Tapas

Aus Yogawiki

Tapas (Sanskrit: तपस् tapas n.) Wärme, Hitze, Glut; Qual, Schmerz, Plage; Askese, Kasteiung; Hatha Yoga Übung; einer der fünf Niyamas in Patanjalis Yogasutra.

Swami Sivananda am Fluss

Tapas nach Patanjali

Yoga Sutra, Kapitel II.32

शौचसन्तोषतपःस्वाध्यायेश्वरप्रणिधानानि नियमाः || 2.32 ||

śauca-santoṣa-tapaḥ-svādhyāyeśvara-praṇidhānāni niyamāḥ || 2.32 ||

Die Niyamas bestehen aus Reinheit (Shaucha), Zufriedenheit (Santosha), Selbstzucht (Tapas), Selbststudium (Svadhyaya) und Selbsthingabe (Ishvarapranidhana).



Swami Sivananda über Tapas

Auszug aus dem Buch „Tantra Yoga, Nada Yoga and Kriya Yoga“ von Swami Sivananda, Buch I - Tantra Yoga, 5. Auflage, 2000, Shivanandanagar, S. 24f., S. 137 - 151.Divine Life Society

Tapas bedeutet Buße oder Askese. Der Sadhaka erstrahlt durch die Übung von Tapas in spirituellem Glanz. Wirkliches Tapas ist Konzentration und Meditation.

  • Jene Askese und Entbehrung, welche von Menschen in tiefstem Glauben sich selbst auferlegt wird, ohne Verlangen nach Ergebnis und Erfolg, in Harmonie mit sich selbst, das ist sattwig.
  • Solche Askese, die dem Zweck dient, Respekt, Ehre oder Verehrung zu erreichen und der Prahlerei dient, ist rajassig, unstabil, flüchtig und vergänglich.
  • Die Art von selbstauferlegter Askese, welche in einem irregeführten Verständnis praktiziert wird, mit Selbstquälerei oder mit dem Ziel, jemand anderen zu vernichten, ist tamasig (von Dunkelheit erfüllt).

Menschen, die diese schrecklichen Askesen praktizieren, welche nicht durch die Schriften beschrieben und bestätigt werden, die der Scheinheiligkeit und dem Egoismus verfallen und von Lust, Verlangen und Begierde getrieben sind, die sinnlos alle Elemente und Bestandteile des Körpers und auch Purusha, welcher im Körper wohnt, quälen - wisset, solche Menschen unterliegen dem Einfluss teuflischer Dämonen.

Mit Tapas, Kasteiung tauchen, durch die Auflösung von Unreinheiten, übersinnliche Kräfte in Körper und Geist auf. Durch Tapas werden (der denkende) Geist, Sprache und Indriyas gereinigt. Fasten und alle anderen religiösen Bräuche, welche in den "Dharma Sastras" und den Regeln von Yama und Niyama, Asana, Pranayama, usw. festgelegt wurden, fallen unter Tapas. In der Gita im Kapitel XVII beschreiben die drei Slokas von 14 bis 16 drei Arten von Tapas, nämlich Tapas des Körpers, der Sprache und des Geistes. Die acht Siddhis, wie Anima, Mahima usw., sind übersinnliche Kräfte. All diese Siddhis können durch ständiges Praktizieren von Tapas erreicht werden. Manu sagt: "Derjenige, dessen Sprache und Geist rein und immer sorgfältig behütet sind, wird all die Früchte ernten, die durch Vedanta erhalten werden können." Durch die Ausführung von Tapas können alle Kleshas und Unreinheiten ausgelöscht werden.

Was ist Tapas?

Tapas ist das, was den unreinen Geist reinigt. Das, was die niedere tierische Natur umgestaltet und göttliche Natur generiert, das ist Tapas. Das, was den Geist säubert und Sinneslust, Zorn, Gier usw. zerstört, ist Tapas. Das, was Brahma Tejas erzeugt und die karmische und teuflische Natur auslöscht, das ist Tapas. Das, was Tamas und Rajas zerstört und Sattva fördert, das ist Tapas. Das, was den Geist stabilisiert und ihn auf das Ewige fokussiert und festlegt, das ist Tapas. Das, was die nach außen gerichteten Vorlieben, das nach außen gerichtete Interesse, Extrovertiertheit oder Bahirmukhi Vritti hemmt und Introvertiertheit oder Antarmukha Vritti erzeugt, ist Tapas. Das, was Vasanas, Egoismus, Raga Dvesha zerstört, und was Sachlichkeit, Urteilsvermögen, Scharfsinn und Meditation fördert, ist Tapas. Tapas ist spirituelle Disziplin, Yogabhyasa oder Brahmabhyasa. Tapas ist Brahma Chintana, Anbetung, Sadhana und Meditation.

Dies ist das dritte Anga von Niyama im Raja Yoga. Es ist eines der drei Glieder des Kriya Yoga. Tapas bedeutet selbstauferlegte Entbehrung oder Praktizieren von Buße. Ein Tapas Mensch ist leuchtend wie ein loderndes Feuer. Tapas bedeutet Beherrschung der Sinne und auch Meditation. Tapas führt zu Beherrschung des denkenden Geistes.

Auf einem Bein zu stehen, eine Hand für lange Zeit hochzuhalten, ist auch Tapas. Aber das ist tamasiger Tapas eines unwissenden Menschen. Panchagni Tapas ist, wenn man in der heißen Sonne inmitten von vier Feuern sitzt und die Sonne als fünftes Feuer erfährt. Vairagis praktizieren dies sehr oft. Begierde bewegt die Sinne. Begierde, Verlangen und Wünsche können nur kontrolliert werden, wenn die Sinne gezügelt werden. Tapas vernichtet Begierde. Praktiziere intelligenten Tapas.

Tapas ist Askese, Kontrolle der Sinne und Meditation. Der Aspirant ist lodernd wie Feuer (Tapati). Seine Augen sind strahlend, seine Stimme wohlklingend und kräftig. Sein Körper ist leuchtend und schön. Jeder fühlt sich zu ihm hingezogen. Er ist wie ein Magnet. All dies liegt an seinem Tapascharya. Wer Tapas praktiziert ist ein Tapasvin. Tapasvins gehen nach Tapoloka. Brahma vollzog Tapas (Meditation), bevor er das Universum erschuf. Er reflektierte über seinen großen Schöpfungsplan. Dies ist sein Tapas. Reinige dich selbst durch Tapas und erreiche das allerhöchste Ziel.

Formen von Tapas

Im Winter im Wasser zu stehen, ist eine niedere Form von Tapas. Im Sommer in der heißen Sonne zu stehen, ist eine andere niedere Form von Tapas. Panchagni Tapas ist eine andere Form von Tapas. Sich nur von süßen Neem Blättern oder getrockneten Blättern zu ernähren, ist eine weitere Form von Tapas. Mit Namaskara um den Govardhana Berg herumzuwandern, ist eine andere Form von Tapas. Tratak auf die Sonne, Barfußlaufen, im Winter nackt in Schneegebieten zu leben, Fasten und Vratas wie Chandrayana Vrata, Ekadasi Vrata, Pradosha Vrata, Kriscchera Vrata, Mouna oder das Schweigegelübde, Anushthana, Purascharana, Nachtwachen u.a. sind alle verschiedene Formen von Tapas.

Drei Arten von Tapas

Tapas gibt es auf dreierlei Art: physisch, verbal und mental. Brahmacharya, Dienst für den Guru und die Heiligen, Praxis von Ahimsa oder Gewaltlosigkeit sind alles Tapas des Körpers. Bhishma und Hanuman vollbrachten durch die Kraft von Brahmacharya großartige Taten. Durch die Kraft der Keuschheit verbrannte Damayanti den Jäger, verwandelte Anasuya die Trimurtis in Babys und brachte Savitri den Satyavan von Yama zurück. Die Kraft von Brahmacharya ist mächtiger als die des physischen Tapas. Immer die Wahrheit zu sagen, das Schweigegelübde einzuhalten, andere nicht durch unfreundliche und raue Worte zu verletzen, wohltuende Worte zu sprechen, das Studium der heiligen Schriften, das alles sind Tapas der Sprache. Gleichgewicht, mentale Beherrschung oder Shama, Reinheit des Charakters, Zielgerichtetheit des Geistes, mentales Glücksgefühl, Fröhlichkeit, Reinheit im Leben, all dies sind Tapas des Geistes.

Unterlasse Tapas-Abhimana

Der Tapas von Vishvamitra war von rajasiger Art. Er hatte Tapas-Abhimana. Er war egoistisch und stolz auf seinen Tapas. Er kämpfte ständig mit dem sattwigen Vasishtha. Letztendlich wurde sein Stolz bezwungen.

Vishvamitra und Vasishtha, diese beiden gingen zu Brahma, dem Schöpfer, um herauszufinden: "Wer ist der größere Tapasvin?" Brahma sagte: "Derjenige, welcher den Surya Devata in meine Gegenwart bringt, ist ein großer Tapasvin." Vishvamitra ging zu Surya und brachte sein Anliegen vor. Surya sagte: "Bringe jemanden, der meine Arbeit übernimmt. Dann werde ich sofort zu Brahma kommen." Vishvamitra war aber nicht in der Lage, das zu bewerkstelligen. Daraufhin legte Vasishtha Brahma seinen Danda vor. Er strahlte leuchtend und so hell, dass er die Arbeit der Sonne tat. Und Surya kam zu Brahma und zollte ihm Respekt. Vishvamitra senkte beschämt seinen Kopf und begab sich leise zu seiner Wohnstätte.

Deshalb also unterlasse Tapas-Abhimana. Praktiziere sattwigen Tapas und gib tamasigen Tapas auf. Mache den Tapas sattwig und lösche Egoismus durch Selbstaufgabe (Atma Bhava) aus.

Geistiger Tapas

Geistiger, mentaler Tapas ist stärker und kraftvoller als physischer. Wer es sich aussucht, Hitze und Kälte zu ertragen, vollführt physischen, körperlichen Tapas. Er steigert seine Ausdauer und sein Durchhaltevermögen, ist aber vielleicht nicht in der Lage, Beleidigungen zu ertragen. Er wird sich leicht über ein paar raue, unfreundliche Worte ärgern. Dann wird er vielleicht Rache nehmen und Gleiches mit Gleichem vergelten wollen. Er hat keine Kontrolle über seinen (denkenden) Geist. Er hat nur seinen physischen Körper diszipliniert. Um in allen Lebensumständen einen ausgewogenen Geist zu behalten, ist es vonnöten, Beleidigungen, Verletzungen und Nachstellungen zu ertragen, immer ruhig und gelassen, zufrieden und friedvoll zu sein, auch unter widrigen Umständen heiter und fröhlich zu bleiben, Tapferkeit in Gefahrsituationen zu zeigen, Geistesgegenwart und Nachsichtigkeit an den Tag zu legen, denn dies sind alles Formen geistigen Tapas.

Höchster Tapas

Neem-Blätter zu essen, im Wasser zu stehen, sich der heißen Sonne auszusetzen, Hitze und Kälte zu widerstehen, auf einem Bein mit erhobener Hand zu stehen usw., das alles wird üblicherweise als körperlicher, physischer Tapas betrachtet. Die Leute nennen dann solche Menschen Tapasvins. Sie sagen: "Ram Brahmachari ist ein großer Tapasvin. Er lebt nur von Blättern und hat keine Kleidung. Er vollzieht Panchangni Tapas in der heißen Sommerzeit." Dies sind alles Formen von körperlichem Tapas. Philosophisch gesehen ist Meditation die höchste Form von Tapas. Die herumschweifenden Gedanken auf Gott oder Brahman zu fixieren ist großartiger Tapas. Vichara und Nididhyasana sind die höchsten Formen von Tapas. Die Erforschung von "Wer bin ich?" ist der allerhöchste Tapas. Pratyahara, Pranayama, Dharana und Samadhi, die Praxis der vier Hilfsmittel, Navavidha Bhakti (neun Arten der Hingabe), sind große Formen von Tapas.

Svadhyaya

Mit dem Studium der Schriften kommt die Einswerdung mit der Schutzgottheit. Svadhyaya ist das Studium der Schriften, wie das der Gita, der Upanischaden, des Ramayana, der Bhagavata usw. Das Studium sollte mit höchster Konzentration durchgeführt werden. Du solltest klar verstehen, was du studiert hast und versuchen, alles, was du gelernt hast, in dein Alltagsleben zu integrieren. Du wirst keinen Nutzen aus deinen Studien ziehen, wenn du dich nicht bemühst, gemäß der Lehren der Schriften zu leben. Svadhyaya beinhaltet auch Japa, die Wiederholung von Mantras. Ständiges Studium und Praxis der gewonnenen Erkenntnisse im Alltagsleben werden dich dahin führen, dass du mit Gott vereint bist.

Ishwara Pranidhana

Mit der Selbstaufgabe kommt das Erlangen von Samadhi, dem überbewussten Zustand. Selbstaufgabe sollte frei, vollkommen, bedingungslos und bereitwillig erfolgen. Dann wird Samadhi von alleine kommen. Dieser Isvarapranidhana ist die höchste Selbstaufgabe. Atma Nivedana ist Selbstaufgabe. In der Vishnu Sahasranama wird gesagt: "Das Herz von jemandem, der seine Zuflucht zu Vasudeva gesucht hat, der sich ganz Vasudeva hingibt, wird vollkommen gereinigt, und er wird Brahman, das Ewigliche, erreichen."

Der Gläubige bietet Gott alles zum Opfer dar, seinen Körper, seinen Geist und seine Seele. Er behält nichts für sich selbst. Er gibt sogar sein eigenes kleines Selbst auf. Er hat keine persönliche und unabhängige Existenz mehr. Er hat sein Selbst für Gott aufgegeben. Er ist ein Teil und ein Stück von Gott geworden. Gott nimmt sich seiner an und behandelt ihn so, als sei er Er selbst. Seien es Trauer und Leid, Freude und Schmerz, der Gläubige behandelt sie so, als seien es von Gott geschickte Geschenke, und er wird nicht an ihnen festhalten. Er betrachtet sich als Marionette Gottes und als Instrument in seinen Händen. Er hegt keine egoistischen Gefühle, denn er hat kein Ego mehr. Sein Ego ist zu Gott hinübergegangen. Er besitzt keinerlei Pflichten mehr, weder seiner Frau noch seinen Kindern gegenüber, etc., denn er hat abgesehen von Gott keine eigenständige Existenz mehr. Gott wird sich um alles weitere kümmern. Er weiß, wie er die Welt auf den richtigen Pfad führt. Man braucht nicht mehr zu denken, man selbst sei geboren, um die Welt zu führen. Gott ist da, und er wird alles so einrichten, wie es sich die Menschen nicht einmal erträumen können. Der Gläubige hat keine sinnlichen Begierden mehr, denn er hat keinen Körper mehr, weil er ihn Gott geopfert hat. Weder bewundert noch liebt er seinen Körper, denn es ist nun Gottes Aufgabe, für ihn zu sorgen. Alles, was er noch fühlt, ist die Gegenwart Gottes und sonst nichts. Er ist furchtlos, denn Gott steht ihm immer hilfreich zur Seite. Er hat keine Feinde mehr, denn er hat sich selbst aufgegeben für Gott, der weder Feind noch Freund kennt. Er hat keine Angst und Sorgen mehr, denn dadurch, dass er die Gnade Gottes erlangt hat, hat er schon alles erreicht. Er verschwendet nicht einmal den geringsten Gedanken an sein Seelenheil; im Gegenteil, er will sogar überhaupt kein Heil mehr, er will bloß noch Gott und nichts anderes als Gott. Er ist vollkommen befriedigt mit der Liebe Gottes, den durch sie gibt es nichts, was er nicht erreichen könnte. Was gibt es zu erreichen, wenn Gott seine Gnade auf seinen Gläubigen gelenkt hat? Der Gläubige möchte nicht zu Zucker werden, sondern er möchte den Zucker schmecken. Es ist ein Vergnügen, Zucker zu schmecken; es macht aber keinen Spaß, selbst Zucker zu werden. Der Gläubige hat also das Gefühl, dass es mehr Freude bereitet, Gott zu lieben, als Gott zu sein. Gott wird sich vollkommen seines Gläubigen annehmen. "Ich bin Dein." sagt der hingebungsvolle Gläubige.

Diese Selbstaufgabe ist Absolute Liebe nur zu Gott allein. Es gibt im Gläubigen nichts anderes mehr als Gott-Bewusstsein. Der Gläubige wird sogar gegen seine eigenen Wünsche eins mit Gott werden und seine Individualität verlieren. Dies ist das Gesetz des Seins. Die Höchste Wahrheit ist Absolutheit, und die Seele strebt hinauf durch verschiedene Bewusstseinszustände, solange bis sie Absolute Vollkommenheit erlangt hat und identisch mit Gott geworden ist. Das ist der Höhepunkt allen Bestrebens und aller Liebe.

Es gibt unzählige Verse in der Bhagavadgita und in der Bhagavata, die die Wahrheit eröffnen, dass Selbstaufgabe der einzige Weg ist, um das Allerhöchste zu erlangen. Krishna lehrt Arjuna, dass ihm nur allein durch vollständige und ausschließliche Selbstaufgabe Frieden und Erlösung von allen Sünden geschenkt wird.

Jemandem, der die Bhagavadgita oder die Shrimad Bhagavata studiert, wird bewusst werden, welch große Wichtigkeit der totalen Selbstaufgabe beigemessen wird. Selbstaufgabe ist nämlich die Auflösung des individuellen Bewusstseins und das Erlangen von Absolutem Bewusstsein. Dies ist gleichwertig mit Nirvikalpa Samadhi.

Der hingebungsvolle Gläubige steigt empor zum Zustand des höchsten Mahabhava und löst sich selbst in Gott auf. Die Welle sinkt wieder in den Ozean zurück. Der Funke wird wieder eins mit dem Feuer. Der Strahl wird in die Sonne eingesogen. Der Geist geht auf in Atman. Das Individuelle verliert sich im Absoluten. Der Gläubige wird eins mit Gott. Weltliches Bewusstsein entschwindet in universelles Bewusstsein. Der Mensch wird zu Gott und das Sterbliche wird zum Unsterblichen.

Das Geheimnis von Ergebung

Sakrideva prapannaya tavasmiti cha yachate Abhayam sarvabhutebhyo dadamyetad vritam mama. "Ich nehme allen Geschöpfen, die sich Mir hingeben, alle Ängste, auch wenn sie sogar nur einmal zu Mir kommen und Meine Zuflucht suchen - Dies ist mein Gelübde." (Sri Ramachandras Schwur)

In der Gita wird durchweg hervorgehoben, dass Ergebung und Hingabe absolut notwendig für das Erlangen von Gottes-Bewusstsein sind. In Wirklichkeit können die neun Arten von Hingabe (Navavidha Bhakti) auf eine reduziert werden, nämlich: Atmanivedana. Die folgenden Gita Slokas werden deinem Geist die Wichtigkeit von Hingabe und Selbstaufgabe deutlich machen.


Tameva saranam gaccha sarvabhavena bharata
Tatprasadat param santim sthcinam prapsyasi sasvatam.

"Suche Zuflucht bei Ihm mit all deinem Sein, O Bharata; durch Seine Gnade wirst du allerhöchsten Frieden erhalten, den Frieden, der ewiglich weilt." (XVIII. 62)

Manmana bhava madbhakto madyaji mam namaskuru
Mamevaishyasi satyam to pratijane priyosi me.

"Lass deinen Geist in Mir versinken, sei mein Verehrer, bringe mir Opfer dar, wirf dich nieder vor Mir und du wirst mir eben werden." (XVIII. 65)

Sarvadharman parityajya mamekam saranam vraja Aham tva sarvapapebhyo
mokshayishyami ma suchah.

"Lass ab von all deinen Pflichten und komm, suche Zuflucht bei Mir; sorge dich nicht, Ich werde dich von allen Sünden befreien." (XVIII. 66)

Die Slokas 65 und 66 aus Kapitel XVIII sind die allerwichtigsten Slokas der Gita. Hier sind die Kernaussagen der Lehren Lord Krishnas. Jemand, der im wahren Geist dieser Slokas lebt, wird bald das Ziel des Lebens realisieren. Darüber besteht überhaupt kein Zweifel.

Die Selbstaufgabe muss vollkommen, bereitwillig und vorbehaltlos sein. Du darfst auch keine bestimmten Wünsche mehr als Belohnung behalten. Mira sagt: " Ich habe mein ganzes Herz, meinen Geist, meinen Verstand, meine Seele, alles meinem Giridhara Gopala gegeben." Das ist vollkommene Selbstaufgabe.

Ein echter Verehrer oder Devotee wird den Herrn nicht einmal um Mukti bitten. Solange nämlich noch die geringste Sehnsucht nach Befreiung in deinem Herzen fortbesteht, kannst du nicht behaupten, ein wahrer Verehrer Gottes zu sein. Denn obwohl der Wunsch nach Befreiung sattwiger Natur ist, so ist der Verehrer dann ein Sklave von Mukti geworden. Er ist immer noch selbstbezogen und daher nicht in der Lage, sich als aufrichtigen Gottesverehrer zu bezeichnen. Er hat immer noch nicht die totale, uneingeschränkte Selbstaufgabe vollzogen. Um Mukti (Befreiung) zu bitten, ist nur eine andere Art von Heuchelei und Scheinheiligkeit. Kann ein wahrer Devotee es überhaupt wagen, etwas von Gott zu erbitten, wenn er ganz genau weiß, dass Er ein Ozean von Liebe und Mitgefühl ist?

Ein wirklicher Verehrer beklagt sich auch niemals über Gott. Ein grober Bhakta macht Gott schlecht, wenn er in Bedrängnis gerät. Er sagt so etwas wie: "Ich habe 25 Lakhs von Japa gemacht. Ich studiere täglich die Bhagavata. Und trotzdem ist Gott nicht von mir angetan. Er hat mir nicht mein Leid genommen. Gott ist blind. Er hat meine Gebete nicht erhört. Was für eine Art von Gott ist Lord Krishna? Ich hege kein Vertrauen zu Ihm."

Ein echter Bhakta ist glücklich in Leid, Schmerz und Not. Er heißt immer Kummer und Gram willkommen, auf dass er Gott auch nicht für nur eine Sekunde vergäße. Er hat den starken Glauben, dass Gott alles nur zu seinem Besten tut. Kunti Devi betete zu Krishna: "O Herr! Gib mir immerfort Schmerz. Nur dann werde ich mich immer Deiner erinnern."

Es gab einmal einen Heiligen in Puri, der sich vollkommen Lord Hari gewidmet hatte; er litt gravierend an chronischem Durchfall. Er wurde völlig ratlos. Lord Hari von Puri sorgte für ihn für Monate in Gestalt eines Bediensteten. Das Gesetz von Prarabdha ist unerbittlich. Niemand kann sich dem Vorgang dieses unfehlbaren Gesetzes entziehen. Der Herr wollte nicht, dass der Bhakta durch eine weitere Geburt sein Prarabdha erschöpfen würde. Daher musste sein Verehrer eine langwierige Heilphase durchleiden. Das war seine karmische Reinigung. Aber, Er selbst diente ihm, da der Verehrer sich selbst komplett aufgegeben hatte. Sieh nur die grenzenlose Barmherzigkeit des Herrn. Er macht sich selbst zum Sklaven seiner Gläubigen, wenn sie vollständig auf Ihn angewiesen sind.

Selbstaufgabe bedeutet nicht Rückzug in die Wälder. Es bedeutet nicht, alle Tätigkeiten aufzugeben. Tamas oder Trägheit wird oft fälschlicherweise mit Selbstaufgabe verwechselt. Dies ist ein trauriger Fehler. Worum es wirklich geht, ist innere Selbstaufgabe. Ego und Begierde müssen ausgelöscht werden. Das erst wird wahre Ergebung herstellen. Der rajasige Geist verhält sich stur und dickköpfig, wenn es darum geht, vollständige Selbstaufgabe zu erwirken. Starrsinn ist ein großes Hindernis für Ergebung. Die niedere Natur steht immer wieder auf, um sich selbst zu behaupten. Es gibt so etwas wie die Auferstehung der Begierde. Die Wünsche werden vielleicht für einige Zeit unterdrückt. Doch dann manifestieren sie sich wieder mit doppelter Gewalt. Der Mensch wird von diesen Wünschen und Sehnsüchten hin und her gerissen. Glaube einfach an die Göttlichen Möglichkeiten. Widme dich vollständig dem Herrn. Lege volles Vertrauen in Ihn. Ruhe in Frieden. Alle Sorgen, Kümmernisse, Ängste, Beschwerlichkeiten und egoistischen Anstrengungen werden nun aufhören.

Sieh dir Prahladas Ergebung und Vertrauen in Gott an! Er hat sich Lord Hari vollständig anvertraut. Kein anderer Gedanke als der an Gott beschäftigte seinen Geist. Und obwohl er von seinem leiblichen Vater verschiedentlich schlecht behandelt wurde, so hatte er doch die Gnade Gottes und Sein Wohlwollen. Er wurde von der Spitze einer Felsenklippe gestürzt. Ein Elefant trampelte auf ihn herum. Er wurde vergiftet. Man warf ihn ins Meer, seine Beine mit Eisenketten gefesselt. Kobras wurden auf ihn geschüttet. In seine Nase wurde giftiges Gas gefüllt. Man warf ihn ins Feuer. Kochendes Öl wurde über seinen Kopf geschüttet. Trotzdem wurde sein Glaube an Narayana nicht im Geringsten erschüttert. Immer hatte er Namen von Narayana auf seinen Lippen. Genauso muss der Glaube eines jeden Verehrers oder Devotee sein.

Bete inbrünstig zu Gott: "O Herr! Stärke meinen Willen, auf dass ich allen Versuchungen widerstehe, meine Indriyas und meine niedere Natur beherrsche, meine alten schlechten Gewohnheiten ändere und meine Ergebung vollkommen und wirklich mache. Besteige den Thron in meinem Herzen. Bitte verlass diesen Ort auch nicht nur für eine Sekunde. Benutze meinen Körper, meinen Geist, meine Organe als deine Werkzeuge. Gestalte mich passend, sodass ich für immer in Dir wohne."

Gib alle Vorstellungen von Pflichten und Verantwortung auf. Erlaube dem Göttlichen Willen, jetzt ungehindert in dir zu arbeiten. Das ist das Geheimnis von Ergebung. Du wirst fühlen, dass du ein verändertes Wesen bist. Dieser erhabene Zustand ist kaum zu beschreiben. Eine große Umwandlung wird sich deiner bemächtigen. Du wirst in einen Lichthof von göttlichem Glanz gehüllt sein. Von unbeschreiblicher Glückseligkeit, von Freude und Frieden wirst du überströmt werden. Dein altes kleines Selbst wird jetzt tot sein. Du bist jetzt ein verwandeltes spirituelles Wesen. Dein individueller Wille ist in den Kosmischen Willen aufgegangen. Du bist jetzt erleuchtet von dem Göttlichen Licht. Alle Unwissenheit ist jetzt ausgelöscht. Erfreue dich des unsterblichen, göttlichen Lebens, in dem es weder Hoffnungslosigkeit noch Angst, weder Hunger noch Durst, weder Zweifel noch Sinnestäuschung gibt. Strahle in Göttlicher Pracht und Herrlichkeit.

Selbstaufgabe

Selbstaufgabe ist Saranagati oder Atmanivedana. Das ist eine der neun Arten von Bhakti. Ein Bhakta (Gläubiger, Devotee) beginnt mit Sravana oder dem Hören der Lilas und Gunas des Herrn, steigt langsam die verschiedenen Sprossen der Leiter von Bhakti Yoga hinauf und erreicht schließlich die höchste Stufe, Atmanivedana. Der Wille des Gläubigen wird eins mit dem Kosmischen Willen. Der Devotee wird eins mit dem Herrn und erfreut sich aller göttlichen Aisvaryas (Vibhutis). Acht Siddhis und neun Riddhis sind ihm zu Diensten. Sie stehen mit gefalteten Händen bereit, bedingungslos den Befehlen des Devotee zu gehorchen. Der Gläubige oder Devotee fühlt und sieht den Herrn in jeder Haarfollikel seines Körpers, in jedem Atom und Molekül. Dieser Zustand ist Achintya (undenkbar) und Anirdesya (unbeschreiblich). Gott spricht und arbeitet durch die verschiedenen Organe Seines Bhakta, da dessen Egoismus total ausgelöscht ist. Die Hindernisse, welche der Selbstaufgabe im Weg stehen, sind Begierden und Egoismus. Die Selbstaufgabe muss total, uneingeschränkt, bereitwillig und bedingungslos sein. Manchmal behält sich ein Gläubiger bestimmte Wünsche als Belohnung vor. Und genau das ist der Grund, warum er nicht in der Lage ist, vollkommene Selbstaufgabe zu vollziehen und Darshana seines Ishta zu haben. Der Egoismus ist starr, stur und dickköpfig. Er ist wie harter Granit. Er muss durch konstantes Hämmern mit dem Meißel von Bhakti auseinander gebrochen werden. Wenn eine Halskette gemacht wird, kann selbst der härteste Diamant von einem noch härteren Material durchbohrt und ein feiner Draht durch das Loch im Diamanten geführt werden. Ebenso muss dieser harte Antahkarana oder das Herz durch Selbstaufgabe durchbohrt und der feine Draht von Bhakti durch das Herz geführt werden. Dann wird Gott Seinen Sitz im Herzen Seines Gläubigen einnehmen.

Der Gläubige erwartet sogar manchmal, dass Gott die Selbstaufgabe für ihn übernimmt. Dies ist aber bloße Unsinnigkeit. Er wird die Selbstaufgabe schon selbst machen müssen. Erinnere dich gut an diesen Punkt. Tamas oder Trägheit wird fälschlicherweise für Selbstaufgabe gehalten. In den Patanjali Yoga Sutras gibt es einen Sinnspruch: Isvarapranidhanadva - "Samadhi kann nur erreicht werden durch Aufgabe des kleinen Selbst und durch die Früchte seiner eigenen Handlungen zu Füßen des Herrn." Selbstaufgabe ist eines der drei Glieder des Kriya Yoga. Und dann wiederum ist Selbstaufgabe eines der fünf Elemente in Niyama. Kriya Yoga zerstört die fünf Klesas (Drangsale) und bereitet den Geist auf die Einswerdung mit Gott vor.

Krishna sagt in der Gita: "Lass ab von all deinen Pflichten und suche Zuflucht bei mir allein, sorge dich nicht. Ich werde dich von allen Sünden befreien." Dies ist ein machtvolles Saranagati Mantra, welches dem Gläubigen bei der Ausführung von Selbstaufgabe helfen wird, wenn er den Bhava dieses Sloka fortwährend in seinem Geist beibehält.

Dies entspricht dem Saranagati Mantra der Bhaktas von Shri Rama: "Sri Ramah Saranam Mama - Ich ergebe mich Shri Rama", dem der Bhaktas von Shri Krishna: "Shri Krishna Saranam Mama - Ich ergebe mich Shri Krishna", und dem der Bhaktas von Lord Hari: "Shriman-Narayanacharanau Saranam Prapadye - Ich ergebe mich Lord Narayana." Jene, welche die oben erwähnten Mantras mit Bhava wiederholen, werden schon bald die Gnade Gottes erhalten. Sie werden in der Lage sein, vollkommene Selbstaufgabe zu vollziehen.

Die Wiederholung dieser Sätze: "Ich bin Dein, mein Gott, Alles ist Dein, Dein Wille geschehe" wird dir helfen, die Gnade Gottes zu erhalten und Selbstaufgabe zu bewirken. Selbst wenn du nur einmal vom Grunde deines Herzens, vom tiefsten Innern deines Seins, mit eindeutiger Hingabe, mit Hunderprozent deines Geistes oder den sechzehn Annas deines Geistes sagst: "Ich bin Dein, mein Gott", dann wird sogleich über dem Graben, der dich von Gott trennt, eine Brücke errichtet. Geist, Chitta, Herz, Verstand und Seele sollten sich alle harmonisch bei der Bewirkung von Selbstaufgabe vereinen. Nur dann wird die Selbstaufgabe wahrhaftig, echt, vollständig und perfekt sein. Wenn der Geist sagt: "Ich bin Dein, mein Gott", wenn der Buddhi sagt: "Ich bin Herr So-und-so. Ich weiß alles. Ich bin ein mächtiger Richter", wenn Chitta sagt: "Ich muss den Siddhi haben um zu bekommen, was immer ich will" und wenn die Seele sagt: "Ich bin ein großer Devotee", dann bist du nur ein Heuchler und Scheinheiliger. Dann hast du in keinster Weise Selbstaufgabe vollzogen. Hüte dich vor moralischem und spirituellem Stolz. Maya nimmt mancherlei subtile Formen an. Moralischer und spiritueller Stolz von Aspiranten ist gefährlicher als normaler Stolz auf Besitz, Macht und Stellung von weltlich ausgerichteten Personen.

Shatkriyas im Hatha Yoga

Die sechs Reinigungsübungen lauten: Dhauti, Basti, Neti, Nauli, Tratak und Kapalabhati.

Dhauti

Es gibt zwei Arten der Reinigung, die innere und die äußere. Innere Reinigung kann auf verschiedene Arten und Weisen gemacht werden. Hier findest Du die Technik für eine wichtige Übung:

Nimm ein feines Stück Tuch, etwa 7 Zentimeter breit und 3 Meter lang. Die Ränder sollten gut vernäht sein, kein loses Garn sollte aus den Seiten heraus hängen. Wasche es mit Seife und halte es immer sauber.

Tauche es in lauwarmes Wasser. Wringe das Wasser aus und dann verschlucke ein Ende ganz allmählich, nach und nach. Verschlucke am ersten Tag nur etwa 30 Zentimeter des Stoffes und ziehe es dann langsam wieder heraus. Nach schritweise fortlaufender Praxis kannst du die ganze Länge schlucken, wobei du ein Ende des Stoffes aber festhältst. Behalte es für ein paar Minuten in deinem Magen und ziehe es dann langsam wieder heraus. Sei dabei nicht hastig und ziehe das Tuch nicht mit Gewalt heraus. Wenn der Kriya vorbei ist, trinke eine Tasse Milch. Das ist so eine Art Einölung für den Hals. Vollziehe dies auf nüchternem Magen. Die Morgenzeit ist gut. Es wird hinlänglich genügen, wenn du dies alle 4 oder 5 Tage praktizierst. Das ist eine exzellente Übung für all jene, die eine schlaffe und phlegmatische Konstitution besitzen. Schrittweise und ständige Praxis heilt Gulma, Gastritis, Verdauungsstörungen und alle anderen Magenkrankheiten.

Basti

Basti ist dafür da, Verstopfung zu beseitigen. Es gibt zwei Arten dieser Übung, nämlich Sthala Basti und Jala basti.

Sthala Basti: Setz dich auf den Boden und strecke deine Beine aus. Jetzt ergreife mit deinen Händen deine Zehen. Das ist wie Paschimottanasana, aber hier brauchst du dich nicht viel zu beugen bis dein Kopf die Knie berührt. Die Zehen mit deinen Händen anzufassen bewirkt, dass die Bauchmuskeln langsam in einer Abwärtsbewegung beansprucht werden. Kontrahiere die Schließmuskel. Nach dieser Übung wirst du einen freien Stuhlgang haben.

Jala Basti: Dies ist noch effektiver. Hocke dich in ein Bassin mit Wasser oder in einen Fluss, und zwar nahe am Ufer, wo das Wasser nicht mehr als knietief ist. Das Gesäß sollte nicht den Boden berühren. Der Rumpf soll leicht nach vorn geneigt sein. Vollziehe jetzt zwei- oder dreimal Uddiyana Bandha und entleere so alle Luft aus deinem Abdomen. Vollziehe dann Nauli Kriya. Öffne den Anus durch Asvini Mudra. So wird jetzt ein Vakuum innerhalb deines Abdomes hergestellt und Wasser wird automatisch in deinen Dickdarm einfließen. Erhebe dich dann aus dem Wasser und stoße wieder mit Hilfe von Uddiyana Bandha und Asvini Mudra das Wasser aus deinem Darm aus.

Du kannst diese Übung auch in einer Wanne mit Wasser machen. Im Anfangsstadium musst du vielleicht einen kleines, etwa 15 cm langes Bambusröhrchen einführen, um deinen Anus geöffnet zu halten. Du solltest vor dem Gebrauch ein Ende des Röhrchens mit Vaseline einreiben. Von dieser Übung sollte nur gelegentlich Gebrauch gemacht werden, um Verstopfungen zu vermeiden.

Neti

Unsaubere Nasenlöcher verursachen unregelmäßige Atmung. Unregelmäßige Atmung wird dich krank machen. Neti Kriya ist für die Reinigung der Nasenlöcher gedacht. Nimm ein feines Stück eines starken Fadens. Es sollte keine Knoten haben. Führe die Enden des Fadens in jedes Nasenloch und halte das lose Ende des Fadens fest. Durch tiefes Einatmen kannst du den Faden nach innen ziehen. Zieh ihn dann langsam wieder heraus. Mach dies mit beiden Nasenlöchern. Die Nasenlöcher werden auf diese Weise gut und gründlich gereinigt.

Nauli

Nauli ist eine kraftvolle Übung zur Regeneration, Kräftigung und Stimulation der abdominalen Viszera und des Magen-Darm- oder Verdauungssystems. Für die Praxis von Nauli solltest du schon einen gute Praxiserfahrung von Uddiyana Bandha dein Eigen nennen.

Nimm eine stehende Stellung ein, die Beine sind etwa 30 cm auseinander, die Hände ruhen auf den Oberschenkeln, der Rücken ist leicht gewölbt. Atme heftig und kraftvoll durch den Mund aus und halte die Lunge vollständig leer. Kontrahiere und ziehe die Bauchmuskulatur heftig nach hinten zum Rücken. Dies ist Uddiyana Bandha. Das ist die erste Stufe von Nauli.

Lass dann die Mitte des Bauches locker und kontrahiere die linke und die rechte Seite des Bauches. Du wirst alle Muskeln im Zentrum in einer vertikalen Linie haben. Das wird Madhyama Nauli genannt. Halte es solange, wie du dich in der Stellung komfortabel fühlst. Dann kannst du die Muskeln entspannen und einatmen. Das ist die zweite Stufe von Nauli.

Nach einiger Praxis kontrahiere die rechte Seite der Bauchmuskeln und lass die linke Seite frei los und locker. Du wirst jetzt alle Muskeln nur auf der linken Seite haben. Das wird Vama Nauli genannt. Kontrahiere dann wieder die linke Seite und lass die recht Seite locker. Das ist Dakshina Nauli. Durch derartig schrittweise fortschreitende Praxis wirst du verstehen, wie man die Muskeln in der Mitte, auf der linken und auf der rechten Seite des Bauches von Seite zu Seite annspannt. Praktiziere dies für einige Tage.

Dann ziehe die Muskeln im Zentrum. Bewege sie in einer Kreisbewegung langsam zur rechten und dann zur linken Seite. Führe dies mehrere Male von der rechten zur linken Seite und dann in umgekehrter Weise von der linken zur rechten Seite aus. Du solltest die Muskeln immer langsam mit der Drehbewegung bewegen. Wenn du einmal in der Praxis fortgeschritten bist, kannst du sie auch schnell ausführen. Die letzte Stufe von Nauli wird wie "Rühren" oder "Kneten" anmuten, wenn die Bauchmuskeln vereinzelt und getrennt sind und von Seite zu Seite rotiert werden. Wird Nauli von fortgeschrittenen Schülern demonstriert, wird mann zuerst erstaunt sein, wenn man die Bewegungen der Bauchmuskeln beobachtet. Es sieht aus, als sei ein Motor in der "Bauchfabrik" am Werke.

Wenn Anfänger Dakshina Nauli ausführen wollen, müssen sie sich leicht zur linken Seite neigen und die linken Muskeln anspannen. Wollen sie Vama Nauli machen, dann müssen sie sich ein wenig zur rechten Seite neigen. Drücke in Madhyama Nauli alle Mukeln nach vorn, indem du beide Seiten anspannst.

Nauli Kriya ist gut gegen chronische Verstopfung, Verdauungsstörungen und alle anderen Krankheiten des Magen-Darmsystems. Leber und Bauchspeicheldrüse werden fit gehalten. Alle anderen abdominalen Organe werden ordentlich funktionieren.

Tratak

Dies ist das ständige Starren auf einen bestimmten Punkt oder Gegenstand ohne zu blinzeln oder zu zwinkern. Das ist hauptsächlich dafür gedacht, Konzentrationskraft und mentale Zielgerichtetheit zu entwickeln. Dies ist für alle sehr nützlich.

Setz dich in die Position von Padmasana oder Siddhasana. Du kannst sogar auch aufrecht auf einem Stuhl sitzen. Halte ein Bild von deinem Ishta Devata oder das Bild von Om oder einen schwarzen Punkt auf einem weißen Blatt Papier bereit. Nun schaue stetig und ununterbrochen auf den Punkt oder das Bild. Du kannst auch auf einen hellen Stern oder die Flamme einer Ghee-Lampe gucken. Auch das Anvisieren der Nasenspitze und des Punktes zwischen den Augenbrauen ist Tratak. Wenn du auf einen bestimmten Punkt oder ein bestimmtes Bild starrst, ist das Tratak. Schließe deine Augen und forme ein mentales Bild des Objekts. Praktiziere dies für zwei Minuten und steigere vorsichtig die Zeitdauer.

Tratak verbessert die Sehkraft. Augenkrankheiten werden beseitigt. Viele haben schon nach einigem Praktizieren von Tratak ihre Brillen weggeworfen. Es fördert in großem Ausmaß die Konzentrationskraft.

Kapalabhati

Kapalabhati ist eine Übung, um den Schädel zu reinigen. Kapala bedeutet "Schädel" und Bhati bedeutet "scheinen, strahlen". Diese Übung bringt also den Schädel zum Strahlen.

Nimm die Padmasana oder Siddhasana Sitzposition ein. Schließe deine Augen. Führe in rascher Folge Rechaka und Puraka aus. Das sollte energisch und kräftig praktiziert werden. Man wird dabei reichlich in Schweiß ausbrechen. Dies ist auch eine gute Übung für die Lunge. Wer schon versiert in Kapalabhati ist, kann auch sehr leicht Bhastrika durchführen. Rechaka sollte heftig gemacht werden und dabei sollte die Bauchmuskulatur angespannt werden. Vollziehe erst einmal 20 Ausstossungen pro Runde und steigere allmählich die Anzahl bis 120. Es gibt kein Kumbhaka (Atemverhaltung) in Kapalabhati. Kapalabhati reinigt das Atemsystem und die Nasengänge. Es beseitigt Krämpfe in den Bronchien. Infolgedessen wird Asthma gelindert und im Laufe der Zeit auch geheilt. Die Lungenspitzen werden ordentlich mit Sauerstoff angereichert. Schwindsucht wird geheilt. Giftstoffe im Blut werden so ausgeschieden. Das Kreislauf- und das Atemsystem werden in einem beträchtlichen Ausmaß positiv beeinflusst.

Tapascharya Sang

Auszug aus dem Buch "Yoga im täglichen Leben" von Swami Sivananda (Thars: Rama Bhajana Kariya)

1.
Hamsa Soham … Soham Hamsa (Hamsa Soham)
Soham Shivoham … Shivoham Soham (Soham Sivoham)
(Antarai)
Ananta Jyotiye … Adwaita Vastuve
Shanti Swaroopame … Satchidanandame
Gyana Swaroopame … Niryanandame
Hamsa Soham … Soham Hamsa
Erforsche, wer bin ich? … Denke nach, meditiere
Vereine die fünf Koshas … Übe Neti Neti
2.
Hari Om Narayana … Sri Radha Krishna
(Antarai)
Sri Vasudevaya … Sri Krishna Devaya
(Hari Om Narayanam)
(Antarai)
3.
Jetzt ist Sadhana-Woche … Übe unnachgiebig Tapas
Denke nicht an Bequemlichkeiten … Denke nicht viel an deinen Leib.
Vergesst die irdischen Dinge … Meine lieben Sadhakas
Die Zeit ist äußerst kostbar … Verschwendet keine Sekunde
Übt Japas und Meditation … Das ist euer wahrer Reichtum
Der Herr wohnt in euren Herzen … Findet ihn durch Meditation
Er ist der Atem eures Lebens … Sucht eure Zuflucht bei Ihm
Erwachet, nahet euch Ihm … Haltet euch an Seine Lotusfüße
Dürstet nach Seinem Darshan … Ruhet in Ihm
Führt ein göttliches Leben … Sagt ab der Wolllust und Habgier
Gedenket immer Seiner … Pfleget Kirtana.

Siehe auch

Literatur

  • Sadhana - Ein Lehrbuch mit Techniken zur spirituellen Vollkommenheit von Swami Sivananda
  • Swami Sivananda: Die Kraft der Gedanken; Books. ISBN 3-922477-94-1
  • Swami Sivananda: Shrimad Bhagavad Gita, Erläuternder Text und Kommentar von Swami Sivananda; Mangalam Books. ISBN 3-922477-06-2
  • Swami Sivananda: Hatha-Yoga / Der sichere Weg zu guter Gesundheit, langem Leben und Erweckung der höheren Kräfte; Heinrich Schwab Verlag. ISBN 3-7964-0097-3
  • Swami Sivananda: Göttliche Erkenntnis; Mangalam Books. ISBN 3-922477-00-3
  • Swami Sivananda: Sadhana; Mangalam Books. ISBN 3-922477-07-0
  • Swami Sivananda: Autobiographie von Swami Sivananda; Bad Mainberg 1999. ISBN 3-931854-24-8
  • Swami Sivananda: „Tantra Yoga, Nada Yoga and Kriya Yoga“, Divine Life Society, Shivanandanagar, 5. Auflage, 2000

Weblinks

Seminare

Spirituelles Retreat

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Multimedia

Arten und Wirksamkeit von Tapas – BG.XVII 14 - Kurzvortrag von Sukadev Bretz

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Sprachliches Tapas der eigenen Worte – BG.XVII 15 - Kurzvortrag von Sukadev Bretz

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Gute Gedanken und edle Gefühlsregungen – BG.XVII 16 - Kurzvortrag von Sukadev Bretz

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Tapas reinigt den Geist

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Tapas von Gedanken, Wort und Tat mit Vertrauen BG XVII 17

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