Jati

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Jati, ( Sanskrit जाति jāti f. ) Geburt, Familie, Form der Existenz, die durch die Geburt festgelegt ist, Spezies, Klasse, Kaste; Wiedergeburt; Rasse, Abstammung; Art, Geschlecht; (in der Nyayaphilosophie:) eine in sich selbst einen Widerspruch enthaltende Einwendung; ein Oberbegriff für Versmaße (Chhandas), in denen die Anzahl der Moren (Matra) innerhalb eines Versviertels (Pada) geregelt ist; eine Heilpflanze aus der Familie der Ölbaumgewächse (Oleaceae): Spanischer Jasmin (Jasminum grandiflorum); Muskatnuss (Jatiphala).
Krishna als Venulola, als Flötenspieler

Sukadev über Jati

Niederschrift eines Vortragsvideos (2014) von Sukadev über Jati

Jati ist vom Sanskrit her das, worin man hineingeborgen wurde. Jata ist ja "geboren", Jataka ist ein Neugeborenes, und Jati ist da, wo man hineingeboren worden ist. Jati gilt deshalb auch als die Kaste, gilt auch als die Geburt an sich. Jati heißt einfach die Geburt eines Kindes. Wenn jemand geboren wurde, Jata, dann gab es den Moment der Geburt, Jati, und dann ist man ein Neugeborenes und dann ist man ein Jataka. Aber Jati ist dann nicht nur die Geburt, sondern Jati ist dann auch das, wo man hineingeboren ist. Jati ist aber auch zum Beispiel ein Versmaß, das heißt, etwas, was geboren worden ist in einem bestimmten Versmaß, ist eben auch Jati. Am meisten wird Jati gebraucht als der Name für Kaste in Indien. Meistens, im Westen sind so bekannt die so genannten Varnas, das heißt wörtlich "die Färbungen" und die Varnas sind die vier Haupt-Varnas, die Brahmanas, die Kshatriyas, die Vaishyas und die Shudras. In der ursprünglichen Theorie, so wie es auch die Bhagavad Gita erläutert, bestimmt die Färbung des Geistes letztlich, in welche Varna man gehört.

Angenommen, man würde besonders nach Brahman streben, nach dem Göttlichen, seinen Geist darauf ausrichten wollen, dann würde man, von der Theorie her, ein Brahmana sein, jemand, der nach Brahman strebt. Jemand, dem es besonders darum gut, Gutes zu bewirken und sich zu engagieren und für Gerechtigkeit und alles Gute in der Welt zu sorgen, das wäre ein Kshatriya, jemand, der sich einsetzt für das Gute in der Welt. Jemand, dem es darum geht, Reichtümer anzuhäufen und irgendwo viel zu bekommen und vielleicht auch ein bisschen Ruhm zu bekommen, das machen zwar auch die Kshatriyas, dann wäre man aber auch Vaishya. Vaishya, die Kaufleute, diejenigen, die danach streben, viel Geld zu verdienen und viel Besitz anzuhäufen. Und dann gibt es Shudras und die Shudras, deren Geist ist gefärbt von dem Wunsch, ein einfaches, angenehmes Leben zu haben, Sinnesvergnügungen zu haben, sich nicht zu sehr anzustrengen und ihren Emotionen und Wünschen zu folgen, soweit das von der Ethik her gerecht und gut ist. Das sind die Varnas.

Was ist jetzt aber Jati? Jati ist, man kann sagen, die engeren Kasten, man kann auch sagen, ist wie eine Art Sippe oder ist wie eine Untergruppierung, eine Art Gemeinschaft. Man kann sagen, ein Jati – zum Beispiel im alten Indien gab es dann die Jati der Schuhmacher. Die Schuhmacher waren also auch in den mittelalterlichen Städten in Deutschland, dort wurde man hineingeboren, wie die alten Zünfte. Und die Jatis hatten wie die Zünfte dann eben auch eine eigene Gemeinschaft und sie haben sich selbst organisiert, sie haben ihre Gepflogenheiten gehabt, sie haben ihre Art Gottesdienste zu machen gehabt, sie haben gemeinsame Feste gehabt und sie haben typischerweise nur untereinander geheiratet. Also wirklich so, wie die mittelalterlichen Zünfte, kann man die Jatis verstehen. Jati konnte also Berufsgruppe sein, Jati konnte aber auch eine Volksgruppe sein.

In Indien gab es ja auch immer wieder Völker, die eingewandert sind, sei es, als Eroberer, sei es, weil sie Hunger hatten und dann nach Indien eingewandert sind. Und dann ist eine Art multikulturelle Gesellschaft entstanden und jede Gruppierung, die so ihre eigenen Gepflogenheiten hatte, hat eine eigene Jati gebildet. So gab es übrigens auch Jatis unter den Christen, die es schon im 1./2. Jahrhundert n.Chr. in Indien gegeben hat. Insgesamt haben auch die Christen durchaus ein Kastensystem in Indien auch befolgt. Das indische Kastensystem war nicht einfach ein Hindu-Kastensystem, sondern Buddhisten haben zu eigenen Kasten gehört, Christen haben eigene Kasten geschaffen und die Jains eben auch, es war also eine indische Gesellschaft dort. Und wenn eine Gruppierung sich eigene spirituelle Normen geben wollte, eigene Speisevorschriften geben wollte, eigene Lebensgewohnheit, hat sie eben auch wieder eine eigene Jati gebildet. Und so ist das System der Jatis entstanden, welche eine Vielfalt von Lebensmöglichkeiten gebildet hat und jede Jati hat sich in bestimmtem Maße um sich selbst gekümmert.

So wäre es mindestens vom Idealen her gewesen. Natürlich, alles, was ideal ist, hat auch seine Probleme und heutzutage sind Jati und Varnas sicher etwas, was die indische Gesellschaft stark erschwert hat. Man muss aber dazu sagen, das Unwesen der Kasten ist von den Engländern stark verstärkt worden, denn die Engländer haben ja überall, wo sie geherrscht haben, nach dem Prinzip geherrscht: "Divide et impera. Teile und herrsche." Und so haben die Engländer die Jatis erst richtig undurchlässig gemacht und haben sich entschieden, mit manchen Jatis dort eben zusammen zu arbeiten, zu kooperieren und mit anderen nicht. Und so haben sie sich bestimmte Jatis ausgesucht, mit denen sie eben den Rest Indiens unterdrückt haben, das haben sie auch in anderen Teilen ihrer Kolonialherrschaft, in Afrika und Australien usw., und auch in Amerika und Kanada, gemacht. Das war so ein Prinzip, wie die Engländer ja in der Lage waren, letztlich ein Viertel der Erde zu beherrschen, obgleich es gar nicht so viel Engländer gab.

Und so, Jati ist also diese Kaste, eine gesellschaftliche Gruppierung, die sich entweder aus Angehörigen eines gleichen Berufes oder ähnlichen gesellschaftlichen Gepflogenheiten oder auch spirituellen, religiösen Überzeugungen zusammengesetzt hatte, ein Teil eines religionsübergreifenden Sozialsystems in Indiens oder Gesellschaftssystems, das aber in den letzten paar hundert Jahren gezeigt hat, dass es nicht übermäßig hilfreich ist, wie es ja auch aus guten Gründen das Zunftwesen und das Ständewesen der mittelalterlichen Gesellschaft, mindestens in der Theorie, überwunden wurde. Also, soweit zu Jati. Jati, nochmals die verschiedenen Bedeutungen: Jati heißt Geburt, Jati heißt Kaste, und Jati ist auch ein bestimmtes Versmaß.

Jati als Kastenzugehörigkeit

Im allgemeineren Sinn bezeichnet Jati die durch Geburt erworbene Kasten- bzw. Standeszugehörigkeit (Varna). Im engeren Sinn bedeutet Jati auch die Zughörigkeit zu einer bestimmten Berufskaste, wie etwa der Weber-, Schuster- oder Gerberkaste.


Jati im Ayurveda

In der Charaka Samhita (Sutra Sthana 4.11) gilt Jati (Jasminum grandiflorum) im Rahmen der Aufzählung der 50 Mahakashayas als Kushthaghna.

Namen und Synonyme

  • deutscher Name: Spanischer Jasmin
  • englischer Name: royal jasmine, Spanish jasmine, Catalonian jasmine
  • lateinische Namen: Jasminum grandiflorum, Jasminum officinale var. grandiflorum, Jasminum floribundum
  • Hindi: चमेली camelī, जाति jāti
  • Tamil: சாதி மல்லிகை cāti mallikai

Eine Liste mit Sanskrit-Synonymen findet sich in Raja Nighantu 10.74-75.

Bilder

  • Spanischer Jasmin [1]


Verschiedene Schreibweisen für Jati

Sanskrit Wörter werden in Indien auf Devanagari geschrieben. Damit Europäer das lesen können, wird Devanagari transkribiert in die Römische Schrift. Es gibt verschiedene Konventionen, wie Devanagari in römische Schrift transkribiert werden kann Jati auf Devanagari wird geschrieben " जाति ", in IAST wissenschaftliche Transkription mit diakritischen Zeichen " jāti ", in der Harvard-Kyoto Umschrift " jAti ", in der Velthuis Transkription " jaati ", in der modernen Internet Itrans Transkription " jAti ".

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Siehe auch

Literatur

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