Subjekt

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Ein Subjekt ist ein Wesen mit Bewusstsein, das denken, erkennen und handeln kann. Ein Subjekt ist das Ich, mit dem sich die meisten Menschen identifizieren. Zu diesem Ich gehört ein physischer Körper, Gefühle, Gedanken und vermeintliche Objekte, die das Subjekt sein Eigentum nennt. Gibt das Wesen mit reinem Bewusstsein seine Identifikation mit Körper, Gefühlen, Gedanken, Objekten auf, löst es sich wie ein Wassertropfen im großen Ozean des Bewussteins auf.

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Subjekt - Objekt - Beziehung

Niederschrift eines Podcasts (2014) von Sukadev

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Im Jnana Yoga bzw. auch im Vedanta, der Philosophie hinter dem Jnana Yoga, gibt es eine Technik, die nennt sich Vichara, also die systematische Fragestellung: "Wer bin ich?" Und diese Fragestellung geht auf die Subjekt - Objekt - Beziehung hinaus. Und die Subjekt - Objekt - Beziehung sagt: Subjekt ist der, der wahrnimmt, Objekt ist der, der wahrgenommen werden kann. Subjekt ist der, der etwas tut, Objekt ist das, mit dem etwas getan wird. Und wenn du dich selbst fragst: "Wer bin ich? Bin ich Subjekt oder Objekt?" ist klar, ich bin Subjekt. Ich nehme etwas wahr. Was ich wahrnehmen kann, das bin ich nicht. Ich tue etwas mit einem Gegenstand. Ich bin also jener, der etwas tut. Ich bin nicht der Gegenstand, mit dem etwas getan wird.

Das Subjekt scheint im Verhältnis zum Objekt von Dauer, das Objekt verändert sich. Ich kann ein Objekt, von hier nach dort transportieren, also ich kann z.B. meinen Stift vom Schreibtisch auf den anderen Schreibtisch, in diese andere Schreibtischschublade geben. Ich kann auch beobachten, wie das Essen in meinem Magen verschwindet. Also Objekte verändern sich, Objekte können sowohl ihren Ort verändern als auch ihren Zustand. Das Subjekt, das Ich, welches beobachtet und etwas tut, bleibt verhältnismäßig gleich. Wir können also sagen, anhand dieses Beispiels der Subjekt - Objekt - Beziehung, bin ich derjenige, der handelt, ich bin nicht das, was getan wird. Ich bin derjenige, der beobachtet, ich bin nicht derjenige der beobachtet wird.

1. Beispiel: deine Uhr

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Ich will diese Subjekt - Objekt - Beziehung oder diese Subjekt - Objekt - Analyse etwas weiter führen - zunächst einmal anhand von zwei banalen Beispielen. Ein Beispiel ist: "Bin ich diese Uhr?" Ich hab jetzt gerade eine Uhr vor mir liegen, und ich kann sie mir anschauen und mich fragen, bin ich diese Uhr? Natürlich ist klar, nein, ich bin nicht diese Uhr. Warum bin ich nicht diese Uhr? Erstens sehe ich diese Uhr, ich bin also derjenige der sieht, die Uhr ist das was gesehen wird. Ich bin also nicht die Uhr, sondern ich bin der Beobachter der Uhr. Zum zweiten kann die Uhr anschauen, ich kann sie bewegen, ich kann sie von einem Schreibtisch weglegen, ich kann sie auch wieder an meinen Arm anlegen, ich kann sie auch jemand anderem geben. Soweit einfach und klar.

Anhand des Beispiels der Uhr kann ich aber auch zwei Dinge anschauen, nämlich die Identifikation und die Verhaftung. Denn die Uhr, die jetzt vor mir auf dem Schreibtisch liegt, die Armbanduhr, die ich abgelegt habe, ist nicht nur eine Uhr, sondern es ist meine Uhr. Warum ist es meine Uhr? In diesem Fall, weil ich sie gekauft habe. Du würdest aber auch empfinden, dies ist meine Uhr, wenn du sie geschenkt bekommen hast. Vielleicht sogar, wenn du sie gefunden hast und sie nicht abgegeben hast. Oder selbst wenn du sie geerbt hast, ist sie dann immer deine Uhr. Wenn du sagst: "Das ist meine Uhr," dann hast du also die Identifikation und den Besitz generiert.

In dem Moment, wo du sagst: "Das ist meine Uhr" und dich damit identifizierst, in diesem Moment passiert etwas. Nämlich wenn mit der Uhr etwas passiert, passiert auch etwas mit deinem Geist. Angenommen du würdest die Uhr anschauen und würdest feststellen, sie geht nicht mehr richtig. Oder angenommen, du entdeckst Kratzer auf der Uhr. Angenommen, du verlässt deinen Schreibtisch, du bist in einem Großraumbüro, du kommst eine Stunde später wieder und die Uhr ist weg... Das heißt, wenn du dich damit identifizierst, dann bekommst du Probleme. Wenn du dich mit der Uhr identifizierst, kommt noch etwas dazu. Du bist nicht nur verhaftet mit der Uhr, und wenn was mit der Uhr passiert, wirst du aus deiner Gelassenheit herauskommen, dazu kommt noch, dass du für diese Uhr auch geschätzt werden willst.

Nehmen wir zunächst nochmal das Beispiel, wenn du dich mit der Uhr identifizierst und du sagst: "Das ist meine Uhr" und es passiert etwas damit, kommst du sofort in Unruhe. Und selbst wenn du nur die Befürchtung hast, dass etwas mit der Uhr passieren könnte, schon das allein bringt dich in Aufruhr. Es braucht nicht einmal etwas mit der Uhr zu passieren, du brauchst nur Angst davor zu haben, dass mir der Uhr etwas geschehen könnte. In dem Moment, wo du dich also identifizierst, bist du aus deiner Gelassenheit draußen.

Wenn du dich sehr mit der Uhr identifizierst, "ah ja, das ist meine Uhr, die passt so richtig zu mir, die drückt aus, was ich bin," - Uhren sind ja ganz unterschiedlich - dann willst du auch, dass andere dich für diese Uhr besonders schätzen. Wenn jemand sagt: "Oh du hast aber eine tolle Uhr, die ist ja richtig schön." oder "wie viele Funktionen hat sie denn?" Und du kannst erklären, was alles damit geht, dann fühlst du dich toll. Denn du identifizierst dich mit der Uhr, du machst dich, du machst dein Ich von dieser Uhr abhängig. Indem du dich also identifizierst und sagst, das ist meine Uhr, bist du schon potentiell aus deiner Gelassenheit draußen.

Was würde jetzt vom Jnana Yoga her gesagt werden anhand des Beispiels der Uhr? Du würdest nicht sagen, es ist meine Uhr, sondern du würdest sagen, das ist eine Uhr, die ich jetzt vorübergehend habe. Im Jnana Yoga weiß man, Uhren sind der Vergänglichkeit unterworfen. Und du sagst, ich bin ich, die Uhr ist die Uhr. Für einen vorübergehenden Zeitraum habe ich diese Uhr. Und dann kannst du dich an der Uhr erfreuen, und du sagst: "Das ist eine schöne Uhr, die Uhr ist mir anvertraut, um etwas zu bewirken." Du kannst dich an ihr erfreuen, und du kannst sie nutzen. Du weißt aber von vorne herein, dass die Uhr ein Leihobjekt von unbestimmter Leihdauer ist. Sie kann dir jederzeit genommen werden. Und es gibt keine Garantie auf die Beschaffenheit der Uhr.

In diesem Sinne rechnest du als Jnana Yogi damit, dass die Uhr irgendwann verschwinden wird, dass sie irgendwann nicht funktionieren wird. Und du weißt auch, dein Glück hängt nicht davon ab, ob du für diese Uhr geschätzt wirst oder nicht.

2. Beispiel: dein Auto

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Menschen identifizieren sich heutzutage sehr stark mit ihrem Auto. Menschen verbringen ja zum Teil mehr Zeit mit ihrem Auto und in ihrem Auto, als sie mit ihrem Partner verbringen, wenn man jetzt die Zeit des Schlafens abzieht. Bin ich das Auto? Logischerweise bin ich natürlich nicht das Auto, aber das Auto ist mein Fahrzeug. Ich fahre mit dem Auto. Das interessante ist, Menschen identifizieren sich schon so sehr mit ihrem Auto, fragen z. B."Wo stehst du?" Das heißt dann nicht, wo stehe ich physisch, sondern man sagt dann z. B. "Hinten auf dem Parkplatz." Wenn man also sagt: "Wo stehst du?" dann ist die Identifikation mit dem Auto so stark, dass sie sagen, ja dort hinten.

Oder ich wurde irgendwann mal an einer Autowaschanlage gefragt: "Wie viele PS haben Sie?" Ich muss zugeben, ich hab das erst nicht verstanden. Und was sagt er, wie viele PS hab ich? Hab ich noch nie drüber nachgedacht, wie viele PS ich habe. Aber natürlich hat er gemeint, wie viele PS hat mein Auto und sagt, wie viele PS haben Sie. Er hat noch nicht mal gewartet auf meine Antwort, sondern hat gleich gesagt, ich habe so und so viele PS. Kam nachher heraus, er hatte ein Auto, das grundsätzlich die gleiche Marke war, die ich hatte, aber er hatte die Version des Modells, die besonders viele PS hatte.

Aber wir sind nicht das Auto. Wenn du dich mit dem Auto sehr identifizierst und sagst, das ist mein Auto, vielleicht sogar: "Ich habe so und so viele PS, ich hab die und die Farbe, ich stehe dort und dort, ich parke dort und dort" - dann hast du natürlich Angst, dass dem Auto etwas passiert. Wenn du dein Auto geparkt hast und nicht mehr sicher bist, ob du das Auto abgeschlossen hast, dann hast du große Angst, dass dein Auto geklaut wird. Wenn du in einer Gegend parkst, die vielleicht nicht so sicher ist, hast du Angst, dass das Auto zerkratzt wird. Wenn du hörst, dass das Auto ein bisschen stottert, hast du Angst. Und wehe, wenn irgendwo das Auto beschädigt wird.

In dem Moment wo du dich mit dem Auto identifizierst, kommen Ängste und du bist aus deiner Gelassenheit heraus. Du machst dein Glück abhängig von einem Objekt, das nicht in deiner Macht steht und das du nicht wirklich bist. Jetzt folgt natürlich, wie geht denn ein Jnana Yogi damit um? Er sagt, ja das Auto ist mein Fahrzeug. Ich habe es für eine bestimmte Zeit. Das heißt, selbst wenn ich es gekauft habe, es gehört niemals mir. Denn es ist niemals unter meiner Kontrolle. Es ist ein Teil dieser Welt, mir nur vorübergehend anvertraut, Mietobjekt unbestimmter Nutzungsdauer.

Auch der Preis, den ich dafür zahle, ist nicht ganz klar. Der Preis beinhaltet natürlich Steuern, vielleicht abbezahlter Kredit, usw. Aber es gibt noch mehr Preise, die man bezahlt für die Nutzungsdauer. Du musst dich um das Auto kümmern, du musst Ölwechsel machen, es zur Reparatur bringen, Parken und vielleicht sogar eine Garage bezahlen, usw. Aber du bist nicht das Auto. Du kannst auch das Auto wieder verkaufen. Du kannst ein anderes Auto kaufen. Du kannst feststellen, du brauchst gar kein Auto und du verkaufst das Auto. Du kaufst dir stattdessen ein Fahrrad oder fährst mit U-Bahn oder S-Bahn oder bist in einer Fahrgemeinschaft. All das zeigt, Du bist nicht das Auto.

Okay, das mag jetzt ganz banal klingen, obgleich es in den praktischen Konsequenzen schon wichtig ist. Du kannst es auf so viele weitere Beispiele ausdehnen. Bist du dein Haus? Bist du deine Kleidung? Bist du der Ring? Bist du dein Hut? Es ist erstaunlich, wie sehr Menschen sich mit ihren Objekten identifizieren und wie sehr sie dort aus der Ruhe geraten, nur weil irgendetwas passiert mit etwas, mit dem sie sich identifizieren.

Du kannst lernen gelassen zu sein. Du kannst dir bewusst sein, ich bin nicht abhängig von den Objekten. Und ich kann sehr wohl glücklich sein, ohne einzelne Objekte. Demnächst werde ich das weiter ausdehnen. Die Frage "wer bin ich?" ist nämlich auch sehr interessant. Bin ich der Körper? Bin ich die Psyche? Bin ich die Emotionen? Bin ich meine Persönlichkeit?

Siehe auch

Literatur

  • Swami Sivananda, Die Kraft der Gedanken (2012)
  • Swami Sivananda, Jnana Yoga, Hrsg.: Divine Life Society, 2007
  • Swami Sivananda, Göttliche Erkenntnis (2001)
  • Swami Sivananda, Shrimad Bhagavad Gita. Erläuternder Text und Kommentar von Swami Sivananda (1998)
  • Swami Sivananda, Sadhana – Ein Lehrbuch mit Techniken zur spirituellen Vollkommenheit

Weblinks

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