Strebsamkeit

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Strebsamkeit ist die Fähigkeit, nach etwas zu streben, einem Ideal bzw. einem Ziel nachzugehen. Strebsamkeit ist auch die Energie, mit der man etwas angeht. Patanjali sagt im Yoga Sutra: Dem intensiv Strebenden ist das Ziel nahe.

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Innere Stärke zu entwickeln heißt auch, sich nicht von allem Möglichen ablenken zu lassen. Strebsamkeit ist die Fähigkeit, Bestimmtes auszublenden und sich auf ein oder mehrere Anliegen zu konzentrieren. Steter Tropfen höhlt den Stein, heißt es im Volksmund.

Strebsamkeit verhilft zur Fokussierung der Aufmerksamkeit, zur Bündelung der Anstrengung und zur zeitlichen Dauer, also zu Durchhaltevermögen, Fleiß und Konzentration. Die wahre Natur des Menschen ist Sat-Chid-Ananda, also Sein, Wissen und Glückseligkeit.

In dieser Aussage des Vedanta steckt auch: Alle Kraft, alles Wissen ist in dir. Wenn man seine Aufmerksamkeit, sein Streben konzentriert, weg geht von den ständig wechselnden Gedankenströmen, dann kommt man in Kontakt zur inneren Kraftquelle und zur Inspiration.

Daher kann Strebsamkeit an sich Energien frei setzen. Durch Strebsamkeit löst man sich vom Oberflächlichen, man verbindet sich mit Kraft und Energie. Allerdings ist auch die Frage, auf was sich die Strebsamkeit richtet. Strebsamkeit an sich ist die Fähigkeit, seine geistigen Kräfte zu bündeln und sein Denken, Handeln und Fühlen in eine Richtung zu bringen. Wichtig ist dann, wonach man strebt. Letztlich gibt es zwei Bereiche, auf die man seine Strebsamkeit richten sollte: (1) Gutes bewirken in der Welt (2) Spirituelles Wachstum und Erleuchtung.

Strebsamkeit - eine Tugend. Was ist Strebsamkeit ? Woher stammt das Wort? Wozu ist Strebsamkeit gut? Was sind Synonyme, was das Gegenteil von Strebsamkeit ? Umfangreicher Artikel mit Vortragsvideo und Tipps.

Strebsamkeit als hilfreiche Tugend

Aus einem Vortrag von Sukadev Bretz

Strebsamkeit ist eine Fähigkeit, auf Ziele hinzuarbeiten. Man kann auch sagen, Strebsamkeit ist Zielstrebigkeit, Strebsamkeit ist auch Zielorientiertheit, Strebsamkeit ist auch mit Eifer verbunden und mit Engagement. Man kann ja sagen, es gibt verschiedene Tugendgruppen. Es gibt die Tugendgruppe der Gelassenheit, wie Gemütsruhe, Ausgeglichenheit und innere Ruhe, Haltung und Contenance.

Das nächste ist Selbstbeherrschung, und Selbstbeherrschung hängt durchaus auch zusammen mit dem Thema "Gelassenheit". Dann gibt es das Thema "Freude", wie Euphorie, Wonne und Glückseligkeit. Und dann gibt es die weiteren Tugendgruppen des Engagements, und zum Engagement gehört z.B. auch Zielstrebigkeit, Strebsamkeit, Eifer, Fleiß, Enthusiasmus und Begeisterung.

Das sind Tugenden, die einem helfen, voranzukommen. Strebsamkeit klingt natürlich zum einen nicht ganz so freundlich, denn gerade wer in der Schule war und sich engagiert hatte, dem wurde oft vorgeworfen, ein "Streber" zu sein. Gerade in Deutschland gibt es so eine gewisse Neidkultur und wenn jemand sich bemüht, in der Schule gut zu sein, dann wird er als Streber bezeichnet. Deshalb gibt es in Deutschland viele Kinder, die in der Schule eigentlich gut wären, aber sie bemühen sich eher, sehr lässig zu sein und wenig zu lernen.

Ich z.B. gehörte zu solchen, denen die Schule leicht gefallen ist und so wurde mir öfters der Vorwurf gemacht wurde, dass ich ein "Streber" bin, und um diesen Eindruck nicht zu untermauern, habe ich mich grundsätzlich nicht auf Schulaufgaben vorbereitet, ich habe also für Schularbeiten nicht gelernt, ich habe meine Hausaufgaben nie zu Hause gemacht, ich habe sie eher in den Zwischenpausen gemacht.

Oder während des Unterrichts habe ich die Hausaufgaben für die nächste Stunde während der Stunde gemacht und ich konnte trotzdem mit halbem Ohr dem Unterricht folgen. Ich wollte nicht als Streber gelten und habe meine intellektuelle Neugier, die ich hatte, mehr auf Gebiete außerhalb der Schule gerichtet. Ich war fasziniert von Geschichte und Philosophie und von Erdkunde und Geographie, also alles, was außerhalb der normalen Schulfächer ist, um ja nicht den Eindruck des Strebers zu machen und bewusst zu vermeiden, Klassenbester zu sein.

In diesem Sinne, Strebertum hat im Deutschen irgendwo einen negativen Beigeschmack. Und in diesem Sinne, klingt Strebsamkeit ein bisschen veraltet. Dennoch, ich bin ja spiritueller Lehrer, und ich sage Strebsamkeit ist heute auch etwas Gutes. Wenn man eine gewisse Strebsamkeit hat, kann man sagen: "Ich will spirituell wachsen und ich will die Gottverwirklichung erreichen." Dafür braucht es eine gewisse Strebsamkeit, dazu braucht es eine gewisse Sehnsucht und dazu braucht es spirituelles Streben.

Nicht umsonst übersetze ich gerne eine wichtige Stufe des spirituellen Lebens, Vicharana, als spirituelles Streben. Wenn man eine gewisse Sehnsucht hat, dann reicht das nicht aus, denn man muss auch danach handeln. Und Strebsamkeit heißt, sich bewusst zu sein: "Wo will ich hinkommen?" Und dann zu überlegen: "Das, was ich tue, ist das geeignet, mich dort hinzuführen?"

Eine spirituelle Strebsamkeit würde z.B. heißen, jede Entscheidung, die du triffst, zu analysieren und zu reflektieren: "Hilft mir das, weiterzukommen auf dem spirituellen Weg?" Wenn du dich für eine Wohnung entscheidest, überlegst du: "Hilft mir das, spirituell zu wachsen?" Anstatt dich zu fragen: "Mag ich das? Ist sie schön, ist sie groß genug usw.? Ist das die Wohnung meiner Träume und kriege ich dort möglichst viel für möglichst wenig Geld? Und kann ich damit meine Kollegen beeindrucken?"

Sondern die Frage ist: "Hilft mir das spirituell weiter?" Vielleicht wirst du dann nicht unbedingt die größte Wohnung nehmen, sondern du weißt: "Ethisches Verhalten ist wichtig für spirituelles Wachstum. Weniger Wohnraum ist eine der wichtigsten Entscheidungen für die Ökologie."

Du wirst vielleicht eine kleinere Wohnung nehmen. Oder du wirst sagen: "Ich will mehr Zeit haben für spirituelle Praktiken, da ist es klug, meine Wohnung so zu wählen, dass sie möglichst nahe an meiner Arbeitsstelle ist. Wenn ich statt zweimal am Tag, eine Dreiviertelstunden Auto fahre, in fünf Minuten bei der Arbeit bin, habe ich sofort siebzig Minuten gewonnen für meine spirituellen Praktiken." Das ist auch Strebsamkeit.

Oder auch welchen Beruf du wählst, wenn du eine Berufswahl triffst, fragst du nicht: "Mit welchem Beruf kriege ich mehr Geld für weniger Arbeit? Oder wo kriege ich mehr Anerkennung?" Sondern: "In welcher Arbeitsstelle komme ich spirituell weiter?" "Wo verbringe ich meinen Urlaub?" Spirituelle Strebsamkeit heißt: "Welche Art von Urlaub hilft mir, auf dem spirituellen Weg voranzukommen?" Diese Art von Strebsamkeit ist immer wieder wichtig.

Noch ein weiterer Aspekt ist, angenommen, du hast irgendein Anliegen, z.B. zum Wohl der Gesellschaft, z.B., dir sind Tierrechte wichtig und du willst dich dafür einsetzen. Da kannst du überlegen: "Welches Anliegen will ich konkret verfolgen?" Und dann kannst du überlegen: "Wo kann ich mich engagieren?" Und danach kannst du überlegen: "Was ist hilfreich dafür?" Strebsamkeit heißt, dir das Ziel zu überlegen, vor Augen zu führen und alle Handlungen, die du auf dem Weg dorthin tust, zu überprüfen, vom Standpunkt aus: "Wo führt es hin?"

Oder du willst z.B. ein Yogazentrum aufbauen und du willst, dass es ein erfolgreiches Yogazentrum wird. Dann kannst du auch überlegen: "Was braucht es, um mein Yogazentrum erfolgreich werden zu lassen?" Und dafür engagierst du dich und darauf richtest du es aus.

Und natürlich, für ein langfristig erfolgreiches Yogazentrum braucht es auch, dass du Prana hast, Energie, und dass du Ausstrahlung hast, also musst du praktizieren. Du musst auch langfristigen Atem haben, also musst du auch zwischendurch mal einen Tag Pause machen, ein Wochenende intensiver praktizieren und regelmäßig in einen Ashram gehen, um neue Anregungen zu bekommen.

So ist Strebsamkeit eine wichtige Eigenschaft. Strebsamkeit muss aber auch verbunden werden mit Offenheit, mit Spontanität, denn auch wenn du nach dem Höchsten strebst, im Moment gilt es, achtsam zu sein, in diesem Moment ist Gott zu erfahren.

Daher gilt es, strebsam nach dem Ziel zu sein und parallel Offenheit zu haben, zu dem, was in diesem Moment ist. Öfters ist Strebsamkeit zwar gut, aber der Moment erfordert etwas Besonderes, etwas Außergewöhnliches. Verbinde beides, Spontanität, Strebsamkeit und Einfühlsamkeit mit deinen Mitmenschen in diesem Moment, und Zielorientiertheit, dass du auch die höheren Anliegen deines Lebens erreichst.

Strebsamkeit in Beziehung zu anderen Eigenschaften

In diesem Yoga Wiki werden über 1000 Tugenden und Persönlichkeitsmerkmale beschrieben. Hier einige Erläuterungen, wie man die Eigenschaft der Strebsamkeit in Beziehung zu anderen Fähigkeiten und Verhaltensweisen sowie in Bezug auf Laster sehen kann:

Ähnliche Eigenschaften wie Strebsamkeit

Ähnliche Eigenschaften wie Strebsamkeit, also Synonyme zu Strebsamkeit sind z.B. Eifer, Wille, Fleiß, Beflissenheit, Tatkraft, Zielorientiertheit.

Ausgleichende Eigenschaften

Jede Eigenschaft, jede Tugend, die übertrieben wird, wird zu einer Untugend, zu einem Laster, einer nicht hilfreichen Eigenschaft. Strebsamkeit übertrieben kann ausarten z.B. in Intoleranz, Überheblichkeit, Rücksichtslosigkeit, Scheuklappen. Daher braucht Strebsamkeit als Gegenpol die Kultivierung von Offenheit, Spontanität, Einfühlungsvermögen, Rücksichtsnahme.

Gegenteil von Strebsamkeit

Zu jeder Eigenschaft gibt es ein Gegenteil. Hier Möglichkeiten für Gegenteil von Strebsamkeit, Antonyme zu Strebsamkeit :

Strebsamkeit im Kontext von Tugendengruppen, Persönlichkeitsfaktoren und Temperamenten

Entwicklung von Strebsamkeit

Strebsamkeit kann man sehen als Tugend, als eine positive Eigenschaft. Vielleicht willst du ja Strebsamkeit in dir stärker werden lassen. Hierzu einige Tipps:

  • Nimm dir vor, eine Woche lang diese Eigenschaft der Strebsamkeit zu kultivieren. Vielleicht kannst du nicht alle guten Eigenschaften auf einmal kultivieren. Aber es ist möglich, innerhalb einer Woche oder innerhalb eines Monats eine Tugend, eine Eigenschaft, stark werden zu lassen.
  • Triff den Entschluss: "Während der nächsten Woche will ich die Tugend, die Eigenschaft, Strebsamkeit kultivieren, wachsen lassen, stärker werden lassen. Ich freue mich darauf, in einer Woche ein strebsamerer Mensch zu sein."
  • Nimm dir vor, jeden Tag mindestens eine Handlung auszuführen, die Strebsamkeit ausdrückt. Mache jeden Tag etwas, was du sonst nicht tun würdest, was aber diese Tugend zum Ausdruck bringt.
  • Wenn du morgens aufwachst, dann sage eine Affirmation, z.B.: "Ich entwickle Strebsamkeit."
  • Am Tag wiederhole immer wieder eine Autosuggestion, Affirmation wie z.B.: Ich bin strebsam."

Affirmationen zum Thema Strebsamkeit

Hier einige Affirmationen für mehr Strebsamkeit. Unter dem Stichwort "Affirmation" und "Wunderaffirmationen" erfährst du mehr zu Funktion und Wirkungsweise von Affirmationen.

Klassische Autosuggestion für Strebsamkeit

Hier die klassische Autosuggestion:

  • Ich bin strebsam.

Im Yoga verbindet man das gerne mit einem Mantra. Denn ein Mantra lässt die Affirmation stärker werden:

  • Ich bin strebsam. Om Om Om.
  • Ich bin ein Strebsamer, eine Strebsame OM.

Entwicklungsbezogene Affirmation für Strebsamkeit

Manche Menschen fühlen sich als Scheinheiliger oder als Heuchler, wenn sie sagen "Ich bin strebsam " - und sie sind es gar nicht. Dann hilft eine entwicklungsbezogene Affirmation:

  • Ich entwickle Strebsamkeit.
  • Ich werde strebsam.
  • Jeden Tag werde ich strebsamer.
  • Durch die Gnade Gottes entwickle ich jeden Tag mehr Strebsamkeit.

Dankesaffirmation für Strebsamkeit

  • Ich danke dafür, dass ich jeden Tag strebsamer werde.

Wunderaffirmationen Strebsamkeit

Du kannst es auch mit folgenden Affirmationen probieren:

  • Bis jetzt bin ich noch nicht sehr strebsam. Und das ist auch ganz verständlich, ich habe gute Gründe dafür. Aber schon bald werde ich Strebsamkeit entwickeln. Jeden Tag wird diese Tugend in mir stärker werden.
  • Ich freue mich darauf, bald sehr strebsam zu sein.
  • Ich bin jemand, der strebsam ist.

Gebet für Strebsamkeit

Auch ein Gebet ist ein machtvolles Mittel, um eine Tugend zu kultivieren. Hier ein paar Möglichkeiten für Gebete für mehr Strebsamkeit:

  • Lieber Gott, bitte gib mir mehr Strebsamkeit.
  • Oh Gott, ich verehre dich. Ich bitte dich darum, dass ich ein strebsamer Mensch werde.
  • Liebe Göttliche Mutter, ich danke dir. Ich danke dir dafür, dass ich jeden Tag die Tugend Strebsamkeit mehr und mehr zum Ausdruck bringe.

Was müsste ich tun, um Strebsamkeit zu entwickeln?

Du kannst dich auch fragen:

  • Was müsste ich tun, um Strebsamkeit zu entwickeln?
  • Wie könnte ich strebsam werden?
  • Lieber Gott, bitte zeige mir den Weg zu mehr Strebsamkeit.
  • Angenommen, ich will strebsam sein, wie würde ich das tun?
  • Angenommen, ich wäre strebsam, wie würde sich das bemerkbar machen?
  • Angenommen, ein Wunder würde geschehen, und ich hätte morgen Strebsamkeit kultiviert, was hätte sich geändert? Wie würde ich fühlen? Wie würde ich denken? Wie würde ich handeln? Als strebsamer Mensch, wie würde ich reagieren, mit anderen kommunizieren?

Vortragsmitschnitt zu Strebsamkeit - Audio zum Anhören

Hier kannst du einen Vortrag von Sukadev Bretz, Gründer von Yoga Vidya, anhören. Dieser Vortrag ist die Audio Version eines Videos zu Strebsamkeit, Teil des Yoga Vidya Multimedia Lexikons der Tugenden. Html5mediator: not a valid URL

Siehe auch

Eigenschaften im Alphabet vor Strebsamkeit

Eigenschaften im Alphabet nach Strebsamkeit

Litaratur

Weblinks

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