyātavyā yogibhir nityaṃ tattatphalabubhukṣubhiḥ |
vinyāsakramayogena trividhenāpi vartmanā || 19.57 ||
Yogis, welche die jeweilige Frucht genießen möchten, sollen beständig darüber meditieren, nach der Abfolge der Einsetzung auf jedem der drei Wege.

19.58
yo yatrāṅge sthito varṇaḥ kulaśaktisamudbhavaḥ |
taṃ tatraiva samādhāya svarūpeṇaiva yogavit || 19.58 ||
Welcher aus der Kula-Shakti hervorgegangene Laut sich in welchem Körperglied befindet, den setze der Yogakundige eben dort in seiner eigenen Gestalt ein.

Überlieferte Schlussformel
iti śrīmālinīvijayottare kulacakrādhikara ekonaviṃśaḥ samāptaḥ
Damit endet im erhabenen Malinivijayottara Tantra der 19. Abschnitt: Der Kula-Kreis.

Kapitel 20: Die Bestimmung der Mantras

Überlieferte Kapitelüberschrift
sarvamantranirṇayo viṃśo 'dhikāraḥ
Zwanzigster Abschnitt: Bestimmung sämtlicher Mantras.

20.1
atha piṇḍādibhedena śāktaṃ vijñānam ucyate |
yogināṃ yogasiddhyarthaṃ saṃkṣepān na tu vistarāt || 20.1 ||
Nun wird das zu Shakti gehörende Wissen nach Pinda und den weiteren Unterscheidungen erklärt, kurz und nicht ausführlich, damit die Yogis Vollendung im Yoga erlangen.

20.2
piṇḍaṃ śarīram ity uktaṃ tadvac chaktiśivātmanoḥ |
brahmānando balaṃ tejo vīryam ojaś ca kīrtyate || 20.2 ||
Pinda wurde als Körper bezeichnet; entsprechend werden für Shakti und Shiva Brahman-Wonne, Kraft, Glanz, Wirkmacht und Lebensstärke genannt.

20.3
ajñānena niruddhaṃ tad anādyeva sadātmanaḥ |
tadāvirbhūtaye sarvam aniruddhaṃ pravartate || 20.3 ||
Dies ist im Selbst seit anfangsloser Zeit durch Unwissenheit gehemmt. Damit es offenbar werde, kommt alles ungehemmt in Bewegung.

20.4
tenāvirbhāvyamānaṃ tat pūrvāvasthāṃ parityajat |
yāḥ saṃvittīr avāpnoti tā adhastāt prakīrtitāḥ || 20.4 ||
Wenn es dadurch offenbar wird und den früheren Zustand verlässt, erlangt es jene Bewusstseinsweisen, die zuvor beschrieben wurden.

20.5
tad eva padam icchanti sarvārthāvagatir yataḥ |
tasmāt saṃjāyate nityaṃ nityam eva śivātmanoḥ || 20.5 ||
Eben dieses nennt man Pada, weil daraus für Shiva und das Selbst beständig das Erkennen sämtlicher Gegenstände entsteht.

20.6
tad eva rūpam ity uktam ātmanaś ca vinaśvaram |
rūpātītaṃ tad evāhur yatokṣāviṣayaṃ param || 20.6 ||
Eben dieses wird als vergängliche Gestalt des Selbst bezeichnet. Als das die Gestalt Übersteigende nennt man dasselbe, sofern es höchste, den Sinnen unzugängliche [Wirklichkeit] ist.

20.7
bhāvanāṃ tasya kurvīta namaskṛtya guruṃ budhaḥ |
tāvad ālocayed vastu yāvat padam anāmayam || 20.7 ||
Nachdem er sich vor dem Lehrer verneigt hat, soll der Verständige es vergegenwärtigen. Er prüfe den Gegenstand so lange, bis [er] die leidfreie Stufe [erreicht].

20.8
naivaṃ na caivaṃ nāpy evaṃ nāpi caivam api sphuṭam |
cetasā yogayuktena yāvat tad idam apy alam || 20.8 ||
»Nicht so, nicht so, auch nicht so und ebenso gewiss nicht so« – mit im Yoga gesammeltem Bewusstsein [prüfe er], bis auch »jenes« und »dieses« genügen beziehungsweise aufhören. [Der Schluss ist elliptisch.]

20.9
kṛtvā tanmayam ātmānaṃ sarvākṣārthavivarjitam |
muhūrtaṃ tiṣṭhate yāvat tāvat kampaḥ prajāyate || 20.9 ||
Hat er sich selbst ganz damit erfüllt, frei von sämtlichen Sinnesgegenständen, und verweilt einen Augenblick, entsteht Zittern.

20.10
bhramaṇodbhavanidrāś ca kiṃ cid ānanda ity api |
tatra yatnena saṃdadhyāc cetaḥ paraphalecchayā || 20.10 ||
Auch Kreisen, Aufsteigen, Schlaf und ein gewisses Glück entstehen. Darauf richte er sorgfältig das Bewusstsein, wenn er die höchste Frucht wünscht.

20.11
tad etad ātmano rūpaṃ śivena prakaṭīkṛtam |
yatra tu yac ca vijñeyaṃ śivātmakam api sthitam || 20.11 ||
Dies ist die von Shiva offenbar gemachte Gestalt des Selbst. Was jeweils wo zu erkennen ist, besteht ebenfalls aus Shiva.

20.12
tadrūpodbalakatvena sthitim ity avadhārayet |
tatsamabhyasato nityaṃ sthūlapiṇḍādy upāśrayāt || 20.12 ||
Seine Beständigkeit ist als Stärkung dieser Gestalt zu verstehen. Wer es unablässig übt, erfährt durch die Stützung auf den groben Körper und die weiteren [Bereiche]

20.13
caturbhedatvam āyāti bhaktyābhinnam api svataḥ |
sthūlapiṇḍe dvidhā proktaṃ bāhyābhyantarabhedataḥ || 20.13 ||
eine vierfache Gliederung, obwohl es an sich ungeteilt ist. Beim groben Körper wird nach außen und innen eine Zweiteilung gelehrt.

20.14
bhautikaṃ bāhyam icchanti dvitīyaṃ cātivāhikam |
tatrādyopāśrayād yogī sasaṃvittir api sphuṭān || 20.14 ||
Als äußerlich gilt der aus den Elementen bestehende [Körper], als zweiter der übertragende [feine Körper]. Auf den ersten gestützt erfasst der Yogi mit Bewusstheit die deutlich erscheinenden

20.15
bāhyārthān saṃpragṛhṇāti kiṃ cid ādhyātmikān api |
dvitīyopāśrayāt tattvabhāvārthān saṃprapadyate || 20.15 ||
äußeren Gegenstände und auch einige inneren. Auf den zweiten gestützt erreicht er die Gegenstände der Zustände der Wirklichkeitsprinzipien.

20.16
īśate ca svadehāntaḥ pīṭhakṣetrādikaṃ sphuṭam |
svarūpālocanād asya yat kiṃ cid upajāyate || 20.16 ||
Er beherrscht deutlich die heiligen Sitze, Stätten und weiteren [Bereiche] im eigenen Körper. Was auch immer ihm aus der Betrachtung seines eigenen Wesens entsteht,

20.17
tatra cetaḥ sthirīkurvaṃs tad eva sakalaṃ labhet |
tena tatra na kurvīta caitad uttamavāñchayā || 20.17 ||
das erlangt er vollständig, wenn er das Bewusstsein darin festigt. Wer Höheres wünscht, soll sich deshalb nicht daran festhalten.

20.18
piṇḍadvayavinirmuktā kiṃ cit tadvāsanānvitā |
vijñānakevalāntasthā padam ity abhidhīyate || 20.18 ||
Frei von beiden Körpern, noch etwas von ihren Prägungen begleitet und innerhalb des reinen Erkenntniszustands befindlich, heißt [die Bewusstheit] Pada.

20.19
yata etām anuprāpto vijñānakramayogataḥ |
rūpodayātivijñānapadatvaṃ pratipadyate || 20.19 ||
Wer diese erreicht, gelangt durch die Stufenfolge der Erkenntnis zum Aufgehen der Gestalt und zur Stufe über der [gewöhnlichen] Erkenntnis. [Die Zusammensetzung ist in der Vorlage mehrdeutig.]

20.20
etac caturvidhaṃ jñeyaṃ caturdhārthapratiśrayāt |
sa ca tattvādisaṃvittipūrvas tatpatitāvadhiḥ || 20.20 ||
Dies ist als vierfach zu verstehen, weil es sich auf vier Arten von Gegenständen stützt, beginnend mit der Bewusstheit der Prinzipien und endend bei deren Herrschaft.

20.21
padabhāvavinirmuktā kiṃ cit tadanuvarjitā |
avasthā svasvarūpasya prakāśakaraṇī yataḥ || 20.21 ||
Der vom Zustand des Pada befreite, noch etwas von ihm begleitete Zustand macht das eigene Wesen offenbar.

20.22
tena sārūpyam ity uktā rūpasthaṃ yat tadānvitam |
uditādiprabhedena tad apy uktaṃ caturvidhaṃ || 20.22 ||
Deshalb wird er als Gestaltgleichheit bezeichnet; was mit ihm verbunden ist, heißt Rupastha. Auch dies wird nach Aufgehen und den weiteren [Stufen] vierfach erklärt.

20.23
jñānodayā ca deveśi mamatvāt tatphalapradam |
amunā kramayogena antarā yeṣu saṃdadhat || 20.23 ||
[Es umfasst] auch das Aufgehen der Erkenntnis, o Herrin der Götter, und verleiht durch die Aneignung seine Frucht. Wer auf diese Weise zwischen den [Stufen]

20.24
cetaḥ śuddham avāpnoti rūpātītaṃ paraṃ padam |
caturvidhaṃ tad apy uktaṃ saṃvittiphalabhedataḥ || 20.24 ||
das Bewusstsein rein ausrichtet, erlangt die höchste, gestaltjenseitige Stufe. Auch diese wird nach Unterschieden der Bewusstheit und ihrer Frucht als vierfach erklärt.

20.25
trividhaṃ tat samabhyasya sarvasiddhiphalecchayā |
caturthāt tu tanuṃ vyaktvā tatkṣaṇād apavṛjyate || 20.25 ||
Ihre drei [ersten Formen] übe man, wenn man sämtliche Vollkommenheitsfrüchte wünscht. Durch die vierte verlässt man den Körper und wird augenblicklich befreit.

20.26
iti piṇḍādi bhedena śivajñānam udāhṛtam |
yogābhyāsavidhānena mantravidyāgaṇaṃ śṛṇu || 20.26 ||
Damit ist das Shiva-Wissen nach Pinda und den weiteren Unterscheidungen erklärt. Höre nun von der Schar der Mantras und Vidyas gemäß dem Verfahren der Yogaübung.

20.27
pūrvoktavidhisaṃnaddhaḥ pradeśe pūrvacodite |
nābhyādipañcadeśānāṃ parārṇaṃ kvāpi cintayet || 20.27 ||
Mit dem zuvor beschriebenen Verfahren ausgestattet, betrachte man an einem der früher genannten fünf Orte, beginnend mit dem Nabel, den Laut der Para.

20.28
svarūpeṇa prabhābhāraprakāśitatanūdaram |
dīptibhis tasya tīvrābhir ā brahmabhuvanaṃ tataḥ || 20.28 ||
[Man betrachte ihn] in seiner eigenen Gestalt, deren Fülle von Licht das Körperinnere erhellt, und sodann mit seinen heftigen Strahlen bis zur Welt Brahmas reichend.

20.29
evaṃ saṃsmaratas tasya divasaiḥ saptabhiḥ priye |
rudraśaktisamāveśaḥ sumahān saṃprajāyate || 20.29 ||
Wer sich dies so vergegenwärtigt, erfährt nach sieben Tagen, Geliebte, eine überaus mächtige Durchdringung durch Rudras Shakti.

20.30
āviṣṭo bahuvākyāni saṃskṛtādīni jalpati |
mahāhāsyaṃ tathā geyaṃ śivaruditam eva ca || 20.30 ||
Von ihr durchdrungen spricht er zahlreiche Äußerungen in Sanskrit und anderen Sprachen, lacht laut, singt und weint in shivahafter Weise.

20.31
karoty āviṣṭacittas tu na tu jānāti kiṃ cana |
māsenaivaṃ yadā mukto yatra yatrāvalokayet || 20.31 ||
Mit durchdrungenem Bewusstsein tut er dies, weiß aber nichts davon. Wenn er nach einem Monat davon gelöst ist, sieht er überall, wohin er blickt,

20.32
tatra tatra diśaḥ sarvā īkṣate kiraṇākulāḥ |
yāṃ yām eva diśaṃ ṣaḍbhir māsair yuktas tu vīkṣate || 20.32 ||
sämtliche Richtungen von Strahlen erfüllt. In welche Richtung der Gesammelte nach sechs Monaten schaut,

20.33
nānākārāṇi rūpāṇi tasyāṃ tasyāṃ prapaśyati |
na teṣu saṃdadhec cetaḥ na cābhyāsaṃ parityajet || 20.33 ||
dort sieht er vielfältig gestaltete Erscheinungen. Er soll sein Bewusstsein nicht auf sie richten und die Übung nicht aufgeben.

20.34
kurvann etadvidhaṃ yogī bhīrur unmattako bhavet |
vīraḥ śaktim punar yāti pramādāt tadgato 'pi san || 20.34 ||
Ein furchtsamer Yogi, der dies ausführt, kann in Verwirrung geraten. Der Held gelangt wieder zu Shakti; auch wenn er sie erreicht hat, [kann er] durch Unachtsamkeit [zurückfallen].

20.35
vatsarād yogasaṃsiddhiṃ prāpnoti manasepsitām |
parāparām athaitasyā aparāṃ vā yathecchayā || 20.35 ||
Nach einem Jahr erlangt er die geistig gewünschte Yogavollendung. Statt ihrer [kann er] nach Wunsch Parapara oder Apara [betrachten],

20.36
sadbhāvaṃ mātṛsaṃghasya hṛdayaṃ bhairavasya vā |
navātmānam api dhyāyed ratiśekharam eva vā || 20.36 ||
das wahre Wesen der Mütterschar oder das Herz Bhairavas; auch Navatman oder Ratishekhara [Mantraname] kann er meditieren.

20.37
aghoryādyaṣṭakaṃ vāpi māheśyādikam eva vā |
amṛtādiprabhedena rudrān vā śaktayo 'pi vā || 20.37 ||
Oder die Achtergruppe mit Aghori oder die mit Maheshi beginnende, oder Rudras beziehungsweise Shaktis nach der mit Amrita beginnenden Unterscheidung.

20.38
sarve tulyabalāḥ proktā rudraśaktisamudbhavāḥ |
athavāmṛtapūrṇānāṃ prabhedaḥ procyate paraḥ || 20.38 ||
Alle werden als gleich mächtig bezeichnet, da sie aus Rudras Shakti hervorgegangen sind. Oder eine weitere Gliederung der mit Nektar Erfüllten wird erklärt.

20.39
prāṇasthaṃ parayākrāntaṃ pratyekam api dīpitam |
vidyāṃ prakalpayen mantraṃ prāṇākrāntaṃ parāsanam || 20.39 ||
Man bilde die Vidya als im Lebensatem befindlich, von Para durchdrungen und jeweils entflammt; den Mantra als vom Lebensatem durchdrungen und auf Para ruhend.

20.40
dvādaśārasya cakrasya ṣoḍaśārasya vā smaret |
aṣṭārasyāthavā devi tasya tredhā śatasya vā || 20.40 ||
Man betrachte [sie] in einem Rad mit zwölf oder sechzehn Speichen, oder, o Göttin, in einem achtspeichigen, in dessen dreifacher [Form] oder einem hundertfachen,

20.41
ṣaḍarasyāthavā mantrī yathā sarvaṃ tathā śṛṇu |
saṃkṣepād idam ākhyātaṃ sārdhaṃ cakraśatadvayam || 20.41 ||
oder, Mantrakundiger, in einem sechsspeichigen. Höre, wie dies alles beschaffen ist. Kurz sind damit zweihundertfünfzig Kreise erklärt.

20.42
etat triguṇātāṃ yāti strīpuṃyāmalabhedataḥ |
śāntyādikarmabhedena pratyekaṃ dvādaśātmatām || 20.42 ||
Nach weiblicher, männlicher und gepaarter Form werden sie dreifach; nach den Wirkungen, beginnend mit Befriedung, wird jeder zwölffach.

20.43
dakṣaś caṇḍo haraḥ śauṇḍī pramatho bhīmamanmathau |
śakuniḥ sumatir nando gopālo 'tha pitāmahaḥ || 20.43 ||
Daksha, Chanda, Hara, Shaundi, Pramatha, Bhima, Manmatha, Shakuni, Sumati, Nanda, Gopala und Pitamaha;

20.44
nandā bhadrā jayā kālī karālī vikṛtānanā |
kroṣṭakī bhīmamudrā ca vāyuvegā hayānanā || 20.44 ||
Nanda, Bhadra, Jaya, Kali, Karali, Vikritanana, Kroshtaki, Bhimamudra, Vayuvega und Hayanana,

20.45
gambhīrā ghoṣaṇī caiva dvādaśaitāḥ prakīrtitāḥ |
āgneyyādicatuṣkoṇā brahmāṇyādyā api priye || 20.45 ||
Gambhira und Ghoshani: Diese zwölf sind genannt. In den vier Ecken, beginnend mit Südosten, [stehen] auch Brahmani und die übrigen, Geliebte.

20.46
siddhir ṛddhis tathā lakṣmīr dīptir mālā śikhā śivā |
sumukhī vāmanī nandā harikeśī hayānanā || 20.46 ||
Siddhi, Riddhi, Lakshmi, Dipti, Mala, Shikha, Shiva, Sumukhi, Vamani, Nanda, Harikeshi, Hayanana,

20.47
viśveśī ca sumākhyā ca etā vā dvādaśa kramāt |
etāsāṃ vācakā jñeyāḥ svarāḥ ṣaṇṭhavivarjitāḥ || 20.47 || †
Vishveshi und Sumakhya – diese werden der Reihe nach als zwölf bezeichnet. [Die überlieferte Liste enthält mehr Namen als die genannte Zahl.] Als ihre bezeichnenden Laute sind die Vokale ohne die »geschlechtslosen« zu erkennen.
Textanmerkung: Die überlieferte Namensliste und die anschließend genannte Zahl zwölf stimmen bei einfacher Einzelzählung nicht überein.

20.48
ṣoḍaśāre 'mṛtādyāś ca strīpuṃpāṭhaprabhedataḥ |
śrīkaṇṭho 'nantasūkṣmau ca trimūrtiḥ śarvarīśvaraḥ || 20.48 ||
Im sechzehnspeichigen [Rad stehen] Amrita und die übrigen nach weiblicher und männlicher Lesung: Shrikantha, Ananta, Sukshma, Trimurti, Sharvarishvara,

20.49
argheśo bhārabhūtiś ca sthitiḥ sthāṇur haras tathā |
jhiṇṭhīśo bhautikaś caiva sadyojātas tathāparaḥ || 20.49 ||
Arghesha, Bharabhuti, Sthiti, Sthanu, Hara, Jhinthisha, Bhautika und als weiterer Sadyojata,

20.50
anugraheśvaraḥ krūro mahāseno 'tha ṣoḍaśa |
siddhir ṛddhir dyutir lakṣmī meghā kāntiḥ svadhā dhṛtiḥ || 20.50 ||
Anugraheshvara, Krura und Mahasena: sechzehn. Siddhi, Riddhi, Dyuti, Lakshmi, Megha, Kanti, Svadha, Dhriti,

20.51
dīptiḥ puṣṭir matiḥ kīrtiḥ saṃsthitiḥ sugatiḥ smṛtiḥ |
suprabhā ṣoḍaśī ceti śrīkaṇṭhādikaśaktayaḥ || 20.51 ||
Dipti, Pushti, Mati, Kirti, Samsthiti, Sugati, Smriti und als sechzehnte Suprabha sind die Shaktis von Shrikantha und den übrigen.

20.52
ṣoḍaśāre svarā jñeyā vācakatvena sarvataḥ |
aghorādyās tathāṣṭāre aghoryādyāś ca devatāḥ || 20.52 ||
Im sechzehnspeichigen [Rad] sind überall die Vokale als bezeichnende Laute zu kennen; im achtspeichigen die Gottheiten mit Aghora beziehungsweise Aghori beginnend,

20.53
māheśyādyās tathā devi caturviṃśaty ataḥ śṛṇu |
nandādikāḥ kramāt sarvā brahmāṇyādyās tathaiva ca || 20.53 ||
ebenso mit Maheshi beginnend, o Göttin. Höre nun von den vierundzwanzig: alle mit Nanda beginnenden der Reihe nach und ebenso die mit Brahmani beginnenden.

20.54
saṃvarto lakulīkaś ca bhṛguḥ śveto bakas tathā |
khaḍgī pinākī bhujago navamo balir eva ca || 20.54 ||
Samvarta, Lakulika, Bhrigu, Shveta, Baka, Khadgi, Pinaki, Bhujaga und als neunter Bali,

20.55
mahākālo dviraṇḍaś ca cchagalāṇḍaḥ śikhī tathā |
lohito meṣamīnau ca tridaṇḍyāṣāḍhināmakau || 20.55 ||
Mahakala, Dviranda, Chhagalanda, Shikhi, Lohita, Mesha, Mina, die beiden namens Tridandi und Ashadhi,

20.56
umākānto 'rdhanārīśo dāruko lāṅgalī tathā |
tathā someśaśarmāṇau caturvimśaty amī matāḥ || 20.56 ||
Umakanta, Ardhanarisha, Daruka, Langali sowie Somesha und Sharman: Diese gelten als vierundzwanzig.

20.57
kādibhāntāḥ parijñeyā aṣṭāre yādyam aṣṭakam |
makāro bindurūpasthaḥ sarveṣām upari sthitaḥ || 20.57 ||
Die Laute von ka bis bha sind [ihnen] zuzuordnen; im achtspeichigen [Rad] die mit ya beginnende Achtergruppe. Der Laut ma befindet sich in Bindugestalt oberhalb aller.

20.58
juṃkāro 'tha tathā svāhā ṣaḍare ṣaṭ krameṇa tu |
baliś ca balinandaś ca daśagrīvo haro hayaḥ || 20.58 ||
Dann der Laut juṃ und ebenso svāhā; im sechsspeichigen [Rad stehen] der Reihe nach sechs: Bali, Balinanda, Dashagriva, Hara, Haya

20.59
mādhavaś ca mahādevi ṣaṣṭhaḥ saṃparikīrtitaḥ |
viśvā viśveśvarī caiva hārādrī vīranāyikā [hāraudrī?] || 20.59 || †
und als sechster Madhava, große Göttin. [Die weibliche Gruppe lautet:] Vishva, Vishveshvari, Haradri [unsichere Lesung; die Vorlage schlägt »haraudrī« vor], Viranayika,

20.60
ambā gurveti yoginyo bījais tair eva ṣaṭ smṛtāḥ |
anyonyavalitāḥ sarve svāmyāvaraṇabhedataḥ || 20.60 ||
Amba und Gurvi: Diese sechs Yoginis werden mit denselben Keimsilben überliefert. Alle sind miteinander verschränkt, unterschieden nach Herrschaft und Umfassung.

20.61
akārādikṣakārāntāḥ sarvasiddhiphalapradāḥ |
dhyānārādhanayuktānāṃ yogināṃ mantriṇām api || 20.61 ||
Von a bis ksha verleihen sie sämtliche Vollkommenheitsfrüchte den Yogis und Mantrakundigen, die sich Meditation und Verehrung widmen.

20.62
athavā sarvacakrāṇāṃ madhye vidyāṃ yathepsitām |
mantraṃ vā pūrvam uddiṣṭaṃ japan dhyāyan prasiddhyati || 20.62 ||
Oder man wiederholt und meditiert in der Mitte aller Kreise eine gewünschte Vidya oder einen zuvor genannten Mantra und erlangt dadurch Vollendung.

20.63
iti saṃkṣepataḥ proktaṃ sarvakāmaphalapradam || 20.63 ||
Damit ist kurz erklärt, was die Früchte sämtlicher Wünsche verleiht.

Überlieferte Schlussformel
iti śrīmālinīvijayottare sarvamantranirṇayo nāma viṃśatitamo 'dhikāraḥ samāptaḥ
Damit endet im erhabenen Malinivijayottara Tantra der 20. Abschnitt: Die Bestimmung der Mantras.

Kapitel 21: Das Heranziehen des Mondes

Überlieferte Kapitelüberschrift
candrākṛṣṭyadhikāra ekaviṃśatitamaḥ
Einundzwanzigster Abschnitt: Heranziehen des Mondes.

21.1
athātaḥ paramaṃ guhyaṃ śivajñānāmṛtottamam |
vyādhimṛtyuvināśāya yoginām upavarṇyate || 21.1 ||
Nun wird den Yogis das höchste Geheimnis beschrieben, der vorzügliche Nektar des Shiva-Wissens zur Vernichtung von Krankheit und Tod.

21.2
ṣoḍaśāre khage cakre candrakalpitakarṇike |
svarūpeṇa parāṃ tatra sravantīm amṛtaṃ smaret || 21.2 ||
In einem sechzehnspeichigen Rad im Raum, dessen Fruchtboden als Mond vorgestellt wird, betrachte man Para in ihrer eigenen Gestalt, Nektar ausströmend.

21.3
pūrvanyāsena saṃnaddhaḥ kṣaṇam ekaṃ vicakṣaṇaḥ |
tatas tu rasanāṃ nītvā lambake viniyojayat || 21.3 ||
Der Einsichtige sei mit der zuvor beschriebenen Einsetzung ausgestattet; nach einem Augenblick führe er die Zunge zum Gaumenzäpfchen und lege sie dort an.

21.4
sravantam amṛtaṃ divyaṃ candrabimbasitaṃ smaret |
mukham āpūryate tasya kiṃ cil lavaṇavāriṇā || 21.4 ||
Er betrachte den ausströmenden göttlichen Nektar als weiß wie die Mondscheibe. Sein Mund füllt sich mit etwas salzigem Wasser.

21.5
lohagandhena tac cātra na pibet kiṃ tu nikṣipet |
evaṃ samabhyaset tāvad yāvat tat svādu jāyate || 21.5 ||
Wenn dieses nach Metall riecht, soll er es nicht trinken, sondern ausspucken. So übe er weiter, bis es süß wird.

21.6
jarāvyādhivinirmukto jāyate tatpibaṃs tataḥ |
ṣaḍbhir māsair anāyāsād vatsarān mṛtyujid bhavet || 21.6 ||
Indem er es dann trinkt, wird er frei von Alter und Krankheit, nach sechs Monaten mühelos; nach einem Jahr wird er zum Bezwinger des Todes.

21.7
tatra svāduni saṃjāte tadāprabhṛti tatragam |
yad eva cintayed dravyaṃ tenāsyāpūryate mukham || 21.7 ||
Sobald es süß geworden ist, füllt sich sein Mund von da an mit jedem Stoff, den er sich dort vorstellt:

21.8
rudhiraṃ madiraṃ vātha vasāṃ vā kṣīram eva vā |
ghṛtatailādikaṃ vātha dravaddravyam ananyadhīḥ || 21.8 ||
Blut, Wein, Fett, Milch, geklärter Butter, Öl oder einer anderen flüssigen Substanz, wenn seine Aufmerksamkeit ungeteilt ist.

21.9
athānyaṃ saṃpravakṣyāmi saṃkrāntividhim uttamam |
mṛte jīvaccharīre tu praviśed yogavidyayā || 21.9 ||
Nun werde ich ein weiteres, höchstes Verfahren des Übergangs erklären. Durch Yogawissen trete man in einen toten oder lebenden Körper ein.

21.10
nivātastho jitaprāṇo jitāsanavidhikramaḥ |
kurvīta vāyunāveśam arkatūle śanaiḥ śanaiḥ || 21.10 ||
An einem windstillen Ort, mit beherrschtem Atem und gemeisterter Sitzhaltung, bewirke man allmählich ein Eindringen durch Luft in die Samenwolle der Arka-Pflanze.

21.11
svādākṛṣṭividhiṃ yāvad guḍe nimbe ca kārayet |
śrīkhaṇḍaguḍakarpūrais tataḥ kṛtvākṛtim śubhām || 21.11 ||
Man übe das Heranziehen des Geschmacks an Zucker und Neem. Dann fertige man aus Sandelholz, Zucker und Kampfer eine schöne Gestalt,

21.12
praguṇām aguṇa[lacuna]nyaṅgeṣu saṃdadhat |
nyāsaṃ kṛtvāpi tatrāpi vedhaṃ kuryāc chanaiḥ śanaiḥ || 21.12 || †
wohlgestaltet [Textlücke] und richte [die Aufmerksamkeit] auf ihre Glieder. Nachdem man auch dort die Einsetzung vollzogen hat, bewirke man allmählich die Durchdringung.

21.13
nirodhaṃ tatra kurvīta ghaṭṭanaṃ tadanantaram |
ghaṭṭanaṃ nāma vijñeyam aṅgapratyaṅgacālanam || 21.13 ||
Dort vollziehe man das Festhalten und anschließend das Bewegen. Unter Bewegen ist das Bewegen der großen und kleinen Glieder zu verstehen.

21.14
evam abhyasatas tasya yogayuktasya yoginaḥ |
calate pratimā sā tu dhāvate cāpi saṃmukhī || 21.14 ||
Wenn der im Yoga gesammelte Yogi so übt, bewegt sich jene Figur und läuft ihm auch entgegen.

21.15
punas tāṃ prerayet tāvad yāvat svasthānam āgatam |
patitāṃ cālayed bhūya uttānāṃ pārśvataḥ sthitaḥ || 21.15 ||
Dann treibe er sie wieder an, bis sie an ihren eigenen Ort zurückgekehrt ist. Ist sie hingefallen, bewege er sie erneut; liegt sie auf dem Rücken, [tue er dies] von der Seite aus.

21.16
evaṃ sarvātmanas tāvad yāvat svavaśatāṃ gatām |
tataḥ prabhṛty asau yogī praviśed yatra rocate || 21.16 ||
So [übe er] vollständig, bis sie seiner Gewalt untersteht. Von da an tritt jener Yogi ein, wo es ihm gefällt,

21.17
mṛte jīvaccharīre vā saṃkrāntyākrāntibhedataḥ |
prakṣipya jalavac chaktijālam sarvāṅgasaṃdhiṣu || 21.17 ||
in einen toten oder lebenden Körper, unterschieden nach Übergang und Übernahme. Wie Wasser ergieße er das Netz der Shaktis in sämtliche Gelenke.

21.18
pratyaṅgam aṅgatas tasya śaktiṃ tenākramed budhaḥ |
svakīyaṃ rakṣayed deham ākrāntāv anyathā tyajet || 21.18 ||
Der Verständige durchdringe dadurch die Kraft jedes Gliedes von seinem eigenen Glied aus. Bei der Übernahme schütze er den eigenen Körper; andernfalls lasse er ihn zurück.

21.19
bahūny api śarīrāṇi dṛḍhalakṣyo yadāḷbhavet |
tadāḷgṛhṇāty asaṃdehaṃ yugapat saṃtyajann api || 21.19 || †
Wenn sein Betrachtungsgegenstand fest geworden ist, übernimmt er zweifellos auch viele Körper zugleich und kann sie ebenso verlassen.
Textanmerkung: Die Vorlage enthält die gestörte Zeichenfolge »yadāḷbhavet«, »tadāḷgṛhṇāty«. Sie wird als Vorlagenbefund bewahrt; die deutsche Wiedergabe folgt dem erkennbaren Satzsinn.

21.20
athāparaṃ pravakṣyāmi sadyaḥpratyayakārakam |
samādhānāmṛtaṃ divyaṃ yogināṃ mṛtyunāśanam || 21.20 ||
Nun werde ich einen weiteren göttlichen Nektar der Sammlung erklären, der unmittelbar ein Erfahrungszeichen hervorbringt und den Tod der Yogis vernichtet.

21.21
candrākṛṣṭikaraṃ nāma māsād vāḷyogabhogadam |
śuklapakṣe dvitīyāyāṃ meṣasthe tigmarociṣi || 21.21 || †
Er heißt »Heranziehen des Mondes« und verleiht innerhalb eines Monats Yogagenuss. Am zweiten Tag der hellen Monatshälfte, wenn die Sonne im Widder steht,
Textanmerkung: Die Vorlage enthält die gestörte Zeichenfolge »vāḷyogabhogadam«. Sie wird als Vorlagenbefund bewahrt; die deutsche Wiedergabe folgt dem erkennbaren Satzsinn.

21.22
snātaḥ śucir nirāhāraḥ kṛtapūjāvidhir budhaḥ |
nyasec candre kalājālaṃ parayā samadhiṣṭhitam || 21.22 ||
setze der gebadete, reine, fastende Verständige nach vollzogener Verehrung die Schar der Kalas in den Mond ein, von Para getragen.

21.23
sarvabādhāparityakte pradeśe saṃsthito budhaḥ |
ekacittaḥ praśāntātmā śivasadbhāvabhāvitaḥ || 21.23 ||
An einem von sämtlichen Störungen freien Ort verweile er mit einem einzigen Gedanken, friedvollem Inneren und vom wahren Wesen Shivas erfüllt.

21.24
tāvad ālokayec candraṃ yāvad astam upāgatam |
tato bhuñjīta dugdhena candradhyānasamanvitaḥ || 21.24 ||
Er betrachte den Mond bis zu dessen Untergang. Dann nehme er mit Milch Nahrung zu sich und bleibe mit der Mondmeditation verbunden.

21.25
evaṃ dine dine kuryād yāvat pañcadaśī bhavet |
śeṣāṃ rātriṃ svaped dhyāyaṃśḷcandrabimbagatāṃ parām || 21.25 || †
So verfahre er täglich bis zum fünfzehnten Tag. Den Rest der Nacht schlafe er, über die in der Mondscheibe befindliche Para meditierend.
Textanmerkung: Die Vorlage enthält die gestörte Zeichenfolge »dhyāyaṃśḷcandrabimbagatāṃ«. Sie wird als Vorlagenbefund bewahrt; die deutsche Wiedergabe folgt dem erkennbaren Satzsinn.

21.26
paurṇamāsīṃ tathā yogī ardharātra upasthitaḥ |
jane niḥśabdatāṃ yāte prasupte sarvajantubhiḥ || 21.26 ||
Ebenso verweile der Yogi bei Vollmond um Mitternacht, wenn die Menschen verstummt und sämtliche Lebewesen eingeschlafen sind.

21.27
candrakoṭikaraprakhyāṃ tārahāravibhūṣaṇām |
sitāmbaraparīdhānāṃ sitacandanacarcitām || 21.27 ||
[Er sieht die Göttin] mit dem Glanz der Strahlen von zehn Millionen Monden, mit einer funkelnden Perlenkette geschmückt, in weißes Gewand gekleidet und mit weißem Sandelholz bestrichen,

21.28
mauktikābharaṇopetaṃ surūpāṃ navayauvanām |
āpyāyanakarīṃ devīṃ samantād amṛtasravām || 21.28 ||
mit Perlenschmuck versehen, schön gestaltet und jugendlich; die nährende Göttin lässt überall Nektar ausströmen.

21.29
rājīvāsanasaṃsthāṃ ca yoganidrām avasthitām |
candrabimbe parāṃ devīṃ īkṣate nātra saṃśayaḥ || 21.29 ||
Auf einem Lotus sitzend und im Yogaschlaf ruhend sieht er zweifellos die höchste Göttin in der Mondscheibe.

21.30
tatas tāṃ cetasā vyāpya tāvad ākarṣayet sudhīḥ |
yāvan mukhāgram āyātā tatra kuryāt sthiraṃ manaḥ || 21.30 ||
Der Einsichtige umfasse sie dann mit dem Bewusstsein und ziehe sie heran, bis sie vor seinem Mund angekommen ist. Dort festige er den Geist.

21.31
tataḥ prasārya vadanaṃ dhyānāsaktena cetasā |
nigiret tāṃ samākṛṣya bhūyo hṛdi vicintayet || 21.31 ||
Dann öffne er den Mund, ziehe sie mit in Meditation versunkenem Bewusstsein heran und schlucke sie; anschließend betrachte er sie im Herzen.

21.32
tayā praviṣṭayā dehaṃ yogī duḥkhavivarjitaḥ |
śaktitulyabalo bhūtvā jīved ācandratārakam || 21.32 ||
Wenn sie in den Körper eingetreten ist, wird der Yogi frei von Leid. Mit einer Shakti gleichen Kraft lebt er so lange wie Mond und Sterne.

21.33
eko 'py anekadhātmānaṃ saṃvibhajya nijecchayā |
trailokyaṃ yaugapadyena bhunakti vaśatāṃ gatam || 21.33 ||
Obwohl einer, teilt er sich nach eigenem Willen vielfach und genießt gleichzeitig die seiner Gewalt unterstellten drei Welten.

21.34
āsādya vipulān bhogān pralaye samupasthite |
param abhyeti nirvāṇaṃ duṣprāpam akṛtātmanām || 21.34 ||
Nachdem er reiche Genüsse erfahren hat, erreicht er beim Eintreten der Weltauflösung das höchste Nirvana, das Menschen ohne innere Reife schwer zugänglich ist.

21.35
athavā tan na śaknoti gagane paricintitum |
pratibimbe tathā dhyāyed udakādiṣu pūrvavat || 21.35 ||
Wenn er dies nicht am Himmel betrachten kann, meditiere er wie zuvor über das Spiegelbild im Wasser oder in einem anderen [Medium].

21.36
tat pītvāḷmanasā śeṣāṃ svaped rātrim anusmaran |
pūrvoktaṃ samavāpnoti ṣaḍbhir māsair akhaṇḍitam || 21.36 || †
Nachdem er es im Geist getrunken hat, schlafe er den Rest der Nacht in dessen Vergegenwärtigung. Nach sechs Monaten erlangt er das zuvor Beschriebene vollständig.
Textanmerkung: Die Vorlage enthält die gestörte Zeichenfolge »pītvāḷmanasā«. Sie wird als Vorlagenbefund bewahrt; die deutsche Wiedergabe folgt dem erkennbaren Satzsinn.

Überlieferte Schlussformel
iti śrīmālinīvijayottare tantre candrākṛṣṭyadhikāra ekaviṃśatitamaḥ samāptaḥ
Damit endet im erhabenen Malinivijayottara Tantra der 21. Abschnitt: Das Heranziehen des Mondes.

Kapitel 22: Das Heranziehen der Sonne

Überlieferte Kapitelüberschrift
sūryākṛṣṭyadhikāro dvāviṃśatitamaḥ
Zweiundzwanzigster Abschnitt: Heranziehen der Sonne.

22.1
athānyaṃ paramaṃ guhyaṃ kathayāmi tava priye |
yan na kasya cid ākhyātaṃ yogāmṛtam anuttamam || 22.1 ||
Nun erkläre ich dir ein weiteres höchstes Geheimnis, Geliebte: den unübertrefflichen Yoganektar, den ich niemandem mitgeteilt habe.

22.2
sūryākṛṣṭikaraṃ nāma yogināṃ yogasiddhidam |
samyaṅ māsacatuṣkeṇa dināṣṭābhyadhikena tu || 22.2 ||
Er heißt »Heranziehen der Sonne« und verleiht den Yogis Yogavollendung, wenn er vier Monate und zusätzlich acht Tage richtig [geübt wird].

22.3
praharsyāṣṭamo bhāgo nāḍikety abhidhīyate |
tatpādakramavṛddhyā tu prativāsaram abhyaset || 22.3 ||
Der achte Teil einer Tageswache wird Nadika genannt. Man übe täglich mit einer schrittweisen Steigerung um ein Viertel davon.

22.4
udayāstamayaṃ yāvad yatra sūryaḥ pradṛśyate |
pradeśe tatra vijane sarvabādhāvivarjite || 22.4 ||
An einem einsamen, von allen Störungen freien Ort, an dem die Sonne von ihrem Aufgang bis zu ihrem Untergang sichtbar ist,

22.5
ahorātroṣito yogī makarasthe divākare |
śucir bhūtvā kṛtanyāsaḥ kṛtaśītapratikriyaḥ || 22.5 ||
verweile der Yogi einen Tag und eine Nacht fastend, wenn die Sonne im Steinbock steht. Er sei rein, habe die Einsetzung vollzogen und Maßnahmen gegen die Kälte getroffen.

22.6
bhānubimbe nyasec cakram aṣṭaṣaḍdvādaśārakam |
śivaśaktighanopetaṃ bhairavāṣṭakasaṃyutam || 22.6 ||
In die Sonnenscheibe setze er einen Kreis mit acht, sechs und zwölf Speichen ein, erfüllt von Shiva und Shakti und mit der Achtergruppe der Bhairavas versehen,

22.7
varṣādiṛtusaṃyuktaṃ māsairṛkṣādibhir yutam |
aṣṭāraṃ cintayed bimbe śeṣaṃ raśmiṣu cintayet || 22.7 ||
verbunden mit den Jahreszeiten, beginnend mit der Regenzeit, den Monaten, Sternbildern und weiteren [Zeitgliedern]. Den achtspeichigen [Kreis] betrachte er in der Scheibe, das Übrige in den Strahlen.

22.8
tatra cittaṃ samādhāya proktakālaṃ vicakṣaṇaḥ |
animīlitanetras tu bhānubimbaṃ nirīkṣayet || 22.8 ||
Der Einsichtige sammle dort das Bewusstsein und blicke während der angegebenen Zeit mit ungeschlossenen Augen auf die Sonnenscheibe.

22.9
tataḥ kāle vyatikrānte sunimīlitalocanaḥ |
praviśed andhakārāntarbhuvanaṃ nirupadravam || 22.9 ||
Nach Ablauf der Zeit trete er mit fest geschlossenen Augen in ein dunkles, ungestörtes Gebäude.

22.10
tatronmīlitanetras tu bimbākāraṃ prapaśyati |
saṃdhāya tatra caitanyaṃ tiṣṭhed yāvan na paśyati || 22.10 ||
Dort öffne er die Augen und sieht eine scheibenförmige Erscheinung. Er richte das Bewusstsein darauf und verweile, bis er sie nicht mehr sieht.

22.11
naṣṭe 'pi cetasā śeṣaṃ tiṣṭhet kālam anusmaran |
evaṃ māsena deveśi sthiraṃ tad upajāyate || 22.11 ||
Auch wenn sie verschwunden ist, verweile er die restliche Zeit in ihrer geistigen Vergegenwärtigung. So wird sie nach einem Monat beständig, o Herrin der Götter.

22.12
māsadvayena sarvatra prekṣate nātra saṃśayaḥ |
tribhiḥ samīkṣate sarvaṃ ravibimbasamākulam || 22.12 ||
Nach zwei Monaten sieht er sie zweifellos überall; nach drei Monaten sieht er alles von Sonnenscheiben erfüllt.

22.13
proktakālāvasānena vṛṣasthe tigmarociṣi |
prekṣate sūryabimbāntaḥ sacakraṃ parameśvaram || 22.13 ||
Am Ende der angegebenen Zeit, wenn die Sonne im Stier steht, sieht er in der Sonnenscheibe den höchsten Herrn samt seinem Kreis.

22.14
upalabdhaṃ samākṛṣya mukhāgre sthiratāṃ nayet |
āpīya pūrvavat paścād vṛttiṃ niścalatāṃ nayet || 22.14 ||
Was er wahrgenommen hat, ziehe er heran und bringe es vor seinem Mund zum Stillstand. Nachdem er es wie zuvor getrunken hat, bringe er die geistige Tätigkeit zur Unbewegtheit.

22.15
tatra tena sahātmānam ekīkṛtya muhūrtakam |
yāvat tiṣṭhati deveśi tāvat saṃtyajati kṣitim || 22.15 ||
Indem er sich dort mit ihm vereinigt und einen Augenblick verweilt, o Herrin der Götter, verlässt er die Erde.

22.16
paśyato janavṛndasya yāti sūryena caikataḥ |
anena vidhinā devi siddhayogīśvareśvaraḥ || 22.16 ||
Vor den Augen der versammelten Menschen gelangt er zur Einheit mit der Sonne. Durch dieses Verfahren, o Göttin, [wird er] zum Herrn der vollendeten Yogaherren.

22.17
śivādyavaniparyantaṃ na kva cit pratihanyate |
bhuktvā tu vipulān bhogān niṣkale līyate pare || 22.17 ||
Von Shiva bis zur Erde wird er nirgends aufgehalten. Nachdem er reiche Genüsse erfahren hat, geht er im höchsten, teilfreien [Shiva] auf.

22.18
tad etat khecarīcakraṃ yatra khecaratāṃ vrajet |
siddhayogeśvarītantre sarahasyam udāhṛtam || 22.18 ||
Dies ist der Khechari-Kreis, durch den man das Wandeln im Raum erlangt. Im Siddhayogeshvari-Tantra ist er samt seinem Geheimnis erklärt.

22.19
athavā cakrarūpeṇa sabāhyābhyantaraṃ svakam |
dehaṃ cintayataḥ pūrvaṃ phalaṃ syān niścitātmanaḥ || 22.19 ||
Oder wer entschlossen seinen eigenen Körper innen und außen in Kreisgestalt betrachtet, dem entsteht die frühere Frucht.

22.20
uccaran phādināntāṃ vā dhvanijyotirmaruddyutām |
viśrāmya mastake cittaṃ kṣaṇam ekaṃ vicakṣaṇaḥ || 22.20 ||
Oder der Einsichtige artikuliere die mit pha beginnende und mit na endende [Lautfolge], verbunden mit Klang, Licht und Atem, und lasse das Bewusstsein einen Augenblick im Scheitel ruhen.

22.21
triśūlena prayogena sadyas tyajati medinīm |
evaṃ samabhyasan māsāc cakravad bhramati kṣitau || 22.21 ||
Durch die Dreizack-Anwendung verlässt er unmittelbar die Erde. Wenn er so übt, kreist er nach einem Monat wie ein Rad über die Erde.

22.22
muhūrtaṃ spṛśate bhūmiṃ muhūrtāc ca nabhastalam |
śivārāvādi kurute valanāsphoṭanāni ca || 22.22 ||
Einen Augenblick berührt er den Boden, im nächsten den Luftraum. Er bringt shivahafte Rufe und Ähnliches hervor, dreht sich und schlägt [die Glieder] gegeneinander.

22.23
mudrābandhādikaṃ vātha bhāṣā vāḷvakty anekadhā |
ṣaṇmāsān medinīṃ tyaktvā samādhistho dṛḍhendriyaḥ || 22.23 || †
Er vollzieht Mudras und weitere [Gesten] oder spricht in vielfältigen Sprachen. Nach sechs Monaten verlässt er die Erde, in Versenkung und mit gefestigten Sinnen.
Textanmerkung: Die Vorlage enthält die gestörte Zeichenfolge »vāḷvakty«. Sie wird als Vorlagenbefund bewahrt; die deutsche Wiedergabe folgt dem erkennbaren Satzsinn.

22.24
tiṣṭhate hastamātreṇa gagane yogacintakaḥ |
paśyate yoginīvṛndam anekākāralakṣaṇam || 22.24 ||
Der den Yoga Betrachtende verweilt eine Elle hoch im Raum. Er sieht eine Schar von Yoginis mit vielerlei Gestalten und Merkmalen.

22.25
saṃvatsareṇa yuktātmā tatsamānaḥ prajāyate |
paśyatām eva lokānāṃ tejobhir bhāsayan diśaḥ || 22.25 ||
Nach einem Jahr wird der Gesammelte ihnen gleich. Vor den Augen der Menschen, die Richtungen mit seinem Licht erhellend,

22.26
yāty utkṛṣya mahīpṛṣṭhāt khecarīṇāṃ patir bhavet |
mudrā khageśvarī nāma kathitā yoginīmate || 22.26 ||
erhebt er sich von der Erdoberfläche und wird zum Herrn der Khecharis. Diese Mudra namens Khageshvari ist im Yoginimata erklärt.

22.27
jāgaritvātha vā yogī tryahorātram atandritaḥ |
caturthe 'hni niśārambhe pūjayitvā maheśvaram || 22.27 ||
Oder der Yogi bleibe drei Tage und Nächte unermüdlich wach und verehre am vierten Tag zu Beginn der Nacht Maheshvara.

22.28
tato 'ndhakāre bahule kṛtarakṣāvidhir budhaḥ |
bhruvor madhye samādhāya kṣaṇaṃ cetaḥ prapaśyati || 22.28 ||
Dann vollziehe der Verständige in dichter Dunkelheit das Schutzritual, sammle das Bewusstsein einen Augenblick zwischen den Augenbrauen und sieht

22.29
tejo rūpapratīkāśaṃ paryaṅkāsanam āsthitaḥ |
prayogaṃ tv eva satataṃ yogayuktaḥ samabhyaset || 22.29 ||
im Paryanka-Sitz ein gestaltähnliches Licht. Im Yoga gesammelt übe er diese Anwendung beständig.

22.30
paśyate māsamatreṇa gṛhāntarvastu yat sthitam |
dvābhyāṃ bahiḥ sthitaṃ sarvaṃ tribhiḥ pattanasaṃsthitam || 22.30 ||
Nach einem Monat sieht er die Gegenstände im Haus, nach zwei Monaten alles außerhalb, nach drei Monaten das in der Stadt Befindliche,

22.31
caturbhir viṣayāntaḥsthaṃ pañcabhir maṇḍalāvadhi |
ṣaḍbhir māsair mahāyogī cchidraṃ paśyati medinīm || 22.31 ||
nach vier Monaten das innerhalb des Bezirks und nach fünf Monaten bis an die Grenze des Landes. Nach sechs Monaten sieht der große Yogi die Erde wie durchbrochen.

22.32
sarvajñatvam avāpnoti vatsarān nātra saṃśayaḥ |
yoginīsiddhasaṅghasya sadbhāvavyāptisaṃsthitam || 22.32 ||
Nach einem Jahr erlangt er zweifellos Allwissenheit. [Er sieht], was in der Durchdringung des wahren Wesens der Scharen von Yoginis und Siddhas ruht.

22.33
paśyate yogayuktātmā tatsamānaś ca jāyate |
anenaiva vidhānena svastikāsanasaṃsthitaḥ || 22.33 ||
Der im Yoga Gesammelte sieht es und wird ihnen gleich. Auf dieselbe Weise verweile er im Svastika-Sitz.

22.34
binduṃ nānāvidhaṃ tyaktvā śuddharūpam anusmaret |
tenāpi sarvaṃ purvoktaṃ vyāpnoti phalam uttamam || 22.34 ||
Er lasse die vielfältigen Bindus zurück und vergegenwärtige die reine Gestalt. Auch dadurch erlangt er sämtliche zuvor genannten höchsten Früchte.

Überlieferte Schlussformel
iti śrīmālinīvijayottare tantre sūryākṛṣṭyadhikāra dvāviṃśatitamaḥ samāptaḥ
Damit endet im erhabenen Malinivijayottara Tantra der 22. Abschnitt: Das Heranziehen der Sonne.

Kapitel 23: Weitere Anwendungen und Abschluss

Überlieferte Kapitelüberschrift
trayoviṃśatitamo 'dhikāraḥ
Dreiundzwanzigster Abschnitt.

23.1
athātaḥ paramaṃ guhyaṃ kathayāmi tavādhunā |
sadyopalabdhijanakaṃ yogināṃ yogasiddhaye || 23.1 ||
Nun erkläre ich dir das höchste Geheimnis, das unmittelbar Wahrnehmung hervorbringt, damit die Yogis Vollendung im Yoga erlangen.

23.2
pūrvanyāsena saṃnaddhaś cittaṃ śrotre niveśayet |
nivāte svalpavāte vā bāhyaśabdavivarjite || 23.2 ||
Mit der zuvor genannten Einsetzung ausgestattet richte man das Bewusstsein auf das Gehör, an einem windstillen oder leicht windigen Ort ohne äußeres Geräusch.

23.3
tatas tatra śṛṇoty eṣa yogī dhvanim anāvṛtam |
suviśuddhasya kāṃsyasya hatasyeha muhur muhuḥ || 23.3 ||
Dort hört dieser Yogi einen unverhüllten Klang wie den von sehr reinem Metall, das immer wieder angeschlagen wird.

23.4
yam ākrṇya mahādevi puṇyapāpaiḥ pramucyate |
tatra saṃdhāya caitanyaṃ ṣaṇmāsād yogavittamaḥ || 23.4 ||
Hat er ihn gehört, große Göttin, wird er von Verdienst und Verfehlung frei. Richtet der im Yoga besonders Kundige das Bewusstsein darauf, [erkennt er] nach sechs Monaten

23.5
rutaṃ pakṣigaṇasyāpi prasphuṭaṃ vetty ayatnataḥ |
dūrāc chravaṇavijñānaṃ vatsareṇāsya jāyate || 23.5 ||
selbst die Rufe der Vogelscharen mühelos und deutlich. Nach einem Jahr entsteht ihm die Fähigkeit, aus der Ferne zu hören.

23.6
sarvakāmaphalāvāptir vatsaratritayena ca |
siddhyatīti kim āścāryam anāyāsena siddhyati || 23.6 ||
Nach drei Jahren erlangt er die Früchte sämtlicher Wünsche. Dass er Vollendung erreicht, ist nicht erstaunlich: mühelos erreicht er sie.

23.7
athavā grahaṇe māsi kṛtvā sūryaṃ tu pṛṣṭhataḥ |
pūrvanyāsena saṃnaddhaḥ kiṃ cid bhittimadāśritaḥ || 23.7 ||
Oder im Monat einer Finsternis stelle er sich mit der Sonne im Rücken auf, mit der früheren Einsetzung ausgestattet und etwas an eine Wand angelehnt.

23.8
lakṣayed ātmanaś chāyāṃ mastakordhvam anāhatam |
dhūmavartiviniṣkrāntāṃ tadgatenāntarātmanā || 23.8 ||
Mit ganz darauf gerichtetem Inneren beobachte er den ungehinderten [Lichtschein] oberhalb des Kopfes seines eigenen Schattens, wie aus einem Rauchdocht hervortretend.

23.9
yāti tanmayatāṃ tatra yogayukto yathā yathā |
tathā tathāsya mahatī sāḷvittir upajāyate || 23.9 || †
Je mehr der im Yoga Gesammelte dort ganz dessen Wesen annimmt, desto mehr entsteht ihm eine große Bewusstheit.
Textanmerkung: Die Vorlage enthält die gestörte Zeichenfolge »sāḷvittir«. Sie wird als Vorlagenbefund bewahrt; die deutsche Wiedergabe folgt dem erkennbaren Satzsinn.

23.10
tatas tatra mahātejah sphuratkiraṇasaṃnibham |
paśyate yatra dṛṣṭe 'pi sarvapāpakṣayo bhavet || 23.10 ||
Dann sieht er dort ein mächtiges Licht wie funkelnde Strahlen. Schon bei dessen Anblick erfolgt die Aufhebung aller Verfehlungen.

23.11
tad asyābhyāsato māsāt sarvatra pravisarpati |
jvālāmālākulākārā diśaḥ sarvāḥ prapaśyati || 23.11 ||
Durch seine Übung breitet es sich nach einem Monat überall aus. Er sieht sämtliche Richtungen in einer Gestalt voller Flammengirlanden.

23.12
ṣaṇmāsam abhyasan yogī sarvajñatvam avāpnuyāt |
abdaṃ divyatanur bhūtvā śivavan modate ciram || 23.12 ||
Nach sechs Monaten Übung erlangt der Yogi Allwissenheit; nach einem Jahr erhält er einen göttlichen Körper und erfreut sich lange wie Shiva.

23.13
atha jātyaḥ pravakṣyante sapūrvāsanaśāśvatāḥ |
hrīṃ kṣlāṃ kṣvīṃ vaṃ tathāḷkṣaṃ ca pañcakasya yathākramam || 23.13 || †
Nun werden die ursprünglichen [Keimsilben] samt den früheren, beständigen Sitzen erklärt: hrīṃ, kṣlāṃ, kṣvīṃ, vaṃ und kṣaṃ für die Fünfergruppe der Reihe nach.
Textanmerkung: Die Vorlage enthält die gestörte Zeichenfolge »tathāḷkṣaṃ«. Sie wird als Vorlagenbefund bewahrt; die deutsche Wiedergabe folgt dem erkennbaren Satzsinn.

23.14
haṃ yaṃ raṃ laṃ tathā vaṃ ca pañcakasyāparasya ca |
ṛṃ ṝṃ ḷṃ ḹṃ tathā oṃ auṃ haḥ aṃ ākarṇikāvadhau || 23.14 ||
haṃ, yaṃ, raṃ, laṃ und vaṃ für die andere Fünfergruppe; ṛṃ, ṝṃ, ḷṃ, ḹṃ sowie oṃ, auṃ, haḥ und aṃ bis zum Fruchtboden.

23.15
kesareṣu bhakārāntā haṃ hāṃ hiṃ hīṃ ca huṃ tathā |
hūṃ heṃ haiṃ ca daleṣv evaṃ svasaṃjñābhiś ca śaktayaḥ || 23.15 ||
Auf den Staubfäden [stehen die Laute] bis bha; haṃ, hāṃ, hiṃ, hīṃ, huṃ, hūṃ, heṃ und haiṃ auf den Blättern, ebenso die Shaktis mit ihren eigenen Namen.

23.16
maṇḍalatritaye śeṣaṃ sūkṣmaṃ pretasya kalpayet |
jrakāraṃ śūlaśṛṅgāṇām ity etat parikīrtitam || 23.16 ||
In den drei Kreisen setze man das Übrige ein, das Feine für den Leichnam und den Laut jra für die Spitzen des Dreizacks. Damit ist dies erklärt.

23.17
anuktāsanayogeṣu sarvatraiva prakalpayet |
namaḥ svāhā tathā vauṣaṭ huṃ vaṣaṭ phaṭ ca || 23.17 ||
Überall dort, wo kein Sitz ausdrücklich genannt ist, setze man [diesen] ein. [Die Abschlusslaute sind:] namaḥ, svāhā, vauṣaṭ, huṃ, vaṣaṭ und phaṭ.

23.18
prāyaścitteṣu sarveṣu japen mālām akhaṇḍitām |
bhinnāṃ vāpy athavābhinnām atikramabalābalam || 23.18 ||
Bei allen Sühnehandlungen wiederhole man die vollständige Lautgirlande, sei es die geteilte oder die ungeteilte, entsprechend der Schwere oder Geringfügigkeit der Übertretung.

23.19
sakṛjjapāt samārabhya yāval lakṣatrayaṃ priye |
prāṇavṛttinirodhena tataḥ parataraṃ kva cit || 23.19 ||
Beginnend mit einer einzigen Wiederholung bis zu dreihunderttausend, Geliebte, verbunden mit dem Anhalten der Atemtätigkeit; gelegentlich auch darüber hinaus.

23.20
sadā bhramaṇaśīlānāṃ pīṭhakṣetrādikaṃ bahiḥ |
prayogaṃ saṃpravakṣyāmi sukhasiddhiphalapradam || 23.20 ||
Für diejenigen, die beständig außerhalb an heiligen Sitzen, Stätten und anderen Orten umherwandern, erkläre ich eine Anwendung, welche die Frucht müheloser Vollendung verleiht.

23.21
nāsākrāntaṃ mahāprāṇaṃ daṇḍarūpaṃ sabindukam |
tadvad guhyaṃ ca kurvīta vidyeyaṃ dvyakṣarā matā || 23.21 ||
Man bilde den großen Atemlaut, von der Nase durchdrungen, stabförmig und mit Bindu, und ebenso den verborgenen [Laut]. Diese Vidya gilt als zweisilbig.

23.22
asyāḥ pūrvoktavidhinā kṛtasevaḥ prasannadhīḥ |
pīṭhādikaṃ bhramet siddhyai nānyathā vīravandite || 23.22 ||
Nachdem der Verständige ihr nach dem zuvor genannten Verfahren gedient hat, durchwandere er mit heiterem Geist zur Vollendung die heiligen Sitze und weiteren Orte, nicht anders, o von Helden Verehrte.

23.23
tat pradeśaṃ samāsādya mantrair ātmānam ādarāt |
vidyayā veṣtayet sthānaṃ raktasūtrasamānayā || 23.23 ||
Hat er einen solchen Ort erreicht, umhülle er sorgfältig sich selbst mit Mantras und den Ort mit der Vidya, die einem roten Faden gleicht,

23.24
bahudhānanyacittas tu sabāhyābhyantaraṃ budhaḥ |
tatas tatra kva cit kṣetre yoginyo bhīmavikramāḥ || 23.24 ||
vielfach, mit ungeteilter Aufmerksamkeit, außen und innen. Dann kommen an irgendeiner solchen Stätte Yoginis von furchterregender Macht

23.25
samāgatya prayacchanti saṃpradāyaṃ svakaṃ svakam |
yenāsau labdhamātreṇa saṃpradāyena suvrate || 23.25 ||
zusammen und geben ihm jeweils ihre eigene Überlieferung. Sobald er diese Überlieferung empfangen hat, o Gelübdetreue,

23.26
tatsamānabalo bhūtvā bhuṅkte bhogān yathepsitān |
athavā kṛtasevas tu lakṣam ekaṃ japet sudhīḥ || 23.26 ||
wird seine Kraft der ihren gleich, und er genießt die gewünschten Freuden. Oder der Verständige wiederhole [die Vidya] nach vollzogenem Dienst hunderttausendmal.

23.27
tarpayitvā daśāṃśena kṣudrakarmasu yojayet |
tatroccāritamātreyaṃ viṣakṣayakarī bhavet || 23.27 ||
Nachdem er sie mit einem Zehntel [dieser Zahl] gesättigt hat, verwende er sie für geringere Wirkungen. Schon durch ihre Aussprache soll sie dabei Gift vernichten.

23.28
cakravabhramamāṇaiṣā yonau raktāṃ vicintayet |
gamāgamakramād vāpi vinda[lacuna]vāritā || 23.28 || †
Er betrachte sie rot in der Yoni, wie ein Rad kreisend, oder entsprechend der Folge von Kommen und Gehen [Textlücke und unvollständiger Schluss].

23.29
tatrasthaś cāśu saṃghātavighātākuñcanena tu |
kṣaṇād ananyacittas tu kṣobhayed urvaśīm api || 23.29 ||
Dort verweilend und mit ungeteilter Aufmerksamkeit könnte er durch rasches Zusammenführen, Trennen und Zusammenziehen selbst Urvashi in einem Augenblick erregen.

23.30
kṛtasevavidhir vātha lakṣatrayajapena tu |
mahatīṃ śriyam ādhatte padmaśrīphalatarpitā || 23.30 ||
Oder, nachdem der Dienst vollzogen ist, verleiht sie durch dreihunderttausend Wiederholungen großen Wohlstand, wenn sie mit Lotus und Bilvafrüchten gesättigt wird.

23.31
ṣaḍutthāsanasaṃsthānā sādhitāpy uktavartmanā |
sarvasiddhikarī devī mantriṇām upajāyate || 23.31 ||
Auf einem aus sechs [Bestandteilen] entstandenen Sitz befindlich und auf dem genannten Weg verwirklicht, bewirkt die Göttin für Mantrakundige sämtliche Vollkommenheiten.

23.32
śūlapadmavidhiṃ muktvā navātmādyaṃ ca saptakam |
ṣaḍuttham āsanaṃ dadyāt sarvacakravidhau budhaḥ || 23.32 ||
Mit Ausnahme der Dreizack-Lotus-Anordnung und der mit Navatman beginnenden Siebenergruppe verwende der Verständige bei sämtlichen Kreisritualen den aus sechs [Bestandteilen] entstandenen Sitz.

23.33
kudrā ca mahatī yojyā hṛdbījenopacārakam |
athānyat saṃpravakṣyāmi svapnajñānam anuttamam || 23.33 || †
Auch die große Mudra [Vorlage: »kudrā«] ist einzusetzen; die Verehrung [erfolge] mit der Herzkeimsilbe. Nun erkläre ich ein weiteres, unübertreffliches Wissen im Traum.
Textanmerkung: Die Vorlage liest »kudrā«. Die Übersetzung versteht dies im Kontext als Mudra; der Sanskritbefund wird bewahrt.

23.34
hṛccakre tanmayo bhūtvā rātrau rātrāv ananyadhīḥ |
māsād ūrdhvaṃ mahādevi svapne yat kiṃcid īkṣate || 23.34 ||
Man werde Nacht für Nacht mit ungeteilter Aufmerksamkeit ganz mit dem Herzrad eins. Was der Yogi nach mehr als einem Monat im Traum sieht, große Göttin,

23.35
tat tathyaṃ jāyate tasya dhyānayuktasya yoginaḥ |
tatraiva yadi kālasya niyamena rato bhavet || 23.35 ||
wird für ihn wahr, wenn er mit Meditation verbunden ist. Wenn er dabei eine bestimmte Zeit regelmäßig einhält,

23.36
tadā prathamayāme tu vatsareṇa śubhāśubham |
ṣaṭtrimāsena kramaśo dvitīyādiṣv anukramāt || 23.36 ||
[erfüllt sich das Geträumte] in der ersten Nachtwache nach einem Jahr als Gutes oder Schlechtes; in der zweiten und den folgenden entsprechend nach sechs beziehungsweise drei Monaten [weitere Zuordnung bleibt knapp].

23.37
aruṇodayavelāyāṃ daśāhena phalaṃ labhet |
saṃkalpapūrvake 'py evaṃ pareṣām ātmano 'pi vā || 23.37 ||
Zur Zeit der Morgenröte erlangt er die Frucht nach zehn Tagen. Ebenso [verfahre er] mit vorheriger Absicht, für andere oder für sich selbst.

23.38
kva cit kārye samutpanne suptajñānam upākramet |
ity etat kathitaṃ devi siddhayogīśvarīmatam || 23.38 ||
Wenn sich irgendeine Angelegenheit ergibt, wende er das Wissen im Schlaf an. Damit ist dir, Göttin, die Lehre des Siddhayogishvarimata erklärt.

23.39
nātaḥ parataraṃ jñānaṃ śivādyavanigocare |
ya evaṃ tattvato veda sa śivo nātra saṃśayaḥ || 23.39 ||
Im Bereich von Shiva bis zur Erde gibt es kein höheres Wissen als dieses. Wer es so in Wahrheit kennt, ist Shiva – daran besteht kein Zweifel.

23.40
tasya pādarajaḥ mūrdhni dhṛtaṃ pāpapraśāntaye |
etac chrutvā mahādevī paraṃ saṃtoṣam āgatā || 23.40 ||
Der Staub seiner Füße wird zur Besänftigung von Verfehlungen auf dem Haupt getragen. Nachdem die große Göttin dies gehört hatte, gelangte sie zu höchster Zufriedenheit.

23.41
evaṃ kṣamāpayām āsa praṇipatya punaḥ punaḥ |
iti vaḥ sarvam ākhyātaṃ mālinīvijayottaram || 23.41 ||
So bat sie um Nachsicht und verneigte sich immer wieder. [Kartikeya spricht:] Damit habe ich euch das gesamte Malinivijayottara erklärt.

23.42
mamaitat kathitaṃ devyā yogāmṛtam anuttamam |
bhavadbhir api nākhyeyam aśiṣyāṇām idaṃ mahat || 23.42 ||
Diesen unübertrefflichen Yoganektar hat mir die Göttin mitgeteilt. Auch ihr sollt dieses große [Wissen] keinen Nichtschülern weitergeben,

23.43
na cāpi paraśiṣyāṇām aparīkṣya prayatnataḥ |
sarvathaitat samākhyātaṃ yogābhyāsaratātmanām || 23.43 ||
ebenso wenig den Schülern anderer, ohne sie sorgfältig geprüft zu haben. Vollständig ist es denen zu erklären, deren Inneres an der Yogaübung Freude hat,

23.44
prayātānāṃ vinītānāṃ śivaikārpitacetasām |
kārtikeyāt samāsādya jñānāmṛtam idaṃ mahat || 23.44 ||
den Bemühten, Bescheidenen, die ihr Bewusstsein allein Shiva dargebracht haben. Nachdem sie von Kartikeya diesen großen Wissensnektar empfangen hatten,

23.45
manayo yogam abhyasya parāṃ siddhim upāgatāḥ || 23.45 ||
übten die Weisen Yoga und erlangten die höchste Vollendung.

Überlieferte Schlussformel
iti śrīmālinīvijayottare tantre trayoviṃśatitamo 'dhikāraḥ samāptaḥ
Damit endet im erhabenen Malinivijayottara Tantra der 23. Abschnitt.

Schluss des Werkes
samāptaṃ cedaṃ mālinīvijayottaraṃ nāma mahātantram
Damit ist dieses große Tantra namens Malinivijayottara abgeschlossen.

Vollständige Devanagari-Fassung

Diese Umschrift gibt denselben Textbestand mit derselben Zählung wieder. † bezeichnet die bereits beim entsprechenden Vers erläuterte Unsicherheit oder Textlücke. Beschädigte Lautfolgen der Vorlage werden auch hier nicht stillschweigend rekonstruiert.

मालिनीविजयोत्तरतन्त्रम्

Devanagari: Kapitel 1

सृष्ट्यधिकारः प्रथमः

जयन्ति जगदानन्दविपक्षक्षपणक्षमाः ।
परमेशमुखोद्भूतज्ञानचन्द्रमरीचयः ॥ 1.1 ॥

जगदर्णवमग्नानां तारकं तारकान्तकम् ।
सनत्कुमारसनकसनातनसनन्दनाः ॥ 1.2 ॥

नारदागस्त्यसंवर्तवसिष्ठाद्या महर्षयः ।
जिज्ञासवः परं तत्त्वं शिवशक्त्युन्मुखीकृताः ॥ 1.3 ॥

समभ्यर्च्य विधानेन ते तम् ऊचुः प्रहर्षिताः ।
भगवद्योगसंसिद्धिकाङ्क्षिणो वयम् आगताः ॥ 1.4 ॥

सा च योगं विना यस्मान् न भवेत् तम् अतो वद ।
ऋषिभिर् योगम् इच्छद्भिः स तैर् एवम् उदाहृतः ॥ 1.5 ॥

प्रत्युवाच प्रहृष्टात्मा नमस्कृत्य महेश्वरम् ।
शृणुध्वं संप्रवक्ष्यामि सर्वसिद्धिफलप्रदम् ॥ 1.6 ॥

मालिनीविजयं तन्त्रं परमेशमुखोद्गतम् ।
भुक्तिमुक्तिप्रदातारम् उमेशम् अमरार्चितम् ॥ 1.7 ॥

स्वस्थानस्थम् उमा देवी प्रणिपत्येदम् अब्रवीत् ।
सिद्धयोगेश्वरीतन्त्रं नवकोटिप्रविस्तरम् ॥ 1.8 ॥

यत् त्वया कथितं पूर्वं भेदत्रयविसर्पितम् ।
मालिनीविजये तन्त्रे कोटित्रितयलक्षिते ॥ 1.9 ॥

योगमार्गस् त्वया प्रोक्तः सुविस्तीर्णो महेश्वर ।
भूयस् तस्योपसंहारः प्रोक्तो द्वादशभिस् तथा ॥ 1.10 ॥

सहस्रैः सो ऽपि विस्तीर्णो गृह्यते नाल्पबुद्धिभिः ।
अतस् तम् उपसंहृत्य समासाद् अल्पधीहितम् ॥ 1.11 ॥

सर्वसिद्धिकरं ब्रूहि प्रसादात् परमेश्वर ।
एवम् उक्तस् तदा देव्या प्रहस्योवाच विश्वराट् ॥ 1.12 ॥

शृणु देवि प्रवक्ष्यामि सिद्धयोगेश्वरीमतम् ।
यन् न कस्य चिद् आख्यातं मालिनीविजयोत्तरम् ॥ 1.13 ॥

मयाप्य् एतत् पुरा प्राप्तम् अघोरात् परमात्मनः ।
उपादेयं च हेयं च विज्ञेयं परमार्थतः ॥ 1.14 ॥

शिवः शक्तिः सविद्येशा मन्त्रा मन्त्रेश्वराणवः ।
उपादेयम् इति प्रोक्तम् एतत् षट्कं फलार्थिनाम् ॥ 1.15 ॥

मलः कर्म च माया च मायीयम् अखिलं जगत् ।
सर्वं हेयम् इति प्रोक्तं विज्ञेयं वस्तु निश्चितम् ॥ 1.16 ॥

एतज् ज्ञात्वा परित्यज्य सर्वसिद्धिफलं लभेत् ।
तत्रेशः सर्वकृच् छान्तः सर्वज्ञः सर्वकृत् प्रभुः ॥ 1.17 ॥

सकलो निष्कलो ऽनन्तः शक्तिर् अप्य् अस्य तद्विधा ।
स सिसृक्षुर् जगत् सृष्टेर् आदाव् एव निजेच्छया ॥ 1.18 ॥

विज्ञानकेवलान् अष्टौ बोधयाम् आस पुद्गलान् ।
अघोरः परमो घोरो घोररूपस् तदाननः ॥ 1.19 ॥

भीमश् च भीषणश् चैव वमनः पिवनस् तथा ।
एतान् अष्टौ स्थितिध्वंसरक्षानुग्रहकारिणः ॥ 1.20 ॥

मन्त्रमन्त्रेश्वरे शुद्धे संनियोज्य ततः पुनः ।
मन्त्राणाम् असृजत् तद्वत् सप्तकोटीः समण्डलाः ॥ 1.21 ॥

सर्वे ऽप्य् एते महात्मानो मन्त्राः सर्वफलप्रदाः ।
आत्मा चतुर्विधो ज्ञेयस् तत्र विज्ञानकेवलः ॥ 1.22 ॥

मलैकयुक्तस् तत्कर्मयुक्तः प्रलयकेवलः ।
मलम् अज्ञानम् इच्छन्ति संसाराङ्कुरकारणम् ॥ 1.23 ॥

धर्माधर्मात्मकं कर्म सुखदुःखादिलक्षणम् ।
ईश्वरेच्छावशाद् अस्य भोगेच्छा संप्रजायते ॥ 1.24 ॥

भोगसाधनसंसिद्ध्यै भोगेच्छोर् अस्य मन्त्रराट् ।
जगद् उत्पादयाम् आस मायाम् आविश्य शक्तिभिः ॥ 1.25 ॥

सा चैका व्यापिनी सूक्ष्मा निष्कला जगतो निधिः ।
अनाद्यन्ताशिवेशानी व्ययहीना च कथ्यते ॥ 1.26 ॥

असूत सा कलातत्त्वं यद् योगाद् अभवत् पुमान् ।
जातकर्तृत्वसामर्थ्यो विद्यारागौ ततो ऽसृजत् ॥ 1.27 ॥

विद्या विवेचयत्य् अस्य कर्म तत्कार्यकारणे ।
रागो ऽनुरञ्जयत्य् एनं स्वभोगेष्व् अशुचिष्व् अपि ॥ 1.28 ॥

नियतिर् योजयत्य् एनं स्वके कर्मणि पुद्गलम् ।
कालो ऽपि कलयत्य् एनं तुट्यादिभिर् अवस्थितः ॥ 1.29 ॥

तत एव कलातत्त्वाद् अव्यक्तम् असृजत् ततः ।
गुणान् अष्टगुणां तेभ्यो धियं धीतो ऽप्य् अहङ्कृतिम् ॥ 1.30 ॥

तत् त्रिधा तैजसात् तस्मान् मनो ऽक्षेशम् अजायत ।
वैकारिकात् ततो ऽक्षाणि तन्मात्राणि तृतीयकात् ॥ 1.31 ॥

श्रोत्रं त्वक्चक्षुषी जिह्वा घ्राणं बुद्धीन्द्रियाणि तु ।
कर्मेन्द्रियाणि वाक्पाणिपायूपस्थाङ्घ्रयः क्रमात् ॥ 1.32 ॥

कलादिक्षितिपर्यन्तम् एतत् संसारमण्डलम् ।
समुद्रादि जगत् कृत्स्नं परिवर्तयतीच्छया ॥ 1.33 ॥

भेदः परः कलादीनां भुवनत्वेन यः स्थितः ।
असृजत् तम् असाव् एव भोगिनां भोगसिद्धये ॥ 1.34 ॥

इत्य् अनेन कलाद्येन धरान्तेन समन्विताः ।
पुमांसः सकला ज्ञेयास् तदवस्थाजिघांसुभिः ॥ 1.35 ॥

अवस्थात्रितये ऽप्य् अस्मिंस् तिरोभावनशीलया ।
शिवशक्त्या समाक्रान्ताः प्रकुर्वन्ति विचेष्टितम् ॥ 1.36 ॥

एवं जगति सर्वत्र रुद्राणां योग्यतावशात् ।
अङ्गुष्ठमात्रपूर्वाणां शतम् अष्टादशोत्तरम् ॥ 1.37 ॥

अनुगृह्य शिवः साक्षान् मन्त्रेशत्वे नियुक्तवान् ।
ते स्वगोचरम् आसाद्य भुक्तिमुक्तिफलार्थिनाम् ॥ 1.38 ॥

ब्रह्मादीनां प्रयच्छन्ति स्वबलेन समं फलम् ।
ऋषिभ्यस् ते ऽपि ते चानु मन्वन्तेभ्यो महाधिपाः ॥ 1.39 ॥

हेयोपादेयविज्ञानं कथयन्ति शिवोदितम् ।
ब्रह्मादिस्तम्बपर्यन्ते जातमात्रे जगत्य् अलम् ॥ 1.40 ॥

मन्त्राणां कोटयस् तिस्रः सार्धाः शिवनियोजिताः ।
अनुगृह्याणुसंघातं याताः पदम् अनामयम् ॥ 1.41 ॥

एवम् अस्यात्मनः काले कस्मिंश् चिद् योग्यतावशात् ।
शैवी संबध्यते शक्तिः शान्ता मुक्तिफलप्रदा ॥ 1.42 ॥

तत्संबन्धात् ततः कश् चित् तत्क्षणाद् अपवृज्यते ।
अज्ञानेन सहैकत्वं कस्य चिद् विनिवर्तते ॥ 1.43 ॥

रुद्रशक्तिसमाविष्टः स यियासुः शिवेच्छया ।
भुक्तिमुक्तिप्रसिद्ध्यर्थं नीयते सद्गुरुं प्रति ॥ 1.44 ॥

तम् आराध्य ततस् तुष्टाद् दीक्षाम् आसाद्य शाङ्करीम् ।
तत्क्षणाद् वोपभोगाद् वा देहपाते शिवं व्रजेत् ॥ 1.45 ॥

योगदीक्षां समासाद्य ज्ञात्वा योगं समभ्यसेत् ।
योगसिद्धिम् अवाप्नोति तदन्ते शाश्वतं पदम् ॥ 1.46 ॥

अनेन क्रमयोगेन संप्राप्तः परमं पदम् ।
न भूयः पशुताम् एति शुद्धे स्वात्मनि तिष्ठति ॥ 1.47 ॥

आत्मा चतुर्विधो ह्य् एष पुनर् एष चतुर्विधः ।
आचार्यत्वादिभेदेन शुद्धात्मा परिपठ्यते ॥ 1.48 ॥

नित्यादित्रितयं कुर्याद् गुरुः साधक एव च ।
नित्यम् एव द्वयं चान्यो यावज्जीवं शिवाज्ञया ॥ 1.49 ॥

उपादेयं च हेयं च तद् एतत् परिकीर्तितम् ।
ज्ञात्वैतज् ज्ञेयसर्वस्वं सर्वसिद्ध्यरहो भवेत् ॥ 1.50 ॥

इति श्रीमालिनीविजयोत्तरे तन्त्रे प्रथमो ऽधिकारः समाप्तः

Devanagari: Kapitel 2

व्याप्त्यधिकारो द्वितीयः

अथैषाम् एव तत्त्वानां धरादीनाम् अनुक्रमात् ।
प्रपञ्चः कथ्यते लेशाद् योगिनां योगसिद्धये ॥ 2.1 ॥

शक्तिमच्छक्तिभेदेन धरातत्त्वं विभिद्यते ।
स्वरूपसहितं तच् च विज्ञेयं दशपञ्चधा ॥ 2.2 ॥

शिवादिसकलात्मान्ताः शक्तिमन्तः प्रकीर्तिताः ।
तच्छक्तयश् च विज्ञेयास् तद्वद् एव विचक्षणैः ॥ 2.3 ॥

एवं जलादिमूलान्तं तत्त्वव्रातम् इदं महत् ।
पृथग् भेदैर् इमैर् भिन्नं विज्ञेयं तत्फलेप्सुभिः ॥ 2.4 ॥

अनेनैव विधानेन पुंस्तत्त्वात् तु कलान्तिकम् ।
त्रयोदशविधं ज्ञेयं रुद्रवत् प्रलयाकलः ॥ 2.5 ॥

तद्वन् मायापि विज्ञेया नवधा ज्ञानकेवलः ।
मन्त्राः सप्तविधास् तद्वत् पञ्चधा मन्त्रनायकाः ॥ 2.6 ॥

त्रिधा मन्त्रेश्वरेशानाः शिवः साक्षान् न भिद्यते ।
भेदः प्रकथितो लेशाद् अनन्तो विस्तराद् अयम् ॥ 2.7 ॥

एवं भुवनमालापि भिन्ना भेदैर् इमैः स्फुटम् ।
विज्ञेया योगसिद्ध्यर्थं योगिभिर् योगपूजिता ॥ 2.8 ॥

एतेषाम् एव तत्त्वानां भुवनानां च शाङ्करि ।
य एकम् अपि जानाति सो ऽपि योगफलं लभेत् ॥ 2.9 ॥

यः पुनः सर्वतत्त्वानि वेत्त्य् एतानि यथार्थतः ।
स गुरुर् मत्समः प्रोक्तो मन्त्रवीर्यप्रकाशकः ॥ 2.10 ॥

दृष्टाः संभाषितास् तेन स्पृष्टाश् च प्रीतचेतसा ।
नराः पापैः प्रमुच्यन्ते सप्तजन्मकृतैर् अपि ॥ 2.11 ॥

ये पुनर् दीक्षितास् तेन प्राणिनः शिवचोदिताः ।
ते यथेष्टं फलं प्राप्य गच्छन्ति परमं पदम् ॥ 2.12 ॥

रुद्रशक्तिसमावेशस् तत्र नित्यं प्रतिष्ठितः ।
सति तस्मिंश् च चिह्नानि तस्यैतानि विलक्षयेत् ॥ 2.13 ॥

तत्रैतत् प्रथमं चिह्नं रुद्रे भक्तिः सुनिश्चला ।
द्वितीयं मन्त्रसिद्धिः स्यात् सद्यःप्रत्ययकारिका ॥ 2.14 ॥

सर्वसत्त्ववशित्वं च तृतीयं लक्षणं स्मृतम् ।
प्रारब्धकार्यनिष्पत्तिश् चिह्नम् आहुश् चतुर्थकम् ॥ 2.15 ॥

कवित्वं पञ्चमं प्रोक्तं सालंकारं मनोहरम् ।
सर्वशास्त्रार्थवेत्तृत्वम् अकस्माच् चास्य जायते ॥ 2.16 ॥

रुद्रशक्तिसमावेशः पञ्चधा परिपठ्यते ।
भूततत्त्वात्ममन्त्रेशशक्तिभेदाद् वरानने ॥ 2.17 ॥

पञ्चधा भूतसंज्ञस् तु तथा त्रिंशतिधा परः ।
आत्माख्यस् त्रिविधः प्रोक्तो दशधा मन्त्रसंज्ञकः ॥ 2.18 ॥

द्विविधः शक्तिसंज्ञो ऽपि ज्ञातव्यः परमार्थतः ।
पञ्चाशद्भेदभिन्नो ऽयं समावेशः प्रकीर्तितः ॥ 2.19 ॥

आणवो ऽयं समाख्यातः शाक्तो ऽप्य् एवंविधः स्मृतः ।
एवं शाम्भवम् अप्य् एभिर् भेदैर् भिन्नं विलक्षयेत् ॥ 2.20 ॥

उच्चारकरणध्यानवर्णस्थानप्रकल्पनैः ।
यो भवेत् स समावेशः सम्यग् आणव उच्यते ॥ 2.21 ॥

उच्चाररहितं वस्तु चेतसैव विचिन्तयन् ।
यम् आवेशम् अवाप्नोति शाक्तः सो ऽत्राभिधीयते ॥ 2.22 ॥

अकिंचिच्चिन्तकस्यैव गुरुणा प्रतिबोधतः ।
जायते यः समावेशः शाम्भवो ऽसाव् उदीरितः ॥ 2.23 ॥

सार्धम् एतच् छतं प्रोक्तं भेदानाम् अनुपूर्वशः ।
संक्षेपाद् विस्तराद् अस्य परिसंख्या न विद्यते ॥ 2.24 ॥

संवित्तिफलभेदो ऽत्र न प्रकल्प्यो मनीषिभिः ।
भेदो ऽपरो ऽपि संक्षेपात् कथ्यमानो ऽवधार्यताम् ॥ 2.25 ॥

जाग्रत्स्वप्नादिभेदेन सर्वावेशक्रमो बुधैः ।
पञ्चभिन्नः परिज्ञेयः स्वव्यापारात् पृथक् पृथक् ॥ 2.26 ॥

तत्र स्वरूपं शक्तिश् च सकलश् चेति तत्त्रयम् ।
इति जाग्रदवस्थेयं भेदे पञ्चदशात्मके ॥ 2.27 ॥

अकलौ द्वौ परिज्ञेयौ सम्यक् स्वप्नसुषुप्तयोः ।
मन्त्रादितत्पतीशानवर्गस् तुर्य इति स्मृतः ॥ 2.28 ॥

शक्तिशंभू परिज्ञेयौ तुर्यातीते वरानने ।
त्रयोदशात्मके भेदे स्वरूपम् अकलाव् उभौ ॥ 2.29 ॥

मन्त्रमन्त्रेश्वरेशानाः शक्तिशंभू च कीर्तितौ ।
प्रलयाकलभेदे ऽपि स्वं विज्ञानकलाव् उभौ ॥ 2.30 ॥

मन्त्रमन्त्रेश्वरेशानाः शक्तीशाव् अपि पूर्ववत् ।
नवधा कीर्तिते भेदे स्वं मन्त्रा मन्त्रनायकाः ॥ 2.31 ॥

तदीशाः शक्तिशंभू च पञ्चावस्थाः प्रकीर्तिताः ।
पूर्ववत् सप्तभेदे ऽपि स्वं मन्त्रेशेशशक्तयः ॥ 2.32 ॥

शिवश् चेति परिज्ञेयाः पञ्चैव वरवर्णिनि ।
स्वं शक्तिः सनिजेशाना शक्तिशंभू च पञ्चके ॥ 2.33 ॥

त्रिके स्वशक्तिशक्तीच्छाशिवपदं विलक्षयेत् ।
स्वव्यापाराधिपत्वेन तद्धीनप्रेरकत्वतः ॥ 2.34 ॥

इच्छानिवृत्तेः स्वस्थत्वाद् अभिन्नम् अपि पञ्चधा ।
इति पञ्चात्मके भेदे विज्ञेयं वस्तु कीर्तितम् ॥ 2.35 ॥

भूयो ऽप्य् आसाम् अवस्थानां संज्ञाभेदः प्रकाश्यते ।
पिण्डस्थः सर्वतोभद्रो जाग्रन्नामद्वयं मतम् ॥ 2.36 ॥

द्विसंज्ञं स्वप्नम् इच्छन्ति पदस्थं व्याप्तिर् इत्य् अपि ।
रूपस्थं तु महाव्याप्तिः सुषुप्तस्यापि तद्द्वयम् ॥ 2.37 ॥

प्रचयं रूपातीतं च सम्यक् तुर्यम् उदाहृतम् ।
महाप्रचयम् इच्छन्ति तुर्यातीतं विचक्षणाः ॥ 2.38 ॥

पृथक् तत्त्वप्रभेदेन भेदो ऽयं समुदाहृतः ।
सर्वाणि एव तत्त्वानि पञ्चैतानि यथा शृणु ॥ 2.39 ॥

भूततत्त्वाभिधानानां यो ऽंशो ऽधिष्ठेय इष्यते ।
पिण्डस्थम् इति तं प्राहुः पदस्थम् अपरं विदुः ॥ 2.40 ॥

मन्त्रास् तत्पतयः सेशा रूपस्थम् इति कीर्त्यते ।
रूपातीतं परा शक्तिः सव्यापाराप्य् अनामया ॥ 2.41 ॥

निष्प्रपञ्चो निराभासः शुद्धः स्वात्मन्य् अवस्थितः ।
सर्वातीतः शिवो ज्ञेयो यं विदित्वा विमुच्यते ॥ 2.42 ॥

चतुर्विधं तु पिण्डस्थम् अबुद्धं बुद्धम् एव च ।
प्रबुद्धं सुप्रबुद्धं च पदस्थं च चतुर्विधम् ॥ 2.43 ॥

गतागतं सुविक्षिप्तं सङ्गतं सुसमाहितम् ।
चतुर्धा रूपसंस्थं तु ज्ञातव्यं योगचिन्तकैः ॥ 2.44 ॥

उदितं विपुलं शान्तं सुप्रसन्नम् अथापरम् ।
मनोन्मनम् अनन्तं च सर्वार्थं सततोदितम् ॥ 2.45 ॥

प्रचये तत्र संज्ञेयम् एकं तन्महति स्थितम् ।
इत्य् एवं पञ्चधाध्वानं त्रिधेदानीं निगद्यते ॥ 2.46 ॥

विज्ञानाकलपर्यन्तम् आत्मतत्त्वम् उदाहृतम् ।
ईश्वरान्तं च विद्याह्वं शेषं शिवपदं विदुः ॥ 2.47 ॥

एवं भेदैर् इमैर् भिन्नस् तत्राध्वा परिकीर्तितः ।
युगपत् सर्वमार्गाणां प्रभेदः प्रोच्यते ऽधुना ॥ 2.48 ॥

पार्थिवं प्राकृतं चैव मायीयं शाक्तम् एव च ।
इति सङ्क्षेपतः प्रोक्तम् एतद् अण्डचतुष्टयम् ॥ 2.49 ॥

पृथग् द्वयम् असङ्ख्यातम् एकम् एकं पृथक् पृथक् ।
आद्यं धारिकया व्याप्तं तत्रैकं तत्त्वम् इष्यते ॥ 2.50 ॥

एकम् एकं पृथक् क्षार्णं पदार्णमनुषु स्मरेत् ।
कालाग्निभुवनाद् यावद् वीरभद्रपुरोत्तमम् ॥ 2.51 ॥

पुरषोडशकं ज्ञेयं षड्विधो ऽध्वा प्रकीर्तितः ।
आप्यायिन्या द्वितीयं च तत्र तत्त्वानि लक्षयेत् ॥ 2.52 ॥

त्रयोविंशत्यबादीनि तद्वद् धाद्यक्षराणि च ।
पदानि पञ्च मन्त्राश् च षट्पञ्चाशत्पुराणि च ॥ 2.53 ॥

तत्त्वानि सप्त बोधिन्या तच् चतुर्धा पुराणि च ।
तृतीये सप्त वर्णाः स्युः पदमन्त्रद्वयं द्वयम् ॥ 2.54 ॥

उत्पूयिन्या चतुर्थं तु तत्र तत्त्वत्रयं विदुः ।
वर्णत्रयं मन्त्रम् एकं पदम् एकं च लक्षयेत् ॥ 2.55 ॥

अष्टादश विजानीयाद् भुवनानि समासतः ।
शिवतत्त्वं परं शान्तं कला तत्रावकाशदा ॥ 2.56 ॥

स्वरषोडशकं मन्त्रं पदं चैकं विलक्षयेत् ।
इत्य् एवं षड्विधो ऽप्य् अध्वा समासात् परिकीर्तितः ॥ 2.57 ॥

शुद्धाशुद्धं जगत्सर्वं ब्रह्माण्डप्रभवं यतः ।
तस्माच् छुद्धम् इमैः शुद्धैर् ब्रह्माण्डैः सर्वम् इष्यते ॥ 2.58 ॥

ब्रह्मा विष्णुश् च रुद्रश् च ईश्वरश् चेति सुव्रते ।
पृथग् एतेषु बोद्धव्यं शान्तं पतिचतुष्टयम् ॥ 2.59 ॥

यो हि यस्माद् गुणोत्कृष्टः स तस्माद् ऊर्ध्व उच्यते ।
एतत् ते कथितं सर्वं किम् अन्यत् परिपृच्छसि ॥ 2.60 ॥

इति श्रीमालिनीविजयोत्तरे तन्त्रे व्याप्त्यधिकारो द्वितीयः समाप्तः

Devanagari: Kapitel 3

एवम् उक्ता महादेवी जगदानन्दकारिणा ।
प्रणिपत्य पुनर् वाक्यम् इदम् आह जगत्पतिम् ॥ 3.1 ॥

एवम् एतन् महादेव नान्यथा समुदाहृतम् ।
यथाख्यातं तथा ज्ञातम् आदितः समनुक्रमात् ॥ 3.2 ॥

शिवादिवस्तुरूपाणां वाचकान् परमेश्वर ।
सांप्रतं श्रोतुम् इच्छामि प्रसादाद् वक्तुम् अर्हसि ॥ 3.3 ॥

इत्य् उक्तः स महेशान्या जगदार्तिहरो हरः ।
वाचकान् अवदन् मन्त्रान् पारम्पर्यक्रमागतान् ॥ 3.4 ॥

या सा शक्तिर् जगद्धातुः कथिता समवायिनी ।
इच्छात्वं तस्य सा देवि सिसृक्षोः प्रतिपद्यते ॥ 3.5 ॥

सैकापि सत्य् अनेकत्वं यथा गच्छति तच् छृणु ।
एवम् एतद् इति ज्ञेयं नान्यथेति सुनिश्चितम् ॥ 3.6 ॥

ज्ञापयन्ती जगत्य् अत्र ज्ञानशक्तिर् निगद्यते ।
एवंभूतम् इदं वस्तु भवत्व् इति यदा पुनः ॥ 3.7 ॥

जाता तदैव तत् तद्वत् कुर्वत्य् अत्र क्रियोच्यते ।
एवम् एषा द्विरूपापि पुनर् भेदैर् अनन्तताम् ॥ 3.8 ॥

अर्थोपाधिवशाद् याति चिन्तामणिर् इवेश्वरी ।
तत्र तावत् समापन्ना मातृभावं विभिद्यते ॥ 3.9 ॥

द्विधा च नवधा चैव पञ्चाशद्धा च मालिनी ।
बीजयोन्यात्मकाद् भेदाद् द्विधा बीजं स्वरा मताः ॥ 3.10 ॥

कादिभिश् च स्मृता योनिर् नवधा वर्गभेदतः ।
पृथग् वर्णविभेदेन शतार्धकिरणोज्ज्वला ॥ 3.11 ॥

बीजम् अत्र शिवः शक्तिर् योनिर् इत्य् अभिधीयते ।
वाचकत्वेन सर्वापि शंभोः शक्तिश् च शस्यते ॥ 3.12 ॥

वर्गाष्टकम् इह ज्ञेयम् अघोराद्यम् अनुक्रमात् ।
तद् एव शक्तिभेदेन माहेश्वर्यादि चाष्टकम् ॥ 3.13 ॥

माहेशी ब्राह्मणी चैव कौमारी वैष्णवी तथा ।
ऐन्द्री याम्या च चामुण्डा योगीशी चेति ता मताः ॥ 3.14 ॥

शतार्धभेदभिन्नानां तत्संख्यानां वरानने ।
रुद्राणां वाचकत्वेन कल्पिताः परमेष्ठिना ॥ 3.15 ॥

तद्वद् एव च शक्तीनां तत्संख्यानाम् अनुक्रमात् ।
सर्वं च कथयिष्यामि तासां भेदं यथा शृणु ॥ 3.16 ॥

अमृतो ऽमृतपूर्णश् च अमृताभो ऽमृतद्रवः ।
अमृतौघो ऽमृतोर्मिश् च अमृतस्यन्दनो ऽपरः ॥ 3.17 ॥

अमृताङ्गो ऽमृतवपुर् अमृतोद्गार एव च ।
अमृतास्यो ऽमृततनुस् तथा चामृतसेचनः ॥ 3.18 ॥

तन्मूर्तिर् अमृतेशश् च सर्वामृतधरो ऽपरः ।
षोडशैते समाख्याता रुद्रबीजसमुद्भवाः ॥ 3.19 ॥

जयश् च विजयश् चैव जयन्तश् चापराजितः ।
सुजयो जयरुद्रश् च जयकीर्तिर् जयावहः ॥ 3.20 ॥

जयमूर्तिर् जयोत्साहो जयदो जयवर्धनः ।
बलश् चातिबलश् चैव बलभद्रो बलप्रदः ॥ 3.21 ॥

बलावहश् च बलवान् बलदाता बलेश्वरः ।
नन्दनः सर्वतोभद्रो भद्रमूर्तिः शिवप्रदः ॥ 3.22 ॥

सुमनाः स्पृहणो दुर्गो भद्रकालो मनोनुगः ।
कौशिकः कालविश्वेशौ सुशिवः कोपवर्धनः ॥ 3.23 ॥

एते योनिसमुद्भूताश् चतुस्त्रिंशत् प्रकीर्तिताः ।
स्त्रीपाठवशम् आपन्ना एत एवात्र शक्तयः ॥ 3.24 ॥

बीजयोनिसमुद्भूता रुद्रशक्तिसमाश्रयाः ।
वाचकानाम् अनन्तत्वात् परिसंख्या न विद्यते ॥ 3.25 ॥

सर्वशास्त्रार्थगर्भिण्या इत्य् एवंविधयानया ।
अघोरं बोधयाम् आस स्वेच्छया परमेश्वरः ॥ 3.26 ॥

स तया संप्रबुद्धः सन् योनिं विक्षोभ्य शक्तिभिः ।
तत्समानश्रुतीन् वर्णांस् तत्संख्यान् असृजत् प्रभुः ॥ 3.27 ॥

ते तैर् आलिङ्गिताः सन्तः सर्वकामफलप्रदाः ।
भवन्ति साधकेन्द्राणां नान्यथा वीरवन्दिते ॥ 3.28 ॥

तैर् इदं संततं विश्वं सदेवासुरमानुषम् ।
तेभ्यः शास्त्राणि वेदाश् च संभवन्ति पुनः पुनः ॥ 3.29 ॥

अनन्तस्यापि भेदस्य शिवशक्तेर् महात्मनः ।
कार्यभेदान् महादेवि त्रैविध्यं समुदाहृतम् ॥ 3.30 ॥

विषयेष्व् एव संलीनान् अधो ऽधः पातयन्त्य् अणून् ।
रुद्राणून्याः समालिङ्ग्य घोरतर्यो ऽपराः स्मृताः ॥ 3.31 ॥

मिश्रकर्मफलासक्तिं पूर्ववज् जनयन्ति याः ।
मुक्तिमार्गनिरोधिन्यास् ताः स्युर् घोराः परापराः ॥ 3.32 ॥

पूर्ववज् जन्तुजातस्य शिवधामफलप्रदाः ।
पराः प्रकथितास् तज्ज्ञैर् अघोराः शिवशक्तयः ॥ 3.33 ॥

एताः सर्वाणुसंघातम् अपि निष्ठा यथा स्थिताः ।
तथा ते कथिताः शंभोः शक्तिर् एकैव शाङ्करी ॥ 3.34 ॥

अस्या वाचकभेदेन भेदो ऽन्यः संप्रचक्ष्यते ।
यथेष्टफलसंसिद्ध्यै मन्त्रतन्त्रानुवर्तिनाम् ॥ 3.35 ॥

विशेषविधिहीनेषु न्यासकर्मसु मन्त्रवित् ।
न्यसेच् छाक्तशरीरार्थं भिन्नयोनिं तु मालिनीम् ॥ 3.36 ॥

न शिखा ऋॠऌट् च शिरोमाला थ मस्तकम् ।
नेत्राणि चध वै नासा ई समुद्रे णुणू श्रुती ॥ 3.37 ॥ †

बकवर्ग इआ वक्त्रदन्तजिह्वासु वाचि च ।
वभयाः कण्ठदक्षादिस्कन्धयोर् भुजयोर् डढौ ॥ 3.38 ॥

ठो हस्तयोर् झञौ शाखा ज्रटौ शूलकपालके ।
प हृच् छलौ स्तनौ क्षीरम् आ स जीवो विसर्गयुक् ॥ 3.39 ॥

तत्परः कथितः प्राणः षक्षाव् उदरनाभिगौ ।
मशंताः कटिगुह्योरु युग्मगा जानुनी तथा ॥ 3.40 ॥

एऐकारौ तथा जङ्घे तत्परौ चरणौ दफौ ।
अतो विद्याश् च मन्त्राश् च समुद्धार्या यथा शृणु ॥ 3.41 ॥

सबिन्दुकां दक्षजङ्घां ततो वाचं प्रकल्पयेत् ।
तयैव जङ्घया युक्तं चतुर्थं दशनं ततः ॥ 3.42 ॥

दक्षजानुयुतं दण्डं प्राणं दण्डस्थम् ईर्युतम् ।
पृथग् घृद्दण्डकटिगा द्विजदण्डौ च पूर्ववत् ॥ 3.43 ॥

उस्थितं बिन्दुयुक्प्राणं पूर्ववद् दशनं ततः ।
दण्डं केवलम् उद्धृत्य वाममुद्रान्वितं पुनः ॥ 3.44 ॥

दक्षजानुयुतं हृच् च प्राणं जीवात्मना युतम् ।
दशनं पुर्ववन् न्यस्य दण्डं केवलम् एव च ॥ 3.45 ॥

नितम्बं दक्षमुद्रेतं द्वितीयं जिह्वया द्विजम् ।
सनासं दक्षशिखरं नितम्बं केवलं ततः ॥ 3.46 ॥

पुनस् तथैव शिखरं जठरं केवलं ततः ।
दक्षजानुयुतं कर्णं कण्ठं केवलम् एव च ॥ 3.47 ॥

नितम्बं केवलं न्यस्य हृदयं जिह्वया युतम् ।
वक्त्रं केवलम् उद्धृत्य प्राणम् आद्येन जानुना ॥ 3.48 ॥

शूलदण्डचतुष्कं च तत्राद्यं द्वयम् उस्थितम् ।
वामपादं च तस्यान्ते कपालं पतितं न्यसेत् ॥ 3.49 ॥

ततः परमघोरान्तं पाद्यकाद्ये च पूर्ववत् ।
परापरा समाख्याता अपरा च प्रकथ्यते ॥ 3.50 ॥

अघोरान्तं न्यसेद् आदौ प्राणं बिन्दुयुतं पुनः ।
वाममुद्रान्वितं न्यस्य पाद्यं काद्येन पूर्ववत् ॥ 3.51 ॥

अपरेयं समाख्याता रुद्रशक्तिं परां शृणु ।
मन्त्राः संमुखतां यान्ति ययोच्चारितमात्रया ॥ 3.52 ॥

कम्पते गात्रयष्टिश् च द्रुतं चोत्पतनं भवेत् ।
मुद्राबन्धं च गेयं च शिवारुदितम् एव च ॥ 3.53 ॥

अतीतानगतार्थस्य कुर्याद् वा कथनादिकम् ।
वामजङ्घान्वितो जीवः पारम्पर्यक्रमागतः ॥ 3.54 ॥

परेयम् अनया सिद्धिः सर्वकामफलप्रदा ।
नाशिष्याय प्रदेयेयं नाभक्ताय कदा चन ॥ 3.55 ॥

रुद्रश् च रुद्रशक्तिश् च गुरुश् चेति त्रयं समम् ।
भक्त्या प्रपश्यते यस् तु तस्मै देया वरानने ॥ 3.56 ॥

शिष्येनापि तदा ग्राह्या यदा संतोषितो गुरुः ।
शरीरद्रव्यविज्ञानशुद्धिकर्मगुणादिभिः ॥ 3.57 ॥

बोधिता तु यदा तेन गुरुणा हृष्टचेतसा ।
तदा सिद्धिप्रदा ज्ञेया नान्यथा वीरवन्दिते ॥ 3.58 ॥

परापराङ्गसंभूता योगिन्यो ऽष्टौ महाबलाः ।
पञ्च षट् पञ्च चत्वारि द्वित्रिद्व्यर्णाः क्रमेण तु ॥ 3.59 ॥

ज्ञेयाः सप्तैकादशार्णा एकार्धार्णद्वयान्विता ।
जीवो दीर्घस्वरैः षड्भिः पृथग् जातिविभेदितः ॥ 3.60 ॥

विद्यात्रयस्य गात्राणि ह्रस्वैर् वक्त्राणि पञ्चभिः ।
ओंकारैः पञ्चभिर् मन्त्रो विद्याङ्गहृदयं भवेत् ॥ 3.61 ॥

ॐ अमृते तेजोमालिनि स्वाहा पदानि भूषितम् ।
एकादशाक्षरं प्रोक्तम् एतद् ब्रह्मशिरः प्रिये ॥ 3.62 ॥

वेदवेदिनि हूंफट् च च प्रणवादिसमन्विता ।
रुद्राण्य् अष्टाक्षरा ज्ञेया शिखा विद्यागणस्य तु ॥ 3.63 ॥

वज्रिणे वज्रधराय स्वाहान्तं प्रणवादिकम् ।
एकादशाक्षरं वर्म पुरुष्टुतम् इति स्मृटम् ॥ 3.64 ॥

श्लीपदं पशुशब्दं च हूंफडन्तं भवादिकम् ।
एतत् पाशुपतं प्रोक्तम् अर्धसप्ताक्षरं परम् ॥ 3.65 ॥

लरटक्षवयैर् दीर्घैः सूमायुक्तैः सबिन्दुकैः ।
इन्द्रादीन् कल्पयेद् ध्रस्वैस् तदस्त्राणि विचक्षणः ॥ 3.66 ॥

तद्वन् नासापयोभ्यां तु कल्प्यौ विष्णुप्रजापती ।
स्वराव् आद्यतृतीयौ तु वाचकौ पद्मचक्रयोः ॥ 3.67 ॥

इति मन्त्रगणः प्रोक्तः सर्वकामफलप्रदः ।
योगिनां योगसिद्ध्यर्थं किम् अन्यत् परिपृच्छसि ॥ 3.68 ॥

इति श्रीमालिनीविजयोत्तरे तन्त्रे मन्त्रोद्धाराधिकारस् तृतीयः समाप्तः

Devanagari: Kapitel 4

योगलक्षणधिकारश् चतुर्थः

अथैतद् उपसंश्रुत्य मुनयो मुदितेक्षणाः ।
प्रणम्य क्रौञ्चहन्तारं पुनर् ऊचुर् इदं वचः ॥ 4.1 ॥

योगमार्गविधिं देव्या पृष्टेन परमेष्ठिना ।
तत्प्रतिज्ञावताप्य् उक्तं किमर्थं मन्त्रलक्षणम् ॥ 4.2 ॥

एवम् उक्तः स तैः सम्यक् कार्तिकेयो महामतिः ।
इदम् आह वचस् तेषां संदेहविनिवृत्तये ॥ 4.3 ॥

योगम् एकत्वम् इच्छन्ति वस्तुनो ऽन्येन वस्तुना ।
यद् वस्तु ज्ञेयम् इत्य् उक्तं हेयत्वादिप्रसिद्धये ॥ 4.4 ॥

द्विरूपम् अपि तज् ज्ञानं विना ज्ञातुं न शक्यते ।
तत्प्रसिद्ध्यै शिवेनोक्तं ज्ञानं यद् उपवर्णितम् ॥ 4.5 ॥

सबीजयोगसंसिद्ध्यै मन्त्रलक्षणम् अप्य् अलम् ।
न चाधिकारिता दीक्षां विना योगे ऽस्ति शाङ्करे ॥ 4.6 ॥

क्रियाज्ञानविभेदेन सा च द्वेधा निगद्यते ।
द्विविधा सा प्रकर्तव्या तेन चैतद् उदाहृतम् ॥ 4.7 ॥

न च योगाधिकारित्वम् एकम् एवानया भवेत् ।
अपि मन्त्राधिकारित्वं मुक्तिश् च शिवदीक्षया ॥ 4.8 ॥

श्रुत्वा चैतत् पतेर् वाक्यं रोमाञ्चितशरीरिणी ।
इदम् आह पुनर् वाक्यम् अम्बा मुनिवरोत्तमाः ॥ 4.9 ॥

अभिन्नमालिनीकाये तत्त्वानि भुवनानि च ।
कलाः पदानि मन्त्राश् च यथावद् अवधारिताः ॥ 4.10 ॥

भिन्नयोनिस् तु या देव त्वयोक्ता मालिनी मम ।
तस्या अङ्गे यथैतानि संस्थितानि तथा वद ॥ 4.11 ॥

एवम् उक्तो महादेव्या भैरवो भूरिभोगदः ।
स्फुरद्धिमांशुसंतानप्रकाशितदिगन्तरः ॥ 4.12 ॥

सुरासुरशिरोमौलिमालालालितशासनः ।
उवाच मधुरां वाचम् इमाम् अक्लेशिताशयाम् ॥ 4.13 ॥

या मया कथिता देवि भिन्नयोनिस् तु मालिनी ।
तदङ्गे संप्रवक्ष्यामि सर्वम् एतद् यथा स्थितम् ॥ 4.14 ॥

फे धरातत्त्वम् उद्दिष्टं दादिझान्ते ऽनुपूर्वशः ।
त्रयोविंशत्यबादीनि प्रधानान्तानि लक्षयेत् ॥ 4.15 ॥

ठादौ च सप्तके सप्त पुरुषादीनि पूर्ववत् ।
इङघेषु त्रयं विद्याद् विद्यातः सकलावधि ॥ 4.16 ॥

शिवतत्त्वे गकारादिनान्तान् षोडश लक्षयेत् ।
कलाः पदानि मन्त्राश् च भुवनानि च सुन्दरि ॥ 4.17 ॥

पूर्ववद् वेदितव्यानि तत् सङ्ख्यार्णविभेदतः ।
विद्यात्रयविभागेन यथेदानीं तथा शृणु ॥ 4.18 ॥

निष्कले पदम् एकार्णं त्र्यर्णैकार्णम् अथ द्वयम् ।
सकले तु परिज्ञेयं पञ्चैकार्णद्वयं द्वये ॥ 4.19 ॥

चतुरेकाक्षरे द्वे च मायादित्रितये मते ।
चतुरक्षरम् एकं च कालादिद्वितये मतम् ॥ 4.20 ॥

रञ्जके द्व्यर्णम् उद्दिष्टं प्रधाने त्र्यर्णम् इष्यते ।
बुद्धौ देवाष्टकव्याप्त्या पदं द्व्यक्षरम् इष्यते ॥ 4.21 ॥

ततः पञ्चाष्टकव्याप्त्या द्व्येकद्विद्व्यक्षराणि तु ।
विद्यापदानि चत्वारि सार्धवर्णं तु पञ्चमम् ॥ 4.22 ॥

एकैकसार्धवर्णानि त्रीणि तत्त्वे तु पार्थिवे ।
पराङ्गे सर्वम् अन्यच् च वर्णमन्त्रकलादिकम् ॥ 4.23 ॥

सार्धेनाण्डद्वयं व्याप्तम् एकैकेन पृथग् द्वयम् ।
अपरायाः समाख्याता व्याप्तिर् एषा विलोमतः ॥ 4.24 ॥

सार्णेनाण्डत्रयं व्याप्तं त्रिशूलेन चतुर्थकम् ।
सर्वातीतं विसर्गेण पराव्याप्तिर् उदाहृता ॥ 4.25 ॥

एतत् सर्वं परिज्ञेयं योगिना हितम् इच्छता ।
आत्मनो वा परेषां वा नान्यथा तद् अवाप्यते ॥ 4.26 ॥

द्वाव् एव मोक्षदौ ज्ञेयौ ज्ञानी योगी च शाङ्करि ।
पृथक्त्वात् तत्र [Textlücke: 3 laut Vorlage] बोद्धव्यं फलकाङ्क्षिभिः ॥ 4.27 ॥ †

ज्ञानं च त्रिविधं प्रोक्तं तत्राद्यं श्रुतम् इष्यते ।
चिन्तामयम् अथान्यच् च भावनामयम् एव च ॥ 4.28 ॥

शास्त्रार्थस्य परिज्ञानं विक्षिप्तस्य श्रुतं मतम् ।
इदम् अत्रेदम् अत्रेति इदम् अत्रोपयुज्यते ॥ 4.29 ॥

सर्वम् आलोच्य शास्त्रार्थम् आनुपूर्व्या व्यवस्थितम् ।
तद्वच् चिन्तामयं ज्ञानं द्विरूपम् उपदिश्यते ॥ 4.30 ॥

मन्दस्वभ्यस्तभेदेन तत्र स्वभ्यस्तम् उच्यते ।
सुनिष्पन्ने ततस् तस्मिञ् जायते भावनामयम् ॥ 4.31 ॥

यतो योगं समासाद्य योगी योगफलं लभेत् ।
एवं विज्ञानभेदेन ज्ञानी प्रोक्तश् चतुर्विधः ॥ 4.32 ॥

संप्राप्तो घटमानश् च सिद्धः सिद्धतमो ऽन्यथा ।
योगी चतुर्विधो देवि यथावत् प्रतिपद्यते ॥ 4.33 ॥

समावेशोक्तिवद् योगस् त्रिविधः समुदाहृतः ।
तत्र प्राप्तोपदेशस् तु पारम्पर्यक्रमेण यः ॥ 4.34 ॥

प्राप्तयोगः स विज्ञेयस् त्रिविधो ऽपि मनीषिभिः ।
चेतसो घटनं तत्त्वाच् चलितस्य पुनः पुनः ॥ 4.35 ॥

यः करोति तम् इच्छन्ति घटमानं मनीषिणः ।
तद् एव चेतसा नान्यद् द्वितीयम् अवलम्बते ॥ 4.36 ॥

सिद्धयोगस् तदा ज्ञेयो योगी योगफलार्थिभिः ।
यः पुनर् यत्र तत्रैव संस्थितो ऽपि यथा तथा ॥ 4.37 ॥

भुञ्जानस् तत्फलं तेन हीयते न कथञ् चन ।
सुसिद्धः स तु बोद्धव्यः सदाशिवसमः प्रिये ॥ 4.38 ॥

उत्तरोत्तरवैशिष्ट्यम् एतेषां समुदाहृतम् ।
ज्ञानिनां योगिनां चैव द्वयोर् योगविद् उत्तमः ॥ 4.39 ॥

यतो ऽस्य ज्ञानम् अप्य् अस्ति पूर्वो योगफलोज्झितः ।
यतश् च मोक्षदः प्रोक्तः स्वभ्यस्तज्ञानवान् बुधैः ॥ 4.40 ॥

इत्य् एतत् कथितं सर्वं विज्ञेयं योगिपूजिते ।
तन्त्रार्थम् उपसंहृत्य समासाद् योगिनां हितम् ॥ 4.41 ॥

इति श्रीमालिनीविजयोत्तरे तन्त्रे चतुर्थो ऽधिकारः समाप्तः

Devanagari: Kapitel 5

अथ पञ्चमो ऽधिकारः

अथातः संप्रवक्ष्यामि भुवनाध्वानम् ईश्वरि ।
आदौ कालाग्निभुवनं शोधितव्यं प्रयत्नतः ॥ 5.1 ॥

अवीचिः कुम्भीपाकश् च रौरवश् च तृतीयकः ।
कूष्माण्डभुवने शुद्धे सर्वे शुद्धा न संशयः ॥ 5.2 ॥

पातालानि ततः सप्त तेषाम् आदौ महातलम् ।
रसातलं ततश् चान्यत् तलातलम् अतः परम् ॥ 5.3 ॥

सुतलं नितलं चेति वितलं तलम् एव च ।
हाटकेन विशुद्धेन सर्वेषां शुद्धिर् इष्यते ॥ 5.4 ॥

तदूर्ध्वं पृथिवी ज्ञेया सप्तद्वीपार्णवान्विता ।
देवानाम् आश्रयो मेरुस् तन्मध्ये संव्यवस्थितः ॥ 5.5 ॥

भुवोलोकस् तदूर्ध्वे च स्वर्लोकस् तस्य चोपरि ।
महो जनस् तपः सत्यम् इत्य् एतल् लोकसप्तकम् ॥ 5.6 ॥

चतुर्दशविधो यत्र भूतग्रामः प्रवर्तते ।
स्थावरः सर्पजातिश् च पक्षिजातिस् तथापरा ॥ 5.7 ॥

मृगसंज्ञश् च पश्वाख्यः पञ्चमो ऽन्यश् च मानुषः ।
पैशाचो राक्षसो याक्षो गान्धर्वश् चैन्द्र एव च ॥ 5.8 ॥

सौम्यश् च प्राजापत्यश् च ब्राह्मश् चात्र चतुर्दश ।
सर्वस्यैवास्य संशुद्धिर् ब्राह्मे संशोधिते सति ॥ 5.9 ॥

भुवनं वैष्णवं तस्मान् मदीयं तदनन्तरम् ।
तत्र शुद्धे भवेच् छुद्धं सर्वम् एतन् न संशयः ॥ 5.10 ॥

कालाग्निपूर्वकैर् एभिर् भुवनैः पञ्चभिः प्रिये ।
शुद्धैः सर्वम् इदं शुद्धं ब्रह्माण्डान्तर्व्यवस्थितम् ॥ 5.11 ॥

तद्बहिः शतरुद्राणां भुवनानि पृथक् पृथक् ।
दश संशोधयेत् पश्चाद् एकं तन्नायकावृतम् ॥ 5.12 ॥

अनन्तः प्रथमस् तेषां कपालीशस् तथापरः ।
अग्निरुद्रो यमश् चैव नैरृतो बल एव च ॥ 5.13 ॥

शीघ्रो निधीश्वरश् चैव सर्वविद्याधिपो ऽपरः ।
शंभुश् च वीरभद्रश् च विधूमज्वलनप्रभः ॥ 5.14 ॥

एभिर् दशैकसंख्यातैः शुद्धैः शुद्धं शतं मतम् ।
उपरिष्टात् पुरस् तेषाम् अष्टकाः पञ्च संस्थिताः ॥ 5.15 ॥

लकुली भारभूतिश् च दिण्ढ्याषाढी सपुष्करौ ।
नैमिषं च प्रभासं च अमरेशम् अथाष्टकम् ॥ 5.16 ॥

एतत् प्रत्यात्मकं प्रोक्तम् अतो गुह्यातिगुह्यकम् ।
तत्र भैरवकेदारमहाकालाः समध्यमाः ॥ 5.17 ॥

आम्रातिकेशजल्पेशश्रीशैलाः सहरीन्दवः ।
भीमेश्वरमहेन्द्राट्टहासाः सविमलेश्वराः ॥ 5.18 ॥

कनखलं नाखलं च कुरुक्षेत्रं गया तथा ।
गुह्यम् एतत् तृतीयं तु पवित्रम् अधुनोच्यते ॥ 5.19 ॥

स्थानुस्वर्णाक्षकाव् आद्यौ भद्रगोकर्णकौ परौ ।
महाकालाविमुक्तेशरुद्रकोट्यम्बरापदाः ॥ 5.20 ॥

स्थूलः स्थूलेश्वरः शङ्कुकर्णकालञ्जराव् अपि ।
मण्डलेश्वरमाकोटद्विरण्डछगलाण्डकौ ॥ 5.21 ॥

स्थाण्वाष्टकम् इति प्रोक्तम् अहङ्कारावधि स्थितम् ।
देवयोन्यष्टकं बुद्धौ कथ्यमानं मया शृणु ॥ 5.22 ॥

पैशाचं राक्षसं याक्षं गान्धर्वं चैन्द्रम् एव च ।
तथा सौम्यं सप्राजेशं ब्राह्मम् अष्टमम् इष्यते ॥ 5.23 ॥

योगाष्टकं प्रधाने तु तत्रादाव् अकृतं भवेत् ।
कृतं च रैभवं ब्राह्मं वैष्णवं तदनन्तरम् ॥ 5.24 ॥

कौमारम् औमं श्रैकण्ठम् इति योगाष्टकं तथा ।
पुरुषे वामभीमोग्रभवेशानैकवीरकाः ॥ 5.25 ॥

प्रचण्डोमाधवाजाश् च अनन्तैकशिवाव् अथ ।
क्रोधेशचण्डौ विद्यायां संवर्तो ज्योतिर् एव च ॥ 5.26 ॥

कलातत्त्वे परिज्ञेयौ सुरपञ्चान्तकौ परे ।
एकवीरशिखण्डीशश्रीकण्ट्ःआः कालम् आश्रिताः ॥ 5.27 ॥

महातेजः प्रभृतयोः मण्डलेशानसंज्ञकाः ।
मायातत्त्वे स्थितास् तत्र वामदेवभवोद्भवौ ॥ 5.28 ॥

एकपिङ्गेक्षणेशानभुवनेशपुरःसराः ।
अङ्गुष्ठमात्रसहिताः कालानलसमत्विषः ॥ 5.29 ॥

विद्यातत्त्वे ऽपि पञ्चाहुर् भुवनानि मनीषिणः ।
तत्र हालाहलः पूर्वो रुद्रः क्रोधस् तथापरः ॥ 5.30 ॥

अम्बिका च अघोरा च वामदेवी च कीर्त्यते ।
ईश्वरे पिवनाद्याः स्युर् अघोरान्ता महेश्वराः ॥ 5.31 ॥

रौद्री ज्येष्ठा च वामा च तथा शक्तिसदाशिवौ ।
एतानि सकले पञ्च भुवनानि विदुर् बुधाः ॥ 5.32 ॥

एवं तु सर्वतत्त्वेषु शतम् अष्टादशोत्तरम् ।
भुवनानां परिज्ञेयं सङ्क्षेपान् न तु विस्तरात् ॥ 5.33 ॥

शुद्धेनानेन शुद्ध्यन्ति सर्वाण्य् अपि न संशयः ।
सर्वमार्गविशुद्धौ तु कर्तव्यायां महामतिः ॥ 5.34 ॥

सकलावधि संशोध्य शिवे योगं प्रकल्पयेत् ।
बुभुक्षोः सकलं ध्यात्वा योगं कुर्वीत योगवित् ॥ 5.35 ॥

इत्य् एष कीर्तितो मार्गो भुवनाख्यस्य मे मतः ॥ 5.36 ॥

इति श्रीमालिनीविजयोत्तरे तन्त्रे पञ्चमो ऽधिकारः समाप्तः

Devanagari: Kapitel 6

अथ देहमार्गाधिकारः षष्ठः

अथास्य वस्तुजातस्य यथा देहे व्यवस्थितिः ।
क्रियते ज्ञानदीक्षासु तथेदानीं निगद्यते ॥ 6.1 ॥

पादाधः पञ्चभूतानि व्याप्त्या द्व्यङ्गुलया न्यसेत् ।
धरातत्त्वं च गुल्फान्तम् अबादीनि ततः क्रमात् ॥ 6.2 ॥

तद्वत् तुन्दोपरिष्टात् तु पर्वषट्कावसानकम् ।
पुंस्तत्त्वात् कलातत्त्वान्तं तत्त्वषट्कं विचिन्तयेत् ॥ 6.3 ॥

ततो मायादितत्त्वानि चत्वारि सुसमाहितः ।
चतुरङ्गुलया व्याप्त्या सकलान्तानि भावयेत् ॥ 6.4 ॥

शिवतत्त्वं ततः पश्चात् तेजोरूपम् अनाकुलम् ।
सर्वेषां व्यापकत्वेन सबाह्याभ्यन्तरं स्मरेत् ॥ 6.5 ॥

षट्त्रिंशत्तत्त्वभेदेन न्यासो ऽयं समुदाहृतः ।
अधुना पञ्च तत्त्वानि यथा देहे तथोच्यते ॥ 6.6 ॥

नाभेर् ऊर्ध्वं तु यावत् स्यात् पर्वषट्कम् अनुक्रमात् ।
धरातत्त्वेन गुल्फान्तं व्याप्तं शेषम् इहाम्बुना ॥ 6.7 ॥

द्वाविंशतिश् च पर्वाणि तदूर्ध्वं तेजसावृतम् ।
तस्माद् द्वादश पर्वाणि वायुव्याप्तिर् उदाहृता ॥ 6.8 ॥

आकाशान्तं परं शान्तं सर्वेषां व्यापकं स्मरेत् ।
शक्त्यादिपञ्चखण्डाध्वविधिष्व् अप्य् एवम् इष्यते ॥ 6.9 ॥

त्रिखण्डे कण्ठपर्यन्तम् आत्मतत्त्वम् उदाहृतम् ।
विद्यातत्त्वम् अतोर्ध्वं च शिवतत्त्वं तु पूर्ववत् ॥ 6.10 ॥

एवं तत्त्वविधिः प्रोक्तो भुवनाध्वा तथोच्यते ।
कालाग्नेर् वीरभद्रान्तं पुरषोडशकं ततः ॥ 6.11 ॥

गुल्फान्तं विन्यसेद् ध्यात्वा यथावद् अनुपूर्वशः ।
तस्माद् एकाङ्गुलव्याप्त्या लकुलीशादितः क्रमात् ॥ 6.12 ॥

विन्यसेत् तु द्विरण्डान्तं त्र्यङ्गुलं छगलाण्डकम् ।
ततः पादाङ्गुलव्याप्त्या देवयोगाष्टकं पृथक् ॥ 6.13 ॥

ततो ऽप्य् अर्धाङ्गुलव्याप्त्या पुरषट्कम् अनुक्रमात् ।
चतुष्कं तु द्वये ऽन्यस्मिन्न् एकम् एकत्र चिन्तयेत् ॥ 6.14 ॥

उत्तरादिक्रमाद् द्व्येकभेदो विद्यादिके त्रये ।
काले प्रत्येकम् उद्दिष्टम् एकैकं तु यथाक्रमं ॥ 6.15 ॥

मण्डलाधिपतीनां तु व्याप्तिर् अर्धाङ्गुला मता ।
त्रिभागन्यूनपर्वाख्या त्रितयस्य तथोपरि ॥ 6.16 ॥

द्वितयस्य च संपूर्णा पञ्चकं समुदाहृतम् ।
अष्टकं पञ्चकं चान्यद् एवम् एव विलक्षयेत् ॥ 6.17 ॥

भुवनाध्वविधाव् अत्र पूर्ववच् चिन्तयेच् छिवम् ।
पदानि द्विविधान्य् अत्र वर्गविद्याविभेदतः ॥ 6.18 ॥

तेषां तन्मन्त्रवद् व्याप्तिर् यथेदानीं तथा शृणु ।
चतुरङ्गुलम् आद्यं तु द्वे चान्ये ऽष्टाङ्गुले पृथक् ॥ 6.19 ॥

दशाङ्गुलानि त्रीण्य् अस्माद् एकं पञ्चदशाङ्गुलम् ।
चतुर्भिर् अधिकैश् चान्यद् व्यापकं नवमं महत् ॥ 6.20 ॥

ऊनविंशतिके भेदे पदानां व्याप्तिर् उच्यते ।
एकैकं द्व्यङ्गुलं ज्ञेयं तत्र पूर्वं पदत्रयम् ॥ 6.21 ॥

अष्टाङ्गुलानि चत्वारि दशाङ्गुलम् अतः परम् ।
द्व्यङ्गुले द्वे पदे चान्ये षडङ्गुलम् अतः परम् ॥ 6.22 ॥

द्वादशाङ्गुलम् अन्यच् च द्वे ऽन्ये पञ्चाङ्गुले पृथक् ।
पदद्वयं चतुष्पर्व तथान्ये द्वे द्विपर्वणी ॥ 6.23 ॥

व्यापकं पदम् अन्यच् च पूर्ववत् परिकीर्तितं ।
अपरो ऽयं विधिः प्रोक्तः परापरम् अतः शृणु ॥ 6.24 ॥

पूर्ववत् पृथिवीतत्त्वं विज्ञेयं चतुरङ्गुलम् ।
सार्धद्व्यङ्गुलमानानि धिषणान्तानि लक्षयेत् ॥ 6.25 ॥

प्रधानं त्र्यङ्गुलं ज्ञेयं शेषं पूर्ववद् आदिशेत् ।
परे ऽपि पूर्ववत् पृथ्वी त्र्यङ्गुलान्य् अपराणि च ॥ 6.26 ॥

चतुष्पर्व प्रधानं च शेषं पूर्ववद् आश्रयेत् ।
द्विविधो ऽपि हि वर्णानां षड्विधो भेद उच्यते ॥ 6.27 ॥

तत्त्वमार्गविधानेन ज्ञातव्यः परमार्थतः ।
पदमन्त्रकलादीनां पूर्वसूत्रानुसारतः ॥ 6.28 ॥

त्रितयत्वं प्रकुर्वीत तत्त्ववर्णोक्तवर्त्मना ।
इत्थं भूतशरीरस्य गुरुणा शिवमूर्तिना ॥ 6.29 ॥

प्रकर्तव्या विधानेन दीक्षा सर्वफलप्रदा ॥ 6.30 ॥

इति श्रीमालिनीविजयोत्तरे तन्त्रे देहमार्गाधिकारः षष्ठः समाप्तः

Devanagari: Kapitel 7

मुद्राधिकारः सप्तमः

अथातः संप्रवक्ष्यामि मुद्राख्याः शिवशक्तयः ।
याभिः संरक्षितो मन्त्री मन्त्रसिद्धिम् अवाप्नुयात् ॥ 7.1 ॥

त्रिशूलं च तथा पद्मं शक्तिश् चक्रं सवज्रकम् ।
दण्डदंष्ट्रे महाप्रेता महामुद्रा खगेश्वरी ॥ 7.2 ॥

महोदया कराला च खट्वाङ्गं सकपालकम् ।
हलं पाशाङ्कुशा घण्टा मुद्गरस् त्रिशिखो ऽपरः ॥ 7.3 ॥

आवाहस्थापनीरोधा द्रव्यदा नतिर् एव च ।
अमृता योगमुद्रेति विज्ञेया वीरवन्दिते ॥ 7.4 ॥

तर्जनीमध्यमानामा दक्षिणस्य प्रसारिताः ।
कणिष्ठाङ्गुष्ठकाक्रान्तास् त्रिशूलं परिकीर्तितम् ॥ 7.5 ॥

पद्माकारौ करौ कृत्वा पद्ममुद्रां प्रदर्शयेत् ।
संमुखौ प्रसृतौ कृत्वा कराव् अन्तरिताङ्गुली ॥ 7.6 ॥

प्रसृते मध्यमे लग्ने कौमार्याः शक्तिर् इष्यते ।
उत्तानवाममुष्टेस् तु दक्ष[Textlücke: 6 laut Vorlage] ॥ 7.7 ॥ †

[Textlücke: 4 laut Vorlage] क्षिपेन् मुष्टिं चक्रं नारायणीप्रियम् ।
उत्तानवामकस्योर्ध्वं न्यसेद् दक्षम् अधोमुखम् ॥ 7.8 ॥ †

कनिष्ठाङ्गुष्ठकौ श्लिष्टौ शेषाः स्युर् मणिबन्धगा ।
वज्रमुद्रेति विख्याता ऐन्द्रीसंतोषकारिका ॥ 7.9 ॥

ऊर्ध्वप्रसारितो मुष्टिर् दक्षिणो ऽङ्गुष्ठगर्भगः ।
दण्डमुद्रेति विख्याता वैवस्वतकुलप्रिया ॥ 7.10 ॥

वामतो वक्त्रगां कुर्याद् वाममुष्टेः कनिष्ठिकाम् ।
दंष्ट्रेयं कीर्तिता देवि चामुण्डाकुलनन्दिनी ॥ 7.11 ॥

वामजानुगतं पादं [Vorlagenfehler: but] हस्तौ पृष्ठप्रलम्बिनौ ।
विकृते लोचने ग्रीवा भग्ना जिह्वा प्रसारिता ॥ 7.12 ॥ †

सर्वयोगिगणस्येष्टा प्रेता योगीश्वरी मता ।
हस्ताव् अधोमुखौ पद्भ्यां हृदयान्तं नयेद् बुधः ॥ 7.13 ॥

तिर्यग् मुखान्तम् उपरि संमुखाव् ऊर्ध्वगौ नयेत् ।
महामुद्रेति विख्याता देहशोधनकर्मणि ॥ 7.14 ॥

सर्वकर्मकरी चैषा योगिनां योगसिद्धये ।
बद्ध्वा पद्मासनं योगी नाभाव् अक्षेश्वरं न्यसेत् ॥ 7.15 ॥

दण्डाकारं तु तं तावन् नयेद् यावत् कखत्रयम् ।
निगृह्य तत्र तत् तूर्णं प्रेरयेत् खत्रयेण तु ॥ 7.16 ॥

एतां बद्ध्वा महावीरः खे गतिं प्रतिपद्यते ।
अधोमुखस्य दक्षस्य वामम् उत्तानम् ऊर्ध्वतः ॥ 7.17 ॥

अनामामध्यमे तस्य वामाङ्गुष्ठेन पीडयेत् ।
तर्जन्या तत्कनिष्ठां च तर्जनीं च कनिष्ठया ॥ 7.18 ॥

मध्यमानामिकाभ्यां च तदङ्गुष्ठं निपीडयेत् ।
मुद्रा महोदयाख्येयं महोदयकरी नृणाम् ॥ 7.19 ॥

अनामिकाकनिष्ठाभ्यां सृक्विण्यौ प्रविदारयेत् ।
जिह्वां च लालयेन् मन्त्री हाहाकारं च कारयेत् ॥ 7.20 ॥

क्रुद्धदृष्टिः करालेयं मुद्रा दुष्टभयङ्करी ।
वामस्कन्धगतो वाम मुष्टिर् उच्छ्रिततर्जनी ॥ 7.21 ॥

खट्वाङ्गाख्या स्मृता मुद्रा कपालम् अधुना शृणु ।
निम्नं पाणितलं दक्षम् ईषत् संकुचिताङ्गुलि ॥ 7.22 ॥

कपालम् इति विज्ञेयम् अधुना हलम् उच्यते ।
मुष्टिबद्धस्य दक्षस्य तर्जनी वाममुष्टिना ॥ 7.23 ॥

वक्रतर्जनिना ग्रस्ता हलमुद्रेति कीर्तिता ।
मुष्ट्या पृष्ठगयोर् दक्ष वामयोस् तर्जनीद्वयम् ॥ 7.24 ॥

वामाङ्गुष्ठाग्रसंलग्नं पाशः प्रसृतकुञ्चितः ।
हले मुष्टिर् यथा वामो दक्षहीनस् तथाङ्कुशः ॥ 7.25 ॥

अधोमुखस्थिते वामे दक्षिणां तर्जनीं बुधः ।
चालयेन् मध्यदेशस्थां घण्टामुद्रा प्रिया मता ॥ 7.26 ॥

कराव् ऊर्ध्वमुखौ कार्याव् अन्योन्यान्तरिताङ्गुली ।
अनामे मध्यपृष्ठस्थे तर्जन्यौ मूलपर्वगे ॥ 7.27 ॥

मध्यमे द्वे युते कार्ये कनिष्ठे पुरुषावधि ।
तर्जन्यौ मध्यपार्श्वस्थे विरले परिकल्पिते ॥ 7.28 ॥

मुद्गरस् त्रिशिखो ह्य् एष क्षणाद् आवेशकारकः ।
कराभ्याम् अञ्जलिं कृत्वा अनामामूलपर्वगौ ॥ 7.29 ॥

अङ्गुष्ठौ कल्पयेद् विद्वान् मन्त्रावाहनकर्मणि ।
मुष्टी द्वाव् उन्नताङ्गुष्ठौ स्थापनी परिकीर्तिता ॥ 7.30 ॥

द्वाव् एव गर्भगाङ्गुष्ठौ विज्ञेया संनिरोधिनी ।
द्रव्यदा तु समाख्याता [Textlücke: 4 laut Vorlage]त्र संमुखी ॥ 7.31 ॥ †

हृदये संमुखौ हस्तौ संलग्नौ प्रसृताङ्गुली ।
नमस्कृतिर् इयं मुद्रा मन्त्रवन्दनकर्मणि ॥ 7.32 ॥

अन्योन्यान्तरिताः सर्वाः करयोर् अङ्गुलीः स्थिताः ।
कनिष्ठां दक्षिणां वामे ऽनामिकाग्रे नियोजयेत् ॥ 7.33 ॥

दक्षिणे च तथा वामं तर्जनीमध्यमे तथा ।
अङ्गुष्ठौ मध्यमूलस्थौ मुद्रेयम् अमृतप्रभा ॥ 7.34 ॥

दक्षिणं नाभिमूले तु वामस्योपरि संस्थितम् ।
तर्जन्यङ्गुष्ठकौ लग्नौ उच्छ्रितौ योगकर्मणि ॥ 7.35 ॥

एवं मुद्रागणं मन्त्री बध्नीयद् धृदये बुधः ।
सर्वासां वाचकाश् चासां ॐ ह्रीं नाम ततो नमः ॥ 7.36 ॥

इति श्रीमालिनीविजयोत्तरे तन्त्रे मुद्राधिकारो सप्तमः समाप्तः

Devanagari: Kapitel 8

अथातः संप्रवक्ष्यामि यजनं सर्वकामदम् ।
यस्य दर्शनमात्रेण योगिनीसंमतो भवेत् ॥ 8.1 ॥

तत्रादौ यागसदनं शुभे क्षेत्रे मनोरमम् ।
कारयेद् अग्निकुण्डेन वर्तुलेन समन्वितम् ॥ 8.2 ॥

पञ्चविंशतिपर्वेण समन्ताद् अर्धनाभिना ।
तुर्यांशमेखलेनापि पर्वौष्ठेन सुशोभिना ॥ 8.3 ॥

ततः स्नात्वा जितद्वन्द्वो भावस्नानेन मन्त्रवित् ।
तच् च षड्विधम् उद्दिष्टं भस्मस्नानाद्यनुक्रमात् ॥ 8.4 ॥

भस्मस्नानं महास्त्रेण भस्म सप्ताभिमन्त्रितम् ।
मलस्नानाय संहारक्रमेणोद्धूलयेत् तनुम् ॥ 8.5 ॥

विद्याङ्गैः पञ्चभिः पश्चाच् छिरः प्रभृति गुण्ठयेत् ।
अभिषेकं तु कुर्वीत मूलेनैव षडङ्गिना ॥ 8.6 ॥

ततो ऽवासाः सुवासा च हस्तौ पादौ च धावयेत् ।
आचम्य मार्जनं कुर्याद् विद्यया भूरिवर्णया ॥ 8.7 ॥

न्यासं कृत्वा तु सामान्याम् अघमर्षं द्वितीयया ।
उपस्थानं च मालिन्या जपेच् चैकाक्षरां पराम् ॥ 8.8 ॥

जलस्नाने ऽपि चास्त्रेण मृदं सप्ताभिमन्त्रितम् ।
पूर्ववत् तनुम् आलभ्य मलस्नानं समाचरेत् ॥ 8.9 ॥

विधिस्नानादिकं चात्र पूर्ववत् किं तु वारिणा ।
साधारणविधिस्नातो विद्यात्रितयमन्त्रितम् ॥ 8.10 ॥

तोयं विनिक्षिपेन् मूर्ध्नि मन्त्रस्नानाय मन्त्रवित् ।
रजसा गोधुतेनैव वायव्यं स्नानम् आचरेत् ॥ 8.11 ॥

महास्त्रम् उच्चरन् गच्छेद् ध्यानयुक् पदसप्तकम् ।
तद् एव पुनर् आगच्छेद् अनुस्मृत्य परापराम् ॥ 8.12 ॥

वर्षातपसमायोगाद् दिव्यो ऽअप्य् एवंविधो मतः ।
किं तु तत्र परां मन्त्री स्रवन्तीम् अमृतं स्मरेत् ॥ 8.13 ॥

अस्त्रेणाङ्गुष्ठमूलात् तु वह्निम् उत्थाप्य निर्दहेत् ।
स्वतनुं प्लावयेत् पश्चात् परयैवामृतेन तु ॥ 8.14 ॥

सूर्यादौ मन्त्रम् आदाय गच्छेद् अस्त्रम् अनुस्मरन् ।
यागवेश्मास्त्रसंशुद्धं विशेच् छुचिर् अनाकुलः ॥ 8.15 ॥

तत्र द्वारपतीन् पूज्य महास्त्रेणाभिमन्त्रितम् ।
पुष्पं विनिक्षिपेद् ध्यात्वा ज्वलद्विघ्नप्रशान्तये ॥ 8.16 ॥

दशस्व् अपि ततो ऽस्त्रेण दिक्षु संकल्प्य रक्षणं ।
प्रविशेद् यागसदनं वह्निवद् वह्निसंयुतम् ॥ 8.17 ॥

पूर्वास्यः सौम्यवक्त्रो वा विशेषन्यासम् आरभेत् ।
तत्रादाव् अस्त्रमन्त्रेण कालानलसमत्विषा ॥ 8.18 ॥

अङ्गुष्ठाग्रात् तनुं दग्धां सबाह्याभ्यन्तरां स्मरेत् ।
विकीर्यमाणं तद्भस्म ध्यात्वा कवचवायुना ॥ 8.19 ॥

शिवबिन्दुसमाकारम् आत्मानम् अनुचिन्तयेत् ।
ततो ऽस्य योजयेच् छक्तिं सो ऽहम् इत्य् अपराजितः ॥ 8.20 ॥

विद्यामूर्तिं ततो दध्यान् मन्त्रेणानेन शाङ्करि ।
दण्डाक्रान्तं महाप्राणं दण्डारूढं सनाभिकम् ॥ 8.21 ॥

नितम्बं तदधस्ताच् च वामस्तनम् अधः पुनः ।
कण्ठं च वामशिखरं वाममुद्राविभूषितम् ॥ 8.22 ॥

बिन्द्वर्धचन्द्रखं नादशक्तिबिन्दुविभूषितम् ।
एष पिण्डकरो देवि नवात्मक इति श्रुतः ॥ 8.23 ॥

सर्वसिद्धिकरश् चायं सरहस्यम् उदाहृतः ।
एष त्र्यर्णोज्झितो ऽअधस्ताद् दीर्घैः षड्भिः स्वरैर् युतः ॥ 8.24 ॥

षडङ्गानि हृदादीनि जातिभेदेन कल्पयेत् ।
क्षयरवलबीजैश् च दीप्तैर् बिन्दुविभूषितैः ॥ 8.25 ॥

वक्त्राणि कल्पयेत् पूर्वम् ऊर्ध्ववक्त्रादितः क्रमात् ।
प्रत्यङ्गविधिसिद्ध्यर्थं ललाटादिष्व् अथो न्यसेत् ॥ 8.26 ॥

अ ललाटे द्वितीयं च वक्त्रे संपरिकल्पयेत् ।
इ ई नेत्रद्वये दत्त्वा उ ऊ कर्णद्वये न्यसेत् ॥ 8.27 ॥

ऋ ॠ नासापुटे तद्वद् ऌ ॡ गण्डद्वये तथा ।
ए ऐ अधोर्ध्वदन्तेषु ओ-औकारौ तथोष्ठयोः ॥ 8.28 ॥

अं शिखायां विसर्गेण जिह्वां संपरिकल्पयेत् ।
दक्षिणस्कन्धदोर्दण्ड कराङ्गुलिनखेषु च ॥ 8.29 ॥

कवर्गं विन्यसेद् वामे तद्वच् चाद्यम् अनुक्रमात् ।
टताद्यौ पूर्ववद् वर्गौ नितम्बोर्वादिषु न्यसेत् ॥ 8.30 ॥

पाद्यं पार्श्वद्वये पृष्ठे जठरे हृद्य् अनुक्रमात् ।
त्वग्रक्तमांससूत्रेषु यवर्गं परिकल्पयेत् ॥ 8.31 ॥

शाद्यम् अस्थिवसाशुक्रप्राणकोपेषु पञ्चकम् ।
मूर्त्यङ्गानि ततो दत्त्वा शिवम् आवाहयेद् बुधः ॥ 8.32 ॥

प्राणोपरि न्यसेन् नाभिं तदूर्ध्वे दक्षिणाङ्गुलिम् ।
वामकर्णप्रमेयोतः सर्वसिद्धिप्रदः शिवः ॥ 8.33 ॥

सद्भावः परमो ह्य् एषः भैरवस्य महात्मनः ।
अङ्गान्य् अनेन कार्याणि पूर्ववत् स्वरभेदतः ॥ 8.34 ॥

मूर्तिः सृष्टिस् त्रितत्त्वं च अष्टौ मूर्त्यङ्गसंयुताः ।
शिवः साङ्गश् च षोढैव न्यासः संपरिकीर्तितः ॥ 8.35 ॥

अस्योपरि ततः शाक्तं कुर्यान् न्यासं यथा शृणु ।
मूर्तौ परापरां न्यस्य तद्वक्त्राणि च मालिनीम् ॥ 8.36 ॥

परादित्रितयं पश्चाच् छिखाहृत्पादगं न्यसेत् ।
कवक्त्रकण्ठहृन्नाभिगुह्योरूपादगं क्रमात् ॥ 8.37 ॥

अघोर्याद्यष्टकं न्यस्य विद्याङ्गानि तु पूर्ववत् ।
ततस् त्व् आवाहयेच् छक्तिं सर्वयोगिनमस्कृताम् ॥ 8.38 ॥

जीवः प्राणपुटान्तस्थः कालानलसमद्युतिः ।
अतिदीप्तस् तु वामाङ्घ्रिभूषितो मूर्ध्नि बिन्दुना ॥ 8.39 ॥

दक्षजानुयुतश् चायं सर्वमातृगणान्वितः ।
अनेन प्रीणिताः सर्वा ददते वाञ्छितं फलम् ॥ 8.40 ॥

सद्भावः परमो ह्य् एष मातृणां परिपठ्यते ।
तस्माद् एनां जपेन् मन्त्री य इच्छेत् सिद्धिम् उत्तमाम् ॥ 8.41 ॥

रुद्रशक्तिसमावेशो नित्यम् अत्र प्रतिष्ठितः ।
यस्माद् एषा पराशक्तिर् भेदेनानेन कीर्तिता ॥ 8.42 ॥

यावत्यः सिद्धयस् तन्त्रे सर्वाः स्युर् अनया कृताः ।
अङ्गानि कल्पयेद् अस्याः पूर्ववत् स्वरभेदतः ॥ 8.43 ॥

मूर्तिः सवक्त्रा शक्तिश् च विद्यात्रितय एव च ।
अघोर्याद्यष्टकं चेति तथा विद्याङ्गपञ्चकम् ॥ 8.44 ॥

साङ्गाश् चैव परा शक्तिर् न्यासः प्रोक्तो ऽअथ षड्विधः ।
यामलो ऽयम् अतो न्यासः सर्वसिद्धिप्रसिद्धये ॥ 8.45 ॥

वामो वायं विधिः कार्यो मुक्तिमार्गावलम्बिभिः ।
वर्णमन्त्रविभेदेन पृथग् वा तत्फलार्थिभिः ॥ 8.46 ॥

यावन्तः कीर्तिता भेदैः शंभुशक्त्यणुवाचकाः ।
तावत्स्व् अप्य् एवम् एवायं न्यासः पञ्चविधो मतः ॥ 8.47 ॥

किं तु बाह्यस् तु यो यत्र स तत्राङ्गसमन्वितः ।
षष्ठः स्याद् इति सर्वत्र षोढैवायम् उदाहृतः ॥ 8.48 ॥

स्वानुष्ठानाविरोधेन भावाभावविकल्पनैः ।
यागद्रव्याणि सर्वाणि कार्याणि विधिवद् बुधैः ॥ 8.49 ॥

ततो ऽर्घपात्रम् आदाय भावाभावविकल्पितम् ।
ततश् चास्त्राग्निसंदग्धं शक्त्यम्बुप्लावितं शुचि ॥ 8.50 ॥

कर्तव्या यस्य संशुद्धिर् अन्यस्याप्य् अत्र वस्तुनः ।
तस्यानेनैव मार्गेण प्रकर्तव्या विजानता ॥ 8.51 ॥

न चासंशोधितं वस्तु किञ्चिद् अप्य् अत्र कल्पयेत् ।
तेन शुद्धं तु सर्वं यद् अशुद्धम् अपि तच् छुचि ॥ 8.52 ॥

तद् अम्बुना समापूर्य षड्भिर् अङ्गैः समर्प्य च ।
अमृतीकृत्य सर्वाणि तेन द्रव्याणि शोधयेत् ॥ 8.53 ॥

आत्मानं पूजयित्वा तु कुर्याद् अन्तःकृतिं यथा ।
तथा ते कथयिष्यामि सर्वयोगिगणार्चिते ॥ 8.54 ॥

आदावौआव् आधारशक्तिं तु नाभ्यधश् चतुरङ्गुलाम् ।
धरां सुरोदं पोतं च कन्दश् चेति चतुष्टयम् ॥ 8.55 ॥ †

एकैकाङ्गुलम् एतत् स्याच् छूलस्यामलसारकम् ।
ततो नालम् अनन्ताख्यं दण्डम् अस्य प्रकल्पयेत् ॥ 8.56 ॥

लम्बिकावधितश् चात्र शूलोर्ध्वं ग्रन्थिर् इष्यते ।
अभित्त्वैनं महादेवि पाशजालमहार्णवम् ॥ 8.57 ॥

न स योगम् अवाप्नोति शिवेन सह मानवः ।
धर्मं ज्ञानं च वैराग्यम् ऐश्वर्यं च चतुष्टयम् ॥ 8.58 ॥

कोणेषु चिन्तयेन् मन्त्री आग्नेयादिष्व् अनुक्रमात् ।
गात्रकाणां चतुष्कं च दिक्षु पूर्वादिषु स्मरेत् ॥ 8.59 ॥

ग्रन्थेर् ऊर्ध्वं त्रिशूलाधो भवितव्या चतुष्किका ।
विद्यातत्त्वं तद् एवाहुश् छदनत्रयसंयुतम् ॥ 8.60 ॥

कखलम्बिकयोर् मध्ये तत् तत्त्वम् अनुचिन्तयेत् ।
पद्माकृति कखतत्त्वम् ऐश्वरं चिन्तयेद् बुधः ॥ 8.61 ॥

कर्णिकाकेसरोपेतं सबीजं विकसत् सितम् ।
पूर्वपत्रादितः पश्चाद् वामादिनवकं न्यसेत् ॥ 8.62 ॥

वामा ज्येष्ठा च रौद्री च काली चेति तथा परा ।
कलविकरणी चैव बलविकरणी तथा ॥ 8.63 ॥

बलप्रमथनी चान्या सर्वभूतदमन्य् अपि ।
मनोन्मनी च मध्ये ऽपि भानुमार्गेण विन्यसेत् ॥ 8.64 ॥

विभ्वादिनवकं चान्यद् विलोमात् परिकल्पयेत् ।
विभुर् ज्ञानी क्रिया चेच्छा वागीशी ज्वालिनी तथा ॥ 8.65 ॥

वामा ज्येष्ठा च रौद्री च सर्वाः कालानलप्रभाः ।
ब्रह्मविष्णुहराः पूर्वं ये शाक्ताः प्रतिपादिताः ॥ 8.66 ॥

दलकेसरमध्यस्था मण्डलानां त ईश्वराः ।
ध्वनि [?] चार्केन्दुवह्नीनां संज्ञेया परिभावयेत् ॥ 8.67 ॥ †

ईश्वरं च महाप्रेतं प्रहसन्तं सचेतनम् ।
कालाग्निकोटिवपुषम् इत्य् एवं सर्वम् आसनम् ॥ 8.68 ॥

तस्य नाभ्युत्थितं शक्तिशूलशृङ्गत्रयं स्मरेत् ।
कखत्रयेण निर्यातं द्वादशान्तावसानकम् ॥ 8.69 ॥

चिन्तयेत् तस्य शृङ्गेषु शाक्तं पद्मत्रयं ततः ।
सर्वाधिष्ठायकं शुक्लमाम् इत्य् एतत् परमासनम् ॥ 8.70 ॥

तत्रोपरि ततो मूर्तिं विद्याख्याम् अनुचिन्तयेत् ।
आत्माख्यां च ततस् तस्यां पूर्वन्यासं शिवात्मकम् ॥ 8.71 ॥

ततो मध्ये परां शक्तिं दक्षिणोत्तरयोर् द्वयम् ।
परापरां स्वरूपेण रक्तवर्णां महाबलाम् ॥ 8.72 ॥

इच्छारूपधरां ध्यात्वा किं चिद् उग्रां न भीषणाम् ।
अपरां वामशृङ्गे तु भीषणां कृष्णपिङ्गलाम् ॥ 8.73 ॥

इच्छारूपधरां देवीं प्रणतार्तिविनाशिनीम् ।
परां चाप्यायनीं देवीं चन्द्रकोट्ययुतप्रभाम् ॥ 8.74 ॥

षड्विधे ऽपि कृते शाक्ते मूर्त्यादाव् अपि चिन्तयेत् ।
विद्याङ्गपञ्चकं पश्चाद् आग्नेय्यादिषु विन्यसेत् ॥ 8.75 ॥

अग्नीशरक्षोवायूनां दक्षिणे च यथाक्रम ।
शक्त्यङ्गानि शिवाङ्गानि तथैव विधिना स्मरेत् ॥ 8.76 ॥

किं तु शक्रादिदिक्ष्व् अस्त्रमन्त्रं मध्ये च लोचनम् ।
अघोराद्यष्टकं ध्यायेद् अघोर्याद्यष्टकान्वितम् ॥ 8.77 ॥

सर्वासाम् आवृतत्वेन लोकपालांश् च बाह्यतः ।
सास्त्रान् स्वमन्त्रैः संचिन्त्य जपं पश्चात् समारभेत् ॥ 8.78 ॥

स्वरूपे तल्लयो भूत्वा एकैकां दशधा स्मरेत् ।
ज्वलत्पावकसंकाशां ध्यात्वा स्वाहान्तम् उच्चरेत् ॥ 8.79 ॥

सकृद् एकैकशो मन्त्री होमकर्मप्रसिद्धये ।
इत्य् एव मानसो यागः कथितः सामुदायिकः ॥ 8.80 ॥

एतत् त्रिशूलम् उद्दिष्टम् एकदण्डं त्रिशक्तिकम् ।
इत्थम् एतद् अविज्ञाय शक्तिशूलं वरानने ॥ 8.81 ॥

बद्ध्वापि खेचरीं मुद्रां नोत्पतयत्य् अवनीतलात् ।
इत्य् एतच् छाम्भवं प्रोक्तम् अष्टान्तं शाक्तम् इष्यते ॥ 8.82 ॥

तुर्यान्तम् आणवं विद्याद् इति शूलत्रयं मतम् ।
पृथग् यागविधानेन शक्तिचक्रं विचिन्तयेत् ॥ 8.83 ॥

तेनापि खेचरीं बद्ध्वा त्यजत्य् एवं महीतलम् ।
ततो ऽभिमन्त्र्य धान्यानि महास्त्रेण त्रिसप्तधा ॥ 8.84 ॥

निक्षिपेद् दिक्षु सर्वासु ज्वलत्पावकवत् स्मरेत् ।
निर्विघ्नं तद् गृहं ध्यात्वा संहृत्येशदिशं नयेत् ॥ 8.85 ॥

पञ्चगव्यं ततः कुर्याद् वदनैः पञ्चभिर् बुधः ।
गोमूत्रं गोमयं चैव क्षीरं दधि घृतं तथा ॥ 8.86 ॥

मन्त्रयेद् ऊर्ध्वपर्यन्तैः षडङ्गेन कुशोदकम् ।
मुद्रे द्रव्यामृतं बद्ध्वा तत्त्वं तस्य विचिन्तयेत् ॥ 8.87 ॥

तेन संप्रोक्षयेद् भूमिं स्वल्पेनान्यन्निधापयेत् ।
वास्तुयागं ततः कुर्यान् मालिन्युच्चारयोगतः ॥ 8.88 ॥

पुष्पैर् अञ्जलिम् आपूर्य फकारादि समुच्चरेत् ।
ध्यात्वा शक्त्यन्तम् अध्वानं नकारान्ते विनिक्षिपेत् ॥ 8.89 ॥

गन्धधूपादिकं दत्त्वा गणेशानं प्रपूजयेत् ।
षडुत्थम् आसनं न्यस्य प्रणवेन ततोपरि ॥ 8.90 ॥

गाम् इत्य् अनेन विघ्नेशं गन्धपुष्पादिभिर् यजेत् ।
अस्याङ्गानि गकारेण षड्दीर्घस्वरयोगतः ॥ 8.91 ॥

त्रिनेत्रं मुदितं ध्यात्वा गजास्यं वामनाकृतिम् ।
विसर्ज्य सिद्धिकामस् तु महास्त्रम् अनुपूजयेत् ॥ 8.92 ॥

दत्त्वानन्तं तथा धर्मं ज्ञानं वैराग्यम् एव च ।
ऐश्वर्यं कर्णिकां चेति षडुत्थम् इदम् आसनम् ॥ 8.93 ॥

अस्योपरि न्यसेद् ध्यात्वा खड्गखेटकधारिणम् ।
विकरालं महादंष्ट्रं महोग्रं भ्रूकुटीमुखम् ॥ 8.94 ॥

स्वाङ्गषट्कसमोपेतं दिङ्मातृपरिवारितम् ।
स्वार्णैर् एवाङ्गषट्कं तु फट्कारपरिदीपितम् ॥ 8.95 ॥

तद्रूपम् एव संचिन्त्य ततो मात्रष्टकं यजेत् ।
इन्द्राणीं पूर्वपत्रे तु सवज्रां युगपत् स्मरेत् ॥ 8.96 ॥

आग्नेयिं शक्तिहस्तां तु याम्यां दण्डकरां ततः ।
नैरृतीं वरुणानीं च वायवीं च विचक्षणः ॥ 8.97 ॥

खड्गपाशध्वजैर् युक्तां चिन्तयेद् युगपत् प्रिये ।
कौवेरीं मुद्गरकराम् ईशानीं शूलसंयुताम् ॥ 8.98 ॥

गन्धपुष्पादिभिः पूज्य स्वतन्त्रे होमम् आचरेत् ।
आदौ च कलशं कुर्यात् सहस्राधिकमन्त्रितम् ॥ 8.99 ॥

सहस्रं होमयेत् तत्र ततो जप्त्वा विसर्जयेत् ।
शतम् अष्टोत्तरं पूर्णं पश्चाद् यजनम् आरभेत् ॥ 8.100 ॥

तत्रादौ कुम्भम् आदाय हेमादिमयम् अव्रणम् ।
सर्वमन्त्रौषधीगर्भं गन्धाम्बुपरिपूरितम् ॥ 8.101 ॥

चूतपल्लववक्त्रं च स्रक्सूत्रसितकण्ठकम् ।
रक्षोघ्नतिलकाक्रान्तं सितवस्त्रयुगावृतम् ॥ 8.102 ॥

शताष्टोत्तरसंजप्तं मूलमन्त्रप्रपूजितम् ।
वार्धान्य् अपि तथाभूता किं तु सास्त्रेण पूजिता ॥ 8.103 ॥

विकिरैर् आसनं दत्त्वा पूर्वोक्तं तु विचक्षणः ।
इन्द्रादीन् पूजयेत् पश्चात् स्वदिक्षु प्रोक्तसस्वरैः ॥ 8.104 ॥

अविच्छिन्नां ततो धारां वार्धान्या प्रतिपादयेत् ।
भ्रामयेत् कलशं पश्चाद् ब्रूयल् लोकेश्वरान् इदम् ॥ 8.105 ॥

भो भोः शक्र त्वया स्वस्यां दिशि विघ्नप्रशान्तये ।
सावधानेन कर्मान्तं भवितव्यं शिवाज्ञया ॥ 8.106 ॥

नीत्वा तत्रासने पूर्वं मूर्तिभूतं घटं न्यसेत् ।
तस्य दक्षिणदिग्भागे वार्धानीं विनिवेशयेत् ॥ 8.107 ॥

आत्ममूर्त्यादिपूज्यान्तं कुम्भे विन्यस्य मन्त्रवित् ।
गन्धपुष्पादिभिः पूज्य वार्धान्यां पूजयेद् इमम् ॥ 8.108 ॥

गन्धैर् मण्डलकं कृत्वा ब्रह्मस्थाने विचक्षनः ।
तत्र संपूजयेत् षट्कं त्रिकं वाप्य् एकम् एव वा ॥ 8.109 ॥

कुण्डस्योल्लेखनं लेखः कुट्टनं चोपलेपनम् ।
चतुष्पथाक्षवाटं च वज्रसंस्थापनं तथा ॥ 8.110 ॥

कुशास्तरणपरिधिविष्टराणां च कल्पनम् ।
सर्वम् अस्त्रेण कूर्वीत विद्याम् ॐ ह्रीम् इति न्यसेत् ॥ 8.111 ॥

शिवम् ओम् इति विन्यस्य संपूज्य द्वितयं पुनः ।
ताम्रपात्रे शरावे वा आनयेज् जातवेदसम् ॥ 8.112 ॥

शिवशुक्रम् इति ध्यात्वा विद्यायोनौ विनिक्षिपेत् ।
ततस् त्व् आहूतयः पञ्च विद्याङ्गैर् एव होमयेत् ॥ 8.113 ॥

जननादि ततः कर्म सर्वम् एवंकृते कृतम् ।
परापराम् अनुस्मृत्य दद्यात् पूर्णाहुतिं पुनः ॥ 8.114 ॥

संपूज्य मातरं वह्नेः पितरं च विसर्जयेत् ।
चर्वादिसाधनायाग्निं समुद्धृत्य ततः पुनः ॥ 8.115 ॥

ज्वलितस्याथवा वह्नेश् चितिं वामेन वायुना ।
आकृष्य हृदि संकुम्भ्य दक्षिणेन पुनः क्षिपेत् ॥ 8.116 ॥

पूर्णां च पूर्ववद् दद्याच् छिवाग्नेर् अपरो विधिः ।
शिवरूपं तम् आलोक्य तस्यात्मान्तःकृतिः क्रमात् ॥ 8.117 ॥

कुर्याद् अन्तःकृतिं मन्त्री ततो होमं समारभेत् ।
मूलं शतेन संतर्प्य तदङ्गानि षडङ्गतः ॥ 8.118 ॥

शेषाणां मन्त्रजातीनां दशांशेनैव तर्पणम् ।
ततः प्रवेशयेच् छिष्याञ् शुचीन् स्नातानुपोषितान् ॥ 8.119 ॥

प्रणम्य देवदेवेशं चतुष्टयगतं क्रमात् ।
पञ्चगव्यं चरुं दद्याद् दन्तधावनम् एव च ॥ 8.120 ॥

हृदयेन चरोः सिद्धिर् याज्ञिकैः क्षीरतण्डुलैः ।
संपातं सप्तभिर् मन्त्रैस् ततः षड्भागभाजितम् ॥ 8.121 ॥

शिवाग्निगुरुशिष्याणां वार्धानीकुम्भयोः समम् ।
दन्तकाष्ठं ततो दद्यात् क्षीरवृक्षसमुद्भवम् ॥ 8.122 ॥

तस्य पातः शुभः प्राचीसौम्यैशाप्य् ओर्ध्वदिग्गतः ।
अशुभो ऽन्यत्र तत्रापि होमो ऽष्टशतिको भवेत् ॥ 8.123 ॥

बहिःकर्म ततः कुर्याद् दिक्षु सर्वासु दैशिकः ।
ॐ क्षः क्षः सर्वभूतेभ्यः स्वाहेति मनुनामुना ॥ 8.124 ॥

समाचम्य कृतन्यासः समभ्यर्च्य च शङ्करम् ।
[Textlücke] गृहे शुचिः ॥ 8.125 ॥ †

न्यासं कृत्वा तु शिष्याणाम् आत्मनश् च विशेषतः ।
प्रभाते नित्यकर्मादि कृत्वा स्वप्नं विचारयेत् ॥ 8.126 ॥

शुभं प्रकाशयेत् तेषां अशुभे होमम् आचरेत् ।
ततः पुष्पफलादीनां सुवेशाभरणाः स्त्रियः ॥ 8.127 ॥

आपदुत्तरणं चैव शुभदेशावरोहणम् ।
मद्यपानं शिरश्छेदम् आममांसस्य भक्षणम् ॥ 8.128 ॥

देवतादर्शनं साक्षात् तथा विष्टानुलेपनम् ।
एवंविधं शुभं दृष्ट्वा सिद्धिं प्राप्नोत्य् अभीप्सिताम् ॥ 8.129 ॥

एतद् एवान्यथाभूतं दुःस्वप्न इति कीर्त्यते ।
पक्वमांसाशनाभ्यङ्गगर्तादिपतनादिकम् ॥ 8.130 ॥

तन्त्रोक्तां निष्कृतिं कृत्वा द्विजत्वापादनं ततः ।
देवाग्निगुरुदेवीनां पूजां कृत्वा सदा बुधः ॥ 8.131 ॥

एतेषाम् अनिवेद्यैव न किं चिद् अपि भक्षयेत् ।
देवद्रव्यं गुरुद्रव्यं चण्डीद्रव्यं च वर्जयेत् ॥ 8.132 ॥

निष्फलं नैव चेष्टेत मुहूर्तम् अपि मन्त्रवित् ।
योगाभ्यासरतो भूयान् मन्त्राभ्यासरतो ऽपि वा ॥ 8.133 ॥

इत्य् एवम् आदिसमयाञ् श्रावयित्वा विसर्जयेत् ।
देवदेवं ततः स्नानं शिष्याणाम् आत्मनो ऽपि वा ॥ 8.134 ॥

कारयेच् छिवकुम्भेन सर्वदुष्कृतहारिणा ।
इत्य् एतत् सामयं कर्म समासात् परिकीर्तितम् ॥ 8.135 ॥

इति श्रीमालिनीविजयोत्तरे समयाधिकारो ऽष्टमः सर्गः

Devanagari: Kapitel 9

क्रियादिक्षाधिकारो नवमः

अथैषां समयस्थानां कुर्याद् दीक्षां यद गुरुः ।
तदाधिवासनं कृत्वा [Textlücke] ॥ 9.1 ॥ †

स च पूर्वं दिशं सम्यक् सूत्रम् आस्फालयेत् ततः ।
तन्मध्यात् पूर्ववारुण्या वङ्कयेत समान्तरम् ॥ 9.2 ॥

पूर्वापरसमासेन सूत्रेणोत्तरदक्षिणम् ।
अङ्कयेद् अपराद् अङ्काद् पूर्वाद् अपि तथैव ते ॥ 9.3 ॥

मत्स्यमध्ये क्षिपेत् सूत्रम् आयतं दक्षिणोत्तरे ।
मतक्षेत्रार्धमानेन मध्याद् दिक्ष्व् अङ्कयेत् समम् ॥ 9.4 ॥

तद्वद् दिक्स्थाच् च कोणेषु अनुलोमविलोमतः ।
पातयेत् तेषु सूत्राणि चतुरश्रप्रसिद्धये ॥ 9.5 ॥

वेदाश्रिते हि हस्ते प्राक् पूर्वम् अर्धं विभाजयेत् ।
हस्तार्धं सर्वतस् त्यक्त्वा पूर्वोदग्यामदिग्गतम् ॥ 9.6 ॥

गुणाङ्गुलसमैर् भागैः शेषम् अस्य विभाजयेत् ।
त्र्यङ्गुलैः कोष्टकैर् ऊर्ध्वैस् तिर्यक् चाष्टद्विधात्मकैः ॥ 9.7 ॥

द्वौ द्वौ भागौ परित्यज्य पुनर् दक्षिणसौम्यगौ ।
ब्रह्मणः पार्श्वयोर् जीवाच् चतुर्थात् पूर्वतस् तथा ॥ 9.8 ॥

भागार्धभागमानं तु खण्डचन्द्रद्वयं द्वयम् ।
तयोर् अन्तस् तृतीये तु दक्षिणोत्तरपार्श्वयोः ॥ 9.9 ॥

जीवे खण्डेन्दुयुगलं कुर्याद् अन्तर्भ्रमाद् बुधः ।
तयोर् अपरमर्मस्थं खण्डेन्दुद्वयकोटिगम् ॥ 9.10 ॥

बहिर् मुखभ्रमं कुर्यात् खण्डचन्द्रद्वयं द्वयम् ।
तद्वद् ब्रह्मणि कुर्वीत भागभागार्धसंमितम् ॥ 9.11 ॥

ततो द्वितीयभागान्ते ब्रह्मणः पार्श्वयोर् द्वयोः ।
द्वे रेखे पूर्वगे नेये भागत्र्यंशशमे बुधैः ॥ 9.12 ॥

एकार्धेन्दूर्ध्वकोटिस्थं ब्रह्मसूत्राग्रसंगतं ।
सूत्रद्वयं प्रकुर्वीत मध्यशृङ्गप्रसिद्धये ॥ 9.13 ॥

तदग्रपार्श्वयोर् जीवात् सूत्रम् एकान्तरे श्रितम् ।
आदिद्वितीयखण्डेन्दु कोणात् कोणान्तम् आश्रयेत् ॥ 9.14 ॥

तयोर् एवापराज् जीवात् प्रथमार्धेन्दुकोणतः ।
तद्वद् एव नयेत् सूत्रं शृङ्गद्वितयसिद्धये ॥ 9.15 ॥

क्षेत्रार्धे चापरे दण्डो द्विकरच्छन्नपञ्चकः ।
द्विकरं पञ्च तद्भागाः पञ्चपीठतिरोहिताः ॥ 9.16 ॥

शेषम् अन्यद् भवेद् दृश्यं पृथुत्वाद् भागसंमितम् ।
षड्विस्तृतं चतुर्दीर्घं तदधो ऽमलसारकम् ॥ 9.17 ॥

वेदाङ्गुलं च तदधो मूलं तीक्ष्णाग्रम् इष्यते ।
आदिक्षेत्रस्य कुर्वीत दिक्षु द्वारचतुष्टयम् ॥ 9.18 ॥

हस्तायामं तदर्धं तु विस्तराद् अपि अतसमम् ।
द्विगुणं बाह्यतः कुर्यात् ततः पद्मं यथा शृणु ॥ 9.19 ॥

एकैकभागमानानि कुर्याद् वृत्तानि वेदवत् ।
दिक्ष्व् अष्टौ पुनर् अप्य् अष्टौ जीवसूत्राणि षोडश ॥ 9.20 ॥

द्वयोर् द्वयोः पुनर् मध्ये तत्संख्यातानि पातयेत् ।
एषां तृतीयवृत्तस्थं पार्श्वजीवसमं भ्रमम् ॥ 9.21 ॥

एतद् अन्तं प्रकुर्वीत ततो जीवाग्रम् आनयेत् ।
यत्रैव कुत्र चित् सङ्गस् तत्संबन्धे स्थिरीकृते ॥ 9.22 ॥

तत्र कृत्वा नयेन् मन्त्री पत्राग्राणां प्रसिद्धये ।
एकैकस्मिन् दले कुर्यात् केसराणां त्रयं त्रयम् ॥ 9.23 ॥

द्विगुणाष्टाङ्गुलं कार्यं तद्वच् छृङ्गकजत्रयम् ।
ततः प्रपूजयेन् मन्त्री रजोभिः सितपूरकैः ॥ 9.24 ॥

रक्तैः कृष्णैस् तथापीतैर् हरितैश् च विशेषतः ।
कर्णिकाऌपीतवर्णेन मूलमध्याग्रदेशतः ॥ 9.25 ॥ †

सितं रक्तं तथा पीतं कार्यं केसरजालकम् ।
दलानि शुक्लवर्णानि प्रतिवारणया सह ॥ 9.26 ॥

पीतं तद्वच् चतुष्कोणं कर्णिकार्धसमं बहिः ।
सितरक्तपीतकृष्णैस् तत्पादान् वह्नितः क्रमात् ॥ 9.27 ॥

चतुर्भिर् अपि शृङ्गाणि त्रिभिर् मण्डलम् इष्यते ।
दण्डः स्यान् नीलरक्तेन पीतमामलसारकम् ॥ 9.28 ॥

रक्तं शूलं प्रकुर्वीत यत् तत् पूर्वं प्रकल्पितम् ।
पश्चाद् द्वारस्य पूर्वेण त्यक्त्वाङ्गुलचतुष्टयम् ॥ 9.29 ॥

द्वारं वेदाश्रि वृत्तं वा संकीर्णं वा विचित्रितम् ।
एकद्वित्रिपुरं तुल्यं सामुद्गम् अथ वोभयम् ॥ 9.30 ॥

कपालकण्ठशोभोप शोभादिबहुचित्रितम् ।
विचित्राकारसंस्थानं वल्लीसूक्ष्मगृहान्वितम् ॥ 9.31 ॥

एवम् अत्र सुनिष्पन्ने गन्धवस्त्रेण मार्जनम् ।
कृत्वा स्नानं प्रकुर्वीत पूर्वोक्तेनैव कर्मणा ॥ 9.32 ॥

प्रविश्य पूर्ववन् मन्त्री उपविश्य यथा पुरा ।
न्यस्य पूर्वोदितं सर्वं पञ्चधा भैरवात्मकम् ॥ 9.33 ॥

उत्तरे विन्यसेच् छृङ्गे देवदेवं नवात्मकम् ।
मध्ये भैरवसद्भावं दक्षिणे रतिशेखरम् ॥ 9.34 ॥

रक्तत्वङ्मांससूत्रैस् तु वामकर्णविभूषितम् ।
बिन्दुयुक्तं प्रमेयोतं रतिशेखरम् आदिशेत् ॥ 9.35 ॥

शाक्तं च पूर्ववत् कृत्वा तर्पयेत् पूर्ववद् बुधः ।
पुनर् अभ्यर्च्य देवेशं भक्त्या विज्ञापयेद् इदम् ॥ 9.36 ॥

गुरुत्वेन त्वयैवाहम् आज्ञातः परमेश्वर ।
अनुग्राह्यास् त्वया शिष्याः शिवशक्तिप्रचोदिताः ॥ 9.37 ॥

तद् एते तद्विधाः प्राप्तास् त्वम् एषां कुर्व् अनुग्रहम् ।
मदीयां तनुम् आविश्य येनाहं त्वत् समो भवन् ॥ 9.38 ॥

करोम्य् एवम् इति प्रोक्तो हर्षाद् उत्फुल्ललोचनः ।
ततः षड्विधम् अध्वानम् अनेनाधिष्ठितं स्मरेत् ॥ 9.39 ॥

सृष्ट्यादिपञ्चकर्माणि निष्पाद्यान्य् अस्य चिन्तयेत् ।
शक्तिभिर् जीवमूर्तिः स्याद् द्विधैवास्य परापरा ॥ 9.40 ॥

मूर्तामूर्तत्वभेदेन माम् अप्य् एषानुतिष्ठति ।
करणत्वं प्रयान्त्य् अस्य मन्त्रा ये हृदयादयः ॥ 9.41 ॥

एवंभूतं शिवं ध्यात्वा तद्गतेनान्तरात्मना ।
भाव्यं तन्मयम् आत्मानं दशधावर्तयेच् छिवम् ॥ 9.42 ॥

त्रिःकृत्वा सर्वमन्त्रांश् च गर्भावरणसंस्थितान् ।
सितोष्णीषं ततो बुद्ध्वा सप्तजप्तं नवात्मना ॥ 9.43 ॥

शिवहस्तं ततः कुर्यात् पाशविश्लेषकारकम् ।
प्रक्षाल्य गन्धतोयेन हस्तं हस्तेन केन चित् ॥ 9.44 ॥

गन्धदिग्धो यजेद् देवं साङ्गम् आसनवर्जितम् ।
आत्मन्य् आलभनं कुर्याद् ग्रहणं योजनं तथा ॥ 9.45 ॥

वियोगं च तथोद्धारं पाशच्छेदादिकं च यत् ।
एवं पतित्वम् आसाद्य प्रपञ्चव्याप्तितः शिवम् ॥ 9.46 ॥

भावयेत् पृथग् आत्मानं तत्समानगुणं ततः ।
मण्डलस्थो ऽहम् एवायं साक्षीवाखिलकर्मसु ॥ 9.47 ॥

होमाधिकरणत्वेन वह्नाव् अहम् अवस्थितः ।
आ यागान्तम् अहं कुम्भे संस्थितो विघ्नशान्तये ॥ 9.48 ॥

शिष्यदेहे च तत्पाश विश्लेषत्वप्रसिद्धये ।
साक्षात् स्वदेहसंस्थो ऽहं कर्तानुग्रहकर्मणः ॥ 9.49 ॥

इत्य् एतत् सर्वम् आलोच्य शोध्याध्वानं विचिन्तयेत् ।
दीक्षां येनाध्वना मन्त्री शिष्याणां कर्तुम् इच्छति ॥ 9.50 ॥

तत्रैवालोचयेत् सर्वं यायात् पदम् अनामयम् ।
तत्र तेनापृथग्भूत्वा पुनः संचिन्तयेद् इदम् ॥ 9.51 ॥

अहम् एव परं तत्त्वं मयि सर्वम् इदं जगत् ।
अधिष्ठाता च कर्ता च सर्वस्याहम् अवस्थितः ॥ 9.52 ॥

तत्समत्वं गतो जन्तुर् मुक्त इत्य् अभिधीयते ।
एवं संचिन्त्य भूयो ऽपि शोध्यम् आद्यं समाश्रयेत् ॥ 9.53 ॥

शिष्यमण्डलवह्नीनां तत्रैकं भावयेत् स्थितम् ।
शोध्याध्वानं तु शिष्याणां न्यस्य देहे पुरोक्तवत् ॥ 9.54 ॥

स्वेन स्वेनैव मन्त्रेण स्वव्याप्तिध्यानम् आश्रयेत् ।
आगन्तु सहजं शाक्तं बुद्ध्वादौ पाशपञ्जरं ॥ 9.55 ॥

बाहुकण्ठशिखाग्रेषु त्रिषु (वृत्) त्रिगुणतन्तुना ।
स्वमन्त्रेण ततस् तत्त्वम् आवाह्येष्ट्वा प्रतर्प्य च ॥ 9.56 ॥

ततस् तच्छोध्ययोनीनां व्यापिनीं योनिं आनयेत् ।
मायान्ते ऽध्वनि ताम् एव शुद्धे विद्यां विचक्षणः ॥ 9.57 ॥

तस्यां संतर्पणं कृत्वा शिष्यम् अस्त्रेण ताडयेत् ।
आलभ्य हृदये विद्वाञ् छिवहस्तेन तं पुनः ॥ 9.58 ॥

ग्रहणं तस्य कूर्वीत रश्मिमात्रावियोगतः ।
नाडीमार्गेण गत्वा तु हंहृन्मन्त्रपुटीकृतम् ॥ 9.59 ॥

कृत्वात्मस्थं ततो योनौ गर्भाधानं विचिन्तयेत् ।
त्र्यर्णार्धाक्षरया मन्त्री सर्वगर्भक्रियान्वितम् ॥ 9.60 ॥

भोग्यभोक्तृत्वसामर्थ्य निष्पत्त्या जननं बुधः ।
दक्षशृङ्गस्थया मन्त्री प्रकुर्वीत सुलोचने ॥ 9.61 ॥

पिबतीपूर्विकाभिश् च अस्त्राद्यैः परयापि च ।
सम्यग् आहुतयो दद्याद् दश पञ्च विचक्षणः ॥ 9.62 ॥

ततो ऽस्यापरया कार्यं पाशविच्छेदनं बुधैः ।
भुवनेशम् अथामन्त्र्य तत्त्वेश्वरम् अथापि वा ॥ 9.63 ॥

भोगभागा[Textlücke] पश्चात् तम् इदम् आदिशेत् ।
भुवनेश त्वया नास्य साधकस्य शिवाज्ञया ॥ 9.64 ॥ †

प्रतिबन्धः प्रकर्तव्यो यातुः पदम् अनामयम् ।
उत्क्षेपणं ततः कुर्यात् तयैवाध्युष्टवर्णया ॥ 9.65 ॥

अव्याप्तिमन्त्रसंयोगत् पृथङ् मार्गविशुद्धये ।
दद्याद् एकैकशो ध्यात्वा आहुतीनां त्रयं त्रयम् ॥ 9.66 ॥

ततः पूर्णाहुतिं दद्यात् परया वौषडन्तया ।
शिशुम् उत्क्षिप्य चात्मस्थं तद्देहस्थं च कारयेत् ॥ 9.67 ॥

आहुतीनां त्रयं दद्याद् दत्त्वा पूर्णाहुतिं बुधः ।
महापाशुपतास्त्रेण विलोमादिविशुद्धये ॥ 9.68 ॥

विसर्जयित्वा वागीशीं तत्त्वं तु तदन्तरं ।
विलीनं भावयेच् छुद्धं अशुद्धे परमेश्वरि ॥ 9.69 ॥

कालान्तव्याप्तिसंशुद्धौ कृतायाम् एवम् आदरात् ।
बाहुपाशं तु तं छित्त्वा होमयेद् आज्यसंयुतम् ॥ 9.70 ॥

मायातत्त्वे विशुधे तु कण्ठपाशे तथा बुधः ।
मायान्तमार्गसंशुद्धौ दीक्षाकर्मणि सर्वतः ॥ 9.71 ॥

क्रियास्व् अनुक्तमन्त्रासु योजयेद् अपराम् बुधः ।
विद्यादिसकलान्ते च तद्वद् एव परापराम् ॥ 9.72 ॥

योययेन् नैश्वराद् ऊर्ध्वं पिबन्त्यादिकम् अष्टकम् ।
न चापि सकलाद् ऊर्ध्वम् अङ्गषट्कं विचक्षणः ॥ 9.73 ॥

निष्कले परया कार्यं यत् किं चिद् विधिचोदितम् ।
विशुद्धे सकलान्ते तु शिखां छित्त्वा विचक्षणः ॥ 9.74 ॥

हुत्वा चाज्यं ततः शिष्यं स्नापयेद् अनुपूर्वतः ।
आचम्याभ्यर्च्य देवेशं स्रुवम् आपूर्य सर्पिषा ॥ 9.75 ॥

कृत्वा शिष्यं तथात्मस्थं मूलमन्त्रम् अनुस्मरेत् ।
शिवशक्तिं तथात्मानं शिष्यं सर्पिस् तथानलम् ॥ 9.76 ॥

एकीकुर्वञ् छनैर् गच्छेद् द्वादशान्तम् अनन्यधीः ।
तत्र कुम्भकम् आस्थाय ध्यायन् सकलनिष्कलम् ॥ 9.77 ॥

तिष्ठेत् तावद् अनुद्विग्नो यावद् आज्यक्षयो भवेत् ।
एवं युक्ते परे तत्त्वे गुरुण शिवमूर्तिना ॥ 9.78 ॥

न भूयः पशुतां एति दग्धमायानिबन्धनः ।
विधिर् एष समाख्यातो दीक्षाकर्मणि भौवने ॥ 9.79 ॥

इतराध्वविधिं मुक्त्वा शिवयोगविधिं तथा ।
विलोमकर्म संत्यज्य द्विगुणस् तत्त्ववर्त्मनि ॥ 9.80 ॥

तद्वच् च वर्णमार्गे ऽपि चतुर्धा पदवर्त्मनि ।
अष्टधा मन्त्रमार्गे ऽपि कलाख्ये ऽपि च तद् द्विधा ॥ 9.81 ॥

त्रिखण्डे विंशतिगुणः स एव परिकीर्तितः ।
इति सर्वाध्वसंशुद्धिः समासात् परिकीर्तिता ॥ 9.82 ॥

साधकाचार्ययोः कर्म कथ्यमानम् अतः शृणु ॥ 9.83 ॥

इति श्रीमालिनीविजयोत्तरे तन्त्रे क्रियादीक्षाधिकारो नवमः समाप्तः

Devanagari: Kapitel 10

अभिषेकाधिकारो दशमः

अथ लक्षणसंपन्नं सिद्धिसाधनतत्परम् ।
शास्त्रज्ञं संयतं धीरम् अलुब्धम् अशठं दृढम् ॥ 10.1 ॥

अपरीक्ष्य गुरुस् तद्वत् साधकत्वे नियोजयेत् ।
समभ्यर्च्य विधानेन पूर्ववत् परमेश्वरम् ॥ 10.2 ॥

द्वितीये पूर्ववत् कुम्भं हेमादिमयम् अव्रणम् ।
सर्वत्र मध्यपद्मस्य दक्षिणं दलम् आश्रितम् ॥ 10.3 ॥

नायकानां पृथङ् मन्त्रान् पूजयेत् कुसुमादिभिः ।
तं संतर्प्य सहस्रेण प्रकुर्याद् अभिषेचनम् ॥ 10.4 ॥

भद्रपीठे शुभे स्थाप्य श्रीपर्णे दारुनिर्मिते ।
पूर्वामुखम् उदग्वक्त्रं स्नातं पुष्पाद्यलङ्कृतम् ॥ 10.5 ॥

कृतमन्त्रतनुः सम्यक् सम्यक् च कृतमङ्गलः ।
शङ्खभेर्यादिनिर्घोषैर् वेदमङ्गलनिस्वनैः ॥ 10.6 ॥

सर्वराजोपचारेण कृत्वा तस्याभिषेचनम् ।
सदाशिवसमं ध्यात्वा ततस् तम् अपि भूषयेत् ॥ 10.7 ॥

पुनः संपूज्य देवेशं मन्त्रम् अस्मै ददेद् बुधः ।
पुष्पाक्षततिलोपेतः सजल[Textlücke]श्वरं न्यसेत् ॥ 10.8 ॥ †

सो ऽपि मूर्धनि तं तद्वन् मूर्तिम् आश्रित्य दक्षिणम् ।
अभिषिच्य ततो ऽस्त्रेण रुद्रशक्तिं प्रकाशयेत् ॥ 10.9 ॥

स तयालिङ्ग्य तन्मन्त्रं सहस्रेण प्रतर्पयेत् ।
तदा प्रभृति तन्निष्ठस् तत्समानगुणो भवेत् ॥ 10.10 ॥

आचार्यस्याभिषेको ऽयं स[Textlücke]मन्त्रविधिं विना ।
किं तु तस्य [Textlücke] अधिवासपदान्वितम् ॥ 10.11 ॥ †

एवम् एतत् पदं प्राप्यं दुष्प्राप्यम् अकृतात्मनाम् ।
साधको मन्त्रसिद्ध्यर्थं मन्त्रव्रतम् उपाचरेत् ॥ 10.12 ॥

एवं कृत्वाभिषेकोक्तं स्नात्वा विद्याधिपं जपेत् ।
लक्षम् एकं दशांशेन तस्य तर्पणम् आचरेत् ॥ 10.13 ॥

पूर्ववच् चाभिषेकं च कृत्वा ब्रह्मशिरो जपेत् ।
तल्लक्ष्यस् तन्मयो भूत्वा लक्षद्वयम् अतन्द्रितः ॥ 10.14 ॥

लक्षद्वयं च रुद्राणीं चतुष्कं तु पुरुष्टुतम् ।
लक्षाणां पञ्चकं देवि महापाशुपतं जपेत् ॥ 10.15 ॥

सितरक्तपीतकृष्ण विचित्राम्बरभूषणः ।
ततः संरक्षितो मन्त्रैर् एभिर् अप्रतिमो भवेत् ॥ 10.16 ॥

अवाच्यः सर्वदुष्टानां मन्त्रतेजोपबृंहितः ।
एवं चीर्णव्रतो भूत्वा यं साधयितुम् इच्छति ॥ 10.17 ॥

दत्त्वार्घं तस्य लक्षाणां जपेन् नवकम् आदरात् ।
उत्तमद्रव्यहोमाच् च तद्दशांशेन तर्पणम् ॥ 10.18 ॥

महाक्ष्मापपलान्य् आहुर् उत्तमादीनि तद्विदः ।
मध्यमे द्विगुणं कृत्वा त्रिगुणं कन्यसे ऽपि च ॥ 10.19 ॥

आज्यगुग्गुलनृस्नेहा महामांससमाः मताः ।
दधिबिल्वपयःपद्माः क्ष्मासमाः परिकीर्तिताः ॥ 10.20 ॥

धात्रीदुर्वामृतामीनाः सम्यग् आज्यसमा मताः ।
तिलाद्यैर् अथ कुर्वीत नवषट्त्रिगुणं क्रमात् ॥ 10.21 ॥

पूर्वम् एवम् इमं कृत्वा सिद्धेर् अर्घं ददेद् बुधः ।
दत्त्वार्घं तु जपेत् तावद् यावत् सिद्धिर् अभीप्सिता ॥ 10.22 ॥

लक्षेणैकेन पृथ्वीशः सभृत्यबलवाहनः ।
वशम् आनीयते देवि द्वाभ्यां राज्यम् अवाप्नुयात् ॥ 10.23 ॥

त्रिभिर् निधानसंसिद्धिश् चतुर्भिर् बलसिद्धयः ।
पञ्चभिर् मेदिनी सर्वा षड्भिर् अप्सरसां गणः ॥ 10.24 ॥

सप्तभिः सप्त लोकाश् च दशभिस् तत्समो भवेत् ।
पञ्चाशद्भिस् ततो गच्छेद् अव्यक्तान्तं महेश्वरि ॥ 10.25 ॥

मायान्तं षष्तिभिर् लक्षैर् ईश्वरान्तम् अशीतिभिः ।
सकलावनिपर्यन्तं कोटिजप्तस्य सिद्ध्यति ॥ 10.26 ॥

अथवा वीरचित्तः स्यात् कृत्वा सेवां यथोदिताम् ।
कृष्णभूतदिने रात्रौ विधिम् एनं समाचरेत् ॥ 10.27 ॥

कृत्वा पूर्वोदितं यागं हुत्वा द्रव्यम् अथोत्तरम् ।
ऊर्ध्वकायो जपेन् मन्त्री सुनिष्कम्पोत्तरामुखः ॥ 10.28 ॥

तावद् यावत् समायाता योगेश्वर्यः समन्ततः ।
कृत्वा कलकलारावम् अतिघोरं सुदारुणम् ॥ 10.29 ॥

भूमौ निपत्य तिष्ठन्ति वेष्ट्यान्तः साधकेश्वरम् ।
तासां कृत्वा नमस्कारं भित्त्वा वामाङ्गम् आत्मनः ॥ 10.30 ॥

तदुत्थेन ततस् तासां दत्त्वार्घं तत्समो भवेत् ।
आचार्यो ऽपि च षण्मासं मौनी प्रतिदिनं चरेत् ॥ 10.31 ॥

दश पञ्च च ये मन्त्राः पूर्वम् उक्ता मया तव ।
पूर्वन्यासेन संनद्धस् त्रिकालं वह्निकार्यकृत् ॥ 10.32 ॥

ध्यायेत् पूर्वोदितं शूलं ब्रह्मचर्यं समाश्रितः ।
कृत्वा पूर्वोदितं यागं त्रिशक्तिपरिमण्डलम् ॥ 10.33 ॥

अभिषिञ्चेत् तदात्मानम् आदाव् अन्ते च दैशिकः ।
एवं चीर्णव्रतो भूत्वा मन्त्री मन्त्रविद् उत्तमः ॥ 10.34 ॥

निग्रहानुग्रहं कर्म कुर्वन् न प्रतिहन्यते ।
शुद्धयोर् विन्यसेन् मूल मध्यादित्रितये त्रयम् ॥ 10.35 ॥

वामाङ्गुष्ठे तुले नेत्रे तर्जन्याम् अस्त्रम् एव च ।
अक्षह्रीम् इति खण्डेन शब्दराशिं निवेशयेत् ॥ 10.36 ॥

नफह्रीम् इत्यनेनापि शक्तिमूर्तिं विचक्षणः ।
विपरीतमहामुद्रा प्रयोगान् मूलम् एव च ॥ 10.37 ॥

स्वस्थानेषु तथाङ्गानि न्यासः सामान्य इत्य् अयम् ॥ 10.38 ॥

इति श्रीमालिनीविजयोत्तरे ऽभिषेकाधिकारो दशमः समाप्तः

Devanagari: Kapitel 11

दीक्षाधिकार एकादशः

अथातः संप्रवक्ष्यामि दीक्षां परमदुर्लभाम् ।
भुक्तिमुक्तिकरीं सम्यक् सद्यःप्रत्ययकारिकाम् ॥ 11.1 ॥

नास्यां मण्डलकुणादि किं चिद् अप्य् उपयुज्यते ।
न च न्यासादिकं पूर्वं स्नानादि च यथेच्छया ॥ 11.2 ॥

प्रविश्य यागसदनं सूपलिप्तं सुचर्चितम् ।
प्राङ्मुखोदङ्मुखो वापि सुपुष्पाम्बरभूषितः ॥ 11.3 ॥

दीप्तां शक्तिम् अनुस्मृत्य पादाग्रान् मस्तकावधि ।
महामुद्राप्रयोगेन निर्दग्धां चिन्तयेत् तनुम् ॥ 11.4 ॥

अनुलोमप्रयोगाच् च मालिनीम् अमृतप्रभाम् ।
चिन्तयेत् तनुनिष्पत्त्यै तद्ध्यानगतमानसः ॥ 11.5 ॥

शोध्याध्वानं ततो देहे पूर्वोक्तम् अनुचिन्तयेत् ।
ततः संशोध्य वस्तूनि शक्त्यैवामृततां नयेत् ॥ 11.6 ॥

परासंपुटमध्यस्थां मालिनीं सर्वकर्मसु ।
योजयेत् विधानज्ञः परां वा केवलां प्रिये ॥ 11.7 ॥

गणेशं पूजयित्वा तु पुरा विघ्नप्रशान्तये ।
ततः स्वगुरुम् आरभ्य पूजयेद् गुरुपद्धतिम् ॥ 11.8 ॥

गणेशाधस् ततः सर्वं यजेन् मन्त्रकदम्बकम् ।
तत्पतीनां ततो ऽर्घं तत्रैव परिपूजयेत् ॥ 11.9 ॥

अन्त्याधः पूजयेद् विद्यां तद्वद् विद्यां महेश्वरीम् ।
मन्त्रविद्यागणस्यान्तः कुलशक्तिं निवेशयेत् ॥ 11.10 ॥

पूर्वयाम्यापरोदक्षु माहेश्यादिचतुष्टयम् ।
इन्द्राणीपूर्वकं तद्वद् ऐशादिदल अन्तगम् ॥ 11.11 ॥

तत्रोपरि न्यसेद् देवं कूटरूपाणुनामुना ।
जीवं दण्डसमाक्रान्तं शूलस्योपरि संस्थितम् ॥ 11.12 ॥

दक्षाङ्गुलिं ततो ऽधस्तात् ततो वामपयोधरम् ।
नाभिकण्ठौ ततोधस्ताद् वामस्कन्धविभूषणौ ॥ 11.13 ॥

शिवजिह्वान्वितः पश्चात् तदूर्ध्वोष्ठेन चोपरि ।
सर्वयोगिनिचक्राणाम् अधिपो ऽयम् उदाहृतः ॥ 11.14 ॥

अस्याप्य् उच्चारणाद् एव संवित्तिः स्यात् परोदिता ।
ततो वीराष्टकं पश्चाच् छक्त्युक्तविधिना यजेत् ॥ 11.15 ॥

प्रभूतैर् विविधैर् इष्ट्वा गन्धधूपैः स्रगादिभिः ।
श्रीकारपूर्वकं नाम पादान्तं परिकल्पयेत् ॥ 11.16 ॥

ततः शिष्यं समाहूय बहुधा सुपरीक्षितम् ।
रुद्रशक्त्या तु संप्रोक्ष्य देवाग्रे विनिवेशयेत् ॥ 11.17 ॥

भुजौ तस्य समालोक्य रुद्रशक्त्या प्रदीपयेत् ।
तथैवाप्य् अर्पयेत् पुष्पं करयोर् गन्धदिग्धयोः ॥ 11.18 ॥

निरालम्बौ तु तौ ध्यात्वा शक्त्याकृष्टौ विचिन्तयेत् ।
शक्तिमन्त्रितनेत्रेण बद्ध्वा नेत्रे तु पूर्ववत् ॥ 11.19 ॥

ततः प्रक्षेपयेत् पुष्पं सा शक्तिस् तत्करस्थिता ।
यत्र तत् पतते पुष्पं तत्कुलं तस्य लक्षयेत् ॥ 11.20 ॥

मुखम् उद्घाट्य तं पश्चात् पादयोः प्रतिपातयेत् ।
ततो ऽस्य मस्तके चक्रं हस्तयोश् चार्च्य योगवित् ॥ 11.21 ॥

तद्धस्तौ प्रेरयेच् छक्त्या यावन् मूर्धान्तम् आगतौ ।
शिवहस्तविधिः प्रोक्तः सद्यःप्रत्ययकारकः ॥ 11.22 ॥

चरुकं दापयेत् पश्चाट् खर्जूरादिफलोद्भवम् ।
शक्त्यालम्बां तनुं कृत्वा स्थापयेद् अग्रतः शिशोः ॥ 11.23 ॥

पुष्पक्षेपप्रयोगेन हस्तम् आकृष्य दक्षिणम् ।
चरुकं ग्राहयेन् मन्त्री तद्ध्यानगतमानसः ॥ 11.24 ॥

शिवहस्तप्रयोगेन समारोप्य मुखं नयेत् ।
अनेनैव विधानेन क्षीरवृक्षसमुद्भवम् ॥ 11.25 ॥

दन्तकाष्ठं ददेत् देवि षोडशाङ्गुलम् आयतम् ।
एतेषां चालनान् मन्त्री शक्तिपातं परीक्षयेत् ॥ 11.26 ॥

मन्दतीव्रादिभेदेन मन्दतीव्रादिकान् बुधः ।
इत्य् अयं समयी प्रोक्तः संस्थितोक्तेन वर्त्मना ॥ 11.27 ॥

चिकीर्षुश् च यदाऌदीक्षाम् अस्यैवार्पितमानसः ।
तद् इष्ट्वा पूर्ववद् योगी कुलेशं तम् अनुक्रमात् ॥ 11.28 ॥ †

संपूज्य पूर्ववच् छिष्यम् ऋजुदेहे विलोकयेत् ।
शक्तिं संचिन्त्य पादाग्रान् मस्तकान्तं विचक्षणः ॥ 11.29 ॥

शोध्याध्वानं ततो न्यस्य सर्वाध्वव्याप्तिभाषनाम् ।
शक्तितत्त्वादिभेदेन पूर्वोक्तेन च वर्त्मना ॥ 11.30 ॥

उपविश्य ततस् तस्य विधानम् इदम् आचरेत् ।
मूलशोध्यात् समारभ्य शक्तिं दीप्तानलप्रभाम् ॥ 11.31 ॥

योजयेच् छोध्यसंशुद्धि भावनागतमानसः ।
एवं सर्वाणि शोध्यानि निर्दहन्तीम् अनामयाम् ॥ 11.32 ॥

शिवे संचिन्तयेल् लीनां निष्कले सकले ऽपि वा ।
योगिना योजिता मार्गे स्वजातीयस्य पोषणम् ॥ 11.33 ॥

कुरुते निर्दहत्य् अन्यद् भिन्नजातिकदम्बकम् ।
अनया शोध्यमानस्य शिष्यस्यास्य महामतिः ॥ 11.34 ॥

लक्षयेच् चिह्नसंघातम् आनन्दादिकम् आदरात् ।
आनन्द उद्भवः कम्पो निद्रा घूर्णिश् च पञ्चमी ॥ 11.35 ॥

एवम् आविष्टया शक्त्या मन्दतीव्रादिभेदतः ।
पाशस्तोभपशुग्रहौ प्रकुर्वीत यथेच्छया ॥ 11.36 ॥

गृहीतस्य पुनः कुर्यान् नियोगं शेषभुक्तये ।
अथवा कस्य चिन् नायम् आवेशः संप्रजायते ॥ 11.37 ॥

तद् एनं युगपच् छक्त्या सबाह्याभ्यन्तरे दहेत् ।
तया संदह्यमानो ऽसौ च्छिन्नमूल इव द्रुमः ॥ 11.38 ॥

पतते काश्यपीपृष्ठे आक्षेपं वा करोत्य् असौ ।
यस्य त्व् एवम् अपि स्यान् न तं चैवोपलवत् त्यजेत् ॥ 11.39 ॥

पृथक्तत्त्वविधौ दीक्षां योग्यतावश्यवर्जिनः ।
तत्त्वाभ्यासविधानेन वक्ष्यमाणेन कारयेत् ॥ 11.40 ॥

इति संदीक्षितस्यास्य मुमुक्षोः शेषवर्तनम् ।
कुलक्रमेष्टिर् आदेश्या पञ्चावस्थासमन्विता ॥ 11.41 ॥

बुभुक्षोस् तु प्रकुर्वीत सम्यग्योगाभिषेचनम् ।
तत्रेष्ट्वा पूर्ववद् देहं विस्तीर्णैर् विबुधैर् बुधैः [?] ॥ 11.42 ॥ †

हेमादिदीपकान् अष्टौ घृतेनारुणवर्तिकान् ।
कुलाष्टकेन संबोध्य शिवं शङ्खे प्रपूजयेत् ॥ 11.43 ॥

सर्वरत्नौषधीगर्भे गन्धाम्बुपरिपूरिते ।
तेनाभिषेचयेत् तं तु शिवहस्तोक्तवर्त्मना ॥ 11.44 ॥

आचार्यस्याभिषेको ऽयम् अधिकारपदान्वितः ।
कुर्यात् पिण्डादिभिस् तद्वच् चतुःषष्टिं प्रदीपकान् ॥ 11.45 ॥

अभिषिक्तविधाव् एव सर्वयोगिगणेन तु ।
विदितौ भवतस् तत्र गुरुर् मोक्षप्रदो भवेत् ॥ 11.46 ॥

अनयोः कथयेज् ज्ञानं त्रिविधं सर्वम् अप्य् अलम् ।
स्वकीयाज्ञां ददेद् योगी स्वक्रियाकरणं प्रति ॥ 11.47 ॥

इति श्रीमालिनीविजयोत्तरे तन्त्रे दीक्षाधिकार एकादशः समाप्तः

Devanagari: Kapitel 12

धारणाधिकारो द्वादशः

अथैतां देवदेवस्य श्रुत्वा वाचम् अतिस्फुटाम् ।
प्रहर्षोत्फुल्लनयना जगदानन्दकारिणी ॥ 12.1 ॥

संतोषामृतसंतृप्ता देवी देवगणार्चिता ।
प्रणम्यान्धकहन्तारं पुनर् आहेति भारतीम् ॥ 12.2 ॥

पूर्वम् एव त्वया प्रोक्तं योगी योगं समभ्यसेत् ।
तस्याभ्यासः कथं कार्यः कथ्यतां त्रिपुरान्तक ॥ 12.3 ॥

एवम् उक्तो जगद्धात्र्या भैरवो भयनाशनः ।
प्राह प्रसन्नगम्भीरां गिरम् एताम् उदारधीः ॥ 12.4 ॥

योगाभ्यासविधिं देवि कथ्यमानं मया शृणु ।
स्थिरीभूतेन येनेह योगी सिद्धिम् अवाप्स्यति ॥ 12.5 ॥

गुहायां भूगृहे वापि निःशब्दे सुमनोरमे ।
सर्वबाधाविनिर्मुक्ते योगी योगं समभ्यसेत् ॥ 12.6 ॥

जितासनो जितमना जितप्राणो जितेन्द्रियः ।
जितनिद्रो जितक्रोधो जितोद्वेगो गतव्यथः ॥ 12.7 ॥

लक्ष्यभेदेन वा सर्वम् अथवा चित्तभेदतः ।
धरादिशक्तिपर्यन्तं योगीशस् तु प्रसाधयेत् ॥ 12.8 ॥

व्योमविग्रहबिन्द्वर्णभुवनध्वनिभेदतः ।
लक्ष्यभेदः स्मृतः षोढा यथावद् उपदिश्यते ॥ 12.9 ॥

बाह्याभ्यन्तरभेदेन समुच्चयकृतेन च ।
त्रिविधं कीर्तितं व्योम दशधा बिन्दुर् इष्यते ॥ 12.10 ॥

कदम्बगोलकाकारः स्फुरत्तारकसप्रभः ।
शुक्लादिभेदभेदेन एको ऽपि दशधा मतः ॥ 12.11 ॥

चिञ्चिनीचीरवाकादिप्रभेदाद् दशधा ध्वनिः ।
विग्रहः स्वाणुभेदाच् च द्विधा भिन्नो ऽप्य् अनेकधा ॥ 12.12 ॥

भुवनानां न सङ्ख्यास्ति वर्णानां सा शतार्धिका ।
एकस्मिन्न् अपि साध्ये वै लक्षेद् अत्रानुषङ्गतः ॥ 12.13 ॥

अन्यान्य् अपि फलानि स्युर् लक्ष्यभेदः स उच्यते ।
एकम् एव फलं यत्र चित्तभेदस् त्व् असौ मतः ॥ 12.14 ॥

होमदीक्षाविशुद्धात्मा समावेशोपदेशवान् ।
यं सिषाधयिषुर् योगम् आदाव् एव समाचरेत् ॥ 12.15 ॥

हस्तयोस् तु पराबीजं न्यस्य शक्तिम् अनुस्मरेत् ।
महामुद्राप्रयोगेन विपरीतविधौ बुधः ॥ 12.16 ॥

ज्वलद्वह्निप्रतीकाशां पादाग्रान् मस्तकान्तिकम् ।
नमस्कारं ततः पश्चाद् बद्ध्वा हृदि धृतानिलः ॥ 12.17 ॥

स्वरूपेण पराबीजम् अतिदीप्तम् अनुस्मरेत् ।
तस्य मात्रात्रयं ध्यायेत् कखत्रयविनिर्गतम् ॥ 12.18 ॥

ततस् तालशताद् योगी समावेशम् अवाप्नुयात् ।
ब्रह्मघ्नो ऽपि हि सप्ताहात् प्रतिवासरम् अभ्यसेत् ॥ 12.19 ॥

एवम् आविष्टदेहस् तु यथोक्तं विधिम् आचरेत् ।
यः पुनर् गुरुणैवादौ कृतावेशविधिक्रमः ॥ 12.20 ॥

स वासनानुभावेन भूमिकाजयम् आरभेत् ।
गणनाथं नमस्कृत्य संस्मृत्य त्रिगुरुक्रमम् ॥ 12.21 ॥

सम्यग् आविष्टदेहः स्याद् इति ध्यायेद् अनन्यधीः ।
स्वदेहं हेमसङ्काशं तुर्याश्रं वज्रलाञ्छितम् ॥ 12.22 ॥

ततो गुरुत्वम् आयाति सप्तविंशतिभिर् दिनैः ।
दिवसात् सप्तमाद् ऊर्ध्वं जडता चास्य जायते ॥ 12.23 ॥

षड्भिर् मासैर् जितव्याधिर् द्रुतहेमनिभो भवेत् ।
वज्रदेहस् त्रिभिश् चाब्दैर् नवनागपराक्रमः ॥ 12.24 ॥

एषा ते पार्थिवी शुद्धा धारणा परिकीर्तिता ।
आद्या पूर्वोदिते देवि भेदे पञ्चदशात्मके ॥ 12.25 ॥

सव्यापारं स्मरेद् देहं द्रुतहेमसमप्रभम् ।
उपविष्टं च तुर्याश्रे मण्डले वज्रभूषिते ॥ 12.26 ॥

सप्ताहाद् गुरुताम् एति मासाद् व्याधिविवर्जितः ।
षड्भिर् मासैर् धरान्तःस्थं सर्वं जानाति तत्त्वतः ॥ 12.27 ॥

त्रिभिर् अब्दैर् महीं भुङ्क्ते सप्ताम्भोनिधिमेखलाम् ।
द्वितीयः कथितो भेदस् तृतीयम् अधुना शृणु ॥ 12.28 ॥

तद्वद् एव स्मरेद् देहं किं तु व्यापारवर्जितम् ।
पूर्वोक्तं फलम् आप्नोति तद्वत् पातालसंयुतम् ॥ 12.29 ॥

चतुर्थे हृद्गतं ध्यायेद् द्वादशाङ्गुलम् आयतम् ।
पूर्ववर्णस्वरूपेण सव्यापारम् अतन्द्रितः ॥ 12.30 ॥

प्राप्य पूर्वोदितं सर्वं पातालाधिपतिर् भवेत् ।
तद् एव स्थिरम् आप्नोति निर्व्यापारे तु पञ्चमे ॥ 12.31 ॥

स्फुरत्सूर्यनिभं पीतं षष्ठे कृष्णघनावृतम् ।
निस्तरङ्गं स्मरेत् तद्वत् सप्तमे ऽपि विचक्षणः ॥ 12.32 ॥

द्वये ऽप्य् अत्र स्थिरीभूते भूर् भुवः स्वर् इति त्रयम् ।
वेत्ति भुङ्क्ते च लोकानां पुरोक्तैर् एव वत्सरैः ॥ 12.33 ॥

सकलं हृदयान्तःस्थम् आत्मानं कनकप्रभम् ।
स्वप्रभाद्योतिताशेष देहान्तम् अनुचिन्तयेत् ॥ 12.34 ॥

सव्यापारादिभेदेन सप्तलोकीं तु पूर्ववत् ।
वेत्ति भुङ्क्ते स्थिरीभूते भेदे ऽस्मिन् नवमे बुधः ॥ 12.35 ॥

रविबिम्बनिभं पीतं पूर्ववद् द्वितयं स्मरेत् ।
ब्रह्मलोकम् अवाप्नोति पूर्वोक्तेनैव वर्त्मना ॥ 12.36 ॥

अधःप्रकाशकं पीतं द्विरूपं पूर्ववन् महत् ।
चिन्तयेन् मत्समो भूत्वा मल्लोकम् अनुगच्छति ॥ 12.37 ॥

सबाह्याभ्यन्तरं पीतं तेजः सर्वप्रकाशकम् ।
चिन्तयेच् छतरुद्राणाम् अधिपत्वम् अवाप्नुयात् ॥ 12.38 ॥

इत्य् एवं पृथिवीतत्त्वम् अभ्यस्यं दशपञ्चधा ।
योगिभिर् योगसिद्ध्यर्थं तत्फलानि बुभुक्षया ॥ 12.39 ॥

योग्यतावशगा जाता यस्य यत्रैव वासना ।
स तत्रैव नियोक्तव्यो दीक्षाकाले विचक्षणैः ॥ 12.40 ॥

यो यत्र योजितस् तत्त्वे स तस्मान् न निवर्तते ।
तत्फलं सर्वम् आसाद्य शिवयुक्तो ऽपवृज्यते ॥ 12.41 ॥

अयुक्तो ऽप्य् अध्वसंशुद्धिं संप्राप्य भुवनेशतः ।
शुद्धः शिवत्वम् आयाति दग्धसंसारबन्धनः ॥ 12.42 ॥

इति श्रीमालिनीविजयोत्तरे तन्त्रे प्रथमधारणाधिकारो द्वादशः समाप्तः

Devanagari: Kapitel 13

जलादिमहाभूतजयाधिकारस् त्रयोदशः

अथातः सम्प्रवक्ष्यामि धारणां वारुणीम् इमाम् ।
यया संसिद्धयोगेन जलान्ताधिपतिर् भवेत् ॥ 13.1 ॥

जलान्तःस्थं स्मरेद् देहं सितं शीतं सुवर्तुलम् ।
सबाह्याभ्यन्तरं योगी नान्यद् अस्तीति चिन्तयेत् ॥ 13.2 ॥

एवम् अभ्यस्यतस् तस्य सप्ताहात् क्लिन्नता भवेत् ।
पित्तव्याधिपरित्यक्तो मासेन भवति ध्रुवम् ॥ 13.3 ॥

स्निग्धाङ्गः स्निग्धदृष्टिश् च नीलकुञ्चितमूर्धजः ।
भवत्य् अब्देन योगीन्द्रस् त्रिभिर् वर्षति मेघवत् ॥ 13.4 ॥

इत्य् एषा वारुणी प्रोक्ता प्रथमा शुद्धधारणा ।
अधुना संप्रवक्ष्यामि भेदैर् भिन्नाम् इमां पुनः ॥ 13.5 ॥

पूर्ववच् चिन्तयेद् देहं सव्यापारं सितं स्वकम् ।
जलोपरि स्थितं देवि तद्गतेनान्तरात्मना ॥ 13.6 ॥

सप्ताहान् मुच्यते रोगैः सर्वैः पित्तसमुद्भवैः ।
षण्मासाज् जायते स्थैर्यं यदि तन्मयतां गतः ॥ 13.7 ॥

जलावरणविज्ञानम् अब्दैर् अस्य त्रिभिर् भवेत् ।
निर्व्यापारप्रभेदे ऽपि सर्वत्र वरुणोपमः ॥ 13.8 ॥

स याति वारुणं तत्त्वं भूमिकाः क्रमशो ऽभ्यसेत् ।
पूर्ववत् कण्ठमध्यस्थम् आत्मानं द्वादशाङ्गुलम् ॥ 13.9 ॥

संस्मरञ् जलतत्त्वेशं प्रपश्यत्य् अचिराद् ध्रुवम् ।
तद्दृष्टिः स्थिरताम् एति स्वरूपे पञ्चमे स्थिरे ॥ 13.10 ॥

द्विभेदे ऽपि स्थिरीभूते चन्द्रबिम्बे घनावृते ।
तत्समानत्वम् अभ्येति ततः सकलरूपिणी ॥ 13.11 ॥

चिन्त्यते देहम् आपूर्य सितवर्णेन तेजसा ।
तद् एव स्थिरताम् एति तत्र सुस्थिरतां गते ॥ 13.12 ॥

घनमुक्तेन्दुबिम्बाभं ततः समनुचिन्तयेत् ।
तत्पतित्वं समभ्येति द्वितीये स्थिरतां व्रजेत् ॥ 13.13 ॥

अधःप्रकाशकं शुक्लं ततस् तेजो विचिन्तयेत् ।
विद्येश्वरत्वम् आप्नोति जलावरणसंभवम् ॥ 13.14 ॥

स्वदेहव्यापिनि ध्याते तत्रस्थे शुक्लतेजसि ।
सर्वाधिपत्यम् आप्नोति सुस्थिरे तत्र सुस्थिरम् ॥ 13.15 ॥

ध्येयतत्त्वसमानत्वम् अवस्थात्रितये स्थिरे ।
द्वितये च तदीशान संवित्तिर् उपजायते ॥ 13.16 ॥

द्वितये ऽन्यत्र तत्तुल्यः स्थिरो भवति योगवित् ।
षट्के सर्वेशताम् एति द्वितये ऽन्यत्र तु च्युतिः ॥ 13.17 ॥

इत्य् अयं सर्वतत्त्वेषु भेदे पञ्चदशात्मके ।
ज्ञेयो विधिर् विधानज्ञैः फलपञ्चकसिद्धिदः ॥ 13.18 ॥

तत् फलान्तरम् एतस्माद् उक्तं यच् चापि वक्ष्यते ।
अनुषङ्गफलं ज्ञेयं तत् सर्वम् अविचारतः ॥ 13.19 ॥

इतीयं वारुणी प्रोक्ता प्रभेदैर् दशपञ्चभिः ।
योगिनां योगसिद्ध्यर्थम् आग्नेयीम् अधुना शृणु ॥ 13.20 ॥

त्रिकोणं चिन्तयेद् देहं रक्तज्वालावलीधरम् ।
स्वशरीरोत्थितो वह्निर् ज्वलन् वै सर्वदाहकः ॥ 13.21 ॥

सप्तभिर् दिवसैर् देवि तैक्ष्ण्यम् अस्योपजायते ।
वातश्लेष्मभवैः सर्वैर् मासान् मुच्यति साधकः ॥ 13.22 ॥

निद्राहीनश् च बह्वाशी स्वल्पविण्मूत्रकृद् भवेत् ।
इच्छया निर्दहेद् यद् यत् स्पृष्टं वस्तु ऋतुक्षयात् ॥ 13.23 ॥

त्र्यब्दाद् अग्निसमो भूत्वा क्रीडत्य् अग्निर् यथेच्छया ।
सर्वं निर्दहति क्रुद्धः सशैलवनकाननम् ॥ 13.24 ॥

त्रिकोणमण्डलारूढम् आत्मानम् अनुचिन्तयेत् ।
सव्यापारादिभेदेन सर्वत्रापि विचक्षणः ॥ 13.25 ॥

सप्ताहाद् व्याधिभिर् हीनः षण्मासाद् अग्निवद् भवेत् ।
त्रिभिर् अब्दैः स संपूर्णं तेजस्तत्त्वं प्रपश्यति ॥ 13.26 ॥

यच्छक्तिभेदे यद् दृष्टं तत् तद्भेदे स्थिरीभवेत् ।
पूर्ववत् तालुमध्यस्थम् आत्मानं ज्वलनप्रभम् ॥ 13.27 ॥

ध्यायन् प्रपश्यते तेजस् तत्त्वेशान् अखिलान् क्रमात् ।
धूमाक्रान्ताग्निसंकाशं रविबिम्बसमाकृतिम् ॥ 13.28 ॥

ध्यायंस् तन्मध्यतस् तेजस् तत्त्वेशसमतां व्रजेत् ।
प्रभाहततमोजालं विधूमाग्निसमप्रभम् ॥ 13.29 ॥

तत्रैव सकलं ध्यायेत् तत्पतित्वम् अवाप्नुयात् ।
दिवसाग्निप्रभाकारं तत्र तेजो विचिन्तयेत् ॥ 13.30 ॥

तन्मन्त्रेश्वरताम् एति तत्र सुस्थिरताम् गतः ।
मणिप्रदीपसंकाशं तेजस् तत्र प्रकाशयेत् ॥ 13.31 ॥

मन्त्रेशेशत्वम् अभ्येति योगी तन्मयतां गतः ।
सबाह्याभ्यन्तरं तेजो ध्यायन् सर्वत्र तद्गतः ॥ 13.32 ॥

तस्मान् न च्यवते स्थानाद् आसंहारम् अखण्डितः ।
संहारे तु परं शान्तं पदम् अभ्येति शाङ्करम् ॥ 13.33 ॥

इत्य् एषा पञ्चदशधा कथिता वह्निधारणा ।
स्वदेहं चिन्तयेत् कृष्णं वृत्तं षड्बिन्दुलाञ्छितम् ॥ 13.34 ॥

चलं सचूचूशब्दं च वायवीं धारणां श्रितः ।
चलत्वं कफजव्याधिविच्छेदाद् वायुवद् भवेत् ॥ 13.35 ॥

षण्मासम् अभ्यसेद् योगी तद्गतेनान्तरात्मना ।
योजनानां शतं गत्वा मुहूर्ताद् एत्य् अखेदतः ॥ 13.36 ॥

वत्सरैस् तु त्रिभिः साक्षाद् वायुरूपधरो भवेत् ।
चूर्णयत्य् अद्रिसंघातं वृक्षान् उन्मूलयत्य् अपि ॥ 13.37 ॥

क्रुद्धश् चालयते शक्रं सभृत्यबलवाहनम् ।
नीलाञ्जननिभं देहम् आत्मीयम् अनुचिन्तयेत् ॥ 13.38 ॥

पूर्वोक्तं सर्वम् आप्नोति षण्मासान् नात्र संशयः ।
त्र्यब्दात् प्रपश्यते वायु तत्त्वं तन्मयतां गतः ॥ 13.39 ॥

भ्रुवोर् मध्ये स्मरेद् रूपम् आत्मनो ऽञ्जनसंनिभम् ।
पश्यते वायुतत्त्वेशान् आशुगान् अखिलान् अपि ॥ 13.40 ॥

घनावृतेन्द्रनीलाभरविबिम्बसमाकृतिम् ।
ध्यायंस् तत्समताम् एति तत्संलीनो यदा भवेत् ॥ 13.41 ॥

भिन्नेन्द्रनीलसंकाशं सकलं तत्र चिन्तयेत् ।
तन्मन्त्रेशत्वम् आप्नोति ततस् तस्येशताम् अपि ॥ 13.42 ॥

सर्वव्यापिनि तद्वर्णे ध्याते तेजस्य् अवाप्नुयात् ।
तदाप्रधृष्यताम् एति तत्राधोर्ध्वविसर्पिणि ॥ 13.43 ॥

इतीयं कथिता दिव्या धारणा वायुसम्भवा ।
स्वदेहं वायुवद् ध्यात्वा तदभावम् अनुस्मरन् ॥ 13.44 ॥

दिवसैः सप्तभिर् योगी शून्यतां प्रतिपद्यते ।
मासमात्रेण भोगीन्द्रैर् अपि दष्टो न मुह्यति ॥ 13.45 ॥

सर्वव्याधिपरित्यक्तो वलीपलितवर्जितः ।
षण्मासाद् गगनाकारः सूक्ष्मरन्ध्रैर् अपि व्रजेत् ॥ 13.46 ॥

वत्सरत्रितयात् साक्षाद् व्योमवच् च भविष्यति ।
इच्छयैव महाकायः सूक्ष्मदेहस् तथेच्छया ॥ 13.47 ॥

अच्छेद्यश् चाप्य् अभेद्यश् च च्छिद्रां पश्यति मेदिनीम् ।
शतपुष्परसोच्छिष्टम् ऊषागर्भखवन् निजम् ॥ 13.48 ॥

देहं चिन्तयतस् त्र्यब्दाद् व्योमज्ञानं प्रजायते ।
पूर्वोक्तं च फलं सर्वं सप्ताहादिकम् आप्नुयात् ॥ 13.49 ॥

ललाटे चिन्तयेत् तद्वद् द्वादशाङ्गुलम् आयतम् ।
तत्तत्त्वेशान् क्रमात् सर्वान् प्रपश्यत्य् अग्रतः स्थितान् ॥ 13.50 ॥

राहुग्रस्तेन्दुबिम्बाभं ध्यायंस् तत्समतां व्रजेत् ।
सकलं चन्द्रबिम्बाभम् तत्रस्थम् अनुचिन्तयेत् ॥ 13.51 ॥

तन्मन्त्रेशत्वम् आप्नोति ज्योत्स्नया चेन्द्रताम् अपि ।
तयैवाधोविसर्पिण्या सबाह्याभ्यन्तरं बुधः ॥ 13.52 ॥

मन्त्रेश्वरेशताम् आप्य विज्ञानम् अतुलं लभेत् ।
तया चोर्ध्वविसर्पिण्या ज्योत्स्नयामृतरूपया ॥ 13.53 ॥

स्वतन्त्रत्वम् अनुप्राप्य न क्व चित् प्रतिहन्यते ।
इत्य् एवं पञ्चतत्त्वानां धारणाः परिकीर्तिताः ॥ 13.54 ॥

शुद्धाद्यस्था तु संवित्तिर् भूतावेशो ऽत्र पञ्चधा ।
तास्व् एव संदधच् चित्तं विषादिक्षय आत्मनः ॥ 13.55 ॥

अन्यस्याम् अपि संवित्तौ यस्याम् एव निजेच्छया ।
चेतः सम्यक् स्थिरीकुर्यात् तया तत्फलम् अश्नुते ॥ 13.56 ॥

एकापि भाव्यमानेयम् अवान्तरविभेदतः ।
अन्तरायत्वम् अभ्येति तत्र कुर्यान् न संस्थितिम् ॥ 13.57 ॥

संस्थितिं तत्र कुर्वन्तो न प्राप्स्यन्त्य् उत्तमं फलम् ।
धारणापञ्चके सिद्धे पिशाचाद्या गुणाष्टकाः ॥ 13.58 ॥

ऐन्द्रान्ताः पञ्च सिद्ध्यन्ति योगिनां भेदतो ऽपि वा ।
इष्टाः पञ्चदशावस्थाः क्रमेणैव समभ्यसन् ॥ 13.59 ॥

त्र्यब्दाद् आद्यां प्रसाध्यान्यां द्वाभ्याम् एकेन चापराम् ।
षण्मासात् पञ्चभिश् चान्यां चतुर्भिस् त्रिभिर् एव च ॥ 13.60 ॥

द्वाभ्याम् एकेन पक्षेण दशभिः पञ्चभिर् दिनैः ।
त्रिभिर् द्वाभ्याम् अथैकेन व्यस्तेच्छोः पूर्ववत् क्रमः ॥ 13.61 ॥

शाश्वतं पदम् आप्नोति भुक्त्वा सिद्धिं यथेप्सिताम् ॥ 13.62 ॥

इति श्रीमालिनीविजयोत्तरे तन्त्रे भूतजयाधिकारस् त्रयोदशः समाप्तः

Devanagari: Kapitel 14

तन्मात्रधारणाधिकारश् चतुर्दशः

अथ गन्धादिपूर्वाणां तन्मात्राणाम् अनुक्रमात् ।
धारणाः संप्रवक्ष्यामि तत्फलानां प्रसिद्धये ॥ 14.1 ॥

पीतकं गन्धतन्मात्रं तुर्याश्रं पर्वसंमितम् ।
नासारन्ध्राग्रगं ध्यायेद् वज्रलाञ्छनलाञ्छितम् ॥ 14.2 ॥

दशमाद् दिवसाद् ऊर्ध्वं योगिनो ऽनन्यचेतसः ।
क्वापि गन्धः समायाति द्विधाभूतो ऽप्य् अनेकधा ॥ 14.3 ॥

ततो ऽस्य ऋतुमात्रेण शुद्धो गन्धः स्थिरीभवेत् ।
षड्भिर् मासैः स्वयं गन्ध मय एव भविष्यति ॥ 14.4 ॥

यो यत्र रोचते गन्धस् तं तत्र कुरुते भृशम् ।
त्र्यब्दात् सिद्धिम् अवाप्नोति प्रेप्सितां पाञ्चभौतिकीम् ॥ 14.5 ॥

तदूर्ध्वम् आत्मनो रूपं तत्र संचिन्तयेद् यदि ।
गन्धावरणविज्ञानं त्रिभिर् अब्दैर् अवाप्नुयात् ॥ 14.6 ॥

ईषद्दीप्तियुतं तत्र तन्मण्डलविवर्जितम् ।
ध्यायन् प्रपश्यते सर्वान् गन्धावरणवासिनः ॥ 14.7 ॥

धरातत्त्वोक्तबिम्बाभं तत्रैवम् अनुचिन्तयन् ।
तत्समानत्वम् अभ्येति पूर्ववद् द्वितये स्थिरे ॥ 14.8 ॥

स्वरूपं तत्र संचिन्त्य भासयन्तम् अधःस्थितम् ।
तदीशत्वम् अवाप्नोति पूर्वोक्तेनैव वर्त्मना ॥ 14.9 ॥

धरातत्त्वोक्तवत् सर्वम् अत ऊर्ध्वम् अनुस्मरन् ।
तद्रूपं फलम् आप्नोति गन्धावरणसंस्थितम् ॥ 14.10 ॥

रसरूपाम् अतो वक्ष्ये धारणां योगिसेविताम् ।
यया सर्वरसावाप्तिर् योगिनः संप्रजायते ॥ 14.11 ॥

जलबुद्बुदसंकाशं राजनाड्यग्रसंस्थितं ।
चिन्तयेद् रसतन्मात्रं जिह्वाग्राधारम् आत्मनः ॥ 14.12 ॥

सुशीतं षड्रसं स्निग्धं तद्गतेनान्तरात्मना ।
ततो ऽस्य मासमात्रेण रसास्वादः प्रवर्तते ॥ 14.13 ॥

लवणादीन् परित्यज्य यदा मधुरतां गतः ।
तदा तन् निगिरन् योगी षण्मासान् मृत्युजिद् भवेत् ॥ 14.14 ॥

जराव्याधिविनिर्मुक्तः कृष्णकेशो ऽच्युतद्युतिः ।
जीवेद् आचन्द्रतारार्कम् अभ्यस्यंश् च क्व चित् क्व चित् ॥ 14.15 ॥

पूर्वोक्तबुद्बुदाकारं स्वरूपम् अनुचिन्तयन् ।
नीरावरणविज्ञानम् आप्नोतीति किम् अद्भुतम् ॥ 14.16 ॥

तम् एव द्युतिसंयुक्तं ध्यायन्न् आधारवर्जितम् ।
पश्यते वत्सरैः सर्वं रसावरणम् आश्रितम् ॥ 14.17 ॥

जलतत्त्वोक्तबिम्बादि तदूर्ध्वम् अनुचिन्तयन् ।
पूर्वोक्तं सर्वम् आप्नोति रसावरणजं स्फुटम् ॥ 14.18 ॥

अतो रूपवतीं वक्ष्ये दिव्यदृष्टिप्रदां शुभाम् ।
धारणां सर्वसिद्ध्यर्थं रूपतन्मात्रम् आश्रिताम् ॥ 14.19 ॥

एकान्तस्थो यदा योगी बहिर्मीलितलोचनः ।
शरत्संध्याभ्रसंकाशं यत् तत् किं चित् प्रपश्यति ॥ 14.20 ॥

तत्र चेतः समाधाय यावद् आस्ते दशाह्निकम् ।
तावत् स पश्यते तत्र बिन्दून् सूक्ष्मतमान् अपि ॥ 14.21 ॥

के चित् तत्र सिता रक्ताः पीता नीलास् तथापरे ।
तान् दृष्ट्वा तेषु संदध्यान् मनो ऽत्यन्तम् अनन्यधीः ॥ 14.22 ॥

षण्मासात् पश्यते तेषु रूपाणि सुबहूनि च ।
त्र्यब्दात् तान्य् एव तेजोभिः प्रदीप्तानि स्थिराणि च ॥ 14.23 ॥

तान्य् अभ्यस्यंस् ततो द्व्यब्दाद् बिम्बाकाराणि पश्यति ।
ततो ऽब्दात् पश्यते तेजः षण्मासात् पुरुषाकृति ॥ 14.24 ॥

त्रिमासाद् व्यापकं तेजो मासात् सर्वं विसर्पितम् ।
कालक्रमाच् च पूर्वोक्तं रूपावरणम् आश्रितम् ॥ 14.25 ॥

सर्वं फलम् अवाप्नोति दिव्यदृष्टिश् च जायते ।
इतीयं कल्पनाशून्या धारणाकृतकोदिता ॥ 14.26 ॥

दशपञ्चविधो भेदः स्वयम् एवात्र जायते ।
अतो ऽस्यां निश्चयं कुर्यात् किम् अन्यैः शास्त्रडम्बरैः ॥ 14.27 ॥

अतः स्पर्शवतीम् अन्यां कथयामि तवाधुना ।
धारणां तु यया योगी वज्रदेहः प्रजायते ॥ 14.28 ॥

षट्कोणमण्डलान्तःस्थम् आत्मानं परिभावयेत् ।
रूक्षम् अञ्जनसंकाशं प्रत्यङ्गस्फुरिताकुलम् ॥ 14.29 ॥

ततो ऽस्य दशभिर् देवि दिवसैस् त्वचि सर्वतः ।
भवेत् पिपीलिकास्पर्शस् ततस् तम् अनुचिन्तयन् ॥ 14.30 ॥

वज्रदेहत्वम् आसाद्य पूर्वोक्तं पूर्ववल् लभेत् ।
पूर्वोक्तमण्डलाकारं पूर्वरूपं विचिन्तयन् ॥ 14.31 ॥

स्पर्शतत्त्वावृतिज्ञानं लभन् केन निवार्यते ।
हीनमण्डलम् आत्मानं ध्यायेत् तत्पतिसिद्धये ॥ 14.32 ॥

यया संसिद्धया सर्व स्पर्शवेदी भविष्यति ।
कर्णौ पिधाय यत्नेन निमीलितविलोचनः ॥ 14.33 ॥

संशृणोति महाघोषं चेतस् तत्रानुसंदधेत् ।
दीप्यते जाठरो वह्निस् ततो ऽस्य दशभिर् दिनैः ॥ 14.34 ॥

दूराच् छ्रवणविज्ञानं षण्मासाद् उपजायते ।
यस् तस्यान्ते ध्वनिर् मन्दः किं चित् किं चिद् विभाव्यते ॥ 14.35 ॥

सकलात्मा स विज्ञेयस् तदभ्यासाद् अनन्यधीः ।
शब्दावरणविज्ञानम् आप्नोति स्थिरतां गतम् ॥ 14.36 ॥

यः पुनः श्रूयते शब्दस् तदन्ते शङ्खनादवत् ।
प्रलयाकलरूपं तद् अभ्यस्यं तत्फलेप्सुभिः ॥ 14.37 ॥

स एवातितराम् अन्यशब्दप्रच्छादको यदा ।
विज्ञानाकल इत्य् उक्तस् तदासाव् अपराजिते ॥ 14.38 ॥

मनोह्लादकरो यो ऽन्यस् तदन्ते संविभाव्यते ।
स मन्त्र इति विज्ञेयो योगिभिर् योगकाङ्क्षिभिः ॥ 14.39 ॥

ततस् तु श्रूयते यो ऽन्यः शान्तघण्टानिनादवत् ।
स मन्त्रेश इति प्रोक्तः सर्वसिद्धिफलप्रदः ॥ 14.40 ॥

घण्टानादविरामान्ते यः शब्दः संप्रजायते ।
मन्त्रेशेशपदं तद् धि सिद्धीनां कारणं महत् ॥ 14.41 ॥

अनिलेनाहता वीणा यादृङ् नादं विमुञ्चति ।
तादृशो यो ध्वनिस् तत्र तं विद्याच् छाम्भवं पदं ॥ 14.42 ॥

पृथग् वा क्रमशो वापि सर्वान् एतान् समभ्यसेत् ।
प्राप्नोति सर्ववित् सिद्धीः शब्दावरणम् आश्रिताः ॥ 14.43 ॥

इत्य् एताः कथिताः पञ्च तन्मात्राणां तु धारणाः ॥ 14.44 ॥

इति श्रीमालिनीविजयोत्तरे तन्त्रे तन्मात्रधारणाधिकारश् चतुर्दशः समाप्तः

Devanagari: Kapitel 15

अक्षधारणाधिकारः पञ्चदशः

अथ वागिन्द्रियादीनां मनोन्तानाम् अनुक्रमात् ।
धारणाः संप्रवक्ष्यामि दशैकाञ् च समासतः ॥ 15.1 ॥

वदनान्तर् नमःशब्दम् आत्मनश् चिन्तयेद् बुधः ।
गृहीतवाक्त्वम् अभ्येति मौनेन मधुसूदनि ॥ 15.2 ॥

सर्वत्रास्खलिता वाणी षड्भिर् मासैः प्रवर्तते ।
सर्वशास्त्रार्थवेत्तृत्वं वत्सराद् उपजायते ॥ 15.3 ॥

वाग् एवास्य प्रवर्तेत काव्यालङ्कारभूषिता ।
त्रिभिर् अब्दैः स्वयं कर्ता शास्त्राणां संप्रजायते ॥ 15.4 ॥

तत्रैव चिन्तयेद् देहं स्वकीयम् अनुरूपतः ।
भूयस् तम् एव धवलम् ईषत्तेजोवभासितम् ॥ 15.5 ॥

रसान्तःसोमबिम्बादितेजोन्तं तम् अनुस्मरेत् ।
सर्वं फलम् अवाप्नोति वागावरणजं क्रमात् ॥ 15.6 ॥

पाणौ चित्तं समादाय षण्मासाद् दूरसंस्थितम् ।
वस्तु गृह्णात्य् असंदेहात् त्र्यब्दात् पारे ऽपि वारिधेः ॥ 15.7 ॥

तत्रात्मदेहपूर्वं तु पद्माभम् अनुचिन्तयन् ।
सव्यापारादिभेदेन चतुर्दशकम् आदरात् ॥ 15.8 ॥

पुरोक्तकालनियमात् पूर्वोक्तेनैव वर्त्मना ।
सर्वं फलम् अवाप्नोति हस्तावृतिसमाश्रितम् ॥ 15.9 ॥

पादाव् एवंविधौ ध्यायन् वत्सरत्रयम् आदरात् ।
मुहूर्तेन समुद्रान्ताम् अश्रान्तो भ्रमति क्षितिम् ॥ 15.10 ॥

चतुर्दश समभ्यर्च्य स्वदेहादिकम् अभ्यसन् ।
प्राप्नोति पूर्ववत् सर्वं फलं पादावृतिस्थितम् ॥ 15.11 ॥

पायाव् अपि मनस्तत्त्वं स्थिरीकुर्वन्न् अवाप्स्यति ।
मासेन तद्भवव्याधि विमुक्तिम् अविलम्बतः ॥ 15.12 ॥

पुण्यश्लोकत्वम् आप्नोति त्रिभिर् अब्दैर् अनादरात् ।
चतुर्दशविधं चात्र पूर्ववत् फलम् आप्स्यति ॥ 15.13 ॥

स्वरूपतः स्मरेल् लिङ्गं मासमात्राज् जितेन्द्रियः ।
षड्भिर् मासैर् अनायासाद् इच्छाकामित्वम् आप्नुयात् ॥ 15.14 ॥

चतुर्दशविधे भेदे तत्राभ्यस्ते महामतिः ।
लिङ्गावरणजं सर्वं पूर्ववल् लभते फलम् ॥ 15.15 ॥

स्वजिह्वाम् इन्दुवर्णाभां चिन्तयेद् दशभिर् दिनैः ।
प्राप्नोत्य् अनुभवं योगी जिह्वाभावम् इवात्मनः ॥ 15.16 ॥

आस्वादयति दूरस्थं षण्मासाद् एकमानसः ।
वत्सरैस् तु त्रिभिः साक्षाल् लेढ्य् असौ परमामृतम् ॥ 15.17 ॥

येनासौ भवते योगी जरामरणवर्जितः ।
अपेयादिप्रसक्तो ऽपि न पापैः परिभूयते ॥ 15.18 ॥

पूर्ववत् सर्वम् अन्यच् च स्वदेहाद्य् अनुचिन्तयन् ।
फलम् आप्नोत्य् असंदेहाद् रसनावृतिसंभवम् ॥ 15.19 ॥

कनकाभं स्वकं घ्राणम् अनुचिन्तयतः शनैह् ।
दिवसैर् दशभिर् घ्राणशुन्यतानुभवो भवेत् ॥ 15.20 ॥

षण्मासाद् गन्धम् आघ्राति दूरस्थस्यापि वस्तुनः ।
घातयेद् गन्धम् आघ्राय यस्य रुष्टो भविष्यति ॥ 15.21 ॥

वत्सरैस् तु त्रिभिर् दिव्यं गन्धम् आसाद्य योगवित् ।
जरामरणनैर्गुण्ययुक्तो दिव्यत्वम् अर्हति ॥ 15.22 ॥

सर्वम् अन्यद् यथोद्दिष्टं तथैव च विचिन्तयेत् ।
क्रमिकं फलम् आप्नोति घ्राणावरणम् आस्थितम् ॥ 15.23 ॥

उदयादित्यसंकाशे चिन्तयंश् चक्षुषी निजे ।
दशाहाच् चक्षुषो रक्तस्रावानुभवम् आप्स्यति ॥ 15.24 ॥

वेदना महती चास्य ललाटे संप्रजायते ।
न भेतव्यं महादेवि न चाभ्यासं परित्यजेत् ॥ 15.25 ॥

संत्यजन्न् अन्धताम् एति तेन यत्नात् समभ्यसेत् ।
षड्भिर् मासैर् महायोगी दिव्यदृष्टिः प्रजायते ॥ 15.26 ॥

छिद्रां प्रपश्यते भूमिं कटाहान्ताम् अतन्द्रितः ।
आध्रुवान्तम् अथोर्ध्वं च करामलकवद् बुधः ॥ 15.27 ॥

वत्सरैस् तु त्रिभिर् योगी ब्रह्माण्डान्तं प्रपश्यति ।
तदन्तर् योगिनीज्ञानं शरीरस्थं प्रजायते ॥ 15.28 ॥

स्वदेहादिकम् अन्यच् च पूर्वोक्तं पूर्ववत् स्मरन् ।
नयनावृतिजं सर्वम् आप्नोतीति किम् अद्भुतम् ॥ 15.29 ॥

सर्वत्राञ्जनपत्राभां निस्तरङ्गां त्वचं स्मरन् ।
शस्त्रैर् अपि न मासेन छेत्तुं शक्यो भविष्यति ॥ 15.30 ॥

षण्मासाद् अतितीव्रेण नाग्निनाप्य् एष दह्यते ।
वत्सरत्रितयाद् योगी वज्रोपलविषाहिभिः ॥ 15.31 ॥

पीड्यते न कदा चित् स्याद् अजरामरतां गतः ।
स्पर्शावृतिजविज्ञान गीतवच् च चतुर्दश ॥ 15.32 ॥

भेदाः सह फलैर् ज्ञेयाः पूर्वकालानुसारतः ।
किं त्व् अत्र चिन्तयेद् देहं स्वदेहादिभिर् आवृतम् ॥ 15.33 ॥

संदधानः स्वकं चेतः श्रोत्राकाशे विचक्षणः ।
दूराच् छ्रवणविज्ञानं षण्मासाद् उपजायते ॥ 15.34 ॥

त्रिभिः संवत्सरैर् देवि ब्रह्माण्डान्तर् उदीरितम् ।
शृणोति स स्फुटं सर्वं जरामरणवर्जितः ॥ 15.35 ॥

तत्राकाशोक्तवत् सर्वं स्वदेहाद्य् अनुचिन्तयेत् ।
श्रोत्रावरणजं सर्वं फलम् आप्नोति पूर्ववत् ॥ 15.36 ॥

मनोवतीम् अतो वक्ष्ये धारणां सर्वसिद्धिदाम् ।
यया संसिद्धया देवि सर्वसिद्धिफलं लभेत् ॥ 15.37 ॥

मन एव मनुष्याणां कारणं बन्धमोक्षयोः ।
तस्मात् तद् अभ्यसेन् मन्त्री यदीच्छेन् मोक्षम् अक्षयम् ॥ 15.38 ॥

तद् अर्धचन्द्रसंकाशम् अधोवक्त्रं हृदि स्थितम् ।
चिन्तयन् मासमात्रेण प्रतिभां प्रतिपत्स्यते ॥ 15.39 ॥

अकस्मात् पश्यते किं चिद् अकस्माच् छृणुते तथा ।
सर्वेन्द्रियात्मकं ज्ञानं अकस्माच् च क्व चित् क्व चित् ॥ 15.40 ॥

स्वस्वकेन्द्रियविज्ञानं संपश्येद् वत्सरत्रयात् ।
भवते योगयुक्तस्य योगिनः सुपरिस्फुटम् ॥ 15.41 ॥

स्वदेहादिकम् अप्य् अत्र पूर्वोक्तवद् अनुस्मरन् ।
चित्तावरणविज्ञानं प्राप्य सोमगुणं लभेत् ॥ 15.42 ॥

इत्य् एकादश गीतानि समभ्यस्यानि ते तथा ।
इन्द्रियाणि यतः सर्वं फलम् एषु प्रतिष्ठितम् ॥ 15.43 ॥

बन्धमोक्षाव् उभाव् एताव् इन्द्रियाणि जगुर् बुधाः ।
विगृहीतानि बन्धाय विमुक्तानि विमुक्तये ॥ 15.44 ॥

एतानि व्यापके भावे यदा स्युर् मनसा सह ।
विमुक्तानीति विद्वद्भिर् ज्ञातव्यानि तदा प्रिये ॥ 15.45 ॥

यदा तु विषये क्वापि प्रदेशान्तरवर्तिनि ।
संस्थितानि तदा तानि बद्धानीति प्रचक्षते ॥ 15.46 ॥

इत्य् अयं द्विविधो भावः शुद्धाशुद्धप्रभेदतः ।
इन्द्रियाणां समाख्यातः सिद्धयोगीश्वरीमते ॥ 15.47 ॥

इति श्रीमालिनीविजयोत्तरे तन्त्रे ऽक्षधारणाधिकारः पञ्चदशः समाप्तः

Devanagari: Kapitel 16

धारणाधिकारः षोडशः

अथ गर्वमयीं दिव्यां धारणां धारणोत्तमाम् ।
महागर्वकरीं वक्ष्ये योगिनां योगवन्दिते ॥ 16.1 ॥

षोडशारं स्मरेच् चक्रम् आत्मदेहम् अनन्यधीः ।
एषो ऽहम् इति संचिन्त्य स्वकार्यपरिवारितम् ॥ 16.2 ॥

अप्रधृष्यो भवेद् योगी वत्सरत्रितयेन तु ।
ममत्वम् अच्युतं तस्य भवेत् सर्वत्र कुत्र चित् ॥ 16.3 ॥

तादृग्रूपस्य चक्रस्य नाभिं मूर्तिं स्वकां स्मरन् ।
चिन्तयेत् सर्वम् एवाहं मयि सर्वम् अवस्थितम् ॥ 16.4 ॥

ततो ऽहङ्कारविज्ञानं प्राप्नोतीति किम् अद्भुतम् ।
हृच्चक्रे समनुध्यायन् मत्स्वरूपम् अतन्द्रितः ॥ 16.5 ॥

अविलम्बम् अवाप्नोति गर्वावरणजं फलम् ।
बिम्बादिकं क्रमात् सर्वं चिन्तयन् नीललोहितम् ॥ 16.6 ॥

तद्भवं सर्वम् आप्नोति दशावस्थाप्रचोदितम् ।
इति गर्वमयी प्रोक्ता प्रजापतिगुणप्रदा ॥ 16.7 ॥

उद्यदादित्यबिम्बाभं हृदि पद्मम् अनुस्मरन् ।
धर्मादिभावसंयुक्तम् अष्टपत्रं सकर्णिकम् ॥ 16.8 ॥

मासेन स्थिरबुद्धिः स्यात् षड्भिः श्रुतिधरो भवेत् ।
त्रिभिर् अब्दैः स्वयं कर्ता शास्त्राणां संप्रजायते ॥ 16.9 ॥

स्वां तत्र चिन्तयेन् मूर्तिं बुद्धितत्त्वं प्रपश्यति ।
तदीशज्ञानम् आप्नोति ब्रह्माणम् अनुचिन्तयन् ॥ 16.10 ॥

वेदान् उद्गिरते सुप्तः समाधिस्थो ऽथवा मुनिः ।
सुस्थिरास् ते सदाभ्यासाद् अनधीता अपि स्फुटम् ॥ 16.11 ॥

बिम्बादिकं क्रमात् सर्वं पूर्वोक्तम् अनुचिन्तयन् ।
प्राप्नोति ब्राह्मम् ऐश्वर्यं बुद्ध्यावरणम् आश्रितम् ॥ 16.12 ॥

हृदि बिम्बं रवेर् ध्यायेत् तदन्तः सोममण्डलम् ।
एवम् अभ्यसतस् तस्य षण्मासाद् उपजायते ॥ 16.13 ॥

दिव्यचक्षुर् अनायासात् सिद्धिः स्याद् वत्सरत्रयात् ।
स्वदेहं चिन्तयंस् तत्र गुणज्ञानम् अवाप्स्यति ॥ 16.14 ॥

लिङ्गाकारं स्मरन् दीप्तं तदीशत्वम् अवाप्नुयात् ।
बिम्बादि पूर्ववद् ध्यायन् दशकं दशकात्मकम् ॥ 16.15 ॥

फलम् आप्नोत्य् असंदेहाद् गुणावरणसंस्थितम् ।
चतुर्विंशत्य् अमी प्रोक्ताः प्रत्येकं दशपञ्चधा ॥ 16.16 ॥

धारणाः क्ष्मादितत्त्वानां समासाद् योगिनां हिताः ।
त्रयोदशात्मके भेदे षड् अन्याः संस्थिता यथा ॥ 16.17 ॥

योगिनाम् अनुवर्ण्यन्ते तथा योगप्रसिद्धये ।
देहं मुक्त्वा स्वरूपेण नान्यत् किं चिद् इति स्मरेत् ॥ 16.18 ॥

सितपद्मासनासीनं मण्डलत्रितयोपरि ।
एवम् अत्र स्थिरीभूते मासमात्रेण योगवित् ॥ 16.19 ॥

सर्वव्याधिविनिर्मुक्तो भवतीति किम् अद्भुतम् ।
षण्मासाद् अस्य विज्ञानं जायते पृथिवीतले ॥ 16.20 ॥

अब्दाज् जरादिनिर्मुक्तस् त्रिभिः पुंस्तत्त्वदृग् भवेत् ।
हृदधः पङ्कजे ऽत्रैव द्वादशार्धाङ्गुलां तनुम् ॥ 16.21 ॥

हृदन्तां भावयेत् स्वाक्यां षण्मासान् मृत्युजिद् भवेत् ।
त्रिभिर् अब्दैः समाप्नोति पुंस्तत्त्वेश्वरतुल्यताम् ॥ 16.22 ॥

बिम्बादौ पूर्ववत् सर्वं तत्र संचिन्तिते सति ।
फलम् आप्नोत्य् असंदेहात् पुरुषावरणस्थितम् ॥ 16.23 ॥

एतद् वेदान्तविज्ञानं समासाद् उपवर्णितम् ।
कपिलस्य पुरा प्रोक्तम् एतद् विस्तरशो मया ॥ 16.24 ॥

शरत्संध्याभ्रसंघाभं स्वदेहम् अनुचिन्तयन् ।
वीतरागत्वम् अभ्येति षड्भिर् मासैर् न संशयः ॥ 16.25 ॥

जरामरणनिर्मुक्तो वर्षेणैवोपजायते ।
त्र्यब्दाज् ज्ञानम् अवाप्नोति रागावरणजं महत् ॥ 16.26 ॥

रक्तं संचिन्तयेद् देहं संपूर्णाभ्रोपरिस्थितम् ।
मासषट्कम् अनुद्विग्नो वीतरागत्वसिद्धये ॥ 16.27 ॥

स्मरन् संवत्सरे सम्यङ् मृत्युना न प्रपीड्यते ।
त्रिभिर् अब्दैर् जितद्वन्द्वो रागे च समतां व्रजेत् ॥ 16.28 ॥

रक्तपद्मस्थितं रक्तं पञ्चपर्वं हृदावधि ।
ध्यायन् फलम् अवाप्नोति पूर्वोक्तम् अखिलं क्रमात् ॥ 16.29 ॥

बिम्बादि चात्र पूर्वोक्तम् अनुचिन्तयतो मुहुः ।
फलं भवति निःशेषं रञ्जकावृतिसंभवम् ॥ 16.30 ॥

हृदि पद्मं सितं ध्यायेद् द्व्यष्टपत्रं सकेसरम् ।
सर्वामृतमयं दिव्यं चन्द्रकल्पितकर्णिकम् ॥ 16.31 ॥

निश्चलं तत्र संयम्य चेतो निद्रान्तम् आत्मनः ।
ततो यत् पश्यते स्वप्ने तथ्यं तत् तस्य जायते ॥ 16.32 ॥

एवम् अभ्यसतस् तस्य बुद्धिपद्मोदितं फलम् ।
सर्वं प्रजायते तस्य तत्कालक्रमयोगतः ॥ 16.33 ॥

चतुरङ्गुलदेहादि सर्वं तत्र विचिन्तयन् ।
पूर्ववत् सर्वम् आप्नोति विद्यातत्त्वसमुद्भवम् ॥ 16.34 ॥

हृदयाद् एकम् एकं तु व्यतिक्रम्यार्धम् अङ्गुलम् ।
पृथक् चक्रत्रयं ध्यायेद् रक्तनीलासितं क्रमात् ॥ 16.35 ॥

तत्रत्यद्व्येकपर्वं तु पुरुषं तत्समद्युतिम् ।
बिम्बादिकं च यत् प्रोक्तं तत्त्वत्रयम् इदं महत् ॥ 16.36 ॥

त्रयोदशात्मकं भेदम् एतदन्तं विदुर् बुधाः ।
एकादशप्रभेदेन तत्त्वद्वयम् अथोच्यते ॥ 16.37 ॥

कण्ठकूपावधौ चक्रे पञ्चारे नाभिसंस्थितम् ।
ध्यायेत् स्वरूपम् आत्मीयं दीप्तनेत्रोपलब्धवत् ॥ 16.38 ॥

क्षित्यादिकालतत्त्वान्ते यद् वस्तु स्थितम् अध्वनि ।
सर्वं प्रसाध्य योगीन्द्रो न कालेनाभिभूयते ॥ 16.39 ॥

बिम्बादिके ऽपि तत्रस्थे योगिनाम् अनुचिन्तिते ।
भवतीति किलाश्चर्यम् अनायासेन तत्फलम् ॥ 16.40 ॥

कण्ठाकाशे स्थिरं चेतः कुर्वन् योगी दिने दिने ।
मायोत्थं फलम् आप्नोति बिम्बादाव् अपि तत्रगे ॥ 16.41 ॥

कण्ठकूपविधानाभं राहुग्रस्तेन्दुबिम्बवत् ।
चिन्तयन् न पुनर् याति मायादेर् वशवर्तिताम् ॥ 16.42 ॥

तद् एव तत्र स्वर्भानुमुक्तवत् परिचिन्तयन् ।
तेजोदेहादिकं चापि प्राप्नोति परमेशताम् ॥ 16.43 ॥

मध्यन्दिनकराकारं लम्बकस्थं विचिन्तयेत् ।
समस्तमन्त्रचक्रस्य रूपं यत् सामुदायिकम् ॥ 16.44 ॥

ततः कालक्रमाद् योगी मन्त्रत्वम् अधिगच्छति ।
अनुषङ्गफलं चात्र पूर्वोक्तं सर्वम् इष्यते ॥ 16.45 ॥

मूर्तिं तत्रैव संचिन्त्य मन्त्रेशत्वम् अवाप्नुयात् ।
तदधोदीपकं तेजो ध्यात्वा तत्पतितां व्रजेत् ॥ 16.46 ॥

सबाह्याभ्यन्तरं तस्माद् अधोर्ध्वं व्यापि च स्मरन् ।
तेजो मन्त्रेश्वरेशानपदान् न च्यवते नरः ॥ 16.47 ॥

बद्ध्वा पद्मासनं योगी पराबीजम् अनुस्मरन् ।
भ्रुवोर् मध्ये न्यसेच् चित्तं तद्बहिः किं चिद् अग्रतः ॥ 16.48 ॥

निमीलिताक्षो हृष्टात्मा शब्दालोकविवर्जिते ।
पश्यते पुरुषं तत्र द्वादशाङ्गुलम् आयतम् ॥ 16.49 ॥

तत्र चेतः स्थिरं कुर्यात् ततो मासत्रयोपरि ।
सर्वावयवसंपूर्णं तेजोरूपम् अचञ्चलम् ॥ 16.50 ॥

प्रसन्नम् इन्दुसंकाशं पश्यति दिव्यचक्षुषा ।
तं दृष्ट्वा पुरुषम् दिव्यं कालज्ञानं प्रवर्तते ॥ 16.51 ॥

अशिरस्के भवेन् मृत्युः षण्मासाभ्यन्तरेण तु ।
वञ्चनं तत्र कुर्वीत यत्नात् कालस्य योगवित् ॥ 16.52 ॥

ब्रह्मरन्ध्रोपरि ध्यायेच् चन्द्रबिम्बम् अकल्मषम् ।
स्रवन्तम् अमृतं दिव्यं स्वदेहापूरकं बहु ॥ 16.53 ॥

तेनापूरितम् आत्मानं चेतोनालानुसर्पिणा ।
सबाह्याभ्यन्तरं ध्यायन् दशाहान् मृत्युजिद् भवेत् ॥ 16.54 ॥

महाव्याधिविनाशे ऽपि योगम् एनं समभ्यसेत् ।
प्रत्यङ्गव्याधिनाशाय प्रत्यङ्गगम् अनुस्मरन् ॥ 16.55 ॥

धूम्रवर्णं यदा पश्येन् महाव्याधिस् तदा भवेत् ।
कृष्णे कुष्ठम् अवाप्नोति नीले शीतलिकाभयम् ॥ 16.56 ॥

हीनचक्षुषि तद्रोगं नासाहीने तदात्मकम् ।
यद् यद् अङ्गं न पश्येत तत्र तद्व्याधिम् आदिशेत् ॥ 16.57 ॥

आत्मनो वा परेषां वा योगी योगपथे स्थितः ।
वर्षैस् तु पञ्चभिः सर्वम् विद्यातत्त्वान्तम् ईश्वरि ॥ 16.58 ॥

वेत्ति भुङ्क्ते च सततं न च तस्मात् प्रहीयते ।
तत्रस्थे तेजसि ध्याते सर्वदेहविसर्पिणि ॥ 16.59 ॥

पूर्वोक्तं सर्वम् आप्नोति तत्कालक्रमयोगतः ।
अथोर्ध्वव्यापिनि ध्याने तत्र तस्माद् अखण्डितः ॥ 16.60 ॥

सर्वमन्त्रेश्वरेशत्वान् न भूयो ऽपि निवर्तते ।
एवं ललाटदेशे ऽपि महादीप्तम् अनुस्मरन् ॥ 16.61 ॥

प्रपश्यत्य् अचिराद् एव वर्णाष्टकयुतं क्रमात् ।
इन्द्रनीलप्रतीकाशं शिखिकण्ठसमद्युति ॥ 16.62 ॥

राजावर्तनिभं चान्यत् तथा वैडूर्यसंनिभम् ।
पुष्परागनिभं चान्यत् प्रवालकसमद्युति ॥ 16.63 ॥

पद्मरागप्रतीकाशम् अन्यच् चन्द्रसमद्युति ।
तां दृष्ट्वा परमां ज्योत्स्नां दिव्यज्ञानं प्रवर्तते ॥ 16.64 ॥

विहारपादचारादि ततः सर्वं प्रवर्तते ।
अधोर्ध्वं व्यापिनि ध्याते न तस्माच् च्यवते पदात् ॥ 16.65 ॥

इत्य् एतत् सर्वम् आख्यातं लक्ष्यभेदव्यवस्थितम् ।
अधुना चित्तभेदो ऽपि समासाद् उपदिश्यते ॥ 16.66 ॥

पिशाचानन्तपर्यन्तगुणाष्टकसमीहया ।
तत्तद्रूपगुणं कुर्यात् सम्यग् ईशे स्थिरं मनः ॥ 16.67 ॥

इतीश्वरपदान्तस्य मार्गस्यास्य पृथक् पृथक् ।
यथोपासा तथाख्याता योगिनां योगसिद्धये ॥ 16.68 ॥

इति श्रीमालिनीविजयोत्तरे तन्त्रे धारणाधिकारः षोडशः समाप्तः

Devanagari: Kapitel 17

सप्तदशः षडङ्गयोगाधिकारः

अथैतत् सर्वम् उद्दिष्टं यदि न स्फुटतां व्रजेत् ।
स्फुटीकृते ऽस्थिरे तत्र न मनस् तिष्ठते स्फुटम् ॥ 17.1 ॥

गतिभङ्गं ततस् तस्य प्राणायामेन कारयेत् ।
स च पञ्चविधः प्रोक्तः पूरकादिप्रभेदतः ॥ 17.2 ॥

पूरकः कुम्भकश् चैव रेचको ह्य् अपकर्षकः ।
उत्कर्षः पञ्चमो ज्ञेयस् तदभ्यासाय योगिभिः ॥ 17.3 ॥

पूरकः पूरणाद् वायोर् द्वेधा षोढा च गीयते ।
स्वभावपूरणाद् एको विरेच्यान्यः प्रपूरितः ॥ 17.4 ॥

नासामुखोर्ध्वतालूनां रन्ध्रभेदाद् विभिद्यते ।
भिन्नः षोढात्वम् अभ्येति पुनर् भेदैर् अनन्तताम् ॥ 17.5 ॥

कुम्भः पञ्चविधो ज्ञेयस् तत्रैकः पूरिताद् अनु ।
विधृतो रेचकात् पश्चाद् द्वितीयः परिकीर्तितः ॥ 17.6 ॥

द्वयोर् अन्ते द्वयं चान्यत् स्वभावस्थश् च पञ्चमः ।
स्थानान्तरप्रभेदेन गच्छत्य् एषो ऽप्य् अनन्तताम् ॥ 17.7 ॥

रेचकः पूर्ववज् ज्ञेयो द्विधाभूतः षडात्मकः ।
स्थानसंस्तम्भितो वायुस् तस्माद् उत्कृष्य नीयते ॥ 17.8 ॥

यो ऽन्यप्रदेशसंप्राप्त्यै स उत्कर्षक इष्यते ।
तस्माद् अपि पुनः स्थानं यतो नीतस् तदाहृतः ॥ 17.9 ॥

अपकर्षक इत्य् उक्तो द्वाव् अप्य् एताव् अनेकधा ।
एषाम् अभ्यसनं कुर्यात् पद्मकाद्यासनस्थितः ॥ 17.10 ॥

अधमः सकृदुद्घातो मध्यमो द्विगुणो मतः ।
ज्येष्ठः स्याद् यस् त्रिरुद्घातः स च द्वादशमात्रकः ॥ 17.11 ॥

त्रिर्जानुवेष्टनान् मात्रा त्रिगुणाच् छोटिकात्रयात् ।
अजितां नाक्रमेन् मात्रां वायुदोषनिवृत्तये ॥ 17.12 ॥

प्रत्यङ्गधारणाद् वायुं न च चक्षुषि धारयेत् ।
नाभिहृत्तालुकान्तस्थे विधृते मरुति क्रमात् ॥ 17.13 ॥

चतस्रो धारणा ज्ञेयाः शिख्यम्ब्वीशामृतात्मिकाः ।
यद् यत्र चिन्तयेद् द्रव्यं तत् तत् सर्वगतं स्मरेत् ॥ 17.14 ॥

बिन्दुनादात्मकं रूपम् ईशानी धारणा श्रिता ।
अमृतायां स्मरेद् इन्दुं कालत्यागोक्तवर्त्मना ॥ 17.15 ॥

धारणाभिर् इहैताभिर् योगी योगपथे स्थितः ।
हेयं वस्तु परित्यज्य यायात् पदम् अनामयम् ॥ 17.16 ॥

त्रिवेदद्वीन्दुसङ्ख्यातसमुद्घातास् त्व् इमा मताः ।
एताभिर् अप्य् अधो ऽप्य् उक्तं फलं प्राप्नोत्य् अनुत्तमम् ॥ 17.17 ॥

योगाङ्गत्वे समाने ऽपि तर्को योगाङ्गम् उत्तमम् ।
हेयाद्यालोचनात् तस्मात् तत्र यत्नः प्रशस्यते ॥ 17.18 ॥

मार्गे चेतः स्थिरीभूतं हेये ऽपि विषयेच्छया ।
प्रेर्य तेनानयेत् तावद् यावत् पदम् अनामयम् ॥ 17.19 ॥

तदर्थभावनायुक्तं मनो ध्यानम् उदाहृतम् ।
तद् एव परमं ज्ञानं भावनामयम् इष्यते ॥ 17.20 ॥

मुहूर्ताद् एव तत्रस्थः समाधिं प्रतिपद्यते ।
तत्रापि च सुनिष्पन्ने फलं प्राप्नोत्य् अभीप्सितम् ॥ 17.21 ॥

यत् किं चिच् चिन्तयेद् वस्तु नान्यत्वं प्रतिपद्यते ।
तेन तन्मयताम् आप्य भवेत् पश्चाद् अभाववत् ॥ 17.22 ॥

पञ्चताम् इव संप्राप्तस् तीव्रैर् अपि न चाल्यते ।
ततः शब्दादिभिर् योगी योगिनीकुलनन्दनः ॥ 17.23 ॥

इत्य् अनेन विधानेन प्रत्याहृत्य मनो मुहुः ।
प्राणायामादिकं सर्वं कुर्याद् योगप्रसिद्धये ॥ 17.24 ॥

सर्वम् अप्य् अथवा भोगं मन्यमानो विरूपकम् ।
स्वशरीरं परित्यज्य शाश्वतं पदम् ऋच्छति ॥ 17.25 ॥

तदा पूर्वोदितं न्यासं कालानलसमप्रभम् ।
विपरीतविधानेन कुर्यात् स्कृक्छिन्दियुग्गतम् ॥ 17.26 ॥

आग्नेयीं धारणां कृत्वा सर्वमर्मप्रतापिनीम् ।
पूरयेद् वायुना देहम् अङ्गुष्ठान् मस्तकान्तिकम् ॥ 17.27 ॥

तम् उत्कृष्य ततो ऽङ्गुष्ठाद् ब्रह्मरन्ध्रान्तम् आनयेत् ।
छेदयेत् सर्वमर्माणि मन्त्रेणानेन योगवित् ॥ 17.28 ॥

जीवम् आदिद्विजारूढं शिरोमालादिसंयुतम् ।
कृत्वा तदग्रे कुर्वीत द्विजम् आद्यम् अजीवकम् ॥ 17.29 ॥

इत्य् एषा कथिता काल रात्रिर् मर्मनिकृन्तनी ।
नैनां समुच्चरेद् देवि य इच्छेद् दीर्घजीवितम् ॥ 17.30 ॥

शतार्धोच्चारयोगेन जायते मूर्ध्नि वेदना ।
एवं प्रत्ययम् आलोच्य मृत्युजिद्ध्यानम् आश्रयेत् ॥ 17.31 ॥

निपीड्य तं ततस् तत्र बिन्दुनादादिचिन्तकः ।
वेगाद् उत्कृष्य तत्रस्थं कालरात्र्या विसर्जयेत् ॥ 17.32 ॥

अनेन क्रमयोगेन अने योजितः परमे पदे ।
समय्य् अपि महादेवि दीक्षोक्तं फलम् अश्नुते ॥ 17.33 ॥ †

[Textlücke] सिद्धयोगेश्वरीमते ।
तत्सकाशाद् भवेत् सिद्धिः सर्वमन्त्रोक्तलक्षणा ॥ 17.34 ॥ †

तद् एव मन्त्ररूपेण मनुष्यैः समुपास्यते ।
एष ते ज्ञेयसद्भावः कथितः सुरवन्दिते ॥ 17.35 ॥

अभक्तस्य गुहस्यापि नाख्येयो जातुचित् त्वया ।
उदरं सर्वम् आपूर्य ब्रह्मरन्ध्रान्तम् आगतम् ॥ 17.36 ॥

वायुं भ्रमणयोगेन ततस् तं प्रेरयेत् तथा ।
यावत् प्राणप्रदेशान्तं योगिनां मनसेप्सितम् ॥ 17.37 ॥

प्राप्यते पुनर् आवृत्य तथैव नाभिमण्डलम् ।
एवं समभ्यसेत् तावद् यावद् वासरसप्तकम् ॥ 17.38 ॥

तदाप्रभृति संयुक्तः कर्षयेत् त्रिदशान् अपि ।
अनेनाकृष्य विज्ञानं सर्वयोगिनिषेवितम् ॥ 17.39 ॥

गृह्णीयाद् योगयुक्तात्मा किम् अन्यैः क्षुद्रशासनैः ।
प्रथमं महती घूर्णिर् अभ्यासात् तस्य जायते ॥ 17.40 ॥

ततः प्रकम्पो देवेशि ज्वलतीव ततो ऽप्य् अणुः ॥ 17.41 ॥

इति श्रीमालिनीविजयोत्तरे तन्त्रे सप्तदशो योगाङ्गाधिकारः समाप्तः

Devanagari: Kapitel 18

परमविद्याधिकारो ऽष्टादशः

शृणु देवि परं गुह्यम् अप्राप्यम् अकृतात्मनाम् ।
यन् न कस्य चिद् आख्यातं तद् अद्य कथयामि ते ॥ 18.1 ॥

सर्वम् अन्यत् परित्यज्य चित्तम् अत्र निवेशयेत् ।
मृच्छैलधातुरत्नादिभवं लिङ्गं न पूजयेत् ॥ 18.2 ॥

यजेद् आध्यात्मिकं लिङ्गं यत्र लीनं चराचरम् ।
बहिर् लिङ्गस्य लिङ्गत्वम् अनेनाधिष्ठितं यतः ॥ 18.3 ॥

अतः प्रपूजयेद् एतत् परमाद्वैतम् आश्रितः ।
अनुध्यानेन देवेशि परेण परमाणुना ॥ 18.4 ॥

यो ऽनुध्यातः स एवैतल् लिङ्गं पश्यति नापरः ।
यद् एतत् स्पन्दनं नाम हृदये समवस्थितम् ॥ 18.5 ॥

तत्र चित्तं समाधाय कम्प उद्भव एव च ।
तत्र प्रशान्तिम् आप्नोति मासेनैकेन योगवित् ॥ 18.6 ॥

हृदयाद् उत्थितं लिङ्गं ब्रह्मरन्ध्रान्तम् ईश्वरि ।
स्वप्रभोद्द्योतिताशेषदेहान्तम् अमलद्युति ॥ 18.7 ॥

तत्रैव पश्यते सर्वं मन्त्रजालं महामतिः ।
तन्मस्तकं समारुह्य मासमात्रम् अनन्यधीः ॥ 18.8 ॥

ततस् तत्र सुनिष्पन्ने षण्मासात् सर्वसिद्धयः ।
एतल् लिङ्गम् अविज्ञाय यो लिङ्गी लिङ्गम् आश्रयेत् ॥ 18.9 ॥

वृथाऌपरिश्रमस् तस्य न लिङ्गफलम् अश्नुते ।
शैवम् एतन् महालिङ्गम् आत्मलिङ्गे [न] सिद्ध्यति ॥ 18.10 ॥ †

सिद्धे ऽत्र लिङ्गवल् लिङ्गी लिङ्गस्थो लिङ्गवर्जितः ।
भवतीति किम् आश्रयम् एतस्माल् लिङ्गलिङितः ॥ 18.11 ॥

अनेन लिङ्गलिङ्गेन यदा योगी बहिर् व्रजेत् ।
तदा लिङ्गीति विज्ञेयः पुरान्तं लिङ्गम् इष्यते ॥ 18.12 ॥

एतस्माल् लिङ्गविज्ञानाद् योगिनो लिङ्गिताः स्मृताः ।
अनेनादिष्ठिताः मन्त्राः शान्तरौद्रादिभेदतः ॥ 18.13 ॥

भवन्तीति किमाश्चर्यं तद्भावगतचेतसः ।
रौद्रं भावं सम्श्रित्य यदि योगं समभ्यसेत् ॥ 18.14 ॥

दुर्निरीक्ष्यो भवेत् सर्वैः सदेवासुरमानुषैः ।
गमागमविनिर्मुक्तः सर्वदृष्टिर् अकातरः ॥ 18.15 ॥

मुहूर्तं तिष्ठते यावत् तावद् एवेशम् आप्नुयात् ।
आविष्टः पश्यते सर्वं सूर्यकोटिसमद्युति ॥ 18.16 ॥

यत् तद् अक्षरम् अव्यक्तं शैवं भैरवम् इत्य् अपि ।
तं दृष्ट्वा वत्सरार्धेन योगी सर्वज्ञताम् इयात् ॥ 18.17 ॥

य एवैनं समासाद्य यस् तृप्तिम् अधिगच्छति ।
न च कृत्रिमयोगेषु स मुक्तः सर्वबन्धनैः ॥ 18.18 ॥

प्राणायामादिकैर् लिङ्गैर् योगाः स्युः कृत्रिमा मताः ।
तेन ते ऽकृतकस्यास्य कलां नार्हन्ति षोडशीम् ॥ 18.19 ॥

एतत् समभ्यसन् योगी दिव्यचिह्नानि पश्यति ।
उपविष्ट ऋजुर् योगी न किञ् चिद् अपि चिन्तयेत् ॥ 18.20 ॥

मुहूर्तान् निर्दहेत् सर्वं देहस्थम् अकृतं कृतम् ।
दह्यमानस्य तस्येह प्रकम्पानुभवो भवेत् ॥ 18.21 ॥

ततस् तत्र स्थिरीभूते ज्योतिर् अन्तः प्रकाशते ।
तां दृष्ट्वा परमां दीप्तिं दिव्यज्ञानं प्रवर्तते ॥ 18.22 ॥

स्वतन्त्रशिवताम् एति भुञ्जानो विषयान् अपि ।
अनिमीलितदिव्याक्षो यावद् आस्ते मुहूर्तकम् ॥ 18.23 ॥

तस्मात् सर्वगतं भावम् आत्मनः प्रतिपद्यते ।
तम् एव भावयेद् यत्नात् सर्वसिद्धिफलेप्सया ॥ 18.24 ॥

ततस् तं भावयेद् योगी कम्पमानो ऽत्यनुल्बणम् ।
ततः प्रपश्यते तेजो ललाटाग्रे समन्ततः ॥ 18.25 ॥

दृष्ट्वा तत्परमं तेजो दिव्यज्ञानम् अवाप्नुयात् ।
षड्भिर् मासैर् अनायासाद् वत्सरेण प्रसिद्ध्यति ॥ 18.26 ॥

शिवतुल्यबलो भूत्वा यत्रेष्टं तत्र गच्छति ।
चेतः सर्वगतं कृत्वा मुहूर्ताद् एव योगवित् ॥ 18.27 ॥

शक्यावेशम् अवाप्नोति प्रकम्पानुभवात्मकम् ।
ततस् तत्र स्थिरीभूते मासमात्रेण योगवित् ॥ 18.28 ॥

शाक्तं प्रपश्यते तेजः सबाह्याभ्यन्तरे स्थिरम् ।
तत्र सम्यक् सुनिष्पन्ने सर्वेन्द्रियजम् आदरात् ॥ 18.29 ॥

तत्र स्फुटम् अवाप्नोति विज्ञानम् अनिवारितम् ।
सर्वगं चात्र विज्ञेयं यद् अक्षर्थेन संगतम् ॥ 18.30 ॥ †

एवमेवेदम् आख्यातं तत्त्वं पर्यायभेदतः ।
कर्मेन्द्रियाणि बुद्ध्यन्तं परित्यज्य समस्तकम् ॥ 18.31 ॥

भावयेत् परमां शक्तिं सर्वत्रैव विचक्षणः ।
निश्चलं तु मनः कृत्वा यावत् तन्मयतां गतः ॥ 18.32 ॥

तावत् सर्वगत भावं क्षणमात्रात् प्रपद्यते ।
निर्दह्य पाशजालानि यथेष्टं फलम् आप्नुयात् ॥ 18.33 ॥

तस्मात् समभ्यसेद् एनं कृत्वा निश्चयम् आत्मनः ।
यत्राधारविनिर्मुक्तो जीवो लयम् अवाप्स्यति ॥ 18.34 ॥

तत्स्थानं सर्वमन्त्राणाम् उत्पत्तिक्षेत्रम् इष्यते ।
द्विविधं तत्परिज्ञेयं बाह्याभ्यन्तरभेदतः ॥ 18.35 ॥

प्रयातवाधिकाऌमात्रा सा ज्ञेया सर्वसिद्धिदा ।
अथवा गच्छतस् तस्य स्वप्नवृत्त्या विचक्षणः ॥ 18.36 ॥ †

निरोधं मध्यमे स्थाने कुर्वीत क्षणमात्रकम् ।
पश्यते तत्र चिच्छक्तिं तुटिमात्राम् अखण्डिताम् ॥ 18.37 ॥

तद् एव परमं तत्त्वं तस्माज् जातम् इदं जगत् ।
स एव मन्त्रदेहस् तु सिध्हयोगीश्वरीमते ॥ 18.38 ॥

तेनैवालिङ्गिता मन्त्राः सर्वसिद्धिफलप्रदाः ।
ईषद्व्यावृत्तवर्णस् तु हेयोपादेयवर्जितः ॥ 18.39 ॥

यां संवित्तिम् अवाप्नोति शिवतत्त्वं तद् उच्यते ।
तत्र चित्तं स्थिरीकुर्वन् सर्वज्ञत्वम् अवाप्नुयात् ॥ 18.40 ॥

तत्रैव दिव्यचिह्नानि पश्यते च न संशयः ।
यत्रैव कुत्र चिद् गात्रे विकार उपजायते ॥ 18.41 ॥

संकल्पपूर्वको देवि तत् तत्त्वं तत्त्वम् उत्तमम् ।
तद् अभ्यसेन् महायोगी सर्वज्ञत्वजिगीषया ॥ 18.42 ॥

प्राप्नोति परमं स्थानं भुक्त्वा सिद्धिं यथेप्सिताम् ।
गन्धपुष्पादिभिर् योगी नित्यम् आत्मानम् आदरात् ॥ 18.43 ॥

ब्रह्मरन्ध्रप्रदेशे तु पूजयेद् भावतो ऽपि वा ।
द्रवद्द्रव्यसमायोगात् स्नपनं तस्य जायते ॥ 18.44 ॥

गन्धपुष्पादिगन्धस्य ग्रहणं यजनं मतम् ।
षड्रसास्वादनं तस्य नैवेद्याय प्रकल्पते ॥ 18.45 ॥

यम् एवोच्चारयेद् वर्णं स जपः परिकीर्तितः ।
तत्र चेतः समाधाय दह्यमानस्य वस्तुनः ॥ 18.46 ॥

ज्वालनतस् तिष्ठते यावत् तावद् धोमः कृतो भवेत् ।
यद् एव पश्यते रूपं तद् एव ध्यानम् इष्यते ॥ 18.47 ॥

प्रसङ्गाद् इदम् उद्दिष्टम् अद्वैतयजनं महत् ।
उदयार्कसमाभासम् ऊर्ध्वद्वारे मनः स्थिरम् ॥ 18.48 ॥

हृदि वाऌतत् तथा कुर्याद् द्वादशान्ते ऽथवाप्नुयात् ।
ततो मासार्धमात्रेण तद्रूपम् उपलभ्यते ॥ 18.49 ॥ †

उपलब्धं तद् अभ्यस्य सर्वज्ञत्वाय कल्पते ।
वस्त्रेण मुखम् आच्छाद्य योगी लक्ष्ये नियोजयेत् ॥ 18.50 ॥

नाभिकन्दाद् अधस्तात् तु यावत् तत्त्वं शिखाव् अधि ।
सूक्ष्मतारकसंकाशं रश्मिज्वालाकरालितम् ॥ 18.51 ॥

प्राणशक्त्यवसाने तु पश्यते रूपम् आत्मनः ।
तद् एवाभ्यासतो देवि विकासम् उपगच्छति ॥ 18.52 ॥

तन्मुखं सर्वमन्त्राणां सर्वतन्त्रेषु पठ्यते ।
ततो ऽस्य मासमात्रेण का चित् संवित्तिर् इष्यते ॥ 18.53 ॥

यतः सर्वं विजानाति हृदये संव्यवस्थितं ।
तां ज्ञात्वा कस्य चिद् योगी न सम्यक् प्रतिपादयेत् ॥ 18.54 ॥

अध्यायात् कथनं कुर्यान् नाकाले मृत्युम् आप्नुयात् ।
मृतो ऽपि श्वभ्रसंघाते क्रमेण परिपच्यते ॥ 18.55 ॥ †

एवं ज्ञात्वाऌमहादेवि स्वहितं समुपार्जयेत् ।
शिष्यो ऽप्य् अन्यायतो गृह्णन् नरकं प्रतिपद्यते ॥ 18.56 ॥ †

न च तत्कालम् आप्नोति वचस् त्व् अवितथं मम ।
न्यायेन ज्ञानम् आसाद्य पश्चान् न प्रतिपद्यते ॥ 18.57 ॥

तदा तस्य प्रकुर्वीत विज्ञानापहृतिं बुधः ।
ध्यात्वा तम् अग्रतः स्थाप्य स्वरूपेणैव योगवित् ॥ 18.58 ॥

षड्विधं विन्यसेन् मार्गं तस्य देहे पुरोक्तवत् ।
ततस् तं दीपम् आलोक्य तदङ्गुष्ठाग्रतः क्रमात् ॥ 18.59 ॥

नयेत् तेजः समाहृत्य द्वादशान्तम् अनन्यधीः ।
ततस् तं तत्र संचिन्त्य शिवेनैकत्वम् आगतम् ॥ 18.60 ॥

तत्र ध्यायेत् तमोरूपं तिरोभावनशीलनम् ।
पतन्तीं तेन मार्गेण ह्य् अङ्गुष्ठाग्रान्तम् आगताम् ॥ 18.61 ॥

सबाह्याभ्यन्तरं ध्यायेन् निविडाञ्जनसप्रभाम् ।
अनेन विधिना तस्य मूढबुद्धेर् दुरात्मनः ॥ 18.62 ॥

विज्ञानमन्त्रविद्याद्या न कुर्वन्त्य् उपकारिताम् ।
चित्ताभिसन्धिमात्रेण ह्य् अदृष्टस्यापि जायते ॥ 18.63 ॥

कथं चिद् उपलब्धस्य नित्यम् एवापकारिणः ।
अथवा सूर्यबिम्बाभं ध्यात्वा विच्छेद्यम् अग्रतः ॥ 18.64 ॥

स्वर्भानुरूपया शक्त्या ग्रस्तं तम् अनुचिन्तयेत् ।
अपराधसहस्रैस् तु कोपेन मह्तान्वितह् ॥ 18.65 ॥

विधिम् एनं प्रकुर्वीत क्रीडार्थं न तु जातु चित् ।
अनेन विधिना भ्रष्टो विज्ञानाद् अपरेण च ॥ 18.66 ॥

न शक्यो योजितुं भूयो यावत् तेनैव नोद्धृतः ।
करुणाकृष्टचित्तस् तु तस्य कृत्वा विशोधनम् ॥ 18.67 ॥

प्राणायामादिभिस् तीव्रैः प्रायश्चित्तैऋ विधिश्रुतैः ।
ततस् तस्य प्रकुर्वीत दीक्षां पूर्वोक्तवर्त्मना ॥ 18.68 ॥

ततः सर्वम् अवाप्नोति फलं तस्माद् अनन्यधीः ।
एवं ज्ञात्वा प्रयत्नेन गुरुम् आसादयेत् सुधीः ॥ 18.69 ॥

यतः संतोष उत्पन्नः शिवज्ञानामृतात्मकः ।
न तस्यान्वेषयेद् वृत्तं शुभं वा यदि वाशुभम् ॥ 18.70 ॥

स एव तद् विजानाति युक्तं वायुक्तम् एव वा ।
अकार्येषु यदा सक्तः प्राणद्वयापहारिषु ॥ 18.71 ॥

तदा निवारणीयो ऽसौ प्रणतेन विपश्चिता ।
तेनातिवार्यमाणो ऽपि यद्य् असौ न निवर्तते ॥ 18.72 ॥

तदान्यत्र क्व चिद् गत्वा शिवम् एवानुचिन्तयेत् ।
एष योगविधिः प्रोक्तः समासाद् योगिनां हितः ॥ 18.73 ॥

नात्र शुद्धिर् न चाशुद्धिर् न भक्ष्यादिविचारणम् ।
न द्वैतं नापि चाद्वैतं लिङ्गपूजादिकं न च ॥ 18.74 ॥

न चापि तत्परित्यागो निष्परिग्रहतापि वा ।
सपरिग्रहता वापि जटाभस्मादिसंग्रहः ॥ 18.75 ॥

तत्त्यागो न व्रतादीनां चरणाचरणं च यत् ।
क्षेत्रादिसंप्रवेशश् च समयादिप्रपालनम् ॥ 18.76 ॥

परस्वरूपलिङ्गादि नामगोत्रादिकं च यत् ।
नास्मिन् विधीयते किं चिन् न चापि प्रतिषिध्यते ॥ 18.77 ॥

विहितं सर्वम् एवात्र प्रतिषिद्धम् अथापि वा ।
किं त्व् एतद् अत्र देवेशि नियमेन विधीयते ॥ 18.78 ॥

तत्त्वे चेतः स्थिरीकार्यं सुप्रयत्नेन योगिना ।
तच् च यस्य यथैव स्यात् स तथैव समाचरेत् ॥ 18.79 ॥

तत्त्वे निश्चलचित्तस् तु भुञ्जानो विषयान् अपि ।
न संस्पृश्येत दोषैः स पद्मपत्रम् इवाम्भसा ॥ 18.80 ॥

विषापहारिमन्त्रादिसंनद्धो भक्षयन्न् अपि ।
विषं न मुह्यते तेन तद्वद् योगी महामतिः ॥ 18.81 ॥

इत्य् एतत् कथितं देवि किम् अन्यत् परिपृच्छसि ॥ 18.82 ॥

इति श्रीमालिनीविजयोत्तरे तन्त्रे परमविद्याधिकारो ऽष्टादशः

Devanagari: Kapitel 19

कुलचक्राधिकार एकोनविंशः

अथैनं परमं योगविधिम् आकर्ण्य शाङ्करी ।
पुनर् आह प्रसन्नास्या प्रणिपत्य जगद्गुरुम् ॥ 19.1 ॥

साध्यत्वेन श्रुता देव भिन्नयोनिस् तु मालिनी ।
विद्यात्रयं सविद्याङ्गं विधिवच् चावधारितम् ॥ 19.2 ॥

अधुना श्रोतुम् इच्छामि ह्य् अभिन्ना साध्यते कथम् ।
हिताय साधकेन्द्राणां प्रसादाद् वक्तुम् अर्हसि ॥ 19.3 ॥

एवम् उक्तो महेशान्या जगतां पतिर् आदरात् ।
विकसद्वदनाम्भोजः प्रत्युवाच वचो ऽमृतम् ॥ 19.4 ॥

आरिराधयिषुः शंभुं कुलोक्तविधिना बुधः ।
कुलचक्रं यजेद् आदौ बुधो दीक्षोक्तवर्त्मना ॥ 19.5 ॥

ततो जपेत् पराम् शक्तिं लक्षम् एकम् अखण्डितम् ।
पराबीजपुटान्तःस्थां न द्रुतां न विलम्बिताम् ॥ 19.6 ॥

तद्वत् खण्डाष्तकं चास्या लक्षं लक्षम् अखण्डितम् ।
जपेत् कुलेश्वरस्यापि लक्षषट्कम् अनन्यधीः ॥ 19.7 ॥

होमयित्वा दशांशेन द्रव्यं पूर्वोदितं बुधः ।
नित्यानुस्मृतिशीलस्य वाक्सिद्धिः संप्रजायते ॥ 19.8 ॥

स्वकुले जपयुक्तस्य अशक्तस्यापि साधने ।
भवन्ति कन्यसा देवि संसारे भोगसंपदः ॥ 19.9 ॥

शक्तस् तु साधयेत् सिद्धिं मध्यमाम् उत्तमाम् अपि ।
कृतसेवाविधिः पृथ्वीं भ्रमेद् उद्भ्रान्तपन्त्रिवत् ॥ 19.10 ॥

नगरे पञ्चरात्रं तु त्रिरात्रं पत्तने तु वै ।
ग्रामे ऽपि चैकरात्रं तु स्थित्वैनं विधिम् आचरेत् ॥ 19.11 ॥

यन् नामाद्यक्षरं यत्र वर्गे तत् तस्य वस्तुनः ।
कुलम् उक्तं विधानज्ञैर् नगरादेर् न संशयः ॥ 19.12 ॥

या यत्र देवता वर्गे वाच्यत्वे संव्यवस्थिता ।
सैव तस्य पतित्वेन ध्येया पूज्या च साधकैः ॥ 19.13 ॥

तस्य किं चित् समासाद्य नगरादिकम् आदरात् ।
स्वदिग्वर्गस्थितो भूत्वा चक्रं योज्य निजोदये ॥ 19.14 ॥

अवा [Textlücke] समेकैक उदिते [Textlücke] ।
देवता माहेश्वर [Textlücke] ॥ 19.15 ॥ †

क्रमेणैव यथा रात्रौ [Textlücke] तथाऌदिवा ।
स्वदिशि स्वोदये वर्गं तम् एवानुस्मरेद् बुधः ॥ 19.16 ॥ †

तिष्ठेद् अन्योदयं यावत् ततः स्वां दिशम् आश्रयेत् ।
स्वकुलं चिन्तयन् यायात् तद्देशकुलम् एव वा ॥ 19.17 ॥

यावद् अन्यां दिशं मन्त्री ततस् तद् अनुचिन्तयेत् ।
एवं यावत् स्वकं स्थानं कुलचक्रोक्तवर्त्मना ॥ 19.18 ॥

भ्रमित्वा पुनर् आयाति पूर्वकालक्रमेण च ।
तावद् आगत्य देवेशि तदेशकुलनायिका ॥ 19.19 ॥

ददेद् भक्ष्यादिकं किं चिद् दापयेद् वाथ केन चित् ।
अनेन विधिना युक्तो गुप्ताचारो दृढव्रतः ॥ 19.20 ॥

योगिनीमेलकं प्राप्य षण्मासेनैव सिद्ध्यति ।
दुष्करो ऽयं विधिर् देवि सत्त्वहीनैर् नराधमैः ॥ 19.21 ॥

सर्वसिद्धिकरो मुख्यः कुलशास्त्रेषु सर्वतः ।
अथैकस्मिन्न् अपि ग्रामे पत्तने नगरे ऽपि वा ॥ 19.22 ॥

तद् दिग्भागं समाश्रित्य तद् एवजपते कुलम् ।
त्रिभिर् अब्दैर् अनायासात् साधयेद् उत्तमं फलम् ॥ 19.23 ॥

लोकयात्रापरित्यक्तो ग्रासमात्रपरिग्रहः ।
अथवा नाभिचक्रे तु ध्यानचक्रं कुलात्मकम् ॥ 19.24 ॥

चेतसा भ्रमणं कुर्यात् सर्वकालक्रमेण तु ।
ततो ऽस्य वत्सरार्धेन देहान्तं योगिनीकुलम् ॥ 19.25 ॥

आविर्भवत्य् असंदेहात् स्वविज्ञानप्रकाशकम् ।
तेनाविर्भूतमात्रेण योगी योगिकुले कुली ॥ 19.26 ॥

भवेद् अपि पतिर् देवि योगिनां परमेश्वरि ।
अथवा चिन्तयेद् देवि यकारादिक्रमाष्टकम् ॥ 19.27 ॥

स्वरूपेण प्रभाकारकरालाकुलविग्रहम् ।
तस्य मध्ये कुलेशानं स्वबोधकम् अनुस्मरन् ॥ 19.28 ॥

सर्वम् एव च तत्पश्चाच् चक्रं दीपशिखाकृतिम् ।
संभूतं चिन्तयेद् योगी योगिनीपदकाङ्क्षया ॥ 19.29 ॥

एतस्मिन् व्यक्तिम् आपन्ने पिण्डस्थं बुद्ध उच्यते ।
ततो ऽस्याकस्मिकी देवि महामुद्रोपजायते ॥ 19.30 ॥

शृङ्गारवीरकारुण्यशोककोपादयस् तथा ।
प्रबुद्धम् एतद् उद्दिष्टं पिण्डस्थम् अमरार्चिते ॥ 19.31 ॥

दिवसैर् अभियुक्तस्य ततो ऽस्य बहुभिर् दिनैः ।
धरादितत्त्वभावानां संवित्तिर् उपजायते ॥ 19.32 ॥

सुप्रबुद्धं तद् इच्छन्ति पिण्डस्थं ज्ञानम् उत्तमम् ।
चक्रं च त्रिगुणाष्टारम् अथवा तत्र चिन्तयेत् ॥ 19.33 ॥

कादिहान्ताक्षराक्रान्तं पूर्वरूपं सबिन्दुकम् ।
तत्रापि पूर्ववत् सर्वं कुर्वन्न् एतद् फलं लभेत् ॥ 19.34 ॥

आदिवर्णान्वितं वाथ षोडशारम् अनुस्मरन् ।
मध्यक्रमेण वा योगी पञ्चमं चुम्बकादिभिः ॥ 19.35 ॥

द्वासप्ततिसहस्राणि नाडीनां नाभिचक्रके ।
यतः पिण्डत्वम् आयान्ति तेनासौ पिण्ड उच्यते ॥ 19.36 ॥

तत्र स्थितं तु यज् ज्ञेयं पिण्डस्थं तद् उदाहृतम् ।
अ [Textlücke] मल [Textlücke] त्केश [Textlücke] कम् ॥ 19.37 ॥ †

विज्वरत्वम् अवाप्नोति वत्सरेण यदृच्छया ।
चक्रपञ्चकम् एतद् धि पूर्ववद् धृदये स्थितम् ॥ 19.38 ॥

पदस्थम् इति शंसन्ति चतुर्व्हेदं विचक्षणाः ।
यत्रार्थावगतिर् देवि तत् स्थानंपदम् उच्यन्ते ॥ 19.39 ॥

चतुष्कम् अत्र विज्ञेयं भेदं पञ्चदशात्मकम् ।
सर्वतोभद्रसंसिद्धौ सर्वतोभद्रतां व्रजेत् ॥ 19.40 ॥

जरामरणनैर्गुण्यनिर्मुक्तो योगचिन्तकः ।
व्याप्ताव् अपि प्रसिद्धायां मायाधस्तत्त्वगोचरः ॥ 19.41 ॥

वेत्ति तत्पतितुल्यत्वं तदीशत्वं च गच्छति ।
पदस्थे किं तु चन्द्राभं प्रदीपाभं न चिन्तयेत् ॥ 19.42 ॥

एतद् एवामृतौघेन देहम् आपूरयत् स्वकम् ।
चिन्तितं मृत्युनाशाय भवतीति किम् अद्भुतम् ॥ 19.43 ॥

उपलक्षणम् एतत् ते चन्द्रबिम्बाद्युदीरितम् ।
येन येनैव रूपेण चिन्त्यते परमेश्वरी ॥ 19.44 ॥

पिण्डस्थादिप्रभेदेषु तेनैवेष्टफलप्रदा ।
रूपम् ऐश्वरम् इच्छन्ति शिवस्याशिवहारिणः ॥ 19.45 ॥

यद्भ्रूमध्यस्थितं यस्मात् तेन तत्रव्यवस्थितम् ।
पञ्चकं सूर्यसंकाशं रूपस्थम् अभिधीयते ॥ 19.46 ॥

तत्रापि पूर्ववत् सिद्धिर् ईश्वरान्तपदोद्भवा ।
रूपातीतं तु देवेशि प्राग् एवोक्तम् अनेकधा ॥ 19.47 ॥

इत्य् एषा कुलचक्रस्य समासाद्व्याप्तिर् उत्तमा ।
कथिता सर्वसिद्ध्यर्थं सिद्धयोगीश्वरीमते ॥ 19.48 ॥

सर्वदाथ विभेदेन पृथग्वर्णविभेदतः ।
विद्यादिसर्वसंसिद्ध्यै योगिनां योगम् इच्छन्ति ॥ 19.49 ॥

भूयो ऽपि संप्रदायेन वर्णभेदश् च कीर्त्यते ।
स्त्रीरूपां हृदि संचिन्त्य सितवस्त्रादिभूषिताम् ॥ 19.50 ॥

नाभिचक्रोपविष्टाम् तु चन्द्रकोटिसमप्रभाम् ।
बीजं यत् सर्वशास्त्राणां तत् तदा स्याद् अनारतम् ॥ 19.51 ॥

स्वकीयेनैव वक्त्रेण निर्गच्छत् प्रविचिन्तयेत् ।
तारहारलताकारं विस्फुरत्किरणाकुलम् ॥ 19.52 ॥

वर्णैस् तारकसंकाशैर् आरब्धम् अमिताद्युति ।
मासार्धाच् छास्त्रसंघातम् उद्गिरत्य् अनिवारितम् ॥ 19.53 ॥

स्वप्ने मासात् समाधिस्थः षड्भिर् मासैर् यथेच्छया ।
उच्छिन्नान्य् अपि शास्त्राणि ग्रन्थतश् चार्थतो ऽपि वा ॥ 19.54 ॥

जानाति वत्सराद् योगी यदि तन्मयतां गतः ।
अनुषङ्गफलं चैतत् समासाद् उपवर्णितम् ॥ 19.55 ॥

विद्येश्वरसमानत्वसिद्धिर् अन्याश् च सिद्धयः ।
प्रतिवर्नविभेदेन यथेदानीं तथोच्यते ॥ 19.56 ॥

ध्यातव्या योगिभिर् नित्यं तत्तत्फलबुभुक्षुभिः ।
विन्यासक्रमयोगेन त्रिविधेनापि वर्त्मना ॥ 19.57 ॥

यो यत्राङ्गे स्थितो वर्णः कुलशक्तिसमुद्भवः ।
तं तत्रैव समाधाय स्वरूपेणैव योगवित् ॥ 19.58 ॥

इति श्रीमालिनीविजयोत्तरे कुलचक्राधिकर एकोनविंशः समाप्तः

Devanagari: Kapitel 20

सर्वमन्त्रनिर्णयो विंशो ऽधिकारः

अथ पिण्डादिभेदेन शाक्तं विज्ञानम् उच्यते ।
योगिनां योगसिद्ध्यर्थं संक्षेपान् न तु विस्तरात् ॥ 20.1 ॥

पिण्डं शरीरम् इत्य् उक्तं तद्वच् छक्तिशिवात्मनोः ।
ब्रह्मानन्दो बलं तेजो वीर्यम् ओजश् च कीर्त्यते ॥ 20.2 ॥

अज्ञानेन निरुद्धं तद् अनाद्येव सदात्मनः ।
तदाविर्भूतये सर्वम् अनिरुद्धं प्रवर्तते ॥ 20.3 ॥

तेनाविर्भाव्यमानं तत् पूर्वावस्थां परित्यजत् ।
याः संवित्तीर् अवाप्नोति ता अधस्तात् प्रकीर्तिताः ॥ 20.4 ॥

तद् एव पदम् इच्छन्ति सर्वार्थावगतिर् यतः ।
तस्मात् संजायते नित्यं नित्यम् एव शिवात्मनोः ॥ 20.5 ॥

तद् एव रूपम् इत्य् उक्तम् आत्मनश् च विनश्वरम् ।
रूपातीतं तद् एवाहुर् यतोक्षाविषयं परम् ॥ 20.6 ॥

भावनां तस्य कुर्वीत नमस्कृत्य गुरुं बुधः ।
तावद् आलोचयेद् वस्तु यावत् पदम् अनामयम् ॥ 20.7 ॥

नैवं न चैवं नाप्य् एवं नापि चैवम् अपि स्फुटम् ।
चेतसा योगयुक्तेन यावत् तद् इदम् अप्य् अलम् ॥ 20.8 ॥

कृत्वा तन्मयम् आत्मानं सर्वाक्षार्थविवर्जितम् ।
मुहूर्तं तिष्ठते यावत् तावत् कम्पः प्रजायते ॥ 20.9 ॥

भ्रमणोद्भवनिद्राश् च किं चिद् आनन्द इत्य् अपि ।
तत्र यत्नेन संदध्याच् चेतः परफलेच्छया ॥ 20.10 ॥

तद् एतद् आत्मनो रूपं शिवेन प्रकटीकृतम् ।
यत्र तु यच् च विज्ञेयं शिवात्मकम् अपि स्थितम् ॥ 20.11 ॥

तद्रूपोद्बलकत्वेन स्थितिम् इत्य् अवधारयेत् ।
तत्समभ्यसतो नित्यं स्थूलपिण्डाद्य् उपाश्रयात् ॥ 20.12 ॥

चतुर्भेदत्वम् आयाति भक्त्याभिन्नम् अपि स्वतः ।
स्थूलपिण्डे द्विधा प्रोक्तं बाह्याभ्यन्तरभेदतः ॥ 20.13 ॥

भौतिकं बाह्यम् इच्छन्ति द्वितीयं चातिवाहिकम् ।
तत्राद्योपाश्रयाद् योगी ससंवित्तिर् अपि स्फुटान् ॥ 20.14 ॥

बाह्यार्थान् संप्रगृह्णाति किं चिद् आध्यात्मिकान् अपि ।
द्वितीयोपाश्रयात् तत्त्वभावार्थान् संप्रपद्यते ॥ 20.15 ॥

ईशते च स्वदेहान्तः पीठक्षेत्रादिकं स्फुटम् ।
स्वरूपालोचनाद् अस्य यत् किं चिद् उपजायते ॥ 20.16 ॥

तत्र चेतः स्थिरीकुर्वंस् तद् एव सकलं लभेत् ।
तेन तत्र न कुर्वीत चैतद् उत्तमवाञ्छया ॥ 20.17 ॥

पिण्डद्वयविनिर्मुक्ता किं चित् तद्वासनान्विता ।
विज्ञानकेवलान्तस्था पदम् इत्य् अभिधीयते ॥ 20.18 ॥

यत एताम् अनुप्राप्तो विज्ञानक्रमयोगतः ।
रूपोदयातिविज्ञानपदत्वं प्रतिपद्यते ॥ 20.19 ॥

एतच् चतुर्विधं ज्ञेयं चतुर्धार्थप्रतिश्रयात् ।
स च तत्त्वादिसंवित्तिपूर्वस् तत्पतितावधिः ॥ 20.20 ॥

पदभावविनिर्मुक्ता किं चित् तदनुवर्जिता ।
अवस्था स्वस्वरूपस्य प्रकाशकरणी यतः ॥ 20.21 ॥

तेन सारूप्यम् इत्य् उक्ता रूपस्थं यत् तदान्वितम् ।
उदितादिप्रभेदेन तद् अप्य् उक्तं चतुर्विधं ॥ 20.22 ॥

ज्ञानोदया च देवेशि ममत्वात् तत्फलप्रदम् ।
अमुना क्रमयोगेन अन्तरा येषु संदधत् ॥ 20.23 ॥

चेतः शुद्धम् अवाप्नोति रूपातीतं परं पदम् ।
चतुर्विधं तद् अप्य् उक्तं संवित्तिफलभेदतः ॥ 20.24 ॥

त्रिविधं तत् समभ्यस्य सर्वसिद्धिफलेच्छया ।
चतुर्थात् तु तनुं व्यक्त्वा तत्क्षणाद् अपवृज्यते ॥ 20.25 ॥

इति पिण्डादि भेदेन शिवज्ञानम् उदाहृतम् ।
योगाभ्यासविधानेन मन्त्रविद्यागणं शृणु ॥ 20.26 ॥

पूर्वोक्तविधिसंनद्धः प्रदेशे पूर्वचोदिते ।
नाभ्यादिपञ्चदेशानां परार्णं क्वापि चिन्तयेत् ॥ 20.27 ॥

स्वरूपेण प्रभाभारप्रकाशिततनूदरम् ।
दीप्तिभिस् तस्य तीव्राभिर् आ ब्रह्मभुवनं ततः ॥ 20.28 ॥

एवं संस्मरतस् तस्य दिवसैः सप्तभिः प्रिये ।
रुद्रशक्तिसमावेशः सुमहान् संप्रजायते ॥ 20.29 ॥

आविष्टो बहुवाक्यानि संस्कृतादीनि जल्पति ।
महाहास्यं तथा गेयं शिवरुदितम् एव च ॥ 20.30 ॥

करोत्य् आविष्टचित्तस् तु न तु जानाति किं चन ।
मासेनैवं यदा मुक्तो यत्र यत्रावलोकयेत् ॥ 20.31 ॥

तत्र तत्र दिशः सर्वा ईक्षते किरणाकुलाः ।
यां याम् एव दिशं षड्भिर् मासैर् युक्तस् तु वीक्षते ॥ 20.32 ॥

नानाकाराणि रूपाणि तस्यां तस्यां प्रपश्यति ।
न तेषु संदधेच् चेतः न चाभ्यासं परित्यजेत् ॥ 20.33 ॥

कुर्वन्न् एतद्विधं योगी भीरुर् उन्मत्तको भवेत् ।
वीरः शक्तिम् पुनर् याति प्रमादात् तद्गतो ऽपि सन् ॥ 20.34 ॥

वत्सराद् योगसंसिद्धिं प्राप्नोति मनसेप्सिताम् ।
परापराम् अथैतस्या अपरां वा यथेच्छया ॥ 20.35 ॥

सद्भावं मातृसंघस्य हृदयं भैरवस्य वा ।
नवात्मानम् अपि ध्यायेद् रतिशेखरम् एव वा ॥ 20.36 ॥

अघोर्याद्यष्टकं वापि माहेश्यादिकम् एव वा ।
अमृतादिप्रभेदेन रुद्रान् वा शक्तयो ऽपि वा ॥ 20.37 ॥

सर्वे तुल्यबलाः प्रोक्ता रुद्रशक्तिसमुद्भवाः ।
अथवामृतपूर्णानां प्रभेदः प्रोच्यते परः ॥ 20.38 ॥

प्राणस्थं परयाक्रान्तं प्रत्येकम् अपि दीपितम् ।
विद्यां प्रकल्पयेन् मन्त्रं प्राणाक्रान्तं परासनम् ॥ 20.39 ॥

द्वादशारस्य चक्रस्य षोडशारस्य वा स्मरेत् ।
अष्टारस्याथवा देवि तस्य त्रेधा शतस्य वा ॥ 20.40 ॥

षडरस्याथवा मन्त्री यथा सर्वं तथा शृणु ।
संक्षेपाद् इदम् आख्यातं सार्धं चक्रशतद्वयम् ॥ 20.41 ॥

एतत् त्रिगुणातां याति स्त्रीपुंयामलभेदतः ।
शान्त्यादिकर्मभेदेन प्रत्येकं द्वादशात्मताम् ॥ 20.42 ॥

दक्षश् चण्डो हरः शौण्डी प्रमथो भीममन्मथौ ।
शकुनिः सुमतिर् नन्दो गोपालो ऽथ पितामहः ॥ 20.43 ॥

नन्दा भद्रा जया काली कराली विकृतानना ।
क्रोष्टकी भीममुद्रा च वायुवेगा हयानना ॥ 20.44 ॥

गम्भीरा घोषणी चैव द्वादशैताः प्रकीर्तिताः ।
आग्नेय्यादिचतुष्कोणा ब्रह्माण्याद्या अपि प्रिये ॥ 20.45 ॥

सिद्धिर् ऋद्धिस् तथा लक्ष्मीर् दीप्तिर् माला शिखा शिवा ।
सुमुखी वामनी नन्दा हरिकेशी हयानना ॥ 20.46 ॥

विश्वेशी च सुमाख्या च एता वा द्वादश क्रमात् ।
एतासां वाचका ज्ञेयाः स्वराः षण्ठविवर्जिताः ॥ 20.47 ॥ †

षोडशारे ऽमृताद्याश् च स्त्रीपुंपाठप्रभेदतः ।
श्रीकण्ठो ऽनन्तसूक्ष्मौ च त्रिमूर्तिः शर्वरीश्वरः ॥ 20.48 ॥

अर्घेशो भारभूतिश् च स्थितिः स्थाणुर् हरस् तथा ।
झिण्ठीशो भौतिकश् चैव सद्योजातस् तथापरः ॥ 20.49 ॥

अनुग्रहेश्वरः क्रूरो महासेनो ऽथ षोडश ।
सिद्धिर् ऋद्धिर् द्युतिर् लक्ष्मी मेघा कान्तिः स्वधा धृतिः ॥ 20.50 ॥

दीप्तिः पुष्टिर् मतिः कीर्तिः संस्थितिः सुगतिः स्मृतिः ।
सुप्रभा षोडशी चेति श्रीकण्ठादिकशक्तयः ॥ 20.51 ॥

षोडशारे स्वरा ज्ञेया वाचकत्वेन सर्वतः ।
अघोराद्यास् तथाष्टारे अघोर्याद्याश् च देवताः ॥ 20.52 ॥

माहेश्याद्यास् तथा देवि चतुर्विंशत्य् अतः शृणु ।
नन्दादिकाः क्रमात् सर्वा ब्रह्माण्याद्यास् तथैव च ॥ 20.53 ॥

संवर्तो लकुलीकश् च भृगुः श्वेतो बकस् तथा ।
खड्गी पिनाकी भुजगो नवमो बलिर् एव च ॥ 20.54 ॥

महाकालो द्विरण्डश् च च्छगलाण्डः शिखी तथा ।
लोहितो मेषमीनौ च त्रिदण्ड्याषाढिनामकौ ॥ 20.55 ॥

उमाकान्तो ऽर्धनारीशो दारुको लाङ्गली तथा ।
तथा सोमेशशर्माणौ चतुर्विम्शत्य् अमी मताः ॥ 20.56 ॥

कादिभान्ताः परिज्ञेया अष्टारे याद्यम् अष्टकम् ।
मकारो बिन्दुरूपस्थः सर्वेषाम् उपरि स्थितः ॥ 20.57 ॥

जुंकारो ऽथ तथा स्वाहा षडरे षट् क्रमेण तु ।
बलिश् च बलिनन्दश् च दशग्रीवो हरो हयः ॥ 20.58 ॥

माधवश् च महादेवि षष्ठः संपरिकीर्तितः ।
विश्वा विश्वेश्वरी चैव हाराद्री वीरनायिका [हारौद्री?] ॥ 20.59 ॥ †

अम्बा गुर्वेति योगिन्यो बीजैस् तैर् एव षट् स्मृताः ।
अन्योन्यवलिताः सर्वे स्वाम्यावरणभेदतः ॥ 20.60 ॥

अकारादिक्षकारान्ताः सर्वसिद्धिफलप्रदाः ।
ध्यानाराधनयुक्तानां योगिनां मन्त्रिणाम् अपि ॥ 20.61 ॥

अथवा सर्वचक्राणां मध्ये विद्यां यथेप्सिताम् ।
मन्त्रं वा पूर्वम् उद्दिष्टं जपन् ध्यायन् प्रसिद्ध्यति ॥ 20.62 ॥

इति संक्षेपतः प्रोक्तं सर्वकामफलप्रदम् ॥ 20.63 ॥

इति श्रीमालिनीविजयोत्तरे सर्वमन्त्रनिर्णयो नाम विंशतितमो ऽधिकारः समाप्तः

Devanagari: Kapitel 21

चन्द्राकृष्ट्यधिकार एकविंशतितमः

अथातः परमं गुह्यं शिवज्ञानामृतोत्तमम् ।
व्याधिमृत्युविनाशाय योगिनाम् उपवर्ण्यते ॥ 21.1 ॥

षोडशारे खगे चक्रे चन्द्रकल्पितकर्णिके ।
स्वरूपेण परां तत्र स्रवन्तीम् अमृतं स्मरेत् ॥ 21.2 ॥

पूर्वन्यासेन संनद्धः क्षणम् एकं विचक्षणः ।
ततस् तु रसनां नीत्वा लम्बके विनियोजयत् ॥ 21.3 ॥

स्रवन्तम् अमृतं दिव्यं चन्द्रबिम्बसितं स्मरेत् ।
मुखम् आपूर्यते तस्य किं चिल् लवणवारिणा ॥ 21.4 ॥

लोहगन्धेन तच् चात्र न पिबेत् किं तु निक्षिपेत् ।
एवं समभ्यसेत् तावद् यावत् तत् स्वादु जायते ॥ 21.5 ॥

जराव्याधिविनिर्मुक्तो जायते तत्पिबंस् ततः ।
षड्भिर् मासैर् अनायासाद् वत्सरान् मृत्युजिद् भवेत् ॥ 21.6 ॥

तत्र स्वादुनि संजाते तदाप्रभृति तत्रगम् ।
यद् एव चिन्तयेद् द्रव्यं तेनास्यापूर्यते मुखम् ॥ 21.7 ॥

रुधिरं मदिरं वाथ वसां वा क्षीरम् एव वा ।
घृततैलादिकं वाथ द्रवद्द्रव्यम् अनन्यधीः ॥ 21.8 ॥

अथान्यं संप्रवक्ष्यामि संक्रान्तिविधिम् उत्तमम् ।
मृते जीवच्छरीरे तु प्रविशेद् योगविद्यया ॥ 21.9 ॥

निवातस्थो जितप्राणो जितासनविधिक्रमः ।
कुर्वीत वायुनावेशम् अर्कतूले शनैः शनैः ॥ 21.10 ॥

स्वादाकृष्टिविधिं यावद् गुडे निम्बे च कारयेत् ।
श्रीखण्डगुडकर्पूरैस् ततः कृत्वाकृतिम् शुभाम् ॥ 21.11 ॥

प्रगुणाम् अगुण[Textlücke]न्यङ्गेषु संदधत् ।
न्यासं कृत्वापि तत्रापि वेधं कुर्याच् छनैः शनैः ॥ 21.12 ॥ †

निरोधं तत्र कुर्वीत घट्टनं तदनन्तरम् ।
घट्टनं नाम विज्ञेयम् अङ्गप्रत्यङ्गचालनम् ॥ 21.13 ॥

एवम् अभ्यसतस् तस्य योगयुक्तस्य योगिनः ।
चलते प्रतिमा सा तु धावते चापि संमुखी ॥ 21.14 ॥

पुनस् तां प्रेरयेत् तावद् यावत् स्वस्थानम् आगतम् ।
पतितां चालयेद् भूय उत्तानां पार्श्वतः स्थितः ॥ 21.15 ॥

एवं सर्वात्मनस् तावद् यावत् स्ववशतां गताम् ।
ततः प्रभृत्य् असौ योगी प्रविशेद् यत्र रोचते ॥ 21.16 ॥

मृते जीवच्छरीरे वा संक्रान्त्याक्रान्तिभेदतः ।
प्रक्षिप्य जलवच् छक्तिजालम् सर्वाङ्गसंधिषु ॥ 21.17 ॥

प्रत्यङ्गम् अङ्गतस् तस्य शक्तिं तेनाक्रमेद् बुधः ।
स्वकीयं रक्षयेद् देहम् आक्रान्ताव् अन्यथा त्यजेत् ॥ 21.18 ॥

बहून्य् अपि शरीराणि दृढलक्ष्यो यदाऌभवेत् ।
तदाऌगृह्णात्य् असंदेहं युगपत् संत्यजन्न् अपि ॥ 21.19 ॥ †

अथापरं प्रवक्ष्यामि सद्यःप्रत्ययकारकम् ।
समाधानामृतं दिव्यं योगिनां मृत्युनाशनम् ॥ 21.20 ॥

चन्द्राकृष्टिकरं नाम मासाद् वाऌयोगभोगदम् ।
शुक्लपक्षे द्वितीयायां मेषस्थे तिग्मरोचिषि ॥ 21.21 ॥ †

स्नातः शुचिर् निराहारः कृतपूजाविधिर् बुधः ।
न्यसेच् चन्द्रे कलाजालं परया समधिष्ठितम् ॥ 21.22 ॥

सर्वबाधापरित्यक्ते प्रदेशे संस्थितो बुधः ।
एकचित्तः प्रशान्तात्मा शिवसद्भावभावितः ॥ 21.23 ॥

तावद् आलोकयेच् चन्द्रं यावद् अस्तम् उपागतम् ।
ततो भुञ्जीत दुग्धेन चन्द्रध्यानसमन्वितः ॥ 21.24 ॥

एवं दिने दिने कुर्याद् यावत् पञ्चदशी भवेत् ।
शेषां रात्रिं स्वपेद् ध्यायंशॢचन्द्रबिम्बगतां पराम् ॥ 21.25 ॥ †

पौर्णमासीं तथा योगी अर्धरात्र उपस्थितः ।
जने निःशब्दतां याते प्रसुप्ते सर्वजन्तुभिः ॥ 21.26 ॥

चन्द्रकोटिकरप्रख्यां तारहारविभूषणाम् ।
सिताम्बरपरीधानां सितचन्दनचर्चिताम् ॥ 21.27 ॥

मौक्तिकाभरणोपेतं सुरूपां नवयौवनाम् ।
आप्यायनकरीं देवीं समन्ताद् अमृतस्रवाम् ॥ 21.28 ॥

राजीवासनसंस्थां च योगनिद्राम् अवस्थिताम् ।
चन्द्रबिम्बे परां देवीं ईक्षते नात्र संशयः ॥ 21.29 ॥

ततस् तां चेतसा व्याप्य तावद् आकर्षयेत् सुधीः ।
यावन् मुखाग्रम् आयाता तत्र कुर्यात् स्थिरं मनः ॥ 21.30 ॥

ततः प्रसार्य वदनं ध्यानासक्तेन चेतसा ।
निगिरेत् तां समाकृष्य भूयो हृदि विचिन्तयेत् ॥ 21.31 ॥

तया प्रविष्टया देहं योगी दुःखविवर्जितः ।
शक्तितुल्यबलो भूत्वा जीवेद् आचन्द्रतारकम् ॥ 21.32 ॥

एको ऽप्य् अनेकधात्मानं संविभज्य निजेच्छया ।
त्रैलोक्यं यौगपद्येन भुनक्ति वशतां गतम् ॥ 21.33 ॥

आसाद्य विपुलान् भोगान् प्रलये समुपस्थिते ।
परम् अभ्येति निर्वाणं दुष्प्रापम् अकृतात्मनाम् ॥ 21.34 ॥

अथवा तन् न शक्नोति गगने परिचिन्तितुम् ।
प्रतिबिम्बे तथा ध्यायेद् उदकादिषु पूर्ववत् ॥ 21.35 ॥

तत् पीत्वाऌमनसा शेषां स्वपेद् रात्रिम् अनुस्मरन् ।
पूर्वोक्तं समवाप्नोति षड्भिर् मासैर् अखण्डितम् ॥ 21.36 ॥ †

इति श्रीमालिनीविजयोत्तरे तन्त्रे चन्द्राकृष्ट्यधिकार एकविंशतितमः समाप्तः

Devanagari: Kapitel 22

सूर्याकृष्ट्यधिकारो द्वाविंशतितमः

अथान्यं परमं गुह्यं कथयामि तव प्रिये ।
यन् न कस्य चिद् आख्यातं योगामृतम् अनुत्तमम् ॥ 22.1 ॥

सूर्याकृष्टिकरं नाम योगिनां योगसिद्धिदम् ।
सम्यङ् मासचतुष्केण दिनाष्टाभ्यधिकेन तु ॥ 22.2 ॥

प्रहर्स्याष्टमो भागो नाडिकेत्य् अभिधीयते ।
तत्पादक्रमवृद्ध्या तु प्रतिवासरम् अभ्यसेत् ॥ 22.3 ॥

उदयास्तमयं यावद् यत्र सूर्यः प्रदृश्यते ।
प्रदेशे तत्र विजने सर्वबाधाविवर्जिते ॥ 22.4 ॥

अहोरात्रोषितो योगी मकरस्थे दिवाकरे ।
शुचिर् भूत्वा कृतन्यासः कृतशीतप्रतिक्रियः ॥ 22.5 ॥

भानुबिम्बे न्यसेच् चक्रम् अष्टषड्द्वादशारकम् ।
शिवशक्तिघनोपेतं भैरवाष्टकसंयुतम् ॥ 22.6 ॥

वर्षादिऋतुसंयुक्तं मासैरृक्षादिभिर् युतम् ।
अष्टारं चिन्तयेद् बिम्बे शेषं रश्मिषु चिन्तयेत् ॥ 22.7 ॥

तत्र चित्तं समाधाय प्रोक्तकालं विचक्षणः ।
अनिमीलितनेत्रस् तु भानुबिम्बं निरीक्षयेत् ॥ 22.8 ॥

ततः काले व्यतिक्रान्ते सुनिमीलितलोचनः ।
प्रविशेद् अन्धकारान्तर्भुवनं निरुपद्रवम् ॥ 22.9 ॥

तत्रोन्मीलितनेत्रस् तु बिम्बाकारं प्रपश्यति ।
संधाय तत्र चैतन्यं तिष्ठेद् यावन् न पश्यति ॥ 22.10 ॥

नष्टे ऽपि चेतसा शेषं तिष्ठेत् कालम् अनुस्मरन् ।
एवं मासेन देवेशि स्थिरं तद् उपजायते ॥ 22.11 ॥

मासद्वयेन सर्वत्र प्रेक्षते नात्र संशयः ।
त्रिभिः समीक्षते सर्वं रविबिम्बसमाकुलम् ॥ 22.12 ॥

प्रोक्तकालावसानेन वृषस्थे तिग्मरोचिषि ।
प्रेक्षते सूर्यबिम्बान्तः सचक्रं परमेश्वरम् ॥ 22.13 ॥

उपलब्धं समाकृष्य मुखाग्रे स्थिरतां नयेत् ।
आपीय पूर्ववत् पश्चाद् वृत्तिं निश्चलतां नयेत् ॥ 22.14 ॥

तत्र तेन सहात्मानम् एकीकृत्य मुहूर्तकम् ।
यावत् तिष्ठति देवेशि तावत् संत्यजति क्षितिम् ॥ 22.15 ॥

पश्यतो जनवृन्दस्य याति सूर्येन चैकतः ।
अनेन विधिना देवि सिद्धयोगीश्वरेश्वरः ॥ 22.16 ॥

शिवाद्यवनिपर्यन्तं न क्व चित् प्रतिहन्यते ।
भुक्त्वा तु विपुलान् भोगान् निष्कले लीयते परे ॥ 22.17 ॥

तद् एतत् खेचरीचक्रं यत्र खेचरतां व्रजेत् ।
सिद्धयोगेश्वरीतन्त्रे सरहस्यम् उदाहृतम् ॥ 22.18 ॥

अथवा चक्ररूपेण सबाह्याभ्यन्तरं स्वकम् ।
देहं चिन्तयतः पूर्वं फलं स्यान् निश्चितात्मनः ॥ 22.19 ॥

उच्चरन् फादिनान्तां वा ध्वनिज्योतिर्मरुद्द्युताम् ।
विश्राम्य मस्तके चित्तं क्षणम् एकं विचक्षणः ॥ 22.20 ॥

त्रिशूलेन प्रयोगेन सद्यस् त्यजति मेदिनीम् ।
एवं समभ्यसन् मासाच् चक्रवद् भ्रमति क्षितौ ॥ 22.21 ॥

मुहूर्तं स्पृशते भूमिं मुहूर्ताच् च नभस्तलम् ।
शिवारावादि कुरुते वलनास्फोटनानि च ॥ 22.22 ॥

मुद्राबन्धादिकं वाथ भाषा वाऌवक्त्य् अनेकधा ।
षण्मासान् मेदिनीं त्यक्त्वा समाधिस्थो दृढेन्द्रियः ॥ 22.23 ॥ †

तिष्ठते हस्तमात्रेण गगने योगचिन्तकः ।
पश्यते योगिनीवृन्दम् अनेकाकारलक्षणम् ॥ 22.24 ॥

संवत्सरेण युक्तात्मा तत्समानः प्रजायते ।
पश्यताम् एव लोकानां तेजोभिर् भासयन् दिशः ॥ 22.25 ॥

यात्य् उत्कृष्य महीपृष्ठात् खेचरीणां पतिर् भवेत् ।
मुद्रा खगेश्वरी नाम कथिता योगिनीमते ॥ 22.26 ॥

जागरित्वाथ वा योगी त्र्यहोरात्रम् अतन्द्रितः ।
चतुर्थे ऽह्नि निशारम्भे पूजयित्वा महेश्वरम् ॥ 22.27 ॥

ततो ऽन्धकारे बहुले कृतरक्षाविधिर् बुधः ।
भ्रुवोर् मध्ये समाधाय क्षणं चेतः प्रपश्यति ॥ 22.28 ॥

तेजो रूपप्रतीकाशं पर्यङ्कासनम् आस्थितः ।
प्रयोगं त्व् एव सततं योगयुक्तः समभ्यसेत् ॥ 22.29 ॥

पश्यते मासमत्रेण गृहान्तर्वस्तु यत् स्थितम् ।
द्वाभ्यां बहिः स्थितं सर्वं त्रिभिः पत्तनसंस्थितम् ॥ 22.30 ॥

चतुर्भिर् विषयान्तःस्थं पञ्चभिर् मण्डलावधि ।
षड्भिर् मासैर् महायोगी च्छिद्रं पश्यति मेदिनीम् ॥ 22.31 ॥

सर्वज्ञत्वम् अवाप्नोति वत्सरान् नात्र संशयः ।
योगिनीसिद्धसङ्घस्य सद्भावव्याप्तिसंस्थितम् ॥ 22.32 ॥

पश्यते योगयुक्तात्मा तत्समानश् च जायते ।
अनेनैव विधानेन स्वस्तिकासनसंस्थितः ॥ 22.33 ॥

बिन्दुं नानाविधं त्यक्त्वा शुद्धरूपम् अनुस्मरेत् ।
तेनापि सर्वं पुर्वोक्तं व्याप्नोति फलम् उत्तमम् ॥ 22.34 ॥

इति श्रीमालिनीविजयोत्तरे तन्त्रे सूर्याकृष्ट्यधिकार द्वाविंशतितमः समाप्तः

Devanagari: Kapitel 23

त्रयोविंशतितमो ऽधिकारः

अथातः परमं गुह्यं कथयामि तवाधुना ।
सद्योपलब्धिजनकं योगिनां योगसिद्धये ॥ 23.1 ॥

पूर्वन्यासेन संनद्धश् चित्तं श्रोत्रे निवेशयेत् ।
निवाते स्वल्पवाते वा बाह्यशब्दविवर्जिते ॥ 23.2 ॥

ततस् तत्र शृणोत्य् एष योगी ध्वनिम् अनावृतम् ।
सुविशुद्धस्य कांस्यस्य हतस्येह मुहुर् मुहुः ॥ 23.3 ॥

यम् आक्र्ण्य महादेवि पुण्यपापैः प्रमुच्यते ।
तत्र संधाय चैतन्यं षण्मासाद् योगवित्तमः ॥ 23.4 ॥

रुतं पक्षिगणस्यापि प्रस्फुटं वेत्त्य् अयत्नतः ।
दूराच् छ्रवणविज्ञानं वत्सरेणास्य जायते ॥ 23.5 ॥

सर्वकामफलावाप्तिर् वत्सरत्रितयेन च ।
सिद्ध्यतीति किम् आश्चार्यम् अनायासेन सिद्ध्यति ॥ 23.6 ॥

अथवा ग्रहणे मासि कृत्वा सूर्यं तु पृष्ठतः ।
पूर्वन्यासेन संनद्धः किं चिद् भित्तिमदाश्रितः ॥ 23.7 ॥

लक्षयेद् आत्मनश् छायां मस्तकोर्ध्वम् अनाहतम् ।
धूमवर्तिविनिष्क्रान्तां तद्गतेनान्तरात्मना ॥ 23.8 ॥

याति तन्मयतां तत्र योगयुक्तो यथा यथा ।
तथा तथास्य महती साऌवित्तिर् उपजायते ॥ 23.9 ॥ †

ततस् तत्र महातेजह् स्फुरत्किरणसंनिभम् ।
पश्यते यत्र दृष्टे ऽपि सर्वपापक्षयो भवेत् ॥ 23.10 ॥

तद् अस्याभ्यासतो मासात् सर्वत्र प्रविसर्पति ।
ज्वालामालाकुलाकारा दिशः सर्वाः प्रपश्यति ॥ 23.11 ॥

षण्मासम् अभ्यसन् योगी सर्वज्ञत्वम् अवाप्नुयात् ।
अब्दं दिव्यतनुर् भूत्वा शिववन् मोदते चिरम् ॥ 23.12 ॥

अथ जात्यः प्रवक्ष्यन्ते सपूर्वासनशाश्वताः ।
ह्रीं क्ष्लां क्ष्वीं वं तथाऌक्षं च पञ्चकस्य यथाक्रमम् ॥ 23.13 ॥ †

हं यं रं लं तथा वं च पञ्चकस्यापरस्य च ।
ऋं ॠं ऌं ॡं तथा ॐ औं हः अं आकर्णिकावधौ ॥ 23.14 ॥

केसरेषु भकारान्ता हं हां हिं हीं च हुं तथा ।
हूं हें हैं च दलेष्व् एवं स्वसंज्ञाभिश् च शक्तयः ॥ 23.15 ॥

मण्डलत्रितये शेषं सूक्ष्मं प्रेतस्य कल्पयेत् ।
ज्रकारं शूलशृङ्गाणाम् इत्य् एतत् परिकीर्तितम् ॥ 23.16 ॥

अनुक्तासनयोगेषु सर्वत्रैव प्रकल्पयेत् ।
नमः स्वाहा तथा वौषट् हुं वषट् फट् च ॥ 23.17 ॥

प्रायश्चित्तेषु सर्वेषु जपेन् मालाम् अखण्डिताम् ।
भिन्नां वाप्य् अथवाभिन्नाम् अतिक्रमबलाबलम् ॥ 23.18 ॥

सकृज्जपात् समारभ्य यावल् लक्षत्रयं प्रिये ।
प्राणवृत्तिनिरोधेन ततः परतरं क्व चित् ॥ 23.19 ॥

सदा भ्रमणशीलानां पीठक्षेत्रादिकं बहिः ।
प्रयोगं संप्रवक्ष्यामि सुखसिद्धिफलप्रदम् ॥ 23.20 ॥

नासाक्रान्तं महाप्राणं दण्डरूपं सबिन्दुकम् ।
तद्वद् गुह्यं च कुर्वीत विद्येयं द्व्यक्षरा मता ॥ 23.21 ॥

अस्याः पूर्वोक्तविधिना कृतसेवः प्रसन्नधीः ।
पीठादिकं भ्रमेत् सिद्ध्यै नान्यथा वीरवन्दिते ॥ 23.22 ॥

तत् प्रदेशं समासाद्य मन्त्रैर् आत्मानम् आदरात् ।
विद्यया वेष्तयेत् स्थानं रक्तसूत्रसमानया ॥ 23.23 ॥

बहुधानन्यचित्तस् तु सबाह्याभ्यन्तरं बुधः ।
ततस् तत्र क्व चित् क्षेत्रे योगिन्यो भीमविक्रमाः ॥ 23.24 ॥

समागत्य प्रयच्छन्ति संप्रदायं स्वकं स्वकम् ।
येनासौ लब्धमात्रेण संप्रदायेन सुव्रते ॥ 23.25 ॥

तत्समानबलो भूत्वा भुङ्क्ते भोगान् यथेप्सितान् ।
अथवा कृतसेवस् तु लक्षम् एकं जपेत् सुधीः ॥ 23.26 ॥

तर्पयित्वा दशांशेन क्षुद्रकर्मसु योजयेत् ।
तत्रोच्चारितमात्रेयं विषक्षयकरी भवेत् ॥ 23.27 ॥

चक्रवभ्रममाणैषा योनौ रक्तां विचिन्तयेत् ।
गमागमक्रमाद् वापि विन्द[Textlücke]वारिता ॥ 23.28 ॥ †

तत्रस्थश् चाशु संघातविघाताकुञ्चनेन तु ।
क्षणाद् अनन्यचित्तस् तु क्षोभयेद् उर्वशीम् अपि ॥ 23.29 ॥

कृतसेवविधिर् वाथ लक्षत्रयजपेन तु ।
महतीं श्रियम् आधत्ते पद्मश्रीफलतर्पिता ॥ 23.30 ॥

षडुत्थासनसंस्थाना साधिताप्य् उक्तवर्त्मना ।
सर्वसिद्धिकरी देवी मन्त्रिणाम् उपजायते ॥ 23.31 ॥

शूलपद्मविधिं मुक्त्वा नवात्माद्यं च सप्तकम् ।
षडुत्थम् आसनं दद्यात् सर्वचक्रविधौ बुधः ॥ 23.32 ॥

कुद्रा च महती योज्या हृद्बीजेनोपचारकम् ।
अथान्यत् संप्रवक्ष्यामि स्वप्नज्ञानम् अनुत्तमम् ॥ 23.33 ॥ †

हृच्चक्रे तन्मयो भूत्वा रात्रौ रात्राव् अनन्यधीः ।
मासाद् ऊर्ध्वं महादेवि स्वप्ने यत् किंचिद् ईक्षते ॥ 23.34 ॥

तत् तथ्यं जायते तस्य ध्यानयुक्तस्य योगिनः ।
तत्रैव यदि कालस्य नियमेन रतो भवेत् ॥ 23.35 ॥

तदा प्रथमयामे तु वत्सरेण शुभाशुभम् ।
षट्त्रिमासेन क्रमशो द्वितीयादिष्व् अनुक्रमात् ॥ 23.36 ॥

अरुणोदयवेलायां दशाहेन फलं लभेत् ।
संकल्पपूर्वके ऽप्य् एवं परेषाम् आत्मनो ऽपि वा ॥ 23.37 ॥

क्व चित् कार्ये समुत्पन्ने सुप्तज्ञानम् उपाक्रमेत् ।
इत्य् एतत् कथितं देवि सिद्धयोगीश्वरीमतम् ॥ 23.38 ॥

नातः परतरं ज्ञानं शिवाद्यवनिगोचरे ।
य एवं तत्त्वतो वेद स शिवो नात्र संशयः ॥ 23.39 ॥

तस्य पादरजः मूर्ध्नि धृतं पापप्रशान्तये ।
एतच् छ्रुत्वा महादेवी परं संतोषम् आगता ॥ 23.40 ॥

एवं क्षमापयाम् आस प्रणिपत्य पुनः पुनः ।
इति वः सर्वम् आख्यातं मालिनीविजयोत्तरम् ॥ 23.41 ॥

ममैतत् कथितं देव्या योगामृतम् अनुत्तमम् ।
भवद्भिर् अपि नाख्येयम् अशिष्याणाम् इदं महत् ॥ 23.42 ॥

न चापि परशिष्याणाम् अपरीक्ष्य प्रयत्नतः ।
सर्वथैतत् समाख्यातं योगाभ्यासरतात्मनाम् ॥ 23.43 ॥

प्रयातानां विनीतानां शिवैकार्पितचेतसाम् ।
कार्तिकेयात् समासाद्य ज्ञानामृतम् इदं महत् ॥ 23.44 ॥

मनयो योगम् अभ्यस्य परां सिद्धिम् उपागताः ॥ 23.45 ॥

इति श्रीमालिनीविजयोत्तरे तन्त्रे त्रयोविंशतितमो ऽधिकारः समाप्तः

समाप्तं चेदं मालिनीविजयोत्तरं नाम महातन्त्रम्

Ergänzende Meditationen

Herzmeditation als ergänzende heutige Praxis. Das innere Linga in Kapitel 18 ist im eigenen Begriffszusammenhang der Schrift zu lesen.

Anahata-Chakra-Meditation mit Sukadev

Aktiviere deine Chakren und meditiere mit Sukadev – Ashram Bad Meinberg

Literatur

  • Madhusudan Kaul Shastri (Hrsg.): Śrīmālinīvijayottaratantram. Kashmir Series of Texts and Studies 37, Bombay 1922. Grundlage der älteren Textteile der verwendeten elektronischen Transkription.
  • Somadeva Vasudeva: The Yoga of the Mālinīvijayottaratantra. Chapters 1–4, 7, 12–17. Critical edition, translation and notes. Institut Français de Pondichéry / École Française d’Extrême-Orient, Pondicherry 2004. Collection Indologie 97. ISBN 978-81-8470-117-3.
  • Somadeva Vasudeva: elektronische Transkription des Mālinīvijayottaratantra, GRETIL, Version vom 31. Juli 2020. Textgrundlage der vorliegenden Wiedergabe; ohne den kritischen Variantenapparat der gedruckten Bearbeitungen.

Siehe auch

Weblinks

Quellen und Anmerkungen

  1. 1,0 1,1 1,2 Somadeva Vasudeva: The Yoga of the Mālinīvijayottaratantra. Chapters 1–4, 7, 12–17. Critical edition, translation and notes. Institut Français de Pondichéry / École Française d’Extrême-Orient, Pondicherry 2004, Collection Indologie 97. Verlagsbeschreibung und bibliografische Angaben.
  2. 2,0 2,1 Mālinīvijayottaratantra, elektronische Transkription von Somadeva Vasudeva, GRETIL, Fassung vom 31. Juli 2020. Text und Angaben zur Editionsgrundlage. Die hier zugrunde gelegte bereitgestellte Textdatei stimmt in ihren 1.246 nummerierten Einträgen mit dieser Transkription überein.

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Die Yoga Sutras von Patanjali sind die Grundlage des Raja Yoga. In diesem Raja Yoga Seminar behandeln wir das 2. Kapitel der Yoga Sutras von Pantanjali.…
Karuna M Wapke, Sukadev Bretz
26.12.2026 - 02.01.2027 Indische Rituale Ausbildung

Du interessierst dich für indische Rituale? Du hast die einzigartige Gelegenheit, in dieser Rituale Ausbildung bei Yoga Vidya die kleine Puja, große P…
Sukadev Bretz, Shankari Winkelbauer

Chakras

11.10.2026 - 16.10.2026 Energietrainer Ausbildung

Lerne in dieser Energietrainer Ausbildung deine Energie zu regenerieren und zu erhöhen. Wir brauchen heute alle mehr Energie denn je für die vielfält…
Beate Menkarski
16.10.2026 - 25.10.2026 Chakra-Kur - Reinigung der Chakras

Für die Reinigung der Chakras konzentrierst du dich unter Anleitung jeden Tag auf ein anderes Chakra. Die tägliche Meditation, Yoga Asanas und Pranyam…
Vani Devi Beldzik

Energiearbeit

09.10.2026 - 11.10.2026 Kundalini Yoga Mittelstufe

Intensives Kundalini Yoga Seminar zur Erweckung der inneren Kundalini Energie, Erweiterung des Bewusstseins und Entfaltung des vollen Potentials. Yoga A…
Viveka Wilde, Chandrashekara Witt
11.10.2026 - 16.10.2026 Energietrainer Ausbildung

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Beate Menkarski