Projektion

Aus Yogawiki
Liebe ist die Sehnsucht aller, auch bei Projektion

Projektion ist in der Psychologie die Übertragung eigener als negativ empfundener Eigenschaften auf andere Menschen. Z.B. kann jemand, der oft Angst vor Prüfungen hat, in einen anderen Prüfungsangst projizieren und glauben, dass der andere aus Prüfungsangst gerade so unverschämt ist - obgleich der andere vielleicht keine Prüfungsangst hat.

Man kann auf andere viel projizieren: Eigene Wünsche, eigene Anliegen, eigene Ängste. Auch Vater- und Mutter-Ideal-Bilder kann man projizieren auf Gurus und Yogalehrerinnen. Manche projizieren ihre eigenen Geltungsbedürfnisse auf einen Prominenten - und fiebern mit diesem mit, wenn dieser vor schwierigen Herausforderungen steht.

Menschen projizieren viele Bedürfnisse, den Wunsch zu gewinnen, andere zu besiegen, etc. in Fußballspiele. Projektionen sind also etwas zutiefst Menschliches und geschehen ständig. Es ist hilfreich, sich bewusst zu machen, welche Projektionen auf andere man selbst immer wieder macht. Und es ist hilfreich zu erkennen, wie weit man Projektionsfläche für andere ist. Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung.

Manchmal reicht es sogar aus, sich der Projektionen bewusst zu werden, sie liebevoll zur Kenntnis zu nehmen. Manchmal kann man spielerisch mit Projektionen umgehen. Manchmal gilt es, diese zu ignorieren. Das Wort Projektion bedeutet ursprünglich Entwurf, Darstellung, Versuch und wurde im 17. Jahrhundert aus dem lateinischen proiection, Hervorwerfen, Hervortreten lassen, ins Deutsche übernommen.

Im 19. Jahrhundert wurde der Begriff Projektion mit der Bedeutung vergrößerte Wiedergabe von Bildern auf einer hellen Fläche mit Hilfe eines Bildwerfers versehen. Typisches Beispiel ist das Kino: Da wird mittels eines Projektors ein Bild auf die Leinwand projiziert.

Sigmund Freud hat den Begriff Projektion in die Psychologie, insbesondere die Psychoanalyse, eingeführt. Er verstand unter Projektion einen Abwehrmechanismus, bei dem eigene unerwünschte Triebe, Wünsche, Gefühle, einem anderen Menschen, einem Tier oder Gegenstand zugeschrieben werden. Später wurde der Ausdruck Projektion sehr viel weitergehend interpretiert.

Umgang mit Projektionen

Aus einem Vortrag von Sukadev Bretz

Vielleicht hast du das Gefühl, dass jemand anderes auf dich etwas projiziert. Er schimpft mit dir für etwas, wo er gar nicht weiß warum oder er wirft dir etwas vor, was du gar nicht gemacht hast. Sei dir bewusst, dass Menschen ständig projizieren, denn sie schließen von der Vergangenheit auf die Zukunft.

Erste Erfahrungen haben Menschen mit Mutter und Vater gemacht. Also werden sie grundsätzlich bei Menschen, die in Autoritätspositionen sind, etwas projizieren, was sie mit Mutter und Vater erlebt haben und auf jeden Älteren. Wenn jemand also älter ist als sie, dann spielt immer wieder die gewisse Vater-Mutter-Projektion eine gewisse Rolle.

Oder es spielen Projektionen mit Schulkameraden oder Freunden eine Rolle. Oder sie sind selbst Eltern und projizieren auf dich Kindsbewusstsein. Und du magst es gar nicht von oben herab als Kind oder als Unreifer behandelt zu werden. Wie gehst du mit diesen und anderen Projektionen um?

Am klügsten ist in den meisten Fällen, es einfach zu ignorieren. Jemand anderem vorzuwerfen, dass er projiziert ist in den meisten Kontexten nicht übermäßig hilfreich. Sei einfach du selbst und ignoriere wenn jemand in dir etwas sieht, was du nicht bist. Sei wer du bist. Kommuniziere klarer und zeige, dass du nicht der bist, den die anderen in dir sehen, wenn sie etwas projizieren.

Wahrscheinlich ist es anders als in der persönlichen Beziehung zum Beispiel mit deinem Partner. Da kann man das öfter mal ansprechen. Das kann hilfreich sein mit ihm oder ihr über Erfahrungen mit Vater und Mutter, mit Geschwistern und Freunden zu sprechen. Zu sprechen über frühere Beziehungen und wie man da projiziert hat und sehen kann wie der eine den anderen darauf hinweisen kann.

Man kann auch in sozialen Berufen es ansprechen. Wenn Menschen psychologisch gebildet sind, dann kann man auch mal das Thema Projektion ansprechen. Aber in vielen gewinnzielorientierten Unternehmen, wenn man in denen mit Projektion anfängt, schafft das nur Probleme.

Und selbst in sozialen Berufen oder in einer spirituellen Gemeinschaft, wann immer einem das nicht passt, was der andere sagt, ihm vorzuwerfen, dass er projiziert, ist auch nicht hilfreich. Das ist manchmal nur ein Generalvorwurf mit dem man verhindern will, dass man irgendetwas berücksichtigt, was der andere einem an Wünschen sagt.

Sei vorsichtig mit dem Vorwurf an Projektion. Sei dir aber durchaus bewusst, dass es etwas wie Projektion gibt und nicht alles, was die anderen an dir aufregt hat etwas mit dir zu tun.

Die Projektion dieser Welt

Wie der Projektor Bilder auf die Leinwand bringt, ist die Welt eine Projektion

- Auszug aus dem Buch "Vedanta für Anfänger" von Swami Sivananda -

Im Sommer ist der Erdboden ausgetrocknet. Sobald es regnet, keimen die Samen und Pflanzen entstehen. Vor dem Regen waren sie noch in einem unmanifestierten Zustand (Avyakta). Genauso war die Welt, die sich jetzt in einem manifestierten Zustand befindet, einst in einem unmanifestierten Zustand und wird eines Tages wieder unmanifestiert sein. Die Welt stammt aus Maya, dem Kausalkörper von Ishwara und wird letztlich zu ihm zurückkehren.

Die fünf Elemente (Erde, Wasser, Feuer, Luft, Raum/Äther) stammen alle aus Maya. Wasser ist feiner und durchdringender als Erde. Feuer ist feiner und durchdringender als Wasser. Luft ist feiner und durchdringender als Feuer. Äther ist feiner und durchdringender als Luft.

Liegen ein paar Jasmin-Blüten auf dem Tisch, so verteilt sich ihr Blütenduft allmählich durch den ganzen Raum. Der Duft ist durchdringender als die Blume selbst. Die Blume bleibt an einem festen Ort, aber ihr Duft durchdringt die Atmosphäre. Die Feuchtigkeit von Dampf ist durchdringender als die Erde. Das Sonnnenlicht ist durchdringender als Wasser. Äther, die Grundsubstanz der anderen vier Tattvas (Elemente), ist all-durchdringend. Alle vier Elemente haben ihre Wurzeln im alles durchdringenden Äther (Akasha).

Die fünf Elemente stammen von Brahman, dem höchsten Wesen. Akasa wurde zuerst erschaffen. Es ist Äther beziehungsweise Raum. Akasha ist der Aufenthaltsort der anderen vier Elemente. Er ist deren Gefäß. Innerhalb von Akasha gab es einst Bewegung (gati). Dies ist Vayu (Luft). Die Luftbewegung erzeugte Hitze. Dadurch entstand aus der Luft das Feuer. Feuer kann ohne Luft nicht brennen. Das Feuer kühlte sich ab und wurde zu Wasser. Wasser verfestigte sich und wurde zu Erde.

Projektion und Verleugnung

Schuldzuweisung ist das Musterbeispiel für Projektion

- Abschnitt aus dem Buch: Yoga der drei Energien von James Swartz -

Projektion und Verleugnung sind kein wirkliches „Denken“, in dem Sinn, wie wir das Wort verstehen, weil man sich normalerweise seiner Gedanken bewusst ist. Diese zwillingshaften Kräfte kommen aus der tiefsten Ebene von Māyā und verursachen endloses Leid. Projektion ist rajas. Projektion bedeutet, dass Unwissenheit einen Gedanken in deinen Kopf bringt, welcher der Realität einer gegebenen Situation entsprechen kann oder auch nicht, und tamas lässt dich denken, dass der Gedanke die Realität der Situation ist. Tamas verweigert dir den Zugang zur Quelle des Gedankens, also denkst du, dass er wahr ist, weil er „dein“ Gedanke ist und dass die Realität davon profitieren wird, was stimmen kann oder auch nicht. Mit anderen Worten, man kann den Unterschied zwischen dem, was man denkt, und dem, was in der Welt vor sich geht, nicht erkennen.

Gehören die Gedanken wirklich dir? Einerseits ja, anderseits nein. Nein, weil sie unbewusst durch Gewohnheit erzeugt werden. Weil sich aber niemand außer dir mit ihnen identifiziert, werden sie zu „deinen“ Gedanken.

Man könnte auch argumentieren, dass „du“ die vāsanās erschaffen hast, weil vāsanās nicht ohne Handlungen existieren und „du“ die Handlungen ausgeführt hast, aber hast „du“ sie ausgeführt oder haben die guṇas, die du nicht erschaffen hast, die Gedanken und die Handlungen verursacht?

Die anderen bewussten Wesen, die Nutznießer deiner Gedanken sind, sind sich nicht bewusst, dass avidyā die Quelle ist und dass Unwissenheit sich in ihrem Unterbewusstsein zu schaffen macht und Überzeugungen und Meinungen projiziert, die sie für real halten, sodass sie nicht verstehen können, was du meinst und du nicht verstehen kannst, was sie meinen. Dies führt zu Konflikten, meist zu Diskussionen, die Diskussions-vāsanās erzeugen, die dem Glück nicht dienlich sind.

Projektion bedeutet auch, dass du denkst, dass das Objekt, das du erlebst, zum Beispiel eine andere Person, den Gedanken verursacht hat, aber stimmt das? Hier ist ein Beispiel: Du fährst in einem Auto und deine normalerweise redselige Begleiterin ist ruhig, aus keinem anderen Grund, als dass sie nichts zu sagen hat. Aber du glaubst, dass ihr Schweigen eine Reaktion auf deine Fahrweise ist, die zweifellos nicht besonders toll ist; ein paar Straßen zuvor hättest du beinahe eine Kollision verursacht, weil dein Handy klingelte und du in deiner Tasche danach gekramt hast. Aber du dachtest, es sei nicht deine Schuld gewesen, weil du immer während der Fahrt ans Telefon gehst und nie etwas passiert, also beschuldigst du den anderen Fahrer. Schuldzuweisung ist das Musterbeispiel für Projektion.

Wie dem auch sei, als ihr an einer markanten Stelle vorbeifahrt, sagt deine Begleiterin: „Wir sind fast da, wir sind gerade an McDonalds vorbeigekommen“. Du hattest nach der Beinahe-Kollision konzentriert auf die Straße geachtet, also hast du es nicht bemerkt, und weil dein Geist laut deiner eigenen Meinung durch die Irritation des anderen Fahrers abgelenkt war, der gerade „dein Leben fahrlässig gefährdet hatte“, schnauzt du deine Begleiterin an: „Das war nicht McDonalds. Das kommt erst!“

Deine Begleiterin, die ruhig war und auf die Landschaft geachtet hatte, sagte ruhig: „Nein, das war McDonalds“, denn das war es. Keine Projektion, nur eine nachweisliche Tatsache. Das macht dich noch wütender, also sagst du: „Dauernd widersprichst du mir“, was nicht der Fall war. Es war nur ihre Tatsachenaussage, die deinem Glauben widersprach, dass der Gedanke in deinem Kopf real war. Und so beginnt das Spiel.

Um diese traurige Geschichte abzuschließen: Du hast in Wahrheit geglaubt, dass deine Begleiterin insgeheim denkt, dass du ein schlechter Fahrer bist, was deinem Selbstwertgefühl nicht guttut. Du hast ehrlich geglaubt, dass der andere Typ schuld war, und du hast aufrichtig geglaubt, dass deine Begleiterin falsch lag, was den Standort dieses speziellen McDonalds angeht. Nichts kann dich vom Gegenteil überzeugen, denn so hast du die Realität „erfahren“. Du magst die Realität auf diese Weise erfahren haben, aber du hast sie nicht so erlebt, wie sie war, es sei denn, die Realität ist für dich deine Gedanken.

Ein weiteres Beispiel: Du beschuldigst Amerika für all die Probleme in der Welt. Ohne Amerika wäre die Welt in Ordnung. Tatsache ist, dass niemand je ein Amerika gesehen hat. Amerika ist eine Projektion, ein Gedanke. Viele Amerikaner denken, dass Amerika der Retter der Welt ist. Wer hat Recht, die Jasager oder die Neinsager? War Amerika „Amerika“, bevor es von Europäern bewohnt wurde? Die Indianer dachten das nicht. Du kannst in Kalifornien gewesen sein, aber hast du irgendwo ein Objekt gefunden, auf dem Kalifornien geschrieben stand, abgesehen von einem T-Shirt in San Francisco, das offensichtlich nur eine Ansammlung von Baumwollfäden ist? Du hast Gebäude und Menschen gesehen, aber das siehst du überall auf der Welt. Amerika und Kalifornien sind Projektionen und projizieren kann man, was immer man will. Aber das, was du willst, und die Realität sind zwei verschiedene Dinge. Es hilft, den Unterschied zu erkennen.

Viveka Chudamani - Vertreibe die Wolken der Projektion

Unwissenheit verfinstert das Selbst, wie Wolken den Himmel

- Kommentar zum Viveka Chudamani Vers 143 von Sukadev Bretz -

kavalita-dina-nāthe durdine sāndra-meghair
vyathayati hima-jhañjhā-vāyur ugro yathaitān |
avirata-tamasātmany āvṛte mūḍha-buddhiṃ
kṣapayati bahu-duḥkhais tīvra-vikṣepa-śaktiḥ || 143 ||

"Wie an einem trüben Tag, wenn dichte Wolken die Sonne verdecken und kalte Stürme die Wolken hin- und hertreiben, so geht es dem Menschen, der durch die Verblendung der Unwissenheit mit einer starken Kraft der Projektion (vikshepa-shakti) das Selbst verfinstern lässt."

Ein starkes Beispiel – dichte Wolken verdecken die Sonne. Kalte Stürme treiben die Wolken hin und her und die Sonne wird dadurch verdeckt.

Analogie Sturm zu emotionalen Stürmen

So ähnlich kannst du dir auch bewusst machen ist es mit deinem Selbst. Angenommen du bist voller Wünsche, voller Emotionen, voller Gedanken, voller Getriebenheit… beobachte das eine Weile. Und sage dir: „Stürme stürmen in meinem Geist. Aber ich selbst, ich bin das unsterbliche Selbst.“ Beobachte die Stürme. Du kannst sie sogar auch genießen. In dir oder auch in anderen. Sei dir bewusst: Die Sonne ist weiterhin da. Auch wenn du an einem stürmischen Tag die Sonne nicht siehst, ist sie immer da und sie wird auch wieder strahlen.

Und so gibt es auch mal emotionale Stürme, ein emotionales Donnerwetter oder auch ein gedankliches oder ein zwischenmenschliches Donnerwetter, Gewitter, Hagel, Stürme und so weiter… Deine Sonne wird davon nicht berührt.

Tief im Inneren ist die Seele unberührt von Leid

So ist es auch, wenn du mit anderen zusammen bist und den anderen geht es schlecht und du fühlst dich ohnmächtig, du würdest ihnen gerne helfen. Mache dir tief im Inneren bewusst: der andere tief im Inneren leidet nicht. Der andere ist in Wahrheit auch dieses Selbst, diese Sonne. Er wird nicht davon beeinflusst, was äußerlich geschieht. Und selbst wenn er subjektiv leidet, im Inneren ist er unberührt.

Es sollte dich nicht davon abhalten, Mitgefühl zu zeigen und anderen zu helfen. Aber manchmal kannst du das Leid anderer nur dann aushalten, wenn du weißt: tief im Inneren ist die Seele unberührt. Und du kannst Kontakt aufnehmen zu dieser Seele.

Viveka Chudamani - Löse dich von allen Projektionen

Projiziere nichts auf dich oder andere

- Kommentar zum Viveka Chudamani Vers 398 von Sukadev Bretz -

Wer die Selbsterkenntnis durch den verblendeten Geist – wie von einem Krokodil verschluckt – verloren hat, projiziert die verschiedenen Zustände des Geistes auf das Selbst, weil er fälschlicherweise meint, das Selbst habe die Eigenschaften. Dieser Tor treibt im uferlosen Ozean von Samsara, in der Giftflut der Sinnesobjekte umher. Mal versinkt er im Meer, mal taucht er auf. Was für ein erbärmliches Schicksal.

Du bist das unsterbliche Selbst

Shankara gebraucht hier starke Worte. Er sagt: Höre auf zu denken du hättest etwas zu tun mit den Zuständen deines Geistes. Du bist das unsterbliche Selbst. Er hämmert uns das richtig ein. In fast jeden Vers sagt er es wieder und wieder. Weil es so wichtig ist!

Wann projizierst du die Zustände des Geistes auf dich?

Mache dir bewusst, wann projizierst du die Zustände deines Geistes auf dich selbst? Du kennst das Prinzip der Projektion, auch wenn du es in anderer Hinsicht kennst. Dich ärgert etwas, also projizierst du es und denkst der andere ärgert sich. Oder du verliebst dich in jemanden und der andere verliebt sich nicht in dich, aber du denkst er gibt es nur nicht zu. Oder du hast Angst und denkst der andere ist ängstlich. Das ist eine Ebene der Projektion. Auch darüber ist es gut sich bewusst zu werden. Mache dir bewusst: Du bist das unsterbliche Selbst und nicht der Geist. Höre auf, die Zustände des Geistes auf das Selbst zu projizieren. Probiere dazu vielleicht eine der folgenden Techniken aus, je nachdem welchen Bezugspunkt du hast. Sage dir:

  • In meinem Gemüt ist gerade ein ärgerlicher Zustand.
  • Das Pitta ist gerade hoch gegangen. Da ist viel Rajas]].
  • Irgendwelche Aktionspotenziale im Hirn werden aktiviert.
  • Der Gerechtigkeitsminister ist in mir aktiv.
  • Der Engel der Gerechtigkeit meldet sich gerade.

Aber du bist das nicht.

Löse dich von deinen Projektionen

Probiere eine dieser Techniken aus, um dich zu lösen. Höre auf, die Zustände des Geistes auf dich zu projizieren. Du bist nicht ärgerlich, du bist nicht ängstlich, du bist nicht freudevoll. Du bist das reine unsterbliche Selbst.

Stufen

Indische Geschichte aus einer Nacherzählung von Heinrich Zimmer aus seinem Buch "Weisheit Indiens. Märchen und Sinnbilder" 1938 im L.C. Wittich Verlag in Darmstadt erschienen. S. 18.

Ein wandernder Heiliger war in Verzückung am Straßenrande hingesunken und lag dort die ganze Nacht wie ein Lebloser. Im ersten Morgengrauen stahl sich ein Dieb von seinem nächtlichen Geschäft nach Hause; er sah den Liegenden, musterte ihn und pfiff durch die Zähne. „Der arme Kerl", dachte er, „hat harte Arbeit hinter sich, dass er auf dem Heimweg vor Müdigkeit umgefallen ist. Die Polizei wird ihm schon auf der Spur sein, aber mich soll sie hier nicht finden." Damit sprang er davon.

Bei halbem Lichte kam ein Trunkener dahergeschwankt, er stutzte vor dem Liegenden und redete ihn an: „Siehst du, mein Lieber, das war zuviel für dich, — man muss wissen, wieviel man verträgt. Du liegst jetzt wie ein Toter da, ich aber ziehe aufrecht heimwärts." Damit schwankte er weiter. Zuletzt, als es schon hell war, kam ein wandernder Heiliger. Er erkannte den Bruder und war ergriffen von dessen tiefer Entrückung zu Gott. Stumm setzte er sich neben ihn und streichelte ihm leise seine Füße.

Siehe auch

Literatur

Seminare

Vedanta

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Sukadev Bretz, Ananta Heussler, Madhuka Kuhnle