Yoga Vasishtha

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Valmiki Ramayana.jpg

Yoga Vasishtha (Sanskrit: योगवासिष्ठ yogavāsiṣṭha n.) ein von zahlreichen Geschichten umrankter Dialog zwischen dem Weisen Vasishtha und seinem Schüler Rama über Advaita, den Zustand der Nicht-Dualität. Das Yoga Vasishtha gehört zu den wichtigsten Standardwerken der vedischen Philosophie. Eine andere, aus dem Raum Kashmir stammende Fassung des Yoga Vasishtha ist unter dem Namen Mokshopaya "Mittel zur Erlösung" bekannt.

Das Yoga Vasishta, eines der bedeutendsten Werke indischer Philosophie, ist ein Lehrgespräch zwischen dem legendären Rishi Vasishtha und dem Königssohn Rama. Der junge Rama soll allmählich von seinem Vater die Regierungsgeschäfte übernehmen, befindet sich jedoch in einer spirituellen Krise. Er sieht, dass alle äußeren Werte vergänglich sind - Jugend, Gesundheit, Wohlstand, Ansehen, Macht - und stellt sich die großen Fragen menschlicher Existenz: Was ist Glück? Was ist die Welt? Was ist der Sinn des Lebens? Der weise Vasishta erklärt ihm den Yogaweg, insbesondere den Weg des reinen Vedanta, wonach dieses ganze Universum, so wie wir es normalerweise wahrnehmen, eine Illusion ist. Die höchste vedantische Weisheit kommt in Form fantastischer Geschichten, die sich teilweise in Paralleluniversen abspielen. Vasishta will Rama und damit uns aus unserem normalen Alltagsbewusstsein aufrütteln, uns die Relativität der Welt der Erscheinungen drastisch vor Augen führen. Trotz oder gerade wegen seiner hohen Philosophie ist das Yoga Vasishta eine Anleitung für gelebte Spiritualität im Alltag.

Sukadev über Yoga Vasishtha

Niederschrift eines Vortragsvideos (2014) von Sukadev über Yoga Vasishtha

Yoga Vasishtha ist der Name eines Sanskrit-Werkes, das Valmiki zugeschrieben ist, und welches beschreibt, wie der Heilige und Rishi Vasishtha dem Rama den spirituellen Weg zeigt und ihn von der Wahrnehmung der relativen Wirklichkeit zur Verwirklichung des Höchsten führt. Yoga Vasishtha gehört zu den so genannten "Ithihasas". Im engeren Sinn sind die Ithihasas nur Mahabharata und Ramayana, im weiteren Sinn gehört zu den Ithihasas auch die Yoga Vasishtha dazu.

Wie die Ramayana soll die Yoga Vasishtha auch von Valmiki geschrieben worden sein. Yoga Vasishtha gilt manchmal auch als eines der ältesten Werke über Pranayama, denn in der Yoga Vasishtha wird auch Pranayama beschrieben, ähnlich auch wie in der Yajnavalkya Smriti. Das ist ein Zeichen, dass die Wissenschaft von Pranayama und Hatha Yoga durchaus sehr, sehr alt ist, und es schon in alten Werken beschrieben wurde. Aber Yoga Vasishtha ist nicht hauptsächlich ein Werk über Pranayama, sondern ist ein Werk über Jnana Yoga, den Yoga des Wissens.

Im Yoga Vasishtha gibt der Rishi dem Prinzen Rama Tipps, Hinweise und Lehren, wie er das Höchste verwirklichen kann. Man könnte noch sehr viel mehr sagen über die Yoga Vasishtha. Wir haben bei Yoga Vidya auch die Yoga Vasishtha herausgegeben, du findest also die Yoga Vasishtha als Werk in zwei Bänden. Es ist ein relativ umfangreiches Werk. Und das Faszinierende an dem Yoga Vasishtha ist auch, dass dort viele Geschichten sind. Weil Rama eben kein Philosoph war, sondern ein praktisch gesinnter Mensch, hat Vasishtha Rama die höchste Wirklichkeit anhand von vielen Geschichten erzählt.

So ist Yoga Vasishtha ein sehr faszinierender Text, der auch sehr stark ans Herz geht und den Menschen in der Seele berühren kann, und sehr unterhaltsam auch geschrieben regt Yoga Vasishtha den Menschen in der Tiefe der Seele an. Wenn du daran interessiert bist, kannst du auf unsere Internetseite gehen, www.yoga-vidya.de, und gib ein, "Yoga Vasishtha". Dort findest du zum einen mehr Internetseiten über die Yoga Vasishtha, du findest auch mehr über Vasishtha wie auch über Rama und viele Geschichten über diese beiden, und du findest auch den Link, wie du Yoga Vasishtha, die beiden Bände, auch käuflich erwerben kannst und so tiefer einsteigen kannst ins Jnana Yoga, in die Weisheit des Selbst.

Swami Sivananda über Yoga Vasishtha

Artikel aus Stories from Yoga Vasishtha von Swami Sivananda. The Divine Life Society Publication, 9. Auflage, Uttarakhand, 2009, Einleitung, S. VII-XIII.

Der Rahmen

„Vasishtha Maha Ramayana“ oder „Yoga Vasishtha“ ist das früheste Werk auf Sanskrti über Vedanta. Dieses Werk ist ohnegleichen in der Sanskrit-Lifteratur. Vasishtha, der große Weise, lehrte seinen königlichen Schüler Rama die Prinzipien von Vedanta. Rama besiegte Ravana und ist der Held des Epos Ramayana. Vasishtha erzählte schöne und interessante Geschichten, um die Prinzipien zu veranschaulichen. Das Buch ist in der Sprache von Valmiki geschrieben.

Das „Yoga Vasishtha“ ist die Krone der Schöpfungen über Vedanta. Es handelt sich dabei um ein Meisterstück. Das Studium des Buches erhebt einen Menschen in die luftigen Höhen göttlicher Pracht und Glückseligkeit. In ihm verbirgt sich in der Tat eine enorme Weisheit. Wer Atma Chintana oder Brahma Abhyasa oder Vedantische Meditation praktiziert, wird einen unbezahlbaren Schatz in diesem großartigen Buch finden. Wer das Buch mit großem Interesse studiert, mit Einpünktigkeit des Geistes, wird selbstverständlich die Selbstverwirklichung erlangen. Die praktischen Hinweise zu Sadhana sind einzigartig. Selbst der Mensch, der sehr stark an Worten hängt, wird leidenschaftslos werden und Frieden im Geist und Trost erfahren.

Das „Yoga Vasishtha“ war einst das am meisten gelesene Buch in Indien. Es beeinflusste den allgemein verbreiteten Gedanken über Philosophie am stärksten. Der Pandit Brindawana Saraswati aus Benares hatte das „Yoga Vasishtha“ 165 Mal gelesen. Es ist ein umfassendes, tiefgreifendes, systematisches und literarisch-philosophisches Werk des alten Indiens.

Der Name leitet sich von dem Weisen Vasishtha ab. Obwohl das Buch „Yoga Vasihtha“ heißt, geht es darin nur um Jnana. Die Yogapraxis wird innerhalb von zwei Geschichten behandelt. Das Wort „Yoga“ wird im Titel des Buches mit seinem allgemeinen Sinn benutzt. Das Buch ist auch unter dem Namen „Jnana Vasishtham“ bekannt. Der Rishi Valmiki, der Autor des Ramayana, stellte dieses außergewöhnliche Buch zusammen. Er ordnete das gesamte Buch des „Yoga Vasishtha“ dem Rishi Baradwaja zu, da es zwischen Rama und dem Weisen Vasishtha stattfand.

Die Struktur

Es gibt zwei Bücher: das Brihad Yoga Vasishtha und das Laghu Yoga Vasishtha. Das erste ist ein großes Buch, das 32.000 Granthas und Slokas oder 64.000 Zeilen enthält. „Brihat“ bedeutet groß. Das zweite Buch beinhaltet 6.00 Granthas. „Laghu“ bedeutet klein.

Das „Yoga Vasishtha“ enthält ein System alter philosophischer Gedanken, die einzigartig sind. Es ist ein wertvolles Erbe aus grauer Vorzeit aus diesem heiligen Land, das als „Bharatavarsha“ oder „Aryavarta“ bekannt ist. Das Gedankensystem, das in diesem Buch vorgestellt wird, ist ein wichtiger Beitrag für das philosophische Gedankengut der ganzen Welt und nicht nur für Indien.

Jene, die ihren Geist von dieser Welt abgewandt haben, die den Objekten dieser Welt gegenüber gleichgültig geworden sind und die sich nach Befreiung sehnen, werden aus diesem wertvollen Buch Nutzen ziehen. Sie werden in diesem Buch umfassendes und tiefgreifendes Wissen und praktische spirituelle Anweisungen für ihr tägliches Leben finden. Das „Yoga Vasishtha“ kündigt zunächst eine Doktrin mit ihren unterschiedlichen Aspekten an und macht sie danach durch interessante Geschichten transparent. Das ist ein Buch, das man so oft wie möglich liest und daraus seine Lehren zieht. Es muss immer wieder gelesen, studiert und gemeistert werden.

Das „Yoga Vasishtha“ behandelt das Thema, wie man die Wiedervereinigung zwischen der individuellen Seele und dem Höchsten Selbst erreichen kann - trotz der Versuchungen und Erschütterungen des Lebens. Es beschreibt unterschiedliche Richtungen für die Vereinigung des Jivatma mit Paramatma. Die Natur von Brahman oder Sat und die unterschiedlichen Methoden, Selbstverwirklichung zu erreichen, werden in diesem Buch lebhaft beschrieben. Die wichtigste Erforschung der endgültigen Glückseligkeit wird wunderschön beschrieben. Dieses Buch beinhaltet die Wissenschaft der Ontologie, das Wissen über das Selbst, die Prinzipien der Psychologie, die Wissenschaft der Emotionen, die ethischen Grundsätze und praktische Moral, Diskurse über Theologie uvm. Die Philosophie von Yoga Vasishtha ist erhaben und einzigartig.

Das Buch enthält sechs Parakaranas oder Bereiche: 1.) Vairagya Prakarana (über die Leidenschaftslosigkeit oder Gleichgültigkeit); 2.) Mumukshu Prakarana (Von der Sehnsucht nach Befreiung); 3.) Utpatti Prakarana (Über die Schöpfung oder den Ursprung); 4.) Sthiti Prakarana (Über die Erhaltung oder die Existenz); 5.) Upasanti Prakarana (Über die Auflösung oder die Stille); und 6.) Nirvana Prakarana (Über die Befreiung). Das Yoga Vasishtha beschreibt, dass diese Welt der Erfahrungen mit unterschiedlichen Objekten, mit Zeit, Raum und Gesetzen, eine Schöpfung des Geistes ist, der eine Idee von Kalpana ist. Genauso wie die Objekte durch den Geist im Traum erschaffen werden, so wird auch im Wachzustand alles vom Geist erschaffen. Die Ausdehnung des Geistes ist Sankalpa.

Der Inhalt

Sankalpa erschafft mit Unterscheidungskraft dieses Universum. Zeit und Raum sind nur mentale Schöpfungen. Durch das Spiel der Objekte im Geist scheint Nähe eine große Distanz zu sein und umgekehrt. Durch die Kraft des Geistes wird ein Kalpa als ein Augenblick wahrgenommen und umgekehrt. Ein Augenblick innerhalb der weltlichen Erfahrung kann im Traum wie Jahre empfunden werden. Der Geist kann innerhalb eines kurzen Abstandes die Erfahrung von Meilen machen, der Abstand kann aber auch nur als solcher wahrgenommen werden. Der Geist ist nichts anderes als Brahman und ist von diesem auch nicht getrennt. Brahman manifestiert sich selbst als Geist. Der Geist verfügt über kreative Kraft. Der Geist ist der Grund für Bindung und Befreiung.

Die Doktrin von Drishti Srishtivada wird in der Yoga Vaishtha dargelegt. An manchen Stellen spricht Vasishtha von Ajatavada von Sri Gaudapadacharya, dem großen Guru von Shankara. Du beginnst zu sehen und dann ist da die Schöpfung. Das ist Drishti Srishtivada. Diese Welt existiert überhaupt nicht in diesen drei Zeitspannen. Das ist Ajatavada oder die Ursprungslosigkeit des Universums.

Das Yoga Vasishtha ist ein sehr inspirierendes Buch. Jeder Vedantaschüler sieht dieses Buch als Lehrbuch an und liest es immer wieder. Es ist ein ständiger Begleiter für einen Schüler des Jnana Yoga. Es ist kein Prakriya Grantha. Es geht nicht um die Prakriyas oder Kategorien des Vedanta. Nur fortgeschrittene Schüler können dieses Buch studieren. Anfänger sollten zunächst „Atma Bodha“, „Tattwa Bodha“ und „Atmanatma Viveka“ von Shankara studieren. Bevor der Schüler sich der Yoga Vasishtha zuwendet, sollte er auch noch „Pancheekaram“ kennen.

Moksha bedeutet nach Vasishtha das Erlangen der Essenz der Glückseligkeit von Brahman durch das Wissen über das Selbst. Es bedeutet Freiheit von Tod und Wiedergeburt. Das ist der makellose und ewige Sitz von Brahman, wo es weder Sankalpas noch Vasanas gibt. Der Geist erlangt hier die Stille. Alle Vergnügungen der Welt sind eine Kleinigkeit, wenn man sie mit der unendlichen Glückseligkeit von Moksha vergleicht

Was „Moksha“ genannt wird, befindet sich weder in Devaloka noch in Patala oder auf der Erde. Wenn alle Wünsche zerstört sind, ist allein die Auflösung des expansiven Geistes Moksha. Moksha beinhaltet weder Zeit noch Raum oder ein Außen oder Innen. Wenn die illusionäre Idee des „Ich“ oder Ahamkara vergeht, wird das Ende der Gedanken (die Maya darstellen) erfahren, und das ist Moksha. Die Auflösung aller Vasanas begründet Moksha.

Sankalpa ist nur Samsara; seine Vernichtung ist Moksha. Nur wenn Sankalpa, jenseits der Wiederauferstehung zerstört wird, setzt Moksha oder der ewige Sitz von Brahman ein. Moksha bedeutet die Befreiung von allen möglichen Schmerzen (Sarva Duhkha Nivritti) und das Erreichen der höchsten Glückseligkeit (Paramananda Prapti). „Dukha“ bedeutet Schmerz oder Leiden. Geburten und Tode rufen den größten Schmerz hervor. Die Freiheit von Geburten und Toden ist Freiheit von allen möglichen Schmerzen. Durch Brahma Jnana oder durch das Wissen über das Selbst wird Befreiung (Moksha) herbeigeführt. Die Stille, die im Geist durch die Abwesenheit von Wünschen nach Objekten hervorgerufen wird, ist Moksha.

Moksha ist keine Sache, die erreicht werden kann. Moksha ist schon da. In Wirklichkeit bist du gar nicht gebunden. Du bist ewig rein und frei. Wenn du wirklich gebunden wärst, könntest du niemals frei werden. Du musst wissen, dass du das unsterbliche, allesdurchdringende Selbst bist. Wenn du Das weißt, dann wirst du Es auch. Das ist Moksha. Das ist das Ziel des Lebens. Das ist das Summum Bonum der Existenz. Dieser Zustand der Nichtanziehung des Geistes, wenn weder „Ich“ noch irgendein anderes Selbst existiert, und alle Vergnügungen der Welt aufgegeben worden sind, sollte als Weg bekannt sein, der zu Moksha führt.

Nach „Yoga Vasishtha“ ist das Absolute „Satchdiananada Parabrahman“, das nicht dual ist, ungeteilt, unendlich, selbstleuchtend, unveränderlich und ewig. Das ist der Ozean des Seins, in dem wir alle leben und uns bewegen. Er liegt jenseits des Geistes und der Sinne. Er ist die letztendliche Substanz. Er ist die Einheit hinter dem Subjekt und das Objekt der Erfahrung. Er ist eine einzige homogene Essenz. Er durchdringt alles. Er kann nicht beschrieben werden. Er ist ohne Namen, farblos, ohne Geschmack, zeitlos, ohne Raum, ohne Tod und Geburt.

Wer einen ruhigen Geist hat, der mit den „Vier Mitteln“ der Befreiung ausgestattet ist. Wer frei von Fehlern und Unreinheiten ist, kann das Selbst intuitiv durch Meditation erkennen. Die Schriften und der spirituelle Beobachter kann uns nicht Brahman zeigen. Sie können uns nur führen und uns über Analogien und Bilder Hinweise geben.

Shanti (Geistesstille), Santosh (Zufriedenheit), Satsang (Zusammensein mit Heiligen) und Vichara (Atmische Befragung) sind die vier Wächter, die das Tor zu Moksha bewachen. Wenn du dich mit ihnen anfreundest, wirst du das Reich von Moksha leicht erreichen. Selbst wenn du dich nur einem näherst, wird er dich sicherlich den anderen drei vorstellen.

Der Schüler sollte unerschütterlich davon überzeugt sein, dass Brahman die einzige Wirklichkeit ist, dass alles Brahman ist, dass Brahman das tiefste Innere von jedem Wesen ist. Dann sollte er diese Wahrheit durch direkte Erkenntnis oder Intuition (Aparokshnubhava) erlangen. Dieses direkte Wissen über Brahman allein bedeutet Befreiung.

Es gibt keinen Unterschied zwischen den Erfahrungen im Wach- und im Traumzustand. Der Wachzustand ist ein langer Traum. Die Traumerfahrungen werden unwahr, sobald der Mensch zu seinem echten Wachzustand zurückgekehrt ist. Genau so wird der Wachzustand unwahr für einen Weisen, der die Selbstverwirklichung erreicht hat. Für den Träumer wird der Wachzustand unwahr.

Der Jivanmukta wandert glücklich umher. Er fühlt sich zu nichts hingezogen und mit nichts verhaftet. Er muss nichts erreichen, und er muss nichts aufgeben. Er dient dem Wohlergehen der gesamten Welt. Er ist frei von Wünschen, Egoismus und Gier. Er ist einsam, obwohl er im lautesten Stadtteil arbeitet.

Möget ihr alle den Nektar von „Yoga Vasishtha“ trinken! Möget ihr alle den Honig der Weisheit über das Selbst schmecken! Möget ihr alle noch in diesem Leben Jivanmuktas werden! Möge der Segen von den Weisen Vasishtha, Valmiki und anderen Brahma Vidya Gurus mit euch allen sein! Möget ihre alle an der Essenz und der Glückseligkeit von Brahman teilhaben!

Die Essenz von Yoga Vasishtha

Artikel aus Stories from Yoga Vasishtha von Swami Sivananda. The Divine Life Society Publication, 9. Auflage, Uttarakhand, 2009.

Ein Gemälde aus dem Yoga Vasishtha Manuskript, 1602

Wenn die vier Wachen – Shanti (Frieden), Vichara (Atmische Befragung), Santosh (Zufriedenheit) und Satsanga (Gesellschaft mit Heiligen) - die am Tor zu Moksha behilflich sind, dann wird es kein Hindernis mehr geben, um die letztendliche Befreiung zu erlangen. Auch wenn nur ein einziger davon behilflich ist, wird er dich seinen Gefährten vorstellen.

Wenn du Wissen über das Selbst oder Jnana Brahma erlangst, wirst du von den Fesseln von Geburt und Tod befreit. All deine Zweifel werden verschwinden und das ganze Karma wird vergehen. Nur durch die eigenen Bemühungen kann der unsterbliche, glückselige Thron von Brahman erreicht werden.

Der Geist allein erstickt Atman. Die Form des Geistes sind nur die Sankalpas. Die wahre Natur des Geistes sind die Vasanas. Nur die Handlungen des Geistes sind wirkliche Handlungen (Karmas). Das Universum ist nichts weiter als der Geist, der sich durch die Kraft von Brahman manifestiert. Wenn der Geist den Körper anbetet, wird er zum Körper selbst und wenn er dann mit ihm verstrickt ist, wird er von ihm getrübt.

Der Geist manifestiert sich selbst als die äußere Welt, in Form von Schmerzen und Vergnügungen. Subjektiv betrachtet besitz der Geist kein Bewusstsein. Objektiv betrachtet, ist er das Universum. Durch seinen Feind, die Unterscheidungskraft, kehrt der Geist zurück in seinen bewegungslosen Zustand von Parabrahman. Die wahre Glückseligkeit kommt auf, wenn der Geist, der durch das ewige Jnana von allen Wünschen befreit ist, seine subtile Form zerstört. Die Sankalpas und Vasanas, die du entwickelst, umspinnen dich wie ein Netz. Das Licht von Parabrahman allein erscheint als der Geist oder das Universum.

Menschen mit atmischer Befragung werden diese Welt als genauso real ansehen. Sie ist allerdings nichts weiter als die Natur der Sankalpas. Die Ausdehnung des Geistes allein ist Sankalpa. Sankalpa ruft durch die Unterscheidungskraft dieses Universum hervor. Das Löschen der Sankalpas allein ist Moksha.

Der Feind des Atman ist der unreine Geist, der mit exzessiven Wahnvorstellungen gefüllt ist und Wortgedanken beheimatet. Es gibt kein Fahrzeug auf dieser Erde, das in der Lage ist, durch den Ozean von Wiedergeburten zu fahren - außer dem antagonistischen Geist.

Der ursprüngliche Spross des schmerzvollen Ahamkaras, mit seinem zarten Schaft an Wiedergeburten, verästelt sich selbst in alle Rinchtungen mit langen Ästen von „Mein“ und „Dein“. Er erntet seine unreifen Früchte von Tod, Krankheit, Alter und Sorgen. Dieser Baum kann mit dem Feuer von Jnana entwurzelt werden.

All die heterogenen Objekte, die mit den Sinnesorganen wahrgenommen werden können, sind einfach unwahr. Was wahr ist, ist Parabrahman oder das Höhere Selbst. Wenn alle Objekte, die eine bezaubernde Erscheinung haben, zu Schandflecken werden und das Gegenteil ihrer vorhergehenden Gefühle präsentieren, wird der Geist zerstört. Alle Besitztümer sind sinnlos. Aller Reichtum führt dich in Gefahren. Die Wunschlosigkeit wird dich in das ewige, glückselige Zuhause führen.

Vernichte die Vasanas und Sankalpas. Vernichte den Egoismus. Vernichte den Geist. Statte dich mit den „Vier Mitteln“ aus. Meditiere auf das reine, unsterbliche, allesdurchdringend Selbst oder Atman. Erlange Wissen über das Selbst und erreiche dadurch Unsterblichkeit, immerwährenden Frieden, ewige Glückseligkeit, Freiheit und Perfektion.

Yoga Vasishtha zum Thema Karma

Swami Sivananda zitiert in seinem Werk „Practice of Karma Yoga“ die folgende Passage aus der Yoga Vasishtha zum Thema Karma:

Schicksal ist nichts anderes als die Auswirkungen unserer früheren Bemühungen. (II-6-4). Unsere früheren Bemühungen werden Schicksal genannt. (II-6-36). Unsere Leistungen werden durch unsere Bemühungen bestimmt. Deshalb ist unsere Bemühung unser Schicksal (II-6-2). Unsere früheren und jetzigen Bemühungen, so sie in gegensätzliche Richtungen verlaufen, sind zwei Böcke, die gegeneinander kämpfen. Der stärkere der beiden stürzt immer den anderen (II-6-10). Ob es nun die früheren oder die jetzigen Bemühungen sind, die stärkeren bestimmen unser Schicksal. In jedem Fall bestimmt das eigene Bemühen das Schicksal, kraft seiner Stärke (II-6-8). Der Mensch bestimmt sein eigenes Schicksal durch seine Gedanken. Er kann auch die Dinge geschehen lassen, die nicht vorgesehen waren (V-24-28). Die Seele des Menschen ist machtvoll genug. In der Welt geschehen nur die Dinge, die sie durch eigene, freie Bemühungen selbst geschaffen haben, nicht durch andere (V-24, 35, 36). Man sollte deshalb sein eigenes ungünstiges Schicksal (die Auswirkung der eigenen früheren Bemühungen) durch größere Bemühungen in der Gegenwart überwinden, die Zähne zusammenbeißend.“ (III-96-8).

Yoga Vasistha von Sri Swami Venkatesananda

Vasishtha wünscht sich von Nandini ein gelungenes Festessen.

Das Yoga Vasistha ist ein Werk von größter Wichtigkeit, jedoch bei weitem nicht so bekannt wie zum Beispiel die Bhagavad Gita. Es enthält eine höchst moderne Kosmologie sowie Theorien der Physik, nicht nur auf nuklearem, sondern ebenso auf subatomarem Gebiet.

Besonders hervorzuheben ist, dass es eine Vision enthält, die gleichzeitig genial und feinsinnig ist. Vor kurzem las ich ein sehr interessantes Buch mit dem Titel "Lives of a Cell" (Die Leben einer Zelle) von Lewis Thomas. Er beschreibt darin den menschlichen Körper in einer kosmischen Dimension, dahingehend, dass sich in jeder Zelle des Körpers ein gewaltiger Organismus befindet, in dem unabhängige Organismen bestehen, die wiederum Organismen enthalten – Welten in Welten. Das entspricht genau der Theorie des Yoga Vasisthas. Thomas führt aufgrund seiner Studien aus, dass er die Erde nicht als einen Organismus sieht, die beste Sicht auf die Welt ist, dass sie eine einzelne Zelle ist.

Das Yoga Vasistha enthält eine schöne Geschichte, die genau diesem Gedanken ähnelt. So man diese Sicht einnimmt, verschwinden all die Unterscheidungen, die in unserer Sichtweise herumspuken. Du, ich, ein Hund - wir sind nicht nur eins, sondern wir sind alle Zellen, kleine Wesen in einer Zelle.

Die Schrift enthält nützliche Gesundheitstipps, psychosomatische Theorien, wunderbare Erklärungen bezüglich Meditation und Gottesdienst, Anweisungen zur Kriegskunst und höchst romantische Geschichten. Natürlich sind wir nicht von alledem betroffen. Die meisten unserer Fragen drehen sich um Themen wie: "Was ist Leben? Wer bin ich? Was ist meine Aufgabe? Warum bin ich hier?" Jeder kommt irgendwann zu dem Punkt, wo er glaubt: "Ich lebe ein nutzloses Leben. Warum dies alles? Ich fühle mich unbedeutend – wie ein trockenes Blatt im Wind." Hoffnungslosigkeit macht sich breit, was Johannes vom Kreuz als die "Nacht der Seele" bezeichnet. Die Antwort auf diese Gedanken enthält das Yoga Vasistha.

Vasistha erklärt gleich zu Anfang, dass, wer das Gefühl hat: "Ich bin psychisch gebunden und kann diesem Gefängnis nicht entkommen" genau der Adressat dieser Schrift ist. Wenn die Seele, die die dunkle Nacht erleidet, das Licht ergreift, ist sie sofort erleuchtet. So besagt es diese Lehre.

Warum erscheinen Verzweiflung und Furcht in unserem Leben? Warum haften wir an etwas an in diesem Leben? Warum hassen wir etwas in diesem Leben? All das entsteht aus Hoffnung und Wunsch nach Glück und Ruhe im Geist. Diese Hoffnung führt uns unvermeidlich zur Selbstzerstörung, zum unglücklich sein. Vasistha lehrt: "Gibt den Gedanken auf, der Welt davonrennen zu wollen. Versuche nicht einmal zu untersuchen, was die Verzweiflung ist. Beschäftige dich nicht mit diesem vergänglichen Phänomen. Lasse deinen Geist nicht in etwas verweilen, das unwirklich ist."

Dieser Vers ist besonders passend:
bhramasya jagatasya ’sya jatasya ’kasavarnavat
apunah smaranam manye sadho vismaranam varam

Die Welt ist Bhrama - Erscheinung, Täuschung. Vasistha vergleicht die Erscheinungswelt mit dem Blau des Himmels. Obwohl da nichts Blaues ist sieht man blau. Diese Täuschung besteht so lange du sie betrachtest und dich damit beschäftigst. Du hast dich in die Erscheinungswelt verbissen mit dem ewigen Gedanken, ob sie wirklich oder nichtwirklich ist. Vasistha lehrt: "Es ist besser, an etwas anderes zu denken."

Welcher Art ist die Wirklichkeit? Das was ist, ist wirklich. Folgendes Beispiel wird in der Schrift mehrmals angeführt: Ein Armband ist aus Gold. Armband ist nur ein Wort. Wir sehen eine Form und sobald wir sie sehen, werden im Geist ein Begriff und ein Wort erzeugt. Wenn wir das Wort negieren und die Form betrachten, können wir ein sehr interessantes Spiel beobachten. Ist es Gold oder ist es ein Armband? Beides. Wie kann eines zwei sein? Die Substanz ist Gold, die Erscheinung ist Gold. Gold erscheint in einer bestimmten Form und Konventionen bezeichnen sie mit einem Wort.

Wenn das verstanden ist, ist alles verstanden. Wenn mich zum Beispiel jemand einen Idioten nennt, so stimme ich, wenn ich darauf reagiere, dem zu. Die Behauptung hatte eine bestimmte psychologische Form, doch die Wirklichkeit von dem ist nichts weiter als reine innere Bewusstheit. Etwas das in der Außenwelt geschah, schickte mich in den Ozean der Verzweiflung. Ich wurde ängstlich und machte mir nicht die Mühe, es zu ergründen, denn ich erachtete die äußeren Geschehnisse als wirklich. So war meine Aufmerksam vollkommen auf diese äußere Erfahrung gerichtet. Wenn ich kein Idiot bin, warum sollte ich dann reagieren? Kann ich in solch einer Situation die Wirklichkeit erkennen? Wer ist der Mensch, den ich Mensch nenne? Was ist die Wirklichkeit des Körpers, des Geistes? Was ist die Wirklichkeit dessen, was ich "Ich" nenne, das was reagiert? Sind dies zwei völlig getrennte und unabhängige Wirklichkeiten? Diese doppelte Nachfrage muss gemeinsam geschehen, nicht eine nach der anderen. Subjekt und Objekt müssen gemeinsam betrachtet werden.

Ein Student des Yoga Vasisthas erkundete, dass Erleuchtung aus nur drei Schritten besteht: Eine Erscheinung tritt auf. Was ist die Substanz hinter der Erscheinung? Der Geist. Welche ist die Substanz des Geistes und wer versteht all das? Die Antwort ist, reines Bewusstsein. So ist dieses Bewusstsein, Du und Ich, Subjekt und Objekt, erschienen, um getrennt zu werden.

Das allgegenwärtige und ewige Bewusstsein manifestiert (kein anderes Wort ist passend) sich selbst überall auf ewig. Die Verschiedenheit kann nicht vergehen, doch was vergehen kann und soll ist die Sichtweise auf diese Verschiedenheit. Das Ewige bleibt für ewig ewig und drückt sich in Erscheinungen seiner selbst in sich selbst und durch sich selbst aus.

Eine Analogie gibt uns Vasistha. Er führt aus, die sichtbare Schöpfung ist ein noch nicht behauener Marmorblock, dem die Figur jedoch bereits innewohnt - du bist der Bildhauer und du überlegst, welch schöne Gestalt du aus dem Marmorblock erschaffen könntest. Deine Vorstellung ist potentiell im Unbehauenen enthalten. Du kannst dir einen großen Buddha oder hunderte von kleinen Buddhas in diesem großen Buddha vorstellen. Ebenso ist es mit der Welt.

Die Welt existiert nicht als eine Wirklichkeit. Die Welt ist eine Welt und da ist eine psychologische Form. Die psychologische Form ist nichts weiter als eine Halluzination, die im Bewusstsein erscheint. Wenn wir sie als eine unabhängige Realität annehmen, ergreifen wir etwas und lehnen etwas anderes ab. Alle diese Erfahrungen formen wieder Eindrücke im Geist, lassen die Fesseln erstarken oder zumindest die Idee von der Fessel.

Äußere Welt und äußere Umstände tauchen in diesem kosmischen Bewusstsein (das du Gott nennst) auf. Dasselbe Bewusstsein erfährt diese äußeren Umstände als subjektive, stets im Wandel begriffene Entitäten, das ist alles. Dies erkennend bist du frei von der Täuschung, diese Erscheinungen als Wirklichkeit zu sehen. Befreit von der Täuschung, sagt Vasistha, sitzt du nicht untätig herum, du entledigst dich dem Fluss des Lebens. Letztendlich weist Vasistha darauf hin: "Lebe ganz normal in der Welt doch sei frei von Leid". Wenn du kehren musst, kehre. Wenn du Leid ausdrücken musst, drücke es aus. Wenn du Freude ausdrücken musst, drücke sie aus. Wenn dir all das gelingt, denn du bist frei.

Ich kenne nur eine Person, die dieser Beschreibung nahekommt – mein Guru Swami Sivananda. Er war erleuchtet, befreit und human. Wenn du ihm eine traurige Geschichte erzähltest waren in seinen Augen Tränen, noch bevor sie in deinen Augen waren. Wenn du ihm etwas Erfreuliches erzähltest, war er glücklicher als du. Er war vollkommen ungehemmt. Frei, psychisch und spirituell. Er war immer sehr beschäftig, nicht weil er etwas erreichen wollte, sondern weil er erkannt hatte, das Erreichen oder Nichterreichen für das Leben völlig nebensächlich sind.

Dein Leben ist nicht dein Leben. Es ist ein Teil des kosmischen Wesens und was immer dieses kosmische Wesen entscheidet wird geschehen. Dies zu verstehen ist Hingabe. Um das zu erkennen musst du durch Verzweiflung gegangen sein. Du musst zu dem klaren Verständnis gelangen, dass das was du willst nicht geschehen wird. So du etwas möchtest, arbeite dafür und wenn es geschieht, würde Vasistha sagen, dass es ein zufälliges Zusammentreffen ist. Es geschieht nicht, und du wirst feststellen dass es öfter nicht geschieht als dass es geschieht. Wer das erkennt, gibt sich völlig hin und an diesem Punkt richtet er seine Aufmerksamkeit auf die Quelle all dieser Bitten, Wünsche, Hoffnungen und Bedenken und erkennt, von Angesicht zu Angesicht, den Geist. Er erkennt, dass dieser Geist selbst reines Bewusstsein ist. In ihm erscheinen konditionierte Ereignisse und selbst sie werden aufgelöst. Das ist ein komplett freies Leben, augenblicklich frei und göttlich.

Introduction to the Yoga Vasistha

Siehe auch

Literatur

Weblinks

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