Amritabindu Upanishad
Amritabindu Upanishad oder auch Amritanada Upanishad (Sanskrit: अमृतबिन्दोपनिषद् amṛtabindopaniṣad f.) ist ein Teil der indischen Heiligen Schriften, die Veda genannt werden. Die Amritabindu Upanishad gehört zum Atharvaveda und wird außerdem den Yoga Upanishaden zugeordnet. Sie knüpft an einen sechsgliedrigen (Shadanga) Yoga an, der auf die Shvetashvatara Upanishad zurückgeht. Der Name der Upanishad bezieht sich auf den ewigen, Unsterblichkeit verleihenden Klang (Om), im engeren Sinne auf dessen Endlaut Anusvara (Bindu). Als Yoga Upanishad gibt die Amritabindu Upanishad u.a. Hinweise zu Atemtechniken und zum Sitzen.
Einleitung

Die Amritabindu Upanishad ist eine kurze, besonders konzentrierte Yoga Upanishad des Krishna Yajurveda. Ihr Name bedeutet „Upanishad vom Tropfen der Unsterblichkeit“. Die hier wiedergegebene, in der Muktika-Tradition überlieferte Fassung umfasst 22 Verse. Sie wird teilweise auch Brahmabindu Upanishad genannt. Von ihr ist die gelegentlich damit vermischte 38-Verse-Schrift Amritanada Upanishad zu unterscheiden.
Im Mittelpunkt steht der Geist als Ursache von Bindung und Befreiung. Von Wünschen und der Verhaftung an Sinnesobjekte beherrscht, bindet er den Menschen; gereinigt, im Herzen gesammelt und auf den Atman ausgerichtet, wird er zum Tor der Erkenntnis. Die Upanishad verbindet diese innere Sammlung mit der Meditation über Klang und Klanglosigkeit: Das hörbare Om und Shabda Brahman dienen als Stütze, führen aber über sich hinaus zum unvergänglichen, teilfreien Brahman.
Mit Bildern wie dem einen Mond in vielen Wasserflächen, dem unbegrenzten Raum in verschiedenen Gefäßen, der Milch verschiedenfarbiger Kühe und der verborgenen Butter in der Milch erklärt der Text die Einheit hinter der Vielheit. Studium und begriffliches Wissen sollen in verwirklichte Erkenntnis übergehen. Das höchste Ziel ist die unmittelbare Einsicht: Das eine Bewusstsein war niemals wirklich gebunden und wohnt als Vasudeva in allen Wesen. Für heutige Yogaübende ist die Schrift eine Erinnerung, Meditation nicht als gewaltsame Gedankenunterdrückung, sondern als Weg zu Nichtanhaftung, Klarheit und gelebter Einheit zu verstehen.
Amritabindu Upanishad – Sanskrit, deutsche Übersetzung und Wort-für-Wort-Erklärung
Diese Fassung enthält alle 22 Verse der Amritabindu Upanishad in IAST, eine eigenständige deutsche Übersetzung und eine gegliederte Wort-für-Wort-Erklärung. Eng verbundene Komposita werden als Sinngruppen erklärt, damit grammatischer Zusammenhang und Lesbarkeit erhalten bleiben.
Hinweis zur Textgestalt: Vers 10 ist auch mit der Lesart muktaḥ statt mukta überliefert. Vers 14 besitzt in den Handschriften abweichende Lesarten; die Übersetzung folgt dem im Zusammenhang stehenden Gefäß-Raum-Vergleich. Puṣkara in Vers 15 kann „heiliger Ort“, „Lotus“ oder den Ortsnamen Pushkara bedeuten; hier wird die allgemeinere Bedeutung „heilige Stätte“ gewählt.
Shanti Mantra
oṃ saha nāvavatu saha nau bhunaktu saha vīryaṃ karavāvahai |
tejasvināvadhītamastu mā vidviṣāvahai ||
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ |
hariḥ oṃ ||
Übersetzung
Om. Möge er uns beide beschützen. Möge er uns beide nähren. Mögen wir gemeinsam große Kraft entfalten. Möge unser Studium lichtvoll sein. Mögen wir einander nicht ablehnen. Om. Frieden, Frieden, Frieden.
1.
mano hi dvividhaṃ proktaṃ śuddhaṃ cāśuddhameva ca |
aśuddhaṃ kāmasaṃkalpaṃ śuddhaṃ kāmavivarjitam || 1 ||
Übersetzung
Der Geist wird als zweifach bezeichnet: als rein und als unrein. Unrein ist er, wenn er von Wünschen und Vorstellungen bestimmt wird; rein ist er, wenn er frei von Wünschen ist.
Wort-für-Wort-Übersetzung
manaḥ – der Geist; hi – gewiss, nämlich; dvi-vidham – von zweierlei Art; proktam – genannt, gelehrt; śuddham – rein; ca – und; aśuddham eva ca – und wahrlich unrein; aśuddham – unrein; kāma-saṅkalpam – von Wunsch und Vorstellung bestimmt; śuddham – rein; kāma-vivarjitam – frei von Wünschen.
2.
mana eva manuṣyāṇāṃ kāraṇaṃ bandhamokṣayoḥ |
bandhāya viṣayāsaktaṃ muktyai nirviṣayaṃ smṛtam || 2 ||
Übersetzung
Der Geist allein ist für den Menschen die Ursache von Bindung und Befreiung. An die Sinnesobjekte geheftet führt er zur Bindung; frei von Sinnesobjekten gilt er als Mittel zur Befreiung.
Wort-für-Wort-Übersetzung
manaḥ eva – der Geist allein; manuṣyāṇām – der Menschen; kāraṇam – Ursache; bandha-mokṣayoḥ – von Bindung und Befreiung; bandhāya – zur Bindung; viṣaya-āsaktam – an Sinnesobjekte geheftet; muktyai – zur Befreiung; nirviṣayam – frei von Sinnesobjekten; smṛtam – gilt, wird überliefert.
3.
yato nirviṣayasyāsya manaso muktiriṣyate |
ato nirviṣayaṃ nityaṃ manaḥ kāryaṃ mumukṣuṇā || 3 ||
Übersetzung
Weil die Befreiung für diesen von Sinnesobjekten freien Geist gelehrt wird, soll ein nach Befreiung Strebender seinen Geist beständig von der Verhaftung an Objekte frei machen.
Wort-für-Wort-Übersetzung
yataḥ – weil; nirviṣayasya – des von Sinnesobjekten freien; asya manasaḥ – dieses Geistes; muktiḥ – Befreiung; iṣyate – gelehrt, angenommen wird; ataḥ – deshalb; nirviṣayam – frei von Sinnesobjekten; nityam – beständig; manaḥ kāryam – ist der Geist zu machen; mumukṣuṇā – von dem nach Befreiung Strebenden.
4.
nirastaviṣayāsaṅgaṃ saṃniruddhaṃ mano hṛdi |
yadā’’yātyātmano bhāvaṃ tadā tatparamaṃ padam || 4 ||
Übersetzung
Wenn der Geist die Anhaftung an Sinnesobjekte abgelegt hat, im Herzen vollkommen gesammelt ist und zum Wesen des Atman gelangt, dann ist dies der höchste Zustand.
Wort-für-Wort-Übersetzung
nirasta-viṣaya-āsaṅgam – von der Anhaftung an Sinnesobjekte befreit; saṃniruddham – vollkommen gesammelt, zurückgehalten; manaḥ – der Geist; hṛdi – im Herzen; yadā – wenn; āyāti – gelangt; ātmanaḥ bhāvam – zum Wesen des Atman; tadā – dann; tat – das; paramam padam – der höchste Zustand.
5.
tāvadeva niroddhavyaṃ yāvadhṛdi gataṃ kṣayam |
etajjñānaṃ ca dhyānaṃ ca śeṣo nyāyaśca vistaraḥ || 5 ||
Übersetzung
Der Geist soll so lange zur Ruhe gebracht werden, bis er im Herzen zur Auflösung gelangt. Dies ist Erkenntnis und dies ist Meditation; alles Übrige ist begriffliche und logische Ausführung.
Wort-für-Wort-Übersetzung
tāvat eva – genau so lange; niroddhavyam – soll zur Ruhe gebracht werden; yāvat – bis; hṛdi – im Herzen; gatam kṣayam – zur Auflösung gelangt ist; etat – dies; jñānam ca – ist Erkenntnis; dhyānam ca – und Meditation; śeṣaḥ – das Übrige; nyāyaḥ ca – ist logische Erörterung; vistaraḥ – ausführliche Entfaltung.
6.
naiva cintyaṃ na cācintyaṃ na cintyaṃ cintyameva ca |
pakṣapātavinirmuktaṃ brahma sampadyate tadā || 6 ||
Übersetzung
Brahman ist weder als Gegenstand zu denken noch einfach als undenkbar zu verwerfen; es ist zu betrachten, ohne es zum begrenzten Gedankenobjekt zu machen. Wenn der Geist von der Parteinahme für eine der beiden Seiten frei ist, gelangt er zu Brahman.
Wort-für-Wort-Übersetzung
na eva cintyam – nicht als begrenzter Gegenstand zu denken; na ca acintyam – und nicht einfach undenkbar; na cintyam cintyam eva ca – nicht gedanklich festzulegen und doch zu betrachten; pakṣapāta-vinirmuktam – von Parteinahme für eine Seite frei; brahma sampadyate – man gelangt zu Brahman; tadā – dann.
7.
svareṇa saṃdhayedyogamasvaraṃ bhāvayetparam |
asvareṇānubhāvena nābhāvo bhāva iṣyate || 7 ||
Übersetzung
Durch den Klang soll man den Yoga verbinden; das Höchste soll man als klanglos betrachten. Durch die Erfahrung des Klanglosen wird nicht Nichtsein, sondern wahres Sein erkannt.
Wort-für-Wort-Übersetzung
svareṇa – durch den Klang; sandhayet – soll man verbinden; yogam – den Yoga; asvaram – das Klanglose; bhāvayet – soll man betrachten, vergegenwärtigen; param – als das Höchste; asvareṇa anubhāvena – durch die Erfahrung des Klanglosen; na abhāvaḥ – nicht Nichtsein; bhāvaḥ – Sein, Wirklichkeit; iṣyate – wird erkannt, gilt.
8.
tadeva niṣkalaṃ brahma nirvikalpaṃ nirañjanam |
tadbrahmāhamiti jñātvā brahma sampadyate dhruvam || 8 ||
Übersetzung
Eben dieses Brahman ist ohne Teile, frei von gedanklicher Unterscheidung und makellos. Wer erkannt hat: „Ich bin dieses Brahman“, wird wahrhaftig zu Brahman.
Wort-für-Wort-Übersetzung
tat eva – eben dieses; niṣkalam – ohne Teile; brahma – Brahman; nirvikalpam – frei von Unterscheidung; nirañjanam – makellos; tat brahma aham iti – „dieses Brahman bin ich“; jñātvā – erkannt habend; brahma sampadyate – wird man zu Brahman; dhruvam – gewiss, wahrhaftig.
9.
nirvikalpamanantaṃ ca hetudṛṣṭāntavarjitam |
aprameyamanādiṃ ca yajjñātvā mucyate budhaḥ || 9 ||
Übersetzung
Es ist frei von Unterscheidungen, unendlich, ohne Ursache und ohne vergleichbares Beispiel, unermesslich und anfanglos. Der Weise, der es erkennt, wird befreit.
Wort-für-Wort-Übersetzung
nirvikalpam – frei von Unterscheidungen; anantam ca – und unendlich; hetu-dṛṣṭānta-varjitam – ohne Ursache und ohne vergleichbares Beispiel; aprameyam – unermesslich, keinem Erkenntnismittel als Objekt zugänglich; anādim ca – und anfanglos; yat jñātvā – welches erkannt habend; mucyate – wird befreit; budhaḥ – der Weise.
10.
na nirodho na cotpattirna baddho na ca sādhakaḥ |
na mumukṣurna vai mukta ityeṣā paramārthatā || 10 ||
Übersetzung
Es gibt weder Auflösung noch Entstehung, weder einen Gebundenen noch einen Übenden, weder einen nach Befreiung Strebenden noch einen Befreiten. Dies ist die höchste Wahrheit.
Wort-für-Wort-Übersetzung
na nirodhaḥ – keine Auflösung; na ca utpattiḥ – und keine Entstehung; na baddhaḥ – kein Gebundener; na ca sādhakaḥ – und kein Übender; na mumukṣuḥ – kein nach Befreiung Strebender; na vai muktaḥ – wahrlich kein Befreiter; iti – so; eṣā – dies; paramārthatā – höchste Wahrheit, letztgültige Wirklichkeit.
11.
eka evātmā mantavyo jāgratsvapnasuṣuptiṣu |
sthānatrayavyatītasya punarjanma na vidyate || 11 ||
Übersetzung
In Wachen, Traum und Tiefschlaf soll ein und derselbe Atman erkannt werden. Für den, der die drei Zustände überschritten hat, gibt es keine Wiedergeburt.
Wort-für-Wort-Übersetzung
ekaḥ eva ātmā – ein und derselbe Atman; mantavyaḥ – soll erkannt, betrachtet werden; jāgrat-svapna-suṣuptiṣu – in Wachen, Traum und Tiefschlaf; sthāna-traya-vyatītasya – für den, der die drei Zustände überschritten hat; punar-janma – Wiedergeburt; na vidyate – gibt es nicht.
12.
eka eva hi bhūtātmā bhūte bhūte vyavasthitaḥ |
ekadhā bahudhā caiva dṛśyate jalacandravat || 12 ||
Übersetzung
Ein und derselbe innere Atman wohnt in jedem einzelnen Wesen. Obwohl er einer ist, erscheint er als viele – wie der eine Mond in vielen Wasserflächen.
Wort-für-Wort-Übersetzung
ekaḥ eva hi – ein und derselbe nämlich; bhūta-ātmā – innere Atman der Wesen; bhūte bhūte – in jedem einzelnen Wesen; vyavasthitaḥ – gegenwärtig, fest gegründet; eka-dhā – als einer; bahudhā ca eva – und zugleich als viele; dṛśyate – wird gesehen, erscheint; jala-candra-vat – wie der Mond in Wasserflächen.
13.
ghaṭasaṃvṛtamākāśaṃ nīyamāno ghaṭe yathā |
ghaṭo nīyeta nākāśaḥ tadvajjīvo nabhopamaḥ || 13 ||
Übersetzung
Wie der von einem Gefäß umschlossene Raum beim Forttragen des Gefäßes nicht selbst fortgetragen wird – das Gefäß wird bewegt, nicht der Raum –, so gleicht der Jiva dem unbegrenzten Raum.
Wort-für-Wort-Übersetzung
ghaṭa-saṃvṛtam ākāśam – der von einem Gefäß umschlossene Raum; nīyamānaḥ ghaṭe yathā – wenn das Gefäß fortgetragen wird; ghaṭaḥ nīyeta – das Gefäß wird bewegt; na ākāśaḥ – nicht der Raum; tadvat – ebenso; jīvaḥ – der Jiva; nabha-upamaḥ – dem Raum vergleichbar.
14.
ghaṭavadvividhākāraṃ bhidyamānaṃ punaḥ punaḥ |
tadbhede na ca jānāti sa jānāti ca nityaśaḥ || 14 ||
Übersetzung
Wie ein Gefäß hat der Körper verschiedene Formen und zerbricht immer wieder. Der Raum weiß nicht, dass das Gefäß zerbrochen ist; der Atman aber ist stets der Erkennende.
Wort-für-Wort-Übersetzung
ghaṭavat – wie bei einem Gefäß; vividha-ākāram – von vielerlei Form; bhidyamānam – zerbrechend, auseinandergehend; punaḥ punaḥ – immer wieder; tat-bhede – bei dessen Zerbrechen; na ca jānāti – der Raum weiß es nicht; saḥ – er, der Atman; jānāti ca – erkennt aber; nityaśaḥ – beständig, immerdar.
15.
śabdamāyāvṛto naiva tamasā yāti puṣkare |
bhinne tamasi caikatvameka evānupaśyati || 15 ||
Übersetzung
Von der Maya der Worte und von Dunkelheit verhüllt, gelangt der Mensch nicht zur heiligen Stätte. Wenn die Dunkelheit durchbrochen ist, schaut der Eine allein die Einheit.
Wort-für-Wort-Übersetzung
śabda-māyā-āvṛtaḥ – von der Maya der Worte verhüllt; na eva – keineswegs; tamasā – durch Dunkelheit; yāti – gelangt; puṣkare – zur heiligen Stätte, wörtlich auch „Lotus“ oder „Pushkara“; bhinne tamasi – wenn die Dunkelheit durchbrochen ist; ca – und; ekatvam – Einheit; ekaḥ eva – der Eine allein; anupaśyati – schaut unmittelbar.
16.
śabdākṣaraṃ paraṃ brahma tasminkṣīṇe yadakṣaram |
tadvidvānakṣaraṃ dhyāyedyadīcchecchāntimātmanaḥ || 16 ||
Übersetzung
Die tönende Silbe ist das höchste Brahman; wenn ihr Klang verklungen ist, bleibt das Unvergängliche. Wer dieses Unvergängliche kennt, soll darüber meditieren, wenn er den Frieden seines Selbst wünscht.
Wort-für-Wort-Übersetzung
śabda-akṣaram – die tönende Silbe; param brahma – das höchste Brahman; tasmin kṣīṇe – wenn diese verklungen ist; yat akṣaram – das, was unvergänglich ist; tad-vidvān – wer dieses kennt; akṣaram dhyāyet – soll über das Unvergängliche meditieren; yadi icchet – wenn er wünscht; śāntim ātmanaḥ – den Frieden seines Selbst.
17.
dve vidye veditavye tu śabdabrahma paraṃ ca yat |
śabdabrahmaṇi niṣṇātaḥ paraṃ brahmādhigacchati || 17 ||
Übersetzung
Zwei Arten von Wissen sind zu erkennen: das Brahman als Wort und Klang und das Höchste. Wer im Shabda Brahman vollkommen bewandert ist, gelangt zum höchsten Brahman.
Wort-für-Wort-Übersetzung
dve vidye – zwei Arten von Wissen; veditavye – sind zu erkennen; tu – nämlich; śabda-brahma – Brahman als Wort und Klang; param ca yat – und das, was das Höchste ist; śabda-brahmaṇi – im Shabda Brahman; niṣṇātaḥ – vollkommen bewandert, eingetaucht; param brahma – das höchste Brahman; adhigacchati – gelangt zu.
18.
granthamabhyasya medhāvī jñānavijñānatatparaḥ |
palālamiva dhānyārthī tyajedgranthamaśeṣataḥ || 18 ||
Übersetzung
Nachdem der Einsichtige die Schriften studiert hat und ganz auf Jnana und verwirklichte Erkenntnis ausgerichtet ist, soll er die Schriften schließlich vollständig loslassen – wie jemand, der das Korn sucht, die Spreu zurücklässt.
Wort-für-Wort-Übersetzung
grantham abhyasya – die Schrift studiert habend; medhāvī – der Einsichtige; jñāna-vijñāna-tat-paraḥ – ganz auf Erkenntnis und Verwirklichung ausgerichtet; palālam iva – wie die Spreu; dhānya-arthī – wer das Korn sucht; tyajet – soll loslassen; grantham – die Schrift; aśeṣataḥ – vollständig, ohne Rest.
19.
gavāmanekavarṇānāṃ kṣīrasyāpyekavarṇatā |
kṣīravatpaśyate jñānaṃ liṅginastu gavāṃ yathā || 19 ||
Übersetzung
Die Kühe haben viele Farben, doch die Milch hat nur eine Farbe. Die Erkenntnis soll man wie die Milch ansehen; die Träger verschiedener äußerer Kennzeichen gleichen den verschiedenfarbigen Kühen.
Wort-für-Wort-Übersetzung
gavām – der Kühe; aneka-varṇānām – von vielerlei Farben; kṣīrasya api – doch der Milch; eka-varṇatā – Einheit der Farbe; kṣīravat – wie die Milch; paśyate – betrachtet man; jñānam – die Erkenntnis; liṅginaḥ tu – die Träger verschiedener Kennzeichen dagegen; gavām yathā – wie die Kühe.
20.
ghṛtamiva payasi nigūḍhaṃ bhūte bhūte ca vasati vijñānam |
satataṃ manasi manthayitavyaṃ mano manthānabhūtena || 20 ||
Übersetzung
Wie Butter im Milche verborgen ist, so wohnt verwirklichte Erkenntnis in jedem Wesen. Beständig soll man sie im Geist hervorquirlen, indem man den Geist selbst zum Quirlstab macht.
Wort-für-Wort-Übersetzung
ghṛtam iva – wie Butter, geklärte Butter; payasi – in der Milch; nigūḍham – verborgen; bhūte bhūte ca – und in jedem einzelnen Wesen; vasati – wohnt; vijñānam – verwirklichte Erkenntnis; satatam – beständig; manasi – im Geist; manthayitavyam – soll sie hervorgequirlt werden; manaḥ – der Geist; manthāna-bhūtena – indem er zum Quirlstab gemacht wird.
21.
jñānanetraṃ samādhāya coddharedvahnivatparam |
niṣkalaṃ niścalaṃ śāntaṃ tadbrahmāhamiti smṛtam || 21 ||
Übersetzung
Nachdem man das Auge der Erkenntnis gesammelt hat, soll man das Höchste wie Feuer hervorbringen: ohne Teile, unbeweglich und friedvoll. Es wird erkannt als: „Dieses Brahman bin ich.“
Wort-für-Wort-Übersetzung
jñāna-netram – das Auge der Erkenntnis; samādhāya – gesammelt, fest ausgerichtet habend; ca uddharet – soll man hervorziehen, hervorbringen; vahni-vat – wie Feuer; param – das Höchste; niṣkalam – ohne Teile; niścalam – unbeweglich; śāntam – friedvoll; tat brahma aham iti – „dieses Brahman bin ich“; smṛtam – wird erkannt, gilt.
22.
sarvabhūtādhivāsaṃ yadbhūteṣu ca vasatyapi |
sarvānugrāhakatvena tadasmyahaṃ vāsudevaḥ || 22 ||
Übersetzung
Das, was allen Wesen als Wohnstatt dient und zugleich in den Wesen wohnt, das allen Gnade erweist – das bin ich: Vasudeva.
Wort-für-Wort-Übersetzung
sarva-bhūta-adhivāsam – Wohnstatt aller Wesen; yat – das, welches; bhūteṣu ca – und in den Wesen; vasati api – ebenfalls wohnt; sarva-anugrāhakatvena – indem es allen Gnade und Unterstützung erweist; tat asmi aham – das bin ich; vāsudevaḥ – Vasudeva, das in allem wohnende Göttliche.
Shanti Mantra
oṃ saha nāvavatu saha nau bhunaktu saha vīryaṃ karavāvahai |
tejasvināvadhītamastu mā vidviṣāvahai ||
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ |
Übersetzung
Om. Möge er uns beide beschützen. Möge er uns beide nähren. Mögen wir gemeinsam große Kraft entfalten. Möge unser Studium lichtvoll sein. Mögen wir einander nicht ablehnen. Om. Frieden, Frieden, Frieden.
|| iti kṛṣṇayajurvede’mṛtabindūpaniṣat samāptā ||
Damit ist die Amritabindu Upanishad des Krishna Yajurveda beendet.
Lehren und Bedeutung der Amritabindu Upanishad
Die Amritabindu Upanishad (Sanskrit: Amṛtabindu Upaniṣad) gehört zu den kürzesten und zugleich einflussreichsten Yoga Upanishaden. In der hier zugrunde gelegten Fassung umfasst sie 22 Verse und wird dem Krishna Yajurveda zugeordnet. In der traditionellen Liste der 108 Upanishaden, die in der Muktika Upanishad überliefert ist, steht sie an zwanzigster Stelle. Ihr Thema ist nicht ein ausführliches System körperlicher Yogatechniken, sondern die unmittelbare Beziehung zwischen Geist, Bindung, Meditation und befreiender Erkenntnis.
Der Titel setzt sich aus amṛta, „Unsterblichkeit“, „Unsterblichkeitstrank“ oder „Nektar“, und bindu, „Tropfen“, „Punkt“ oder „Keim“, zusammen. Er kann als „Upanishad vom Tropfen der Unsterblichkeit“ verstanden werden. Der Text selbst erklärt den Titel nicht ausdrücklich. Inhaltlich lässt er sich jedoch auf jene konzentrierte Erkenntnis beziehen, in der der Geist seine Bindung an äußere Objekte verliert und das ungeteilte Brahman erkennt.
Textgestalt und Überlieferung
Die Überlieferung der Bindu-Upanishaden ist nicht einheitlich. Die südindische Muktika-Tradition ordnet die Amritabindu Upanishad dem Krishna Yajurveda zu und bietet den hier wiedergegebenen Text mit 22 Versen. In anderen Handschriften und Katalogen begegnet sie auch unter dem Namen Brahmabindu Upanishad oder in Verbindung mit dem Atharvaveda. Einzelne Verse weisen abweichende Lesarten auf, besonders der schwer verständliche vierzehnte Vers.
Von dieser Kurzfassung ist eine Schrift mit 38 Versen zu unterscheiden, die Regeln zu Pranayama, den sechs Gliedern des Yoga, Pratyahara, Dharana und Meditation enthält. Sie wird heute meist als Amritanada Upanishad bezeichnet, ist jedoch in älteren Ausgaben und modernen Darstellungen gelegentlich mit der Amritabindu Upanishad vermischt worden. Die 22-Verse-Amritabindu enthält weder ein System des sechsgliedrigen Yoga noch ausführliche Atemanweisungen. Ihre Praxis ist die Reinigung und Sammlung des Geistes, die Meditation über Klang und Klanglosigkeit sowie die Erkenntnis der Einheit des Atman.
Eine genaue Datierung ist nicht möglich. Sprache, Lehre und die Nähe zu frühen nichtdualistischen Traditionen zeigen, dass der Text aus einer älteren Schicht der Yoga-Upanishaden stammen dürfte. Seine endgültige Gestalt kann jedoch über einen längeren Zeitraum gewachsen sein. Die berühmte Aussage des zehnten Verses erscheint nahezu wörtlich auch in der Mandukya Karika 2.32 des Gaudapada. Ob die Upanishad diesen Vers aus einer älteren gemeinsamen Tradition bewahrt, von der Karika übernommen hat oder umgekehrt auf sie eingewirkt hat, lässt sich allein aus der Textähnlichkeit nicht sicher entscheiden.
Inhalt der Amrita Bindu Upanishad
Der Geist als Ursache von Bindung und Befreiung
Die ersten Verse formulieren die zentrale Lehre der Schrift. Der Geist ist zweifach: unrein, wenn er von kāma, Wunsch und Begehren, sowie saṅkalpa, vorstellendem und absichtsvollem Denken, beherrscht wird; rein, wenn er von zwanghaftem Wünschen frei ist. Reinheit bedeutet hier nicht Gedankenlosigkeit im gewöhnlichen Sinn. Gemeint ist ein Geist, der seine Freiheit nicht mehr von wechselnden Objekten, Erinnerungen und Erwartungen abhängig macht.
Der zweite Vers gehört zu den bekanntesten Aussagen der Yoga-Upanishaden: Der Geist allein ist die Ursache von Bindung und Befreiung. An Sinnesobjekte angeheftet bindet er; frei von dieser Anhaftung öffnet er den Weg zur Befreiung. Die Gegenstände der Welt werden damit nicht an sich für schlecht erklärt. Entscheidend ist die Beziehung des Bewusstseins zu ihnen. Wahrnehmen, denken und handeln können fortbestehen, ohne dass der Mensch sein Glück und seine Identität vollständig an das Wahrgenommene bindet.
Diese Lehre steht der Bhagavad Gita nahe, die den geläuterten Geist als Freund und den unbeherrschten Geist als Gegner des Menschen bezeichnet. Ebenso erinnert sie an das Yoga Sutra des Patanjali, in dem Yoga als Beruhigung der Bewegungen des Bewusstseinsfeldes beschrieben wird. Die Amritabindu Upanishad setzt jedoch einen deutlich nichtdualistischen Akzent: Der beruhigte Geist enthüllt nicht nur einen isolierten Seher, sondern erkennt sein eigenes Wesen als Brahman.
Sammlung des Geistes im Herzen
Nach den Versen 3 bis 5 soll der nach Befreiung Strebende, der Mumukshu, den Geist von seiner Verhaftung an Sinnesobjekte lösen und im Herzen sammeln. Das „Herz“ ist in diesem Zusammenhang nicht bloß das körperliche Organ. In der Sprache der Upanishaden bezeichnet hṛd oder hṛdaya den inneren Erkenntnisraum, in dem Bewusstsein, Leben und Selbst erfahren werden.
Der Geist soll dort so lange zur Ruhe gebracht werden, bis seine eigenständige, zerstreuende Tätigkeit erlischt. Diese „Auflösung“ ist nicht als physische Vernichtung des Gehirns oder als Verlust jeder praktischen Denkfähigkeit zu verstehen. Gemeint ist das Ende jener Bewegung, die fortwährend ein getrenntes Ich und ihm gegenüberstehende Objekte konstruiert. Die Schrift nennt diese Sammlung zugleich Erkenntnis und Meditation. Philosophische Argumentation hat ihren Wert, bleibt aber nach Vers 5 eine Ausführung dessen, was in der unmittelbaren meditativen Einsicht verwirklicht werden muss.
Jenseits von Denken und Nichtdenken
Vers 6 gehört zu den sprachlich schwierigsten Stellen. Brahman kann nicht wie ein äußerer Gegenstand gedacht werden, denn jeder begrenzte Begriff würde es verkleinern. Ebenso darf es nicht einfach als „undenkbar“ und damit als bloßes Nichts verworfen werden. Die Praxis besteht darin, das Wirkliche zu betrachten, ohne es in eine gedankliche Alternative einzusperren. Wird der Geist von der Parteinahme für „denkbar“ oder „undenkbar“, „Sein“ oder „Nichtsein“ frei, öffnet sich die unmittelbare Erkenntnis.
Dies ist keine Aufforderung zu unklarem Denken. Die Upanishad verwendet Begriffe, Unterscheidungen und Bilder sehr bewusst. Sie zeigt vielmehr die Grenze des begrifflichen Wissens: Begriffe weisen auf die Wirklichkeit hin, können sie aber nicht vollständig enthalten.
Klang, Om und das Klanglose
Die Verse 7, 16 und 17 verbinden Meditation und Erkenntnis mit Klang. Durch den hörbaren Klang soll der Übende den Yoga herstellen; anschließend soll er das Höchste als klanglos betrachten. Die „tönende Silbe“ kann im upanishadischen Zusammenhang auf Om bezogen werden. Solange Om erklingt, dient es dem Geist als Stütze. Wenn der hörbare Klang verklingt, bleibt das akṣara, das Unvergängliche, das selbst nicht von Entstehung und Ende betroffen ist.
Die Schrift unterscheidet deshalb Shabda Brahman, Brahman als Wort, Klang und offenbarte Lehre, vom höchsten Brahman jenseits aller Lautgestalt. Beide werden nicht gegeneinander ausgespielt. Wer sich im Shabda Brahman gründlich geschult hat, kann durch dieses hindurch zum Höchsten gelangen. Klang, Mantra und Schrift sind Mittel der Sammlung und Erkenntnis; ihre Vollendung liegt in der wortlosen Wirklichkeit, auf die sie verweisen.
Diese Lehre berührt Themen der Nadabindu Upanishad und anderer Nada-Traditionen, bleibt aber knapper. Die Amritabindu beschreibt keine detaillierte Folge innerer Klänge. Ihr Interesse gilt dem Übergang von der tragenden Silbe zum Unvergänglichen, von der Form zur formlosen Grundlage.
„Ich bin Brahman“ und die Lehre von der Nichtentstehung
Vers 8 fasst die Erkenntnis in der Aussage tad brahmāham, „dieses Brahman bin ich“, zusammen. Brahman ist ohne Teile, ohne begriffliche Alternative und frei von jeder Befleckung. Es besitzt keinen Anfang, keine messbare Grenze, keine äußere Ursache und kein vollkommen entsprechendes Vergleichsbild.
Vers 10 führt diese Sicht bis zu ihrer radikalsten Form: In der höchsten Wahrheit gibt es weder Auflösung noch Entstehung, weder einen wirklich Gebundenen noch einen aus sich heraus getrennten Übenden, weder einen Suchenden noch einen Befreiten. Diese Aussage ist als Beschreibung der absoluten Ebene zu verstehen. Auf der Ebene alltäglicher Erfahrung bleiben ethische Verantwortung, Übung, Leiden und Befreiungsstreben bedeutsam. Die Upanishad behauptet jedoch, dass die letztgültige Wirklichkeit selbst niemals gebunden oder beschädigt wurde.
Diese Unterscheidung hilft, den Vers nicht fatalistisch zu missverstehen. „Es gibt keinen Übenden“ bedeutet nicht, dass Praxis überflüssig sei. Der Text selbst fordert Sammlung, Meditation, Studium und Erkenntnis. Die Praxis löst die Unwissenheit, durch die das immer freie Selbst als gebunden erscheint. In der späteren Advaita-Vedanta-Tradition wurde diese Perspektive als Lehre von der Nichtentstehung, ajāti-vāda, entfaltet.
Die drei Bewusstseinszustände
Der elfte Vers lehrt, dass im Wachen, Träumen und Tiefschlaf ein und derselbe Atman erkannt werden soll. Die drei Zustände wechseln, doch das Bewusstsein, in dem sie erscheinen und erkannt werden, ist nicht auf einen von ihnen begrenzt. Wer die Identifikation mit allen drei Zuständen überschreitet, ist nicht mehr dem Kreislauf der Wiedergeburt unterworfen.
Der Ausdruck Turiya, der „vierte“ oder transzendente Bewusstseinsgrund, erscheint im Text nicht ausdrücklich. Die Struktur entspricht jedoch der Lehre der Mandukya Upanishad: Das Selbst ist in allen drei wechselnden Zuständen gegenwärtig und zugleich nicht auf sie reduzierbar.
Bilder der Einheit
Die Amritabindu Upanishad erklärt ihre nichtduale Lehre durch eine Reihe anschaulicher Bilder:
- Mond und Wasser: Der eine Mond erscheint in vielen Wasserflächen als viele Spiegelbilder. Ebenso scheint der eine Atman in den vielen Lebewesen vervielfältigt zu sein.
- Gefäß und Raum: Ein Gefäß begrenzt scheinbar einen Teil des Raumes. Wird es bewegt oder zerbrochen, wird nur das Gefäß verändert, nicht der Raum. Der Jiva ist seinem wahren Wesen nach ebenso wenig auf Körper und Persönlichkeit beschränkt.
- Wort-Maya und Dunkelheit: Worte können zur Erkenntnis führen, aber sie können das Wirkliche auch verhüllen, wenn Begriffe mit der Wirklichkeit selbst verwechselt werden. Wird die Dunkelheit der Unwissenheit durchbrochen, wird Einheit geschaut.
- Kühe und Milch: Kühe besitzen verschiedene Farben, ihre Milch hat jedoch dieselbe Farbe. Lehrformen, äußere Zeichen und Traditionen können verschieden sein; die verwirklichte Erkenntnis ist ihrem Wesen nach eine.
- Korn und Spreu: Wer das Korn gewonnen hat, lässt die Spreu zurück. Ebenso soll der Schüler die Lehre nicht mit dem Buchstaben verwechseln, nachdem ihr Sinn verwirklicht wurde.
- Butter in der Milch: Verwirklichte Erkenntnis ist in jedem Wesen verborgen wie Butter in der Milch. Der gesammelte Geist wird zum Quirlstab, durch den das Verborgene offenbar wird.
- Feuer: Wie Feuer durch Reibung aus verborgenem Zustand hervorgebracht wird, so wird das teilfreie, unbewegliche und friedvolle Brahman durch das Auge der Erkenntnis offenbar.
Die Bilder haben eine gemeinsame Funktion. Sie erklären, wie Vielheit erscheinen kann, ohne die Einheit der Wirklichkeit aufzuheben, und wie eine bereits gegenwärtige Wahrheit durch Läuterung und Erkenntnis entdeckt wird.
Jnana und Vijnana
Vers 18 unterscheidet Jnana, begriffliche oder geistige Erkenntnis, und Vijnana, erfahrene und verwirklichte Erkenntnis. Das Studium der Schriften wird nicht abgewertet. Der Einsichtige soll den Text gründlich studieren. Sobald der Sinn jedoch aufgenommen und verwirklicht ist, darf er die Schrift als äußere Stütze loslassen, wie der Getreidesuchende die Spreu zurücklässt.
Dieser Vers ist weder bildungsfeindlich noch eine Erlaubnis, unbequeme Quellen zu ignorieren. Ohne das sorgfältige Erfassen des „Korns“ wäre das Wegwerfen der „Spreu“ sinnlos. Die Aussage richtet sich gegen eine Gelehrsamkeit, die beim Wortlaut stehen bleibt und Erkenntnis mit dem Besitz von Büchern oder Begriffen verwechselt.
Der Abschluss mit Vasudeva
Der letzte Vers bezeichnet die allen Wesen gemeinsame Wirklichkeit als Vasudeva. Sie ist die Wohnstatt aller Wesen, wohnt zugleich in jedem Wesen und wirkt zum Wohl aller. Die abschließende Aussage „Das bin ich: Vasudeva“ verbindet die nichtduale Selbsterkenntnis mit einer theistischen und hingebungsvollen Sprache.
Dadurch zeigt die Upanishad, dass Advaita und Bhakti nicht notwendig Gegensätze sind. Das höchste Selbst wird nicht als privates, isoliertes Ich verstanden. Wer sich als das in allen Wesen wohnende Göttliche erkennt, ist auf Universalität, Wohlwollen und Verantwortung verwiesen.
Bedeutung der Amritabindu Upanishad
Bedeutung für die frühere Yogapraxis
Die Amritabindu Upanishad bezeugt eine Form des Yoga, in der die Arbeit mit dem Geist im Mittelpunkt steht. Sie kennt Meditation, innere Sammlung und die Verwendung des Klanges, bietet aber keine ausführliche Lehre von Asana, Atemanhalten, Mudra oder Kundalini. Damit erinnert sie daran, dass „Yoga-Upanishad“ nicht automatisch ein Handbuch des späteren Hatha Yoga bedeutet.
Die Praxis besteht aus mehreren eng verbundenen Bewegungen: Rückzug der zwanghaften Aufmerksamkeit von Sinnesobjekten, Sammlung im Herzen, Meditation mit und jenseits des Klanges, Unterscheidung zwischen wechselnden Zuständen und dem bleibenden Selbst sowie Übergang von gelerntem Wissen zu verwirklichter Erkenntnis. Ziel ist nicht eine außergewöhnliche Fähigkeit, sondern die Befreiung von der falschen Identifikation mit dem Begrenzten.
Bedeutung für moderne Yoga Aspiranten
Für den modernen Yoga Aspiranten ist die zentrale Aussage unmittelbar verständlich: Nicht allein die äußeren Umstände entscheiden über Freiheit und Gebundenheit, sondern die Weise, in der der Geist sich an sie bindet. Daraus folgt keine Schuldzuweisung an Menschen, die unter Krankheit, Trauma, Armut oder Unterdrückung leiden. Äußere Bedingungen sind real und können Hilfe sowie Veränderung erfordern. Die Upanishad spricht von der spirituellen Verhaftung, nicht von einer pauschalen psychologischen oder sozialen Erklärung jedes Leidens.
Aus dem Text lassen sich folgende Grundsätze ableiten:
- Beobachte Wünsche und Vorstellungen, ohne jeden Impuls mit deinem Selbst gleichzusetzen.
- Verwende Om, Mantra oder eine andere geeignete Meditationsstütze, ohne an ihrer hörbaren Form festzuhalten.
- Verstehe geistige Ruhe nicht als gewaltsame Unterdrückung von Gedanken.
- Verbinde Schriftstudium mit Meditation, Selbstprüfung und gelebter Erfahrung.
- Unterscheide zwischen wechselnden Bewusstseinsinhalten und dem Bewusstsein, in dem sie erscheinen.
- Nutze nichtduale Aussagen nicht, um ethische Verantwortung oder notwendige Hilfe zu leugnen.
- Prüfe Fortschritt weniger an besonderen Erlebnissen als an Freiheit von Zwang, Klarheit, Mitgefühl und innerer Beständigkeit.
Die Anweisung, den Geist „aufzulösen“, sollte nicht als Kampf gegen Denken oder als medizinische Empfehlung gelesen werden. Bei psychischen Belastungen ersetzt Meditation keine professionelle Behandlung. Eine gesunde Praxis fördert Wachheit und Handlungsfähigkeit; sie soll keine Dissoziation, Selbstabwertung oder Flucht aus dem Leben verstärken.
Bedeutung für Yogalehrer und Yoga Meister
Für Yogalehrer und Yoga Meister bietet der Text einen Maßstab für die Einordnung von Meditation. Techniken sind Hilfen, aber nicht das Ziel. Klang führt zum Klanglosen, Schrift zur verwirklichten Bedeutung und Sammlung zur Erkenntnis des immer gegenwärtigen Selbst.
Bei der Vermittlung sind mehrere Punkte wichtig:
- Der Gegensatz von „reinem“ und „unreinem“ Geist darf nicht zur moralischen Abwertung von Schülern werden.
- Freiheit von Sinnesobjekten bedeutet innere Nichtanhaftung, nicht notwendig Weltflucht oder Gefühllosigkeit.
- Das Loslassen der Schriften setzt ihr sorgfältiges Studium und die Aufnahme ihres Sinnes voraus.
- Nichtdualität darf praktische Unterschiede, Grenzen und Verantwortung nicht verwischen.
- Die Bilder der Upanishad eignen sich gut zur Meditation, sollten aber nicht als naturwissenschaftliche Aussagen missverstanden werden.
- Ein Lehrer unterstützt den Übergang von geliehenem Wissen zu eigener Einsicht, ohne kritisches Denken oder persönliche Verantwortung auszuschalten.
Bleibende Bedeutung
Die Amritabindu Upanishad verdichtet einen umfassenden Weg auf 22 Verse. Ihr Ausgangspunkt ist der gewöhnliche Geist mit seinen Wünschen und Projektionen. Ihr Weg führt über Nichtanhaftung, Sammlung, Klangmeditation, Selbsterforschung und die Überschreitung rein begrifflichen Wissens. Ihr Ziel ist die Erkenntnis des einen Atman, der in allen Zuständen und allen Wesen gegenwärtig ist.
Die Schrift verbindet dabei psychologisch genaue Beobachtung mit radikaler Metaphysik. Auf der Ebene der Erfahrung muss der Geist geläutert und gesammelt werden; auf der höchsten Ebene war das Selbst niemals gebunden. Worte und Praktiken führen bis an ihre eigene Grenze. Was dann erkannt wird, ist kein leeres Nichts, sondern das teilfreie, friedvolle Brahman – die eine Wirklichkeit, die als Vasudeva in allen Wesen wohnt.
Amritabindu Upanishad mit Erläuterungen nach Paul Deussen
Artikel aus „Upanishaden. Die Geheimlehre des Veda“ in der Übersetzung von Paul Deussen, herausgegeben von Peter Michel, Marix Verlag, 2. Auflage, 2007, Wiesbaden, S. 787 - 795.
Einleitung
Amritabindu Upanishad oder, wie sie schon bei Sayana (der ihren Vers 10 zu Taitt. Ar. 10,27 p. 849 zitiert) und anderweitig (auch in Samkaranandas Kommentar) heißt: Amritanada Upanishad bedeutet: "Die Geheimlehre des (Anusvara-)Punktes (Bindu) oder des Nachhalls (Nada) des Wortes Om, welcher das Unsterbliche (Brahman) bedeutet" oder auch "welcher Unsterblichkeit verleiht". Bei der Bestimmtheit, mit welcher v. 4 und 24 jedes Lautelement ausgeschlossen wird, ist der erstere Name der passendere, wie auch der besser beglaubigte. Der Namenwechsel ließe sich daraus erklären, daß durch ein Schreiber-Versehen der Name Brahmabindu ausfiel und durch Amritabindu ersetzt wurde, worauf man denn auch für unsere Upanishad einen neuen Namen wählen mußte.
Der Inhalt besteht aus einer Einleitung, vier Teilen und einem Schlußvers.
Die Einleitung (v. 1-4) verwirft nicht nur alle Schriftgelehrsamkeit, sondern betrachtet auch die lautenden Elemente von Om als bloßes Mittel zum Zweck. Nur das lautlose M (Asvara Makara), welches durch den Anusvarapunkt (Bindu) mit bezeichnet wird, ist zu meditieren.
I. v. 5-16. Von den acht Gliedern des Yogasystems nennt unsere Upanishad, ebenso wie Maitr. 6,15 (oben S. 343), nur fünf, wozu noch, wie dort, als sechstes Tarka tritt:
1. Pratyahara, Zurückziehung des Manas und der Indriyas von den Sinnendingen (erklärt v. 5) der passender hinter v. 6 stehen würde).
2. Dhyanam, Nachsinnen, dessen Erklärung fehlt.
3. Pranayama, Atem-Regulierung, bestehend in a) Recaka, Leerung, b) Puraka, Füllung, c) Kumbhaka, Einbehalt des Atems in der Brust.
4. Dharana, Fesselung des von den Sinnendingen abgewendeten Manas in dem Atman, v. 15. 17.31.
5. Tarka, Reflexion, fehlt in den Yogasutras und wird v. 16 anders erklärt als zu Maitr. 6,18, p. 130,12.
6. Samadhi, Einkehrung in den Atman, das Selbst, "welches man meditiert, obwohl man es schon besitzt" (Yam Labdhva Api Eva Manyeta).
II. v. 17-27. Regeln für das Verhalten des Yogin: Arten des Sitzens, des Meditierens über Om usw.; v. 27 würde besser zu Anfang, vor v. 17 stehen.
III. v. 28-31. Frucht des Yoga. Die fünf Moren, welche hier imaginiert werden, entsprechen den fünf Eigenschaften: Geruch, Geschmack, Gesicht, Gefühl, Gehör; die Erde besitzt alle fünf, das Wasser vier, das Feuer drei, die Luft zwei, der Äther eine. Durch Konzentrierung auf die halbe Mora macht man sich von ihnen allen los.
IV. v. 32-37. Der Prana und seine fünf Verzweigungen, denen hier nicht nur ein bestimmter Sitz sondern auch (ähnlich wie Chand. 8,6,1 den Adern des Herzens) fünf verschiedene Farben zugeschrieben werden.
V. v. 38. Schlußverheißung. Unklar ist hier und v. 17. 26 der Terminus Mandalam; v. 17 ist dasselbe zu murmeln, v. 26 und 38 ein Durchgangspunkt der ausziehenden Seele, und zwar v. 38 vor, v. 26 nach ihrem Austritt aus dem Leib; also, wie es scheint, hat Mandalam an den drei Stellen drei verschiedene Bedeutungen, was bei einem so kurzen Werk nicht ohne Bedenken ist.
Die Amritabindu Upanishad
Vers 1-4. Erhabenheit des Brahman über die Schriftgelehrsamkeit und über die hörbaren Teile des Wortes Om.

1. Der Weise, der die Lehrbücher
- Las und studierte fort und fort,
- Des Brahmanwissens teilhaftig,
- Wirft sie von sich, als brennten sie.
2. Das Om besteigt er als Wagen,
3. Doch der Wagen ist nur dienlich,
- Solang man auf dem Fahrweg ist;
- Wer zu des Fahrwegs Endpunkt kommt,
- Läßt den Wagen und geht zu Fuß.
4. So läßt man auch die Wortzeichen,
- Und nur mit dem lautlosen M
- Von Om kommt man zum tonlosen,
- Lautlosen, unsichtbaren Ort.
Vers 5-16. Die sechs Glieder des Yoga.

5. Die fünf Objekte der Sinne
6. Zurückziehung und Nachsinnen,
- Atemhemmung und Fesselung,
- Reflexion und Einkehrung,
- Die sechs Glieder des Yoga sind.
7. Wie durch Schmelzen der Bergerze
- Die Schlacken werden ausgebrannt,
- So durch des Atems Einhaltung
- Verbrennt der Sinne Sündenschuld.
8. Durch Atemhemmung wird Sünde,
- Durch Fesselung die Schuld verbrannt,
- Vernichtet so die Schuld habend,
- Gedenke man des Glänzenden.
9. [Beim Denken an] das Glänzende
- Atmet man aus und wieder ein.
- Drei Atemhemmungen gibt es,
- Leerung, Füllung und Einbehalt.
10. Die Gayatri mit ihrem Haupt
11. Wenn man, den Odem ausstoßend,
12. Den Mund als Lotos-Rohr spitzend,
- Pflegt Wasser man zu schlürfen ja[2];
- So auch soll man den Wind einziehn,
- Das ist, was man die Füllung[3] nennt.
13. Wenn man nicht aus- noch einatmet[4],
- Auch seine Glieder nicht bewegt,
- Und so die Luft in sich festhält,
- Das wird der Einbehalt genannt.
14. Schau an die Formen wie Blinde,
- Wie Taube höre an den Schall,
- Wie ein Stück Holz den Leib achte,
- Dann heißt du ein Beruhigter.
15. Wer als Organ des Vorstellens
- Das Manas in dem Selbst versenkt
- Und so gefesselt sich selbst hält, —
- Das wird als Fesselung gerühmt.
16. Nachdenken, das nicht zuwider
- Der Lehre, heißt Reflexion;
- Was man schon hat und doch durchdenkt[5],
- Ist der Einkehrung Gegenstand.
Vers 17-27. Regeln für den Yoga.

17. Auf einem ebnen Erdboden,
18. Den Lotossitz, den Kreuzformsitz,
- Oder auch wohl den Glückessitz[7]
- Als Yogasitz richtig schlingend,
- Bleibt er nach Norden[8] zu gewandt.
19. Ein Nasloch schließt mit dem Finger,
- Luft zieht ein durch das andere er.
- Staut in sich auf das Kraftfeuer[9]
- Und überdenkt den heil'gen Laut.
20. Om! diese Silbe ist Brahman,
- Mit Om allein er atme aus,
- Mit diesem Himmelslaut oftmals
- Wäscht er der Seele Flecken ab.
21. Dann meditiere und sprech' er
- In Reihen den erwähnten (v. 10) Spruch,
- Oftmalig, mehr als oftmalig,
- Kein Übermaß ist hier zu viel.[10]
22. Von seitwärts, oben und unten
23. Taktmaß [im Atmen], Hingebung[11],
- Fesselung[12] und Vereinigung[13],
- Der Yoga auch, der zwölfmaßig[14],
- Gilt als bestimmt dem Tempo nach.
24. Geräuschlos, konsonantlos und vokallos,
- Tonlos in Kehle, Gaumen, Lippen, Nase,
- Auch ohne Schnarrlaut, beide Lippen unbewegt,
- Die heil'ge Silbe, die so lautlos lautet[15],
25. Mit diesem Laut sieht den Weg er,
- Den Weg, auf dem sein Prana geht,
- Darum soll man ihn stets üben,
- Damit den rechten Weg man geht,
26. Durch Herzenspforte, Windpforte,
- Die Pforte, die nach oben führt,
- Und der Erlösung Pfortöffnung,
- Die man als offne Scheibe[16] kennt.
27. Vor Furcht, vor Zorn und vor Schlaffheit,
- Vor zu viel Wachen, zu viel Schlaf,
- Vor zu viel Nahrung, Nichtnährung
- Soll der Yogin sich hüten stets.
Vers 28-31. Frucht des Yoga.
28. Wenn er auf diese Art allzeit
- Den Yoga treibt der Ordnung nach,
- Entspringt von selbst in ihm sicher
- Das Wissen in drei Monaten.
29. Die Götter schaut er nach vieren, Wird nach fünfen so stark wie sie, Nach sechsen, wenn er will, sicher Wird Absolutheit ihm zuteil.
30. Durch fünf Moren wird erdartig,
- Durch viere wasserartig er,
- Feuerartig durch drei Moren,
- Durch zwei Moren dem Winde gleich,
31. Durch eine Mora raumartig;
- Doch meditiert die halbe er,
- Dann wird er fertig mit Manas,
- Denkt nur durch sich und nur in sich.
Vers 32-37. Der Prana und seine Verzweigungen.
32.[17] Dreißig Mannsfinger breit Raum ist,
- Wo Prana mit den Pranas wohnt,
- Der Hauch, so heißt er, weil dienend
- Dem Hauch draußen als Tummelplatz.
33. Einhundertdreizehn mal tausend
- Und einhundert und achtzig mal[18]
- Erfolgt das Ein- und Ausatmen[19]
- In dem Zeitraum von Tag und Nacht.[20]
34. Prana zunächst weilt im Herzen,
35. Der Vyana endlich fortwährend
- In allen Gliedern schaltend streicht.
- Nun die Farben der fünf Pranas,
- Wie sie folgen der Reihe nach.
36. Der Prana ist an Schein ähnlich
- Einem rotfarbnen Edelstein,
- Der Apana erglänzt rötlich
- Wie ein Marienkäferchen.
37. Der Samana im Leib schimmert
- Wie ein milchfarbner Bergkristall.
- Der Udana ist blaßgelblich,
- Der Vyana einer Flamme gleich.
Vers 38. Schlußwort.
38. Bei wem, durch diesen Ring brechend,
- Der Lebenshauch zum Haupte steigt,
- Wo der auch immer mag sterben,
- Er wird nimmer geboren mehr,
- - er wird nimmer geboren mehr.
Fußnoten
- ↑ Vgl. Visnusmriti 55,9. Ferner wird dieser Vers von Sayana zu Taitt. Ar. 10,27 (welcher Abschnitt die ganze hier vorgeschriebene Formel enthält) p. 849 zitiert, und zwar als Amritanadopanishadi vorkommend. Das "Haupt der Gayatri" ist der sie krönende (auf sie folgende) Spruch: Om Apo Jyoti Raso Mritam Brahma (auch Maitr. 6,35. Pranagnihotra Up. 1, oben S. 359. 613), woran sich die Vyahritis (Bhur, Bhuvah, Svar) und der Pranava (Om) schließen sollen.
- ↑ Nach dem Telugu-Druck und Samkarananda: Vaktrena Utpalanalena Toyam Akarshayen Narah
- ↑ Narayanas sowie Webers Kodex haben umgekehrt in v. 13 Kumbhaka (Einbehalt) und in v. 12 Puraka (Füllung). Weber's Vorschlag, beides zu vertauschen, wird bestätigt durch den Telugudruck und Samkaranandas Text, die auch über den Grund der Konfusion Aufschluß geben, indem bei ihnen richtig zuerst v. 13, dann v. 12 steht. Ein Abschreiber stellte sie aus Versehen um, und ein folgender stellte die v. 9 geforderte Reihenfolge Recaka, Puraka, Kumbhaka dadurch her, daß er die beiden Termini in v. 13 und 12 einfach vertauschte, was dann dem Narayana zu der treuherzigen Bemerkung Anlaß gab, daß hier eine besondere Art von Kumbhaka zu verstehen sei.
- ↑ Die Bibl. Ind. liest: Na Ca Ucchvaset, Na Anucchvaset, welches ein Beispiel des a-privativum beim Verbum finitum sein würde; Weber liest: Na Ucchvaseh Na Anucchvasayet; aber Anu + Ud + Svas; kommt nicht vor und kann noch weniger "einatmen" bedeuten. Das Richtige hat wohl der Telugudruck: Na Ucchvased Na Ca Nisvasair (scil. Svaset); oder man kann mit Samkarananda und der Bombayer Ausgabe lesen: Na Ucchvasen, Na Ca Nisvaset.
- ↑ Nach Webers Handschrift: Yam Labdhva Api Eva Manyeta. Narayana liest: Yam Labdhva Api Avamanyeta und erinnert an Bhag. G. 6,22; der Telugudruck (mit Samkarananda): Samam Manyeta Yal Labdhva, vgl. das Bekannte: Mama Samadriso Yantu Divasah Ind. Spr. 2. Aufl. No. 844.
- ↑ Nach Narayana einen auf die Sonnenscheibe bezüglichen Spruch, wie: Yad Etan Mandalam Tapati. Anders Samkarananda.
- ↑ Padmasanam, Svastikam, Bhadrasanam sind drei Modalitäten des Sitzens mit untergeschlagenen Beinen.
- ↑ Vgl. Maitr. 6,30, S. 352, Z. 8.
- ↑ D.h. wohl die Kraft (Tejas), von der Maitr. 6,35. 37 (S. 358f. 361) die Rede ist.
- ↑ Mit Webers MS: Na Atimurdham Atikramah (anders Nar. Shank. Weber).
- ↑ Yoga nach Narayana : Samadhi.
- ↑ Dharana Fesselung des Manas, vgl. v. 15.
- ↑ Nach Anquetil der individuellen und höchsten Seele, nach Narayana des Prana und Apana. Anders Samkarananda.
- ↑ Die zwölf Maße (Morae) siehe Nadabindu v. 8-11, oben S. 644.
- ↑ Das Wortspiel zwischen Akshara und Ksharate (vgl. Talav. Up. Br. 1,24,1), meist unübertragbar, ließ sich hier durch ein anderes ersetzen.
- ↑ Narayana denkt an die Sonnenscheibe (anders Samkarananda).
- ↑ Nach dem (korrigierten) Telugudrucke: Trinsad Varddhangulih Prano Yatra Pranaih Pratishthitah; Esha Prana Iti Khyato, Vahyapranasya Goca Rah.
- ↑ Webers Vermutung Asitis Ca Satam wird durch den Telugudruck und Samkarananda bestätigt.
- ↑ Vinisvaso Telugudruck.
- ↑ Die Zahl 113180 durch fünf dividiert (sofern alle fünf Pranas dabei beteiligt sind) ergibt 22636 Atemzüge in 24 Stunden, oder 15,7 in der Minute, welches für Erwachsene im Durchschnitt richtig ist. Anderweitig wird die Zahl der täglichen Atemzüge rund auf 21600 (Sarvadarsanasamgraha p. 175,4) oder auch 21000 (ad Maitr. p. 79,4) angegeben. Die Hamsa Upanishad (unten S. 675) bestimmt sie auf 21606.
Siehe auch
- Amrita
- Bindu
- Sadhana
- Prana
- Pranayama
- Wissenschaftliche Studien Pranayama (yogische Atemübungen)
- Brahmabindu Upanishad
- Yoga Upanishaden
- Veden
- Mahavakya
- Hinduismus
- Yoga
- Vedanta
- Vedanta Schulen
- Indische Philosophiesysteme
- Erkenntnis
- Meditation
Literatur
- Kostenloses Online-Buch Upanishaden von Swami Krishananda
- Klassische Upanishaden - Die Weisheit des Yoga von Paul Deussen, 1980
- Das Kronjuwel der Unterscheidung von Shri Shankaracharya, Kommentar von Emanuel Meyer, 2002
- Swami Vivekananda, Vedanta - Der Ozean der Weisheit
- Wilfried Huchzermeyer: Die heiligen Schriften Indiens - Geschichte der Sanskrit-Literatur. (edition-sawitri.de) ISBN 3-931172-22-8
- Das Yoga-Lexikon von Wilfried Hunzermeyer, ISBN 978-3-931172-28-2, Edition Sawitri.
- Vedanta für Anfänger von Swami Sivananda
- Heinrich Zimmer: Philosophie und Religion Indiens, Suhrkamp, 2001
Weblinks
- Prana Portal
- Pranayama, auf der Yoga Vidya Hauptseite
- Veden aus „Göttliche Erkenntnis“ von Swami Sivananda
- Upanishaden, Artikel aus "Göttliche Erkenntnis" von Swami Sivananda
- Buch: Klassische Upanishaden - die 11 wichtigsten Upanishaden in der Übersetzung von Paul Deussen
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