Jalandhara Bandha

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Jalandhara Bandha (Sanskrit: जालन्धरबन्ध jālandharabandha m.) Jalandhara Bandha ist der Kinnverschluss, Kehlverschluss, Kontraktion (Bandha) im Kehlbereich und bezeichnet eine wichtige Praxis im fortgeschrittenen Pranayama, im Kundalini Yoga. Jala heißt Wasser, Jala heißt Netz. Dhara heißt Halten, Träger. Jalandhara Bandha heißt also einen Netzverschluss schaffen, sodass das Prana gesammelt werden kann. Siehe auch Hatha Yoga Pradipika, 3.70-76.

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Jalandhara Bandha gehört als Energielenkungsübung bzw. Energieerweckungsübung in die Kategorie der Hals Mudra. Weitere Infos zu den Mudras findest du unter dem Hauptstichwörtern Mudra bzw. Hals Mudra und unter den 2 Arten des Jalandhara Bandha - siehe unten.

Vorstellung und Arten von Jalandhara Bandha

Jalandhara Bandha verhindert den Weiterfluss der Energien nach oben. Die Sushumna im Kehlbereich wird geöffnet. Das Anhalten der Luft wird erleichtert. Nach vollständiger Einatmung wird der Brustkorb nach vorne gewölbt, die Zungenoberseite an den Gaumen gelegt und zurückgezogen. Die Kehle wird zusammengezogen. Vor dem Ausatmen Kopf heben und Muskeln entspannen.


Es gibt verschiedene Arten des Jalandhara Bandhas:

Übungsvideo 1 - Laghu Jalandhara Bandha

In diesem Videovortrag gibt Sukadev dir eine Übungsanleitung mit weiteren wissenswerten Informationen zum kleinen Kinnverschluss, dem Laghu Jalandhara Bandha.


Begleittext zu Übungsvideo 1 - Laghu Jalandhara Bandha

Jalandhara Bandha ist der Kinnverschluss und wird auch genannt „der Wasserträger“, was eine besondere Bedeutung hat, dass eben der göttliche Nektar oberhalb des Vishuddha Chakras gehalten wird oder nach oben gebracht wird.

Laghu Jalandhara Bandha, hilft auch, Vishuddha Chakra zu aktivieren, Sushumna zu öffnen, Udana Vayu zu harmonisieren. Diese Wirkung haben alle Hals-Mudras. Laghu Jalandhara Bandha nennt man auch `die kleine Schwester vom vollständigen Jalandhara Bandha´. Laghu Jalandhara Bandha bedeutet, dass du kleines Jalandhara Bandha bzw. den kleinen Kinnverschluss übst.


Übungsanleitung:

Atme zuerst sehr tief vollständig aus, dann atme ein, fülle die Lungen zu etwa dreiviertel oder etwas mehr. Dann senke das Kinn ganz leicht, homöopathisch leicht und mache insbesondere dabei du den Nacken lang. Du kannst dir vorstellen, dass dein Hinterkopf nach oben wächst. Gleichzeitig gibst du die Zungenspitze ans Gaumendach und du saugst die Zungenwurzel leicht nach hinten. Du übst gleichzeitig Mula Bandha und Uddiyana Bandha und so bringst du die Energie nach oben. Halte die Luft so lange an, wie angenehm und danach atmest du wieder aus.

Du kannst gleich die nächste Runde üben. Nach dem Einatmen, Lungen zu dreiviertel füllen oder mehr, dann das Kinn ganz leicht senken, Nacken sehr lang machen, stelle dir vor, der Hinterkopf geht ganz weit nach oben, dabei mache auch Jihva Bandha, Zungenoberseite am Gaumen, Kehle leicht zusammengezogen, übe auch Mula Bandha und Uddiyana Bandha und ziehe so die Energie durch die Sushumna zu Ajna und Sahasrara Chakra.


Das war Laghu Jalandhara Bandha, das Kleine Jalandhara Bandha, eine gute Möglichkeit für Übende des Mittelstufen-Niveaus. Du solltest schon regelmäßig Atemübungen bzw. Pranayama geübt haben, wie z.B. Kapalabhati und Wechselatmung, bevor du Laghu Jalandhara Bandha übst. Wenn du eine Weile, vielleicht einige Monate täglich Pranayama geübt hast oder auch systematisch mit einem Pranayama Kurs geübt hast, dann kannst du Laghu Jalandhara Bandha z.B. nach dem Kapalabhati oder während der Anhaltephasen beim Kapalabhati ausprobieren oder auch bei der Wechselatmung beim Luftanhalten oder auch einfach mal zwischendurch im Alltag.

Probiere es einfach aus. Wenn du merkst, es tut dir gut, dann integriere es in deine Übungen bzw. deinen Alltag. Wenn du merkst, es bringt dir zum jetzigen Zeitpunkt nicht so viel, dann lasse Laghu Jalandhara Bandha einfach weg und übe andere Energietechniken und Konzentrationstechniken. Und vielleicht bringt die Übung dir zu einem späteren Zeitpunkt etwas, wenn du es später erneut ausprobierst.

Übungsvideo 2 - Vollständiges Jalandhara Bandha

Sukadev spricht in diesem Übungsvideo über Voraussetzungen und andere Details zum Vollständigen Jalandhara Bandha, einer der Hals Mudras für Fortgeschrittene.


Begleittext zu Übungsvideo 2 - Vollständiges Jalandhara Bandha

Jalandhara Bandha gehört zu den besonders machtvollen Energietechniken. Ich sage deshalb, dass, wenn du Jalandhara Bandha üben willst, solltest du eine Weile Kapalabhati und zwanzig Minuten Wechselatmung jeden Tag geübt haben, du solltest jeden Tag Asanas üben, jeden Tag meditieren und auch eine sattvige Ernährung haben, also insbesondere verzichten auf Fleisch, Fisch, Alkohol, Tabak und bewusstseinsverändernde Drogen. Jalandhara Bandha wirkt nämlich besonders stark und dazu ist es auch wichtig, eine Ernährung zu haben, die mit den Energietechniken gut harmoniert.

Jalandhara Bandha bedeutet eigentlich Wasserträger, Jala ist Wasser und Dhara heißt tragen. Jalandhara Bandha hält den Nektar oben, hält die Gnade oben und hilft auch, alles Prana nach oben zu bringen und dann nach oben auch zu halten. Dieses "oben halten der Energie" hilft, bewusstseinserweiternde Erfahrungen zu machen.

Jalandhara Bandha gehört zu den Verschlüssen, Verschluss im Sinne dessen, dass in Jalandhara Bandha das Prana nicht mehr durch Ida und Pingala strömen kann, sich dafür aber die Halswirbelsäule öffnet. Diese wird nämlich durch den Kinnverschluss lang, und damit eben auch die Sushumna. Somit kann die Energie durch die Sushumna nach oben kann fließen.

Manchmal übersetzt man Bandha auch als Schleuse, Schleuse heißt ja, etwas kann nur in eine bestimmte Richtung gehen und auf eine bestimmte Weise nach oben gehen. Man öffnet also die Schleusen nach oben durch Jalandhara Bandha. Jalandhara Bandha funktioniert mit vollständigem Yoga-Atem und braucht auch das Senken des Kopfes und zusätzlich Jihva Bandha, den Zungenverschluss.


Übungsanleitung:

Für Jalandhara Bandha atme zunächst vollständig aus, dann atme tief, vollständig ein, Bauch hinaus und Brust hinaus, fülle die Lungen vollständig. Dann halte die Luft an, senke das Kinn Richtung Brustkorb, idealerweise berührt das Kinn sogar das Schlüsselbein, je nach Halslänge und Brustlänge, der Nacken ist dabei lang, dabei auch Zungenoberseite am Gaumen, Kehle zusammengezogen. Halte die Luft so lange an, wie du kannst. Wenn du nicht mehr halten kannst, dann Kopf heben und Brustkorb senken und durch die Nase vollständig ausatmen. Dann atme wieder tief, vollständig ein, atme tief, vollständig aus. Dann atme wieder tief, vollständig ein, Bauch und Brust nach vorne wölben, Luft anhalten, beim Anhalten Kinn zum Brustkorb, so weit, wie du kannst, idealerweise berührt das Kinn den Brustkorb, wenn das anatomisch geht, Nacken lang, Zungenoberseite am Gaumen, Kehle leicht zusammengezogen und gleichzeitig Mula Bandha und Uddiyana Bandha. Halte die Luft so lange an, wie du kannst, anschließend Kopf heben, Brustkorb senken und Bauch hinein. Dann atme ein paar Mal normal weiter.

Das war Jalandhara Bandha, eine fortgeschrittene Variation, ausschließlich für fortgeschrittene Übende, die wissen, was sie tun. Diese Übung ist eine stark wirksame Energietechnik, die auch gewisse Herausforderungen für die Halswirbelsäule hat. So sein hiermit ausdrücklich erwähnt: Dieser Vortrag dient jetzt nicht zum selbst üben, sondern zur Wiederholung für Menschen, die Jalandhara Bandha in einem Kurs oder Seminar kennengelernt haben und nochmal überprüfen wollen, ob sie das richtig verstanden haben.

Für Anfänger oder auch Übende der Mittelstufe gibt es die kleine Schwester von Jalandhara Bandha, nämlich Laghu Jalandhara Bandha, dieses ist leichter zugänglich und dazu gibt es mit dem Übungsvideo 2 einen eigenen Vortrag.

Übungsvideo 3 - Vollständiges Jalandhara Bandha (v. 2014)

In diesem Übungsvideo leitet dich Sukadev zur Übung für Fortgeschrittene, dem vollständigen Jalandhara Bandha an.

Begleittext zu Übungsvideo 3 - Vollständiges Jalandhara Bandha (v. 2014)

Jalandhara Bandha ist ein Ausdruck aus dem Hatha Yoga. Jalandhara Bandha ist eine wichtige Praxis im Hatha Yoga, sie zählt aber zu den fortgeschrittenen Praktiken. Jalandhara ist Kinn und Bandha ist Verschluss. Jalandhara Bandha – Kinnverschluss. Menschen, die fortgeschrittenes Pranayama üben, kennen Jalandhara Bandha. Am Ende der Einatmung setzt du das Kinn auf die Brust, gibst die Zungenspitze an den Gaumen und saugst die Zunge leicht nach hinten zur Kehle, das ist das volle Jalandhara Bandha.

Angenommen, du kennst dich jetzt nicht mit fortgeschrittenem Pranayama aus, dann solltest du es nicht einfach ausprobieren, denn Jalandhara Bandha heißt, bei vollständig gefüllten Lungen, den Kinnverschluss zu üben. Das solltest du lernen und solltest die Vorsichtsmaßnahmen kennen, denn bei vollständig gefüllten Lungen die Luft anhalten mit Jalandhara Bandha kann sehr machtvoll sein, wird große Wirkung auf die Energie haben und da muss man vorsichtig sein. Wenn du es kennst, will ich die Bestandteile von Jalandhara Bandha hier noch einmal wiederholen. Du atmest vollständig ein, nachdem du vollständig eingeatmet hast, wölbst du den Brustkorb ganz stark nach vorne, senkst das Kinn, so dass das Kinn das Brustbein berührt, gibst die Zungenspitze nach oben an den Gaumen und saugst die Zunge nach hinten. Das zusammen ist Jalandhara Bandha.

Jalandhara Bandha hat verschiedene Wirkungen. Zum einen ist es ein Verschluss auch für den Atem. Das heißt, wenn du vollständig eingeatmet hast und Jalandhara Bandha machst, strömt die Luft nicht heraus. Angenommen, du hast vollständig eingeatmet ohne Jalandhara Bandha, dann besteht immer wieder die Gefahr, dass etwas Luft ausströmt. Wenn du längere Zeit die Luft anhalten willst, ohne zu atmen, ist Jalandhara Bandha sehr wichtig und sehr effektiv, gerade bei vollständig gefüllten Lungen. Jalandhara Bandha hilft auch, dass kein Überdruck entsteht im Kopf und Gehirn.

So ermöglicht Jalandhara Bandha das längere Atemanhalten bei gefüllten Lungen, ohne dass es unangenehm wird. Jalandhara Bandha hilft auch, dass das Prana aus Ida und Pingala herauskommt. Es heißt ja Bandha, ein Verschluss. Jalandhara Bandha verschließt Ida und Pingala, links und rechts am Hals, und verschließt auch die Nadis, die sich vorne befinden. Es gibt ja insgesamt 72.000 Nadis, 72.000 Energiekanäle. Viele davon verlaufen von unten bis oben und die meisten werden durch Jalandhara Bandha unterbrochen.

Jalandhara Bandha macht aber die Wirbelsäule im Hals länger. Indem die Halswirbelsäule länger wird, fällt es leichter, dass die Energie, das Prana, durch die Sushumna, die feinstoffliche Wirbelsäule, hochkommt. So ist Jalandhara Bandha ein Verschluss und gleichzeitig eine Öffnung. Daher hilft Jalandhara Bandha, dass das Prana durch die Sushumna in die höheren Chakras geht, Ajna Chakra und Sahasrara Chakra. Und das hilft, dass die anderen Nadis gereinigt werden. Mit Jalandhara Bandha und Mula Bandha sorgst du dafür, dass Ida und Pingala gereinigt werden, dass alle Nadis zwischen Muladhara Chakra und Vishuddha Chakra gereinigt werden.

Du löst aber auch das Ausströmen des Pranas auf und sorgst dafür, dass Ida und Pingala sich in der Sushumna im Muladhara Chakra treffen, die Energie von männlich, weiblich, Sonne und Mond sich transformiert in Feuerenergie, die Kundalini-Energie, und damit das Prana. Dieses Prana geht in der Wirbelsäule nach oben, dann wird die Wirbelsäule durch Jalandhara Bandha verlängert und geöffnet, Prana steigt nach oben, die Konzentrationsfähigkeit wird gesteigert, im Ajna Chakra und Sahasrara Chakra spürst du starke Energie.

So ist Jalandhara Bandha ein machtvoller Bandha, welcher gerade im fortgeschrittenen Pranayama beim Atemanhalten genutzt wird, z.B. bei der Wechselatmung, z.B. beim Anhalten nach Bhastrika, nach Ujjayi, Surya Bheda, auch bei Murcha, Sitali, Sitkari, zum Teil sogar Plavini. Mehr dazu findest du auf www.yoga-vidya.de. Jalandhara Bandha – Kinnverschluss.

Übungsanleitung:

Ziehe die Kehle zusammen. Atme sehr tief ein und halte den Atem an. Drücke das Kinn fest gegen die Brust. Dieser Bandha soll während des Atemanhaltens (Kumbhaka) praktiziert werden. Er bewirkt, dass das Prana in die richtige Bahn gelenkt wird. Es ist vereinigt mit Apana. Ida Nadi und Pingala Nadi sind verschlossen. Das Verdauungsfeuer hat seinen Sitz am Nabel. Im Normalfall verzehrt es den Nektar, der vom Sahasrara Chakra aus durch die Öffnung im Scheitel nach unten strömt.

Durch die Praxis von Mula Bandha können die Yogaschüler verhindern, dass der Nektar auf diese Weise verzehrt wird. Gelingt das, dann trinkt der Yogi den Nektar und erreicht die Unsterblichkeit.


Siehe auch

Literatur

Seminare

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Dr. phil. Oliver Hahn,

25.11.2016 - 27.11.2016 - Sanskrit

Erlernen der Devanagari-Schrift zum korrekten Aussprechen der Mantras.
Dr. phil. Oliver Hahn