Pranou

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Pranou, auch Pranava Upanishad, ist eine Upanishad, die in der Oupnek'hat-Sammlung aufgeführt wird. Darin werden 36 Fragen zur heiligen Silbe Om gestellt und beantwortet.

Die heilige Silbe Om

Pranou (Pranava Upanishad) mit Erläuterungen von Paul Deussen

Artikel aus "Upanishaden. Die Geheimlehre des Veda“ in der Übersetzung von Paul Deussen, herausgegeben von Peter Michel, Marix Verlag, 2. Auflage, 2007, Wiesbaden, S. 1025 - 1042.

Einleitung

Eine Pranava Upanishad (so ist ohne Zweifel der Titel zu deuten) befindet sich handschriftlich im Fort St. George (Taylor, Catalogue II, 472), in Tanjore (Burnell 33b), in Jammu (Steins Katalog p. 31) und in Madras (Katalog der Gov. Or. Ms. library, p. 52); die dritte kann unsere Upanishad nicht sein, es sei denn teilweise, da sie nur aus vierzehn Zeilen besteht; ob die anderen, bleibt abzuwarten. Inzwischen versuchen wir, aus der diffusen und wohl auch hier stark interpolierten persisch-lateinischen Übersetzung den mutmaßlichen Text des Originalwerkes herauszuschälen, bemerken aber, daß dieser Versuch ein durchaus hypothetischer ist, namentlich in Anbetracht des abstrusen Inhaltes des Werkes. Dasselbe zerfällt in drei Brahmanas: das erste betrachtet den Pranava, d. h. die Silbe Om, nach ihren Schriftzeichen und Lauten und ihre Unentbehrlichkeit beim Beginn jedes Vedastudiums und Opfers; - das zweite Brahmanam begründet diese Unentbehrlichkeit durch einen Mythos; - das dritte läßt den Prajapati sechsunddreißig, den Om Laut betreffende, Fragen beantworten. Auch hier scheint (vgl. zu Prasna 4, oben S. 566) die mehr zusammenhängende Darstellung der Antworten das Ursprüngliche, die Voranstellung der sechsunddreißig Fragen eine spätere Rubrizierung des Inhaltes zu sein. Wir haben tunlichst versucht, Fragen und Antworten durch gleiche Numerierung in Beziehung zu setzen; aber schon Anquetil (II, 748) wußte sich hier nicht mehr recht zu helfen; auch sind von ihm oder wohl schon von seinen persischen Vorgängern mehrere Stellen teils mißsverstanden, teils gar nicht verstanden worden. Wir können kaum hoffen, daß wir bei unserem Versuche, überall Klarheit zu schaffen, immer das Rechte getroffen haben. Im wesentlichen aber wird das Bild, welches unsere Übersetzung von der Upanishad gibt, ein richtiges sein.

[Nachdem Bloomfield, wie in der Vorrede bemerkt wurde, den Sanskrittext der Pranava Upanishad im Gopatha Brahmanam I, 1,16-30 aufgefunden hat, lassen wir in der gegenwärtigen zweiten Auflage eine Übersetzung aus dem stellenweise schwierigen und mehrfach korrupten Sanskrit-Original fortlaufend unserer ursprünglichen Übersetzung aus Anquetil Duperron zur Seite gehen, da ein Vergleich beider Versionen nicht ohne Interesse ist.]

Erstes Brahmanam

Brahma auf einer Lotosblume

Das Brahman erschuf in einer Lotosblume den Brahma. Dieser erwog: "Welches ist das eine Wort, durch das alle Wünsche erlangt, und alle Welten, Götter, Veden, Opfer, Opferlohne, alles Bewegliche und Unbewegliche gewußt wird?" - Und er übte Tapas. Nachdem er Tapas geübt, sah er jene Silbe, welche aus zwei Schriftzeichen und vier Moren besteht, welche allbefassend, allbeherrschend, allezeit neu, das Brahman ist. Da erlangte er alle Wünsche, alle Welten, Götter, Veden, Opfer, Reden, Opferlöhne, alles Bewegliche und Unbewegliche.

Durch das erste Schriftzeichen erkannte er das Wasser (Apas) und die Befassung (Apti); durch das zweite das Feuer und das Licht.

Die erste Mora, der A-Laut, ist die Erde und das Feuer, die Pflanzen, der Rigveda, Bhur, die Gayatri, das neunfache Saman, der Osten, der Frühling, und in bezug auf das Selbst die Sprache, die Zunge und das Reden.

Die zweite Mora, der U-Laut, ist der Luftraum und der Wind, [der Yajurveda], Bhuvar, die Trishtubh, das fünfzehnfache Saman, der Westen, der Sommer, und in bezug auf das Selbst der Odem, die Nase und der Geruch.

Die dritte Mora, der M-Laut, ist der Himmel und die Sonne, der Samaveda, Svar, die Jagati, das siebzehnfache Saman, der Norden, die Regenzeit, und in bezug auf das Selbst das Licht, das Auge und das Sehen.

Die vierte Mora, der Anusvara, ist das Wasser und der Mond, der Atharvaveda, Janas, die Anushtubh, das siebenundzwanzigfache Saman, der Süden, der Herbst, und in bezug auf das Selbst das Herz, das Wissen und das Gewußte.

Der Nachhall ist die Vedangas, Schöpfung und Vergang, die Vedagespräche, die großen Sprüche, die Upanishaden, die Vedavorschriften, die sieben Vyahritis, die sieben Töne, und Kunst, Tanz, Rede und Musik; und die Lieder des Citraratha und der übrigen [Gandharven]; der Blitz, die Brihati, das dreiunddreißigfache Saman, die obere Himmelsrichtung, die vier Monate der übrigen Jahreszeiten, und in bezug auf das Selbst das Ohr, die Stimme und das Hören.

Dieser Pranava, die eine Silbe, entstand vor dem Tapas, ist das Brahman, der Same des Veda; aus diesem Pranava sind alle Mantras entsprungen.

Und dieses ist das Werk des Pranava: wenn man die Mantras ohne Tapas, Lehrerdienst oder zu verbotener Zeit studiert, so wird ihre Kraft geschwächt und sie haften nicht; durch den Pranava aber, welcher die Essenz des Atharvaveda ist, erhalten sie ihre Kraft zurück und haften wieder. Und wie ein Kind bei der Geburt, wenn es unglücklich liegt, die Mutter tötet, und wenn es glücklich liegt, sie befreit, so gehen durch den Pranava beim Studium die Mantras glücklich vonstatten und haften, und beim Opfer werden durch den Pranava die Opfer ohne Fehler.

Darum heißt es: "Der Pranava ist die eine Silbe, welche sie am Anfang jeder Opferhandlung und am Schluß derselben aussprechen."

Des Hymnus Laut im höchsten Himmelsraum,
Auf dem gestützt die Götter alle thronen,
Wenn man den nicht kennt, wozu hilft der Hymnus dann? —
Wir, die ihn kennen, haben uns versammelt hier.[1]

Dieser "Laut" ist der Pranava.

Wer nun einen Wunsch hat, der möge drei Nächte Enthaltsamkeit üben, auf Streu schlafen und nach Osten gerichtet schweigend sitzen und in jeder Nacht tausendmal des Pranava gedenk sein; dann wird er das Gewünschte erhalten und die Frucht seines Opferwerks erlangen.

Zweites Brahmanam

Als Sudha[2], die Stadt des Indra, von allen Seiten durch die Asuras bestürmt wurde, da fürchteten sich die Götter und sprachen: "Wer wird diese Asuras überwinden?" Da sprachen sie zu dem Om-Laute, dem Erstgeborenen des Brahman: "Du bist unter uns der Mächtigste; laß uns durch dich die Asuras überwinden!" - "Was wird mein Lohn sein?" sprach er. - Sie sprachen: "Was forderst du?" - Der Pranava sprach: "Daß sie, ohne mich vorher ausgesprochen zu haben, den Veda nicht studieren; und daß, wenn sie nicht mich vorher aussprechen, das Vedastudium keine Frucht bringe!" - "So sei es", sprachen sie. Da griffen die Götter von dem Ort, wo das Opfer war, von Norden her (oben S. 131, Anm. 2) an, sprachen "Om!" und überwanden mit Hilfe des Pranava die Asuras.

Darum spricht man bei allen heiligen Handlungen das Wort Om, und wer es nicht weiß, der vermag die Handlung nicht zu vollbringen; wer es aber weiß, der hat die Veden in der Gewalt. Darum, wenn man es ausspricht beim Beginn des Rigveda, so ist es der Rigveda; des Yajurveda, der Yajurveda; des Samaveda, der Samaveda. Und bei jedem Werk, daß man den Pranava zu Anfang ausspricht, das ist die Gestalt desselben, - die Gestalt desselben.

Drittes Brahmanam

[Den Prajapati] befragten sie in betreff des Om-Lautes:
Lichter-Om, aufgenommen an Diwali, Yoga Vidya Westerwald Nov. 2009
1. Welches ist seine Wurzel (Prakriti)?
2. Welches seine Aussprache?
3. Womit geht er den Sandhi ein?
4. Soll man ihn als männlich, weiblich oder sächlich behandeln?
5. Ist er Singular, Dual oder Plural?
6-13. Kann man ihn in die Kasusbeziehungen: 6. "ihn", 7. "von ihm", 8. "mit ihm", 9. "in ihm", 10. "durch ihn", 11. "aus ihm", 12. "ihm" setzen?
13. und durch welche Suffixe werden diese Beziehungen an ihm bezeichnet?
14. Ist er in leisem, mittlerem oder lautem Ton zu sprechen?
15. Wird sein Sinn durch Vorsetzung eines Lautes [z. B. in Som, oben S. 220] verändert, und können seine Laute [z. B. bei Plutierung, oben S. 728, oder durch Vertauschung des Anusvara ṃ gegen m mit Virama] modifiziert werden? [Der Sinn ist unsicher, da die Antwort nur unvollständig erfolgt.]
16. Welches ist seine Auslegung? Was ist nach ihm, und wonach ist er gestaltet?
17-21. Wie viele Matras hat er? Wie ist er zusammengesetzt? Wie viele Zeichen hat er? Wie viele Laute? Von was ist er gefolgt?
22. Mit welchem Organ wird er ausgesprochen?
23a. Wie wird er ausgesprochen?
23b. Und wie wird seine Aussprache gelehrt?
24. Welches ist sein Versmaß?
25. Welches ist seine Farbe?
26. Welches ist seine Hauptwirkung?
27. Wie vielfach wird er ausgesprochen?
28. Welche Erzählung dient dem als Erklärung?
29. In welchem Laute [von Om] ist der Rigveda, in welchem der Yajurveda, in welchem der Samaveda?
30. Warum sprechen die Vedastudierenden den Pranava vorher aus?
31. Welches ist seine Gottheit?
32. Welches ist die rechte Zeit, ihn zu sprechen?
33. Welches ist die Erklärung seiner Laute?
34. Welches ist seine Stätte (Loka)?
35. Und welches ist die Stätte, in der er entsprungen?
36. Mit welchem, in dem Leib, ist er verbunden?

Prajapati sprach: Diese sechsunddreißig Fragen trennend, will ich den Pranava erklären.

1. Seine Wurzel ist ap, nach anderen av; nach ersterem umgibt er (Apnoti), nach letzterem ernährt er (Avati). Aber das Umgeben ist mehr als das Ernähren; und ap (das Wasser) heißt so, weil es, wie Brahman, alles umgibt.
2. Seine Aussprache ist verbunden oder getrennt; mag man die Buchstaben einzeln oder zusammen aussprechen, so gibt es denselben Sinn.
3. Die Laute, mit denen er den Sandhi eingeht (a, ā), verlieren ihre Aussprache, behalten aber ihre Bedeutung (Pan. 6,1,95).
4. Er erleidet keinen Unterschied in der Aussprache als männlich oder weiblich, (wird mit lauter Stimme gesprochen[3]) und kann eben wohl mit einem männlichen, weiblichen oder sächlichen [Adjektiv] verbunden werden.
5. (Die Antwort ist in 23. eingeschoben.)
6-13. Man kann ihn in die Kasusbeziehungen 6. "ihn", 7. "von ihm", 8. "mit ihm", 9. "in ihm", 10. "durch ihn", 11. "aus ihm", 12. "ihm" setzen; 13. in allen diesen Fällen bleibt er derselbe (ohne Suffix).
14. (Die Antwort ist in 23. eingeschoben.)
15. (Die Antwort ist in 23. eingeschoben.)
16. Das a (in Ap "Wasser") wird zu o, und das p zu m, und aus diesen beiden Zeichen ist der Laut o-m gestaltet.
17-21. Seiner Matras sind drei, a, u, m. Mit drei Nachhallen (Mad gleich Nada?) wird er gesprochen (oben S. 728). Der Nachhall ist an ihm das vierte Element. So besteht er aus 3 1/2 Matras.
22. Mit den Lippen wird er ausgesprochen.
23a. Bei o wird die Kehle erweitert, bei m werden die Lippen geschlossen; - (Antwort auf 19:) seiner Zeichen sind zwei, nicht eines; - (Antwort auf 15:) die Anfügung des Virama ändert seinen Sinn nicht; - (Antwort auf 14:) er kann in leisem, mittlerem oder lautem Tone gesprochen werden; - (Antwort auf 5:) er kann als Singular, Dual und Plural gebraucht werden.
23b. Also haben die Altvordern ihn ausgesprochen und überliefert, so daß die Schüler solcher Fragen nicht bedurften; denn sie wußten, daß man doch nur vom Hören seine Aussprache lernen kann.

Nun war unter den Späteren in Kanyakubja der gelehrte "Anheh", der sich mit den Weisen über derartige Fragen unteredete. Und er befragte die Rishis: "Welches ist die Art, den Pranava schlecht auszusprechen, daß man weiß, er sei schlecht ausgesprochen; und welches ist die Art, von der man sagt, er sei richtig ausgesprochen?" [Und sie antworteten:] "Sechs Eigentümlichkeiten sind bei seiner Aussprache: der Ort seiner Aussprache, die Art, die Richtigkeit, die Maße, die Zeit und die Werke, bei denen er zu sprechen. Für diese preisen sie den Sprechenden. Wer aber diese sechs nicht weiß, kann den Pranava nicht richtig aussprechen."

24. Sein Versmaß ist die Gayatri; denn diese sprechen die Götter in einem Worte aus.
25. Seine Farbe ist weiß (vgl. oben S. 722. 727).
26. Die Art seines Wirkens ist, daß er zu Anfang ausgesprochen wird.
27. Zweifach, so lautet die Antwort [wird der Om-Laut ausgesprochen, nämlich erstlich (wenn wir die Stelle richtig verstehen) in Gestalt der vier Vyahritis, zweitens als der Pranava]. I. Da sind die Mantras, die Vidhis und das Brahman als Teile der Veden, nämlich des Rigveda, Yajurveda, Samaveda; dazu der Atharvaveda, dessen Glorie (Mahiman) der Pranava ist. Nämlich die Glorie der vier Veden ist, was zu Anfang derselben ausgesprochen wird. Dieses sind vier Worte: Om zu Anfang des Atharvaveda, Bhur des Rigveda, Bhuvar des Yajurveda, Svar des Samaveda. II. Aber die Glorie von allen ist Om, sofern es zu Anfang aller vier Veden gesprochen wird; wo nicht, so wird ihre Kraft geschwächt, und sie bringen keine Frucht.
28. Nach Ablauf des Satyam und der Treta, zu Anfang des Zeitalters Dvaparam erwogen die Rishis: "Jetzt werden sie ohne genügende Kenntnis des Rig-, Yajur- und Samaveda opfern, und ihr Werk wird mangelhaft und ohne Frucht sein; wie darf die Werke solches Unheil treffen?" - Da gerieten sie in Furcht; denn die Altvordern hatten darüber nichts hinterlassen, was zu tun sei, wenn die Veden fruchtlos werden sollten. Und sie sprachen: "Wohlan! laßt uns allesamt zum verehrungswürdigen Atharvan gehen und ihn bitten, daß er uns Furchtlosigkeit verleihe und uns darüber belehre." Und sie bedachten: "Wie wird er zu uns reden, wenn wir ihm nicht in Unterwürfigkeit nahen?" Und sie gingen hin und nahten ihm in Unterwürfigkeit. Aber Atharvan, nachdem er sie als Schüler aufgenommen, sprach zu ihnen: "Jenes große Wort, welches zu Anfang des nach mir benannten Veda steht, das sprechen meine Schüler zu Anfang des Studiums aller Veden aus; dadurch werden die Mantras der Veden fruchtbringend. Wenn ihr nun bei den Werken eurer Veden den Anfang des Atharvaveda nicht sprecht, so werden eure Werke mangelhaft und ohne Frucht sein und schädigen den, der opfert und opfern läßt. Darum lehrt eure Nachkommen, also zu tun; so werden der Rig-, Yajur- und Samaveda fruchtbringend sein." Da sprachen die Rishis: "So sei es, o Ehrwürdiger; wir sind befreit von Furcht und Kummer und voll Freude!"
29. (Die Antwort fehlt; sie ist aus S. 631. 727. 859 zu entnehmen.)
30. Darum geschieht es, daß die Vedastudierenden vor den Mantras, Werken und Abteilungen des Veda, nämlich des Yajur- und Samaveda, das große Wort Om aussprechen.
31-34. Wenn sie den Pranava zu Eingang des Rigveda sprechen, so ist seine Gottheit das Feuer, sein Licht der Pranava, sein Versmaß die Gayatri, seine Stätte die Erde; und sie beginnen mit dem ersten Verse des Rigveda, weil er das Feuer preist (Rigv. 1,1,1: Agnim ile etc.).

Und wenn sie den Pranava zu Eingang des Yajurveda sprechen, so ist seine Gottheit der Wind, sein Licht der Pranava, sein Versmaß die Trishtubh, seine Stätte der Luftraum, und sie beginnen mit dem ersten Verse des Yajurveda, weil er den Regen preist (Vaj. Samh. 1,1,1: Ishe [gleich Vrishtayai] Tat etc.).

Und wenn sie den Pranava zu Eingang des Samaveda sprechen, so ist seine Gottheit die Sonne, sein Licht der Pranava, sein Versmaß die Jagati, seine Stätte der Himmel, und sie beginnen mit dem ersten Verse des Samaveda, weil er das Feuer preist (Samav. 1,1,1: Agna'Ayahi etc.).

Und wenn sie den Pranava zu Eingang des Atharvaveda sprechen, so ist seine Gottheit der Mond, sein Licht der Pranava, sein Versmaß alle Versmaße, seine Stätte das Wasser, und sie beginnen mit dem ersten Verse des Atharvaveda, weil er das Wasser preist (Atharvav. 1,6,1: Sam no devir etc.).

35. Dieses ist das Wasser, aus welchem alles Bewegliche und Unbewegliche entsprungen ist. Darum ist alles Wasser, so soll man wissen, und alles Atharvaveda. Darum ist das Wasser und der Pranava dasselbe; denn das Wasser heißt Ap, und ap ist als o der Anfangslaut des Pranava. Darum, hat der Rishi Vyasa gesagt, sollen am letzten Tage des Monats Sravana diejenigen, welche der Vorschrift des Atharvaveda folgen, keinen Veda studieren, denn er wird keinen Nutzen bringen. Darum soll, wer die Veden sich zueignen will, den Atharvaveda studieren; ohne dieses ist es nutzlos. Denn der Samaveda ist der größte, weil er Frucht bringt, wenn man ihn mit Tapas liest; der Atharvaveda aber bringt auch ohne Tapas diese Frucht. Darum, wer den Atharvaveda studiert, der weiß auch die drei anderen Veden, denn sie sind in ihm enthalten. - Also lautet die Unterweisung des Veda.
36. Aber die Hauptwirkung des Atharvaveda ist, daß der am Nichtwissen des Atman Krankende durch den Pranava geheilt wird, welcher der Anfang des Atharvaveda ist. Und das ist die Frucht der Meditation des Pranava, daß man zum reinen Atman wird. Durch Nachdenken über den Pranava soll man im Herzen die individuelle und die höchste Seele einsmachen; dann läßt man alle Schriftwerke und bleibt als reiner Atman bestehen. "Ich bin Om!" dieses ist der Zustand der Versenkung; in diesem Zustand läßt man alle Zweiheit fahren

und gelangt zur unterschiedlosen Versenkung (Nirvikalpasamadhi), in der man ohne "Ich" und ohne "Dieses" als reiner Atman besteht.

Wer diese Fragen wohl begriffen hat, der wird allwissend, der weiß die Antwort auf alle Fragen.

Pranava Upanishad

(Aus Gopatha Brahmanam I, 1,16-30.)

Erstes Brahmanam gleich Gop.-B. L 1,16-22

16. Das Brahman erschuf in einer Lotosblume den Brahma. Dieser Brahma, nachdem er erschaffen war, kam auf den Gedanken: "Welches ist die eine Silbe, durch die ich alle Wünsche, alle Welten, alle Götter, alle Veden, alle Opfer, alle Reden, alle Belohnungen und alle Wesen, die unbeweglichen und die beweglichen, erlangen kann?" — Und er übte Brahmanwandel. Da sah er jene Silbe "Om", welche aus zwei Schriftzeichen und vier Moren besteht, welche allbefassend, allbeherrschend, allezeit neu, das Brahman, der Brahman bezeichnende Ausruf, das Brahman als Gottheit habend ist. Damit erlangte er alle Wünsche, alle Welten, alle Götter, alle Veden, alle Opfer, alle Reden, alle Belohnungen und alle Wesen, die unbeweglichen und die beweglichen.

Durch ihr erstes Schriftzeichen erlangte er das Wasser und das Feuchte [lies: Apas Snehanca]; durch ihr zweites Schriftzeichen erlangte er das Feuer und die Lichter.

17. Durch ihre erste Laut-Mora erlangte er die Erde, das Feuer, die Kräuter und Bäume, den Rigveda, den Ausruf [lies: Vyahritim] Bhur, das Gayatri-Metrum, den Stoma Trivrit, die östliche Himmelsgegend, die Jahreszeit des Frühlings, und in bezug auf das Selbst die Rede, die Zunge und den Geschmack, diese Organe.
18. Durch ihre zweite Laut-Mora erlangte er den Luftraum, den Wind, den Yajurveda, den Ausruf Bhuvar, das Trishtubh-Metrum, den fünfzehnfachen Stoma, die westliche Himmelsgegend, die Jahreszeit des Sommers, und in bezug auf das Selbst den Odem, die Nase und das Riechen des Geruchs, diese Organe.
19. Durch ihre dritte Laut-Mora erlangte er den Himmel, die Sonne, den Samaveda, den Ausruf Svar, das Jagati-Metrum, den siebzehnfachen Stoma, die nördliche Himmelsgegend, die Jahreszeit des Regens, und in bezug auf das Selbst das Licht, die Augen und das Sehen, diese Organe.
20. Durch ihre Va-Laut-Mora (?) erlangte er das Wasser, den Mond, den Atharvaveda, die Sterne, als den Laut Om ihr eigenes Selbst, als den Laut Janar das der Angiras, das Anushtubh-Metrum, den einundzwanzigfachen Stoma, die südliche Himmelsgegend, die Jahreszeit des Herbstes, und in bezug auf das Selbst das Manas, das Wissen und das Gewußte, diese Organe.
21. Durch das Hören ihres Ma-Lautes erlangte er die epischen und mythologischen Gedichte, die Vedagespräche, die Narasansa-Lieder, die Upanishaden, [den Inhalt] der Vedavorschriften, die [sieben] Ausrufe Vridhat, Karat, Guhat, Mahat, Tat, Sam und Om: die mannigfachen, durch ihre Töne heilbringenden Saitenspiele, die [sieben] Töne, Tanz, Gesang und Musik, ferner erlangte er das Götterlied des Citraratha, das Blitzeslicht, das Brihati-Metrum, den dreimal neunfachen und dreiunddreißigfachen Stoma, die feste obere Himmelsgegend, die Jahreszeiten des Winters und des Nachwinters, und in bezug auf das Selbst das Ohr, die Töne und das Hören, diese Organe.
22. Dieser aus nur einer Silbe bestehende Rigvers ist vor dem Brahma und dem Tapas entstanden als das Brahman, als der Atharva-Same des Veda; aus diesem sind die Mantras entsprungen. Dieser [Pranava] aber, fürwahr, wenn man die Mantras ohne Tapas, ungehorsamerweise zu verbotener Zeit studierend, etwas mangelhaft, beschädigt oder unbrauchbar vollbringt, dann bringt er sie durch die Energie der Atharvana wieder zu Kraft; die Mantras könnten sich [feindlich] gegen mich wenden, wie Embryos die Mutter zu töten suchen könnten [lies: Abhijighanseyus], [so denkt er] und wendet vorher den Om-Laut an, dann bringt er es durch diese Ric wieder zu Kräften; sie also wird vor dem Opfer verwendet und sie hinterher, so wird durch sie das Opfer allseitig ausgebreitet.

Eben dieses wird durch einen Vers gesagt:

"Sie, welche vorher verwendet wird,
Auf dieser Ric Laut im höchsten Himmelsraum" ...
(Atharvav. 9,10,18 gleich Rigv. 1, 164,39.)

Diese Silbe soll ein Brahmane, wenn er einen Wunsch hat, nachdem er drei Nächte Enthaltsamkeit geübt und nach Osten gerichtet schweigend sich auf die Streu gesetzt hat, tausendmal bei sich wiederholen; dann gehen seine Wünsche in Erfüllung und alle seine Opferwerke. — So lautet das Brahmanam.

Zweites Brahmanam gleich Gop.-B. I, 1,23.

23. Es gibt mit Namen Vasordhara (Güterstrom) eine Stadt des Indra; diese bestürmten die Asuras von allen Seiten; da fürchteten sich

die Götter und sprachen: "Wer wird diese Asuras abwehren?" Da sahen sie den Om-Laut, den erstgeborenen Sohn des Brahman. Zu dem sprachen sie: "Laß uns durch dich als Mund diese Asuras überwinden!" - Er sprach: "Was wird mein Lohn sein?" - "Wähle ein Geschenk", sprachen sie. - "Ich will es wählen", sprach er. Und er wählte ein Geschenk: "Möchten nicht, ohne mich ausgesprochen zu haben, die Brahmanen das Vedawort rezitieren, und wenn sie mich nicht vorher aussprechen, so möge es ohne Wirkung (Abrahman) sein!" - "So sei es", sprachen sie. Da wurden die Götter von der nördlichen Seite des Opferplatzes her mit den Asuras handgemein, und die Götter überwanden mit dem Om-Laute von der Stätte des Agnidhriya-Feuers aus die Asuras.

Weil sie dieselben überwanden, darum wird der Om-Laut vorher ausgesprochen, und wer diesen Om-Laut nicht weiß, der ist machtlos; wer ihn aber weiß, der hat das Vedawort in der Gewalt.

Darum ist der Om-Laut die Ric in der Ric, das Yajua im Yajus, das Saman im Saman, das Sutram im Sutram, das Brahmanam im Brahmanam, der Sloka im Sloka, der Pranava im Pranava. - So lautet das Brahmanam.

Drittes Brahmanam gleich Gop.-B. I, 1,24-30.

24. Wir stellen Fragen über den Om-Laut:

2009-Om Klangschale Glocke Symbole-gross.jpg
1. Welches ist seine Wurzel?
2. Welches ist sein Stamm?
3. Welches ist seine Beziehung auf Nomen und Verbum (Namakhyatam)?
4. Welches sein Genus?
5. Welches seine Aussprache?
6. Welches sein Kasus?
7. Welches sein Suffix?
8. Welches sein Akzent?
9. Welches seine Präposition?
10. Welches seine Partikel?
11. Welches seine Analysis?
12. Welches seine Umwandlung?
13. Welches sein wandelbares Element?
14. Wieviele Moren hat er?
15. Wieviele Buchstaben?
16. Wieviele Silben?
17. Wieviele Worte?
18. Welches ist seine Konsonantenverbindung?
19. Was bewirkt einen Zuwachs seines Nachhalls [lies: Nada]?
20. Seine Phonetiker?
21. Als was sprechen sie ihn aus?
22. Welches ist sein Metrum?
23. Welches ist seine Farbe?

So lauten die ersten Fragen. Nun folgen die weiteren:

24. Sein Spruch?
25. Sein Ritual?
26. Sein Brahmanam?
27. Seine Ric?
28. Sein Yajus?
29. Sein Saman?
30. Warum setzen die Brahmanlehrer den Om-Laut zu Anfang?
31. Was als Gottheit habend?
32. Was sein Lichtprinzip?
33. Was seine Etymologie?
34. Was sein Ort?
35. Welches sein Ursprung?
36. Welches seine Beziehung auf das Selbst?

Das sind die sechsunddreißig Fragen. Die früheren und späteren bilden drei Gruppen zu je zwölfen; nach diesen wollen wir den Om-Laut erklären.

Brahma, Vishnu und Shiva im OM - Mahabharata Manuskript auf Seide, 1795
25. Indra befragte den Prajapati: O Heiliger, indem ich mich [durch Ergreifen des Brennholzes] weihe, befrage ich dich. - Frage, mein Lieber, so sprach er. - Was ist dieser Om-Laut? Wessen Sohn ist er? Was ist sein Metrum? Was ist seine Farbe? Und als was erreicht der Priester jenes Brahman? Denn darum hat er ja jenen heilbringenden Om-Laut vorher [gleichsam] geopfert. Mit dem Svarita als Betonung und einsilbig ist der Om-Laut im Rigveda; mit den drei Akzenten als Betonung und einsilbig ist der Om-Laut im Yajurveda; mit langgedehnter Betonung und einsilbig ist der Om-Laut im Samaveda; mit kurzer Betonung und einsilbig ist der Om-Laut im Atharvaveda; mit dem Udatta als Betonung ist er zweigliedrig, nämlich als A und U; es sind drei und eine halbe Moren, wofür in dem M-Laute die Andeutung liegt, wie man sagt (?). Was die erste Mora betrifft, so hat sie den Brahma als Gottheit, ist rot an Farbe, und wer sie beständig meditiert, der gelangt zu der Stätte des Brahma. Was die zweite Mora betrifft, so hat sie Visnu als Gottheit, ist schwarz an Farbe, und wer sie beständig meditiert, der gelangt zu der Stätte des Visnu. Was die dritte Mora betrifft, so hat sie den Isana (Siva) als Gottheit, ist braun an Farbe, und wer sie beständig meditiert, der gelangt zu der Stätte des Isana. Was die dreieinhalbte Mora betrifft, so ist sie allen Gottheiten geweiht, geht, indem sie sich entfaltet, in den Äther ein und ist an Farbe einem reinen Bergkristall ähnlich; wer diese beständig meditiert, der gelangt zu der namenlosen Stätte, und sie ist der Ursprung des Om-Lautes. Wenn ein Brahmane dies nicht weiß, so ist abermalige Einführung beim Lehrer [erforderlich]; darum ist das Wort unseres Brahmanam in acht zu nehmen wie ein nicht anzurührender Feuerbrand (Alatavyo). Seine Familie? Er ist ein Sohn des Brahma; sein Metrum die Gayatri, seine Farbe weiß. Er ist mit Vorliebe männlich [Punso vatso?]. Rudra ist seine Gottheit. So ist der Om-Laut der Veden.
26. Welches ist seine Wurzel? Die Wurzel ist ap; einige meinen, sie sei av. Aber die Sinngemäßheit liegt näher als die Formgemäßheit; somit kommt es von ap und bedeutet, daß der Om-Laut alles umfaßt [Ap-noti]. Daß es ein Wurzelkompositum ist, entspricht der Sache. Ein Nominalthema ist nicht ersichtlich. Der Name Suffix [für M] ist zutreffend, und unter den Ausnahmen erwähnen ihn die Grammatiker ausdrücklich. Er ist ein adverbielles Kompositum (Avyayibhutam); diese Benennung ist sinngemäß und bedeutet, daß ein solches sich niemals ändert. Denn es heißt:
Was gleich sich bleibend in den drei Geschlechtern,
In allen Casibus und Numeris
Unwandelbar beharrt, heißt unflektierbar (Avyayam).
(Mahabhashyam 1,1,38, p. 96,16.)

Welches als wandelbares Element kommt in Wegfall? Es findet Vokalisierung statt. Von der Wurzel ap müssen die Buchstaben A und P gewandelt werden. In seinem Anfange ist der Om-Laut umgewandelt. Das zweite Element ist der Laut M. So kommt als Om der aus zwei Buchstaben bestehende einsilbige Om-Laut heraus.

27. Wie viele Moren? Der Anfang enthält drei Moren, denn zu Eingang plutiert er sich; der M-Laut ist die vierte Mora. Welches ist sein Ort? Die beiden Lippen sind sein Ort, und als den Zuwachs des Nachhalls bewirkend sind sie ein zweifacher Ort. Der Diphthong [au] und das schwach nachhallende a kommen aus der Kehle mit der erwähnten [konsonantischen] Ergänzung. Der erstere steht da, um den offenen Laut zu bewirken, der zweite [der M-Laut] steht da, um den Konsonanten zu bewirken. Eine Konsonantenverbindung ist nicht vorhanden. Was weiter Verbalform, Präposition, Gravis, Zirkumflex, Genus, Kasus und Aussprache betrifft, so hat es ehemalige ihre Beschaffenheit studierende Lehrer gegeben, welche sagten: "Nur vom Hören lernt man es, nach einer Ursache fragt man nicht." Aber der zur Gegenpartei gehörige Weise Pancalacanda befragte sie und sprach: "Jetzt sollt ihr mir einmal der Reihe nach und einzeln (Anu u Prithag?) die Fehler aufzählen, die man beim Udgitha begehen kann!" Darum soll man

bei der Einteilung nach Buchstaben, Silben, Worten und Zeichen acht geben; damit hält man die von den Weisen wertgeschätzte Rede in Ehren. Darum erörtern wir die Ursache, indem wir glauben, daß dies zur Gesundheit der Buchstaben beiträgt, und wir, die wir die sechs Vedangas kennen, studieren es in dieser Weise.

Welches ist sein Metrum? Sein Metrum ist die Gayatri, denn die Gayatri der Götter wird erklärt als einsilbig und von weißer Farbe: So weit in betreff der zwei Gruppen von je zwölfen. Dieses also ist seine Analysis, die Erklärung des Sinnes seiner Wurzel, seine phonetische Behandlung und die Erklärung seines Metrums. Was nun die beiden letzten Gruppen zu je zwölfen betrifft, so ist die Geheimlehre des Veda [betreffend den Om-Laut] erklärt worden. Spruch, Ritual und heilige Rede findet sich im Rig-, Yajur-, Sama- und Atharvaveda, dieses aber ist der heilige Ausruf, wie er in den vier Veden der Reihe nach gebraucht wird, nämlich die Ausrufe: Om, Bhur, Bhuvar und Svar.

28. Als Mittel, die Nichtumsichtigen auf die Probe zu stellen, wird folgendes überliefert. Zu Anfang des Zeitalters Dvaparam verfiel ein

einzelner Rishi als Urheber der Schuld hienieden auf den Gedanken, daß der Soma mittels der drei Veden zu trinken und daß es damit genug sei. Infolgedessen geschah es, daß die Rig-, Yajur- und Samalieder ihren Glanz einbüßten. Da jammerten die großen Rishis und sprachen: "In große Bekümmernis und Furcht sind wir geraten, und das [was zu tun ist] ist von allen [Altvordern] nicht überliefert worden. Wohlan, laßt uns allesamt zu dem verehrungswürdigen [Atharvan] gehen." [Dieser sprach zu ihnen:] "Ich will euer aller Schutz sein." - "So sei es", sprachen sie und standen schweigend. "Nicht, wenn ihr nicht in Unterwürfigkeit naht", sprach er. - "Wir wollen dir in Unterwürfigkeit nahen", sprachen sie und warfen sich vor ihm nieder. Aber er, nachdem er sie als Schüler aufgenommen, sprach zu ihnen: "Den mir eigenen Ausruf sollt ihr jedesmal zu Anfang gebrauchen; so rezitieren die, welche meine Schüler sind.

Nicht ohne solche, welche die Bhrigu- und Angiras-Sprüche (den Atharvaveda) kennen, darf der Soma getrunken werden; sonst kommen die Opferpriester um, der Opferherr wird mit Unreinheit bestreut und auch die heilige Schrift bleibt überstäubt. So sollt ihr es in immer fortgesetzter Überlieferung jedem kommenden Geschlecht lehren, dann wird der Glanz nicht verloren gehen." - "So sei es, so sei es, o Herr", mit diesen Worten stimmten sie ihm zu, gediehen und wurden frei von Kummer und Furcht. Darum gebrauchen die Brahmanlehrer den Om-Laut am Anfang.

29. Welche Gottheit habend ist er? Für die Rics ist die Gottheit Agni, ebendieselbe das Lichtprinzip, die Gayatri das Metrum, die Erde der Standort. Agnim ile purohitam yajnasya devam ritvijam, hotaram ratnadhatamam (Rigv. 1,1,1), mit diesen Worten beginnend, studieren sie den Rigveda.

Für die Yajus ist die Gottheit Vayu, ebendieselbe das Licht, die Trishtubh das Metrum, der Luftraum der Standort. Ishe tva, urje tva, vayava stha devo vah savita prarpayatu sreshthatamaya karmane (Vaj. Samh. 1,1,1), mit diesen Worten beginnend studieren sie den Yajurveda.

Für die Samans ist die Gottheit Aditya, ebendieselbe das Licht, die Jagati das Metrum, der Himmel der Standort. Agna' ayahi vitaye grinano havyadataye, ni hota satsi barhishi (Samav. 1,1,1), mit diesen Worten beginnend, studieren sie den Samaveda.

Für die Atharvalieder ist die Gottheit der Mond, ebendieselbe das Licht, alle Metra das Metrum, das Wasser der Ort. Sam no devir abhishtaye (Atharvav. 1,6,1), mit diesen Worten beginnend studieren sie den Atharvaveda. Aus den Wassern entspringt die bewegliche und unbewegliche Schar der Wesen, darum ist alles aus Wasser geworden, alles aus den Bhrigu- und Angiras-Liedern geworden. Die drei anderen Veden sind in die Bhrigu- und Angiras-Lieder eingegangen. Darum heißt das Wasser Ap, und der Ursprung der Wasser ist aus dem Om-Laut. Darum hat Vyasa ehedem gesagt: "Von einem Kenner der Bhrigu- und Angiras-Lieder geweiht, soll man die anderen Veden studieren, aber auch ohne von einem anderen geweiht zu sein, mag man die Bhrigu- und Angiras-Lieder studieren." Auch im Samaveda sagt eine ergänzende Schriftstelle: "Darum auch wer als Brahmanschüler die Atharvan- und Angiras-Lieder erlernt, der hat damit alles erlernt." — So lautet das Brahmanam.

30. In bezug auf das Selbst:

Heilung des Atman und Erlösung des Atman ist der Om-Laut. Seinen Atman in sich verschließend soll man den nur auf der Einswerdung mit ihm beruhenden Gedanken seines [des Om-Lautes] realen Sinnes überdenken; dann erhebt man sich über die Veden und erlangt die volle Frucht der höchsten inneren Seele; das ist der Sinn [des Om-Lautes]. Wer hingegen den mit Reflexion behafteten, erkenntnisartigen [Om-Laut] durch dementsprechende Fragen und Antworten sachgemäß als Wort überdenkt, der ist der Sache kundig, kräftig und bei jeder vedischen Unterredung am Platz. — So lautet das Brahmanam.

Fußnoten

  1. Rigv. 1,164,39; die letzte Zeile ist von den persischen Übersetzern, falls sie nicht eine andere Lesart vor sich hatten, mißverstanden worden.
  2. Sudhayam gleich Svarge (Sayana zu Ait. Br. 3,47,8). Weber denkt an Sobha (vgl. Ind. Stud. II, 38 n.).
  3. Antwort auf 14., hier nicht am Platz.

Siehe auch

Literatur

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