Vamachara

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Vamachara (Sanskrit: वामाचार vāmācāra adj. u. m.) einen schlechten Wandel führend; das Ritual des Vama Marga befolgend.

Tantra-Skulptur im Tempel in Khajuraho, 11. Jh.

Vamachara ist ein Sanskrit-Begriff, der sich auf bestimmte Tantrapraktiken bezieht. Er bezeichnet bestimmte Formen des Sadhana, die nicht nur heterodox sind, sondern auch als extrem gelten.

Sukadev über Vamachara

Niederschrift eines Vortragsvideos (2015) von Sukadev über Vamachara

Vamachara heißt "linkes Verhalten", es ist der linkshändige Weg, es ist ein Name einer bestimmten Tantra-Tradition. Vamachara ist jetzt etwas, was wir bei Yoga Vidya nicht lehren, um es gleich vorauszuschicken, dennoch ist es durchaus religionsgeschichtlich interessant. Vama heißt "links", und Achara heißt "Verhalten". Vamachara – linkes Verhalten. Auch im Deutschen klingt das ja so "linkisch" oder "links liegen lassen" usw. Es gibt so eine gewisse Tradition, vermutlich beruhend auf der Mehrheit der Rechtshänder, die irgendwo links als nicht so rein ansehen.

In Indien zum Beispiel gilt auch die linke Hand als unrein, auch ein Grund kann durchaus sein, dass in Indien traditionellerweise kein Toilettenpapier verwendet wird und die linke Hand dafür verwendet wird. Und bei allem, was rein ist und aus hygienischen Gründen, wird eben die rechte Hand verwendet. Und so ist Vama der Ausdruck für das, was nicht so gut ist und unrein. Dann gibt es einen bestimmten Zweig im Tantra, der dann eben Vamachara lehrt, das heißt Praktiken, die gesellschaftlich nicht akzeptiert sind. Im Vamachara-Weg kann es durchaus auch darum gehen, das Höchste zu erfahren, es kann durchaus weißes Tantra sein.

Aber Vamachara, gesellschaftlich nicht akzeptiert. Es gibt so einige Dinge, die die Vamachara Tantrikas machen, zum Beispiel auf einen Friedhof gehen, eine Leiche ausbuddeln und sich draufsetzen, oder evtl. die Verwandten vorher fragen, ob sie das machen dürfen, den Kopf noch abschneiden und dann den Schädel in die Hand nehmen und sich draufsetzen, um so über Vergänglichkeit zu meditieren. Und so gibt es eine Reihe von anderen Vamachara-Praktiken, die ich jetzt nicht erwähnen will, die aus gutem Grund Menschen ablehnen und wir diese deshalb bei Yoga Vidya nicht üben. Ich will es nur erwähnen, es gibt das, wo Menschen gesellschaftlich nicht Akzeptiertes tun.

Auch noch ein weiteres Beispiel ist, es gibt ja auch den roten Tantra. Roter Tantra kann auch gesellschaftlich akzeptiert sein, wenn man eben Geschlechtsverkehr hat mit seinem Partner. Und Vamachara wäre, wenn das mit Menschen ist, mit denen man eben nicht verheiratet ist oder keine feste Partnerschaft hat. Auch etwas, was im Klassischen nicht akzeptiert ist, dennoch von den Vamachara Tantrikas, Vamachara Shaktas auch praktiziert worden ist, wenn auch erheblich weniger, als man das im Westen manchmal denkt. Also, zusammengefasst, Vamachara – das linkshändige Verhalten, ein Verhalten, das gesellschaftlich nicht akzeptiert ist, was aber auch eine spirituelle Praxis sein kann, aber bei Yoga Vidya nicht gelehrt wird.

Vamachara im Tantra

Vamachara bedeutet nicht sinngemäß "linkshändiger Pfad", sondern bezieht sich darauf, dass die Frau (vama) Lata-Sadhana betritt. Es gibt zwei Acharas im Tantra – das Dakshinachara beinhaltet die ersten vier Acharas und das Vamachara umfasst die letzten drei Acharas. Man sagt, dass Männer im Dakshinachara geboren werden und empfangen werden durch die Initiation in das Vamachara.

Vama-devi wird im Vamachara verehrt. Vija die Widrigkeit und steht im Gegensatz zu "Pravritti", das zu einem unterschiedlichen Grad geleitet wird vom vorhergehenden Achara. Der Zugangspfad wird "Nivritti" genannt. Im Vamachara wird empfohlen, den Pavritti umgehend zu zerstören und den Weg des Nivritti zu kultivieren. Das Pravritti wird an dieser Stelle des Sadhana so zerstört, dass Leidenschaften erlöschen. Tantra umfasst keine niederen physische Begierden wie Essen, Trinken und Geschlechtsverkehr als Alltagsrituale. Der Sadhaka muss alle acht Bindungen zum Pashu lösen.

Die Vamachara-Traditionen basieren auf der Verehrung der fürchterlichen Aspekte des Göttlichen, dem Laya Pradhana mit dem Hauptaspekt der Auflösung. Die Verschiebung des Schülers in das höchste Göttliche ist der Weg des Vamachara. In der Vamachara-Tradition gibt es auch die Leichenverbrennung im Boden, da dort das Vairagya, die vollständige Loslösung möglich ist. Während des Vamachara Sadhanas verlässt die Energie das Vishuddhi Chakra, fließt hoch in die Kommandozentralen und fließt nie wieder nach unten. Ohne durch die unteren Chakras zu fließen ist es sehr schwer, diese Zentren zu erreichen. Es ist sehr gefährlich, den Weg des Vamachara ohne die Unterstützung eines echten Meisters zu praktizieren. Die Schüler des Vamachara Tantra sind Brahmacharis. Sie nutzen ihre Energie zum Heilen.

Vamachara Tantra ist Teil eines evolutionären Prozesses im Bewusstsein, der Richtung Integration in die natürliche Welt strebt. Natur wird als heilige Manifestation des Göttlichen wahrgenommen, wo keine Trennung von Körper und Geist existiert. Vamachara zeigt, wie man verstehen kann, was Freiheit ist. Es zeigt hauptsächlich, wie man den Integrationsprozess erfahren kann. Man ist erwacht zur eigenen Freiheit und Kraft und wird dadurch darauf vorbereitet, an dem fortwährenden Schöpfungsprozess teilzunehmen. Vamachara wird besonders mit Panchatattvas in Verbindung gebracht.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

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