Tanz

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Tanz ist ein künstlerischer Körperausdruck, der sich an Rhythmus und Musik orientieren kann. Er wird in allen Kulturen praktiziert und als Ausdrucksform eingesetzt, um in eine soziale Interaktion zu treten oder um sich körperlich fit zu halten.

Der Tänzer, eine Yoga-Asana

Tanz

Tanz als darstellende Kunstgattung prägt sehr stark die Vorstellung der Menschen über Tanz an sich. Sie denken gleich an bestimmte Tanzrichtungen wie Ballet, Salsa, Samba, Jazz Dance, Modern Dance, Hip Hop, Tango, Walzer - niemand denkt an Yoga. Die drei folgenden Fotos stellen Yoga Asanas dar: die Taube, der Tänzer und die Heuschrecke. Machen sie keinen tänzerisch-graziösen Eindruck?

Tanz kann allerdings in aller [Einfachheit] als ganz persönlicher, individueller Gefühlsausdruck gesehen werden, der nur für einen Moment anhält und sich im nächsten Augenblick wieder verändern kann. Die Körperbewegung spiegelt das Innenleben eines Menschen, wobei eine neue lesbare (Körper)Sprache entsteht, die auch als Therapieform genutzt werden kann Tanztherapie.

Diese Art des Tanzens ist mindestens genauso alt wie die Menschheit an sich, in einer Welt, die sich allerdings immer mehr an äußeren Einflüssen orientiert, geht man an Tanz auch mit einem Denken von gut und schlecht heran, sodass das Individuum weder die Möglichkeit hat, nach seinem eigenen Ausdruck zu suchen, noch ihn nach außen hin zu zeigen. Das heißt man lernt bestimmte Tanzstile und versucht den Lehrer nachzuahmen. Dies wird einem gut oder weniger gut gelingen.

Tanz kann auch als nonverbale Kommunikation betrachtet werden, sowohl zwischen Menschen als auch zwischen Tieren. Körperbewegung ist immer auch nonverbale Kommunikation, auch keine Körperbewegung ist Kommunikation. In der Sprachwissenschaft heißt es, dass man nicht nicht kommunizieren kann. So kommunizieren also auch Tiere miteinander und führen zum Beispiel Balztänze auf. Das sind jetzt nur die Tänze, die man offensichtlich als solche erkennt.

Rhythmische Gymnastik, Eiskunstlaufen und Synchronschwimmen sind Sportarten, die ebenfalls Tanz beinhalten. Manche Kampfsportarten wie zum Beispiel Capoeira sehen auch sehr tänzerisch aus. Wenn sich Gegenstände im Wind bewegen, führen sie einen Tanz auf. Hier soll nur an den Tanz der Blätter im Wind erinnert werden oder an eine Szene aus American Beauty, in der eine weiße Plastiktüte vom Wind im Tanz bewegt wird.

Die Definition darüber, was Tanz ist, hängt sehr stark von den Rahmenbedingungen ab. Soziale, kulturelle, ästhetische, künstlerische und moralische Aspekte spielen dabei eine große Rolle. Die Bewegungen können von ganz einfachen, funktionalen Bewegungen wie in den Volkstänzen ausgehen und sich bis hin zu virtuosen Techniken wie im Ballett emporschwingen. Ein Tanz kann zum Beispiel so sein, dass man daran teilnimmt, er kann soziale Aspekte erfüllen oder aber als Show einem Publikum vorgeführt werden.

Er kann förmlich, zeremoniell sein; einen Wettbewerb darstellen oder den erotischen Aspekt hervorheben. Tanzbewegungen haben meist keine inhaltliche Bedeutung, sie dienen nur einem ästhetischen Ausdruck, wie zum Beispiel im Ballett oder in der europäischen Folklore. In vielen asiatischen Tänzen haben die Gesten und Körperbewegungen eine eigene Symbolik. Der Tanz kann Ideen, Emotionen oder eine Geschichte darstellen.

Im Tanz haben sich unterschiedliche Stile entwickelt. Der Afrikanische Tanz ist interpretativ. Ballett, Standardtänze (wie Walzer) und Tango sind klassische Tanzstile, während Square Dance zum Beispiel eine Form des Stepp-Tanzes ist. Breakdance und andere Formen des Street Dance werden mit der Hip Hop Kultur in Verbindung gebracht.

Historische Aspekte

Heusckrecke

Da Tanz keine Spuren hinterlässt oder man irgendwelche Gegenstände wie Steinwerkzeuge dazu findet, kann man nicht den Zeitpunkt festlegen, wann der Tanz Teil der menschlichen Kultur geworden ist.

Der Musikwissenschaftler Joseph Jordania behauptet, dass Tanz, rhythmische Musik und Körperbemalung schon sehr früh in der menschlichen Entwicklung, als ein Werkzeug angesehen wurde, mit dem man Gruppen von Menschen in eine Art Kampftrance versetzen konnte, in einen geänderten Bewusstseinszustand. In diesem Zustand würde ein Mensch sein individuelles Bewusstsein verlieren und ein kollektives annehmen.

Die Studie von Jonathan Pieslak zeigte, dass es heutzutage Militäreinheiten gibt, die lauten Gruppengesang und Tanz einsetzen, um sich auf gefährliche Kampfsituationen vorzubereiten. Die Fähigkeit sich durch Tanz in einen Trancezustand zu bringen, scheint, laut Jordania, mit der Vergangenheit der menschlichen Evolution zu tun zu haben und ein Phänomen militärischen Drills zu sein, der auch darauf baut eine rhythmisch monotone Handlung in einer Gruppe zu vollbringen.

Der Tanz war sicherlich auch ein wichtiger Bestandteil von Zeremonien, Ritualen, Feierlichkeiten und Unterhaltung bevor die menschliche Rasse überhaupt geboren wurde. Die Archäologie liefert uns Tanzspuren aus der Urgeschichte, wie die möglicherweise 7000 Jahre alte Höhlenmalerei aus dem Felsen von Bhimbetka, die eine Reihentanzformation darstellt. Shiva wird schon in ganz frühen Darstellungen als Nataraj, kosmischer Tänzer, präsentiert. Im alten Ägypten gab es Grabmalereien, die tanzende Figuren aus der Zeit von 3300 vor Christi Geburt zeigen.

Die früheste Form, Tanz in einer strukturierten Art zu präsentieren, war die Art wie Mythen erzählt und präsentiert wurden. Tanz wurde auch oft vom anderen Geschlecht eingesetzt, um Zuneigung zu zeigen. Es steht in enger Verbindung zum Liebesakt. Bevor es die Schriftsprache gab, war Tanz ein Mittel, um Geschichten von einer Generation in die andere zu übertragen.

Der Tanz wurde schon sehr früh eingesetzt, um sich in Heilungsritualen in einen tranceähnlichen Zustand zu bringen. Der Tanz wird in vielen Kulturen immer noch dafür verwendet, angefangen mit dem brasilianischen Regenwald bis hin zur Kalahari-Wüste. Viele zeitgenössische Tanzformen gehen zurück auf historische, traditionelle, zeremonielle und ethnische Tänze.

Tanz - Die Sprache meines Herzens

Xperience Festival - Sei dabei

Ein Beitrag aus dem Yoga Vidya Journal Nr. 38, I/2019 von Stefanie Oberländer

Impressionen vom Xperience Festival 2018

Als ich das Zelt betrete, spielt die Band bereits. Sachte schlängele ich mich durch all die sitzenden, liegenden und tänzelnden Yogis zu einem erspähten freien Platz. Hier lasse ich mich nieder.

Schon kündigt die Sängerin den nächsten Song an. Das Harmonium spielt die ersten Klänge. Dann die Drums. Gitarre. Gesang … Wunderschön. Intensiv. Ja, schon fast vertraut. Mein Herz macht einen Freudensprung. Als würde es die Töne wiedererkennen. Sich aus der Tiefe erinnern.

Und beim nächsten Wimpernschlag erwärmt mich ein wohlig warmes Gefühl der Gewissheit.

Ich fühle den pulsierenden Bass in meinem Bauch, passend zu meinem Herzschlag. Die Energie nimmt mich bei der Hand und zieht mich aus meinem Sitz. Mitgerissen vom Beat reiße ich die Arme in die Luft. Tauche tief ein in das Meer aus Klangfarben.

Die Musik ergreift Besitz von meinem Körper. Ich verschmelze mit dem Nebel aus Klängen und lasse mich fallen.

Alle um mich herum tanzen oder springen. Es wird kraftvoll gestampft und gesprungen. Spielerisch getänzelt und gedreht. In den Gesichtern Entspannung … ZuFRIEDENheit … Warmes, ansteckendes Lächeln … Funkelnde Augen. Ihre Körper schwingen ganz unbeschwert, voller lieblicher Leichtigkeit ... Grazil. Anmutig. Wahrhaftig … Sinnlich, Intuitiv, Rein … wie ein Gebet.

Plötzlich überwältigt mich eine Welle der Emotionen. Und auf einmal spüre ich so viel … So viel mehr.

Diese Facette der Freiheit habe ich schon lang nicht mehr wahrgenommen.

Die Magie dieses Moments. Einzigartig. Nie wiederkehrend. Intensiv und lebendig.

Mein Körper bebt. Ekstase. EinKlang. Erfüllung.

Ganz vernebelt und trotzdem so klar möchte ich die Welt umarmen … nach den Sternen greifen … meine Freude in den Himmel schreien.

Mein Herz hämmert wie verrückt.
Es droht zu explodieren.
Ein Feuerwerk der Gefühle.
Alles scheint möglich.

All meine verborgenen Herzenswünsche. Meine erträumten Wunder.

Ich bin inspiriert: Die Luft glitzert vor Begeisterung, Schönheit und Anmut, knistert spannungsgeladen vor Energie. Sinnestrunken tanze ich herzwärts. Als gäbe es keinen Morgen. Fühle mich beflügelt. Befreit. Getragen.

Ganz überwältigt von einem Gefühl tiefster Dankbarkeit, fängt mein Herz an zu strahlen. Und plötzlich weiß ich wieder ganz genau, warum ich lebe.

Klassifizierung und Gattungen

Taube

Eine Kategorie ist jene, die sich an der Anzahl der interaktiven Tänzer orientiert. Dabei gibt es den Solotanz, den Partnertanz und den Gruppentanz. Tanz wird zu unterschiedlichen Anlässen aufgeführt: zu Zeremonien, in erotischem Umfeld, als Vorführung auf einer Bühne, als soziales Event u.a.

Tanzen und Musik

Viele frühe Formen von Musik und Tanz wurden zusammen erschaffen und aufgeführt. Diese zweiteilige Entwicklung hat sich im Laufe der Jahre in Stilrichtungen wie Walzer, Tango, Disco, Salsa, Techno und Hip-Hop fortgeführt. Manche musikalischen Gattungen haben eine parallele Tanzform: die barocke Musik und der barocke Tanz - die klassische Musik und das klassische Ballett hingegen haben sich unabhängig voneinander entwickelt.

Obwohl der Tanz oft durch Musik begleitet wird, kann er auch unabhängig davon präsentiert werden oder seine eigene musikalische Begleitung mitliefern, wie es bei Stepp-Tanz der Fall ist. Wenn der Tanz zusammen mit Musik stattfindet, kann im Rhythmus der Musik getanzt werden oder dagegen, das hängt ganz vom Stil des Tanzes ab. Wenn ein Tanz ohne Musik getanzt wird, dann wird er in seinem eigenen, ihm innewohnenden Rhythmus getanzt.

Klassifizierung durch ethnische oder regionale Prägung

Indien

Im ersten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung wurden sehr viele Texte geschrieben, die versuchten, Aspekte des täglichen Lebens zu kodifizieren. Bharata Munis Text „Natyashastra“ ist einer der ersten Texte, der versucht den Tanz zu erklären. Obwohl das Hauptthema der „Natyashastra“ das Drama ist, wird der Tanz auch ausführlich behandelt. Seitdem sind die beiden Konzepte in Indien immer miteinander verbunden.

Der Text erläutert unterschiedliche Handgesten oder Mudras und klassifiziert Bewegungen der einzelnen Körperteile, der Gangarten und andere. Die Natyashastra kategorisiert den Tanz in vier Gruppen und in vier regionale Unterschiede. Er benennt die Gruppen als profan, rituell, abstrakt und interpretativ. Die Konzepte der unterschiedlichen Regionen haben sich verändert und mit ihnen die Vielfalt des indischen Tanzes.

Aus diesen Anfängen entspringen die unterschiedlichen klassischen Stile, die heute anerkannt sind. Die klassischen indischen Tänze sind unterschiedlich tief in dem Natyashastra verwurzelt und greifen dadurch auf dieselben Elemente zurück: die Mudras, einige Körperhaltungen und das dramatische oder ausdrucksstarke Schauspiel (Abhinaya). Die Tradition der klassischen indischen Musik liefert den Hintergrund für den Tanz, und da Perkussion zu der Tradition gehört, tragen die Tänzer fast aller Stilrichtungen kleine Glöckchen um die Fußgelenke, um die Musik der Trommeln zu ergänzen und einen Kontrapunkt zu setzen.

Bhangra in the Punjab

Der Punjab ist eine Gegend, die sich über Teile von Indien und Pakistan erstreckt, daher stammt Bhangra. Er ist als Musikrichtung und Tanz bekannt. Er wird meistens mit alten Festen in Verbindung gebracht, in denen es um Ernte, Liebe, Patriotismus oder soziale Themen geht. Die Musik dafür kommt von einem Musikinstrument, das „Dhol“ heißt. Bhangra ist nicht nur Musik sondern auch Tanz, ein Erntefest, bei dem die Menschen die „Dhol“ (Trommel) spielen, „Boliyaans“ (Verse) singen und tanzen.

Die Tänze aus Sri Lanka

Die Dämonentänze aus Sri Lanka (Yakun Natima) sind ein sorgfältig vorbereitetes Ritual, das historisch weit in die vorbuddhistische Zeit von Sri Lanka reicht. Sie verbinden alte ayurvedische Konzepte mit der Idee, dass Krankheiten von Wesen verursacht werden, die in die Aura eines Menschen eindringen und wieder verjagt werden müssen. Der Tanz kombiniert viele Aspekte, unter anderem auch die singhalesische Kosmologie. Die Tänze haben eine Auswirkung auf die klassischen Tänze von Sri Lanka.

Europa und Nordamerika

Griechenland Die alten Griechen hatten für jede Gottheit einen bestimmten Tanz, der mit den Gefühlsausdrücken arbeitete, die für die Gottheit typisch waren. So wurden für Dionysos ekstatische Tänze aufgeführt. Terpsichore, die fröhlich im Reigen tanzt, gilt als die Muse der Chorlyrik und des Tanzes. Ein wichtiges Zeitzeugnis für die griechischen Tänze ist Homers Ilias, in dem er den Tanz Chorea aus 8. bis 6. Jahrhundert v. Chr. beschreibt. Aus diesen Tänzen entwickelt sich dann in Griechenland das Konzept des Dramas und der Komödie, in denen meistens ein Chor mitspielte, dessen Bewegungen als „Choreographie“ in den Stücken vermerkt wurde. Daraus entwickelte sich dann der Begriff der Choreografie.

Ballett

Der Balletttanz wurde zunächst in Italien entwickelt und dann in Frankreich auf aufwendigen Hoffesten weiterentwickelt, wo Musik, Drama, Lyrik, Gesang, Kostüme und Tanz zusammenkamen. Der Hofadel nahm an den Vorführungen als Tänzer teil. Unter der Regentschaft Ludwig IV., der selbst ein Tänzer war, wurde der Tanz viel kodifizierter. Die Amateure des Hofadels wurden durch professionelle Tänzer ersetzt, und die Balletttänzer wurden vom französischen Parlament lizenziert. Die erste Tanzakademie war die Académie Royale de Danse, die in 1661 in Paris eröffnet wurde. Nur kurz danach wurde die erste Ballettgruppe, die mit der Akademie in Verbindung stand, institutionalisiert. Diese Gruppe bestand zunächst nur aus Männern, aber um 1681 nahmen sie auch Frauen mit auf.

Die Einflüsse des afrikanisch-amerikanischen Tanzes

Afrikanisch-amerikanische Tänze sind jene Tänze, die sich innerhalb afrikanisch-amerikanischen Gemeinschaften entwickelt haben, und zwar vielmehr auf der Straße als in Tanzstudios, Schulen oder Firmen. Daraus entstanden Stepp-Tanz, Discotanz, Jazz Tanz, Swing, Hip Hop und Breakdance. Der Rock’n Roll hatte ebenfalls einen globalen Einfluss.

Das 20 Jahrhundert

Am Anfang des 20. Jahrhunderts gab es eine explosionsartige Innovation innerhalb des Tanzstils, die mehr darauf aus ist, freier mit der Tanztechnik umzugehen. Die ersten Pioniere des Modern Dance waren Loie Fuller, Isadora Duncan, Mary Wigman und Ruth St. Denis. Die Beziehung zwischen Musik und Tanz bildet die Basis für Eurhythmics, das von Emile Jaques-Dalcroze erfunden wurde, und das wiederum eine Auswirkung auf die Entwicklung des Modern Dance und des modernen Balletts hat, das von Künstlern wie Marie Rambert präsentiert wurde. Eurhytmie wurde von Rudolf Steiner und Marie Steiner von Sivers entwickelt und verbindet formelle Elemente, die an den traditionellen Tanz erinnern, mit einem neuen freieren Stil. Sie führen auch ein neues Vokabular in den Tanz ein, das als Bühnenkunst in der Pädagogik oder als Therapieform praktiziert wird.

Wo tanzt Shiva?

In der indischen Mythologie ist Shiva der kosmische Tänzer „Nataraja“ - der König der Tänzer, bzw. der Herr über alle Tänzer. Auf der einen Ebene könnte man sagen, Shiva tanzt überall. Das gesamte Universum ist wie ein kosmischer Tanz, in dem alles entsteht und alles vergeht. Shiva hebt ein Bein, etwas entsteht. Shiva senkt ein Bein, etwas vergeht.

Dein ganzes Leben ist letztendlich der tanzende Shiva. Wenn du an irgendetwas hängst, dann gibt es Probleme. Wenn du aber erkennst, dass hinter allem dieser kosmische Tanz steht, dann kannst du auch über alle Probleme hinauswachsen. Shiva tanzt in der ganzen Welt. Und er tanzt in dir - in den ständig wechselnden Gedanken, in den ständig wechselnden Ideen, in den Vorstellungen und Gefühlen.

Shiva tanzt mit dir - er tanzt in deinem Leben. Sieh das Leben als kosmischen Tanz Shiva’s! Lass dich voll darauf ein und dann tanze mit ihm zusammen! Hänge an nichts, denn nichts bleibt. Der Tanz entsteht immer wieder neu. Es geht immer weiter. So wie der Tanz immer weiter geht und kein Tanzschritt wiederholt werden kann. Tanze mit Shiva und lass dich von Shiva führen!

Tänze des Universellen Friedens

Derwische beim spirituellen Tanz für Frieden, Segen und Verwirklichung

- Ein Beitrag aus dem Yoga Vidya Journal Nr. 41, II/2020 von Ingrid Seemann -

Die Tänze des Universellen Friedens sind Teil der zeitlosen Tradition des spirituellen Tanzes. Sie sind ein Weg der Freude, um in uns und anderen das Herz zu berühren.

Der indische Musiker und Sufi-Mystiker Hazrat Inayat Khan brachte 1910 den Sufismus in den Westen, wo er der Gründer des Internationalen Sufi Ordens und der Internationalen Sufi-Bewegung wurde. Anstatt der Sufi-Gebete auf Arabisch gab er seinen Schülerinnen und Schülern eigene Gebete und Mantras in englischer Sprache, mit denen er in Indien aufgewachsen war. In seiner Lehre des Sufismus betont er immer wieder die Einheit der religiösen Ideale. Dies wird zum Beispiel deutlich im Tanz „Send us the Peace of Thy Divine Spirit and unite us all in Thy Perfect Being, Ya Salam Allah Allah“ (Sende uns den Frieden Deines Göttlichen Geistes und vereinige uns alle in Deinem vollkommenen Sein), der einem Abendgebet von Hazrat Inayat Khan entstammt. Die Worte des Tanzes enthalten ein Paradox: Der Frieden des Göttlichen Geistes ist schon immer in uns, also muss er nur in uns erweckt werden. Dies geschieht dadurch, dass wir immer wieder das Wort Frieden (Salam auf Arabisch) in den zahlreichen Liedtexten wiederholen. Mit Salam ist nicht nur einfach Frieden im weltlichen Sinne gemeint, sondern der ewige Frieden. Allah ist das arabische Wort für Gott oder die Einheit, wie Inayat Khan die eine und einzige Quelle allen Seins gerne nannte. Als besondere religiöse Aktivität seines Ordens schuf Khan den konfessionsübergreifenden universellen Gottesdienst.

Sufismus und Yogaweg

Sufismus und Yogaweg sind einander sehr ähnlich. Der Begriff Sufismus ist der Name einer alten Lehre, die sich im islamischen Kulturkreis entwickelt hat. Der Weg der Sufis folgt vier Stufen, die alle auch auf indisches Gedankengut verweisen. Bislang ist jedoch offen, wie und in welche Richtung diese Beeinflussung historisch verlief:

1. Zurückziehen der sinnlichen Wahrnehmung
2. Überwindung der Verhaftung an die Welt, in der wir leben
3. Auslöschen des Ego
4. Aufgehen im Göttlichen.

Das oberste Ziel der Sufis ist, Gott so nahe wie möglich zu kommen und dabei die eigenen Wünsche zurückzulassen. Dabei wird Gott oder die Wahrheit als „der Geliebte“ erfahren. Kern des Sufismus ist demnach die innere Beziehung zwischen dem „Liebenden“ (Sufi) und dem „Geliebten“ (Gott). Durch die Liebe wird der Sufi zu Gott geführt, wobei der Suchende danach strebt, die Wahrheit schon in diesem Leben zu erfahren. Dies spiegelt sich in der Idee zu sterben, bevor man stirbt wider. Hierzu versuchen die Sufis, die Triebe des tyrannischen Egos so zu bekämpfen, dass sie in positive Eigenschaften umgeformt werden. Auf diese Weise werden einzelne Stationen durchlaufen, deren höchste die reine Seele ist. Diese letzte Stufe bleibt jedoch ausschließlich den Propheten und den vollkommenen Heiligen vorbehalten.

Einheit der religiösen Ideale

Die Sufis glauben, dass in allen Religionen eine grundlegende Wahrheit zu finden sei und dass die großen Religionen von ihrem Wesen her denselben Kern verkörpern. Manche Sufis gehen deswegen sogar so weit, dass sie den Sufismus nicht innerhalb des Islams (also einer Religion) angesiedelt sehen, sondern meinen, dass ihre Mystik über allen Religionen stehe und diese sogar bedinge.

Spirituelle Praktiken der Sufis

Durch tägliche regelmäßige Meditation (Dhikr, das bedeutet „Gedenken“, also „Gedenken an Gott“) und spezielle geistige Übungen suchen die Sufis Gott nahezukommen oder mit Gott im irdischen Leben eins zu werden. Letzteres wird vom orthodoxen Islam und der islamischen Rechtsprechung kritisch betrachtet, wenn nicht gar als Gotteslästerung verdammt. Der Sufismus bietet dem Suchenden nicht zuletzt durch den Dhikr eine Möglichkeit, das Göttliche in sich zu finden oder wieder zu entdecken. Die Sufis glauben, dass Gott in jeden Menschen einen göttlichen Funken gelegt hat, der im tiefsten Herzen verborgen ist. Gleichzeitig wird dieser Funke durch die Liebe zu allem, was nicht Gott ist, verschleiert, genauso wie durch die Abhängigkeit von den Banalitäten der (materiellen) Welt sowie durch Achtlosigkeit und Unwissenheit. Laut dem Propheten Muhammad sagt Gott zu den Menschen: „Es gibt siebzigtausend Schleier zwischen euch und Mir, aber keinen zwischen Mir und euch.“ Während des Dhikr rezitieren die Sufis bestimmte Stellen aus dem Koran und wiederholen eine bestimmte Anzahl der göttlichen Attribute (im Islam neunundneunzig). Ein Dhikr, das bei allen Sufis angewandt wird, ist das Wiederholen des ersten Teils der Schahāda („Glaubensbekenntnis“) la ilaha illa-llah, zu Deutsch: „Es gibt keinen Gott außer Gott“ oder „Es existiert keine Macht, die es wert ist, angebetet zu werden, außer Gott“. Eine Ableitung des ersten Teils der Schahada, die ebenfalls beim Dhikr wiederholt ausgesprochen wird, ist die Formel la ilaha illa hu, zu Deutsch: „Es gibt keinen Gott außer Ihm.“ Darüber hinaus kennen die meisten Orden ein wöchentliches Zusammentreffen, bei dem neben der Pflege der Gemeinschaft und dem gemeinsamen Gebet ebenfalls ein Dhikr ausgeführt wird. Je nach Orden kann dieser Dhikr Musik, bestimmte Körperbewegungen und Atemübungen beinhalten.

Samuel L. Lewis, Schöpfer der Tänze, Hazrat Inayat Khan ihr geistiger Vater

Die ursprünglichen Tänze des Universellen Friedens wurden von Samuel L. Lewis (1896-1971) entwickelt, einem Schüler von Hazrat Inayat Khan, später selber Sufi Lehrer und Zen-Meister, der auch intensiv die mystischen Traditionen des Hinduismus, Judentums und Christentums studiert hatte. Aus seiner ursprünglichen Sammlung von rund 50 Tänzen sind inzwischen mehr als 500 geworden. Durch sie tauchen wir ein in die Weisheit von Hinduismus, Buddhismus, Juden- und Christentum, Sufismus, Zoroastertum sowie Traditionen der Kelten, der Ureinwohner Amerikas und Afrikas und in die Zeit der Großen Mutter, wie sie im Nahen Osten angerufen wurde. Samuel Lewis selbst war ein lebendes Vorbild für die Einheit religiöser Ideale: Er erhielt den höchsten Einweihungsgrad sowohl des Sufismus als auch des Zen, er hatte einen Hindu-Lehrer (Papa Ramdas), war Mitbegründer der christlichen Gemeinschaft MANS und er war bekannt als Kabbalist. Nach seinen Reisen in den Nahen und Mittleren Osten ließ Samuel Lewis sich als Sufi Lehrer in den USA nieder. Dort wurde er spiritueller Führer der Hippies. Viele tausende Hippies sangen und tanzten mit ihm. Von seinen Schülern wurde er kurz Sam genannt. Sam erkannte, dass die Suche der Hippies nach höheren Werten und weg von materiellen Werten aufrichtig war, dass sie aber die falschen Mittel, nämlich Drogen, benutzten. Sam selbst hielt sich davon fern, von ihm ist folgender Spruch überliefert: „Ich bin von mir selbst schon high genug.“ An seinem Wohnort in San Francisco lernte Sam den ältesten Sohn von Hazrat Inayat Khan kennen. Dieser kam gerade von einer Türkeireise zurück und machte ihm das wirbelnde Drehen der Derwische vor. Da sprang der Funke auf Sam über. Samuel Lewis betrachtete sich selbst immer als reines Instrument, als Kanal. Den ersten Tanz präsentierte er in der Garage unter seinem Haus im Jahre 1967 oder 1968. Neben der spirituellen Entwicklung der Menschen war es auch seine Vision, den Menschen in ihrem Leben eine innere Haltung und Richtung zu geben und sie von Drogen und Konsum wegzubekommen. Er sah die Tänze als Geschenk für den Weltfrieden, der nur mit dem Frieden in einem selbst beginnen kann und sich dann zu einem Frieden im persönlichen Umfeld ausweitet. Sam war schon 70 Jahre, als er die Friedenstänze in die Welt brachte. Er weilte nur noch wenige Jahre auf der Erde, um dieses Erbe weiterzugeben. Aber als Person war er so kraftvoll, dass er in den wenigen Jahren vielen seiner Schüler Ausrichtung und Nahrung für ihr ganzes weiteres Leben mit auf den Weg gab. Samuel Lewis sagte: „Der spirituelle Tanz hat keine andere Absicht, keinen anderen ihm innewohnenden Sinn, als die Menschheit zu erbauen – sie zu Freude, Segen, Verwirklichung und Frieden zu führen. Der aufrichtige Tänzer/die aufrichtige Tänzerin ist einer/eine der geeignetsten Arbeiter/Arbeiterinnen für universelle Harmonie und auf diese Weise für universellen Frieden.“

Eines der bekanntesten Gebete von Hazrat Inayat Khan trägt den arabischen Titel „Saum“. Dieses Wort bedeutet: Enthaltsamkeit üben, verzichten, aufhören. Meditation ist demnach das Fasten der Gedanken.

Saum
Lob sei Dir, Allerhöchster Gott,
Allmächtiger, Allgegenwärtiger, Alles Durchdringender, das einzige Sein.
Nimm uns in Deine Elternarme,
enthebe uns der Erdenschwere.
Deine Schönheit beten wir an,
Dir ergeben wir uns willig.
Gnadenreichster und Allbarmherziger Gott,
Du göttliches Ideal der gesamten Menschheit,
Dich allein beten wir an,
zu Dir allein streben wir empor.
Öffne unsere Herzen Deiner Schönheit,
erleuchte unsere Seelen mit göttlichem Licht,
O Du, Vollkommenheit der Liebe, der Harmonie und der Schönheit.
Allmächtiger Schöpfer und Erhalter,
Richter und Verzeiher unserer Unvollkommenheiten.
Herr Gott des Ostens und des Westens,
der Welten über uns und unter uns,
der sichtbaren und der unsichtbaren Wesen,
gieße aus über uns Deine Liebe und Dein Licht,
gib Nahrung unseren Körpern,
Herzen, und Seelen.
Gebrauche uns für den Zweck, den Deine Weisheit erwählet,
und führe uns auf dem Pfad Deiner eigenen Güte.
Ziehe uns näher zu Dir in jedem Augenblick unseres Lebens,
bis in uns sich widerspiegle: Deine Gnade, Deine Herrlichkeit, Deine Weisheit, Deine Freude und Dein Friede.
Amen
Hazrat Inayat Khan

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Seminare und Ausbildungen

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