Satsang

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Satsang (Sanskrit: सत्सङ्ग satsaṅga m.; Hindi: सत्संग satsaṃg m.; von sat = wahr, sanga = Umgang) bedeutet wörtlich: das Zusammensein mit der Wahrheit. Satsang bezeichnet in der indischen Philosophie und in den daraus abgeleiteten spirituellen Lehren ein Zusammensein von Menschen, die durch gemeinsames Hören, Reden, Nachdenken, Meditation und Versenkung in die Lehre nach der höchsten Einsicht streben. Es bedeutet ebenfalls das Treffen von Menschen unter der Leitung eines Gurus oder Weisen.

Zum Satsang gehört auch das Kirtansingen

Reihenfolge und Rituale im Satsang in der Sivananda Tradition:

Inhaltsverzeichnis

Sukadev über Satsang

Niederschrift eines Vortragsvideos (2014) von Sukadev über Satsang

Satsang heißt Zusammenkommen, um die Wahrheit zu erfahren. "Sat" heißt Wahrheit, "Sanga" heißt zusammenkommen. Und das hat verschiedene Bedeutungen. Satsang heißt Zusammentreffen von guten Menschen. Sat heißt auch „ein guter“. Es ist ein spirituelles Treffen: Sanga heißt Treffen, Sat heißt auch spirituell. In einer neuen Interpretation heißt auch Satsang – Zusammenkommen mit der Wahrheit, Zusammenkommen mit dem Selbst, Zusammenkommen mit einem selbstverwirklichten Meister und Guru. Satsang in einem weiteren Sinne heißt auch, eine bestimmte Form der spirituellen Praxis, die aus Meditation, Mantrasingen, Lesung oder Vortrag, Friedensgebet und Arati besteht. Jetzt hast du eine Menge von verschiedenen Bedeutungen für Satsang.

Wenn wir bei Yoga Vidya von Satsang sprechen, dann ist eben diese spirituelle Praxis gemeint. Satsang bei Yoga Vidya ist eine gemeinsame Praxis, wo mehrere Menschen zusammenkommen und dort zusammen meditieren, Meditation üben. Vor der Meditation können dort die Avahana-Mantras, Anrufungs-Mantras, rezitiert werden, dann folgt Meditation, normalerweise zwanzig bis dreißig Minuten, man kann aber auch länger meditieren, dann folgt der Jaya Ganesha Kirtan, danach können eins, zwei, drei oder mehr Kirtans folgen, dann folgt eine Lesung oder ein Vortrag, danach Om Tryambakam, Friedensgebete, allumfassendes Gebet, Arati und dann das Twameva, die Widmung, Verneigen und Verteilen von Prasad. All das zusammen ist dann Satsang. Das ist der Satsang als eine gemeinsame spirituelle Praxis.

Es gibt aber eben auch andere Bedeutungen von Satsang und Swami Sivananda spricht in seinen Werken von Satsang als Gemeinschaft mit großen Heiligen. Wenn jemand ein großer Lehrer ist, ein großer Meister ist, dann strahlt er seine Verwirklichung aus. Ein Mensch ist jemand, der von anderen Menschen stark beeinflusst wird, auch telepathisch, durch die Ausstrahlung, Charisma. Bist du mit einem Menschen zusammen, der die höchste Wirklichkeit erfahren hat, dann spürst du und erahnst selbst diese höhere Wirklichkeit, insbesondere wenn du dich auf den Meister einstimmst. Daher ist mit einem Menschen zusammen zu sein, der die höchste Wahrheit verwirklicht hat, auch Satsanga. "Sanga" – du kommst zusammen, und "Sat" – mit jemandem, der die höchste Wahrheit verwirklicht hat.

In einer anderen Bedeutung ist Satsang auch ein Zusammentreffen mit anderen Aspiranten, um gemeinsam nach der höchsten Wahrheit zu streben, zu forschen, spirituelle Praktiken zu machen. Schon wenn du mit jemand anderem meditierst, oder wenn du mit jemand anderem über die höchsten Wahrheiten sprichst, ist auch das Satsang. Und auch wenn ein spirituelles Buch liest ist das der so genannte "indirekte Satsang". Wenn du in einem Buch liest, das insbesondere geschrieben wurde von einem Heiligen, einem Weisen, einem Selbstverwirklichten, dann verbindest du dich mit diesem Heiligen, mit diesem Weisen, mit diesem Selbstverwirklichten während du liest.

Wenn du mit Ehrerbietung ein spirituelles Buch liest, z.B. die Bücher von Swami Sivananda oder die Bhagavad Gita oder die Bibel, dann spürst du Gemeinschaft - Sanga, mit der höchsten Wahrheit – die verkörpert wurde in diesem Meister oder eben auch in dieser Heiligen Schrift. Du siehst, Satsanga hat viele Bedeutungen. Satsang auf Hindi ist eben Satsang, auf Sanskrit wäre es "Satsanga".

Swami Sivananda über Satsang (Bund der Weisen)

Artikel aus Stories from Yoga Vasishtha von Swami Sivananda. The Divine Life Society Publication, 9. Auflage, Uttarakhand, 2009, 19-21.

Satsang ist wie ein Boot, mit dem man den schrecklichen Ozean des Samsara überquert. Die Gesellschaft der Weisen ist – und wenn auch nur für einen Moment - außerordentlich gewinnbringend. Sogar der bloße Darshan der Mahatmas löscht Sünden aus und erhebt den Geist. Die Gemeinschaft tugendhafter Menschen erzeugt die frische Blüte der Unterscheidungskraft. Die Gemeinschaft der Weisen wehrt alles Unglück ab und zerstört den Baum des Unwissens. Weise stellen für Aspiranten die besten Verhaltensregeln auf und lehren sie die richtige Lebensweise. Die Gesellschaft der Tugendhaften weist den richtigen Weg und vertreibt die innere Dunkelheit der Menschen. Die Gesellschaft der Weisen ist ein unfehlbares Mittel, Maya und den Geist zu besiegen.

Zufriedenheit, Satsang, Atma Vichara und Shanti stellen die vierfachen Werkzeuge dar, die Selbstverwirklichung zu erreichen. Wer diese vier Werkzeuge besitzt, hat den Ozean des Samsara überwunden. Zufriedenheit wird als der höchste Gewinn erachtet, gute Gesellschaft als der richtige Weg, Selbsterforschung als das wahre Wissen und Shanti als die höchste Wonne des Menschen. Wer diese vier Werkzeuge besitzt, dem dienen Wohlstand und Erfolg. Sobald eine dieser Tugend entwickelt ist, dient sie dazu, die starken Mängel deines unbeherrschten Geistes abzuschwächen. Die Pflege der Tugend führt zur Ausmerzung der Laster, das Fördern der Laster trägt im Gegenteil dazu bei, diese zu vermehren und tugendhafte Eigenschaften zu unterdrücken. Der Geist ist ein Dschungel an Irrtümern, in denen der Strom unserer Wünsche mit unheimlicher Kraft zwischen seinen beiden Ufern von Gut und Böse fließt.

Deshalb, oh Rama, beherrsche mutig deinen Geist und entwickle zugunsten deiner Lebensweise unermüdlich die vierfachen Werkzeuge. Wer auch immer, regelmäßig atmische Selbsterforschung pflegt, wird von Schmerz und Unglück des Samsaras verschont. Er erlebt geistige Gelassenheit und Gleichmut. Er ist für immer fried- und freudvoll. Maya belästigt ihn nie. Er meditiert für immer über den ewigwährenden und selbstleuchtenden Atman.

Man sollte regelmäßig Bücher über Atma Jnana lesen, die Gesellschaft von Weisen suchen, die vierfachen Werkzeuge sowie das wahre Verhalten entwickeln, die Sinne kontrollieren und die atmische Selbsterforschung solange betreiben, bis das Wissen über das Selbst in einem heraufdämmert. Ein Jivanmukta ist absolut wunschlos, ohne „ich“, ohne „mein“, furcht- und ärgerlos. Er erschaut das Selbst alleine überall. Er besitzt den universellen Blick (Samata). Er ist ausgeglichen (Samahita Chitta).

Er ist nicht Verhaftungen, Sehnsüchten und Gelüsten ausgesetzt. Sein Zustand ist bar jeder Beschreibung und dennoch bewegt er sich in der Welt wie ein normaler Mensch. Immer ist er ruhig und friedlich. Er verharrt im Zustand des Turiya. Er identifiziert sich mit dem reinen, alles durchdringenden Brahman. Er kennt keine Dualitäten, Unterschiede und Abgrenzungen. Oh tapferer Rama! Du kannst sogar auf die Aussagen eines Kindes vertrauen, wenn diese mit den Äußerungen der Srutis, der Anweisungen des Gurus und deiner eigenen Erfahrung übereinstimmen.

Ist dies nicht der Fall, dann solltest du sogar selbst die Äußerungen Brahmas wie Stroh verwerfen. Wisse, oh unerschrockener Raghava, dass es verschiedene ähnliche Verfahren gibt, um Wissen über das Selbst in dir zu schaffen und die Natur des nicht-dualen Brahman oder des Höchsten Wesens zu beschreiben. Jnana und die zuvor genannten vier guten Eigenschaften existieren nebeneinander. Sie glänzen nebeneinander. Sie gedeihen gut so wie Lotuspflanzen im Wasserbecken wachsen. Wenn diese beiden Aspekte gleichzeitig entwickelt werden, erreichst du rasch die Selbstverwirklichung.

Oh tugendhafter Rama! Bitte höre die Geschichten, die all deine Zweifel, Verwirrungen und Täuschungen vertreiben und die dir helfen, die dauernde Seligkeit im Leben zu erlangen. Wer immer diese Jnanageschichten hört und gemäß diesen handelt, erreicht die wahre Entsagung, dauerhaften und unauslöschlichen geistigen Wohlstand, ewige Wonne, höchsten Frieden, spirituelle Erleuchtung und endgültige Befreiung (Moksha).


Sukadev: Satsang - Sinn und Zweck

Wir haben hier im Ashram jeden Morgen und jeden Abend Satsang. Wir kommen zusammen, um uns auf "Sat" einzustimmen, auf die höchste Wahrheit, die höchste Weisheit. Und wir machen dies zusammen als Gemeinschaft, "Sanga". Satsang besteht aus stiller Meditation, Jaya Ganesha, Om Tryambakam, Arati, Vortrag, Lesung. Elemente, die jeden Tag gleich sind, jeden Morgen, jeden Abend. Es baut sich auf diese Weise eine Schwingung auf, es wird ein spirituelles Kraftfeld geschaffen. Indem man etwas jeden Tag macht, kommt eine Gedankenwolke auf. Angenommen, jemand schimpft jeden Tag, dann baut sich eine Gedankenwolke des Schimpfens auf. Angenommen, man macht irgendetwas jeden Tag, es wird zu einer Gewohnheit. Eine Gewohnheit im eigenen Geist, eine Gewohnheit in der astralen Umgebung von einem Menschen. Und wenn es mehrere machen, wird es eine Gewohnheit in der ganzen Gemeinschaft. Wenn man an spirituellen Kraftorten, wie einem Ashram, das jeden Tag macht, baut sich eine große positive spirituelle Wolke auf, und wenn es nicht nur an einem Ort ist, sondern wenn es viele Orte gibt, wo so etwas stattfindet, dann verbinden sich diese Kraftfelder. Und wenn es etwas Ähnliches ist, was in verschiedenen Gemeinschaften ist, baut sich fast ein weltweites Kraftfeld auf. Wenn wir also morgens und abends Satsang haben, dann verbinden wir uns miteinander in dieser Gemeinschaft. Wir verbinden uns mit dem Kraftfeld, das in diesem Ashram ist. Wir verstärken das Kraftfeld auf der einen Seite und wir öffnen uns für dieses Kraftfeld, das so ganz in uns hineinströmt und dann durch uns hindurch wirkt.

Wir verbinden uns dabei mit den Kraftfeldern, die in allen Yoga Vidya Ashrams und Zentren aufgebaut werden. Wir schaffen auf diese Weise ein geistiges Verbundenheitsfeld in den verschiedenen Ashrams und Zentren. Und wann immer jemand, der in einem Ashram war, mal in den anderen Yoga Vidya Ashram geht, fühlt er sich gleich zuhause. Warum? Da ist das Kraftfeld, das da ist, und das er schon kennt. Es ist nicht wirklich die Architektur, diese ist ziemlich unterschiedlich. Es ist nicht wirklich die Haarfarbe der Menschen, die dort sind. Es ist die spirituelle Schwingung, die durch Satsang geschaffen wird. Und wenn man in ein anderes Yoga Vidya Zentrum geht – ich bin ja gerade momentan öfters mal auf Reisen, ich kann zwar nur zwanzig der hundert Stadtzentren im Jahr besuchen, aber sobald ich dort ankomme, merke ich: Da ist die gleiche Schwingung. Warum? Auch dort wird Satsang gefeiert. Und es sind nicht nur die Yoga Vidya Zentren, sondern letztlich sind es die Sivananda Yoga Vedantazentren, die ähnlich sind, es ist der Sivananda Ashram Rishikesh, die ganzen Divine Life Society Zentren und auf gewisse Weise gibt es dann Ähnlichkeiten im Satsang in den verschiedensten Richtungen.

Es ist immer wieder hilfreich, sich darauf bewusst einzustimmen und sich diese Sachen bewusst zu machen. Es ist letztlich sogar ein spirituelles Kraftfeld, was entsteht, was eine Friedensschwingung für die ganze Welt bedeutet. Wenn wir uns also hinsetzen für Satsang, können wir uns zum einen bewusst machen, dass wir selbst praktizieren wollen, und zum anderen, wollen wir uns auf die anderen Menschen einstimmen, mit denen wir Gemeinschaft im Satsang feiern. Wir können uns also bewusst machen, dass wir uns für dieses Kraftfeld öffnen, was an diesem Ort durch Satsang geschaffen wird, und wir können uns öffnen, dass wir selbst das Kraft bekommen oder auch, dass wir dieses Kraftfeld mit aufladen. Wir können uns so mit vielen anderen Menschen auf der ganzen Weltverbunden fühlen, und wir können uns natürlich mit Gott, der Göttin oder dem Göttlichen verbunden fühlen, der/die/das dieses Kraftfeld auch nutzt, um in den Gemütern von allen zu wirken, die im Satsang sind. Und wir können den Satsang nutzen, um Friedensgedanken in die ganze Welt zu schicken. Das können wir insbesondere im Om Tryambakam machen, das wir am Ende jedes Satsangs rezitieren.


Siehe auch

Literatur

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