Varna

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Varna (Sanskrit: वर्ण varṇa m.) Farbe; Buchstabe, Laut; Art, Gattung; Charakter, Wesen; Kaste. Varna ist ein Sanskritbegriff und bedeutet ursprünglich Farbe. Varna steht auch für Kaste. Insbesondere die vier Hauptkasten werden als Varnas bezeichnet, während die vielen Unterkasten Jatis sind. Warum Varna einerseits für Farbe und andererseits für Kaste steht, darüber gibt es zwei verschiedene Erklärungen: Einerseits ist es möglich, dass sich die hellhäutigeren Volksstämme die höchste Kaste vorbehalten haben und die dunkelhäutigen Volksstämme in der niedrigsten Kaste waren, während die vermischten Volksstämme die mittleren beiden Kasten bildeten.

Eine spirituelle Deutung der Varnas bezieht sich auf die Färbung des Geistes: Wem es hauptsächlich um Befriedigung von Kama, also Sinnesfreuden, geht, der ist ein Shudra. Wem Artha - Macht, Ansehen und Geld - besonders wichtig ist, der ist ein Vaishya. Wem Dharma, Entfaltung eigener Fähigkeiten und Einsatz zum Wohl der Gemeinschaft am Herzen liegen, der ist ein Kshatriya. Und für wen Moksha - spirituelle Entwicklung / Befreiung - das Wichtigste im Leben ist, der ist ein Brahmana.

Die vier Varnas

Die Gesellschaft im alten Indien war in vier Hauptstände (Varna) unterteilt, denen man ursprünglich durch seine Anlagen und Eigenschaften angehörte. Diese Stände waren, mit absteigendem hierarchischem Status, die folgenden:

  • Brahmana (Brahmane, Priesterkaste bzw. -stand)
  • Kshatriya (Krieger und Könige, Kriegerkaste bzw. -stand)
  • Vaishya (das "Volk", d.h. Händler, Handwerker und Bauern)
  • Shudra (Diener und Sklaven)

Die Mitglieder der oberen drei Stände bzw. "Kasten" werden als Dvija "Zweimalgeborene" bezeichnet. Die erste Geburt (Janman) bezieht sich auf ihre natürliche Geburt. Die zweite Geburt bezieht sich auf ihre "spirituelle Geburt" im Rahmen des rituellen Umlegens der heiligen Schnur (Upavita).

Entstehung der Varnas und Jatis

Es gibt zwei verschiedene Strömungen, die letztendlich zu dem uns heute bekannten Vierständesystem (Varna) und den integrierten Kasten (Jati) geführt haben könnten. Die eine Strömung entstammt der vorarischen indischen Dorfgemeinde und Stammeskultur, die zum Teil bis heute in bestimmten indischen Gebieten noch immer eigenständig existiert. Die andere entwickelte sich unter den vedischen Ariern in der Auseinandersetzung mit den in Indien ansässigen Stammes- und Dorfkulturen sowie während der zu verschiedenen Zeitpunkten erfolgten arischen Einwanderungswellen.

Sukadev über Varna

Niederschrift eines Vortragsvideos (2014) von Sukadev über Varna

Varna hat viele Bedeutungen. Varna heißt Farbe, Varna kann auch Klasse heißen, ein sozialer Stand, Varna heißt aber auch Buchstabe und Silbe. Z.B. gibt es "Varna Mala" als einer der wichtigen Texte des Tantra. Varna Mala ist die Girlande der Buchstaben, ist ein Text über die Bedeutung der verschiedenen Buchstaben des Sanskrit-Alphabetes, auch ein Text über die verschiedenen Bija Mantras der verschiedenen Varnas des Sanskrit-Alphabetes und auch ein Text, der zeigt, wie man aus Varnas, aus Buchstaben, Mantras macht.

Der berühmte Arthur Avalon, der John Woodroffe war, hatte ein Werk geschrieben über die Girlande der Buchstaben, ein Kommentar zur Varna Mala, und bis heute die beste Übersetzung und auch Kommentar zu diesem alten Tantra-Text. Varna, also als Buchstabe oder auch als Silbe verstanden. Varna kann sich aber auch beziehen eben auf allgemein Farbe, und dann gibt es gelb, rot, grün, weiß usw. als Varnas, als Farben. Varna kann sich aber auch auf einen Stand beziehen.

Es gibt die vier sogenannten Varnas, es gibt die Shudra Kaste, die Shudra Varna, das sind also die Tagelöhner. Dann gibt es die Vaishya Varna, also die Kaufleute und Bauern. Als drittes gibt es dann die Kshatriyas, das sind die Krieger oder die Beamten, Verwalter, denen es um Gerechtigkeit geht. Und als viertes gibt es Brahmana, das heißt die Brahmanen, die Priester. Mit "Varna" sind hier die vier Varnas gemeint. Im Unterschied zu Jati, Jati ist jede Gruppierung von Menschen mit ihren eigenen Gepflogenheiten. Und alle Jatis werden wiederum eingeordnet in Varnas, und da gibt es eben vier Varnas. Das System von Varnas, da kann man Intelligentes drin sehen, man kann es aber auch als große Abirrung der indischen Religiosität sehen und vermutlich nicht einfach nur Religiosität, sondern auch allgemein des indischen sozialen Zusammenlebens, also der indischen Gesellschaft.

Ursprünglich kann da durchaus etwas Gutes dahinter stehen. Da kann man sagen, es gibt Menschen, denen geht es besonders um Moksha, um Befreiung. Wer besonders spirituellen Praktiken folgen will, besonders seinen spirituellen Idealen folgen will, der ist ein Brahmana, das heißt jemand, der zu Brahman kommen will. Dann gibt es solche, die wollen ihre Pflicht und Aufgabe tun, sie wollen überlegen, wie können sie der Gesellschaft helfen und wie können sie das gesellschaftliche Zusammenleben fördern, das sind die Kshatriyas. Und die Kshatriyas engagieren sich für die gute Sache in der Gemeinschaft. Sie können auch mal als Verteidiger dort sein und als Krieger, aber hauptsächlich sind die Kshatriyas diejenigen, die vielleicht als Beamte oder als Wohltäter, als diejenigen, die gemeinnützige Vereine etablieren, sich um das Gute in der Gesellschaft kümmern.

Dann gibt es als drittes Menschen, die haben unternehmerisches Geschick und wollen irgendwo etwas voranbringen und vielleicht auch Geld verdienen und was aufbauen, das wären die Vaishyas. Da gibt es die kleineren Kaufleute und die größeren und die Unternehmer und vielleicht auch die Bauern und die Großbauern und die Selbstständigen, das wären dort die Vaishyas. Und dann gibt es als viertes diejenigen, die ihr Leben nicht zu kompliziert haben wollen, die zufrieden sind, wenn ihre Arbeit nicht zu anstrengend ist, wenn sie ein Dach über dem Kopf haben, wenn sie was zu essen haben, wenn es der Familie gut geht und wenn sie ansonsten vielleicht ein bisschen Urlaub haben und ihren Hobbys nachgehen können oder einfach so ein bisschen es gelassen angehen können oder Partys haben können, Sinnesgenüssen frönen können usw. Diese würde man dann als "Shudras" bezeichnen.

Die meisten Menschen sind eine Mischung aus allen vier und nicht einer eindeutigen Varna dazuzuordnen. Und auch der gleiche Mensch kann mal einfach das Leben genießen wollen und damit ein Shudra sein, dann kann er vielleicht Erfolg haben wollen und sich engagieren für ein eigenes Unternehmen, wird also zum Vaishya, kann sich dann aber auch engagieren für das Gemeinwesen, wird zum Kshatriya, und kann vielleicht auch zu spirituellen Praktiken neigen und sagen: "ich möchte Gott verwirklichen", er wird also zum Brahmana. In diesem Sinne sind die Varnas sind nicht so festgesetzt und der gleiche Mensch kann durchaus mehreren Varnas angehören, und er kann auch im gleichen Leben mal die eine Varna und die andere mehr haben.

In diesem Sinne bekommt Varna plötzlich eine neue Bedeutung. Du kannst ein kunterbuntes Leben haben, unterschiedliche Farben haben. Und dann gibt es mal eine Varna, du nimmst die Farbe an von demjenigen, der im Berufsleben nach Erfolg strebt, dann bist du Vaishya, du nimmst die Varna an von jemandem, der ein bisschen auch mal loslassen will oder vielleicht das Leben genießen will, dann nimmst du die Shudra Varna an. Und du kannst auch mal die Varna, die Farbe, annehmen von jemandem, der sich jetzt engagiert für das Gute. Und dann nimmst du vielleicht die Varna an, von jemandem, der nach dem Höchsten strebt und Sadhana praktiziert.

Und tatsächlich, im Westen ist das ja oft auch verbunden mit einer anderen Kleidung. Im Beruflichen hast du eine Kleidung, wenn du in der Freizeit was genießen willst, dann hast du eine andere Kleidung, wenn du dich engagierst in der Politik oder in der Ökologie oder in einem Verein, hast du vielleicht wieder eine andere Kleidung. Und wenn du Yoga übst, dann hast du vielleicht deine Yoga-Hose und dein Yoga-T-Shirt, und dann hast du wieder eine andere Varna.

In Indien wird das nicht so flexibel gesehen. Der typische Mensch hat mehrere Varnas, und er lebt mal diese Varna oder eine andere Varna. In Indien sind die Varnas tatsächlich von Geburt her festgelegt. Da ist man hineingeboren als Shudra, als Vaishya, als Kshatriya, als Brahmana und dagegen kämpfen die großen indischen Meister seit Generationen, seit Jahrhunderten. Schon Krishna wendet sich an einigen Stellen der Bhagavad Gita gegen einen solchen Varna-Begriff. Varna hat also vielfältige Bedeutungen. Varna heißt Farbe, Buchstabe, Silbe und soziale Schicht. Varna kann auch heißen, welche Färbung hat dein Geist, was sind deine wichtigsten Anliegen im Leben.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

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