Laster

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Laster ist ein Verhalten oder eine Gewohnheit, die als unmoralisch, verdorben oder menschenunwürdig in der jeweiligen Gesellschaft und als Ursache der Todsünden betrachtet wird. Das Laster schadet sowohl dem Individuum wie auch der Gemeinschaft. Im engeren Sinn kann sich Laster auch auf einen Fehler, einen negativen Charakterzug, eine Schwäche oder eine schlechte Angewohnheit beziehen. Synonym: Untugend; ähnliche Bedeutungen: Verderbtheit, Schwäche, Fehler.

Im Hinduismus wachen die Götter zur Vermeidung von Laster

Etymologie

Das Wort "Laster" leitet sich vom Althochdeutschen "Lastar" („Schmach“, „Tadel“,„Fehler“) ab. Es bezeichnet das Gegenteil von Tugend.

Das Laster in der Darstellung der Weltreligionen

Buddhismus

In der Sarvastivada-Tradition des Buddhismus gibt es 108 Befleckungen oder Laster, die verboten sind. Sie sind in zehn Hauptlaster und 98 Neigungen unterteilt. Bei den zehn Hauptlastern handelt es sich um:

Islam

Der Koran und viele andere religiöse islamische Schriften nennen Verbote von Handlungen, die als unmoralisch angesehen werden. Ibn abi Dunya, ein Gelehrter und Lehrer der Kalifen im 9. Jh., beschrieb in seinen Schriften sieben verbotene Laster:

Christentum

Christen glauben, dass es zwei Arten von Sünden gibt:

  • Laster, die, wie die Instinkte, vom Körper hervorgerufen werden und die pervers werden können (wie Wollust);
  • Laster, die im spirituellen Bereich durch falschen Götzendienst hervorgerufen werden.

Die erste Art des Lasters wird, obgleich sie als sündhaft betrachtet wird, als weniger schwerwiegend angesehen als die zweite. Die von Christen als spirituell angesehenen Laster sind Blasphemie (verratene Heiligkeit), Abtrünnigkeit (verratener Glaube), Verzweiflung (verratene Hoffnung), Hass (verratene Liebe) und Gleichgültigkeit (in der Bibel "Hartherzigkeit"). Christliche Theologen haben auch gefolgert, dass die zerstörerischste Sünde einer bestimmten Art von Hochmut und der götzenhaften Anbetung des eigenen getrennten Selbst ( Ego) entspricht. Es wird behauptet, dass durch dieses Laster, das seiner Essenz nach das Wetteifern und Vergleichen nach sich zieht, die schlimmsten Übel entstehen. Im jüdisch-christlichen Glaubenskontext führte dieses Laster ursprünglich zum Sündenfall, und als rein diabolische spirituelle Sünde wiegt sie schwerer als alles, was sonst von der Kirche verurteilt wird.

Römischer Katholizismus

Die römisch-katholische Kirche unterscheidet zwischen dem Laster, bei dem es sich um eine Gewohnheit handelt, die zur Sünde führen kann, und der Sünde selbst, die eine individuelle, moralisch falsche Handlung darstellt. Hierbei ist zu beachten, dass sich im römischen Katholizismus das Wort "Sünde" auch auf den Zustand bezieht, in den man bei Begehen einer moralisch falschen Handlung fällt. In diesem Textabschnitt wird das Wort stets mit der Bedeutung ‚sündige Tat’ gebraucht.

Es ist die Sünde und nicht das Laster, die uns der reinigenden Gnade Gottes beraubt und die bewirkt, dass uns die Strafe Gottes verdientermaßen ereilen kann. Thomas von Aquin lehrte, dass, "absolut gesprochen, die Sünde das Laster an Schlechtigkeit übertrifft." Andererseits kann, auch wenn einer Person die Sünden vergeben wurden, die zugrunde liegende Gewohnheit (das Laster) bestehen bleiben. So wie das Laster zunächst dadurch entstand, dass man wiederholt der Versuchung zu sündigen nachgab, so kann das Laster nur dadurch beseitigt werden, wiederholt der Versuchung zu widerstehen und tugendhaft zu handeln. Je stärker die Verwurzelung des Lasters, desto mehr Zeit und Mühe wird es kosten, es aufzugeben. Thomas von Aquin sagt, dass nach der Wiederherstellung und dem Erlangen von Tugenden, das Laster keine Gewohnheit mehr ist, sondern nur noch eine bloße Veranlagung, und zwar eine, die im Begriff ist, gänzlich aufgegeben zu werden.

Im Mittelalter waren Handschriften mit farbenprächtigen Darstellungen zur Unterstützung der Entwicklung guter Eigenschaften in Umlauf, mit biblischen Anspielungen, die der Natur nachempfunden waren: der Baum der Tugenden in voller Blüte oder ein Baum der Laster, der sterile Früchte trägt. Der Renaissanceliterat und Gelehrte Pietro Bembo hat immer wieder die christliche Perfektion eines klassischen Humanismus herausgestellt und gefördert. Seine Darstellungen leiten sich alle von der Liebe (oder von deren Fehlen) ab und wurden dank des gerade erfundenen Buchdrucks durch Aldo Manuzio als Anhang an seine Ausgaben von Dantes Göttlicher Komödie vom frühen 16. Jahrhunderts angefügt.

Dantes "Göttliche Komödie"

Der Dichter Dante Alighieri führt die folgenden sieben tödlichen Laster (genannt Todsünden) an und betrachtet sie als Fehler der der Seele innewohnenden Fähigkeit zum Guten, wie sie im Bild Gottes vorgegeben ist, jedoch durch den Sündenfall pervertiert wurde:

  • 1. Stolz oder Eitelkeit - die übermäßige Liebe zum eigenen Selbst bzw. Ego (Dantes Definition war "Liebe zu sich selbst, verzerrt zu Hass und Verachtung für den Nächsten"). In den lateinischen Aufzählungen der sieben Todsünden wird der Stolz als Superbia, Hochmut, bezeichnet.
  • 2. Neid oder Eifersucht – Missgunst gegenüber anderen wegen ihrer Besitztümer (Dante: "Die Liebe zum eigenen Wohlergehen wird verzerrt durch den Wunsch, anderen Menschen ihr Wohl nicht zu gönnen"). Im Lateinischen: Invidia, Neid.
  • 3. Zorn oder Wut - Gefühle von Hass, Rache oder Ablehnung, sowie der Wunsch nach Strafhandlungen außerhalb der Justiz (Dantes Beschreibung war "Liebe zur Gerechtigkeit, verzerrt zu Rache und Boshaftigkeit"). Im Lateinischen: ira, Zorn.
  • 4. Faulheit - Müßiggang und Verschwendung von Zeit oder anderen zugeteilten Ressourcen. Faulheit wird verurteilt, weil sie dazu führt, dass andere härter arbeiten müssen; außerdem wird nützliche Arbeit nicht getan. Im Lateinischen: Accidie oder Acedia, ein Laster, das eine Seele dazu führt, zu leicht zufrieden gestellt zu sein und auf die Bedürfnisse anderer keine Rücksicht zu nehmen.
  • 5. Geiz (Habgier, Habsucht) - der Wunsch, mehr zu besitzen als man hat oder benötigt (oder nach Dante, "exzessive Liebe zu Geld und Macht"). Im Lateinischen: Avaritia, Geiz.
  • 6. Völlerei – übermäßiger Genuss von Nahrungsmitteln, Getränken oder Rauschmitteln, oder ein fehlgeleiteter Wunsch nach Essen um des sinnlichen Vergnügens willen ("übermäßige Liebe zum Vergnügen" nach Dantes Erklärung). Im Lateinischen: Gula, Völlerei.
  • 7. Wollust - übermäßiges sexuelles Verlangen. Dantes Bemerkung dazu ist, dass "Wollust von der echten Liebe ablenkt". Im Lateinischen: Luxuria, Wollust. Dieses Laster beeinträchtigt nach Dante durch seinen Exzess die Fähigkeit von Menschen, den eigentlichen Zweck barmherziger Liebe auf gute Dinge oder Handlungen zu richten.

Auf den ersten drei Stufen des Fegefeuers werden die Sünden gesühnt, die aus verzerrter Liebe entstehen, d.h. die Sünden, die dadurch entstehen, das das Herz des Sünders auf etwas gerichtet ist, das aus der Sicht Gottes falsch ist. Die Liebe derer, die hier geläutert werden, muss auf den richtigen Pfad gelenkt werden. Auf der vierten Stufe des Fegefeuers werden die Sünden gesühnt, die aus mangelnder Liebe entstehen, d.h. aus Liebe, die, auch wenn sie auf das richtige Subjekt gerichtet ist, zu schwach ist, den Sünder zu den Handlungen zu bewegen, die er vollbringen sollte. Die Liebe derjenigen, die hier geläutert werden, muss gestärkt werden, damit sie richtig geführt werden. Auf der fünften, sechsten und siebten Stufe des Fegefeuers werden die Sünden gesühnt, die aus übermäßiger Liebe entstehen, d.h. aus Liebe, die, obwohl sie auf Ziele gerichtet ist, die aus Gottes Sicht gut sind, so stark auf die Ziele gerichtet ist, dass der Sünder keine Glückseligkeit daraus ziehen kann, und auch derart, dass der Sünder von anderen Dingen, die Gott gutheißt, abgelenkt ist. Ihre Liebe muss beruhigt und gemäßigt werden.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

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