Anspannung

Aus Yogawiki
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Anspannung ist das Gegenteil von Entspannung. Das Leben ist Rhythmus: Auf Anspannung folgt Entspannung, auf Entspannung folgt Anspannung. Bewegung kommt durch Anspannung von Muskeln. Anschließend müssen die Muskeln sich entspannen, um sich wieder zu regenerieren. Wenn man etwas erreichen will, braucht es auch eine gewisse Anspannung.

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Wenn man das Notwendige in die Wege geleitet hat, braucht es wieder Anspannung. Da Menschen in der modernen Leistungsgesellschaft oft die Fähigkeit zur Entspannung verloren haben oder nicht ausreichend nutzen, kann die Yoga Praxis für den notwendigen Ausgleich sorgen.

Anspannung - eine Tugend. Was ist Anspannung ? Woher stammt das Wort? Wozu ist Anspannung gut? Was sind Synonyme, was das Gegenteil von Anspannung?

Anspannung ist die Fähigkeit des Organismus, Kräfte zu mobilisieren. Anspannung ist zunächst das Zusammenziehen der Muskeln, um Bewegungen zu ermöglichen. Anspannung ist aber auch die vorbereitende Aktivierung des Organismus, um auf erwartete Bedrohungen oder Herausforderungen reagieren zu können.

So gibt es körperliche Anspannung, die auch in Verspannung münden kann, also die dauerhafte, nicht mehr adäquate Anspannung. Es gibt auch psychische Anspannung, nervliche Anspannung, familiäre Anspannung, berufliche Anspannung. Die Fähigkeit zur Anspannung erlaubt dem Menschen, auf verschiedenste Umweltreize zu reagieren.

Allerdings braucht die Anspannung als Gegenpol die Entspannung. Wer in seinem Leben viel Anspannung erlebt, braucht besonders viel Entspannung. Yoga und Meditation bieten sehr gute Techniken zu sehr effektiver Entspannung.

Anspannung als hilfreiche Tugend

Aus einem Vortrag von Sukadev Bretz

Rückenschmerzen als Folge von Anspannung. Anspannung ist zum einen natürlich etwas Gutes, es gibt Anspannung und es gibt Entspannung. Es gibt manchmal Situationen, da musst du sehr schnell und intensiv reagieren, es ist manchmal wichtig, wirklich voll angespannt zu sein, um schnell tätig sein zu können.

Aber die Schwierigkeit ist manchmal, in unserer heutigen Gesellschaft sind Menschen dauerangespannt und Daueranspannung kommt aus Dauerstress und das kann dann zu Rückenschmerzen führen. Eine Grundlage für fast alle Schmerzerkrankungen kann sein, neben natürlich einem Unfall und einer Verletzung, dass du Anspannung verspürst.

Es gibt das so genannte allgemeine Anpassungsprinzip, das besagt, wenn der Mensch etwas als Bedrohung empfindet, dann wird er zunächst mal bereit sein, zu fliehen und zu kämpfen, das ist das so genannte Flucht-Kampfmechanismus-Prinzip. Also angenommen, du bist in der Savanne in der grauen Vorzeit gewesen, es taucht plötzlich ein Tiger auf, dann hast du zwei Möglichkeiten, du kannst fliehen, du kannst natürlich auch kämpfen. Für beides brauchst du plötzlich Energie und du musst plötzlich alle Muskeln anspannen, um dann auch die Entscheidung machen zu können, fliehen oder kämpfen.

Und selbst wenn du die dritte Möglichkeit haben willst, nämlich Totstellreflex – eigentlich ist es nicht nur Flucht-Kampfmechanismus, sondern Flucht-Kampf-Totstellmechanismus – auch dafür brauchst du Anspannung, denn wenn du dich tot stellst, dann willst du trotzdem jederzeit in der Lage sein, plötzlich los zu sprinten oder zu kämpfen.

Und so, wenn etwas als bedrohlich erlebt wird, dann gibt es Anspannung im ganzen Körper. Und diese Anspannung wird normalerweise irgendwann wieder gelöst, sei es, dass die Gefahr vorüber ist, dass plötzlich Entspannung da ist, dass du weißt, "Gefahr vorbei, Tiger weg", vielleicht lachst du dann mit deinen Stammesgenossen, mindestens hättest du das früher gemacht, vielleicht feierst du, jedenfalls lächelst du oder du schaust einfach in die Weite, die Spannung fällt ab.

Heutzutage ist es selten, wenn du eine Anspannung hattest, dass du anschließend vom Herzen her mit anderen lachst, das irgendwie feierst oder irgendwie sonst die Anspannung loslässt. Viele Menschen neigen dazu, wenn eine Aufgabe erledigt ist, sofort die nächste anzugehen.

Und so nehmen sie die Anspannung von einer Aufgabe in die nächste. In diesem Sinne kannst du lernen, z.B. nach einer Anspannung, loszulassen, lachen, tanzen, springen oder mit anderen einfach feiern oder ein paar Momente eine Entspannung machen, in die Weite schauen, die Augen schließen, Gott danken, ein Gebet sprechen.

Mache irgendetwas, was nach einer Anspannung dich in die Entspannung bringt. Und natürlich, meine große Empfehlung ist, übe jeden Tag Yoga. Und beim Yoga lernst du, alle Muskeln zu entspannen. Gerade der Yoga Vidya Stil ist dafür ausgerichtet, dass du in den verschiedenen Asanas wirklich voll entspannen kannst.

Und am Ende einer Yogastunde bei Yoga Vidya ist die Tiefenentspannung, in der Tiefenentspannung fallen alle Anspannungen weg. Und dann, wenn du aus der Yogastunde kommst, dann geht es dir gleich besser. Und das sind sicher einige Gründe, weshalb eine Yogastunde typischerweise gut ist gegen Rückenschmerzen, Anspannung fällt weg und dann fallen auch die Rückenschmerzen weg.

Befürchtungen ernst nehmen oder nicht?

Ein Vortrag von Sukadev Bretz 2016

Anspannung kann ein Zustand sein, der kommt, wenn du auf etwas gespannt bist, zum Beispiel, wenn du weißt, morgen musst du einen wichtigen Vortrag geben oder übermorgen trifft irgendjemand eine wichtige Entscheidung. Zum Beispiel dein Chef über deinen Antrag auf Versetzung oder auf Beförderung oder Gehaltserhöhung oder es gibt irgendwo ein Fest, das du organisierst und weißt noch nicht wie es werden wird, dann hast du eine gewisse Anspannung. Diese Anspannung kannst du nutzen, die Energie der Anspannung ist nämlich durchaus etwas Positives. Es gibt Menschen, die freuen sich wenn sie angespannt sind und es gibt Menschen, die empfinden Angst, wenn sie angespannt sind. Letztlich, Freude oder Angst ist oft nur eine Interpretation. Anspannung kann man verstehen als freudige Erwartung und man kann sie verstehen als Lampenfieber.

Persönliches Beispiel

Ich will dir dort ein Beispiel geben. Ich bin Yogalehrer und habe viele Jahre in einer spirituellen Gemeinschaft gelebt, wo es einen indischen Yogameister gab. Und dieser indische Yogameister hat alle Yogazentren ein- oder zweimal im Jahr besucht. Und ich war öfters in verschiedenen Yogazentren gewesen und wir haben uns immer sehr gefreut, wenn der Yogameister gekommen ist. Und wir haben ein paar Tage vorher immer gemerkt, dass wir kaum geschlafen haben und in der Meditation eine besondere Energie gespürt haben und auch ein besonderes pulsieren von Kraft gefühlt und dann haben wir gesagt: „Ja, der Meister denkt jetzt an uns und deshalb brauchen wir weniger Schlaf. Wir haben mehr Lichtenergie und auch die Meditation wird lichtreicher usw. Und wir haben uns immer sehr darüber gefreut. Und es war eine tolle Erfahrung. Und das habe ich irgendwann mal jemanden erzählt, welch großartige Erfahrungen wir erleben, bevor der Swami Vishnu Devananda kommt und wie diese Lichtenergie wirkt und er musste dann einfach nur lachen und sagte: „Ihr habt einfach nur Lampenfieber, Ihr seid aufgeregt.“ Ich dachte dann kurz nach und musste lachen und sagte: „Meine Interpretation, gefällt mir besser.“ Wir hätten die gleiche Situation auch als Lampenfieber, Aufregung und Angst etwas falsch zu machen deuten können. Die schönere Deutung war, die Energie und Licht und Segen des Meisters.

Anspannung positiv nutzen

Genau so auch, wenn du irgendwas zu tun hast, wo du aufgeregt bist, kannst du die Energie der Aufregung positiv nutzen. Es gibt ja auch eine Technik die nennt sich Achtsamkeit, spüre einfach wie die Aufregung sich anfühlt. Spürst du da vielleicht etwas im Herzen? Spürst du ein pulsieren? Vielleicht spürst du eine Kraft überall? Und dann sage einfach, ich bin voller Freude, ich bin voller Energie, ich bin voller Licht. Ich freue mich, dass ich weniger Schlaft brauche. Toll, dass ich viel tun kann. Du kannst auch die Energie der Aufregung nutzen, mit bewusster Atmung. Die Bauchatmung trägt dazu bei. Die Schnellatmung Kapalabhati trägt dazu bei. Wechselatmung trägt dazu bei. Auch Yogaübungen zu praktizieren wie Asanas insbesondere auch der Sonnengruß, sie sorgen dafür, dass die Energie der Anspannung eben nicht zur Verspannung wird, dass diese Energie pulsiert und kraftvoll wirkt. Ich muss sogar sagen, ich gebe grade diesen Vortrag vor der Kamera und obgleich ich momentan fast jeden Tag ein bis zwei Stunden vor der Kamera bin, bin ich weiterhin immer davor etwas aufgeregt. Und tatsächlich, bei den Drehtagen, schlafe ich etwas kürzer und die Meditation hat auch eine besondere Energiequalität. Ich gewöhne mich nicht daran, dass da eine Kamera läuft und Menschen auf der ganzen Welt mich sprechen hören. Aber ich könnte das jetzt deuten als Angst und Lampenfieber oder ich kann es deuten als eine positive Aufregung. Ich bin positiv gespannt darauf und es ist ja auch so. Ich freue mich darauf. Ich weiß, manche Menschen bekommen Inspiration durch diese Vorträge. Für manche ist es wichtig. Manche bekommen neue Sichtweisen auf menschliche Fragen. Also bin ich positiv aufgeregt, dass ich Menschen helfen kann und das ich wieder sprechen kann und dass ich wieder etwas vor der Kamera sagen kann. So jetzt kannst Du selbst überlegen, wann hast du Aufgeregtheit. In welchen Situationen bist du vorher aufgeregt? Und wie kannst du die Aufgeregtheit positiv nutzen. Die Energie der Aufregung positiv spüren und nicht als Lampenfieber oder Angst interpretieren, sondern als freudige Erwartung. Und kannst du vielleicht mit Lichtenergie üben, mit Atemtechnik oder einfach sagen „Ich freue mich, auf diesen Vortrag den ich geben werde. Ich vertraue, dass alles gut gehen wird und ich freue mich auf die weiteren Herausforderungen.“ Das waren ein paar Gedanken, zum Thema: Aufgeregtheit. Mehr Informationen auf unserer Internetseite und vielleicht magst du jetzt 1-3 Minuten überlegen. Wann hast du Anspannung? Wann bist du aufgeregt? Und wie kannst du die Energie der Anspannung geschickt nutzen.

Anspannung in Beziehung zu anderen Eigenschaften

In diesem Yoga Wiki werden über 1000 Tugenden und Persönlichkeitsmerkmale beschrieben. Hier einige Erläuterungen, wie man die Eigenschaft der Anspannung in Beziehung zu anderen Fähigkeiten und Verhaltensweisen sowie in Bezug auf Laster sehen kann:

Ähnliche Eigenschaften wie Anspannung

Ähnliche Eigenschaften wie Anspannung, also Synonyme zu Anspannung sind z.B. Konzentration, Neugier, Ernst, Aufmerksamkeit, Arbeitsfreude.

Ausgleichende Eigenschaften

Jede Eigenschaft, jede Tugend, die übertrieben wird, wird zu einer Untugend, zu einem Laster, einer nicht hilfreichen Eigenschaft. Anspannung übertrieben kann ausarten z.B. in Unruhe, Ungeduld, Unrast, Hektik, Stress, Nervosität. Daher braucht Anspannung als Gegenpol die Kultivierung von Entspannung, Loslassen, Hingabe.

Gegenteil von Anspannung

Zu jeder Eigenschaft gibt es ein Gegenteil. Hier Möglichkeiten für Gegenteil von Anspannung, Antonyme zu Anspannung :

Anspannung im Kontext von Tugendengruppen, Persönlichkeitsfaktoren und Temperamenten

Siehe auch

Eigenschaften im Alphabet vor Anspannung

Eigenschaften im Alphabet nach Anspannung

Literatur

Weblinks

Seminare

Entspannung und Stressmanagement

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