Benehmen

Aus Yogawiki
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Benehmen ist ein Wort mit vielfältiger Bedeutung. Zunächst einmal ist Benehmen die Art und Weise, wie man sich benimmt. Es gibt dann gutes Benehmen und schlechtes Benehmen. Wer die Regeln der Höflichkeit beachtet, auf seine Sprache achtet, anderen die Tür aufhält, sich richtig kleidet, der hat gutes Benehmen. Wer den geltenden Gepflogenheiten nicht entspricht, rücksichtslos ist und andere kränkt, der hat schlechtes Benehmen. Wenn man einfach nur von Benehmen spricht, z.B. "benimm dich", dann ist damit das gute Benehmen gemeint.

Besteck Benehmen Essen.jpg

Gutes Benehmen bedeutet höfliches Verhalten, freundlicher Umgangston, gesellschaftliche Normen einhalten. Gutes Benehmen heißt, sich so zu verhalten, wie es andere erwarten. Es erleichtert das Zusammenleben mit anderen Menschen. Eine zu starke Betonung von gutem Benehmen kann auf Kosten der Herzlichkeit gehen. Daher sollte gutes Benehmen ergänzt werden durch innere Verbundenheit. Und manchmal ist unkonventionelles Betragen etwas, was die Herzen öffnet. Gerade in fernöstlich geprägten spirituellen Kreisen im Westen wird gutes Benehmen etwas unterschätzt - was auch zur Auflockerung von verkrusteten Strukturen beiträgt.

Benehmen - eine Tugend. Was ist Benehmen? Woher stammt das Wort? Wozu ist Benehmen gut? Was sind seine Grenzen? Wie kann man die Tugend kultivieren? Was ist das Gegenteil von Benehmen? Mit vielen praktischen Tipps, Videos und Anleitungen.

Swami Sivananda über Gutes Benehmen

Swami Sivananda mit Swami Krishnananda

Der indische Yoga Meister Swami Sivananda schreibt in seinem Buch How to Cultivate Virtues über "Behaviour". Dieses englische Wort ist sehr vielschichtig. Es kann heißten "Benehmen", "Gutes Benehmen". Es kann auch heißen "Verhalten". Der unten zitierte Abschnitt beschreibt aber insbesondere das gute Benehmen. Swami Sivananda schreibt:

Benehmen heißt gutes Betragen freundliche Haltung, hauptsächlich gute Manieren. Sich richtig betragen ist sich gut mit anderen vertragen.

Du kannst den Charakter eines Menschen und dessen Geisteshaltung an seinem Benehmen erkennen. Benehmen gleicht einem Spiegel in dem jeder sein Bild zeigt. Gutes Benehmen ist ein Ausweis für Freundschaft und [[erfolgreiche Aufnahme in die Gesellschaft.

Wissen spendet Vertrauen zu dem äußeren Benehmen.

Leichtsinn im Benehmen kann negative Konsequenzen haben.

Kurioses Verhalten und Eigentümlichkeiten im Benehmen, verrückte Besonderheiten sind Fehler eines Menschen. Er kann sich korrigieren und diese Makel beseitigen. Die Korrektheit im eignen Benehmen zu beobachten stellt gutes Benehmen dar. Sich passend zu benehmen sowie angemessenes Auftreten ist gutes Benehmen.

Benehmen ist der Ausdruck von Erkenntnis und Geschmack zusammen mit Gespür. Benehmen stellt unser Handeln gegenüber anderen das. Benehmen ist Handlung in der Gegenwart. Benehmen schließt Persönlichkeit und moralische Verantwortung ein.

Benehmen und Körperhaltung

Körperhaltung äußert sich schlicht auf die Weise wie man den Körper bewegt, speziell im Sitzen oder beim Gehen. Man sagt von einem Menschen: "Er hat eine steife Haltung".

Haltung stellt den körperlichen Ausdruck des Gefühls oder der Stimmung dar, wie beispielsweise eine stolze Haltung, eine vornehmen Haltung.

Benehmen stellt den körperliche Ausdruck nicht nur der Gefühle sondern auch den moralischen Seinszustand als ein andächtiges Betragen dar.

Erziehung und gutes Benehmen

Erziehung bedeutet auch das Erlernen von gutem Benehmen, das sich aus gutem Beispiel und Übung ergibt. Haltung ist das Benehmen in bezug auf eine Regeln wie "Das Verhalten der Studenten war tadellos."

Das Betragen eins Menschen kann das eines Augenblickes oder gegenüber eines anderen Menschen sein; seine Umgangsformen sind seine gewohnte Ausdrucksweise oder sein Verhalten gegenüber oder vor anderen, speziell in guten Umgangsformen und Höflichkeit.

Benehmen ist das Betragen, das Verhalten uns und anderen gegenüber. Benehmen ist das Betragen unseres Verhaltes und beinhaltet die allgemeine Grundhaltung unserer Handlungen. Erstere, wie Haltung wird hauptsächlich durch Umstände geformt, letztere stellt eine Entwicklung dar.

Obige Absätze zitiert nach: Swami Sivananda: How to Cultivate Virtues, Divine Life Society Sivananda Ashram

Benehmen als hilfreiche Tugend

Aus einem Vortrag von Sukadev Bretz

Ich möchte heute sprechen über Benehmen, insbesondere über gutes Benehmen. Das ist kein Ausdruck, der sofort Freude erzeugt, der sofort das Herz öffnet. Vielleicht, wer noch eine altmodische Erziehung genossen hat oder ich glaube, heute ist das sogar auch noch üblich, der hat öfters gehört: "Benimm dich!" Auch der Partner mag vielleicht sagen: "Benimm dich!" Oder man kann das auch mal anderen sagen. Benehmen, das klingt ein bisschen altmodisch, aber ist dennoch wichtig. Wenn Menschen einfach nur tun, was ihnen in den Kopf kommt, dann gibt es Chaos und oft genug Konflikte. Tatsächlich waren vielleicht manche früheren Kulturen etwas spontaner, aber es gab auch Blutrache und Blutfehde und vieles andere mehr. Ein gewisses Benehmen hilft, einen gewissen zwischenmenschlichen Kitt zu haben.

Benehmen muss ergänzt werden durch Begeisterung, durch Bejahung, durch Freude, durch Lust am Leben, auch Spontanität und auch Authentizität. Aber Benehmen ist etwas, was hilft, die Gefühle anderer nicht zu verletzen, so dass Menschen besser miteinander zurechtkommen. Benehmen beinhaltet natürlich auch Verlässlichkeit, beinhaltet auch eine gewisse Ausdauer in den Beziehungen, beinhaltet auch, dass man überlegt, was in welcher Situation angemessen ist. Ich bin ja Yogalehrer, ich bin Meditationslehrer und in der heutigen Spiritualität spielen oft die Entwicklungen in der Psychologie, in der westlichen Psychologie, eine Rolle. Dort gilt Intuition und Authentizität, Spontanität als etwas Wichtiges. Und das ist auch etwas Wichtiges. Auch habe ich ja auch bei einem indischen Meister gelernt, der war ein sehr spontaner Mensch. Aber diese Spontanität muss ergänzt werden durch Benehmen.

Und Benehmen ist auch etwas, was einem hilft, den Geist zu beherrschen. Um in der Mediation in eine Tiefe zu kommen, ist es wichtig, dass man den Geist beherrschen kann, dass man den Geist zur Ruhe bringen kann. Wenn man den Geist zur Ruhe bringt, dann bekommt man Kontakt zu der Tiefe seines Wesens, Kontakt zum Göttlichen. Daraus kommt dann wieder eine Stärke, daraus kommt ein Glück, daraus kommt dann eine Inspiration, die man dann vielleicht auch spontan leben kann. Aber um den Geist zur Ruhe zu bringen, dazu gilt es auch, den Geist im Alltag zur Ruhe zu bringen. Und dazu kann auch helfen, sich öfters zu überlegen: "In der und der Situation, was wäre angemessenes Verhalten?" Man kann überlegen: "Wie kann ich so handeln, dass es für andere gut ist?" Gutes Benehmen, so hat es ja auch schon der Freiherr von Knigge gesagt, versucht, sich so zu verhalten, dass man auf andere Menschen Rücksicht nimmt und dass es andere Menschen glücklich macht. Da kann es auch heißen, Tischmanieren einzuhalten, dazu kann es gut sein, gewisse Gepflogenheiten beim Grüßen einzuhalten, dazu kann es wichtig sein, dass man im Briefverkehr, im E-Mail-Verkehr, in Facebook, in Kommentaren irgendwo auch sich so verhält, dass es für andere gut ist. Also, gutes Benehmen heißt, immer zu berücksichtigen: "Wie wirkt das, was ich tue, auf andere? Und wie kann ich mich so verhalten, dass es nach Möglichkeit anderen angenehm ist?" Auf eine gewisse Weise drückt sich auch Liebe und Mitgefühl aus in gutem Benehmen. Natürlich, es gibt die Kehrseite des guten Benehmens. Gutes Benehmen kann auch etwas starr sein, gutes Benehmen kann auch wie eine Art Über-Ich sein, das sagt: "Du musst dich benehmen." Man kann auch andere damit nerven. Gutes Benehmen ist ein Benehmen, das sich bemüht, liebevoll mit anderen umzugehen, zu überlegen, was andere brauchen und was angemessen ist im Umgang mit anderen. So kann gutes Benehmen Ausdruck sein von Liebe, von Mitgefühl und die Fähigkeit, sich selbst zu beherrschen.

Benehmen und andere Tugenden

In diesem Yoga Wiki werden über 1000 Tugenden und geistigen Eigenschaften beschrieben. Hier einige Erläuterungen, wie man die Eigenschaft der Benehmen in Beziehung zu anderen Tugenden und geistigen Eigenschaften sowie in Bezug auf Laster sehen kann:

Ähnliche Eigenschaften wie Benehmen

Ähnliche Eigenschaften wie Benehmen, also Synonyme zu Benehmen sind z.B. Betragen, Gute Kinderstube, Bildung, Disziplin, Anstand, Manieren, Höflichkeit .

Ausgleichende Eigenschaften

Jede Eigenschaft, jede Tugend, die übertrieben wird, wird zu einer Untugend, zu einem Laster, einer nicht hilfreichen Eigenschaft. Benehmen übertrieben kann ausarten z.B. in Hohlheit, Scheinheiligkeit, Oberflächlichkeit. Daher braucht Benehmen als Gegenpol die Kultivierung von Spontanität, Offenheit, Herzlichkeit, Authentizität.

Gegenteil von Benehmen

Zu jeder Eigenschaft gibt es ein Gegenteil. Hier Möglichkeiten für Gegenteil von Benehmen, Antonym zu Benehmen:

Benehmen im Kontext von Tugendengruppen, Persönlichkeitsfaktoren und Temperamenten

Entwicklung von Benehmen

Benehmen kann man sehen als Tugend, als eine positive Eigenschaft. Vielleicht willst du ja Benehmen in dir stärker werden lassen. Hierzu einige Tipps:

  • Nimm dir vor, eine Woche lang diese Eigenschaft der Benehmen zu kultivieren. Du kannst nicht mehrere Tugenden auf einmal entwickeln. Aber es ist möglich, jede Woche eine Tugend, eine Eigenschaft, wachsen zu lassen.
  • Triff den Entschluss: "Während der nächsten Woche will ich die Tugend, die Eigenschaft, Benehmen kultivieren, wachsen lassen, stärker werden lassen."
  • Nimm dir vor, jeden Tag mindestens eine Handlung auszuführen, die Benehmen ausdrückt. Mache jeden Tag etwas, was du sonst nicht tun würdest, was aber diese Tugend zum Ausdruck bringt
  • Wenn du morgens aufwachst, dann sage eine Affirmation, z.B.: "Ich entwickle Benehmen". Mehr Möglichkeiten zu Affirmationen findest du weiter unten
  • Am Tag wiederhole immer wieder eine solche Affirmation: "Ich benehme mich".

Klassische Autosuggestion für Benehmen

Hier die klassische Autosuggestion:

  • Ich benehme mich.

Im Yoga verbindet man das gerne mit einem Mantra. Denn ein Mantra lässt die Affirmation stärker werden:

Entwicklungsbezogene Affirmation für Benehmen

Manche Menschen fühlen sich als Scheinheiliger oder als Heuchler, wenn sie sagen "Ich bin benehmend " - und sie sind es gar nicht. Dann hilft eine entwicklungsbezogene Affirmation: * Ich entwickle Benehmen

  • Jeden Tag entwickle ich mehr Benehmen
  • Durch die Gnade Gottes entwickle ich jeden Tag mehr Benehmen
  • Ich danke dafür, dass ich jeden Tag mehr Benehmen entwickle

Wunderaffirmationen Benehmen

Du kannst es auch mit folgenden Affirmationen probieren, die Sukadev Volker Bretz als Wunderaffirmationen bezeichnet:

  • Bis jetzt bin ich noch nicht sehr benehmend. Und das ist auch ganz verständlich, ich habe gute Gründe dafür. Aber schon bald werde ich Benehmen entwickeln. Jeden Tag wird diese Tugend in mir stärker werden.
  • Ich freue mich darauf, mich bald sehr gut zu benehmen.
  • Ich bin jemand, der sich gut benimmt.

Gebet für Benehmen

Auch ein Gebet ist ein machtvolles Mittel, um eine Tugend zu kultivieren. Hier ein paar Möglichkeiten für Gebete für mehr Benehmen:

  • Lieber Gott, bitte gib mir mehr Benehmen
  • Oh Gott, ich verehre dich. Ich bitte dich darum, dass ich mehr Benehmen entwickle
  • Liebe Göttliche Mutter, ich danke dir. Ich danke dir dafür, dass ich jeden Tag die Tugend Benehmen mehr und mehr zum Ausdruck bringe

Was müsste ich tun, um Benehmen zu entwickeln?

Du kannst dich auch fragen:

  • Angenommen, ich will mich benehmen, wie würde ich das tun?
  • Angenommen, ich könnte mich benehmen, wie würde sich das bemerkbar machen?
  • Angenommen, ein Wunder würde geschehen, und ich hätte morgen Benehmen kultiviert, was hätte sich geändert? Wie würde ich fühlen? Wie würde ich denken? Wie würde ich handeln? Als benehmender Mensch, wie würde ich reagieren, mit anderen kommunizieren?

Vortragsmitschnitt zu Benehmen - Audio zum Anhören

Hier kannst du einen Vortrag von Sukadev Bretz, Gründer von Yoga Vidya, anhören. Dieser Vortrag ist die Audio Version eines Videos zu Benehmen, Teil des Yoga Vidya Multimedia Lexikons der Tugenden.

Weitere Infos

Eigenschaften im Alphabet vor Benehmen

Eigenschaften im Alphabet nach Benehmen

Literatur

  • Swami Sivananda: How to Cultivate Virtues
  • Swami Sivananda: Erfolg in Leben und Selbstverwirklichung