Kalottara
Kalottara (Sanskrit kālottara, auch Kālottarāgama) ist eine umfangreiche Schrift des Shaivismus, die die Verehrung Shivas mit Mantra, Einweihung und innerer Sammlung verbindet. Der Körper erscheint darin als Ort der göttlichen Gegenwart: Die Welt, ihre Kräfte und ihre Gottheiten werden im Inneren vergegenwärtigt, bis der Übende sich selbst im Licht Shivas erkennt. Die hier wiedergegebene Fassung führt von Reinigungsritualen und Tempelverehrung zu Dharana, Dhyana und Samadhi. Ihr geistlicher Horizont ist die Befreiung aus Begrenzung und Vergänglichkeit.

Diese Ausgabe enthält den gesamten erhaltenen Text in IAST mit deutscher Übersetzung. Sie beginnt mit Kapitel 2; Kapitel 9–12 und Teile des Schlusses fehlen. Zum vertieften Lesen ergänzen Kalottara 108 Verse und Mantras mit 64 ausgewählten Versstellen und Kalottara Sanskrit Devanagari diesen Hauptartikel.
Name und Bedeutung
Kāla bedeutet Zeit und kann auch den Tod bezeichnen. Uttara kann unter anderem das Spätere, Darüberhinausgehende oder eine Antwort bezeichnen. „Das über die Zeit Hinausführende“ ist deshalb eine sinnvolle spirituelle Deutung des Titels, jedoch keine in dieser Vorlage ausdrücklich erklärte Etymologie. Viele Kapitel sprechen von mṛtyuñjaya, der Überwindung des Todes. Dabei stehen Aussagen über Befreiung neben Versprechen außergewöhnlicher Lebensdauer und rituell erworbener Fähigkeiten.
Die Bezeichnung Kālottarāgama hebt den Charakter einer überlieferten Shiva-Lehre hervor. Agama meint hier eine autoritative religiöse Überlieferung, in der Weltbild, Gottesverehrung, Initiation und Yoga zusammengehören. Die vorliegende lange Ritual- und Yogafassung darf nicht mit dem wesentlich kürzeren, unter Devikalottara bekannten Lehrtext gleichgesetzt werden.
Tradition und geschichtlicher Rahmen
Der Text stellt sich als Unterweisung durch Ishvara, den göttlichen Herrn, dar. Häufig angesprochen wird Guha, auch als Sechsgesichtiger oder Mahasena bezeichnet: Skanda. Diese Dialogform verleiht der Lehre den Charakter einer Offenbarung; sie liefert für sich allein keine historische Verfasserangabe.
Die Verbindung von Diksha, Linga-Verehrung, Tempelbau, Mantra-Auflegung und differenzierten kosmischen Wegen weist in das Umfeld der shivaitischen Agama-Traditionen. Ihre Erlösungslehre unterscheidet Gott, gebundenes Selbst und dessen Begrenzungen; zugleich sprechen die Yogakapitel sehr unmittelbar von der Vergegenwärtigung „Ich bin Shiva“. Diese unterschiedlichen Ausdrucksweisen sollten im jeweiligen Zusammenhang gelesen werden. Nicht jeder Satz lässt sich ohne Weiteres einem einzigen modernen philosophischen Schema zuordnen.
Eine genaue Entstehungszeit, ein historischer Einzelautor oder eine gesicherte Schichtung der vorliegenden Sammlung lassen sich aus den gelieferten Dateien nicht bestimmen. Die Quelle gehört zur vormodernen Sanskritüberlieferung. Ihr elektronisches Erfassungsdatum von 2012 ist kein Datum der Textentstehung. Auch die wechselnden Samhita-Bezeichnungen in den Kapitelabschlüssen erlauben keine sichere Aussage darüber, welchen ursprünglichen Umfang diese konkrete Fassung hatte.
Aufbau und Lesewege
Die erhaltene Fassung umfasst 67 Textabschnitte. Sie enthält 3.612 nummerierte Texteinheiten sowie unnummerierte Verse, Vershälften und längere Prosastücke. Eine nummerierte Einheit ist nicht immer mit einem metrisch vollständigen Vers identisch.
| Bereich | Inhalt und spiritueller Zugang |
|---|---|
| Kapitel 2–8 | Mantras, Bad und Asche, Opfergaben, innerer Vollzug und Shiva-Verehrung: Vorbereitung und Ausrichtung des ganzen Menschen. |
| Kapitel 13–19 | Mudras, Mandala, Träume, Einweihung und Königsweihe: Weitergabe der Tradition und rituelle Befähigung. |
| Kapitel 20–27 | Nadis, Zeit, Lebenswinde, Konzentration, Pratyahara und Bhavayoga: der umfangreichste zusammenhängende Einstieg in die innere Praxis. |
| Kapitel 28–34 | Wege der Mantras, Worte, Wirklichkeitsprinzipien, Welten, Laute und Kalas: die Verbindung von Sprache, Kosmos und Bewusstsein. |
| Kapitel 35–60 | Rudraksha, Gelübde, heilige Orte, Sühne, Gaben, Linga, Tempel und Weihehandlungen: die äußere Gestalt shivaitischer Religionspraxis. |
| Kapitel 61–68 und vier Schlussabschnitte | Vajrakavata, Konzentration auf Körperstätten, Mantra und Samadhi: erneute Vertiefung der inneren Praxis bis zum unvollständigen Schluss. |
Wer zunächst den meditativen Kern kennenlernen möchte, kann mit Kapitel 7, den Kapiteln 24–27 und Kapitel 67 beginnen. Die rituellen Abschnitte geben diesem Kern seinen traditionellen Zusammenhang. Sie zeigen, dass Sadhana hier nicht auf eine einzelne Meditationstechnik begrenzt ist.
Shiva, Shakti und das eigene Selbst
Shiva wird als göttliche Gestalt verehrt und zugleich als das beschrieben, was jeder begrenzten Gestalt vorausliegt. Kapitel 7 unterscheidet die Gestalt mit Teilen, die mit und ohne Teile sowie die teillose Wirklichkeit. Bilder und Symbole können das Bewusstsein sammeln; die durch sie bezeichnete Gegenwart erschöpft sich jedoch nicht in einem Bild.
Shakti bezeichnet die wirksame Kraft dieser Gegenwart. Sie begegnet als Gottheit, als Erkenntniskraft und in der Ordnung von Mantras, Lauten und inneren Stätten. Der Weg führt nicht einfach aus einer bedeutungslosen Welt heraus: Er erschließt die Welt als einen von göttlichen Kräften durchdrungenen Zusammenhang.
Der Atman beziehungsweise Feldkenner ist der Erfahrende im Leib. Kapitel 67 unterscheidet ihn von den Bestandteilen des feinen Leibes. Diese Unterscheidung ist für die Praxis bedeutsam: Wahrnehmungen, Gedanken und Ichvorstellungen sind erfahrbar; sie müssen deshalb nicht die letzte Bestimmung dessen sein, der erfährt. Die Vergegenwärtigung „Ich bin Shiva“ richtet sich auf dieses tiefere Erkennen. Sie ist keine Aufforderung, persönliche Wünsche oder Machtansprüche für göttlich zu erklären.
Guru, Einweihung und eigene Erfahrung
Die Rolle des Guru ist zentral. Er vermittelt Mantra und Diksha, erklärt die innere Bedeutung der Rituale und öffnet den Zugang zur Übung. Wiederholt verbindet der Text die Erkenntnis mit der Gnade des Lehrers. Zugleich nennt er das Höchste svasaṃvedya: nur selbst erfahrbar. Belehrung und eigene Erfahrung gehören daher zusammen.
Für heutige Leser liegt darin ein hilfreicher Maßstab: Wissen über spirituelle Zustände ersetzt nicht deren Verwirklichung. Umgekehrt braucht Übung Unterscheidungsfähigkeit und einen tragfähigen Zusammenhang. Bhakti und Jnana, Hingabe und Erkenntnis, stehen hier in enger Beziehung. Die Aussagen über Guru-Gnade beschreiben die religiöse Perspektive der Quelle; sie heben die persönliche Verantwortung des Übenden nicht auf.
Äußere Verehrung und innerer Vollzug
Blumen, Licht, Wasser und Duftstoffe bilden die äußere Sprache der Puja. Im inneren Vollzug werden dieselben Gaben geistig dargebracht. Kapitel 7 beschreibt ausdrücklich Blumen und Räucherwerk, die allein im Geist vorgestellt werden. Damit wird Aufmerksamkeit selbst zur Gabe.
Die Reinigung der Elemente, Bhuta Shuddhi, verändert in der rituellen Vorstellung den gewöhnlich erfahrenen Leib. Er wird als Ort von Mantra und Gottheit neu vergegenwärtigt. Die Bilder des Verbrennens und Überflutens mit Amrita gehören in diesen meditativen Ritualzusammenhang. Ihr spiritueller Sinn lässt sich als Loslassen gewohnter Selbstbilder und Öffnung für eine umfassendere Gegenwart verstehen; dies ist eine Auslegung, keine wörtliche Ersatzübersetzung.
Yoga, Atem und Sammlung
Kapitel 25 nennt acht Glieder: Yama, Niyama, Asana, Pranayama, Pratyahara, Dharana, Dhyana und Samadhi. Bemerkenswert ist die Unterscheidung zwischen den ersten vier äußeren und den folgenden vier inneren Gliedern. Ethische Ausrichtung und eine tragfähige Sitzhaltung bilden den Boden für die Sammlung. Das Kalottara würdigt ausdrücklich eine angenehme Haltung und warnt innerhalb seiner Übungsbeschreibung sowohl vor übermäßigem Essen als auch vor völligem Nichtessen.
Prana und die Nadis sind in diesem Text Teile einer spirituellen Körperlehre. Die Vorlage bietet ein eigenes, reich gegliedertes System, unter anderem mit 32 Hauptbahnen. Es sollte nicht ohne Kennzeichnung in das heute verbreitete Schema von sieben Chakras umgezeichnet werden. Auch die im Text genannten Körperstellen und Zahlen sind nicht überall widerspruchsfrei erhalten.
Bei Dharana wird die geistige Bewegung auf einen Gegenstand gesammelt. Dhyana ist die ununterbrochene Fortdauer dieser Ausrichtung. In Samadhi erscheint allein der Gegenstand, während die eigene begrenzte Form gleichsam zurücktritt; diese Unterscheidung erläutert Kapitel 24. Meditation entwickelt sich damit von bewusster Ausrichtung zu einer Erfahrung, die nicht mehr ständig zwischen Betrachter und Betrachtetem trennt.
Bhavayoga und der eine Geschmack
Kapitel 27 eröffnet eine weitere Perspektive: Bhava Yoga wird zunächst als Meditation beschrieben, die nicht von besonderen Zeiten, Orten und äußeren Verrichtungen abhängt. Im weiteren Verlauf verwendet das Kapitel dennoch ausführliche Visualisierungen. Die Spannung zwischen unmittelbarer Vergegenwärtigung und gestufter Methode gehört zum erhaltenen Text und wird hier nicht geglättet.
Der „eine Geschmack“ bezeichnet in diesem Zusammenhang eine ungeteilte Ausrichtung auf die göttliche Wirklichkeit. Wer sich in ihr sammelt, erfährt die vielen Dinge nicht länger nur als voneinander getrennte Gegenstände. Die Schlussabschnitte weiten diesen Blick auf das alltägliche Leben aus: Sitzen und Gehen, Sehen und Hören können in die Vergegenwärtigung einbezogen werden.
Die Blumen enthalten ihren Duft, der Sesam sein Öl und das Holz das Feuer: Mit solchen Bildern beschließt Kapitel 26 seine Unterweisung. Sie machen die Suche nach dem Höchsten als Entdeckung verständlich. Gesucht wird eine Gegenwart, die innen und außen bereits besteht, auch wenn sie noch nicht erkannt ist.
Bedeutung für heutige spirituelle Aspiranten
Ein zeitgemäßer Zugang kann bei Aufmerksamkeit, innerer Verehrung und der Erforschung des eigenen Erlebens beginnen. Lies eine kurze Passage, lasse ihren Sinn auf dich wirken und prüfe, was sie über deine gewohnte Selbstwahrnehmung sichtbar macht. Die Auswahlseite bietet dafür eine zusammenhängende Lesefolge. Dies ist eine heutige Leseanregung, kein im Kalottara vorgeschriebener neuer Übungsplan.
Der Text verbindet Befreiung mit Siddhi- und Lebensdauerverheißungen. In dieser Ausgabe werden solche Aussagen als Aussagen der Quelle übersetzt. Sie sind keine nachgewiesenen Wirkungen. Rezepturen, Todesvorzeichen und zum Teil beschädigte Anweisungen zu langem Atemanhalten eignen sich nicht als selbstständige Gesundheits- oder Übungsanleitung. Ebenso werden historische Standes- und Reinheitsregeln dokumentiert, nicht als heutige Norm übernommen.
Das bleibende Anliegen des Werkes wird dort besonders deutlich, wo es zur Sammlung auf Shiva, zur Überwindung enger Identifikationen und zur unmittelbaren Erfahrung aufruft. Im Vergleich mit Raja Yoga und Vedanta ergeben sich zahlreiche Berührungspunkte. Die shivaitischen Mantras, Initiationen und kosmischen Ordnungen bleiben dabei Eigenheiten dieser Überlieferung.
Die folgenden Videos stammen aus heutiger Yoga-Vidya-Praxis. Sie sind ergänzende Zugänge zur Meditation und keine Rekonstruktionen der Kalottara-Rituale. Moderne Chakra-Darstellungen dienen ebenfalls nur der Veranschaulichung und bilden das Nadi-System dieser Quelle nicht maßgetreu ab.
Ergänzendes Video: Chakra-Energie-Meditation mit Sukadev.
Kalottara – Sanskrit und deutsche Übersetzung
Der Sanskrittext bleibt in seiner überlieferten Reihenfolge und Schreibweise erhalten. Eckige Klammern in der Übersetzung kennzeichnen Ergänzungen, unsichere Lesungen und Textausfälle. Die fett gedruckten Stellenangaben dienen der Orientierung; die Originalnummern stehen zusätzlich unverändert im Sanskrit. Bei den letzten vier Abschnitten dienen S64–S67 nur als eindeutige redaktionelle Kennungen. Ausgefallene Kapitel und fehlende Wörter werden nicht ergänzt.
Kapitel 2 – Erschließung der Mantras
2.1
|| śrīḥ ||
kālottaram ||
|| hariḥ om ||
tadevaṃ tribhiruccārya maheśasya tu mantrakam |
mūrtirmāheśvarasyaikā sakalasya prakīrtitāḥ || 1 ||
Übersetzung: Heil und Segen! Kalottara. Hariḥ Oṃ. Nachdem man auf diese Weise das Mantra des Mahesha mit den dreien ausgesprochen hat, wird die eine Gestalt Maheshvaras als die mit Teilen ausgestattete Gestalt beschrieben. [Der Rückbezug „auf diese Weise“ ist in der Vorlage nicht auflösbar.]
2.2
prathamaṃ prathamaṃ grāhyaṃ bindunādasamanvitam |
ananteśasya bījaṃ tu japākusumasuprabham || 2 ||
Übersetzung: Man nehme den ersten Laut der ersten Gruppe, verbunden mit Bindu und Nada. Das ist die Keimsilbe Ananteshas; seine Erscheinung strahlt wie eine Hibiskusblüte.
2.3
caturbhujaṃ triṇetraṃ tu paraśuṃ śūladhāriṇam |
aṣṭamasya tṛtīyaṃ tu ṣaṣṭhena tu samanvitam || 3 ||
Übersetzung: Er hat vier Arme und drei Augen und trägt Axt und Dreizack. Man nehme den dritten Laut der achten Gruppe, verbunden mit dem sechsten.
2.4
bindunāda samāyuktaṃ sūkṣmabījamihocyate |
sūkṣmasya ca tṛtīyaṃ tu caturbhujaṃ triṇetrakam || 4 ||
Übersetzung: Mit Bindu und Nada verbunden, heißt dies hier die Keimsilbe Sukshmas. Bei Sukshma steht außerdem „der dritte“; er ist vierarmig und dreiäugig. [Die Lautanweisung ist hier nicht eindeutig.]
2.5
aṣṭamasya prathamaṃ syāt prathamasya tṛtīyakam |
bindunādasamākrāntaṃ śivottamasya ca bījakam || 5 ||
Übersetzung: Es sei der erste Laut der achten und der dritte der ersten Gruppe, überhöht von Bindu und Nada: die Keimsilbe Shivottamas.
2.6
triṇetraṃ caturbhujaṃ caiva kundapuṣpasamaprabham |
prathamasyaikādaśaṃ grāhyaṃ bindunādasamanvitam || 6 ||
Übersetzung: Er hat drei Augen und vier Arme und leuchtet wie eine Jasminblüte. Man nehme den elften Laut der ersten Gruppe, verbunden mit Bindu und Nada.
2.7
nīlajīmūtasaṃkāśaṃ triṇetraṃ ca caturbhujam |
punarekādaśaṃ grāhyaṃ bindunādasamanvitam || 7 ||
Übersetzung: Seine Gestalt gleicht einer dunklen Regenwolke, mit drei Augen und vier Armen. Wiederum nehme man den elften Laut, verbunden mit Bindu und Nada.
2.8
ekarudrasya bījaṃ tu * * * * * * * * * |
trimūrtiṃ kuṅkumaprakhyaṃ triṇetraṃ ca caturbhujam || 8 ||
Übersetzung: Die Keimsilbe Ekarudras [Textlücke]. Trimurti erscheint safranfarben, dreiäugig und vierarmig.
2.9
aṣṭamaṃ prathamaṃ grāhyaṃ saptamasya dvitīyakam |
caturthasvarasaṃyuktaṃ bindunādasamanvitam || 9 ||
Übersetzung: Man nehme den ersten Laut der achten und den zweiten der siebten Gruppe, verbunden mit dem vierten Vokal sowie Bindu und Nada.
2.10
śrīkaṇṭhasya tu bījaṃ tat japākusumasannibham |
triṇetraṃ caturbhujaṃ jñeyaṃ śūlaṃ paraśudhāriṇam || 10 ||
Übersetzung: Das ist die Keimsilbe Shrikanthas. Seine Gestalt gleicht einer Hibiskusblüte; man soll ihn dreiäugig und vierarmig erkennen, mit Dreizack und Axt.
2.11
indrasya yaṃ tṛtīyaṃ tu bindunādasamanvitam |
śikhaṇḍibījamākhyātaṃ bhinnāñjanasamaprabham || 11am || 10 ||
Übersetzung: Den dritten, zu Indra gehörigen Laut, verbunden mit Bindu und Nada, nennt man die Keimsilbe Shikhandins. Seine Gestalt gleicht aufgebrochenem schwarzem Augenschminkstein. [Die Lautzuordnung und die doppelte Endnummer sind in der Vorlage auffällig.]
2.12
||
caturbhujaṃ triṇetraṃ tu śūlaṃ paraśudhāriṇam |
sarve vai vṛṣabhārūḍhā jaṭāmakuṭadhāriṇaḥ || 12 ||
Übersetzung: Er hat vier Arme und drei Augen und trägt Dreizack und Axt. Sie alle reiten auf Stieren und tragen Kronen aus aufgetürmtem Haar.
2.13
ekavaktrayutāḥ sarve sarvābharaṇabhūṣitāḥ |
śivasya saṃhitā vatsa sarve padmāsanasthitāḥ || 13 ||
Übersetzung: Alle haben ein Gesicht und sind mit allen Schmuckstücken geschmückt. Mein Kind, dies ist Shivas Überlieferung; alle sitzen auf Lotussitzen.
2.14
kasminnaṇḍe saptaloke kālāgnyādiśivāntake |
śrīkaṇṭhanāthādhipatiriti nityaṃ prakīrtitam || 14 ||
Übersetzung: In dem Weltei mit seinen sieben Welten, von Kalagni bis zu Shiva, wird Shrikanthanatha beständig als Oberherr genannt. [Der Satzanfang ist sprachlich unsicher.]
2.15
bahiraṇḍasya saptānāṃ śūlaṃ nityaṃ ṣaḍānana |
sūkṣmāṇḍaṃ śivottamāṇḍamekanetrarudrāṇḍakam || 15 ||
Übersetzung: Außerhalb des Welteies [unverständlicher Zusammenhang mit „sieben“ und „Dreizack“], o Sechsgesichtiger: das Weltei Sukshmas, das Weltei Shivottamas sowie die Welteier Ekanetras und Rudras.
2.16
ananteśaṃ trimūrtyaṇḍaṃ śikhaṇḍī saptamaṃ bhavet |
prathamasya pañcamaṃ gṛhya bindunādasamanvitam || 16 ||
Übersetzung: Hinzu kommen Anantesha und das Weltei Trimurtis; Shikhandin soll der siebte sein. Man nehme den fünften Laut der ersten Gruppe, verbunden mit Bindu und Nada.
2.17
umābījaṃ samākhyātaṃ rājāvartasamaprabham |
trivargaṃ prathamaṃ gṛhya bindunāda samanvitam || 17 ||
Übersetzung: Dies wird die Keimsilbe Umas genannt; ihre Erscheinung gleicht Lapislazuli. Man nehme den ersten Laut der dritten Gruppe, verbunden mit Bindu und Nada.
2.18
nīlajīmūtasaṃkāśaṃ triṇetraṃ ṭaṅkadhāriṇam |
pañcamaṃ pañcavargasya bindunādasamanvitam || 18 ||
Übersetzung: Die Gestalt gleicht einer dunklen Regenwolke, hat drei Augen und trägt eine Axt. Man nehme den fünften Laut der fünften Gruppe, verbunden mit Bindu und Nada.
2.19
bhinnāñjanasamaprakhyaṃ triṇetraṃ dvibhujaṃ bhavet |
ṣaṣṭhasya pañcamaṃ gṛhyaṃ bindunādasamanvitam || 19 ||
Übersetzung: Die Erscheinung gleicht aufgebrochenem schwarzem Augenschminkstein; sie hat drei Augen und zwei Arme. Man nehme den fünften Laut der sechsten Gruppe, verbunden mit Bindu und Nada.
2.20
bisinīpatrasaṃkāśaṃ dvinetraṃ ca dvibāhukam |
saptamasya turīyaṃ tu prathamasya tu saptakam || 20 ||
Übersetzung: Die Gestalt gleicht einem Lotusblatt und hat zwei Augen und zwei Arme. Man nehme den vierten Laut der siebten und den siebten der ersten Gruppe.
2.21
bindunādasamākrāntaṃ bṛṣabhasya tu rūpakam |
viṣṇukrāntisamaprakhyaṃ triṇetraṃ śūladhāriṇam || 21 ||
Übersetzung: Überhöht von Bindu und Nada ist dies die Form des Stieres. Seine Erscheinung gleicht der Vishnukranti-Blüte; er ist dreiäugig und trägt den Dreizack.
2.22
dvivargasya tṛtīyaṃ tu binduśekharabhūṣitam |
nīlāñjanasamaprakhyaṃ gaṇeśasya svarūpakam || 22 ||
Übersetzung: Der dritte Laut der zweiten Gruppe, mit Bindu als Krone geschmückt, ist die Lautgestalt Ganeshas. Seine Erscheinung gleicht dunklem Augenschminkstein.
2.23
gajānanaṃ gajahastaṃ gajakarṇaṃ trilocanam |
lambodaraṃ māṇavakaṃ śvetapadmopari sthitam || 23 ||
Übersetzung: Er hat ein Elefantengesicht, einen Rüssel, Elefantenohren und drei Augen, einen großen Bauch und die Gestalt eines Knaben; er sitzt auf einem weißen Lotus.
2.24
mūṣikavāhanaṃ devaṃ gaṇeśaṃ vighnanāyakam |
bhṛṅgīṃ ruṭiṃ mahātmānaṃ ṣaṣṭhasya tu caturthakam || 24 ||
Übersetzung: Der Gott Ganesha, Herr der Hindernisse, hat die Maus als Reittier. Für den erhabenen Bhringiriti nehme man den vierten Laut der sechsten Gruppe. [Der Name ist im Grundtext getrennt und entstellt geschrieben.]
2.25
snāyvasthikṛtasaṃbandhaṃ dvinetraṃ śaṅkhakandavat |
aṣṭamasya tṛtīyaṃ tu ṣaṣṭhaṃ caiva vibhūṣitam || 25 ||
Übersetzung: Sein Leib besteht aus Sehnen und Knochen; er hat zwei Augen und gleicht einer Muschelknolle. Man nehme den dritten Laut der achten Gruppe, geschmückt mit dem sechsten.
2.26
caturbhujaṃ dvinetraṃ tu ḍā(dā)ḍimīkusumaprabham |
mayūravāhanaṃ devaṃ śaktitomaradhāriṇam || 26 ||
Übersetzung: Der Gott hat vier Arme und zwei Augen, leuchtet wie eine Granatapfelblüte und reitet auf einem Pfau; er trägt Speer und Wurfspieß.
2.27
ghaṇṭāvajrasamāyuktaṃ kukkuṭadhvajadhāriṇam |
abhayaṃ copavītaṃ tu daśasaṃvatsarākṛtim || 27 ||
Übersetzung: Er ist mit Glocke und Donnerkeil versehen und trägt ein Banner mit dem Hahn. Er zeigt die Schutzgeste, trägt die heilige Schnur und erscheint wie ein Zehnjähriger.
2.28
uddeśamātraṃ kathitaṃ vistāraṃ procyate punaḥ |
bījaṃ caivāṣṭamūrtestu vakṣyāmi śṛṇu ṣaṇmukha || 28 ||
Übersetzung: Dies wurde nur in Grundzügen erklärt; die ausführliche Darstellung folgt noch. Nun werde ich die Keimsilben der acht Gestalten verkünden. Höre, o Sechsgesichtiger!
2.29
caturthaṃ ṣaṣṭhavargasya bindunādasamanvitam |
śaṅkhagokṣīradhavalaṃ triṇetraṃ tu caturbhujam || 29 ||
Übersetzung: Man nehme den vierten Laut der sechsten Gruppe, verbunden mit Bindu und Nada. Die Gestalt ist weiß wie Muschel und Kuhmilch, dreiäugig und vierarmig.
2.30
jaṭāmakuṭasaṃyuktaṃ sarvābharaṇabhūṣitam |
pūrvadiksthāpayedvatsa śvetapadmoparisthitam || 30 ||
Übersetzung: Sie trägt eine Krone aus aufgetürmtem Haar und allen Schmuck. Mein Kind, man stelle sie im Osten auf einem weißen Lotus auf.
2.31
pañcamaṃ saptavargasya bindunādasamanvitam |
caturbhujaṃ triṇetraṃ ca mārtāṇḍodayasaprabham || 31 ||
Übersetzung: Man nehme den fünften Laut der siebten Gruppe, verbunden mit Bindu und Nada. Die Gestalt ist vierarmig und dreiäugig; sie strahlt wie die aufgehende Sonne.
2.32
sarvābharaṇasaṃyuktamāgneyyāṃ diśi kalpayet |
īśānamīśaṃ digbhāge caturthe svarameva tat || 32 ||
Übersetzung: Mit allem Schmuck versehen stelle man sie im Südosten vor. Ishana, den Herrn, ordne man seiner Himmelsrichtung zu; dazu gehört der vierte Vokal. [Der Wortlaut der Richtungsangabe ist beschädigt.]
2.33
bindunāda samākrāntaṃ tuṣārarajataprabham |
caturbhujaṃ triṇetraṃ ca śūlaṃ paraśudhāriṇam || 33 ||
Übersetzung: Mit Bindu und Nada überhöht, leuchtet er wie Schnee und Silber. Er hat vier Arme und drei Augen und trägt Dreizack und Axt.
2.34
prathamaṃ ṣaṣṭhavargasya binduśekharabhūṣitam |
caturbhujaṃ triṇetraṃ ca yāmyabhāge vyavasthitam || 34 ||
Übersetzung: Man nehme den ersten Laut der sechsten Gruppe, mit Bindu als Krone geschmückt. Die Gestalt hat vier Arme und drei Augen und befindet sich im Süden.
2.35
paśupatiṃ mahātmānaṃ śūlaṃ paraśudhāriṇam |
rudraṃ nir-ṛtidigbhāge dvinetraṃ tu caturbhujam || 35 ||
Übersetzung: Es ist der erhabene Pashupati, der Dreizack und Axt trägt. Rudra befindet sich im Südwesten; er hat zwei Augen und vier Arme.
2.36
saptamasya dvitīyaṃ tu prathamasya tu pañcamam |
binduśekharamārūḍhaṃ jaṭāmakuṭadhāriṇam || 36 ||
Übersetzung: Man nehme den zweiten Laut der siebten und den fünften der ersten Gruppe, mit Bindu als Krone. Die Gestalt trägt aufgetürmtes Haar.
2.37
prathame pañcamaṃ gṛhya bindunāda samanvitam |
caturbhujaṃ triṇetraṃ ca jaṭāmakuṭamaṇḍitam || 37 ||
Übersetzung: Man nehme den fünften Laut der ersten Gruppe, verbunden mit Bindu und Nada. Die Gestalt ist vierarmig und dreiäugig und mit einer Haarkrone geschmückt.
2.38
vāruṇyāṃ kalpayeddhīmān śūlaṃ paraśudhāriṇam |
caturthaṃ ṣaṣṭhavargasya caturthasvarasaṃyutam || 38 ||
Übersetzung: Der Verständige stelle sie im Westen vor, Dreizack und Axt tragend. Man nehme den vierten Laut der sechsten Gruppe, verbunden mit dem vierten Vokal.
2.39
biduśekharamārūḍhaṃ vāyavyāṃ diśi kalpayet |
caturbhujaṃ triṇetraṃ ca śūlaṃ paraśudhāriṇam || 39 ||
Übersetzung: Mit Bindu als Krone stelle man sie im Nordwesten vor: vierarmig und dreiäugig, mit Dreizack und Axt.
2.40
pañcamaṃ ṣaṣṭhavargasya bindunāda samanvitam |
caturbhujaṃ triṇetraṃ ca yāmyāyāṃ kalpayedguha || 40 ||
Übersetzung: Man nehme den fünften Laut der sechsten Gruppe, verbunden mit Bindu und Nada. O Guha, die vierarmige, dreiäugige Gestalt stelle man im Süden vor. [Die Vorlage wiederholt hier die südliche Richtung.]
2.41
jaṭāmakuṭayuktaṃ ca śūlaṃ paraśudhāriṇam |
sarve padmāsanāhyete sarvaśakti samanvitāḥ || 41 ||
Übersetzung: Sie trägt eine Haarkrone sowie Dreizack und Axt. Alle diese Gestalten sitzen auf Lotussitzen und sind mit ihren sämtlichen Kräften verbunden.
2.42
vāmādi sarvabhūtāntaṃ kramaśaḥ parikalpayet |
mahādevo harorudraḥ śaṅkaro nīlalohitaḥ || 42 ||
Übersetzung: Die Kräfte von Vama bis Sarvabhuta stelle man der Reihe nach vor. Die Namen lauten: Mahadeva, Hara, Rudra, Shankara und Nilalohita,
2.43
īśāno vijayo bhīmo devadevo bhavodbhavaḥ |
kapālīśasya vijeyā rudrāstvekādaśa smṛtāḥ || 43 ||
Übersetzung: Ishana, Vijaya, Bhima, Devadeva, Bhavodbhava und Kapalisha. Diese gelten als die elf Rudras. [Die letzte Namensform ist grammatisch auffällig.]
2.44
sarve gokṣīradhavalāḥ vyālayajñopavītakāḥ |
svanāmādyakṣaraṃ hyeṣāṃ bindunādasamanvitam || 44 ||
Übersetzung: Alle sind weiß wie Kuhmilch und tragen Schlangen als heilige Schnur. Ihre Keimsilbe ist jeweils der Anfangslaut ihres eigenen Namens, verbunden mit Bindu und Nada.
2.45
caturbhujaṃ triṇetraṃ ca śūlaṃ paraśudhāriṇam |
jaṭāmakuṭadhāraṃ ca sarvābharaṇabhūṣitam || 45 ||
Übersetzung: Jede Gestalt hat vier Arme und drei Augen, trägt Dreizack und Axt, eine Haarkrone und sämtliche Schmuckstücke.
2.46
sarve padmāsanā hyete sarve śaktisamanvitāḥ |
puṣṭistuṣṭistathā * * lakṣmīścaiva sarasvatī || 46 ||
Übersetzung: Sie alle sitzen auf Lotussitzen und sind mit ihren Shaktis verbunden. Diese heißen Pushti, Tushti, [Textlücke], Lakshmi und Sarasvati,
2.47
śrutiḥ smṛtirdayā kṣāntiḥ medhā prajñā ca suvrata |
ekāścaikādaśāḥ śaktyo rudrāstvekā daśaśca vai || 47 ||
Übersetzung: Shruti, Smriti, Daya, Kshanti, Medha und Prajna, o du, der du gute Gelübde hältst. Je eine der elf Shaktis gehört zu einem der elf Rudras.
2.48
vai kartano vivasvāṃśca mārtāṇḍo bhāskaro raviḥ |
lokaprakāśakaścaiva lokasākṣī trivikramaḥ || 48 ||
Übersetzung: Vaikartana, Vivasvat, Martanda, Bhaskara, Ravi, Lokaprakashaka, Lokasakshin und Trivikrama,
2.49
ādityaśca tathā sūryaḥ aṃśumālī divākaraḥ |
ete vai dvādaśādityāḥ pūjayetpīṭhavāhyataḥ || 49 ||
Übersetzung: Aditya, Surya, Anshumalin und Divakara: Diese zwölf Adityas verehre man außerhalb des Sockels.
2.50
svanāmādyakṣareṇaiva bindunāda samanvitam |
sarve te dvibhujā jñeyā ekavaktrā dvivaktrakāḥ || 50 ||
Übersetzung: Ihre Lautformen bildet man mit dem Anfangslaut des jeweiligen Namens, verbunden mit Bindu und Nada. Alle gelten als zweiarmig; der Text nennt sie sowohl „eingesichtig“ als auch „zweigesichtig“. [Die Angaben widersprechen sich.]
2.51
sarvābharaṇasaṃyuktāḥ sarve maṇḍalasaṃsthitāḥ |
sarve śaktisamārūḍhāḥ padmahastāśca raktakāḥ || 51 ||
Übersetzung: Sie tragen sämtlichen Schmuck und befinden sich in ihren Kreisen. Alle sind mit ihren Shaktis vereint, halten Lotusse in den Händen und sind rot.
2.52
uṣā prabhā ca sandhyā ca prajñā medhā ca mālinī |
sāvitrī caiva gāyatrī dhṛtiḥ kāntirmatirdyutiḥ || 52 ||
Übersetzung: Usha, Prabha, Sandhya, Prajna, Medha, Malini, Savitri, Gayatri, Dhriti, Kanti, Mati und Dyuti:
2.53
etā dvādaśa śaktyaśca dvādaśādityaśaktayaḥ |
gagana sparśanastejo rasaśca pṛthivīti ca || 53 ||
Übersetzung: Dies sind die zwölf Shaktis der zwölf Adityas. Raum, Berührung, Feuer, Geschmack und Erde,
2.54
candraḥ sūryaḥ sa ātmā ca vasavaścāṣṭa pūjayet |
svanāmādyakṣareṇaiva bindunāda samanvitāḥ || 54 ||
Übersetzung: Mond, Sonne und das Selbst: Als diese acht Vasus soll man sie verehren. Ihre Lautformen bestehen aus dem Anfangslaut ihres jeweiligen Namens, verbunden mit Bindu und Nada.
2.55
sarve te dvibhujā jñeyā ekavaktrā dvinetrakāḥ |
sarvābharaṇasaṃyuktāḥ sarve padmāsanasthitāḥ || 55 ||
Übersetzung: Alle sind als zweiarmig, mit einem Gesicht und zwei Augen zu erkennen. Sie tragen allen Schmuck und sitzen auf Lotussitzen.
2.56
drutacāmīkaraprakhyāḥ sarve śakti samanvitāḥ |
tejī vāpī ca dhāriṇi somī sūryavatī caiva || 56 ||
Übersetzung: Sie glänzen wie geschmolzenes Gold und sind alle mit ihren Shaktis verbunden. Teji, Vapi, Dharini, Somi und Suryavati,
2.57
śrīmatī cāṣṭa kīrtitāḥ gāganī vāyavī caiva |
aṣṭau ca vasuśaktyaśca kramaśaḥ parikalpayet || 57 ||
Übersetzung: Shrimati, Gagani und Vayavi werden als die acht genannt. Diese acht Shaktis der Vasus stelle man der Reihe nach vor.
2.58
gabhasti sparśano vāyuranilo mārutastathā |
prāṇaḥ prāṇeśa jīveśau marutaścāśca pūjayet || 58 ||
Übersetzung: Gabhasti, Sparshana, Vayu, Anila, Maruta, Prana, Pranesha und Jivesha: Diese acht Maruts verehre man. [Das Zahlwort ist im Sanskrit entstellt.]
2.59
svanāmādya kṣareṇaiva bindunāda samanvitaḥ |
sarve te dvibhujāścaiva dvinetrāścaikavaktrakāḥ || 59 ||
Übersetzung: Ihre Lautformen bildet man mit dem Anfangslaut ihres Namens, verbunden mit Bindu und Nada. Alle haben zwei Arme, zwei Augen und ein Gesicht.
2.60
sarve marakata prakhyāssarvābharaṇabhūṣitāḥ |
vilāsinī sammukhī ca svarūpā ca yaśasvinī || 60 ||
Übersetzung: Alle gleichen Smaragden und tragen sämtlichen Schmuck. Ihre Shaktis sind Vilasini, Sammukhi, Svarupa und Yashasvini,
2.61
candrā candramukhī caiva nirmalā pūrṇacandrikā |
sarvāste śaktibījāstu svanāmādyakṣaraṃ bhavet || 61 ||
Übersetzung: Chandra, Chandramukhi, Nirmala und Purnachandrika. Bei all diesen Shaktis soll die Keimsilbe aus dem Anfangslaut ihres eigenen Namens bestehen.
2.62
bindunāda śikhākrāntaṃ śaktīnā dīrgha ucyate |
gandharvāścāraṇāḥ siddhāḥ yakṣā nāgāśca kinnarāḥ || 62 ||
Übersetzung: Sie wird von Bindu und Nada überhöht; für die Shaktis wird ein langer Vokal angegeben. Gandharvas, Charanas, Siddhas, Yakshas, Nagas und Kinnaras,
2.63
vidyādharā yātudhānā gāruḍāśca mahormikāḥ |
jayaścā sparśarāsaśca asurāśca trayodaśa || 63 ||
Übersetzung: Vidyadharas, Yatudhanas, Garudas, Mahormikas, Jayas, Sparsharasas und Asuras: Es sind dreizehn Gruppen. [Einzelne Gruppennamen sind unsicher überliefert.]
2.64
svanāmādyakṣareṇaiva bindunāda samanvitam |
sarve te dvibhujā jñeyāḥ dvinetrāścaikavaktrakāḥ || 64 ||
Übersetzung: Ihre Lautformen bestehen aus dem Anfangslaut ihres jeweiligen Namens, verbunden mit Bindu und Nada. Alle sind als zweiarmig, zweiäugig und eingesichtig zu erkennen.
2.65
bāhyāvaraṇe saṃpūjya sarve siddhimavāpnuyāt |
śeṣān mātṛgaṇān sarvān svanāmādyena pūjayet || 65 ||
Übersetzung: Man verehre sie im äußeren Umkreis; dadurch erlange man sämtliche Vollkommenheiten. Alle übrigen Scharen der Mütter verehre man ebenfalls mit dem Anfangslaut ihres Namens.
2.66
daśa vai lokapālānāṃ astrāṇāṃ tu tathaiva ca |
indramagniṃ yama rakṣo varuṇaṃ vāyumeva ca || 66 ||
Übersetzung: Ebenso verfahre man mit den zehn Welthütern und ihren Waffen: Indra, Agni, Yama, Rakshas, Varuna und Vayu,
2.67
someśānāmanantaṃ ca brahmā ca daśakaṃ bhavet |
vajraṃ śaktiśca daṇḍaśca khaḍgaṃ pāśastathāṅkuśam || 67 ||
Übersetzung: Soma, Ishana, Ananta und Brahma bilden die Zehn. Ihre Waffen sind Donnerkeil, Speer, Stab, Schwert, Schlinge und Elefantenstachel,
2.68
khaḍga dābha triśūlaṃ ca padmaṃ caiva tu cārcayet |
sarve te dvibhujā jñeyāḥ ekavaktrā dvilocanāḥ || 68 ||
Übersetzung: ferner [beschädigte Waffenbezeichnungen], Dreizack und Lotus; auch diese verehre man. Alle Welthüter gelten als zweiarmig, mit einem Gesicht und zwei Augen.
2.69
caturbhujaṃ caiveśānaṃ triṇetraṃ caikavaktrakam |
jaṭāmakuṭadhāraṃ ca nāgayajñopavītakam || 69 ||
Übersetzung: Ishana hingegen hat vier Arme, drei Augen und ein Gesicht; er trägt eine Haarkrone und eine Schlange als heilige Schnur.
2.70
svanāmādyakṣareṇaiva bindunāda samanvitam |
sarve padmāsanā hyete śivaika nihitekṣaṇāḥ || 70 ||
Übersetzung: Ihre Lautformen bildet man mit dem Anfangslaut ihres Namens, verbunden mit Bindu und Nada. Alle sitzen auf Lotussitzen und richten ihren Blick allein auf Shiva.
2.71
sarveṣāṃ śaktayaścaiva svanāmādyena vai guha |
śaktīnāmapi sarvāsāṃ ādhāratvena vai guha || 71 ||
Übersetzung: O Guha, auch ihre sämtlichen Shaktis verehre man mit dem Anfangslaut ihres jeweiligen Namens. O Guha, [sie erscheinen] als Grundlage aller Shaktis. [Der letzte Satz ist syntaktisch unsicher.]
Unnummerierte Passage: svaśaktyādhiṣṭhitā devāḥ padmasyopari vai guha |
Übersetzung: O Guha, die Götter befinden sich auf dem Lotus, jeder von seiner eigenen Shakti getragen.
iti śrīkālottare mantroddhārapaṭalo dvitīyaḥ || 2 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 2 über „Erschließung der Mantras“.
Kapitel 3 – Rituelles Bad
3.1
īśvara uvāca-
ataḥ paraṃ pravakṣyāmi snānaṃ pāpaharaṃ param |
mṛtkāṣṭhaṃ gomayaṃ puṣapaṃ tilamāmalakaṃ śubham || 1 ||
Übersetzung: Ishvara sprach: Nun werde ich das erhabene Bad erklären, das Verfehlungen hinwegnimmt. Man nehme Erde, Holz, Kuhdung, Blüten, Sesam und die glückbringende Amalaka-Frucht,
3.2
kuśa dravyaṃ gṛhītvā tu nadī gacchatu saṃgataḥ |
prayatnena pumān snāyāt na ca gṛhyodakena tu || 2 ||
Übersetzung: ferner Kusha-Gras und die nötigen Gegenstände, und begebe sich gesammelt zum Fluss. Sorgfältig soll der Mensch baden, jedoch nicht mit Wasser aus dem Haus.
3.3
samudragāṃ viśeṣeṇa tadalābhe bṛhṛtsaraḥ |
tadalābhe taṭākaṃ syāt tadalābhe tu puṣkaraḥ || 3 ||
Übersetzung: Besonders geeignet ist ein Fluss, der ins Meer mündet. Ist ein solcher nicht vorhanden, nehme man einen großen See; fehlt dieser, einen Teich; fehlt auch dieser, ein Wasserbecken.
3.4
tadalābhe danumukhaṃ gatvā caiva samāhitaḥ |
prabhūte sati nālpaṃ tu snānāya syātkadācana || 4 ||
Übersetzung: Fehlt auch dieses, begebe man sich gesammelt zu einer als „danumukha“ bezeichneten Wasserstelle. Wo reichlich Wasser vorhanden ist, soll man zum Baden niemals eine geringe Menge wählen. [Die Bezeichnung der Wasserstelle ist unsicher.]
3.5
jalatīre nidhātavyā kṣālayitvā tu deśikaḥ |
raviṃ dakṣiṇataḥ kṛtvā divā viṇmūtrasarjanam || 5 ||
Übersetzung: Der Lehrer wasche die Gegenstände und lege sie am Ufer nieder. Beim Entleeren von Darm und Blase am Tage halte man die Sonne zur Rechten.
3.6
śiro'va kuṇṭhana kṛtvā maunena tu visarjayet |
nālikeraphalaṃ mātraṃ śaucārthaṃ mṛdamāharet || 6 ||
Übersetzung: Mit bedecktem Kopf und schweigend verrichte man seine Notdurft. Für die Reinigung hole man eine Menge Erde von der Größe einer Kokosnuss.
3.7
daśakṛtvo mṛdaṃ dadyāt gude vai gṛhamedhikaḥ |
meḍhre tu trimṛdaṃ dadyāt vṛṣaṇe ca tathaiva ca || 7 ||
Übersetzung: Der Haushälter wende zehnmal Erde am After an, dreimal am Glied und ebenso am Hodensack.
3.8
vāmaṃ tu pañcabhiḥ kṣālya dvayośca daśa vai bhavet |
āmalī phalamātreṇa pādamekaṃ tu kṣālayet || 8 ||
Übersetzung: Die linke Hand reinige er fünfmal, beide Hände zehnmal. Mit einer Erdmenge von der Größe einer Amalaka-Frucht wasche er den einen Fuß,
3.9
anyacca tāvadevaṃ tu ācamya ca vidhānavit |
triḥ prāśyāpo dvirunmṛjya pādau prokṣya pramārjya ca || 9 ||
Übersetzung: mit einer ebenso großen Menge den anderen. Dann vollziehe der Regelkundige das Wasserschlürfen: dreimal Wasser trinken, zweimal den Mund abwischen, die Füße besprengen und reinigen.
3.10
aṅguṣṭhā nāmikābhyāṃ ca cakṣuṇī samupaspṛśet |
ghrāṇadvayaṃ tathā spṛśya śrotre * * * * * * t || 10 ||
Übersetzung: Mit Daumen und Ringfinger berühre er die Augen; ebenso berühre er beide Nasenöffnungen und die Ohren [Textlücke].
3.11
aṅguṣṭhatarjanībhyāṃ tu bāhū caiva spṛśedbudhaḥ |
sarvābhiraṅgulībhistu nābhiṃ saṃspṛśya deśikaḥ || 11 ||
Übersetzung: Mit Daumen und Zeigefinger berühre der Verständige die Arme. Mit allen Fingern berühre der Lehrer den Nabel,
3.12
hṛdayaṃ karatalena aṅguṣṭhena śiraḥ spṛśet |
hṛdgābhiḥ śudhyate vipraḥ karṇakābhistu kṣatriyaḥ || 12 ||
Übersetzung: mit der Handfläche das Herz und mit dem Daumen den Kopf. Der Brahmane wird durch Wasser gereinigt, das zum Herzen gelangt; der Kshatriya durch Wasser, das die Kehle erreicht. [Für „Kehle“ ist eine unsichere Lesung vorausgesetzt.]
3.13
vaiśyaḥ prāśikamātreṇa śūdro'dbhiḥ spṛṣṭa eva ca |
hṛdayena mṛdaṃ vatsa tribhāgaṃ kārayedbudhaḥ || 13 ||
Übersetzung: Der Vaishya wird durch bloßes Trinken gereinigt, der Shudra schon durch Berührung mit Wasser. Mein Kind, mit dem Herzmantra teile der Verständige die Erde in drei Teile.
3.14
pūrvadakṣiṇottara tatpuruṣāghoravāmataḥ |
pūrvamṛdbhāgaṃ vai vatsa daśadikṣu vinikṣipet || 14 ||
Übersetzung: Er ordne sie Osten, Süden und Norden zu, mit Tatpurusha, Aghora und Vamadeva. Den östlichen Erdteil werfe er, mein Kind, in die zehn Richtungen,
3.15
śivāstreṇaiva matimān utkrameṇa samāhitaḥ |
dakṣiṇena mṛdā caiva sarvāṅgaṃ samupaspṛśet || 15 ||
Übersetzung: gesammelt und verständig, mit Shivas Waffenmantra, in umgekehrter Reihenfolge. Mit der südlichen Erde berühre er sämtliche Glieder.
3.16
hṛdayena tu sarvāṅgaṃ lepayeddhṛtamudrayā |
uttareṇa mṛdā caiva śivatīrthaṃ tu kalpayet || 16 ||
Übersetzung: Mit dem Herzmantra bestreiche er den ganzen Körper und halte dabei die Mudra. Mit der nördlichen Erde bereite er die heilige Badestelle Shivas.
3.17
malasnānaṃ purā kṛtvā mantrasnānaṃ tataḥ kuru |
nārācāstra prayogeṇa prakṣipejjalamadhyataḥ || 17 ||
Übersetzung: Zuerst vollziehe das Bad zur Entfernung des Schmutzes, danach das Mantrabad. Unter Anwendung des Naracha-Waffenmantras werfe man [die Erde] in die Mitte des Wassers.
3.18
evaṃ snātvā tīrthamadhye trirunmṛjyodayena tu |
punarvai gomayenaiva sarvāṅgaṃ samupa spṛśet || 18 ||
Übersetzung: Nachdem man so inmitten der heiligen Badestelle gebadet hat, wische man sich dreimal ab [Wortlaut unsicher]. Dann berühre man den ganzen Körper wiederum mit Kuhdung.
3.19
śiraṃ īśānamantreṇa mukhaṃ tatpuruṣeṇa tu |
aghoreṇāpi hṛdayaṃ guhya vāmena lepayet || 19 ||
Übersetzung: Den Kopf bestreiche man mit dem Ishana-Mantra, das Gesicht mit Tatpurusha, das Herz mit Aghora und den Genitalbereich mit Vamadeva.
3.20
pādayoḥ sadyamantreṇa lepayitvā tu mārjayet |
pavitraivyomamamantreṇa mārjayitvā tu mantravit || 20 ||
Übersetzung: Die Füße bestreiche man mit dem Sadyojata-Mantra und reinige sie. Der Mantrakundige vollziehe die Reinigung mit den reinigenden Formeln und dem Vyomamantra.
3.21
prāsāde naiva mantreṇa mārjayetsapta pañca ca |
kalaśamudrāṃ tu saṃkalpya prāsādenābhiṣiñcayet || 21 ||
Übersetzung: Mit dem Prasada-Mantra reinige man sich sieben- und fünfmal. Man bilde die Kalasha-Mudra und vollziehe die Begießung mit dem Prasada-Mantra.
3.22
pañcaviṃśati tatsaptaviṃśati tatvakān |
nābhimagrodake sthivā saṃmukhaṃ sūryasannidhau || 22 ||
Übersetzung: Die fünfundzwanzig und die siebenundzwanzig Tattvas [Satzanschluss unsicher]: Bis zum Nabel im Wasser stehend und der Sonne zugewandt,
3.23
tarpayitvā tu tatraiva pavitraiśca śivāṅgakaiḥ |
vidyeśvaraṃ śivaṃ caiva rudraikādaśakānapi || 23 ||
Übersetzung: bringe man ihnen dort Wasserspenden dar, mit den reinigenden Formeln und den Gliedmantras Shivas; ebenso dem Vidyeshvara, Shiva und den elf Rudras,
3.24
aṣṭamūrtyadhipāṃ caiva dvādaśādityakānapi |
tīrthamāsādya mantrajñaḥ kuśaiḥ puṣpaiśca saṃyutam || 24 ||
Übersetzung: den Herren der acht Gestalten und den zwölf Adityas. Der Mantrakundige begebe sich zur heiligen Badestelle, versehen mit Kusha-Gras und Blumen.
3.25
gomayena mṛdā caiva hṛdā vā śivamantrataḥ |
sarvāṅgaṃ lepayitvā tu mārjayitvā pavitrakaiḥ || 25 ||
Übersetzung: Mit Kuhdung und Erde, unter dem Herzmantra oder Shivas Mantra, bestreiche er den ganzen Körper und reinige ihn mit den Reinigungsmantras.
3.26
gomayena mṛdaṃ caiva puṣpagandha samanvitam |
prakṣipenmūlamantreṇa kurumajya samāhitaḥ || 26 ||
Übersetzung: Kuhdung und Erde, verbunden mit Blumen und Duftstoffen, werfe er unter dem Wurzelmantra ins Wasser. Gesammelt tauche man unter. [Der letzte Ausdruck ist entstellt.]
3.27
tatraiva sūryamuddiśya ṣaḍakṣareṇodakaṃ dadet |
tīrthamāsādya mantrajña ācamya ca vidhānataḥ || 27 ||
Übersetzung: Dort bringe er der Sonne mit dem sechssilbigen Mantra Wasser dar. An der heiligen Badestelle vollziehe der Mantrakundige das rituelle Wasserschlürfen nach Vorschrift.
3.28
udakṣavāmadevena prāśayetsusamāhitaḥ |
āpaḥ punantu vai vatsa aghorātpiṇḍamantrataḥ || 28 ||
Übersetzung: Mit Vamadeva nehme er gesammelt Wasser zu sich; mit der Formel „Die Wasser mögen reinigen“, mein Kind, und mit Aghora als zusammengefasstem Mantra. [Die Satzverbindung ist unsicher.]
3.29
īśena mārjayitvā tu āpo hiṣṭheti mantrataḥ |
piṇḍeśe naiva vā vatsa mārjayedvyomamantrataḥ || 29 ||
Übersetzung: Mit Ishana reinige er sich unter dem Mantra, das mit „āpo hi ṣṭhā“ beginnt; oder, mein Kind, mit Pindesha beziehungsweise dem Vyomamantra.
3.30
pradakṣiṇīkṛtya jale tataḥ sūryāñjaliṃ dadet |
tatpuruṣaṃ japeddhīmān aṣṭottarasahasrakam || 30 ||
Übersetzung: Nachdem er sich im Wasser rechtsherum gedreht hat, bringe er der Sonne Wasser in zusammengelegten Händen dar. Der Verständige rezitiere Tatpurusha 1.008-mal.
3.31
tadardhaṃ vā japeddhīmān aṣṭottaraśataṃ tu vā |
tadvajjapet tu sāvitraṃ prāsādaṃ ca punarjapet || 31 ||
Übersetzung: Oder er rezitiere halb so oft oder 108-mal. Ebenso rezitiere er das Savitri-Mantra und anschließend wieder das Prasada-Mantra.
3.32
prāsādaṃ japeddhīmān sarvakāmārtha siddhidam |
prāsādena mahāsena sūryāya salilaṃ dadet || 32 ||
Übersetzung: Der Verständige rezitiere das Prasada-Mantra, das die Erfüllung aller Wünsche und Ziele gewährt. O Mahasena, mit dem Prasada-Mantra bringe er der Sonne Wasser dar.
3.33
upasthānaṃ japedvatsa pañcabrahmaśivāṅgakaiḥ |
aṣṭavidyeśvarānmantrān rudraikādaśamantrakān || 33 ||
Übersetzung: Mein Kind, die Verehrungsrezitation vollziehe er mit den fünf Brahmamantras und Shivas Gliedmantras, den Mantras der acht Vidyeshvaras und der elf Rudras,
3.34
aṣṭamūrtyādhikān mantrān ādityāṃśca vasūstathā |
vyomavyāpinamāvartya ūrdhvabāhusthito budhaḥ || 34 ||
Übersetzung: den Mantras der acht Gestalten und der weiteren Gottheiten, der Adityas und Vasus. Mit erhobenen Armen stehend wiederhole der Verständige das Vyomavyapin-Mantra.
3.35
upā * * pādirūpādīyaṃ rudrasūktaṃ tathaiva ca |
pradakṣiṇatrayaṃ kṛtvā daṇḍavatpraṇamet kṣitau || 35 ||
Übersetzung: [Beschädigte Angabe weiterer Rezitationen] und ebenso das Rudrasukta. Nach drei Umkreisungen werfe er sich lang ausgestreckt auf die Erde nieder.
3.36
arghyaṃ datvā vidhānena tryakṣareṇaṃ ṣaḍakṣaraiḥ |
raktacandanagandhena akṣataṃ na ca taṇḍulam || 36 ||
Übersetzung: Nach Vorschrift bringe er das Arghya mit dem dreisilbigen und dem sechssilbigen Mantra dar, mit dem Duft roten Sandelholzes und ungebrochenen Körnern, jedoch nicht mit enthülstem Reis. [Die Getreideunterscheidung bleibt im Wortlaut auffällig.]
3.37
karaṃvīraṃ japāṃ vāpi ubhayaṃ vāpi suvrata |
tāmrapātre tu saṃsthāpya hastamātre tu maṇḍale || 37 ||
Übersetzung: Oleander oder Hibiskus oder beides, o du mit den guten Gelübden, lege er in ein Kupfergefäß, auf einen Kreis von einer Hasta Ausdehnung.
3.38
āvāhayitvā taṃ sūryaṃ ṣaḍakṣarasamāhitāḥ |
pādyamācamanaṃ dattvā arghyaṃ tasmai nivedayet || 38 ||
Übersetzung: Mit dem sechssilbigen Mantra rufe er gesammelt die Sonne herbei. Nachdem er Wasser zum Waschen der Füße und zum Mundspülen dargebracht hat, überreiche er ihr das Arghya.
3.39
jayettrayakṣaraṃ tattvaṃ aṣṭotaraśataṃ punaḥ |
visarjayitvā deveśaṃ tarpayenmantrapūrvakam || 39 ||
Übersetzung: Das dreisilbige Prinzip rezitiere er wiederum 108-mal. Nachdem er den Herrn der Götter entlassen hat, vollziehe er die Wasserspenden mit den entsprechenden Mantras.
3.40
devānṛṣīn pitṝścaiva vāmāghoreṇa sadyataḥ |
śivasya daśavāraṃ tu tarpayenmūlamantrataḥ || 40 ||
Übersetzung: Götter, Seher und Ahnen speise er mit Wassergaben unter Vamadeva, Aghora und Sadyojata. Shiva bringe er zehnmal mit dem Wurzelmantra eine Wasserspende dar.
3.41
sadāśiva maheśaṃ ca navadhāṣṭa ca tarpayet |
vidyeśvarānmūrtipāṃśca rudraikādaśa eva ca || 41 ||
Übersetzung: Sadashiva und Mahesha speise er neun- beziehungsweise achtmal; ebenso die Vidyeshvaras, die Hüter der Gestalten und die elf Rudras,
3.42
ādityāṃśca vasūṃścaiva brahma viṣṇuguhāṃstathā |
aśvinau marutaścaiva lokapālagaṇeśvarān || 42 ||
Übersetzung: die Adityas und Vasus, Brahma, Vishnu und Guha, die beiden Ashvins, die Maruts, die Welthüter und die Herren der Scharen,
3.43
yakṣavidyādharāṃścaiva kiṃ puruṣān gāruḍāṃstathā |
gandharvāṃścāraṇān siddhān nāgānvai yātudhānakān || 43 ||
Übersetzung: Yakshas, Vidyadharas, Kimpurushas und Garudas, Gandharvas, Charanas, Siddhas, Nagas und Yatudhanas,
3.44
ṛṣīṃścāpsarasaścaiva asurāṃśca piśācakān |
bhūtavetālakuśmāṇḍān kumārapāhapūtanān || 44 ||
Übersetzung: Seher, Apsaras, Asuras und Pishachas, Bhutas, Vetalas und Kushmandas sowie Kumaras und [weitere, teilweise entstellt benannte Wesen] Putanas.
3.45
devagrahāṃstathā caiva tarpayennāmapūrvakam |
eteṣāṃ caiva patnīnāṃ kumārāṇāṃ ca vai budhaḥ || 45 ||
Übersetzung: Auch den göttlichen Grahas bringe er unter Nennung ihrer Namen Wasserspenden dar; ebenso, verständig, ihren Gattinnen und Kindern.
3.46
tarpaṇādi paṭhenaiva tarpayedevamādarāt |
viṣṇubrahmendrarudrāṇāṃ saptavāraṃ tu tarpayet || 46 ||
Übersetzung: Mit der jeweiligen Darbringungsformel speise er sie auf diese Weise ehrerbietig. Vishnu, Brahma, Indra und Rudra bringe er siebenmal Wasser dar.
3.47
ādityāṃśca vasūṃścaiva yakṣān vai pañca tarpayet |
śeṣān vaiṇāṃ sarvadevānāṃ trivāraṃ caiva tarpayet || 47 ||
Übersetzung: Adityas, Vasus und Yakshas speise er fünfmal. Allen übrigen Göttern bringe er dreimal Wasser dar.
3.48
gandharvāṃśca trivāreṇa anyāṃścaityekadhā bhavet |
devapatnīrdevaputrān trivāraṃ tarpayedguha || 48 ||
Übersetzung: Den Gandharvas dreimal, den anderen einmal. O Guha, die Gattinnen und Kinder der Götter speise er dreimal mit Wasser.
3.49
devānāmupavītena ṛṣīṇāṃ karṇalambitam |
pitṝṇāṃ prācīnāvītī tarpayetsusamāhitaḥ || 49 ||
Übersetzung: Für die Götter trage er die heilige Schnur in der gewöhnlichen Lage; für die Seher lasse er sie herabhängen [die Vorlage nennt dabei das Ohr]; für die Ahnen trage er sie über der rechten Schulter. So vollziehe er gesammelt die Wasserspenden.
3.50
daivikena tu tīrthena daivatān tarpayedbudhaḥ |
ārṣeṇaiva tu tīrthena ṛṣīṇāṃ tarpayetpunaḥ || 50 ||
Übersetzung: Durch die den Göttern zugeordnete Stelle der Hand bringe der Verständige den Göttern Wasser dar, durch die den Sehern zugeordnete Stelle den Sehern.
3.51
paitṛkena tu tīrthena pitṝṇāṃ tarpayetpunaḥ |
kaniṣṭhikāṅgulimūle tu daivikaṃ tīrthamucyate || 51 ||
Übersetzung: Durch die Ahnenstelle bringe er den Ahnen Wasser dar. Die Wurzel des kleinen Fingers wird als Götterstelle bezeichnet.
3.52
agraistu ṛṣitīrthaṃ syāt paitṛkoṅguṣṭhamūlataḥ |
madhye karatalasyāpi śaivaṃ tīrthamudāhṛtam || 52 ||
Übersetzung: Die Fingerspitzen bilden die Seherstelle, die Daumenwurzel die Ahnenstelle. In der Mitte der Handfläche befindet sich die Shiva-Stelle.
3.53
vaiṣṇavaṃ tasya vāme tu dakṣiṇe brāhmamucyate |
tasya pūrve sūryatīrthaṃ paścime vāruṇaṃ bhavet || 53 ||
Übersetzung: Links von ihr liegt die Vishnu-Stelle, rechts die Brahma-Stelle; davor die Sonnenstelle, dahinter die Varuna-Stelle.
3.54
āgneyyāmagnitīrthaṃ tu nair-ṛtyāmāsuraṃ bhavet |
vāyavyāṃ pāvanaṃ tīrthaṃ aiśānyāṃ rudratīrthakam || 54 ||
Übersetzung: Im Südosten liegt die Agni-Stelle, im Südwesten die Asura-Stelle, im Nordwesten die Stelle des Windes und im Nordosten die Rudra-Stelle.
3.55
viprāṇāṃ dakṣiṇe haste tīrthādvādaśa kīrtitāḥ |
tasmātsarvaprayatnena brāhmaṇasya karāccyutam || 55 ||
Übersetzung: Zwölf heilige Stellen werden an der rechten Hand der Brahmanen genannt. Deshalb ist Wasser, das aus der Hand eines Brahmanen fließt,
3.56
toyaṃ gaṅgāsamaṃ vatsa sarvapāpakṣayaṃ bhavet |
manvagastyavasiṣṭhāśca gautamāṅgirasastathā || 56 ||
Übersetzung: mein Kind, dem Ganges gleich und vermag alle Verfehlungen zu tilgen. Manu, Agastya, Vasishtha, Gautama und Angiras,
3.57
viśvāmitrabharadvājāvatrirnārada eva ca |
paiṅgadīrghamato vyāsa śaunako māmato yadi || 57 ||
Übersetzung: Vishvamitra, Bharadvaja, Atri und Narada, Painga, Dirghamatas, Vyasa, Shaunaka und Mamata [einzelne Namenslesungen unsicher],
3.58
parāśa rāpastambau ca bodhāyanasumantuke |
śālikirjamadagniśca upamanyurvāmadevakaḥ || 58 ||
Übersetzung: Parashara, Apastamba, Bodhayana, Sumantu, Shaliki, Jamadagni, Upamanyu und Vamadeva:
3.59
trivāraṃ tarpayedetān anyān sarvānṛṣīnapi |
ārṣeṇaiva tu tīrthena ṛṣīn sarvāṃśca tarpayet || 59 ||
Übersetzung: Diesen und allen anderen Sehern bringe man dreimal Wasser dar. Alle Seher speise man durch die Seherstelle der Hand.
3.60
pitṛn pitāmahāṃścaiva prapitāmahasaṃjñikān |
mātāmaha mahīścaiva māturmātāmahīti ca || 60 ||
Übersetzung: Den Vätern, Großvätern und Urgroßvätern, den Großeltern mütterlicherseits und den Großeltern der Mutter,
3.61
mātāmahīti kāśceti tarpayetpaitṛkeṇa tu |
gururmātā pitā caiva tanmātā tatpitāpi ca || 61 ||
Übersetzung: [weiteren mütterlichen Vorfahren; die Aufzählung ist entstellt] bringe man durch die Ahnenstelle Wasser dar; ebenso dem Guru, Mutter und Vater sowie deren Müttern und Vätern,
3.62
mitra putra kalatrāṇi tarpayetpaitṛkeṇa tu |
kuśa puṣpākṣatenaiva devānāṃ tarpayedbudhaḥ || 62 ||
Übersetzung: Freunden, Kindern und Ehepartnern. Den Göttern bringe der Verständige Wasser mit Kusha-Gras, Blumen und ungebrochenen Körnern dar,
3.63
kuśaiḥ sarva ṛṣīṇāṃ tu pitṝṇāṃ ca tilena ca |
devānāṃ ca ṛṣīṇāṃ ca jalenaiva tu tarpayet || 63 ||
Übersetzung: allen Sehern mit Kusha-Gras und den Ahnen mit Sesam. Göttern und Sehern bringe man Wasser im Wasser stehend dar.
3.64
pitṝṇāṃ jalatīre tu nitye caiva yathāvidhi |
pretake kumbhato haste mukīśaktiṃ tilena ca || 64 ||
Übersetzung: Für die Ahnen vollziehe man die regelmäßige Darbringung nach Vorschrift am Ufer. Beim Ritus für einen Verstorbenen [folgt eine beschädigte Anweisung über Krug, Hand und Sesam].
3.65
tarpayitvā vidhānena ācamya ca vidhānataḥ |
adhyāyanaṃ tataḥ kṛtvā vaktrairvedādibhistathā || 65 ||
Übersetzung: Nachdem man die Wasserspenden und das Wasserschlürfen nach Vorschrift vollzogen hat, wende man sich dem Schriftstudium zu, mit den Gesichtsmantras und den Veden und weiteren Texten.
3.66
vyomavyāpi śivaṃ vastraṃ tryambakatvaritaṃ drutam |
athaikādaśa rudraṃ ca puruṣasūktaṃ japettataḥ || 66 ||
Übersetzung: Dann rezitiere man Vyomavyapin, Shiva, [unsichere Mantranamen, darunter „vastra“], Tryambaka, Tvarita, ferner die elf Rudras und das Purushasukta.
3.67
aruṇaṃ śivasaṃkalpaṃ japennityaṃ suyantritaḥ |
vāmadakṣiṇahaste tu tarjanyaṅguṣṭha hastake || 67 ||
Übersetzung: Aruna und Shivasankalpa rezitiere man täglich mit guter Selbstbeherrschung. An linker und rechter Hand, bei Zeigefinger und Daumen [beginnt eine unvollständige Handanweisung].
3.68
prāsādaṃ ca japet paścāt yāva * * samāhitaḥ |
snānavastraṃ prapīḍyaiva tīrthaṃ saṃhṛtya buddhimān || 68 ||
Übersetzung: Danach rezitiere man gesammelt das Prasada-Mantra, bis [Textlücke]. Der Verständige wringe sein Badegewand aus und ziehe die heilige Badestelle rituell zurück.
3.69
cakravatsūpacāreṇa sugandhāmalakādibhiḥ |
tailaṃ piṣṭaṃ ca gandhaṃ ca akṣavṛkṣasya cūrṇakam || 69 ||
Übersetzung: Mit einer kreisförmigen Behandlung [Wortlaut unsicher], mit wohlriechender Amalaka-Frucht und weiteren Stoffen, mit Öl, Paste, Duftstoffen und dem Pulver des Aksha-Baumes,
3.70
aṣṭamṛdbhiḥ samāyuktaṃ śaṅkhadundubhinisvanaiḥ |
snānaṃ kuryātprayatnena pūrvaṃ brāhma samācaret || 70 ||
Übersetzung: verbunden mit acht Arten Erde, bade man sorgfältig unter dem Klang von Muschelhorn und Trommeln. Zuvor vollziehe man das Brahma-Ritual.
3.71
snāne devārcane caiva samādhau ca jape tathā |
bhojane vaiśvakārye ca maunaṃ ṣaḍdhā vidhīyate || 71 ||
Übersetzung: Beim Baden, bei der Götterverehrung, im Samadhi, beim Japa, beim Essen und beim Vaishva-Ritus ist Schweigen vorgeschrieben: in diesen sechs Situationen.
3.72
evaṃ snātvā vidhānena sarvapāpakṣayo bhavet |
vighnānāṃ vividhānāṃ ca kṣipramuccāṭanaṃ bhavet || 72 ||
Übersetzung: Wer auf diese Weise nach Vorschrift badet, dessen sämtliche Verfehlungen werden getilgt; die verschiedenartigen Hindernisse werden rasch vertrieben.
3.73
saṃharecchaiva tīrthaṃ tu hṛdā tu hṛdaye nyaset |
gacchedāyatanaṃ mantrī puṣpa haste vicakṣaṇaḥ || 73 ||
Übersetzung: Man ziehe die heilige Shiva-Badestelle zurück und lege sie mit dem Herzmantra in das eigene Herz. Dann gehe der verständige Mantrapraktizierende mit Blumen in der Hand zum Heiligtum.
iti kālottare snānapaṭalastṛtīyaḥ || 3 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 3 über „Rituelles Bad“.
Kapitel 4 – Das Aschebad
4.1
īśvara uvāca-
bhasmasnānaṃ pravakṣyāmi sāṃprataṃ śṛṇu ṣaṇmukha |
kapilā gobhayaṃ śreṣṭhaṃ jarāgobhayameva || 1 ||
Übersetzung: Ishvara sprach: Nun werde ich das Aschebad erklären. Höre, o Sechsgesichtiger! Am besten ist der Dung einer rötlichbraunen Kuh; der Text nennt außerdem den Dung einer alten Kuh. [Die Wörter für Kuhdung sind entstellt.]
4.2
vastraṃ hṛdā tu saṃgṛhya śuṣkaṃ vai śirasā punaḥ |
śirāmantreṇa dagdhāvai sadyojātena grāhayet || 2 ||
Übersetzung: Man sammle ihn mit dem Herzmantra in einem Tuch und lasse ihn unter dem Kopfmantra trocknen. Mit dem Kopfmantra verbrenne man ihn und nehme die Asche mit Sadyojata auf.
4.3
alābupātre matimān bha* * * * * re tu vā kṣipet |
mṛtkumbhe vā nave sthāpya kavacenābhirakṣitam || 3 ||
Übersetzung: Der Verständige gebe sie in ein Kürbisgefäß oder in [Textlücke]; oder er bewahre sie in einem neuen Tongefäß, geschützt durch das Panzer-Mantra.
4.4
dakṣiṇena kareṇaiva vāmahaste tu vinyaset |
sarvamantraiḥ sakṛdvatsa abhimantrya sakṛtsakṛt || 4 ||
Übersetzung: Mit der rechten Hand lege er sie in die linke. Mein Kind, er bespreche sie mit sämtlichen Mantras, jedes jeweils einmal.
4.5
bhasmādhāre tu vā mantrī śaṅkhe vā tāmrapātrake |
śreṣṭhaṃ suvarṇapātraṃ tu rajataṃ madhyamaṃ bhavet || 5 ||
Übersetzung: Der Mantrapraktizierende bewahre sie in einem Aschebehälter, einer Muschel oder einem Kupfergefäß auf. Ein Goldgefäß ist am besten, ein Silbergefäß von mittlerem Rang.
4.6
kanyasaṃ tāmrapātraṃ tu alābhe mṛṇmayaṃ bhavet |
alābupātra madhamaṃ poṭṭalī cādhamādhamam || 6 ||
Übersetzung: Ein Kupfergefäß gilt als geringer; ist keines vorhanden, nehme man eines aus Ton. Ein Kürbisgefäß ist niedrig eingestuft, ein Stoffbeutel noch niedriger.
4.7
pañcabrahma vivāṅgaiśca vyomavyāpin japetsakṛt |
śira ūrdhvaṃ * * śena mukhaṃ tatpuruṣeṇa tu || 7 ||
Übersetzung: Die fünf Brahmamantras, Shivas Gliedmantras und Vyomavyapin rezitiere man einmal. Oben am Kopf trage man die Asche mit [Ishana; Text beschädigt] auf, am Gesicht mit Tatpurusha,
4.8
aghore hṛdayaṃ bāhu jaṭharaṃ nābhimeva ca |
pṛṣṭhe hyurasi vai vatsa bahurūpeṇa dhūlayet |
vāmadevena mantreṇa guhye'pāne ca bījayoḥ || 8 ||
Übersetzung: am Herzen, an den Armen, am Bauch und am Nabel mit Aghora. Rücken und Brust bestäube man, mein Kind, mit Bahurupa; mit dem Vamadeva-Mantra den Genitalbereich, die Ausscheidungsstelle und die Hoden,
4.9
arū ca jānunī caiva jaṅghe'sthi caughaṭī tathā |
pārśvayorubhayoścaiva pṛṣṭhayorubhayorapi || 9 ||
Übersetzung: ferner die Oberschenkel, beide Knie, Unterschenkel, Knochen beziehungsweise Knöchel [Lesung unsicher], beide Seiten und die beiden rückwärtigen Bereiche.
4.10
pādayorhastayoścaiva sadyojātena mantravit |
naiṣṭhikānāṃ ca viprāṇāṃ sarvāṅgasnānamācaret || 10 ||
Übersetzung: Füße und Hände bestreiche der Mantrakundige mit Sadyojata. Für die dauerhaft gelübdetreuen Brahmanen vollziehe man das Bad am ganzen Körper.
4.11
nṛpāṇāṃ caiva vaiśyānāṃ tripuṇḍraṃ kārayedbudhaḥ |
trisandhyaṃ bhasmanā snānaṃ tripuṇḍraṃ vā samācaret || 11 ||
Übersetzung: Bei Königen und Vaishyas bringe der Verständige das Tripundra an. Zu den drei Tagesübergängen vollziehe man das Aschebad oder trage die drei Aschelinien auf.
4.12
sarvapāpa viśuddhātmā śivena saha modate |
dvātriṃśat ṣoḍaśāṅge vā trisandhyāyāṃ tripuṇḍrakam || 12 ||
Übersetzung: So von allen Verfehlungen gereinigt, erfreut man sich gemeinsam mit Shiva. Zu den drei Tagesübergängen trage man das Tripundra an zweiunddreißig oder sechzehn Körperstellen auf.
4.13
sarvapāpakṣayaṃ caiva sarvavyādhi vināśanam |
mūrdhālalāṭakarṇau ca cakṣuṣī ghrāṇayorapi || 13 ||
Übersetzung: Es tilgt alle Verfehlungen und vernichtet alle Krankheiten. Die Stellen sind: Scheitel, Stirn, beide Ohren, beide Augen, beide Nasenseiten,
4.14
āsyagrīve ca skandhau ca bāhubhyāṃ kūrparau tathā |
maṇibandhau ca hṛnnābhi meḍhrapāyū tathaiva ca || 14 ||
Übersetzung: Mund, Hals, beide Schultern, Arme, Ellenbogen und Handgelenke, Herz, Nabel, Glied und After,
4.15
ūrū ca jānunī caiva jaṅghayosthikayorapi |
pādayostatpṛṣṭhau ca tripuṇḍraṃ dvātriṃśaducyate || 15 ||
Übersetzung: beide Oberschenkel, Knie, Unterschenkel und Knöchel, die Füße und ihre Rückseiten. So werden die zweiunddreißig Stellen des Tripundra genannt. [Die Zählung der überlieferten Aufzählung ist nicht eindeutig.]
4.16
vakṣyāmi ṣoḍaśaṃ sthānaṃ samāsācchṛṇu ṣaṇmukha |
lalāṭa grīve skandhau ca bāhukūrparayugmayoḥ || 16 ||
Übersetzung: Nun werde ich kurz die sechzehn Stellen nennen. Höre, o Sechsgesichtiger: Stirn, Hals, Schultern, beide Arme und Ellenbogen,
4.17
hṛdaye jaṭhare caivaṃ nābhau pārśve ca pṛṣṭhake |
tripuṇḍraṃ ṣoḍaśasthāne kārayedvai śivā * * *mī || 17 ||
Übersetzung: Herz, Bauch, Nabel, Seiten und Rücken. An sechzehn Stellen bringe der Shiva-[Verehrer; Wortende fehlt] das Tripundra an.
4.18
dvātriṃśatpūrvasthānaṃ ca pādāṅgulī karāṅgulī |
dvātriṃśasthāne tripuṇḍraṃ ṣaṭtriṃśattatva devatā || 18 ||
Übersetzung: Die zweiunddreißig zuvor genannten Stellen sowie Zehen und Finger: Bei dem Tripundra an zweiunddreißig Stellen sind die Gottheiten der sechsunddreißig Tattvas [zu vergegenwärtigen]. [Die Zahlenzuordnung ist im Text nicht schlüssig.]
4.19
ṣoḍaśasthāne tripuṇḍraṃ kuryāt ṣoḍaśa devatā |
śivaḥ sadāśivaścaiva maheśo brahmapañcakam || 19 ||
Übersetzung: Bei dem Tripundra an sechzehn Stellen vergegenwärtige man sechzehn Gottheiten: Shiva, Sadashiva, Mahesha, die fünf Brahmas
4.20
vidyeśvarāśca vai vatsa ṣoḍaśasyādhidevatāḥ |
aṣṭasthāne ca vakṣyāmi tripuṇḍraṃ daivataṃ tathā || 20 ||
Übersetzung: und die Vidyeshvaras, mein Kind; sie sind die vorstehenden Gottheiten der sechzehn Stellen. Nun werde ich das Tripundra an acht Stellen und die zugehörigen Gottheiten erklären.
4.21
śiraḥ sthāne svayaṃ brahmā lalāṭe skanda eva ca |
kaṇṭhe vināyakaḥ prīto bāhvorvai viṣṇureva ca || 21 ||
Übersetzung: Am Kopf befindet sich Brahma selbst, an der Stirn Skanda, am Hals erfreut sich Vinayaka, an den beiden Armen Vishnu.
4.22
hṛdaye caiśvaraḥ prīto nābhau caiva vasundharā |
pṛṣṭhe'pi pitaraḥ prītāḥ tripuṇḍre'ṣṭau prakīrtitāḥ || 22 ||
Übersetzung: Am Herzen erfreut sich Ishvara, am Nabel Vasundhara, die Erde; am Rücken erfreuen sich die Ahnen. So werden die acht Stellen des Tripundra genannt.
4.23
ṣaḍaṅgulaṃ tu vistāro brāhmaṇānāṃ vidhīyate |
caturaṅgula vistāraṃ kṣatriyāṇāṃ tripuṇḍrakam || 23 ||
Übersetzung: Für Brahmanen ist eine Breite von sechs Fingermaßen vorgeschrieben; für Kshatriyas soll das Tripundra vier Fingermaße breit sein.
4.24
tryaṅgulaṃ vaiśyajātīnāṃ tripuṇḍraṃ sarvakāmadam |
ekāṅgulaṃ tu śūdrāṇāṃ strīṇāṃ caiva viśeṣataḥ || 24 ||
Übersetzung: Für Menschen aus dem Vaishya-Stand ist das alle Wünsche gewährende Tripundra drei Fingermaße breit; für Shudras und insbesondere für Frauen ein Fingermaß.
4.25
tattajjātīyajaṃ strīṇāṃ tattadeva vidhīyate |
madhyamānāmikābhyāṃ ca tarjanyā ca tripuṇḍrakam || 25 ||
Übersetzung: Für Frauen der jeweiligen sozialen Gruppe wird jedoch auch deren entsprechendes Maß vorgeschrieben. Das Tripundra bringe man mit Mittel-, Ring- und Zeigefinger an. [Die Regel für Frauen steht in Spannung zur vorigen Angabe.]
4.26
deśikānāṃ tu sarveṣāṃ kiñcitsaṃpūrṇacandravat |
nṛpāṇāṃ bālacandrastu rekhāmātraṃ viśeṣataḥ || 26 ||
Übersetzung: Bei allen Lehrern sei es annähernd wie ein Vollmond; bei Königen wie die junge Mondsichel, besonders als bloße Linie.
4.27
śūdrāṇāṃ spṛṣṭamātraṃ tu tripuṇḍrasya tu lakṣaṇam |
aṅgulītritaye tāladehe kurvīta buddhimān || 27 ||
Übersetzung: Für Shudras wird als Merkmal des Tripundra eine bloße Berührung genannt. Mit den drei Fingern führe der Verständige es an Handfläche und Körper aus. [Die örtliche Angabe ist unsicher.]
4.28
lakṣmīnāmnā suvikhyātaṃ tattripuṇḍraṃ ṣaḍānana |
samayī putrakaścaiva sādhakācārya eva ca || 28 ||
Übersetzung: O Sechsgesichtiger, jenes Tripundra ist unter dem Namen Lakshmi bekannt. Samayin, Putraka, Sadhaka und Acharya:
4.29
tripuṇḍraka vidhānena sarvarakṣā vidhīyate |
duḥsvapnaṃdarśane caiva durjanasparśane'pi ca || 29 ||
Übersetzung: Für sie alle wird durch das regelgerechte Tripundra umfassender Schutz geschaffen. Beim Erblicken eines schlechten Traumes und auch nach Berührung eines schlechten Menschen,
4.30
snānānna śakyaṃ puruṣāṇāmāturāṇāṃ ca sarvathā |
bhasmasnānena śuddhiḥ syādarcane yogyatāpi ca || 30 ||
Übersetzung: wenn Menschen nicht baden können, insbesondere Kranke, entsteht durch das Aschebad Reinheit und damit auch die Befähigung zur Verehrung.
4.31
āgneyaṃ vāruṇaṃ caiva vāyavyaṃ mantrameva ca |
śivaṃ pañcavidhaṃ snānaṃ pravadanti manīṣiṇaḥ || 31 ||
Übersetzung: Die Weisen nennen fünf Arten des Bades: das feurige, das wässrige, das windartige, das Mantrabad und das Shiva-Bad.
4.32
āgneyaṃ bhasmanā snānaṃ avagāhaṃ tu vāruṇam |
āpo hiṣṭheti mantraṃ syāt vāyavyaṃ gorajo bhavet || 32 ||
Übersetzung: Das feurige Bad geschieht mit Asche, das wässrige durch Untertauchen, das Mantrabad mit der Formel „āpo hi ṣṭhā“, das windartige durch den von Kühen aufgewirbelten Staub.
4.33
yattu sāta?pavarṣaṃ syāt śivatīrthamudāhṛtam |
teṣu sarveṣu vaivatsa śaivamāgneyamuttamam || 33 ||
Übersetzung: Der Regen bei Sonnenschein wird als Shiva-Badestelle bezeichnet. [Die entsprechende Lesung ist in der Vorlage mit Fragezeichen versehen.] Unter all diesen, mein Kind, sind das Shiva-Bad und das Feuerbad die vorzüglichsten.
4.34
devāśca ṛṣayaścaiva yakṣagandharvakinnarāḥ |
marudgaṇāḥ pitṛgaṇāḥ sarvāmātṛgaṇā api || 34 ||
Übersetzung: Götter und Seher, Yakshas, Gandharvas und Kinnaras, die Scharen der Maruts, der Ahnen und aller Mütter
4.35
nityaṃ sarvaprayatnena bhasmasnānaṃ pracasire |
rakṣārthaṃ maṅgalārthaṃ ca pavitrārthaṃ ṣaḍānana || 35 ||
Übersetzung: vollziehen beständig mit großer Sorgfalt das Aschebad: zum Schutz, zum Segen und zur Reinigung, o Sechsgesichtiger.
4.36
bhavanānāṃ liṅgināṃ caiva bhasmadattaṃ purāmayā |
bhojane tuṣakeśaṃ ca virāṅgāranasvānyapi || 36 ||
Übersetzung: Für Gebäude und die Träger der religiösen Kennzeichen wurde die Asche einst von mir gegeben. Wenn beim Essen Spelzen, Haare und [weitere entstellt genannte Verunreinigungen, darunter glühende Kohlen] vorkommen,
4.37
sarīsṛpāṇi sarvāṇi anye makṣikamatkuṇāḥ |
sūkā bhramaradāśāśca kṣopācchudhyanti bhasmanām || 37 ||
Übersetzung: oder kriechende Tiere, Fliegen, Wanzen, Würmer, Bienen und Stechfliegen, soll das Bestreuen mit Asche reinigen.
4.38
dadhikṣīraghṛtaṃ caiva taila madhu gulaṃ tathā |
nālikeraṃ ca salilamudakaṃ copadaśakam || 38 ||
Übersetzung: Sauermilch, Milch, geklärte Butter, Öl, Honig und Rohrzucker, Kokosnuss beziehungsweise Kokoswasser, Wasser und weitere Speisezusätze,
4.39
keśābhidiśca duṣṭaṃ hi ābhane'nantayaṃ ca yat |
tāvanmā samuddhṛtya bhasmakṣepeṇa śuddhyati || 39 ||
Übersetzung: wenn sie durch Haare oder Ähnliches verunreinigt sind [beschädigter Satzteil]: Man entferne die betreffende Menge; durch das Einstreuen von Asche werde das Übrige gereinigt.
4.40
caturvarṇe hi sarva hi strīpuruṣaṃ napuṃsakam |
trikālaṃ vā dvikālaṃ vā ekakālaṃ tripuṇḍrakam || 40 ||
Übersetzung: In allen vier sozialen Ständen, ob Frau, Mann oder eine Person außerhalb dieser beiden Geschlechtskategorien, trage man das Tripundra dreimal, zweimal oder einmal am Tag.
4.41
sarvarakṣā ca vai vatsa śivalokaṃ ca gacchati |
devarakṣaḥ piśācāśca asurā yā tu dhānakāḥ || 41 ||
Übersetzung: Dadurch, mein Kind, besteht umfassender Schutz, und man gelangt in Shivas Welt. Göttliche und dämonische Wesen, Pishachas, Asuras und Yatudhanas,
4.42
kumāra grahāśca bhūtāśca kūśmāṇḍā ḍāginī tathā |
brahmarākṣasa ucchiṣṭāḥ pūtanākuṣṭhagulmakāḥ || 42 ||
Übersetzung: Kinder bedrängende Grahas, Bhutas, Kushmandas und Dakinis, Brahmarakshasas, Ucchishtas und Putanas, Aussatz und Geschwülste,
4.43
bhagantarāṇi sarvāṇi aśītivati rogajāḥ |
catuṣṣaṣṭi pittarogāḥ śleṣmaṣaṭpratipañcakaḥ || 43 ||
Übersetzung: alle Fisteln, achtzig aus Vata hervorgehende Krankheiten, vierundsechzig Pitta-Krankheiten und [eine entstellte Zahlenangabe zu] Schleimkrankheiten,
4.44
alī sarvābhayaṃ yacca bhasmasnānena śuddhyati |
bhāsakatvānmanuṣyāṇāṃ bhāsakatvācchubhasya ca || 44 ||
Übersetzung: [ein unklarer Ausdruck] und jede Furcht werden durch das Aschebad gereinigt. Weil die Asche die Menschen und das Heilvolle zum Leuchten bringt,
4.45
bhakṣaṇātsarvapāpānāṃ bhasmeti parikīrtitam |
pūrvāhne bhojane caiva svapne'pi gamane'pi ca || 45 ||
Übersetzung: und weil sie alle Verfehlungen verzehrt, wird sie „Bhasma“ genannt. Am Vormittag, beim Essen, beim Schlafen und auch beim Gehen
4.46
bhasmanā ca tripuṇḍraṃ syāt sarvarakṣā vidhīyate |
abhayaṃ brahmaviṣṇubhyāṃ * * * * * * * * || 46 ||
Übersetzung: trage man das Tripundra aus Asche; dadurch wird umfassender Schutz gewährt. Furchtlosigkeit durch Brahma und Vishnu [Textlücke].
Unnummerierte Passage: bhasmaṃ ca dhāraṇaṃ kṛtvā sarvayatnāt kṛtaṃ guha |
Übersetzung: O Guha, das Tragen der Asche soll mit aller Sorgfalt vollzogen werden. [Der Schlusshalbvers ist grammatisch unregelmäßig.]
iti kālottare bhasmasnānapaṭalaścaturthaḥ || 4 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 4 über „Das Aschebad“.
Kapitel 5 – Blumen und Duftstoffe
5.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
puṣpāṇāṃ caiva sarveṣāṃ samāsena śṛṇutviha |
avarjyavarjyapuṣpāṇāṃ phalānāṃ ca graha śṛṇu || 1 ||
Übersetzung: Heil und Segen! Ishvara sprach: Höre hier die kurze Erklärung sämtlicher Blumen. Höre, welche Blumen zulässig und welche zu meiden sind und welche Früchte daraus erwachsen. [Die Anrede ist entstellt.]
5.2
arkapuṣpa sahasrebhyo karavīraṃ viśiṣyate |
bilvapatraṃ sahasrebhyo patramekaṃ viśiṣyate || 2 ||
Übersetzung: Eine Oleanderblüte übertrifft tausend Arka-Blüten. Ein einziges Bilva-Blatt übertrifft tausend [Blüten; die Vergleichsangabe ist verkürzt].
5.3
atha patrasahasrebhyo puṇḍarīkaṃ viśiṣyate |
puṇḍarīkasahasrebhyo śatapatraṃ viśiṣyate || 3 ||
Übersetzung: Ein weißer Lotus übertrifft tausend Blätter. Ein hundertblättriger Lotus übertrifft tausend weiße Lotusse.
5.4
śatapatrasahasrebhyoḥ sahasrapatraṃ viśiṣyate |
sahasrapatra viśeṣebhyo apāmārgaṃ viśiṣyate || 4 ||
Übersetzung: Ein tausendblättriger Lotus übertrifft tausend hundertblättrige. Apamarga übertrifft die hervorragenden tausendblättrigen Lotusse.
5.5
apāmārga viśeṣebhyaḥ kuśamekaṃ viśiṣyate |
kuśapuṣpa sahasrebhyaḥ śamīpuṣpaṃ viśiṣyate || 5 ||
Übersetzung: Ein einziges Kusha-Gras übertrifft die hervorragenden Apamarga-Pflanzen. Eine Shami-Blüte übertrifft tausend Kusha-Blüten.
5.6
śamīpuṣpa sahasrebhyo vyāghātaṃ tu viśiṣyate |
vyāghātaka sahasrebhyo bakapuṣpaṃ viśiṣyate || 6 ||
Übersetzung: Eine Vyaghata-Blüte übertrifft tausend Shami-Blüten. Eine Baka-Blüte übertrifft tausend Vyaghataka-Blüten.
5.7
bakapuṣpasahasrebhyo ekaṃ dhurdhūrakaṃ param |
dhurdhūrakasahasrebhyo droṇapuṣpaṃ viśiṣyate || 7 ||
Übersetzung: Eine einzige Dhurdhura-Blüte übertrifft tausend Baka-Blüten. Eine Drona-Blüte übertrifft tausend Dhurdhura-Blüten.
5.8
droṇapuṣpa sahasrebhyaḥ sadābhadraṃ viśiṣyate |
sadābhadrasahasrebhyo kṛṣṇānirguṇḍikā parā || 8 ||
Übersetzung: Eine Sadabhadra-Blüte übertrifft tausend Drona-Blüten. Dunkle Nirgundi übertrifft tausend Sadabhadra-Blüten.
5.9
kṛṣṇakuṇḍi sahasrebhyo bṛhatpuṣpaṃ viśiṣyate |
bṛhatpuṣpasahasrebhyaḥ śvetārkaṃ ca viśiṣyate || 9 ||
Übersetzung: Eine Brihat-Blüte übertrifft tausend Krishnakundi-Blüten. Weißer Arka übertrifft tausend Brihat-Blüten. [Die Pflanzenbezeichnung am Anfang weicht von der vorigen ab.]
5.10
śvetākāṇāṃ sahasrebhyaḥ bṛhaddroṇaṃ viśiṣyate |
bṛhaddroṇa sahasrebhyo śrīmannīlotpalaṃ param || 10 ||
Übersetzung: Brihaddrona übertrifft tausend weiße Arka-Blüten. Der herrliche blaue Lotus übertrifft tausend Brihaddrona-Blüten.
5.11
svarṇapuṣpasahasraṃ tu nīlotpalasamaṃ bhavet |
nīlotpalaṃ hemapuṣpaṃ nirmālyaṃ vatsarādbahvet || 11 ||
Übersetzung: Tausend goldene Blumen kommen einem blauen Lotus gleich. Blauer Lotus und goldene Blume werden nach einem Jahr zu Nirmalya, einer abgelegten Opfergabe. [Die Zeitangabe ist so überliefert.]
5.12
prakṣālyaṃ pañcagavyena punaḥ pūjāṃ samārabhet |
mallikājātipuṣpaṃ ca durdhūraka samaṃ bhavet || 12 ||
Übersetzung: Nach Reinigung mit Panchagavya beginne man die Verehrung erneut. Mallika- und Jati-Blüten gelten einer Dhurdhura-Blüte gleich.
5.13
campakaṃ nāgadantī ca bilva bilvapatraṃ samaṃ bhavet |
mālatī kovidāraṃ ca karajīra samaṃ bhavet || 13 ||
Übersetzung: Champaka und Nagadanti gelten Bilva beziehungsweise einem Bilva-Blatt gleich; Malati und Kovidara gelten Karajira gleich. [Die letzte Pflanzenbezeichnung ist unsicher.]
5.14
vakulaṃ pāṭalī caiva padmapuṣpasamaṃ bhavet |
aśokaṃ śvetamandāraṃ vyāghātaka samaṃ bhavet || 14 ||
Übersetzung: Bakula und Patali gelten einer Lotusblüte gleich. Ashoka und weißer Mandara gelten Vyaghataka gleich.
5.15
raktotpalaṃ śvetakumudaṃ apāmārga samaṃ bhavet |
japā kadambapunnāgaṃ droṇapuṣpa samaṃ bhavet || 15 ||
Übersetzung: Roter Lotus und weißer Kumuda gelten Apamarga gleich. Hibiskus, Kadamba und Punnaga gelten einer Drona-Blüte gleich.
5.16
madana dvīpavaṃ caiva bṛhatpuṣpa samaṃ bhavet |
lakṣmī ca sahadevī ca bilvapatra samaṃ bhavet || 16 ||
Übersetzung: Madana und Dvipava gelten einer Brihat-Blüte gleich. Lakshmi und Sahadevi gelten einem Bilva-Blatt gleich. [Dvipava ist nicht sicher bestimmbar.]
5.17
viṣṇukrānti nṛpaṃ caiva arkapuṣpa samaṃ bhavet |
cibukā gūḍhapuṣpaṃ ca padmapuṣpasamaṃ bhavet || 17 ||
Übersetzung: Vishnukranti und Nripa gelten einer Arka-Blüte gleich. Chibuka und Gudhapushpa gelten einer Lotusblüte gleich. [Einzelne Pflanzennamen sind unsicher.]
5.18
tulasīṃ candravallī ca arkapuṣpa samaṃ bhavet |
nīlanīrada puṣpaṃ ca kalhāraṃ kuṭilaṃ bhavet || 18 ||
Übersetzung: Tulasi und Chandravalli gelten einer Arka-Blüte gleich. Die Blüte Nilanirada, Kalhara und Kutila [unvollständige Zuordnung].
5.19
vejikā cotpalaṃ caiva apāmārga samaṃ bhavet |
palāśamusalīpuṣpaṃ droṇapuṣpa samaṃ bhavet || 19 ||
Übersetzung: Vejika und Utpala gelten Apamarga gleich. Palasha- und Musali-Blüten gelten einer Drona-Blüte gleich.
5.20
ādhikā atasīpuṣpaṃ bakapuṣpa samaṃ bhavet |
mayūraśaṅkhapuṣpaṃ ca sūryāvartaṃ ca nāgakam || 20 ||
Übersetzung: Adhika- und Atasi-Blüten gelten einer Baka-Blüte gleich. Mayura, Shankhapushpa, Suryavarta und Nagaka
5.21
dhurdhūrakasamaṃ jñeyaṃ siṃhakesaripālakam |
kaṃsakaṃ kṛṣṇatulasī pra * * * * * * * || 21 ||
Übersetzung: soll man Dhurdhura gleichsetzen; ebenso Simhakesaripalaka. Kamsaka, dunkle Tulasi und [Textlücke].
5.22
- * puṣpa samaṃ jñeyaṃ ekapuṇyaṃ praśasyate |
dhurdhūrakasamājñeyā mahābhadrātṛṇāvapi || 22 ||
Übersetzung: [Textlücke] sollen einer solchen Blüte gleichgesetzt werden; die gleiche verdienstvolle Wirkung wird gepriesen. Mahabhadra und Trina gelten ebenfalls Dhurdhura gleich.
5.23
vajraṃ ca padmarāgaṃ ca marakataṃ mauktikāni ca |
indranīlaṃ mahānīlaṃ sūryakāntendutārakam || 23 ||
Übersetzung: Diamant, Rubin, Smaragd und Perlen, Indranila und Mahanila, Sonnenstein, Mondstein und Taraka:
5.24
nīlotpala samaṃ jñeyaṃ sarvaratnāni caiva hi |
yavagodhūmanīvāra śālīvaiṇavakāni ca || 24 ||
Übersetzung: Alle diese Edelsteine gelten einem blauen Lotus gleich. Gerste, Weizen, Wildreis, Kulturreis und Bambussamen,
5.25
tilamudgaṃ śimbaniṣpāvamamāṣa śyāmameva ca |
bījānyekādaśaitāni pācayitvā tu buddhimān || 25 ||
Übersetzung: Sesam, Mungbohnen, Shimbanishpava, Masha und Shyama: Diese elf Samenarten bereite der Verständige vor. [Die Worttrennung der Hülsenfrüchte und damit die Aufzählung sind unsicher.]
5.26
saptaraṅgamatītyaiva aṅkurāṇi ca pūjayet |
vyāghāta puṣpasadṛśānyaṅkurāṇi pṛthakpṛthak || 26 ||
Übersetzung: Nach Ablauf von „sieben Ranga“ [Zeit- oder Flächenangabe unklar] verehre er mit den Sprossen. Jede einzelne Sprosse gilt einer Vyaghata-Blüte gleich.
5.27
śveta girī karṇikī caiva nandyāvartaṃ ca pūjakam |
kadalīkusumaṃ caiva śāribākusumāni ca || 27 ||
Übersetzung: Weiße Girikarnika, Nandyavarta, Pujaka, Bananenblüte und Shariba-Blüten,
5.28
kadambārjunasindhūra kusumākusumāni ca |
karavīra samājñeyā madhūkaṃ cūtameva ca || 28 ||
Übersetzung: Kadamba-, Arjuna- und Sindhura-Blüten sowie weitere [unregelmäßig bezeichnete] Blüten, Madhuka und Mango: Sie gelten Oleander gleich.
5.29
aṣṭapuṣpāṇi vajrāṇi śivasya paramātmanaḥ |
ketakī mādhavī kundaṃ yūthikā madayantikā || 29 ||
Übersetzung: Acht Blumen sind bei Shiva, dem höchsten Selbst, zu meiden: Ketaki, Madhavi, Kunda, Yuthika, Madayantika,
5.30
śirīṣa sarjabandhūkaṃ aṣṭapuṣpaṃ ca varjayet |
kiṃśukā haritaṃ caiva nīlakarṇikameva ca || 30 ||
Übersetzung: Shirisha, Sarja und Bandhuka; diese acht Blumen lasse man weg. Ebenso Kimshuka, Harita und Nilakarnika,
5.31
talapoṭapuṣpāṇi * piśāca kusumāni ca |
śignuṃ ca * * nyagrodhamatsyākṣau ca vivarjayet || 31 ||
Übersetzung: Talapota-Blüten, [Textlücke] Pishacha-Blüten, Shigru, [Textlücke], Nyagrodha und Matsyaksha vermeide man.
5.32
visṛjyaitāni puṣpāṇi mahāviṣṇuṃ ca pūjayet |
talapoṭaka puṣpāṇi koṭapi pūjayedguha || 32 ||
Übersetzung: Nachdem man diese Blumen beiseitegelegt hat, verehre man Mahavishnu. Mit Talapotaka-Blüten verehre man „Kotapi“, o Guha. [Die Gottheitsbezeichnung ist unklar.]
5.33
kṛṣṇāni ca sapuṣpāṇi māhiṣākṣī ca puṣpikāḥ |
siṃśu mārakapuṣpāṇi umādevīṃ ca pūjayet || 33 ||
Übersetzung: Mit dunklen Blüten, Mahishakshi-Blüten und Shimshumaraka-Blüten verehre man die Göttin Uma.
5.34
palāśapuṣpaṃ brahmāṇaṃ tulasīpuṣpakeśavam |
indravallī kanakapuṣpamindraprītikaraṃ mahat || 34 ||
Übersetzung: Mit Palasha-Blüten verehre man Brahma, mit Tulasi-Blüten Keshava. Indravalli und Kanaka-Blüten erfreuen Indra sehr.
5.35
śvetāni sarvapuṣpāṇi pūjayecchivamādarāt |
pūjayetketakī puṣpairaraṇyamālatī tathā || 35 ||
Übersetzung: Mit sämtlichen weißen Blumen verehre man Shiva ehrerbietig. Man verehre ihn mit Ketaki-Blüten und ebenso mit wildem Malati. [Die Zulassung von Ketaki widerspricht Nr. 29.]
5.36
arcayet sarvaratnāni puṣpāṇi ca samāhitaḥ |
varjayet kiṃśukaṃ vatsa prayatnena tu sādhakaḥ || 36 ||
Übersetzung: Mit allen Edelsteinen und Blumen verehre man gesammelt. Kimshuka jedoch soll der Sadhaka, mein Kind, sorgfältig meiden.
5.37
arcayet sarvaratnāni talapoṭaka varjanam |
arcayet kṛṣṇapuṣpāṇi piśācagirikarṇakaḥ || 37 ||
Übersetzung: Mit sämtlichen Edelsteinen verehre man, unter Ausschluss von Talapotaka. Mit dunklen Blumen verehre man Pishacha und Girikarnaka. [Die Zuordnung von Opfergabe und Empfänger ist unsicher.]
5.38
arcayet sarvaśyāmāni amitāni ca varjayet |
haritāni ca puṣpāṇi arcayet sarvameva ca || 38 ||
Übersetzung: Mit allen dunklen Blüten verehre man; die „unermesslichen“ lasse man weg. Auch mit allen grünen Blumen verehre man. [Die Einschränkung ist sprachlich nicht zuverlässig verständlich.]
5.39
tīvrajyānmākapuṣpāṇi varjayettau prayatnataḥ |
candanaṃ kuṅkumaṃ caiva khaḍgaṃ patraṃ phalaṃ tathā || 39 ||
Übersetzung: Tivra- und Jyanmaka-Blüten soll man sorgfältig meiden. Sandelholz, Safran, Khadga, Blätter und Früchte,
5.40
bilvīphalamuśīraṃ ca gandhaṃ prītikaraṃ mahat |
turuṣkaṃ ca ghanaṃ celaṃ vanalohaṃ tu cāṅganā || 40 ||
Übersetzung: Bilva-Frucht und Ushira ergeben höchst erfreuende Duftstoffe; ebenso Turushka, Ghana, Chela, Vanaloha und Angana.
5.41
gandhāḥ prītikarā hyete dhūpā daśaguṇaṃ bhavet |
abalaṃ caṇḍī śaṅkhaṃ ca kuṅkumaṃ gurameva ca || 41 ||
Übersetzung: Diese Duftstoffe sind erfreuend; als Räucherwerk ist ihre Wirkung zehnfach. Abala, Chandi, Shankha, Safran und Gura
5.42
śivaprītikaraṃ gandhaṃ dhūpaṃ daśaguṇaṃ phalam |
kuṣṭhaṃ mīsasamoraṃ ca māṃsusākalameva ca || 42 ||
Übersetzung: sind Duftstoffe, die Shiva erfreuen; als Räucherwerk tragen sie zehnfache Frucht. Kushtha, Misasamora und Mamsusakala
5.43
śivaprītikaraṃ gandhaṃ dhūpaṃ daśaguṇaṃ bhavet |
madhvaśarkaragaṃ khaṃ ca kunduruṣkaṃ caturguṇam || 43 ||
Übersetzung: sind Duftstoffe, die Shiva erfreuen; als Räucherwerk ist ihre Wirkung zehnfach. Honig, Zucker, Kha und Kundurushka in vierfacher Menge [die Mischungsanweisung ist unsicher].
5.44
evamanyeṣu gandheṣu śivaprītikaraṃ mahat |
ekadvitricaturthāni khagacandanavāyasaiḥ || 44 ||
Übersetzung: Ebenso erfreuen weitere Duftstoffe Shiva sehr. Man nehme ein, zwei, drei und vier Teile von Khaga, Sandelholz, Vayasa [die Aufzählung ist unvollständig].
5.45
turuṣka saṃmitaṃ vatsa kṛṇeparivardhitam |
śītāni dhūpamevaṃ tu madhunā ca pariplutam || 45 ||
Übersetzung: Mein Kind, entsprechend Turushka und zunehmend [entstellte Verhältnisangabe], bereite man so ein kühlendes Räucherwerk, mit Honig getränkt.
5.46
śaṅkharohaturuṣkaṃ vā prasthadvayaṃ caturguṇam |
mulaṃ tvaṣṭaguṇaṃ devaṃ dhūpaṃ rudreṇa nirmitam || 46 ||
Übersetzung: Shankha, Roha und Turushka: zwei Prastha und das Vierfache; die Wurzel in achtfacher Menge, o Gott. Dieses Räucherwerk wurde von Rudra bereitet. [Die Mengen lassen sich den Zutaten nicht sicher zuordnen.]
5.47
nāsikā cūtapatrasya priyaṅgu ghanameva ca |
gulasajjaraso dhūpaṃ kalabhaṃ śaṅkarapriyam || 47 ||
Übersetzung: Nasika, Mangoblatt, Priyangu und Ghana, Rohrzucker und Sarja-Harz ergeben das Kalabha-Räucherwerk, das Shankara liebt.
5.48
maramāṃsī caturthaṃ tu pūtikeśaṃ tu tatsamam |
na tu sajjaraso dhūpaṃ gandhaṃ rūdreṇa nirmitam || 48 ||
Übersetzung: Maramamsi zu einem Viertel, Putikesha in gleicher Menge; jedoch kein Sarja-Harz als Räucherstoff [Wortverbindung unsicher]: Dieser Duft wurde von Rudra bereitet.
5.49
pūtikeśaṃ marāmāṃsi ekaṃ dvitrikamāśritā |
dhūpitā gulasarpiṣyā gandhaṃ syācchivanirmitam || 49 ||
Übersetzung: Putikesha und Maramamsi in einem, zwei und drei Teilen [Zuordnung unvollständig], mit Rohrzucker und geklärter Butter verräuchert, ergeben einen von Shiva bereiteten Duft.
5.50
phalatrayaṃ candana kuṅkumaṃ tu
turuṣkacaṇḍī ghanaśaṅkhakambalam |
rasārthagrāhaṃ na bhasmapādikaṃ
vilepanaṃ śambhuvinirmitaṃ param || 50 ||
Übersetzung: Die drei Früchte, Sandelholz und Safran, Turushka, Chandi, Ghana, Shankha und Kambala: [Es folgt eine beschädigte Mengenangabe mit „Saft“, „Hälfte“ und „Viertel“.] Dies ist die vorzügliche, von Shambhu bereitete Salbe.
5.51
vāpivāruṇavakurāṅgikaṃ?
hīnacandanaśaṅkhalatāmbujam |
kāmī gulāgaru vānaradhūpitaṃ
śivamataṃ varagandhamahāvaham || 51 ||
Übersetzung: Vapi, Varuna und Vakurangika [bereits in der Vorlage fraglich], ohne Sandelholz, Shankha, Lata und Lotus; mit Kami, Rohrzucker, Agaru und Vanara beduftet: Nach Shivas Auffassung bringt dies besonders edlen Duft hervor. [Die Rezeptur ist nicht zuverlässig rekonstruierbar.]
5.52
ghanaghanodbhava kaṅkuvarāṅgikaṃ
jalajalodbhava śailatamālajam |
bhramara cumbitamuttamagandhakam || 52 ||
Übersetzung: Ghana und aus Ghana Entstandenes, Kanku und Varangika, Wasser und aus Wasser Entstandenes, aus Berg und Tamala Gewonnenes: der vorzügliche, von Bienen geküsste Duft. [Die Zusammensetzung ist sprachlich beschädigt.]
5.53
varaṇḍakuṭṭamaṣṭakalaśaṃ dvādaśapatraṃ dvirelameka maṃ * * * |
ādityakiraṇa tailatapta campakatailaṃ tu śivakāntam || 53 ||
Übersetzung: Varanda, Kutta, acht Kalasha, zwölf Blätter, zweimal Ela und ein [Textlücke]: Das durch Sonnenstrahlen erwärmte Champaka-Öl ist Shiva lieb. [Zutaten und Maße sind nicht sicher zuzuordnen.]
5, Textblock bis 56
ikṣurasa pravirapākavipakvaṃ sajjapurāgarucandanadhūpam |
na vāpya na * * * tva ca romavimiśraṃ vāsamidaṃ kuru pūkaphalānām lavaṅga karpūraphalatrayaṃ ta-
sthāmaṃ hi cūrṇaṃ madhuśarkarānvitam |
śubhapradaṃ pāpaharaṃ śivapriyaṃ niṣejyamāṇaṃ mukhavāsamuttamam candanakunduruśaṅkhakapitā karpūrājāgayutānāma devaparam |
śivanirmitametadeva gṛhaṃ hi sudhūpamidaṃ tat || 56 ||
Übersetzung: Mit stark eingekochtem Zuckerrohrsaft, Sarja, Pura, Agaru und Sandelholz bereite man einen Duft; nicht [Textlücke], mit Rinde und Haaren vermischt [Satzanschluss beschädigt]. Bereite diese Beduftung für Areka-Früchte. Gewürznelke, Kampfer und die drei Früchte, zu Pulver verarbeitet und mit Honig und Zucker verbunden, ergeben einen vorzüglichen Mundduft, der Heil bringt, Verfehlungen hinwegnimmt und Shiva erfreut. Sandelholz, Kunduru, Shankha, Kapita, Kampfer und Aja [beschädigte Zutatenfolge]: Dies ist von Shiva bereitet; nimm es als vortreffliches Räucherwerk. [Der längere Textblock endet erst mit Nr. 56; die Nummern 54 und 55 fehlen.]
5.57
aguruṃ candanaṃ caiva khagaṃ kuṅkumameva ca |
dhūpayedgulasarpibhyāṃ gandhaṃ rudrapriyaṃ sadā || 57 ||
Übersetzung: Agaru, Sandelholz, Khaga und Safran verräuchere man mit Rohrzucker und geklärter Butter: ein Duft, der Rudra stets erfreut.
5.58
phalatrayaṃ karaṃ māṃsī candanaṃ kuṅkumāgurum |
madhuśarkaralohaṃ ca turuṣkeṇa tu dhūpayet || 58 ||
Übersetzung: Die drei Früchte, Kara, Mamsi, Sandelholz, Safran und Agaru, Honig, Zucker und Loha verräuchere man mit Turushka.
5.59
karpūraṃ madanaṃ medhaṃ ca mallikāvakulavāsitam |
śivapriyamidaṃ gandhaṃ sarvayatnena lepayet || 59 ||
Übersetzung: Kampfer, Madana und Medha, mit Mallika und Bakula beduftet: Diesen Shiva lieben Duft trage man mit aller Sorgfalt als Salbe auf.
5.60
kalpakoṭisahasrāṇi kalpakoṭiśatāni ca |
vasecchiva purenityaṃ śivena sahamodate || 60 ||
Übersetzung: Tausende und Hunderte von Millionen Weltzeitaltern wird man beständig in Shivas Stadt wohnen und sich gemeinsam mit Shiva erfreuen.
5.61
puṣpaṃ gandhaṃ ca dhūpaṃ ca mukhavāsaṃ ca darśitam |
dīpamarghyaṃ ca pādyaṃ cācamanīyaṃ havistathā || 61 ||
Übersetzung: Blumen, Duftstoffe, Räucherwerk und Mundduft sind erklärt worden. Nun folgen Licht, Arghya, Fußwaschwasser, Mundspülwasser und Speiseopfer.
Unnummerierte Passage: madhunā procyate vatsa raṅgabhāgavidhistathā |
Übersetzung: Mein Kind, jetzt werden sie erklärt, ebenso die Vorschrift zur Einteilung der Fläche. [„Jetzt“ setzt eine naheliegende Lesung statt des überlieferten „mit Honig“ voraus.]
iti kālottare puṣpagandhapaṭalaḥ pañcamaḥ || 5 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 5 über „Blumen und Duftstoffe“.
Kapitel 6 – Blumen, Duftstoffe, Räucherwerk und Arghya
6.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
kapilāghṛtena dīpa ca jarāghṛtamathāpi vā |
alābhe'jaghṛtaṃ dīpaṃ śuddhatailena vādhunā || 1 ||
Übersetzung: Heil und Segen! Ishvara sprach: Man bereite das Licht mit geklärter Butter einer rötlichbraunen Kuh oder einer alten Kuh. Fehlt diese, nehme man Ziegenbutter oder reines Öl.
6.2
auṣṭraṃ māhiṣamāśvaṃ ca ghṛtaṃ hi parivarjayet |
uttamaṃ kāpilaṃ siddhiḥ sāttvikaṃ dīpamucyate || 2 ||
Übersetzung: Geklärte Butter von Kamel, Büffel und Pferd soll man meiden. Die Butter der rötlichbraunen Kuh ist am besten und führt zur Vollendung; dieses Licht wird als sattvig bezeichnet.
6.3
jarāghṛtaṃ madhyamaṃ tu rājasaṃ dīpamucyate |
sarveṣāṃ vṛkṣatailānāṃ śivadīpaṃ tu varjayet || 3 ||
Übersetzung: Die Butter einer alten Kuh gilt als mittelgut; ihr Licht wird rajasig genannt. Alle Baumöle soll man für Shivas Licht meiden.
6.4
elākarpūrasaṃyuktaṃ phalatrayasamanvitam |
pādyānāmuttamaṃ vatsa śivapādābjadhāriṇam || 4 ||
Übersetzung: Mit Kardamom und Kampfer sowie den drei Früchten bereitetes Fußwaschwasser ist am besten, mein Kind: Es nimmt Shivas Lotusfüße auf.
6.5
uśīraṃ pākalaṃ patraṃ samaṃ kuṣṭhasamanvitam |
madhyamaṃ pādyaṃ vijñeyaṃ śivapādābjakṣālanam || 5 ||
Übersetzung: Ushira, Pakala und Patra, zu gleichen Teilen mit Kushtha verbunden, ergeben Fußwaschwasser mittleren Ranges zum Waschen von Shivas Lotusfüßen.
6.6
māṃsīmiti tvacaṃ vatsa adhamaṃ pādyamucyate |
takkolaṃ kaṭakaṃ caiva jātikośaṃ tuṭīstathā || 6 ||
Übersetzung: Mit Mamsi und Rinde, mein Kind, bereitetes Fußwaschwasser wird als geringer bezeichnet. Takkola, Kataka, Jatikosha und Tuti
6.7
ācamanīyamidaṃ śreṣṭhaṃ śivasyopari dāpayet |
kuṅkudevinataṃ caiva kuṭiḥ pākalacandramāḥ || 7 ||
Übersetzung: ergeben das vorzüglichste Mundspülwasser, das man Shiva darbringen soll. Kunku, Devinata, Kuti, Pakala und Chandra [unsichere Stoffnamen]
6, unnummerierte Passage und 9–10
ācamanīyamidaṃ deva vastrapūtena vāriṇā |
arghyamaṣṭāṅgamevoktaṃ hemapātre tu kalpitam |
palāśapatra padmābhyāṃ mṛtpātreṇa samaṃ bhavet || 9 |
āpakṣīrakuśāgrāṇi akṣataṃ yavataṇḍulāḥ |
tilāḥ siddhārthakāścaiva arghyamaṣṭāṅgamucyate || 10 ||
Übersetzung: ergeben dieses Mundspülwasser, o Gott, mit durch ein Tuch gefiltertem Wasser. Arghya wird als achtgliedrig bezeichnet und in einem Goldgefäß bereitet. Palasha-Blatt und Lotus gelten dabei einem Tongefäß gleich. Wasser, Milch, Kusha-Spitzen, ungebrochene Körner, Gerste, Reis, Sesam und weißer Senf: Das wird das achtgliedrige Arghya genannt. [Dieser Block umfasst einen unnummerierten Halbvers sowie die Quellenummern 9 und 10.]
6.11
supuṣpagandha saṃyuktāñcārghyācchataguṇaṃ phalam |
śamīvyāghāta puṣpaṃ ca droṇaṃ vai bilvapatrakam || 11 ||
Übersetzung: Arghya mit guten Blumen und Duftstoffen bringt hundertfache Frucht. Shami- und Vyaghata-Blüten, Drona und das Bilva-Blatt,
6.12
nīlotpalasya puṣpaṃ ca śvetapaṅkajameva vā |
apāmārgaṃ bṛhatī vāpi supuṣpaṃ na ca kīrtitam || 12 ||
Übersetzung: blauer Lotus oder weißer Lotus, Apamarga oder Brihati: [Sie werden als] gute Blumen genannt. [Das überlieferte „na“, „nicht“, macht die letzte Aussage widersprüchlich.]
6.13
vyāghrā nakhā rudrajaṭaissaṃyuktamayutaṃ phalam |
elā suvarṇapuṣpaṃ vā saṃyutaṃ prayutaṃ phalam || 13 ||
Übersetzung: Mit Vyaghra, Nakha und Rudrajata verbunden, bringt es zehntausendfache Frucht; mit Kardamom oder goldener Blume verbunden, eine Prayuta-fache.
6.14
śvetamandārakusumaṃ lakṣaṃ tu phalamādiśet |
tasmātsarvaprayatnena puṣpagandhasamāyutam || 14 ||
Übersetzung: Bei weißer Mandara-Blüte wird eine hunderttausendfache Frucht zugesprochen. Deshalb bringe man mit aller Sorgfalt, mit Blumen und Duftstoffen verbunden,
6.15
arghyaṃ nivedayedvatsa sarvayajñaphalaṃ bhavet |
kīṭakeśāpaviddhāni lūtasūtrāvṛtāni ca || 15 ||
Übersetzung: das Arghya dar, mein Kind: Es gewährt die Frucht sämtlicher Opfer. Blumen, die von Insekten und Haaren verunreinigt oder mit Spinnfäden überzogen sind,
6.16
vastrātītaṃ karānītaṃ kāka saṃspṛṣṭameva ca |
svayaṃ patitapuṣpaṃ ca tyajedupahṛtāni ca || 16 ||
Übersetzung: durch ein Tuch [beeinträchtigt; Lesung unsicher], in der bloßen Hand herbeigebracht oder von Krähen berührt wurden, von selbst herabgefallen oder [anderweitig] weggenommen sind, lasse man beiseite.
6.17
pathyuddharaṃ ca kusumaṃ rātrotpāṭalamocanam |
nābheradhastādānītaṃ pādasaṃspṛṣṭameva ca || 17 ||
Übersetzung: Ebenso Blumen, die vom Weg aufgehoben, nachts gepflückt oder abgerissen, unterhalb des Nabels getragen oder mit den Füßen berührt wurden,
6.18
āghrātaṃ pakṣibhiścaiva dhvabhiḥ kukkuṭakādibhiḥ |
biḍālamūṣika spṛṣṭaṃ mahiṣājagavāmapi || 18 ||
Übersetzung: von Vögeln, Hunden oder Hühnern beschnuppert, von Katzen, Mäusen, Büffeln, Ziegen oder Kühen berührt,
6.19
vāsanopahataṃ caiva spṛṣṭaṃ vai pāparogiṇām |
rajasvalādibhiḥ spṛṣṭaṃ antyajairapi dūṣitam || 19 ||
Übersetzung: durch ihren Geruch beeinträchtigt oder von schwer Erkrankten berührt wurden; ebenso von menstruierenden Frauen berührte oder durch Menschen außerhalb der traditionellen Standesordnung als verunreinigt geltende Blumen.
6.20
śmaśānāśuddhabhūjātaṃ varjayet kusumaṃ guha |
dravyeṇa krītapuṣpāṇi madhyamaṃ phalamaśnute || 20 ||
Übersetzung: O Guha, Blumen, die an Verbrennungsstätten oder auf unreinem Boden gewachsen sind, meide man. Mit Geld gekaufte Blumen bringen eine Frucht mittleren Ranges.
6.21
ātmārāmodbhave puṣpe uttamaṃ phalamādiśet |
anyārāmodbhave puṣpe kanyasaṃ phalamādiśet || 21 ||
Übersetzung: Blumen aus dem eigenen Garten wird die höchste Frucht zugesprochen; Blumen aus dem Garten eines anderen eine geringere.
6.22
vanaparvata saṃbhūtāduttamaṃ phalaṃ ādiśet |
ekaikena tu māsena puṣpamekaikaṃ varjayet || 22 ||
Übersetzung: Blumen aus Wald und Gebirge wird die höchste Frucht zugesprochen. In jedem einzelnen Monat lasse man jeweils eine Blumenart weg.
6.23
puṣpāṇi dvādaśa māseṣvekādīni kramātyajet |
arkaṃ bilvamapāmārgaṃ droṇaṃ cotpalapaṅkajam || 23 ||
Übersetzung: Während der zwölf Monate lasse man diese Blumen der Reihe nach jeweils einzeln weg: Arka, Bilva, Apamarga, Drona, Utpala und Pankaja,
6.24
vyāghratī bṛhatī vyāghrī śamī campakapāṭalī |
māse māse caikapuṣpaṃ puṣṭyādāvārjayedbudhaḥ || 24 ||
Übersetzung: Vyaghrati, Brihati, Vyaghri, Shami, Champaka und Patali. Monat für Monat lasse der Verständige jeweils eine Blumenart weg, beginnend mit „Pushti“ [unklare Monats- oder Zielangabe].
6.25
yadiṣṭaṃ phalamāpnoti mṛtyunāśanameva ca |
- * * * * gotrasya sahasrāṇāṃ na saṃśayaḥ || 25 ||
Übersetzung: Man erlangt die gewünschte Frucht und die Vernichtung des Todes. [Textlücke] für Tausende des Geschlechts, daran besteht kein Zweifel.
6.26
yajet saṃvatsaraṃ hyetat aśvamedhaphalaṃ bhavet |
candanaṃ kuṅkumaṃ caiva apagaruṃ khagameva ca || 26 ||
Übersetzung: Wer ein Jahr lang so verehrt, erlangt die Frucht eines Pferdeopfers. Sandelholz, Safran, Agaru und Khaga,
6.27
takkolaṃ jātikośaṃ ca kaṭukaṃ phalameva ca |
niryāsaṃ pākalaṃ caiva māsekaikaṃ yathā kramam || 27 ||
Übersetzung: Takkola, Jatikosha, Katuka, Frucht, Harz und Pakala: Mit jeweils einem davon verehre man der Reihe nach einen Monat lang.
6.28
pūjayedvidhivadvatsa pūrvoktāddviguṇa bhavet |
mahiṣāguggulaṃ śreṣṭhaṃ sarvamāseṣu sarpiṣā || 28 ||
Übersetzung: Mein Kind, man verehre nach Vorschrift; dadurch entsteht die doppelte Frucht des zuvor Genannten. In allen Monaten ist Mahisha-Guggulu mit geklärter Butter am besten.
6.27 (zweites Vorkommen)
pūrvoktāddaśaguṇaṃ puṇyaṃ dhūpadīpottarottamam |
nivedyāddaśaguṇaṃ puṇyaṃ śālivaiṇavaṃ saṃyutam || 27 ||
Übersetzung: Gegenüber dem zuvor Genannten bringen Räucherwerk und Licht jeweils eine zehnfach höhere verdienstvolle Wirkung. Das Speiseopfer mit Reis und Bambuskorn bringt wiederum zehnfaches Verdienst. [Der Schlussvers trägt in der Vorlage erneut die Nummer 27, nach Nr. 28.]
iti kālottare puṣpaviśeṣagandha dhūpārghya paṭalaḥ ṣaṣṭhaḥ || 6 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 6 über „Blumen, Duftstoffe, Räucherwerk und Arghya“.
Kapitel 7 – Der innere Vollzug
7.1
śrīḥ
īśvara uvāca-
antaḥkaraṇaṃ pravakṣyāmi sāṃprataṃ śṛṇu ṣaṇmukha |
bhūtaśuddhiṃ purā kṛtvā tato'ntaḥkaraṇaṃ kuru || 1 ||
Übersetzung: Heil und Segen! Ishvara sprach: Nun werde ich den inneren Vollzug erklären. Höre, o Sechsgesichtiger! Nachdem du zuerst die Reinigung der Elemente vollzogen hast, führe die innere Handlung aus.
7.2
karanyāsaṃ purā kṛtvā paścācchuddhi samācaret |
talikau hastapṛṣṭhau ca astrabījena śodhayet || 2 ||
Übersetzung: Zuerst vollziehe man die Auflegung der Mantras auf die Hände, danach die Reinigung. Beide Handflächen und Handrücken reinige man mit der Keimsilbe der Waffe.
7.3
aṅguṣṭhādikaniṣṭhāntaṃ pañcabrahma nyasetpunaḥ |
īśānādyādisadyāntaṃ kramādvinyasya buddhimān || 3 ||
Übersetzung: Dann lege der Verständige die fünf Brahmamantras vom Daumen bis zum kleinen Finger auf, der Reihe nach von Ishana bis Sadyojata.
7.4
kaniṣṭhikādyaṅguṣṭhādyāntaṃ sadyādīśānta pañcakam |
aṅguṣṭhādika niṣṭhāntaṃ sṛṣṭinyāsa udāhṛtaḥ || 4 ||
Übersetzung: Vom kleinen Finger bis zum Daumen lege man die fünf von Sadyojata bis Ishana auf. Vom Daumen zum kleinen Finger heißt es Schöpfungs-Nyasa.
7.5
kaniṣṭhikādyaṅguṣṭhāntaṃ saṃhāranyāsa ucyate |
madhyamādikaniṣṭhāntaṃ sṛṣṭinyāsa udāhṛtaḥ || 5 ||
Übersetzung: Vom kleinen Finger zum Daumen heißt es Auflösungs-Nyasa. Vom Mittelfinger bis zum kleinen Finger wird es ebenfalls Schöpfungs-Nyasa genannt. [Die dritte Zuordnung ist so überliefert.]
7.6
śivāṅgāni nyasedeva sṛṣṭisaṃhāravartmanā |
vyomavyāpinnyasettābhyāṃ sarvatomukhamādiśet || 6 ||
Übersetzung: Shivas Gliedmantras lege man auf dieselbe Weise in der Ordnung von Schöpfung und Auflösung auf. Auf beide Hände lege man Vyomavyapin und vergegenwärtige den nach allen Seiten Gewandten.
7.7
gandhapuṣpādikairarcya pāśvādyajanaṃ tu kārayet |
vidyeśvarānnyaset paścāt sadāśivamaheśvarau || 7 ||
Übersetzung: Man verehre mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben und vollziehe die Verehrung der seitlich angeordneten Gottheiten. Danach lege man die Vidyeshvaras sowie Sadashiva und Maheshvara auf.
7.8
anantādyekarudrāntāṃ vāmahaste tu vinyaset |
trimūrtyādīn dakṣahaste aṣṭadevānnyasetpunaḥ || 8 ||
Übersetzung: Von Ananta bis Ekarudra lege man sie auf die linke Hand, von Trimurti an auf die rechte. So lege man die acht Gottheiten auf.
7.9
maṇḍalatrayamevaṃ tu guṇatrayaṃ punarnyaset |
ātmatrayaṃ tu vinyasya sarvāṅgulimanukramāt || 9 ||
Übersetzung: Ebenso lege man die drei Kreise und die drei Gunas auf. Dann ordne man die drei Selbst-Prinzipien allen Fingern der Reihe nach zu.
7.10
netraṃ hastatale nyasya punaraṅgāni vinyaset |
karāṅguliṣu sarveṣu prāsādaṃ vinyasetpunaḥ || 10 ||
Übersetzung: Das Augenmantra lege man in die Handfläche, danach wiederum die Gliedmantras. Auf alle Finger lege man das Prasada-Mantra.
7.11
śivahastaṃ bhaveddeva śiṣyamūrdhani vinyaset |
ātmānaṃ yojayet paścāt śive paramakāraṇe || 11 ||
Übersetzung: So wird die Hand, o Gott, zu Shivas Hand; man lege sie auf den Scheitel des Schülers. Danach vereinige man das eigene Selbst mit Shiva, der höchsten Ursache,
7.12
śikhāgre dvādaśāṅgulye śuddhasphaṭikanirmale |
śivatatve pare sūkṣme jyotīrūpe tu nirmale || 12 ||
Übersetzung: zwölf Fingermaße oberhalb der Haarspitze, im höchsten, feinen Shiva Tattva, rein wie klarer Kristall, makellos und von der Gestalt des Lichtes.
7.13
saṃhāramudrayā caiva hṛdayena tu yojayet |
trikoṇe cāgnibhuvane triyakteya dvitīyake || 13 ||
Übersetzung: Mit der Auflösungs-Mudra und dem Herzmantra vollziehe man diese Vereinigung. In der dreieckigen Feuerwelt [folgt eine beschädigte Angabe zum „zweiten“].
7.14
aṅguṣṭhāgre ca dhyātvā tu nirdaheddehaṃ kāṣṭhavat |
bhasmakūṭamiha dhyātvā nirdagdhvā tu svakī tanum || 14 ||
Übersetzung: Nachdem man dies an der Daumenspitze vergegenwärtigt hat, verbrenne man den Körper wie Holz. Man stelle sich hier einen Aschehaufen vor, nachdem der eigene Leib verbrannt ist.
7.15
tāramadhye sthitaṃ candraṃ yavargasya caturthakam |
śvetapadmopaviṣṭaṃ tu yogapīṭhamadhomukham || 15 ||
Übersetzung: Den Mond, der inmitten des Tara-Lautes steht, den vierten Laut der Ya-Gruppe, auf einem weißen Lotus sitzend, den nach unten gerichteten Yogasitz [die Bildfolge ist syntaktisch beschädigt],
7.16
śuddhasphaṭika saṃkāśamakāraṃ cātmasaṃbhavam |
vidyātattvamukārastu śivatattvaṃ makārakam || 16 ||
Übersetzung: klar wie reiner Kristall: Der A-Laut entsteht aus dem Selbst; der U-Laut ist das Vidya-Tattva, der M-Laut das Shiva-Tattva.
7.17
amṛtena plāvayitvā tu madhye dehāntaka sthitam |
tenāmṛtena sarvāṅgaṃ saṃplāvya tu vicakṣaṇaḥ || 17 ||
Übersetzung: Mit Amrita, dem Unsterblichkeitsnektar, überflute man, was sich im Inneren des Leibes befindet. Der Verständige tränke mit diesem Nektar sämtliche Glieder.
7.18
prākṛtaṃ bhāvamutsṛjya śivo'hamiti bhāvayet |
bhūtaśuddhiṃ purākṛtvā tato'ntaḥkaraṇaṃ kuru || 18 ||
Übersetzung: Man lasse den gewöhnlichen, naturgebundenen Zustand los und vergegenwärtige: „Ich bin Shiva.“ Nachdem du zuerst die Elemente gereinigt hast, vollziehe dann die innere Handlung.
7.19
hṛdbījaṃ pārthive yuktaṃ pārthavīṃ dhārayitsadā |
śirobījena śāpyaṃ tu dhārayet sarvakāmadam || 19 ||
Übersetzung: Mit der Herz-Keimsilbe, verbunden mit dem Erdelement, halte man beständig die Erd-Konzentration. Mit der Kopf-Keimsilbe halte man die Wasser-Konzentration, die alle Wünsche erfüllt. [Das Wort für Wasser ist entstellt.]
7.20
śikhābījena tejastu dhārayet susamāhitaḥ |
sarvapāpakṣayaṃ cāsya śatrunāśanameva ca || 20 ||
Übersetzung: Mit der Haarbüschel-Keimsilbe halte man ganz gesammelt die Konzentration auf das Feuer. Dadurch werden alle Verfehlungen getilgt und die Feinde vernichtet.
7.21
kavecena vāyuṃ saṃyuktaṃ dhārayetsarvarakṣaṇam |
prāsādaṃ tu śivāstreṇa dhārayenmṛtyunāśanam || 21 ||
Übersetzung: Mit dem Panzer-Mantra, verbunden mit dem Wind, halte man die Konzentration für umfassenden Schutz. Mit Prasada und Shivas Waffenmantra halte man die Konzentration, die den Tod vernichtet.
7.22
pṛthivyāpastathā tejo vāyurākāśameva ca |
śuddhyanti pañcabhūtāni śarīrasthāni ṣaṇmukha || 22 ||
Übersetzung: Erde, Wasser, Feuer, Wind und Raum: Diese fünf im Körper befindlichen Elemente werden gereinigt, o Sechsgesichtiger.
7.23
pṛthivī pañcadhā śodhyā pādādijānu cāntataḥ |
caturdhā pāpaśuddhiḥ syāt jānvādyā nābhikaṃ guha || 23 ||
Übersetzung: Die Erde ist fünffach zu reinigen, von den Füßen bis zu den Knien. Vom Knie bis zum Nabel geschieht vierfache Reinigung, o Guha. [Die Vorlage liest hier „Reinigung der Verfehlung“ statt der zu erwartenden Wasserreinigung.]
7.24
tridhā vai tejasaḥ śuddhiḥ ānābhestu galāntakam |
dvidhā vai vāyuśuddhistu galāntaṃ tu nidhārayet || 24 ||
Übersetzung: Die Reinigung des Feuers ist dreifach, vom Nabel bis zur Kehle. Die Reinigung des Windes ist zweifach; man halte sie bis zur Kehle fest. [Die zweite Körpergrenze ist widersprüchlich überliefert.]
7.25
pāśupatena śāstreṇa caturgranthiṃ tu bhedayet |
suṣumnāgranthiṃ śivāstreṇa ākāśagranthimeva ca || 25 ||
Übersetzung: Mit der Pashupata-Waffe durchdringe man die vier Knoten; mit Shivas Waffe den Knoten der Sushumna und den Knoten des Raumes.
7.26
pañcoddhāma sahasraśca catasṛddvayamekaśaḥ |
śūnyaṃ sarvaṃ nirālambaṃ vijñānaṃ kevalaṃ sthitam || 26 ||
Übersetzung: Fünf [Uddhama], tausend, vier, zwei und eines [beschädigte Zahlenfolge]: Alles ist leer und ohne Stütze; allein das Erkennen bleibt bestehen.
7.27
prakriyāntasthamamṛtaṃ punarvai cintayecchivam |
vigrahe tu (suṣumneṣa)suṣṭhudevaṃ nityamevaṃ vicintayet || 27 ||
Übersetzung: Dann vergegenwärtige man wieder den unsterblichen Shiva im Inneren dieses Vorgangs. Im Körper [unsichere Lesung mit Bezug auf Sushumna] meditiere man stets auf diese Weise über den Gott.
7.28
sakalaṃ niṣkalaṃ caiva tathā sakalaniṣkalam |
sakalaṃ maheśvare viddhi sadāśivaṃ sakala niṣkalam || 28 ||
Übersetzung: Mit Teilen, ohne Teile und zugleich mit und ohne Teile: Erkenne die mit Teilen ausgestattete Gestalt als Maheshvara, die zugleich mit und ohne Teile als Sadashiva.
7.29
niṣkalaṃ tu śivaṃ viddhi tristhānaṃ cintayedbudhaḥ |
sāṃprataṃ kathayiṣyāmi sakalaṃ śṛṇu ṣaṇmukha || 29 ||
Übersetzung: Die teillose Gestalt erkenne als Shiva. Der Verständige vergegenwärtige die drei Stätten. Nun werde ich die mit Teilen ausgestattete Gestalt erklären. Höre, o Sechsgesichtiger!
7.30
śuddhasphaṭikasaṃkāśaṃ gokṣīradhavala prabham |
tryakṣaṃ daśabhujaṃ śāntaṃ jaṭāmakuṭamaṇḍitam || 30 ||
Übersetzung: Sie gleicht reinem Kristall, leuchtet weiß wie Kuhmilch, ist dreiäugig, zehnarmig und friedvoll und trägt eine Krone aus aufgetürmtem Haar.
7.31
trivaktraṃ ca trimūrdhaṃ ca sarvābharaṇabhūṣitam |
divyāmbaradharaṃ devaṃ divyahṛdgandhabhūṣaṇam || 31 ||
Übersetzung: Der Gott hat drei Gesichter und drei Häupter und ist mit allem Schmuck versehen. Er trägt himmlische Gewänder und himmlischen Duft und Schmuck an der Brust.
7.32
baddhapadmāsanaṃ devaṃ śvetapadmakasaṃsthitam |
vṛṣabhavāhanaṃ devaṃ triśūlaṃ paraśudhāriṇam || 32 ||
Übersetzung: Er sitzt in festem Padmasana auf einem weißen Lotus. Sein Reittier ist der Stier; er trägt Dreizack und Axt,
7.33
khaḍgaṭaṅkadhanuścaiva vajratomaradhāriṇām |
agnināgadharaṃ devaṃ maheśvaraṃ jagadīśvaram || 33 ||
Übersetzung: Schwert, Beil, Bogen, Donnerkeil und Wurfspieß, Feuer und Schlange: der Gott Maheshvara, der Herr der Welt.
7.34
sahasrādityasaṃkāśaṃ śuddhasphaṭika sannibham |
bhujaiḥ ṣoḍaśabhiryuktaṃ pañcavaktraṃ trilocanam || 34 ||
Übersetzung: [Die folgende Gestalt] gleicht tausend Sonnen und reinem Kristall. Sie hat sechzehn Arme, fünf Gesichter und drei Augen.
7.35
pañcavaktraṃ triṇetraṃ tu pañcamūrdhavibhūṣitam |
yajñopavītasaṃyuktaṃ sarvābharaṇabhūṣitam || 35 ||
Übersetzung: Fünfgesichtig und dreiäugig ist sie mit fünf Häuptern geschmückt, trägt die heilige Schnur und sämtliche Schmuckstücke.
7.36
dukūlapaṭṭavarṇaiśca saṃcchinnaṃ parameśvaram |
vibhuṃ ca makuṭaṃ jñeyaṃ sarvaratnavibhūṣitam || 36 ||
Übersetzung: Der höchste Herr ist in feine Tücher und Seidengewänder gehüllt. Man erkenne den Alldurchdringenden mit einer Krone, geschmückt mit allen Edelsteinen. [Ein Ausdruck für das Gewand ist entstellt.]
7.37
lalāṭe hemapaṭṭaṃ ca sarvaratnairvibhūṣitam |
chinnavīraiḥ pañcaśaraiḥ bhūṣitaṃ parameśvaram || 37 ||
Übersetzung: An der Stirn trägt er ein goldenes Band, mit allen Edelsteinen geschmückt. Der höchste Herr ist mit gekreuzten Brustbändern und „fünf Pfeilen“ geschmückt. [Die letzte Schmuckbezeichnung ist unsicher.]
7.38
keyūraiḥ pañcabhiryuktaṃ sarvaratnavibhūṣitam |
śvetaṃ paṅkajamāruḍhaṃ sahasradalaśobhitam || 38 ||
Übersetzung: Er trägt fünf Armreifen und sämtlichen Edelsteinschmuck und sitzt auf einem weißen, tausendblättrigen Lotus.
7.39
gaṅgayā yamunā gomatī narmadā ca sarasvatī |
sarayūrgaṇḍakī caiva cāmaravyagrapāṇayaḥ || 39 ||
Übersetzung: Ganga, Yamuna, Gomati, Narmada, Sarasvati, Sarayu und Gandaki halten dienstbereit Fliegenwedel in den Händen.
7.40
divyagandhānuliptāṅgaṃ divyadāmānulambitam |
talpakaṃ bhramapuṣpaiśca mallikotpalacampakaiḥ || 40 ||
Übersetzung: Sein Körper ist mit himmlischen Düften gesalbt, himmlische Girlanden hängen herab. Mit Talpaka und Bhrama-Blüten [Namen unsicher], Mallika, Utpala und Champaka,
7.41
jātīvakulamandāraiḥ pañcamūrdhni vibhūṣitam |
navaśaktyuparyāsīnaṃ devadevaṃ sunirmalam || 41 ||
Übersetzung: Jati, Bakula und Mandara sind seine fünf Häupter geschmückt. Der vollkommen reine Gott der Götter sitzt über den neun Shaktis.
7.42
sadyaṃ paścimavaktraṃ tu śaṅkhavarṇaṃ vidurbudhāḥ |
vāmadevaścottarato japāsindūrasannibham || 42 ||
Übersetzung: Das westliche Gesicht kennen die Weisen als Sadyojata, muschelweiß; das nördliche als Vamadeva, rot wie Hibiskus und Zinnober.
7.43
aghoraṃ dakṣiṇamukhaṃ nīlajīmūtasannibham |
tatpuruṣaṃ mukhaṃ pūrvaṃ mārtāṇḍodaya sannibham || 43 ||
Übersetzung: Das südliche Gesicht ist Aghora, einer dunklen Regenwolke gleich; das östliche Tatpurusha gleicht der aufgehenden Sonne.
7.44
īśānamūrdhvaṃ vaktraṃ tu gokṣīradhvalaprabham |
tattadvarṇaṃ tu mūrdhnā ca vipulaṃ sarvameva hi || 44 ||
Übersetzung: Das nach oben gerichtete Gesicht ist Ishana, weiß strahlend wie Kuhmilch. Auch die Häupter haben jeweils die entsprechende Farbe; alles ist weit und mächtig.
7.45
vipulaiḥ pañcamukhaiḥ yuktaṃ tadūrdhvaṃ tribhireva ca |
pañcaratnaiḥ vicitraṃ tu pañcamūrdhni ṣaḍānana || 45 ||
Übersetzung: Er ist mit fünf großen Gesichtern versehen und darüber mit dreien [Bezug unklar]. Seine fünf Häupter sind mit fünf Edelsteinen vielfältig geschmückt, o Sechsgesichtiger.
7.46
brahmaviṣṇvindradeveśaṃ sarvakāraṇakāraṇam |
hṛdaye maheśvara sthānaṃ nābhideśe sadāśivam || 46 ||
Übersetzung: Er ist der Herr Brahmas, Vishnus, Indras und der Götter, die Ursache sämtlicher Ursachen. Im Herzen liegt Maheshvaras Stätte, in der Nabelgegend Sadashiva.
7.47
śivaṃ tu śāśvatasthāne paraṃ brahma sanātanam |
niṣkalaṃ nirmalaṃ śāntaṃ niṣprapañcamalakṣaṇam || 47 ||
Übersetzung: Shiva befindet sich an der ewigen Stätte: das höchste, immerwährende Brahman, teillos, makellos, friedvoll, ohne weltliche Entfaltung und ohne Kennzeichen,
7.48
apratarkyaṃ nirālambaṃ nāśotpatti vivarjitam |
kaivalyaṃ kevalaṃ śāntaṃ heyopādānavarjitam || 48 ||
Übersetzung: dem begrifflichen Denken unzugänglich, ohne Stütze, frei von Vernichtung und Entstehung: reine Alleinheit, einzig und friedvoll, jenseits von Zurückweisen und Annehmen,
7.49
asti nāstīti rahitaṃ sūkṣmātsūkṣmataraṃ param |
kalpanārahitaṃ divyaṃ svasaṃvedyaḥ śivaḥ patiḥ || 49 ||
Übersetzung: frei von „Es ist“ und „Es ist nicht“, feiner als das Feinste, das Höchste, frei von Vorstellungen, göttlich und nur durch eigenes Erfahren erkennbar: Shiva, der Herr.
7.50
madhye dehe tu nihitamanaupamyamanāmayam |
atīndriyaṃ paraṃ tatvaṃ sarvopādhi vivarjitam || 50 ||
Übersetzung: Im Inneren des Leibes ist er gegenwärtig, unvergleichlich und frei von Übel: jenseits der Sinne, das höchste Prinzip, frei von sämtlichen begrenzenden Bedingungen.
7.51
guruprasādagamyaṃ tat sada (sa)spatimadbhutam |
viśvataścakṣurutaviśvatomukhaḥ viśvatobāhurutaviśvataspāt | bandhūbhṛte abhūyāvā bhūmī janayanteva eka
eva taddhyānagamyamaparaṃ tattvamudvayaṃ tamasaspari || 51 ||
Übersetzung: Durch die Gnade des Guru ist jenes wunderbare [höchste Prinzip; Wortlaut beschädigt] erreichbar. Überall hat es Augen, überall Gesichter, überall Arme und überall Füße. [Der folgende, vedisch geprägte Satz über das Hervorbringen von Himmel und Erde ist entstellt.] Dieses höchste, nichtzweite Prinzip ist durch Meditation erreichbar, jenseits der Finsternis.
7.52
śūnye śūnyena yaditvaṃ bhāvayiṣyasi |
dehe śūnye pade dhyātvā mokṣayiṣyasi ṣaṇmukha || 52 ||
Übersetzung: Wenn du im Leeren durch das Leere vergegenwärtigst, wenn du im leeren Leib über die leere Stätte meditierst, wirst du frei werden, o Sechsgesichtiger.
7.53
manasā maheśvaraṃ devaṃ hṛtpadme cintayetsadā |
gandhapuṣpādibhiścaiva dhūpadīpārghyameva ca || 53 ||
Übersetzung: Im Geist vergegenwärtige man stets den Gott Maheshvara im Herzlotus: mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben, mit Räucherwerk, Licht und Arghya,
7.54
dadhi kṣīraṃ ghṛtā caiva madhunaivedyakairapi |
mānasenaiva bhāvena maheśaṃ cintayedbudhaḥ || 54 ||
Übersetzung: mit Sauermilch, Milch, geklärter Butter, Honig und Speiseopfern. Allein durch die innere Vorstellung verehre der Verständige Mahesha.
7.55
evaṃ sadāśivaṃ caiva śaktibījāṅkurādibhiḥ |
pañcabrahmaśivāṅgaiśca vidyeśvara samāyutam || 55 ||
Übersetzung: Ebenso verehre man Sadashiva mit den Keimen und Sprossen der Shakti, mit den fünf Brahmamantras und Shivas Gliedmantras, umgeben von den Vidyeshvaras,
7.56
gaṇeśvarairlokapālaiḥ aṣṭamūrtibhireva ca |
aṣṭābhirvasubhiścaiva rudraikādaśabhistadā || 56 ||
Übersetzung: den Herren der Scharen, den Welthütern, den acht Gestalten, den acht Vasus und den elf Rudras,
7.57
ādityā dvādaśānye ca siddhāśca marutastathā |
vidyādharāśca gandharvāścāraṇā yakṣapannagāḥ || 57 ||
Übersetzung: den zwölf Adityas und weiteren Gottheiten, Siddhas und Maruts, Vidyadharas, Gandharvas, Charanas, Yakshas und Schlangenwesen,
7.58
asurā rākṣasāścaiva yātudhānāḥ piśācakāḥ |
ucchiṣṭā bhūtasaṅgāśca vetālā guhyakā api || 58 ||
Übersetzung: Asuras, Rakshasas, Yatudhanas und Pishachas, Ucchishtas und den Scharen der Bhutas, Vetalas und Guhyakas,
7.59
grahāśca rāśitithayo nakṣatrāpsarasastathā |
saptaviṃśatyāvaraṇaṃ nābhimadhye tu pūjayet || 59 ||
Übersetzung: den Planetenmächten, Tierkreiszeichen, Mondtagen, Mondhäusern und Apsaras. Diesen siebenundzwanzigfachen Umkreis verehre man inmitten des Nabels.
7.60
mānasenaiva puṣpeṇa mānasenaiva dhūpakaiḥ |
naivedyairarghyapādyādbhiḥ pūjayenmānasena tu || 60 ||
Übersetzung: Mit geistig vorgestellten Blumen und geistig vorgestelltem Räucherwerk, mit Speiseopfern, Arghya und Fußwaschwasser vollziehe man die Verehrung innerlich.
7.61
punarvai madhyadehe tu bhāvayet kumbhake sthitiḥ |
pūjayet ṣoḍaśairmātraiḥ kumbhakasthasya kāraṇam || 61 ||
Übersetzung: Wieder vergegenwärtige man im Inneren des Leibes das Verweilen im Kumbhaka. Während sechzehn Zeiteinheiten verehre man die Ursache, die in der Atemruhe gegenwärtig ist.
7.62
dvātriṃśadrecayeddhīmān hṛdi nābhau ṣaḍānana |
ṣāṇmāsayajanādeva mṛtyunāśamavāpnuyāt || 62 ||
Übersetzung: Während zweiunddreißig Zeiteinheiten atme der Verständige aus, mit der Sammlung in Herz und Nabel, o Sechsgesichtiger. Allein durch sechs Monate dieser Verehrung erlangt man die Vernichtung des Todes.
7.63
recakaṃ pūrakaṃ tyajya kumbhakaṃ tyajya vai guha |
sākṣāt sarpasvabhāvena pūjayetsatataṃ śivam || 63 ||
Übersetzung: Lasse Ausatmung und Einatmung los, lasse auch das Atemanhalten los, o Guha. Unmittelbar „nach Art einer Schlange“ verehre man Shiva beständig. [Die Wendung sarpasvabhāvena ist auffällig und wird nicht stillschweigend geändert.]
7.64
śūnyāśūnyena bhāvena pratyakṣaṃ yajane guha |
mṛtyuñjayamavāpnoti nātra kāryā vicāraṇā || 64 ||
Übersetzung: O Guha, durch die unmittelbare Verehrung in einem Zustand, der leer und nichtleer ist, erlangt man den Sieg über den Tod. Darüber soll kein Zweifel bestehen.
7.65
evaṃ saṃvidamānandamadhyadehe vyavasthitam |
sanā cintayato nityaṃ mṛtyunāśanamuttamam || 65 ||
Übersetzung: Wer stets dieses Bewusstsein und diese Glückseligkeit vergegenwärtigt, die im Inneren des Leibes gegenwärtig sind, erlangt die höchste Überwindung des Todes.
7.66
recakaṃ pūrakaṃ tyajya kumbhakaṃ smaraṇaṃ na ca |
svabhāvagatisaṃpannaṃ piṇḍasthaṃ mṛtyunāśanam || 66 ||
Übersetzung: Ausatmung und Einatmung lasse man los; auch Atemanhalten und gedankliches Erinnern sind nicht mehr erforderlich. Im natürlichen Gang vollendet, ist das den Tod Überwindende im Leib gegenwärtig.
7.67
sakalaṃ niṣkalaṃ caiva tathā sakalaniṣkalam |
trividhamarcanaṃ śreṣṭhaṃ varuṇe varuṇe yajet || 67 ||
Übersetzung: Mit Teilen, ohne Teile und zugleich mit und ohne Teile: Diese dreifache Verehrung ist die vorzüglichste. Man verehre [„in Varuna, in Varuna“; die Ortsangabe ist entstellt].
7.68
āvaraṇaṃ kramātpūjya śāstradṛṣṭena karmaṇā |
saptaviṃśatyāvaraṇaṃ saptamātṛgaṇānapi || 68 ||
Übersetzung: Die Umkreise verehre man der Reihe nach mit der in der Schrift gelehrten Handlung: den siebenundzwanzigfachen Umkreis und auch die Scharen der sieben Mütter.
7.69
sarvaṃ vai mānasenaiva arcayet susamāhitaḥ |
samādhiṃ ca japaṃ stotraṃ pradakṣiṇamathācaret || 69 ||
Übersetzung: Alles verehre man ganz gesammelt allein im Geist. Dann vollziehe man Samadhi, Japa, Lobpreis und Umkreisung.
Unnummerierte Passage: agnikāryaṃ punaḥ kuryāt susamiddhe hutāśane |
Übersetzung: Danach vollziehe man das Feuerritual im gut entfachten Opferfeuer.
iti kālottare antaḥkaraṇapaṭalaḥ saptamaḥ || 7 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 7 über „Der innere Vollzug“.
Kapitel 8 – Shiva-Verehrung
8.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
ataḥ paraṃ pravakṣyāmi śivārcana vidhikramam |
ṣaṭtriṃśadaṅgulāyāmaṃ darbhaiḥ ṣaṭtriṃśakaiḥ śubhaiḥ || 1 ||
Übersetzung: Heil und Segen! Ishvara sprach: Nun werde ich die Reihenfolge der Shiva-Verehrung erklären. Aus sechsunddreißig guten Darbha-Halmen von sechsunddreißig Fingermaßen Länge
8.2
kūrcaṃ kṛtvā vidhānena prāṅmukhaṃ vinyasedbudhaḥ |
padmāsanaṃ bandhayitvā karanyāsaṃ samārabhet || 2 ||
Übersetzung: bilde der Verständige nach Vorschrift ein Grasbündel und lege es nach Osten ausgerichtet hin. Nachdem er den Lotussitz eingenommen hat, beginne er den Hand-Nyasa.
8.3
gandhādibhirathābhyarcya karāṅgulitalānvitam |
aṅguṣṭhādikaniṣṭhāntaṃ pañcabrahma kramānnyaset || 3 ||
Übersetzung: Er verehre Hände, Finger und Handflächen mit Duftstoffen und weiteren Gaben. Vom Daumen bis zum kleinen Finger lege er die fünf Brahmamantras der Reihe nach auf.
8.4
madhyamāditarjanyantaṃ śivāntaṃ vinyasedguha |
sadāśivaṃ maheśaṃ ca aṣṭau vai cakravartinaḥ || 4 ||
Übersetzung: Vom Mittelfinger bis zum Zeigefinger lege er [die Mantras] bis zu Shiva auf, o Guha; Sadashiva und Mahesha sowie die acht Weltherrscher,
8.5
aṅguṣṭhādikramādvatsa karairdakṣiṇavāmakaiḥ |
punaraṅgāni vinyasya śāstradṛṣṭena karmaṇāḥ || 5 ||
Übersetzung: mein Kind, beginnend mit dem Daumen, der Reihe nach auf die rechte und linke Hand. Dann lege er wiederum die Gliedmantras nach der in der Schrift gelehrten Handlung auf.
8.6
kādipādānta vinyasya aṅguṣṭhānāmikena ca |
akārādikṣakārāntaṃ mātṛkāṃ vinyasedbudhaḥ || 6 ||
Übersetzung: Vom [Kopf; Anfang entstellt] bis zu den Füßen vollziehe er die Auflegung mit Daumen und Ringfinger. Der Verständige lege die Matrika, die Lautmutter, vom A-Laut bis Ksha auf,
8.7
sirolalāṭe kūṣau ca kaṇṭhe gaṇḍadvayorapi |
nāsāvoṣṭhāvubhau caiva dantapaṅktidvayorapi || 7 ||
Übersetzung: auf Kopf, Stirn, beide [Ohren; Lesung unsicher], Hals und beide Wangen, beide Nasenseiten, beide Lippen und beide Zahnreihen.
8.8
kavargaṃ dakṣiṇe haste pavargaṃ vāmahastake |
ṭavargaṃ dakṣiṇe pāde tavargaṃ vāmapādake || 8 ||
Übersetzung: Die Ka-Gruppe lege er auf die rechte Hand, die Pa-Gruppe auf die linke, die retroflexe Ta-Gruppe auf den rechten Fuß und die dentale Ta-Gruppe auf den linken. [Pa für die linke Hand ist auffällig überliefert.]
8.9
jihvāyāṃ tālurandhre ca svaraiḥ ṣoḍaśabhirnyaset
paphau dakṣiṇapārśve tu bagau ca vāmapārśvake || 9 ||
Übersetzung: Auf Zunge und Gaumenöffnung lege er die sechzehn Vokale. Pa und Pha lege er auf die rechte Seite, Ba und Ga auf die linke. [Ga ist in dieser Lautreihe auffällig.]
8.10
kaṇṭhadeśe makāraṃ tu nābhyādi hṛdayeṣu ca |
tvagraktaṃ māṃsamedo'sthimajjāśuklādidhātuṣu || 10 ||
Übersetzung: Den Ma-Laut lege er in die Halsgegend, ferner vom Nabel bis zum Herzen [Satzanschluss unsicher]. In die Körperbestandteile Haut, Blut, Fleisch, Fett, Knochen, Mark und Samen
8.11
yakārādi sakārāntaṃ nābhyādi hṛdayeṣu ca |
hṛdaye tu hakārāntaṃ lakāraṃ vṛṣaṇe dvaye || 11 ||
Übersetzung: lege er die Laute von Ya bis Sa, vom Nabel bis zum Herzen. Im Herzen ende er beim Ha-Laut; La lege er auf beide Hoden,
8.12
kṣakāraṃ meḍhradeśe tu prāsādamapi meḍhrataḥ |
praṇavādinamontaṃ tu ekaikaṃ vinyasedguha || 12 ||
Übersetzung: Ksha in die Gegend des Gliedes und auch Prasada vom Glied aus [unvollständige Richtungsangabe]. Jeden einzelnen Laut lege er auf, mit Pranava beginnend und mit „namaḥ“ endend, o Guha.
8.13
bhūtaśuddhimantaḥ karaṇamātmasaṃskārameva ca |
udghāto śra i * * * * hi ṣaḍānana || 13 ||
Übersetzung: Reinigung der Elemente, innerer Vollzug und Weihe des eigenen Selbst; Udghata [der Rest des Verses ist beschädigt], o Sechsgesichtiger.
8.14
tanmārgaṃ bāhyaṃ yajuṣe dhārayetsusamāhitaḥ |
hukāraṃ cāstramantreṇa daśadikṣu nyasedbudhaḥ || 14 ||
Übersetzung: Diesen Weg halte man ganz gesammelt für die äußere Verehrung fest. Den Hu-Laut lege der Verständige mit dem Waffenmantra in die zehn Richtungen.
8.15
udakabhāṇḍaṃ vardhanīṃ ca pādyapātrārdhaṃ pautrakam |
tathā ca camanapātraṃ ca gandhapuṣpānnapātrakam || 15 ||
Übersetzung: Wasserbehälter, Vardhani-Krug, Fußwaschgefäß, Arghya-Gefäß, Mundspülgefäß und Gefäße für Duftstoffe, Blumen und Speisen,
8.16
dīpapātraṃ dhūpapātraṃ carusthālī tathaiva ca |
kumbhaiśca gaṇḍukaiścaiva madhuparkāṅgapātrakaiḥ || 16 ||
Übersetzung: Lampen- und Räuchergefäß, Topf für den Opferbrei, Krüge, kleine Gefäße und Gefäße für die Bestandteile der Honigspeise:
8.17
sarvaṃ hṛdayamantreṇa kṣalayitvā ṣaḍānana |
astreṇa śodhayitvā tu kavacenāvakuṇṭhayet || 17 ||
Übersetzung: All dies wasche man mit dem Herzmantra, o Sechsgesichtiger. Nach der Reinigung mit dem Waffenmantra umhülle man es durch das Panzer-Mantra.
8.18
śikhāmantreṇa sandhūpya dīpaṃ dattvā tu cakṣuṣā |
brahmabhistatra vai vatsa udakaṃ secayettadā || 18 ||
Übersetzung: Mit dem Haarbüschel-Mantra räuchere man, mit dem Augenmantra bringe man Licht dar. Mein Kind, mit den Brahmamantras gieße man Wasser hinein.
8.19
hṛdayena gandhamāloḍya śirasā kuṅkumaṃ kṣipet |
dravyāṇi prokṣayedvidvān śivāstaṃ hṛdayena ca || 19 ||
Übersetzung: Mit dem Herzmantra verrühre man den Duftstoff, mit dem Kopfmantra gebe man Safran hinzu. Der Kundige besprenge die Gegenstände mit Shivas Waffenmantra und dem Herzmantra.
8.20
prathamamātmaśuddhistu dvitīyaṃ sthānaśodhanam |
tṛtīyaṃ dravyaśuddhistu hṛdayāstreṇa deśikaḥ || 20 ||
Übersetzung: Erstens erfolgt die Reinigung des eigenen Selbst, zweitens die Reinigung des Ortes, drittens die Reinigung der Gegenstände durch den Lehrer mit Herz- und Waffenmantra,
8.21
caturthaṃ liṅgaśuddhistu pañcamaṃ mantraśodhanam |
pañcabrahma śivāṅgaiśca śivaṃ vidyeśvarairapi || 21 ||
Übersetzung: viertens die Reinigung des Lingam, fünftens die Reinigung der Mantras. Mit den fünf Brahmamantras, Shivas Gliedmantras, Shiva und den Vidyeshvaras,
8.22
vyomavyāpi kalāmantrairaṣṭatriṃśatkalairapi |
sakṛjjaptvā tu toye tu dhūpadīpau ca dāpayet || 22 ||
Übersetzung: Vyomavyapin, den Kala-Mantras und den achtunddreißig Kalas rezitiere man einmal über dem Wasser; dann bringe man Räucherwerk und Licht dar.
8.23
śivāstreṇaiva mantreṇa liṅgaṃ prakṣālayettataḥ |
apanīya ca nirmālyaṃ caṇḍeśāya pradāpayet || 23 ||
Übersetzung: Anschließend wasche man das Lingam mit Shivas Waffenmantra. Die abgelegten Opfergaben entferne man und übergebe sie Chandeshvara.
8.24
pūjā paryuṣitāyā tu pūrvavatparikalpayet |
pāśupatenaiva śāstreṇa pīṭhaṃ prakṣālayet tataḥ || 24 ||
Übersetzung: Wenn die Verehrungsgaben über Nacht liegengeblieben sind, bereite man alles wie zuvor. Danach wasche man den Sockel mit dem Pashupata-Waffenmantra.
8.25
āsanaṃ kalpayetpaścāt śāstradṛṣṭena karmaṇā |
śaktibījaṃ cāṅkuraṃ ca madhye vai vinyasedbudhaḥ || 25 ||
Übersetzung: Anschließend bereite man den Sitz nach der in der Schrift gelehrten Handlung. Die Keimsilbe der Shakti und den Spross lege der Verständige in die Mitte.
8.26
dharmaṃ jñānaṃ ca vairāgyaṃ aiśvaryaṃ ca catuṣṭayam |
āgneyādisamārabhya vidikṣu vinyasedbudhaḥ || 26 ||
Übersetzung: Dharma, Jnana, Vairagya und Aishvarya – Rechtschaffenheit, Erkenntnis, Loslösung und Herrschaftskraft – lege er beginnend im Südosten in die Zwischenrichtungen.
8.27
pūrvagātraṃ nyasetpūrve dakṣiṇe dakṣagātrakam |
paścime paścimaṃ gātramuttare gātramuttaram || 27 ||
Übersetzung: Das östliche Glied lege er im Osten auf, das südliche im Süden, das westliche im Westen und das nördliche im Norden.
8.28
svanāmādyena bījena hṛdaye tu nyasetkramāt |
madhyapādaṃ nyasetpaścāt svanāmādyena keśavam || 28 ||
Übersetzung: Mit der Keimsilbe aus dem jeweiligen Namensanfang lege er sie der Reihe nach im Herzen auf. Danach lege er den mittleren Fuß auf und Keshava mit dem Anfangslaut seines Namens.
8.29
anantāsanaṃ tu prathamaṃ dvitīyaṃ yogāsanaṃ bhavet |
tṛtīyaṃ padmāsanaṃ nyasya caturthaṃ vimalaṃ nyaset || 29 ||
Übersetzung: Als ersten lege man den Ananta-Sitz auf, als zweiten den Yoga-Sitz, als dritten den Lotussitz und als vierten den makellosen Sitz.
8.30
adhacchandordhvadalaṃ caiva hṛdayena tu vinyaset |
karṇikāṃ kesaraṃ caiva padmasyopari kalpayet || 30 ||
Übersetzung: Mit dem Herzmantra lege man die untere Bedeckung und die oberen Blätter auf. Über dem Lotus stelle man Fruchtboden und Staubfäden vor.
8.31
aṣṭapatraṃ nyasettatra śvetapaṅkajamuttamam |
śaktayaḥ kalpanīyāstu kesareṣu yathākramam || 31 ||
Übersetzung: Dort lege man einen vorzüglichen weißen Lotus mit acht Blättern auf. An den Staubfäden sind die Shaktis der Reihe nach vorzustellen,
8.32
pūrvapatrātsamārabhya yāvatputraṃ tu śāṅkaram |
vāmā jyeṣṭhā ca raudrī ca kālī kalavikāriṇī || 32 ||
Übersetzung: beginnend mit dem östlichen Blatt bis zum Blatt Shankaras im Nordosten: Vama, Jyeshtha, Raudri, Kali und Kalavikarini,
8.33
kalavikariṇī kalapramathinī sarvabhūtadamanī tathā |
manonmanīṃ nyasenmadhye śaktiṃ vai karaṇātmikām || 33 ||
Übersetzung: Kalavikarini, Kalapramathini und Sarvabhutadamani; in die Mitte lege man Manonmani, die Shakti, deren Wesen das innere Vermögen ist. [Die Vorlage wiederholt Kalavikarini und bietet auffällige Namensformen.]
8.34
sattvaṃ rajastamaścaiva uparyupari vinyaset |
- * * * * * * * citraṃ bimbaṃ nyasetkramāt || 34 ||
Übersetzung: Sattva, Rajas und Tamas lege man übereinander. [Textlücke] das vielfältige Bild lege man der Reihe nach auf.
8.35
ātmānamantarātmānaṃ paramātmānameva ca |
uparyupari vinyasya svanāmādyakṣareṇa ca || 35 ||
Übersetzung: Das Selbst, das innere Selbst und das höchste Selbst lege man übereinander, jeweils mit dem Anfangslaut ihres Namens.
8.36
āvāhayet tato devaṃ sadyojātena mantravit |
sthāpayedvāmadevena aghoreṇa nirodhayet || 36 ||
Übersetzung: Dann rufe der Mantrakundige mit Sadyojata den Gott herbei; mit Vamadeva stelle er ihn auf, mit Aghora halte er ihn fest.
8.37
sānnidhyaṃ puruṣeṇaiva īśānena tu pūjayet |
pādau pādyaṃ purā dadyāt āgatasya śivasya tu || 37 ||
Übersetzung: Mit Tatpurusha bewirke er seine Gegenwart, mit Ishana verehre er ihn. Dem angekommenen Shiva bringe er zuerst Wasser für die Füße dar.
8.38
mukheṣvācamanaṃ dadyāt śirasyarghyaṃ nivedayet |
śuddhasphaṭikasaṃkāśaṃ sphurantaṃ dīptatejasam || 38 ||
Übersetzung: Den Gesichtern bringe er Mundspülwasser, dem Kopf Arghya dar. Er vergegenwärtige den wie reinen Kristall erscheinenden, funkelnden und lichtstrahlenden Gott,
8.39
tryakṣaṃ pañcavaktraṃ ca candrārdhakṛtaśekharam |
jaṭāmakuṭadhāraṃ ca padmapatrāgatekṣaṇam || 39 ||
Übersetzung: dreiäugig und fünfgesichtig, mit dem Halbmond als Kopfschmuck, mit einer Krone aus aufgetürmtem Haar und Augen wie Lotusblätter.
8.40
pañcavaktraṃ tu deveśaṃ pañcamūrdhaṃ sukhaṃ yutam |
sarvalakṣaṇasaṃyuktaṃ sarvābharaṇabhūṣitam || 40 ||
Übersetzung: Den fünfgesichtigen Herrn der Götter mit fünf Häuptern, von Glück erfüllt, mit allen günstigen Merkmalen und sämtlichem Schmuck,
8.41
makuṭaṃ kuṇḍalaṃ caiva keyūraṃ kaṭakaṃ tathā |
svarṇayajñopavītaṃ ca kaṭisūtrodarabandhanaiḥ || 41 ||
Übersetzung: mit Krone, Ohrringen, Oberarm- und Handreifen, goldener heiliger Schnur, Hüftschnur und Bauchband,
8.42
mekhalānupuraiścaiva sarvaratnavibhūṣitaiḥ |
divyāmbaradharaṃ devaṃ divyastraggandhalepanam || 42 ||
Übersetzung: mit juwelengeschmücktem Gürtel und Fußringen; den Gott mit himmlischen Gewändern, himmlischen Girlanden und duftender Salbung
8.43
arcayedāsanaṃ devaṃ cāmarotkṣepavījitam |
sadyaṃ vāmamaghoraṃ ca tatpuruṣeśānameva ca || 43 ||
Übersetzung: verehre man auf seinem Sitz, durch das Schwingen von Fliegenwedeln befächelt. Sadyojata, Vamadeva, Aghora, Tatpurusha und Ishana
8.44
īśānādinyasedvatsa vaktraṃ hṛdi ca guhyake |
sadyaṃ vai pādayornyasya svasvabījena vinyaset || 44 ||
Übersetzung: lege man, mein Kind, beginnend mit Ishana [auf Kopf], Gesicht, Herz und Genitalbereich auf. Sadyojata lege man auf die Füße; jede Gestalt mit ihrer eigenen Keimsilbe.
8.45
sadyaḥ kalābhiraṣṭābhirvāmadevāstrayodaśa |
aghorasyābhicāṣṭābhiścaturbhiścaiva vaktrakam || 45 ||
Übersetzung: Sadyojata mit acht Kalas, Vamadeva mit dreizehn, Aghora mit acht und das Gesicht [Tatpurusha] mit vier,
8.46
īśānaṃ pañcadhā caiva aṣṭatriṃśatkalāṃ nyaset |
pūrvaṃ ca dakṣiṇaṃ caiva paścimaṃ cottaraṃ tathā || 46 ||
Übersetzung: Ishana fünffach: So lege man die achtunddreißig Kalas auf. Osten, Süden, Westen und Norden,
8.47
ūrdhvamūrdhnāpi saṃyuktamīśānaṃ parikalpayet |
pūrvaṃ ca dakṣiṇaṃ caiva paścimaṃ cottaraṃ tathā || 47 ||
Übersetzung: verbunden mit dem nach oben gerichteten Haupt, stelle man als Ishana vor. Osten, Süden, Westen und Norden,
8.48
ūrdhvavaktreṇa saṃyuktaṃ puruṣaṃ pañcavaktrake |
hṛdaye gale'ṃsayoścaiva nābhau ca jaṭhare nyaset || 48 ||
Übersetzung: verbunden mit dem nach oben gerichteten Gesicht, ordne man dem fünfgesichtigen Purusha zu. Auf Herz, Kehle, Schultern, Nabel und Bauch lege man [die folgenden Kalas],
8.49
pṛṣṭhe hyurasi vai vatsa aghoraṃ cāṣṭadhā nyaset |
liṅge gude ca ūrvośca jānunojaṅghayorapi || 49 ||
Übersetzung: auf Rücken und Brust, mein Kind: So lege man Aghora achtfach auf. Auf Glied, After, Oberschenkel, Knie und Unterschenkel,
8.50
sphicostathaiva kaṭyāṃ ca pārśvayośca dvayorapi |
trayodaśa kalā hyetā vāmamantreṇa vinyaset || 50 ||
Übersetzung: beide Gesäßhälften, Hüfte und beide Seiten lege man diese dreizehn Kalas mit dem Vamadeva-Mantra auf.
8.51
pādau hastau ca nāsāyāṃ śirasyubhayabāhuke |
sadyabījaṃ nyasedvatsa aṣṭasthāne tu vinyaset || 51 ||
Übersetzung: Auf beide Füße, beide Hände, Nase, Kopf und beide Arme lege man, mein Kind, die Sadyojata-Keimsilbe: an acht Stellen.
8.52
evaṃ vinyasya vidhinā paścādarcanamārabhet |
yathā dehe tathā deve agnau home tathaiva ca || 52 ||
Übersetzung: Nach dieser regelgerechten Auflegung beginne man die Verehrung. Wie am eigenen Leib verfahre man am Gott und ebenso im Feuer beim Feueropfer.
8.53
hṛdaye'rcāvidhānaṃ tu nābhau homaṃ prakalpayet |
lalāṭe ceśvaraṃ dhyāyet varadaṃ sarvatomukham || 53 ||
Übersetzung: Im Herzen stelle man die Verehrung, am Nabel das Feueropfer vor. An der Stirn meditiere man über den Gaben gewährenden, nach allen Seiten gewandten Ishvara.
8.54
meheśaṃ sadāśivaṃ caiva śivaṃ ca trividhaṃ bhavet |
mūrdhni vai hṛdi madhye ca krameṇa parikalpayet || 54 ||
Übersetzung: Mahesha, Sadashiva und Shiva bilden die Dreiheit. An Kopf, Herz und Mitte stelle man sie der Reihe nach vor. [Die örtliche Zuordnung unterscheidet sich von Kapitel 7.]
8.55
dakṣiṇe hyātmatattvaṃ tu vidyātattvaṃ tu cottare |
madhye vai śivatattvaṃ tu trīṇi pañcaṃ suvinyaset || 55 ||
Übersetzung: Rechts das Atma-Tattva, nördlich das Vidya-Tattva und in der Mitte das Shiva-Tattva: Diese drei [danach folgt das unverbundene Zahlwort „fünf“] lege man sorgfältig auf.
8.56
hṛdaye hṛdayaṃ nyasya śiraśśirasi vinyaset |
śikhāyāṃ tu śikhāṃ nyasya kavacaṃ stanamadhyataḥ || 56 ||
Übersetzung: Das Herzmantra lege man auf das Herz, das Kopfmantra auf den Kopf, das Haarbüschel-Mantra auf den Haarbüschel und den Panzer zwischen die Brüste.
8.57
astraṃ hastapradeśeṣu netraṃ netreṣu vinyaset |
daśa pañcasu netreṣu netramudrāṃ pradarśayet || 57 ||
Übersetzung: Das Waffenmantra lege man in die Handbereiche, das Augenmantra auf die Augen. Für die fünfzehn Augen zeige man die Augen-Mudra.
8.58
kṣurikāṃ kalpayedvatsa dakṣiṇe kaṭideśake |
śivāstraṃ vinyasettatra bāhumātrapradeśataḥ || 58 ||
Übersetzung: Mein Kind, das Messer stelle man rechts an der Hüfte vor. Dort lege man Shivas Waffe in einem Abstand von einer Armlänge auf,
8.59
dalāgreṣu ca sarveṣu daśadikṣu ca vinyaset |
śivasya dakṣiṇe pārśve bāhumātrādanantaram || 59 ||
Übersetzung: an allen Blattspitzen und in den zehn Richtungen. An Shivas rechter Seite, eine Armlänge entfernt,
8.60
astraṃ pāśupataṃ divyaṃ svabījena tu vinyaset |
aghośastraṃ pade deśe vinyasettu tṛtīyayā || 60 ||
Übersetzung: lege man die göttliche Pashupata-Waffe mit ihrer eigenen Keimsilbe auf. Die Aghora-Waffe lege man im Bereich der Füße mit der dritten [Formel; Bezug unvollständig] auf.
8.61
evaṃ nyasya vidhānena paścādarcanamārabhet |
pañcamantraiśca mantrajño hṛdayena tu saṃyutam || 61 ||
Übersetzung: Nach dieser regelgerechten Auflegung beginne man die Verehrung. Der Mantrakundige verwende die fünf Mantras, verbunden mit dem Herzmantra.
8.62
abhiṣekaṃ kārayedvatsa śāstradṛṣṭena karmaṇā |
ratnodakaṃ suvarṇāmbhaḥ puṣpodakaṃ yavodakam || 62 ||
Übersetzung: Mein Kind, er vollziehe die Weihebegießung nach der in der Schrift gelehrten Handlung: mit Edelsteinwasser, Goldwasser, Blütenwasser und Gerstenwasser,
8.63
aṣṭottaraśatairvāpi catuṣṣaṣṭirathāpi vā |
dvātriṃśat ṣoḍaśaṃ vāpi navakumbhathāpi vā || 63 ||
Übersetzung: mit 108, 64, 32, 16 oder neun Krügen.
8.64
gandhodakaiḥ pūrayitvā abhiṣekaṃ tu kārayet |
cakravartyupacāreṇa sugandhāmalakādibhiḥ || 64 ||
Übersetzung: Man fülle sie mit duftendem Wasser und vollziehe die Begießung. Wie bei der Bedienung eines Weltherrschers verwende man wohlriechende Amalaka-Früchte und weitere Gaben,
8.65
dadhi kṣīraṃ madhu ghṛtaṃ pañcagavyaṃ tathaiva ca |
nālikerasya salilaṃ ikṣūdakamathāpi vā || 65 ||
Übersetzung: Sauermilch, Milch, Honig, geklärte Butter, Panchagavya, Kokoswasser oder Zuckerrohrsaft.
8.66
punargandhodakaiḥ snāpya vastrapūtena vāriṇā |
candanaṃ kuṅkumaṃ vāpi agaruṃ śaṅkhameva ca || 66 ||
Übersetzung: Danach bade man die Gottheit wieder mit Duftwasser und durch ein Tuch gefiltertem Wasser. Sandelholz, Safran, Agaru, Shankha,
8.67
niryāsaṃ triphalā caiva uśīraṃ vālakena ca |
sudhūpyena ca gandhena guṇyaṣṭaphalamiṣyate || 67 ||
Übersetzung: Harz, die drei Früchte, Ushira und Valaka: Mit gutem Räucherwerk und Duftstoff wird eine achtfache Frucht erstrebt. [Die Verhältnisangabe ist sprachlich unsicher.]
8.68
- * * * * * bilvaiḥ jātimallika pāṭale |
arcayeddhṛdayenaiva droṇairvā karavīrakaiḥ || 68 ||
Übersetzung: [Textlücke], Bilva, Jati, Mallika und Patali, Drona oder Oleander: Mit diesen verehre man unter dem Herzmantra.
8.69
pūrvoktadīpaṃ dattvā tu dīpaṃ dadyātsamāhitaḥ |
prathamāvāhane hyarghyaṃ pūjāṃ ceti pradāpayet || 69 ||
Übersetzung: Nachdem man das zuvor beschriebene Licht dargebracht hat, bringe man gesammelt Licht dar. [Die Handlung ist in der Vorlage wiederholt.] Zuerst bei der Herbeirufung gebe man Arghya und ebenso bei der Verehrung.
8.70
pūjanānte tu cārghyaṃ syāt trirarghyaṃ parikalpayet |
āvāhane tu prathamaṃ sumukhārghyaṃ pradāpayet || 70 ||
Übersetzung: Auch am Ende der Verehrung sei Arghya darzubringen; so bereite man drei Arghya-Gaben. Zuerst, bei der Herbeirufung, bringe man das zugewandte Arghya dar.
8.71
pūjānte sumukhaṃ dadyāt parāṅmukhaṃ pradāpayet |
parāṅmukhaṃ visarjane ca hṛdārghyaṃ tu dāpayet || 71 ||
Übersetzung: Am Ende der Verehrung bringe man es zugewandt und abgewandt dar; beim Entlassen abgewandt. Mit dem Herzmantra bringe man das Arghya dar. [Die Angaben zur Ausrichtung überschneiden sich.]
8.72
mudrāṃ ca darśayedvatsa pracchinnaiḥ susamāhitaḥ |
liṅgamudrā padmamudrā mūlamudrā tathaiva ca || 72 ||
Übersetzung: Mein Kind, zeige ganz gesammelt die einzelnen Mudras: Lingam-Mudra, Lotus-Mudra und Wurzel-Mudra,
8.73
ṭaṅkaṃ vajraṃ ca surabhiḥ niṣṭhurā vṛṣabhaṃ tathā |
pāśaṃ khaḍgaṃ dhanuścaiva nārācaṃ khaṇḍameva ca || 73 ||
Übersetzung: Beil, Donnerkeil, Surabhi, Nishthura, Stier, Schlinge, Schwert, Bogen, Naracha-Pfeil und Khanda,
8.74
khaṭvāṅgaṃ ca kapālaṃ ca nārācaṃ ḍamaruṃ tathā |
darśayeddhṛdayenaiva gandhapuṣpasamanvitam || 74 ||
Übersetzung: Khatvanga-Stab, Schädel, Naracha-Pfeil und Damaru-Trommel. Mit dem Herzmantra, verbunden mit Duftstoffen und Blumen, zeige man sie.
8.75
pañcavarṇaiṃśca carubhiḥ pañcavaktre tu kalpayet |
pāyasaṃ yavakaṃ kṛsaraṃ haridrānnaṃ gulānnakam || 75 ||
Übersetzung: Für die fünf Gesichter bereite man Opferbreie in fünf Farben: Milchreis, Gerstenbrei, Krishara, Kurkumareis und Rohrzuckerreis.
8.76
pañcavaktreṣu cācāmyaṃ sadyādi parikalpayet |
pṛthak kuḍubasarpiśca trayaśca kadalīphalam || 76 ||
Übersetzung: Für die fünf Gesichter, beginnend mit Sadyojata, bereite man Mundspülwasser. Jeweils gesondert bringe man ein Kudava geklärte Butter und drei Bananen dar,
8.77
guḍakhaṇḍaṃ pṛthaktrayamupadaṃśa pañca pañcasu |
godadhiprasthaṃ tu prathamaṃ hṛdayena nivedayet || 77 ||
Übersetzung: je drei Stücke Rohrzucker und je fünf Beigaben. Zuerst bringe man mit dem Herzmantra ein Prastha Kuhsauermilch dar.
8.78
mukhavāsaṃ ca tāmbūlaṃ karpūraphalasaṃyutam |
pānīyaṃ ca pradātavyaṃ pūrvoktahṛdayena tu || 78 ||
Übersetzung: Mundduft und Betel, verbunden mit Kampfer und Früchten, sowie Trinkwasser sind mit dem zuvor genannten Herzmantra darzubringen.
8.79
trisandhyaṃ nivedayedevaṃ bhaktiyukto dṛḍhavrataḥ |
bhakṣyaṃ bhojyaṃ ca peyaṃ ca lehyaṃ poṣyaṃ ca pañcadhā || 79 ||
Übersetzung: Zu den drei Tagesübergängen bringe man so die Gaben dar, voller Bhakti und fest im Gelübde. Die Nahrung ist fünffach: zu kauen, zu essen, zu trinken, zu lecken und zu saugen. [Das letzte Wort ist entstellt.]
8.80
nivedayeddhṛdā caiva antarālatraye tathā |
ghṛtapūrairyogavarti pṛthukaṃ nālikerakam || 80 ||
Übersetzung: Mit dem Herzmantra bringe man sie auch in den drei Zwischenzeiten dar: Ghritapura-Gebäck, Yogavarti, gepresste Reiskörner und Kokosnuss,
8.81
sānusaktaiḥ śaṣkulībhiśca bhakṣyāṃśca vinivedayet |
āmrapanasanāraṅgamātulaṅgaphalādibhiḥ || 81 ||
Übersetzung: mit geröstetem Mehl und Shashkuli-Gebäck sowie weiteren essbaren Gaben, mit Mango, Jackfrucht, Orange, Zitronatzitrone und anderen Früchten,
8.82
badarīphalakapitthaṃ ca karkarīphalameva ca |
tarasīkaṃ ca payasā hasā phalameva ca || 82 ||
Übersetzung: mit Jujube, Kapittha, Karkari-Frucht, Tarasika mit Milch und Hasa-Frucht. [Mehrere Fruchtbezeichnungen sind nicht sicher bestimmbar.]
8.83
nivedayeddhṛdayenaiva bhaktiyuktaḥ samāhitaḥ |
nivedayitvā hṛditān lehya coṣyān sumedhyakām || 83 ||
Übersetzung: Mit dem Herzmantra bringe man sie gesammelt und voller Hingabe dar; ebenso die gut reinigenden Speisen zum Lecken und Saugen.
8.84
arcayitvā mahādevaṃ paścāt brahmāṇi cārcayet |
sadyaṃ paścimataḥ pūjya vāmadevaṃ tu cottare || 84 ||
Übersetzung: Nachdem man Mahadeva verehrt hat, verehre man die Brahmamantra-Gestalten: Sadyojata im Westen und Vamadeva im Norden,
8.85
aghoraṃ dakṣiṇe'bhyarcya puruṣaṃ pūrve tu pūjayet |
īśānaṃ karṇikāyāṃ tu pūjayedgandhapuṣpakaiḥ || 85 ||
Übersetzung: Aghora im Süden und Purusha im Osten. Ishana verehre man auf dem Lotusfruchtboden mit Duftstoffen und Blumen.
8.86
āgneyyāṃ hṛdaye pūjya aiśānyāṃ tu śiro yajet |
nair-ṛtyāṃ tu śikhāṃ pūjya vāyavyaṃ kavacaṃ yajet || 86 ||
Übersetzung: Im Südosten verehre man das Herzmantra, im Nordosten das Kopfmantra, im Südwesten das Haarbüschel-Mantra und im Nordwesten den Panzer.
8.87
astraṃ diśā susaṃpūjya netramīśānagocare |
madhyame śivatattvaṃ tu pūjayedgandhapuṣpakaiḥ || 87 ||
Übersetzung: Das Waffenmantra verehre man in den Richtungen, das Augenmantra im Bereich Ishanas. In der Mitte verehre man das Shiva-Tattva mit Duftstoffen und Blumen.
8.88
sadāśivaṃ yajenmadhye kiñcidāgneyamācaret |
madhyame tu yajeddevaṃ śivaṃ paramakāraṇam || 88 ||
Übersetzung: Sadashiva verehre man in der Mitte, ein wenig nach Südosten versetzt. In der Mitte verehre man den Gott Shiva, die höchste Ursache.
8.89
sakalaṃ maheśvaraṃ devaṃ niṣkalaṃ tu śivaṃ yajet |
sakalaṃ niṣkalaṃ devarūpaṃ viddhi sadāśivam || 89 ||
Übersetzung: Als mit Teilen ausgestatteten Gott verehre man Maheshvara, als teillosen Shiva. Die göttliche Gestalt, die zugleich mit und ohne Teile ist, erkenne als Sadashiva.
8.90
sthūlaṃ maheśvaraṃ viddhi sūkṣmarūpaṃ sadāśivam |
paraṃ śivaṃ hi vijñeyaṃ śivātparataraṃ na ca || 90 ||
Übersetzung: Maheshvara erkenne als die grobe Gestalt, Sadashiva als die feine und Shiva als das Höchste. Über Shiva hinaus gibt es nichts Höheres.
8.91
jāgratsvapnaṃ maheśaṃ tu suṣuptaṃ tu sadāśivam |
avasthātrayanirmuktaṃ turīyaṃ śivameva ca || 91 ||
Übersetzung: Wachen und Traum gehören zu Mahesha, der Tiefschlaf zu Sadashiva. Das von den drei Zuständen freie Vierte, Turiya, ist Shiva selbst.
8.92
māṃ vai maheśvaraṃ viddhi tvajā kātu manonmanī |
tvaṃ sākṣānmama rūpaṃ tu madhyaṃ cāpi mamāmbikā || 92 ||
Übersetzung: Mich erkenne als Maheshvara; [ein beschädigter Ausdruck] Manonmani. Du bist unmittelbar meine Gestalt, und die Mitte ist meine Ambika. [Der Bezug des angesprochenen „Du“ und der Ausdruck vor Manonmani bleiben unsicher.]
8.93
etaddivyaṃ samākhyātaṃ sarvaṃ śivamayaṃ bhavet |
na śivārcanatulyo'sti dharmo'tra bhuvanatraye || 93 ||
Übersetzung: Dieses göttliche Wissen wurde verkündet: Alles ist von Shiva erfüllt. In den drei Welten gibt es keine religiöse Übung, die der Shiva-Verehrung gleichkommt.
Unnummerierte Passage: iti vijñāya yatnena pūjanīyaḥ sadāśivaḥ |
Übersetzung: In dieser Erkenntnis soll man Sadashiva mit Sorgfalt verehren.
iti kālottare śivārcanapaṭalo'ṣṭamaḥ || 8 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 8 über „Shiva-Verehrung“.
Überlieferungslücke: Die Vorlage vermerkt ausdrücklich das Fehlen der Kapitel 9, 10, 11 und 12. Der nächste erhaltene Abschnitt ist Kapitel 13.
Kapitel 13 – Merkmale der Mudras
13.1
śīḥ
īśvara uvāca-
vidyeśvarān gaṇeśāṃśca lokapālāstameva ca |
aṣṭamūrtiśca vijñeyā rudrādyekādaśa smṛtāḥ || 1 ||
Übersetzung: Ishvara sprach: Man vergegenwärtige die Vidyeshvaras, die Herren der Scharen, die Welthüter, die acht Gestalten und die als elf überlieferten Rudras.
13.2
ādityān dvādaśābhyarcya vasūścāpyaṣṭa pūjayet |
gandharvāścāraṇāḥ siddhā yakṣā nāgāśca kinnarāḥ || 2 ||
Übersetzung: Nachdem man die zwölf Adityas verehrt hat, verehre man die acht Vasus; ferner Gandharvas, Charanas, Siddhas, Yakshas, Nagas und Kinnaras,
13.3
vidyādharā yātudhānā gāruḍāśca maharddhikāḥ |
ṛṣayopsara(sa)ścaiva asurā dvādaśā matāḥ || 3 ||
Übersetzung: Vidyadharas, Yatudhanas, Garudas und die Mächtigen, Seher, Apsaras und Asuras: zwölf Gruppen. [Die Aufzählung lässt sich nicht eindeutig auf zwölf Gruppen verteilen.]
13.4
aṣṭāviṃśatyāvaraṇaṃ pūjayetsusamāhitaḥ |
ananteśaśca sūkṣmaśca śivoktaścaikanetrakaḥ || 4 ||
Übersetzung: Ganz gesammelt verehre man den achtundzwanzigfachen Umkreis. Anantesha, Sukshma, Shivokta und Ekanetra,
13.5
ekarudrastrimūrtiśca śrīkaśca śikhaṇḍakaḥ |
pīṭhānte pūjayedetān prathamāvaraṇe guha || 5 ||
Übersetzung: Ekarudra, Trimurti, Shrika und Shikhandaka verehre man am Rand des Sockels im ersten Umkreis, o Guha. [Shivokta und Shrika stehen so in der Vorlage.]
13.6
bhavaḥ śarvastathośānaḥ paśupatiṃ * * tataḥ |
rudro bhūtastathā bhīmo mahāseno'ṣṭamo bhavet || 6 ||
Übersetzung: Bhava, Sharva, Ishana, Pashupati, [Textlücke], Rudra, Bhuta und Bhima; Mahasena soll der achte sein. [Die Zahl und die Namensreihe passen nicht eindeutig zusammen.]
13.7
gandhapuṣpādibhirnityaṃ dvitīyāvaraṇe yajet |
mahādevaḥ śivorudraḥ śaṅkaro nīlalohitaḥ || 7 ||
Übersetzung: Im zweiten Umkreis verehre man sie täglich mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben. Mahadeva, Shiva, Rudra, Shankara und Nilalohita,
13.8
īśāno vijayo bhīmo devadevo bhavodbhavaḥ |
kapālīśaśca vijñeyā rudrāstvekādaśa smṛtāḥ || 8 ||
Übersetzung: Ishana, Vijaya, Bhima, Devadeva, Bhavodbhava und Kapalisha erkenne man als die elf Rudras.
13.9
dvitīyāvaraṇe vatsa pīṭhe saṃpūjayedguha |
gaṇeśvarān yajedbāhye ālayasya ṣaḍānana || 9 ||
Übersetzung: Mein Kind, diese verehre man auf dem Sockel im zweiten Umkreis, o Guha. Die Herren der Scharen verehre man außerhalb des Heiligtums, o Sechsgesichtiger.
13.10
umā caṇḍeśa nandīśau mahākālo vṛṣastathā |
gaṇapatiśca bhṛṅgīśo subrahmaṇyo gaṇobhavet || 10 ||
Übersetzung: Uma, Chandesha, Nandisha, Mahakala, der Stier, Ganapati, Bhringisha und Subrahmanya bilden die Schar.
13.11
caturthāvaraṇe hyetān gandhapuṣpaiḥ pṛthak pṛthak |
pañcamāvaraṇe vatsa dvādaśādityapūjanam || 11 ||
Übersetzung: Diese verehre man im vierten Umkreis jeweils einzeln mit Duftstoffen und Blumen. Im fünften Umkreis, mein Kind, erfolgt die Verehrung der zwölf Adityas.
13.12
vaikartano vivasvāṃśca martāṇḍo bhāskaro raviḥ |
lokaprakāśakaścaiva lokasākṣī trivikramaḥ || 12 ||
Übersetzung: Vaikartana, Vivasvat, Martanda, Bhaskara, Ravi, Lokaprakashaka, Lokasakshin und Trivikrama,
13.13
ādityaśca tathā sūryaḥ aṃśumālī divākaraḥ |
etān vai dvādaśādityān tadbāhye pūjayedbudhaḥ || 13 ||
Übersetzung: Aditya, Surya, Anshumalin und Divakara: Diese zwölf Adityas verehre der Verständige außerhalb davon.
13.14
gaganasparśanastejo rasaśca pṛthivīti ca |
candraḥ sūryaśamātmā ca vasavaścāṣṭa pūjayet || 14 ||
Übersetzung: Raum, Berührung, Feuer, Geschmack, Erde, Mond, Sonne und das Selbst verehre man als die acht Vasus.
13.15
vajraṃ śaktiśca daṇḍaśca khaḍgaṃ pāśaṃ tathāṅkuśam |
gadā triśūlaṃ cakraṃ ca padmaṃ ceti yathākramam || 15 ||
Übersetzung: Donnerkeil, Speer, Stab, Schwert, Schlinge, Elefantenstachel, Keule, Dreizack, Diskus und Lotus [verehre man] der Reihe nach.
13.16
gabhastī sparśano vāṭī nīlo marutastathā |
prāṇaḥ prāṇeśajīveśau marutoṣṭāviti smṛtāḥ || 16 ||
Übersetzung: Gabhasti, Sparshana, Vati, Nila, Maruta, Prana, Pranesha und Jivesha gelten als die acht Maruts. [Einzelne Namen weichen von Kapitel 2 ab.]
13.17
navamāvaraṇe caiva gandharvānaṣṭa pūjayet |
citraseno mahāsenaḥ sumitraḥ sumukhaḥ smṛtaḥ || 17 ||
Übersetzung: Im neunten Umkreis verehre man die acht Gandharvas: Chitrasena, Mahasena, Sumitra, Sumukha,
13.18
viśvāvasuḥ sugādhī ca svarajñaḥ pañcabhītakaḥ |
ekādaśe cāvaraṇe īśaṃ vai cāraṇānnyaset || 18 ||
Übersetzung: Vishvavasu, Sugadhi, Svarajna und Panchabhitaka. Im elften Umkreis lege man den Herrn und die Charanas auf.
13.19
khagacārī sucārī ca brahmagā brahmavittamaḥ |
śāśvataḥ sarvagopuṣṭaḥ supuṣṭaścāṣṭamo mataḥ || 19 ||
Übersetzung: Khagacharin, Sucharin, Brahmaga, Brahmavittama, Shashvata, Sarvagopushta und Supushta, der als achter gilt. [Die Worttrennung lässt die Achterzahl nicht sicher erkennen.]
13.20
dvādaśāvaraṇe pūjyā aṣṭau vai siddhapaṅkitaḥ |
mantrajño brahmavitprājño haṃsarāsiddhapūjitaḥ || 20 ||
Übersetzung: Im zwölften Umkreis ist die Reihe der acht Siddhas zu verehren: Mantrajna, Brahmavid, Prajna, Hamsara, Siddhapujita,
13.21
siddhavit paramaḥ siddhaḥ ityetānaṣṭa pūjayet |
trayodaśe cāvaraṇe yakṣeśānaṣṭa pūjayet || 21 ||
Übersetzung: Siddhavid, Parama und Siddha: Diese acht verehre man. Im dreizehnten Umkreis verehre man die acht Yaksha-Herren.
13.22
yakṣeśo dhanadaścaiva jambhalo maṇibhadrakaḥ |
pūrṇabhadraśca vimalī ḍivikuṇḍimaṣva ca || 22 ||
Übersetzung: Yakshesha, Dhanada, Jambhala, Manibhadra, Purnabhadra, Vimali und Divikundima [die letzte Namensform ist entstellt],
13.23
narendraścaiva vai vatsa aṣṭauyakṣāṃśca pūjayet |
ananto vāsukiścaiva takṣakārkoṭakau tathā || 23 ||
Übersetzung: ferner Narendra: Mein Kind, diese acht Yakshas verehre man. Ananta, Vasuki, Takshaka und Karkotaka,
13.24
padmaścaiva mahāpadmo gulakaḥ śaṅkhapālakaḥ |
caturdaśe cāvaraṇe pūjayedgandhapuṣpakaiḥ || 24 ||
Übersetzung: Padma, Mahapadma, Gulaka und Shankhapala verehre man im vierzehnten Umkreis mit Duftstoffen und Blumen.
13.25
pañcadaśe tvāvaraṇe virajānandaṃ pūjayet |
virājaḥ kinnarajñaśca śūrasenaḥ pramardakaḥ || 25 ||
Übersetzung: Im fünfzehnten Umkreis verehre man Virajananda. Viraja, Kinnarajna, Shurasena und Pramardaka,
13.26
atiśayaḥ suprajo gīto gītajñaścāṣṭamo bhavet |
ṣoḍaśe pūjayed vatsa aṣṭau vidyādharānapi || 26 ||
Übersetzung: Atishaya, Supraja, Gita und Gitajna als achter [bilden die folgende Reihe]. Im sechzehnten Umkreis verehre man, mein Kind, auch die acht Vidyadharas.
13.27
saptadaśe cāvaraṇe hayagrīvān prapūjayet |
hayagrīvo mahājambhaḥ kālanemirmahābalaḥ || 27 ||
Übersetzung: Im siebzehnten Umkreis verehre man Hayagriva und die Seinen: Hayagriva, Mahajambha, Kalanemi, Mahabala,
13.28
sugrīvo mardakaścaiva piśitāṅgo devamardakaḥ |
aṣṭādaśāvaraṇe tu ṛṣīnaṣṭa prapūjayet || 28 ||
Übersetzung: Sugriva, Mardaka, Pishitanga und Devamardaka. Im achtzehnten Umkreis verehre man die acht Seher:
13.29
agastyo vāsiṣṭho'ṅgirā manuḥ kāśyapanāradau |
upamanyo ruruṃścaiva pūjyā vai gandhapuṣpakaiḥ || 29 ||
Übersetzung: Agastya, Vasishtha, Angiras, Manu, Kashyapa, Narada, Upamanyu und Ruru; sie sind mit Duftstoffen und Blumen zu verehren.
13.30
ūrvaśī menakā caiva rambhā caiva tilottamā |
sumukhī sundarī caiva kaundakī kāmavardhanī || 30 ||
Übersetzung: Urvashi, Menaka, Rambha, Tilottama, Sumukhi, Sundari, Kaundaki und Kamavardhani:
13.31
ekonaviṃśadāvaraṇe pūjayedapsarāṣṭakam |
viṃśatyāvaraṇe vatsa asurānaṣṭa pūjayet || 31 ||
Übersetzung: Diese acht Apsaras verehre man im neunzehnten Umkreis. Im zwanzigsten Umkreis, mein Kind, verehre man die acht Asuras.
13.32
balaśca jambalaścaiva subalobhābalastathā |
devaśatrurindraśatrurviṣṇuśatrussukaṇṭakaḥ || 32 ||
Übersetzung: Bala, Jambala, Subala, Bhabala, Devashatru, Indrashatru, Vishnushatru und Sukanthaka.
13.33
evaṃ viṃśatyāvaraṇe striyādyāścāṣṭaśaktayaḥ |
śrīdevī dhāriṇī caiva durgācaiva sarasvatī || 33 ||
Übersetzung: Ebenso [nennt die Vorlage wiederum] im zwanzigsten Umkreis die acht Shaktis, beginnend mit Shri: Shridevi, Dharini, Durga und Sarasvati,
13.34
gāyatrī ca uṣā gaṅgā śamīcetyaṣṭa pūjayet |
prabhā sandhyā ca medhā ca svadhā svāhā vaṣaṭkṛtā || 34 ||
Übersetzung: Gayatri, Usha, Ganga und Shami; diese acht verehre man. Prabha, Sandhya, Medha, Svadha, Svaha, Vashatkrita,
13.35
śrutismṛtiścetyaṣṭau tā pūjyā dvāviṃśati sthitiḥ |
trayoviṃśatyāvaraṇe rāśīn dvādaśa pūjayet || 35 ||
Übersetzung: Shruti und Smriti sind die acht, die an der zweiundzwanzigsten Stelle zu verehren sind. Im dreiundzwanzigsten Umkreis verehre man die zwölf Tierkreiszeichen.
13.36
somāṅgārabudhāścaiva jīvaḥ śukraśanaiścarāḥ |
trayoviṃśatyāvaraṇe grahānaṣṭau yajedbudhaḥ || 36 ||
Übersetzung: Soma, Angaraka, Budha, Jiva, Shukra und Shanaishchara: Im dreiundzwanzigsten Umkreis verehre der Verständige die acht Planetenmächte,
13.37
rāhuḥ ketuṃścaiva vatsa gandhapuṣpādibhiryajet |
caturviṃśatyāvaraṇe rāśīn dvādaśa pūjayet || 37 ||
Übersetzung: ferner Rahu und Ketu, mein Kind, mit Duftstoffen und Blumen. Im vierundzwanzigsten Umkreis verehre man die zwölf Tierkreiszeichen.
13.38
meṣo vṛṣabho mithunakaṭako siṃha eva ca |
kanyā tulāvṛścikaśca dhanurmakara eva ca || 38 ||
Übersetzung: Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage, Skorpion, Schütze und Steinbock,
13.39
kumbho mīnaśca vai vatsa pūjyāḥ gandhādibhiḥ śubhaiḥ |
pañcaviṃśatyāvaraṇe yajennakṣatra mātṛkāḥ || 39 ||
Übersetzung: Wassermann und Fische, mein Kind, sind mit guten Duftstoffen und weiteren Gaben zu verehren. Im fünfundzwanzigsten Umkreis verehre man die Mütter der Mondhäuser:
13.40
aśvinī bharaṇī caiva kṛttikā rohiṇī tathā |
mṛgaśirārdvā punarvasuḥ puṣya āśleṣa eva ca || 40 ||
Übersetzung: Ashvini, Bharani, Krittika, Rohini, Mrigashiras, Ardra, Punarvasu, Pushya und Ashlesha.
13.41
ṣaḍviṃśatyāvaraṇe makhādīnaṣṭa pūjayet |
mahā vai pūrva phalgunī uttarāphalgunīti ca || 41 ||
Übersetzung: Im sechsundzwanzigsten Umkreis verehre man die acht, beginnend mit Magha: Magha, Purvaphalguni und Uttaraphalguni,
13.42
hastā ca citrā svātī ca viśākhā cānurādhakāḥ |
saptaviṃśatyāvaraṇe jyeṣṭādīn pūjayedguha || 42 ||
Übersetzung: Hasta, Chitra, Svati, Vishakha und Anuradha. Im siebenundzwanzigsten Umkreis verehre man Jyeshtha und die folgenden, o Guha:
13.43
jyeṣṭhā mūlā pūrvāṣāḍhā uttarāṣāḍhā tathaiva ca |
śravaṇaṃ śraviṣṭhā śatabhiṣak pūrvaproṣṭhapadāpi ca || 43 ||
Übersetzung: Jyeshtha, Mula, Purvashadha, Uttarashadha, Shravana, Shravishtha, Shatabhishaj und Purvaprosthapada,
13.44
uttarā ca proṣṭhapadā pauṣṇaśceti ca pūjayet |
aṣṭāviṃśatyāvaraṇe pramathendrāṣṭakaṃ yajet || 44 ||
Übersetzung: Uttaraprosthapada und Paushna [Revati]. Im achtundzwanzigsten Umkreis verehre man die acht Herren der Pramathas:
13.45
jvaraḥ kuṇḍodaraścaiva śaṅkukarṇo mahābalaḥ |
jihvāśikhaḥ śikhā jihvaḥ pādākṣaścākṣapādakaḥ || 45 ||
Übersetzung: Jvara, Kundodara, Shankukarna, Mahabala, Jihvashikha, Shikhajihva, Padaksha und Akshapadaka,
13.46
pretajidaiva pramathaḥ rājānaṣṭakoṭyadhirājakān |
ekatripañca saptairvā nava ṣoḍaśa eva vā || 46 ||
Übersetzung: ferner Pretajit, den Pramatha, die Könige und Oberherren über achtzig Millionen [Wesen; Satzanschluss unsicher]. Mit einem, drei, fünf, sieben, neun oder sechzehn [Umkreisen]
13.47
yathāvidhaṃ tathā pūjyā aṣṭāviṃśatiruttamam |
rudrabhūtamahātmāno hyaṣṭakoṭi sa tu vai bhuvi || 47 ||
Übersetzung: verehre man nach den jeweiligen Vorschriften; achtundzwanzig sind am vorzüglichsten. Die erhabenen Rudra-Bhutas auf Erden zählen achtzig Millionen.
13.48
piśācāḥ pretasaṃghāśca ucchuṣmā rākṣasāstathā |
devagrahāśca kaumārāḥ ḍākinyaḥ pūtanāstathā || 48 ||
Übersetzung: Pishachas, Scharen der Verstorbenen, Ucchushmas und Rakshasas, göttliche Grahas, Kindergeister, Dakinis und Putanas,
13.49
divyāntarikṣa bhūmiṣṭha pātālatalavāsinaḥ |
bhūtapīṭhe baliṃ dadyāt svanāmādyena sarvaśaḥ || 49 ||
Übersetzung: die im Himmel, im Zwischenraum, auf der Erde oder in den Unterwelten wohnen: Allen bringe man auf dem Opferplatz der Wesen Bali dar, mit dem Anfangslaut ihres Namens.
13.50
tṛtīyāvaraṇe bāhye mātrāṇāṃ dakṣiṇe yajet |
brāhmī māheśvarī caiva kaumārī vaiṣṇavī tathā || 50 ||
Übersetzung: Außen im dritten Umkreis verehre man die Mütter im Süden: Brahmi, Maheshvari, Kaumari, Vaishnavi,
13.51
vārāhī caiva māhendrī cāmuṇḍī ca gaṇādhipāḥ |
vīrabhadreṇa sahitāḥ pūjayedgandhapuṣpakaiḥ || 51 ||
Übersetzung: Varahi, Mahendri und Chamundi, die Führerinnen der Scharen. Mit Virabhadra zusammen verehre man sie mit Duftstoffen und Blumen.
13.52
dhūpairdīpaiḥ havirdadyāt pūjayet susamāhitaḥ |
sarvāvaraṇabāhye tu kṣetrapālāṣṭa pūjayet || 52 ||
Übersetzung: Mit Räucherwerk und Lichtern bringe man Speiseopfer dar und verehre ganz gesammelt. Außerhalb sämtlicher Umkreise verehre man die acht Kshetrapalas.
13.53
tālajaṅgho lohajaṅghaḥ tathā parvatajaṅghakaḥ |
samudraghoṣo vāyughoṣaḥ analākṣaḥ pramardanaḥ || 53 ||
Übersetzung: Talajangha, Lohajangha, Parvatajangha, Samudraghosha, Vayughosha, Analaksha und Pramardana,
13.54
sughoradaṃṣṭra ityaṣṭau daṇḍahastāḥ subhīṣaṇāḥ |
nīlajīmūtasaṃkāśāḥ anekāyudha hastakaiḥ || 54 ||
Übersetzung: ferner Sughoradamshtra: Diese acht halten Stäbe und sind überaus furchterregend. Sie gleichen dunklen Regenwolken und tragen viele Waffen in den Händen.
13.55
aurdhvakeśāḥ suraktākṣāḥ bhīmarūpā bhayānakāḥ |
prākārasya tu bāhye tu kṣetrapālān prapūjayet || 55 ||
Übersetzung: Mit aufgerichtetem Haar, stark geröteten Augen und schrecklichen, furchteinflößenden Gestalten verehre man diese Gebietshüter außerhalb der Umfassungsmauer.
13.56
evaṃ pūjāvidhānena prāsādaṃ ca viśodhayet |
gomayena lipettatra pādaṃ hastau ca kṣālayet || 56 ||
Übersetzung: So vollziehe man die Verehrung und reinige das Heiligtum. Man bestreiche dort den Boden mit Kuhdung und wasche Füße und Hände.
13.57
ācamya tu vidhānena agnikāryaṃ samārabhet |
evaṃ vidhikrameṇaiva homaṃ kuryātsamāhitaḥ || 57 ||
Übersetzung: Nachdem man das rituelle Wasserschlürfen nach Vorschrift vollzogen hat, beginne man das Feuerritual. In dieser vorgeschriebenen Reihenfolge vollziehe man gesammelt das Feueropfer.
13.58
samādhiśca japaḥstotraṃ pradakṣiṇaṃ ca samārabhet |
yāvacchakti samādhissyāṣṭāṅgaṃ yogasaṃyutam || 58 ||
Übersetzung: Dann beginne man Samadhi, Japa, Lobpreis und Umkreisung. Nach Kräften verweile man im Samadhi, verbunden mit dem achtgliedrigen Yoga.
13.59
sahasramaṣṭādhikārā aṣṭottaraśataṃ tu vā |
prāsādaṃ tu japeddhīmān mānasaṃ ca samācaret || 59 ||
Übersetzung: Der Verständige rezitiere Prasada 1.008-mal oder 108-mal und vollziehe es auch im Geist. [Die erste Zahlenangabe ist sprachlich entstellt.]
13.66
daivikaṃ cārṣakaṃ cāpi sahasranāmādikaṃ ca yat |
yāvacchaktijapaṃ stotraṃ pradakṣiṇamathācaret || 66 ||
Übersetzung: Die von Göttern und Sehern stammenden Lobpreise, die Tausend Namen und weitere Hymnen: Nach Kräften vollziehe man Japa, Lobpreis und Umkreisung. [Die Quelle nummeriert diesen Vers irrtümlich mit 66.]
13.61
liṅge savyāpasavyaṃ tu pradakṣiṇavidhirbhavet |
prāsāde savyamārgaṃ tu * * * apavarjayet || 61 ||
Übersetzung: Beim Lingam besteht die Umkreisung im Rechts- und Linksgang; am Heiligtum gehe man rechtsherum und vermeide [Textlücke].
13.62
athāṣṭāṅganamaskārastrayastriṃśatsamāhitaḥ |
athavā ekaviṃśaṃ tu namaskāraṃ ṣoḍaśaṃ tu vā || 62 ||
Übersetzung: Gesammelt vollziehe man dreiunddreißig achtgliedrige Niederwerfungen; oder einundzwanzig oder sechzehn Verneigungen.
13.63
devānāṃ tu namaskāraṃ daśadikṣu daśaiva ca |
ṛṣīṇāmaṣṭaguṇaṃ kuryāt manuṣyāṇāṃ trireva ca || 63 ||
Übersetzung: Den Göttern gelten zehn Verneigungen in den zehn Richtungen; den Sehern vollziehe man sie achtfach, den Menschen nur dreimal.
13.64
kuryāddaṇḍanamaskāraṃ daśadikṣu samāhitaḥ |
purastāt triguṇaṃ kuryāt ṣaḍakṣaramanusmaran || 64 ||
Übersetzung: Gesammelt werfe man sich lang ausgestreckt in die zehn Richtungen nieder. Nach vorn vollziehe man dies dreifach, eingedenk des sechssilbigen Mantras.
13.65
devadevamanuṣyāṇāṃ devālaya susaṃśritaḥ |
urasā śirasā caiva sā piśāca namastridhā || 65 ||
Übersetzung: Bei Göttern und Menschen, im Heiligtum [beschädigter Satz], mit Brust und Kopf; „Pishacha“ und „dreifache Verneigung“ [der Zusammenhang lässt sich nicht zuverlässig übersetzen].
13.66 (zweites Vorkommen)
dṛṣṭyā vācā prabuddhyā ca kaṇṭhāt nāsikayāpi vā |
hastābhyāṃ caiva vai vatsa namaskāroṣṭāṅga ucyate || 66 ||
Übersetzung: Mit Blick, Stimme und wachem Verstehen, mit Kehle oder Nase und mit beiden Händen, mein Kind: Dies heißt die achtgliedrige Verneigung. [Die überlieferte Aufzählung ist unregelmäßig.]
13.67
devasya pādakamale nivedayetsamāhitaḥ |
hṛdā puṣpodakaiścaiva nivedayettu pṛthakpṛthak || 67 ||
Übersetzung: Gesammelt bringe man alles den Lotusfüßen des Gottes dar, jeweils einzeln mit dem Herzmantra, Blumen und Wasser.
13.68
etatsarvaṃ nivedyātha svātmānaṃ tu nivedayet |
cuvakodakena kusumaiḥ pādamūle nivedayet || 68 ||
Übersetzung: Nachdem man all dies dargebracht hat, bringe man das eigene Selbst dar. Mit Wasser und Blumen opfere man es zu seinen Füßen. [Die Wasserbezeichnung ist entstellt.]
13.69
paścādvisarjaye devamīśenaiva samāhitaḥ |
gamane * * * * * * * * * * * * * || 69 ||
Übersetzung: Danach entlasse man den Gott gesammelt mit Ishana. Beim Fortgehen [Textlücke].
13.70
(atra granthapātaḥ)
- * * * * * ryātha ghoramudrāḥ prakīrtitāḥ |
uttānau tu karau kṛtvā veṇibandhaṃ tu kārayet || 70 ||
Übersetzung: [Hier vermerkt die Vorlage einen Textausfall.] [Beschädigter Anfang:] So werden die Aghora-Mudras genannt. Man halte beide Hände mit den Handflächen nach oben und verschränke sie wie einen Zopf.
13.71
tarjanyau deva prasāryātha mudrāṃ tatpuruṣasya tu |
uttānau tu karau kṛtvā veṇibandhaṃ tu kārayet || 71 ||
Übersetzung: Dann strecke man beide Zeigefinger aus, o Gott: Dies ist Tatpurushas Mudra. Man halte beide Hände mit den Handflächen nach oben und verschränke sie wie einen Zopf.
13.72
- * * * prasāryātha īśānasya prakīrtitaḥ |
añjalī dvau prasāryātha kuñcitau dvau ṣaḍānana || 72 ||
Übersetzung: [Textlücke] strecke man aus: Dies wird Ishanas Mudra genannt. Man bilde mit beiden Händen eine Anjali-Geste; zwei [Finger] strecke man aus, zwei beuge man, o Sechsgesichtiger.
13.73
bhaikṣamudrā bhavedeṣā dakṣiṇe vā vidurbudhāḥ |
dakṣiṇa praṇataṃ kṛtvā prasāryaiva ṣaḍānana || 73 ||
Übersetzung: Dies ist die Bettelschalen-Mudra, wie die Weisen sie kennen, mit der rechten [Hand; Bezug unklar]. Man neige die rechte Hand und strecke sie aus, o Sechsgesichtiger.
13.74
grāmamudrā bhavedeṣā sarvakāmārthasādhikā |
yā ca mudrā tathā vatsa dakṣiṇā ca dvijātiṣu || 74 ||
Übersetzung: Dies ist die Grama-Mudra, welche alle Wünsche und Ziele verwirklicht. Diese Mudra, mein Kind, wird bei den Zweimalgeborenen mit der rechten Hand ausgeführt,
13.75
śūdrasya vāmahaste tu antyajā na kadācana |
uttānau tu karau kṛtvā samauśliṣṭau parasparam || 75 ||
Übersetzung: bei einem Shudra mit der linken; von Menschen außerhalb der Standesordnung niemals. Man halte beide Hände mit den Handflächen nach oben, gleichmäßig und aneinandergelegt.
13.76
madhyamā tarjanī gopyā kaniṣṭhānāmikā tathā |
aṅguṣṭhau dvau prasāryātha surabhimudrāḥ prakīrtitāḥ || 76 ||
Übersetzung: Mittel- und Zeigefinger, ebenso Klein- und Ringfinger, werden verborgen; beide Daumen strecke man aus. Dies wird Surabhi-Mudra genannt.
13.77
uttānau tu karau kṛtvā aṅguṣṭhau madhyago'pitau |
prasārya karaśākhāśca īṣatkuñcitameva hi || 77 ||
Übersetzung: Man halte beide Hände mit den Handflächen nach oben und verberge die Daumen in der Mitte. Die Finger strecke man aus und beuge sie leicht.
13.78
dhānyamudrā bhavedeṣā sarvadhānyavivardhinī |
uttānau tu karau kṛtvā karaśākhāsu parvasu || 78 ||
Übersetzung: Dies ist die Getreide-Mudra, die alles Getreide wachsen lässt. Man halte beide Hände mit den Handflächen nach oben und beuge die Fingergelenke,
13.79
īṣatkuñcitamagre tu udakamudrāḥ prakīrtitāḥ |
uttānau tu karau kṛtvā aṅguṣṭhastarjanī ubhau || 79 ||
Übersetzung: an den Spitzen ein wenig: Dies wird Wasser-Mudra genannt. Man halte beide Hände mit den Handflächen nach oben, Daumen und Zeigefinger beider Hände
13.80
teṣāṃ vai muṣṭiṃ baddhnā tu annamudrāḥ prakīrtitāḥ |
ghṛtamudrā dadhimudrā kṣīramudrā dadhistathā || 80 ||
Übersetzung: balle man zur Faust: Dies wird Speise-Mudra genannt. Die Mudras für geklärte Butter, Sauermilch, Milch und nochmals Sauermilch [werden im Anschluss genannt].
13.81
tarjanyādi kaniṣṭhāntaṃ prasāryobhau parasparam |
dakṣiṇāṅguṣṭhatarjanyo īṣacchālyaṅguṣṭhameva ca || 81 ||
Übersetzung: Vom Zeigefinger bis zum kleinen Finger strecke man die Finger beider Hände einander gegenüber aus. Mit rechtem Daumen und Zeigefinger bewege man den Daumen leicht [die genaue Handstellung ist unsicher].
13.82
akṣasūtrasya mudrā tu japakāle ca kāmyake |
padmamudrā padāvāhyāmaṅguṣṭhau dvau tathaiva ca || 82 ||
Übersetzung: Dies ist die Gebetskettengeste für Japa und Wunschrituale. Die Lotus-Mudra [enthält eine beschädigte Angabe zu beiden Seiten] und ebenso beide Daumen.
13.83
ūrdhvaṃ kṛtvā tu cābhāha mayaḥ kṛtvā tu sthāpanam |
nirodhaṃ muṣṭinā vatsa sānnidhyaṃ padmamudrayā || 83 ||
Übersetzung: Nach oben gerichtet dient sie der Herbeirufung; [beschädigte Angabe] dem Aufstellen. Das Festhalten geschieht mit der Faust, mein Kind, das Gegenwärtigmachen mit der Lotus-Mudra.
13.84
visargaṃ cāstramudrā tu ubhau vā ekameva vā |
uttānau tu karau kṛtvā samauśliṣṭau samāpayet || 84 ||
Übersetzung: Das Entlassen geschieht mit der Waffen-Mudra, mit beiden Händen oder nur einer. Man halte beide Hände mit den Handflächen nach oben, gleichmäßig aneinandergelegt.
13.85
parasthau stambhamudrā tu ūrdhvaṃ kṛtvā tu nikṣipet |
japamudrā tu cordhvaṃ tu mantriṇā tāni nikṣipet || 85 ||
Übersetzung: Einander gegenüber bildet dies die Erstarrungs-Mudra; man hebe sie und senke sie nieder. Die Japa-Mudra richte der Mantrapraktizierende nach oben und lege sie dann nieder. [Die Bewegungsfolge ist sprachlich unklar.]
13.86
aṅguṣṭhau tarjanīśliṣṭau kanakamudrāḥ prakīrtitāḥ |
madhyamāṅguṣṭha saṃyogādrajatamudrāḥ prakīrtitāḥ || 86 ||
Übersetzung: Daumen und Zeigefinger aneinandergelegt werden Gold-Mudra genannt. Die Verbindung von Mittelfinger und Daumen heißt Silber-Mudra.
13.87
aṅguṣṭhānāmikāśliṣṭā tāmramudrāḥ prakīrtitāḥ |
vajramāṇikya maratakamauktikamudrāḥ prakīrtitāḥ || 87 ||
Übersetzung: Daumen und Ringfinger aneinandergelegt heißen Kupfer-Mudra. Auch die Mudras für Diamant, Rubin, Smaragd und Perle werden genannt.
13.88
tarjanyādi kaniṣṭhāntā prasāryāṅguṣṭhakuñcitā |
ubhau muṣṭiṃ prasāryātha akṣayaṃ mantramuktayā || 88 ||
Übersetzung: Vom Zeigefinger bis zum kleinen Finger strecke man die Finger aus und beuge den Daumen. Man öffne beide Fäuste: [Es folgt eine unsichere Wendung über Unerschöpflichkeit und Mantra.]
13.89
aṅguṣṭhamadhyasaṃlīno śeṣāṃścaiva athodbhavet |
paśumudrā bhavedeṣā padmapuṣpādireva ca || 89 ||
Übersetzung: Der Daumen ruht verborgen in der Mitte, die übrigen Finger treten hervor. Dies ist die Tier-Mudra; ebenso [beginnt eine Angabe zu] Lotus und weiteren Blumen.
13.90
kaniṣṭhāṅguṣṭhau saṃgopya dīpamudrāṃ tataḥ śṛṇu |
kaniṣṭhānāmikāmadhye aṅguṣṭhena tu pīṭhayet || 90 ||
Übersetzung: Man verberge kleinen Finger und Daumen. Nun höre die Licht-Mudra: Mit dem Daumen drücke man in die Mitte von Klein- und Ringfinger.
13.91
tarjanīmūrdhvataḥ kṛtvā dīpamudrāṃ pradarśayet |
uttānau tu karau kṛtvā dvau dvau caiva prasādhinī || 91 ||
Übersetzung: Den Zeigefinger richte man nach oben; so zeige man die Licht-Mudra. Man halte beide Hände mit den Handflächen nach oben und ordne jeweils zwei Finger einander zu.
13.92
aṅgulīnāṃ tu sarvāsāṃ maṃtraiḥ saṃśliṣya mantravit |
nivedyamudrā bhavedeva naivedye caiva darśayet || 92 ||
Übersetzung: Alle Finger lege der Mantrakundige unter den Mantras aneinander. Dies ist die Darbringungs-Mudra; man zeige sie beim Speiseopfer.
13.93
añjalī dvau prakartavyamīṣatkuñcitameva ca |
mudrā dakṣiṇaṃ cādya aṅguṣṭhau caiva bandhavat || 93 ||
Übersetzung: Beide Hände sind zu einer leicht gebeugten Anjali-Geste zusammenzulegen; die rechte Mudra zuerst [Bezug unklar], und die Daumen werden miteinander verbunden.
13.94
śayanamudrā bhavedeṣā śayanakāle tu darśayet |
alpasattva piśācāśca sarpacūnādi lakṣaṇam || 94 ||
Übersetzung: Dies ist die Schlaf-Mudra; man zeige sie zur Schlafenszeit. Wesen geringer Kraft, Pishachas und [beschädigte Angaben zu Schlangen und weiteren Wesen].
13.95
a* * * * * * * * * * mare ṣaḍānana |
vāmāṅguṣṭhena medhāvī kaniṣṭhāmūla saṃsthitaḥ || 95 ||
Übersetzung: [Textlücke], o Sechsgesichtiger. Der Verständige lege den linken Daumen an die Wurzel des kleinen Fingers.
13.96
dakṣiṇe tarjanī caiva śrotavyaṃ kāmavihvale |
paradāreṣu sarveṣu saṃ * * * * * pravī || 96 ||
Übersetzung: Der rechte Zeigefinger [folgt in einer beschädigten Anweisung] bei von Begierde Erregten; hinsichtlich aller Ehefrauen anderer [Textlücke].
13.97
- * * * * * kṛtvā vāmadakṣiṇapīḍayet |
aṅguṣṭhe madhyamau līno nidhimudrā kāmasādhanī || 97 ||
Übersetzung: [Textlücke] man drücke links und rechts. Die Mittelfinger verbergen sich bei den Daumen: die Schatz-Mudra, die Wünsche verwirklicht.
13.98
padmamudrā padmanidhi viśeṣāṅguṣṭha pīḍayet |
sarvāsāmaṅgulīnāṃ tu samyageva tu pīḍayet || 98 ||
Übersetzung: Die Lotus-Mudra gehört zum Padma-Schatz. Man drücke besonders mit dem Daumen und presse alle Finger richtig zusammen.
13.99
bhaveddha rahasyaṃ na prakāśayet |
yonimudrā umāprīti śrīprītiṃ padmamudrikā || 99 ||
Übersetzung: Dies soll geheim bleiben; man mache es nicht öffentlich bekannt. Die Yoni Mudra erfreut Uma, die Lotus-Mudra erfreut Shri.
13.100
- * * * * * * prītirviśeṣaṃ pustakamudrayā |
uttānau tu karau kṛtvā kaniṣṭhādīn muṣṭibandhayet || 100 ||
Übersetzung: [Textlücke] besondere Freude durch die Buch-Mudra. Man halte beide Hände mit den Handflächen nach oben und balle die Finger, beginnend mit dem kleinen Finger, zur Faust.
13.101
aṅguṣṭhādvāyuparyantaṃ pīḍya bhavetpustaka mudrayā |
karāla * * * * * * * * ddhitau sāmāṅguṣṭhau tu ṣaṇmukha || 101 ||
Übersetzung: Vom Daumen bis zum Windfinger [Zeigefinger] drücke man zusammen; so entsteht die Buch-Mudra. [Textlücke] beide Daumen gleichmäßig, o Sechsgesichtiger.
13.102
bhūmimudrā bhavedeṣā sarvabhūmiṃ tu sādhayet |
karāṅgulīnāṃ sarvāsāṃ adhastāccalanaṃ bhavet || 102 ||
Übersetzung: Dies ist die Erd-Mudra; sie lässt die gesamte Erde gewinnen. Alle Finger sollen sich nach unten bewegen.
13.103
aṅgu * * * * * * * * * * * * * * |
uttānau tu karau kṛtvā madhyamau dvau prasārayet || 103 ||
Übersetzung: [Eine Fingeranweisung ist ausgefallen.] Man halte beide Hände mit den Handflächen nach oben und strecke beide Mittelfinger aus.
13.104
śeṣān vai muṣṭibandhaṃ tu aṅguṣṭhā madhyagopayet |
agnimudrā bhavedeṣā sarvaśatrūn dahedapi || 104 ||
Übersetzung: Die übrigen Finger balle man zur Faust, die Daumen verberge man in der Mitte. Dies ist die Feuer-Mudra; sie kann alle Feinde verbrennen.
13.105
dakṣiṇāṅguṣṭhena matimān vāmāṅguṣṭhe tu pīḍayet |
vāyumudrā bhavedeṣā sarva * * * * * * kārayet || 105 ||
Übersetzung: Der Verständige drücke mit dem rechten Daumen auf den linken. Dies ist die Wind-Mudra; sie bewirkt alle [Textlücke].
13.106
karayorubhayoścaiva gaganamudrāḥ prakīrtitāḥ |
aṅguṣṭhau tarjanī caiva kuṇḍalākāravadbhavet || 106 ||
Übersetzung: An beiden Händen wird die Raum-Mudra genannt. Daumen und Zeigefinger sollen die Form eines Ringes bilden.
13.107
śeṣān vai muṣṭiṃ baddhvā tu karṇamudrāṃ pradarśayet |
madhyamā tarjanīcaiva prasārya śeṣāṃstu bandhayet || 107 ||
Übersetzung: Die übrigen Finger balle man zur Faust; so zeige man die Ohr-Mudra. Mittel- und Zeigefinger strecke man aus und beuge die übrigen Finger.
13.108
ghrāṇamudrā bhavedeṣā sarvavāyujayo bhavet |
jihvāṃ tu lālayeddhīmān ubhau hastau tu cālayet || 108 ||
Übersetzung: Dies ist die Nasen-Mudra; dadurch gewinnt man die Herrschaft über sämtliche Winde. Der Verständige bewege die Zunge und beide Hände.
13.109
jihvāmudrā bhavedeṣā labhedannaṃ ghṛtādibhiḥ |
uttānau tu karau kṛtvā samāśliṣṭau parasparam || 109 ||
Übersetzung: Dies ist die Zungen-Mudra; man erlangt Speise mit geklärter Butter und weiteren Zutaten. Man halte beide Hände mit den Handflächen nach oben, eng aneinandergelegt.
13.110
aṅgu * * * * * he dharma (vāṅ) mudrā tu prakīrtitāḥ |
karaśākhā ūrdhvaṃ kṛtvā prāsāryāṅguṣṭhabandhayet || 110 ||
Übersetzung: [Textlücke in der Fingeranweisung:] Dies wird Dharma- beziehungsweise Sprach-Mudra genannt. Man richte die Finger nach oben, strecke sie aus und verbinde die Daumen.
13.111
pāṇimudrā bhavedeṣā āveṣṭarakarāvubhau |
uttānau tu samau kṛtvā samau śliṣṭau parasparam || 111 ||
Übersetzung: Dies ist die Hand-Mudra. Beide Hände umwinde man [Bewegung unsicher]; man halte sie gleichmäßig mit den Handflächen nach oben und lege sie aneinander.
13.112
adhastāt prakṣipet dvau tu pādamudrāṃ pradarśayet |
uttānau tu karau kṛtvā pṛṣṭhapāṇi talāvubhau || 112 ||
Übersetzung: Beide richte man nach unten; so zeige man die Fuß-Mudra. Man halte beide Hände offen, mit Handrücken und Handflächen [Ausrichtung unklar],
13.113
ūrdhvādhaḥ kampanaṃ kṛtvā jihvāṃ lālayate punaḥ |
vāṅmudrā tu bhavedeṣā sarvavāṅmayasādhinī || 113 ||
Übersetzung: bewege sie auf und ab und bewege wiederum die Zunge. Dies ist die Sprach-Mudra; sie verhilft zur Meisterschaft über alles Sprachliche.
13.114
muṣṭiṃ baddhvā ubhau mantrī tarjanyaṅguṣṭhasādhayet |
aṇḍopasthānamudrā tu prajārthī darśayedguha || 114 ||
Übersetzung: Der Mantrapraktizierende balle beide Hände zur Faust und richte Zeigefinger und Daumen aus. Die Hoden-und-Genital-Mudra zeige, wer Nachkommenschaft begehrt, o Guha.
13.115
savyāpasavyau kuṇḍalau aṅguṣṭhena tu pīḍayet |
gudamudrā bhavedeṣā viṇmūtrādi visarjayet || 115 ||
Übersetzung: Die rechts und links gebildeten Ringe drücke man mit dem Daumen. Dies ist die After-Mudra; dadurch entleere man Kot, Urin und Weiteres.
13.116
aṅguṣṭhatarjanī caiva sarvadā vartayedguha |
āveṣṭanoddeṣṭanaṃ ca maraṇamudrāṃ pradarśayet || 116 ||
Übersetzung: O Guha, Daumen und Zeigefinger bewege man beständig kreisend, ein- und auswärts windend; so zeige man die Todes-Mudra.
13.117
śabdasparśaṃ ca rūpaṃ ca rasaṃ gandhaṃ tathaiva ca |
tadvatkarau tu kartavyaṃ mudrā tatra prakīrtitau || 117 ||
Übersetzung: Klang, Berührung, Gestalt, Geschmack und Geruch: Entsprechend sind die beiden Hände zu halten; so werden die zugehörigen Mudras beschrieben.
13.118
aṅguṣṭhau tarjanī caiva saṃpīḍya ca pa * * * * re |
ahaṃkārasyeya mudrā svadehordhvaṃ tu darśayet || 118 ||
Übersetzung: Man drücke Daumen und Zeigefinger zusammen und [Textlücke]. Dies ist die Mudra des Ahamkara, des Ich-Machers; man zeige sie oberhalb des eigenen Körpers.
13.119
kara * * * * * rvāsu ūrdhvaṃ kṛtvā muhurmuhuḥ |
aṅguṣṭhau bandhayedvidvān mṛdā caiva mahān bhavet || 119 ||
Übersetzung: [Beschädigte Handanweisung:] Wieder und wieder hebe man die Hände und verbinde kundig die Daumen. Dies ist die Mudra des Mahat, des großen Prinzips. [Die Namensangabe ist entstellt.]
13.120
aṅguṣṭhā sattva saṃsthā syāt rājasāṃ madhyamoddhyajaiḥ |
tarjanī * * * * * * * * * * * * mudrā prakīrtitā || 120 ||
Übersetzung: Der Daumen gehört zum Sattva-Zustand, der erhobene Mittelfinger zu Rajas; der Zeigefinger [Textlücke] wird als Mudra genannt.
13.121
uttānau tu karau kṛtvā protavyaṃ tu parasparam |
aṅguṣṭhau anyā sā mūle prakṛtimudrā prakīrtitā || 121 ||
Übersetzung: Man halte beide Hände mit den Handflächen nach oben und verschränke sie miteinander; die Daumen an die Wurzel [der anderen Finger; Lesung unsicher]. Dies heißt die Prakriti-Mudra.
13.122
uttānau tu karau kṛtvā aṅguṣṭhau tu prasārayet |
- * * * * * * * puruṣamudrāḥ prakīrtitāḥ || 122 ||
Übersetzung: Man halte beide Hände mit den Handflächen nach oben und strecke die Daumen aus. [Textlücke:] Dies heißt die Purusha-Mudra.
13.123
rāgo māyā vidyā kalāniyatiḥ pañcamudrayā |
aṅguṣṭhādi kaniṣṭhāntaṃ prasārya mudrā anukramāt || 123 ||
Übersetzung: Raga, Maya, Vidya, Kala und Niyati haben fünf Mudras. Vom Daumen bis zum kleinen Finger strecke man sie der Reihe nach aus.
13.124
vigraheśaśca * * * * * laśca śuddhamāyā tathaiva ca |
śuddhavidyā śuddhakalā kaniṣṭhā tu prasāritā || 124 ||
Übersetzung: Vigrahesha, [Textlücke], reine Maya, reines Wissen und reine Kala: Der kleine Finger wird ausgestreckt.
13.125
śeṣāśca muṣṭiṃ badhvā tu sarvatraiva vicakṣaṇaḥ |
sadāśivaṃ śivamudrā pūrvameva prasāritā || 125 ||
Übersetzung: Die übrigen Finger balle der Verständige jeweils zur Faust. Die Sadashiva- und Shiva-Mudra sind schon zuvor erklärt. [Die Vorlage sagt wörtlich „ausgestreckt“.]
13.126
āditya bimbamudrā hastakolakavadbhavet |
rudraikādaśakān sarvān liṅgamudrāṃ tu darśayet || 126 ||
Übersetzung: Die Mudra der Sonnenscheibe ist wie eine Rundung der Hand. Für sämtliche elf Rudras zeige man die Lingam-Mudra.
13.127
liṅgamudrāt stanāntaṃ tu śūlamudrāṃ tu mūrtipān |
namaskāro gaṇeśasya vidyeśānāṃ tu śūlatā || 127 ||
Übersetzung: Von der Lingam-Mudra bis zur Brust [unvollständige Angabe]; für die Hüter der Gestalten die Dreizack-Mudra. Für Ganesha die Verneigungsgeste, für die Vidyeshvaras die Dreizack-Geste.
13.128
lokapālāḥ * * * * * * svāstumudrā ajña sve sve tu darśayet |
saptamātragaṇānāṃ tu sve sve cāyudhaṃ darśayet || 128 ||
Übersetzung: Für die Welthüter [Textlücke] zeige man jeweils die eigene Waffen-Mudra. Für die Scharen der sieben Mütter zeige man ihre jeweiligen Waffen.
13.129
siddhavidyādharān yakṣān marudgaṇāṃstu kinnarān |
asurān rākṣasān garuḍānapsaraścāraṇānapi || 129 ||
Übersetzung: Für Siddhas, Vidyadharas, Yakshas, die Scharen der Maruts, Kinnaras, Asuras, Rakshasas, Garudas, Apsaras und Charanas,
13.130
bhūtān piśācān kṣetrapālān namaskāro vidhīyate |
viśeṣaṃ liṅgamudrā ca ṛṣipatnī ṛṣīnapi || 130 ||
Übersetzung: für Bhutas, Pishachas und Gebietshüter ist die Verneigungsgeste vorgeschrieben. Besonders auch die Lingam-Mudra [gilt] für Sehergattinnen und Seher.
Unnummerierte Passage: namaskāramudrā liṅgamudrā paramudrā tu sarvaśaḥ |
Übersetzung: Verneigungs-Mudra, Lingam-Mudra und höchste Mudra gelten umfassend. [Die genaue Reichweite der Schlussaussage bleibt offen.]
iti kālottare ayutatrayasaṃhitāyāṃ mudrālakṣaṇa paṭalastrayodaśaḥ || 13 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara, in der Ayutatraya-Samhita das Kapitel 13 über „Merkmale der Mudras“.
Kapitel 14 – Mandala-Vorschrift
14.1
śrīḥ
īśvara uvāca-
maṇḍalasya vidhānaṃ tu pravakṣyāmyanupūrvaśaḥ |
brāhmaṇasya mahī śvetā raktāṃ vai kṣatriyasya tu || 1 ||
Übersetzung: Heil und Segen! Ishvara sprach: Nun werde ich die Vorschrift für das Mandala der Reihe nach erklären. Für einen Brahmanen sei die Erde weiß, für einen Kshatriya rot,
14.2
vaiśyasya vasudhāpītā kṛṣṇā śūdrasya śasyate |
madhumā brāhmaṇī bhūmiḥ kaṣāyā kṣatriyasya tu || 2 ||
Übersetzung: für einen Vaishya gelb; für einen Shudra wird dunkle Erde empfohlen. Die Brahmanen-Erde schmeckt honigsüß, die Kshatriya-Erde zusammenziehend.
14.3
vaiśvasya * * * * * sā jñeyā śūdrasya karakā smṛtā |
ājyagandhā tu viprasya raktagandhā nṛpasya tu || 3 ||
Übersetzung: Die Erde des Vaishya soll [Textlücke] sein, die des Shudra gilt als scharf. Für den Brahmanen duftet sie nach geklärter Butter, für den König nach Blut,
14.4
vaiśyasya mūtragandhā tu śūdrā viṣṭhānugandhinī |
vaṇagandhaṃ tathā svādaṃ etairjñātvā tu lakṣaṇaiḥ || 4 ||
Übersetzung: für den Vaishya nach Urin, für den Shudra nach Kot. Hat man Farbe, Geruch und Geschmack anhand dieser Merkmale erkannt,
14.5
sarvasiddhimavāpnoti siddhīnāṃ kāṅkṣitāni vai |
hastamātraṃ khanedbhūmiṃ pāṃsumuddhṛtya pūrayet || 5 ||
Übersetzung: erlangt man alle Vollkommenheiten und die gewünschten Kräfte. Man grabe die Erde eine Hasta tief auf, hebe den Boden heraus und fülle ihn wieder ein.
14.6
pāṃsurabhyadhiko yatra sā bhūmiḥ sarvakāmadā |
madhyamā samapāṃsustu hīnā cāpyadhamā bhavet || 6 ||
Übersetzung: Wo Erde übrig bleibt, erfüllt der Boden alle Wünsche. Bei gleicher Menge ist er mittelgut; bei einer geringeren Menge gilt er als minderwertig.
14.7
dhanurmātraṃ khanitvā tu vistāraṃ pañca sapta vā |
bhasmāṅgāra tuṣān keśān asthicāpyuddharedguha || 7 ||
Übersetzung: Man grabe eine Dhanus tief, fünf oder sieben [Dhanus] breit. Asche, Kohlen, Spelzen, Haare und Knochen entferne man, o Guha.
14.8
pañcagavyaṃ kṣipettatra tāmrapātre tu buddhimān |
pañcaraktaṃ kṣipettatra mūlamantreṇa deśikaḥ || 8 ||
Übersetzung: Der Verständige gebe dort Panchagavya aus einem Kupfergefäß hinein. Der Lehrer füge unter dem Wurzelmantra die fünf roten Stoffe hinzu.
14.9
darbhe vai chādayitvā tu dhiṣṇyaṃ samyak samārabhet |
darpaṇodarasaṃkāśaṃ caturaśraṃ samantataḥ || 9 ||
Übersetzung: Man bedecke den Platz mit Darbha-Gras und bereite die Opferstätte sorgfältig vor: eben wie die Fläche eines Spiegels und allseitig quadratisch.
14.10
kailāse mandare vāpi niṣadhe nīlaparvate |
himavaddhemakūṭe ca vindhye ca pāriyātrake || 10 ||
Übersetzung: Auf Kailasa, Mandara, Nishadha, dem Blauen Berg, Himalaya, Hemakuta, Vindhya oder Pariyatra,
14.11
mahendre malaye sahye śrīśaile svāmiparvate |
teṣāṃ svāgnau ca kartavyaṃ tīrthe vā kārayedbudhaḥ || 11 ||
Übersetzung: Mahendra, Malaya, Sahya, Shrishaila oder Svamiparvata: Dort soll man [an einem geeigneten Platz; Wortlaut beschädigt] das Ritual ausführen, oder der Verständige richte es an einer heiligen Badestelle ein.
14.12
gaṅgāyamunayormadhye yāgasthānaṃ suśobhanam |
tayoḥ pārśve ca vā kuryāt sarayū gaṇḍakepi vā || 12 ||
Übersetzung: Zwischen Ganga und Yamuna liegt ein herrlicher Opferplatz. Auch an ihren Ufern kann man ihn anlegen, ebenso an Sarayu oder Gandaki,
14.13
gomatyāśca samīpe ca kurukṣetre ca vā bhavet |
sārasvatī tīrake'pi dṛṣadvatyāśca tīrake || 13 ||
Übersetzung: nahe der Gomati oder in Kurukshetra, am Ufer der Sarasvati oder am Ufer der Drishadvati,
14.14
godāvaryāḥ samīpe tu narmadāyāstaṭepi vā |
kṣetratīre vārāṇasyāṃ vā badaryāśrama eva ca || 14 ||
Übersetzung: nahe der Godavari oder am Ufer der Narmada, an einer heiligen Stätte, in Varanasi oder im Badaryashrama,
14.15
ujjayinyāṃ bhairave vā virajāyāmathāpi vā |
devadāruvane vāpi naimiśe puṣkare'pi vā || 15 ||
Übersetzung: in Ujjayini, bei Bhairava, an der Viraja, im Devadaru-Wald, in Naimisha oder in Pushkara,
14.16
gokarṇe vāpi tīrthe ca tīre vātha samīpataḥ |
puṇyodyāne'tha goṣṭhe vā tatra yāgaṃ samārabhet || 16 ||
Übersetzung: in Gokarna, an einer heiligen Badestelle oder in ihrer Nähe, in einem heiligen Garten oder bei einer Kuhherde: Dort beginne man das Opfer.
14.17
yatra vā ramate bhūmiḥ mahātaṭāka tīrake |
devālayasamīpe ca puṇyanadyāśca tīrake || 17 ||
Übersetzung: Oder an einem erfreulichen Ort, am Ufer eines großen Teiches, nahe einem Tempel oder am Ufer eines heiligen Flusses,
14.18
athavā śuddhagehepi śivālayasamīpataḥ |
kūṭaṃ vā maṇḍapaṃ vāpi antastambha vivarjitam || 18 ||
Übersetzung: oder auch in einem reinen Haus nahe einem Shiva-Heiligtum. Man errichte eine Halle oder einen Pavillon ohne innere Säulen,
14.19
caturdvāra samāyuktaṃ catustoraṇabhūṣitam |
vitānenordhvamācchādya ghaṇṭācāmarabhūṣitam || 19 ||
Übersetzung: mit vier Türen und vier geschmückten Torbögen. Oben bedecke man ihn mit einem Baldachin und schmücke ihn mit Glocken und Fliegenwedeln,
14.20
darbhamālāparikṣipta puṣpamālāvalambitam |
divyabhūmisugandhāḍhyaṃ dhūpadīpasamanvitam || 20 ||
Übersetzung: umgebe ihn mit Darbha-Girlanden und hänge Blumengirlanden auf. Der heilige Boden sei reich an Duft, Räucherwerk und Lichtern,
14.21
arghyapuṣpaiśca saṃkīrṇaṃ svastivācana saṃkulam |
śaṅkhadundubhinirghoṣaṃ brahmaghoṣasamanvitam || 21 ||
Übersetzung: mit Arghya und Blumen versehen, erfüllt von Segensrezitationen, Muschelhorn- und Trommelklang sowie heiliger Rezitation.
14.22
gandhādibhirathābhyarcya sūtrapātaṃ samācaret |
dra(di)vyāntarikṣabhūmiṣṭha nimittānyupalakṣayet || 22 ||
Übersetzung: Nach der Verehrung mit Duftstoffen und weiteren Gaben vollziehe man das Spannen der Messschnur. Man beachte Zeichen am Himmel, im Zwischenraum und auf der Erde.
14.23
śubheṣu prasārayetsūtraṃ aśubheṣu nivartayet |
prāksūtraṃ prathamaṃ kuryāt paścime tu visārayet || 23 ||
Übersetzung: Bei günstigen Zeichen spanne man die Schnur, bei ungünstigen halte man inne. Zuerst lege man die östliche Schnur an und ziehe sie nach Westen.
14.24
tṛtīyaṃ nair-ṛte kuryāt aiśānye tu visārayet |
caturaśraṃ samaṃ kṛtvā vartayetpadmamuttamam || 24 ||
Übersetzung: Die dritte lege man im Südwesten an und ziehe sie zum Nordosten. Nachdem man ein ebenmäßiges Quadrat gebildet hat, zeichne man den vorzüglichen Lotus.
14.25
śaṅkuṃ nidhāpayettatra navadikṣu samantataḥ |
khādirāḥ śaṅkavaḥ kuryāt cūtabilvakadambajāḥ || 25 ||
Übersetzung: Ringsum setze man in neun Richtungen Pflöcke. Die Pflöcke fertige man aus Khadira-, Mango-, Bilva- oder Kadamba-Holz,
14.26
madhūkī devadārurvā āsanaṃ śārvameva vā |
ṣoḍaśāṅgulamutsedhaṃ tadardhaṃ nāhamucyate || 26 ||
Übersetzung: aus Madhuka, Devadaru, Asana oder Sharva. Sechzehn Fingermaße sei ihre Höhe; die Hälfte davon wird als Umfang genannt. [Einzelne Holznamen sind unsicher.]
14.27
agre tīkṣṇaṃ tu kartavyaṃ ūrdhvavrataṃ tu kārayet |
yāvanmaṇḍalamātraṃ tu tāvadvinduṃ ca lāñchayet || 27 ||
Übersetzung: An der Spitze seien sie zugespitzt, oben rund. Entsprechend dem Maß des Mandalas markiere man die Punkte.
14.28
evaṃ kṛtvā vidhānena maścānmaṇḍalavartanam |
prathamaṃ karṇikāmadhyaṃ dvitīyaṃ kesarān guha || 28 ||
Übersetzung: Nachdem man so nach Vorschrift vorgegangen ist, zeichne man das Mandala: zuerst die Mitte des Lotusfruchtbodens, zweitens die Staubfäden, o Guha,
14.29
dalānāṃ tu tṛtīyena caturthaṃ tu dalāgrake |
prativāraṇaṃ tato vartya pīcīnāṃ vartayettataḥ || 29 ||
Übersetzung: mit dem dritten Kreis die Blätter, mit dem vierten die Blattspitzen. Dann zeichne man die Umfriedung und anschließend die [weiteren Linien; Ausdruck unklar].
14.30
dvārāṇi vartayet paścāt śobhāccaiva tato bhavet |
upagaḥ śobhaṃ na tāvatyaḥ paścānmaṇḍalamālikhet || 30 ||
Übersetzung: Danach zeichne man die Tore und ihren Schmuck; auch den Nebenschmuck [Satz beschädigt]. So zeichne man das Mandala.
14.31
śvetaṃ raktaṃ tathā kṛṣṇaṃ haritaṃ rakṣameva ca |
pañcakraturajaḥ proktaṃ pañcaratnasamanvitam || 31 ||
Übersetzung: Weiß, Rot, Schwarz, Grün und [ein entstelltes fünftes Farbwort]: Fünffarbiges Pulver wird genannt, verbunden mit fünf Edelsteinen.
14.32
muktācūrṇena saṃyuktaṃ śāligodhūmapiṣṭakam |
padmarāgasya cūrṇaṃ tu gairikeṣṭaka cūrṇakaiḥ || 32 ||
Übersetzung: Reis- und Weizenmehl mit Perlenpulver [für Weiß]; Rubinmehl mit rotem Ocker und Ziegelpulver [für Rot],
14.33
indranīlasya cūrṇena tuṣāṅgārasya cūrṇakaiḥ |
maratakasya cūrṇena bilvapatrasya cūrṇakam || 33 ||
Übersetzung: Indranila-Pulver mit Pulver verkohlter Spelzen [für Dunkelblau beziehungsweise Schwarz]; Smaragdpulver mit Bilva-Blattpulver [für Grün],
14.34
padmarāgasya cūrṇena haridrācūrṇasaṃyutam |
pītavarṇaṃ vijānīyāt pañcavarṇaṃ prakīrtitam || 34 ||
Übersetzung: Padmaraga-Pulver mit Kurkumapulver erkenne man als Gelb. So werden die fünf Farben beschrieben. [Padmaraga wurde zuvor bereits für Rot genannt.]
14.35
pañcaratnasya cūrṇaiśca maṇḍalaṃ lekhayennṛpaḥ |
śeṣāṃstu miśravarṇaistu lekhayenmaṇḍalaṃ budhaḥ || 35 ||
Übersetzung: Ein König lasse das Mandala mit Pulver der fünf Edelsteine zeichnen. Für die übrigen zeichne der Verständige es mit gemischten Farben.
14.36
prathamaṃ śvetavarṇena lekhayetpadmamuttamam |
aṣṭapatraṃ likheddhīmān śvetena rajasā punaḥ || 36 ||
Übersetzung: Zuerst zeichne man den vorzüglichen Lotus in Weiß. Der Verständige zeichne seine acht Blätter mit weißem Pulver.
14.37
karṇikā pītavīthyāṃ tu aruṇena tu kesarān |
mūle kesarataḥ śuklamagraṃ vai hyaruṇena tu || 37 ||
Übersetzung: Der Fruchtboden sei gelb umrandet, die Staubfäden rötlich. An der Wurzel seien die Staubfäden weiß, an der Spitze rot.
14.38
kaniṣṭhikā pariṇāhaṃ tu rajorekhāṃ prakalpayet |
antare tu yamaṃ proktaṃ puṣṭinā pātayetpunaḥ || 38 ||
Übersetzung: Die Pulverlinie sei so dick wie der kleine Finger. Für den Zwischenraum ist ein Yama-Maß genannt; mit „Pushti“ trage man es wiederum auf. [Maß und Auftragungsanweisung sind unsicher.]
14.39
śvetena vāpi raktena pramāṇaṃ ca ṣaḍānana |
prativāraṇatrayaṃ lekhyamantaraṃ dvyaṅgulaṃ bhavet || 39 ||
Übersetzung: Mit Weiß oder Rot [markiere man] das Maß, o Sechsgesichtiger. Drei Umfriedungen sind zu zeichnen, mit jeweils zwei Fingermaßen Abstand.
14.40
vīthayaścaturolekhyā ratnena rajasā punaḥ |
dvāraṃ caturhi saṃlekhya śomāṃścaikaṃ likhedbahiḥ || 40 ||
Übersetzung: Vier Wege sind mit Edelsteinpulver zu zeichnen; vier Tore und jeweils ein Schmuckelement außen.
14.41
vīthayaḥ parito likhyaṃ pañcavarṇaiḥ ṣaḍānana |
lekhayetprābalaṃ yacca vallijāti suśobhanāḥ || 41 ||
Übersetzung: Die Wege zeichne man ringsum mit den fünf Farben, o Sechsgesichtiger; ebenso herrliche Ranken und weitere Zierformen.
14.42
hastamātraṃ bhavetpadmaṃ vidhinā vistaraṃ tathā |
vitastimātraṃ dvāraṃ tu haritaṃ pītameva ca || 42 ||
Übersetzung: Der Lotus sei eine Hasta breit, entsprechend der Vorschrift. Das Tor sei eine Spanne breit, grün und gelb.
14.43
ekahastaṃ dvihastaṃ vā caturhastaṃ tathāpi vā |
aṣṭau dvādaśahastaṃ vā ṣoḍaśaṃ viṃśatistu vā || 43 ||
Übersetzung: [Das Mandala kann] eine, zwei, vier, acht, zwölf, sechzehn oder zwanzig Hasta messen,
14.44
hastaṃ triṃśatibhirvāpi ata ūrdhvaṃ na kārayet |
ṣoḍaśaṃ patramālikhya pītavarṇamathāpi vā || 44 ||
Übersetzung: auch dreißig Hasta; darüber hinaus soll man es nicht anlegen. Man zeichne sechzehn Blätter, gegebenenfalls gelb,
14.45
catuḥ ṣaṣṭipatraṃ vā likhyaṃ aṣṭottaraśataṃ tu vā |
yāvaddhastaṃ bhavetpadmaṃ tāvatpatraṃ likhetpunaḥ || 45 ||
Übersetzung: oder vierundsechzig oder 108 Blätter. Entsprechend der Hasta-Ausdehnung des Lotus zeichne man die Blätter.
14.46
āvāhayet tadā deva pañca * * * *ya? sam |
yathārcane tathā bāhyasthā *?vāpi tathaiva ca || 46 ||
Übersetzung: Dann rufe man den Gott herbei, mit fünf [Textlücke]. Wie bei der Verehrung verfahre man auch bei der äußeren Aufstellung. [Der Satz ist beschädigt.]
14.47
tathārcayen mahāsena gandhapuṣpapradhūpakaiḥ |
ekāvaraṇamārabhya yāvadāvaraṇaṃ śatam || 47 ||
Übersetzung: So verehre man, o Mahasena, mit Duftstoffen, Blumen und Räucherwerk, beginnend mit einem Umkreis bis hin zu hundert Umkreisen.
14.48
aṣṭāviṃśatyāvaraṇe aṣṭane tu pradarśitam |
tadvadvai maṇḍale pūjya vidhidṛṣṭena ṣaṇmukha || 48 ||
Übersetzung: Die achtundzwanzig Umkreise sind [an einer unklar bezeichneten Stelle] erklärt worden. Ebenso verehre man im Mandala nach der Vorschrift, o Sechsgesichtiger.
14.49
caruṃ vai pūrvavatpaścāt nivedayenmantrapūrvakam |
śivāyārdhaṃ nivedyātha śeṣārdhaṃ homayedbudhaḥ || 49 ||
Übersetzung: Danach bringe man wie zuvor den Opferbrei mit dem Mantra dar. Die Hälfte opfere man Shiva, die verbleibende Hälfte verwende der Verständige zum Feueropfer.
14.50
upoṣitānāvaśiṣyānāṃ tadardhaṃ tu pradāpayet |
pūrvaṃ vai dantakāṣṭhaṃ tu dvādaśāṅgulamātrakam || 50 ||
Übersetzung: Davon gebe man die Hälfte den fastenden Schülern. [Die Aufteilung widerspricht bei wörtlichem Verständnis der vorigen Halbierung.] Zuvor gebe man ihnen ein Zahnreinigungshölzchen von zwölf Fingermaßen Länge,
14.51
pippalaṃ vaṭavṛkṣaṃ ca khadiraṃ vāpi dāpayet |
aghorāstreṇa mantreṇa japitvā khādayedbudhaḥ || 51 ||
Übersetzung: von Pippala, Banyan oder Khadira. Nachdem der Verständige es mit dem Aghora-Waffenmantra besprochen hat, lasse er daran kauen.
14.52
upaspṛśya vidhānena vaktraṃ mantraṃ japettataḥ |
pañcagavyaṃ tato dadyāt īśānenābhimantritam || 52 ||
Übersetzung: Nach regelgerechter Wasserberührung rezitiere man das Gesichtsmantra. Dann gebe man Panchagavya, besprochen mit Ishana.
14.53
bāṇasaṃkhyā bhavedvatsa ācamyācamya dāpayet |
dvātriṃśadagnikuṇḍaṃ vā ṣoḍaśaṃ dvādaśaṃ tu vā || 53 ||
Übersetzung: Fünfmal, mein Kind, gebe man davon, jedes Mal nach dem Wasserschlürfen. Zweiunddreißig Feuergruben oder sechzehn oder zwölf,
14.54
aṣṭau vā vedasaṃkhyā vā daridrāścandra saṃkhyayā |
pūrvoktena vidhānena homakuṇḍaṃ tu kārayet || 54 ||
Übersetzung: acht oder vier; für Unbemittelte eine einzige: Nach der zuvor erklärten Vorschrift lasse man die Opfergruben anlegen.
14.55
palāśakhadirāśvattha plakṣanyagrodha eva ca |
bilvodumbaraśasyaṃ ca vaikaṅkati śamī tathā || 55 ||
Übersetzung: Palasha, Khadira, Ashvattha, Plaksha, Nyagrodha, Bilva, Udumbara, Shasya, Vaikankati und Shami,
14.56
upāmārgantu vyākhyātaṃ samidhaḥ samudāhṛtāḥ |
samidājyacarūn lājān tilān mālīṃśca sarṣapān || 56 ||
Übersetzung: ferner Apamarga werden als Opferhölzer genannt. Opferholz, geklärte Butter, Opferbrei, Puffreis, Sesam, [Mali; unsicher] und Senfsamen,
14.57
yavān bhakṣyāṃśca vividhān homayettatra pāragaḥ |
daśaguṇaṃ homayed vatsa śivāya paramātmane || 57 ||
Übersetzung: Gerste und verschiedene Speisen opfere der Kundige dort ins Feuer. Für Shiva, das höchste Selbst, opfere man zehnfach, mein Kind.
14.58
vidyeśān sarvarudrāṃśca homayedbhūtasaṃkhyayā |
gaṇeśān lokapālāṃśca guṇasaṃkhyāṃ tu homayet || 58 ||
Übersetzung: Für die Vidyeshvaras und sämtliche Rudras opfere man fünfmal; für die Herren der Scharen und die Welthüter dreimal.
14.59
ekāhutiṃ bhaved dadyāt tattanmantreṇa vai guha |
śiṣyāṃścādhivāsayettatra maṇḍalasya tu dakṣiṇe || 59 ||
Übersetzung: Jeweils eine Opfergabe bringe man mit dem betreffenden Mantra dar, o Guha. Die Schüler lasse man südlich des Mandalas die vorbereitende Weihe-Nacht verbringen.
14.60
kalaśānnava vinyasya navaratnaṃ tu vinyaset |
savastrān sāpidhānāṃśca sakūrcān sūtraveṣṭitān || 60 ||
Übersetzung: Dort stelle man neun Krüge auf und lege neun Edelsteine hinein. Die Krüge seien mit Tüchern, Deckeln und Grasbündeln versehen und mit Schnüren umwunden.
14.61
dhānyarāśau nidhātavyaṃ candanodaka pūritān |
darbhacaryāsamārūḍhaḥ śivadhyānaparāyaṇaḥ || 61 ||
Übersetzung: Mit Sandelholzwasser gefüllt sind sie auf einen Getreidehaufen zu stellen. Auf einer Lagerstatt aus Darbha-Gras ruhend, ganz der Meditation über Shiva hingegeben,
Unnummerierte Passage: svapnaṃ māṇavakaṃ japtvā svapedrātrau guroḥ saha |
Übersetzung: rezitiere der Schüler [das Mantra für] den Traum und schlafe nachts beim Guru. [Die Wortverbindung von „Traum“, „Schüler“ und „rezitieren“ ist unregelmäßig.]
iti kālottare ayutatrayasaṃhitāyāṃ maṇḍalavidhiḥ caturdaśaḥ paṭalaḥ || 14
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara, in der Ayutatraya-Samhita das Kapitel 14 über „Mandala-Vorschrift“.
Kapitel 15 – Träume
15.1
īśvaraḥ uvāca-
svapnamārgaṃ pravakṣyāmi śṛṇu ṣaṇmukha tattvataḥ |
svapnastu prathame yāme parayatrayapākinaḥ || 1 ||
Übersetzung: Ishvara sprach: Ich werde den Weg der Traumdeutung erklären. Höre ihn wahrheitsgemäß, o Sechsgesichtiger! Ein Traum in der ersten Nachtwache reift nach drei Jahren. [Die Zeitangabe ist entstellt.]
15.2
dvitīyena dvaye pākaḥ tṛtīye'pyekavatsarāt |
yāme tu paścime vatsa ṣāṇmāsātsiddhyati dhruvam || 2 ||
Übersetzung: In der zweiten reift er nach zwei Jahren, in der dritten nach einem Jahr; in der letzten Nachtwache, mein Kind, erfüllt er sich gewiss nach sechs Monaten.
15.3
uṣaḥpūrve dvādaśāhāt brāhme pañcadaśaṃ dinam |
aruṇodayavelāyāṃ saptāhāt siddhimāpnuyāt || 3 ||
Übersetzung: Vor der Morgendämmerung nach zwölf Tagen, in der Brahma-Zeit nach fünfzehn Tagen; zur Zeit des Morgenrots erlangt er nach sieben Tagen seine Erfüllung.
15.4
kaluṣodakaplavaṃ paśyennadyāṃ vāpi sarasyapi |
mahodakaṃ tato snātvā pāraṃ gatvā vibuddhyati || 4 ||
Übersetzung: Man sieht sich im Traum in trübem Wasser schwimmen, in einem Fluss oder einem See; dann badet man in einer großen Wassermenge, erreicht das andere Ufer und erwacht.
15.5
svapne mahodake dhīmān dhanadhānyamavāpnuyāt |
padmaṃ vā cotpalaṃ vāpi nandyāvartaṃ ca mallikām || 5 ||
Übersetzung: Wer im Traum in großem Wasser ist, erlangt Reichtum und Getreide. Wer Lotus, Utpala, Nandyavarta oder Mallika,
15.6
jātīvakulamālyāṃ vā arthānāṃ ca tatho bhavet |
yastu paśyan svapnānte bhayaṃ vā dhenumeva vā || 6 ||
Übersetzung: oder eine Girlande aus Jati und Bakula [sieht], erlangt ebenfalls Güter. Wer im Traum Furcht oder eine Kuh sieht,
15.7
varāhaṃ vā mṛgaṃ vāpi śukaṃ vā śārikāṃ ca vā |
labdhvā tu pratibuddhyeta kuṭuṃbaṃ tasya vardhate || 7 ||
Übersetzung: oder ein Wildschwein, ein Wildtier, einen Papagei oder eine Maina erhält und dann erwacht, dessen Hausgemeinschaft wächst.
15.8
yastu śvetena sarpeṇa sparśaṃ vā dakṣiṇe bhuje |
sahasralābhasteṣāṃ syāt suputrovāpi jāyate || 8 ||
Übersetzung: Wer von einer weißen Schlange am rechten Arm berührt wird, erlangt tausend [Geldeinheiten] oder es wird ihm ein guter Sohn geboren.
15.9
ārohaṇaṃ govṛṣakuñjarāṇāṃ prāsādaśailāgravanaspatīnām |
viṣṭhānulepo rudhiraṃ mṛtaṃ ca
svapneṣvagamyāgamanaṃ ca dhanyam || 9 ||
Übersetzung: Das Besteigen von Kühen, Stieren, Elefanten, Palästen, Berggipfeln und Bäumen, das Beschmieren mit Kot, Blut und einen Toten zu sehen sowie der Verkehr mit einer sonst nicht zugänglichen Person gelten im Traum als glückbringend.
15.10
gajaṃ vā paśyati svapne labdhvā tu pratibudhyate |
mahadarthamavāpnoti rājapūja bhaviṣyati || 10 ||
Übersetzung: Wer im Traum einen Elefanten sieht oder erhält und danach erwacht, erlangt großen Wohlstand und königliche Ehrung.
15.11
vṛṣaṃ labdhvā prabuddhyeta padmapuṣpamathāpi vā |
kukkuṭaṃ vāpi svapnepi bhūmilābhaṃ vinirdiśet || 11 ||
Übersetzung: Wer einen Stier, eine Lotusblüte oder einen Hahn im Traum erhält und erwacht, für den sage man Landgewinn voraus.
15.12
puṣpitaṃ phalitaṃ vāpi pakva vā śubhavṛkṣake |
puṣpite puṣpitaṃ kāryaṃ phalite phalitaṃ bhavet || 12 ||
Übersetzung: Ein blühender, fruchttragender oder reifer glückbringender Baum: Beim Blühen kommt das Vorhaben zur Blüte, beim Fruchttragen trägt es Frucht.
15.13
pakve pakvaṃ vijānīyāt dṛṣṭe dṛṣṭaphalaṃ śubham |
śāliṃ kṣetraṃ mahatpakvaṃ svapnānte yadi paśyati || 13 ||
Übersetzung: Beim Reifen erkenne man es als gereift; das Gesehene bringt die entsprechende gute Frucht. Wer im Traum ein großes Feld mit reifem Reis sieht,
15.14
śāliṃ labhetsusulabhaṃ daśāhe tu na saṃśayaḥ |
gandhaśāliṃ mahāśāliṃ kalamāśālimeva vā || 14 ||
Übersetzung: erlangt innerhalb von zehn Tagen leicht Reis, ohne Zweifel: Duftreis, Mahashali oder Kalama-Reis.
15.15
yastu paśyati svapnānte svatsāṃ gāṃ subhāsitām |
āyustasya vivardheta iti satyaṃ ṣaḍānana || 15 ||
Übersetzung: Wer im Traum eine schöne Kuh mit ihrem Kalb sieht, dessen Lebensdauer wächst. Das ist wahr, o Sechsgesichtiger.
15.16
vānaraṃ vā julīkaṃ vā sarpa saṃdṛśyate bṛhat |
dhanadhānyasuputraiśca vardhate putrapautrakaiḥ || 16 ||
Übersetzung: Wer einen Affen, Julika oder eine große Schlange sieht, gedeiht an Reichtum, Getreide, guten Söhnen, Kindern und Enkeln. [Julika ist unklar.]
15.15 (zweites Vorkommen)
yastu paśyati svapnānte dāridryaṃ tasya naśyati |
surabhiṃ paśyan svapnānte savatsāṃ gāṃ subhāsitām || 15 ||
Übersetzung: Wer dies im Traum sieht, dessen Armut schwindet. Wer im Traum eine Surabhi-Kuh, eine schöne Kuh mit Kalb sieht,
15.16 (zweites Vorkommen)
āyustasya vivardheta iti satyaṃ ṣaḍānana |
vānaraṃ vā jubīkaṃ vā sarpaṃ sadṛśyate bṛhat || 16 ||
Übersetzung: dessen Lebensdauer wächst; das ist wahr, o Sechsgesichtiger. Wer einen Affen, Jubika oder eine große Schlange sieht,
15.17
dhanadhānyasuputraiśca vardhate putrapautrakaiḥ |
yastu paśyati svapnānte rājataṃ kanakāmapi || 17 ||
Übersetzung: gedeiht an Reichtum, Getreide, guten Söhnen, Kindern und Enkeln. Wer im Traum Silber oder Gold sieht,
15.18
devajñaṃ bhūdharaṃ vāpi gṛhe tvarthamavāpnuyāt |
pādasyaiva śato lābhaḥ sahasraṃ bāhubhakṣaṇe || 18 ||
Übersetzung: einen Götterkundigen oder einen Berg, erlangt Besitz im Haus. [Ein weiterer Traum:] Beim Fuß beträgt der Gewinn hundert, beim Verzehren eines Armes tausend. [Der Satzanschluss ist beschädigt.]
15.19
- * * * * * * * * vā śirasaścaiva bhakṣaṇāt |
puṣkareṇa tato yasya pāyasaṃ ghṛtasaṃyutam || 19 ||
Übersetzung: [Textlücke] oder durch das Verzehren des Kopfes. Wem durch einen Lotus [Milchreis gereicht wird], mit geklärter Butter verbunden,
15.20
niṣaṇṇaṃ tu pure bhadre taṃ vidyātpṛthivīpatim |
prāsāde caiva yo bhūtvā sa mudrāṇāṃ tathaiva ca || 20 ||
Übersetzung: und der an einem glückbringenden Ort niedersitzt, den erkenne man als Erdenherrscher. Wer sich in einem Palast befindet, ebenso [beschädigte Angabe zu Mudras],
15.21
ye sadā sa kule jāte rājatvamadhigacchati |
ādityamaṇḍalaṃ dṛśyate bhakṣyate'pi vā || 21 ||
Übersetzung: [weiterer beschädigter Satz über Geburt in einem Geschlecht] erlangt Königtum. Wer die Sonnenscheibe sieht oder sie isst,
15.22
darśanādrājyamāpnoti bhakṣaṇātsaṃpado matāḥ |
darśanaṃ bhakṣaṇaṃ vāpi svapnānte candramaṇḍalam || 22 ||
Übersetzung: erlangt durch das Sehen Herrschaft, durch das Essen Reichtümer. Wer im Traum die Mondscheibe sieht oder isst,
15.23
darśanādarthamāpnoti bhakṣaṇādrājyamāpnuyāt |
surāṃ vā pibati svapne rudhiraṃ vā pibedyadi || 23 ||
Übersetzung: erlangt durch das Sehen Besitz, durch das Essen Herrschaft. Wer im Traum Alkohol oder Blut trinkt,
15.24
brāhmaṇastu bhavedvidvān kṣatriyastu dhanaṃ labhet |
rudhiranadyāṃ tu plavate rudhire plavate yadi || 24 ||
Übersetzung: wird als Brahmane gelehrt; als Kshatriya erlangt er Reichtum. Wer in einem Blutfluss oder im Blut schwimmt,
15.25
mahadarthamavāpnoti rājyaṃ vā labhate naraḥ |
amedhyadarśanaṃ vāpi bhakṣaṇaṃ lepanaṃ tu vā || 25 ||
Übersetzung: erlangt großen Wohlstand oder ein Königreich. Wer Unrat sieht, isst oder sich damit bestreicht,
15.26
darśane cālpamarthaṃ tu lepane tu śataṃ labhet |
bhakṣaṇaiḥ sahasralabhyaṃ tu svapnānte ca prasiddhyati || 26 ||
Übersetzung: erlangt durch das Sehen geringen Besitz, durch das Bestreichen hundert, durch das Essen tausend; so erfüllt es sich im Zusammenhang mit dem Traum.
15.27
kṣīrapāne vyādhiharaṃ dhṛte mṛtyuvināśanam |
dadhipāne rājyamavāpnoti takrapāne mahadbhayam || 27 ||
Übersetzung: Milchtrinken beseitigt Krankheit, geklärte Butter vernichtet den Tod; Sauermilchtrinken bringt Herrschaft, Buttermilchtrinken große Furcht.
15.28
asthivā nigalaṃ vāpi kārpāsarpasya tathāpi vā |
yastu paśyati svapnānte mahāvyādhimavāpnuyāt || 28 ||
Übersetzung: Wer im Traum Knochen, Fesseln oder Baumwolle [das letzte Wort ist entstellt] sieht, erleidet eine schwere Krankheit.
15.29
raktāmbaradharāṃ nārīṃ raktagandhānulepanām |
raktamālyadharā kṛṣṇā pādadeśe tu saṃsthitā || 29 ||
Übersetzung: Eine dunkelhäutige Frau, rot gekleidet, mit roter duftender Salbe bestrichen und mit roten Girlanden geschmückt, steht bei den Füßen:
15.30
svasthiścedvyādhimavāpnoti vyādhito maraṇaṃ labhet |
kharayuktarathārūḍhaṃ dakṣiṇasyāṃ diśaṃ nayet || 30 ||
Übersetzung: Ist der Träumende gesund, erkrankt er; ist er krank, stirbt er. Wird er auf einem von Eseln gezogenen Wagen nach Süden geführt,
15.31
māsānmaraṇamavāpnoti satyametat ṣaḍānana |
raktavastradharo bhūtvā raktamālyānulepanā || 31 ||
Übersetzung: so stirbt er nach einem Monat. Das ist wahr, o Sechsgesichtiger. Wer rote Gewänder, rote Girlanden und rote Salben trägt
15.32
- * * * mā gacchet kūpe nipati to'pi vā |
svasthaścet vyādhimāpnoti vyādhito maraṇaṃ bhavet || 32 ||
Übersetzung: und [Textlücke] geht oder in einen Brunnen fällt, erkrankt, wenn er gesund ist; ist er krank, stirbt er.
15.33
vāyaso līyate sadyaḥ svapne śirasi līyate |
māsānmaraṇamāpnoti evaṃ satyaṃ ṣaḍānana || 33 ||
Übersetzung: Wenn sich im Traum eine Krähe auf den Kopf setzt, stirbt man nach einem Monat. So ist es wahr, o Sechsgesichtiger.
15.34
ulūkaṃ mṛgadhūrtaṃ vā kharaṃ vā śyenameva vā |
śirasi vā svapnabhakṣaṃ vā * * * * * * * * * * || 34 ||
Übersetzung: Eine Eule, einen Schakal, Esel oder Falken auf dem Kopf oder beim Fressen im Traum [Textlücke]:
15.35
māsānmaraṇamāpnoti mahāvyādhihatena va |
dantāśca yasya cchidyante karatale patitā yadi || 35 ||
Übersetzung: Man stirbt nach einem Monat oder wird von schwerer Krankheit getroffen. Wem die Zähne ausfallen und in die Handfläche fallen,
15.36
patanti pārśvadantāśca bhūtale yadi paśyati |
mātaraṃ pitaraṃ vāpi bandhūn putrān suhṛtamān || 36 ||
Übersetzung: oder wer sieht, wie die seitlichen Zähne auf die Erde fallen, [verliert] Mutter, Vater, Verwandte, Söhne oder Freunde. [Das Verb der Folge fehlt.]
15.37
mālinyaṃ vastramācchādya raṇḍā vā api śiṣyati |
mahāvyādhimavāpnoti arthahānimavāpnuyāt || 37 ||
Übersetzung: Wer mit schmutziger Kleidung bedeckt ist oder [einer Witwe; Satz beschädigt], erleidet schwere Krankheit und Vermögensverlust.
15.38
śāktyaṃ kṣapaṇakaṃ vāpi sanyāsaṃ vratadhāriṇam |
yastu paśyati svapnānte tasya mṛtyurna saṃśayaḥ || 38 ||
Übersetzung: Wer im Traum einen Shakya, einen Kshapanaka, einen Entsagenden oder Gelübde tragenden Asketen sieht, dem steht der Tod bevor, ohne Zweifel. [Diese polemische Bewertung fremder Asketengruppen gehört zur historischen Quelle.]
15.39
brāhmaṇaṃ puṣpahasta vā śaivācāryamathāpi vā |
sarvābharaṇasaṃyuktaṃ raktavarṇāṃ sumaṅgalīm || 39 ||
Übersetzung: Einen Brahmanen mit Blumen in der Hand oder einen Shaiva-Lehrer, eine glückbringende, rot gekleidete Frau mit allem Schmuck:
15.40
(yastu paśyati svapnānte tasya mṛtyurna saṃśayaḥ )
yastu paśyati svapnānte mahācchreyamavāpnuyāt |
phalāni sarvāṇi śastāni tālaphalaṃ tu varjayet || 40 ||
Übersetzung: [Die Vorlage fügt hier in Klammern den widersprechenden Satz ein: „Wer dies im Traum sieht, dem steht der Tod bevor, ohne Zweifel.“] Wer dies im Traum sieht, erlangt großes Heil. Alle Früchte sind günstig, mit Ausnahme der Palmyra-Frucht.
15.41
ratnapuṣpāṇi śasyante sarvaṃ vai śubhamāpnuyāt |
kiṃśu kasya tu puṣpāṇi karavīraṃ tu varjayet || 41 ||
Übersetzung: Edelsteine und Blumen sind günstig; man erlangt alles Gute. Kimshuka-Blüten und Oleander jedoch meide man.
15.42
śvetāni sarvapuṣpāṇi śasyante tu ṣaḍānana |
dhurdhūraṃ varjayettatra śvetā ca girikarṇikā || 42 ||
Übersetzung: Alle weißen Blumen sind günstig, o Sechsgesichtiger. Dhurdhura und weiße Girikarnika sind davon auszunehmen.
15.43
kṛṣṇaṃ sarvaṃ vivarjyaṃ tu tilā nāgāśca puṣṭidāḥ |
haritaṃ pītamadhyaphalaṃ kṛṣṇaṃ cādhamamucyate || 43 ||
Übersetzung: Alles Dunkle ist zu meiden; Sesam und Schlangen jedoch bringen Gedeihen. Grün und Gelb bringen mittlere Frucht, Dunkles gilt als minderwertig.
15.44
narāṇāṃ brāhmaṇaḥ śreṣṭho nṛpaṃ madhyamamādiśet |
pakṣiṇāmapi sarveṣāṃ śuko haṃsaḥ praśasyate || 44 ||
Übersetzung: Unter den Menschen ist der Brahmane am günstigsten, der König wird als mittelgut eingestuft. Unter allen Vögeln sind Papagei und Hamsa günstig.
15.45
mṛgāṇāmapi sarveṣāṃ hariṇaḥ siṃha uttamaḥ |
paśūnāmapi sarveṣāṃ dhenurvṛṣamajau śubhāḥ || 45 ||
Übersetzung: Unter den Wildtieren sind Antilope und Löwe am besten; unter den Haustieren sind Kuh, Stier und Ziege glückbringend.
15.46
sarīsṛpāṇāṃ sarveṣāṃ śvetasarpaḥ praśasyati |
gandhaṃ puṣpaṃ phalaṃ gavyaṃ vastramābharaṇaṃ śubham || 46 ||
Übersetzung: Unter den kriechenden Tieren ist die weiße Schlange günstig. Duftstoffe, Blumen, Früchte, Kuhprodukte, Kleidung und glückbringender Schmuck:
15.47
yastu paśyati svapnānte tasya vittaṃ vinirdiśet |
kodravamudgamarīcamapraśastaṃ ca dhātubhiḥ || 47 ||
Übersetzung: Wer sie im Traum sieht, dem sage man Vermögen voraus. Kodrava-Hirse, Mungbohnen und Pfeffer sind ungünstig, ebenso [unvollständige Angabe zu mineralischen Stoffen].
15.48
nālikeraphalaṃ svapne kadalīphalameva ca |
dāḍimaṃ mātulaṅgaṃ vā panasāmraphalaṃ tu vā || 48 ||
Übersetzung: Kokosnuss und Banane im Traum, Granatapfel, Zitronatzitrone, Jackfrucht oder Mango:
15.49
yastu paśyati svapnānte dhanaṃ dhānyaṃ samāpnuyāt |
brahmaviṣṇuśivān vāpi guhaṃ vai lokapālakān || 49 ||
Übersetzung: Wer sie im Traum sieht, erlangt Reichtum und Getreide. Wer Brahma, Vishnu, Shiva, Guha oder die Welthüter,
15.50
ṛṣīn apsaraso vāpi devānāṃ patnikāstu vā |
yastu paśyati svapnānte dhanamāyuryaśo bhavet || 50 ||
Übersetzung: Seher, Apsaras oder die Gattinnen der Götter im Traum sieht, erlangt Reichtum, Lebensdauer und Ruhm.
15.51
eteṣāṃ svapnakālena devānāṃ patnibhistu vā |
yastu paśyati svapnānte kuṭumbaṃ tasya vardhate || 51 ||
Übersetzung: Wer im Traum diese oder die Gattinnen der Götter sieht, dessen Hausgemeinschaft wächst. [Der erste Halbvers ist unregelmäßig.]
15.52
vyāghraṃ vā mahiṣaṃ vāpi ṛṣiṃ vā taskaraṃ tu vā |
yastu paśyati svapnānte rājapīḍāmavāpnuyāt || 52 ||
Übersetzung: Wer im Traum einen Tiger, Büffel, Seher oder Dieb sieht, erleidet Bedrängnis durch den König. [„Seher“ steht so im Text, trotz der positiven Wertung zuvor.]
15.53
prahāra muṣṭibhirvāpi āyudhairhananaṃ tu vā |
yastu paśyati svapnānte mahāvyādhimavāpnuyāt || 53 ||
Übersetzung: Wer im Traum Schläge mit Fäusten oder Verletzung durch Waffen sieht, erleidet eine schwere Krankheit.
15.54
svapne tu rājaṃ puruṣaiḥ paśyate pīḍanādikam |
vyādhiṃ vā cārthanāśaṃ vā pravāsaṃ vā bhaviṣyati || 54 ||
Übersetzung: Wer im Traum sieht, wie er durch Männer des Königs bedrängt wird, muss mit Krankheit, Vermögensverlust oder Aufenthalt in der Fremde rechnen.
15.55
upānatpādukau vāpi svapnānte yasya labhyate |
pravāsaṃ bhavati tasya duḥkhaṃ vāpi bhaviṣyati || 55 ||
Übersetzung: Wer im Traum Schuhe oder Sandalen erhält, geht in die Fremde oder wird Leid erfahren.
15.56
vastraṃ vā bharaṇaṃ vāpi āyudhaṃ dhanadhānyakam |
phalapuṣpānnapānādyaiḥ gṛhopakaraṇāni ca || 56 ||
Übersetzung: Kleidung, Schmuck, Waffen, Reichtum, Getreide, Früchte, Blumen, Speisen, Getränke und Hausgerät:
15.57
yastu paśyati svapnānte tasya duḥkhamavāpnuyāt |
pāśena nigalenāpi badhyate rājaśāsanāt || 57 ||
Übersetzung: Wer dies im Traum sieht, erfährt Leid. [Dies widerspricht den positiven Deutungen ähnlicher Gegenstände zuvor.] Wer auf königlichen Befehl mit Schlingen oder Fesseln gebunden wird,
15.58
kārāgṛhamavāpnoti karṣaṇaṃ keśabandhanāt |
sadyovyādhimavāpnoti kārāgṛhamavāpnuyāt || 58 ||
Übersetzung: kommt ins Gefängnis; wer an den Haaren gepackt und gezerrt wird, erkrankt sogleich oder kommt ins Gefängnis.
15.59
māṃsaṃ vāpi ca matsyaṃ vā labdhvā svapne śubhaṃ bhavet |
bhakṣaṇādduḥkhamāpnoti yavāgraṃ (gūṃ) vāpi pāyayet || 59 ||
Übersetzung: Fleisch oder Fisch im Traum zu erhalten ist günstig; durch ihr Essen erleidet man Leid. Auch Gerstengrütze zu trinken [wird genannt; die Folge ist nicht vollständig formuliert].
15.60
tailaṃ svapne tu cābhyaṅgaṃ garbhai * * * * * * |
mahāvyādhimavāpnoti samudre vāpi majjati || 60 ||
Übersetzung: Öl und Einölen im Traum, [Textlücke]: Man erleidet schwere Krankheit; ebenso beim Versinken im Meer.
15.61
kaluṣodakaṃ pibetsvapne sarpālāplāvameva vā |
sadyo vyādhinā mucyante svastha eva naro bhavet || 61 ||
Übersetzung: Wer im Traum trübes Wasser trinkt oder mit Schlangen überschwemmt wird, wird sogleich von Krankheit frei und gesund. [Die zweite Traumhandlung ist sprachlich unsicher.]
15.62
kūpe vāpyavaṭe vāpi gahvare parvate'pi vā |
puṣṭe tu praharedvāme hastenaiva vivarjayet || 62 ||
Übersetzung: In einem Brunnen, einer Grube, einer Schlucht oder am Berg [befindlich], trifft man links am Rücken einen Schlag und wehrt ihn mit der Hand ab. [Der Wortlaut ist beschädigt.]
15.63
mahāvyādhimavāpnoti kārāgṛhamathāpi vā |
rumnādunnatamāruhya śvetasragdāmabhūṣitam || 63 ||
Übersetzung: Man erleidet eine schwere Krankheit oder Gefangenschaft. Wer von einer niedrigen Stelle zu einer hohen aufsteigt, mit weißen Girlanden geschmückt,
15.64
kuṭumbaṃ tasya vardhante nityaṃ vai śriyamāpnuyāt |
prākāro pānakaṃ vāpi sabhāṃ vāṭālayaṃ tu vā || 64 ||
Übersetzung: dessen Hausgemeinschaft wächst; er erlangt beständigen Wohlstand. Eine Umfassungsmauer, ein Getränk, eine Versammlungshalle oder ein Haus [als Traumbilder]:
15.65
śriyamakṣayāmāpnoti śiraḥ pātena vṛṣṭikam |
gajaṃ turagayūthaṃ vā narayūthamathāpi vā || 65 ||
Übersetzung: Man erlangt unvergänglichen Wohlstand; durch das Fallen des Kopfes Regen [beschädigte Deutung]. Ein Elefant, eine Herde von Pferden oder eine Menschenmenge,
15.66
āyudhānāṃ samūhaṃ vā paśyate varṣamāpnuyāt |
duḥsvapnaṃ śrāvayedbāhyassusvapnaṃ grāhayennaraḥ || 66 ||
Übersetzung: oder eine Ansammlung von Waffen: Wer dies sieht, erhält Regen. Einen schlechten Traum lasse man nach außen hin erzählen; einen guten Traum bewahre man sich.
15.67
śubhaṃ ca praviśeddīkṣāṃ aśubhaṃ ceddhomamācaret |
kṛṣṇaṃ ca goplavaṃ paśyetkanyakāṃ svapne tu bhakṣayet || 67 ||
Übersetzung: Bei einem günstigen Traum trete man in die Einweihung ein; bei einem ungünstigen vollziehe man ein Feueropfer. Wer ein dunkles Goplava sieht oder im Traum ein Mädchen isst [die Formulierung ist so überliefert],
15.68
raṇḍā strī maṇḍanaṃ vāpi nagnastrīṃ vāpi paśyati |
yastu paśyati svapnānte dhanadhānyakṣayo bhavet || 68 ||
Übersetzung: oder eine Witwe, eine Frau beim Schmücken oder eine nackte Frau sieht, erleidet Verlust von Reichtum und Getreide.
15.69
puru(rī)ṣo visarjayetsvapne mūtraṃ vāpi visarjayet |
purīṣāddhanakṣayaṃ vatsa mūtrāddhānyakṣayaṃ bhavet || 69 ||
Übersetzung: Wer im Traum Kot oder Urin ausscheidet: Durch Kot entsteht Verlust von Reichtum, mein Kind, durch Urin Verlust von Getreide.
15.70
śālyannaṃ dhṛtayuktaṃ tu sauvarṇe tu supātrake |
huṃkṛtvā buddhyati svapnānte āyuḥśrīkīrtivardhanam || 70 ||
Übersetzung: Reis mit geklärter Butter in einem guten goldenen Gefäß [zu sehen] und mit einem Huṃ-Laut aus dem Traum zu erwachen, vermehrt Lebensdauer, Wohlstand und Ruhm.
15.71
deva brahmaṇo rājana * * * * * * * *
stutaṃ lābhastu śo * * * * *stu * * * *
- * * * * * * * saṃyoge maithunaṃ śubham || 71 ||
Übersetzung: Götter, Brahmanen und Könige [Textlücke]; gepriesen, Gewinn [Textlücke]; bei einer Vereinigung ist geschlechtlicher Verkehr günstig. [Nur diese Wortgruppen sind erhalten.]
iti kālottare svapnapaṭalaḥ pañcadaśaḥ || 15 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 15 über „Träume“.
Kapitel 16 – Die sechs Wege in der Einweihung
16.1
śrīḥ
īśvaraḥ uvāca-
dīkṣāvidhiṃ pravakṣyāmi śṛṇu ṣaṇmukha tattvataḥ |
mudrāmalakṛtāsnātān kṛtaśauca jitendiyān || 1 ||
Übersetzung: Heil und Segen! Ishvara sprach: Ich werde die Vorschrift der Diksha, der Einweihung, erklären. Höre sie wahrheitsgemäß, o Sechsgesichtiger! Die Schüler seien mit Mudras geschmückt, gebadet, gereinigt und in der Beherrschung der Sinne gefestigt.
16.2
dukūla paṭṭavastreṇa netraṃ badhvā praveśayet |
athavā kārpāsikenāpi śitaślakṣṇena vāsasā || 2 ||
Übersetzung: Man verbinde ihre Augen mit feinem Seidenstoff und führe sie hinein; oder mit einem hellen, glatten Baumwolltuch.
16.3
jīrṇena sphaṭitenaiva dagdhena maraṇaṃ bhavet |
adarśaṃ janayenmaraṇaṃ phalitena vyādhimāpnuyāt |
tasmātsarvaprayatnena śubhavastreṇa bandhayet || 3 ||
Übersetzung: Ein altes, zerrissenes oder verbranntes Tuch führt zum Tod; [ein weiterer beschädigter Ausdruck] verursacht ebenfalls Tod, ein rissiges Tuch Krankheit. Deshalb verbinde man die Augen mit aller Sorgfalt mit einem guten Tuch.
16.4
suvarṇapuṣpasaṃyuktaṃ padmapuṣpeṇa saṃyutam |
śataparṇena puṣpaṃ tu tadardhenāpi kārayet || 4 ||
Übersetzung: Man verwende eine goldene Blume in Lotusform. Mit hundert Blättern soll man die Blume herstellen oder mit der Hälfte davon,
16.5
athavā triṃśatparṇena suvarṇena tu kārayet |
īśānenaiva mantreṇa añjalau puṣpamākṣipet || 5 ||
Übersetzung: oder auch mit dreißig Blättern aus Gold. Mit dem Ishana-Mantra lege man die Blume in die hohlen, zusammengelegten Hände.
16.6
pradakṣiṇatrayaṃ kṛtvā ekacittena buddhimān |
dhyātvā tu devadeveśaṃ kṣipetpuṣpaṃ samāhitaḥ || 6 ||
Übersetzung: Nach drei Umkreisungen meditiere der Verständige einspitzig über den Herrn der Götter und werfe gesammelt die Blume.
16.7
yasminmantre patetpuṣpaṃ nāmagotraṃ tadātmakam |
tanmantraṃ siddhyate tasya kurute vāpyanugraham || 7 ||
Übersetzung: Auf welches Mantra die Blume fällt, dessen Wesen entsprechen Name und geistliche Zugehörigkeit des Schülers. Jenes Mantra wird für ihn wirksam und gewährt ihm Gnade.
16.8
udakena tu saṃspṛśya aghorāstreṇa bhasmanā |
śiṣyasya śirasi kṣipya gandhādibhirathārcayet || 8 ||
Übersetzung: Man berühre ihn mit Wasser und streue mit dem Aghora-Waffenmantra Asche auf seinen Kopf; dann verehre man ihn mit Duftstoffen und weiteren Gaben.
16.9
īśānamūrdhni vinyasya mukhe tatpuruṣaṃ nyaset |
aghoraṃ hṛdaye nyasya guhyaṃ vāmaṃ tu vinyaset || 9 ||
Übersetzung: Ishana lege man auf den Scheitel, Tatpurusha auf das Gesicht, Aghora auf das Herz und Vamadeva auf den Genitalbereich.
16.10
sadyojātaṃ nyasetpāde tattadvarṇayutaṃ nyaset |
hṛdaye hṛdaye nyasya trike śiraśśirasi vinyaset || 10 ||
Übersetzung: Sadyojata lege man auf die Füße, jeweils mit der zugehörigen Farbe. Das Herzmantra lege man auf das Herz, das Kopfmantra auf den Kopf [dazwischen steht die unklare Angabe „am Dreieck“].
16.11
śikhāyāṃ tu śikhāṃ nyasya kavacaṃ stanamadhyataḥ |
astraṃ hastapradeśeṣu netre netre tu vinyaset || 11 ||
Übersetzung: Das Haarbüschel-Mantra lege man auf den Haarbüschel, den Panzer zwischen die Brüste, das Waffenmantra auf die Handbereiche und das Augenmantra auf die Augen.
16.12
palāśapatrakūrcaṃ ca āsanaṃ teṣu vinyaset |
devasya dakṣiṇe pārśve sthāpa vinyaset || 12 ||
Übersetzung: Palasha-Blätter, Grasbündel und Sitz ordne man dort an. An der rechten Seite des Gottes stelle man [den Schüler; der Satz ist verkürzt] auf.
16.13
athārcanaṃ nyasetpaścāt śiṣyadehe ṣaḍānana |
mantrādhvā ca padādhvā ca tatvādhvā bhuvanātmakaḥ || 13 ||
Übersetzung: Danach vollziehe man die Verehrungsauflegung am Leib des Schülers, o Sechsgesichtiger. Der Mantra-Weg, der Wort-Weg, der Tattva-Weg, der aus den Welten bestehende Weg,
16.14
varṇādhvā ca kalādhvā ca viṃśatyeka śivaṃ padam |
mantrādhvānaṃ nyasenmūrdhni padādhvānaṃ mukhe nyaset || 14 ||
Übersetzung: der Laut-Weg und der Kala-Weg [werden genannt], dazu „einundzwanzig“ und Shivas Stätte [Satzanschluss unklar]. Den Mantra-Weg lege man auf den Scheitel, den Wort-Weg auf das Gesicht.
16.15
tattvādhvānaṃ hṛdi nyasya bhuvanaṃ nābhideśake |
varṇādhvānaṃ meḍhramūle kalādhvānaṃ pade nyaset || 15 ||
Übersetzung: Den Tattva-Weg lege man auf das Herz, den Welten-Weg auf die Nabelgegend, den Laut-Weg an die Wurzel des Gliedes und den Kala-Weg auf die Füße.
16.16
pādayostu kalādhvānaṃ tattanmantreṇa deśikaḥ |
pūrvadakṣiṇataścaiva paścimottara ūrdhvataḥ || 16 ||
Übersetzung: Auf die Füße lege der Lehrer den Kala-Weg mit dem jeweiligen Mantra. Osten, Süden, Westen, Norden und oben [bilden die folgende Richtungsreihe].
16.17
pañcakoṭistu mantrāṇi pañcamantraistu saṃharet |
pañcamantraṃ nyasedvatsa vāgbhavādi pañcabhiḥ || 17 ||
Übersetzung: Fünfzig Millionen Mantras ziehe man in die fünf Mantras zusammen. Mein Kind, diese fünf Mantras lege man mit den fünf, beginnend mit Vagbhava, auf.
16.18
padādhvānaṃ nyasedvaktre catuṣkoṭi vidurbudhāḥ |
sadyādibhiḥ pañcabhistu padapañcasu yojayet || 18 ||
Übersetzung: Den Wort-Weg lege man auf das Gesicht; die Weisen kennen vierzig Millionen [Worte]. Mit den fünf, beginnend mit Sadyojata, verbinde man die fünf Wortbereiche.
16.19
padādhvā tatpuruṣe nyasya tattadbrahmeṇa saṃyutam |
praṇavādi padaṃ madhye namaskāraṃ niyojayet || 19 ||
Übersetzung: Den Wort-Weg lege man in Tatpurusha, verbunden mit dem jeweiligen Brahmamantra. Mit Pranava beginnend, das Wort in der Mitte und die Verneigungsformel [am Schluss], vollziehe man die Verbindung.
16.20
tattvādhvānaṃ hṛdi nyasya ṣaṭtriṃśattattvameva hi |
pṛthivyāpastathā tejo vāyurākāśameva ca || 20 ||
Übersetzung: Den Tattva-Weg lege man auf das Herz: die sechsunddreißig Tattvas. Erde, Wasser, Feuer, Wind und Raum;
16.21
śrotraṃ tvak cakṣurjihvā ca ghrāṇaścaiva tu pañca ca |
vākpādapāṇipāyūpasthaścaiva tu pañca ca || 21 ||
Übersetzung: Gehör, Haut, Auge, Zunge und Nase als die fünf Erkenntnisorgane; Sprache, Fuß, Hand, After und Geschlechtsorgan als die fünf Handlungsorgane;
16.22
śabdaḥ sparśaśca rūpaṃ ca raso gandhaśca pañcamaḥ |
mano'haṃkāro ca mahān prakṛtiḥ puruṣastathā || 22 ||
Übersetzung: Klang, Berührung, Gestalt, Geschmack und Geruch als fünftes; Manas, Ahamkara, Mahat, Prakriti und Purusha;
16.23
rāgo māyā ca vidyā ca kālo niyati vigrahaḥ |
kālāśca śuddhavidyāśca śuddhaḥ sadāśivaḥ param || 23 ||
Übersetzung: Raga, Maya, Vidya, Kala, Niyati und Vigraha; ferner Kalas, reines Wissen, der reine Sadashiva und das Höchste. [Die überlieferte Reihe ist unregelmäßig und wird nicht durch eine Standardliste ersetzt.]
16.24
ṣaṭtriṃśattattvake vatsa krameṇaiva tu vinyaset |
aṣṭāviṃśa tu bhuvanāścatuṣṣaṣṭiṃ ca saṃharet || 24 ||
Übersetzung: Mein Kind, die sechsunddreißig Prinzipien lege man der Reihe nach auf. Achtundzwanzig Welten und vierundsechzig ziehe man zusammen. [Das Verhältnis der beiden Zahlen ist ungeklärt.]
16.25
meḍhrādūrdhvaṃ tu hṛdayādadhastātparikalpayet |
kālāgniścāndhakārādi narakāneka viṃśatiḥ || 25 ||
Übersetzung: Oberhalb des Gliedes und unterhalb des Herzens stelle man sie vor: Kalagni, Dunkelheit und die einundzwanzig Höllen,
16.26
rauravaṃ kumbhipākau tu mahārauravameva ca |
kṣurādhārāsitālaṃ ca ja * * pu śītalena ca || 26 ||
Übersetzung: Raurava, Kumbhipaka, Maharaurava, Kshuradhara, Asitala und [beschädigte Namen mit Bezug auf Kälte],
16.27
uṣṇaṃ saṃtāpanaṃ caiva taptalohastathaiva ca |
kūṭaśālmalīkūpaṃ ca tilayantrekṣuyantrakam || 27 ||
Übersetzung: Ushna, Samtapana, Taptaloha, Kutashalmali, Kupa, Tilayantra und Ikshuyantra,
16.28
dhanurniryovajranirayaṃ sthalaṃ nirayameva ca |
pāṣāṇastastapta pāṃsu vai taraṇī ca tathaiva ca || 28 ||
Übersetzung: Dhanurniraya, Vajraniraya, Sthalaniraya, Pashana, Taptapamsu und Vaitarani. [Einzelne Höllennamen sind entstellt.]
16.29
talaṃ ca vitalaṃ caiva nitalaṃ ca talātalam |
sutalaṃ mahātalaṃ cāpi rasātalamathopari || 29 ||
Übersetzung: Tala, Vitala, Nitala, Talatala, Sutala, Mahatala und Rasatala; darüber
16.30
bhūlokaśca bhuvarlokaḥ suralokastathaiva ca |
maharlokaṃ ca vijñeyaṃ janalokaṃ tathaiva ca || 30 ||
Übersetzung: Bhurloka, Bhuvarloka und Suraloka, ferner Maharloka und Janaloka,
16.31
tapalokaṃ satyalokaṃ gāndharvaṃ yakṣalokakam |
vidyādharāṇāṃ lokaṃ ca siddhacāraṇa lokakān || 31 ||
Übersetzung: Tapoloka, Satyaloka, die Welten der Gandharvas und Yakshas, der Vidyadharas, Siddhas und Charanas,
16.32
apsarāṇāṃ lokaṃ caiva kinnarāṇāṃ ca lokakān |
indralokaṃ cāgnilokaṃ yamanir-ṛtilokakam || 32 ||
Übersetzung: die Welten der Apsaras und Kinnaras, Indras Welt, Agnis Welt sowie die Welten Yamas und Nirritis,
16.33
varuṇalokaṃ vāyulokaṃ somalokaṃ tathaiva ca |
īśānalokaṃ brahmalokaṃ viṣṇulokamataḥ param || 33 ||
Übersetzung: Varunas Welt, Vayus Welt, Somas Welt, Ishanas Welt, Brahmas Welt und darüber Vishnus Welt,
16.34
ananteśasya lokaṃ ca sūkṣmalokamataḥ param |
śivottamasya lokaṃ tu ekanetrasya lokakam || 34 ||
Übersetzung: Ananteshas Welt, darüber Sukshmas Welt, Shivottamas Welt und Ekanetras Welt,
16.35
ekarudrasya lokaṃ trimūrtilokamataḥparam |
śrīkaṇṭhasya tu lokaṃ tu śikhaṇḍilokamataḥ param || 35 ||
Übersetzung: Ekarudras Welt, darüber Trimurtis Welt, Shrikanthas Welt und darüber Shikhandins Welt,
16.36
vasulokaṃ candralokaṃ prādhānikamataḥ param |
golokaṃ yogināṃ lokaṃ śuddhalokamataḥ param || 36 ||
Übersetzung: die Welt der Vasus, die Mondwelt, darüber die Pradhana-Welt, Goloka, die Welt der Yogis und darüber die reine Welt,
16.37
maheśvarasya lokaṃ tu sadāśivasya lokakam |
lokānāṃ caiva sarveṣāṃ śivalokaṃ paraṃ viduḥ || 37 ||
Übersetzung: Maheshvaras Welt und Sadashivas Welt: Als höchste sämtlicher Welten kennt man Shivas Welt.
16.38
śivalokopariṣṭāttu lokamātraṃ na vidyate |
nābhimūlātsamārabhya yāvaddhṛdayadeśikam || 38 ||
Übersetzung: Oberhalb von Shivas Welt gibt es überhaupt keine weitere Welt. Von der Nabelwurzel bis zum Herzbereich
16.39
uparyupari vai vatsa catuṣṣaṣṭi ca vinyaset |
vāgbhavaṃ madhyadehaṃ tu karṇikāyāṃ tu vinyaset || 39 ||
Übersetzung: lege man die vierundsechzig übereinander auf, mein Kind. Vagbhava lege man in die Körpermitte, auf den Lotusfruchtboden.
16.40
tasyopari nyasetsāntaṃ śivaṃ paramakāraṇam |
kesareṣu ca sarveṣu svarān ṣoḍaśa vinyaset || 40 ||
Übersetzung: Darüber lege man den friedvollen Shiva, die höchste Ursache. Auf die Staubfäden lege man die sechzehn Vokale.
16.41
a ā vinyasya pūrve tu i-ī vai agnikesare |
u ū yame tu vinyasya ṛ ṝ nirṛtikesare || 41 ||
Übersetzung: A und Ā lege man im Osten auf, I und Ī auf den Staubfaden im Südosten, U und Ū im Süden, Ṛ und Ṝ auf den südwestlichen Staubfaden,
16.42
ḷ ḹ vāruṇe nyasya e ai vāyugocare |
o au ca saumyadeśe tu aṃ aḥ īśānagocare || 42 ||
Übersetzung: Ḷ und Ḹ im Westen, E und Ai im Nordwesten, O und Au im Norden, Aṃ und Aḥ im Nordosten.
16.43
kavargaṃ pūrvadale nyasya cavargaṃ cāgnipatrake |
ṭavargaṃ yamadale nyasya tavargaṃ nir-ṛtigocare || 43 ||
Übersetzung: Die Ka-Gruppe lege man auf das östliche Blatt, die Cha-Gruppe auf das südöstliche, die retroflexe Ta-Gruppe auf das südliche und die dentale Ta-Gruppe auf das südwestliche.
16.44
pavargaṃ vāruṇe nyasya yavargaṃ vāyugocare |
pavargaṃ vāyudale nyasya bhavargaṃ tvīśa gośare || 44 ||
Übersetzung: Die Pa-Gruppe lege man im Westen auf, die Ya-Gruppe im Nordwesten; die Pa-Gruppe auf das nordwestliche Blatt und die Bha-Gruppe im Nordosten. [Die letzten Zuordnungen sind widersprüchlich überliefert.]
16.45
mṛtyuñjayamidaṃ cakraṃ dīkṣādanyatra cābhyaset |
navatriṃśatkalā vatsa mūrdhādipādāntaram || 45 ||
Übersetzung: Dieses den Tod überwindende Chakra übe man auch außerhalb der Einweihung. Die neununddreißig Kalas, mein Kind, [lege man] vom Scheitel bis zu den Füßen [auf]:
16.46
tārā sutārā ramaṇī tārayantī sutāraṇī |
nivṛttiśca pratiṣṭhā ca vidyāśāntistathaiva ca || 46 ||
Übersetzung: Tara, Sutara, Ramani, Tarayanti, Sutarani, Nivritti, Pratishtha, Vidya, Shanti,
16.47
śāntyātītaṃ paraṃ vyomaṃ nādaṃ vinyasya tattvavit |
namo homākṣayā nidrā mṛtyurmāyā bhayājayā || 47 ||
Übersetzung: Shantyatita, den höchsten Raum und Nada lege der Tattva-Kundige auf; ferner Namas, Homa, Akshaya, Nidra, Mrityu, Maya, Bhaya und Ajaya,
16.48
rajā rakṣā ratiḥ pā māṃ tṛṣṇā matiḥ kriyā |
dhṛtiḥ kāryā ca dhātrī ca grāmaṇī homanī tathā || 48 ||
Übersetzung: Raja, Raksha, Rati, Pa, Mam, Trishna, Mati, Kriya, Dhriti, Karya, Dhatri, Gramani und Homani,
16.49
siddhiḥ ṛddhiḥ yutirlakṣmīrmedhā kāntiḥsvadhā sthitiḥ |
navatriṃśatkalā hyete devadevasya dhīmataḥ || 49 ||
Übersetzung: Siddhi, Riddhi, Yuti, Lakshmi, Medha, Kanti, Svadha und Sthiti. Dies sind die neununddreißig Kalas des weisen Gottes der Götter. [Die Worttrennung und die Namen erlauben keine sichere Zählung.]
16.50
trayodaśa kalā vatsa meḍhrādi parikalpayet |
vāmadevakalāpūrvaṃ paścātsvasthānake nyaset || 50 ||
Übersetzung: Mein Kind, die dreizehn Kalas stelle man vom Glied an vor. Zuerst die Kalas Vamadevas, danach lege man sie an ihre jeweiligen eigenen Stellen.
Unnummerierte Passage: ṣaḍadhvānaṃ nyasedevaṃ śiṣyasyaiva tu vigrahe |
Übersetzung: So lege man die sechs Wege auf den Leib des Schülers.
iti kālottare dīkṣāvidhāne ṣaḍadhvaḥ ṣoḍaśaḥ || 16 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 16 über „Die sechs Wege in der Einweihung“.
Kapitel 17 – Yoga-Einweihung
17.1
śrīḥ
īśvara uvāca-
yogadīkṣāṃ pravakṣyāmi saṃkṣepānna tu vistarāt |
pṛthivyāpastathā tejo vāyurākāśameva ca || 1 ||
Übersetzung: Heil und Segen! Ishvara sprach: Ich werde die Yoga-Einweihung kurz erklären, nicht ausführlich. Erde, Wasser, Feuer, Wind und Raum:
17.2
ete pañca mahātattvā yairvyāptamakhilaṃ jahet |
mantrā vai mantrarūpāstu padāni padarūpakam || 2 ||
Übersetzung: Dies sind die fünf großen Prinzipien, von denen die ganze Welt durchdrungen ist. Die Mantras haben Mantragestalt, die Worte Wortgestalt,
17.3
varṇā tu varṇarūpaṃ tu kalādhvā tu kalātmakam |
pañcabhūtātmakaṃ sarvaṃ jagatsthāvarajaṅgamam || 3 ||
Übersetzung: die Laute Lautgestalt und der Kala-Weg das Wesen der Kalas. Die gesamte Welt des Unbeweglichen und Beweglichen besteht aus den fünf Elementen.
17.4
ājānau pṛthivīṃ nyasya ānābheḥ salilaṃ nyaset |
āgalāttejaḥ saṃnyasya āmūrdhno vāyuṃ vinyaset || 4 ||
Übersetzung: Bis zu den Knien lege man Erde auf, bis zum Nabel Wasser, bis zur Kehle Feuer und bis zum Scheitel Wind.
17.5
mūrdhānte vyomaṃ vinyasya tattadbījena vinyaset |
prayojakena sūkṣmeṇa yogadṛṣṭena mantravit || 5 ||
Übersetzung: Am Scheitelende lege man Raum auf, jeweils mit der zugehörigen Keimsilbe. Durch den feinen, im Yoga erkannten Antrieb [vollziehe dies] der Mantrakundige.
17.6
divyena yogamārgeṇa preryate santu śaktitaḥ |
viṣuvena tu yogena vinyasecchāśvate pade || 6 ||
Übersetzung: Auf dem göttlichen Yogaweg werde [das Selbst] durch die Kraft hingeführt. Durch den Yoga des Gleichgewichts, Vishuva, lege man es in die ewige Stätte.
17.7
yogastu viṣuvaṃ prākṣyakona mucyeta bandhanāt |
taṃ viditvā mahāsenaśvapacānapi dīkṣayet || 7 ||
Übersetzung: Wer den Yoga des Vishuva erlangt hat, wer würde da nicht von Bindung frei? [Der Satz ist entstellt.] Kennt man ihn, o Mahasena, kann man selbst die sogenannten Hundekocher einweihen.
17.8
aviditvā tvimaṃ tattvaṃ yo dīkṣāṃ kartumudyataḥ |
vṛthā pariśramaṃ tasya naiva tatphalamāpnuyāt || 8 ||
Übersetzung: Wer dieses Prinzip nicht kennt und sich dennoch anschickt, eine Einweihung durchzuführen, dessen Mühe ist vergeblich; er erlangt ihre Frucht nicht.
17.9
gandhaṃ puṣpaṃ ca dhūpaṃ ca dīpaṃ caivārghyameva ca |
tattve tattveśamabhyarcya ṣaḍadhvā tu pṛthak pṛthak || 9 ||
Übersetzung: Mit Duftstoffen, Blumen, Räucherwerk, Licht und Arghya verehre man bei jedem Prinzip dessen Herrn; die sechs Wege [behandle man] jeweils einzeln.
17.10
garbhādhānādi kāryātha cārcayettu pṛthak pṛthak |
hṛdayena garbhādhānaṃ puṃsavanaṃ ca homayet || 10 ||
Übersetzung: Dann vollziehe man die Riten, beginnend mit der Empfängnisweihe, und verehre jeweils gesondert. Mit dem Herzmantra vollziehe man das Feueropfer für Empfängnisweihe und Pumsavana.
17.11
manonmanīṃ yonimadhye ṛtumatīṃ sulocanām |
samyagvai kalpayitvā tu pañcāśatāhutiṃ hunet || 11 ||
Übersetzung: Die schönäugige Manonmani, in ihrer fruchtbaren Zeit, stelle man inmitten der Yoni richtig vor; dann bringe man fünfzig Feueropfergaben dar.
17.12
garbhādhānaṃ bhavedevaṃ śirasā puṃsavanaṃ kuru |
ṣaṣṭāhutiṃ ca hutvā tu arcayitvā ṣaḍānana || 12 ||
Übersetzung: So geschieht die Empfängnisweihe. Mit dem Kopfmantra vollziehe Pumsavana; nach sechzig Opfergaben und Verehrung, o Sechsgesichtiger,
17.13
bhavetpuṃsavanaṃ hyetat sīmantaṃ śikhayāṃ kuru |
ghṛtena saptamyā hutvā sīmantaṃ ca bhavedguha || 13 ||
Übersetzung: ist dies Pumsavana. Den Scheitelritus vollziehe mit dem Haarbüschel-Mantra; mit geklärter Butter bringe man siebzig Opfergaben dar [die Zahl ist verkürzt geschrieben], o Guha.
17.14
kavacena jātakarmaṃ tu aśītyāṃ iti homayet |
astreṇa nāmakarmaṃ tu upaniṣkrāmaṇanetrataḥ || 14 ||
Übersetzung: Mit dem Panzer-Mantra vollziehe man den Geburtsritus und opfere achtzigmal. Mit dem Waffenmantra die Namensgebung, mit dem Augenmantra das erste Hinaustragen.
17.15
annaprāśanaṃ sadyena caulamīśena kārayet |
upanayanaṃ puruṣeṇaiva aghoreṇa vrataṃ kuru || 15 ||
Übersetzung: Mit Sadyojata das erste Speisen, mit Ishana die erste Haarschur, mit Tatpurusha die Einführung in die Schülerweihe und mit Aghora das Gelübde.
17.16
vivāhaṃ vāpi devena kārayecca ṣaḍānana |
astreṇaiveti hotavyamupa niṣkrāmaṇe śatam || 16 ||
Übersetzung: Auch die Vermählung vollziehe man mit [Vama]deva, o Sechsgesichtiger. Mit dem Waffenmantra ist zu opfern; beim ersten Hinaustragen hundertmal.
17.17
dviśataṃ jahuyādvatsa annaprāśanakarmaṇi |
caule tu triśataṃ juhuyāt upanayane catuḥśatam || 17 ||
Übersetzung: Mein Kind, beim ersten Speisen opfere man zweihundertmal, bei der Haarschur dreihundertmal, bei der Schülerweihe vierhundertmal.
17.18
saptavratānāmekaikaṃ śatāhutiṃ kārayedbudhaḥ |
mahānāndi mahāvrata upaniṣadgodānameva ca || 18 ||
Übersetzung: Für jedes der sieben Gelübde bringe der Verständige hundert Opfergaben dar: Mahanandin, Mahavrata, Upanishad und Godana,
17.19
maheśavrataṃ pañcamaṃ ṣaṣṭhaṃ caiva sadāśivam |
śivavrataṃ tu saptamaṃ vratānāṃ pravaronmatam || 19 ||
Übersetzung: als fünftes Mahesha-Gelübde, als sechstes Sadashiva-Gelübde und als siebtes Shiva-Gelübde, das als vorzüglichstes der Gelübde gilt.
17.20
durdharaṇe tu homaṃ tu ekaikaṃ tu śataṃ śatam |
dehe vai śūdrajātistu analena tu ṣaṇmukha || 20 ||
Übersetzung: Bei [Durdharana; unklare Ritualbezeichnung] bringe man für jedes hundert Feueropfergaben dar. Am Körper betrifft dies die Shudra-Herkunft, durch das Feuer, o Sechsgesichtiger [Satz unvollständig].
17.21
sacchūdratvaṃ yojayitvā kriyā vai ṣoḍaśaṃ kuru |
sākṣādvipratvamāpanne paścāddīkṣāṃ kuruṣva hi || 21 ||
Übersetzung: Nachdem man ihn mit dem Zustand eines rituell geeigneten Shudra verbunden hat, vollziehe man die sechzehn Riten. Wenn er unmittelbar Brahmanenstatus erlangt hat, führe danach die Einweihung durch.
17.22
kriyā caiva namontaṃ tu kārayedvidhinā punaḥ |
arcanaṃ tāḍanaṃ caiva ākarṣaṇaṃ sanniveśanam || 22 ||
Übersetzung: Die Riten vollziehe man wiederum nach Vorschrift, mit „namaḥ“ als Abschluss: Verehrung, Antippen, Heranziehen und Einsetzen,
17.23
prokṣaṇaṃ tāḍanaṃ caiva pāṭanodghāṭanaṃ tathā |
vedanaṃ ghaṭanaṃ caiva paśubhramaṇameva ca || 23 ||
Übersetzung: Besprengen, Antippen, Aufspalten, Öffnen, Durchdringen, Verbinden und das Kreisenlassen der gebundenen Seele,
17.24
pāśānāṃ stobhanaṃ caiva punaḥ saṃsthāpanaṃ tathā |
hṛdayena tu kartavyaṃ sarvakarma ṣaḍānana || 24 ||
Übersetzung: das Stillstellen der Fesseln und das erneute Einsetzen. Alle diese Handlungen sind mit dem Herzmantra auszuführen, o Sechsgesichtiger.
17.25
vastraṃ ca upavītaṃ ca ajinaṃ dantakāṣṭhakam |
mekhaloṣṇīṣakaṃ caiva kaupīnaṃ bhasma eva ca || 25 ||
Übersetzung: Gewand, heilige Schnur, Fell, Zahnreinigungshölzchen, Gürtel, Kopftuch, Lendentuch und Asche [sind die Ausstattung].
17.26
vāmadevena mantreṇa vastraṃ ca mekhalaṃ dadet |
aghoreṇa tu mantreṇa upavītaṃ ca dāpayet || 26 ||
Übersetzung: Mit dem Vamadeva-Mantra gebe man Gewand und Gürtel, mit Aghora die heilige Schnur.
17.27
tatpuruṣeṇa mantreṇa dantakāṣṭhaṃ ca dāpayet |
kaupīnaṃ vāmadevena bhasmamīśena dāpayet || 27 ||
Übersetzung: Mit Tatpurusha gebe man das Zahnreinigungshölzchen, mit Vamadeva das Lendentuch und mit Ishana die Asche.
17.28
tatpuruṣeṇa mantreṇa rudrākṣaṃ dhārayet svayam |
suśvetaṃ brāhmaṇasyoktaṃ kṣaubhaṃ vai kṣatriyasya tu || 28 ||
Übersetzung: Mit Tatpurusha lege man selbst Rudraksha an. Für den Brahmanen ist ein reinweißes Gewand genannt, für den Kshatriya Leinen.
17.29
haridraṃ vāso vaiśyasya kārpāsaṃ śūdra ucyate |
kārpāsaṃ copavītaṃ tu viprasya tu ṣaḍānana || 29 ||
Übersetzung: Für den Vaishya ein gelbes Gewand, für den Shudra Baumwolle. Auch die heilige Schnur des Brahmanen sei aus Baumwolle, o Sechsgesichtiger.
17.30
śaṇasūtramayaṃ rājā vaiśyasya kaṭisūtrakam |
kṛṣṇājinaṃ brāhmaṇasya nṛpasya vyāghrājinaṃ bhavet || 30 ||
Übersetzung: Die des Königs sei aus Hanffaden; für den Vaishya [wird] eine Hüftschnur [genannt]. Für den Brahmanen sei das Fell einer schwarzen Antilope, für den König ein Tigerfell.
17.31
bhastājinaṃ tu vaiśyasya tryaṅgulaṃ dvyaṅgulaikakam |
nābhiṃ pradakṣiṇaṃ kṛtvā ajinaṃ copavītakam || 31 ||
Übersetzung: Für den Vaishya [ein Bhastra-Fell; Lesung unsicher]. Drei, zwei beziehungsweise ein Fingermaß [breit] seien Fellband und heilige Schnur, rechtsläufig um den Nabel geführt.
17.32
tīvratāṃ granthinaikena tribhiḥ pañcabhireva vā |
tritayaṃ cādhivā kuryāt dvitīyaṃ copavītakam || 32 ||
Übersetzung: Fest verbunden mit einem, drei oder fünf Knoten [folge eine dreifache Anordnung]; eine zweite heilige Schnur [wird ebenfalls genannt]. [Der Wortlaut ist beschädigt.]
17.33
pālāśaṃ brāhmaṇasyoktaṃ khādiraṃ kṣatriyasya tu |
vaiśyasya śimāpatraṃ syāt daṇḍānvarṇakramāddadet || 33 ||
Übersetzung: Für den Brahmanen ist ein Palasha-Stab genannt, für den Kshatriya einer aus Khadira, für den Vaishya aus Shami [Lesung unsicher]. Die Stäbe gebe man entsprechend der Standesfolge.
17.34
lalāṭotsedhaṃ viprasya nāsāmātraṃ tu kṣatriye |
galamātraṃ vaiśyajāteḥ trayaṃ caitatprakalpayet || 34 ||
Übersetzung: Beim Brahmanen reiche er bis zur Stirn, beim Kshatriya bis zur Nase, beim Vaishya bis zur Kehle. So bestimme man diese drei Maße.
17.35
dvijātīnāmayaṃ dharmaḥ strīṇāmeva prakalpayet |
strīṇāṃ caiva tu sarvāsāṃ anugrahārthaṃ śivo bhavet || 35 ||
Übersetzung: Diese Ordnung der Zweimalgeborenen wende man auch auf Frauen an. Shiva ist da, um allen Frauen Gnade zu erweisen.
17.36
umāṃśatvāt striyaḥ sarvāḥ dvijātitvādayaṃ vidhiḥ |
upanayanaṃ tu dīkṣāyāṃ kārayettu ṣaḍānana || 36 ||
Übersetzung: Alle Frauen sind Anteile Umas; aufgrund des Status der Zweimalgeborenen gilt diese Vorschrift. Bei der Einweihung vollziehe man auch die Schülerweihe, o Sechsgesichtiger.
17.37
ārādhanavidhānena śikhāyajñopavītakam |
dvijātistrīṇāṃ sarvāsāṃ śikhā caivopavītakam || 37 ||
Übersetzung: Gemäß der Verehrungsvorschrift [gelten] Haarbüschel und heilige Schnur. Für alle Frauen der zweimalgeborenen Stände [sind] Haarbüschel und heilige Schnur [vorgesehen].
17.38
adhikāraṃ śivenoktaṃ dvijastrīṇāṃ viśeṣataḥ |
upanayanaṃ tu dīkṣāyāṃ tatkāle tu vivāhakam || 38 ||
Übersetzung: Shiva hat die Befähigung besonders für Frauen der zweimalgeborenen Stände erklärt: die Schülerweihe bei der Diksha und zu jener Zeit die Vermählung.
17.39
caulakādīni kāryāṇi pānīsayājanādikam |
yāge caivāgnihotre ca mantrabrahmābhidhīyate || 39 ||
Übersetzung: Haarschur und weitere Riten sind zu vollziehen, [beschädigte Angabe weiterer Opferhandlungen]. Beim Opfer und beim Agnihotra werden Mantra und heilige Rede vorgeschrieben.
17.40
tasmātsarvaprayatnena strīṇāṃ caivopavītakam |
agnīṣomādibhiryajñaiḥ yajamānastu patnibhiḥ || 40 ||
Übersetzung: Deshalb soll man mit aller Sorgfalt auch Frauen mit der heiligen Schnur versehen. Bei Agnishoma und weiteren Opfern [handelt] der Opferherr gemeinsam mit seinen Gattinnen,
17.41
mantreṇa samidhākṣepaṃ mantreṇa carubhakṣaṇam |
- * vrataṃ ca mantreṇa sarvayajñeṣu caiva hi || 41 ||
Übersetzung: mit Mantra beim Einlegen des Opferholzes, mit Mantra beim Essen des Opferbreis und mit Mantra beim [Textlücke]-Gelübde, bei sämtlichen Opfern.
17.42
śikhāyajñopavītaṃ ca sarvameva vidhīyate |
evaṃ vidhiṃ prakuryāttu vinā yajñakriyā kṛtā || 42 ||
Übersetzung: Haarbüschel und heilige Schnur sind insgesamt vorgeschrieben. So vollziehe man die Regel; ohne sie [ist] die ausgeführte Opferhandlung [Satz unvollständig].
17.43
mūlamantreṇaṃ vede vādhikāraṃ copavītakam |
upavītaṃ vinā sarvaṃ strīṇāṃ yāgaṃ tu niṣphalam || 43 ||
Übersetzung: Mit dem Wurzelmantra beziehungsweise im Veda [besteht] die Befähigung und die heilige Schnur. Ohne heilige Schnur ist jedes Opfer von Frauen fruchtlos.
17.44
śikhāyajñopavītaṃ ca sarvameva vidhīyate |
evaṃ vidhiṃ prakuryācca paścādyajñaṃ ca kārayet || 44 ||
Übersetzung: Haarbüschel und heilige Schnur sind insgesamt vorgeschrieben. So vollziehe man die Regel und lasse danach das Opfer ausführen.
17.45
haviryajñaḥ pākayajñaḥ somayajñāstridhā bhavet |
agniṣṭomaṃ prathamaṃ atyagniṣṭomameva ca || 45 ||
Übersetzung: Es gibt drei Arten: Opfer mit Opferstoffen, Opfer gekochter Speisen und Somaopfer. Agnishtoma ist das erste, danach Atyagnishtoma,
17.46
ukthāyajñastṛtīyastu caturthaḥ ṣoḍaśī bhavet |
pañcamaṃ vājayeyo'tha atirātraṃ ṣaṣṭha ucyate || 46 ||
Übersetzung: Ukthya ist das dritte, Shodashin das vierte, Vajapeya das fünfte und Atiratra wird als sechstes genannt.
17.47
saptamo hyaptoryāmastu somaḥ saṃsthāstu saptakaḥ |
sadyādi pañcamantraiśca vyomavyāpi daśākṣaram || 47 ||
Übersetzung: Aptoryama ist das siebte; dies sind die sieben Formen des Somaopfers. Mit den fünf Mantras, beginnend mit Sadyojata, und dem zehnsilbigen Vyomavyapin
17.48
pṛthak pṛthaktataḥ kuryāt agniṣṭomādi saptakān |
aṣṭakā parvaṇiśrāddhaṃ śrāvaṇāgrāyaṇī tathā || 48 ||
Übersetzung: vollziehe man sie jeweils gesondert, die sieben von Agnishtoma an. Ashtaka, Parvana-Shraddha, Shravani und Agrayani,
17.49
caitrikāśvayugaścaiva pākayajñaṃ vidurbudhāḥ |
ekaikaṃ ṣaṣṭirjuhuyāt bindumukhyayā || 49 ||
Übersetzung: Chaitri und Ashvayuja kennen die Weisen als Opfer gekochter Speisen. Für jedes opfere man sechzigmal mit [der Formel, die mit] Bindu beginnt. [Die Mantrabezeichnung ist unvollständig.]
17.50
grahaṇe viṣuve caiva ayane darśapūrṇake |
hṛdayena tu mantreṇa ekaikaṃ triṃśatiṃ hunet || 50 ||
Übersetzung: Bei einer Finsternis, einer Tagundnachtgleiche, einer Sonnenwende, an Neu- und Vollmond opfere man mit dem Herzmantra jeweils dreißigmal.
17.51
abhijidviśca jiccaiva rājasūyastathaiva ca |
sautrāmaṇī pauṇḍarīkā tritrāṇyenaṃ tathaiva ca || 51 ||
Übersetzung: Abhijit, Vishvajit, Rajasuya, Sautramani, Paundarika und [eine beschädigte weitere Opferbezeichnung],
17.52
mahāvrataṃ kāmukaṃ ca bahurūpeṇa homayet |
ekaikaṃ dviśataṃ caiva ghṛtena payasā tataḥ || 52 ||
Übersetzung: Mahavrata und Kamuka vollziehe man mit Bahurupa, jeweils zweihundert Opfergaben mit geklärter Butter und Milch.
17.53
aśvamedhaṃ mahāyajñaṃ sarvayajñottamottamam |
prāsādena tu mantreṇa homayedayutaṃ guha || 53 ||
Übersetzung: Für das große Pferdeopfer, das höchste unter allen Opfern, opfere man mit dem Prasada-Mantra zehntausendmal, o Guha.
17.54
paścātpūrṇāhutiṃ dadyāt prāsādena tu deśikaḥ |
ṣoḍaśagṛhītaṃ gṛhītvā homayejjuhuyāttataḥ || 54 ||
Übersetzung: Danach bringe der Lehrer mit Prasada die volle Schlussopfergabe dar. Er nehme sechzehn Schöpfungen [Opferbutter] auf und opfere sie ins Feuer.
17.55
tataḥ sviṣṭakṛtaṃ caiva anupātena pañcabhiḥ |
prāyaścittaṃ tato juhuyāt īśānena tato hunet || 55 ||
Übersetzung: Dann vollziehe man Svishtakrit und anschließend mit den fünf [Mantras] die entsprechende Folge; danach opfere man zur Sühne und mit Ishana.
17.56
evaṃ samāpyate dīkṣā jananādi visarjayet |
rasaspṛṣṭaṃ yathā tāmraṃ na bhūyastāmratāṃ vrajet || 56 ||
Übersetzung: So wird die Einweihung vollendet; Geburt und Weiteres lasse man los. Wie Kupfer, das vom verwandelnden Quecksilber berührt wurde, nicht wieder zum Kupferzustand zurückkehrt,
17.57
śivatattvaṃ varaṃ sūkṣmaṃ anaupaumyamanāmayam |
apratarkyaṃ nirālambaṃ niṣkalaṃ śāntamavyayam || 57 ||
Übersetzung: [so vergegenwärtige man] das vorzügliche, feine Shiva Tattva, unvergleichlich und frei von Übel, dem Denken unzugänglich, ohne Stütze, teillos, friedvoll und unvergänglich,
17.58
kalpanārahitaṃ nityaṃ paraṃ brahma sanātanam |
vācyavācakarahitaṃ heyopādeyavarjitam || 58 ||
Übersetzung: frei von Vorstellungen, ewig, das höchste immerwährende Brahman, jenseits von Bezeichnetem und Bezeichnung, von Zurückweisen und Annehmen,
17.59
śuddhaṃ sarvagataṃ śūnyaṃ svasaṃvedyaṃ parāparam |
śiṣyasyaiva tu vāgghore bhrūvikṣepau tu yojayet || 59 ||
Übersetzung: rein, alldurchdringend, leer, durch eigenes Erfahren erkennbar, jenseitig und diesseitig. Beim Schüler verbinde man [einen beschädigten Ausdruck mit Bezug auf Rede oder Aghora] und die Bewegung der Augenbrauen.
17.60
śiṣyasyaiva tu * * * * * mātmani yojayet |
mucyate nātra saṃdeho bhrūṇaghno hi ṣaṇmukhaṃ || 60 ||
Übersetzung: Den Schüler [Textlücke] vereinige man mit dem Selbst. Er wird frei, daran besteht kein Zweifel, selbst wenn er ungeborenes Leben getötet hat, o Sechsgesichtiger.
17.61
adhivāsya ghaṭātpañca bhinnaikaṃ tatra kārayet |
īśānena tu mantreṇa prāsādena samanvitam || 61 ||
Übersetzung: Nach der vorbereitenden Weihe richte man fünf Krüge und einen gesonderten ein. Mit Ishana, verbunden mit Prasada, [vollziehe man die folgende Handlung].
17.62
ācāryaṃ pūjayettatra makuṭaṃ kuṇḍalādibhiḥ |
keyūraiḥ karṇikaiścaiva kaṭakaiḥ kaṭisūtrakaiḥ || 62 ||
Übersetzung: Den Acharya verehre man dort mit Krone, Ohrringen, Oberarmreifen, Ohrschmuck, Handreifen und Hüftschnüren,
17.63
udarabandhocchannavīraiḥ svarṇayajñopavītakaiḥ |
svarṇāṅgulīyakaiścaiva citraiścāmarapiñchakaiḥ || 63 ||
Übersetzung: Bauchbändern, gekreuztem Brustschmuck, goldenen heiligen Schnüren, goldenen Fingerringen und bunten Fliegenwedeln,
17.64
dāsī dāsairanekaiśca śayyāvāhanakarmaṇi |
anuḍuhairdohamahiṣaiḥ kṣaumavastrairanekaśaḥ || 64 ||
Übersetzung: mit zahlreichen Dienerinnen und Dienern für Lagerstatt und Beförderung, mit Zugochsen und Milchbüffeln sowie vielen Leinengewändern,
17.65
gajairhaṃsairathairiṣṭairanyagrāmairalaṃkṛtaiḥ |
gṛhopaskaraṇaiścānya bhuktabhāṇḍaiḥ kaṭāhakaiḥ || 65 ||
Übersetzung: mit Elefanten, Gänsen, erwünschten Wagen, anderen geschmückten Dörfern, Hausgeräten, Essgeschirr und Kesseln,
17.66
niṣṭhīvanādimitraiśca syālīmusalalūkhalaiḥ |
hṛdayena tu mantreṇa puruṣeṇa nivedayet || 66 ||
Übersetzung: Spuckgefäßen und weiteren Gefäßen, Töpfen, Stößeln und Mörsern. Mit dem Herzmantra und Tatpurusha bringe man sie dar. [Einzelne Gerätenamen sind entstellt.]
17.67
vedāśraṃ vedahastaṃ tu gomayena tu maṇḍalam |
śālipiṣṭairvicitraiśca madhye padmaṃ samālikhet || 67 ||
Übersetzung: Ein viereckiges Mandala von vier Hasta bereite man mit Kuhdung; mit vielfältig gefärbtem Reismehl zeichne man in die Mitte einen Lotus.
17.68
aṣṭapatraṃ likhettatra karṇikādi samanvitam |
bhadraṃ suvinyasettatra gurustatra niveśayet || 68 ||
Übersetzung: Dort zeichne man acht Blätter samt Fruchtboden und den übrigen Teilen. Man richte einen guten Sitz her und lasse den Guru darauf Platz nehmen.
17.69
gandhaiḥ puṣpaistathā dhūpairdīpairarghyaiśca pūjayet |
īśānena tu mantreṇa pūjayeddeśikottamaḥ || 69 ||
Übersetzung: Mit Duftstoffen, Blumen, Räucherwerk, Lichtern und Arghya verehre man ihn. Mit Ishana verehre man den vorzüglichen Lehrer. [Die grammatische Rollenverteilung ist im letzten Halbvers unregelmäßig.]
17.70
vastrairābharaṇai ratnairvāmadevena pūjayet |
keyūraiḥ karṇikaiḥ hārairaghoreṇa tu pūjayet || 70 ||
Übersetzung: Mit Gewändern, Schmuck und Edelsteinen verehre man ihn unter Vamadeva, mit Oberarmreifen, Ohrschmuck und Halsketten unter Aghora,
17.71
makuṭaiḥ kuṇḍalaiḥ paṭṭaiḥ īśānena tu pūjayet |
kaṭakairaṅgulyaiśca nūpuraiśca gajādibhiḥ || 71 ||
Übersetzung: mit Kronen, Ohrringen und Stirnbändern unter Ishana. Handreifen, Fingerringe, Fußringe und Elefanten und weitere Gaben
17.72
sadyojātena dātavyaṃ bhaktiyukto dṛḍhairvrataḥ |
gṛhopaskaraṇaiścānyaiḥ hṛdayena tu dāpayet || 72 ||
Übersetzung: sind unter Sadyojata darzubringen, voller Hingabe und fest im Gelübde. Weitere Hausgeräte lasse man mit dem Herzmantra übergeben.
17.73
evaṃ pūjya vidhānena praṇipatya tato bhavet |
praṇamya daṇḍavadbhūmāvaṣṭāṅgaṃ tribhirācaret || 73 ||
Übersetzung: Nach dieser regelgerechten Verehrung werfe man sich nieder. Lang ausgestreckt auf der Erde vollziehe man dreimal die achtgliedrige Verneigung.
17.74
he guro tvatprasādena labdhvā dīkṣā sudurlabhā |
caturvarṇaśivajñānaṃ prāptamanyatsureśvaram || 74 ||
Übersetzung: „O Guru, durch deine Gnade habe ich die überaus schwer zu erlangende Einweihung erhalten. Shiva-Erkenntnis für die vier Stände wurde erlangt und [ein weiterer beschädigter Ausdruck zum Herrn der Götter].“
17.75
ityuktvā vacanaṃ tyaktvā devadevaṃ guruḥ śivam |
deśikastu tato vatsa male dve karṇadakṣiṇaiḥ || 75 ||
Übersetzung: Nach diesen Worten [folgt eine beschädigte Angabe zu Guru, Shiva und dem Gott der Götter]. Dann, mein Kind, [wendet sich] der Lehrer an das rechte Ohr [des Schülers; der Wortlaut ist entstellt].
17.76
he putra muñca muñceti īśānenābhi mantrayet |
dharmārtha kāmamokṣāṃśca bhuṅkṣva rājyaṃ narādhipa || 76 ||
Übersetzung: „O Sohn, lass los, lass los!“ So spreche er mit Ishana. „Genieße Dharma, Wohlstand, Wunscherfüllung und Befreiung sowie die Herrschaft, o König!“
17.77
evaṃ japye tu mantrajñaḥ tridhā pāyastu śiṣyakaḥ |
ācāryaṃ bhavane sarvaṃ svayaṃ nītvā tu bhaktitaḥ || 77 ||
Übersetzung: Wenn so rezitiert wird, [vollziehe] der mantrakundige Schüler [eine dreifache Handlung; Lesung unklar]. Aus Hingabe bringe er alles selbst in das Haus des Lehrers.
17.78
brāhmaṇo vedamāpnoti kṣatriyo vijayī bhavet |
vaiśyastu dhanamāpnoti śūdraḥ pāpātpramucyate || 78 ||
Übersetzung: Der Brahmane erlangt den Veda, der Kshatriya wird siegreich, der Vaishya erlangt Reichtum und der Shudra wird von Verfehlungen frei.
17.79
ihaiva dhanavān śrīmān sonte rudratvamāpnuyāt |
caṇḍayāgaṃ tataḥ kuryāt śāstradṛṣṭena karmaṇā || 79 ||
Übersetzung: Schon hier wird er reich und vom Glück begünstigt; am Ende erlangt er Rudras Zustand. Danach vollziehe man das Chandesha-Opfer gemäß der in der Schrift gelehrten Handlung.
iti kālottare yogadīkṣāpaṭalassaptadaśaḥ || 17 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 17 über „Yoga-Einweihung“.
Kapitel 18 – Das Opfer für Chandeshvara
18.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
caṇḍeśvarasya yāgaṃ tu pravakṣyāmyanupūrvaśaḥ |
aṣṭapatraṃ likhetpadmaṃ karṇikākesarānvitam || 1 ||
Übersetzung: Heil und Segen! Ishvara sprach: Ich werde das Opfer für Chandeshvara der Reihe nach erklären. Man zeichne einen achtblättrigen Lotus mit Fruchtboden und Staubfäden.
18.2
sitena raktavarṇena kṛṣṇapītena vā likhet |
haritena likhedvatsa triratnaṃ maṇḍalaṃ śubham || 2 ||
Übersetzung: Man zeichne ihn weiß, rot, schwarz, gelb oder grün, mein Kind: ein glückbringendes Mandala mit drei Edelsteinen [Zuordnung unklar].
18.3
pūrvaṃ lekhayitvā tu caṇḍamāvāhayettataḥ |
vastrayugmena saṃpūjya gandhapuṣpādinārcayet || 3 ||
Übersetzung: Nachdem man es gezeichnet hat, rufe man Chanda herbei. Mit zwei Gewändern verehre man ihn und bringe Duftstoffe, Blumen und weitere Gaben dar.
18.4
droṇena taṇḍulenaiva siddhamannaṃ nivedayet |
mudgaṃ māṣaṃ kulutthaṃ ca śimbaṃ niṣpāvameva ca || 4 ||
Übersetzung: Man bringe gekochte Speise aus einem Drona Reis dar: Mungbohnen, Masha-Bohnen, Kulattha, Shimba und Nishpava,
18.5
śālinīvāragodhūma yava vaiṇavataṇḍulaiḥ |
raktaśāliṃ mahāśāliṃ gandhaśāliṃ tathaiva ca || 5 ||
Übersetzung: Kulturreis, Wildreis, Weizen, Gerste, Bambuskorn, roten Reis, Mahashali und Duftreis,
18.6
kalamaśyāmataṇḍulaiḥ priyaṅguśyāmataṇḍulaiḥ |
kodravaṃ varjayitvā tu taṇḍulairvāpi vardhayet || 6 ||
Übersetzung: Kalama- und Shyama-Korn, Priyangu- und Shyama-Korn; Kodrava lasse man weg. Mit den übrigen Körnern vermehre man die Menge.
18.7
grāhayetsarvataṇḍulān sarvagandhasamanvitam |
śiṃśukandaṃ bṛhatkandaṃ sūraṇasya tu kandakam || 7 ||
Übersetzung: Man nehme die verschiedenen Körner, verbunden mit sämtlichen Duftstoffen; ferner Shimshu-Knolle, große Knolle und Surana-Knolle,
18.8
śambakandaṃ vallakandaṃ kadalīphalapañcakam |
bṛhatīdvayaphalaṃ caiva kūśmāṇḍaṃ karkarīdvayam || 8 ||
Übersetzung: Shamba-Knolle, Valla-Knolle, fünf Bananen, die Früchte der beiden Brihati-Arten, Wachskürbis und zwei Karkari-Früchte,
18.9
panasaphalaṃ tadbījamātraṃ bṛndārameva ca |
pañcamaṃ rājamāṣasya meghanādaṃ punarbhavam || 9 ||
Übersetzung: Jackfrucht und ihre Samen, Brindara, als fünftes Rajamasha, ferner Meghanada und Punarbhava. [Die Mengen- und Pflanzenfolge ist unregelmäßig.]
18.10
bhakṣapātrī samāyuktaṃ vidhūrīphalaśatairyutam |
marīcaṃ siddhārthakaṃ hiṅguṃ jīrakadvayasaṃyutam || 10 ||
Übersetzung: Mit essbaren Blättern und hundert Vidhuri-Früchten verbunden, mit Pfeffer, weißem Senf, Asafoetida und zwei Kümmelarten,
18.11
haridraṃ kṣīra saṃyuktaṃ tintriṇīphalasaṃyutam |
dvātriṃśacca guṇaphalaṃ matsyamaṇḍī tadardhakam || 11 ||
Übersetzung: mit Kurkuma, Milch und Tamarindenfrucht; zweiunddreißig [Anteile] Guna-Frucht, halb so viel Matsyamandi. [Die letzten Stoff- und Mengenangaben sind unsicher.]
18.12
dvātriṃśatprasthaṃ kṣīraṃ tu dviprasthaṃ ghṛtameva ca |
ṣoḍaśaprastha mudgaṃ tu sarvamekatra vācayet || 12 ||
Übersetzung: Zweiunddreißig Prastha Milch, zwei Prastha geklärte Butter und sechzehn Prastha Mungbohnen koche man mit allem zusammen.
18.13
nivedayeccaruṃ dhīmān caṇḍeśāya samantrakaḥ |
caṇḍasya mūlamantreṇa aṣṭottaraśataṃ hunet || 13 ||
Übersetzung: Der Verständige bringe diesen Opferbrei Chandesha mit dem Mantra dar. Mit Chandas Wurzelmantra opfere er 108-mal ins Feuer.
18.14
śivasya dviguṇaṃ kṛtvā pañcāśat cakravartinam |
aṣṭamūrtīṃśca rudrāṃśca vasurudrādityakāmapi || 14 ||
Übersetzung: Für Shiva vollziehe man das Doppelte, für die Weltherrscher fünfzig [Opfergaben]. Die acht Gestalten, Rudras, Vasus und Adityas,
18.15
mātṛkāṇḍān lokapālān siddhān ṛṣimarudgaṇān |
vidyādharāṃścāraṇāṃśca nāgān sāpsarapannagān || 15 ||
Übersetzung: die Scharen der Mütter, Welthüter, Siddhas, Seher und Maruts, Vidyadharas, Charanas, Nagas, Apsaras und Schlangenwesen,
18.16
śivāstraṃ pāśupattāstraṃ aghorāstraṃ tathaiva ca |
lokapālān kṣetrapālān dvārapālāṃśca sarvataḥ || 16 ||
Übersetzung: Shivas Waffe, die Pashupata-Waffe und die Aghora-Waffe, Welthüter, Gebietshüter und Türhüter überall [beziehe man ein].
18.17
ekāmekāmāhutiṃ ca sarvamantreṇa mantravit |
śakti caiva śivāṅgaṃ ca rudrāṇāṃ pañcaviṃśakaiḥ || 17 ||
Übersetzung: Jeweils eine Opfergabe bringe der Mantrakundige mit dem entsprechenden Mantra dar. Für Shakti, Shivas Glieder und die Rudras [werden] fünfundzwanzig [genannt].
18.18
homayitvā vidhānena baliṃ sarvatra dāpayet |
ācāryaṃ yajamānaṃ ca tadbandhūn sarvameva ca || 18 ||
Übersetzung: Nach dem regelgerechten Feueropfer lasse man überall Bali-Gaben darbringen. Dem Lehrer, dem Opferherrn und sämtlichen Angehörigen,
18.19
sakhe purajanāthaiva akṣamātraṃ tu dāpayet |
tatraiva bhojanaṃ kuryādācāryaḥ śiṣya saṃyutaḥ || 19 ||
Übersetzung: Freunden und Bewohnern der Stadt gebe man jeweils eine Aksha-große Portion. Dort esse der Lehrer zusammen mit dem Schüler.
18.20
tayoḥ putrakalatraiśca bhṛtyaiśca sahabhojayet |
bhojanānte caruṃ vatsa sarvavyādhiharaṃ param || 20 ||
Übersetzung: Auch ihre Kinder, Ehepartner und Dienenden lasse man mitessen. Der am Ende der Mahlzeit [gegebene] Opferbrei, mein Kind, ist ein vorzüglicher Beseitiger aller Krankheiten,
18.21
dhanadhānyavivṛddhiṃ ca putrapautra vivardhanam |
subhikṣaṃ gobahulamāyuṣyaṃ maṅgalaṃ mahat || 21 ||
Übersetzung: mehrt Reichtum, Getreide, Kinder und Enkel, bringt reichliche Nahrung, viele Kühe, langes Leben und großen Segen.
18.22
caṇḍeśvarasya yāgena nirvyādhirnirupadravaḥ |
dīkṣānte yatnataḥ kuryāt yāgaṃ caṇḍeśvara sā tu || 22 ||
Übersetzung: Durch das Opfer für Chandeshvara wird man frei von Krankheit und Bedrängnis. Am Ende der Einweihung vollziehe man deshalb sorgfältig dieses Chandeshvara-Opfer.
iti kālottare dvādaśasahasrasaṃhitāyāṃ caṇḍeśvarayāgapaṭalo'ṣṭādaśaḥ || 18 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara, in der Dvadashasahasra-Samhita das Kapitel 18 über „Das Opfer für Chandeshvara“.

Kapitel 19 – Königsweihe
19.1
śrīḥ
īśvara uvāca-
mahābhiṣekamārgaṃ tu pravakṣyāmyanupūrvaśaḥ |
uttarāyaṇakāle tu śuklapakṣe śubhe dine || 1 ||
Übersetzung: Heil und Segen! Ishvara sprach: Ich werde den Weg der großen Weihebegießung der Reihe nach erklären. Während des nördlichen Sonnenlaufs, in der hellen Monatshälfte, an einem günstigen Tag,
19.2
hastetiṣye vāruṇe ca vāyavye rohiṇīmake |
mṛgākhye cottare caiva abhiṣekaṃ tu kārayet || 2 ||
Übersetzung: unter Hasta, Tishya, dem Varuna-Mondhaus, dem Vayu-Mondhaus, Rohini, Magha, Mrigashiras oder einem Uttara-Mondhaus lasse man die Begießung vollziehen.
19.3
kumbhe vā makare vāpi vṛṣame karkaṭe tathā |
siṃhe vā mithune vāpi abhiṣekaṃ nṛpasya tu || 3 ||
Übersetzung: Unter Wassermann, Steinbock, Stier, Krebs, Löwe oder Zwillinge geschehe die Königsweihe.
19.4
dvitīyāṃ pañcamīṃ vāpi nandāyāṃ vā japet tu vā |
somaśukrau budhe vāpi jīvavārastu śobhanāḥ || 4 ||
Übersetzung: Am zweiten oder fünften Mondtag oder an einem Nanda-Tag [eine weitere Angabe ist entstellt]; Montag, Freitag, Mittwoch und Donnerstag sind günstig.
19.5
bṛhaspatyudaye śreṣṭhaṃ śukrodayamathāpi vā |
budhodaye vā kartavyamabhiṣekaṃ nṛpastha tu || 5 ||
Übersetzung: Am besten ist der Aufgang Jupiters; auch beim Aufgang der Venus oder Merkurs soll die Königsweihe vollzogen werden.
19.6
triṣaṣṭhekādaśe krūrāḥ grahā ekādaśa sthitāḥ |
jīvo vā saptamasthāne'nyatra sthāne'thavā bhavet || 6 ||
Übersetzung: Die ungünstigen Planeten stehen im dritten, sechsten oder elften Haus; [die Vorlage wiederholt] die Planeten im elften. Jupiter stehe im siebten oder in einer anderen geeigneten Stellung.
19.7
bandhusthāne tu śukraḥ syāt somo vāpyardha sthānataḥ |
tristhāna āyasthāne vā candraḥ śreṣṭho'bhiṣecane || 7 ||
Übersetzung: Venus stehe im vierten Haus, der Mond [in einer unklar bezeichneten Stellung]. Im dritten Haus oder im Haus des Gewinns ist der Mond für die Begießung am günstigsten.
19.8
saptame divase pūrve aṅkurārpaṇapūrvakam |
pālikāṣṭottaraśataṃ daśāṣṭā ca tathaiva ca || 8 ||
Übersetzung: Sieben Tage zuvor beginne man mit dem Darbringen der Sprossen. Man verwende 108 Pflanzschalen oder achtzehn,
19.9
śarāvaṃ ca tathā proktā pratyekaṃ dviśataṃ tu vā |
nīvārayavaśālī ca tilaṃ vaiṇavameva ca || 9 ||
Übersetzung: entsprechend auch flache Schalen, oder jeweils zweihundert. Wildreis, Gerste, Reis, Sesam und Bambuskorn,
19.10
mudgamāṣakulatthaṃ ca śimbaṃ niṣpāvameva ca |
raktaśālī mahāśālī kalamāśālireva ca || 10 ||
Übersetzung: Mungbohnen, Masha, Kulattha, Shimba und Nishpava, roten Reis, Mahashali und Kalama-Reis,
19.11
gandhaśālipriyaṅguśca tridroṇaṃ sarvameva ca |
ekadroṇena vā mantrī prāse(sā)dena tu vāpayet || 11 ||
Übersetzung: Duftreis und Priyangu: Von allem zusammen drei Drona oder ein Drona säe der Mantrapraktizierende mit Prasada aus.
19.12
devālaye susānnidhye puṇyatīrthe tu vā kuru |
goṣṭhe vā nadītīre vā nadīsāgarasaṅgame || 12 ||
Übersetzung: Man vollziehe dies in der unmittelbaren Gegenwart der Gottheit im Tempel, an einer heiligen Badestelle, bei einer Kuhherde, am Flussufer oder an der Mündung eines Flusses ins Meer.
19.13
kūṭaṃ vā maṇṭapaṃ vāpi ṣaṭtriṃśaddhastamātrataḥ |
vṛttaṃ vā caturaśraṃ vā caturāyatameva vā || 13 ||
Übersetzung: Eine Halle oder einen Pavillon von sechsunddreißig Hasta errichte man, rund, quadratisch oder rechteckig,
19.14
vṛttāyataṃ vā kartavyaṃ antaḥstambha vivarjitam |
catustoraṇasaṃyuktaṃ caturddhā(dvā)ra samāyutam || 14 ||
Übersetzung: oder länglich-rund, ohne innere Säulen, mit vier Torbögen und vier Zugängen.
19.15
vitānoparisaṃchannaṃ darbhamālāvibhūṣitam |
navadiggaja saṃyuktaṃ maṅgalāṅkuraśobhitam || 15 ||
Übersetzung: Oben sei er mit einem Baldachin bedeckt und mit Darbha-Girlanden geschmückt, mit „neun Richtungselefanten“ [auffällige Zahl] versehen und durch glückbringende Sprossen verschönert,
19.16
phalaṃ pallavamālāḍhya ghaṇṭācāmarabhūṣitam |
aṣṭamaṅgalasaṃyuktaṃ gandhapuṣpa samākulam || 16 ||
Übersetzung: reich an Früchten und Blattgirlanden, mit Glocken und Fliegenwedeln geschmückt, mit den acht Glückszeichen versehen und voller Duftstoffe und Blumen,
19.17
dhūpadīpa susaṃkīrṇaṃ dvāre kalaśabhūṣitam |
aṣṭottaraśataṃ vāpi catuṣṣaṣṭimathāpi vā || 17 ||
Übersetzung: erfüllt von Räucherwerk und Lichtern, mit Krügen an den Toren geschmückt. Mit 108 oder 64,
19.18
dvātriṃśat ṣoḍaśāṣṭau ca agnikuṇḍairalaṅkṛtam |
pūrvoktalakṣaṇairyuktaṃ kuṇḍaiḥ sarvaiḥ suśobhanam || 18 ||
Übersetzung: 32, 16 oder acht Feuergruben sei er versehen, alle mit den zuvor genannten Merkmalen, sodass der Platz herrlich erscheint.
19.19
vipraiḥ vedavrataiḥ śubhraiḥ vedayajñavratesthitaiḥ |
sarvalakṣaṇa saṃpannaiḥ nābhrahīnaiḥ dvijottamaiḥ || 19 ||
Übersetzung: Durch reine Brahmanen, die vedischen Gelübden folgen und fest in vedischem Opfer und Gelübde stehen, mit allen günstigen Merkmalen und ohne [körperlichen Mangel; Lesung beschädigt],
19.20
ṛgyajuḥ sāmasaṃpannaiḥ tantramantra vidaiḥ śubhaiḥ |
homaṃ kuryādyathā nāthāmācāryamatha saṃsthitaiḥ || 20 ||
Übersetzung: bewandert in Rig-, Yajur- und Samaveda, kundig in Tantra und Mantra, lasse man das Feueropfer vollziehen, unter der Leitung des Lehrers.
19.21
kalaśaiḥ sahasraiḥ randhrairvā tadardhairaṣṭottare tu vā |
ekāśītiṃ catuḥṣaṣṭirdvātriṃśatṣoḍaśaṃ tu vā || 21 ||
Übersetzung: Mit tausend Krügen oder „neun“ [unsichere Zahlenfolge], mit der Hälfte oder 108, mit 81, 64, 32 oder 16,
19.22
navakumbhaistu vā kuryāt hīnavittastu mānavaḥ |
haimarājatatāmrairvā pārthivairvā suśobhanaiḥ || 22 ||
Übersetzung: oder mit neun Krügen vollziehe es ein Mensch mit geringen Mitteln. Sie seien schön gearbeitet, aus Gold, Silber, Kupfer oder Ton,
19.23
akālamūle kalaśaiḥ sarvadoṣa vivarjitaiḥ |
āḍhakadvayasaṃpūrṇaiḥ dvitīyaikamathāpi vā || 23 ||
Übersetzung: mit [unversehrtem Boden; Ausdruck beschädigt], frei von allen Fehlern, mit einem Fassungsvermögen von zwei Adhaka oder [weiteren unsicheren Mengenangaben].
19.24
savastraiḥ sāpidhānaiśca sakūrcaiḥ sūtraveṣṭitaiḥ |
sapallavayutaiḥ śubhraiḥ āmrapippalacandanaiḥ || 24 ||
Übersetzung: Mit Tüchern, Deckeln und Grasbündeln, mit Schnüren umwunden und mit reinen Zweigen von Mango, Pippala und Sandelholz versehen,
19.25
arcitairdhūpitaiḥ dhautaiḥ śvetataṇḍulacarcitaiḥ |
pañcaviṃśaśca koṣṭhāni kārayitvā ṣaḍānana || 25 ||
Übersetzung: verehrt, beräuchert, gewaschen und mit weißen Reiskörnern geschmückt: Nachdem man fünfundzwanzig Felder angelegt hat, o Sechsgesichtiger,
19.26
sahasradroṇaśālībhiḥ sthaṇḍilaṃ kārayedbudhaḥ |
athavārdhaṃ tadardhaṃ vā śatadroṇena śālinā || 26 ||
Übersetzung: bereite der Verständige mit tausend Drona Reis einen Opferhügel, oder mit der Hälfte, einem Viertel oder hundert Drona Reis,
19.27
pañcāśatpañcaviṃśairvā daśadroṇena vā punaḥ |
tadardhaṃ taṇḍulaṃ gṛhya padmamaṣṭadalaṃ likhet || 27 ||
Übersetzung: mit fünfzig, fünfundzwanzig oder zehn Drona. Mit der Hälfte davon an enthülstem Reis zeichne man einen achtblättrigen Lotus.
19.28
jalajaṃ dravyamantrāṃśca vinyaseccānupūrvaśaḥ |
madhyage navame naiva koṇaṃ tatraiva vinyaset || 28 ||
Übersetzung: Die wassergeborenen Stoffe und die Mantras lege man der Reihe nach auf. In der mittleren Neunergruppe [lege man] das Eckfeld [an; Satz beschädigt].
19.29
padmarāgaṃ maratakaṃ mauktikaṃ vidrumaṃ tathā |
puṣparāgaṃ śakranīlaṃ sūryakāntendu kāntakam || 29 ||
Übersetzung: Rubin, Smaragd, Perle, Koralle, Pushparaga, Indranila, Sonnenstein und Mondstein [sind zu verteilen].
19.30
aindrādīśānaparyantaṃ aṣṭau vidyeśvarān nyaset |
aindre tu navake madhye svarṇaṃ tatraiva vinyaset || 30 ||
Übersetzung: Vom Osten bis zum Nordosten lege man die acht Vidyeshvaras auf. In die Mitte der östlichen Neunergruppe lege man Gold.
19.31
tāratāmrāyasaṃ cāraṃ nāgasaṃ vimalaṃ tathā |
sakāśaṃ vidulaṃ caiva indrādyaiśāna mantrataḥ || 31 ||
Übersetzung: Silber, Kupfer, Eisen, Chara, Naga, Vimala, Sakasha und Vidula [weitere Metall- oder Stoffnamen, teils entstellt] ordne man unter den Mantras von Indra bis Ishana an.
19.32
āgneyyāṃ navake madhyodaravindaṃ nyasedbudhaḥ |
tālaṃ ca gandhakalaśaṃ saurāṣṭaṃ tairikaṃ tathā || 32 ||
Übersetzung: In die Mitte der südöstlichen Neunergruppe lege der Verständige einen Lotus; Tala, einen Duftkrug, Saurashtra und Tairika,
19.33
mākṣakaṃ vikaraṃ caiva añjanaṃ cāṣṭamaṅgalam |
pūrvavadvinyaseddhīmān indrādyaiśāntameva ca || 33 ||
Übersetzung: Makshaka, Vikara und Anjana als achtes Glückselement [die Zutatenfolge ist beschädigt] lege er wie zuvor von Indra bis Ishana auf.
19.34
yāmyāyāṃ navake madhye cūtavṛkṣatvacaṃ nyaset |
vaṭodumbaramaśvatthaṃ palāśatvacameva ca || 34 ||
Übersetzung: In die Mitte der südlichen Neunergruppe lege man Mangorinde, ferner die Rinden von Banyan, Udumbara, Ashvattha und Palasha,
19.35
śamī bilvaṃ ca vyāghātaṃ madhūkatvacameva ca |
pūrvavadvinyasedvatsa indrādīśāntameva ca || 35 ||
Übersetzung: Shami, Bilva, Vyaghata und Madhuka; wie zuvor lege man sie auf, mein Kind, von Indra bis Ishana.
19.36
nair-ṛtyāṃ navake madhye vedimṛdvinyasedbudhaḥ |
nadī nāgaviṣāṇotthaṃ varāhakuśamūlataḥ || 36 ||
Übersetzung: In die Mitte der südwestlichen Neunergruppe lege der Verständige Erde vom Opferaltar, ferner Erde vom Fluss, von einem Elefantenstoßzahn, vom Wildschwein und von der Kusha-Wurzel,
19.37
kṣetrān koṣṭhasya vallī(lmī)kāddhatā mṛtsāṃ ca vinyaset |
pūrvavadvinyasedvatsa svasvamantreṇa mantravit || 37 ||
Übersetzung: vom Feld, vom Kuhstall und von einem Ameisenhügel [die Aufzählung ist teilweise entstellt]. Wie zuvor lege der Mantrakundige sie mit ihren jeweiligen Mantras auf, mein Kind.
19.38
vāruṇe navake madhye padmapuṣpaṃ vinikṣipet |
karavīraṃ tathā śokaṃ nandyāvartaṃ ca mallikā || 38 ||
Übersetzung: In die Mitte der westlichen Neunergruppe gebe man eine Lotusblüte, ferner Oleander, Ashoka, Nandyavarta und Mallika,
19.39
śvetābjamutpalaṃ bimbaṃ pūrvavadvinyasedbudhaḥ |
vāyavyāṃ navake madhye karpūraṃ vinyasedbudhaḥ || 39 ||
Übersetzung: weißen Lotus, Utpala und Bimba; der Verständige lege sie wie zuvor auf. In die Mitte der nordwestlichen Neunergruppe lege er Kampfer.
19.40
candanaṃ kuṅkumaṃ lohaṃ jītake kālavānaram |
samālapatrakaṭukaṃ vāyavyāmaṣṭake nyaset || 40 ||
Übersetzung: Sandelholz, Safran, Loha, Jitaka, Kalavanara, Tamala-Blatt und Katuka lege man in die acht nordwestlichen Felder. [Einzelne Stoffnamen sind unsicher.]
19.41
saumyāyāṃ navake madhye mahālakṣmīṃ ca vinyaset |
viṣṇukrāntiḥ sahādevi indravallī tathaiva ca || 41 ||
Übersetzung: In die Mitte der nördlichen Neunergruppe lege man Mahalakshmi [hier als Pflanze beziehungsweise Stoff genannt], ferner Vishnukranti, Sahadevi und Indravalli,
19.42
sūryāvartaṃ bhṛṅgarājaṃ śaṅkhapuṣpaṃ tathaiva ca |
balā cātibalā caiva pūrvavadvinyasedbudhaḥ || 42 ||
Übersetzung: Suryavarta, Bhringaraja, Shankhapushpa, Bala und Atibala; der Verständige lege sie wie zuvor auf.
19.43
kṣīraṃ dadhi ghṛtaṃ caiva madhu cekṣurasaṃ tathā |
nālikerasya salilaṃ haridrāmbhaḥ kuśāmbhasā || 43 ||
Übersetzung: Milch, Sauermilch, geklärte Butter, Honig, Zuckerrohrsaft, Kokoswasser, Kurkumawasser und Kusha-Wasser,
19.44
pādyamācamanaṃ cārghyaṃ lājāmbhaḥ saktu vāri ca |
sarvagandhodakaṃ caiva sarvapuṣpodakaṃ tathā || 44 ||
Übersetzung: Fußwaschwasser, Mundspülwasser, Arghya, Puffreiswasser, Röstmehlwasser, Wasser mit allen Duftstoffen und Wasser mit allen Blumen,
19.45
kuśāgraṃ ca tadadbhiśca samudrasalilena ca |
gaṅgāyamunāmṛdaṃ ca sarasvatī mṛdameva ca || 45 ||
Übersetzung: Kusha-Spitzen mit entsprechendem Wasser, Meerwasser, Erde von Ganga, Yamuna und Sarasvati,
19.46
tuṣārasalilaṃ caiva lāṅgalīphalavāriṇā |
cūtapakvaphalāmbhaśca mātulaṅgaphalāmbhasā || 46 ||
Übersetzung: Schnee- oder Tauwasser, Wasser mit Langali-Frucht, Wasser mit reifer Mango und mit Zitronatzitrone,
19.47
nāraṅgasalilaṃ caiva āmrakaṃ codakaṃ tathā |
dāḍimyāśca phalāmbhaśca tatha bilvaphalodakam || 47 ||
Übersetzung: Orangenwasser, Amraka-Wasser, Granatapfelwasser und Bilva-Fruchtwasser:
19.48
evamaṣṭottaraṃ divyaṃ kumbhe kumbhe prakīrtitam |
sahasre pradhānakumbhe tu sthāpayettu vicakṣaṇaḥ || 48 ||
Übersetzung: So werden für die einzelnen Krüge die 108 göttlichen [Zubereitungen] genannt. Bei tausend Krügen lege der Verständige sie in die Hauptkrüge.
19.49
nitye naimittike caiva snānakarmaṇi yojayet |
gandhaṃ puṣpaṃ dhūpadīpamannena saha yojayet || 49 ||
Übersetzung: Man verwende sie bei regelmäßigen und anlassbezogenen Baderiten. Duftstoffe, Blumen, Räucherwerk, Licht und Speisen füge man hinzu.
19.50
gandhena sthāpayitvā tu mantravitsarvamācaret |
śeṣācchuddhodakaiḥ pūrya prāsādena pṛthagnyaset || 50 ||
Übersetzung: Nach der Aufstellung mit Duftstoffen vollziehe der Mantrakundige alles. Die übrigen Krüge fülle er mit reinem Wasser und stelle sie jeweils mit Prasada auf.
19.51
īpsitān kalaśān nyasya svasvamantreṇa mantravit |
gandhaiḥ puṣpaistathā dhūpairdīpairarghyaiśca pūjayet || 51 ||
Übersetzung: Nach Aufstellung der gewünschten Krüge verehre der Mantrakundige sie mit ihren jeweiligen Mantras, mit Duftstoffen, Blumen, Räucherwerk, Lichtern und Arghya.
19.52
prāsādena tu mantreṇa hṛdayena tu saṃyutam |
pṛthak pṛthagyajedvatsa sugandhikusumaiḥ śubhaiḥ || 52 ||
Übersetzung: Mit Prasada, verbunden mit dem Herzmantra, verehre man jeden einzeln mit guten, wohlriechenden Blumen, mein Kind.
19.53
sugandhigandhaiḥ sampūjya śākrādyena tu pūjayet |
vastra yugmena saṃchādya pṛthagevātha vā yajet || 53 ||
Übersetzung: Mit wohlriechenden Duftstoffen verehre man sie, unter den Mantras von Indra an. Mit zwei Gewändern bedecke man sie; oder man verehre sie jeweils gesondert.
19.54
mahādikṣu vidikṣvatra homaṃ kuryāddvijottamaiḥ |
palāśakhadirāśvattha plakṣanyagrodhabilvakaiḥ || 54 ||
Übersetzung: In den Hauptrichtungen und Zwischenrichtungen lasse man durch vorzügliche Brahmanen Feueropfer vollziehen: mit Palasha, Khadira, Ashvattha, Plaksha, Nyagrodha und Bilva,
19.55
audumbaraṃ śamī caiva pūrvādi parikalpayet |
samidhājya carūn lājān tilaśāliyavānapi || 55 ||
Übersetzung: Udumbara und Shami, beginnend im Osten. Opferholz, geklärte Butter, Opferbrei, Puffreis, Sesam, Reis und Gerste,
19.56
priyaṅguṃ siddhārthakaṃ caiva pratyekaṃ tu sahasrakam |
sahasre sahasraṃ hutenārdhena pañcaśataṃ hunet || 56 ||
Übersetzung: Priyangu und weißen Senf opfere man jeweils tausendmal. Bei tausend [Krügen] tausendmal, bei der Hälfte fünfhundertmal.
19.57
yāvadvai kumbhasaṃkhyā tu tāvatsaṃkhyā tu homayet |
pratyekamaṣṭottaraśataṃ sthāpayetkumbhasaṃkhyayā || 57 ||
Übersetzung: So viele Krüge vorhanden sind, so viele Opfergaben bringe man dar; jeweils 108 [werden zusätzlich genannt], entsprechend der Krugzahl. [Die Opferzahlen sind nicht eindeutig aufeinander abgestimmt.]
19.58
puṇyāhaṃ vācayettatra tvaṣṭadikṣu dvijottamaiḥ |
adhyayanaṃ cāṣṭadikṣu ṛgyajuḥ sāmapāṭhakaiḥ || 58 ||
Übersetzung: Dort lasse man in den acht Richtungen durch vorzügliche Brahmanen die Segensverkündigung vortragen und durch Kenner von Rig-, Yajur- und Samaveda die heiligen Texte rezitieren.
19.59
ṛgvedaṃ pūrvadigbhāge yajurvedaṃ tu dakṣiṇe |
sāme paścime vatsa uttare'tharvapāṭhakaiḥ || 59 ||
Übersetzung: Den Rigveda im Osten, den Yajurveda im Süden, den Samaveda im Westen, mein Kind, und im Norden durch Atharvaveda-Rezitatoren [den Atharvaveda].
19.60
vasordhārāṃ madhyame kuryāt caturvedavidaiḥ śubhaiḥ |
devamārādhya vidhivat gandhapuṣpādibhirmahat || 60 ||
Übersetzung: In der Mitte vollziehe man durch reine Kenner der vier Veden den ununterbrochenen Guss geklärter Butter. Nach der großen, regelgerechten Verehrung des Gottes mit Duftstoffen, Blumen und Weiterem,
19.61
yāgasthānasya paścime mahādevasya pūrvataḥ |
abhiṣekaṃ kārayettatra yena kena tu mantravit || 61 ||
Übersetzung: westlich der Opferstätte und östlich von Mahadeva, vollziehe der Mantrakundige dort die Begießung mit den geeigneten Mitteln.
19.62
bhadrapīṭhe hemajaiśca rājate tāmraje'thavā |
adhidārūja pīṭhe vā rājānaṃ sthāpya mantravit || 62 ||
Übersetzung: Auf einem glückbringenden Sitz aus Gold, Silber, Kupfer oder Holz lasse der Mantrakundige den König Platz nehmen.
19.63
śaṅkhabherī ninādaiśca tālatūryaravaiḥ śubhaiḥ |
veṇuvīṇāmṛdaṅgaiśca brahmaghoṣaiśca sarvataḥ || 63 ||
Übersetzung: Unter dem günstigen Klang von Muschelhörnern, großen Trommeln, Becken und Musikinstrumenten, von Flöten, Vinas und Mridangas sowie heiliger Rezitation ringsum
19.64
gośṛṅgeṇābhiṣekaṃ tu uttamaṃ phalamāpnuyāt |
gośṛṅgeṇa samaṃ haimaṃ tatpātre madhyamaṃ phalam || 64 ||
Übersetzung: vollziehe man die Begießung mit einem Kuhhorn; dies bringt die höchste Frucht. Ein goldenes Horn kommt dem Kuhhorn gleich; ein Gefäß bringt eine mittlere Frucht.
19.65
sauvarṇaṃ rājataṃ vāpi tāmraṃ vā mṛṇmayaṃ tu vā |
pañcadroṇasusaṃpūrṇaṃ mahābhāṇḍaṃ suśobhanam || 65 ||
Übersetzung: Ein großes, schönes Gefäß aus Gold, Silber, Kupfer oder Ton fülle man mit fünf Drona.
19.66
śatadhārāśītidhārā pañcāśatpañcakāni ca |
viṃśat ṣoḍaśadhārā vā navadhārā ca pañca vā || 66 ||
Übersetzung: Mit hundert, achtzig, fünfzig, [einer zusätzlichen unklaren Fünferangabe], zwanzig, sechzehn, neun oder fünf Ausgüssen
19.67
ācāryairaṣṭabhirvātha caturbhirvābhiṣecayet |
tripādyāṃ caiva bhāṇḍaṃ ca sthāpayitvābhiṣecayet || 67 ||
Übersetzung: lasse man durch acht oder vier Lehrer die Begießung vollziehen. Das Gefäß stelle man auf ein Dreibein und gieße daraus.
19.68
bhāṇḍe kalaśaudakairdvau ca dvau saṃspṛśya japedanuḥ |
avicchinnābhiṣekaṃ tu śreṣṭhamāhurmanīṣiṇaḥ || 68 ||
Übersetzung: Je zwei berühren [das Gefäß beziehungsweise das Krugwasser; Satz beschädigt] und rezitieren. Die Weisen nennen eine ununterbrochene Begießung die beste.
19.69
gośṛṅgeṇābhiṣekaṃ tu uttamottamameva ca |
śaṅkhe ca hemapātre ca madhyamaṃ phalamādiśet || 69 ||
Übersetzung: Die Begießung mit einem Kuhhorn ist die vorzüglichste. Einer Begießung mit Muschel oder Goldgefäß wird eine mittlere Frucht zugesprochen.
19.70
puruṣasūktaiḥ rudrasūktaiḥ viṣṇusūktaistathaiva ca |
aruṇaṃ nārāyaṇaṃ ca pavanaṃ hi hiraṇyakam || 70 ||
Übersetzung: Mit Purushasukta, Rudrasukta und Vishnusukta, mit Aruna, Narayana, Pavana und Hiranyaka,
19.71
ekādaśatva raudraṃ śatarudrīyameva ca |
brahmasāma jyeṣṭhasāma brahadrathantarameva ca || 71 ||
Übersetzung: mit den elf Rudra-[Rezitationen] und dem Shatarudriya, Brahmasaman, Jyeshthasaman, Brihat und Rathantara,
19.72
bahiṣpāvanavikāraṃ cātharvaṃ brahmaśirastathā |
amṛtarudraṃ mahārudraṃ pippalādamahastathā || 72 ||
Übersetzung: Bahishpavana-Vikara, Atharva, Brahmashiras, Amritarudra, Maharudra und Pippalada-Mahas [einzelne Rezitationstitel sind unsicher],
19.73
brāhmaṃ vaiṣṇavamāheśaṃ bārhaṃspa?tyaṃ tathaiva ca |
kaumāraṃ ca tathā vatsa tryambakaṃ jātavedasam || 73 ||
Übersetzung: mit Brahma-, Vishnu-, Mahesha- und Brihaspati-[Rezitationen], mit Kumara, mein Kind, Tryambaka und Jatavedas,
19.74
śaunavanyaṃ ca na vargaṃ brāhmaṃ ghoṣaṃ tu kārayet |
śiṣyaṃ vā kārayedevaṃ dīkṣitaṃ cāpi ṣaṇmukhā || 74 ||
Übersetzung: Shaunavanya und der Neunergruppe [unsichere Titel] lasse man die heilige Rezitation erklingen. So verfahre man auch bei einem Schüler und einem Eingeweihten, o Sechsgesichtiger.
19.75
aiśvaryaṃ vipulamāpnoti āyurārogyavardhanam |
dhanadhānyasamṛddhiṃ ca mṛtyunāśanameva ca || 75 ||
Übersetzung: Man erlangt große Macht, Wachstum von Lebensdauer und Gesundheit, Fülle von Reichtum und Getreide sowie Vernichtung des Todes.
19.76
naṣṭarājyastu nṛpatiḥ cakravartitvamāpnuyāt |
prāsādena tu vai vatsa ādyantaṃ yojayedbudhaḥ || 76 ||
Übersetzung: Ein König, der sein Reich verloren hat, erlangt Weltherrschaft. Mein Kind, der Verständige verbinde Anfang und Ende [der Rezitation] mit Prasada.
19.77
vyomavyāpi samantreṇa bījamukhyayute naṃ ca |
pāde pāde tu medhāvī prāsādena vidhirbhavet || 77 ||
Übersetzung: Mit dem Vyomavyapin-Mantra und der vorangestellten Keimsilbe [verbunden], versehe der Kundige jede Verszeile mit Prasada; so lautet die Vorschrift.
19.78
abhiṣekamuttamaṃ hyetat caturvedādhikaṃ bhavet ||
athavā pañcabrahmeṇa prāsādena tu saṃpuṭet || 78 ||
Übersetzung: Diese vorzügliche Begießung gilt mehr als die vier Veden. Oder man umschließe die fünf Brahmamantras mit Prasada.
19.79
abhiṣekaṃ kārayedvatsa sa bāhyo bhāgyavān bhavet |
mahāmāyā lakṣmībījena prāsāde saṃpuṭīkṛte || 79 ||
Übersetzung: Mein Kind, so lasse man die Begießung vollziehen; dadurch wird man begünstigt und vom Glück erfüllt. Mit den Keimsilben Mahamayas und Lakshmis, in Prasada eingeschlossen,
19.80
abhiṣekamuttamaṃ hyetajjanmamṛtyuvināśanam |
prāṇāntāntena matimān māntāntena tathaiva ca || 80 ||
Übersetzung: ist dies die höchste Begießung, die Geburt und Tod vernichtet. Der Verständige [verwende eine Lautfolge] mit dem Ende des Prana und dem Ende von Ma,
19.81
yotontena ca vai vatsa caturthena tu caiva hi |
caturthena tu vai mantrī yaścaturthena caiva hi || 81 ||
Übersetzung: mit dem Ende von Yota, mein Kind, und dem vierten [Laut]; mit dem vierten, der Mantrapraktizierende, und wiederum mit dem vierten. [Die Lautanweisung ist beschädigt.]
19.82
caturthasya caturthaṃ tu tṛtīyasya caturthakam |
dvitīyasya caturthaṃ tu māyānalasamanvitam || 82 ||
Übersetzung: Der vierte der vierten Gruppe, der vierte der dritten und der vierte der zweiten, verbunden mit Maya und Feuer,
19.83
bindunādasamāyuktaṃ mantrarājaṃ prakīrtitam |
etairmantraistu mantrajño abhiṣekaṃ kārayennṛpam || 83 ||
Übersetzung: mit Bindu und Nada versehen, wird der König der Mantras genannt. Mit diesen Mantras lasse der Mantrakundige den König begießen. [Aus der verschlüsselten und teilweise beschädigten Folge wird kein vollständiges Mantra rekonstruiert.]
19.84
sarvarogaharaṃ hyetat mṛtyunāśanameva hi |
grahaṇe viṣuve caiva ayane vāpi kārayet || 84 ||
Übersetzung: Dies nimmt alle Krankheiten hinweg und vernichtet den Tod. Man vollziehe es bei einer Finsternis, einer Tagundnachtgleiche oder einer Sonnenwende,
19.85
saṃvatsarānte saṃkrāntau janmanakṣatra evaṃ vā |
rohiṇyāṃ śravaṇe vāpi haste puṣye makhottare || 85 ||
Übersetzung: am Jahresende, beim Sonnenübergang oder unter dem Geburtsmondhaus, unter Rohini, Shravana, Hasta, Pushya, Magha oder Uttara,
19.86
pauṣe ca vāruṇe caiva vāyavye mṛgaśīrṣake |
ayutāyurmavedva tsa iti śāstrasya niścayaḥ || 86 ||
Übersetzung: unter Pausha, dem Varuna- oder Vayu-Mondhaus oder Mrigashiras. Man erlangt zehntausend [Jahre] Lebensdauer, mein Kind; dies ist die feststehende Aussage der Schrift.
19.87
śanirohiṇyāṃ cābhiṣekāt pañcasahasraṃ ca jīvati |
somavāre ca saumye cābhiṣekaṃ samyagācaret || 87 ||
Übersetzung: Durch die Begießung bei Saturn beziehungsweise am Samstag unter Rohini lebt man fünftausend [Jahre]. Am Montag unter dem Soma-Mondhaus vollziehe man die Begießung regelgerecht.
19.88
vipulāṃ śriyamāpnoti ṣaṭsahasraṃ sa jīvati |
bhṛgupauṣṇe cābhiṣekaṃ sadyomṛtyuvināśanam || 88 ||
Übersetzung: Man erlangt großen Wohlstand und lebt sechstausend [Jahre]. Bei Venus beziehungsweise am Freitag unter Paushna vernichtet die Begießung den unmittelbaren Tod.
19.89
bhaumāśvinyorabhiṣeke sadyorājyamavāpnuyāt |
vṛṣabhe mithune caiva siṃhe ca makarepi ca || 89 ||
Übersetzung: Bei Mars beziehungsweise am Dienstag unter Ashvini erlangt man durch die Begießung sogleich Herrschaft. Unter Stier, Zwillinge, Löwe oder Steinbock,
19.90
kumbhe pāpe ca kartavyaṃ abhiṣekaṃ nṛpasya tu |
mīnavṛścika tule meṣaṃ caiva tu varjayet || 90 ||
Übersetzung: unter Wassermann und [einem beschädigten weiteren Ausdruck] vollziehe man die Königsweihe. Fische, Skorpion, Waage und Widder meide man.
19.91
kanyākarkaṭakaṃ caiva madhyamaṃ phalamādiśet |
mahābhiṣekavelāyāṃ brāhmaṇānāṃ ca bhojanam || 91 ||
Übersetzung: Für Jungfrau und Krebs wird eine mittlere Frucht angegeben. Zur Zeit der großen Begießung lasse man Brahmanen speisen,
19.92
puṇyāṃ vācanaṃ caiva vasordhārā iti sthitā |
bhojanaṃ brāhmaṇānāṃ ca ghṛtasnānaṃ śivasya tu || 92 ||
Übersetzung: die Segensverkündigung vortragen und den ununterbrochenen Butterguss vollziehen. Brahmanenspeisung und Shivas Bad mit geklärter Butter,
19.93
godānaṃ tiladānaṃ ca hiraṇyaṃ dānameva ca |
vastradānaṃ bhūmidānaṃ kārayet tu vidhānataḥ || 93 ||
Übersetzung: Kuh-, Sesam-, Gold-, Kleider- und Landschenkungen lasse man nach Vorschrift durchführen.
19.94
mahābhiṣeka kāle tu ekāṃ dvādaśa kārayet |
vidhinā caiva kartavyaṃ cakravartitvamāpnuyāt || 94 ||
Übersetzung: Zur Zeit der großen Begießung vollziehe man eins bis zwölf [Wiederholungen beziehungsweise Gaben; Bezug unklar]. Nach Vorschrift ausgeführt, erlangt man dadurch Weltherrschaft.
19.95
apamṛtyuvināśaṃ ca ekottaraśatasya tu |
mṛtyostu pañcakaṃ varjyaṃ putrapautravivardhanam || 95 ||
Übersetzung: [Bei] 101 [wird] der vorzeitige Tod vernichtet; die fünffache Todesgefahr werde abgewehrt und Kinder und Enkel werden vermehrt. [Der Vers ist syntaktisch beschädigt.]
19.96
abhiṣekaṃ kārayed vatsa vedavedāṅgapāragaiḥ |
mantraṃ mahābhiṣekaṃ tu sarvaśāstraviśāradaḥ || 96 ||
Übersetzung: Mein Kind, die Begießung lasse man durch Kenner der Veden und Vedangas ausführen. Der Mantra- und Mahabhisheka-[kundige Lehrer sei] in allen Schriften bewandert,
19.97
daśāṣṭādaśa tantrajñaḥ pañcarātraviśāradaḥ |
caturdaśa vidyātantrapārago deśikottamaḥ || 97 ||
Übersetzung: kundig in den achtundzwanzig Tantras, erfahren im Pancharatra, ein vorzüglicher Lehrer, der die vierzehn Wissensgebiete beziehungsweise Lehrsysteme beherrscht.
19.98
tenābhiṣekaṃ kurvīta brūṇahā miśra eva ca |
abhiṣeke kṛte paścāt rājyaṃ cāpyaṃ va kuṇṭhayet || 98 ||
Übersetzung: Durch ihn lasse man die Begießung vollziehen, selbst [wer ungeborenes Leben getötet hat; der Satz enthält weitere beschädigte Wörter]. Nach der Begießung umhülle man den König [die Vorlage liest „Reich“].
19.99
kṣaumavastreṇa saṃchādya añjanena tu mārjayet |
khajacandanakuṅkumaiḥ kastūrīkapilatrayaiḥ || 99 ||
Übersetzung: Man bedecke ihn mit Leinen und bestreiche ihn mit Augensalbe; mit Khaga, Sandelholz, Safran, Moschus und drei Kapila-[Stoffen; Lesung unsicher]
19.100
ālepya dhūpaśītādyairaṣṭamaṅgaladarśanaiḥ |
sumuhūrte dine caiva sutithau ca sudhāntike || 100 ||
Übersetzung: salbe man ihn, mit Räucherwerk und Kühlung und dem Vorzeigen der acht Glückszeichen. Zu einer guten Stunde, an einem guten Tag und Mondtag, bei günstiger [weiterer Zeitangabe],
19.101
bṛhaspatyudaye caiva budhaśukrodayepi vā |
bṛhaspatyudaye ādau nyasedvā sarvakāmadam || 101 ||
Übersetzung: beim Aufgang Jupiters oder beim Aufgang Merkurs oder der Venus [setze man die Krone auf]. Zuerst beim Aufgang Jupiters aufgelegt, erfüllt sie alle Wünsche.
19.102
cakravartitvamāpnoti paramāyuravāpnuyāt |
śukrodaye tu makuṭaṃ vinyasenmūlamantrataḥ || 102 ||
Übersetzung: Man erlangt Weltherrschaft und höchste Lebensdauer. Beim Aufgang der Venus setze man die Krone mit dem Wurzelmantra auf.
19.103
cakravartitvamāpnoti gajāśvarathamāpnuyāt |
budhodaye makuṭaṃ nyasya jñānayogamavāpnuyāt || 103 ||
Übersetzung: Man erlangt Weltherrschaft, Elefanten, Pferde und Wagen. Beim Aufgang Merkurs aufgesetzt, verleiht die Krone Erkenntnis und Yoga.
19.104
jaiveḥ nirīkṣaṇe kuryāt maṇḍalādipatirbhavet |
sarvaratnamayaṃ makuṭaṃ śātakumbhena kārayet || 104 ||
Übersetzung: Unter dem Blick Jupiters vollzogen, wird man Herr eines Herrschaftsgebietes. Die Krone fertige man aus Gold, besetzt mit allen Edelsteinen.
19.105
vajramarakatamāṇikya muktā vidrumasaṃyutam |
pañcaratnamayaṃ makuṭaṃ trisahasreṇottamaṃ bhavet || 105 ||
Übersetzung: Mit Diamant, Smaragd, Rubin, Perle und Koralle versehen, besteht sie aus fünf Edelsteinarten. Mit dreitausend [Gewichts- oder Werteinheiten Gold] ist sie die beste.
19.106
dvisahasreṇa kanakaṃ madhyamo makuṭo bhavet |
sahasreṇa kanyasaṃ vidyāt makuṭasya pramāṇakam || 106 ||
Übersetzung: Mit zweitausend Einheiten Gold ist die Krone mittelgut, mit tausend von geringerem Rang; so bestimme man ihr Maß.
19.107
vitastimātramutsedhaṃ pādānāhatritālikam |
ardhādhikaṃ tritālaṃ vā tripradeśamayāpi vā || 107 ||
Übersetzung: Eine Spanne sei ihre Höhe; [es folgen beschädigte Maßangaben mit] einem Viertel, drei Tala, einem zusätzlichen Halbmaß und drei Pradesha.
19.108
makuṭasya tato mūrdhni pañcarāgaṃ ca vinyaset |
vajraṃ maratakaṃ muktā sarvatraiva vibhūṣayet || 108 ||
Übersetzung: Oben auf die Krone setze man die fünf Edelsteine. Mit Diamanten, Smaragden und Perlen schmücke man sie ringsum.
19.109
ativṛddhaṃ vedaviduṣaṃ vipre mukuṭaṃ vinyaset |
yadyadvayasā vipreṇa tattadāyurnṛpasya tu || 109 ||
Übersetzung: Man setze die Krone einem sehr alten, vedakundigen Brahmanen auf. So hoch das Alter dieses Brahmanen ist, so lang wird die Lebensdauer des Königs.
19.110
parameśamanusmṛtya prāsādena tu vinyaset |
ṣaḍakṣaraṃ sadā japtvā arpitaṃ maṇḍalaṃ smaret || 110 ||
Übersetzung: Eingedenk des höchsten Herrn setze man sie mit Prasada auf. Beständig das sechssilbige Mantra rezitierend, erinnere man sich an das dargebrachte Herrschaftsgebiet.
19.111
evaṃ makuṭaṃ vinyasya abhiṣekaṃ tu deśikaḥ |
karṇikārucakaṃ caiva keyūramakuṭaṃ tathā || 111 ||
Übersetzung: Nachdem man so die Krone aufgesetzt hat, [vollziehe] der Lehrer die Begießung. Mit Ohrschmuck, Ruchaka-Schmuck, Oberarmreifen und Krone,
19.112
svarṇayajñopavītaṃ ca kaṭisūtrodarabandhanaiḥ |
prāsādena tu mantreṇa pūjayeddeśikottamaḥ || 112 ||
Übersetzung: goldener heiliger Schnur, Hüftschnüren und Bauchbändern verehre man den vorzüglichen Lehrer mit dem Prasada-Mantra. [Die grammatische Rollenverteilung ist unregelmäßig.]
19.113
kṣaumavastreṇa saṃchādya tasminnahani kārayet |
yathopayogadravyāṇi gobhūmikāñcanādikam || 113 ||
Übersetzung: Mit Leinengewand bekleidet vollziehe man dies an jenem Tag. Die jeweils angemessenen Gaben, Kühe, Land, Gold und Weiteres,
Unnummerierte Passage: ācāryāya pradātavyaṃ bhaktipūrvaṃ nṛpeṇa tu |
Übersetzung: soll der König dem Lehrer voller Hingabe übergeben.
iti kālottare rājābhiṣekapaṭalaḥ ekonaviṃśatiḥ paṭalaḥ || 19 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 19 über „Königsweihe“.
Kapitel 20 – Das Nadi-Chakra
20.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
nābhicakramidaṃ sūkṣmaṃ pravakṣyāmyanupūrvaśaḥ |
nābheradhastātkandaṃ tu aṅkurāstatra nirgatāḥ || 1 ||
Übersetzung: Heil und Segen! Ishvara sprach: Ich werde dieses feine Nabelchakra der Reihe nach erklären. Unterhalb des Nabels liegt die Knolle, Kanda; von ihr gehen die Sprosse aus.
20.2
dvisaptati sahasrāṇi nābhimadhye'pyava sthitāḥ |
tiryagūrdhvamadhaiścaiva vyāpitaṃ taistu sarvataḥ || 2 ||
Übersetzung: Zweiundsiebzigtausend befinden sich im Bereich des Nabels. Seitwärts, aufwärts und abwärts durchziehen sie alles ringsum.
20.3
cakravat saṃsthitā hyetāḥ pradhānā trātriṃśanāḍyadhaḥ |
iḍā ca piṅgalā caiva suṣumnā ca tathaiva ca || 3 ||
Übersetzung: Sie sind wie ein Rad angeordnet; zweiunddreißig Nadis sind die hauptsächlichen. Ida, Pingala und Sushumna,
20.4
gāndhāri hastijihvā ca pūṣā caiva yaśasvinī |
alambuṣā kuhūścaiva śaṅkhinī pālinī tathā || 4 ||
Übersetzung: Gandhari, Hastijihva, Pusha, Yashasvini, Alambusha, Kuhu, Shankhini und Palini,
20.5
hrādinī mohinī caiva kampinī puninī śubhā |
vikṛtirviṣamā mānyā haṃsinī viśvamālinī || 5 ||
Übersetzung: Hradini, Mohini, Kampini, die glückbringende Punini, Vikriti, Vishama, Manya, Hamsini und Vishvamalini,
20.6
aṅginī ghoṣiṇī caiva tejinī rasavāhinī |
vāhinī dharaṇī caiva rasabhaimī rasakriyā || 6 ||
Übersetzung: Angini, Ghoshini, Tejini, Rasavahini, Vahini, Dharani, Rasabhaimi und Rasakriya,
20.7
śītavīryāścauṣṇa vīryā * * * * * * * * |
sparśanāvaśikā caiva proktā dvātriṃśanāḍikā || 7 ||
Übersetzung: Shitavirya, Ushnavirya, [Textlücke], Sparshana und Vashika: Diese zweiunddreißig Nadis werden genannt. [Die Lücke verhindert eine sichere Gesamtzählung.]
20.8
prāṇopānaḥ samānaśca udāno vyāna eva ca |
nāgaḥ kūrmaśca kṛkaro devadatto dhanañjayaḥ || 8 ||
Übersetzung: Prana, Apana, Samana, Udana, Vyana, Naga, Kurma, Krikara, Devadatta und Dhananjaya [sind die zehn Lebenswinde].
20.9
daśa prāṇavahā nāḍyo dvātriṃśattu ṣaḍānana |
aṣṭāviṃśatikoṭyastu nāḍyastu vahate sadā || 9 ||
Übersetzung: Zehn Nadis führen die Pranas, zweiunddreißig [werden genannt], o Sechsgesichtiger. Zweihundertachtzig Millionen Nadis strömen beständig. [Die Zahlenebenen sind nur teilweise erklärt.]
20.10
sarveṣāmapi vāyūnāṃ pradhānairdaśavāyubhiḥ |
prāṇāpānamayo prāṇā visa * * * * pūraṇaṃ prati || 10 ||
Übersetzung: Unter allen Winden sind diese zehn die hauptsächlichen. Die Lebenskräfte bestehen aus Prana und Apana [Textlücke] hinsichtlich des Füllens.
20.11
nityamāpūrayatyeṣaḥ prāṇināmurasi sthitam |
niśvāsocchvāsa kāśaiśca prāṇo jīvaṃ samāśritaḥ || 11 ||
Übersetzung: Dieser Prana füllt beständig [den Leib] und befindet sich in der Brust der Lebewesen. Mit Ausatmen, Einatmen und Husten ist er an die lebendige Seele gebunden.
20.12
prayāṇaṃ kurute yasmāt tasmātprāṇaḥ prakīrtitaḥ |
vāyustejastathākāśaṃ tṛtīyaṃ jīva saṃsthitam || 12 ||
Übersetzung: Weil er das Fortgehen bewirkt, heißt er Prana. Wind, Feuer und als drittes Raum befinden sich in der lebendigen Seele.
20.13
puryaṣṭakasamāyuktaṃ puruṣo hṛdi saṃsthitaḥ |
puruṣo jīvaḥ prāṇaṃ ca trividhā dehapāragāḥ || 13 ||
Übersetzung: Mit der achtgliedrigen feinen Hülle, Puryashtaka, verbunden, befindet sich Purusha im Herzen. Purusha, Jiva und Prana durchdringen den Leib auf dreifache Weise.
20.14
jīvatattvasamāyuktaṃ dharmajñānaṃ pravartate |
rajasā sahasaṃyuktaṃ bhuñjate viṣayān prati || 14 ||
Übersetzung: Mit dem Jiva-Prinzip verbunden, entfalten sich Dharma und Erkenntnis. Mit Rajas verbunden, genießt man die Sinnesgegenstände.
20.15
tamasā saha saṃyuktaṃ tataḥ pāpaṃ pravartate |
japadhyānaṃ samādhiśca jñānadevārcanaṃ tathā || 15 ||
Übersetzung: Mit Tamas verbunden, entstehen Verfehlungen. Japa, Meditation, Samadhi, Erkenntnis und Götterverehrung,
20.16
iṣṭāṃ pūrtāṃ ca vividhāṃ dānāni vividhāni ca |
vedasiddhāntādhyayanaṃ yogaśāstrāṇi caiva hi || 16 ||
Übersetzung: Opferhandlungen, gemeinnützige Werke und vielfältige Gaben, Studium von Veda, Siddhanta und Yoga-Schriften,
20.17
yamaniyamādi śaucaṃ ca devālayasahādi ca |
taṭāka mudakaprayāgobhirvastrādi dānakam || 17 ||
Übersetzung: Yama, Niyama, Reinheit, Tempel und Versammlungshallen, Teiche und Wasserstellen sowie Schenkungen von Kühen und Gewändern,
20.18
bhūmiratnaṃ gajāśvau ca tilakanyādidānakam |
puruṣaḥ sattvassaṃyukto dharmajñānaṃ pravartate || 18 ||
Übersetzung: von Land, Edelsteinen, Elefanten, Pferden, Sesam und die Verheiratung von Töchtern: Mit Sattva verbunden, entfaltet Purusha Dharma und Erkenntnis.
20.19
gītaṃ nṛttaṃ ca vādyaṃ ca hiraṇyagobhūmisaṃgraham |
dāsīdāsamanahvāhamajaṃ mahiṣameva ca || 19 ||
Übersetzung: Gesang, Tanz, Instrumentalmusik und das Ansammeln von Gold, Kühen und Land, Dienerinnen, Dienern, Zugtieren [Lesung entstellt], Ziegen und Büffeln,
20.20
śabdādiviṣayān bhogān strīsaṃgrahaṇameva ca |
vajraṃ maratakaṃ padmarāgaṃ mauktikavidrumau || 20 ||
Übersetzung: der Genuss von Klang und den übrigen Sinnesgegenständen, das Gewinnen von Frauen, Diamanten, Smaragden, Rubinen, Perlen und Korallen,
20.21
gandhapuṣpādidhūpaṃ ca vastraśayyādireva ca |
gṛhopaskaraṇānyāni kaṭāholūkhalādibhiḥ || 21 ||
Übersetzung: Duftstoffen, Blumen, Räucherwerk, Gewändern, Lagerstätten und weiteren Hausgeräten wie Kesseln und Mörsern:
20.22
rajoguṇasamāyuktaḥ puruṣaḥ sarvasaṃgrahaḥ |
rajato? guṇamevaṃ tu samāsātkathitaṃ tava || 22 ||
Übersetzung: Mit Rajas verbunden, sammelt Purusha all dies an. So ist dir die Eigenschaft Rajas kurz erklärt worden.
20.23
ālasya kāmamiśrā ca atinidrā ca maithunam |
cauryaṃ piśunatā caiva taskaropādhameva ca || 23 ||
Übersetzung: Trägheit, vermischt mit Begierde, übermäßiger Schlaf, Geschlechtsverkehr, Diebstahl, Verleumdung und betrügerische Diebeskunst,
20.24
ajñānamatidhūrtaṃ ca parasvaharaṇaṃ tathā |
sadā cānṛtavāditvaṃ godhānyaṃ bhūmicoratā || 24 ||
Übersetzung: Unwissenheit, große Verschlagenheit, Aneignung fremden Besitzes, ständiges Lügen sowie Diebstahl von Kühen, Getreide und Land,
20.25
sadā hiṃsā parakṣudraṃ vārdharuṣyaṃ mṛgaghātakam |
niṣṭhuraḥ sarvabhūtānāṃ devabrāhmaṇadūṣa?ṇam || 25 ||
Übersetzung: ständige Gewalttätigkeit, böswilliges Handeln gegen andere, [ein unklarer Ausdruck], Töten von Tieren, Härte gegen alle Wesen und Schmähung von Göttern und Brahmanen:
20.26
tāmasaiśca guṇairyuktaṃ puruṣaḥ kurute sadā |
brahmaviṣṇu maheśāśca śakrāyāḥ sarvadevatāḥ || 26 ||
Übersetzung: Mit tamasigen Eigenschaften verbunden, handelt Purusha beständig so. Brahma, Vishnu, Mahesha, Indra und alle Gottheiten,
20.27
ādittyā vasavo rudrāḥ sattvenaivāva saṃsthitaḥ |
gandharvāścāraṇā yakṣā siddhavidyādharādayaḥ || 27 ||
Übersetzung: Adityas, Vasus und Rudras stehen im Sattva. Gandharvas, Charanas, Yakshas, Siddhas, Vidyadharas und die weiteren,
20.28
nāgāśca garuḍāścaiva kinnarāśca maharṣikā |
piśācabhūtavetālā śabarāśca pulindakāḥ || 28 ||
Übersetzung: Nagas, Garudas, Kinnaras und große Seher [die zugehörige Guna-Angabe fehlt]; Pishachas, Bhutas, Vetalas, Shabaras und Pulindas
20.29
tamoguṇena saṃyuktāḥ puruṣāḥ pūrvatomukhāḥ |
sagotrasiddhā munayaḥ siddhā vai saṃśitavratāḥ || 29 ||
Übersetzung: sind mit Tamas verbunden. Purushas mit dem Gesicht nach Osten, [Sagotrasiddhas], Munis und Siddhas mit strengen Gelübden [stehen in einem unvollständigen Satz].
20.30
puruṣāyattajīvaṃ tu indranīlamaṇiprabham |
aṅguṣṭhamātraṃ puruṣaṃ maṇḍalatrayamadhyagam || 30 ||
Übersetzung: Die von Purusha abhängige Seele strahlt wie ein Indranila-Edelstein. Purusha ist daumengroß und befindet sich inmitten der drei Kreise.
20.31
aṅguṣṭhārdhārdhajīvaṃ tu adhastātpuruṣasya tu |
tadardhaṃ tu pramāṇaṃ tu tasyārdhaṃ pramāṇasaṃsthitam || 31 ||
Übersetzung: Die Seele hat die Größe eines halben halben Daumens und befindet sich unter Purusha; die Hälfte davon bildet wiederum das nächste Maß. [Die folgenden Halbierungen sind nicht eindeutig zuzuordnen.]
20.32
jīvamadhye pramāṇaṃ tu rājāvartamaṇiprabham |
tasya madhye hyapānastu indrakopaka saṃnibhaḥ || 32 ||
Übersetzung: Inmitten der Seele befindet sich [Prana; die Benennung ist entstellt], leuchtend wie Lapislazuli. In seiner Mitte ist Apana, rot wie ein Indragopa-Käfer.
20.33
vyānastasya ca madhye tu gokṣīrasadṛśaprabhaḥ |
udānastasya madhye tu tuṣārarajataprabhaḥ || 33 ||
Übersetzung: In dessen Mitte ist Vyana, leuchtend wie Kuhmilch; in seiner Mitte Udana, glänzend wie Schnee und Silber.
20.34
samānastasya madhye tu śaradindusamaprabhaḥ |
nāgastasya ca madhye tu mārtāṇḍodayasaprabhaḥ || 34 ||
Übersetzung: In seiner Mitte ist Samana, strahlend wie der Herbstmond; in dessen Mitte Naga, leuchtend wie die aufgehende Sonne.
20.35
kūrmastasya ca madhye tu atasīkusumaprabhaḥ |
kṛkarastasya madhye tu kiñjalkasadṛśaprabhaḥ || 35 ||
Übersetzung: In seiner Mitte ist Kurma, von der Farbe einer Atasi-Blüte; in dessen Mitte Krikara, leuchtend wie Lotusstaubfäden.
20.36
tasya madhye devadatto japākusumasannibhaḥ |
dhanañjayastasya madhye gokṣīrasadṛśaprabhaḥ || 36 ||
Übersetzung: In seiner Mitte ist Devadatta, einer Hibiskusblüte gleich; in dessen Mitte Dhananjaya, strahlend wie Kuhmilch.
20.37
prāṇo hṛnnābhināsāgraṃ pādāṅguṣṭhāntamāśritaḥ |
apāno meḍhragudayoḥ muṇḍalyādau ca saṃsthitāḥ || 37 ||
Übersetzung: Prana befindet sich an Herz, Nabel und Nasenspitze und reicht bis zu den großen Zehen. Apana befindet sich an Glied und After sowie [weiteren entstellt bezeichneten Stellen].
20.38
vyānastu sarvasiddhau tu jānvo gulphaiśca bāhuṣu |
kṛkarastu lalāṭe tu galakūrparapāṇiṣu || 38 ||
Übersetzung: Vyana befindet sich [an einer unklaren Stelle], an Knien, Knöcheln und Armen; Krikara an Stirn, Kehle, Ellenbogen und Händen.
20.39
udānaḥ pārśvayoścaiva kaṭīvakṣasisandhiṣu |
vṛṣaṇau ūrujānū ca jaṅghe pṛṣṭhe ca bāhuṣu || 39 ||
Übersetzung: Udana befindet sich an den Seiten, an Hüfte, Brust und Gelenken, Hoden, Oberschenkeln, Knien, Unterschenkeln, Rücken und Armen.
20.40
samānaḥ sarvamaṅgeṣu śrotranāsau tu cakṣuṣī |
jihvāyāṃ tālurandhre ca jaṭhare nābhipādayoḥ || 40 ||
Übersetzung: Samana ist in allen Gliedern: Ohren, Nase, Augen, Zunge, Gaumenöffnung, Bauch, Nabel und Füßen,
20.41
hastayorubhayoścaiva aṅgulīṣu ca sarvaśaḥ |
samānaḥ sarvamaṅgeṣu vyāpyate ca * * * * || 41 ||
Übersetzung: in beiden Händen und in sämtlichen Fingern. Samana durchdringt alle Glieder und [Textlücke].
20.42
- * * nyatya pānastu āhāramanujāghamaḥ |
vaiśvānarasupākaṃ tu annapānādyabhakṣakaiḥ || 42 ||
Übersetzung: [Beschädigter Anfang:] Apana [folgt] der Nahrung. Durch Vaishvanara werden Speisen, Getränke und weitere Nahrung gut verdaut.
20.43
viṣṭhā śuklaṃ ca mūtraṃ ca vāyukṣobhaṃ ca sarvaśaḥ |
adhonayati sarvaṃ tu apānastena kīrtitaḥ || 43 ||
Übersetzung: Kot, Samen, Urin und sämtliche bewegten Winde führt er nach unten; deshalb heißt er Apana.
20.44
vyāno vyānośayaṃ i* * ne vyādhiprakopakaḥ |
vātaṃ pittaṃ ca śleṣmāṇaṃ trikopasānnipātakam || 44 ||
Übersetzung: Vyana [beschädigter Satz] erregt Krankheiten: Vata, Pitta und Shleshma sowie das gemeinsame Ungleichgewicht aller drei,
20.45
pramehakuṣṭhagulmaiśca jvaraśoṣa bhagandharān |
āropāṃ bāhyayāgaṃ ca mahodaraṃ pāṇḍurogakam || 45 ||
Übersetzung: Harnleiden, Hautkrankheiten, Geschwülste, Fieber, Auszehrung, Fisteln, [weitere beschädigte Krankheitsnamen], Bauchwassersucht und Blässekrankheit.
20.46
sarvavyādhiprarohaṃ ca yatastasmādvinārthitam |
svanayatyadharaṃ vajraṃ (kraṃ) gotratetra prakopanam || 46 ||
Übersetzung: [Es folgt ein entstellter Satz über] das Entstehen aller Krankheiten, das Ertönen der Unterlippe beziehungsweise des Gesichtes und die Erregung [nicht sicher lesbarer Körperfunktionen].
20.47
śrotrā ghrāṇaṃ ca rasanaṃ tvacaṃ pādau ca pāṇī ca |
pādako pāyūpasthatvāpūrakaṃ recakaṃ tathā || 47 ||
Übersetzung: Gehör, Geruch, Geschmack, Haut, Füße und Hände, [erneut ein Fuß-Ausdruck], After und Geschlechtsorgan, Einatmung und Ausatmung:
20.48
udvedayati marmāṇi udāno nāma mārutaḥ |
prītirvināśakathanaṃ jārdhakyaṃ ca jarāśca hi || 48 ||
Übersetzung: Der Wind namens Udana regt die Lebenspunkte an. Freude, Verlust, Sprechen, Altern und Verfall [werden im Anschluss genannt].
20.49
pītaṃ bhakṣitamāghrātaṃ raktapittakaphāni ca |
samastagatigātrāṇi jvarakuṣṭhapramehakān || 49 ||
Übersetzung: Getrunkenes, Gegessenes und Eingeatmetes, Blut, Pitta und Kapha, Bewegung und Glieder insgesamt, Fieber, Haut- und Harnkrankheiten,
20.50
kṣayagulmodarāṇī ca sarvavyādhijarānapi |
adhikaṃ na kurute vāyuḥ sarvabhūta hiteṣu ca || 50 ||
Übersetzung: Auszehrung, Geschwülste, Bauchleiden, sämtliche Krankheiten und Alterserscheinungen lässt dieser Wind nicht übermäßig werden; er dient dem Wohlergehen aller Wesen.
20.51
samaṃ nayati gātrāṇi samāno nāma mārutaḥ |
udgāro nāga ityuktaḥ kūrma unmīlane sthitaḥ || 51 ||
Übersetzung: Weil er die Glieder gleichmäßig führt, heißt dieser Wind Samana. Aufstoßen wird Naga genannt; Kurma ist beim Öffnen der Augen tätig.
20.52
kṛkarastu kṣute caiva devadatto vijṛmbhate |
dhanañjayasthito vākṣo mṛtasyāpi na muñcati || 52 ||
Übersetzung: Krikara ist beim Niesen tätig, Devadatta beim Gähnen. Dhananjaya befindet sich [im Brustbereich; Lesung unklar] und verlässt selbst den Toten nicht.
20.53
daśa prāṇavahā nāḍyo dvātriṃśatparikīrtitāḥ |
jīvaḥ prāṇaḥ suṣumnāyāṃ calato sarvakālike || 53 ||
Übersetzung: Zehn Prana führende Nadis und zweiunddreißig [Hauptnadis] werden genannt. Jiva und Prana bewegen sich zu jeder Zeit in der Sushumna.
20.54
iḍāyāṃ piṅgale vatsa samānodānacārakau |
alpavṛkṣe yā kumbāṃ cāpāna eva tu sañcaret || 54 ||
Übersetzung: In Ida und Pingala, mein Kind, bewegen sich Samana und Udana. In [entstellt genannten Nadis] bewegt sich Apana.
20.55
vyāno vai cakṣuṣoḥ kaṇṭhe nāsāsye cāpi sañcaret |
mukhe nāse ca netre ca nāgaḥ kūrmastu sañcaret || 55 ||
Übersetzung: Vyana bewegt sich in Augen, Kehle, Nase und Mund. In Mund, Nase und Augen bewegen sich Naga und Kurma.
20.56
kūrmaḥ kṛkaro devadatto śrotrayoḥ sañcaretsadā |
devadatto dhanañjaya pādameḍhre ca sañcaret || 56 ||
Übersetzung: Kurma, Krikara und Devadatta bewegen sich beständig in beiden Ohren; Devadatta und Dhananjaya bewegen sich in Füßen und Glied.
20.57
śeṣeṣu sarvanāḍīṣu daśa prāṇe vahetsadā |
cakravatsaṃsthitā nāḍyaḥ teṣu madhyeṣu cānilaḥ || 57 ||
Übersetzung: In den übrigen Nadis strömen stets die zehn Pranas. Wie ein Rad sind die Nadis angeordnet, und in ihrer Mitte befindet sich der Wind.
20.58
daśāraṃ cakrametattu aṣṭadigdvārakārakā |
ūrdhvādhaśca dvayodvāraṃ nāḍīcakraṃ prakīrtitam || 58 ||
Übersetzung: Dieses Rad hat zehn Speichen: Es bildet Tore in den acht Richtungen und zwei weitere nach oben und unten. So wird das Nadi-Chakra beschrieben.
20.59
sauryaḥ kalāḥ ṣoḍaśaitāḥ tathā candrakalā bhavet |
dve dve kaṭī bhavedvatsa iḍā piṅgalakāvapi || 59 ||
Übersetzung: Sechzehn Sonnen-Kalas gibt es, ebenso Mond-Kalas. Je zwei [Zeitabschnitte; das Wort ist entstellt], mein Kind, gehören zu Ida und Pingala.
20.60
dvecārdhaka ghaṭikā vatsa vāmadakṣiṇataścaret |
dakṣiṇe pañcaghaṭikā vāmake pañca caiva ca || 60 ||
Übersetzung: Zweieinhalb Ghatikas, mein Kind, strömt es links und rechts. Rechts fünf Ghatikas, links ebenfalls fünf. [Die aufeinanderfolgenden Zeitangaben sind nicht eindeutig vereinbar.]
20.61
cakre tu paṭale vatsa * * * * pravakṣyate |
(granthapātaḥ)
idānīmuddeśamātraṃ tu kathitaṃ hi ṣaḍānana |
daśārapaṅkaje nityaṃ puruṣā ghaṭikādvayam || 61 ||
Übersetzung: Im Kapitel über das Chakra, mein Kind, wird [Textlücke] erklärt. [Die Vorlage vermerkt einen Textausfall.] Jetzt wurden nur die Grundzüge genannt, o Sechsgesichtiger. Im zehnspeichigen Lotus [verweilt] Purusha jeweils zwei Ghatikas.
20.62
vāme pañcadale vahniḥ dakṣiṇe pañca vai punaḥ |
uttaraṃ dakṣiṇe caiva vāmadakṣiṇasaṃsthitam || 62 ||
Übersetzung: Links sind fünf Blätter und das Feuer, rechts wiederum fünf; Norden und Süden befinden sich links und rechts.
20.63
madhye tu viṣuvaṃ proktaṃ puṭadvayaviniḥsṛtam |
saṃkrāntirviṣuvaṃ caiva ahorātrādha(ya)nāni ca || 63 ||
Übersetzung: Die Mitte wird Vishuva, Gleichgewicht, genannt; [der Atem] tritt aus beiden Nasenöffnungen hervor. Übergang, Tagundnachtgleiche, Tag, Nacht und Sonnenläufe,
20.64
adhimāsamṛṇaṃ caiva aumatrātraṃ dhanaṃ tayā |
- * * traṃ bhaveddhikkā adhimāso vijṛmbhikā || 64 ||
Übersetzung: Schaltmonat, Fehlbetrag, ausgelassener Tag und Überschuss [werden auf Körpervorgänge bezogen]. [Textlücke] ist Schluckauf; der Schaltmonat ist Gähnen.
20.65
ṛṇaṃ ca jāyate kāsaṃ niśvāso dhanamucyate |
saṃkrāntiḥ punaradhyaiva saṃsthānāt sthānameva tu || 65 ||
Übersetzung: Der Fehlbetrag wird zum Husten, das Ausatmen heißt Überschuss. Ein Übergang ist wiederum das Gehen von einer Stätte zur anderen.
20.66
iḍā caiva suṣumnā ca amā caiva samanvitā |
suṣumnāmadhyeṣveṣaṅge eṣā saṃkrāntirucyate || 66 ||
Übersetzung: Ida, Sushumna und Ama sind miteinander verbunden. Das Eintreten in die Mitte der Sushumna wird dieser Übergang genannt. [Ein Ausdruck ist beschädigt.]
20.67
kaṭīmūlādviniṣkrānte iḍā vai piṅgalā ubhe |
nābhigranthiṃ samāśritya vā dakṣiṇasaṃsthitau || 67 ||
Übersetzung: Ida und Pingala treten aus der Hüftwurzel hervor. Am Nabelknoten ansetzend, befinden sie sich links und rechts.
20.68
punarbhūgranthimāśritya galagandhau tu saṃgatau |
mūrdhnigranthiṃ samāśritya nāsāpuṭaviniḥsṛtau || 68 ||
Übersetzung: Wieder am Bhu-Knoten ansetzend, vereinigen sie sich an Kehle und Wangen. Den Scheitelknoten erreichend, treten sie aus den Nasenöffnungen hervor.
20.69
dvādaśāṅgulaṃ saṃviśya nāsāgrātkautukaṃ pibet |
paravedikadehe tu paramātmani saṃviśet || 69 ||
Übersetzung: Zwölf Fingermaße vor der Nasenspitze eintretend, trinke man [Kautuka; unklarer Ausdruck]. Im [beschädigt bezeichneten] Leib trete man in das höchste Selbst ein.
20.70
kālāgnirudraṃ niṣṭhānte suṣumnā ṣoḍaśāntakā |
madhyame ubhayoścaiva brahmarandhre tu viśritā || 70 ||
Übersetzung: Sushumna [reicht] vom Kalagnirudra-Endpunkt bis zum Ende von sechzehn [Fingermaßen; Zuordnung unsicher]. Sie liegt zwischen den beiden und ruht in der Brahmarandhra.
20.71
gāndhārī hastinī caiva mūlā caiva samārabhet |
samāhṛtau nābhigranthau tu punarbhūgranthisaṃgatau || 71 ||
Übersetzung: Gandhari und Hastini beginnen an der Wurzel, vereinigen sich am Nabelknoten und kommen wieder am Bhu-Knoten zusammen.
20.72
galagranthiṃ punargatvā kaṃ pītvā dvādaśāṅgulāt |
darśanaṃ sarvavastūnāṃ punarvai madhyasaṃviśet || 72 ||
Übersetzung: Nachdem sie zum Kehlknoten gelangt sind, trinken sie Raum aus zwölf Fingermaßen Entfernung. Durch das Sehen aller Dinge treten sie wieder in die Mitte ein.
20.73
pūṣā yaśasvinī caiva śūla * * * * * * |
vinirga * * sa * * punarbhūgranthisaṃgatau || 73 ||
Übersetzung: Pusha und Yashasvini [Textlücke]; hervortretend [Textlücke], vereinigen sie sich wieder am Bhu-Knoten.
20.74
galagranthiṃ samāśritya mūrdhni granthau tu saṃgatau |
punaḥśrotradvaye caiva gatvā caiva tu saṃviśet || 74 ||
Übersetzung: Am Kehlknoten ansetzend, kommen sie am Scheitelknoten zusammen; dann gehen sie in die beiden Ohren ein.
20.75–76
khaṃ pītvā dvādaśānte tu tanmārge punarāviśet |
madhye dehaṃ tu saṃviśya sarvaśabdaṃ śṛṇoti tam | 75 ||
alaṃpuruṣā kuhūścaiva meḍhrapāyuvinirgatā |
śaṅkhinī dvau mālinī tu kandamūlau samāśritau || 76 ||
Übersetzung: Nachdem sie am Zwölf-Finger-Endpunkt Raum getrunken haben, treten sie auf demselben Weg wieder ein. In die Körpermitte eingegangen, hört man jeden Klang. Alampurusha und Kuhu treten aus Glied und After hervor; Shankhini und Malini setzen an der Kanda-Wurzel an. [Diese Einheit umfasst die Quellenummern 75 und 76.]
20.77
adhastādgatau tu tau vatsālambuṣā ca kuhūstathā |
śaṅkhinmūrdhvamadhaścaiva ūrdhvaṃ nābhervinirgatā || 77 ||
Übersetzung: Nach unten verlaufen diese beiden, mein Kind: Alambusha und Kuhu. Shankhini verläuft aufwärts und abwärts; aufwärts tritt sie aus dem Nabel hervor.
20.78
adhastādvāyumeḍhrā tu śaṅkhinī tu vinirgatā |
hlādinī mohinī caiva kampinī meghanī śubhā || 78 ||
Übersetzung: Nach unten tritt Shankhini bei [einem beschädigten Ausdruck mit Bezug auf Wind und Glied] hervor. Hladini, Mohini, Kampini und die glückbringende Meghani,
20.79
nābhimūlādviniṣkrāntāt dakṣiṇaṃ pādamāgatā |
kaṭigranthiṃ samāveśya jānugranthiṃ tu saṃgatau || 79 ||
Übersetzung: von der Nabelwurzel ausgehend, gelangen zum rechten Fuß. Sie treten in den Hüftknoten ein und erreichen den Knieknoten.
20.80
gulphagranthiṃ tu saṃgatya pañcāṅguliṣu nirgatā |
vikṛtirviṣamāmātyā haṃsinī viśvamālinī || 80 ||
Übersetzung: Nach Erreichen des Knöchelknotens treten sie in die fünf Zehen aus. Vikriti, Vishama, Matya, Hamsini und Vishvamalini,
20.81
vāmapāde viniṣkrāntāt kandamūlātsamāgatā |
kaṭigranthau tu vāśliṣya jānugranthiṃ samāśritā || 81 ||
Übersetzung: von der Kanda-Wurzel kommend, treten in den linken Fuß. Sie schließen sich an den Hüftknoten an und erreichen den Knieknoten.
20.82
gulphagranthiṃ tu saṃgatya pañcāṅguliṣu nirgatā |
gaginī ghoṣaṇī caiva tejinī rasavāhinī || 82 ||
Übersetzung: Nach Erreichen des Knöchelknotens treten sie in die fünf Zehen aus. Gagini, Ghoshani, Tejini und Rasavahini,
20.83
dharaṇī ceti pañcaite kandāccaiva tu nirgatā |
nābhigranthau tu saṃgatya hṛdayagranthisaṃgatā || 83 ||
Übersetzung: ferner Dharani: Diese fünf gehen vom Kanda aus. Sie erreichen den Nabelknoten und dann den Herzknoten.
20.84
galagranthiṃ samāśritya kakṣagranthiṃ samāśritā |
dakṣiṇe tu kare sandhikūrparagranthisaṃgatāḥ || 84 ||
Übersetzung: Am Kehlknoten und Achselknoten ansetzend, gelangen sie im rechten Arm zum Gelenk- und Ellenbogenknoten.
20.85
maṇigranthiṃ punarśliṣya pañcāṅguliṣu nirgatāḥ |
dharaṇī rasabhojī ca saṃkriyāśītavīryakā || 85 ||
Übersetzung: Dann schließen sie sich an den Handgelenkknoten an und treten in die fünf Finger aus. Dharani, Rasabhoji, Samkriya und Shitavirya,
20.86
uṣṇavīryā tu pañcaite kandāccaiva vinirgatāḥ |
nābhigranthiṃ samāśritya hṛdayagranthimāśritā || 86 ||
Übersetzung: ferner Ushnavirya: Diese fünf gehen vom Kanda aus. Sie erreichen Nabelknoten und Herzknoten.
20.87
galagranthiṃ samāśritya vāmabāhurvinirgatā |
bāhukūrparagranthiṃ tu maṇigranthiṃ samāśritā || 87 ||
Übersetzung: Am Kehlknoten ansetzend, treten sie in den linken Arm, erreichen Arm- und Ellenbogenknoten und dann den Handgelenkknoten.
20.88
pañcāṅgulīṣu vai vatsa nirgatāḥ pañcanāḍikāḥ |
sparśāvakāśikā caiva vāmadakṣiṇa pārśvagāḥ || 88 ||
Übersetzung: Mein Kind, diese fünf Nadis treten in die fünf Finger aus. Sparsha und Avakashika verlaufen an der linken und rechten Seite. [Die Namensformen weichen von der Eingangsliste ab.]
20.89
dvātriṃśannāḍikā vatsa prāṇādyā vāyuvārakāḥ |
mahānāḍī mahābaddhā dvātriṃśannāḍikāḥ parāḥ || 89 ||
Übersetzung: Mein Kind, diese zweiunddreißig Nadis führen die Winde, beginnend mit Prana. Es sind große, eng verbundene Nadis, die zweiunddreißig höchsten Bahnen.
20.90
dvisaptati sahasrāṇāṃ madhyamānāḍikā śubhāḥ |
aṣṭāviṃśatikoṭistu pradhānāste prakīrtitāḥ || 90 ||
Übersetzung: Die zweiundsiebzigtausend sind die guten Nadis mittleren Ranges. Zweihundertachtzig Millionen werden als die hauptsächlichen bezeichnet. [Die letzte Rangangabe ist im Zusammenhang widersprüchlich.]
20.91
jīrṇe pippalapatre vā tiryagūrdhvamadhaḥ sthitāḥ |
romakūpeṣu sarveṣu nāḍyasteṣu prakīrtitāḥ || 91 ||
Übersetzung: Wie in einem alten Pippala-Blatt liegen sie seitwärts, aufwärts und abwärts. In sämtlichen Haarporen werden diese Nadis beschrieben.
20.92
sarvaṃ sañcarate jīvaḥ prāṇaistu sahitāśca tu |
kṣetrajñaḥ puruṣaḥ svasthaḥ ajño bhogasamanvitaḥ || 92 ||
Übersetzung: Die Seele bewegt sich überall, verbunden mit den Lebenswinden. Der Feldkenner, Purusha, ruht in sich; als Unwissender ist er mit dem Genießen verbunden,
20.93
sukhapriyo duḥkhadveṣī hṛtsaroruhakoṭare |
kṣetrajño jīvaprāṇaiśca sarvaprāṇiṣu sarvadā || 93 ||
Übersetzung: liebt Freude und meidet Leid, in der Höhlung des Herzlotus. Der Feldkenner [wirkt] mit Jiva und Prana in allen Lebewesen, zu jeder Zeit.
20.94
brahmādistambhaparyantaṃ krīḍate bhagavān śivaḥ |
śuṣka patramivākāśe nīyate vāyunā yathā || 94 ||
Übersetzung: Von Brahma bis zum Grashalm spielt der erhabene Shiva. Wie ein trockenes Blatt im Luftraum vom Wind fortgetragen wird,
20.95
tathā bhrāmyati jīvo'sau prāṇādyu(ddhṛ)tpaṅkaje śivaguha |
patantyutpatate śānto vigrahe ca punaḥ punaḥ || 95 ||
Übersetzung: so wandert diese Seele durch Prana im Herzlotus, o Guha. Sie sinkt und steigt immer wieder im Körper auf; [„friedvoll“ steht ohne klaren Bezug im Satz].
20.96
sākṣādvai madhyadehastu sarvakāryavivarjitaḥ |
śāśvataḥ puruṣaḥ sūkṣmo nirālambaḥ paraḥ śivaḥ || 96 ||
Übersetzung: Unmittelbar im Inneren des Leibes, frei von sämtlichen Tätigkeiten, ist der ewige, feine Purusha: ohne Stütze, der höchste Shiva.
20.97
hṛtpaṅkaje sthitapuruṣo jīvaprāṇaḥ susaṅgataḥ |
- * * * candradale āgneye tu tathaiva ca || 97 ||
Übersetzung: Purusha befindet sich im Herzlotus, eng verbunden mit Jiva und Prana. [Textlücke] auf dem Mondblatt und ebenso auf dem südöstlichen Blatt,
20.98
catuṣkaro yāmyadale nair-ṛte tu tathaiva ca |
varuṇe digdale caiva vāyavye tu tathaiva ca || 98 ||
Übersetzung: vier [Ghatikas] auf dem südlichen und ebenso auf dem südwestlichen, auf dem westlichen Richtungsblatt und ebenso auf dem nordwestlichen,
20.99
saumye caturghaṭikā aiśānye tu tathaiva ca |
evaṃ dvātriṃśadghaṭikā saṃcaretpuruṣo mahān || 99 ||
Übersetzung: vier Ghatikas auf dem nördlichen und ebenso auf dem nordöstlichen: So bewegt sich der große Purusha während zweiunddreißig Ghatikas.
20.100
karaṇatrayeṇa vai vatsa navadvāreṣu saṃcaret |
aṣṭabhāgaikabhāgaṃ tu dvātriṃśaccaratoḥ sadā || 100 ||
Übersetzung: Mit den drei inneren Vermögen, mein Kind, bewegt er sich durch die neun Tore. Mit einem Achtelanteil [strömt er] stets in den zweiunddreißig [Nadis].
20.101
śatabhāgaikabhāgaṃ tu dvisaptati sahasrakāḥ |
parate tava mahāsena sendrāścaiva? palabhyate || 101 ||
Übersetzung: Mit einem Hundertstelanteil [strömt er] in den zweiundsiebzigtausend. [Der weitere Satz über Mahasena und das Erlangen ist beschädigt.]
20.102
aṣṭāviṃśatikoṭistu nābhiṣu saṃcaredguha |
navanāḍyaḥ sahasrāṃśaṃ carate teṣu nāḍiṣu || 102 ||
Übersetzung: In zweihundertachtzig Millionen Nadis bewegt er sich, o Guha. In neun Nadis [beziehungsweise „neuen Nadis“; Lesung unsicher] bewegt er sich mit einem Tausendstelanteil.
20.103
madhyadehe sthito devo nirvikāro nirañjanaḥ |
sarvajñaḥ sarvagaḥ śāntaḥ sarvadā sarvatomukhaḥ || 103 ||
Übersetzung: Im Inneren des Leibes befindet sich der Gott, unveränderlich und makellos, allwissend, alldurchdringend, friedvoll und stets nach allen Seiten gewandt.
20.104
paraṃ brahma sa vijñeyo vyomavyāpī sadāśivaḥ |
paramātmā mahāhetu kṣetrajño hṛdi saṃsthitaḥ || 104 ||
Übersetzung: Als höchstes Brahman ist er zu erkennen: der den Raum durchdringende Sadashiva, das höchste Selbst, die große Ursache, der im Herzen ruhende Feldkenner.
20.105
antarātmā dvādaśāntaḥ sarvabhūte vyavasthitaḥ |
maraṇakāle tu vai vatsa nāḍīmadhye tu saṃsthitaḥ || 105 ||
Übersetzung: Das innere Selbst befindet sich am Zwölf-Finger-Endpunkt und in allen Wesen. Zur Todeszeit, mein Kind, befindet es sich inmitten der Nadi.
20.106
punarhṛdayamātmeṣu saṃvidā sarvameva hi |
ityetadvāyavaṃ bṛndaṃ hitacakre pratiṣṭhitam || 106 ||
Übersetzung: Wieder [geht es] in Herz und Selbst [ein], mit Bewusstsein alles [umfassend; Satz beschädigt]. So ist diese Schar der Winde im Hita-Chakra gegründet.
20.107
niśvāsośvāsakāśaiśca * * * * * * sanamuramathaḥ kampate vāyutaśca |
nityānityāni janma vyasanayati taramathovane bālyābhāvādā * * * nteva * * * *
jananamaraṇajaiḥ* * * * * krīḍate sarvatattvaiḥ || 107 ||
Übersetzung: Durch Ausatmen, Einatmen und Husten [Textlücke] bebt [der Körper] durch den Wind. Beständiges und Unbeständiges, Geburt, Bedrängnis, Jugend und Kindheit [mehrere Textlücken]; mit den aus Geburt und Tod entstandenen [Zuständen] spielt es durch sämtliche Prinzipien. [Der lange Vers ist stark beschädigt.]
20.108
nīḍīcakraṃ yathāvasthaṃ kathayāmi tavākhilam |
ūrdhvaḥ prāṇo'pyadhaḥ prokta apāno rātrireva ca || 108 ||
Übersetzung: Ich erkläre dir das gesamte Nadi-Chakra, wie es beschaffen ist. Aufwärts ist Prana, abwärts wird Apana genannt, und ebenso die Nacht. [Der Bezug der letzten Angabe ist unvollständig.]
20.109
aindrādvāruṇasaṃge tu dakṣiṇāyanamucyate |
dakṣiṇe cāśvayugmeṣu uttare caitrake viṣu || 109 ||
Übersetzung: Die Verbindung vom östlichen zum westlichen Bereich heißt südlicher Sonnenlauf. Im südlichen [Bereich liegt] Ashvayuj, im nördlichen Chaitra zur Tagundnachtgleiche.
20.110
triṃśaddivasaṃ mahāsena sūryaścānye tu māsake |
samyaksaṃkramate deva saṃkrāntistena mu(u)cyate || 110 ||
Übersetzung: Dreißig Tage, o Mahasena, [verweilt] die Sonne; dann geht sie in den anderen Monat über, o Gott. Weil sie hinübergeht, heißt dies Samkranti.
20.111
candrakṣayamamāvāsthāṃ vṛddhistu pūrṇamāsikaḥ |
amāvāsyādito domāvāsī tena ucyate || 111 ||
Übersetzung: Das Schwinden des Mondes ist Neumond, sein Wachsen Vollmond. Vom Neumond an [folgt eine beschädigte Erklärung der Bezeichnung Amavasya].
20.112
candrasya ṣoḍaśakalo devairāpīyate guha |
pañcadaśa * sau nityaṃ kalāpūrṇastu candramāḥ || 112 ||
Übersetzung: Die sechzehn Kalas des Mondes werden von den Göttern getrunken, o Guha. Fünfzehn [Textlücke]; der Mond ist stets mit seiner Kala erfüllt.
20.113
pañcadaśapūrvapakṣaikakalā ekaikā vardhate |
kalāpūrṇe paurṇamāsī tantra vidbhirudāhṛtā || 113 ||
Übersetzung: An den fünfzehn Tagen der hellen Monatshälfte wächst jeweils eine Kala. Wenn die Kalas voll sind, nennen die Tantra-Kundigen dies Vollmond.
20.114
amāvāsyāsinī vālī ūrdhve vai paurṇamāsike |
candrādityau paurṇasevī va * * * * * syaṃ tu || 114 ||
Übersetzung: Amavasya, Sinivali, oben zur Vollmondzeit; Mond und Sonne [der Rest der Zuordnung ist beschädigt].
20.115
candrāditya samāyogamamāvāsyāṃ vidurbudhāḥ |
sarvaṃ saṃhṛtya matimān prāṇānāṃ hṛdaye guha || 115 ||
Übersetzung: Die Weisen kennen die Vereinigung von Mond und Sonne als Neumond. Der Verständige sammle sämtliche Lebenswinde im Herzen, o Guha.
20.116
prāsāde naiva bījena kaṇṭhatāluśca randhrakaḥ |
bhruvormadhye tu mūrdhau tu nayetprāṇaṃ tu buddhimān || 116 ||
Übersetzung: Mit der Prasada-Keimsilbe führe der Verständige Prana durch Kehle und Gaumenöffnung, zwischen die Augenbrauen und zum Scheitel.
20.117
hitvārgalakapālaṃ tu jīva ūrdhvaṃ tu gacchati |
sadāśivapadaṃ gatvā na bhūyo janmacāpnuyāt || 117 ||
Übersetzung: Die Sperre des Schädels hinter sich lassend, geht Jiva nach oben. Nachdem er Sadashivas Stätte erreicht hat, kommt es zu keiner weiteren Geburt.
iti kālottare nāḍicakrapaṭalaḥ viṃśatiḥ || 20 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 20 über „Das Nadi-Chakra“.
Kapitel 21 – Das Rad der Zeit
21.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
kalācakraṃ pravakṣyāmi kālajñānaṃ paraṃ śubham |
svasthānarākṣanīmeṣaścaturbhāgopalakṣitaḥ || 1 ||
Übersetzung: Heil und Segen! Ishvara sprach: Ich werde das Rad der Zeit erklären, die höchste, glückbringende Erkenntnis der Zeit. Das Schließen des Auges in seiner eigenen Stellung wird in vier Teile gefasst. [Der Anfang der Definition ist entstellt.]
21.2
kālastruṭiriti vadanti tajjñānāt niṣkramasthitaḥ |
triṭidvayaṃ kṣaṇaṃ proktaṃ tṛtīyaṃ kṣaṇikaṃ bhavet || 2 ||
Übersetzung: Diese Zeiteinheit nennt man Truti; durch ihre Kenntnis [erkennt man] Austritt und Verweilen. Zwei Truti heißen Kshana, drei bilden Kshanika.
21.3
truṭicatuṣkaṃ nimeṣaṃ tu nimeṣārdhaṃ ca tacchṛṇu |
truṭirdvātriṃśatkalā jñeyā kalāṣṭaṃ karaṇaṃ bhavet || 3 ||
Übersetzung: Vier Truti bilden Nimesha; höre auch dessen Hälfte. Eine Kala besteht aus zweiunddreißig Truti, acht Kala bilden ein Karana.
21.4
karaṇāṣṭakṛtaṃ vāsi vidhireṣā pracoditā |
atītānāgataṃ caiva vartamānaṃ tathaiva ca || 4 ||
Übersetzung: Acht Karana bilden ein Vasi [Einheit unsicher]; so ist die Vorschrift gelehrt. Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart,
21.5
lābhālābhaṃ sukhaṃ duḥkhaṃ * * * * * * * * |
- * masti jñānavijñānaṃ mṛtyupañcakaṃ tathā || 5 ||
Übersetzung: Gewinn und Verlust, Freude und Leid [Textlücke], Wissen und unmittelbares Erkennen sowie die fünf Arten des Todes [werden damit erkannt].
21.6
daśāraṃ cakramākhyātaṃ sarvaprāṇiṣu vartate |
aindramāgneyayāmyaṃ ca nair-ṛtaṃ vāruṇaṃ tathā || 6 ||
Übersetzung: Das zehnblättrige Rad ist erklärt worden; es wirkt in allen Lebewesen. Osten, Südosten, Süden, Südwesten und Westen,
21.7
vāyavyasyātha saumyaṃ ca aiśānyamaṣṭakaṃ bhavet |
ūrdhvaṃ ca navamaṃ proktaṃ adhāśca daśamaṃ bhavet || 7 ||
Übersetzung: Nordwesten, Norden und Nordosten bilden die acht. Oben ist als neuntes genannt, unten als zehntes.
21.8
puṣyamāse tu saṃprāpte mārgaśīrṣaka ucyate |
tatsaṃkrāntau parikṣetaśvāsaṃ caiva ṣaḍānana || 8 ||
Übersetzung: Wenn der Monat Pushya eintritt, wird Margashirsha genannt [widersprüchlicher Monatsbezug]. Bei diesem Übergang prüfe man den Atem, o Sechsgesichtiger.
21.9
sāmaṃ tu pañcaghaṭikā dakṣiṇaṃ pañca eva hi |
ṣaṣṭyucchvāso bhavetprāṇaḥ ṣaṭprāṇo ghaṭikā bhavet || 9 ||
Übersetzung: Links fünf Ghatikas und rechts ebenso fünf. Sechzig Atemzüge bilden einen Prana, sechs Prana eine Ghatika.
21.10
ṣaṣṭighaṭikāhorātraṃ japasaṃkhyāṃ karoti saḥ |
pañcaghaṭikā bhavedvāme sarvāriṣṭavivarjitam || 10 ||
Übersetzung: Sechzig Ghatika bilden Tag und Nacht; so entsteht die Zahl der Rezitationen. Wenn [der Atem] fünf Ghatika links verläuft, ist man frei von allen Todesvorzeichen.
21.11
saptaghaṭikā caredvāme kiñciduṣṇa samanvitaḥ |
aśītyāyurhavatyeva samyak jñānena vai budhaḥ || 11 ||
Übersetzung: Wenn er sieben Ghatika links strömt, mit etwas Wärme verbunden, beträgt die Lebensdauer achtzig Jahre; so erkennt es der Verständige richtig.
21.12
aṣṭaghaṭikā bhavedvāme paruṣayuktaṃ sukhoṣṇataḥ |
saptati caiva āyuṣyaṃ śivena paribhāṣitam || 12 ||
Übersetzung: Wenn er acht Ghatika links strömt, rau und leicht warm, hat Shiva eine Lebensdauer von siebzig Jahren erklärt.
21.13
navaghaṭikā vāme tu uṣṇamīṣatsamanvitaḥ |
carate muhurmuhurvatsa samāḥ ṣaṣṭiṃ sa jīvati || 13 ||
Übersetzung: Wenn er neun Ghatika links strömt, mit geringer Wärme, wieder und wieder, mein Kind, lebt man sechzig Jahre.
21.14
daśaghaṭikā iḍāyāṃ tu carate ca muhurmuhuḥ |
pañcatriṃśatsa jīvettu iti śāstrasya niścayaḥ || 14 ||
Übersetzung: Wenn er zehn Ghatika wiederholt in Ida strömt, lebt man fünfunddreißig Jahre; dies ist die feststehende Aussage der Schrift.
21.15
caturdaśaghaṭikāyāmeva dehaṃ sa eva hi |
triṃśatsaṃvatsaraṃ jīvet hṛnnābhijaṭharāśritaḥ || 15 ||
Übersetzung: Bei vierzehn Ghatika [im selben Körperbereich] lebt man dreißig Jahre, auf Herz, Nabel und Bauch gestützt. [Der Satzanschluss ist unregelmäßig.]
21.16
caturdaśārdhaghaṭikā vahate vāmameva hi |
saptaviṃśatsaṃvatsaraṃ jīvatīti ṣaḍānana || 16 ||
Übersetzung: Wenn er vierzehneinhalb Ghatika nur links strömt, lebt man siebenundzwanzig Jahre, o Sechsgesichtiger.
21.17
pādahīnaṃ caturdaśaghaṭikā vahate iḍām |
ṣaḍviṃśatsaṃvatsaraṃ tasya jīvitaṃ vai narasya tu || 17 ||
Übersetzung: Wenn er ein Viertel weniger als vierzehn Ghatika in Ida strömt, beträgt die Lebensdauer dieses Menschen sechsundzwanzig Jahre.
21.18
dinārdhaṃ divasaṃ caiva ahorātraṃ tathaiva ca |
sārdhayugmaguṇāṃ vatānādityavasuṣoḍaśān || 18 ||
Übersetzung: Ein halber Tag, ein Tag und ein ganzer Tag samt Nacht; eineinhalbfache und doppelte [Dauern], Adityas, Vasus und sechzehn [folgen als beschädigte Zahlenreihe].
21.19
pañcamyaḥ pañcaviṃśaddivasagati rūpārohate pañcavṛddhaḥ
tasyādekottareṇa triguṇitadaśakaṃ tryaktaraṃ yāvadeva |
kāle pauṣe samāpte trinayanaśaśinā ṣaṭtriyugme kaleśā-
stāste hāniśeṣāstiśidiguṣu guṇardhendavo jīvitasyā || 19 ||
Übersetzung: [Der Vers ist stark entstellt. Er enthält eine Berechnung mit fünf, fünfundzwanzig Tagen, einer Zunahme um fünf, anschließender Zunahme um eins und einer dreifachen Zehn; ferner Pausha, drei, Mond beziehungsweise eins, sechs, drei Paare und eine Abnahme der verbleibenden Lebenszeit. Eine verlässliche Rechenregel lässt sich daraus nicht gewinnen.]
21.20
punaranyatpravakṣyāmi kālacakraṃ samāsataḥ |
uttarāyaṇavāme tu tasya jyotirna dṛśyate || 20 ||
Übersetzung: Nun werde ich dir noch ein anderes Zeitrad kurz erklären. Wenn beim nördlichen Sonnenlauf das Licht links nicht sichtbar ist,
21.21
saṃvatsaratrayaṃ kṛtvā jīvatyeva ṣaḍānana |
dakṣiṇāyanavāme ca ūrdhvajyotistu dṛśyate || 21 ||
Übersetzung: lebt man noch drei Jahre, o Sechsgesichtiger. Wenn beim südlichen Sonnenlauf das obere Licht links sichtbar ist,
21.22
saṃvatsadvayāmṛtyuḥ prāpyate nātra saṃśayaḥ |
vāme caiva adhojyotirna dṛśyate cārdha * * ke || 22 ||
Übersetzung: tritt der Tod nach zwei Jahren ein, ohne Zweifel. Wenn links das untere Licht in der halben [Textlücke] nicht sichtbar ist,
21.23
vatsaraikaṃ sa jīveta kālavidbhirudāhṛtaḥ |
vāmadakṣiṇatajjyotirdṛśyate brāhmike yadā || 23 ||
Übersetzung: lebt man noch ein Jahr, wie die Zeitkundigen erklären. Wenn das Licht links und rechts zur Brahma-Zeit sichtbar ist,
21.24
ṣaṇmāsaṃ tasya vai jīva īśvareṇa prabhāṣitam |
dakṣiṇe dakṣiṇe jyotirdṛśyate nārdharātrake || 24 ||
Übersetzung: beträgt die verbleibende Lebenszeit sechs Monate, wie Ishvara erklärt hat. Wenn rechts das rechte Licht um Mitternacht nicht sichtbar ist,
21.25
trimāsā mṛtyumāpnoti vāyunā nātra saṃśayaḥ |
dakṣiṇe cottare jyotirbāhye caiva na dṛśyate || 25 ||
Übersetzung: tritt durch den Wind nach drei Monaten der Tod ein, ohne Zweifel. Wenn rechts das nördliche Licht auch außen nicht sichtbar ist,
21.26
māsānmaraṇamāpnoti sarve na tu ṣaḍānana |
gulphājjīvo na dṛśyeta pādayostu yadā naraḥ || 26 ||
Übersetzung: stirbt man nach einem Monat, o Sechsgesichtiger. Wenn der Mensch von den Knöcheln aus an beiden Füßen kein Leben mehr wahrnimmt,
21.27
ghargharāvayutaṃ tasya nātra kāryā vicāraṇā |
kūrparasya adhobhāge japaṃ yasya na vidyate || 27 ||
Übersetzung: ist dies mit einem rasselnden Ton verbunden; darüber besteht kein Zweifel. Wenn unterhalb des Ellenbogens kein Japa [Puls- oder innerer Rhythmus; Deutung unsicher] mehr vorhanden ist,
21.28
daśāhānmaraṇaṃ tasya kālavidbhirudāhṛtaḥ |
samudradyoṇona śrāvyo yatra binduṃ na paśyati || 28 ||
Übersetzung: stirbt man nach zehn Tagen, wie die Zeitkundigen erklären. Wenn der Meeresklang nicht zu hören ist und man den Bindu nicht sieht,
21.29
pañca * * * * * * * * * * * * * * |
vāyaso līyate mūrdhni śvāno vā yadi līyate || 29 ||
Übersetzung: fünf [der übrige Halbvers fehlt]. Wenn sich eine Krähe oder ein Hund auf dem Kopf niederlässt,
21.30
trayastriṃśatsajīvo'sau carate ca ilā muhuḥ |
pañcatriṃśacca ghaṭikā sa jīvati na saṃśayaḥ || 30 ||
Übersetzung: lebt man dreiunddreißig [Zeiteinheiten; Angabe unvollständig], während Ida wiederholt strömt. Fünfunddreißig Ghatika lebt man, ohne Zweifel. [Die beiden Zahlen sind widersprüchlich überliefert.]
21.31
karīṣagalerantrī raktavastrayutena * * ca |
daṇḍena praharetpuruṣaḥ saptāhānmaraṇaṃ bhavet || 31 ||
Übersetzung: [Ein beschädigt beschriebenes Wesen], rot gekleidet, schlägt einen Menschen mit einem Stab: Nach sieben Tagen tritt der Tod ein.
21.32
raktāmbaradharā nārī raktamālyānulepanā |
āliṅganaṃ bhavetsvapne jāgre vā yadi paśyati || 32 ||
Übersetzung: Wenn eine rot gekleidete Frau mit roten Girlanden und roter Salbe einen im Traum umarmt oder man sie im Wachen sieht,
21.33
daśāhānmaraṇaṃ tasya nātra kāryā vicāraṇā |
rajasvalā coṣṭrarūḍhā vidhavāmuṇḍitaśśiraḥ || 33 ||
Übersetzung: stirbt man nach zehn Tagen; darüber besteht kein Zweifel. Eine menstruierende Frau auf einem Kamel, eine Witwe mit geschorenem Kopf,
21.34
āśliṣyate vai svapne ca jāgre vā yadi paśyati |
aṣṭahāni sa jīveta iti śāstrasya niścayaḥ || 34 ||
Übersetzung: die einen im Traum umarmt oder die man im Wachen sieht: Man lebt noch acht Tage; dies ist die feststehende Aussage der Schrift.
21.35
śākyaṃ śapaṇakaṃ vāpi svapne vā jāpāte'pi vā |
āliṅganaṃ bhavedyasya tasya mṛtyurna saṃśayaḥ || 35 ||
Übersetzung: Wer von einem Shakya oder Kshapanaka im Traum oder im Wachen umarmt wird, dem steht der Tod bevor, ohne Zweifel.
21.36
kharūrūḍhastu vai svapne mārgaṃ vā dakṣiṇaṃ nayet |
raktāmbaradharao bhūtvā raktamālyānulepanaḥ || 36 ||
Übersetzung: Wer im Traum auf einem Esel sitzt und nach Süden geführt wird, mit roten Gewändern, roten Girlanden und roter Salbe versehen,
21.37
jvareṇa mṛtyumāpnoti nātra kāryā vicāraṇā |
ūrdhvadīpaṃ ca paśyeta cañcalaṃ vāpi śāmyati || 37 ||
Übersetzung: stirbt an Fieber; darüber besteht kein Zweifel. Wenn man sieht, wie das obere Licht flackert oder erlischt,
21.38
māsānmaraṇamāpnoti iti satyaṃ ṣaḍānana |
adhojyotirna paśyeta madhyadehe tu vai budhaḥ || 38 ||
Übersetzung: stirbt man nach einem Monat. Das ist wahr, o Sechsgesichtiger. Wenn der Verständige das untere Licht in der Körpermitte nicht sieht,
21.39
saptaviṃśaddinānmṛtyuriti sadbhirudāhṛtam |
yāmyādidigdale jyotiratasīkusumaprabham || 39 ||
Übersetzung: tritt der Tod nach siebenundzwanzig Tagen ein, wie die Guten erklären. Wenn auf dem südlichen Richtungsblatt das Licht wie eine Atasi-Blüte leuchtet,
21.40
trayastriṃśaddinānmṛtyuvatirogeṇa nityaśaḥ |
nair-ṛtyāṃ digdale jyotiḥ rājāvartamaṇiprabham || 40 ||
Übersetzung: tritt nach dreiunddreißig Tagen der Tod durch eine Vata-Krankheit ein. Wenn auf dem südwestlichen Richtungsblatt das Licht wie Lapislazuli
21.41
dṛśyate cārdharātre ca mṛtyurmāsaṃ na saṃśayaḥ |
vāruṇe digdale jyotirdṛśyate sphaṭikaprabham || 41 ||
Übersetzung: um Mitternacht sichtbar ist, tritt der Tod nach einem Monat ein, ohne Zweifel. Wenn auf dem westlichen Richtungsblatt das Licht kristallfarben erscheint,
21.42
catvāriṃśaddinānmṛtyuḥ śāstrajñaiḥ samudāhṛtaḥ |
vāyavyāṃ digdale jyotiḥ haridrārasasannibham || 42 ||
Übersetzung: tritt der Tod nach vierzig Tagen ein, wie die Schriftkundigen erklären. Wenn das Licht auf dem nordwestlichen Richtungsblatt, kurkumasaftfarben,
21.43
na dṛśyate yadā rātrau pañcāhānmaraṇaṃ bhavet |
madhyāhne tu amāvāsyāṃ mahadbhāṇḍe jale guha || 43 ||
Übersetzung: nachts nicht sichtbar ist, stirbt man nach fünf Tagen. Am Neumondtag mittags, im Wasser eines großen Gefäßes, o Guha,
21.44
suṣirā sūryabimbe tu dṛśyate ghaṭikaikataḥ |
tasya mṛtyurdhruvaṃ nityaṃ tripakṣānniścayaṃ bhavet || 44 ||
Übersetzung: wenn während einer Ghatika Löcher in der Sonnenscheibe sichtbar sind, ist der Tod nach drei Monatshälften gewiss.
21.45
amāvāsyāṃ ghṛte māyāṃ cakṣurūpaṃ na paśyati |
tasya mṛtyurna saṃdeho nātra kāryā vicāraṇā || 45 ||
Übersetzung: Wer am Neumondtag in geklärter Butter das Spiegelbild seines Auges nicht sieht, dem steht der Tod bevor, ohne Zweifel; darüber besteht keine Ungewissheit.
21.46
gaṅgāyamunābhyāṃ ca ghaṭikāt ghaṭikāṃ vahet |
aṣṭādaśadinānmṛtyuriti śāstrasya nityaśaḥ || 46 ||
Übersetzung: Wenn [der Atem] in Ganga und Yamuna jeweils von Ghatika zu Ghatika strömt, tritt nach achtzehn Tagen der Tod ein; so lautet die feste Aussage der Schrift.
21.47
mahatsu tāpe madhyāhne gagane daśapādataḥ |
dhvayāpuruṣamāpaśyet trimāsānmaraṇaṃ bhavet || 47 ||
Übersetzung: Wenn man bei großer Mittagshitze in zehn Schritt Entfernung die Schattengestalt im Luftraum nicht sieht, stirbt man nach drei Monaten. [Die Verneinung beziehungsweise Worttrennung ist unsicher.]
21.48
puruṣaḥ pāṇḍarākāro dṛśyate gagane mahat |
ṣaṇmāsānmṛtyumāpnoti saśivastaṃ na paśyati || 48 ||
Übersetzung: Wenn eine blasse große Menschengestalt im Luftraum erscheint, tritt nach sechs Monaten der Tod ein; [ein weiterer Satz über das Nichtsehen ist entstellt].
21.49
pūrvāhne cāṣṭamapade puruṣaṃ vai na paśyati |
kabandhaṃ dṛśyate tasya trimāsānmaraṇaṃ bhavet || 49 ||
Übersetzung: Wenn man am Vormittag an der achten Stelle keinen Menschen, sondern einen kopflosen Rumpf sieht, stirbt man nach drei Monaten.
21.50
vāmahastā kṛṣṇavarṇā gagane dṛśyate mahat |
jāgre vā yadi vā svapna trimāsaṃ tasya jīvitam || 50 ||
Übersetzung: Wenn eine schwarze Gestalt mit linker Hand [unvollständige Beschreibung] groß im Luftraum erscheint, im Wachen oder im Traum, bleiben drei Monate Lebenszeit.
21.51
khaḍgahastā kṛṣṇavarṇā pāśahastā sudāruṇā |
śirasyupari gagane dṛśyate nararūpakā || 51 ||
Übersetzung: Eine schwarze, schreckliche Menschengestalt mit Schwert und Schlinge in den Händen erscheint im Luftraum über dem Kopf:
21.52
dvipa * * * * pnoti iti prāhurmanīṣiṇaḥ |
chinnanāsā kṛṣṇavarṇā pāśakhaḍgadharā mahat || 52 ||
Übersetzung: Zwei [Textlücke; wohl eine Zeitangabe], so sagen die Weisen. Eine große schwarze Gestalt mit abgeschnittener Nase, mit Schlinge und Schwert,
21.53
raktāmbaradharā nārī raktamālyānulepanā |
gagane dṛśyate vatsa pāśenaiva tu badhyate || 53 ||
Übersetzung: eine rot gekleidete Frau mit roten Girlanden und roter Salbe wird im Luftraum gesehen, mein Kind; man wird von ihr mit einer Schlinge gebunden,
21.54
khaḍgena praharecchāsau pañcāhānmaraṇaṃ bhavet |
kṛṣṇaśvā tu suṣumnāgre praviśedgṛhameva vā || 54 ||
Übersetzung: und sie schlägt mit dem Schwert: Nach fünf Tagen tritt der Tod ein. Wenn ein schwarzer Hund an der Spitze der Sushumna oder ins Haus eintritt,
21.55
tryahānmaraṇamāpnoti iti satyaṃ ṣaḍānana |
- * * * vālipānaṃ bhaveccaiva muhurmuhuḥ || 55 ||
Übersetzung: stirbt man nach drei Tagen. Das ist wahr, o Sechsgesichtiger. Wenn [Textlücke] wiederholt ein Trinken [stattfindet],
21.56
pakṣānmaraṇamāpnoti iti śāstrasya niścayaḥ |
rathena karayuktena raktavastravṛtena ca || 56 ||
Übersetzung: stirbt man nach einer Monatshälfte; dies ist die feststehende Aussage der Schrift. Auf einem von [Eseln; Lesung verkürzt] gezogenen und mit rotem Stoff bedeckten Wagen,
21.57
raktamālyāmbaradharo dakṣiṇāyanamāśritaḥ |
yadi vā yadi vā svapne sa pakṣānmaraṇaṃ bhavet || 57 ||
Übersetzung: mit roten Girlanden und Gewändern, nach Süden fahrend, im Wachen oder im Traum: Nach einer Monatshälfte tritt der Tod ein.
21.58
maholkāpatitaṃ madhyāhne candrādityamathāpi vā |
akāmo bhūmikampaṃ vā daśāhānmaraṇaṃ bhavet || 58 ||
Übersetzung: Wenn mittags eine große Sternschnuppe, Mond oder Sonne herabfällt oder unerwartet die Erde bebt, stirbt man nach zehn Tagen.
21.59
jhanajhana ghanaghanastanavātha aśanirvā taṭidhvaniḥ |
yadi paśyenmadhyadehe dvidinena sa jīvati || 59 ||
Übersetzung: Klingeln, Dröhnen, Donner, Blitzschlag oder Blitzgeräusch: Wenn man dies im Inneren des Leibes wahrnimmt, lebt man noch zwei Tage.
21.60
kauśikaṃ piṅgalaṃ vāpi bilāva(ḍāla)dhvanimeva vā |
madhyadehe yadā paśyet viśe * * * * * * || 60 ||
Übersetzung: Eulenruf, den Ruf eines Pingala-Vogels oder Katzenlaut [zu hören], wenn man dies in der Körpermitte wahrnimmt, besonders [Textlücke],
21.61
daśāhāmadhyamāpnoti madhumehena vai dhruvam |
śāstā svaraṃ vā śāstāraṃ hṛdaye madhyadehake || 61 ||
Übersetzung: führt nach zehn Tagen gewiss zum Tod durch Madhumeha. Wenn man Shastas Stimme oder Shasta im Herzen, in der Körpermitte,
21.62
muhurmuhurvirottatra bhūlokānmaraṇaṃ daśa |
kṛṣṇāṃ gavāṃ śṛṅgayordve gṛhītvā dhāvate yadi || 62 ||
Übersetzung: wieder und wieder laut rufen [hört], Tod [nach] zehn [Tagen; Satz entstellt]. Wer die beiden Hörner einer schwarzen Kuh ergreift und rennt,
21.63
jaṭhareśūlaṃ muhustatra ākṣepānmaraṇaṃ bhavet |
kodaṇḍe śāśvatasthāne mūrdhānte dvādaśāṅgule || 63 ||
Übersetzung: erleidet wiederholte Bauchschmerzen und stirbt durch Krämpfe. An der Kodaṇḍa-Stätte, der ewigen Stätte und zwölf Fingermaße über dem Scheitel,
21.64
bindudeśena dṛśyeta dināni trīṇi jīvati |
mṛtyunāśritaṃ dhyānaṃ ca sāṃprataṃ śṛṇu ṣaṇmukha || 64 ||
Übersetzung: wenn der Bindu-Bereich [in der beschriebenen Weise] sichtbar wird, lebt man noch drei Tage. Nun höre, o Sechsgesichtiger, die Meditation zur Überwindung des Todes.
21.65
madhyadehe sapatnī tu karṇikāyāṃ * * * * |
prāsādaṃ candrabimbena saṃpuṭīkṛtya buddhimān || 65 ||
Übersetzung: In der Körpermitte, zusammen mit der Gefährtin, auf dem Lotusfruchtboden [Textlücke], umschließe der Verständige Prasada mit der Mondscheibe.
21.66
ātmaprāsādakabalaṃ sadā dhyāyetsamāhita |
vivatsareṇa vai vatsa mṛtyunāśanamuttamam || 66 ||
Übersetzung: Über die Einheit von Selbst und Prasada meditiere man stets gesammelt. Durch [ein Jahr; die Lesung vivatsareṇa ist unsicher], mein Kind, erfolgt die höchste Vernichtung des Todes.
21.67
dhyāyedvai dvādaśābdaṃ tu sahasrābdaṃ sajīvati |
indrakopanibhaṃ dhyāyet prāsādaṃ śaśibimbakam || 67 ||
Übersetzung: Wer zwölf Jahre meditiert, lebt tausend Jahre. Man meditiere über Prasada, rot wie ein Indragopa-Käfer, und die Mondscheibe,
21.68
ātmānaṃ saṃpuṭīkṛtya caturthena tu paṇḍitaḥ |
bindunādaśikhākrāntaṃ ghaṭikā saptamā bhavet || 68 ||
Übersetzung: wobei der Kundige das Selbst mit dem vierten [Laut] umschließt, überhöht von Bindu und Nada; dies währe sieben Ghatika.
21.69
vatsarānekaviṃśaṃ tu pañcasahasraṃ sa jīvati |
śaṅkhakundendudhavalaṃ prāsādaṃ madhyadehake || 69 ||
Übersetzung: [Übt man dies] einundzwanzig Jahre, lebt man fünftausend Jahre. Prasada in der Körpermitte, weiß wie Muschel, Jasmin und Mond,
21.70
indunā saṃpuṭīkṛtya ghaṭikā daśa pratyaham |
dvātriṃśadvatsaraṃ dhyāyet ṣaṭsahasraṃ sa jīvati || 70 ||
Übersetzung: umschließe man mit dem Mond und meditiere täglich zehn Ghatika darüber. Wer zweiunddreißig Jahre so meditiert, lebt sechstausend Jahre.
21.71
gokṣīradhavalaprakhyaṃ prāsādaṃ madhyadehake |
tasya madhye tu cātmānaṃ candrabimbena saṃpuṭet || 71 ||
Übersetzung: Prasada in der Körpermitte stelle man sich weiß wie Kuhmilch vor; das Selbst in seiner Mitte umschließe man mit der Mondscheibe.
21.72
dvādaśaṃ ghaṭikā vatsa trayoviṃśattu vatsarān |
sa jīvetsaptasāhasraṃ vatsaraṃ tu ṣaḍānana || 72 ||
Übersetzung: Zwölf Ghatika [täglich], mein Kind, während dreiundzwanzig Jahren: So lebt man siebentausend Jahre, o Sechsgesichtiger.
21.73
drutacāmīkaraprakhyaṃ prāsādānmadhyadehake |
adhordhvaṃ candrabimbena sampuṭīkṛtya buddhimān || 73 ||
Übersetzung: Prasada in der Körpermitte, leuchtend wie geschmolzenes Gold, umschließe der Verständige von unten und oben mit der Mondscheibe.
21.74
hṛtpiṇḍaṃ śātakumbhena ghaṭikā pañcadaśo bhavet |
caturviṃśadvatsaraṃ tu sahasrāṣṭau sa jīvati || 74 ||
Übersetzung: Den Herzkörper mit Gold [vergegenwärtige man] fünfzehn Ghatika. Wer dies vierundzwanzig Jahre tut, lebt achttausend Jahre.
21.75
hṛtpadmakoṭare dhīmān prāsādaṃ śaṅkhasannibham |
tasya madhye tu cātmānaṃ caturthena tu saṃpuṭet || 75 ||
Übersetzung: In der Höhlung des Herzlotus stelle der Verständige Prasada muschelweiß vor. Das Selbst in seiner Mitte umschließe er mit dem vierten [Laut].
21.76
pañcaviṃśadvatsarāṃstu ghaṭikā ṣoḍaśo bhavet |
nava sahasraṃ sa jīveta iti satyaṃ ṣaḍānana || 76 ||
Übersetzung: Fünfundzwanzig Jahre lang, jeweils sechzehn Ghatika: So lebt man neuntausend Jahre. Das ist wahr, o Sechsgesichtiger.
21.77
prāsādaṃ cintayennityaṃ himakundendusannibham |
sa caturthena vai hanta bindunādasamanvitam || 77 ||
Übersetzung: Prasada stelle man stets schnee-, jasmin- und mondweiß vor, mit dem vierten [Laut], verbunden mit Bindu und Nada.
21.78
amṛtena plāvayettatra prāsādaṃ śaśinā yutam |
saptadaśa ghaṭikā dhyāyet ṣaḍviṃśati tu vatsarān || 78 ||
Übersetzung: Dort überflute man Prasada, verbunden mit dem Mond, mit Amrita. Siebzehn Ghatika meditiere man darüber, sechsundzwanzig Jahre lang.
21.79
ayutaṃ jīvati vai tatra mantravīryaprabhāvataḥ |
hṛtpadme maṇḍale tatra kṣetrajñaṃ saṃpuṭennaraḥ || 79 ||
Übersetzung: Dann lebt man durch die Wirkung der Mantrakraft zehntausend Jahre. Im Kreis des Herzlotus umschließe man den Feldkenner.
21.80
prāsādaṃ madhye bhāvayet caturthena tu dhīmatā |
binduyukto tu medhāvī saptaviṃśativatsarān || 80 ||
Übersetzung: Prasada vergegenwärtige der Verständige in der Mitte, mit dem vierten [Laut] und mit Bindu verbunden, während siebenundzwanzig Jahren,
21.81
aṣṭādaśa ghaṭikāsu ekacittena bhāvayet |
ayutaṃ dvisahasraṃ tu sa jīvennātra saṃśayaḥ || 81 ||
Übersetzung: je achtzehn Ghatika, mit einspitzigem Geist. Man lebt dann zwölftausend Jahre, ohne Zweifel.
21.82
kodaṇḍadvayamadhye tu candrāgniravimadhyagam |
prāsādaṃ cintayedvatsa hṛdaye savyamadhyagam || 82 ||
Übersetzung: Zwischen den beiden Kodaṇḍas, inmitten von Mond, Feuer und Sonne, stelle man Prasada vor, mein Kind, im Herzen und in der linken Mitte [Ortsangabe unsicher].
21.83
prajāpaterdvādaśenaiva binduyuktena saṃpuṭet |
japāsumasamaprakhyaṃ nityameva vicintayet || 83 ||
Übersetzung: Mit dem zwölften [Laut] Prajapatis, verbunden mit Bindu, umschließe man es. Stets vergegenwärtige man es leuchtend wie eine Hibiskusblüte.
21.84
prāsādamuccareddhīmān mātrāṣoḍaśameva ca |
- * * * * * * * ekacittena buddhimān || 84 ||
Übersetzung: Der Verständige spreche Prasada über sechzehn Zeiteinheiten aus. [Textlücke] mit einspitzigem Geist.
21.85
ekonaviṃśadghaṭikāmātre caiva sadā nyaset |
pañcadaśa sahasraṃ tu sa jīvati ṣaḍānana || 85 ||
Übersetzung: Während neunzehn Ghatika lege man es beständig auf. So lebt man fünfzehntausend Jahre, o Sechsgesichtiger.
21.86
suṣumnāgre cintayetpadmaṃ aṣṭapatraṃ sakarṇikam |
prāsādaṃ cintayettatra ṣoḍaśasvarabhūṣitam || 86 ||
Übersetzung: An der Spitze der Sushumna stelle man einen achtblättrigen Lotus mit Fruchtboden vor. Darin vergegenwärtige man Prasada, mit den sechzehn Vokalen geschmückt.
21.87
dhyāyedbhṛṅganibhaṃ vatsa śaśinā saṃpuṭetsadā |
binduyuktena vai vatsa caturthena samanvitam || 87 ||
Übersetzung: Man meditiere darüber bienenschwarz, mein Kind, stets vom Mond umschlossen, verbunden mit dem vierten [Laut] und Bindu.
21.88
plāvayedamṛtenaiva āpūrya tu samāhitaḥ |
homakūpeṣu sarveṣu kṛṣṇarūpaṃ vicintayet || 88 ||
Übersetzung: Man überflute es mit Amrita und fülle es gesammelt. In allen „Opfergruben“ [im Kontext möglicherweise Haarporen; die Vorlage liest homakūpa] stelle man die schwarze Gestalt vor.
21.89
mūrdhāditalaparyantamiti kṛṣṇamamṛtaṃ smaret |
palitastambhanaṃ hyetat vatsaraikonaviṃśati || 89 ||
Übersetzung: Vom Scheitel bis zu den Fußsohlen vergegenwärtige man diesen schwarzen Nektar. Dies hält das Ergrauen auf; neunzehn Jahre
21.90
viṃśadghaṭikā nityaṃ tu abhyasetprayato naraḥ |
ayutadvayaṃ sa jīveta brahmacaryavrāte sthitam || 90 ||
Übersetzung: übe der sorgfältige Mensch es täglich zwanzig Ghatika. Fest im Gelübde der Enthaltsamkeit, lebt er zwanzigtausend Jahre.
21.91
suṣumnānte caturaṅgulye śvetapadmaṃ suśobhanam |
śatadalaṃ candrabimbena saṃpuṭīkṛtya buddhimān || 91 ||
Übersetzung: Am Ende der Sushumna, vier Fingermaße [weiter], stelle der Verständige einen herrlichen weißen, hundertblättrigen Lotus vor und umschließe ihn mit der Mondscheibe.
21.92
prāsādaṃ cintayenmadhye amṛtenaiva plāvayet |
kālāgniśivaparyantamiti śvetaṃ vicintayet || 92 ||
Übersetzung: In seiner Mitte vergegenwärtige man Prasada und überflute es mit Amrita. Von Kalagni bis Shiva stelle man alles weiß vor.
21.93
mṛtyuñjayamidaṃ yogaṃ triṃśadvatsaramabhyaset |
jarāmaraṇa nimuktamayutatrayaṃ sa jīvati || 93 ||
Übersetzung: Diesen den Tod überwindenden Yoga übe man dreißig Jahre. Frei von Alter und Tod lebt man dreißigtausend Jahre.
21.94
śaṅkhagokṣīradhavalaṃ sahasradalapadmakam |
ātmānaṃ tatra madhye tu prāsādāgre vicintayet || 94 ||
Übersetzung: Einen tausendblättrigen Lotus, weiß wie Muschel und Kuhmilch, stelle man vor; das Selbst in seiner Mitte, vor beziehungsweise an der Spitze von Prasada.
21.95
saptavargacaturthena bindunāda samanvitam |
candrabimbāmṛtenaiva vigrahaṃ plāvayettataḥ || 95 ||
Übersetzung: Mit dem vierten Laut der siebten Gruppe, verbunden mit Bindu und Nada, und mit dem Nektar der Mondscheibe überflute man dann den Leib.
21.96
pañcatriṃśatsamā vatsa dvātriṃśadghaṭikā smaret |
ayutaṃ caturthakaṃ jīvet dviraṣṭavarṇakṛtiḥ || 96 ||
Übersetzung: Fünfunddreißig Jahre, mein Kind, vergegenwärtige man dies zweiunddreißig Ghatika. Man lebt vierzigtausend Jahre und hat die Erscheinung eines Sechzehnjährigen. [Die Altersangabe ist sprachlich entstellt.]
21.97
tasyordhvaṃ caturaṅgulyaṃ ayutaṃ dalaśobhitam |
tasya madhye tu prāsādaṃ śaśinā saṃpuṭīkṛtam || 97 ||
Übersetzung: Vier Fingermaße darüber [stelle man einen Lotus] mit zehntausend Blättern vor; in seiner Mitte Prasada, umschlossen vom Mond.
21.98
sravantamamṛtaṃ dhyāyet suṣumnā bhinnamastakam |
tena plāvitamātmānaṃ āpūryantaṃ vicintayet || 98 ||
Übersetzung: Man meditiere über den strömenden Nektar, nachdem Sushumna den Scheitel durchbrochen hat. Das eigene Selbst stelle man sich davon überflutet und erfüllt vor.
21.99
dvātriṃśadvatsaraṃ dhyāyet dvātriṃśadghaṭikā (bhavett) bhavet |
ayutaṃ pañcakaṃ jīvennātra kārya vicāraṇā || 99 ||
Übersetzung: Zweiunddreißig Jahre meditiere man, jeweils zweiunddreißig Ghatika. Man lebt fünfzigtausend Jahre; darüber soll kein Zweifel bestehen.
21.100
śatassahasradalaṃ padmamatiśvetaṃ tu nirmalam |
prāsādaṃ cintayedvidvān ātmānaṃ tasya madhyagam || 100 ||
Übersetzung: Einen hunderttausendblättrigen, überaus weißen und reinen Lotus [stelle man vor]. Der Kundige vergegenwärtige Prasada und das eigene Selbst in dessen Mitte.
21.101
śaśinā saṃpuṭīkṛtya yogapīṭhamadhomukham |
sravantamamṛtaṃ dhyāyet āpūrya plāvayedbudhaḥ || 101 ||
Übersetzung: Vom Mond umschlossen, den Yogasitz nach unten gerichtet, meditiere man über den strömenden Nektar; der Verständige fülle und überflute [den Leib] damit.
21.102
pañcatriṃśadvatsaraṃ dhyāyet ghaṭikā tāvadeva tu |
gokṣīradhavalaṃ saumyamāpādatalamadhyagam || 102 ||
Übersetzung: Fünfunddreißig Jahre meditiere man ebenso viele Ghatika; weiß wie Kuhmilch, sanft und mondhaft, bis zu den Fußsohlen [reichend],
21.103
āpūryaṃ cintayedyogī lakṣamekaṃ sa jīvati |
recakaṃ tu parityajya pūrakaṃ tu sadābhyaset || 103 ||
Übersetzung: stelle der Yogi sich erfüllt vor. So lebt er hunderttausend Jahre. Die Ausatmung lasse man los und übe beständig die Einatmung.
21.104
kiñcinnirvyāṇa māyāntamatha sā mṛtyunāśanam |
ātmanāsikayābhyantaṃ jaṭharābhyantarāntakam || 104 ||
Übersetzung: Mit geringer Ausströmung bis zum Maya-Endpunkt [unsichere Lesung]: Dies vernichtet den Tod. Von der eigenen Nasenöffnung bis ins Innere des Bauches
21.105
sphaṭika prathamaṃ sūkṣmamādhāraṃ cintayedbudhaḥ |
tasya madhye tu cātmānaṃ śaśinā saṃpuṭīkṛtam || 105 ||
Übersetzung: stelle der Verständige die erste feine, kristallgleiche Grundlage vor; in ihrer Mitte das eigene Selbst, vom Mond umschlossen.
21.106
samarasaṃ bhāvayettatra mṛtyunāśanamuttamam |
khamadhye kurucātmānaṃ ātmamadhye tu khaṃ kuru || 106 ||
Übersetzung: Dort vergegenwärtige man Samarasa, den einen Geschmack: die höchste Überwindung des Todes. Versetze das Selbst inmitten des Raumes und den Raum inmitten des Selbst.
21.107
aśarīrātmakaḥ kṛtvā na kiñcit vicintayet |
sākṣānmṛtyuñjayo yogo mahāpralayaṃ sa jīvati || 107 ||
Übersetzung: Nachdem man sich als körperlos vergegenwärtigt hat, denke man an nichts mehr. Dies ist unmittelbar der den Tod überwindende Yoga; man lebt bis zur großen Weltauflösung.
21.108
raktabudbudasaṃkāśamākāśaṃ bindudaivakam |
samarasī bhāvayedyogī tena mṛtyuvināśanam || 108 ||
Übersetzung: Den Raum, einer roten Blase gleich, mit Bindu als Gottheit, vergegenwärtige der Yogi als einen Geschmack. Dadurch wird der Tod vernichtet.
21.109
- * * * * * * * uttare nara?sannibham |
samarasaṃ bhāvayogī mṛtyunāśanam || 109 ||
Übersetzung: [Textlücke] im Norden beziehungsweise darüber, einem Menschen gleich [bereits in der Vorlage fraglich]; durch den Yoga des einen Geschmacks [erfolgt] die Vernichtung des Todes.
21.110
kadambagolakākāraṃ raktabudbudasannibham |
tasya madhye tu cātmānaṃ satataṃ bhāvayedbudhaḥ || 110 ||
Übersetzung: Rund wie eine Kadamba-Blüte und einer roten Blase gleich [sei das Meditationsbild]. In seiner Mitte vergegenwärtige der Verständige beständig das eigene Selbst.
21.111
- * * * * * * * * * na kiñcidapi cintayet |
mṛtyuñjayaṃ paraṃ hyetat ambaratvamavāpnuyāt || 111 ||
Übersetzung: [Textlücke] denke man an gar nichts. Dies ist die höchste Überwindung des Todes; man erlangt das Wesen des Raumes.
21.112
acchasphaṭika saṃkāśaṃ bindurī(ru)pamanaupamam |
samarasībhāvayogena mṛtyunāśanamuttamam || 112 ||
Übersetzung: Die unvergleichliche Bindu-Gestalt, reinem Kristall gleich: Durch den Yoga des einen Geschmacks geschieht die höchste Überwindung des Todes.
21.113
gokṣīra dhavala prakhyaṃ bindurūpaṃ sunirmalam |
madhyadehe tu satataṃ samarasaṃ bhāvayedbudhaḥ || 113 ||
Übersetzung: Die vollkommen reine Bindu-Gestalt, weiß wie Kuhmilch, vergegenwärtige der Verständige beständig in der Körpermitte als einen Geschmack.
21.114
eṣamṛtyuñjayo yogamajarājaramāpnuyāt |
culukāṃ vā pibetprātaḥ somāmṛtajaloṣitam || 114 ||
Übersetzung: Dies ist der den Tod überwindende Yoga; man erlangt Freiheit vom Alter [der Ausdruck ist verdoppelt und entstellt]. Oder man trinke morgens eine Handvoll Wasser, das vom Mondnektar durchdrungen ist.
21.115
dhyātvā prāsādamamṛtaṃ mṛtyuṃ jitvā na saṃśayaḥ |
svareṇa peṣayeccandraḥ candramadhye śivaṃ bhavet || 115 ||
Übersetzung: Über das unsterbliche Prasada meditierend, besiegt man den Tod, ohne Zweifel. Mit dem Vokal [bearbeite beziehungsweise verdichte] man den Mond; inmitten des Mondes sei Shiva.
21.116
śivamadhyena? cātmānamabhyasenmadhya śuke? |
recakaṃ pūrakaṃ tyajya kumbhakaṃ tu samabhyaset? || 116 ||
Übersetzung: Inmitten Shivas übe man das eigene Selbst zu vergegenwärtigen [weiterer Ausdruck unsicher]. Ausatmung und Einatmung lasse man los und übe Kumbhaka. [Der Satz ist in der Vorlage mit Fragezeichen versehen.]
21.117
smarasīndramavasthāya mṛtyunāśanamuttamam |
akāraṃ mūrdhni vinyasya ākāraṃ tu lalāṭako || 117 ||
Übersetzung: Im Zustand des einen Geschmacks verweilend, [erlangt man] die höchste Überwindung des Todes. Den A-Laut lege man auf den Scheitel, Ā auf die Stirn.
21.118
i ī ca kṣudvaye nyasya u ū śra * *? yornyaset |
ṛ ṝ sā?mādvaye nyasya ḷ ḹ gaṇḍaṃdvaye nyaset || 118 ||
Übersetzung: I und Ī lege man auf beide Augen [Lesung entstellt], U und Ū auf beide Ohren [Text beschädigt], Ṛ und Ṝ auf beide Nasenseiten [Lesung unsicher], Ḷ und Ḹ auf beide Wangen.
21.119
e ai loludvaye nyasya o au oṣṭhadvaye nyaset |
aṃ aḥ dantadvaye nyasya * *? taṃ vinyasedbudhaḥ || 119 ||
Übersetzung: E und Ai lege man auf die beiden [Lolu; unklare Körperstellen], O und Au auf beide Lippen, Aṃ und Aḥ auf beide Zahnreihen; [ein weiteres Zeichen] lege der Verständige auf.
21.120
kavargaṃ dakṣiṇahaste cavargaṃ vāmake nyaset |
ṭavargaṃ dakṣiṇe pārśva?mavargaṃ vāmapādake || 120 ||
Übersetzung: Die Ka-Gruppe lege man auf die rechte Hand, die Cha-Gruppe auf die linke, die retroflexe Ta-Gruppe auf die rechte Seite [in der Vorlage fraglich] und die Ma-Gruppe auf den linken Fuß. [Die letzte Lautgruppe ist auffällig.]
21.121
papau dakṣiṇapārśve tu babhau vai vāmapārśvake |
hakāraṃ hṛdaye nyasya makāraṃ nābhideśataḥ || 121 ||
Übersetzung: Pa und Pa [die Vorlage verdoppelt Pa] lege man auf die rechte Seite, Ba und Bha auf die linke, Ha auf das Herz und Ma in die Nabelgegend.
21.122
yakāraṃ tvakpradeśeṣu rephaṃ rudhiradeśataḥ |
lakāraṃ māṃsadeśe tu vakāraṃ medadeśake || 122 ||
Übersetzung: Ya lege man auf die Haut, Ra auf das Blut, La auf das Fleisch und Va auf das Fett.
21.123
śakāramasthideśe tu ṣakāraṃ majjadeśataḥ |
sakāraṃ śuklamityuktaṃ hakāraṃ meḍhradeśataḥ || 123 ||
Übersetzung: Sha lege man auf die Knochen, das retroflexe Sha auf das Mark, Sa auf den Samen und Ha auf den Genitalbereich.
21.124
lakāraṃ vṛṣaṇayornyasya vakāraṃ pādamadhyage |
binduyuktena sarvaṃ tu nyasedetā nanukramāt || 124 ||
Übersetzung: La lege man auf beide Hoden, Va in die Mitte der Füße. Alle diese Laute lege man der Reihe nach mit Bindu verbunden auf.
21.125
evaṃ tyaktvā vidhānena paścāddhyānaṃ samārabhet |
sarvakarmasu medhāvī mātṛkāṃ nyasya tattvataḥ || 125 ||
Übersetzung: Nachdem man so nach Vorschrift losgelassen hat [möglicherweise ist „aufgelegt“ gemeint], beginne man die Meditation. Bei sämtlichen Handlungen lege der Kundige die Matrika ihrem Wesen gemäß auf:
Unnummerierte Passage: arcanaṃ japanaṃ dhyānasamādhiṃ hutameva ca |
Übersetzung: bei Verehrung, Rezitation, Meditation, Samadhi und Feueropfer.
iti kālottare ayutakṣayasaṃhitāyāṃ kālacakrapaṭalaḥ ekaviṃśatiḥ || 21 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara, in der als Ayutakshaya-Samhita bezeichneten Sammlung [auffällige Lesung] das Kapitel 21 über „Das Rad der Zeit“.
Kapitel 22 – Sparsha-Yoga und die zehn Lebenswinde
22.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
sparśayogaṃ pravakṣyāmi bhāvayoga samādhanam? |
sarvavyāpivaraṃ? śubhraṃ vayasaḥ sthāpanaṃ param || 1 ||
Übersetzung: Heil und Segen! Ishvara sprach: Ich werde den Sparsha-Yoga erklären, die Sammlung durch vergegenwärtigenden Yoga [Lesung fraglich], rein, alldurchdringend und vorzüglich, der das Lebensalter festhält.
22.2
valīpalīmalāśaṃ ca sadā saumyāyavardhanam |
yadvayasi sparśābhya? vapanabījaḥ? padyanana || 2 ||?
Übersetzung: Er beseitigt Falten und Ergrauen und mehrt beständig die lichte Lebensdauer. In welchem Alter man diesen Sparsha-[Yoga] übt [der Rest ist beschädigt],
22.3
tadvayasi medhāvi? nātra kāryā vicāraṇā |?
kaliyuge * * *? tu śāstrokta tu samārabhet || 3 ||
Übersetzung: in diesem Alter [verbleibt] der Verständige; darüber soll kein Zweifel bestehen. Im Kali-Zeitalter [Textlücke] beginne man das von der Schrift Gelehrte.
22.4
ṣaḍaṃśe dvāpare proktaṃ tretāyāṃ tu triṃśakam |
kṛtayuge siddhimāpnoti śāstroktaṃ ca na saṃśayaḥ || 4 ||
Übersetzung: Im Dvapara ist ein Sechstel genannt, im Treta ein Dreißigstel; im Krita-Zeitalter erlangt man die schriftgemäße Vollendung, ohne Zweifel. [Der Vergleichsmaßstab fehlt.]
22.5
śubhadeśe tu vai vatsa samaṃ kṛtvā prayatnataḥ |
naimiśe puṣkare vāpi kurukṣetre sukhaprade || 5 ||
Übersetzung: An einem glückbringenden Ort, mein Kind, ebne man den Boden sorgfältig: in Naimisha, Pushkara oder im freudebringenden Kurukshetra,
22.6
gaṅgādvāre prayāge vā gaṅgāsāgarasaṃgame |
aṣṭabhāse prabhāse vā devadāruvane'pi vā || 6 ||
Übersetzung: in Gangadvara, Prayaga, an der Mündung der Ganga ins Meer, in Ashtabhasa, Prabhasa oder im Devadaru-Wald,
22.7
kailāsamandare vāpi meruparvatamastake |
himavaddhemakūṭe ca niṣedhe nīlaparvate || 7 ||
Übersetzung: auf Kailasa oder Mandara, auf dem Gipfel des Meru, im Himalaya, auf Hemakuta, Nishadha oder dem Blauen Berg,
22.8
mahendramalaye sahye vindhyaparvatamastake |
śrīśailesvāmiśaile vā godāvaryāṃ sarasvatau || 8 ||
Übersetzung: auf Mahendra, Malaya, Sahya, auf dem Vindhya-Gipfel, auf Shrishaila oder Svamishaila, an Godavari oder Sarasvati,
22.9
gokarṇe śaṅkukarṇe vā kanyātīrthe tu kārayet |
sindhusarastīre vā sarasvatyāstaṭepi vā || 9 ||
Übersetzung: in Gokarna, Shankukarna oder Kanyatirtha, am Ufer eines Sindhu-Sees oder am Ufer der Sarasvati
22.10
- * * * * * * * samādhisthānamārabhet |
brāhmaṇasya mahīśvetā raktabhūmistu bhūpateḥ || 10 ||
Übersetzung: [Textlücke] richte man einen Ort des Samadhi ein. Für den Brahmanen sei der Boden weiß, für den König rot,
22.11
vaiśyasya vasudhā pītāṃ kṛṣṇabhūmiścaturthake |
viprasya ghṛtagandhātu raktagandhā nṛpasya tu || 11 ||
Übersetzung: für den Vaishya gelb, für den vierten Stand schwarz; für den Brahmanen nach geklärter Butter duftend, für den König nach Blut,
22.12
vaiśyasya mūtragandhā tu śūdraṃ viṣṭenugandhinī |
varṇaṃ gandhaṃ rasaṃ jñātvā yogaveśma samārabhet || 12 ||
Übersetzung: für den Vaishya nach Urin, für den Shudra nach Kot. Hat man Farbe, Geruch und Geschmack erkannt, beginne man das Yoga-Haus zu errichten.
22.13
dīkṣāsthānaṃ śivasthānaṃ snapanasthānameva ca |
yogasthānāni sarvāṇi vidhireṣa prakīrtitaḥ || 13 ||
Übersetzung: Für Einweihungsort, Shiva-Stätte, Ort der Begießung und sämtliche Yoga-Orte ist diese Vorschrift gelehrt.
22.14
prāsāda maṇḍapaṃ vāpi kūṭaṃ vā gṛhameva vā |
tribhūmiṃ vā dvibhūmiṃ vā ekabhūmimathāpi vā || 14 ||
Übersetzung: Man errichte ein Heiligtum, einen Pavillon, eine Halle oder ein Haus, dreistöckig, zweistöckig oder einstöckig,
22.15
mṛdadādṛṣṭayā keśairvā kārayedbhavanaṃ śubham |
kavāṭārgalasaṃyuktaṃ prākārairdīrghakairyutam || 15 ||
Übersetzung: aus Erde, [weiteren entstellt genannten Baustoffen] ein gutes Gebäude mit Türen und Riegeln und langen Umfassungsmauern.
22.16
kusumadrumasaṃkīrṇaṃ panasāmrādibhiryutam |
nālikeraiḥ kamukaiśca puṃnāgavakulairyutam || 16 ||
Übersetzung: Es sei von blühenden Bäumen erfüllt, mit Jackfrucht-, Mango-, Kokos-, Areka-, Punnaga- und Bakula-Bäumen,
22.17
śamī bilvapalāśādyaiḥ kuśākāśādibhiryutam |
gāvo vaseyuḥ saptāhaṃ mapatirdaśabhirnava || 17 ||
Übersetzung: mit Shami, Bilva, Palasha, Kusha- und Kasha-Gras und Weiterem. Kühe sollen dort sieben Tage verweilen; [die weitere Zahlenangabe mit zehn und neun ist entstellt].
22.18
lakṣmīkhacitacaityādi agre corādivarjitam |
uttare tu jalagrāmaṃ paścime padmamaṇḍapam || 18 ||
Übersetzung: Vorn seien mit Lakshmi geschmückte Heiligtümer und keine Diebe; nördlich eine Wasseranlage, westlich ein Lotuspavillon,
22.19
dakṣiṇe tu bahisthānaṃ satyasthānaṃ tu pūrvake |
barbaraiśca pulindaiśca kirātaiśca vivarjitam || 19 ||
Übersetzung: südlich der äußere Platz, östlich die Stätte der Wahrheit [Bezeichnungen unsicher]. Der Ort sei frei von Barbaras, Pulindas und Kiratas. [Dies sind ausschließende Gruppenbezeichnungen der historischen Quelle.]
22.20
kuthacelājināstīrṇaṃ prāṅmukho vāpyudaṅmukhaḥ |
- sti? tvāsanaṃ baddhā nāḍīśodhanamārabhet || 20 ||
Übersetzung: Auf einer Unterlage aus Teppich, Tuch und Fell, nach Osten oder Norden gewandt, nehme man eine feste Sitzhaltung ein und beginne die Reinigung der Nadis.
22.21
urusthottānacaraṇaḥ savye nyasyetaraṃ karaḥ |
tālusthā calajihvā ca saṃvṛtāsyaḥ suniścayaḥ || 21 ||
Übersetzung: Die Füße liegen nach oben gewandt auf den Oberschenkeln, die eine Hand in der linken; die Zunge ruht unbewegt am Gaumen, der Mund ist geschlossen und die Haltung fest.
22.22
nāsāgradiksamāsīno dantairdantena saṃspṛśan |
praṇipatya śivaṃ śāntaṃ yogīndraḥ śaśiśekharam || 22 ||
Übersetzung: Mit dem Blick zur Nasenspitze sitze man, die Zähne leicht aufeinandergelegt. Der vorzügliche Yogi verneige sich vor dem friedvollen Shiva, der den Mond als Kopfschmuck trägt,
22.23
bhavaṃ bhavakaraṃ yogamārabhedanupūrvaśaḥ |
nāsāgre śaśabhṛdbimbaṃvat jyotsnājālavitānitam || 23 ||
Übersetzung: vor Bhava, der das Dasein hervorbringt, und beginne den Yoga der Reihe nach. An der Nasenspitze [vergegenwärtige man] die Mondscheibe, ein Netz von Mondlicht ausbreitend.
22.24
nīya turīyasaṃyuktaṃ candramadhye tu saṃsthitam |
pañcākṛtyātha niṣkramya iḍayā varmaṇā saha || 24 ||
Übersetzung: Inmitten des Mondes befindet sich [ein beschädigt bezeichneter Laut], verbunden mit dem vierten. Nach fünffachem [Vollzug] trete man durch Ida ein, verbunden mit dem Panzer-Mantra.
22.25
āpūryaṃ recayetpaścāt piṅgāyā cāgnivarmaṇā |
yaddvitīyaṃ binduyuktaṃ trikoṇe analāyute || 25 ||
Übersetzung: Nach dem Einfüllen atme man durch Pingala und den Feuerpanzer aus. Den zweiten [Laut], verbunden mit Bindu, [vergegenwärtige man] im feuererfüllten Dreieck.
22.26
pūrvavatpurato dhyātvā jvarajvālāvalīyutam |
pūrvavatpūrayennāḍyā prāṇaṃ dakṣiṇayā guha || 26 ||
Übersetzung: Wie zuvor meditiere man vor sich über die Flammenreihe der Hitze und fülle wie zuvor Prana durch die rechte Nadi ein, o Guha.
22.27
tadvadvirecayetpaścāt iḍāyāṃ śanakaiḥ kramāt |
tricatuḥ savanaṃ māsaṃ pakṣaṃ vai māsamabhyaset || 27 ||
Übersetzung: Ebenso atme man danach durch Ida langsam und allmählich aus. Drei- oder viermal täglich übe man eine Monatshälfte oder einen Monat. [Die Vorlage wiederholt „Monat“ und ist syntaktisch unregelmäßig.]
22.28
nāḍīviśuddhimāpnoti pṛthak cihnopalakṣitam |
īṣadvaiśeṣikopāyaṃ mānasapraṇavena ca || 28 ||
Übersetzung: So erlangt man die Reinigung der Nadis, erkennbar an besonderen Zeichen. Als leicht abweichendes Mittel [dient] der geistig rezitierte Pranava.
22.29
recakādyāṃśca krama? pūrvavatsatato'nyathā |
māsatrikaṃ triṣavaṇeṣvanayā śuddhirīritā || 29 ||
Übersetzung: Ausatmung und die folgenden Schritte vollziehe man der Reihe nach wie zuvor oder entsprechend der Abwandlung. Durch drei Monate, dreimal täglich, wird diese Reinigung gelehrt.
22.30
śarīralaghutādīptiḥ vahnau jaṭharavarjitaḥ |
jñānābhivyaktirityetacchinnaṃ tacchuddhisūcakam || 30 ||
Übersetzung: Leichtigkeit und Strahlen des Körpers, [eine beschädigte Angabe zum Verdauungsfeuer] und das Offenbarwerden der Erkenntnis: Dies sind Zeichen der Reinigung.
22.31
i *? śuddhā likhāntasthā nāḍīmārgo jitānasaḥ |
- * * na? samānastu vyāno'thodāna eva ca || 31 ||
Übersetzung: [Beschädigter Satz über] die gereinigten inneren Nadi-Wege und die Beherrschung [der Winde]. [Prana und Apana fehlen teilweise], Samana, Vyana und Udana,
22.32
kalā? karmaśca kṛkaro devadatto dhanañjayaḥ |
eteṣāṃ vijayaṃ vatsa * * * * * * rṇakān || 32 ||
Übersetzung: [Naga und Kurma sind entstellt], Krikara, Devadatta und Dhananjaya: Ihre Beherrschung, mein Kind, [Textlücke].
22.33
prāṇe ** bhināsābhūpādāṅguṣṭhāntagocarā |
nīlavarṇapratīkāśaṃ rephādi bindusaṃyutam || 33 ||
Übersetzung: Prana reicht [vom Herzen; Textlücke] über Nabel, Nase und Augenbrauen bis zu den großen Zehen. Dunkelblau stelle man [seine Lautgestalt] vor, mit Ra beginnend und mit Bindu verbunden.
22.34
hṛdādisthānayogena pādāṅguṣṭhāntarecakam |
recakaṃ pūrvakaṃ caiva kumbhakaṃ tu sadābhyaset || 34 ||
Übersetzung: Durch Verbindung der Stätten vom Herzen an vollziehe man die Ausatmung bis zum Ende der großen Zehen. Ausatmung, Einatmung und Atemanhalten soll man beständig üben.
22.35
prathamaṃ dvātriṃśamātraṃ tu pūrakaṃ cābhyasedbudhaḥ |
kumbhakastu catuṣṣaṣṭidivasaḥ śiva saṃyutam || 35 ||
Übersetzung: Zuerst übe der Verständige die Einatmung während zweiunddreißig Zeiteinheiten. Das Atemanhalten betrage vierundsechzig, mit Shiva verbunden. [Die Vorlage fügt unverbunden „Tag“ ein.]
22.36
kumbhakām dviguṇaṃ recakaṃ śanaireva virecayet |
- * * * samabhyasya dviguṇaṃ punarācaret || 36 ||
Übersetzung: Die Ausatmung sei doppelt so lang wie das Atemanhalten; man atme nur langsam aus. [Textlücke] nach der Übung vollziehe man erneut das Doppelte.
22.37
caturthe vatsare vatsa dvātriṃśadgururācaret |
pañcame vatsaremantrī catuṣṣaṣṭiguṇaṃ bhavet || 37 ||
Übersetzung: Im vierten Jahr, mein Kind, [übe man] zweiunddreißigfach; im fünften Jahr vollziehe der Mantrapraktizierende es vierundsechzigfach.
22.38
sarvaprāṇajayopāyaṃ varṣitaṃ hi ṣaḍānana |
marūdvijayamārgeṇa vikalpaṃ keśavena ca || 38 ||
Übersetzung: Das Mittel zur Beherrschung aller Pranas ist beschrieben, o Sechsgesichtiger. Auf dem Weg zur Beherrschung des Windes [folgt] eine von Keshava [gelehrte] Abwandlung.
22.39
aṅguṣṭhānābhināsāgraṃ sthāneṣveṣvapi dhāraṇam |
gatyāgatiprayogo'yaṃ pūrvavatkramaśo'param || 39 ||
Übersetzung: Große Zehe, Nabel und Nasenspitze: An diesen Stätten vollziehe man die Konzentration. Diese Anwendung des Hin- und Hergehens erfolgt wie zuvor, nacheinander und darüber hinaus.
22.40
pūrakādivivṛddhyā tadrecakāgrāsa saṃśriyān |
uktaḥ kramāddvivarṣo'yaṃ keśavenānuvarṇitam || 40 ||
Übersetzung: Durch Steigerung der Einatmung und der folgenden Schritte [bis zur Aufnahme an der Ausatmungsgrenze; Lesung unsicher] wird dieser zweijährige Ablauf von Keshava beschrieben.
22.41
kṛṣṇaḥ kāniṣṭhakaḥ punā?yupārṣṇiṃ samāśritam |
vi * *? jānugulphaṃ ca ubhau sandhiśca pṛṣṭhasau || 41 ||
Übersetzung: Schwarz, der geringste [Wind beziehungsweise Laut], an After und Ferse [ansetzend]; Knie, Knöchel, beide Gelenke und Rücken [Text beschädigt].
22.42
- ? pratilomasthaḥ pṛṣṭhe binduniyojitaḥ |
- *? tu saṃyuktaḥ pūrakādīn sa pūrvavat || 42 ||
Übersetzung: [Textlücke] in umgekehrter Richtung am Rücken, mit Bindu verbunden, [Textlücke] verbunden: Einatmung und Weiteres wie zuvor.
22.43
- *? kādikayājjñeyo vālaprastho niyogataḥ |
a * * kaṃ? śavo'pyevamabhyāsaḥ parigīyate || 43 ||
Übersetzung: [Beschädigter Vers über die Kenntnis einer Technik und eine Vorgabe:] Auch von Keshava wird diese Übung so besungen.
22.44
gatātmaniḥ? prayogo vā rogavān sthānayogataḥ |
iti recakaḥ prasthānaḥ? pūrake haṃsasaṃśriyāt || 44 ||
Übersetzung: Eine Anwendung beim [entstellt bezeichneten Selbstzustand] oder bei Krankheit, entsprechend der jeweiligen Körperstätte: So [wird] die Ausatmung [beschrieben]; bei der Einatmung nimmt man zu Hamsa Zuflucht. [Der Wortlaut trägt mehrere Fragezeichen.]
22.45
vijayopāya ityāhaṃ īśvaraḥ śivasaṃyutaḥ |
hṛnnābhiḥ sarvasiddhisthaḥ kaṭikūrparajānukaḥ || 45 ||
Übersetzung: „Dies ist das Mittel zur Beherrschung“, sage ich, Ishvara, mit Shiva verbunden. Herz, Nabel, sämtliche [Gelenk-]Stätten, Hüfte, Ellenbogen und Knie,
22.46
dvātriṃśatsandhideśeṣu śuklavarṇaḥ prakīrtitaḥ |
saumyanbī?jasamopetaṃ prāsādaṃ bindusaṃyutam || 46 ||
Übersetzung: die zweiunddreißig Gelenkstellen: Weiß wird [die zugehörige Gestalt] beschrieben, mit der Mond-Keimsilbe, Prasada und Bindu verbunden.
22.47
samādhisthāna saṃrodho *? ne vijayavarṇitam |
anārataḥ kriyāyogāt recakaḥ pūrvayoḥ kramāt || 47 ||
Übersetzung: Das Festhalten an der Samadhi-Stätte [Textlücke] wird als Beherrschung beschrieben. Durch ununterbrochene Übung von Aus- und Einatmung der Reihe nach
22.48
hastamātradvayādyāti vijayaṃ śīghrameva ca |
hṛtkaṇṭhatālubhrūmadhye karṇayorakṣayorapi || 48 ||
Übersetzung: erlangt man von zwei Hasta [Ausdehnung] an rasch die Beherrschung. Herz, Kehle, Gaumen, Augenbrauenmitte, beide Ohren und Augen,
22.49
mūrdhnā tu kāṭikaḥ pṛṣṭhaḥ iti saṃsthānilohitaḥ |
prasādena tu saṃyuktaḥ anilāttu tṛtīyakaḥ || 49 ||
Übersetzung: Scheitel, Hüfte und Rücken: Dort befindet sich der rötliche [Wind beziehungsweise Laut], verbunden mit Prasada und dem dritten aus der Wind-[Gruppe].
22.50
pārśvayorubhayorvatsa hastayorubhayorapi |
karayorubhayoścaiva kakṣayorubhayorapi || 50 ||
Übersetzung: An beiden Seiten, mein Kind, an beiden Händen, an beiden Armen und an beiden Achseln:
22.51
udānasthānamevaṃ tu varṇarūpamathā śṛṇu |
bhṛṅgavarṇaṃ udānastu yakārasthottaradvayam || 51 ||
Übersetzung: So sind die Stätten Udanas beschrieben. Höre nun seine Farbe und Gestalt: Udana ist bienenschwarz, [verbunden mit] den beiden auf Ya folgenden [Lauten].
22.52
jaṅghoru maṇibāhū ca kaṇṭhakūpe hṛdi sthitaḥ |
na? kukṣiśca pṛṣṭhaśca sarvāṅgasarvasandhiṣu || 52 ||
Übersetzung: In Unterschenkeln, Oberschenkeln, Handgelenken und Armen, in Kehlgrube und Herz, in Bauch und Rücken, in sämtlichen Gliedern und Gelenken [befindet sich der nächste Wind].
22.53
ikāraṃ raktavarṇaṃ tu śivena tu samāyutam |
pūrvatpūrakaṃ caiva recakaṃ kumbhakaṃ tu vā || 53 ||
Übersetzung: Den I-Laut stelle man rot vor, mit Shiva verbunden. Wie zuvor [übe man] Einatmung, Ausatmung und Atemanhalten.
22.54
gatyāgatiprayogeṇa vyānodānajayaṃ bhavet |
yakārādicaturthaṃ tu bhāntameva tu pañcamam || 54 ||
Übersetzung: Durch die Anwendung des Hin- und Hergehens erlangt man die Beherrschung von Vyana und Udana. Den vierten von Ya an, den bis Bha reichenden fünften [Laut; Zuordnung beschädigt],
22.55
prāṇādibījasaṃyuktaṃ prāsādena na saṃśayaḥ |
prāsādena tu devena nāthādivijayaṃ kuru || 55 ||
Übersetzung: verbunden mit den Keimsilben von Prana und den anderen sowie mit Prasada, ohne Zweifel. Durch den göttlichen Prasada vollziehe die Beherrschung von Natha und den weiteren [möglicherweise Naga; Lesung unsicher].
22.56
pūrakaṃ kumbhakaṃ caiva recakaṃ ca tathā kuru |
pratilomakramaṃ kuryāt keśavasya tu dhīmataḥ || 56 ||
Übersetzung: Einatmung, Atemanhalten und Ausatmung vollziehe so. Die umgekehrte Reihenfolge vollziehe man nach dem weisen Keshava.
22.57
hṛtkaṇṭhanābhi cakṣūṣi sarvāṅgaṃ ca dhanañjayaḥ |
sarvavāyujayamicchet vidyābhyāsaprayogataḥ || 57 ||
Übersetzung: Dhananjaya befindet sich in Herz, Kehle, Nabel, Augen und im ganzen Körper. Die Beherrschung aller Winde erstrebe man durch die Anwendung der Vidya-Praxis.
22.58
prāṇāvṛttimapānena saṃyojyotkṛṣya saṃhṛdi |
udānamānīya tatraiva vyānena tu samanvitam || 58 ||
Übersetzung: Man verbinde den Umlauf Pranas mit Apana, ziehe ihn empor und sammle ihn im Herzen; Udana führe man dorthin, verbunden mit Vyana.
22.59
samānaṃ tatra vānīya nāgaṃ kūrmaṃ tathaiva ca |
kṛkaraṃ devadattaṃ ca dhanañjaya kṛṣyatattvavit || 59 ||
Übersetzung: Ebenso führe der Tattva-Kundige Samana, Naga, Kurma, Krikara, Devadatta und Dhananjaya herbei.
22.60
- * * * * * * * prāsādena samanvitam |
karṇatālumukhaṃ * * * * * * * * * * || 60 ||
Übersetzung: [Textlücke], mit Prasada verbunden; Ohr, Gaumen, Mund [der übrige Vers fehlt].
22.61
nāsāgranetraṃ bhrūmadhye lalāṭataṭamūrdhani |
kṛtvā kuryāttadūrdhvaṃ vai sarvaśaktiṃ nayetpunaḥ || 61 ||
Übersetzung: An Nasenspitze, Augen, Augenbrauenmitte, Stirn und Scheitel [lege man sie] und führe darüber hinaus wieder die gesamte Shakti.
22.62
bindunādaṃ na * * * * * * * * * |
tato nayecchivapadaṃ śāśvataṃ mokṣamavyayam || 62 ||
Übersetzung: Bindu und Nada [Textlücke]; dann führe man [sie] zu Shivas Stätte, zur ewigen, unvergänglichen Befreiung.
22.63–64
ityevaṃ sarvavāyūnāṃ yugapajjayamārgataḥ |
pavanaṃ jayamārgo'yaṃ tantre'smin vijaye pare || 63 |
saptamārgaprakāraṃ tu sparśayogaḥ pravakṣyate |
pūrakaṃ recakaṃ caiva kumbhako'pyadhare paraḥ || 64 ||
Übersetzung: So geschieht die gleichzeitige Beherrschung aller Winde. Dies ist der Weg zur Beherrschung des Windes in diesem Tantra der höchsten Überwindung. Der Sparsha-Yoga wird in sieben Arten gelehrt: Einatmung, Ausatmung, Atemanhalten, der untere und der obere [Vollzug]. [Diese Einheit umfasst die Quellenummern 63 und 64.]
22.65
pratyāhāro nirodhaśca svabhedāstvabhisaṃmatāḥ |
nāsāmukhairbrahmarandhraiḥ yadvāyuṃ pūrayediha || 65 ||
Übersetzung: Pratyahara und Nirodha gelten als weitere Unterscheidungen. Durch Nase, Mund oder Brahmarandhra füllt man den Wind ein.
22.66
koṇasya pūrakaṃ vāyuprāsādena samāhitaḥ |
deśakalādyavacchinnaṃ kartavyo vijitātmanā || 66 ||
Übersetzung: [Dies ist] die Einatmung des Windes im Winkelbereich, gesammelt mit Prasada. Sie soll durch den Selbstbeherrschten nach Ort und Zeit begrenzt ausgeführt werden.
22.67
saṃpūrṇakumbhavadvāyuḥ aṅguṣṭhānmūrdhnideśataḥ |
kumbhakaṃ tu sa vijñeyaḥ sparśayoge tu saptamam || 67 ||
Übersetzung: Wie ein ganz gefüllter Krug ist der Wind von den großen Zehen bis zum Scheitel. Dies erkenne man als Kumbhaka; im siebenfachen Sparsha-Yoga [ist es eine der Formen; die Vorlage liest „das siebte“].
22.68
mūrdhni lalāṭabhrūmadhya * *? tālurandhrayoḥ |
karṇahṛjjaṭhara nābhigalemeḍhre ca māmuni? || 68 ||
Übersetzung: Scheitel, Stirn, Augenbrauenmitte, [Textlücke], Gaumenöffnung, Ohren, Herz, Bauch, Nabel, Kehle und Glied [bilden die folgende Stättenreihe].
22.69
jaṭhare sphico ca caraṇāṣaḍguṣṭhau recayetkramāt |
kumbhakāttriguṇaḥ vatsa ṣaḍguṇaṃ navaguṇaṃ tu vā || 69 ||
Übersetzung: Durch Bauch, Gesäß, Füße und große Zehen atme man der Reihe nach aus. Die Ausatmung sei dreimal, sechsmal oder neunmal so lang wie Kumbhaka, mein Kind,
22.70
dvādaśaṃ ṣoḍaśaṃ vāpi vatsarādrecayet kramāt |
apāmātpūrakastadvat kumbhakasthaṃ tirodhanāt || 70 ||
Übersetzung: oder zwölf- oder sechzehnmal, im Verlauf der Jahre allmählich gesteigert. Ebenso [verfahre man] mit der Einatmung von Apana aus, durch das Zurückziehen in den Kumbhaka-Zustand. [Der letzte Halbvers ist unsicher.]
22.71
nābhihṛtkaṇṭhadeśeṣu kālasaṃkhyā samanvitaḥ |
vānaprasthaścārdanokta rūpamakumbhaḥ prakīrtitaḥ || 71 ||
Übersetzung: In Nabel-, Herz- und Kehlgegend, mit einer bestimmten Zeitdauer verbunden, [folgt eine beschädigte Bezeichnung einer Kumbhaka-Art].
22.72
recitasya bahiḥ kumbho vāyukumbho vanomataḥ? |
apānādūrdhvamākṛṣya hṛdayādiṣu dhāraṇam || 72 ||
Übersetzung: Das äußere Anhalten nach dem Ausatmen ist der äußere Wind-Kumbhaka [letzter Ausdruck fraglich]. Von Apana aufwärts ziehe man [den Wind] und halte ihn im Herzen und den weiteren Stätten.
22.73
uttarastu sa vijñeyo viparītastato'dharaḥ |
aṅguṣṭhādi ca mūrdhāntaṃ pūrvoktasthānamāgataḥ || 73 ||
Übersetzung: Dies ist als der obere Vollzug zu erkennen, das Umgekehrte als der untere. Von der großen Zehe bis zum Scheitel gelangt man zu den zuvor genannten Stätten.
22.74
- ?nātsthānāntarotkarṣaḥ pratyāhāro nigadyate |
dehaṃ vāsāntaraṃ vyāptaṃ nirvāṇe tu layaṃ gataḥ || 74 ||
Übersetzung: Das Heraufziehen von einer Stätte zur anderen heißt Pratyahara. Den Leib beziehungsweise dessen Inneres durchdringend, geht [der Wind] in Nirvana zur Auflösung ein.
22.75
nirodhastu sa vijñeyo mṛtyunāśanameva hi |
evaṃ vai sarvavāyūnāṃ vijayopāyasaṃgrahaḥ || 75 ||
Übersetzung: Dies ist als Nirodha zu erkennen, die Vernichtung des Todes. So ist das Mittel zur Beherrschung aller Winde zusammengefasst.
22.76
athavā sarvavāyūnāṃ dehamadhye tu sarvabhet |
prāsādena tu kūṭena pūrayitvā tu kumbhakam || 76 ||
Übersetzung: Oder man [sammle; Lesung unsicher] alle Winde in der Körpermitte und fülle mit der Prasada-Keimsilbe zum Atemanhalten auf.
22.77
nirgage? recayedvatsa laghūyāya vinirṇayam |
samā? pracchadanaṃ pūrvaṃ aṃ kiṃcitsparśaṃ tu koṣṭhake || 77 ||
Übersetzung: Danach atme man aus, mein Kind, [es folgen beschädigte Angaben zu Leichtigkeit, Bedeckung und einer geringen Berührung im Körperraum].
22.78
punarvai pūrakaṃ kuryāt kumbhakaṃ tadanantaram |
nirvāṇe jīrṇasparśaṃ tu keśavena tu varṇitam || 78 ||
Übersetzung: Erneut vollziehe man die Einatmung und unmittelbar danach Kumbhaka. In Nirvana [geschieht] das Aufzehren der Berührung, wie Keshava es beschrieben hat. [Die Formulierung ist unsicher.]
22.79
nābhihṛtkarṇakeśeṣu * * * * *? saṃyutaḥ |
vānaraccha * *?muktaṃ * * * * * * * * * tam? || 79 ||
Übersetzung: An Nabel, Herz, Ohren und Haarbereich [Textlücke]; [der übrige Vers ist weitgehend verloren].
22.80
recikasya bahistambhāṃ * * * * * paromataḥ |
api vordhvaṃ samutkṛṣya nābhideśe tu dhāraṇam || 80 ||
Übersetzung: Das äußere Anhalten nach der Ausatmung [Textlücke] gilt als höher. Oder man ziehe [den Wind] aufwärts und halte ihn im Nabelbereich.
22.81
tavargaṃ varuṇācāre pavargaṃ vāyucārake |
yavargamuttarācāre ravargamīśānacārake || 81 ||
Übersetzung: Die dentale Ta-Gruppe beim Lauf im Westen, die Pa-Gruppe beim Lauf im Nordwesten, die Ya-Gruppe beim Lauf im Norden und die Ra-Gruppe beim Lauf im Nordosten [vergegenwärtige man].
22.82
prāsādaṃ nābhicāre tu ṣakāraṃ na mirucyate |
kramātsañcintya vai vatsa āpūrya kumbhakena ca || 82 ||
Übersetzung: Prasada beim Lauf im Nabel; der retroflexe Sha-Laut [eine weitere Angabe ist entstellt]. Der Reihe nach vergegenwärtige man dies, mein Kind, und fülle mit Kumbhaka auf.
22.83
nādaṃ binduṃ ca śaktiṃ ca maheśaṃ ca sadāśivam |
śivaṃ nayetpunarvatsa ? nirupadravavaibhavam || 83 ||
Übersetzung: Nada, Bindu, Shakti, Mahesha und Sadashiva führe man wiederum zu Shiva, mein Kind, dessen Herrlichkeit frei von Bedrängnis ist.
Unnummerierte Passage: cakrādhāramidaṃ vatsa sparśanānājayaṃ param |
Übersetzung: Mein Kind, dies ist die Grundlage des Chakra, die höchste Überwindung [der Berührungen beziehungsweise Winde; Wortlaut unsicher].
iti kālottare sparśayoge daśavāyucakradhyānapaṭalo dvāviṃśattamaḥ || 22 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 22 über „Sparsha-Yoga und die zehn Lebenswinde“.
Kapitel 23 – Eintritt in andere Körper
23.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
mansālocya sarvaṃ tu saṃrodhya pratiśarvarī |
madhyadehe tu cittaṃ tu śive paramakāraṇe || 1 ||
Übersetzung: Heil und Segen! Ishvara sprach: Nachdem man alles im Geist betrachtet hat, halte man Nacht für Nacht das Denken in der Körpermitte fest, in Shiva, der höchsten Ursache.
23.2
tatastanmayatāṃ yāti śiva eva na saṃśayaḥ |
kapālarandhre reca * * * * * gameva ca || 2 ||
Übersetzung: Dann wird man ganz von ihm erfüllt, ja Shiva selbst, ohne Zweifel. Durch die Schädelöffnung [beginnt eine beschädigte Angabe zum Ausströmen].
23.3
anumānaṃ pravakṣyāmi bījaṃ varṇaṃ ca daivatam |
prāsādaṃ cintayennābhau nādabindusamanvitam || 3 ||
Übersetzung: Ich werde die erschließende Darstellung erklären: Keimsilbe, Farbe und Gottheit. Im Nabel vergegenwärtige man Prasada, verbunden mit Nada und Bindu.
23.4
niruddhasarvavāyuṃśca nābhimadhye tu sthāpayet |
pūrakaḥ tu iḍāyāṃ vā suṣumnāyāṃ tu pūrayet || 4 ||
Übersetzung: Sämtliche Winde halte man an und stelle sie in die Nabelmitte. Die Einatmung geschehe durch Ida oder man fülle durch Sushumna auf.
23.5
hṛtsaroruhamadhye tu rājāvartamaṇiprabham |
saṃcintya manasā yuktaṃ dvārodghāṭanamuttamam || 5 ||
Übersetzung: Inmitten des Herzlotus vergegenwärtige man [die Gestalt] lapislazulifarben, mit dem Geist verbunden: das vorzügliche Öffnen des Tores.
23.6
tālurandhreṇa saṃyojya suṣumnā tu nayecchanaiḥ |
hṛtkaṇṭhatālubhrūmadhya suṣumnāyāṃ nayecchivam || 6 ||
Übersetzung: Mit der Gaumenöffnung verbunden, führe man langsam durch Sushumna. Durch Herz, Kehle, Gaumen und Augenbrauenmitte führe man Shiva in der Sushumna.
23.7
manasasparśayuktena pūrāvū(pū)rita vai nilaḥ |
udghāṭita śikhadvāraḥ prāsādena tu śaktiḥ || 7 ||
Übersetzung: Mit geistiger Berührung verbunden, ist der Wind zuvor eingefüllt; das Scheiteltor wird geöffnet und durch Prasada [wirkt] die Shakti. [Die Satzverbindung ist unvollständig.]
23.8
āsane tu vite yoge prāṇāyāmevamirjitaḥ |
parakāyaṃ praveśāyopāyaṃ yatnena cābhyaset || 8 ||
Übersetzung: Wenn Sitz und Yoga beherrscht sind und Pranayama gemeistert ist, übe man sorgfältig das Mittel zum Eintritt in einen anderen Körper.
23.9
hṛtsaroruhasaṃlīnaṃ maṇḍalatraya madhyagaḥ |
guṇatrayasamopeto jīvo'haṃ sa svarūpadhṛk || 9 ||
Übersetzung: Im Herzlotus verborgen, inmitten der drei Kreise, mit den drei Gunas verbunden: „Ich bin die Seele“, die ihre eigene Gestalt trägt.
23.10
sāṣṭapadmāpasavye tu sa venokāralakṣitaḥ |
makāraṃ madhyadehe tu nādabindurvirodhasa(taḥ) || 10 ||
Übersetzung: Im achtblättrigen Lotus, links beziehungsweise gegen den Uhrzeigersinn, ist sie durch [einen beschädigten Lautausdruck] gekennzeichnet. Den M-Laut [stelle man] in die Körpermitte, durch das Anhalten von Nada und Bindu.
23.11
dharmādharmekṣaṇaṃ puruṣaḥ puryaṣṭakasamāyutaḥ |
ciddehaṃ sarvaśuklaṃ tu varṇenaiva samāyutam || 11 ||
Übersetzung: Purusha, der Dharma und Adharma betrachtet, ist mit der achtgliedrigen feinen Hülle verbunden. Der Bewusstseinsleib ist ganz weiß und mit dem Laut verbunden.
23.12
rajastamosya vaṃśyastu mañcedaṃ paṅkajāsanam |
brahmagranthiṃ vinirbhidya gacchedvāyupurāttataḥ || 12 ||
Übersetzung: Rajas und Tamas [gehören ihm an; Lesung unsicher]; dieser Lotussitz [wird genannt]. Nachdem er den Brahma-Knoten durchbrochen hat, gehe er von der Windstadt aus weiter.
23.13
piṅgalāyāṃ viśedyogī hṛtsaroruhakarṇikām |
tatra sthitvā samastāni svasvasthāne niveśayet || 13 ||
Übersetzung: Durch Pingala trete der Yogi in den Fruchtboden des Herzlotus [des anderen Körpers] ein. Dort verweilend, setze er alles an seinen jeweiligen Ort.
23.14
prāṇāpānasamānaśca udānovyāna eva ca |
nāgaḥ kūrmastathā proktaḥ kṛkaro devadattakaḥ || 14 ||
Übersetzung: Prana, Apana, Samana, Udana, Vyana, Naga, Kurma, Krikara und Devadatta,
23.15
dhanañjayaśca daśamaḥ svasvasthāne niveśayet |
śrotraṃ tvakcakṣuṣījihvā ghrāṇaścaiva tu pañcamaḥ || 15 ||
Übersetzung: Dhananjaya als zehnten, setze er an ihre jeweiligen Orte. Gehör, Haut, Auge, Zunge und Geruch als fünftes,
23.16
buddhīndriyāṇi pañcaiva svasvasthāne niveśayet |
vākpādau pāṇipāyūvā upasthaścaiva tu pañcamaḥ || 16 ||
Übersetzung: die fünf Erkenntnisorgane, setze er an ihre jeweiligen Orte. Sprache, Füße, Hände, After und Geschlechtsorgan als fünftes,
23.17
karmendriyāṇi pañcaiva svasvasthāne niveśayet |
manobuddhirahaṃkāro mahānantaścatuṣṭayam || 17 ||
Übersetzung: die fünf Handlungsorgane, setze er an ihre jeweiligen Orte. Manas, Buddhi, Ahamkara und Mahat, die vier inneren [Vermögen],
23.18
hṛdaye nivedayedvatsa uparyupari buddhimān |
etena dehayogena pūrvavanmodate vaśīn || 18 ||
Übersetzung: lege der Verständige im Herzen übereinander, mein Kind. Durch diese Verbindung mit dem Körper erfreut sich der Selbstmächtige wie zuvor.
23.19
dehāntyarāṇyanekāni viśedekopadecchayā |
iti praveśanavidhiḥ mṛtadehasya ṣaṇmukha || 19 ||
Übersetzung: Nach einem einzigen Impuls des Willens trete er in viele andere Körper ein. Dies ist die Vorschrift für den Eintritt in einen toten Körper, o Sechsgesichtiger.
23.20
jīvadehapraveśanaṃ pravakṣyāmi samāsataḥ |
pūrvoktadvāraṃ niṣkramya śaktibījapussaram || 20 ||
Übersetzung: Nun werde ich kurz den Eintritt in einen lebenden Körper erklären. Man verlasse [den eigenen Körper] durch das zuvor genannte Tor, mit der Shakti-Keimsilbe voran.
23.21
vāyudvāreṇa cāviśya nābhicakra samāśritaḥ |
mahāmāyena nirgacchet pūrvoktapayabījataḥ || 21 ||
Übersetzung: Durch das Windtor eintretend, stütze man sich auf das Nabelchakra. Mit Mahamaya trete man heraus, mittels der zuvor genannten Wasser-Keimsilbe. [Die Bewegungsrichtung ist nicht eindeutig.]
23.22
nābhicakraṃ tato gacchet suṣumnāyā samāhitaḥ |
maṇḍalāśrayamadhye tu hṛtsaroruhakarṇikam || 22 ||
Übersetzung: Dann gehe man gesammelt durch Sushumna zum Nabelchakra und in die Mitte der Kreisgrundlage, zum Fruchtboden des Herzlotus.
23.23
tatra tatprāṇasaṃcāraṃ nirudhyātmīyacānilaiḥ |
yāvadvigata ceṣṭastu tāvadeva nirodhayet || 23 ||
Übersetzung: Dort halte man den Prana-Umlauf jenes Körpers mit den eigenen Winden an; so lange, bis seine Bewegungen aufgehört haben.
23.24
asau patati bhūmau tu tāvattiṣṭhetsudhīrataḥ |
indriyāṇi samastāni prāṇādikacatuṣṭayam || 24 ||
Übersetzung: Jener fällt auf die Erde; so lange verweile man sehr standhaft. Sämtliche Sinne und die Vierheit, beginnend mit Prana,
23.25
āśākriyāṃ nirodhyeta svasvasthāne tu paṇḍitaḥ |
dehāntena vinirmukto saṃvibhaktendriyaḥ kramāt || 25 ||
Übersetzung: ihre auf Wünsche gerichtete Tätigkeit halte der Kundige an den jeweiligen Orten zurück. Von der bisherigen Körpergrenze gelöst, ordne man die Sinne der Reihe nach neu.
23.26
tiṣṭhet sarveṣu kāryeṣu pūrvadehaṃ yathā param |
- * * * vai vatsa sahasradehaṃ viśedbudhaḥ || 26 ||
Übersetzung: Bei allen Handlungen verweile man wie zuvor im eigenen Körper. [Textlücke], mein Kind, der Verständige kann in tausend Körper eintreten.
Unnummerierte Passage: svadehajīrṇe tu matimān anyadehaṃ viśetsadā |
Übersetzung: Wenn der eigene Körper verfallen ist, kann der Verständige stets in einen anderen Körper eintreten.
iti kālottare sparśayogavidhāne mṛtakāryajīvakāryapradhānaṃ nāma trayoviṃśatiḥ paṭalaḥ || 23 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 23 über „Eintritt in andere Körper“.
Ergänzende heutige Praxis, keine Kalottara-Rekonstruktion: Chakra-Konzentration mit Pranayama am Ende – mit Sukadev und Lea.
Kapitel 24 – Dharana und Meditation über Brahma und Kalagnirudra
24.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
atha vai jñānavairāgyaṃ saṃskārātsatyameva hi |
mahāyogaṃ pravakṣyāmi sarvakāmārthasādhanam || 1 ||
Übersetzung: Heil und Segen! Ishvara sprach: Nun [entstehen] Erkenntnis und Loslösung durch die Weihe, wahrlich. Ich werde den großen Yoga erklären, der sämtliche Wünsche und Ziele verwirklicht.
24.2
jñānasāgaravistīrṇācchivasyaiva anugrahāt |
padmamadhye praviśyaitatprāsādākhyaṃ śivaṃ padam || 2 ||
Übersetzung: Durch Shivas Gnade, aus dem weiten Meer der Erkenntnis, tritt man in die Lotusmitte ein: in diese Prasada genannte Stätte Shivas.
24.3
tatra svaṃ maṇḍalaṃ dhyāyet kūpaiḥ prakṛtirūpakam |
śaśāṅkamaṇḍalaṃ tatra kiñciddhīnaṃ vicintayet || 3 ||
Übersetzung: Dort meditiere man über den eigenen Kreis, der mit seinen Öffnungen die Gestalt der Prakriti hat. Darin stelle man sich einen etwas kleineren Mondkreis vor.
24.4
puruṣātmakaṃ tasyopari jyotirūpamanaupamam |
kṛśānumaṇḍalaṃ pūrvaṃ trikoṇaṃ bījamantrataḥ || 4 ||
Übersetzung: Darüber [liegt] das unvergleichliche Licht, dessen Wesen Purusha ist. Zuerst [stelle man] den dreieckigen Feuerkreis mit dem Keimsilbenmantra [vor].
24.5
tasyopari candrabimbaṃ yaccaturthena saṃyutam |
agnibimbatrayaṃ hīnaṃ sūryamaṇḍalamuttamam || 5 ||
Übersetzung: Darüber die Mondscheibe, verbunden mit dem vierten [Laut]; um drei [Maße] kleiner als die Feuerscheibe [sei] der vorzügliche Sonnenkreis. [Der Größenbezug ist unsicher.]
24.6
sūryabimbānmantrayogī candrabimbamanuttamam |
tasyopariṣṭātpuruṣaṃ pañcaviṃśaka saṃyutam || 6 ||
Übersetzung: Von der Sonnenscheibe aus [vergegenwärtige] der Mantrayogi die unübertreffliche Mondscheibe. Darüber Purusha, verbunden mit dem fünfundzwanzigsten [Prinzip].
24.7
rājāvartamaṇiprakhyaṃ atasīkusumaprabham |
māṇikkavatprabhādivyaṃ kiñcidbhṛṅga samaprabham || 7 ||
Übersetzung: Er strahlt wie Lapislazuli, wie eine Atasi-Blüte, göttlich wie ein Rubin und zugleich etwas wie eine dunkle Biene.
24.8
aṅguṣṭhamātramutsedhaṃ bālārkaśatakalpitam |
īśvarākhyaṃ tu tattattvaṃ tenedaṃ preryate jagat || 8 ||
Übersetzung: Eine Daumenlänge hoch, wie hundert junge Sonnen vorgestellt: Dieses Prinzip heißt Ishvara; durch es wird die Welt in Bewegung gesetzt.
24.9
tanmadhye tu śikhā tanvī sphuratsaudāminīprabhā |
vidyāśaktiṃ tu tāmāhuḥ tatparaḥ paramaḥ śivaḥ || 9 ||
Übersetzung: In seiner Mitte ist eine feine Flamme, funkelnd wie ein Blitz. Sie nennt man Vidya-Shakti; jenseits davon ist der höchste Shiva.
24.10
evaṃ kramādvicintyātha cetasā śiva tanmayaḥ |
tiṣṭhetsamabhyasaṃstāvaṃ niruddhāśeṣavṛddhikān || 10 ||
Übersetzung: Nachdem man dies der Reihe nach vergegenwärtigt hat, verweile man im Geist ganz von Shiva erfüllt und übe so, alle weiteren Regungen angehalten.
24.11
cetastanmayatāṃ yāte tāvattadbhāvabhāvataḥ |
iti sākṣātkṛtāśeṣaḥ sargasaṃhārakārakaḥ || 11 ||
Übersetzung: Wenn das Denken durch Vergegenwärtigung seines Wesens ganz von ihm erfüllt ist, [wird man] zum unmittelbar Erkennenden, der die gesamte Schöpfung und Auflösung bewirkt. [Die Satzkonstruktion ist unregelmäßig.]
24.12
tatra tvaṃ prāpya vai samyak brahmarandhrādvinirgataḥ |
raśmyahaḥ śuklapakṣa ṣaṇmāsottaravatsarān || 12 ||
Übersetzung: Wenn du dies richtig erlangt hast und durch die Brahmarandhra ausgetreten bist, [gehst du den Weg durch] Strahl, Tag, helle Monatshälfte, die sechs nördlichen Monate und das Jahr,
24.13
surālayasamudbhāva svacchaśāṅkakalitakramaḥ |
ete dvādaśādityāstu rudraikādaśa īśvaraḥ || 13 ||
Übersetzung: durch die Entstehung der Götterwelt, klar und vom Mond bestimmt [beschädigte Stufenfolge]. Die zwölf Adityas, die elf Rudras und Ishvara,
24.14
navaśakti navālakṣmī sāvitrī dharaṇīti ca |
īśvarasya mahāśaktirmanonmanī parāvarā || 14 ||
Übersetzung: die neun Shaktis, Nava-Lakshmi, Savitri und Dharani, Ishvaras große Shakti, die höchste und nicht-höchste Manonmani,
24.15
mūrtirdvādaśaśaktistu adhiṣṭhita mahādaśāḥ |
tena nītaṃ śivaṃ gacchedvigatāśeṣa kalmaṣaḥ || 15 ||
Übersetzung: die Gestalt, die zwölf Shaktis und die großen Stufen [Satz beschädigt]: Von ihnen geführt, gelangt man zu Shiva, von allen Befleckungen frei.
24.16
nityaṃ viśuddhaṃ saṃtṛptamānandamanilaṃ dhruvam |
sarvajñaṃ satyasaṃkalpaṃ sarvakāraṇakāraṇam || 16 ||
Übersetzung: Ewig, rein, vollkommen erfüllt, glückselig, windlos und beständig, allwissend, dessen Entschluss wahr wird, Ursache sämtlicher Ursachen:
24.17
śivarūpaṃ paraṃ prāpya sarvasaṃkleśanāśanam |
jitāśeṣāmarudvṛttaiḥ mokṣopāyastu varṇitaḥ || 17 ||
Übersetzung: Man erlangt Shivas höchste Gestalt, die alle Bedrängnis vernichtet. So ist das Mittel zur Befreiung durch die Beherrschung aller Windbewegungen beschrieben.
24.18
pūrvatattvakṛtābhyāsādanyadeva tu deśikaḥ |
anena yāti nirvāṇaṃ mṛtyurdehe vyavasthitaḥ || 18 ||
Übersetzung: Durch die zuvor vollzogene Übung der Prinzipien [verwirklicht] der Lehrer etwas darüber Hinausgehendes. Hierdurch gelangt er zu Nirvana, während der Tod im Körper verbleibt.
24.19
uktasamāsaktacitto tena vāyujayaṃ vinā |
svecchayānirgato dehāt muktiṃ yāti yathānaraḥ || 19 ||
Übersetzung: Mit dem Geist ganz dem Gesagten zugewandt, auch ohne diese Windbeherrschung, verlässt ein Mensch nach eigenem Willen den Leib und gelangt zur Befreiung.
24.20
divyopāyaṃ pravakṣyāmi bījasārasamanvitam |
tṛtīyavargamantrasthamatho vahnimaruddhṛtam || 20 ||
Übersetzung: Ich werde ein göttliches Mittel erklären, verbunden mit der Essenz der Keimsilbe: [Ein Laut] aus der dritten Gruppe, danach mit Feuer und Wind versehen,
24.21
daśaṣaṣṭhasvaropetaṃ binduśekharabhūṣitam |
vinyasya nābhau bījeśaṃ hṛdinyasya tathā param || 21 ||
Übersetzung: mit dem sechzehnten Vokal verbunden und durch Bindu als Krone geschmückt. Den Herrn der Keimsilben lege man auf den Nabel, das Höhere auf das Herz.
24.22
yattṛtīyasusaṃyuktaṃ pūrvavarṇena saṃyutam |
varṇaṃ varṇeśvaraṃ paścādarvāk śirasi vinyaset || 22 ||
Übersetzung: Was mit dem dritten und dem vorherigen Laut verbunden ist, den Laut und Laut-Herrn lege man anschließend weiter vorn auf den Kopf. [Die Lautzuordnung ist beschädigt.]
24.23
pūrvavarṇa samāyuktaṃ hṛdayādi kramānnyaset |
prāsādena tu saṃyuktaṃ pavitrairaṅgasaṃyutam || 23 ||
Übersetzung: Mit dem zuvor genannten Laut verbunden, lege man es der Reihe nach auf Herz und weitere Stellen; mit Prasada, den reinigenden Formeln und den Gliedmantras verbunden,
24.24
madhyadehe nyasedvatsa samarasaṃ bhāvamāśrayet |
manoyātyamahībhāvaṃ tato nirvāṇamāpnuyāt || 24 ||
Übersetzung: lege man es in die Körpermitte, mein Kind, und ruhe im Zustand des einen Geschmacks. Der Geist gelangt zur Größe beziehungsweise Nicht-Begrenzung [Lesung unsicher]; danach erlangt man Nirvana.
24.25
nirvāṇaṃ mṛtyunāśaṃ tu ayaṃ vai ekameva tu |
mṛtyuñjayamidaṃ yogaṃ madhye dehe tu bhāvayet || 25 ||
Übersetzung: Nirvana und die Vernichtung des Todes sind hier ein und dasselbe. Diesen den Tod überwindenden Yoga vergegenwärtige man in der Körpermitte.
24.26
pūrvaṃ hṛdayanābhiṃ tu tatto gacchettu madhyagam |
śivasya parato dhyāyet paścimadvāramuttamam || 26 ||
Übersetzung: Zuerst [gehe man zu] Herz und Nabel, dann in die Mitte. Jenseits Shivas meditiere man über das höchste westliche Tor.
24.27
saṃpūjya vidhivaddevaṃ dhyāyennityamatandritaḥ |
sarvajñaṃ sarvakartāraṃ sarvato'kṣi śiromukham || 27 ||
Übersetzung: Nachdem man den Gott nach Vorschrift verehrt hat, meditiere man stets unermüdlich über den Allwissenden, Allwirkenden, der überall Augen, Häupter und Gesichter hat.
24.28
sakalīkṛtya cātmānaṃ dhyāyecchivamanāmayam |
jyotirūpaṃ paraṃ divyamaṣṭadigīśasaṃyutam || 28 ||
Übersetzung: Nachdem man das eigene Selbst mit allen Teilen versehen hat, meditiere man über den von Übel freien Shiva: die höchste göttliche Lichtgestalt, verbunden mit den Herren der acht Richtungen.
24.29
dhyāyedyāmastantritvāt pūrakādivivarjitam |
mṛtyuñjayaṃ paraṃ hyetat ṣaṇmāsābhyāsayogataḥ || 29 ||
Übersetzung: Eine Nachtwache lang meditiere man unermüdlich, ohne Einatmung und weitere Atemhandlungen. [Die Angabe zur Unermüdlichkeit ist entstellt.] Dies ist die höchste Überwindung des Todes durch sechsmonatige Übung.
24.30
aṣṭa pratyayamāpnoti trimāsānnātra saṃśayaḥ |
athavā * * * * * * * brahmaṇaḥ padam || 30 ||
Übersetzung: Nach drei Monaten erlangt man acht Bestätigungszeichen, ohne Zweifel. Oder [Textlücke] die Stätte Brahmans.
24.31
tattvāntargatavittaḥ san japedaṣṭottaraṃ śatam |
kṣaṇātprāpnoti tatsthānaṃ yattannirvāṇa saṃjñitam || 31 ||
Übersetzung: Mit dem Bewusstsein im Prinzip verweilend, rezitiere man 108-mal. In einem Augenblick erlangt man die Stätte, die Nirvana genannt wird.
24.32
paramaṃ dhyeyamevaṃ hi tanmārgasyena * * * |
- * * * * rāmantrī śivaṃ tatsthaika mānasaḥ || 32 ||
Übersetzung: So ist das Höchste zu meditieren, auf diesem Weg [Textlücke]; der Mantrapraktizierende [meditiert über] Shiva, mit dem Geist einzig dort ruhend.
24.33
evaṃ vaśīkṛtaprāṇo dhāraṇādisamabhyaset |
dhāraṇā śivatattvādau vṛttirodhaṃ careṣu tat || 33 ||
Übersetzung: Nachdem man Prana so unter seine Herrschaft gebracht hat, übe man Dharana und die folgenden Glieder. Dharana ist das Anhalten der geistigen Regungen beim Shiva-Tattva und den weiteren Gegenständen.
24.34
tadvṛttisantatadhyānaṃ tadardhābhāsamātrakam |
svarūpeṇaiva śūnyaṃ tat samādhiryoga ucyate || 34 ||
Übersetzung: Die ununterbrochene Fortdauer jener Ausrichtung ist Dhyana. Wenn allein dessen Gegenstand erscheint und die eigene Form gleichsam leer geworden ist, heißt dies Samadhi, der Yoga. [Für „Gegenstand“ wird eine naheliegende Lesung der beschädigten Wortform vorausgesetzt.]
24.35
iti tṛtīya nivṛttirekasmin dvijottama (?) |
uktasthi * sanāsīno virecya pavanaṃ śanaiḥ || 35 ||
Übersetzung: So [wird] die dritte Rückkehr in das Eine [beschrieben], o vorzüglicher Zweimalgeborener [Satz fraglich]. In der genannten Haltung sitzend, atme man den Wind langsam aus.
24.36
pūrayedvai iḍāyāṃ tu pādāṅguṣṭhāntamāditaḥ |
pādāṅguṣṭhe ciraṃ ruddhvā manastatraiva saṃsthitaḥ || 36 ||
Übersetzung: Durch Ida fülle man zuerst bis zum Ende der großen Zehen ein. Dort halte man lange an und lasse den Geist genau dort ruhen.
24.37
pārṣṇideśe tathā gulphe jaṅghājānudvaye kramāt |
ūrau ca meḍhre nābhau ca iti karṇe tu dhārayet || 37 ||
Übersetzung: Dann halte man der Reihe nach an Ferse, Knöchel, Unterschenkeln, beiden Knien, Oberschenkeln, Glied, Nabel und Ohr fest.
24.38
tālurandhre bhruvormadhye suṣumnānte dvādaśe sthitaḥ |
ghaṭikārdhaṃ kramādūrdhvaṃ śive yāmastu saṃsthitaḥ || 38 ||
Übersetzung: An Gaumenöffnung, Augenbrauenmitte, am Ende der Sushumna und am Zwölf-Finger-Endpunkt verweile man jeweils eine halbe Ghatika, der Reihe nach aufwärts; in Shiva eine Nachtwache.
24.39
mṛtyuñjayamidaṃ vatsa sākṣānnirvāṇamṛcchati |
abhyasedvatsaraṃ caika mayutāyurbhaviṣyati || 39 ||
Übersetzung: Mein Kind, dies überwindet den Tod; unmittelbar erreicht man Nirvana. Wer es ein Jahr lang übt, wird eine Lebensdauer von zehntausend Jahren haben.
24.40
yāvadbrahmapuraṃ tasmāt nayeduktena vartmanā |
pādāṅguṣṭhāntamānīya madhyadehe tu saṃsthitaḥ || 40 ||
Übersetzung: Bis zur Brahma-Stadt führe man [den Wind] auf dem beschriebenen Weg. Dann bringe man ihn bis zum Ende der großen Zehen und verweile in der Körpermitte.
24.41
tato virecayedvāyuṃ prāṇasaṃsthena vartmanā |
pūrvoktasthānayogena dhāraṇā ghaṭikā bhavet || 41 ||
Übersetzung: Danach atme man den Wind auf dem Weg Pranas aus. An den zuvor genannten Stätten währe die Konzentration eine Ghatika.
24.42
yāmaṃ niruddhya ūrdhvādhastato mṛtyuṃ jayiṣyati |
ityuktā dhāraṇā divyā mṛtyunāśanameva hi || 42 ||
Übersetzung: Wenn man oben und unten eine Nachtwache lang anhält, wird man den Tod besiegen. So ist die göttliche Dharana als Überwindung des Todes beschrieben.
24.43
yāmamabhyasya cidyogī prāpnoti paramaṃ śivam |
ataḥ paraṃ pravakṣyāmi dhāraṇāṃ mokṣadāyinīm || 43 ||
Übersetzung: Nach einer Nachtwache Übung erlangt der Bewusstseins-Yogi den höchsten Shiva. Nun werde ich eine Konzentration erklären, die Befreiung gewährt.
24.44
aṇimādiguṇaiśvaryaṃ ṣaḍbhirmāsairna saṃśayaḥ |
ūrdhvādhastiryagapyeva jagadvyāptaṃ carācaram || 44 ||
Übersetzung: Die Herrschaftskraft mit Anima und den weiteren Fähigkeiten [erlangt man] nach sechs Monaten, ohne Zweifel. Aufwärts, abwärts und seitwärts ist die Welt des Beweglichen und Unbeweglichen durchdrungen.
24.45
prakṣipetkramayogena manasā bhuvanatrayam |
bhuvanānāṃ saptakaṃ vāpi prakṣipetpiṇḍamadhyame || 45 ||
Übersetzung: Die drei Welten lege man mit dem Geist der Reihe nach hinein; oder die sieben Welten lege man in die Mitte des eigenen Leibes.
24.46
trimaṇḍale tu vai vatsa prāsādaṃ bījasaṃyutam |
ānīya śanakaiścittadvīpārṇavanagairyutam || 46 ||
Übersetzung: In den drei Kreisen, mein Kind, [vergegenwärtige man] Prasada, verbunden mit der Keimsilbe. Langsam führe man das Denken herbei, samt Inseln, Meeren und Bergen,
24.47
jambūdvīpena saṃkṣipya tatprāptiṃ prāpya yogataḥ |
ānīya taṃ kṣipeccetaḥ piṇḍasye paramātmani || 47 ||
Übersetzung: fasse alles in Jambudvipa zusammen und erlange durch Yoga seine Gegenwart. Dieses Denken bringe man in das höchste Selbst des Leibes ein.
24.48
sarvakāleṣu vai vatsa sarvalokasya mūrdhani |
maṇḍalatrayamadhye tu manasparśaṃ tu tatra tu || 48 ||
Übersetzung: Zu allen Zeiten, mein Kind, auf dem Gipfel sämtlicher Welten, inmitten der drei Kreise, [vollziehe man] dort die Berührung durch den Geist.
24.49
saptalokasamastaṃ ca ṣaṇmāsāttatra paśyati |
sarvajñatvamavāpnoti sarvagaṃ śivamāpnuyāt || 49 ||
Übersetzung: Nach sechs Monaten sieht man dort sämtliche sieben Welten. Man erlangt Allwissenheit und den alldurchdringenden Shiva.
24.50
mṛtyuñjayaṃ bhavettasya vatsarānniyataṃ bhavet |
brahmā viṣṇuśca rudraśca īśvaraḥ śiva eva ca || 50 ||
Übersetzung: Die Überwindung des Todes wird nach einem Jahr gewiss. Brahma, Vishnu, Rudra, Ishvara und Shiva:
24.51
amāpañcakadhārāṇāṃ tattadeva bhaviṣyati |
hṛtsaroruhamadhyastho brahmā dhyātaścaturmukhaḥ || 51 ||
Übersetzung: Durch die fünf Konzentrationen auf Ama [Lesung unsicher] wird man jeweils zu jenem. Im Herzlotus meditiere man über den viergesichtigen Brahma,
24.52
buddhitattvātmako raktaḥ praṇavena svabījataḥ |
caturmukhaścaturbāhuḥ sṛṣṭikāraṇamuttamam || 52 ||
Übersetzung: dessen Wesen das Buddhi-Tattva ist, rot, mit Pranava und seiner eigenen Keimsilbe; viergesichtig und vierarmig, die höchste Ursache der Schöpfung,
24.53
jñānenāpratīpe naiva vairāgyena ca saṃyutaḥ |
aiśvaryeṇā dharmeṇa varadābhayapāṇinā || 53 ||
Übersetzung: mit ungehinderter Erkenntnis, Loslösung, Herrschaftskraft und Dharma verbunden, mit den Händen die Gaben- und Schutzgeste zeigend,
24.54
bibhratkamaṇḍalaṃ savye'pasavye cākṣasūtrakam |
haṃsārūḍhastathā rādhaṃ mṛtjñānagranthibhedanam || 54 ||
Übersetzung: links den Wasserkrug, rechts die Gebetskette tragend, auf einem Hamsa reitend. [Die Meditation bewirkt] das Durchdringen der Knoten von Tod und Erkenntnis [Lesung unsicher],
24.55
tārakajñāna nirvṛttiṃ aiśvaryamakhilaṃ tathā |
viśeṣayogasaṃsiddhirvividhā yogasaṃbhavam || 55 ||
Übersetzung: die Vollendung des hinüberführenden Wissens, sämtliche Herrschaftskräfte und die Vollendung besonderer, vielfältiger Yogafähigkeiten.
24.56
abhimānātmakaśyāmā caturvaktro'ṣṭabāhukaḥ |
bindumatpṛṣṭhanādena hṛdi dhyātastriśūladhṛk || 56 ||
Übersetzung: [Die folgende Gestalt] hat das Wesen des Ichbewusstseins, ist dunkel, viergesichtig und achtarmig. Mit Bindu und nachfolgendem Nada versehen, meditiert man im Herzen über den Dreizackträger,
24.57
kālāgniṃ sarvahastena bibhradājagavaṃ śaram |
khaḍgaṃ paraśuṃ kālāgniṃ sabhujaṅgasamānagaḥ || 57 ||
Übersetzung: der das Weltbrandfeuer, den Ajagava-Bogen, einen Pfeil, Schwert, Axt, Kalagni und Schlange trägt. [Die Waffenaufzählung ist wiederholt und grammatisch unregelmäßig.]
24.58
śaśāṅkadhāriṇaṃ devaṃ kṛttivāsaṃ trilocanam |
aiśvaryādiguṇopetaṃ hṛdi dhyānaguṇāṣṭakam || 58 ||
Übersetzung: Den Gott mit dem Mond als Schmuck, mit Tierfell bekleidet, dreiäugig, mit Herrschaftskraft und weiteren Eigenschaften versehen, [vergegenwärtige man] im Herzen mit acht Meditationsmerkmalen.
24.59
dhyānamātreṇa vai vatsa prakṛtirvaśyakaṃ tathā |
mṛtyuñjayamavāpnoti sadā sadbhāvabhāvitaḥ || 59 ||
Übersetzung: Allein durch die Meditation, mein Kind, gerät Prakriti unter die eigene Herrschaft. Stets vom wahren Sein erfüllt, erlangt man die Überwindung des Todes.
24.60
yathābhimatasiddhiśca sarvavastuṣu yoginaḥ |
saṃvatsarakṛtātpāpāt śivalokamavāpnuyāt || 60 ||
Übersetzung: Der Yogi erlangt bei allen Dingen die gewünschte Vollendung. Nach einem Jahr [Übung; die Vorlage liest stattdessen „Verfehlung“] erlangt er Shivas Welt.
iti kālottare sparśayoga dhāraṇāmārge kālāgnirudrabrahmadhyānaścaturviṃśati paṭalaḥ || 24 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 24 über „Dharana und Meditation über Brahma und Kalagnirudra“.
Kapitel 25 – Pratyahara
25.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
aṣṭāṅgasparśayogaśca śṛṇu vakṣyāmi saṃpratam |
yamaniyamau cāsanaṃ prāṇāyāmastathaiva ca || 1 ||
Übersetzung: Heil und Segen! Ishvara sprach: Höre nun den achtgliedrigen Sparsha-Yoga, den ich erklären werde: Yama, Niyama, Asana und Pranayama,
25.2
pratyāhāraṃ dhāraṇā ca dhyānaṃ samādhireva ca |
etadaṣṭāṅgamuddiṣṭaṃ sparśayogaṃ vidurbudhāḥ || 2 ||
Übersetzung: Pratyahara, Dharana, Dhyana und Samadhi. Dies ist als die achtgliedrige Form erklärt; die Weisen kennen sie als Sparsha-Yoga.
25.3
yamādiprāṇayāmāntaṃ bahiraṅgaṃ catuṣṭayam |
pratyāhārātsamādhyantamantaraṅgamudāhṛtam || 3 ||
Übersetzung: Von Yama bis Pranayama bilden vier Glieder die äußere Praxis; von Pratyahara bis Samadhi wird die innere Praxis beschrieben.
25.4
ahiṃsā satyamasteyaṃ brahmacaryaṃ kṣamādhṛtiḥ |
dayā jñānaṃ svarūpāṇāṃ antaraṅgaṃ vibhāgataḥ || 4 ||
Übersetzung: Ahimsa, Satya, Asteya, Brahmacharya, Kshama, Dhriti, Daya und Jnana – Nichtverletzen, Wahrhaftigkeit, Nichtstehlen, Enthaltsamkeit, Geduld, Standhaftigkeit, Mitgefühl und Erkenntnis – [bilden die folgende, am Ende beschädigte Einteilung].
25.5
yamāśca darśayā proktāstantre'smin vijaye śubhe |
śaucaṃ santoṣaśca tapaḥsvādhyāyeśvarapūjane || 5 ||
Übersetzung: Zehn Yamas werden in diesem glückbringenden Tantra der Überwindung genannt. [Die vorherige Aufzählung enthält nur acht klare Namen.] Reinheit, Zufriedenheit, Askese, Selbststudium und Ishvara-Verehrung,
25.6
siddhāntaśravaṇaṃ caiva japaṃ hutaṃ ca śrīmati |
niyamaṃ daśadhā proktaṃ sarvaśāstreṣu pūjitam || 6 ||
Übersetzung: Hören des Siddhanta, Japa und Feueropfer [sind die erhaltene Niyama-Liste]. Zehnfach wird Niyama genannt, in allen Schriften geehrt. [Zwei Glieder sind nicht eindeutig erhalten.]
25.7
yāvatsiddhisparśayogaṃ jayaṃ tāvadanuṣṭhitam |
āsanaṃ viṃśati proktaṃ tantre'smin vijaye śubhe || 7 ||
Übersetzung: Bis zur Vollendung und Beherrschung des Sparsha-Yoga halte man daran fest. Zwanzig Sitzhaltungen werden in diesem glückbringenden Tantra der Überwindung genannt:
25.8
padmakaṃ svastikaṃ caiva gomukhaṃ vikaṭaṃ tathā |
sūciṃ vai ekapādaṃ tu kukkuṭaṃ vīrameva ca || 8 ||
Übersetzung: Padmaka, Svastika, Gomukha, Vikata, Suchi, Ekapada, Kukkuta und Vira,
25.9
padmāsanaṃ caikapṛṣṭhaṃ kūrmaṃ vimalameva ca |
daṇḍaṃ vidaṇḍaṃ gokarṇaṃ siṃhāsanamataḥ param || 9 ||
Übersetzung: Padmasana, Ekaprishtha, Kurma, Vimala, Danda, Vidanda, Gokarna und Simhasana,
25.10
vṛttaṃ cotkuṭikaṃ caiva gajāsyaṃ gajakarṇakam |
āsanaṃ viṃśatiḥ proktaṃ vāñcitaikaṃ samabhyaset || 10 ||
Übersetzung: Vritta, Utkutika, Gajasya und Gajakarnaka. Zwanzig Sitzhaltungen sind genannt; eine gewünschte übe man.
25.11
sthiraṃ sukhāsanaṃ proktaṃ sarvatantreṣu pūjitam |
yathā kākādibhāṇḍānāṃ tripāde samyagāsthitā || 11 ||
Übersetzung: Die feste und angenehme Haltung wird Sukhasana genannt und in allen Tantras gepriesen. Wie [ein entstellt bezeichneter] Behälter auf einem Dreifuß richtig steht,
25.12
samādhiṃ cirakālastha sukhāṃsukhamāśritaḥ |
tasmātsarvaprayatnena āsanaṃ sarvamabhyaset || 12 ||
Übersetzung: so [verweile man] lange im Samadhi, auf Bequemlichkeit gestützt. Deshalb übe man mit aller Sorgfalt die Sitzhaltung vollständig.
25.13
svargāpavargaphaladaṃ prāṇāyāmena vai guha |
sarvavedaphalaṃ caiva sarvayajñaphalaṃ ca yat || 13 ||
Übersetzung: Durch Pranayama erlangt man die Frucht des Himmels und der Befreiung, o Guha; ebenso die Frucht sämtlicher Veden und Opfer,
25.14
sarvadānaphalaṃ caiva sarvatīrthaphalaṃ ca yat |
prāṇāyāmena vai vatsa śivārcanaphalaṃ bhavet || 14 ||
Übersetzung: sämtlicher Gaben und heiliger Stätten. Durch Pranayama, mein Kind, erlangt man die Frucht der Shiva-Verehrung.
25.15
mṛdvāsaropari kuśaṃ prāvaraṇājinaṃ tataḥ |
tasyopari sukhāsīnaḥ prāṅmukho vāpyudaṅmukhaḥ || 15 ||
Übersetzung: Auf weiche Erde lege man Kusha-Gras, darüber Decke und Fell. Darauf sitze man bequem, nach Osten oder Norden gewandt,
25.16
atibhuktimabhuktiṃ ca varjayitvā samāsataḥ |
nivāte nirbhaye gehe kṛmikīṭādivarjite || 16 ||
Übersetzung: übermäßiges Essen und völliges Nichtessen gleichermaßen meidend, in einem zugfreien, sicheren Haus, frei von Würmern und Insekten.
25.17
samagrīvāśiro bhūtvā dantairdantāna saṃspṛśan |
nāsāgradṛksamāsīnā diśaścā navalokayan || 17 ||
Übersetzung: Mit geradem Hals und Kopf, ohne die Zähne aufeinanderzupressen, sitze man mit dem Blick auf die Nasenspitze und schaue nicht in die verschiedenen Richtungen.
25.18
nāḍīnāṃ śodhanaṃ kṛtvā madvitīyena mandire |
dakṣiṇaṃ pūrayitvā tu vāmenaiva tu recayet || 18 ||
Übersetzung: Nach Reinigung der Nadis mit dem zweiten [Laut beziehungsweise Mantra; Wortlaut unklar] im Übungsraum fülle man rechts ein und atme links aus.
25.19
vāruṇaṃ maṇḍalaṃ vatsaṃ la dvitīyena saṃyutam |
pūrvavatpūrayeddhīmān vāmena tu samāhitaḥ || 19 ||
Übersetzung: Den Wasserkreis, mein Kind, verbunden mit La und dem zweiten [Vokal], vergegenwärtige der Verständige; dann fülle er wie zuvor gesammelt links ein,
25.20
pādāṅṣṭhātsamārabhya yāvatprāṇamiḍaiva tu |
dakṣiṇe piṅgale caiva recayetsarvameva hi || 20 ||
Übersetzung: von der großen Zehe an bis zum Prana durch Ida. Rechts durch Pingala atme man alles aus.
25.21
evaṃ vai pañca ṣaṭsapta ṣaṇmāsaṃ vatsaraṃ tu vā |
nāḍīśuddhimavāpnoti granthistridoṣa varjitam || 21 ||
Übersetzung: So fünf, sechs oder sieben [Durchgänge; Bezug offen], sechs Monate oder ein Jahr: Man erlangt die Reinigung der Nadis, frei von Knoten und der Störung der drei Doshas.
25.22
prāṇāyāmaṃ bhavetpaścāt prāsādena tu ṣaṇmukha |
pūrvaṃ ṣoḍaśamātraṃ tu pūrayedudarādbudhaḥ || 22 ||
Übersetzung: Danach geschehe Pranayama mit Prasada, o Sechsgesichtiger. Zuerst fülle der Verständige vom Bauch aus während sechzehn Zeiteinheiten ein.
25.23
catuṣṣaṣṭimātraṃ kumbhakaṃ saṃpūrṇa kumbhavadbhavet |
recayenmūrdhnivāyuṃ ca dvātriṃśaṃ mātrayā guha || 23 ||
Übersetzung: Während vierundsechzig Zeiteinheiten halte man den Atem wie in einem vollständig gefüllten Krug an. Den Wind vom Scheitel her atme man während zweiunddreißig Zeiteinheiten aus, o Guha.
25.24
evaṃ prāṇāyāmamastu recapūskakumbhakaḥ |
ṣoḍaśa prāṇāyāmaistu nityaṃ ṣoḍaśameva ca || 24 ||
Übersetzung: So besteht Pranayama aus Ausatmen, Einatmen und Anhalten. Mit sechzehn Pranayamas, täglich wiederum sechzehn [die Wiederholung ist nicht erläutert],
25.25
parāṃ gatiṃ samāpnoti prāṇāyāmena vai guha |
prāṇādivijayaṃ paścāt bījaṃ varṇaṃ ca sāragam || 25 ||
Übersetzung: erlangt man durch Pranayama das höchste Ziel, o Guha. Danach [folgt] die Beherrschung Pranas und der übrigen Winde, mit ihrer Keimsilbe, Farbe und Essenz.
25.26
yakāraṃ prāṇabījaṃ tu nīlajīmūtasaprabham |
rakāraṃ cāpānamevaṃ tu sphuraddhṛdayasaprabham || 26 ||
Übersetzung: Ya ist Pranas Keimsilbe, dunkel wie eine Regenwolke. Ra ist Apana zugeordnet, leuchtend wie ein funkelndes Herz. [Die Farbbezeichnung ist auffällig.]
25.27
lakāraṃmapāna ityuktaṃ śākaṃ bandhūkasannibham |
pakāraṃ udāna ityuktaṃ vāruṇaṃ śaṅkhasannibham || 27 ||
Übersetzung: La wird ebenfalls Apana genannt, [mit einem beschädigten Ausdruck] wie eine Bandhuka-Blüte. Pa wird Udana genannt, zum Wasser gehörig und muschelweiß. [Die doppelte Apana-Zuordnung ist so überliefert.]
25.28
bhakāraṃ samānaṃ ityuktaṃ sphaṭikābhaṃ śivaṃ bhavet |
hṛnnābhināsikarṇaśca pādāṅguṣṭhaṃ tu saṃsthitam || 28 ||
Übersetzung: Bha wird Samana genannt, kristallglänzend, Shiva gleich. Herz, Nabel, Nase, Ohr und große Zehe
25.29
prāṇasya sthānamityuktaṃ brahmagranthimurastathā |
apānameḍhrapāyū ca ūrū vaṃ kṣaṇajānunī || 29 ||
Übersetzung: werden als Pranas Stätten genannt, ebenso Brahma-Knoten und Brust. Apanas Stätten sind Glied, After, Oberschenkel, Leisten und Knie,
25.30
udare jaṅghayoścaiva kaṭideśe nābhimūlake |
vyānaśrotrau ca cakṣuśca dhyānayorgaladeśataḥ || 30 ||
Übersetzung: Bauch, Unterschenkel, Hüftgegend und Nabelwurzel. Vyana [befindet sich in] Ohren, Augen und [einer beschädigten weiteren Stätte], in der Kehle,
25.31
pārśvayośca kukāṭyaśca sthiteśca gulphayorapi |
udānaḥ sarvasiddhisthaḥ pādau hastau ca cāṅgulī || 31 ||
Übersetzung: an beiden Seiten, am Hinterkopf [Lesung unsicher] und an den Knöcheln. Udana ist an sämtlichen Gelenkstellen, an Füßen, Händen und Fingern.
25.32
samānaḥ sarvadehe tu pādāṅguṣṭhādikāntakam |
dvāsaptati sahasrāṇi nāḍimārgeṣu saṃsthitaḥ || 32 ||
Übersetzung: Samana befindet sich im ganzen Körper, von den großen Zehen an überall, in den Wegen der zweiundsiebzigtausend Nadis
25.33
aṣṭāviṃśati koṭīṣu romakūpeṣu saṃsthitaḥ |
samānaprāṇa ekaṃ tu jīvastau * * meva hi || 33 ||
Übersetzung: und in den zweihundertachtzig Millionen Haarporen. Samana und Prana sind eines; die Seele und diese beiden [Textlücke].
25.34
śanaiḥsamastamākṛṣya hṛtsaroruhakoṭare |
pūrvavatpūrayitvātu kumbhakaṃ pūrvavadbhavet || 34 ||
Übersetzung: Langsam ziehe man alles in die Höhlung des Herzlotus zusammen. Nach der Einatmung wie zuvor folge ebenso das Atemanhalten.
25.35
recakaṃ pūrvavatkṛtvā karṇe vai tālurandhrake |
kodaṇḍa dvayamadhye tu brahmarandhre tu śaktimat || 35 ||
Übersetzung: Nach der Ausatmung wie zuvor [führe man die Kraft] durch Ohr und Gaumenöffnung, zwischen die beiden Kodaṇḍas und zur Brahmarandhra,
25.36
raśmirnajyotsnānādaṃ ca binduṃ māheśvaraṃ padam |
sadāśivaṃ śivaṃ paścāt tayordevena deśikaḥ || 36 ||
Übersetzung: durch Strahl, Mondlicht, Nada und Bindu, zu Maheshvaras Stätte, danach zu Sadashiva und Shiva; der Lehrer [vollzieht dies] durch die zugehörige Gottheit. [Die Schlussverbindung ist beschädigt.]
25.37
tato nirvāṇamāyāti mṛtyuṃ jitvā na saṃśayaḥ |
sṛṣṭimārgaṃ nayetpaścāt śivaścaiva tu yāmake || 37 ||
Übersetzung: Dann gelangt man zu Nirvana und hat den Tod besiegt, ohne Zweifel. Danach führe man [die Kraft] den Schöpfungsweg zurück; in Shiva [verweile sie] eine Nachtwache.
25.38
sadāśive ṣaṭ ghaṭikā * śa ghaṭikāpañcakam |
bindorvai caturghaṭikā nāde caiva trayaṃ bhavet || 38 ||
Übersetzung: In Sadashiva sechs Ghatika, in [Mahesha; Textlücke] fünf, in Bindu vier und in Nada drei.
25.39
jyotsnāyāṃ tu dvighaṭikā aśarekena saṃsthitaḥ |
raśmirardhaghaṭikena tadardhaṃ śaktigocare || 39 ||
Übersetzung: Im Mondlicht zwei Ghatika, in Akshara eine [Lesung unsicher], im Strahl eine halbe Ghatika und im Shakti-Bereich die Hälfte davon.
25.40
bhrūmadhye tālurandhre ca * * * * nasthirguha |
hṛdaye śivārdhaṃ kurvīta prāṇāyāmena deśikaḥ || 40 ||
Übersetzung: In Augenbrauenmitte und Gaumenöffnung [Textlücke], o Guha. Im Herzen vollziehe der Lehrer durch Pranayama [eine halbe Shiva-Einheit; Lesung unklar].
25.41
saṃvatsaratrayaṃ hyevaṃ prāsādena tu so'bhyaset |
bahiraṅge prasādaṃ tu prāṇāyāmaṃ tu ṣaṇmukha || 41 ||
Übersetzung: Drei Jahre lang übe man so mit Prasada. Dieses Pranayama mit Prasada gehört zur äußeren Praxis, o Sechsgesichtiger.
25.42
mṛtyuñjayamavāpnoti tato vāyujayaṃ bhavet |
prasaraṃ tu pravakṣyāmi sopānaṃ dhāraṇasya tu || 42 ||
Übersetzung: Man erlangt die Überwindung des Todes und danach die Beherrschung des Windes. Nun werde ich die Ausweitung erklären, die Stufe zur Dharana.
25.43
mano mārutayuktena sarvamākṛṣya mantravit |
pādāṅguṣṭhe ciraṃ rudhya ghaṭikātrayameva hi || 43 ||
Übersetzung: Mit dem Geist, verbunden mit dem Wind, ziehe der Mantrakundige alles zusammen und halte es an der großen Zehe lange fest: drei Ghatika.
25.44
sarvāṅguṣṭhena dviguṇaṃ prāsādenaiva daṇḍataḥ |
tato gulphaṃ tu savye tu savyaṃ caivāpasavyake || 44 ||
Übersetzung: An sämtlichen großen Zehen [beziehungsweise Daumen] doppelt so lang, mit Prasada geradlinig [der Satz ist entstellt]. Danach am linken Knöchel und ebenso am rechten,
25.45
ghaṭikāṣaṭkamekaikaṃ nirudhya kumbhakameva tu |
jaṅghayoścaiva madhye tu upavinmūle tu rodhayet || 45 ||
Übersetzung: jeweils sechs Ghatika, halte man im Kumbhaka an. In der Mitte der Unterschenkel und an [einer beschädigt bezeichneten Wurzel] halte man fest.
25.46
yāvannirodhayettatra sarvamākṛṣya cānilam |
ghaṭikāṣṭakaṃ niroddhavyaṃ parakumbhakasaṃsthitam || 46 ||
Übersetzung: Dort ziehe man sämtlichen Wind zusammen und halte ihn acht Ghatika an, im höchsten Kumbhaka verweilend.
25.47
punarūrudvaye vatsa sparśamākṛṣya rodhayet |
dvārasaṃkhyāṃ niroddhavyaṃ prāsādena tu deśikaḥ || 47 ||
Übersetzung: Dann ziehe man in beiden Oberschenkeln die Berührung zusammen und halte sie an, mein Kind. Neun [Ghatika] halte der Lehrer sie mit Prasada fest.
25.48
pāyumūle meḍhramūle ākṛṣya sparśanādguha |
samyaṅnirodhayennityaṃ manomārutasaktayā || 48 ||
Übersetzung: An Afterwurzel und Wurzel des Gliedes ziehe man die Berührung zusammen, o Guha, und halte sie stets richtig mit der Kraft von Geist und Wind fest.
25.49
pāyumūle meḍhramūlaṃ tatkṣaṇaṃ naśyate guha |
punarvai kuṇḍalīmadhye nābhimadhye tu kuṇḍalī || 49 ||
Übersetzung: An Afterwurzel und Wurzel des Gliedes schwindet dies sogleich, o Guha. Dann wiederum inmitten der Kundalini; Kundalini befindet sich in der Nabelmitte.
25.50
diksaṃkhyāṃ ghaṭikā rodhya sparśamākṛṣya mantravit |
prāsādena tu bījena rodhayet * * nantataḥ || 50 ||
Übersetzung: Zehn Ghatika halte der Mantrakundige an, nachdem er die Berührung zusammengezogen hat. Mit der Prasada-Keimsilbe halte er sie fest [Textlücke].
25.51
pratyāhāre pradhānaṃ tu kuṇḍalīsthānamuttamam |
aṣmīlaṃ plahagulphaṃ ca vātarogāṃśca nāśayet || 51 ||
Übersetzung: Bei Pratyahara ist die vorzügliche Kundalini-Stätte besonders wichtig. Sie beseitigt Ashthila, Milzleiden, Geschwülste und Windkrankheiten. [Einzelne Krankheitsnamen sind entstellt.]
25.52
bāhyāyāmaṃ vidrudhiṃ ca ākṣepaṃ ca dhanurguha |
aśītirvātajādrogāt pratyāhāreṇa nāśayet || 52 ||
Übersetzung: Äußere Anspannung, Abszess, Krampf und Bogenkrampf, o Guha, sowie achtzig durch Vata verursachte Krankheiten beseitige man durch Pratyahara.
25.53
punarvai hṛdaye mantrī * * * * * * * * |
prāsādayetsamastaṃ ca ghaṭikaikādaśe sthitaḥ || 53 ||
Übersetzung: Dann [sammle] der Mantrapraktizierende im Herzen [Textlücke] und bringe alles zur Ruhe, elf Ghatika verweilend.
25.54
balīpalitanāśaṃ ca mṛtyunāśanameva ca |
kaṇṭha(rṇa)kūpaṃ nirudhyātha sarvamākṛṣya yogavān || 54 ||
Übersetzung: Dies beseitigt Falten und Ergrauen sowie den Tod. Dann ziehe der Yogakundige alles zusammen und halte es in der Kehlgrube fest. [Die Vorlage bietet auch die Lesung „Ohr“.]
25.55
iḍāyāṃ pūrayitvā tu * * * * * * * * |
dvādaśaṃ ghaṭikaṃ vāpi tadardhaṃ vā nirodhayet || 55 ||
Übersetzung: Nach dem Einfüllen durch Ida [Textlücke] halte man zwölf Ghatika oder die Hälfte davon an.
25.56
kṣutpipāse vinaśyanti tṛṣṇāṃ uṣṇajvaraṃ tathā |
tālurandhre niroddhavyamanilaṃ marutā yutam || 56 ||
Übersetzung: Hunger und Durst schwinden, ebenso Durstbeschwerden und heißes Fieber. In der Gaumenöffnung halte man den Wind, mit dem Lebenshauch verbunden, fest,
25.57
trayodaśaṃ ghaṭikāṃ vātha yodhaśaktimathāpi vā |
sarvadvāra pradhānastu prāsādaṃ ca tṛtīyakam || 57 ||
Übersetzung: dreizehn Ghatika oder nach Kräften. [Dies ist] das hauptsächliche aller Tore; Prasada und den dritten [Laut]
25.58
savisargeṇa vai vatsa sarvavṛttiṃ nirodhayet |
sarvavyādhiharaṃ hyetat pittaṃ śleṣmaṃ ca vātajam || 58 ||
Übersetzung: mit Visarga verbunden [verwende man], mein Kind, und halte sämtliche Regungen an. Dies beseitigt alle aus Pitta, Kapha und Vata entstandenen Krankheiten.
25.59
mṛtyuñjayaṃ paraṃ hyetat tālurandhre ca buddhimān |
sadā tatsarvamākṛṣya kodaṇḍadvayamadhyagam || 59 ||
Übersetzung: Dies ist die höchste Überwindung des Todes in der Gaumenöffnung. Der Verständige ziehe stets alles zusammen und führe es zwischen die beiden Kodaṇḍas.
25.60
prāsādaṃ haṃsasaṃvṛttaṃ ākṛṣya sparśanaḥ sukhī |
caturdaśaghaṭikāṃ vatsa tadarhdaṃ vā nirodhayet || 60 ||
Übersetzung: Prasada, umschlossen von Hamsa, ziehe man als Berührung glücklich zusammen. Vierzehn Ghatika, mein Kind, oder die Hälfte davon halte man an.
25.61
recyarecakaśaktiścet satataṃ rodhayedguha |
sarvajñatvamavāpnoti vedaśāstrāṇi vindati || 61 ||
Übersetzung: Wenn die Fähigkeit zum Ausatmen [und erneutem Ausatmen; Wortlaut unregelmäßig] besteht, halte man beständig fest, o Guha. Man erlangt Allwissenheit und erschließt Veden und Schriften.
25.62
saptalokāśca tatraiva paśyate yogacakṣuṣā |
suṣumnāgre rodhayetpaścāt ākṛṣya sparśanaṃ tataḥ || 62 ||
Übersetzung: Die sieben Welten sieht man dort mit dem Yoga-Auge. Danach halte man an der Spitze der Sushumna an und ziehe die Berührung zusammen.
25.63
prāsāde candrabimbena manomārutayuktayā |
yāmatrayaṃ nirodhyaṃ tu ākṛṣyākṛṣya mantravit || 63 ||
Übersetzung: In Prasada, mit der Mondscheibe und der Verbindung von Geist und Wind, halte der Mantrakundige drei Nachtwachen an, wieder und wieder zusammenziehend.
25.64
kṛṣṇabhṛṅganibhenaiva romakūpeṣu plāvayet |
sapatnastambhamevaṃ tu mṛtyunāśanameva ca || 64 ||
Übersetzung: Mit dem Bienenschwarzen überflute man die Haarporen. Dies bringt die Erstarrung der Feinde und die Vernichtung des Todes.
25.65
sarvasparśanaṃ tatraiva manasā tu nirodhayet |
nirodhya plāvayedamṛtaiśśanaiśanaiḥ śivacandrakau || 65 ||
Übersetzung: Sämtliche Berührung halte man dort mit dem Geist an. Nach dem Anhalten überflute man allmählich mit Nektar, [Shiva und Mond vergegenwärtigend].
25.66
ratyagnijyotsnāyāṃ paścādākṛṣya vāyubhiḥ |
nirodhayettataḥ sarvān śivacandreṇa saṃyamī || 66 ||
Übersetzung: Danach ziehe man mit den Winden in Rati, Feuer und Mondlicht [Lesung unsicher] zusammen. Dann halte der Selbstbeherrschte alles mit dem Shiva-Mond an,
25.67
ṣoḍaśa saptadaśe caiva tato'ṣṭādaśa vai ghaṭī |
sarvaṃ niruddhya matimān amṛtatvena plāvayet || 67 ||
Übersetzung: sechzehn, siebzehn und danach achtzehn Ghatika. Nachdem er alles angehalten hat, überflute der Verständige es mit Unsterblichkeitsnektar.
25.68
ghaṭikāṃ sahasraṃ āyuṣyaṃ labhate nātra saṃśayaḥ |
rahasyametadākhyātaṃ pratyāhāraṃ sudurlabham || 68 ||
Übersetzung: Für eine Ghatika erlangt man tausend [Jahre] Lebensdauer, ohne Zweifel. Dieses Geheimnis ist erklärt: das schwer zu erlangende Pratyahara.
25.69
agravāyujayādvatsa parakāyapraveśanam |
mṛte jīve ca sarvaṃ tu tajjanātsaṃpraveśanam || 69 ||
Übersetzung: Durch die Beherrschung des oberen Windes, mein Kind, [erlangt man] den Eintritt in andere Körper, in tote und lebende, vollständig durch seine Kenntnis.
25.70
ekonaviṃśadghaṭikā prāsādaṃ haṃsacandrakam |
āpādatalaparyantaṃ kādināditrayena tu || 70 ||
Übersetzung: Neunzehn Ghatika [vergegenwärtige man] Prasada, Hamsa und Mond, bis zu den Fußsohlen, mit der Dreiheit von Ka und Nada [Lesung unklar].
25.71
plāvayedamṛtenaiva ayutāyurbhavennaraḥ |
nādasthāne caraṃ rodhya ghaṭikā caika viṃśatiḥ || 71 ||
Übersetzung: Man überflute mit Nektar; der Mensch erlangt zehntausend Jahre Lebensdauer. An der Nada-Stätte halte man die Bewegung einundzwanzig Ghatika an.
25.72
anilaṃ samastaṃ vai vatsa ākṛṣyaṃ tatra rodhayet |
mahānādaśivenaiva śaśinā ca samanvitam || 72 ||
Übersetzung: Sämtlichen Wind, mein Kind, ziehe man dort zusammen und halte ihn fest, verbunden mit Mahanada, Shiva und Mond.
25.73
plāvayetkhādipādāntaṃ ayutadvayaṃ sa jīvati |
punaḥ sadā ca vai vatsa āyuṣyaṃ sarvavāyubhiḥ || 73 ||
Übersetzung: Vom Raum bis zu den Fußsohlen überflute man [den Leib]; so lebt man zwanzigtausend Jahre. Wiederum stets, mein Kind, [sammle man] die Lebenskraft mit sämtlichen Winden.
25.74
dhiyā saṃrodhayettatra ghaṭikātriṃśatiṃ guha |
punarāpyāyayedvatsa śivaścakreṇa haṃsadaḥ || 74 ||
Übersetzung: Mit dem Denken halte man dort dreißig Ghatika an, o Guha. Dann erfülle man wieder, mein Kind, mit Shivas Kreis und Hamsa [Satzanschluss unsicher].
25.75
lakṣakoṭiṃ sa jīveta plāvayetsarvavigraham |
evaṃ pūrve pratyāhāraṃ sukhaṃ vāyujayaṃ bhavet || 75 ||
Übersetzung: Man lebt eine Lakh von Kotis, also tausend Milliarden [Jahre], und überflute den gesamten Leib. So entsteht durch das zuvor erklärte Pratyahara mühelos die Windbeherrschung.
25.76
ārohaṃ avarohaṃ ca sthānātsthānaṃ tu vai guha |
iḍayā piṅgalā caiva pūrakaṃ tu krameṇa tat || 76 ||
Übersetzung: Aufstieg und Abstieg von Stätte zu Stätte, o Guha, und die Einatmung durch Ida und Pingala vollziehe man der Reihe nach.
Unnummerierte Passage: ropayeta punardhīmān saguṇaṃ durgamātrayam |
Übersetzung: Dann lasse der Verständige [die Kraft] wieder aufsteigen, mit ihren Eigenschaften, durch die drei schwer zugänglichen [Stätten; Ausdruck unklar].
iti kālottare pratyāhārapaṭalaḥ pañcaviṃśatitamaḥ || 25 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 25 über „Pratyahara“.
Kapitel 26 – Dharana
26.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
dhāraṇāṃ vāyujāṃ vakṣye bhuktimuktiphalapradām |
saha saubhāgyamāpnoti dhanamāyurbalaṃ śriyam || 1 ||
Übersetzung: Heil und Segen! Ishvara sprach: Ich werde die aus dem Wind hervorgehende Dharana erklären, die Genuss und Befreiung als Frucht gewährt. Zugleich erlangt man Glück, Reichtum, Lebensdauer, Kraft und Wohlstand.
26.2
ekānte nirjane sthāne vātātapavivarjite |
catvāriṃ bahiraṅgāni atyajya ca yathāvidhi || 2 ||
Übersetzung: An einem einsamen, menschenleeren Ort, frei von Wind und Sonnenhitze, ohne die vier äußeren Glieder aufzugeben, nach Vorschrift,
26.3
pratyāhārāji na sparśadhāraṇā ca samabhyaset |
pṛthivyādipañcavaktraṃ dhārayetpūrvameva hi || 3 ||
Übersetzung: übe man nach der Meisterung von Pratyahara die Sparsha-Dharana. Zuerst halte man die fünf Gesichter, beginnend mit Erde, in der Konzentration fest.
26.4
mahaccakraṃ dhārayetpaścādīśvarādi punarbhavet |
pṛthivīṃ dhārayedvatsa trikālaṃ vā dvikālakam || 4 ||
Übersetzung: Danach konzentriere man sich auf das große Chakra und anschließend auf Ishvara und die weiteren [Prinzipien]. Die Erde halte man, mein Kind, dreimal oder zweimal täglich in der Konzentration.
26.5
pṛthivī siddhyate yogī sārvabhaumatvamāpnuyāt |
śabdasparśaṃ ca rūpaṃ ca raso gandhaśca pañcamaḥ || 5 ||
Übersetzung: Dem Yogi wird die Erde verfügbar; er erlangt Weltherrschaft. Klang, Berührung, Gestalt, Geschmack und Geruch als fünftes:
26.6
pañcabhistu guṇairyuktaṃ dhyāyetpṛthivimaṇḍalam |
mṛtyuñjayamavāpnoti sarvaiśvaryasamṛddhidam || 6 ||
Übersetzung: Mit diesen fünf Eigenschaften versehen, meditiere man über den Erdkreis. Man erlangt die Überwindung des Todes und die Fülle sämtlicher Herrschaftskräfte.
26.7
evaṃ dhyāyedvidhivat ardhacandrābjasaṃsthitam |
gokṣīraṃ dhavalaṃ saumyaṃ śaṅkhakundasamaprabham || 7 ||
Übersetzung: Danach meditiere man nach Vorschrift über [den Wasserkreis], auf einem halbmondförmigen Lotus ruhend, weiß wie Kuhmilch, mondhaft, leuchtend wie Muschel und Jasmin.
26.8
hṛṣaṣṭha bindusaṃyuktaṃ brahmarandhraṃ tu dhyāyayet |
adhomukhamamṛtaṃ dhyāyet dhyāyeccaivaṃ tato guha || 8 ||
Übersetzung: Mit dem sechsten [Laut; Anfang entstellt] und Bindu verbunden meditiere man über die Brahmarandhra. Nach unten strömenden Nektar vergegenwärtige man so, o Guha.
26.9
tena plāvitamātmānaṃ āpūryakumbhake sthitam |
pūrvāttu dviguṇaṃ vatsa dhyānaṃ samyagvyavasthitam || 9 ||
Übersetzung: Das eigene Selbst stelle man sich davon überflutet und erfüllt vor, im Kumbhaka verweilend. Die Meditation währe doppelt so lange wie zuvor, mein Kind.
26.10
mṛtyuñjayamavāpnoti sarvavyādhivivarjitam |
sthāvaraṃ jaṅgamaṃ caiva kṛttimaṃ vimatāśamam || 10 ||
Übersetzung: Man erlangt die Überwindung des Todes und Freiheit von sämtlichen Krankheiten. Unbewegliches, Bewegliches und künstlich Hervorgebrachtes [vermutlich Giftarten; der letzte Ausdruck ist beschädigt],
26.11
ajarāmṛtatvamāpnoti dhyānaṃ vāruṇaṃ maṇḍalam |
śabdasparśaṃ ca rūpaṃ ca rasaṃ caiva caturguṇam || 11 ||
Übersetzung: [werden überwunden]; man erlangt Freiheit von Alter und Tod durch Meditation über den Wasserkreis. Klang, Berührung, Gestalt und Geschmack sind dessen vier Eigenschaften.
26.12
caturguṇayutaṃ bhadraṃ vāruṇaṃ maṇḍalaṃ smaret |
āgneyaṃ maṇḍalaṃ dhyāyet trikoṇaṃ svastikairyutam || 12 ||
Übersetzung: Den glückbringenden Wasserkreis vergegenwärtige man mit diesen vier Eigenschaften. Den Feuerkreis meditiere man als Dreieck, versehen mit Svastikas,
26.13
jvālā mālāsahasraiśca raktavarṇaṃ hutāśanam |
ṣaṣṭame daśasaṃyuktaṃ binduyuktaṃ ṣaḍānana || 13 ||
Übersetzung: mit tausend Flammenreihen, rot, als Opferfeuer, mit dem sechsten und dem zehnten [Laut; Zuordnung unsicher] sowie Bindu verbunden, o Sechsgesichtiger.
26.14
udārāgniṃ cintayeddeva triguṇenānu saṃyutam |
śabdasparśaṃ ca rūpaṃ ca agnibimbaṃ vicintayet || 14 ||
Übersetzung: O Gott, das mächtige Feuer vergegenwärtige man mit drei Eigenschaften: Klang, Berührung und Gestalt; so stelle man die Feuerscheibe vor.
26.15
pūrvavatkumbhakaṃ kuryāt kumbhakaṃ caiva pūrvavat |
recakaṃ pūrvavatkuryāt anilaṃ manasā jayet || 15 ||
Übersetzung: Wie zuvor vollziehe man Kumbhaka und wiederum Kumbhaka [so wiederholt die Vorlage]; wie zuvor die Ausatmung. Den Wind besiege man mit dem Geist.
26.16
aśītirvātajān rogān śleṣmajān saptasaptatim |
tatkṣaṇānnaśyate vatsa siṃhasyeva yathā gajaḥ || 16 ||
Übersetzung: Achtzig durch Vata und siebenundsiebzig durch Kapha entstandene Krankheiten schwinden sogleich, mein Kind, wie ein Elefant vor dem Löwen.
26.17
vartulaṃ kṛṣṇavarṇaṃ ca bindulāñchanalāñchitam |
gabhasti daivataṃ vatsa dviguṇena samanvitam || 17 ||
Übersetzung: Rund und schwarz, mit Punkten bezeichnet, mit Gabhasti als Gottheit, mein Kind, versehen mit zwei Eigenschaften [sei der Windkreis].
26.18
śabdasparśasamāyuktaṃ dvitīyena samanvitam |
binduśekharamārūḍhaṃ kaṇṭhakūpe tu dhyāyayet || 18 ||
Übersetzung: Mit Klang und Berührung, dem zweiten [Vokal] und Bindu als Krone versehen, meditiere man darüber in der Kehlgrube.
26.19
sarvavāyuṃ tatraiva yugapaddhyāyayedguha |
iḍāyāṃ piṅgalāyāṃ tu suṣumnāyāṃ ca pūrayet || 19 ||
Übersetzung: Über sämtliche Winde meditiere man dort zugleich, o Guha. Durch Ida, Pingala und Sushumna fülle man ein.
26.20
kumbhakaṃ pūrvavatkṛtvā recakaṃ tu śanairbhavet |
evaṃ vai dhyāyayedvatsa sarvavāyujayaṃ bhavet || 20 ||
Übersetzung: Nach Kumbhaka wie zuvor erfolge die Ausatmung langsam. So meditiere man, mein Kind; dadurch entsteht die Beherrschung sämtlicher Winde.
26.21
manojayatvamāpnoti sarvagatvaṃ ca jāyate |
hṛtsaroruhajaṃ ye tu ākāśaṃ mecakaprabham || 21 ||
Übersetzung: Man erlangt die Beherrschung des Geistes und Allgegenwart. Der im Herzlotus entstandene Raum erscheint dunkel,
26.22
śuddhasphaṭikasaṃkāśaṃ śabdaikaguṇasaṃyutam |
parameśvaraṃ cādhidaivaṃ sarvakāraṇakāraṇam || 22 ||
Übersetzung: [zugleich] reinem Kristall gleich, allein mit der Eigenschaft Klang versehen, mit Parameshvara als vorstehender Gottheit, der Ursache sämtlicher Ursachen.
26.23
aṣṭavargaṃ caturthaṃ tu binduśekharabhūṣitam |
dhyāyedvyomaṃ śiromadhye śivādhāraṃ sunirmalam || 23 ||
Übersetzung: Den vierten Laut der achten Gruppe, mit Bindu als Krone geschmückt, [vergegenwärtige man]. In der Kopfmitte meditiere man über den vollkommen reinen Raum, Shivas Grundlage.
26.24
samastavāyuṃ tatraivādhiyā caiva nirodhayet |
pūrvavatpūrakaṃ kuryāt kumbhakaṃ recakaṃ tathā || 24 ||
Übersetzung: Sämtlichen Wind halte man dort durch das Denken an. Wie zuvor vollziehe man Einatmung, Kumbhaka und Ausatmung.
26.25
sarvajñatvamavāpnoti sarvavāyujayaṃ bhavet |
mahācakraṃ punardhyāyet sarvadevairanuṣṭhitam || 25 ||
Übersetzung: Man erlangt Allwissenheit und die Beherrschung sämtlicher Winde. Dann meditiere man über das große Chakra, in dem alle Götter ihren Platz haben.
26.26
ṣaṭtriṃśaddalasaṃyuktaṃ karṇikākesarānvitam |
mahāpadmamidaṃ vatsa śivapadmaṃ suśobhanam || 26 ||
Übersetzung: Mit sechsunddreißig Blättern, Fruchtboden und Staubfäden versehen ist dieser große Lotus, mein Kind: Shivas herrlicher Lotus.
26.27
prāsādaṃ karṇikāyāṃ tu sarvavidyeśvareśvaram |
kesarāṣṭottaraśataṃ pṛthagdevaṃ prakalpayet || 27 ||
Übersetzung: Auf dem Fruchtboden [vergegenwärtige man] Prasada, den Herrn aller Vidyeshvaras. An den 108 Staubfäden stelle man die Gottheiten einzeln vor:
26.28
vidyeśvarāṣṭabhiścaiva dvādaśādityakāśca vai |
vasavaścāṣṭa te caiva aṣṭau caiva gaṇeśvarān || 28 ||
Übersetzung: die acht Vidyeshvaras, die zwölf Adityas, die acht Vasus und die acht Herren der Scharen,
26.29
lokapālān daśa caiva astrāṇāṃ ca tathaiva ca |
rudramātṛgaṇānāṃ ca yakṣavidyādharāstathā || 29 ||
Übersetzung: die zehn Welthüter und ebenso ihre Waffen, die Rudras und Mutterscharen, Yakshas und Vidyadharas,
26.30
gandharvāścāraṇāssiddhā kiṃ puruṣā garuḍāstathā |
marudgaṇāḥ pitṛgaṇāḥ kinnarāpsarasastathā || 30 ||
Übersetzung: Gandharvas, Charanas, Siddhas, Kimpurushas und Garudas, Marut- und Ahnenscharen, Kinnaras und Apsaras,
26.31
ṛṣirākṣasā surāśca yātudhānāśca pannagāḥ |
nāgāśca vividhāścaiva nakṣatragraharāśayaḥ || 31 ||
Übersetzung: Seher, Rakshasas, Götter, Yatudhanas und Schlangenwesen, verschiedene Nagas, Mondhäuser, Planetenmächte und Tierkreiszeichen,
26.32
devapatnyaḥ ṛṣipantyaśca tathā devakumārakāḥ |
devakanyā ṛṣikanyā bhūtā vai kṣetrapālakāḥ || 32 ||
Übersetzung: Göttergattinnen, Sehergattinnen, Götterknaben, Göttertöchter, Sehertöchter, Bhutas und Gebietshüter.
26.33
ete ṣaṭtriṃśatpatreṣu kalpayitvā yathā kramam |
mahābāhyena vinyasya triguṇīkṛtya veṣṭayet || 33 ||
Übersetzung: Diese stelle man der Reihe nach auf den sechsunddreißig Blättern vor, lege sie weit außen auf und umschließe sie dreifach.
26.34
binduyuktena vai sarvaṃ binduśekharabhūṣitam |
vyañjanāni ca sarvaṃ tu gamyakaṃ * * * * * * || 34 ||
Übersetzung: Alles verbinde man mit Bindu, mit Bindu als Krone geschmückt; sämtliche Konsonanten [es folgt eine Textlücke].
26.35
śrutvā mātreṇa labhyeta guruprasādāttu labhyate |
- * * * * * sūkṣma bāhyābhyantara saṃsthitam || 35 ||
Übersetzung: Allein durch das Hören kann es erlangt werden, durch die Gnade des Guru wird es erlangt. [Textlücke] fein, außen und innen gegenwärtig.
26.36
prāsādaṃ sakalaṃ vidyā maheśaścātra dṛśyate |
sakalaṃ niṣkalaṃ suptaṃ suṣuptaṃ tu sadāśivam || 36 ||
Übersetzung: Prasada mit Teilen ist Vidya; darin erscheint Mahesha. Mit und ohne Teile, Schlaf und Tiefschlaf [werden genannt]; Sadashiva gehört zum Tiefschlaf.
26.37
prāsāde bindudevaṃ tu * * * * * * * * |
binduṃ tu vai śivaṃ vidyāt turīyaṃ parikīrtitam || 37 ||
Übersetzung: In Prasada die Bindu-Gottheit [Textlücke]. Bindu erkenne man als Shiva; er wird das Vierte genannt.
26.38
tadeva sarvavyāpīni niṣkalaṃ nirmalaṃ śivam |
vācyavācakarahitaṃ heyopādenaśūnyakam || 38 ||
Übersetzung: Eben dies ist der alldurchdringende, teillose, reine Shiva, jenseits von Bezeichnetem und Bezeichnung, frei von Zurückweisen und Annehmen.
26.39
nityaṃ sarvagataṃ brahma svasaṃvedyaṃ śivaṃ padam |
kāraṇaṃ sarvadevānāṃ akṣarakṣaravarjitam || 39 ||
Übersetzung: Das ewige, alldurchdringende Brahman, Shivas nur selbst erfahrbare Stätte, Ursache sämtlicher Götter, jenseits von Unvergänglichem und Vergänglichem.
26.40
ādhāre cintayedaivaṃ samādhisthasya yoginaḥ |
susaṃvedyahitaṃ brahma kumārī strīsukhaṃ sadā || 40 ||
Übersetzung: So vergegenwärtige es der im Samadhi ruhende Yogi in der Grundlage: Brahman, das unmittelbar erfahrbar ist. [Ein unvollständig formulierter Vergleich nennt eine Jungfrau und das Glück einer Frau.]
26.41
ayogī naiva jānāti jātyandho hi yathā ghaṭam |
ghaṭo niyatinākāśaṃ tadvajjīvo nabhopamam || 41 ||
Übersetzung: Ein Nicht-Yogi kennt es nicht, wie ein von Geburt Blinder einen Krug nicht [durch Sehen kennt]. Wie der Raum durch einen Krug begrenzt erscheint, so ist Jiva dem Raum gleich.
26.42
śrotraṃ vinā śṛṇotyanyaścakṣurnāsti sa paśyati |
prāṇaṃ vinā sa jīveti tvagvinā sparśaṃ tu vindati || 42 ||
Übersetzung: Ohne Ohr hört er, ohne Auge sieht er, ohne Prana lebt er, ohne Haut erfährt er Berührung.
26.43
jihvāṃ vinā rasaṃ vindet vahninā pralapanti ca |
pāṇirnāsti sagṛhṇāti pādo nāsti sa gacchati || 43 ||
Übersetzung: Ohne Zunge erfährt er Geschmack; [die Vorlage nennt beim Sprechen „Feuer“, vermutlich entstellt]. Ohne Hand ergreift er, ohne Fuß geht er.
26.44
vāyuṃ vināpi cotsargaṃ sarvakāleṣu vai guha |
meḍhraṃ vināpi cānandaṃ sarvameva hi nityaśaḥ || 44 ||
Übersetzung: Ohne Wind vollzieht er zu jeder Zeit die Ausscheidung, o Guha; ohne Geschlechtsorgan erfährt er Glückseligkeit, all dies beständig.
26.45
mano nāsti sasaṃkalpe trailokye sacarācaram |
ahaṃkāraṃ vinā vatsa ahaṃkṛtaḥ svayameva ca || 45 ||
Übersetzung: Ohne Manas fasst er den Entschluss zur gesamten beweglichen und unbeweglichen Dreiwelt. Ohne Ahamkara, mein Kind, setzt er selbst das Ich.
26.46
mahānāsi mahattvaṃ ca tasthuṣā rūpamavyayam |
prakṛtiṃ vinā mahādevo jagatsarvaṃ prajāyate || 46 ||
Übersetzung: Ohne Mahat [ist er] die Größe und die unvergängliche Gestalt des Bestehenden. Ohne Prakriti bringt Mahadeva die ganze Welt hervor.
26.47
puryaṣṭakasamāyuktaṃ puruṣo nāsti ceṣṭaka |
cara * * * de sarvaṃ joṣate bhuñjate'pi ca || 47 ||
Übersetzung: Mit der achtgliedrigen feinen Hülle verbunden, ist Purusha nicht der Handelnde [Satz beschädigt]; er bewegt sich [Textlücke], erfreut sich an allem und genießt.
26.48
pibate gṛhṇate caiva paśyate spṛśate'pi ca |
gacchati svaṃ nṛtyati ca gāyate plavate'pi saḥ || 48 ||
Übersetzung: Er trinkt, ergreift, sieht und berührt, geht, [ein weiterer Ausdruck ist unklar], tanzt, singt und schwimmt.
26.49
trilakṣāśīti sāhasraṃ brahmādistambhasaṃjñitam |
ota protena vai vatsa paripūrṇena vai sadā || 49 ||
Übersetzung: Dreihundertachtzigtausend [Wesen beziehungsweise Formen] von Brahma bis zum Grashalm: Sie sind längs und quer durchwoben, mein Kind, stets vom Vollständigen erfüllt.
26.50
śūnyaṃ śūnyena bhāvena iti tvaṃ bhāvayiṣyasi |
dehe śūnyapadaṃ dhyātvā mokṣayiṣyasi ṣaṇmukha || 50 ||
Übersetzung: Wenn du so das Leere im Zustand der Leere vergegenwärtigst und im Körper über die leere Stätte meditierst, wirst du frei, o Sechsgesichtiger.
26.51
ūrdhvaśūnyamadhaśśūnyamadhyaśūnyaṃ nirāmayam |
khaśūnyaṃ śaktiśūnyaṃ ca nāstiśūnyaṃ ca vai guha || 51 ||
Übersetzung: Oben leer, unten leer, in der Mitte leer und frei von Übel; leerer Raum, leere Shakti und auch Leere des Nichtseins, o Guha.
26.52
mātṛśūnyaṃ binduśūnyaṃ maheśaṃ ca sadāśivam |
brahmā viṣṇuśca rudraśca sarvaśūnyaṃ ca bhāvayet || 52 ||
Übersetzung: Leere der Mütter beziehungsweise der Lautmutter, Leere des Bindu, Mahesha und Sadashiva, Brahma, Vishnu und Rudra: Alles vergegenwärtige man als leer.
26.53
ṣaṭtriṃśattattvaśūnyaṃ ca ādhārādheyaśūnyakam |
tvamahaṃ śūnyamevaṃ hi sarvāṃ nāstīti bhāvataḥ || 53 ||
Übersetzung: Die Leere der sechsunddreißig Tattvas, die Leere von Träger und Getragenem, die Leere von Du und Ich: So vergegenwärtige man, dass nichts [als gesondertes Etwas] besteht.
26.54
svayaṃ vedyasamādhīnā grāhyo devaḥ śivaḥ paraḥ |
nirbījamidaṃ samādhirdṛśyate tu ṣaḍānana || 54 ||
Übersetzung: Durch den selbst erfahrbaren Samadhi ist der höchste Gott Shiva zu erfassen. Dies ist der keimlose Samadhi, der sichtbar wird, o Sechsgesichtiger.
26.55
madhyadehaṃ paraṃ brahma bāhyābhyantarasaṃsthitaḥ |
puṣpeṣu gandhavannityaṃ tile tailamiva sthitam || 55 ||
Übersetzung: In der Körpermitte ist das höchste Brahman, außen und innen gegenwärtig, stets wie Duft in Blumen und Öl im Sesam,
26.56
dadhno ghṛtamiva jyotiḥ kāṣṭhe vahniriva sthitaḥ |
guruvaktraprasādena labhyate sarvatomukha || 56 ||
Übersetzung: wie Butter in Sauermilch, wie Licht und Feuer im Holz. Durch die Gnade des Wortes aus dem Mund des Guru wird es erlangt, o nach allen Seiten Gewandter.
iti kālottare dhāraṇāvidhiḥ ṣaḍviṃśatiḥ paṭalaḥ |
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 26 über „Dharana“.
Kapitel 27 – Bhavayoga
27.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
bhāvayogaṃ pravakṣyāmi * * yogaṃ sudurlabham |
dhyānaṃ dhāraṇarahitaṃ japahomavivarjitam || 1 ||
Übersetzung: Heil und Segen! Ishvara sprach: Ich werde Bhava Yoga erklären, den schwer zu erlangenden [Textlücke]-Yoga: Meditation ohne Dharana, frei von Japa und Feueropfer.
27.2
tithirna rāśirnakṣatraṃ niyamo nopavāsakam |
yasya kālaśca sthānaṃ ca āsanāni ca ṣaṇmukha || 2 ||
Übersetzung: Für ihn gibt es keinen festgelegten Mondtag, kein Tierkreiszeichen oder Mondhaus, keine besondere Regel oder Fastenvorschrift; weder Zeit noch Ort noch Sitzhaltungen [sind bestimmend], o Sechsgesichtiger.
27.3
dhāraṇāpratyāhāraṃ ca kulakṣādivivarjitam |
- * * * ñca tīrthaṃ ca na snānaṃ śaucameva ca || 3 ||
Übersetzung: Er ist frei von Dharana, Pratyahara und [einem entstellten Ausdruck]. [Textlücke] keine heilige Badestelle, kein Bad und keine Reinigung [sind erforderlich].
27.4
recakaṃ pūrakaṃ caiva kumbhakaṃ ca vivarjayet |
na varṇaṃ navabījaṃ ca sakalaṃ niṣkalaṃ na ca || 4 ||
Übersetzung: Ausatmung, Einatmung und Atemanhalten lasse man weg. Weder Laut beziehungsweise Farbe noch neue Keimsilbe, weder die mit Teilen versehene noch die teillose [Form ist entscheidend].
27.5
hṛtpīḍā nāvanābhiṃ ca na śravormadhya eva tu |
iḍā ca piṅgalā caiva suṣumnāprāṇireva ca || 5 ||
Übersetzung: Weder das Bedrängen des Herzens noch Nabel oder Augenbrauenmitte [die Körperstellen sind teilweise entstellt]; Ida, Pingala, Sushumna und Prana [werden ebenfalls genannt].
27.6
- * * * * ti padya bāhyābhyantarasaṃsthitam |
aṣṭāviṃśatkoṭirūpakūpe saṃcarate sadā || 6 ||
Übersetzung: [Textlücke] außen und innen gegenwärtig, bewegt sich [das Prinzip] stets in zweihundertachtzig Millionen Haarporen.
27.7
brahmādi stambha paryantaṃ te pārthe sacarācaram |
yogasūrya * * * * * * * * * * * ya || 7 ||
Übersetzung: Von Brahma bis zum Grashalm, in allem Beweglichen und Unbeweglichen [ist es gegenwärtig]. Die Sonne des Yoga [der übrige Halbvers fehlt].
27.8
ādhāre granthimūle tu vyomavyāpi paraṃ śivam |
jyotirūpaṃ paraṃ tattvametatprota vyavasthitam || 8 ||
Übersetzung: In der Grundlage, an der Wurzel des Knotens, [vergegenwärtige man] den den Raum durchdringenden höchsten Shiva, das höchste Lichtprinzip, in dem alles verwoben ruht.
27.9
kṣetrajñaṃ tatra saṃveśya śivakṣetrajñake kṣipet |
aśarīraṃ manaḥ kṛtvā na kiñcidapi cintayet || 9 ||
Übersetzung: Den Feldkenner lasse man dort eintreten und lege Shiva in den Feldkenner. Nachdem man den Geist körperlos gemacht hat, denke man an nichts mehr.
27.10
vidyuddāmapratīkāśaṃ antasthāvoṣṭha eva ca |
akārādikṣakārāntaṃ mantraiḥ ṣoḍaśabhiryutam || 10 ||
Übersetzung: Wie eine Blitzgirlande, [bei einem beschädigt bezeichneten inneren Bereich und den Lippen], von A bis Ksha, mit sechzehn Mantras verbunden,
27.11
pṛthak pṛthak nyasiktvā tu sarvabindusamanvitam |
avaśyaṃ pūrvadale vyasya śeṣānvai kramaśo nyaset || 11 ||
Übersetzung: lege man [die Laute] jeweils einzeln auf, alle mit Bindu versehen. [Die ersten] lege man auf das östliche Blatt, die übrigen der Reihe nach.
27.12
pañcabrahma śivāṅgaṃ ca kaṇikāyāṃ tu madhyagam |
hutabhuṅmaṇḍalaṃ vatsa trikoṇaṃ yaddvitīyakam || 12 ||
Übersetzung: Die fünf Brahmamantras und Shivas Gliedmantras [stelle man] inmitten des Fruchtbodens vor. Der Feuerkreis, mein Kind, ist dreieckig, mit dem zweiten [Laut] verbunden.
27.13
jvālāmālā * * * * * * * * * * * * |
tasya madhye sūryabimbaṃ japākusumasannibham || 13 ||
Übersetzung: Eine Flammenreihe [Textlücke]; in seiner Mitte die Sonnenscheibe, einer Hibiskusblüte gleich,
27.14
sāntaṃ bindu samāyuktaṃ rajoguṇasamāyutam |
kiñciddhīnamagnibimbāt sūryamaṇḍalamuttamam || 14 ||
Übersetzung: mit Sa am Ende und mit Bindu, mit Rajas verbunden. Etwas kleiner als die Feuerscheibe ist der vorzügliche Sonnenkreis.
27.15
la dvitīyena saṃyuktaṃ binduśekharabhūṣitam |
sūryabimbāddhīnadharaṃ candrabimbamanuttamam || 15 ||
Übersetzung: Mit La und dem zweiten [Vokal] verbunden, mit Bindu als Krone geschmückt, ist die höchste Mondscheibe kleiner als die Sonnenscheibe.
27.16
pūrṇacandranibhaṃ vatsa śvetapadmopari nyaset |
satvena tu * * * * * * * * ka vinyaset || 16 ||
Übersetzung: Vollmondgleich lege man sie, mein Kind, auf einen weißen Lotus. Mit Sattva [Textlücke] lege man sie auf.
27.17
sattvaṃ rajastamaścaiva maṇḍale maṇḍale nyaset |
maṇḍalatrayamadhye tu puruṣaṃ pañca viṃśakam || 17 ||
Übersetzung: Sattva, Rajas und Tamas lege man auf die jeweiligen Kreise. Inmitten der drei Kreise [vergegenwärtige man] Purusha als fünfundzwanzigstes Prinzip,
27.18
aṅguṣṭhamātraṃ puruṣaṃ puryaṣṭakasamāyutam |
aṅguṣṭhamātraṃ sadṛśaṃ rājāvarta maṇiprabham || 18 ||
Übersetzung: daumengroß, verbunden mit der achtgliedrigen feinen Hülle, von der Größe eines Daumens, leuchtend wie Lapislazuli.
27.19
tasya madhye maheśānaṃ ṣaḍviṃśakamudāhṛtam |
drutacāmīkaraprakhyaṃ hṛdbījaṃ tu trirabhyaset || 19 ||
Übersetzung: In seiner Mitte [vergegenwärtige man] Maheshana, der als sechsundzwanzigstes Prinzip beschrieben wird, glänzend wie geschmolzenes Gold; die Herz-Keimsilbe übe man dreimal.
27.20
sadāśivaṃ tasya madhye tu prasādahṛdayānvitam |
vidyudarkanibhābhāsaṃ sūkṣmarūpaṃ tu cintayet || 20 ||
Übersetzung: In seiner Mitte [vergegenwärtige man] Sadashiva, mit Prasada und dem Herzmantra verbunden; seine feine Gestalt leuchtet wie Blitz und Sonne.
27.21
tasya madhye paraṃ devaṃ sadāśivamanāmayam |
saptaviṃśakadevaṃ hi dhyāyetsatatamīśvaram || 21 ||
Übersetzung: In dessen Mitte meditiere man stets über den höchsten, von Übel freien Gott Sadashiva, den als siebenundzwanzigsten bezeichneten Herrn. [Sadashiva wird in zwei aufeinanderfolgenden Stufen genannt.]
27.22
tasya madhye śivaṃ vatsa aṣṭāviṃśakamuttamam |
sarvajñaṃ sarvagaṃ śāntaṃ yogigamyaṃ parāparam || 22 ||
Übersetzung: In seiner Mitte ist Shiva, mein Kind, das vorzügliche achtundzwanzigste Prinzip: allwissend, alldurchdringend, friedvoll, für Yogis erreichbar, das Höhere und Nicht-Höhere,
27.23
kalpanārahitaṃ śāntaṃ nirvikalpaṃ nirañjanam |
dhyānamātreṇa vai vatsa gacchenmokṣamanāmayam || 23 ||
Übersetzung: frei von Vorstellungen, friedvoll, ohne unterscheidende Gedanken und makellos. Allein durch diese Meditation, mein Kind, gelange man zur Befreiung, die frei von Übel ist.
27.24
tasya vāme tu satataṃ viṣṇuṃ dhyāyetsanātanam |
caturbhujaṃ dvinetraṃ ca śaṅkhacakragadādharam || 24 ||
Übersetzung: Links von ihm meditiere man stets über den ewigen Vishnu, vierarmig und zweiäugig, mit Muschel, Diskus und Keule.
27.25
sarvalakṣaṇasaṃyuktaṃ śyāmavarṇaṃ kirīṭinam |
vāgbhavaṃ viṣṇurūpaṃ tu dhyāyennityaṃ sayantritam || 25 ||
Übersetzung: Mit allen günstigen Merkmalen, dunkel und gekrönt, [ist er dargestellt]. Vagbhava in Vishnus Gestalt meditiere man stets selbstbeherrscht.
27.26
viṣṇurūpamavāpnoti aṇimādyaṣṭasādhanam |
tasya dakṣiṇapārśve tu caturmukhaṃ caturbhujam || 26 ||
Übersetzung: Man erlangt Vishnus Gestalt und die acht Fähigkeiten, beginnend mit Anima. An seiner rechten Seite [meditiere man über Brahma], viergesichtig und vierarmig,
27.27
padma kiñjalka sadṛśaṃ kṛṣṇājinadharaṃ śubham |
kamaṇḍaluṃ cākṣasūtraṃ dadhānaṃ sṛṣṭikāraṇam || 27 ||
Übersetzung: lotusstaubfadenfarben, glückbringend, mit schwarzem Antilopenfell bekleidet, Wasserkrug und Gebetskette tragend, die Ursache der Schöpfung.
27.26 (zweites Vorkommen)
rajoguṇasamāyuktaṃ brahmāṇaṃ lokakāraṇam |
viṣṇuṃ sattvaguṇopetaṃ nārāyaṇamanāmayam || 26 ||
Übersetzung: Brahma, die Ursache der Welt, ist mit Rajas verbunden; Vishnu, der von Übel freie Narayana, mit Sattva. [Die Quelle nummeriert diesen Vers mit 26 statt 28.]
27.29
tamoguṇasamāyuktaṃ saṃhāraṃ rudrameva hi |
brahmāṇaṃ cintayedvatsa sarvavṛttinirodhanāt || 29 ||
Übersetzung: Mit Tamas verbunden ist Rudra als Auflösung. Über Brahma meditiere man, mein Kind, unter Anhalten sämtlicher Regungen.
27.30
sṛṣṭikartā bhavennitya maṇimādyaṣṭa sādhayet |
indramagniṃ yamaṃ varuṇaṃ somaṃ gandharvaṃ tathā || 30 ||
Übersetzung: So wird man stets zum Schöpfer und verwirklicht die acht Fähigkeiten, beginnend mit Anima. Indra, Agni, Yama, Varuna, Soma und Gandharva:
27.31
dhyāyedvai padmamadhye tu tattatphalamāpnuyāt |
pūrakaṃ kumbhakaṃ caiva sarvavṛttinirodhanam || 31 ||
Übersetzung: Meditiert man über sie inmitten des Lotus, erlangt man die jeweilige Frucht. Einatmung, Kumbhaka und das Anhalten sämtlicher Regungen [werden als Praxis genannt].
27.32
recakaṃ vardhayedvidvān nirvāṇa sparśajīrṇakam |
cakravartī cāṣṭamūrti rudraikādaśa eva ca || 32 ||
Übersetzung: Der Kundige steigere die Ausatmung, bis die Berührung in Nirvana aufgezehrt ist. Die Weltherrscher, die acht Gestalten und die elf Rudras,
27.33
ādityān vasavaścaiva gaṇeśān sarva eva ca |
dhyāyedravyagramanasā tattatpadamavāpnuyāt || 33 ||
Übersetzung: Adityas, Vasus und sämtliche Herren der Scharen meditiere man mit unabgelenktem Geist; man erlangt ihre jeweilige Stätte.
27.34
samādhimārgaṃ vakṣyāmi tacchṛṇuṣva hi ṣaṇmukha |
tadardhamātraṃ nirhāsaṃ rūpaśūnyaṃ tu bhāvayet || 34 ||
Übersetzung: Ich werde den Weg des Samadhi erklären. Höre ihn, o Sechsgesichtiger! Man vergegenwärtige allein das Erscheinen seines Gegenstandes, leer von eigener Form. [Die Sanskritform ist entstellt; die Übersetzung folgt dem Zusammenhang mit Kapitel 24.]
27.35
prākṛtaṃ bhāvamutsṛjya śivamevaṃ tu bhāvayet |
athavā samarasībhāvaṃ samādhistena cocyate || 35 ||
Übersetzung: Man lasse den gewöhnlichen, naturgebundenen Zustand los und vergegenwärtige allein Shiva. Oder man ruhe im Zustand des einen Geschmacks; deshalb heißt dies Samadhi.
27.36
ātmamadhye śivaṃ kuryāt śivamadhye cātmameva tu |
sadāśivamahaṃ bhūtvā na kiñcidapi cintayet || 36 ||
Übersetzung: Shiva setze man in die Mitte des Selbst und das Selbst in die Mitte Shivas. „Ich bin Sadashiva“ geworden, denke man an nichts mehr.
27.37
sūkṣmaṃ sarvagataṃ brahmamānandamacalaṃ dhruvam |
tiryaggataṃ paraṃ tattvamahameva tu tadbhavet || 37 ||
Übersetzung: Das feine, alldurchdringende Brahman, glückselig, unbeweglich und beständig, das höchste Prinzip, das auch seitwärts alles durchzieht: Eben das bin ich.
27.38
recakaṃ pūrakaṃ tyajya kumbhakaṃ tu samabhyaset |
madhye caiva tu vai vatsa sākṣācchivamanāmayam || 38 ||
Übersetzung: Ausatmung und Einatmung lasse man los und übe Kumbhaka. In der Mitte [vergegenwärtige man], mein Kind, unmittelbar den von Übel freien Shiva.
27.39
dṛṣṭaṃ mṛśyatvaṃ bhāvaṃ tu parama * * * ssadā |
jāgratsvapnavihīnaṃ tu suṣuptaṃ ca vivarjayet || 39 ||
Übersetzung: Das Gesehene und Berührte [beziehungsweise Wahrnehmbare; Satz beschädigt] sei stets das Höchste. Frei von Wachen und Traum, lasse man auch den Tiefschlaf los.
27.40
jyotīrūpaṃ paraṃ divyaṃ pralayānalavarcasam |
śivākāśaṃ paraṃ sūkṣmaṃ sarvajñaṃ sarvatomukham || 40 ||
Übersetzung: Die höchste göttliche Lichtgestalt, strahlend wie das Feuer der Weltauflösung, Shivas höchster feiner Raum, allwissend und nach allen Seiten gewandt,
27.41
guhyaṃ pavitramagrāhyamānandamacalaṃ dhruvam |
guhāśayamanādiṃ ca sarvadvandvavivarjitam || 41 ||
Übersetzung: geheim, reinigend, nicht ergreifbar, glückselig, unbeweglich und beständig, in der Herzhöhle ruhend, anfangslos und frei von sämtlichen Gegensatzpaaren,
27.42
ekaṃ vibhuṃ kāraṇamaprameyamacintyakam |
sūkṣmaṃ śivaṃ kāraṇamapratarkyamanāmayam || 42 ||
Übersetzung: eins, alldurchdringend, Ursache, unermesslich und undenkbar, fein, Shiva, Ursache, dem Schlussfolgern unzugänglich und frei von Übel [sei das Meditationsziel].
27.43
ka madhye kuru cātmānamātmā madhye tu khaṃ kuru |
aśarīrātmakaḥ kṛtvā na kiñcidapi cintayet || 43 ||
Übersetzung: Setze das Selbst in die Mitte des Raumes und den Raum in die Mitte des Selbst. Nachdem du dich als körperlos vergegenwärtigt hast, denke an nichts mehr.
27.44
etadrahasyamākhyātaṃ mṛtyunāśanamuttamam |
saroruhamadhye tu sūryakoṭisamaprabham || 44 ||
Übersetzung: Dieses Geheimnis ist erklärt: die höchste Überwindung des Todes. Inmitten des Lotus [vergegenwärtige man das Prinzip], strahlend wie zehn Millionen Sonnen,
27.45
kadambagolakākāraṃ vidyā vi * * * śubhe |
tat vai madhye tu cātmānaṃ kuru nityaṃ ṣaḍānana || 45 ||
Übersetzung: rund wie eine Kadamba-Blüte, Vidya [Textlücke]. In seine Mitte versetze stets das eigene Selbst, o Sechsgesichtiger.
27.46
ātmamadhye tu khaṃ kuryāt na kiñcidapi cintayet |
eṣa mṛtyuñjayo yogaḥ samarasībhāvamāśritaḥ || 46 ||
Übersetzung: In die Mitte des Selbst versetze man den Raum und denke an nichts mehr. Dies ist der den Tod überwindende Yoga, gegründet im Zustand des einen Geschmacks.
27.47
kaṇṭhakūpe parasthānaṃ kṣuttṛṣṇānāśanaṃ param |
tālurandhre paraṃ jñānaṃ vidyutpāvaka sa prabham || 47 ||
Übersetzung: Die höchste Stätte in der Kehlgrube vernichtet Hunger und Durst; in der Gaumenöffnung [ist] die höchste Erkenntnis, strahlend wie Blitz und Feuer.
27.48
kadambagolake vatsa vyomaśakti svamīśvaram |
guṇasaṃkhyā smarennityaṃ mṛtyunāśanamuttamam || 48 ||
Übersetzung: In der Kadamba-Kugel, mein Kind, [vergegenwärtige man] Vyoma-Shakti und den eigenen Herrn. Dreifach beziehungsweise dreimal [Bezug unsicher] erinnere man sich stets daran: die höchste Überwindung des Todes.
27.49
kodaṇḍamadhye nityaṃ hi maṇḍalatraya madhyage |
bhuvanāni sapta tatraiva prakṣipya śivamadhyage || 49 ||
Übersetzung: In der Kodaṇḍa-Mitte, inmitten der drei Kreise, lege man stets die sieben Welten hinein, in Shivas Mitte.
27.50
tanmadhye kuru cātmānaṃ nātmamadhye tataḥ kuru |
cakṣuṣe dṛśyate yogassaptalokān samucchrayaḥ || 50 ||
Übersetzung: In dessen Mitte versetze das Selbst; dann [in] die Mitte des Selbst [die Vorlage enthält eine unklare Verneinung]. Mit dem Yoga-Auge sieht man die Gesamtheit der sieben Welten.
27.51
sarvajñatvāmavāpnoti samarasī bhāvayogataḥ |
brahmarandhre tu medhāvī bhū saṃkhyāṃ tu vimiśrayet || 51 ||
Übersetzung: Durch den Yoga des einen Geschmacks erlangt man Allwissenheit. In der Brahmarandhra verbinde der Verständige [das Prinzip] entsprechend der „Erdenzahl“. [Die Bezugsgröße fehlt.]
27.52
vyomaśaktiṃ nyasettatra kadambagolaṃ tu tatra tu |
tanmadhye śivarūpaṃ tu sphuratsaudāminīprabham || 52 ||
Übersetzung: Vyoma-Shakti lege man dort auf, in die Kadamba-Kugel. In ihrer Mitte [vergegenwärtige man] Shivas Gestalt, funkelnd wie ein Blitz,
27.53
preṅkhanyahni nibhe vatsa śuddhaṃ maratakaprabham |
tatra kṛtvā tu cātmānaṃ ṣaṭkauśike tu vigrahe || 53 ||
Übersetzung: wie flackerndes Feuer, mein Kind, rein und smaragdglänzend. Dorthin versetze man das eigene Selbst im sechsfach umhüllten Körper.
27.54
paraṃ brahmatvamāpnoti samarasībhāvayogataḥ |
itthaṃ bhūsaṃkhyamāse tu vatsaratrayabhāvanāt || 54 ||
Übersetzung: Durch den Yoga des einen Geschmacks erlangt man das Wesen des höchsten Brahman. So [übe man] für Monate entsprechend der „Erdenzahl“ oder durch drei Jahre Vergegenwärtigung. [Die Zeitangaben sind nicht eindeutig verbunden.]
27.55
balīphalitanāśaṃ ca mṛtyuvañcanameva ca |
tasyordhve caturaṅgulye raśmisaṃjñā tu golake || 55 ||
Übersetzung: Falten und Ergrauen schwinden und der Tod wird überlistet. Vier Fingermaße darüber liegt die Strahl genannte Kugel.
27.56
vyomaśaktisthamadhye tu sūkṣmasphaṭikasannibham |
amṛtaṃ cintayetprājñaḥ anantaścākṣayoḥ śivam || 56 ||
Übersetzung: In der Mitte der Vyoma-Shakti, feinem Kristall gleich, meditiere der Weise über den unsterblichen, grenzenlosen und unvergänglichen Shiva. [Ein Wort ist entstellt.]
27.57
tanmadhye kuru cātmānaṃ ātmamadhye tu taṃ kuru |
aśarīraṃ manaḥ kṛtvā na kiñcidapi cintayet || 57 ||
Übersetzung: In seine Mitte versetze das Selbst und ihn in die Mitte des Selbst. Nachdem man den Geist körperlos gemacht hat, denke man an nichts mehr.
27.58
samarasībhāvayogena mṛtyuvañcanamuttamam |
jyotsnāsaṃkhyākalakṣetra * kadambasya golake || 58 ||
Übersetzung: Durch den Yoga des einen Geschmacks geschieht die höchste Überlistung des Todes. Im Mondlicht genannten Kala-Bereich, in der Kadamba-Kugel,
27.59
vyomaśaktiṃ nyasettatra śaktimadhye śivaṃ nyaset |
śivamadhye kuru cātmānaṃ śivamātmānvitam kuru || 59 ||
Übersetzung: lege man Vyoma-Shakti auf und in die Mitte der Shakti Shiva. In die Mitte Shivas versetze das Selbst und verbinde Shiva mit dem Selbst.
27.60
candrokoṭisamaprakhyaṃ samarasībhāvayogataḥ |
ṣaṇmāsābhyāsayogena mṛtyunāśanamuttamam || 60 ||
Übersetzung: Strahlend wie zehn Millionen Monde [vergegenwärtige man dies] durch den Yoga des einen Geschmacks. Durch sechsmonatige Übung geschieht die höchste Überwindung des Todes.
27.61
prabhuśaktiṃ golamadhye tu vyomaśaktiṃ tu nikṣipet |
tanmadhye tu paraṃ brahma śivaṃ paramanāyakam || 61 ||
Übersetzung: Prabhu-Shakti [vergegenwärtige man] in der Kugelmitte und lege Vyoma-Shakti hinein. In ihre Mitte [lege man] das höchste Brahman, Shiva, den höchsten Führer.
27.62
tanmadhye kuru cātmānaṃ ātmamadhye tu taṃ kuru |
aśarīraṃ manaḥ kṛtvā na kiñcidapi cintayet || 62 ||
Übersetzung: In seine Mitte versetze das Selbst und ihn in die Mitte des Selbst. Nachdem man den Geist körperlos gemacht hat, denke man an nichts mehr.
27.63
samarasībhāvayogena lakṣmīṃ jīvenna saṃśayaḥ |
nādaṃ maheśvaraṃ tattvaṃ golakaṃ paramaṃ padam || 63 ||
Übersetzung: Durch den Yoga des einen Geschmacks lebt man [mit] Glück und Fülle, ohne Zweifel. [Die Lesung lakṣmīṃ jīvet ist grammatisch auffällig.] Nada, Maheshvaras Prinzip, die Kugel, die höchste Stätte [folgen als Meditationsorte].
27.64
jñānaśaktiṃ nyasettatra tanmadhye tu śivaṃ kṣipet |
tanmadhye kuru cātmānaṃ ātmamadhye tu taṃ kuru || 64 ||
Übersetzung: Dort lege man Jnana-Shakti auf, in ihre Mitte Shiva. In dessen Mitte versetze das Selbst und ihn in die Mitte des Selbst.
27.65
samarasī bhāvayogena plāvayedamṛtamuttamam |
koṭilakṣaṃ sa jīveta śivena paribhāṣitam || 65 ||
Übersetzung: Durch den Yoga des einen Geschmacks überflute man [den Leib] mit dem höchsten Nektar. Man lebt eine Lakh von Kotis [tausend Milliarden Jahre], wie Shiva erklärt hat.
27.66
suṣumnāgrāpta vijñānaṃ ekaikaṃ caturaṅgulam |
saptamaṃ paramaṃ tattvaṃ śivaṃ paramanāyakam || 66 ||
Übersetzung: Die am Ende der Sushumna erlangte Erkenntnis [entfaltet sich] jeweils vier Fingermaße weiter. Das siebte höchste Prinzip ist Shiva, der höchste Führer,
27.67
nityaṃ savyagataṃ śūnyaṃ nirvikalpaṃ nirañjanam |
savyāśrayamacintyaṃ ca sarvajñaṃ sarvatomukham || 67 ||
Übersetzung: ewig, nach links gehend [auffällige Lesung], leer, ohne unterscheidende Gedanken und makellos, auf das Linke gestützt [wiederum unklar], undenkbar, allwissend und nach allen Seiten gewandt,
27.68
yogigamyaṃ nirālambaṃ sūryakoṭisamaprabham |
prabhuśakti jñānaśaktiṃ ca vidyāśaktinirāmayam || 68 ||
Übersetzung: für Yogis erreichbar, ohne Stütze, strahlend wie zehn Millionen Sonnen. Prabhu-Shakti, Jnana-Shakti und die von Übel freie Vidya-Shakti,
27.69
vyomaśaktiṃ paraṃ jñānaṃ * * nīti prakīrtitam |
teṣāṃ madhye śivaṃ sūkṣmaṃ sarvakāraṇakāraṇam || 69 ||
Übersetzung: Vyoma-Shakti und höchste Erkenntnis [Textlücke] werden genannt. In ihrer Mitte ist der feine Shiva, die Ursache sämtlicher Ursachen.
27.70
tanmadhye kurucātmānaṃ tadātmani sadā kuru |
aśarīraṃ manaḥ kṛtvā na kiñcidapi cintayet || 70 ||
Übersetzung: In seine Mitte versetze das Selbst und ihn stets in das Selbst. Nachdem man den Geist körperlos gemacht hat, denke man an nichts mehr.
27.71
samarasī bhāvayogena sarvamṛtyuvināśanam |
mahāpralayasahasraṃ tu sa jīvati na saṃśayaḥ || 71 ||
Übersetzung: Durch den Yoga des einen Geschmacks werden sämtliche Todesformen vernichtet. Man lebt tausend große Weltauflösungen lang, ohne Zweifel.
27.72
ādhāre cintayedevaṃ śuddhamāṇikkasannibham |
nābheradhastātprādeśaṃ madhye deśaṃ prakīrtitam || 72 ||
Übersetzung: In der Grundlage vergegenwärtige man ihn so, einem reinen Rubin gleich. Eine Pradesha unterhalb des Nabels wird die mittlere Stätte genannt.
27.73
phalakādvayamadhye tu vṛṣavahniṃ tu mastake |
ūrudvayāttu cordhve tu tuṭībhaṭṭībhavādayaḥ || 73 ||
Übersetzung: Zwischen den beiden Platten, am Kopf des Stierfeuers [entstellte anatomisch-symbolische Angabe], oberhalb beider Oberschenkel, [weitere beschädigte Ortsbezeichnungen].
27.74
caturaṅgulamātraṃ tu madhyadehamudāhṛtam |
catuśśaktiṃ nyasettatra madhye śivaṃ kṣipet || 74 ||
Übersetzung: Vier Fingermaße groß wird die Körpermitte beschrieben. Dort lege man die vier Shaktis auf und in die Mitte Shiva.
27.75
aśarīraṃ manaḥ kṛtvā na kiñcidapi cintayet |
samarasībhāvayogena abhyasetsatataṃ sukhī || 75 ||
Übersetzung: Nachdem man den Geist körperlos gemacht hat, denke man an nichts mehr. Im Yoga des einen Geschmacks übe man stets voller Freude.
Unnummerierte Passage: tasya mṛyurna vidyetprayutakalpaṃ sa jīvati |
Übersetzung: Für ihn gibt es keinen Tod; er lebt eine Prayuta von Weltzeitaltern [eine große traditionelle Zahl].
iti kālottare dvādaśasahasrasaṃhitāyāṃ saptaviṃśatiḥ paṭalaḥ || 27 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara, in der Dvadashasahasra-Samhita das Kapitel 27 über „Bhavayoga“.

Kapitel 28 – Der Mantra-Weg
28.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
ṣaḍadhvānaṃ pravakṣyāmi tattvataḥ śṛṇu ṣaṇmukha |
mantrādhvā ca padādhvā ca tattvādhvā bhuvanātmakam || 1 ||
Übersetzung: Heil und Segen! Ishvara sprach: Ich werde die sechs Wege erklären. Höre sie ihrem Wesen nach, o Sechsgesichtiger: Mantra-Weg, Wort-Weg, Tattva-Weg und der aus den Welten bestehende Weg,
28.2
varṇādhvā ca kalādhvā ca viṃśatyekaṃ śivaṃ padam |
mantrādhvānaṃ pṛthakcaiva sāṃprataṃ śṛṇu ṣaṇmukha || 2 ||
Übersetzung: Laut-Weg und Kala-Weg; „einundzwanzig“ und Shivas Stätte [stehen ohne klaren Satzanschluss]. Nun höre gesondert den Mantra-Weg, o Sechsgesichtiger.
28.3
saptakoṭisahasrāṇi koṭilakṣaṃ tathaiva ca |
niyutāni catuṣṣaṣṭī vāmadevādbahirgatāḥ || 3 ||
Übersetzung: Siebentausend Koti, eine Lakh von Koti sowie vierundsechzig Niyuta [Mantras] sind aus Vamadeva hervorgegangen. [Die großen traditionellen Zahleinheiten bleiben wegen der unklaren Satzstruktur unaufgelöst.]
28.4
catvāriṃśattu koṭistu sahasrāṇi tathaiva ca |
trikoṭilakṣaṃ vai vatsa aghorācca vinirgataḥ || 4 ||
Übersetzung: Vierzigtausend Koti und drei Lakh von Koti, mein Kind, sind aus Aghora hervorgegangen.
28.5
aśītikoṭisahasrāṇi catasraḥ koṭilakṣakam |
tatpuruṣādviniṣkrāntaṃ mantrabhedaṃ tataḥ śṛṇu || 5 ||
Übersetzung: Achtzigtausend Koti und vier Lakh von Koti sind aus Tatpurusha hervorgegangen. Höre nun die Unterscheidung der Mantras.
28.6
kalpakoṭisahasrāṇi kalpakoṭiśatāni ca |
īśānasya mukhājjātamana * * * jātakam || 6 ||
Übersetzung: Tausende und Hunderte von Millionen Kalpas [so die auffällige Zahlenformulierung] sind aus Ishanas Mund entstanden; [der restliche Ausdruck ist beschädigt].
28.7
vicāryamāṇe yatnena parisaṃkhyā na vidyate |
ananteśasya mantrastu ayutaṃ parikīrtitam || 7 ||
Übersetzung: Auch bei sorgfältiger Betrachtung ist ihre Zahl nicht zu bestimmen. Ananteshas Mantras werden mit zehntausend angegeben.
28.8
sūkṣmasya cāyutaṃ mantraṃ śivottame triyāyutam |
ekanetre caturayutaṃ ekarudraṃ tu pañcamam || 8 ||
Übersetzung: Sukshmas Mantras sind ebenfalls zehntausend, Shivottamas dreißigtausend, Ekanetras vierzigtausend, Ekarudras fünfzigtausend.
28.9
amūrtaṃ ṣaḍayutaṃ vidyāt śrīkaṇṭhaṃ saptāyutaṃ bhavet |
śikhaṇḍyayaśītyayutaṃ ca cakravartīstu mantrakān || 9 ||
Übersetzung: Amurtas [wohl Trimurtis; die Vorlage liest amūrta] seien sechzigtausend, Shrikanthas siebzigtausend; für Shikhandin steht „achtzig Ayuta“ [800.000, auffällig in der Reihe]. Dies sind die Mantras der Weltherrscher.
28.10
maheśvarasya mantrāṇi śatalakṣaṃ prakīrtitam |
aṣṭamūrtestu mantrāṇi pṛthaklakṣaṃ ṣaḍaṣṭakam || 10 ||
Übersetzung: Maheshvaras Mantras werden mit hundert Lakh [zehn Millionen] angegeben. Für die acht Gestalten werden jeweils eine Lakh und „sechs acht“ [unverständliche Zusatzangabe] genannt.
28.11
rudraikādaśamantrāṇi pṛthak lakṣatrayaṃ bhavet |
ādityā dvādaśalakṣaṃ tu vasūnāmaṣṭalakṣakam || 11 ||
Übersetzung: Die Mantras der elf Rudras betragen jeweils drei Lakh. Den Adityas gehören zwölf Lakh, den Vasus acht Lakh.
28.12
gaṇeśvarādimaṣṭau ca pṛthagevārdhalakṣakam |
daśa vai lokapālānāṃ ayutatrayameva ca || 12 ||
Übersetzung: Den acht Herren der Scharen gehören jeweils eine halbe Lakh, den zehn Welthütern drei Ayuta [30.000].
28.13
astrāṇāṃ tu tadardhaṃ syāt gandharvāditadardhakam |
siddhacāraṇayakṣādyaistadardhaṃ parikīrtitam || 13 ||
Übersetzung: Für ihre Waffen gilt die Hälfte, für Gandharvas und die weiteren wiederum die Hälfte; für Siddhas, Charanas, Yakshas und Weitere wird die Hälfte genannt.
28.14
gāruḍā vidyādharāścaiva kinnarāpsaraso gaṇāḥ |
ṛṣayaḥ pitṛbhūtāni tadardhaṃ parikīrtitam || 14 ||
Übersetzung: Für Garudas, Vidyadharas, Kinnaras, die Scharen der Apsaras, Seher, Ahnen und Bhutas wird wiederum die Hälfte genannt.
28.15
nāgāśca pannagāścaiva * * * paricakṣate |
asurā rākṣasāścaiva yātudhānāḥ piśācakāḥ || 15 ||
Übersetzung: Nagas und Schlangenwesen [Textlücke]; Asuras, Rakshasas, Yatudhanas und Pishachas,
28.16
kūśmāṇḍabhūtavetālāstadardhaṃ parikīrtitam |
evaṃ saṃkṣepataḥ proktaṃ mantrajālaṃ ṣaḍānana || 16 ||
Übersetzung: Kushmandas, Bhutas und Vetalas erhalten die Hälfte. So ist das Netz der Mantras kurz erklärt, o Sechsgesichtiger.
28.17
sarvamantrāṇi tantrāṇi vedaśāstrāṇi sarvaśaḥ |
prāsādasaṃbhavāḥ sarve vāṅmayaṃ ca carācaram || 17 ||
Übersetzung: Sämtliche Mantras, Tantras, Veden und Schriften sind aus Prasada hervorgegangen; ebenso alles Sprachliche und alles Bewegliche und Unbewegliche.
28.18
pañcabrahmaśivāṅgāni vyomavyāpintathaiva ca |
prabodha hṛdimantraśca sahasrākṣaradevatāḥ || 18 ||
Übersetzung: Die fünf Brahmamantras, Shivas Gliedmantras, Vyomavyapin, Prabodha, das Herzmantra und die tausendsilbigen Gottheitsmantras,
28.19
ayutākṣaradevaśca niyutākṣarameva tu |
nādamukhyaṃ prasādaṃ ca kṣurikaṃ pāśupatāstrakam || 19 ||
Übersetzung: das zehntausendsilbige und das Niyuta-silbige Gottheitsmantra, das mit Nada beginnende Prasada, Kshurika und die Pashupata-Waffe,
28.20
cakravartyāṣṭamantraśca aṣṭamūrtyaṣṭamantrakam |
rudraikādaśamantraśca ādityavastumantrakāḥ || 20 ||
Übersetzung: die acht Mantras der Weltherrscher, die acht Mantras der acht Gestalten, die Mantras der elf Rudras und die Mantras der Adityas und Vasus,
28.21
gaṇeśāṣṭakamantrastu gandhārvādyāśca mantrakāḥ |
saptamātṛgaṇā mantrāḥ tattanmantreṣu coddhṛtāḥ || 21 ||
Übersetzung: die acht Mantras der Herren der Scharen, die Mantras der Gandharvas und weiteren Wesen und die Mantras der sieben Mutterscharen sind jeweils in den entsprechenden Mantradarstellungen erschlossen.
28.22
mantroddhāreṣu kathitaṃ mantrakośaṃ samāsataḥ |
īśānamukhaniṣkrāntaṃ mantrajālaṃ sudurlabham || 22 ||
Übersetzung: In den Abschnitten zur Mantra-Erschließung ist der Mantraschatz kurz erklärt. Das aus Ishanas Mund hervorgegangene Mantranetz ist schwer zu erlangen.
28.23
vyomavyāpi samudbhūtāḥ pūrvoktā kathitā guha |
ekāśīti padaṃ hyetat mantrarājaṃ tvanuttamam || 23 ||
Übersetzung: Die aus Vyomavyapin entstandenen wurden zuvor beschrieben, o Guha. Dieser unübertreffliche König der Mantras besitzt einundachtzig Worteinheiten.
28.24
triśataṃ ṣaṣṭyadhikākṣaraṃ vyomavyāpīti saṃjñitam |
sahasrākṣaradevaṃ tu vāmadevādvinirgatam || 24 ||
Übersetzung: Dreihundertsechzig Silben umfasst das Vyomavyapin genannte Mantra. Das tausendsilbige Gottheitsmantra ist aus Vamadeva hervorgegangen.
28.25
vadatriṃśatsahasrapadaṃ mantrarājaṃ prakīrtitam |
sarvavaśyakaraṃ mantraṃ navagrantheṣu pūjitam || 25 ||
Übersetzung: Ein König der Mantras mit [zweiunddreißig; Anfang entstellt] tausend Worteinheiten wird genannt: ein Mantra, das alles unter Herrschaft bringt und in neun Schriften gepriesen ist.
28.26
ayutākṣaradevaṃ tu tatpuruṣācca vinirgamam |
lakṣatrayaṃ vinirdiṣṭaṃ trisahasrapadaṃ bhavet || 26 ||
Übersetzung: Das zehntausendsilbige Gottheitsmantra ist aus Tatpurusha hervorgegangen. Drei Lakh werden angegeben, und es besitzt dreitausend Worteinheiten. [Die beiden Umfangsangaben lassen sich nicht eindeutig zuordnen.]
28.27
yāmale mātṛtantre ca bhūtatantre ca gāruḍe |
saptabhairavatantre ca catuṣṣaṣṭigulatantrake || 27 ||
Übersetzung: Im Yamala, im Matri-Tantra, im Bhuta-Tantra, im Garuda-Tantra, in den sieben Bhairava-Tantras und in den vierundsechzig Kula-Tantras
28.28
pūjitaṃ tanmahātantre mantrarājamanuttamam |
īśānasya tu mantrāṇi karmayogyaṃ vadāmyaham || 28 ||
Übersetzung: wird dieser unübertreffliche König der Mantras im großen Tantra gepriesen. Nun werde ich Ishanas Mantras nennen, die für die rituellen Handlungen geeignet sind.
28, Mantraformel und 29
(oṃ) oṃ vyomavyāpine vyomarūpāya | sarvavyāpine śivāya | anantāya | anāthāya | anāśritāya | dhruvāya |
śāśvatāya yogapīṭhasamāśritāya | nityaṃ yogine | dhyānahārāya | oṃ namaśśivāya | sarvaprabhave |
īśānamūrdhnāya | tatpuruṣavaktrāya |
aghorahṛdayāya | vāmadevaguhyāya sadyojātamūrtaye | oṃ namo namaḥ | guhyāti guhyāya | gotre | anidhanāya | sarvayogādhikṛtāya | jyotirūpāya | parameśvaraparāya | acetanācetana | vyomin vyomin | vyāpin vyāpin | arūpin arūpin | prathama prathama | tejasteja | jyoti jyoti | arūpa | anagne | adhūma | abhasma | anāde | nānā nānā | dhū dhū dhū dhū | oṃ bhūmaṇi kārayet |
tatpuruṣaṃ mahāmantraṃ sarvapāpaharaṃ param |
sahasrākṣaradevastu jātaṃ tatpuruṣaṃ mahat || 29 ||
Übersetzung: [Es folgt die überlieferte, stellenweise beschädigte Vyomavyapin-Formel:] „Oṃ. Dem den Raum Durchdringenden, dessen Gestalt Raum ist; dem Alldurchdringenden, Shiva; dem Grenzenlosen, dem ohne Herrn, dem auf nichts Gestützten, dem Beständigen, dem Ewigen, der auf dem Yogasitz ruht; dem ewigen Yogi, dem Träger der Meditation. Oṃ, Verneigung vor Shiva, dem Ursprung aller; dessen Haupt Ishana, dessen Gesicht Tatpurusha, dessen Herz Aghora, dessen verborgener Bereich Vamadeva und dessen Gestalt Sadyojata ist. Oṃ, Verneigung, Verneigung! Dem Geheimsten des Geheimen; dem Geschlecht [gotre, unklar], dem Endlosen, dem über allen Yoga Gebietenden, der Lichtgestalt, dem auf den höchsten Herrn Ausgerichteten. Unbewusstes und Bewusstes [Lesung unsicher]; o Raumhafter, Raumhafter! Durchdringender, Durchdringender! Gestaltloser, Gestaltloser! Erster, Erster! Glanz, Glanz! Licht, Licht! Gestaltloser, Feuerloser, Rauchloser, Ascheloser, Anfangsloser! Nānā, nānā; dhū, dhū, dhū, dhū. Oṃ [beschädigter Abschluss mit bhūmaṇi kārayet].“ Tatpurusha ist das höchste große Mantra, das alle Verfehlungen hinwegnimmt; aus dem tausendsilbigen Gottheitsmantra ist der große Tatpurusha entstanden.
28.30
naivedyaṃ dhūpadīpaṃ ca sānnidhyāccaiva kārayet |
rudragāyatrīmantro'yaṃ mahāpātakanāśanam || 30 ||
Übersetzung: Speiseopfer, Räucherwerk, Licht und das Herbeiführen der Gegenwart vollziehe man damit. Dieses Rudra-Gayatri-Mantra vernichtet schwere Verfehlungen.
28.31
iṣṭasiddhimavāpnoti japahomārcanādibhiḥ |
tatpuruṣāya vidmahe mahādevāya dhīmahi | tannorudraḥ pracodayāt | tatpuruṣameva hi || 31 ||
Übersetzung: Durch Japa, Feueropfer und Verehrung erlangt man die gewünschte Vollendung. „Tatpurusha wollen wir erkennen; über Mahadeva meditieren wir. Möge Rudra uns dazu anregen.“ Dies ist Tatpurusha selbst.
28.32
sahasraṃ vā tadardhaṃ vā aṣṭoṣṭataśataṃ tu vā |
trisandhyāyāṃ japedvatsa sarvapāpakṣayo bhavet || 32 ||
Übersetzung: Tausendmal, halb so oft oder 108-mal rezitiere man es zu den drei Tagesübergängen, mein Kind; dadurch werden alle Verfehlungen getilgt.
28.33
ayutākṣaradevāt tu aghoramantraṃ vinirgatam |
aghorebhyo'tha ghorebhyo ghoraghoratarebhyaśca |
sarvataśśarva sarvebhyo namaste astu viśvarūpebhyaḥ || 33 ||
Übersetzung: Aus dem zehntausendsilbigen Gottheitsmantra ist das Aghora-Mantra hervorgegangen: „Den Nicht-Schrecklichen, den Schrecklichen und den noch weit Schrecklicheren: Von allen Seiten, o Sharva, sei dir und allen allgestaltigen Formen Verneigung.“ [Die überlieferte Wortfolge ist leicht unregelmäßig.]
28.34
snāpanaṃ tu mahādeva aghoreṇa nirodhayet |
karṇikā kaṭakaṃ caiva keyūrodarabandhanaiḥ || 34 ||
Übersetzung: Die Begießung Mahadevas [vollziehe man damit]; mit Aghora bewirke man das Festhalten. Ohrschmuck, Handreifen, Oberarmreifen, Bauchbänder,
28.35
chinnavīraṃ copavītaṃ ca divyagandhāṅgarāhakam |
aghoreṇa pradātavyaṃ sarvakarmāṇi buddhimān || 35 ||
Übersetzung: gekreuzten Brustschmuck, heilige Schnur und himmlisch duftende Salben gebe der Verständige unter Aghora; ebenso vollziehe er damit die entsprechenden Handlungen.
28.36
viṣayuktaṃ bhojanaṃ ca vividhāviṣameva ca |
ābhicārādikarmāṇi japādeva pramucyate || 36 ||
Übersetzung: Von vergifteter Nahrung, verschiedenen Giften und Schadenzauber wird man allein durch die Rezitation frei.
28.37
anyajasparśanānāṃ tu anyabhāṇḍasthitaṃ jalam |
aghoramaṣṭottaraṃ japtvā sadya eva pramucyate || 37 ||
Übersetzung: Nach Berührung durch Menschen außerhalb der eigenen Gemeinschaft oder bei Wasser in einem fremden Gefäß rezitiere man Aghora 108-mal und wird sogleich [von der rituellen Verunreinigung] frei.
28.38
niyutākṣaradevāt tu vāgdevādvinirgatam |
śivasthāpanamantraṃ tu saptamantrapradhānakam || 38 ||
Übersetzung: Aus dem Niyuta-silbigen Gottheitsmantra, aus Vagdevata [Lesung unsicher], ist das Mantra zum Aufstellen Shivas hervorgegangen, das unter sieben Mantras den Vorrang hat.
28.39
śivassadāśivo rudravidyeśvarāṣṭamūrtibhiḥ |
rudraikādaśakān sarve vāmadevena sthāpayet || 39 ||
Übersetzung: Shiva, Sadashiva, Rudra, die Vidyeshvaras, die acht Gestalten und sämtliche elf Rudras stelle man mit Vamadeva auf.
28.40
mekhalākaṭisūtraṃ ca vastraṃ vai sarvaratnakam |
śaktikarmāṇi sarvaṃ tu vaśyādyākarṣaṇādikam || 40 ||
Übersetzung: Gürtel, Hüftschnur, Gewand und sämtlichen Edelsteinschmuck sowie alle Shakti-Handlungen, Unterwerfung, Heranziehung und Weitere,
28.41
vāmadevena tatsarvaṃ kārayedvai ṣaḍānana |
vāmadevāya namo jyeṣṭhāya namo rudrāya namaḥ | kālāya namaḥ | kalavikaraṇāya namo balavikaraṇāya namo balapramathanāya namaḥ | sarvabhūtadamanāya namo manonmanāya namaḥ || 41 ||
Übersetzung: all dies vollziehe man mit Vamadeva, o Sechsgesichtiger. „Dem Vamadeva Verneigung; dem Ältesten Verneigung; Rudra Verneigung; der Zeit Verneigung; dem Verwandler der Kalas Verneigung; dem Verwandler der Kraft Verneigung; dem Zermalmer der Kraft Verneigung; dem Bezwinger aller Wesen Verneigung; dem den Geist Übersteigenden Verneigung.“
28.42
vāmadevamayaṃ mantraṃ śāntikaṃ pauṣṭikaṃ kuru |
sarvamantrādhikaṃ vatsa gṛhapraveśe japedguha || 42 ||
Übersetzung: Mit dem Vamadeva-Mantra vollziehe man Befriedung und Förderung. Dieses alle Mantras überragende [Mantra] rezitiere man beim Einzug in ein Haus, mein Kind, o Guha.
28.43
arghyadākṣaradevāt tu sadyojātaṃ vinirgatam |
āvāhanādikaṃ karma sarvamaṅgalameva ca || 43 ||
Übersetzung: Aus dem [Arghyada-silbigen; entstellte Bezeichnung] Gottheitsmantra ist Sadyojata hervorgegangen. Herbeirufung und weitere Handlungen sowie alles Glückbringende [vollziehe man damit].
28.44
bhūmipraveśane caiva gṛhaprāsādagopure |
sarvābharaṇabhūṣeṇa kṛṣiḥ kāle tu vai japet || 44 ||
Übersetzung: Beim Betreten eines Grundstücks, eines Hauses, Heiligtums oder Torturms, bei der Ausschmückung mit sämtlichem Schmuck und bei landwirtschaftlichen Arbeiten rezitiere man es.
28.45
bhojane snānakāle ca sandhyopāsanaṃ eva ca |
pitṛkāryeṣu sarveṣu sadyojātaṃ japennaraḥ || 45 ||
Übersetzung: Beim Essen, beim Baden, bei der Andacht zu den Tagesübergängen und bei sämtlichen Ahnenriten rezitiere der Mensch Sadyojata.
28.46
sadyaḥ kalābhiraṣṭābhiḥ vāmadevaṃ trayodaśa |
aghoraṃ aṣṭakalā vatsa puruṣaṃ tu catuḥkalāḥ || 46 ||
Übersetzung: Sadyojata ist mit acht Kalas versehen, Vamadeva mit dreizehn, Aghora mit acht, mein Kind, und Purusha mit vier.
28.47
īśānasya kalāḥ pañca aṣṭatriṃśatkalāmayam |
sarvamantrāṇi vai vatsa puruṣaṃ tu catuṣkalāḥ || 47 ||
Übersetzung: Ishana hat fünf Kalas; zusammen bestehen sie aus achtunddreißig Kalas. Sämtliche Mantras, mein Kind, [folgen daraus; die Vorlage wiederholt hier die vier Kalas Purushas].
28.48
prāsāde sarvasaṃbhavam |
dīkṣākāle tu mantrajñaḥ sarvamantrāṇi śodhayet |
pratiṣṭhākāle sarvamantrān yojayetsusamāhitaḥ || 48 ||
Übersetzung: Alles entsteht aus Prasada. Zur Einweihungszeit reinige der Mantrakundige sämtliche Mantras; zur Zeit der Installation verbinde er sie ganz gesammelt.
iti kālottare mantrādhvāpaṭalo'ṣṭāviṃśatitamaḥ || 28 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 28 über „Der Mantra-Weg“.
Kapitel 29 – Der Wort-Weg
29.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
padādhvānaṃ pravakṣyāmi jñātvā mokṣaṃ yadāpnuyāt |
lakṣakoṭisahasraṃ tu śivapadaṃ saṃprakīrtitam || 1 ||
Übersetzung: Heil und Segen! Ishvara sprach: Ich werde den Weg der Worteinheiten erklären, durch dessen Erkenntnis man Befreiung erlangt. Für Shivas Wortbereich werden tausend Lakh von Koti genannt. [Die große traditionelle Zahlenverbindung bleibt als solche erhalten.]
29.2
tatpadeṣu viniṣkrāntaṃ aṣṭottaraśataṃ punaḥ |
tatpadeṣu viniṣkānte padaiḥ ṣaṭtriṃśaducyate || 2 ||
Übersetzung: Aus diesen Worteinheiten gehen wiederum 108 hervor; aus ihnen werden sechsunddreißig Worteinheiten genannt.
29.3
tatpadeṣu viniṣkrāntaṃ īśānaṃ tu hi pañcakam |
śodhayenmūrdhni dehe ca śivaṃ gacchedanāmayam || 3 ||
Übersetzung: Aus diesen geht Ishana in fünf Einheiten hervor. Man reinige sie an Scheitel und Körper und gelange zum von Übel freien Shiva.
29.4
sadāśivapadaṃ vatsa śatalakṣaṃ prakīrtitam |
tatpadeṣu viniṣkrāntaṃ ṣaṇṇavatīti prakīrtitam || 4 ||
Übersetzung: Mein Kind, Sadashivas Wortbereich wird mit hundert Lakh [zehn Millionen] angegeben. Aus diesen Worteinheiten gehen sechsundneunzig hervor.
29.5
tasmāccatuṣpadaṃ vatsa tatpuruṣasya prakīrtitam |
catuṣpadeṣu saṃśodhya gacchecchivamanāmayam || 5 ||
Übersetzung: Daraus werden, mein Kind, die vier Worteinheiten Tatpurushas genannt. Nachdem man die vier gereinigt hat, gelangt man zum von Übel freien Shiva.
29.6
aghorasya padaṃ vatsa pañcaśallakṣameva ca |
tatpadeṣu viniṣkrāntaṃ ekāśītiprakīrtitam || 6 ||
Übersetzung: Aghoras Wortbereich, mein Kind, beträgt fünfzig Lakh [fünf Millionen]. Daraus gehen einundachtzig Einheiten hervor.
29.7
tatpadeṣu viniṣkrāntamaghorāṣṭapadaṃ bhavet |
tatpadaṃ kramaśaḥ śodhya gacchecchivamanāmayam || 7 ||
Übersetzung: Aus diesen entstehen Aghoras acht Worteinheiten. Nachdem man sie der Reihe nach gereinigt hat, gelangt man zum von Übel freien Shiva.
29.8
maheśvarapadājjātaṃ lakṣaṃ vai pañcaviṃśatiḥ |
tatpadeṣu viniṣkrāntaṃ mantraṃ daśapadaṃ punaḥ || 8 ||
Übersetzung: Aus Maheshvaras Wortbereich entstehen fünfundzwanzig Lakh [zweieinhalb Millionen]; daraus geht wiederum ein Mantra mit zehn Worteinheiten hervor.
29.9
śodhayetkramaśo vatsa vāmadevapadaṃ punaḥ |
trayodaśapadaṃ śodhya gacchecchivamanāmayam || 9 ||
Übersetzung: Mein Kind, man reinige der Reihe nach Vamadevas Wortbereich. Nach Reinigung der dreizehn Worteinheiten gelangt man zum von Übel freien Shiva. [Die Dreizehnzahl steht neben der Zehnzahl des vorigen Verses.]
29.10
lakṣadvādaśasaṃjātamaṣṭavidyeśvarāstu vai |
tatpadeṣu viniṣkrāntaṃ dvātriṃśatpadamucyate || 10 ||
Übersetzung: Von den acht Vidyeshvaras entstehen zwölf Lakh; daraus geht der als zweiunddreißig Worteinheiten bezeichnete Bereich hervor.
29.11
tatpadeṣu viniṣkrāntamaṣṭau vai sadyato guha |
sadyojātapadaṃ cāṣṭau śodhayitvā padaṃ vrajet || 11 ||
Übersetzung: Daraus gehen die acht von Sadyojata hervor, o Guha. Nach Reinigung seiner acht Worteinheiten gelange man zur höchsten Stätte.
29.12
lakṣaṃ vai cāṣṭamūrtistu padāgraiva vinirgatāḥ |
tatpadeṣu viniṣkrāntaṃ hṛdayādiṣaḍaṅgataḥ || 12 ||
Übersetzung: Von den acht Gestalten gehen hunderttausend Worteinheiten hervor. Daraus entstehen die sechs Gliedmantras, beginnend mit dem Herzmantra.
29.13
hṛdayaṃ ca śiraścaiva śikhākavacameva ca |
netramastraṃ ca vijñeyaṃ śodhayitvā śivaṃ vrajet || 13 ||
Übersetzung: Herz, Kopf, Haarbüschel, Panzer, Auge und Waffe sind zu erkennen. Nach ihrer Reinigung gelange man zu Shiva.
29.14
rudraikādaśasaṃbhūtāḥ pade lakṣatrayaṃ viduḥ |
tatpadeṣu viniṣkrāntaṃ bījamukhyatrayaṃ viduḥ || 14 ||
Übersetzung: Von den elf Rudras entstehen, wie man weiß, dreihunderttausend Worteinheiten. Daraus gehen die drei hauptsächlichen Keimsilben hervor.
29.15
trailokyabījamākhyātaṃ bhūrbhuvaḥ suvareva ca |
bījatrayaṃ samāśodhya gacchecchivamanāmayam || 15 ||
Übersetzung: Sie heißen Keimsilben der Dreiwelt: Bhūḥ, Bhuvaḥ und Suvaḥ. Nach Reinigung dieser Dreiheit gelangt man zum von Übel freien Shiva.
29.16
dvādaśādityasaṃjātaṃ padaṃ lakṣadaśaṃ bhavet |
tatpadeṣu viniṣkrāntamiha pāśupatāstrakam || 16 ||
Übersetzung: Aus den zwölf Adityas entstehen zehn Lakh [eine Million] Worteinheiten; daraus geht hier das Pashupata-Waffenmantra hervor.
29.17
pāśupataṃ kramācchodhya gacchecchivamanāmayam |
vasavaścāṣṭasaṃbhūtāḥ padalakṣaṃ prakīrtitam || 17 ||
Übersetzung: Nach dessen schrittweiser Reinigung gelangt man zum von Übel freien Shiva. Aus den acht Vasus entstehen hunderttausend Worteinheiten.
29.18
tatpadeṣu viniṣkrāntaṃ * * * * * * * * |
kṣurikābījaṃ saṃśodhya gacchecchivamanāmayam || 18 ||
Übersetzung: Daraus geht [Textlücke] hervor. Nach Reinigung der Kshurika-Keimsilbe gelangt man zum von Übel freien Shiva.
29.19
gaṇeśāṣṭakasaṃjātaṃ padalakṣādhikaṃ bhavet |
tatpadeṣu viniṣkrāntaṃ hṛllekhāpadamantrakam || 19 ||
Übersetzung: Aus den acht Herren der Scharen entstehen mehr als hunderttausend Worteinheiten. Daraus geht das Hrillekha-Wortmantra hervor.
29.20
ādau māyā samuddiṣṭaṃ sarvavaśyakaraṃ param |
saptamātṛgaṇājjātaṃ catuṣṣaṣṭisahasrakam || 20 ||
Übersetzung: Am Anfang wird Maya genannt, das höchste Mittel, alles unter Herrschaft zu bringen. Aus den sieben Mutterscharen entstehen vierundsechzigtausend [Worteinheiten].
29.21
mahāsaṃmohanaṃ mantraṃ mahāmāyā parāparā |
hṛllekhāṃ śodhayitvā tu gacchecchivamanāmayam || 21 ||
Übersetzung: Das große Verblendungsmantra ist Mahamaya, die Höhere und Nicht-Höhere. Nach Reinigung von Hrillekha gelangt man zum von Übel freien Shiva.
29.22
ayutatrayaṃ brahmapadaṃ sṛṣṭirūpaṃ prakīrtitam |
tatpadeṣu samudbhūtamaghorāstraṃ sudurlabham || 22 ||
Übersetzung: Brahmas Wortbereich umfasst dreißigtausend Einheiten und wird als schöpferisch beschrieben. Daraus entsteht das schwer zu erlangende Aghora-Waffenmantra.
29.23
sthitirūpaṃ viṣṇurūpaṃ sṛṣṭirūpaṃ pitāmahaḥ |
saṃhārarūparudrastu kālāgniriti saṃjñitam || 23 ||
Übersetzung: Vishnus Gestalt ist Erhaltung, die des Großvaters Brahma Schöpfung, Rudras Gestalt Auflösung; er wird Kalagni genannt.
29.24
rajoguṇaṃ brahmarūpaṃ sāttvaṃ guṇaṃ tu vaiṣṇavam |
rudrastamoguṇaḥ proktaḥ triguṇaḥ saṃprakīrtitaḥ || 24 ||
Übersetzung: Rajas ist Brahmas Gestalt, Sattva Vishnus Eigenschaft, Rudra wird Tamas genannt. So ist die Dreiheit der Gunas beschrieben.
29.25
guṇatrayamatītaṃ tu śivaṃ paramakāraṇam |
sarve vedāśca śāstrāṇi vidyāsthānaṃ caturdaśa || 25 ||
Übersetzung: Shiva, die höchste Ursache, ist jenseits der drei Gunas. Sämtliche Veden und Schriften, die vierzehn Wissensgebiete,
29.26
catuṣṣaṣṭikalāścaiva ṣaṭtantraṃ yogaśāstrakam |
siddhāntatantramāptaṃ ca praṇavena tu nirguṇaḥ || 26 ||
Übersetzung: die vierundsechzig Künste, die sechs Lehrsysteme, die Yoga-Schrift und der überlieferte Siddhanta-Tantra [sind im Pranava zusammengefasst]; durch Pranava [erreicht man] das Eigenschaftslose. [Die Satzverbindung ist verkürzt.]
29.27
tatpraṇavaṃ śivejātaṃ vāṅmayaṃ sacarācaram |
prāsādaṃ praṇavaṃ caiva śodhayedvidhipūrvakam || 27 ||
Übersetzung: Dieser Pranava ist aus Shiva entstanden, ebenso alles Sprachliche und alles Bewegliche und Unbewegliche. Prasada und Pranava reinige man nach Vorschrift.
29.28
praṇavaṃ saṃśodhya paścāt praścātprāsādaśodhanam |
dvau bījau śodhamānena gacchecchivāmanāmayam || 28 ||
Übersetzung: Zuerst reinige man Pranava, danach Prasada. Durch Reinigung dieser beiden Keimsilben gelangt man zum von Übel freien Shiva.
29.29
jāgratsvapnaṃ tu praṇavaṃ prāsādaṃ suṣuptaṃ turīyakam |
jāgratsvapnaṃ tu brahmā syāt suṣuptirviṣṇurucyate || 29 ||
Übersetzung: Wachen und Traum sind Pranava, Tiefschlaf und das Vierte Prasada. Wachen und Traum seien Brahma, Tiefschlaf wird Vishnu genannt.
29.30
turīyaṃ brahmapadaṃ vidyāt avasthāścatvāra eva ca |
brahmā viṣṇuśca rudraśca īśvaraśca sadāśivaḥ || 30 ||
Übersetzung: Das Vierte erkenne man als Brahmans Stätte; es sind vier Zustände. Brahma, Vishnu, Rudra, Ishvara und Sadashiva
29.31
pañcadhā pañcadaivatyaṃ * * vaṃ paripaṭhyate |
brahmaṇo hṛdayaṃ sthānaṃ kaṇṭhe viṣṇuḥ prakīrtitaḥ || 31 ||
Übersetzung: werden fünffach, als fünf Gottheiten, [Textlücke] rezitiert. Brahmas Stätte ist das Herz, Vishnu wird in der Kehle verortet.
29.32
tālumadhye sthito rudro lalāṭe tu sadāśivaḥ |
nāsāgre tu śivaṃ vidyāt tasmāttena parātparam || 32 ||
Übersetzung: Rudra befindet sich in der Gaumenmitte, Sadashiva an der Stirn; an der Nasenspitze erkenne man Shiva und darüber das Höchste des Höchsten.
29.33
parātparataraṃ nāsti iti śāstrasya niścayaḥ |
trimātraśca dvimātraśca ekamātrastathaiva ca || 33 ||
Übersetzung: Es gibt nichts über diesem Höchsten des Höchsten; dies ist die feststehende Aussage der Schrift. Drei Zeiteinheiten, zwei und eine,
29.34
ardhamātraparaṃ sūkṣmaṃ tasyārdhaṃ tu paraṃ param |
etā eva trayo lokāḥ trayodevāstrayo'gnayaḥ || 34 ||
Übersetzung: eine halbe als feiner höherer Bereich und deren Hälfte als das höchste Höchste [werden unterschieden]. Dies sind die drei Welten, drei Götter und drei Feuer,
29.35
triguṇaṃ ca trivargaṃ ca trisandhyaṃ ca trimaṇḍalam |
savanatrayaṃ ca śaktiśca ātmatritayameva ca || 35 ||
Übersetzung: die drei Gunas, drei Lebensziele, drei Tagesübergänge, drei Kreise, drei Soma-Pressungen, die Shakti-Dreiheit und die drei Selbst-Prinzipien,
29.36
- * karayātriyavairyāddānyatsaṃgataṃ trayam |
bhūlokaśca bhuvarlokaḥ svargo lokastridhā bhavet || 36 ||
Übersetzung: [weitere beschädigte Dreierbezeichnungen] und andere verbundene Dreiheiten. Bhurloka, Bhuvarloka und Svargaloka bilden die drei Welten.
29.37
brahmā viṣṇurmaheśaścatrayo devāḥ prakīrtitāḥ |
āhavanīyaṃ gārhapatyaṃ dakṣiṇāgnitrayaṃ bhavet || 37 ||
Übersetzung: Brahma, Vishnu und Mahesha werden die drei Götter genannt. Ahavaniya, Garhapatya und Dakshinagni bilden die drei Feuer.
29.38
sattvaṃ rajastamaścaiva triguṇāḥ parikīrtitāḥ |
dharmārthau cārthakāmau ca trivargāḥ parikīrtitāḥ || 38 ||
Übersetzung: Sattva, Rajas und Tamas werden die drei Gunas genannt. Dharma, Artha und Kama sind die drei Lebensziele. [Die Vorlage wiederholt Artha.]
29.39
prātarmadhyāhnasāyaṃ ca trisandhyaṃ parikīrtitam |
agnimaṇḍalaṃ prathamaṃ dvitīyaṃ sūryamaṇḍalam || 39 ||
Übersetzung: Morgen, Mittag und Abend heißen die drei Tagesübergänge. Der Feuerkreis ist der erste, der Sonnenkreis der zweite,
29.40
tṛtīyaṃ candramaṇḍalaṃ ca maṇḍalatrayamucyate |
prātassavanamadhyāhnaṃ tṛtīyaṃ savanatrayam || 40 ||
Übersetzung: der Mondkreis der dritte: Dies heißen die drei Kreise. Morgenpressung, Mittagspressung und die dritte Pressung bilden die drei Soma-Pressungen.
29.41
prabhuśaktiḥ jñānaśaktiḥ śivaśaktistrayaṃ bhavet |
ātmā caivāntarātmā ca paramātmatrayaṃ bhavet || 41 ||
Übersetzung: Prabhu-Shakti, Jnana-Shakti und Shiva-Shakti bilden die drei Kräfte. Selbst, inneres Selbst und höchstes Selbst bilden die Selbst-Dreiheit.
29.42
mahānahaṃkāro manaścāntaḥ kraraṇatrayaṃ viduḥ |
etattrayaṃ samastaśca prāsādaśca vinirgatam || 42 ||
Übersetzung: Mahat, Ahamkara und Manas kennt man als die drei inneren Vermögen. Sämtliche dieser Dreiheiten sind aus Prasada hervorgegangen.
29.43
saṃśodhayetkramādvatsa śivāṃ gacchedanā mayam |
gandharvāḥ siddhavidyādharā yakṣaścāpsara(sa)stathā || 43 ||
Übersetzung: Man reinige sie der Reihe nach, mein Kind, und gelange zum von Übel freien Shiva. Gandharvas, Siddhas, Vidyadharas, Yakshas und Apsaras,
29.44
kinnarāḥ garuḍāḥ sarve nāgāḥ sarpāśca pannagāḥ |
asurā rākṣasāścaiva yātudhānāḥ piśācakāḥ || 44 ||
Übersetzung: Kinnaras, sämtliche Garudas, Nagas, Schlangen und Pannagas, Asuras, Rakshasas, Yatudhanas und Pishachas:
29.45
sarvaiśceka padāt vatsa kramaśaḥ pariśodhayet |
eteṣāṃ samyak śodhayet śivāṅgacodanāmayām || 45 ||
Übersetzung: Alle reinige man der Reihe nach jeweils durch eine Worteinheit, mein Kind. Nach ihrer richtigen Reinigung gelangt man zu Shivas Gliedern beziehungsweise zum von Übel freien Shiva. [Der Schlussausdruck ist entstellt.]
29.46
ṛṣayaḥ pramadā yojyāḥ padaiḥ ṣoḍaśasaṃsthitam |
kramādvai ekahīnāstu piśācāntāḥ prakīrtitāḥ || 46 ||
Übersetzung: Seher und Frauen werden mit sechzehn Worteinheiten verbunden. Der Reihe nach jeweils um eines vermindert, werden sie bis zu den Pishachas beschrieben.
29.47
śivādipiśācaparyantaṃ padādhvā parikīrtitaḥ |
dīkṣākāle tu śiṣyasya dehe saṃrodhayedguha || 47 ||
Übersetzung: Von Shiva bis zu den Pishachas ist der Wort-Weg erklärt. Zur Einweihungszeit, o Guha, bringe man ihn im Leib des Schülers gesammelt zur Ruhe.
iti kālottare pañcādhvāpaṭalaḥ ekonaviṃśatitamaḥ || 29 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 19 [die angefügte Zahl lautet 29] über „die fünf Wege [der Inhalt behandelt hier den Wort-Weg]“.
Kapitel 30 – Der Tattva-Weg
30.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
tattvādhvānaṃ pravakṣyāmi yena mokṣodayaṃ bhavet |
śivaṃ padamavāpnoti samyak jñātvā vicakṣaṇaḥ || 1 ||
Übersetzung: Heil und Segen! Ishvara sprach: Ich werde den Weg der Tattvas erklären, durch den Befreiung aufgeht. Wer ihn richtig erkennt, gelangt verständig zu Shivas Stätte.
30.2
pṛthivyāpastathā tejo vāyurākāśameva hi |
śrotraṃ tvakcakṣurjihvā ca ghrāṇaṃ caiva tu pañcamaḥ || 2 ||
Übersetzung: Erde, Wasser, Feuer, Wind und Raum; Gehör, Haut, Auge, Zunge und Geruch als fünftes;
30.3
vākpādapāṇipāyuśca upasthaṃ caiva pañcamam |
śabdasparśaśca rūpaṃ ca rasogandhaśca pañcamaḥ || 3 ||
Übersetzung: Sprache, Füße, Hände, After und Geschlechtsorgan als fünftes; Klang, Berührung, Gestalt, Geschmack und Geruch als fünftes;
30.4
manobuddhirahaṃkāraḥ prakṛtiḥ puruṣastathā |
rāgovidyā kamalā māyā niyatirvṛddhigraheśvaraḥ || 4 ||
Übersetzung: Manas, Buddhi, Ahamkara, Prakriti und Purusha; Raga, Vidya, Kamala, Maya, Niyati und Vriddhigraheshvara [die höheren Tattva-Namen sind teilweise entstellt],
30.5
kalāśuddhikalāścaiva śuddhavidyā śu tathaiva ca |
maheśassadāśivaścaiva ṣaṭtriṃśattattvameva ca || 5 ||
Übersetzung: Kala, Shuddhikala, Shuddhavidya und Shu [unvollständige Benennung], Mahesha und Sadashiva: Dies sind die sechsunddreißig Tattvas. [Eine sichere Sechsunddreißigerliste lässt sich aus dem überlieferten Wortlaut nicht herstellen.]
30.6
pṛthvī pañcaguṇā jñeyā āpaścaiva caturguṇāḥ |
triguṇogniravijñeyo vāyurdviguṇa ucyate || 6 ||
Übersetzung: Erde erkenne man als fünfeigenschaftig, Wasser als viereigenschaftig, Feuer als dreieigenschaftig; Wind wird zweieigenschaftig genannt,
30.7
ākāśaṃ caikaguṇaṃ guṇāstatparikīrtitāḥ |
śabdaḥ sparśaśca rūpaṃ ca raso gandhaśca pañcamaḥ || 7 ||
Übersetzung: Raum eineigenschaftig. Als Eigenschaften werden Klang, Berührung, Gestalt, Geschmack und Geruch als fünftes beschrieben.
30.8
dhāraṇe pṛthivī jñeyā āpaḥ piṇḍīkare guha |
tejo vai pācanaṃ jñeyaṃ vyūhanaṃ vāyurucyate || 8 ||
Übersetzung: Erde erkenne man an ihrer tragenden Funktion, Wasser am Zusammenballen, o Guha; Feuer am Kochen und Reifen, Wind am Verteilen und Ordnen.
30.9
ākāśamavakāśaṃ tu kāryametatprakīrtitam |
śrotraṃ śṛṇoti vai vatsa tvakcaiva sparśanaṃ bhavet || 9 ||
Übersetzung: Raum gewährt Platz; dies sind die genannten Wirkungen. Das Gehör hört, mein Kind, die Haut bewirkt Berührung,
30.10
cakṣurdṛśyatvamevaṃ hi jihvā caiva rasaṃ viduḥ |
ghrāṇaṃ gandhaṃ vijānīyādviṣayāḥ parikīrtitāḥ || 10 ||
Übersetzung: das Auge das Sehen, die Zunge erkennt Geschmack und die Nase Geruch. So sind die Sinnesgegenstände beschrieben.
30.11
vākkāyaviniyogaṃ tu kartā vāṇī prakīrtitāḥ |
pādābhyāṃ caiva gacchanti pāyurutsargameva hi || 11 ||
Übersetzung: Die Sprache bewirkt die Verwendung von Rede und Körper [Satz unregelmäßig]. Mit den Füßen geht man, der After bewirkt Ausscheidung.
30.12
upasthamānandamāpnoti karmendriyamiti ca vai |
śabdo dhvanirvijānīyāt ākāśāttu prajāyate || 12 ||
Übersetzung: Durch das Geschlechtsorgan erlangt man Lust; so [wirken] die Handlungsorgane. Klang erkenne man als Schall; er entsteht aus dem Raum.
30.13
sparśatanmātravāyuśca rūpatanmātrako'nalaḥ |
śītatanmātrakaścāpassarvalokasya jīvanam || 13 ||
Übersetzung: Wind besitzt das feine Prinzip der Berührung, Feuer das der Gestalt. Wasser besitzt das feine Prinzip der Kühle und ist das Leben der ganzen Welt. [„Kühle“ steht hier statt der sonst üblichen Zuordnung des Geschmacks.]
30.14
gandhatanmātrā pṛthivī utpannaṃ hi ṣaḍānana |
yatkaṭhinaṃ tatpṛthivī yaddravaṃ salilaṃ hi tat || 14 ||
Übersetzung: Erde ist aus dem feinen Prinzip des Geruchs entstanden, o Sechsgesichtiger. Was hart ist, ist Erde; was flüssig ist, Wasser.
30.15
yaduṣṇaṃ teja ityuktaṃ saṃcaraṃ vāyurucyate |
yatsuṣiraṃ tadākāśaṃ devādhāraḥ prakīrtitaḥ || 15 ||
Übersetzung: Was heiß ist, wird Feuer genannt; was sich bewegt, Wind. Was hohl und offen ist, ist Raum; er wird als Grundlage der Götter beschrieben.
30.16
harataścāpyahaṃkāramahaṅkārānmano bhavet |
prakṛtermahān samutpannaḥ puruṣātprakṛtirbhavet || 16 ||
Übersetzung: Aus [Mahat; die Vorlage ist entstellt] entsteht Ahamkara, aus Ahamkara Manas. Aus Prakriti entsteht Mahat, aus Purusha Prakriti.
30.17
pañcaviṃśati tattvaṃ tu saṃkhyāsya darśanaṃ viduḥ |
ṣaḍviṃśaka viṣṇu * * * * * * * * * * || 17 ||
Übersetzung: Fünfundzwanzig Prinzipien kennt man als die Lehre des Samkhya. Als sechsundzwanzigstes Vishnu [der Rest des Verses fehlt].
30.18
hairaṇyagarbhayoge tu saptaviṃśatirucyate |
rāgo māyā ca vidyā ca kañcukatrayamucyate || 18 ||
Übersetzung: Im Yoga Hiranyagarbhas werden siebenundzwanzig genannt. Raga, Maya und Vidya heißen die drei Hüllen.
30.19
prabhuśakteḥ samutpannā nānāvidyādikañcukām |
kālā niyatirvigraheśo jñānaśakteḥ samudbhavāḥ || 19 ||
Übersetzung: Aus Prabhu-Shakti entstehen die Hüllen verschiedener Wissensformen und Weiteres. Kala, Niyati und Vigrahesha entstehen aus Jnana-Shakti.
30.20
kālaśca śuddhavidyā ca śuddhakālāstrikañcukāḥ |
śivaśakteḥ samutpannāḥ sarvalokasya mohakāḥ || 20 ||
Übersetzung: Kala, Shuddhavidya und Shuddhakala, die drei Hüllen, entstehen aus Shiva-Shakti und verblenden sämtliche Welten. [Die Namen und Zuordnungen weichen von geläufigen Standardlisten ab.]
30.21
maheśāt śaktitrayaṃ jātaṃ śivaṃ sadāśivodbhavam |
śivasya pralayetvasti na jātaṃ vai ṣaḍānana || 21 ||
Übersetzung: Aus Mahesha entsteht die Dreiheit der Shaktis; Shiva [wird als] aus Sadashiva entstanden [bezeichnet; der Zusammenhang ist beschädigt]. Für Shiva gibt es keine Auflösung und keine Geburt, o Sechsgesichtiger. [Die Verneinung der Auflösung wird durch den Folgesatz gestützt, ist aber in der Vorlage entstellt.]
30.22
pañcatriṃśati tattvāttu śivatattvādvinirgatāḥ |
tatraiva tu sthitirviddhi tatraiva tu layaṃ bhavet || 22 ||
Übersetzung: Die fünfunddreißig Tattvas sind aus dem Shiva-Tattva hervorgegangen. Erkenne, dass sie darin bestehen und darin wieder zur Auflösung gelangen.
30.23
sṛṣṭirvai brahmarūpeṇa śaktirvai viṣṇunā bhavet |
ahaṃ saṃhāramekaṃ tu guṇatrayasamanvitaḥ || 23 ||
Übersetzung: Die Schöpfung geschieht in Brahmas Gestalt, die Kraft durch Vishnu; ich bin die Auflösung, mit den drei Gunas verbunden.
30.24
rajoguṇena sṛṣṭistu sattvenaiva sthitirbhavet |
tamaḥsaṃhāra evaṃ tu mayā sarvaṃ prakīrtitam || 24 ||
Übersetzung: Durch Rajas geschieht Schöpfung, durch Sattva Erhaltung, durch Tamas Auflösung. So ist alles von mir erklärt worden.
30.25
dīkṣākāle mahāsena tattvāni viniveśayet |
mūrdhyā(rdhā)dipādaparyantaṃ śiṣyadehe tu yojayet || 25 ||
Übersetzung: Zur Einweihungszeit, o Mahasena, setze man die Tattvas ein und verbinde sie vom Scheitel bis zu den Füßen mit dem Leib des Schülers.
30.26
śodhayetkramaśo vatsa pādādimūrdhni cāntakam |
pratiṣṭhākāle liṅgasya yojayedvidhipūrvakam || 26 ||
Übersetzung: Man reinige sie der Reihe nach von den Füßen bis zum Scheitel, mein Kind. Bei der Installation verbinde man sie nach Vorschrift mit dem Lingam.
30.27
mahābhiṣekakalaśe vinyasedvidhipūrvakam |
abhāgye vinyaseddhīmān saubhāgyamatulaṃ bhavet || 27 ||
Übersetzung: In den Krug der großen Weihebegießung lege man sie nach Vorschrift auf. Bei Unglück vollziehe der Verständige diese Auflegung; unvergleichliches Glück entsteht.
30.28
kanyā satpatimāpnoti putrapautramavāpnuyāt |
ṣaḍadhyānaṃ nyasetkumbhe snānaṃ kuryātṣaḍānana || 28 ||
Übersetzung: Eine junge Frau erlangt einen guten Gatten, Kinder und Enkel. Die sechs Wege lege man in den Krug und vollziehe das Bad, o Sechsgesichtiger. [Die Vorlage liest am Anfang der zweiten Hälfte ṣaḍadhyānaṃ statt des erwarteten ṣaḍadhvānam.]
Unnummerierte Passage: vandhyāpi labhate putraṃ saubhāgyamatulaṃ bhavet |
Übersetzung: Selbst eine unfruchtbare Frau erlangt einen Sohn; unvergleichliches Glück entsteht.
iti kālottare dvādaśasahasrasaṃhitāyāṃ tattvādhvapaṭalaḥ triṃśatitamaḥ || 30 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara, in der Dvadashasahasra-Samhita das Kapitel 30 über „Der Tattva-Weg“.
Kapitel 31 – Welten und kosmische Hüllen
31.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
kālāgnirudrādi sadāśivānte
kṣetrajñarudrapravare kulo'smin |
mārge ca yāvatprakaroti śakti-
rbhāvābhavau vā tu hinā parasyaḥ || 1 ||
Übersetzung: Heil und Segen! Ishvara sprach: In dieser Reihe, die mit Kalagnirudra beginnt und mit Sadashiva endet, unter den hervorragenden Rudras und Kennern des Feldes, wirkt die Shakti auf dem Weg, soweit sie Hervortreten und Nichthervortreten bewirkt. [Der Schluss mit „ohne“ und „des Höchsten“ ist grammatisch beschädigt.]
31.2
saṃsārageha sthiti sarvavāstu-
yathāmyahaṃ darśanayogyamekam |
jyotiṃ namaskṛtya jagallalāmaṃ
lapāmi tatprāvaraṇopamārgam || 2 ||
Übersetzung: Nachdem ich mich vor dem einen Licht verneigt habe, dem Schmuck der Welt, das der Schau würdig ist, spreche ich vom Weg seiner Umhüllungen. [Die vorausgehende Aussage über das Bestehen aller Dinge im Haus des Samsara ist beschädigt.]
31.3
kālāgnirnalayā palāni dharaṇī lokātparaṃ śāṅkaraṃ
rudrāḥ pañcapadāṣṭakāni vihitā mukhyāni yāmānyapi |
satkāryaṃ karaṇaṃ guṇasvapuruṣo rāgaśca vidyākalā
ye cānyāni yatissakālagaṇayanmāyāprabuddhaḥ śivaḥ || 3 ||
Übersetzung: Kalagni, [unleserliche Namen], Erde, Welten, das darüberliegende Reich Shankaras, Rudras, die fünf Stufen und Achtergruppen, die Hauptbereiche, Wirkung und Ursache, Gunas und der eigene Purusha, Raga, Vidya und Kala, die übrigen [Prinzipien], Niyati, Zeit, Maya, der Erwachte und Shiva. [Dieser zusammenfassende Merkspruch ist stark gestört; seine Begriffe werden in der folgenden Prosa entfaltet.]
Unnummerierte Passage:
ayamiva sūtraślokaḥ | asyāḥ vyākhyāyate |
asti sakalajagadudayasamāptihetoḥ sarasīruha janmano brahmaṇaḥ santata catuṣṣaṣṭikoṭi yojanagatiparāśivarajatakanakamayaparāvarabhāgaṃ yojanasahasralakṣa bahalakāṭā-hagolakākāramaṇḍalāntasyordhva bhāgasanniviṣṭāneka śatasahasrarudraparivāra-śobhitanikhilalokasaṃhārakāraṇordhva jvajajvalana jvālākalāpakabalitanabhobhāgasya bhagavataḥ kālāgnirudrasya niratiśaya bhogapracāraphaṇīyasthānamasmin paramātmatrikoṭiyojanaparimitaṃ tasya saṃkhyāparicchinnaṃ samantato
- * ndhakāragahanaṃ | ataḥ parato dvijānihanana suropayogaguruśayanārohaṇakanakāpahāra bhṛtiduritakaraṇasāhasīkṛtacetasāṃ tatphalasevanādyarthārthananāmabhedabhājām
indranīlagiriśilāstambhanirmitairiva nīlamahākāyairatiniṣṭhuravacana bhartsanajanita bhruvibhugurulalāṭaiścandrakalākāre daṃṣṭrākhyāta pānasthalaiḥ pralayakālahutavaha śikhākalāpakuṭilakeśanāśaiḥ pṛthutaravakṣasthala pralambamānaśirodāmabhiścaraṇadeśaśiñcatkiṅkiṇībhirnāmabhiḥ harikarigajaghanacaraṇairatiniśitalobhaghaṇṭāghaṇṭitadaṇḍamaṇḍīnavāmettara-bāhubhiḥ | pṛṣṭhapreṅkhadyamapāśavalayairaniketeraissakalabhuvana prāṇāpahāra-vyāpāranirataiḥ yaiḥ puruṣaiḥ bādhyamānānāṃ cetanaviśeṣāṇāṃ yātanāsthānāni dvātriṃśatsaṃkhyāparijñātāni dharāmadhastaccāpi cakraniyamadvayavaitaraṇīkūṭaśālmalī(nī?) yamalagiriniśvāsapūtimāṃsadravannaputaptajatu paṅkajaipāstiti bhāgakṛkacchedamodo'sṛkpūyahṛdā tīkṣṇāyasakhaṇḍaśakunyaṅgāra rāśimavalāmbarīṣakumbhīpākāsitāladrumagahanakṣuradhārāparvatapanasūcī-mukhakālasūtra mahāpadmasaṃjīvanayoruṣṇaśītatamo mahārauravanāmāni | atrāndhakāragahanādyojanakoṭayo vīciḥ | asya sapta narakā parivārāḥ | ataḥ paraṃ pratyekaṃ triṃśadyojanalakṣasaṃkhyāparicchinna pradeśāntarāḥ kṛminicayādyambarīṣāntāḥ pañcadaśanarakāḥ eteṣāṃ madhye ekaikasya trayastriyojanasaṃkhyāstrayo narakāḥ | parivārito'pi yojanakoṭyā kumbhīpākaḥ saptabhiḥ narakaiḥ parivṛtaṃ sasmādapi kartre sadyonarakaiḥ ṣaḍbhirasitāladrumagahanādimahārauravāntāḥ cāturdaśottarottaranarakāḥ teṣāṃ madhye ekaikasya tribhistribhirnarakairapivṛtaṃ tato'pi yojanakoṭirauravastambhāḥ saptabhirnarakaiḥ parivṛṇoti |
evametatpradhāne a * * sajjanabhāsaścatvāriṃśat bhānarakaiśśataṃ * * asya copari kūśmāṇḍastasmādapi navalakṣādhikāvastriṃśatsahasrottarayā yojanalakṣa saptatyā mahāvipulā vaitaraṇī nāma nadī | tasyāścopari mahātala rasātala talātala nitala sutala vitalātalābhidhānādyekaikaṃ trayodaśayojana sahasrasaṃkhyā paricchinnāntarālādyuparyupari sopāna paramparākṛtīni yathākramaṃ kṛṣṇapāṇḍuraktapītaśabalaśilāmayakanakanibhabhūmibhāgādititanayadanusuta-gajarājagaruḍā rākṣasaprabhṛtīnāṃ nivāsabhūmi bhūtāni saptasaṃkhyā paricchinnāni pātālāni | eṣu paritassamantato * * * * triṃśatkoṭiyojanā paricchinnā bhūmiḥ |
atha ca kaṇṭhakaprabhṛti yāvallokālokavalayinaḥ viṃśatiyojana sahasrānyūnamardhatisṛbhiḥ saptatilakṣādūnābhiryojanākoṭibhiḥ paricchinnā samantataḥ tamorāśiḥ | sa ca garbhodo nāma samudrarājaḥ | tasmādarvāk daśayojana sahasravistārocchreyo lokāloko nāma parvataḥ | tasyārdhamarvāgavabhāsayanto bhānavīyā bhānavaḥ aparārdhaṃ na prakāśayatīti ato'yamevamabhidhīyate | tasyādhārabhūtaśirasi catvāro nivasanti | loka pācalāḥ pūrveṇa ca sudhānāmā
dakṣiṇena śaṅkhavān paścimena ketumānuttareṇa hiraṇye aivametya svādanibhiretyarvā na ca bhūtagiriparitaḥ
latāgulmaprakāra svakanikarāvabhāsinaḥ yo bhāgā daśayojanasaṃkhyāparicchinnā śātakumbhamayī divaukasāṃ
vihārabhūmiśaryāṇa saṃyuktaśarīraparipūritaṣatuṣṣaṣṭiyojanasaṃkhyā paricchinna svadūto nāma
yathārthanāmā mahodadhiḥ asmādarvāk sādūta (da?) saṃkhyā parimitaḥ puṣkarābhidhāno mahādvīpaḥ | yasya
ca madhye pūrvadakṣiṇa paścimottara pradeśasaṃniviṣṭā indrayamavaruṇakuberarājadhānī vasvokasārā
savyanisubhāvatīti (?) nāmabhiralaṃkṛta śikharadeśo parākṛtiparimaṇḍalo mānasottaronāma dharādhara | asya
dvīpasya sarvanaro nāma rājā | tasyāpyātmajā evaṃ bhūtābhidhā rādhātajiścodādyantanāmāṅkitāni dvau
varṣau varṣa bhedāvadāsan | bhūpālastatra mānasottarasya bahiḥ mahādvitodhātakirabhyantarataḥ aśa(tra)
nivāsatāṃ daśavarṣasahasrasaṃkhyaparicchinnamāyuḥ | asmādarvāk tāvatsaṃkhyā paricchinnaḥ śākadvīpaḥ |
tatra daṇḍadharo savyanāmā yonayo babhūvuścāsya mahībhujaḥ saptasūnavaste ca jalākumāra
sukumārakumāramalinakumudonnata mahādrumanāmānaḥ | tebhyastadabhidhāna lakṣitāni saptavarṣāṇi
digdeśastharājā tadvarṣavibhāgasīmānaḥ pūrvāparaparyantāva gāḍhobhayasamudrāḥ udayadharajalaiḥ
jaladharairiva tasyāṃ jātā āmbikeyakesarīnāmānaḥ kṣitibhṛtaḥ |
tasmādarvāk ṣoḍaśayojanalakṣasaṃkhyā parimito dadhisamudraḥ | tasmādarvāk tāvatsaṃkhyāparimita pradeśaḥ
krauñcābhidhāno rā * * * * āsīdasminnavanipālo dvitimānaḥ | tasyāpyāsan saptasūnavaḥ kuśalamanonugoṣṇā
prāvarakārdhakāramunidundubhaya iti | eṣāmākhyāta nāma vihitānyeva varṣāṇi tāvanti teṣāmavani
daśavanapatiṃ eṣāṃ varṣāṇāṃmadhibhūtāḥ | tatrāpi saptakulaśailāḥ krauñcadvāmakārdhakāro deva
pauṇḍraka munidundubhisaṃjñāḥ | pūrvoktagirisamānāyāṃ vistāraḥ | tatopi cārvāgaṣṭayojanalakṣasaṃkhyā
paricchinno ghṛtasamudraḥ |
tasmādarvāk tāvatsaṃkhyāparicchinnaḥ pradeśaḥ śākadvīpaḥ | tatrātmasutānāmudbhijaveṇu
maṇḍalarathakālalambādhṛtimataḥ prabhākarayākhyānassaptaiva tannāmānassadṛśābhidhānāni
vidruvacchivahemaparvataṃ niramatkuśeśayaharigarimandarābhidhānairdharādharaiḥ samānavarṣāṇi dadau
jyotiṣmānnāma tasya rājā | tasmādarvāk caturlakṣayoja sukaro deśavṛtaḥ tatsamāsaṃkhya * * cchinnaśālmalī
nāma dvīpamitaṃ (daṃ) paripalayato puṣmata(?) kṣitini saptabhiḥ kuladharādharairālamanta saptavarṣāṇi
tasmādarvāk dvilakṣayojanavistīrṇena ikṣurasodena vṛtastatsama * * * saṃkhyāparitapradeśaṃ plakṣābhidhāno
dvāpā taṃ paripālayatā yā tithināmadheyena bhūrbhujā svaśarīrajanmana
śāntatanayaśśarīrasukhodayānandaśivavakṣeva samāhvayā saptasūnavaḥ svanāmacihnitāni si * * * * *
gomadacandranādadundubhisamāno vai bhūbhujakulabhaṇiva saptavasadā prasthāpya na * * * * * tasmādarvāgyojana
lakṣasaṃkhyā paricchinnaḥ kṣārodaḥ | taṃ ca svapakṣabalagarvita * * * * dharanivahapakṣacchedena
vyāpṛtakuliśamaṇḍitabāhudaṇḍādakhilalokavyāpārādarśana calanakṛtalocana-sahasrāt sahasrādātmānaṃ
rakṣitumapārayanto bhayādāviśan pakṣiṇo dvādaśamahānāgāḥ teṣa * * * *
bhadrandrabhidhūmrābhidhānāstrayobhirayaśśātakṛtavidiśamalaṅkurvan candrakaṃkandrohanāmā vai
dakṣiṇetarāṃ kāṣṭhāmāśritavataḥ somakanāma * * * nāradasamāhvayā trayo vāruṇyā* * * * * magacchata |
cakramainākabalāhakasaṃjñā vaivasvatīdeśamabhyagacchan | tatra cakramainākaparvatanāmnā pavatayorantarāle
śivākalapakvathitanaganivaho ghṛtamiva salilarāśi salilamāpibanta * * * * maranivaha * * kitatapaḥ prabhāvo
baḍabāmukhonāma pāvakarājaḥ | agnyekaṃ prabhāvākāreṇa jalanidhinā parikṣiptaparyantassakaladvīpaḥ
sāmantanikaraparivāritaḥ samantato yojanalakṣasaṃkhyā parimitapradeśābhogasakaladvīpaparameśvaraḥ
jambūdvīponāma dvīparā ca | imaṃ ca kuru nāmānaḥ
tebhyaḥ sa rājā somatannāmā * * * * * hi dā varṣabhedanārcadhosya nābhinābhājyeṣṭhasūnu * * * soma
labhatenyamanyūṣanāmānaḥ tadvṛṣabhamakarotmānāṃ pūjā tasmin parityajati prathamaṃ vayaḥ tamabhilakṣita
sakalaviṣayopabhogakṣamaṃ yauvanaṃ bharatanāmani sute savitā kṛtaśca narmadātaṭe āṣāḍhīvallakī maunī
cātmānā bhūtvā sakalamayani bhāramasminnikṣipyānuśamanāntena upekṣyamānamidaṃ bhāratavarṣam | asyāpi
varṣabhedasya dvipānabheranti bhedāḥ candradvīpakaśerutāmraparṇīgabhastimantāgakadvīpasaumyā
gāndharvavaruṇakaumārī dvīpānassahasrayojanasaṃkhyā paricchinnādbhireva sāgarairantaritāḥ
pañcadaśayojanasthālasaṃcārastāvatsaṃkhyā jalanidhi * * * dhani ** paritaḥ parasparagamanā evamidaṃ hi
bhāratīvarṣaṃ yojanasahasrasaṃkhyā paricchinnamahodadhi bindusarasontarālavanti vijñeyakam | asminneva
bhāratavarṣe bhede kumāradvīpe kāścidamāvanabhogopadāyinyaḥ kāścitparāparavibhāgadarśana
nivāraṇocitatamaḥ paṭalabahulamalinayonayaḥ prāṇabhūtabahuvidhārā bhūmantrī bhramaṇavīthayaḥ tatraiva
darśitasakalalokavṛttāntāḥ svargāpavargapramāṇabheda praṇava mukhāmukhāḥ |
ṛgyajussāmātharvaṇāścatvārovedāḥ vicaranti dharāsu dharaṇīpālāryaśūdravarṇaprabhṛtayo'pyatraiva
santyajātiviśeṣāṃ kālavyāpi bhedāḥ prasaṅgena | tadyathāmadhurākṣinimeṣacaturthābhāga kaṭiḥ |
kaṭidvayaṃ layaḥ | lavadvayaṃ tvime pañcadaśanimeṣāḥ kāṣṭhā triṃśatkāṣṭhā kalā | triṃśatkalā
muhūrtaḥ triṃśanmuhūrtamahorātram | pañcadaśāhorātrāṇi pakṣaḥ | pakṣadvayaṃ māsaḥ | māsadvayaṃ
ṛtuḥ | tejaśravaṇe proṣṭhapado varṣāḥ | āśvayujakārtikau śarat | mārgaśīrṣapauṣau hemantaḥ |
mādyaphālgunau śiśiraḥ | caitravaiśākhau vasantaḥ | jyeṣṭha āṣāḍhau grīṣmaḥ | ityete ṣadṛtavaḥ |
dakṣiṇamuttaraṃ ca śiśirādyuttarāyaṇam | varṣādidakṣiṇāyanam | amanadvayaṃ saṃvatsaraḥ | tena
catuḥsahasralakṣāṇi catussahasrāṇi kṛtayugam | ṣaṭcchatasaṃvatsarasandhyāṃ kaliyugakṛtayugayormadhye ca
caturṇāṃ yugānāṃ sampiṇḍitena mānena dvādaśasahasrāṇi divyasaṃvatsarāṇi | etadeva caturyugam | etāni
caturyugāni ekonamanā * * * te caturdaśa manavaḥ kalpaḥ ekaḥ dvākalpādahorātrau brahmaṇaḥ | te ca
viṃśatyadhikasaptadaśakalpā brāhmaṃ saṃvatsarānte ca saṃvatsaraśatāni brāhmamāyuḥ | evaṃ brahmāyuḥ
sahasraṃ viṣṇormātrā śrīkaṇṭhanāthasya kramādvarṣo koṭiśataṃ maheśvarasadāśivānāṃ kālaṃ mayā
yugasahasrakoṭiṃ vidyante | itthamanekaprakārabhedabhinnasya parameśvasya anādinidhanasyānantasya śivasya
yogigamyasya parāvarasyāmṛtasya heyopādeśaśūnyasya parameśvara eka eva kālavyavahārasyātibandhanamidameva
bhāratavarṣetrāpi saptakalaśailāḥ
malayasahya mahendrameru hi mavān vindhyakailāsāḥ iti | mahāmeruḥ lakṣayojanayocchritaḥ |
ardhalakṣayojanavistīrṇādadhastāt ṣoḍaśasahasrayojanavistīrṇa ṣaṭsahasrayojanamāyāmaṃ jāmbūnadamayaṃ
vajramāṇikkapadmarāgamuktāphalasopānabhittiphaṭhaḥ | etadacalaprabhālāñchitagaṅgā kauśikī
gaumatīgaṇḍakīyamunāsindhusarasvatīsarayūcandrabhāgā lohitāpipāśā narmadāśatadruveda ca suprayāga
mahānadī godāvarī bhairavī tuṅgabhadrāpañcanadī śoṇakṛṣṇavarṇā kāverī tāmraparṇī prabhṛtayo
nadyaścā etat payadvāyaśca pāṇḍyacoladramilakarṇāṭakāndhrakosalapāñcālāṅgavaṅgasīmānaḥ |
madhyaprabhṛtayo janapadāḥ eva sitaśca prāṇādyaṃ dātāraḥ pārāṇa kirātaprāyāḥ paścimena yavanamukhāḥ
madhyena caturvarṇaprabalāḥ | prāyaḥ saṃcaranti | tasminneva catuṣkṛtādi parameśvaraśaktinī
pātālagrahītaṃ ca sainyaviśeṣāḥ śivabhaṭṭārakāsya svayambhūsthānāni-
śrīdākṣīḍiṇḍimuṇḍibhārabhūtilakulīśābhidhānāḥ prāpyānugrahakārakāścatvārorudrāḥ |
pratiyugamanāgaparatattvajñācchando vicitprabhṛtibhiraṅgaiśca ṣaḍbhirupaśobhamānāmaṣṭādaśa
dharmāṅgamapālyamānārthā vitathāḥ | āsannevavastrāpadarudrukoṭyavimuktamahālayagokarṇabhadrākarṇa
svarṇākṣāsthāṇucaladviraṇḍamākoṭamaṇḍaleśvara kālāñjaladāruvanāśaṅkukarṇasthaleśvara sthūleśvara
kurukṣetra nakhanākhala vimalāṭṭahāsa bhīmeśvarahariścandra śrīparvata
mahākālāmrātikeśvarajalpeśvara madhyamakedāra mahābhairavāmareśvara prabhāsanaimiśapuṣkarā
bhagavanmūrtisannidhānaviśeṣaramaṇīyāni dhāmāni bhāratavarṣe evaṃ saṃkṣepamātraṃ kathitam |
bhūloke saptasamudrasaptadvīpasaptakulaparvatasvādūdakasamudrāt paralokālokaparvatasthasya sau divākaraḥ
paryaṭati | lokasyopari bhuvarlokastriṃśatkoṭiyojanaṃ nakṣatrarāśinavagraha ṛṣigaṇāḥ nivasanti | suraloka
indrāgniyamanir-ṛtivaruṇa vāyukuberaraiśānāḥ ekādaśarudrāḥ dvādaśādityāḥ aṣṭavasavo'śvinaudvau
siddhacāraṇagandharvayakṣamarudgaṇakinnara kim puruṣavidyādharādayo nivasanti | aṣṭāviṃśati
koṭiyojanavistārāyāṃ svargalokāntarasyopari maharloka caturmukha prajāpati dhātāvidhātā
triyaṣṭāvaṣṭāśceti ṣaṭbrahmāṇo nivasanti | pitāmahasya mānasaputrāḥ sanakasanandane
sanātanasanatkumārādayaḥ caturdaśamanavo nivasanti |
tasyopari janalokaḥ | viṣṇumahāviṣṇu vāsudevasaṃkarṣaṇa pradyumnāniruddhamatsakūrma vārāha-nārasiṃha
vāmanarāmatraya kṛṣṇakarki(lki?) viṣvaksenādayo garuḍādayo nivasanti |
ṣaḍviṃśatikoṭiyojanāyāmavistāraḥ janalokaḥ | tasyopari maheśvarānanteśasūkṣmaśivottama ekanetraika
trimūrti śrīkaṇṭha śikhaṇḍibhavaṃ śarveśānapaśupatirudrogra bhīmamahādevāḥ-
mahādevaḥ śivo rudraḥ śaṅkaro nīlalohitaḥ |
īśāno vijayo bhīmo devadevo bhavodbhavaḥ |
kapālīśaśca vijñeyo rudrāstvekādaśa smṛtāḥ |
anena śatarudrāśca sahasrarudrāstathaiva ca |
ayutāni yutāścaiva arbudā nyarbudāstadā |
aneka koṭirudrāśca nivasanti tapoloke | catvāriṃśatkoṭivistārāyāmastapalokaḥ | tasyopari satyalokaḥ
sadāśivaḥ sākṣāt sakalalokasṛṣṭi sthitisaṃhāra hetuḥ | anekakoṭisahasralakṣaṃ sadāśivasadṛśā
nivasanti | dvāviṃśatkoṭiyojanāyāṃ vistāraparicchinnaḥ satyalokaḥ | yogīśvarāḥ brahmavidaḥ
ānandaikarasāstṛptāḥ nivasanti | anādinidhanāḥ santuṣṭāḥ atisūkṣmā nirālambā
niṣprapañcaheyopādeyarahitāḥ ādityamaṇḍalabhedasuṣiragatāḥ yogino nivasanti | nandā subhadrāsurabhiḥ
suśīlā sumanāḥ pañca kapilāḥ nivasanti sivapriyā gāvaḥ tasyopari aṇḍakapālam | brahmāṇḍadhārakāḥ
śatarudrāḥ diśi diśi vyavasthiā kapālīśāyuḥ vajradehapramardana vibhūtyavyayaśāstāpinākī
tridaśādhipanāmānaḥ pūrvasyāṃ diśi
saṃniviṣṭāḥ daśarudrāḥ |
ityasya phalamākramya prabhuśaktisamanvitāḥ |
agnīrudro hutāśī ca piṅgalaḥ pāvako haraḥ |
jvalano dahano babhruḥ bhasmāntaka kṣapāntakaḥ |
āgneyyāṃ diśi daśarudrāḥ brahmāṇḍasya dhārakāḥ |
āgneyaphalamākramya prabhuśaktisamanvitāḥ |
yāmyāyāṃ diśi brahmāṇḍadhārakā rudrā yāmyo mṛyurvidhātā kārtarudrāḥ dharmādharmapatiḥ saṃyotravidhottāro rudrāḥ dakṣiṇasyāṃ diśi vyavasthitāḥ
yamasya phalamākramya prabhuśaktisamanvitāḥ |
nair-ṛto māraṇo hantā krūradṛṣṭirbhayānakāḥ |
ūrdhvakeśo virūpākṣo dhūmralohitadaṃṣṭriṇaḥ |
daśarudrāḥ nair-ṛtyāṃ diśi brahmāṇḍadhārakāḥ |
nir-ṛterbalamākramya prabhuśaktisamanvitāḥ |
balo'tibalaḥ prāśahastaḥ mahābalaśceto jayabhadradirghabāhurjalāntakaḥ baḍabāmukho bhīṣaṇaśca vāruṇyāṃ diśi brahmāṇḍadhārakāḥ daśarudrāḥ |
varuṇasya balamākramya prabhuśaktikṣamanvitāḥ |
śīghro laghurvāyuvegaḥ sūkṣmastīkṣṇaḥ kṣayāntakaḥ |
pañcāntakaḥ pañcaśikhaḥ kapālī meghavāhanaḥ |
vāyavyāṃ diśi brahmāṇḍadhārakāḥ daśarudrāḥ |
vāyostu balamākramya prabhuśaktisamanvitāḥ |
jaṭīkuṭhārī nānāratnadhārī nidhīśo rūpavān dhanyaḥ saumyadehaḥ prakāśakaḥ | la* * * n kāmarūpī vā daśa rudrāḥ | kauberyāṃ diśi sthitāḥ brahmāṇḍadhārakāḥ |
somasya balamākramya prabhuśaktisamanvitāḥ |
vidyādhipatiḥ jñānabhuk sarvato vedapāragāḥ |
mātṛpitṛviśālā bhūtavahā balipriyāḥ savitā ca vī * * * sukhaduḥkhakaro'paraḥ aiśānyaṃ diśi brahmāṇḍadhārakāḥ daśarudrāḥ |
īśānasya balamākramya prabhuśakti samanvitāḥ |
anantaḥ pālako dhīraḥ pratāpo vegīvṛṣadharaḥ |
- ryudambarīśo grasā * * sarvatomukhāḥ |
- ryudambarīśo grasā * * sarvatomukhāḥ |
adhastāt brahmāṇḍadhārakāḥ daśarudrāḥ |
anantabalamākramya prabhuśakti samanvitāḥ |
śambhurvibhurgaṇādhyakṣastryakṣastridaśavanditaḥ |
saṃvāhaśca vivāhaśca nabholipsustrilocanaḥ |
ūrdhvaṃ brahmāṇḍadhārakāḥ daśarudrāḥ | caturmukha balamākramya prabhuśakti samanvitāḥ | evam eteṣāṃ daśarudravyavasthitiḥ | rudrāṇāmekaikasya bhūyopi śataṃ rudrāḥ parivārāḥ | teṣāmekaikasya śatasahasrarudrāḥ parivārāḥ etā * * * * vacca samantatastriṃśatkoṭilakṣaśatadhāvṛtaṃ jalāvaraṇācchatadhā vṛtaṃ vāraṇaṃ analāvaraṇācchatāvṛtaḥ vāyavyāvaraṇaṃ vāyavyāvaraṇācchataṃ ākāśāvaraṇaṃ ākaśāvaraṇāntacchatavṛtaṃ śaktyāvaraṇaṃ śaktyāvaraṇācchatāvṛtaṃ nādāvaraṇaṃ nādāvaraṇācchatāvṛtaṃ maheśvarāvaraṇam | maheśvarāvaraṇācchatāvṛtaṃ sadā śivāvaraṇaṃ sadāśivāvaraṇācchatāvṛtaṃ
śivāvaraṇamaparāvara * * * * * * * * midaṃ jāgratisvapnasuṣuptiturīyaṃ ca mahāsena sarvaṃ śivamayaṃ bhavet |
madhyadehe sthitaṃ sarvaṃ jagatsthāvarajaṅgamam |
tallīnastanmanā bhūtvā tadbhāvagatamānasaḥ |
yogasaṃsthān vadati guruvaktra prasādataḥ |
Übersetzung: Dies ist gleichsam ein zusammenfassender Lehrvers. Er wird nun erläutert. Für die Entstehung und das Ende der ganzen Welt wird der lotusgeborene Brahma genannt. [Der anschließende Satz über eine Ausdehnung von 640 Millionen Yojanas, Shiva sowie silberne und goldene obere und untere Teile ist beschädigt.] Im oberen Teil eines schalen- oder kugelförmigen Weltbereichs, dessen Dicke als tausend Laksha Yojanas angegeben wird, befindet sich der erhabene Kalagnirudra. Hunderttausende Rudras bilden sein Gefolge. Er bewirkt die Auflösung aller Welten; die aufwärts lodernden Flammen verzehren den Himmelsraum. Seine Stätte unübertrefflicher Macht und Entfaltung wird mit 30 Millionen Yojanas bemessen. Ringsum liegt [Textlücke] tiefe Finsternis. Darüber befinden sich die Leidensstätten jener bewussten Wesen, die sich zu Vergehen wie dem Töten eines Zweimalgeborenen, dem Trinken berauschenden Getränks, dem Besteigen des Lagers des Lehrers und dem Stehlen von Gold hinreißen ließen und deren Folgen erfahren. Ihre Peiniger haben riesige blaue Körper wie Säulen aus Saphirgestein, drohen mit grausamen Worten und ziehen die Brauen über der Stirn zusammen. Ihre gebogenen Hauer gleichen Mondsicheln; ihre Haare den gekrümmten Flammen des Weltbrandes. Schädelketten hängen über ihre breiten Brustflächen, Glöckchen klingen an ihren Füßen; [die Beschreibung der Füße ist gestört]. Sie tragen scharfe eiserne Geräte, Glocken und Stäbe in den Armen; auf dem Rücken schwingen die Schlingen Yamas. Diese Männer, die den Wesen aller Welten das Leben nehmen, quälen die Betroffenen. Unterhalb der Erde werden 32 solcher Leidensstätten genannt. [Die Namensliste ist vielfach verschmolzen oder beschädigt.] Erkennbar sind Rad und Zwang, Vaitarani, Kuta-Shalmali, die Zwillingsberge, übelriechendes Fleisch, geschmolzener oder erhitzter Lack, Schlamm, Zersägen der Glieder, Blut und Eiter, scharfe Eisenstücke, Vögel, Gluthaufen, Ambarisha, Kumbhipaka, der Wald schwertblättriger Bäume, der Berg der Messerschneiden, Nadelmünder, Kalasutra, Mahapadma, Wiederbelebung, Hitze, Kälte, Finsternis und Maharaurava. Von der tiefen Finsternis aus liegt Avichi [Lesung unsicher] in einer Entfernung von zehn Millionen Yojanas. Sieben Höllen bilden sein Gefolge. Weiter folgen fünfzehn Höllen von Kriminichaya bis Ambarisha; ihre Zwischenräume werden jeweils mit drei Millionen Yojanas angegeben. Jede hat wiederum drei Höllen als Gefolge; die Maßangabe mit „drei“ ist beschädigt. In zehn Millionen Yojanas Entfernung liegt Kumbhipaka mit sieben umgebenden Höllen. [Ein Übergang mit sechs Höllen ist gestört.] Danach werden vierzehn übereinanderliegende Höllen vom Wald der Schwertbäume bis Maharaurava genannt, jeweils von drei Höllen umgeben. Weiter, in zehn Millionen Yojanas Entfernung, stehen die Raurava-Säulen mit sieben umgebenden Höllen. [Die folgende Gesamtzählung enthält „vierzig“ und „hundert“, lässt sich wegen der Lücken aber nicht zuverlässig berechnen.] Darüber liegt Kushmanda, darüber der sehr breite Fluss Vaitarani; seine Entfernung wird mit siebzig Laksha, neun weiteren Laksha und [beschädigte Tausenderzahl] Yojanas bezeichnet. Darüber liegen die sieben Unterwelten Mahatala, Rasatala, Talatala, Nitala, Sutala, Vitala und Atala, jeweils durch 13.000 Yojanas voneinander getrennt und stufenartig übereinander angeordnet. Ihre Böden sind der Reihe nach schwarz, weißlich, rot, gelb, bunt, steinern und goldfarben. Sie dienen den Nachkommen Ditis und Danus, Elefantenkönigen, Garudas, Rakshasas und anderen als Wohnstätten. Rings um sie [Textlücke] erstreckt sich die Erde über 300 Millionen Yojanas. Von Kantaka an bis zum Ring des Lokaloka liegt ringsum eine Finsternismasse; [die zusammengesetzte Maßangabe mit Millionen, siebzig Laksha und 20.000 Yojanas ist beschädigt]. Dies ist der Meereskönig namens Garbhoda. Diesseits davon liegt der Berg Lokaloka, 10.000 Yojanas breit und hoch. Die Sonnenstrahlen beleuchten seine diesseitige Hälfte, die andere Hälfte jedoch nicht: Daher trägt er diesen Namen. Auf seinem tragenden Gipfel wohnen vier Welthüter: im Osten Sudhanaman [Lesung unsicher], im Süden Shankhavan, im Westen Ketuman und im Norden Hiranya [Text gestört]. Es folgen Berge, Schlingpflanzen und Gebüsch [Satz beschädigt] sowie ein goldener, als zehn Yojanas bemessener Bereich, der den Göttern als Lustgarten dient. Der große Süßwasserozean, dessen Name seinem Inhalt entspricht, wird hier mit 64 Yojanas angegeben [möglicherweise Textausfall in der Zahl]. Diesseits liegt der große Kontinent Pushkara, dessen Ausdehnung der des genannten Meeres entspricht. In seiner Mitte erhebt sich der ringförmige Manasottara. Auf seinen östlichen, südlichen, westlichen und nördlichen Gipfelteilen liegen die Residenzen Indras, Yamas, Varunas und Kuberas; die überlieferten Residenznamen Vasvokasara, Savyani und Subhavati sind unvollständig oder unsicher. Der König dieses Kontinents heißt Sarvanara. Seine beiden Söhne und die nach ihnen benannten zwei Länder werden genannt, doch sind ihre Namen beschädigt. Außerhalb und innerhalb des Manasottara liegen die beiden Gebiete [unter anderem Dhataki erkennbar]; ihre Bewohner leben 10.000 Jahre. Diesseits liegt der gleich groß bemessene Shakadvipa. Sein Herrscher heißt Savya [Lesung unsicher]. Seine sieben Söhne heißen nach der vorliegenden Lesung Jala, Kumara, Sukumara, Kumara, Malina, Kumudonnata und Mahadruma [Abgrenzung unsicher]. Nach ihnen heißen die sieben Länder. Ihre Grenzgebirge reichen von einem Meer zum anderen; erkennbar sind Udaya, Jaladhara, Ambikeya und Kesarin, doch ist die Aufzählung gestört. Weiter diesseits liegt der 1.600.000 Yojanas breite Ozean aus Dickmilch. Diesseits davon liegt das ebenso große Krauncha-Gebiet [Textlücke]. Sein König war Dvitiman. Seine sieben Söhne werden Kushala, Manonuga, Ushna, Pravaraka, Andhakara, Muni und Dundubhi genannt. Ebenso heißen ihre Länder. Sieben Hauptgebirge werden Krauncha, Vamaka, Andhakara, Deva, Paundraka, Muni und Dundubhi genannt; ihre Länge und Breite entsprechen den zuvor beschriebenen Gebirgen. Weiter diesseits liegt der 800.000 Yojanas breite Ozean aus Ghee. Diesseits davon liegt ein gleich großes Gebiet, hier wiederum Shakadvipa genannt. Der König Jyotishman übergab seinen sieben Söhnen Udbhija, Venu, Mandala, Rathakala, Lamba, Dhritimat und Prabhakara [Namensabgrenzung unsicher] sieben nach ihnen benannte Länder. Diese werden durch Gebirge begrenzt, deren Namen in der Vorlage als Vidruva, Shiva, Hema, Niramata, Kusheshaya, Harigiri und Mandara erkennbar sind. Diesseits folgt ein Bereich von 400.000 Yojanas [Bezeichnung des Meeres beschädigt] und die gleich große Insel Shalmali. Ihr Herrscher Pushmata [unsicher] regiert sieben durch sieben Hauptgebirge abgegrenzte Länder. Weiter diesseits umgibt der 200.000 Yojanas breite Zuckerrohrsaftozean die gleich groß bemessene Insel Plaksha. Ihr König [Name nur als „…atithi“ erhalten] setzte seine sieben leiblichen Söhne als Herrscher der nach ihnen benannten Länder ein; erkennbar sind Shanta, Shishira, Sukhodaya, Ananda, Shiva und weitere beschädigte Namen. Auch die Liste der sieben Gebirge ist lückenhaft; Gomada, Chandra, Nada und Dundubhi sind erkennbar. Diesseits liegt der 100.000 Yojanas breite Salzozean. Zwölf große geflügelte Berge flohen in ihn, weil sie sich nicht vor dem Tausendäugigen schützen konnten, dessen Arm den Donnerkeil führte und damit den übermütigen Bergen die Flügel abschlug. Drei Berge mit beschädigten Namen, darunter Bhadra und Dhuma, schmücken eine Himmelsrichtung. Chandraka und Kandruha [unsichere Lesungen] liegen im Norden. Somaka, [Textlücke] und Narada gingen nach Westen; Chakra, Mainaka und Balahaka nach Süden. Zwischen Chakra und Mainaka liegt der Feuerherr Badabamukha, dessen Flammen die Wassermassen gleich Ghee trinken; [weitere Beschreibung seiner Glut und Askesemacht verloren]. Umgeben von diesem Meer und einem Gefolge kleinerer Inseln liegt Jambudvipa, König der Inseln, mit einer Ausdehnung von 100.000 Yojanas. [Die folgende Königs- und Länderfolge mit Kuru, Nabhi und weiteren Namen ist stark beschädigt.] Erkennbar ist die Erzählung von Rishabha: Als er die erste Lebenszeit hinter sich ließ und sein Sohn Bharata das zum Genuss aller Dinge befähigende Jugendalter erreicht hatte, übergab er ihm die Herrschaft. Am Ufer der Narmada wurde er zum schweigenden Asketen mit Stab [Gerätenamen unsicher] und legte die Last der Herrschaft ab. Das so regierte Gebiet heißt Bharatavarsha. Seine Inselabteilungen werden als Chandra, Kasheru, Tamraparni, Gabhastimat, Naga, Saumya, Gandharva, Varuna und Kaumari genannt. Sie sind durch Meere von je 1.000 Yojanas getrennt; [weitere Angaben zu fünfzehn Yojanas Landweg, Seewegen und gegenseitiger Erreichbarkeit sind beschädigt]. Bharatavarsha wird als das zwischen dem großen Meer und dem Bindusaras gelegene Gebiet mit einer Ausdehnung von tausend Yojanas bezeichnet. Hier, auf Kumaradvipa innerhalb Bharatavarshas, gibt es Wege, die vielfältige Freuden gewähren, und andere, deren dunkle, unreine Geburten die Erkenntnis des Höheren und Niederen verdecken [Satz stark beschädigt]. Hier werden die Verhältnisse sämtlicher Welten sowie die unterschiedlichen Wege zum Himmel und zur Befreiung gelehrt; der Pranava wird genannt, doch ist der Zusammenhang gestört. Die vier Veden, Rigveda, Yajurveda, Samaveda und Atharvaveda, sind auf der Erde verbreitet. Hier leben auch Herrscher, Aryas, Shudras und weitere Gruppen. Bei dieser Gelegenheit werden die Unterteilungen der Zeit angegeben: Ein Viertel eines Augenblicks heißt Kati; zwei Kati sind ein Laya; zwei Lava [die folgende Zuordnung zum Nimesha ist beschädigt]. Fünfzehn Nimesha sind eine Kashtha, dreißig Kashtha eine Kala, dreißig Kala ein Muhurta und dreißig Muhurta ein Tag mit Nacht. Fünfzehn Tage und Nächte bilden einen Paksha, zwei Paksha einen Monat und zwei Monate eine Jahreszeit. Shravana und Proshthapada bilden die Regenzeit; Ashvayuja und Kartika den Herbst; Margashirsha und Pausha den frühen Winter; Magha und Phalguna den späten Winter; Chaitra und Vaishakha den Frühling; Jyeshtha und Ashadha den Sommer. Das sind die sechs Jahreszeiten. Es gibt den südlichen und den nördlichen Sonnenlauf: Mit dem späten Winter beginnt der nördliche, mit der Regenzeit der südliche. Beide zusammen bilden ein Jahr. [Die folgende Jahreszahl für das Kritayuga ist beschädigt; auch eine Übergangszeit von sechshundert Jahren wird genannt.] Die vier Yugas ergeben zusammen 12.000 göttliche Jahre: ein Chaturyuga. [Die Zahl der Chaturyugas pro Manu-Zeit fehlt.] Vierzehn Manus bilden einen Kalpa; zwei Kalpas einen Tag mit Nacht Brahmas. [Die Jahresberechnung mit „siebzehn Kalpas und zwanzig“ ist gestört.] Hundert solcher Jahre bilden Brahmas Lebensdauer. Tausend Lebensspannen Brahmas sind ein Zeitmaß Vishnus. Danach wird ein Jahr Shrikanthanathas genannt; für Maheshvara und Sadashiva folgen Zahlen mit hundert Koti und tausend Koti Yugas, deren Zuordnung nicht sicher ist. Der höchste Herr aber, Shiva, ist anfangs- und endlos, unendlich, durch Yoga erreichbar, höher und niederer Erscheinung zugrunde liegend, unsterblich, frei von Anzunehmendem und Abzuweisendem. Nur er ist [die genaue Beziehung zur Zeitbindung ist beschädigt] der Grund dieser vielfältigen Zeitrechnung. In Bharatavarsha werden sieben Hauptgebirge genannt: Malaya, Sahya, Mahendra, Meru, Himavan, Vindhya und Kailasa. Der große Meru ist 100.000 Yojanas hoch und 50.000 breit; darunter werden 16.000 Yojanas Breite und 6.000 Yojanas Länge genannt [Bezug unsicher]. Er besteht aus Jambunada-Gold; seine Treppen, Wände und Plattformen sind mit Diamanten, Edelsteinen, Rubinen und Perlen ausgestattet. Von den strahlenden Bergen kommen die Flüsse Ganga, Kaushiki, Gomati, Gandaki, Yamuna, Sindhu, Sarasvati, Sarayu, Chandrabhaga, Lohita, Vipasha [Vorlage: Pipasha], Narmada, Shatadru, [Veda oder beschädigter Name], Suprayaga, Mahanadi, Godavari, Bhairavi, Tungabhadra, Panchanadi, Shona, Krishnavarna, Kaveri, Tamraparni und andere. Genannt werden die Länder Pandya, Chola, Dramila, Karnataka, Andhra, Kosala, Panchala, Anga, Vanga und weitere mittlere Gebiete. Im Osten leben vorwiegend Kiratas [weiterer Wortlaut beschädigt], im Westen unter anderem Yavanas, in der Mitte überwiegend Menschen der vier Stände. [Ein Satz über die Kraft Parameshvaras, Unterwelten und besondere Gruppen ist unverständlich.] Es folgen selbstentstandene Stätten des erhabenen Shiva und Namen wie Shrida, Akshi, Dindi, Mundi, Bharabhuti und Lakulisha; zugleich ist von vier gnädig wirkenden Rudras die Rede, ohne dass sich die Namen eindeutig zuordnen lassen. [Der folgende Satz über die Yugas, Erkenntnis des höchsten Prinzips, sechs Hilfswissenschaften und achtzehn Dharma-Glieder ist gestört.] Als durch die besondere Gegenwart der göttlichen Gestalt liebliche heilige Stätten werden unter anderem Rudrakoti, Avimukta, Mahalaya, Gokarna, Bhadrakarna, Svarnaksha, Sthanu, [mehrere beschädigte Namen], Makota, Mandaleshvara, Kalanjala, Daruvana, Shankukarna, Sthaleshvara, Sthuleshvara, Kurukshetra, Nakhanakhala, Vimala, Attahasa, Bhimeshvara, Harishchandra, Shriparvata, Mahakala, Amratikeshvara [unsicher], Jalpeshvara, Madhyama, Kedara, Mahabhairava, Amareshvara, Prabhasa, Naimisha und Pushkara genannt. So ist Bharatavarsha nur in Kürze beschrieben. In der Erdenwelt gibt es sieben Meere, sieben Kontinente und sieben Hauptgebirge. Jenseits des Süßwasserozeans zieht die Sonne am Lokaloka-Berg ihre Bahn. Über der Erdenwelt liegt Bhuvarloka, 300 Millionen Yojanas groß; dort wohnen die Sternbilder, Tierkreiszeichen, neun Planeten und Scharen von Rishis. In der Götterwelt wohnen Indra, Agni, Yama, Nirriti, Varuna, Vayu, Kubera und Ishana, elf Rudras, zwölf Adityas, acht Vasus, die beiden Ashvins sowie Siddhas, Charanas, Gandharvas, Yakshas, Maruts, Kinnaras, Kimpurushas, Vidyadharas und andere. Über dem 280 Millionen Yojanas weiten Svargaloka liegt Maharloka. Dort wohnen sechs Brahmas: Chaturmukha, Prajapati, Dhata, Vidhata, Triyashta und Vashta [die letzten Namen sind beschädigt], außerdem die geistgeborenen Söhne des Urvaters wie Sanaka, Sanandana, Sanatana und Sanatkumara sowie die vierzehn Manus. Darüber liegt Janaloka. Dort wohnen Vishnu, Mahavishnu, Vasudeva, Sankarshana, Pradyumna, Aniruddha, Matsya, Kurma, Varaha, Narasimha, Vamana, die drei Ramas, Krishna, Kalki [unsichere Lesung], Vishvaksena, Garuda und andere. Janaloka hat 260 Millionen Yojanas Länge und Breite. Darüber wohnen Maheshvara, Anantesha, Sukshma, Shivottama, Ekanetra, [Ekarudra und Trimurti sind verschmolzen], Shrikantha, Shikhandin, Bhava, Sharva, Ishana, Pashupati, Rudra, Ugra, Bhima und Mahadeva. Mahadeva, Shiva, Rudra, Shankara, Nilalohita, Ishana, Vijaya, Bhima, Devadeva, Bhavodbhava und Kapalisha gelten als die elf Rudras. Dazu wohnen im Tapoloka hundert und tausend Rudras, Zehntausende und weitere große Zahlen, Arbuda und Nyarbuda, viele Millionen Rudras. Tapoloka ist 400 Millionen Yojanas lang und breit. Darüber liegt Satyaloka mit Sadashiva selbst, dem Grund für Erschaffung, Erhaltung und Auflösung aller Welten. Unzählige Sadashiva ähnliche Wesen wohnen dort; Satyaloka ist 220 Millionen Yojanas lang und breit. Dort wohnen Yogaherren und Brahman-Kenner, erfüllt und gesättigt vom einen Geschmack der Glückseligkeit. Dort wohnen Yogis, anfangs- und endlos, zufrieden, überaus fein, ohne Stütze, frei von Vielheit und vom Annehmen oder Verwerfen, durch die Öffnung der durchbrochenen Sonnenscheibe eingegangen. Dort leben auch die fünf Shiva lieben Kapila-Kühe Nanda, Subhadra, Surabhi, Sushila und Sumana. Darüber liegt die Schale des Welteis. In allen Himmelsrichtungen stehen hundert Rudras als Träger des Welteis. Im Osten stehen zehn mit den Namen Kapalisha, Ayus, Vajradeha, Pramardana, Vibhuti, Avyaya, Shasta, Pinakin und Tridashadhipa [die als zehn bezeichnete Liste ergibt keine zehn eindeutig getrennten Namen]. Sie übernehmen die Macht des östlichen Welthüters und sind mit der Kraft des Herrn erfüllt. Im Südosten tragen zehn Rudras das Weltei: Agnirudra, Hutashin, Pingala, Pavaka, Hara, Jvalana, Dahana, Babhru, Bhasmantaka und Kshapantaka. Sie übernehmen die Macht Agnis und sind mit der Kraft des Herrn erfüllt. Im Süden stehen die Rudras Yamya, Mrityu [Vorlage beschädigt], Vidhata, Kartarudra, Dharmadharmapati, Samyotra und Vidhottara [Trennung und Vollständigkeit unsicher]; sie übernehmen Yamas Macht und sind mit der Kraft des Herrn erfüllt. Im Südwesten stehen Nairrita, Marana, Hanta, Kruradrishti, Bhayanaka, Urdhvakesha, Virupaksha, Dhumra, Lohita und Damshtrin. Sie übernehmen Nirritis Macht und sind mit der Kraft des Herrn erfüllt. Im Westen stehen Bala, Atibala, Pashahasta [Vorlage: Prashahasta], Mahabala, Cheta, Jayabhadra, Dirghabahu, Jalantaka, Badabamukha und Bhishana. Sie übernehmen Varunas Macht und sind mit der Kraft des Herrn erfüllt. Im Nordwesten stehen Shighra, Laghu, Vayuvega, Sukshma, Tikshna, Kshayantaka, Panchantaka, Panchashikha, Kapalin und Meghavahana. Sie übernehmen Vayus Macht und sind mit der Kraft des Herrn erfüllt. Im Norden stehen Jatin, Kutharin, Nanaratnadharin, Nidhisha, Rupavan, Dhanya, Saumyadeha, Prakashaka, [Textlücke] und Kamarupin. Sie übernehmen Somas Macht und sind mit der Kraft des Herrn erfüllt. Im Nordosten werden Vidyadhipati, Jnanabhuj, Sarvatovedaparaga, Matri, Pitri, Vishala, Bhutavaha, Balipriya, Savitri und [Textlücke] sowie ein Freuden und Leiden Wirkender genannt [Abgrenzung unsicher]. Sie übernehmen Ishanas Macht und sind mit der Kraft des Herrn erfüllt. Unterhalb stehen zehn Rudras, darunter Ananta, Palaka, Dhira, Pratapa, Vegin, Vrishadhara, [Textlücken], Udambarisha und Sarvatomukha. Sie übernehmen Anantas Macht und sind mit der Kraft des Herrn erfüllt. Oberhalb stehen zehn Rudras, genannt werden Shambhu, Vibhu, Ganadhyaksha, Tryaksha, Tridashavandita, Samvaha, Vivaha, Nabholipsu und Trilochana [wieder nur neun klar erkennbare Namen]. Sie übernehmen die Macht des Viergesichtigen und sind mit der Kraft des Herrn erfüllt. So ist die Anordnung der Zehnergruppen. Jeder Rudra hat wiederum hundert Rudras als Gefolge, jeder von diesen hunderttausend Rudras. [Die anschließende Ausgangsmaßzahl der Umhüllungen ist beschädigt.] Die Wasserhülle umgibt das Ganze hundertfach; danach folgen Feuer, Wind und Raum, jeweils hundertfach gegenüber der vorhergehenden Hülle. Es folgen in gleicher Steigerung die Hüllen von Shakti, Nada, Maheshvara, Sadashiva und Shiva. [Textlücke.] Wachen, Träumen, Tiefschlaf und der vierte Zustand: Alles, Mahasena, besteht aus Shiva. Im Inneren des Körpers befindet sich die gesamte Welt, das Unbewegliche und das Bewegliche. In jenes versunken, mit dem Geist ganz darauf gerichtet und davon erfüllt, spricht man durch die Gnade aus dem Mund des Guru von den Zuständen des Yoga.
iti kālottare ekatriṃśatpaṭalaḥ || 31 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 31.
Kapitel 32 – Der Weg der Laute
32.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
varṇādhvānaṃ pravakṣyāmi sarvapāpaharaṃ param |
sarvasiddhimavāpnoti sadyaḥ pratyayamuttamam || 1 ||
Übersetzung: Ishvara sprach: Ich werde den höchsten Weg der Laute erklären, der alle Verfehlungen beseitigt. Durch ihn erlangt man sämtliche Vollkommenheiten und unmittelbar höchste Gewissheit.
32.2
sisṛkṣeta pare sūkṣme bindurutpadyate mayā |
bindornādaḥ samutpannaḥ nādācchaktirajāyata || 2 ||
Übersetzung: Wenn im höchsten Feinen der Schöpfungswille erwacht, entsteht durch mich der Bindu. Aus Bindu entsteht Nada, aus Nada geht Shakti hervor.
32.3
śaktestu vāṅmayaṃ jātaṃ vāṅmayāt ṣoḍaśaḥ kalāḥ |
kalābhyo vyañjanaṃ jātaṃ vāgbhavānalavāgbhavet || 3 ||
Übersetzung: Aus Shakti entsteht das Wesen der Sprache, daraus sechzehn Kalas; aus den Kalas entstehen die Konsonanten. [Der Schluss über Vagbhava und Feuer ist gestört.]
32.4
akārātsarvaṃ saṃjātaṃ vāgbhavaṃ sarvameva hi |
sakalaṃ niṣkalaṃ śūnyaṃ kalāḍhyaṃ kamalaṃ kṛtam || 4 ||
Übersetzung: Aus dem Laut a entsteht alles; alles ist aus Sprache hervorgegangen. Mit Teilen, ohne Teile, leer und mit Kalas erfüllt wird der Lotus gestaltet.
32.5
kṣavaṇaṃ kṣayamalastham kaṇṭhoṣṭhaṃ cāṣṭamaṃ smṛtam |
śivāṣṭabhedaṃ vai vatsa hakāre saṃprajāyate || 5 ||
Übersetzung: [Die erste Zeile mit Laut-, Kehl- und Lippenangaben ist unverständlich.] Mein Kind, im Laut ha entsteht die achtfache Unterscheidung Shivas.
32.6
vāmā jyeṣṭhā ca raudrī ca triśikhe tu vyavasthitāḥ |
kālī caiva tu vijñeyā kalavikaraṇī tathā || 6 ||
Übersetzung: Vama, Jyeshtha und Raudri befinden sich in den drei Spitzen; ferner sind Kali und Kalavikarani zu erkennen.
32.7
balavikaraṇī caiva balapramathanī tathā |
sarvabhūtadamanī manonmanī grīve vyavasthitāḥ || 7 ||
Übersetzung: Balavikarani, Balapramathani, Sarvabhutadamani und Manonmani befinden sich am Hals.
32.8
umāśriyā sarasvatyā durgā jyeṣṭhā vasundharā |
brāhmī māheśvarī caiva kaumārī vaiṣṇavī tathā || 8 ||
Übersetzung: Uma, Shri, Sarasvati, Durga, Jyeshtha, Vasundhara, Brahmi, Maheshvari, Kaumari und Vaishnavi,
32.9
vārāhī caiva māhendrī cāmuṇḍā ca uṣā prabhā |
uṣādikoṭyaṃ vanyattantu gale sthitāḥ || 9 ||
Übersetzung: Varahi, Mahendri, Chamunda, Usha und Prabha: Usha und die weiteren, millionenfachen [Kräfte; Text beschädigt] befinden sich in der Kehle.
32.10
śāntā turīyamaṃśaṃ tu akāre saṃvyavasthitāḥ |
ākāre viṣṇudaivatyaṃ koṭiśaktisamanvitam || 10 ||
Übersetzung: Shanta und der Anteil des vierten Zustands befinden sich im a. Das ā gehört zu Vishnu und ist mit Millionen Shaktis verbunden.
32.11
binduśaktisamākrāntaṃ sākṣācchrīkaṇṭhanāyakam |
ikāraṃ sarvarakṣā ca bindumastakabhūṣitam || 11 ||
Übersetzung: Mit Bindu und Shakti überhöht ist es unmittelbar der Herr Shrikantha. Das i gewährt umfassenden Schutz und trägt Bindu als Kopfschmuck.
32.12
ananteśasvarūpaṃ tu vāsudevaṃ ṣaḍānana |
bindumastakamākrāntaṃ sarvavaśyakaraṃ param || 12 ||
Übersetzung: Es hat die Gestalt Ananteshas und Vasudevas, Sechsgesichtiger. Mit Bindu auf dem Haupt verleiht es höchste Macht, alles anzuziehen.
32.13
sūkṣmarūpaṃ tu īkāraṃ sākṣādaiva viṣṇurūpakam |
bindumastakamārūḍhaṃ rājavaśyakaraṃ param || 13 ||
Übersetzung: Das ī hat die Gestalt Sukshmas und unmittelbar die Vishnus. Mit Bindu über dem Haupt gilt es als höchstes Mittel, einen König zu beeinflussen.
32.14
śivottamamukāraṃ tu saṃkarṣaṇamataḥ param |
puruṣaṃ vaiśyamūkāraṃ bindumastakabhūṣitam || 14 ||
Übersetzung: Das u ist Shivottama und ferner Sankarshana. Das ū wird, mit Bindu geschmückt, zur Beeinflussung eines Menschen genannt. [Der Übergang der Vokale ist gestört.]
32.15
ekanetraśca ūkāra pradyumnasyāmalaṃ bhavet |
bindumastakamārūḍhaṃ puruṣavaśyamidaṃ param || 15 ||
Übersetzung: Das ū ist Ekanetra und die reine Gestalt Pradyumnas; mit Bindu über dem Haupt gilt es als höchstes Mittel zur Beeinflussung von Menschen.
32.16
śuklavarṇaṃ tathā raktaṃ haritaṃ nīlameva ca |
pārāvatanibhaṃ caiva ṣaḍvarṇaṃ saṃprakīrtitam || 16 ||
Übersetzung: Weiß, rot, grün, blau und taubenfarben werden als sechs Farben bezeichnet. [Die Vorlage nennt nur fünf eindeutig.]
32.17
akāratattve yatproktaṃ akāre tu ṣaḍānana |
sarvarakṣā sarvavaśyaṃ viṣanāśanameva ca || 17 ||
Übersetzung: Was beim Prinzip des a erklärt wurde, Sechsgesichtiger, wirkt im a als umfassender Schutz, Beeinflussung und Giftvernichtung.
32.18
ṛṣāramekarudraṃ tu anirudraṃ nātra saṃśayaḥ |
bindumastakamākrāntaṃ aśītirvātanāśanam || 18 ||
Übersetzung: Das ṛ [Vorlage beschädigt] ist Ekarudra und Aniruddha, daran besteht kein Zweifel. Mit Bindu überhöht vernichtet es die achtzig Vata-Leiden.
32.19
trimūrtirūpaṃ ṛkāraṃ prabhuśaktisvarūpakam |
jvarakuṣṭhaviṣaśleṣmaṃ sarvāpasmāranāśanam || 19 ||
Übersetzung: Das ṛ hat die Gestalt Trimurtis und der Kraft des Herrn. Es vernichtet Fieber, Aussatz, Gift, Schleimleiden und alle Fallsucht. [Erneute ṛ-Zuordnung der Vorlage.]
32.20
ḷ ḹ cāśvanirūpaṃ tu sarvavyādhiharaṃ param |
bindumastakamākrāntaṃ aśītirvātanāśanam || 20 ||
Übersetzung: ḷ und ḹ haben die Gestalt der Ashvins [Lesung unsicher] und beseitigen alle Krankheiten; mit Bindu überhöht vernichten sie die achtzig Vata-Leiden.
32.21
- tvadhārūpamekāraṃ sarvavaśyakaraṃparam |
bindumastakamārūḍhaṃ drutacāmīkaraprabham || 21 ||
Übersetzung: Das e hat die Gestalt [Textlücke] und gilt als höchstes Mittel zur Beeinflussung aller. Mit Bindu überhöht glänzt es wie geschmolzenes Gold.
32.22
ekāramanilaṃ proktaṃ bhinnāñjanasamaprabham |
sarvarakṣākaraṃ caiva binduyuktaṃ tu vai guha || 22 ||
Übersetzung: Das e wird als Wind bezeichnet und leuchtet wie zerriebene Augenschminke. Mit Bindu verbunden gewährt es allen Schutz, Guha.
32.23
uccāṭane bindurahitaṃ phaṭkāreṇa tu māraṇam |
okāraṃ śikhaṇḍirūpaṃ tu binduyuktaṃ sadaṅkakam || 23 ||
Übersetzung: Ohne Bindu dient es der Vertreibung, mit phaṭ dem Töten. Das o hat die Gestalt Shikhandins und ist mit Bindu und [unsicherem Zeichen] verbunden.
32.24
bindvantaṃ śivamevāhuḥ jyotirūpamanaupamam |
śuddhasphaṭikasaṃkāśaṃ divyarūpamanāmayam || 24 ||
Übersetzung: Den mit Bindu abschließenden Laut nennt man Shiva selbst: unvergleichliches Licht, rein wie Bergkristall, göttlich und frei von Leiden.
32.25
japena bhuktirmuktiśca mṛtyuṃ jitvā na saṃśayaḥ |
śvetapaṅkajamadhye tu adhomukhaṃ vicintayedbudhaḥ || 25 ||
Übersetzung: Durch Japa werden Genuss und Befreiung erlangt und der Tod überwunden, ohne Zweifel. Der Verständige stelle ihn sich abwärts gewandt inmitten eines weißen Lotus vor.
32.26
ajarāmaratvamāpnoti praṇavena ṣaḍānana |
okāraṃ raktavarṇaṃ tu maheśaṃ paramaṃ mahat || 26 ||
Übersetzung: Durch den Pranava erlangt man Freiheit von Alter und Tod, Sechsgesichtiger. Das o ist rot, der höchste große Mahesha.
32.27
senāstambhamavāpnoti triguṇaṃ ca ca mūṃ japet |
akāraṃ paramaṃ tattvaṃ bhavarūpaṃ mahānapi || 27 ||
Übersetzung: Man erlangt das Stillsetzen eines Heeres und rezitiere dreifach „mūṃ“ [Zusammenhang unsicher]. Das a ist das höchste Prinzip, die Gestalt Bhavas, der Große.
32.28
mahārajatasaprakhyaṃ viṣastambhamudāhṛtam |
akāramanantarūpaṃ tu śuddhasphaṭika sannibham || 28 ||
Übersetzung: Hell wie reines Silber wird es zum Stillsetzen von Gift gelehrt. Das a hat Anantas Gestalt und gleicht reinem Bergkristall.
32.29
śarvarūpaṃ paraṃ hyetat viṣasaṃhāraṇaṃ param |
nirviṣaṃ vā sumanasā sadaṣṭaṃ vā sujinā api || 29 ||
Übersetzung: Dies ist die höchste Gestalt Sharvas, das höchste Mittel zur Giftvernichtung. [Der folgende Satz über einen Gebissenen und einen wohlgesinnten Geist ist beschädigt.]
32.30
ayutaṃ japenmānasaṃ parokṣeṇāpi viṣaṃ haret |
ṣoḍaśasvaramevaṃ tu sākṣāccandrakalā mahat || 30 ||
Übersetzung: Man rezitiere zehntausendmal im Geist; dadurch beseitige man Gift sogar aus der Ferne. So sind die sechzehn Vokale unmittelbar die großen Mond-Kalas.
32.31
amṛtāpyamṛtasyāpi amṛtodbhavameva ca |
plāvinī śītavīryā ca uṣṇaghnā mṛtyunāśinī || 31 ||
Übersetzung: Genannt werden Amrita, Amritasya [unsicher], Amritodbhava, Plavini, Shitavirya, Ushnaghna und Mrityunashini,
32.32
saṃjīvanī hlādakarī tṛṣṇaghnā vyādhināśinī |
tuṣārādarvāk jyotsnāyā mṛtasaṃjīvanī parā || 32 ||
Übersetzung: Sanjivani, Hladakari, Trishnaghna, Vyadhinashini, Tushara, [beschädigter Übergang], Jyotsna und die höchste Mritasanjivani.
32.33
nakṣatranāyikā caiva candrasya tu kalā smṛtā |
viśvarūpā ṣoḍaśakalā visargāntā prakīrtitā || 33 ||
Übersetzung: Auch Nakshatranayika gilt als Mond-Kala. Vishvarupa ist die sechzehnte Kala; die Reihe wird bis zum Visarga erklärt.
32.34
akāraṃ pitāmahaṃ viddhi padmakiñjalka sannibham |
viṣasaṃhāraṇaṃ sarvaṃ sarvasṛṣṭipravartanam || 34 ||
Übersetzung: Erkenne a als den Urvater, leuchtend wie die Staubfäden eines Lotus. Es vernichtet jedes Gift und setzt alle Schöpfung in Gang. [a steht hier am Anfang der Konsonantenfolge.]
32.35
khakāraṃ garuḍaṃ vidyāt śātakumbhasamaprabham |
sthāvaraṃ jaṅgamaṃ caiva kṛtrimaṃ viṣanāśanam || 35 ||
Übersetzung: Erkenne kha als Garuda, strahlend wie Gold. Es vernichtet pflanzliches, tierisches und künstlich bereitetes Gift.
32.36
gaṇapatiṃ gakārastu sākṣādvighnavināyakam |
gajakarṇaṃ gajānanaṃ gajahastaṃ trilocanam || 36 ||
Übersetzung: Ga ist Ganapati, unmittelbar Vighnavinayaka: mit Elefantenohren, Elefantengesicht und Rüssel, dreiäugig,
32.37
bhinnāñjanasamaprakhyaṃ bṛhodaraṃ hi caturbhujam |
śvetapadmopariṣṭāttu sarvabhakṣapriyaṃ sadā || 37 ||
Übersetzung: dunkel wie zerriebene Augenschminke, dickbäuchig und vierarmig, über einem weißen Lotus, stets Liebhaber aller Speisen.
32.38
tripurāntakaṃ ghakāraṃ tu atasīpuṣpasannibham |
caturbhujaṃ trinetraṃ tu śūlaṃ paraśudhāriṇam || 38 ||
Übersetzung: Gha ist Tripurantaka, leuchtend wie eine Flachsblüte, vierarmig, dreiäugig, Dreizack und Axt tragend.
32.39
sarvaśatruharaṃ bījaṃ sarvarakṣoghnamucyate |
ghakāraṃ bhūmidaivatyaṃ dvibhujaṃ bhṛṅgasannibham || 39 ||
Übersetzung: Diese Keimsilbe vernichtet alle Feinde und alle Rakshasas. Gha wird außerdem der Erdgottheit zugeordnet: zweiarmig und bienenfarben. [Wiederholtes gha in der Vorlage.]
32.40
dvinetraṃ dvibhujaṃ vidyāt tajjapādbhūmisādhanam |
cakāraṃ muṇḍirūpaṃ tu kālameghasamaprabham || 40 ||
Übersetzung: Man erkenne sie als zweiäugig und zweiarmig; durch ihre Rezitation wird die Erde gewonnen. Ca hat Mundins Gestalt, dunkel wie eine Regenwolke.
32.41
aṣṭabhujaṃ triṇetraṃ tu nāgaghaṇṭā ḍamarukaḥ |
śiromālādharaṃ raudraṃ sarvāsuravimardanam || 41 ||
Übersetzung: Achtarmig, dreiäugig, mit Schlange, Glocke und Damaru, trägt er eine Schädelkette, ist furchtbar und zermalmt alle Asuras.
32.42
chakāraṃ bhadrakālaṃ tu rājāvartamaṇiprabham |
bhujaiḥ ṣoḍaśabhiryuktaṃ triṇetraṃ bhūmirupiṇam || 42 ||
Übersetzung: Cha ist Bhadrakala, glänzend wie Lapislazuli, sechzehnarmig und dreiäugig, von erdhafter Gestalt [Lesung unsicher].
32.43
raktapaṅkajamadhyasthaṃ ghoradaṃṣṭraṃ bhayāvaham |
kapālaṃ śūladhanuṣī cakraṃ vajraṃ paraśvayam || 43 ||
Übersetzung: Inmitten eines roten Lotus sitzt er mit schrecklichen Hauern, furchteinflößend, mit Schädel, Dreizack, Bogen, Diskus, Donnerkeil und Axt,
32.44
khaḍgaṃ ghaṇṭā ca nādaṃ ca śaraṃ tomaradhāriṇam |
aṅkuśaṃ bhiṇḍipālaṃ ca parighaṃ ca śubhaṃkaram || 44 ||
Übersetzung: Schwert, Glocke, „Nada“ [Gegenstand unsicher], Pfeil, Speer, Elefantenhaken, Wurfschleuder und Keule, Heil bewirkend.
32.45
śukaṃ ca vāmaṃ yadvāme savye cāṣṭabhujeṣu ca |
jakāraṃ jṛmbhalaṃ vidyādyanadevo na saṃśayaḥ || 45 ||
Übersetzung: [Die Verteilung der Gegenstände auf die acht linken und rechten Arme ist beschädigt; auch ein Papagei wird genannt.] Ja ist Jrimbhala, die Gottheit des Reichtums [Lesung unsicher], ohne Zweifel.
32.46
dvinetraṃ dvibhujaṃ vidyāt śyāmavarṇaṃ śubhānanam |
sarvābharaṇasaṃyuktaṃ sarvaratnopaśobhitam || 46 ||
Übersetzung: Man erkenne ihn als zweiäugig, zweiarmig, dunkel und schön von Angesicht, mit sämtlichen Schmuckstücken und Edelsteinen geschmückt.
32.47
jalena tarpayennityaṃ aṣṭottaraśataṃ guha |
culakodakena nityaṃ tu jalaṃ spṛṣṭvā tu tarpayet || 47 ||
Übersetzung: Man sättige ihn täglich 108-mal mit Wasser, Guha. Mit Wasser in der hohlen Hand vollziehe man täglich die Wasserspende, nachdem man Wasser berührt hat.
32.48
mahānidhānaṃ paśyanti vatsaratrayatarpaṇam |
sākṣādamṛtīśarūpaṃ tu jhakāraṃ paramākṣaram || 48 ||
Übersetzung: Nach drei Jahren solcher Spenden sieht man einen großen Schatz. Der höchste Laut jha ist unmittelbar die Gestalt Amritishas.
32.49
ekapādamekabhujaṃ ūrdhvahastaṃ trilocanam |
binduśekharamārūḍhaṃ nādaśakti samanvitam || 49 ||
Übersetzung: Einbeinig und einarmig, mit erhobener Hand und drei Augen, trägt er Bindu als Scheitelschmuck und ist mit Nada und Shakti verbunden.
32.50
kvacicchvetaṃ kvacidraktaṃ kvacitpītaṃ hiraṇmayam |
japākusumasaprakhyaṃ kvacidindra dhanuṣprabham || 50 ||
Übersetzung: Bald ist er weiß, bald rot, bald gelb und golden, bald wie eine Hibiskusblüte, bald wie ein Regenbogen.
32.51
aṣṭabhujaṃ triṇetraṃ ca kvacidekabhujaṃ bhavet |
kvacidvai ekapādaṃ tu kvacidvai ekanetrakam || 51 ||
Übersetzung: Bald hat er acht Arme und drei Augen, bald einen Arm, bald einen Fuß und bald ein Auge.
32.52
ardhanārīśvare vatsa jhakāreśo na saṃśayaḥ |
lakṣeṇa japamātreṇa japetpuruṣa vartate || 52 ||
Übersetzung: Der Herr des jha ist Ardhanarishvara, mein Kind, ohne Zweifel. Durch bloße hunderttausendfache Rezitation wird ein Mensch [beeinflusst; Satz gestört].
32.53
dvilakṣeṇa senāstambhaṃ trilakṣeṇa mahī jayet |
lokavaśyaṃ rājavaśyaṃ puruṣavaśyaṃ tathaiva ca || 53 ||
Übersetzung: Durch zweihunderttausend Rezitationen wird ein Heer stillgesetzt, durch dreihunderttausend die Erde erobert. Welt, König und Menschen werden beeinflussbar.
32.54
strīvaśyaṃ siṃhavaśyaṃ ca hastikśyaṃ ca jāyate |
viṣasaṃhāraṇaṃ caiva daṣṭaṃ vāsukināpi vā || 54 ||
Übersetzung: Frauen, Löwen und Elefanten werden beeinflussbar. Auch Gift wird vernichtet, selbst bei einem Biss Vasukis.
32.55
aukāraṃ rephasaṃyuktaṃ śatrusenāvināśanam |
ḹkāraṃ koddalīrūpaṃ bhṛṅgavarṇaṃ trilocanam || 55 ||
Übersetzung: Au, mit r verbunden, vernichtet ein feindliches Heer. Das ḹ hat Koddalis Gestalt: bienenfarben und dreiäugig.
32.56
dvibhujaṃ nagnarūpaṃ tu araṇyevāsinaṃ śubham |
asabhyaṃ pratikaraṃ vatsa nagnaṃ nṛtyena tuṣyati || 56 ||
Übersetzung: Zweiarmig, nackt, im Wald lebend und heilbringend. Mein Kind, sie freut sich an unanständigen Gebärden [Lesung unsicher] und nacktem Tanz.
32.57
smaraṇamātreṇaṃ koṭavī sukhena strī prasūyate |
ṭakāraṃ viśvarūpaṃ tu dvibhujaṃ tu trinetrakam || 57 ||
Übersetzung: Durch bloßes Gedenken an Kotavi gebiert eine Frau leicht. Ṭa ist Vishvarupa, zweiarmig und dreiäugig.
32.58
bandhūkakusumaprakhyaṃ smaraṇādroganāśanam |
candrasākṣāt ṭhakāraṃ tu śuddhakundendu sa prabham || 58 ||
Übersetzung: Er leuchtet wie eine Bandhuka-Blüte; Gedenken an ihn vernichtet Krankheit. Ṭha ist unmittelbar der Mond, leuchtend wie reiner Jasmin und Mondlicht.
32.59
dvibhujaṃ ca trinetraṃ ca sarva evāvaśobhitam |
sarvābharaṇasaṃyuktaṃ ekāvartaṃ tathaiva ca || 59 ||
Übersetzung: Zweiarmig, dreiäugig, vollkommen geschmückt, mit allen Schmuckstücken und einer einzelnen Windung [Bedeutung unsicher].
32.60
sākṣādamṛtarūpaṃ tu śvetapadmopari sthitam |
dhyānamātrānmahāsena viṣasthāvarajaṅgamam || 60 ||
Übersetzung: Unmittelbar aus Amrita bestehend, steht er auf einem weißen Lotus. Durch bloße Meditation über ihn, Mahasena, wird pflanzliches und tierisches Gift
32.61
naśyate tatkṣaṇādeva sakṛduccāramātrataḥ |
viṣastobhaṃ tu dīrgheṇa hrasvena viṣanāśanam || 61 ||
Übersetzung: augenblicklich vernichtet, schon durch einmaliges Aussprechen. Lang gesprochen bewirkt der Laut ein Aufwallen des Giftes, kurz gesprochen dessen Vernichtung.
32.62
plutena stambhamāyāti viṣaṃ sthāvarajaṅgamam |
ḍakāraṃ yamarūpaṃ tu dvinetraṃ dvibhujaṃ param || 62 ||
Übersetzung: Überlang gesprochen setzt er pflanzliches und tierisches Gift still. Ḍa ist die höchste Gestalt Yamas, zweiäugig und zweiarmig,
32.63
nīlajīmūtasaprakhyaṃ daṇḍapāśadharaṃ param |
japellakṣaśatenaiva mṛtyuñjayamavāpnuyāt || 63 ||
Übersetzung: dunkel wie eine Regenwolke, mit Stab und Schlinge. Durch hundert Laksha Rezitationen erlange man den Sieg über den Tod.
32.64
ḍhakāraṃ kālarūpaṃ tu pañcanetraṃ mukhatrayam |
saprahastaṃ bhīmarūpaṃ mahiṣārūḍhamuttamam || 64 ||
Übersetzung: Ḍha ist Kala: fünfäugig, mit drei Gesichtern und [beschädigter Armzahl], furchtbar, auf einem Büffel reitend.
32.65
smaraṇamātreṇa vai vatsa trikālaṃ saṃpravartate |
ekāraṃ mṛtyurūpaṃ tu atikṛṣṇaṃ sulocanam || 65 ||
Übersetzung: Durch bloßes Gedenken entfalten sich die drei Zeiten, mein Kind. E ist die Gestalt des Todes, tiefschwarz und schönäugig. [Die Lautfolge ist hier gestört.]
32.66
saptabhujaṃ saptavaktraṃ pāśaṃ khaḍgaṃ ca dhāriṇam |
raktamālyāmbaradharaṃ ghoradaṃṣṭraṃ bhayāvaham || 66 ||
Übersetzung: Siebenarmig, siebengesichtig, mit Schlinge und Schwert, roten Girlanden und roten Gewändern, mit schrecklichen Hauern und furchteinflößend.
32.67
smaraṇamātreṇa vai vatsa sa mṛtyunāśanamāpnuyāt |
japellakṣatrayeṇaiva binduyuktena ṣaṇmukhaḥ || 67 ||
Übersetzung: Durch bloßes Gedenken erlangt man die Vernichtung des Todes, mein Kind. Man rezitiere dreihunderttausendmal den mit Bindu verbundenen Laut, Sechsgesichtiger.
iti kālottare varṇādhvavidhāne dvātriṃśatiḥ paṭalaḥ || 32 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 32 über „Der Weg der Laute“.
Kapitel 33 – Der Weg der Laute – weitere Unterweisung
33.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
takāraṃ syādumeśaṃ ca vṛṣabhavāhanamuttamam |
triṇetraṃ ca trivargaṃ ca trividhaṃ cāyudhatrayam || 1 ||
Übersetzung: Ishvara sprach: Ta ist Umesha, dessen vortreffliches Reittier der Stier ist: dreiäugig, dreifach gegliedert [Wortlaut unklar], mit drei Arten von Waffen.
33.2
śuddhasphaṭikasaṃkāśaṃ jaṭāmakuṭamaṇḍitam |
smṛtimātreṇa vai vatsa mahānidhiṃ prapaśyati || 2 ||
Übersetzung: Er gleicht reinem Bergkristall und trägt eine Krone aus verfilztem Haar. Durch bloßes Gedenken, mein Kind, sieht man einen großen Schatz.
33.3
thakāraṃ śikhaṇḍirūpaṃ tu kṛṣṇāñjanasamaprabham |
caturbhujaṃ triṇetraṃ ca śūlaṃ paraśudhāriṇam || 3 ||
Übersetzung: Tha hat Shikhandins Gestalt, dunkel wie schwarze Augenschminke, vierarmig und dreiäugig, mit Dreizack und Axt.
33.4
japena smaraṇe naiva sarvapāpakṣayo bhavet |
dakāraṃ durgārūpaṃ tu śyāmavarṇaṃ trilocanam || 4 ||
Übersetzung: Durch Rezitation und Gedenken werden alle Verfehlungen getilgt. [Die überlieferte Negation na ist an dieser Stelle syntaktisch unsicher.] Da hat Durgas Gestalt, dunkel und dreiäugig.
33.5
aṣṭabhujaṃ mahiṣārūḍhaṃ siṃhavāhanamuttamam |
japena siddhimāpnoti saṃgrāme vijayaṃ bhavet || 5 ||
Übersetzung: Sie hat acht Arme, sitzt auf einem Büffel und hat den Löwen als vortreffliches Reittier [beide Angaben stehen nebeneinander]. Durch Rezitation erlangt man Siddhi und Sieg im Kampf.
33.6
dhakāraṃ dhanarūpaṃ tu dvinetraṃ piṅgaśyāmakam |
- * * * tripādaṃ tu sarvaratnavibhūṣitam || 6 ||
Übersetzung: Dha hat die Gestalt des Reichtums, zweiäugig, gelbbraun und dunkel; [Textlücke], dreibeinig und mit allen Edelsteinen geschmückt.
33.7
jambhavādiparivṛtaṃ śaṅkha padmāyudhāvṛtam |
japeddvādaśavarṣeṇa nidhidvayaṃ ca paśyati || 7 ||
Übersetzung: Umgeben von Jambha und anderen sowie Shankha und Padma [Schatznamen; Wortlaut gestört]. Nach zwölf Jahren Rezitation sieht man die beiden Schätze.
33.8
nakāraṃ sāvitrirūpaṃ tu trivarṇaṃ tu caturbhujam |
prātaśca śvetavarṇaṃ tu madhyāhne śyāmamucyate || 8 ||
Übersetzung: Na hat Savitris Gestalt, dreifarbig und vierarmig: morgens weiß, mittags dunkel,
33.9
sāye vai ratnarūpaṃ tu sarvakāmārthasādhikā |
pakāraṃ parjanyarūpaṃ tu adhiśvetaṃ caturbhujam || 9 ||
Übersetzung: abends von Edelsteingestalt [möglicherweise verderbte Farbangabe], alle Wünsche erfüllend. Pa hat Parjanyas Gestalt, überaus weiß und vierarmig.
33.10
trinetraṃ medhamārūḍhaṃ vṛṣṭidaṃ japalakṣaṇam |
ghṛtena payasā homa ma* * * subhikṣakam || 10 ||
Übersetzung: Dreiäugig, auf einer Wolke sitzend, spendet er durch Rezitation Regen. Ein Feueropfer mit Ghee und Milch [Textlücke] bewirkt reichliche Nahrung.
33.11
phakāraṃ pāśupatāstraṃ tu ṣaṭkārākārasaṃyutam |
ādi huṃkāra saṃyuktaṃ mahāpāśupataṃ param || 11 ||
Übersetzung: Pha ist die Pashupata-Waffe, mit sechs Lautgestalten [Lesung unsicher] und anfänglichem huṃ verbunden: die höchste Mahapashupata-Waffe.
33.12
sahasrākṣaṃ sahasrabhujaṃ sahasraśira saṃyutam |
ayutaṃ japenmahāsena saṃgrāme vijayī bhavet || 12 ||
Übersetzung: Sie hat tausend Augen, tausend Arme und tausend Köpfe. Durch zehntausend Rezitationen, Mahasena, siegt man im Kampf.
33.13
bakāraṃ yamarūpaṃ tu mahākāyaṃ caturbhujam |
aṣṭādaśabhujaṃ dīptaṃ daṇḍahastaṃ dvilocanam || 13 ||
Übersetzung: Ba hat Yamas Gestalt: riesenleibig, vierarmig, achtzehnarmig, strahlend, mit einem Stab und zwei Augen. [Widersprüchliche Armzahlen der Vorlage.]
33.14
sakārādyantayuktena jīvantena tu saṃpuṭet |
japellakṣatrayeṇaiva mṛtyunāśanamuttamam || 14 ||
Übersetzung: Man umschließe den Laut mit sa am Anfang und Ende und mit dem Lebenslaut. Durch dreihunderttausend Rezitationen wird höchste Überwindung des Todes erlangt.
33.15
bhakāraṃ bānurūpaṃ syāt kapālarudraṃ tu dakṣiṇe |
kapālapāṇī rudrastu vāsudevaṃ tu vāmake || 15 ||
Übersetzung: Bha hat die Gestalt der Sonne. Rechts ist Kapalarudra, Rudra mit dem Schädel in der Hand; links Vasudeva.
33.18
dakṣiṇe pitāmahaṃ viddhi tayormadhye kapālinam |
dvādaśabhujaṃ spatanetraṃ sitaṃ raktaṃ tu śyāmakam || 18 ||
Übersetzung: Rechts erkenne man den Urvater, zwischen beiden Kapalin: zwölfarmig, siebenäugig [beschädigt geschrieben], weiß, rot und dunkel. [Originalnummer 18.]
33.17
garuḍaṃ vṛṣabhaṃ haṃsaṃ vāhanaṃ parikīrtitam |
dharmārthau ca kāmaśca smṛtimātreṇa sādhayet || 17 ||
Übersetzung: Garuda, Stier und Schwan gelten als ihre Reittiere. Durch bloßes Gedenken verwirklicht man Dharma, Wohlstand und erfülltes Verlangen.
33.18 (zweites Vorkommen)
sākṣādviṣaharaṃ rudraṃ tu dhakāraṃ tu ṣaḍānana |
pralayānalavarṇaṃ tu sahasraśīrṣameva ca || 18 ||
Übersetzung: Dha ist unmittelbar der Gift beseitigende Rudra, Sechsgesichtiger, von der Farbe des Weltbrandes und tausendköpfig.
33.19
sahasrabāhunetraṃ ca sahasraṃ mukha eva ca |
sahasrodarabāhuśca sahasrāyudha eva ca || 19 ||
Übersetzung: Er hat tausend Arme und Augen, tausend Gesichter, tausend Bäuche und Arme sowie tausend Waffen.
33.20
sadāśivaṃ cordhvarekhaṃ saṃhāraṃ dakṣiṇe bhavet |
amṛteśaṃ savyarekhāṃ tu bindurūpaṃ paraṃ śivam || 20 ||
Übersetzung: Die obere Linie ist Sadashiva, die rechte die Auflösung, die linke Amritesha; Bindu ist der höchste Shiva.
33.21
mahāviṣṇurnādarūpaṃ mohakatvāt ṣaḍānana |
aghorāstraṃ visargeṇa sarvaśatrūṃśca nāśayet || 21 ||
Übersetzung: Nada ist Mahavishnu wegen seiner bezaubernden Macht, Sechsgesichtiger. Mit Visarga ist es die Aghora-Waffe, die alle Feinde vernichten soll.
33.22
yakāramanilaṃ nīlaṃ pralayānilameva ca |
daśabhujaṃ triṇetraṃ ca kālameghasamaprabham || 22 ||
Übersetzung: Ya ist Wind, dunkel, der Wind der Weltauflösung, zehnarmig, dreiäugig und schwarz wie eine Regenwolke.
33.23
rekhā vai dakṣiṇe vatsa caṇḍarudraṃ triṇetrakam |
vāmarekhā pralayānilaṃ trailokyaṃ mohanaṃ param || 23 ||
Übersetzung: Die rechte Linie ist der dreiäugige Chandarudra, mein Kind; die linke der Weltauflösungswind, der die drei Welten in Verwirrung versetzt.
33.24
u(a)ccāṭanādikaṃ karma ayutaṃ japena jāyate |
niyuta pakṣeṇa vai vatsa manojavatvamāpnuyāt || 24 ||
Übersetzung: Vertreibung und ähnliche Handlungen gelingen durch zehntausend Rezitationen. Mit einem Niyuta innerhalb einer Monatshälfte [Zuordnung unsicher] erlangt man die Schnelligkeit des Geistes.
33.25
rakāraṃ krodharudrastu pralayānalameva ca |
pralayāgniṃ dakṣiṇe rekhā vāme'gniṃ pralayaṃ bhavet || 25 ||
Übersetzung: Ra ist Krodharudra und das Feuer der Weltauflösung. Die rechte Linie ist Weltbrand, die linke ebenfalls Auflösungsfeuer.
33.26
ūrdhvaṃ saṃhārarūpaṃ tu śatabāhuṃ trilocanam |
brahmādistambaparyantaṃ binduyuktena saṃharet || 26 ||
Übersetzung: Oben ist die Gestalt der Vernichtung, hundertarmig und dreiäugig. Mit Bindu verbunden vernichtet sie alles von Brahma bis zum Grashalm.
33.27
vakāramindrarūpaṃ tu sahasrākṣaṃ mahābhujam |
sākṣātpṛthivīrūpaṃ tu dvinetraṃ bāhucaturthakam || 27 ||
Übersetzung: Va ist Indra, tausendäugig und großarmig; unmittelbar die Gestalt der Erde, zweiäugig und vierarmig. [Die unterschiedlichen Beschreibungen stehen so nebeneinander.]
33.28
airāvatagajārūḍhaṃ vajrahastaṃ tathaiva ca |
dakṣiṇe rudrarekhā tu vāme caiva janārdanaḥ || 28 ||
Übersetzung: Er reitet auf dem Elefanten Airavata und trägt den Donnerkeil. Die rechte Linie ist Rudra, die linke Janardana.
33.29
ūrdhvarekhā madhyadehā nānācitrārthasaṃhitā |
binduṃ sadāśivaṃ vidyāt sarvakāmaphalapradam || 29 ||
Übersetzung: Die obere Linie bildet den mittleren Körper und enthält vielfältige Gestaltungen. Erkenne Bindu als Sadashiva, der die Früchte aller Wünsche gewährt.
33.30
candrarūpaṃ vakāraṃ tu śvetapadmoparisthitam |
sākṣādamṛtarūpaṃ tu vāyurūpaṃ ṣaḍānana || 30 ||
Übersetzung: Va hat die Gestalt des Mondes und steht auf einem weißen Lotus. Es ist unmittelbar Amrita und hat Windgestalt, Sechsgesichtiger.
33.31
dvinetraṃ caturbhujaṃ vidyāt śaṅkhakundendu sannibham |
vāme amṛtarūpaṃ tu varuṇaṃ dakṣiṇarūpakam || 31 ||
Übersetzung: Zweiäugig und vierarmig, wie Muschel, Jasmin und Mond. Links ist die Gestalt des Amrita, rechts Varuna.
33.32
smaraṇādeva senāni mṛtyubhañjanakaṃ bhavet |
ayutena viṣanāśaṃ tu sthāvaraṃ jaṅgamaṃ ca yat || 32 ||
Übersetzung: Schon das Gedenken daran bricht die Macht des Todes, Heerführer. Zehntausend Rezitationen vernichten pflanzliches und tierisches Gift.
33.33
niyujya mṛtyunāśaṃ ca prayute sāma saṃbhavet |
sākṣādvai lakṣmīrūpaṃ tu śaṅkaraṃ kiñjalka sa prabham || 33 ||
Übersetzung: [Der Beginn ist gestört:] Ein Niyuta wird mit Todesvernichtung verbunden, ein Prayuta mit Befriedung [unsicher]. Unmittelbar die Gestalt Lakshmis ist „Shankara“, leuchtend wie Lotusstaubfäden. [Vermutlich gestörte Lautbezeichnung.]
33.34
vāmā jyeṣṭhā ca raudrī ca vāmadakṣiṇamadhyage |
jayā ca vijayā caiva ajitācāparājitā || 34 ||
Übersetzung: Vama, Jyeshtha und Raudri befinden sich links, rechts und in der Mitte; dazu Jaya, Vijaya, Ajita und Aparajita.
33.35
madhye ūrdhve adhassarve rekhā hyeṣā pratiṣṭhitāḥ |
māyāgnibindusaṃyuktaṃ japellakṣatrayaṃ sudhīḥ || 35 ||
Übersetzung: In der Mitte, oben und unten stehen diese auf den Linien. Mit Maya, Feuer und Bindu verbunden rezitiere der Verständige dreihunderttausendmal.
33.36
tatkṣaṇātsiddhimāpnoti brahmaghnopi ṣaḍānana |
ṣakāraṃ dvādaśādityaṃ raktavarṇāstrilocanāḥ || 36 ||
Übersetzung: Sofort erlangt er Siddhi, selbst wenn er einen Brahmanen getötet hat, Sechsgesichtiger. Ṣa sind die zwölf Adityas, rot und dreiäugig.
33.37
sākṣāt dvādaśabhujāścaturvarṇāḥ viśvarūpakāḥ |
vai kartano vivasvāṃśca mārtāṇḍo bhāskaro raviḥ || 37 ||
Übersetzung: Sie haben zwölf Arme, vier Farben und vielfältige Gestalten: Vaikartana, Vivasvat, Martanda, Bhaskara und Ravi,
33.38
lokaprakāśakaścaiva lokasākṣī trivikramaḥ |
ādityaśca tathā sūryaścāṃśupālī divākaraḥ || 38 ||
Übersetzung: Lokaprakashaka, Lokasakshin, Trivikrama, Aditya, Surya, Amshupalin und Divakara.
33.39
ete vai dvādaśādityāḥ vakāre tu vyavasthitāḥ |
sākṣātsarasvatī rūpaṃ sakāraṃ śuklavarṇakam || 39 ||
Übersetzung: Diese zwölf Adityas befinden sich im va [abweichend vom vorher genannten ṣa]. Sa hat unmittelbar Sarasvatis Gestalt und ist weiß.
33.40
śrutismṛtirmahākāyā umā śraddhā vasundharā |
gāyatrī caiva sāvitrī vāgīśī medhayā sahā || 40 ||
Übersetzung: Shruti, Smriti, Mahakaya, Uma, Shraddha, Vasundhara, Gayatri, Savitri, Vagishi und Medha,
33.41
prajñā dayā kṣamā śraddhā sakāre tu pratiṣṭhitāḥ |
sākṣādṛmṛtarūpaṃ tu jīvarūpaṃ na saṃśayaḥ || 41 ||
Übersetzung: Prajna, Daya, Kshama und Shraddha befinden sich im sa. Es hat unmittelbar die Gestalt des Amrita und des Lebens, ohne Zweifel.
33.42
japellakṣatrayeṇaiva mṛtyunāśanamuttamam |
ayutaṃ jīvenna saṃdeho binduyuktaṃ ṣaḍānana || 42 ||
Übersetzung: Durch dreihunderttausend Rezitationen wird höchste Überwindung des Todes erlangt. Mit Bindu verbunden lässt es zehntausend [Jahre] leben, Sechsgesichtiger.
33.43
ayutaṃ japena medhāvī vākpatitvamavāpnuyāt |
niyutaṃ japena vai vatsa caturvedāṃśca vindati || 43 ||
Übersetzung: Durch zehntausend Rezitationen erlangt der Verständige Meisterschaft der Rede; durch ein Niyuta erschließt er die vier Veden, mein Kind.
33.44
vāmā jyeṣṭhā ca raudrī ca kālī kalavikaraṇī tathā |
balavikaraṇī balapramathanī sarvabhūtadamanī manonmanī || 44 ||
Übersetzung: Vama, Jyeshtha, Raudri, Kali, Kalavikarani, Balavikarani, Balapramathani, Sarvabhutadamani und Manonmani,
33.45
vidyeśvarāśca sarveṣāmumādyāśśaktibhistathā |
hakāre sarvamutpannaṃ trailokyaṃ sacarācaram || 45 ||
Übersetzung: alle Vidyeshvaras sowie die Shaktis von Uma an: Im ha ist alles entstanden, die drei Welten mit Beweglichem und Unbeweglichem.
33.46
avyakto niyatiḥ kālaḥ kālāceti catuṣṭayam |
dravyaṃ guṇaṃ ca karma ca sāmānyaṃ ca viśeṣakam || 46 ||
Übersetzung: Das Unmanifestierte, Niyati, Zeit und Kala [letzte Lesung unsicher], ferner Substanz, Eigenschaft, Handlung, Allgemeinheit, Besonderheit
33.47
samavāyaṃ ca tatsarvaṃ hakāre tu vinirgatam |
na vinā rudrabhedaṃ tu nāsāgre vasate jagat || 47 ||
Übersetzung: und untrennbare Verbindung: Dies alles geht aus ha hervor. Nicht ohne Rudras Entfaltung; an der Nasenspitze wohnt die Welt. [Verknüpfung der beiden Aussagen unsicher.]
33.48
na vinā pibate jantuḥ na vinā bhuñjate jagat |
na vinā jāyate jantuḥ na vinā labhate jagat || 48 ||
Übersetzung: Ohne ihn trinkt kein Wesen, ohne ihn isst die Welt nicht; ohne ihn wird kein Wesen geboren, ohne ihn erlangt die Welt nichts.
33.49
na vinā dhāvate janturna vinā plavate jagat |
na vinā paśyate janturna vinā śṛṇu te jagat || 49 ||
Übersetzung: Ohne ihn läuft kein Wesen, ohne ihn schwimmt die Welt nicht; ohne ihn sieht kein Wesen, ohne ihn hört die Welt nicht.
33.50
na vinā prāyate janturna vinā budhyate rasam |
na vinā jighrate janturna vinotsargaṃkaro mahān || 50 ||
Übersetzung: Ohne ihn geht kein Wesen fort [Lesung unsicher], ohne ihn erkennt es keinen Geschmack; ohne ihn riecht kein Wesen und vollzieht keine Ausscheidung.
33.51
na vinā meḍhramānandaṃ na vinā budhyate jagat |
jñānaṃ jñeyaṃ jagatsarvaṃ ro(o)taṃ protaṃ ca sarvaśaḥ || 51 ||
Übersetzung: Ohne ihn gibt es keine geschlechtliche Lust, ohne ihn erkennt die Welt nicht. Erkennen, Erkanntes und die ganze Welt sind überall von ihm durchwoben.
33.52
brahmādistambaparyantaṃ krīḍate sāntameva hi |
śuddhasphaṭikasaṃkāśaṃ daśabāhuṃ triṇetrakam || 52 ||
Übersetzung: Von Brahma bis zum Grashalm spielt er in allem bis zu dessen Ende. Er gleicht reinem Bergkristall, zehnarmig und dreiäugig.
33.53
ṛṣabha vāhanaṃ devaṃ maheśaṃ parameśvaram |
binduyuktena vai vatsa japellakṣaṃ suyantritaḥ || 53 ||
Übersetzung: Der Gott hat den Stier als Reittier: Mahesha, der höchste Herr. Selbstbeherrscht rezitiere man den mit Bindu verbundenen Laut hunderttausendmal, mein Kind.
33.54
mṛtyuñjayamavāpnoti daśalakṣeṇa vai guha |
lakāraṃ pṛthivī jñeyā bhūmidevī na saṃśayaḥ || 54 ||
Übersetzung: Durch eine Million Rezitationen erlangt man den Sieg über den Tod, Guha. La ist als Erde zu erkennen, als Erdgöttin, ohne Zweifel.
33.55
pītavarṇaṃ dvinetraṃ ca caturbhujaṃ caikavarṇakam |
japedvai bhūmilābhaṃ tu ayutena ṣaḍānana || 55 ||
Übersetzung: Gelb, zweiäugig, vierarmig und einfarbig. Durch zehntausend Rezitationen gewinnt man Land, Sechsgesichtiger.
33.56
kṣakāraṃ viṣṇurūpaṃ tu śyāmavarṇaṃ caturbhujam |
kṣarate ca jagatsarvaṃ kṣakāraṃ parikīrtitam || 56 ||
Übersetzung: Kṣa hat Vishnus Gestalt, dunkel und vierarmig. Weil die ganze Welt dahinströmt und vergeht, wird kṣa so bezeichnet.
33.57
ato rephasamāyuktaṃ vāsudevaṃ tu copari |
bindunāda samāyuktaṃ trayodaśa samanvitam || 57 ||
Übersetzung: Es wird mit r verbunden, Vasudeva darüber, mit Bindu und Nada und dem dreizehnten [Laut; Bezug nicht ausgeschrieben].
33.58
saṃhārarudrasaṃyuktaṃ ṣaṣṭhasvaravibhūṣitam |
nārasiṃhamidaṃ proktaṃ śatrunāśanamuttamam || 58 ||
Übersetzung: Mit Samhararudra verbunden und dem sechsten Vokal geschmückt heißt dies Narasimha, das höchste Mittel zur Feindvernichtung.
33.59
amareśamidaṃ vatsa garuḍavāhanamuttamam |
lakṣatrayeṇa vai vatsa trailokyavijayaṃ bhavet || 59 ||
Übersetzung: Dies ist Amaresha, mein Kind, mit Garuda als vortrefflichem Reittier. Durch dreihunderttausend Rezitationen erringt man den Sieg über die drei Welten.
33.60
varṇādhvā tu mayā proktāstava snehāt ṣaḍānana |
śiṣyadehe nyasedvarṇān bindunādasamanvitān || 60 ||
Übersetzung: Aus Zuneigung zu dir habe ich den Weg der Laute erklärt, Sechsgesichtiger. Man lege die mit Bindu und Nada verbundenen Laute rituell auf den Körper des Schülers.
33.61
sarve triśaktisaṃbhūtāstrirekhā sarva eva hi |
avyagreṇa nyaseddehe mokṣaṃ gacchenna saṃśayaḥ || 61 ||
Übersetzung: Alle sind aus den drei Shaktis hervorgegangen und besitzen drei Linien. Man lege sie ohne Zerstreuung auf den Körper; so gelangt man zur Befreiung, ohne Zweifel.
iti kālottare varṇādhvapaṭalastrayastriṃśatitamaḥ || 33 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 33 über „Der Weg der Laute – weitere Unterweisung“.
Kapitel 34 – Der Kala-Weg
34.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
kaladhvānaṃ pravakṣyāmi saṃkṣepātsāṃprataṃ śṛṇu |
ūrdhvavaktraṃ ca pūrvaṃ tu dakṣiṇaṃ paścimottaram || 1 ||
Übersetzung: Ishvara sprach: Ich werde den Weg der Kalas kurz erklären; höre jetzt zu. Das obere Gesicht, dann das östliche, südliche, westliche und nördliche:
34.2
tārā sutārā mantrāṇi tārayanti sutāriṇī |
īśānasya kalāpaṃ ca pañcamūrdhasu vinyaset || 2 ||
Übersetzung: Tara, Sutara, [die weiteren Namen sind als Mantrani, Tarayanti und Sutarini überliefert; Abgrenzung unsicher] bilden die Kalas Ishanas. Man ordne sie den fünf Häuptern zu.
34.3
pūrvaṃ ca dakṣiṇaṃ caiva paścimaṃ cottaraṃ tathā |
ūrdhvavaktraṃ ca pañcaitat pañcavaktreṣu vinyaset || 3 ||
Übersetzung: Osten, Süden, Westen, Norden und das nach oben gerichtete Gesicht: Diese fünf ordne man den fünf Gesichtern zu.
34.4
nivṛttiśca pratiṣṭhā ca vidyāśāntistathaiva ca |
śāntyatītakalāḥ pañca oṃkārādinamontakam || 4 ||
Übersetzung: Nivritti, Pratishtha, Vidya, Shanti und Shantyatita sind die fünf Kalas; ihre Formeln beginnen mit oṃ und enden mit namaḥ.
34.5
hṛdigrīvāṃsamoścaiva nābhau vā jaṭhare tathā |
pṛṣṭhe hyurasi mantrajñaḥ tvaghorasya kalāṃ nyaset || 5 ||
Übersetzung: Am Herzen, Hals, an den Schultern, am Nabel, Bauch, Rücken und an der Brust lege der Mantrakundige Aghoras Kalas nieder. [Die Körperstellenfolge ist leicht gestört.]
34.6
tamo mohākṣayāniṣṭhā mṛtyurmāyā bhayājarā |
gudasthāne ca liṅge ca ūrdhvaoścajānunostathā || 6 ||
Übersetzung: Tamas, Moha, Kshaya, Nishtha, Mrityu, Maya, Bhaya und Jara. Am After, Geschlechtsteil, an den Oberschenkeln [Lesung unsicher] und Knien,
34.7
jaṅghayośca sphicoḥ kaṭyāṃ pārśvayorubhayorapi |
vāmadevakalāṃ vatsa trayodaśasthānake nyaset || 7 ||
Übersetzung: Unterschenkeln, Gesäß, Hüften und beiden Seiten lege man Vamadevas Kalas auf dreizehn Stellen nieder, mein Kind.
34.8
rajā rajā rati pālyā kāmyā tṛṣṇā matiḥ kriyā |
dhṛtiḥ kāryā ca dhātrī ca brāhmaṇī mohinī tathā || 8 ||
Übersetzung: Raja, Raja [wiederholt], Rati, Palya, Kamya, Trishna, Mati, Kriya, Dhriti, Karya, Dhatri, Brahmani und Mohini.
34.9
hastayoḥ pādayoḥ ghrāṇe śirasyubhayabāhuke |
aṣṭasthānena vai vatsa sadyojātakalāṃ nyaset || 9 ||
Übersetzung: An Händen, Füßen, Nase, Kopf und beiden Armen, an acht Stellen, lege man Sadyojatas Kalas nieder.
34.10
siddhiḥ ṛddhirdhṛtirlakṣmī medhākāntissvadhā sthitiḥ |
aṣṭasthāneṣu sadyena kramedvai vinyasedguha || 10 ||
Übersetzung: Siddhi, Riddhi, Dhriti, Lakshmi, Medha, Kanti, Svadha und Sthiti: Diese ordne man der Reihe nach den acht Stellen mit Sadyojata zu, Guha.
34.11
navatriṃśatkalā hyetāḥ kalākoṭiṣu coddhṛtāḥ |
śiṣyadehe tu medhāvī dīkṣākāle tu vinyaset || 11 ||
Übersetzung: Diese neununddreißig Kalas sind aus Millionen Kalas ausgewählt. Der Verständige lege sie bei der Einweihung auf den Körper des Schülers.
34.12
vidhivaddhomaṃ vai vatsa ṣaḍadhvā nyāsa eva hi |
avaśyaṃ mokṣamāpnoti aihike siddhimeva ca || 12 ||
Übersetzung: Man vollziehe vorschriftsgemäß das Feueropfer und die rituelle Einsetzung der sechs Wege, mein Kind. So erlangt man gewiss Befreiung und schon in diesem Leben Vollkommenheit.
iti śrīkālottare kalādhvapaṭalaścaturtriṃśatitamaḥ || 34 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 34 über „Der Kala-Weg“.
Kapitel 35 – Das Tragen von Rudraksha
35.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
rudrākṣasya vidhānaṃ tu pravakṣyāmyanupūrvaśaḥ |
mukhamekaṃ samārabhya yāvadvai ṣoḍaśaṃ mukha || 1 ||
Übersetzung: Ishvara sprach: Ich erkläre die Ordnung der Rudraksha, von einer bis zu sechzehn Furchen.
35.2
brāhmaṇāḥ kṣatriyāścaiva vaiśyā śūdrāstathaiva ca |
cāturvarṇaṃ tu rudrākṣaṃ tattajjātestu siddhidam || 2 ||
Übersetzung: Rudrakshas entsprechen den vier Ständen, Brahmanen, Kshatriyas, Vaishyas und Shudras, und gewähren dem jeweiligen Stand Vollkommenheit.
35.3
brāhmaṇodhārayecchvetaṃ kṣatriyoraktaṃ tu dhārayet |
vaiśyastu dhārayetpītaṃ kṛṣṇaṃ śūdrastu dhārayet || 3 ||
Übersetzung: Brahmanen tragen weiße, Kshatriyas rote, Vaishyas gelbe und Shudras schwarze Rudrakshas.
35.4
tāmrāḥ snigdhā dṛḍhāḥ sthūlāḥ samudbhinnaśikhāḥ śubhāḥ |
kṛmidaṣṭācchinnā bhinnāśca kaṇṭhakodbhinnameva ca || 4 ||
Übersetzung: Kupferfarbene, glatte, feste, große und deutlich ausgeprägte sind günstig; wurmstichige, abgeschnittene, gespaltene und dornendurchbohrte [sind zu meiden].
35.5
svayameva kṛtadvāraṃ pradhānaṃ rudrākṣameva tu |
viparītadvāramevaṃ tu mukhamevaṃ ca varjayet || 5 ||
Übersetzung: Eine natürlich durchbohrte Rudraksha ist vorzüglich. Verkehrte Öffnungen und fehlerhafte Furchen soll man meiden.
35.6
ṣaṭdoṣarahitaṃ vatsa rudrākṣaṃ dhārayennaraḥ |
ekaṃ vāpi dvayaṃ vāpi trayaṃ vāpi caturthakam || 6 ||
Übersetzung: Man trage von sechs Fehlern freie Rudrakshas: eine, zwei, drei oder vier,
35.7
pañca ṣaṭsapta cāṣṭau vā navamaṃ daśameva vā |
dvādaśaṃ ṣoḍaśaṃ vāpi viṃśadvā pañcaviṃśakam || 7 ||
Übersetzung: fünf, sechs, sieben, acht, neun, zehn, zwölf, sechzehn, zwanzig oder fünfundzwanzig,
35.8
triṃśadvāpi trayastriṃśat aṣṭatriṃśattathāpi vā |
catvāriṃśacca vai vatsa pañcāśat ṣaṣṭimeva ca || 8 ||
Übersetzung: dreißig, dreiunddreißig, achtunddreißig, vierzig, fünfzig oder sechzig,
35.9
saptatyāśītinavatiśatamaṣṭottaraṃ tu vā |
dviśataṃ pañcaśataṃ vāpi sahasraṃ vāpi dhārayet || 9 ||
Übersetzung: siebzig, achtzig, neunzig, 108, zweihundert, fünfhundert oder tausend.
35.10
haste śirasi kaṇṭhe ca rudrākṣaṃ dhārayennaraḥ |
kalpakoṭisahasrāṇi rudraloke mahīyate || 10 ||
Übersetzung: Wer Rudrakshas an Hand, Kopf und Hals trägt, wird tausend Koti Kalpas in Rudras Welt geehrt.
35.11
rudrākṣasya trayeṇaiva phalametatprakīrtitam |
etatsahasraphalaṃ jñeyaṃ sahasrarudrākṣadhāraṇāt || 11 ||
Übersetzung: Diese Frucht wird schon drei Rudrakshas zugeschrieben; beim Tragen von tausend ist sie tausendfach.
35.12
ekaikamekagodānaphalaṃ jñeyaṃ samāsataḥ |
rudro rudrākṣadānena bhavatīti kimadbhutam || 12 ||
Übersetzung: Jede entspricht der Frucht einer Kuhspende. Was wundert es, dass man durch Rudraksha-Spenden Rudra wird?
35.13
taṃ mālayā sahā haste rudraḥ saṃkramate kṣitau |
yathāvidhirdīkṣayitvā paścānmantreṇa dhārayet || 13 ||
Übersetzung: Mit der Mala in der Hand wandelt Rudra auf Erden. Nach ordnungsgemäßer Einweihung lege man sie mit Mantra an.
35.14
īśānena śirodhāryaṃ kaṇṭhe tatpuruṣeṇa ca |
aghoreṇa galedhāryamaghoreṇa hṛdirdharet || 14 ||
Übersetzung: Mit Ishana am Kopf, mit Tatpurusha am Hals, mit Aghora an der Kehle und mit Aghora am Herzen.
35.15
bījamukhyairaghoreṇa haste caiva tu dhārayet |
vyomavyāpīti mantreṇa śatārdhamālāṃ ca dhārayet || 15 ||
Übersetzung: Mit Hauptkeimsilben und Aghora trage man sie an der Hand, mit Vyomavyapin eine Mala aus fünfzig Perlen.
35.16
pañcabrahmeṇa matimāṃstrimālāḥ pañcasapta ca |
prāsādenaiva mantreṇa rudrākṣaṃ sapta dhārayet || 16 ||
Übersetzung: Mit den fünf Brahma-Mantras drei, fünf oder sieben Malas; mit dem Prasada-Mantra sieben Rudrakshas.
35.17
hastamālāśca vai vatsa śiromālākaṇṭhamālā |
prāsāde naiva mantreṇa rudrākṣaṃ sarvameva hi || 17 ||
Übersetzung: Hand-, Kopf- und Halsmala, mein Kind: Alle Rudrakshas können mit dem Prasada-Mantra getragen werden.
35.18
śivamantrāṇi sarvāṇi rudrākṣeṇa japaṃ bhavet |
patradīpaiḥ śataṃ jñeyaṃ padmākṣaistu sahasrakam || 18 ||
Übersetzung: Alle Shiva-Mantras rezitiere man mit Rudrakshas. „Patradipa“ [Material unklar] gewährt hundertfache, Lotussamen tausendfache Frucht.
35.19
maṇimuktā pravalaistu ayutaṃ phalamāpnuyāt |
raktacandanapālāśaiḥ śvetacandanadārujaiḥ || 19 ||
Übersetzung: Edelsteine, Perlen und Korallen gewähren zehntausendfache Frucht; rotes Sandelholz, Palasha, weißes Sandelholz,
35.20
vyāghātabījakuśagranthi ayutatrayaphalaṃ bhavet |
tāmrajākṣaiścatvāriṃśat pañcāśadrajatākṣakaiḥ || 20 ||
Übersetzung: Vyaghata-Samen und Kusha-Knoten dreißigtausendfache. Bei Kupfer werden vierzig, bei Silber fünfzig genannt [wohl Tausender, nicht ausdrücklich wiederholt].
35.21
svarṇākṣaiḥ śatasahasraṃ tu rudrākṣaḥ koṭirucyate |
aṅgulyā tu japedvatsa dāridryaṃ vyādhimāpnuyāt || 21 ||
Übersetzung: Goldperlen gewähren hunderttausendfache, Rudrakshas zehnmillionenfache Frucht. Fingerzählen bringe Armut und Krankheit, mein Kind. [Wertung der Quelle.]
35.22
tasmātsarvaprayatnena rudrākṣaiśca japo bhavet |
meruṃ pradakṣiṇī kṛtya japaṃ kuryātsamāsataḥ || 22 ||
Übersetzung: Darum bemühe man sich um Japa mit Rudrakshas. Man wende sich um die Meru-Perle und rezitiere weiter.
35.23
saptatriṃśadvākṣasūtraṃ catasraḥ pañcāśadeva ca |
aṣṭottaraśataṃ vāpi kuryādvai cākṣasūtrakam || 23 ||
Übersetzung: Die Kette bestehe aus siebenunddreißig, [beschädigter Angabe mit vier], fünfzig oder 108 Perlen.
35.24
aṅguṣṭhānāmikā caiva aihikāmuṣmikāvaham |
aṅguṣṭhā madhyamā caiva sarvavaśyeṣṭa vai japet || 24 ||
Übersetzung: Daumen und Ringfinger gewähren diesseitiges und jenseitiges Heil; Daumen und Mittelfinger dienen der Beeinflussung aller.
35.25
aṅguṣṭhatarjanī caiva ākarṣādiṣu vai japet |
kaniṣṭhāṅguṣṭhayogena vidveṣoccāṭanamāraṇaiḥ || 25 ||
Übersetzung: Daumen und Zeigefinger dienen dem Heranziehen; kleiner Finger und Daumen der Entzweiung, Vertreibung und Tötung.
35.26
aṅguṣṭhānāmikā caiva nityameva japedbudhaḥ |
dharmārthakāmamokṣaṃ ca arthaputrānavāpnuyāt || 26 ||
Übersetzung: Der Verständige rezitiere täglich mit Daumen und Ringfinger: So erlangt er Dharma, Wohlstand, Wunscherfüllung, Befreiung, Besitz und Söhne,
35.27
dhanaṃ dhānyaṃ hiraṇyaṃ ca gomahiṣyādisādhanam |
dāsīrdāsāṃścānaḍuhaṃ bhūmiṃ vastraṃ kalatrakam || 27 ||
Übersetzung: Geld, Getreide, Gold, Kühe, Büffel, Dienerinnen, Diener, Zugochsen, Land, Kleidung und eine Ehefrau.
35.28
aṅguṣṭhānāmike caiva sarvakāmaphalapradam |
akṣasūtraṃ vinā vatsa japaṃ sarvaṃ ca varjayet || 28 ||
Übersetzung: Daumen und Ringfinger gewähren alle Wunschfrüchte. Japa ohne Gebetskette soll man meiden, mein Kind.
35.29
tasmātsarvaprayatnena rudrākṣairjapamārabhet |
eka mukhaṃ tu rudrākṣaṃ paraṃ brahmaśivaṃ bhavet || 29 ||
Übersetzung: Darum beginne man Japa mit Rudrakshas nach Kräften. Die einfurchige ist das höchste Brahman, Shiva.
35.30
rudrākṣaṃ dvimukhaṃ vatsa ardhanārīśvaro bhavet |
trimukhaṃ cāgnidaivatyaṃ māheśaṃ ca ṣaḍānana || 30 ||
Übersetzung: Die zweifurchige ist Ardhanarishvara, die dreifurchige gehört zu Agni und Mahesha, Sechsgesichtiger.
35.31
caturmukhaṃ tu rudrākṣaṃ caturmukhaṃ cādhidevatam |
sākṣātsadāśivaṃ viddhi pitāmahaṃ ṣaḍānana || 31 ||
Übersetzung: Die vierfurchige hat den Viergesichtigen als Gottheit: Erkenne darin Sadashiva und den Urvater.
35.32
pañcamukhaṃ tu rudrākṣaṃ nīlaṃ rudraṃ na saṃśayaḥ |
nārāyaṇaṃ ca vai vatsa kecidāhurmanīṣiṇaḥ || 32 ||
Übersetzung: Die fünffurchige ist der blaue Rudra. Manche Weise nennen sie auch Narayana, mein Kind.
35.33
ṣaṇmukhaṃ caiva rudrākṣaṃ tvamevaṃ hi ṣaḍānana |
saptamukhaṃ hi rudrākṣaṃ sahasrāṃśurdivākaraḥ || 33 ||
Übersetzung: Die sechsfurchige bist du selbst, Sechsgesichtiger; die siebenfurchige ist der tausendstrahlige Sonnengott.
35.34
saptamātṛgaṇāṃścaiva mahatīṃ prītimāpnuyāt |
aṣṭau cakravarti mahāprītimavāpnuyāt || 34 ||
Übersetzung: Sie erfreut die sieben Muttergottheiten; auch acht Weltherrscher werden erfreut. [Zuordnung der zweiten Aussage unsicher.]
35.35
navamukhaṃ tu rudrākṣaṃ umārūpaṃ ṣaḍānana |
aṣṭamukhaṃ tu rudrākṣaṃ umeśo nātra saṃśayaḥ || 35 ||
Übersetzung: Die neunfurchige ist Uma, die achtfurchige Umesha, ohne Zweifel.
35.36
vāmādiśaktinavabhiḥ dharaṇī ca sarasvatī |
durgāmaṣṭā ca gāyatrī sāvitrī ca śacī tathā || 36 ||
Übersetzung: Die neun Shaktis von Vama an, Dharani, Sarasvati, Durga, [beschädigter Name], Gayatri, Savitri und Shachi:
35.37
navamukhaṃ dhārayedvatsa sarvaprītimavāpnuyāt |
daśamukhaṃ tu rudrākṣaṃ yamarūpaṃ na saṃśayaḥ || 37 ||
Übersetzung: Wer die neunfurchige trägt, erfreut sie alle. Die zehnfurchige hat Yamas Gestalt.
35.38
daśāśāprītimāpnoti dhāraṇā nātra saṃśayaḥ |
ekādaśamukhaṃ vatsa rudrākṣamindradaivatam || 38 ||
Übersetzung: Ihr Tragen erfreut die zehn Himmelsrichtungen. Die elffurchige gehört zu Indra.
35.39
rudraikādaśaprītistu sadāśivaprītivardhanam |
rudrākṣaṃ dvādaśamukhaṃ mahāviṣṇusvarūpakam || 39 ||
Übersetzung: Sie erfreut die elf Rudras und mehrt Sadashivas Gunst. Die zwölffurchige hat Mahavishnus Gestalt.
35.40
dvādaśāditya prītistu sadā saubhāgyavardhanam |
viṣṇusāyujyamāpnoti imaṃ kāmaṃ labhennaraḥ || 40 ||
Übersetzung: Sie erfreut die zwölf Adityas und mehrt Glück. Man erlangt Vereinigung mit Vishnu und Wunscherfüllung.
35.41
vāsudevaṃ saṃkarṣaṇaṃ pradyumnaṃ cāniruddhakam |
matsyaḥ kūrmādimūrtistu keśavādistu dvādaśa || 41 ||
Übersetzung: Vasudeva, Sankarshana, Pradyumna, Aniruddha, Matsya, Kurma und weitere Gestalten sowie die zwölf von Keshava an:
35.42
sarve prītiyuto bhūtvā śriyamāyurbalaṃ dadet |
trayodaśamukhaṃ cākṣaṃ kāmarūpaṃ ṣaḍānana || 42 ||
Übersetzung: Alle werden erfreut und gewähren Glück, Lebensdauer und Kraft. Die dreizehnfurchige hat Kamas Gestalt.
35.43
śatarudrāḥ prītimāpnoti nityaṃ kāmaṃ labhennaraḥ |
caturdaśamukhaṃ cākṣaṃ rudranetraṃ sudurlabham || 43 ||
Übersetzung: Sie erfreut hundert Rudras und erfüllt stets Wünsche. Die vierzehnfurchige, Rudras Auge, ist sehr selten.
35.44
aśvibhraṃ rūpamevaṃ tu aṣṭau vasava eva ca |
sarvavyādhiharaṃ vatsa sadārogyamavāpnuyāt || 44 ||
Übersetzung: Sie hat die Gestalt der Ashvins [beschädigte Lesung] und der acht Vasus; sie beseitigt alle Krankheiten und gewährt dauernde Gesundheit.
35.45
rudrākṣaṃ pañcadaśabhiḥ mukhaiścaiva sudurlabham |
sākṣādvai candrarūpaṃ tu varuṇarūpaṃ na saṃśayaḥ || 45 ||
Übersetzung: Die fünfzehnfurchige ist sehr selten; sie hat unmittelbar Mond- und Varuna-Gestalt.
35.46
kuberaṃ dhanadaṃ yakṣaṃ jambhalaṃ maṇibhadrakam |
gandharvāpsaraso nāgāṃścāraṇān siddhakinnarān || 46 ||
Übersetzung: Kubera, Dhanada, Yaksha, Jambhala, Manibhadra, Gandharvas, Apsaras, Nagas, Charanas, Siddhas und Kinnaras
35.47
sarve prītiyutā nityaṃ dhāraṇādrudralocanam |
kālavañcanamevaṃ tu apamṛtyuvināśanam || 47 ||
Übersetzung: werden durch das Tragen von Rudras Auge erfreut. Es überlistet die Zeit und beseitigt vorzeitigen Tod.
35.48
viṣagrahapiśācāśca bhūtavetālajātayaḥ |
rudrākṣadhāraṇānnityaṃ sarvopadravanāśanam || 48 ||
Übersetzung: Gift, besetzende Mächte, Pishachas, Bhutas und Vetalas: Ständiges Rudraksha-Tragen vernichtet alle Bedrängnisse.
35.49
ṣoḍaśamukhaṃ tu rudrākṣaṃ śivaviṣṇupitāmaham |
trayastriṃśatsurāścaiva prītiṃ yāttyabhidhāraṇāt || 49 ||
Übersetzung: Die sechzehnfurchige ist Shiva, Vishnu und der Urvater. Ihr Tragen erfreut die dreiunddreißig Götter.
35.50
dhanamāyuryaśovīryaṃ prabhāvamatulaṃ bhavet |
vajraṃ maratakaṃ caiva vaiḍūryaṃ ca pravālakam || 50 ||
Übersetzung: Sie gewährt Reichtum, Lebensdauer, Ruhm, Tatkraft und unvergleichliche Macht. Diamant, Smaragd, Vaidurya und Koralle,
35.51
mauktikaṃ pañcamaṃ jñeyaṃ pañcaratnaṃ prakīrtitam |
rudrākṣasṛjena saha dhārayedviṣanāśanam || 51 ||
Übersetzung: dazu als fünfte die Perle: Dies sind die fünf Edelsteine. Mit einer Rudraksha-Kette getragen vernichten sie Gift.
35.52
pañcaratnena sahasā dhārayedrudranetrakam |
jvaragrahapiśācāśca mehaṃ kuṣṭhaṃ bhagajvaram || 52 ||
Übersetzung: Man trage Rudras Auge mit diesen fünf Edelsteinen. Fieber, Besessenheit, Pishachas, Harnleiden, Aussatz und Genitalfieber,
35.53
kumāragrahamapasmāraṃ dhāraṇānnāśameva hi |
upavītena saṃchādya rudrākṣaṃ tu dvijātibhiḥ || 53 ||
Übersetzung: Kinder heimsuchende Mächte und Fallsucht werden dadurch vernichtet. Zweimalgeborene bedecken Rudraksha mit der heiligen Schnur [Beziehung unsicher].
35.54
makuṭe kuṇḍale caiva karṇikāhārakeṣu ca |
keyūrakaṭake caiva udarabandhe tu bandhayet || 54 ||
Übersetzung: Man befestige sie an Krone, Ohrringen, Ohrschmuck, Halskette, Oberarmreifen, Armreifen und Bauchband.
35.55
chinne vīre sadākālaṃ rudrākṣaṃ dhārayennaraḥ |
apamṛtyuvināśaṃ ca āyuśca kīrtivardhanam || 55 ||
Übersetzung: Man trage sie stets am „Chinnavira“ [wohl Brustband; Lesung gestört]. Sie beseitigt vorzeitigen Tod und mehrt Lebensdauer und Ruhm.
35.56
dhārayedyāgakāle tu vedādhyayana eva ca |
viprāṇāṃ sarvakāle tu dhārayenmantrasaṃyutam || 56 ||
Übersetzung: Brahmanen tragen sie beim Opfer, Vedastudium und zu jeder Zeit mit Mantras.
35.57
yuddhakāle nṛpāṇāṃ tu gajabhāṇḍāradarśane |
rudrākṣaṃ dhārayennityaṃ sadā vijayamāpnuyāt || 57 ||
Übersetzung: Könige tragen sie im Krieg und bei Elefanten- und Schatzkammerbesichtigungen und erlangen stets Sieg.
35.58
kṛṣikāle vaṇikkāle paśūnāṃ caiva darśane |
vaiśyasya tu praśastaṃ hi rudrākṣaṃ dhārayettataḥ || 58 ||
Übersetzung: Vaishyas tragen sie bei Ackerbau, Handel und Viehbesichtigung; dies gilt für sie als lobenswert.
35.59
śūdrāṇāṃ dīkṣitānāṃ ca snānaṃ kṛtvā tu dhārayet |
śuśrūṣaṇe trayāṇāṃ ca kṛṣikāle tu dhārayet || 59 ||
Übersetzung: Eingeweihte Shudras tragen sie nach dem Bad, beim Dienst an den drei anderen Ständen und beim Ackerbau.
35.60
viṣajvaragrahāṇāṃ tu nāśayedrudralocanam |
takṣakaiḥ śilpibhiḥ sparśāt bījamukhyena homayet || 60 ||
Übersetzung: Rudras Auge vernichtet Gift, Fieber und besetzende Mächte. Nach Berührung durch Schnitzer oder Handwerker opfere man mit dem Hauptkeim-Mantra.
35.61
pañcagavyena prakṣālya pañcabrahmena mārjayet |
vyomavyāpibhirmantraistu prāsādena tu kṣālayet || 61 ||
Übersetzung: Man wasche sie mit Panchagavya, reinige sie mit den fünf Brahma-Mantras und spüle sie mit Vyomavyapin-Mantras und Prasada.
35.62
punarhomaṃ prakartavyaṃ śāstradṛṣṭena karmaṇā |
rudrākṣaṃ dhārayetpaścāt trimukhaṃ vā caturmukham || 62 ||
Übersetzung: Dann vollziehe man erneut das schriftgemäße Feueropfer und trage eine drei- oder vierfurchige Rudraksha,
35.63
pañcamukhaṃ ṣaṇmukhaṃ vāpi saptāṣṭanavameva vā |
pūrvoktalakṣaṇairyuktaṃ ekaṃ vāpi ca dhārayet || 63 ||
Übersetzung: oder eine fünf-, sechs-, sieben-, acht- oder neunfurchige mit den genannten Merkmalen; auch eine einzige genügt.
35.64
yugakoṭisahasrāṇi śivaloke mahīyate |
yadvatsa cālayenmālāṃ tatsarvaṃ japameva hi || 64 ||
Übersetzung: Tausend Koti Yugas wird man in Shivas Welt geehrt. Jede Bewegung der Mala gilt als Japa.
35.65
vaṇigvārtā kṛṣirvāpi rājavārtā tathāpi vā |
yāvattu cālayenmālāṃ tajjapaṃ syāt ṣaḍānana || 65 ||
Übersetzung: Ob beim Reden über Handel, Ackerbau oder Königsgeschäfte: Solange man die Mala bewegt, gilt dies als Japa.
35.66
bījamukhyādibhirmantraiḥ japtvā koṭikuguṇaṃ bhavet |
pañcabrahmajapāccākṣaiḥ lakṣaṃ koṭiguṇaṃ bhavet || 66 ||
Übersetzung: Hauptkeim-Mantras vervielfachen die Frucht millionenfach; bei den fünf Brahma-Mantras mit Rudrakshas werden Laksha und Koti als Steigerungen genannt [Verknüpfung gestört].
35.67
vaśyākarṣaṇakarmāṇi śāntike pauṣṭike'pi ca |
rudrākṣamālayā japyaṃ sadya eva ca siddhyati || 67 ||
Übersetzung: Bei Beeinflussung, Heranziehung, Befriedung und Stärkung rezitiere man mit Rudraksha-Mala; sofort gelingt es.
35.68
rudrākṣaṃ dhārayetstrīṇāṃ dīkṣā saṃsārasaṃyutam |
śāvasūtakayorvatsa rudrākṣaṃ parivarjayet || 68 ||
Übersetzung: Auch Frauen sollen Rudraksha tragen [Zusatz über Einweihung und Samsara beschädigt]. Bei Todes- und Geburtsunreinheit lege man sie ab.
35.69
rajasvalāṃ ca caṇḍālān spṛṣṭvāpi ca visarjayet |
maithune varjayennityaṃ snātvā caiva tu dhārayet || 69 ||
Übersetzung: Ebenso nach Berührung menstruierender Frauen oder von Chandalas; beim Geschlechtsverkehr ablegen, nach dem Bad wieder anlegen. [Historische Reinheitsregeln.]
35.70
matsyaṃ māṃsaṃ ca laśunaṃ katakaṃ śigrumeva ca |
śleṣmātakaṃ vakaṃ caiva varjayettu prayatnataḥ || 70 ||
Übersetzung: Fisch, Fleisch, Knoblauch, Kataka, Shigru, Shleshmantaka und Vaka soll man sorgfältig meiden.
35.71
rudrākṣe dhāryamāṇe tu prayatnena na bhakṣayet |
grahaṇe viṣuve caiva ayane saṃkrāntikepi vā || 71 ||
Übersetzung: Solange man Rudraksha trägt, soll man davon nicht essen. Bei Finsternissen, Tagundnachtgleichen, Sonnenwenden und Sonnenübergängen,
35.72
darśe ca pūrṇamāse ca puṣyeṣu divaseṣu ca |
arcane homakāle ca svajanmadivase tathā || 72 ||
Übersetzung: Neu- und Vollmond, Pushya-Tagen, Verehrung, Feueropfern und am eigenen Geburtstag
Unnummerierte Passage: rudrākṣaṃ dhārayennityaṃ sarvapāpakṣayo bhavet |
Übersetzung: trage man stets Rudraksha: So werden alle Verfehlungen getilgt. Damit endet in der Ayutatrayasamhita des Kalottara das fünfunddreißigste Kapitel über das Tragen der Rudraksha.
iti kālottare ayutatrayasaṃhitāyāṃ rudrākṣadhāraṇavidhiḥ paṭalaḥ pañcatriṃśatitamaḥ || 35 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara, in der Ayutatraya-Samhita das Kapitel 35 über „Das Tragen von Rudraksha“.
Kapitel 36 – Das Gelübde am achten Tag der dunklen Monatshälfte
36.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
aṣṭamīti vrataṃ vakṣye sāṃprataṃ śṛṇu ṣaṇmukha |
sarvapāpaharaṃ caiva sarvasiddhikaraṃ param || 1 ||
Übersetzung: Ishvara sprach: Höre, Sechsgesichtiger, ich erkläre das Ashtami-Gelübde, das alle Verfehlungen beseitigt und höchste Vollkommenheit gewährt.
36.2
āyurārogyadaṃ caiva dhanadhānyasukhapradam |
grahabhūtavināśaṃ ca jvarakuṣṭhādināśanam || 2 ||
Übersetzung: Es gewährt Lebensdauer, Gesundheit, Reichtum, Getreide und Glück und vernichtet besetzende Mächte, Geister, Fieber und Aussatz.
36.3
dvādaśa nāma dvādaśamāsā dvādaśamantrā dvādaśa gandham |
dvādaśa puṣpaṃ dvādaśadhūpaṃ dvādaśadīpaṃ dvādaśa arghyam || 3 ||
Übersetzung: Zwölf Namen, Monate, Mantras, Duftstoffe, Blumen, Räucherstoffe, Lampen und Arghya-Gaben,
36.4
dvādaśa bhojyaṃ dvādaśabhakṣyaṃ dvādaśakāṣṭhaṃ yāvanayogyam |
dvādaśa homaṃ dvādaśavipre dīkṣāyutairlakṣaṇayuktān || 4 ||
Übersetzung: zwölf Speisen, feste Nahrungsmittel, geeignete Hölzer und Feueropfer sowie zwölf eingeweihte, mit den erforderlichen Merkmalen ausgestattete Brahmanen,
36.5
dvādaśadhenuṃ dvādaśa arcā dvādaśa bhāṇḍaṃ bhojanayogyam |
dvādaśa yaṣṭirdvādaśa śastirdvādaśayugmaṃ dvādaśasūkṣmam || 5 ||
Übersetzung: zwölf Kühe, Verehrungen, Essgefäße, Stäbe, „Shasti“ [unklar], Gewandpaare und feine Stoffe,
36.6
dvādaśasūtraṃ dvādaśavāhanaṃ dvādaśa mudrāṅgulīyakam |
dvādaśakāṣṭhaṃ pāduga(ka)yugmaṃ pāyasamannaṃ saghṛtamannam || 6 ||
Übersetzung: zwölf Schnüre, Fahrzeuge, Siegelringe und hölzerne Sandalenpaare, Milchreis und Reis mit Ghee:
36.7
saptadvādaśamevaṃ tu kṛṣṇāṣṭamīvrataṃ śubham |
etatsūtrasya vyākhyānaṃ tattvataḥ śṛṇu ṣaṇmukha || 7 ||
Übersetzung: So wird das glückbringende Krishna-Ashtami-Gelübde als „sieben mal zwölf“ bezeichnet [Aufzählung nicht eindeutig passend]. Höre die genaue Erklärung dieses Merksatzes.
36.8
śaṅkaraśca tathā śambhu maheśvarastṛtīyakaḥ |
mahādevaḥ sthāṇuḥ śivaḥ paśupatiścogra eva ca || 8 ||
Übersetzung: Shankara, Shambhu, Maheshvara als Dritter, Mahadeva, Sthanu, Shiva, Pashupati und Ugra,
36.9
śarvastrayambakaścaiva haro rudrastathaiva ca |
ete dvādaśanāmānaḥ māsādvādaśa nāmataḥ || 9 ||
Übersetzung: Sharva, Tryambaka, Hara und Rudra: Diese zwölf Namen entsprechen den zwölf Monaten.
36.10
kṛṣṭāṣṭamyāṃ prayatnena dvādaśavratamucyate |
mārgaśīrṣaṃ ca puṣyaṃ ca māghaphālgunacaitrakāḥ || 10 ||
Übersetzung: Das zwölfteilige Gelübde wird sorgfältig an Krishna-Ashtami vollzogen. Die Monate sind Margashirsha, Pushya, Magha, Phalguna und Chaitra,
36.11
vaiśākhaṃ jyeṣṭhamāṣāḍhaṃ śrāvaṇaṃ bhādramāsakam |
āśviyujaṃ kārtikaścaiva māsā dvādaśa mu(u)cyate || 11 ||
Übersetzung: Vaishakha, Jyeshtha, Ashadha, Shravana, Bhadra, Ashvayuja und Kartika.
36.12
nānādyakṣarabījaṃ tu māyānalasamanvitam |
binduśekharamārūḍhaṃ prāsādena tu saṃyutam || 12 ||
Übersetzung: Die Anfangsbuchstaben der Namen werden als Keimsilben mit Maya und Feuer verbunden, mit Bindu überhöht und mit Prasada vereinigt.
36.13
bījamukhya * bhibarai * reṇu dvādaśāṣṭamī |
mantrā dvādaśamevoktaṃ śivenodāhṛtaṃ purā || 13 ||
Übersetzung: [Beschädigte Angaben zu Hauptkeimsilben und den zwölf Ashtami-Tagen.] Zwölf Mantras werden genannt, die Shiva einst lehrte.
36.14
gandhā dvādaśa vakṣyāmi śivaṃ yatnena kalpayet |
candanaṃ kuṅkumaṃ caiva jātītakkolakārakam || 14 ||
Übersetzung: Ich nenne zwölf Duftstoffe, die man Shiva sorgfältig darbringt: Sandelholz, Safran, Jati und Takkola,
36.15
- * * * * * * * sānaṃ pratyayameva ca |
pūtikeśaṃ ca kuṣṭhaṃ ca gandhā dvādaśakīrtitāḥ || 15 ||
Übersetzung: [Textlücke], „Sana“, „Pratyaya“, Putikesha und Kushtha [mehrere Namen unsicher]. Diese gelten als die zwölf Duftstoffe.
36.16
paṅkajaṃ bilvapatraṃ ca utpalaṃ vakulaṃ pāṭalī |
karavīraṃ nandikāvartaṃ śokaṃ vyāhatameva ca || 16 ||
Übersetzung: Lotus, Bilva-Blatt, Utpala, Vakula, Patali, Karavira, Nandikavarta, Ashoka und Vyaghata,
36.17
śvetārkaṃ karṇikāraṃ ca dhurdhūraṃ dvādaśaṃ bhavet |
kundakuṣṭhaṃ sajjarasaṃ lopyacandanavānaram || 17 ||
Übersetzung: weißer Arka, Karnikara und als zwölfter Dhurdhura. [Es folgt die Räucherstoffliste:] Kunda, Kushtha, Sarjarasa, Lopya, Chandana und Vanara [Lesungen unsicher],
36.18
khaḍgaṃ śuddhigandharasaṃ kāśmīraṃ candravālakam |
kṛṇirdvādaśamevāhuḥ dūmayogyaṃ ṣaḍānana || 18 ||
Übersetzung: Khadga, Shuddhigandharasa, Kashmira, Chandravalaka und als zwölfter Krini [Liste beschädigt]: zum Räuchern geeignet, Sechsgesichtiger.
36.19
maṇḍīgulasaṃyuktaṃ pratyekaṃ māsi cāṣṭamī |
triphalātrayajātiṃ ca khaḍgaṃ lohaṃ ca candanam || 19 ||
Übersetzung: Mit „Mandigula“ verbunden [unklar], jeweils an der Ashtami eines Monats. Triphala, die drei Jati-Stoffe, Khadga, Loha und Sandelholz,
36.20
uśīraṃ vāpi kuñjaraṃ dīpavartistu dvādaśa |
kapilāyāghṛtaṃ yojyamajāghṛtaṃ vā yojayet || 20 ||
Übersetzung: Ushira und Kunjara ergeben zwölf Lampendochte [Aufzählung unvollständig oder gestört]. Man verwende Ghee einer Kapila-Kuh oder Ziegenghee.
36.21
gandhaśāliṃ mahāśāliṃ raktaśāliṃ tathaiva ca |
kalamāśālinīvārā godhūmayava vaiṣṇavīm || 21 ||
Übersetzung: Gandhashali, Mahashali, Raktashali, Kalamashali, Nivara, Weizen, Gerste, Vaishnavi,
36.22
vrīhiṃ priyaṅguṃ mudgaṃ ca dvādaśaṃ parikīrtitam |
kuśataṇḍulapuṣpaṃ ca gandhaṃ kṣīraṃ ca sarṣapam || 22 ||
Übersetzung: Vrihi, Priyangu und Mung werden als zwölf bezeichnet [nur elf klar getrennt]. Kusha, Reiskörner, Blumen, Duftstoff, Milch und Senf
36.23
gandhaśālyāṃ dvādaśaṃ hi ekaikena tu yojayet |
mārgaśīrṣamāsādi arghyaṃ dvādaśa yojayet || 23 ||
Übersetzung: verbinde man jeweils mit einer der zwölf Getreidearten von Gandhashali an und bereite zwölf Arghya-Gaben, beginnend im Margashirsha.
36.24
goghṛtaṃ caiva gomūtraṃ gokṣīraṃ tilameva ca |
kuśodakaṃ caiva gośṛṅgo gośṛṅgodakameva ca || 24 ||
Übersetzung: Kuhghee, Kuhurin, Kuhmilch, Sesam, Kusha-Wasser, Kuhhorn und Kuhhornwasser,
36.25
bilvapatraṃ gomayaṃ ca taṇḍulodakameva ca |
dvādaśaṃ godadhiṃ caiva krameṇaiva tu bhakṣayet || 25 ||
Übersetzung: Bilva-Blätter, Kuhdung, Reiswasser und als zwölftes Kuhdickmilch soll man der Reihe nach zu sich nehmen. [Die überlieferte Liste ist zahlenmäßig nicht vollständig.]
36.26
śālinīvāragodhūmayavavaiṇavaśyāmakam |
ratnaśāliṃ mahāśāliṃ kalamāśālimeva ca || 26 ||
Übersetzung: Shali, Nivara, Weizen, Gerste, Bambussamen, Shyamaka, Ratnashali, Mahashali und Kalamashali,
36.27
priyaṅgugarha ṣaṣṭiṃ ca rājānaṃ dvādaśaṃ bhavet |
kuḍakatrayamannaṃ ca dvitīyekaṃ tu cāḍhakam || 27 ||
Übersetzung: Priyangu, Garha-Shashti [Trennung unsicher] und als zwölfter Rajana: Vom Reis werden drei Kudava und zusätzlich ein Adhaka genannt [Maßsatz beschädigt].
36.28
kadalīkhaṇḍasaṃyuktaṃ kapilāghṛtasaṃyutam |
kuḍubaṃ ghṛtamevoktaṃ tadardhaṃ khaṇḍamucyate || 28 ||
Übersetzung: Mit Bananenstücken, Zucker und Ghee einer Kapila-Kuh: Ein Kudava Ghee und halb so viel Zucker werden vorgeschrieben.
36.29
kadalīphalatrayaṃ vidyāddadhiprasthaṃ pradāpayet |
māse māse nivedyaṃ syāt tattanmantreṇa deśikaḥ || 29 ||
Übersetzung: Drei Bananen und ein Prastha Dickmilch gebe man dazu. Jeden Monat bringe der Lehrer die Speise mit dem jeweiligen Mantra dar.
36.30
tattanmantreṇa prāśyaṃ syādarcanānte ṣaḍānana |
bilvodakaṃ ca śāmī ca bilvaṃ candanakadambakam || 30 ||
Übersetzung: Am Ende der Verehrung nehme man sie mit dem jeweiligen Mantra zu sich. Bilva-Wasser, Shami, Bilva, Sandelholz und Kadamba,
36.31
vaṭanāgaśākabarī vakulaḥ khadirojanam |
kapitthamayahīdantakāṣṭhamiha dvādaśamāse || 31 ||
Übersetzung: Vata, Naga, Shakabari, Vakula, Khadira, [beschädigter Name] und Kapittha werden als Zahnhölzer für zwölf Monate genannt. [Liste gestört.]
36.32
śivaḥ sadāśivahomaṃ ca maheśvaro rudrahomakam |
vidyeśvarāṣṭahomaṃ ca homaṃ dvādaśakīrtitam || 32 ||
Übersetzung: Feueropfer für Shiva, Sadashiva, Maheshvara, Rudra und die acht Vidyeshvaras: Dies sind die zwölf Feueropfer.
36.33
palāśāśvatthaplakṣanyagrodhameva ca |
bilvodumbara śāmī ca vai kaṅkatamayāni ca || 33 ||
Übersetzung: Palasha, Ashvattha, Plaksha, Nyagrodha, Bilva, Udumbara, Shami und Vikankata,
36.34
apāmārgaṃ ca vakulaṃ pāśā taddvādaśaṃ bhavet |
māse māse tu hotavyaṃ ekaikaṃ tu pṛthak pṛthak || 34 ||
Übersetzung: Apamarga, Vakula, Pasha [unsicher] ergeben zwölf Hölzer [Liste unvollständig]. Jeden Monat opfere man eines gesondert.
36.35
samāpteṣṭamyāṃ juhuyāt dvādaśaiśca dvijottamaiḥ |
ācāryaḥ śivahomaṃ tu teṣāṃ tu dviguṇaṃ bhavet || 35 ||
Übersetzung: Bei der abschließenden Ashtami sollen zwölf hervorragende Brahmanen opfern. Der Acharya vollzieht Shivas Opfer mit der doppelten Zahl ihrer Gaben.
36.36
praṇītā kalaśamekaṃ tu aiśānyāmanalasya tu |
homānte snānaṃ kurvīta dvādaśāṣṭamīkeṣu ca || 36 ||
Übersetzung: Ein Pranita-Gefäß stehe nordöstlich vom Feuer. Am Ende des Feueropfers vollziehe man an jeder der zwölf Ashtamis das Bad.
36.37
snānānte prāśanaṃ kuryāt * * * naṃ ghṛtādibhiḥ |
vāmamantreṇa prāsādaṃ vījamukhyasamanvitam || 37 ||
Übersetzung: Nach dem Bad nehme man [Textlücke] Ghee und die weiteren Gaben zu sich. Das Vama-Mantra, Prasada und das Hauptkeim-Mantra werden verbunden.
36.38
pavitraiḥ pṛthak pṛthak juhuyāt māsāndvādaśa buddhimān |
samidhājya caruṃ lājāṃstilaśāliṃ ca sarvapān || 38 ||
Übersetzung: Der Verständige opfere in den zwölf Monaten gesondert mit den reinigenden Formeln: Holz, Ghee, gekochte Opferspeise, Puffreis, Sesam, Reis und Senf [letztes Wort beschädigt],
36.39
pratyekamaṣṭottaraśataṃ juhuyādvedapāragaiḥ |
prāsādanāmamantreṇa bījamukhyaiḥ prakāśayet || 39 ||
Übersetzung: jeweils 108 Gaben unter Mitwirkung Vedakundiger. Man verwende Prasada, Namensmantra und Hauptkeimsilben.
36.40
vrate samāpte'ṣṭamīṃ kuryāt pratyekaṃ tu sahasrakam |
homaṃ pūrve tu matimān pūjayedṛtvijaḥ pṛthak || 40 ||
Übersetzung: An der abschließenden Ashtami bringe man jeweils tausend Gaben dar. Vor dem Feueropfer ehre der Verständige jeden Opferpriester gesondert.
36.41
vastrayugmaṃ copavītaṃ bhuktapātraṃ tathaiva ca |
hemāṅgulīyakaṃ caiva chatraṃ pādukameva ca || 41 ||
Übersetzung: Mit einem Gewandpaar, heiliger Schnur, Essgefäß, goldenem Ring, Sonnenschirm und Sandalen,
36.42
upānakaṃ ha * stanaṃ vaiṣṇavaṃ daṇḍameva ca |
uṣṇīvaṃ phalakaṃ caiva yathā śakti ca dakṣiṇām || 42 ||
Übersetzung: Schuhen, [beschädigtem Gegenstand], Bambusstab, Turban, Brett sowie Opferlohn nach Vermögen.
36.43
ācāryaṃ pūjayetsamyak makuṭairvastrakuṇḍalaiḥ |
keyūrairupavītaiśca kaṭakaiḥ kaṭisūtrakaiḥ || 43 ||
Übersetzung: Den Acharya ehre man angemessen mit Krone, Gewändern, Ohrringen, Oberarmreifen, heiligen Schnüren, Armreifen und Hüftbändern,
36.44
gobhumikāñcanairdravyaiḥ dāsīdāsaiśca pūjayet |
pāyasaṃ ghṛtasaṃyuktaṃ ghṛtena tu pariplutam || 44 ||
Übersetzung: Kühen, Land, Gold, sonstigem Besitz, Dienerinnen und Dienern; dazu Milchreis, mit Ghee versehen und übergossen.
36.45
śivāya kṛṣṇakapilāṃ raktāṃ śvetāṃśca piṅgalām |
haridrāmagnivarṇāṃ ca pītavarṇāṃ suśobhanām || 45 ||
Übersetzung: Für Shiva gebe man eine schwarze Kapila-Kuh, eine rote, weiße, gelbbraune, kurkumafarbene, feuerfarbene und schön gelbe,
36.46
ma* * yuga svarṇābhaṃ haridvarṇāṃ ca sundarīm |
śatakumbhanibhāṃ kapilāṃ śivāya dvādaśaṃ bhavet || 46 ||
Übersetzung: [Textlücke], eine goldglänzende, grünliche, schöne und eine goldfarbene Kapila-Kuh: insgesamt zwölf für Shiva. [Farbenfolge beschädigt.]
36.47
vratānte tu mahāsnānaṃ ghṛtena tu ṣaḍānana |
mahāpūjā prakartavyā brahmaṇaścaiva homayet || 47 ||
Übersetzung: Am Ende des Gelübdes vollziehe man das große Bad mit Ghee, Sechsgesichtiger, eine große Verehrung und das Feueropfer mit den Brahma-Mantras.
36.48
sārvavantikamanvādyaṃ tasminmahati kārayet |
saptāhaṃ triyahaṃ vāpi utsavaṃ kārayedbudhaḥ || 48 ||
Übersetzung: Man veranstalte umfassende Speisung [Anfang beschädigt] und ein siebentägiges oder dreitägiges Fest.
36.49
rathamāropya deveśaṃ pradakṣiṇamathācaret |
nānājanapadākīrṇaṃ nānācchatrasamanvitam || 49 ||
Übersetzung: Den Herrn der Götter setze man auf einen Wagen und führe ihn rechtsherum, begleitet von Menschen verschiedener Länder und vielerlei Schirmen,
36.50
nānādhvajasamāyuktaṃ nānāpiñcakasaṃyutam |
grāmaṃ vā nagaraṃ vāpi nattanaṃ kheṭakaṃ tu vā || 50 ||
Übersetzung: Fahnen und Pfauenfächern, durch Dorf, Stadt, Hafenort oder befestigte Siedlung.
36.51
śanaiḥ pradakṣiṇaṃ kuryāt bilaṃ sarvatra dāpayet |
śrīkaṇṭhanāthaṃ sasutaṃ somaṃ rathena vāhayet || 51 ||
Übersetzung: Langsam vollziehe man die Umrundung und lasse überall Bali-Gaben darbringen. Shrikanthanatha fahre mit Sohn und Uma auf dem Wagen.
36.52
hastyārūḍhaṃ tu vā kuryāt nīlaṃ vai liṅgameva ca |
lājāsaktu samāyuktaṃ śālyannaṃ droṇabhājanam || 52 ||
Übersetzung: Oder man setze ihn auf einen Elefanten; auch ein dunkles Linga wird genannt [Bezug unsicher]. Ein Drona-Gefäß Reis mit Puffreis und geröstetem Mehl,
36.53
tadardhaṃ vā diśā balimācāryeṇa pradāpayet |
catuṣpathe tripathe caiva dvipathaikapathe kṣipet || 53 ||
Übersetzung: oder die Hälfte davon, lasse man durch den Acharya als Bali in die Himmelsrichtungen geben: an vierfachen, dreifachen, zweifachen und einfachen Wegen.
36.54
evaṃ saptāhasūtsavaṃ kṛtvā snapanamācaret |
aṣṭottaraśataiḥ kalaśairekāśītimathāpi vā || 54 ||
Übersetzung: Nach diesem siebentägigen Fest vollziehe man die rituelle Begießung mit 108 oder 81 Gefäßen,
36.55
catuṣṣaṣṭikalaśairvā trayastriṃśairvāpi kārayet |
pañcaviṃśaiḥ ṣoḍaśairvāṃ snapanaṃ kārayedguha || 55 ||
Übersetzung: oder mit 64, 33, 25 oder 16 Gefäßen, Guha.
36.56
evaṃ ca kārayet pañcanadīsnānaṃ viśeṣaṣataḥ |
cūrṇa * * * * * * kṛtvā * * * * * * || 56 ||
Übersetzung: Besonders vollziehe man das Bad mit Wasser aus fünf Flüssen. [Die folgende Anweisung mit Pulver ist größtenteils verloren.]
36.57
haimarajatatāmrairvā pārthivairvā suśobhanaiḥ |
mahābhiṣekadravyāṇi kathitaṃ pūrvameva hi || 57 ||
Übersetzung: Man verwende schöne Gefäße aus Gold, Silber, Kupfer oder Ton. Die Stoffe für die große Weihebegießung wurden bereits genannt.
36.58
taddravyairvā sitaiḥ kumbhaiḥ snapanaṃ kārayedguha |
avabhṛtaṃ kārayetpaścāt nadīsnānaṃ viśeṣataḥ || 58 ||
Übersetzung: Mit durch diese Stoffe bereiteten Gefäßen vollziehe man die Begießung, Guha; danach das abschließende Reinigungsbad, besonders im Fluss.
36.59
cūrṇasnānaṃ purā kṛtvā nadīsnānaṃ smācaret |
kṛṣṇāṣṭamyāṃ vrataṃ bhaktyā tasya puṇyaphalaṃ śṛṇu || 59 ||
Übersetzung: Zuerst das Pulverbad, dann das Flussbad. Höre die verdienstvolle Frucht des andächtig vollzogenen Krishna-Ashtami-Gelübdes.
36.60
goghnaścaiva kṛtaghnaśca brahmahā gurutalpagaḥ |
śaraṇāgataghātī ca miśraviśrambhaghātakaḥ || 60 ||
Übersetzung: Wer Kühe tötete, undankbar war, einen Brahmanen tötete, das Lager des Lehrers bestieg, einen Schutzsuchenden erschlug oder Vertrauen verriet,
36.61
pitṛhā mātṛhā caiva putrahā bhrātṛhā tathā |
kṛṣṇāṣṭamī vratenaiva sarvapāpakṣayo bhavet || 61 ||
Übersetzung: Vater, Mutter, Sohn oder Bruder tötete: Durch das Krishna-Ashtami-Gelübde werden sämtliche Verfehlungen getilgt.
36.62
rājasūyaśataṃ caiva aśvamedhaśataṃ bhavet |
arbudamaptoryāmagnikharvaṃ vā vājapeyakam || 62 ||
Übersetzung: Es entspricht hundert Rajasuya- und hundert Ashvamedha-Opfern, einem Arbuda Aptoryama-Opfer und einem Kharva Vajapeya-Opfer.
36.63
atirātraṃ kharvaphalaṃ ṣoḍaśaṃ vṛndameva ca |
prayutamukthyaphalaṃ caiva niyutāgniṣṭomameva ca || 63 ||
Übersetzung: Einem Kharva Atiratra-Opfer, einem Vrinda Shodashin-Opfer, einem Prayuta Ukthya-Opfer und einem Niyuta Agnishtoma-Opfer.
36.64
atyagniṣṭomamayutaṃ vai prayutaṃ sautrāmaṇīyakam |
śatasahasrastrīyāgaṃ koṭiśyenaphalaṃ bhavet || 64 ||
Übersetzung: Zehntausend Atyagnishtoma-, einem Prayuta Sautramani-, hunderttausend „Striyaga“-Opfern [Name unsicher] und einer Koti Shyena-Opfer.
36.65
pratyekaṃ kālāṣṭamīṃ ca māse māse tu vai phalam |
nikhilameṣāṃ kratuphalamagnicicchataphalaṃ bhavet || 65 ||
Übersetzung: Diese Frucht kommt jeder monatlichen Kalashtami zu: sämtliche Früchte dieser Opfer und die Frucht von hundert Feueraltar-Schichtungen.
36.66
sahasraliṅga pratiṣṭhāyāṃ phalamāpnoti mānavaḥ |
sarveṣāṃ karmakārāṇāṃ kṛṣṇāṣṭamyāṃ tu yatkṛtam || 66 ||
Übersetzung: Man erlangt die Frucht der Weihung tausend Lingas. Was alle Mitwirkenden an Krishna-Ashtami tun,
36.67
sarve svargamavāpnuvanti patrapuṣpaphalāni ca |
svayaṃ sāyujyamāpnoti tasya nāśā(ga)manaṃ punaḥ || 67 ||
Übersetzung: führt sie zum Himmel, auch [das Darbringen von] Blättern, Blumen und Früchten. Der Gelübdehalter selbst erlangt Vereinigung; für ihn gibt es keine Wiederkehr.
iti śrīkālottare kṛṣṇāṣṭamī vrataphalaṃ ṣaṭtriṃśatitamaḥ (paṭalaḥ) ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 36 über „die Frucht des Krishna-Ashtami-Gelübdes“.
Kapitel 37 – Die achtundsechzig heiligen Stätten
37.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
atirahasyaṃ nāstikāya na dātavya priyāya ca |
śivabhaktāya dātavyaṃ śivena kathitaṃ purā || 1 ||
Übersetzung: Ishvara sprach: Diese überaus geheime Lehre gebe man keinem Gottesleugner, auch wenn er einem lieb ist [Lesung unsicher], sondern einem Shiva-Verehrer. So lehrte Shiva einst.
37.2
ṛṣibhiḥ śāstratattvajñaiḥ taponiṣṭhairjitendriyaiḥ |
devaiśca sevitaṃ toyaṃ kṣitau tīrthaṃ taducyate || 2 ||
Übersetzung: Wasser, das von schriftkundigen, asketischen, sinnesbeherrschten Rishis und von Göttern aufgesucht wird, heißt auf Erden Tirtha.
37.3
rudrāvatāra sthānāni svayaṃ bhūkṣtrapāṇi ca |
mṛtānāṃ teṣu sarveṣu śivakṣetreṣu dehinām || 3 ||
Übersetzung: Die Stätten von Rudras Herabkünften und die selbstentstandenen heiligen Orte: Für alle verkörperten Wesen, die dort in Shivas Bereichen sterben,
37.4
bhūloke ca mahāsena svayaṃbhusthānaṃ mahāphalam |
arcanaṃ ca japadhyānaṃ samādhisthānameva ca || 4 ||
Übersetzung: haben die selbstentstandenen Stätten auf Erden große Frucht, Mahasena. Verehrung, Japa, Meditation und Verweilen im Samadhi
37.5
akṣayaṃ phalamāpnoti mṛtassāyujyamāpnuyāt |
aṣṭa ṣaṣṭimahāsthānaṃ vakṣyāmi śṛṇu sāṃpratam || 5 ||
Übersetzung: bringen unvergängliche Frucht; nach dem Tod erlangt man Vereinigung. Ich nenne die achtundsechzig großen Stätten; höre zu.
37.6
vastrāpadaṃ rudrakoṭiravimuktaṃ bahābalam |
gokarṇaṃ bhadrakarṇaṃ ca suvarṇākṣo'tidīptavān || 6 ||
Übersetzung: Vastrapada, Rudrakoti, Avimukta, Mahabala [Vorlage: Bahabala], Gokarna, Bhadrakarna, der überaus strahlende Suvarnaksha
37.7
sthaṇvīśvaraṃ ca vikhyātaṃ triṣu lokeṣu viśrutam |
sthānāṣṭakamidaṃ jñeyaṃ rudrakṣetraṃ mahodayam || 7 ||
Übersetzung: und das in den drei Welten berühmte Sthanvishvara: Diese acht Stätten gelten als Rudras segensreiche Bereiche.
37.8
vastrāpadādi sthāṇvantaṃ rudrasāyujyakārakam |
ca kalaṃ ca dviraṇḍaṃ ca mākoṭaṃ maṇḍaleśvaram || 8 ||
Übersetzung: Von Vastrapada bis Sthanu führen sie zur Vereinigung mit Rudra. Chakala [unsicher], Dviranda, Makota und Mandaleshvara,
37.9
kālāñjanaṃ śaṅkukarṇaṃ sthūleśvaramiti śrutam |
aṭṭahāsaṃ ca vijñeyaṃ pavitrāṣṭakamudāhṛtam || 9 ||
Übersetzung: Kalanjana, Shankukarna, Sthuleshvara und Attahasa heißen die acht reinigenden Stätten.
37.10
sarvayatnena gacchanti śivasya paramaṃ padam |
tathā caiva kurukṣetraṃ nākhalo nakhalastathā || 10 ||
Übersetzung: Durch entschlossenes Aufsuchen gelangt man zu Shivas höchster Stätte. Ferner Kurukshetra, Nakhala und Nakhala [abweichende Schreibungen der Vorlage],
37.11
vimaleśvaraṃ prabhāsaṃ ca māhendraṃ bhīmamaṣṭakam |
etadguhyāṣṭakaṃ nāma sarvapāpapramocanam || 11 ||
Übersetzung: Vimaleshvara, Prabhasa, Mahendra und Bhima als achter [Liste nicht vollständig]: Diese geheime Achtergruppe befreit von allen Verfehlungen.
37.12
gatvā tu puruṣaḥ śrīmān prāpnoti śivamandiram |
śrīparvataṃ hariścandraṃ mahākālavanaṃ tathā || 12 ||
Übersetzung: Wer dorthin geht, gelangt beglückt zu Shivas Wohnstatt. Shriparvata, Harishchandra, Mahakalavana,
37.13
amṛtādikeśvaraṃ caiva kedāraṃ bhairavaṃ tathā |
vāraṇāsī vaidyanāthaṃ aṣṭamaṃ parikīrtitam || 13 ||
Übersetzung: Amritadikeshvara, Kedara, Bhairava, Varanasi und als achter Vaidyanatha:
37.14
etadguhyāni guhyaṃ svayambhusthānaṃ ṣaḍānana |
santārya sapitṝn sarvān śaivaṃ yāti padaṃ mahat || 14 ||
Übersetzung: Dies sind die geheimsten selbstentstandenen Stätten, Sechsgesichtiger. Man rettet alle Vorfahren und gelangt zu Shivas großer Stätte.
37.15
amareśaṃ prabhāsaṃ ca naimiśaṃ puṣkaraṃ tathā |
āṣāḍhī daṇḍimuṇḍī ca bhārabhūtilakulīśvaram || 15 ||
Übersetzung: Amaresha, Prabhasa, Naimisha, Pushkara, Ashadhi, Dandi-Mundi, Bharabhuti und Lakulishvara [Abgrenzung teilweise unsicher]:
37.16
pratyātmikamiha kṣetraṃ śivasāyujyakārakam |
kailāso mandaraṃ caiva meruṃ vai nīlaparvataḥ || 16 ||
Übersetzung: Diese innerlich zugeeigneten Bereiche führen zur Vereinigung mit Shiva. Kailasa, Mandara, Meru, Nilaparvata,
37.17
himavān hiṣayo vindhyo malayaścāṣṭamo bhavet |
parvatāṣṭakamevaṃ tu svayaṃbhusthānaṃ śivasya tu || 17 ||
Übersetzung: Himavan, Hishaya [unsicher], Vindhya und als achter Malaya sind die acht Berge, Shivas selbstentstandene Stätten.
37.18
vīrajñayāti dehena anaśanācchivameva hi |
virajā varuṇā gollā jayanti koṭivarṣakam || 18 ||
Übersetzung: Der Held [Lesung unsicher] gelangt durch Fasten mit seinem Körper zu Shiva. Viraja, Varuna, Golla, Jayanti, Kotivarsha,
37.19
jālandhraṃ caiva kāśmīraṃ devadāruvanaṃ tathā |
śuddhāṣṭakamidaṃ kṣetraṃ śivasāyujyakārakam || 19 ||
Übersetzung: Jalandhara, Kashmir und Devadaruvana sind die acht reinen Bereiche, die zur Vereinigung mit Shiva führen.
37.20
māyāpurī merudhiṃ ca bhūteśvaraṃ vaṭeśvaram |
māheśvarī māhiricchatraṃ puṇḍravardhanameva ca || 20 ||
Übersetzung: Mayapuri, Merudhi, Bhuteshvara, Vateshvara, Maheshvari, Ahichhatra [Worttrennung unsicher] und Pundravardhana,
37.21
devikoṣṭhaṃ ca vijñeyaṃ siddhakṣetraṃ mahodayam |
dehināṃ tatra pañcakaṃ śivaṃ sāyujyakārakam || 21 ||
Übersetzung: dazu Devikoshtha: Dies sind segensreiche Siddha-Stätten. [Der beschädigte Folgesatz erwähnt fünf für verkörperte Wesen und Vereinigung mit Shiva.]
37.22
ilāṃ cottarameruṃ ca bhadrāṃśaṃ ketumārakam |
catvāraṃ tu anaupamya mahākṣetraṃ sudurlabham || 22 ||
Übersetzung: Ila, Uttarameru, Bhadramsha und Ketumara: vier unvergleichliche, schwer erreichbare große Bereiche.
37.23
aṣṭa ṣaṣṭi mahākṣetraṃ svayaṃbhūsthānaṃ vidhīyate |
tamassamādhiṃ ca japaṃ dānaṃ devārcanaṃ tu yat || 23 ||
Übersetzung: Diese achtundsechzig großen Bereiche gelten als selbstentstandene Stätten. Askese [Vorlage: Tamas], Samadhi, Japa, Spenden und Gottesverehrung dort:
37.24
mānavo muktiṃ prāpnoti vināśaṃ ca na vidyate |
devālayaṃ prapāṃ caivaṃ sabhāsthānaṃ maṭhastathā || 24 ||
Übersetzung: Dadurch erlangt der Mensch Befreiung, deren Frucht nicht vergeht. Tempel, Trinkwasserstellen, Versammlungshallen und Klöster,
37.25
vāpīkūpataṭākānāṃ akṣayaṃ phalamāpnuyāt |
godānaṃ gajadānaṃ ca kanyādānaṃ hiraṇyakam || 25 ||
Übersetzung: Stufenbrunnen, Brunnen und Teiche anzulegen bringt unvergängliche Frucht. Kuh-, Elefanten-, Braut- und Goldgaben,
37.26
grāmadānaṃ gṛhadānaṃ ca mahīdānaṃ ṣaḍānana |
dāsidānaṃ rathadānaṃ ca vidyādānaṃ tathaiva ca || 26 ||
Übersetzung: Dorf-, Haus- und Landgaben, Sechsgesichtiger, Dienerinnen-, Wagen- und Wissensgaben,
37.27
aśvadānaṃ cānnadānaṃ pānīyadānameva ca |
pratiśraya pradānaṃ ca mantradānaṃ ca ṣoḍaśa || 27 ||
Übersetzung: Pferde, Nahrung, Trinkwasser, Unterkunft und Mantra-Unterweisung: sechzehn Gaben.
37.28
brāhmaṇāya daridrāya somayājitapasvine |
śivabhaktāya śāntāya sadā śūdrānnavarjine || 28 ||
Übersetzung: An einen armen Brahmanen, Soma-Opferer, Asketen, friedvollen Shiva-Verehrer, der stets Nahrung von Shudras meidet,
37.29
svayambhūkṣetre dātavyaṃ viṣuvanā?haṇādiṣu |
tadanantaphalaṃ dāturbhavatīti kramādbhutam || 29 ||
Übersetzung: soll man an einer selbstentstandenen Stätte zur Tagundnachtgleiche, bei Finsternissen [Lesung beschädigt] und ähnlichen Zeiten spenden. Die Frucht ist unendlich: wunderbar!
37.30
śivabhaktāya śāntāya bahuputrāya kevalam |
śrotriyāya daridrāya āhitāgnitapasvine || 30 ||
Übersetzung: Für einen friedvollen Shiva-Verehrer mit vielen Söhnen, einen armen vedagelehrten Asketen, der das heilige Feuer unterhält,
37.31
śubhaṃ gṛhaṃ tu saṃpādya gṛhopaskaraṇāni ca |
dhanadhānyasupūrṇa ca śivāya bhuktapātrakān || 31 ||
Übersetzung: richte man ein schönes Haus mit Hausrat her, voll von Besitz und Getreide, mit Essgefäßen für Shiva [Bezug unsicher],
37.32
musalolūkhalāścaiva dāsīdāsairalaṃkṛtam |
pacanasthālījalabhāṇḍaṃ darvīpānīya pātrakam || 32 ||
Übersetzung: Mörsern und Stößeln, Dienerinnen und Dienern, Kochtöpfen, Wassergefäßen, Schöpfkellen und Trinkgefäßen,
37.33
upadānaṃ ca pacanasyālī khaṭvācaryāsanāni ca |
upadhānaṃ kambalaṃ ca bahistaraṇameva ca || 33 ||
Übersetzung: [Brennmaterial oder Zubehör; unklar], Kochtöpfen, Bett, Liege und Sitzen, Kissen, Decke und Unterlagen,
37.34
dhūpaṃ dīpaṃ ca pātrāṇi śūrpasehanimeva ca |
niṣṭhīvanapātraṃ ca tāmbūlaṃ dhārameva ca || 34 ||
Übersetzung: Räucherwerk, Lampen, Gefäßen, Worfelkorb und Besen [unsicher], Spuckgefäß und Betelbehälter,
37.35
udakumbhaṃ tāmrabhavaṃ udaksecanapātrakān |
karakaṃ kamaṇḍaluṃ caiva śūlaṃ ca karakāṇi ca || 35 ||
Übersetzung: kupfernem Wasserkrug, Gefäßen zum Wasserausgießen, Karaffe, Kamandalu, Spieß und weiteren Krügen,
37.36
yathāśakti cābharaṇaṃ kuṇḍalaṃ hārameva ca |
etān sarvān samāpādya svajanmadivase guha || 36 ||
Übersetzung: nach Vermögen auch Schmuck, Ohrringen und Halsketten. Alles beschaffe man und gebe es am eigenen Geburtstag, Guha,
37.37
śubhagrahādi viptāya grahaṇādiṣu vā dadet |
na tadvaktumahaṃ śaktaḥ phalaṃ yutāṃ śatairapi || 37 ||
Übersetzung: bei günstiger Planetenkonstellation oder einer Finsternis einem Brahmanen [Lesung beschädigt]. Nicht einmal mit Hunderten von [Worten oder Jahren; unklar] kann ich die Frucht aussprechen.
37.38
etāvacchakyate vaktuṃ tasya gehasya suvrata |
sopi yāgaphalaṃ kṛtsnaṃ labhate nātra saṃśayaḥ || 38 ||
Übersetzung: Nur so viel lässt sich über dieses Haus sagen, Gelübdetreuer: Der Geber erhält die gesamte Opferfrucht, ohne Zweifel.
37.39
aśvamedhasahasrasya pratiṣṭhāśatameva ca |
tatphalaṃ labhate vatsa śubhagrahaṃ tu na saṃśayaḥ || 39 ||
Übersetzung: Die Frucht tausend Pferdeopfer und hundert Weihen erhält man durch ein schönes Haus, mein Kind, ohne Zweifel.
iti kālottare aṣṭa ṣaṣṭisthānapaṭalaḥ saptatriṃśatitamaḥ || 37 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 37 über „Die achtundsechzig heiligen Stätten“.
Kapitel 38 – Sühnerituale
38.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
athātaḥ saṃpravakṣyāmi prāyaścittavidhiṃ śṛṇu |
khaṇḍaṃ vā sphuṭitaṃ vāpi tīrṇaṃ vā kulaparyayāt || 1 ||
Übersetzung: Ishvara sprach: Nun erkläre ich die Ordnung der Sühne; höre zu. Ist [das Kultobjekt] zerbrochen, rissig oder [beschädigter Ausdruck über Abnutzung oder Wechsel],
38.2
vikaṭaṃ cāgnidagdhaṃ ca patitotpāṭitaṃ ca yat |
kṛtvā saṃsthāpayedanyaṃ pūrvavatparikalpayet || 2 ||
Übersetzung: verunstaltet, verbrannt, gefallen oder herausgerissen, fertige und installiere man ein anderes wie zuvor.
38.3
prāyaścittaṃ tathā kṛtvā lakṣahomaṃ tathaiva ca |
dvātriṃśacca tadardhaṃ vasubhirvedasaṃkhyayā || 3 ||
Übersetzung: Man vollziehe Sühne und hunderttausend Opfergaben, mit zweiunddreißig, halb so vielen, acht oder vier
38.4
indukuṇḍasamāyuktaṃ homaṃ kuryādvicakṣaṇaḥ |
mahāpūjāvidhiṃ kuryāt kalaśaiśca sahasrakaiḥ || 4 ||
Übersetzung: oder einer Feuergrube [„Mondzahl“]. Der Verständige vollziehe das Opfer und eine große Verehrung mit tausend Gefäßen.
38.5
paścāttu śilpinā kuryāt bālaliṅgaṃ prakalpayet |
nava karma prakartavyaṃ yathoktaṃ pūrvavatkramāt || 5 ||
Übersetzung: Danach lasse man durch den Handwerker ein vorläufiges Linga fertigen und führe die Erneuerung in der früher genannten Reihenfolge aus.
38.6
prāsāde jīrṇamarmeṇa hutvā prasāda mantriṇā |
kiṅgena vihite netuḥ pratiṣṭhāmantrāhutaṃ bhavet || 6 ||
Übersetzung: Bei beschädigten tragenden Tempelteilen opfere man mit Prasada. [Der folgende Satz verbindet das Linga und die Einweihungsmantras, ist aber stark beschädigt.]
38.7
niṣkalaṃ niṣkalārdhaṃ ca punaḥsthāpanaṃ pūrvavat |
pīṭhake pūrṇajīrṇe tu śaktimantraṃ ghṛtāhutiḥ || 7 ||
Übersetzung: Das formlose Linga und sein Teil werden wie zuvor neu eingesetzt. Bei vollständig verfallenem Sockel bringe man Ghee mit dem Shakti-Mantra dar.
38.8
lakṣāhutirbhavecchaktiḥ sadyeśaṃ tu sahasrakaiḥ |
ananteśa sahasraṃ tu triguṇaṃ pratyekamucyate || 8 ||
Übersetzung: Für Shakti hunderttausend Gaben, für Sadyesha tausend, für Anantesha tausend; jeweils wird außerdem die dreifache Zahl genannt [Zuordnung unsicher].
38.9
lokapālādi devānāṃ śatapañcakamāhutiḥ |
aṣṭādaśagaṇānāṃ tu pratyekaṃ tu daśāhutiḥ || 9 ||
Übersetzung: Für die Welthüter und übrigen Götter fünfhundert Gaben, für jede der achtzehn Scharen zehn.
38.10
liṅge ca sthāpitaṃ devaṃ tantroktavidhinā kṛtiḥ |
punaḥ saṃskārakarmaṃ tu pūrvavat śilpinā vidhiḥ || 10 ||
Übersetzung: Den Gott setze man nach tantrischer Vorschrift im Linga ein; der Handwerker vollziehe die Wiederherstellung wie zuvor.
38.11
abhiṣiktānāmidaṃ caiva vyaktaliṅgamatha śṛṇu |
baliliṅgapade caiva prāyaścittavidhiṃ śṛṇu || 11 ||
Übersetzung: Dies gilt für geweihte [Objekte]; höre nun von der gestalteten Kultform und der Sühne beim Bali-Linga.
38.12
- * * puṣpaliṅgaṃ tu prākāre pattane'pi vā |
ghṛtāhutisahasreṇa astrarājeti mantrataḥ || 12 ||
Übersetzung: [Textlücke] Blumen-Linga in der Umfriedung oder Stadt: tausend Ghee-Gaben mit dem Mantra des Waffenkönigs.
38.13
sthāpanaṃ niṣkale liṅge pañcaviṃśatikumbhakaiḥ |
tantrokta de * * * * * * * * * * * * t || 13 ||
Übersetzung: Einsetzung im formlosen Linga mit fünfundzwanzig Gefäßen; [der Rest der tantrischen Vorschrift ist verloren].
38.14
grāme vā nagare vāpi keṭake pattane'pi vā |
teṣāṃ vidhipradeśe tu pramādātpavanaṃ tathā || 14 ||
Übersetzung: Ob Dorf, Stadt, befestigte Siedlung oder Hafenort: Wenn an der vorgeschriebenen Stelle durch Unachtsamkeit oder Wind
38.15
yatprathamaṃ tatpatitaṃ kramaṃ taddhyānamucyate |
tattanmantrāhutiṃ śreṣṭhaṃ sahasrāhutirucyate || 15 ||
Übersetzung: ein zuvor aufgestelltes [Bild] fällt, meditiere man entsprechend und opfere tausend Gaben mit seinem jeweiligen Mantra.
38.16
ananteśaḥ sahasreṇa vidyeśaśca sahasrakaiḥ |
astrāṇāṃ ca tadardhe tu homayettadghṛtāhutiḥ || 16 ||
Übersetzung: Für Anantesha tausend, für den Vidyeshvara tausend; für die Waffen jeweils halb so viele Ghee-Gaben.
38.17
vāstuhomaṃ tataḥ paścāt pūrvoktena yathākramam |
patite tu yathāsthāne evaṃ kṛtvā vicakṣaṇaḥ || 17 ||
Übersetzung: Danach das zuvor beschriebene Vastu-Feueropfer. Bei einem herabgefallenen Objekt verfahre der Verständige so am jeweiligen Ort.
38.18
prāsādaṃ liṅgamūle tu snānaṃ kumbhasahasrakaiḥ |
aṣṭadikṣutathā kṛtvā atha sahasrāṣṭamucyate || 18 ||
Übersetzung: Tempel und Linga-Basis begieße man mit tausend Gefäßen; in den acht Richtungen verfahre man ebenso. Auch achttausend werden genannt [Zuordnung unklar].
38.19
paścādutsavaṃ kuryāt hutaste tu vicakṣaṇaḥ |
aṣṭadikṣu hutaṃ kṛtvā aṣṭāṅgaṃ mantramucyate || 19 ||
Übersetzung: Danach veranstalte der Verständige ein Fest. Nach dem Feueropfer in acht Richtungen wird ein achtgliedriges Mantra genannt [Satz gestört].
38.20
mahāpūjāvidhiṃ paścāt utsavaṃ pūrvavatkramāt |
grāmādhidevatā pārśve patane tatra pūjitam || 20 ||
Übersetzung: Dann folgen große Verehrung und Fest wie zuvor. Fällt die Dorfgottheit seitwärts [Bezug unsicher], werde sie dort verehrt.
38.21
darśanaṃ ca samīpetu rājakṣobhabhayaṃkaram |
śāntihomaṃ tathā kuryāt bahurūpeṇa mantrataḥ || 21 ||
Übersetzung: Wird dies in der Nähe gesehen, bedeutet es Gefahr königlicher Unruhen. Man vollziehe ein befriedendes Feueropfer mit dem Bahurupa-Mantra.
38.22
paścāccheṣaṃ samaṃ kuryāt patitena tu pūjayet |
mūlabimbe punaḥ pūjya pūrvoktaṃ tu tathā vidhiḥ || 22 ||
Übersetzung: Danach führe man das Übrige entsprechend aus und verehre das gefallene Bild; anschließend wieder das Hauptbild nach früherer Vorschrift.
38.23
pratyaṅgena vihīnaṃ tu aṅgamantrāhutiḥ kramāt |
sahasreṇa ghṛtaṃ hutvā taccheṣaṃ pūrvavatkramāt || 23 ||
Übersetzung: Fehlt ein einzelnes Körperglied, opfere man tausend Ghee-Gaben mit dessen Glied-Mantra und verfahre im Übrigen wie zuvor.
38.24
evaṃ kramasamāyuktaṃ anyathā doṣamudbhavam |
rājakṣobhabhayaṃ caiva rājarāṣṭraṃ samākulam || 24 ||
Übersetzung: Diese Reihenfolge ist einzuhalten; andernfalls entstehen Fehler, Unruhe beim König und Verwirrung in Königshaus und Reich.
38.25
tasmātsarva prayatnena prāyaścittaṃ caredguruḥ |
agnikāryavihīne tu prāyaścittavidhiṃ śṛṇu || 25 ||
Übersetzung: Darum vollziehe der Guru die Sühne mit aller Sorgfalt. Höre nun die Sühne beim Unterlassen des Feuerdienstes.
38.26
pramādādagnikīrṇe tu ekāhādi ca varṣakaiḥ |
ekāhe agnibījaṃ tu aghorāstraṃ śataṃ japet || 26 ||
Übersetzung: Ist das Feuer durch Unachtsamkeit erloschen, von einem Tag bis zu Jahren: Bei einem Tag rezitiere man Feuerkeimsilbe und Aghorastra hundertmal.
38.27
pañcaviṃśatikumbhaistu snānaṃ kuryānmaheśvaram |
punarutpādanaṃ cāgneḥ paścānnityaṃ samārabhet || 27 ||
Übersetzung: Man bade Maheshvara mit fünfundzwanzig Gefäßen, entzünde das Feuer erneut und nehme den täglichen Dienst wieder auf.
38.28
agnikāryavihīne tu śivamantrāhutirbhavet |
yatsahasraṃ ghṛtaṃ hutvā paścānnityaṃ samārabhet || 28 ||
Übersetzung: Bei ausgelassenem Feuerdienst bringe man tausend Ghee-Gaben mit Shivas Mantra dar und beginne den täglichen Dienst wieder.
38.29
evaṃ vidhiṃ punaḥ kuryāt paścāhāntaṃ praśasyate |
daśāhe agnijīrṇe tu ekāhādi ca varṣakaiḥ || 29 ||
Übersetzung: Diese Vorschrift gilt wiederholt bis zu fünf Tagen [Vorlage beschädigt]. Bei zehn Tagen erloschenen Feuers, von einem Tag bis zu Jahren:
38.30
ekāhe agnibījaṃ tu aghorāstraṃ śataṃ japet |
pañcaviṃśatikumbhaistu snānaṃ kuryānmaheśvaram || 30 ||
Übersetzung: Bei einem Tag rezitiere man Feuerkeimsilbe und Aghorastra hundertmal und bade Maheshvara mit fünfundzwanzig Gefäßen.
38.31
punarutpādanaṃ cāgneḥ paścānnityaṃ samārabhet |
agnikāryavihīne tu śivamantrāhutirbhavet || 31 ||
Übersetzung: Man entzünde das Feuer erneut und beginne den täglichen Dienst. Beim Unterlassen des Feuerdienstes opfere man mit Shivas Mantra.
38.32
yatsahasraṃ ghṛtaṃ hutvā paścānnityaṃ samārabhet |
evaṃ vidhiṃ punaḥ kuryāt pañcāhāntaṃ praśasyate || 32 ||
Übersetzung: Nach tausend Ghee-Gaben beginne man den täglichen Dienst. Diese wiederholte Vorschrift gilt bis zum fünften Tag.
38.33
daśāhe agnijīrṇe tu pūrvavaddviguṇaṃ tathā |
ardhamāsavihīne tu agnikārye dinaṃ prati || 33 ||
Übersetzung: Bei zehn Tagen erloschenen Feuers verdopple man das Vorige. Bei einem halben Monat ohne Feuerdienst bringe man für jeden Tag
38.34
sahasrāhutiṃ ghṛtaṃ hutvā snānaṃ kumbhaśatāṣṭakaiḥ |
punarutthāpanaṃ cāgneḥ nityaṃ karmavidhiṃ tathā || 34 ||
Übersetzung: tausend Ghee-Gaben dar und bade mit 108 Gefäßen; dann erneuere man das Feuer und den täglichen Dienst.
38.35
āsanaṃ cāgnihīnaṃ tu trisahasraghṛtāhutiḥ |
paścādviṃśāhutiṃ kuryāt tantroktaṃ pūrvavatkramāt || 35 ||
Übersetzung: Ist der Sitz ohne Feuer [möglicherweise verderbte Zeitangabe], opfere man dreitausend Ghee-Gaben und danach zwanzig weitere nach der tantrischen Reihenfolge.
38.36
tatpaścādanusandhānaṃ yathoktaṃ pūjanaṃ tathā |
ṣaṇmāsaṃ cāgnihīne tu pūrvoktadviguṇena tu || 36 ||
Übersetzung: Dann stelle man die Verbindung wieder her und verehre wie vorgeschrieben. Bei sechs Monaten ohne Feuer verdopple man das zuvor Genannte.
38.37
nityahomaṃ samārabhya tantroktaṃ vidhinā kuru |
varṣahīnaṃ tathācāgniḥ daśalakṣaṃ tu homayet || 37 ||
Übersetzung: Man beginne das tägliche Feueropfer nach tantrischer Vorschrift. Fehlt das Feuer ein Jahr, opfere man eine Million Gaben.
38.38
sarveṣāmevamūrdhvaṃ tu dviguṇaṃ dviguṇaṃ caret |
nityārcana vihīne tu pūrvoktaṃ tu caretkramāt || 38 ||
Übersetzung: Für längere Zeiträume verdopple man jeweils erneut. Beim Ausfall täglicher Verehrung gelte die zuvor beschriebene Reihenfolge.
38.39
mantrahīnā bhavetpūjā pūrvoktaṃ tu caretkramāt |
nityotsavavihīnaṃ tu prāyaścittavidhiṃ śṛṇu || 39 ||
Übersetzung: Auch bei Verehrung ohne Mantras verfahre man so. Höre nun die Sühne beim Ausfall des täglichen Festdienstes.
38.40
dinaṃ prati bhavetkṛcchraṃ ghṛtāṣṭakaśataṃ hunet |
pañcaviṃśatikumbhaistu snānaṃ kuryādvicakṣaṇaḥ || 40 ||
Übersetzung: Für jeden Tag vollziehe man eine Kricchra-Buße und 108 Ghee-Gaben. Der Verständige bade mit fünfundzwanzig Gefäßen.
38.41
paścādutsavamārabhya śeṣaṃ vṛddhikaraṃ śubham |
dinaṃ vṛddhikaraṃ kṛtvā śa diśettu dinaṃ prati || 41 ||
Übersetzung: Dann beginne man das Fest erneut und ergänze das Übrige zum Heil; die Leistung werde entsprechend der Tage erhöht [Schluss beschädigt].
38.42
utsavasnapane hīne ghṛtāhutiṃ sahasrakam |
- * * * * tatkuryāt paścānnityaṃ samārabhet || 42 ||
Übersetzung: Fehlen Fest und Begießung, bringe man tausend Ghee-Gaben dar, vollziehe [Textlücke] und beginne den täglichen Dienst wieder.
38.43
dinahīnā bhavetpūjā ekasandhivināśinī |
ghṛtāhutiṃ sahasraṃ tu kṛtvā paścātsupūjayet || 43 ||
Übersetzung: Fehlt die Verehrung einen Tag oder eine Tagesübergangszeit, opfere man tausend Ghee-Gaben und verehre anschließend gründlich.
38.44
dinavṛddhikaraṃ śreṣṭhaṃ prāyaścittaṃ tathaiva ca |
haviṣāhutihīne tu ghṛtāhutisahasrakam || 44 ||
Übersetzung: Mit jedem weiteren Tag vermehre man die Sühne. Bei fehlender Speiseopfergabe opfere man tausend Ghee-Gaben.
38.45
paścāt nivedyamārabhya homaṃ kuryādvicakṣaṇaḥ |
gandhājyadhūpahīne tu pādyamācamanārghyakam || 45 ||
Übersetzung: Dann beginne man erneut die Speisedarbringung und das Feueropfer. Fehlen Duft, Ghee, Räucherwerk, Fußwasser, Mundspülwasser oder Arghya,
38.46
bahurūpeṇa mantreṇa ghṛtāhuti sahasrakam |
astramantraśataṃ hutvā saṃpūrṇa dravyamucyate || 46 ||
Übersetzung: opfere man tausend Ghee-Gaben mit Bahurupa und hundert mit dem Waffenmantra; danach vervollständige man die Opferstoffe.
38.47
utsave yātrākāle tu śilpisaṃsparśa eva ca |
aghorāstreṇa mantreṇa hutvā caiva sahasrakam || 47 ||
Übersetzung: Bei Berührung durch Handwerker während Fest oder Prozession opfere man tausend Gaben mit Aghorastra.
38.40 (zweites Vorkommen)
sphāṭitaṃ chidraṃ jīrṇaṃ vā punaḥ saṃskārakarmaṇi |
hṛdayena tu mantreṇa trisahasraṃ ghṛtāhutiḥ || 40 ||
Übersetzung: Bei Rissen, Löchern oder Verfall bringe man zur Erneuerung dreitausend Ghee-Gaben mit dem Herzmantra dar. [Originalnummer 40.]
38.49
evaṃ hi vidhivatkuryāt prāyaścittaṃ yathākramam |
anena vidhinā samyak prāyaścittaṃ vidhiṃ śṛṇu || 49 ||
Übersetzung: So vollziehe man die Sühne vorschriftsgemäß und der Reihe nach. Höre diese weitere Sühneordnung.
38.50
sūtakī puṣpasaṃsparśe sarvabhāṇḍaṃ vivarjayet |
aghorāstreṇa mantreṇa lakṣahomaṃ tathaiva ca || 50 ||
Übersetzung: Berührt eine durch Geburt oder Tod als unrein geltende Person die Blumen, lege man sämtliche Gefäße beiseite und opfere hunderttausendmal mit Aghorastra.
38.51
pretakaiḥ sparśane doṣaiḥ lakṣāhutiṃ tathaiva ca |
sa prāṇaṃ tataḥ paścāttataḥ śuddhiḥ praśasyate || 51 ||
Übersetzung: Auch bei Verunreinigung durch Berührung von Toten opfere man hunderttausendmal; danach [beschädigter Reinigungsschritt] gilt die Reinheit als wiederhergestellt.
38.52
dūṣitaiḥ puruṣaiḥ ceṣṭā ghṛtāhutirlakṣamantriṇā |
caṇḍālasparśane kuryāt sarvabhāṇḍavivarjitam || 52 ||
Übersetzung: Bei Handlungen verunreinigter Menschen opfere der Mantrakundige hunderttausend Ghee-Gaben; bei Chandala-Berührung lege man sämtliche Gefäße beiseite.
38.53
paricārukādi puruṣāṇāṃ atikṛcchraṃ bhavetkramāt |
jalasaṃprokṣaṇaṃ kṛtvā paścāddevārcanaṃ kramāt || 53 ||
Übersetzung: Die Diener und übrigen Beteiligten vollziehen der Reihe nach Atikricchra-Buße. Nach Besprengung mit Wasser beginnt wieder die Gottesverehrung. [Historische Reinheitsordnung der Quelle.]
iti kālottare prāyaścittapaṭalo'ṣṭātriṃśatitamaḥ || 38 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 38 über „Sühnerituale“.
Kapitel 39 – Die Gabe des eigenen Gewichts
39.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
tulābhāravidhānaṃ tu sāṃprataṃ śṛṇu ṣaṇmukha |
uttarāyaṇakāle tu śuklapakṣe śubhe dine || 1 ||
Übersetzung: Ishvara sprach: Höre nun die Vorschrift der Gewichtsspende, Sechsgesichtiger: während des nördlichen Sonnenlaufs, in der hellen Monatshälfte, an einem günstigen Tag.
39.2
grahaṇe viṣuve caiva ayane cottare tathā |
puṣyamāse janmadine tulābhāraṃ kuruṣviha || 2 ||
Übersetzung: Bei Finsternis, Tagundnachtgleiche, nördlicher Sonnenwende, im Pushya-Monat oder am Geburtstag vollziehe man die Gewichtsspende.
39.3
māghe svajanmanakṣatre phālgune vā svajanmani |
caitre svajanmanakṣatre vaiśākhe vā svajanmani || 3 ||
Übersetzung: Im Magha, Phalguna, Chaitra oder Vaishakha unter dem eigenen Geburtsstern,
39.4
jyeṣṭhamāse janmadine rohiṇyāṃ vātha kārayet |
haste ca śravaṇe vāpi uttaratraya eva vā || 4 ||
Übersetzung: im Jyeshtha am Geburtstag oder unter Rohini, Hasta, Shravana oder einem der drei Uttara-Sterne,
39.5
pauṣṇai vā mṛgaśīrṣe vā vāyavye varuṇe tu vā |
uttaraproṣṭhe vā kuryāt bhādrapade ca vā bhavet || 5 ||
Übersetzung: unter Paushna, Mrigashirsha, dem Wind- oder Varuna-Stern oder Uttaraproshthapada; auch Bhadrapada wird genannt.
39.6
gurupuṣye yogaṃ kurvīta budhānurādhe tu vā kuru |
śanirohiṇyāṃ vā kuryāt mṛgāhve somavārake || 6 ||
Übersetzung: Am Donnerstag unter Pushya, Mittwoch unter Anuradha, Samstag unter Rohini oder Montag unter Mrigashirsha,
39.7
ādityahaste vā kuryāt śukrapauṣṇe tu vā bhavet |
bhaumāśvine vā kuryāt vārayoge tu vā bhavet || 7 ||
Übersetzung: Sonntag unter Hasta, Freitag unter Paushna oder Dienstag unter Ashvini: bei solchen Wochentagsverbindungen.
39.8
vipulayoge tu vā kuryāt mahāyoge tu vā bhavet |
sūryagrahaṇe śreṣṭhaṃ tu tulābhāraṃ vidurbudhāḥ || 8 ||
Übersetzung: Auch bei Vipula- oder Mahayoga. Eine Sonnenfinsternis gilt den Verständigen als beste Zeit für die Gewichtsspende.
39.9
grahaṇābhāve tvevaṃ syāt svajanmadivase punaḥ |
punarvai siddhayoge tu punarvai viṣuvā bhavet || 9 ||
Übersetzung: Ist keine Finsternis, am eigenen Geburtstag, bei Siddhayoga oder Tagundnachtgleiche,
39.10
punarvai cottarāyaṇe ca vārayoge punarbhavet |
rātrirvā tu mahāsena somagrahaṇaṃ tu varjayet || 10 ||
Übersetzung: bei nördlicher Sonnenwende oder einer Wochentagsverbindung; auch nachts, Mahasena. Eine Mondfinsternis soll man jedoch meiden.
39.11
śuklapakṣe tu pūrvāhne kumbhe tu vṛṣabhe tu vā |
mithune karkaṭe vāpi tulābhāraṃ praśasyate || 11 ||
Übersetzung: In der hellen Monatshälfte am Vormittag, unter Wassermann, Stier, Zwillingen oder Krebs, gilt die Gewichtsspende als günstig.
39.12
naimiśe puṣkare vāpi kurukṣetre salepi vā |
sāligrāme vaidyanāthe gaṅgādvāre tu vā bhavet || 12 ||
Übersetzung: In Naimisha, Pushkara, Kurukshetra, Sala [unsicher], Shaligrama, Vaidyanatha oder Gangadvara,
39.13
prayāge ca tulābhāraṃ gaṅgāsāgarasaṃgame |
gokarṇe bhadrakarṇe vā mahendre śrīparvate'pi vā || 13 ||
Übersetzung: in Prayaga, an der Ganga-Meeresmündung, in Gokarna, Bhadrakarna, Mahendra oder Shriparvata,
39.14
sarayūsarasvatītīre sindhugomatitīrake |
svāmi śailendraśrīkoṭe kailāse himavindhyake || 14 ||
Übersetzung: an Sarayu, Sarasvati, Sindhu oder Gomati, in Svami, Shailendra, Shrikota [Abgrenzung unsicher], Kailasa, Himalaya oder Vindhya,
39.15
sahye vā malaye vāpi kanyātīrthepi vā bhavet |
rāmeśvare setubandhe maṣṭre ca puruṣottame || 15 ||
Übersetzung: Sahya, Malaya, Kanyatirtha, Rameshvara, Setubandha, Mashtra [unsicher] oder Purushottama,
39.16
samudragāminītīre nadīsāgarasaṃgame |
puṇye devālaye vāpi mahataḥ sarasastaṭe || 16 ||
Übersetzung: am Ufer eines zum Meer fließenden Flusses, an einer Flussmündung, bei einem heiligen Tempel oder großen See,
39.17
yatra vā ramate bhūmeravaṭaṃ tatra kalpayet |
candanaṃ khadiraṃ caiva madhūko devadāru ca || 17 ||
Übersetzung: oder an einem Ort, der Freude bereitet, bereite man eine Vertiefung. Sandelholz, Khadira, Madhuka, Devadaru,
39.18
asano bilvavṛkṣaśca kadambārjunasālakāḥ |
viṃśatpañcādhikaścaiva nimīśo śoka eva ca || 18 ||
Übersetzung: Asana, Bilva, Kadamba, Arjuna, Sala, [beschädigte Aufzählung mit „fünfundzwanzig“], Nimisha und Ashoka,
39.19
tindukaṃ ca praśaṃsanti tulāstambhaṃ tu śobhanam |
aṣṭahastapramāṇaṃ tu tulāstambho vidhīyate || 19 ||
Übersetzung: auch Tinduka werden für schöne Waagepfosten empfohlen. Ein Pfosten soll acht Hasta lang sein.
39.20
ṣaṭcatvāriṃśadaṅgulaṃ nāhāstambhe vidhīyate |
ardhādhikaṃ hastamātraṃ bhūmau saṃveśayedbudhaḥ || 20 ||
Übersetzung: Sein Umfang betrage sechsundvierzig Angula; anderthalb Hasta versenke der Verständige in der Erde.
39.21
pāde śilaiva kartavyā bāhumātra pramāṇataḥ |
uttaraṃ tayoḥ śikharaṃ ṣaḍhastamatiśobhanam || 21 ||
Übersetzung: Am Fuß verwende man einen Stein von Armlänge. Oben verbinde die beiden Pfosten ein schöner, sechs Hasta langer Querbalken.
39.22
prādeśamātraṃ vistāraṃ viṣkambhaṃ tu vitastikam |
dakṣiṇottarataḥ stambhaṃ samaṃ kuryādvicakṣaṇaḥ || 22 ||
Übersetzung: Er sei einen Pradesha breit und eine Vitasti dick. Die südlichen und nördlichen Pfosten richte man gleichmäßig aus.
39.23
tritalādhikaṃ vyomaṃ tu tulāyāmaṃ prakīrtitam |
ṣaṭtriṃśadaṅgulaṃ nāhaṃ suvrataṃ ślakṣṇamuttamam || 23 ||
Übersetzung: Die Waagenlänge übertreffe die freie Weite um drei Tala [Maßbeziehung unsicher]; ihr Umfang betrage sechsunddreißig Angula, wohlgerundet und glatt.
39.24
agrayormadhyame caiva āyasena tu bandhayet |
bakārasya trikartavyaṃ dṛḍhaṃ samyakpratārayet || 24 ||
Übersetzung: An den Enden und in der Mitte befestige man Eisen; drei ba-förmige Teile fertige man fest und verbinde sie sicher.
39.25
madhyaṃ cottaramadhye tu bakārasyedaṃ prottayet |
tayorvai kuṇḍalaṃ samyak tathaivottarameva hi || 25 ||
Übersetzung: Das mittlere ba-förmige Teil befestige man in der Mitte des oberen Balkens; an beiden bringe man passende Ringe an.
39.26
yatkuṇḍalaṃ bakārasya dṛḍhaṃ cāṅgulamānataḥ |
agrācca caturaṅgulyāt baddhaṃ kṛṣṇāya ṣaṇmukha || 26 ||
Übersetzung: Der Ring des ba-förmigen Teils sei fest und einen Angula stark. Vier Angula vom Ende befestige man ihn mit schwarzem Eisen.
39.27
kuṇḍalaṃ samyak baddhvā tu vakārastrirdvayaṃ tu hi |
śakyaṃ sāśaṃ bakārasya samyagbaddhvā tu buddhimān || 27 ||
Übersetzung: Die Ringe befestige man sorgfältig; [die folgende Anweisung über zwei mal drei ba-förmige Teile, Ketten und Verbindungen ist beschädigt].
39.28
śakyādhastā cādhārau tāmreṇaiva tu kārayet |
pañcaprādeśavistāraṃ sudṛḍhaṃ vartulaṃ bhavet || 28 ||
Übersetzung: Unter den Ketten lasse man zwei kupferne Waagschalen anbringen: fünf Pradesha breit, fest und rund.
39.29
catvāraśca samopetā anāmikāṅgulimadhyamā |
triśatena phalenaiva ekaikādhāramucyate || 29 ||
Übersetzung: Vier gleichmäßig angebrachte [Aufhängungen] von Ringfingerstärke; jede Schale habe dreihundert Pala Gewicht. [Einzelwörter beschädigt.]
39.30
nimnaṃ triyaṅgulaṃ vidyāt sthālavatkārayedbudhaḥ |
tulā pratyaya evaṃ syāt tulābhāre tu śobhanam || 30 ||
Übersetzung: Die Vertiefung betrage drei Angula; man fertige sie schüsselartig. So entsteht eine geeignete Waage für die Gewichtsspende.
39.31
sarvāyudhaṃ tu rājānaṃ sarvābharaṇabhūṣitam |
pūrvaṃ saṃveśya mantrajñaḥ prāsādena ṣaḍānana || 31 ||
Übersetzung: Der Mantrakundige setze den König mit allen Waffen und Schmuckstücken unter Rezitation von Prasada in die östliche Schale.
39.32
paścime caiva ādhāre suvarṇaṃ tatra vinyaset |
jāmbūnadaṃ śātakumbhaṃ rathakāñcanameva ca || 32 ||
Übersetzung: In die westliche Schale lege man Gold: Jambunada, Shatakumbha oder Rathakanchana.
39.33
uttamaṃ jāmbūnadaṃ caiva madhyamaṃ śātakumbhakam |
suvarṇaṃ kāñcanamayaṃ kurvātmake tuṃ vinyaset || 33 ||
Übersetzung: Jambunada ist vorzüglich, Shatakumbha mittel. Man lege Gold beziehungsweise Kanchana hinein [Schluss beschädigt].
39.34
dvayaṃ samyaksamadhṛtaṃ tulābhāramidaṃ bhavet |
daśaniṣkaṃ ca niṣkaṃ vā suvarṇe cādhikaṃ bhavet || 34 ||
Übersetzung: Sind beide Seiten genau ausgewogen, liegt die Gewichtsspende vor. Ein oder zehn Nishka Gold sollen zusätzlich gegeben werden.
39.35
śatādhikaṃ suvarṇaṃ tu tulābhāraṃ cottamaṃ bhavet |
madhyaṃ pañcāśādhikaṃ kanyasaṃ daśaniṣkakam || 35 ||
Übersetzung: Hundert zusätzliche Goldeinheiten gelten als vorzüglich, fünfzig als mittel und zehn Nishka als geringste Form.
39.36
ṛgyajussāmātharvaiścoṣṭa dighomamārabhet |
prācyāṃ caiva tu āgneyyāṃ bahuvṛcau homameva tu || 36 ||
Übersetzung: Mit Rig-, Yajur-, Sama- und Atharvaveda beginne man Feueropfer in acht Richtungen. Rigveda-Kundige opfern im Osten und Südosten,
39.37
dakṣiṇe nair-ṛte caiva yajurviddhomamārabhet |
paścime caiva vāyavye sāmagena homamārabhet || 37 ||
Übersetzung: Yajurveda-Kundige im Süden und Südwesten, Samaveda-Sänger im Westen und Nordwesten,
39.38
uttare caiva aiśānyāṃ ātharvo homamācaret |
deśiko madhyame juhuyāt dhanadasyaiva tu pūrvataḥ || 38 ||
Übersetzung: Atharvaveda-Kundige im Norden und Nordosten. Der Lehrer opfere in der Mitte, östlich von Dhanada.
39.39
vedādīn juhuyātpūrvaṃ puruṣasūktaṃ tato hunet |
viṣṇusūktaṃ rudrasūktaṃ brahmajajñānameva ca || 39 ||
Übersetzung: Zuerst mit den Anfängen der Veden, dann mit Purusha-Sukta, Vishnu-Sukta, Rudra-Sukta und „brahma jajñānam“,
39.40
aruṇaṃ ca mahāvallī tvaritaṃ rudraṃ tathaiva ca |
triyambakaṃ haṃsaśuciḥ tripadaṃ jātavedasam || 40 ||
Übersetzung: Aruna, Mahavalli, Tvarita-Rudra, Tryambaka, „haṃsaḥ śuciṣat“, Tripada und Jatavedas,
39.41
daśahotā saptahotā caturhotā ca homayet |
brahmasāma jyeṣṭhasāma bṛhadrathantarameva ca || 41 ||
Übersetzung: Dashahotri, Saptahotri, Chaturhotri, Brahmasaman, Jyeshthasaman, Brihat und Rathantara,
39.42
vikarṇaṃ mahāvrataṃ caiva puruṣāṅgaṃ ca homayet |
bahiḥ pavamānaṃ juhuyāt viṣṇusāma ca homayet || 42 ||
Übersetzung: Vikarna, Mahavrata, Purushanga, Bahishpavamana und Vishnusaman,
39.43
rudrasāmaṃ cāgnihomamindraṃ vai saumyameva ca |
nārāyaṇaṃ brahmaśilāṃ atharvaśirasastathā || 43 ||
Übersetzung: Rudrasaman, Agnihoma, Indra-, Soma-, Narayana-, Brahmashila- und Atharvashiras-Formeln,
39.44
caṇḍarudraṃ nīlarudraṃ brāhmaṃ vai candraṃ homayet |
pippalādairbārhaspatyaṃ āṅgīrasaṃ sauravaiṣṇavam || 44 ||
Übersetzung: Chandarudra, Nilarudra, Brahma-, Chandra-, Pippalada-, Brihaspati-, Angiras-, Sonnen- und Vishnu-Formeln,
39.45
muṇḍaprajñe ca vai vatsa adhyātma brahmameva ca |
ṛtvijānāṃ ca sarveṣāṃ vyāhṛtiṃ ca śataṃ hunet || 45 ||
Übersetzung: Munda, Prajna [Trennung unsicher], Adhyatma und Brahma. Alle Opferpriester bringen mit den Vyahritis hundert Gaben dar.
39.46
tathaiva juhuyātsāvitrīṃ goghṛtena ṣaḍānana |
pratyekamaṣṭasāhasraṃ samidhaḥ pṛthageva tu || 46 ||
Übersetzung: Ebenso opfere man Kuhghee mit Savitri; mit Opferholz jeweils achttausend Gaben gesondert.
39.47
palāśakhadirāśvattha plakṣanyagrodhameva ca |
bilvodumbaraśāmī ca apāmārgamudāhṛtam || 47 ||
Übersetzung: Palasha, Khadira, Ashvattha, Plaksha, Nyagrodha, Bilva, Udumbara, Shami und Apamarga werden genannt.
39.48
aṣṭottarasahasraṃ tu pratyekaṃ trisahasrakam |
pañcaghaṭikā trighaṭikā dvighaṭikā vāpi dhārayet || 48 ||
Übersetzung: Jeweils 1.008 oder dreitausend [abweichende Opferzahlen]. Fünf, drei oder zwei Ghatika halte man [den König auf der Waage].
39.49
yāvaddhomaṃ samāpyeta tāvadeva tu dhārayet |
prāsādaṃ tu japettāvatdyāvadāropaṇaṃ nṛpaḥ || 49 ||
Übersetzung: Bis das Feueropfer abgeschlossen ist, bleibe er dort. Solange der König auf der Waage sitzt, rezitiere man Prasada.
39.50
ādau cāntye tu puṇyāhaṃ savedādhyayanaṃ bhavet |
brahmaghoṣaiḥ puṣkalaistu jayaśabdairatharvabhiḥ || 50 ||
Übersetzung: Zu Beginn und Ende erfolgen Segensruf und Vedarezitation, mit mächtigem Brahmanenrezitieren, Siegesrufen und Atharvaveda-Sprüchen,
39.51
śaṅkhatūryaninādaiśca bherī veṇumṛdaṅgakaiḥ |
vīṇākinnara śabdaiśca gītanṛttādiśobhanaiḥ || 51 ||
Übersetzung: Muschelhörnern, Blasinstrumenten, Bheri-Trommeln, Flöten, Mridangas, Vinas, Kinnara-Instrumenten sowie schönem Gesang und Tanz.
39.52
tulābhārakāle sarvaṃ tu kārayetsusamāhitaḥ |
samidājyacaruṃ lājaṃ tilaṃ śāliṃ ca sarṣapān || 52 ||
Übersetzung: Dies alles lasse man während der Gewichtsspende gesammelt ausführen. Opferholz, Ghee, gekochte Opferspeise, Puffreis, Sesam, Reis und Senf,
39.53
nīvārayavaveṇuṃ ca pṛthak sahasraṃ tu yojayet |
sahasraṃ vā tadardhaṃ vā yathāśakti dakṣiṇāṃ dadet || 53 ||
Übersetzung: Nivara, Gerste und Bambussamen: jeweils tausend Gaben. Als Opferlohn gebe man tausend, die Hälfte oder nach Vermögen.
39.54
tulābhāra dravya sarvaṃ tu vastrābharaṇasaṃyutam |
dvijānāṃ vedaviduṣāṃ daridraśrotriyārthinām || 54 ||
Übersetzung: Das gesamte Gut der Gewichtsspende einschließlich Kleidung und Schmuck gebe man vedagelehrten Brahmanen, armen Schriftkundigen und Bedürftigen,
39.55
miśrabhūmamahācāryaṃ dvijebhyaśca pradāpayet |
vidyānuṣṭhānusāreṇa śānto dāntāya dāpayet || 55 ||
Übersetzung: dem großen Acharya [vorausgehende Wörter beschädigt] und Brahmanen entsprechend Wissen und Praxis, friedvollen und selbstbeherrschten Empfängern.
39.56
ṛtvijaḥ pūjayettatra anyaddravyeṇa vai nṛpaḥ |
gobhūmikāñcanai * rdhaissvarṇa yajñopavītakaiḥ || 56 ||
Übersetzung: Die Opferpriester ehre der König mit zusätzlichem Besitz: Kühen, Land, Gold, [Textlücke] und goldenen heiligen Schnüren,
39.57
makuṭaiḥ kuṇḍalairhāraiḥ kaṭakaiḥ kaṭisūtrakaiḥ |
aṅgulīyairanekaiśca pūjayedṛtvijaḥ pṛthak || 57 ||
Übersetzung: Kronen, Ohrringen, Halsketten, Armreifen, Hüftbändern und vielen Ringen, jeden Priester gesondert.
39.58
daśaguṇaṃ deśikāya dāpayenmantrapūrvakam |
tatropayoga dravyāṇi deśikāya pradāpayet || 58 ||
Übersetzung: Dem Lehrer gebe man mit Mantra das Zehnfache sowie die verwendeten Geräte.
39.59
sarvaṃ vārṇikamannādyaṃ tasminnahani kārayet |
evaṃ śāstroktamārgeṇa tulābhāraṃ tu kārayet || 59 ||
Übersetzung: An diesem Tag speise man Menschen aller Stände. So lasse man die Gewichtsspende nach der Schrift vollziehen.
39.60
tasya puṇyaphalaṃ sarvaṃ śṛṇu ṣaṇmukha tattvataḥ |
yāvattadromasaṃkhyā tu kanakaṃ yāvatphalam || 60 ||
Übersetzung: Höre ihre ganze verdienstvolle Frucht, Sechsgesichtiger: Entsprechend der Zahl seiner Körperhaare und der Pala Gold
39.61
tāvadyugasahasrāṇi śivaloke mahīyate |
tāvadrudrapure vatsa tāvadviṣṇupure vaset || 61 ||
Übersetzung: wird man so viele tausend Yugas in Shivas Welt geehrt; ebenso lange wohnt man in Rudras und Vishnus Stadt,
39.62
tāvadbrahmapure vatsa tāvadindupure vaset |
tāvatsvarge vaseddhīmān devastrī parivāritaḥ || 62 ||
Übersetzung: ebenso in Brahmas und des Mondes Stadt und im Himmel, von göttlichen Frauen umgeben.
39.63
indulokamavāpnoti caturvedavido bhavet |
veda vedāṅgatattvajño yogatattva parāyaṇaḥ || 63 ||
Übersetzung: Man gelangt in die Mondwelt, wird Kenner der vier Veden, der Veden und ihrer Hilfswissenschaften, dem Wesen des Yoga hingegeben.
39.64
mahākule samṛddhe tu mahādhanapatirbhavet |
jñānādvairāgyamāpnoti vairāgyādyogamāpnuyāt || 64 ||
Übersetzung: In einer großen wohlhabenden Familie wird man reich geboren. Aus Erkenntnis erwächst Leidenschaftslosigkeit, daraus Yoga.
39.65
yogajñānena mokṣaṃ syādityā * * * * * veḥ |
tulābhāreṇa vai vatsa iha loke sukhī bhavet || 65 ||
Übersetzung: Durch Yoga-Erkenntnis entsteht Befreiung [Textlücke]. Durch die Gewichtsspende wird man schon in dieser Welt glücklich,
39.66
sarvavyādhivinirmuktaḥ sarvaiśvaryasamanvitaḥ |
apamṛtyuśataṃ jitvā dīrghamāyuravāpnuyāt || 66 ||
Übersetzung: frei von allen Krankheiten, mit aller Macht begabt; man überwindet hundert vorzeitige Todesarten und erlangt langes Leben.
39.67
goghnaścaiva kṛtaghnaśca bhrūṇahā mitraghātakaḥ |
śaraṇāgataghātī ca mitrahāmātṛhā tathā || 67 ||
Übersetzung: Kuhmord, Undankbarkeit, Embryotötung, Mord an einem Freund oder Schutzsuchenden und Muttermord:
39.68
tulābhāreṇa tatsarvaṃ nāśayennātra saṃśayaḥ |
ghṛtasnānaṃ śive kuryānmahadarcanameva ca || 68 ||
Übersetzung: Dies alles wird durch die Gewichtsspende getilgt, ohne Zweifel. Man bade Shiva mit Ghee und vollziehe große Verehrung.
39.69
keśaveśaṃ ca gavyena mahadarcanameva ca |
sarvadaivatapūjā ca tasminnahani kārayet || 69 ||
Übersetzung: Auch Keshava bade man mit Kuhprodukten und verehre ihn groß. An diesem Tag verehre man sämtliche Gottheiten.
39.70
- * * hagatān sarvān bandhaṃ mokṣaṃ ca kārayet |
samyagjñātvā darśayettu tulābhāraṃ samāhitaḥ || 70 ||
Übersetzung: Alle [Gefangenen; Anfang verloren] lasse man aus ihren Fesseln frei. Mit rechtem Verständnis zeige oder vollziehe man gesammelt die Gewichtsspende.
39.71
śatavarṣa sahasrāṇi svargaloke mahīyate |
paricārakastulābhāre śāṭhyamātsarya varjitaḥ || 71 ||
Übersetzung: Hunderttausend Jahre wird man im Himmel geehrt. Ein Helfer bei der Gewichtsspende, frei von Hinterlist und Neid,
Unnummerierte Passage: śatavarṣasahasrāṇi svargaloke mahīyate |
Übersetzung: wird hunderttausend Jahre im Himmel geehrt. Damit endet das neununddreißigste Kapitel des Kalottara über die Gewichtsspende.
iti kālottare tulābhārapaṭalaḥ ekonacatvāriṃśat || 39 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 39 über „Die Gabe des eigenen Gewichts“.
Kapitel 40 – Das Hiranyagarbha-Ritual
40.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
hiraṇyagarbhavidhānaṃ tu samāsācchṛṇu ṣaṇmukha |
vidhinā hiraṇyagarbheṇa devayonivinirgatāḥ || 1 ||
Übersetzung: Ishvara sprach: Höre kurz die Ordnung des goldenen Mutterschoßes, Sechsgesichtiger. Durch diesen Ritus geht man aus göttlichem Schoß hervor.
40.2
umārūpaṇeśvaraṇyaṃ tu tadgarbhaṃ devikoṣṭhakam |
mantreṇa svarabījaṃ tu umākṣetramudāhṛtam || 2 ||
Übersetzung: Der Schoß in Umas Gestalt ist die Kammer der Göttin. Durch Mantra und Vokalkeim gilt er als Umas Bereich. [Erste Zeile beschädigt.]
40.3
hiraṇyagarbheṇa medhāvī amaratvamavāpnuyāt |
pūrvoktasthānakāle tu hiraṇyagarbhaṃ praveśayet || 3 ||
Übersetzung: Der Verständige erlangt durch Hiranyagarbha Unsterblichkeit. Zu den früher genannten Orten und Zeiten trete man in den goldenen Schoß ein.
40.4
uttamaṃ jāmbūdanadaṃ caiva madhyamaṃ jātakumbhakam |
suvarṇaṃ cādhamaṃ viddhi dīnāraṃ śātakumbhavat || 4 ||
Übersetzung: Jambunada-Gold ist vorzüglich, Jatakumbha mittel, Suvarna gering; Dinara gilt wie Shatakumbha.
40.5
kāñcanaṃ triṣu suṣiraṃ jāmbūnadasamaṃ bhavet |
ṣaṭcatvāriṃśatsahasrairuttamaṃ hi ṣaḍānana || 5 ||
Übersetzung: Kanchana [Materialbeschreibung beschädigt] gilt wie Jambunada. Die beste Form umfasst sechsundvierzigtausend [Gewichtseinheiten], Sechsgesichtiger.
40.6
madhyamaṃ pañcaviṃśaistu sahasrairgarbhamārabhet |
dvādaśasahasreṇādhamaṃ hiraṇyagarbhamudāhṛtam || 6 ||
Übersetzung: Die mittlere fertige man aus fünfundzwanzigtausend, die geringste aus zwölftausend.
40.7
adhaḥ pātraṃ kārayetpūrṇamaṣṭādaśa sahasrakam |
aṣṭāviṃśatsahasreṇa ūrdhvapātraṃ tu kārayet || 7 ||
Übersetzung: Das untere Gefäß fertige man aus achtzehntausend, das obere aus achtundzwanzigtausend.
40.8
uttamaṃ garbhamityāhuḥ madhyamaṃ procyate'dhunā |
daśasahasreṇādhaḥpātraṃ kārayenmadhyagarbhakam || 8 ||
Übersetzung: Dies heißt der beste Schoß. Nun die mittlere Form: Das untere Gefäß umfasst zehntausend,
40.9
pañcadaśena medhāvī sahasreṇordhvapātrakam |
madhyamaṃ garbhamityāhuḥ śivena paribhāṣitam || 9 ||
Übersetzung: das obere fünfzehntausend. Dies nannte Shiva den mittleren Schoß.
40.10
pañcasahasreṇādhaḥ pātraṃ kārayettatra pāragaḥ |
saptasahasreṇordhvapātraṃ samyakkṛtvā ṣaḍānana || 10 ||
Übersetzung: Bei der geringsten Form fertige man das untere Gefäß aus fünftausend und das obere aus siebentausend.
40.11
umārūpamadhaḥpātra kārayeddvibhujaṃ bhavet |
saṃpūrṇaṃ candravadanaṃ dvinetraṃ cārulocanam || 11 ||
Übersetzung: Das untere Gefäß habe Umas Gestalt: zweiarmig, mit vollem Mondgesicht, zwei schönen Augen,
40.12
ghanastanaṃ nimnanābhiṃ kaṣāṃ madhyaṃ subāhukam |
pṛthu nitambaṃ kurvīta kambugrīvaṃ tu subhruvam || 12 ||
Übersetzung: vollen Brüsten, tiefem Nabel, schlanker Taille, schönen Armen, breiten Hüften, muschelartigem Hals und schönen Brauen,
40.13
kadalīdaṇḍavaccoruṃ daṇḍayośśarādhavadbhavet |
sarvalakṣaṇasaṃpūrṇaṃ sarvābharaṇabhūṣitam || 13 ||
Übersetzung: Schenkeln wie Bananenstämme und [beschädigter Unterschenkelbeschreibung], mit allen Kennzeichen und sämtlichem Schmuck.
40.14
adhaḥ pātrarūpamevaṃ ūrdhvapātre tu keśavam |
caturbhujaṃ dvinetraṃ tu śaṅkhacakragadādharam || 14 ||
Übersetzung: So das untere Gefäß. Am oberen stelle man Keshava dar: vierarmig, zweiäugig, mit Muschel, Diskus und Keule,
40.15
sarvalakṣaṇasaṃpannaṃ sarvābharaṇabhūṣitam |
navamālādharaṃ devaṃ śārṅgāyudhadharaṃ param || 15 ||
Übersetzung: mit allen Kennzeichen und Schmuckstücken, frischer Girlande und dem vortrefflichen Sharnga-Bogen,
40.16
padmākṣaṃ padmavadanaṃ padmapādakarāmbujam |
pītavastradharaṃ devaṃ hārakeyūrabhūṣitam || 16 ||
Übersetzung: lotusäugig, lotusgesichtig, mit lotushaften Füßen und Händen, gelb gekleidet, mit Halsketten und Oberarmreifen.
40.17
nārāyaṇaṃ cordhvapātre kārayetsusamāhitaḥ |
adhaḥpātre mahālakṣmīṃ padmakiñjalkasaprabhām || 17 ||
Übersetzung: So stelle man gesammelt Narayana am oberen Gefäß dar, am unteren Mahalakshmi, leuchtend wie Lotusstaubfäden,
40.18
sarvalakṣaṇasaṃyuktāṃ sarvābharaṇabhūṣitām |
cārucāmīkaracchāyāṃ sarojakarapallavām || 18 ||
Übersetzung: mit allen Merkmalen und Schmuckstücken, schönem Goldglanz und zarten lotustragenden Händen,
40.19
śyāmāmbaradharāṃ saumyāṃ dvinetrāṃ dvibhujāṃśubhām |
pītonnatastanāṃ śubhrāṃ kuṇḍalābhyāmalaṃkṛtām || 19 ||
Übersetzung: in dunklem Gewand, mild, zweiäugig, zweiarmig, schön, mit gelblichen hohen Brüsten und Ohrringen,
40.20
hārakeyūraraśanāṃ nūpuraiḥ pādaśobhitām |
animnasnigdhakeśāntāṃ kiñcitprahasitānanām || 20 ||
Übersetzung: Halsketten, Oberarmreifen, Gürtel und Fußreifen, glattem vollem Haar und leicht lächelndem Gesicht.
40.21
śrīrūpamevaṃ kurvīta adhaḥpātre ṣaḍānana |
athavā siṃharūpaṃ tu hiraṇyagarbhaṃ tu kārayet || 21 ||
Übersetzung: So stelle man Shri am unteren Gefäß dar, Sechsgesichtiger. Oder man fertige den goldenen Schoß in Löwengestalt,
40.22
atha varṣaṃ svarūpaṃ tu dhenurūpamathāpi vā |
gajarūpaṃ vā prakartavyaṃ hiraṇyagarbhaṃ samāviśet || 22 ||
Übersetzung: in Stiergestalt [Vorlage: varṣa, Lesung unsicher], Kuh- oder Elefantengestalt und trete hinein.
40.23
athavā brahmarūpaṃ tu sāvitrīrūpameva ca |
dyāvāpṛthivyorviśvarūpaṃ * sadyaṃ tu kārayet || 23 ||
Übersetzung: Oder in Brahma- und Savitri-Gestalt, als Himmel und Erde oder universale Gestalt [Schluss beschädigt].
40.24
janmanakṣatre kurvīta siddhaṃ yoge tu vā punaḥ |
candrasūryagrahaṇe ayane viṣuve'pi vā || 24 ||
Übersetzung: Unter dem eigenen Geburtsstern, bei Siddhayoga, Mond- oder Sonnenfinsternis, Sonnenwende oder Tagundnachtgleiche
40.25
hiraṇyagarbhaṃ praviśet pañcagavyena pūrayet |
puruṣasyāsīnamātraṃ tu hiraṇyagarbhaṃ tu kārayet || 25 ||
Übersetzung: trete man hinein. Man fülle ihn mit Panchagavya und fertige ihn so groß, dass ein Mensch darin sitzen kann.
40.26
svavistārāṅgulādhikyaṃ utsedhaṃ tu ṣaḍaṅgulam |
athavā prādeśavistāraṃ kuryāttālādhikaṃ tu vā || 26 ||
Übersetzung: Die Breite übersteige die eigene um einen Angula, die Höhe um sechs Angula; oder man gebe einen Pradesha beziehungsweise Tala dazu. [Maßbeziehung unsicher.]
40.27
adhaḥ pātra pramāṇaṃ tu garbhaśāstraviśāradaḥ |
etatkālādhikaṃ kuryāt ūrdhvapātraṃ ṣaḍānana || 27 ||
Übersetzung: So bestimme der Kenner der Schoßvorschrift das untere Gefäß; das obere werde um dieses Maß größer gefertigt [Lesung unsicher].
40.28
pātradvayaṃ ca sarvatra prādeśādadhikaṃ hi tat |
sukhaṃ pra * * * kuryātpādau hastau tu vānalam || 28 ||
Übersetzung: Beide Gefäße seien ringsum um einen Pradesha weiter, damit [Textlücke] Hände und Füße bequem Platz haben.
40.29
pramāṇayuktaṃ pañcagajaṃ gandhapuṣpasamanvitam |
samyagāpūrayitvā tu brahmajajñānakena tu || 29 ||
Übersetzung: Man fülle es angemessen mit Panchagavya [Vorlage: pañcagaja], Duftstoffen und Blumen unter „brahma jajñānam“.
40.30
praviśya viṣṇumantreṇa garbhādhānantu vedikaiḥ |
daśāsyāṃ putrānādhe hi garbhādhānantu homayet || 30 ||
Übersetzung: Mit Vishnus Mantra trete man ein. Vedakundige vollziehen die Empfängnisweihe mit Opfergaben zum Spruch „daśāsyāṃ putrān ādhehi“.
40.31
prājāpatyena ityeva aṣṭottaraśataṃ hunet |
prajāvajjīvaputrābhyāṃ iti prajāpatermatam || 31 ||
Übersetzung: Mit der Prajapati-Formel opfere man 108-mal; „prajāvat“ und „jīvaputra“ werden als Prajapatis Worte genannt.
40.32
ajitāmoṣadhīsaikaṃ puṭe prāṇasya dakṣiṇe |
haviṣā homayeccheṣaṃ pālāśedhmaṃ tu kārayet || 32 ||
Übersetzung: [Stark beschädigte Anweisung:] Heilpflanze, rechte Seite und Atem werden erwähnt; mit Opferspeise bringe man die übrigen Gaben dar und verwende Palasha-Holz.
40.33
bhavet puṃsuvanaṃ hyevaṃ sīmantaṃ vyāhṛtiṃ hunet |
ekaviṃśatkuśān śamīn udumbaraphalāni ca || 33 ||
Übersetzung: So geschieht die Pumsavana-Zeremonie. Für die Scheitelzeremonie opfere man mit den Vyahritis; einundzwanzig Kusha-Halme, Shami und Udumbara-Früchte,
40.34
sāvitryā vyāhṛtibhiḥ praṇavādyaṃ yojayedbudhaḥ |
dhātā dvitīyaṃ rākāmahamiti dvitīyaṃ prajāpateḥ || 34 ||?
Übersetzung: Savitri und Vyahritis verbinde man mit anfänglichem Pranava. „Dhātā“, „rākām aham“ und ein zweiter Prajapati-Spruch werden genannt [Reihenfolge gestört].
40.35
sīmantaṃ tu bahveddevaṃ jātakarma tataḥśṛṇu |
dhṛte dadāmi madhunā ghṛteneti ghṛtaṃ madhu || 35 ||
Übersetzung: So geschieht die Scheitelzeremonie. Höre die Geburtszeremonie: Mit „… madhunā ghṛtena …“ reiche man Ghee und Honig [Formel beschädigt].
40.36
asyā bhava iti dvitīyamaṃśadere upaspṛśet |
tairmantraiśca hunedvatsa śatamaṣṭottaraṃ hunet || 36 ||
Übersetzung: Mit „aśmā bhava“ [Vorlage: asyā bhava] berühre man [die Schultern; beschädigt]. Mit diesen Mantras opfere man 108-mal.
40.37
ghṛtena haviṣā caiva samitkṣīratilena ca |
pratyekamaṣṭottarasahasraṃ tu dardhaṃ vāṣṭaśataṃ tu vā || 37 ||
Übersetzung: Ghee, Opferspeise, Holz, Milch und Sesam: jeweils 1.008 Gaben, die Hälfte davon oder 108.
40.38
jātakarma bhavedevaṃ nāmakarma tataḥ śṛṇu |
nāmadheyaṃ daśamyāṃ tu dvādaśyāṃ vāpi kārayet || 38 ||
Übersetzung: So die Geburtszeremonie. Höre die Namensgebung: am zehnten oder zwölften Tag,
40.39
puṇyeti sumuhūrte vā nakṣatre vā guṇānvite |
havatāsvarmaśarmaghoṣānyantaṃ prayoktavyam (?) || 39 ||
Übersetzung: zu einer heiligen günstigen Stunde unter einem guten Stern. [Die Anweisung zu Namensendungen wie Sharman ist beschädigt.]
40.40–41
puruṣasūktaṃ rudrasūktaṃ viṣṇusūktaṃ tathaiva ca |
pūrvavajjuhuyānmantrī tannāmasaṃpuṭaṃ bhavet | 40 ||
tṛtīye vatsare vatsa caulakarma vidhīyate |
oṣadhe trāyasvainamiti * * * * * * * || 41 ||
Übersetzung: Mit Purusha-, Rudra- und Vishnu-Sukta opfere man wie zuvor und schließe den Namen in die Formel ein. Im dritten Jahr wird die erste Haarschur vorgeschrieben, mit „oṣadhe trāyasvainam“ [Rest verloren; dieser Block enthält die Originalnummern 40 und 41].
40.42
svadhite mayanaṃ hiṃseti navanītena kṣuradhārā niveśayet |
mantrayogaṃ prakartavyaṃ etairmantraistu chedanam || 42 ||
Übersetzung: Mit „svadhite … mā … hiṃsīḥ“ bestreiche man die Rasierklinge mit Butter; unter diesen Mantras geschehe das Schneiden.
40.43
mantratrayaiśca vai vatsa kārayedvedapāragam |
na pakvātkeśavacanacchedanaṃ tu ca kārayet || 43 ||
Übersetzung: Mit drei Mantras lasse man es durch einen Vedakundigen ausführen. [Die zusätzliche Vorschrift zum Haarschneiden ist beschädigt.]
40.44
etairmantraiḥ samastaiśca homaṃ kuryāddvijottamaḥ |
ṣoḍaśairdvādaśairvipraiḥ navavipraiśca homayet || 44 ||
Übersetzung: Mit allen diesen Mantras opfere der hervorragende Brahmane. Sechzehn, zwölf oder neun Brahmanen mögen das Feueropfer vollziehen.
40.45
viśeṣaṃ pavamānaṃ ca hiraṇyaṃ śantavargakam
pṛthagaṣṭottarasāhasraṃ aṣṭottaraśataṃ tu vā || 45 ||
Übersetzung: Besonders mit Pavamana-, Hiranya- und Shanta-Gruppen: jeweils 1.008 oder 108 Gaben.
40.46
upanayanaṃ kārayedvidvān pañcame pāvake guha |
garbhāṣṭame vā kartavyaṃ śrutidṛṣṭena karmaṇā || 46 ||
Übersetzung: Der Gelehrte vollziehe die Einführung des Schülers im fünften [Jahr; weiterer Ausdruck unklar], Guha, oder im achten Jahr seit der Empfängnis, nach vedischer Vorschrift.
40.47
vastraṃ ca mekhalādaṇḍaṃ upavītamajinaṃ tathā |
pitraiḥ pañcabhirdadyāt dīptāgniṃ tatra mantrakaiḥ || 47 ||
Übersetzung: Gewand, Gürtel, Stab, heilige Schnur und Antilopenfell gebe man mit fünf [Formeln; Lesung unsicher] vor dem lodernden Feuer.
40.48
agna āyūṃṣi ca tribhiḥ prajāpate tvaryameti ca |
puruṣasūktairviṣṇusūktaiḥ rudrasūktaiśca homayet || 48 ||
Übersetzung: Mit den drei „agne āyūṃṣi“-Versen, „prajāpate“, „tvam aryamā“ sowie Purusha-, Vishnu- und Rudra-Sukta opfere man.
40.49
sāvitrīpaṭhanaṃ caiva samidādhānameva ca |
jalapradānaṃ yatkiñcittatsarvaṃ brahmayajñakam || 49 ||
Übersetzung: Savitri-Rezitation, Auflegen von Brennholz und Wasserspenden: Dies alles gehört zum Brahma-Opfer.
40.50
vratānāṃ vratapateti imaṃ stomamarhate |
tribhirmahādyādiveda * * vṛttañca juhuyāt || 50 ||
Übersetzung: Mit „vratānāṃ vratapate“, „imaṃ stomam arhate“ und drei weiteren [beschädigt bezeichneten] Formeln opfere man.
40.51
sāvitryā imaṃ me varuṇa tattvāyāmi jayaprabhṛti rāṣṭrabhṛtaṃ ca juhuyāt |
eka eva ghaṭikāṃ ca pratyekaṃ ṣoḍaśa kriyā || 51 ||
Übersetzung: Mit Savitri, „imaṃ me varuṇa“, „tat tvā yāmi“, den Jaya- und Rashtrabhrit-Formeln opfere man. Jede der sechzehn Handlungen dauert eine Ghatika [Satzbau unsicher].
40.52
kūśmāṇḍāśca juhuyājjaya prabhṛti hute'pi vā |
evaṃ hi viprairbhuktvā tu tatkāle viprabhojanam || 52 ||
Übersetzung: Man opfere auch Kushmanda-Formeln oder die von Jaya an. Danach erfolgt die Speisung der Brahmanen [vorheriger Satz gestört].
40.53
vasordhārā ca tatkāle hiraṇyagarbhe tu homayet |
puṇyāhaṃ vācayettatra ādāvante ca ṣaṇmukha || 53 ||
Übersetzung: Während Hiranyagarbha vollziehe man die ununterbrochene Ghee-Spende und lasse zu Beginn und Ende den Segensruf sprechen.
40.54
pūrvāhne sarvaṃ kurvīta supuṇye divase śubhe |
siṃhe mukhaṃ gṛhītvā tu tadāsyena viniṣkramet || 54 ||
Übersetzung: Alles geschehe vormittags an einem heiligen günstigen Tag. Bei der Löwengestalt fasse man die Öffnung und trete durch das Maul heraus.
40.55
gacchet kṣurikāṃ gṛhītvā tadāsyena viniṣkramet |
brahmaṇā brahmagarbhe tu svasvatyā iti niṣkramet || 55 ||
Übersetzung: Mit einem kleinen Messer trete man durch die Öffnung heraus. Beim Brahma-Schoß verlasse man ihn mit einer Brahma-Formel und „svasvatyā“ [beschädigt].
40.56
vibhave sati kurvīta hiraṇyagarbhaṃ dvijottamaiḥ |
vaiśyaśūdrairna kartavyaṃ vibhavai sati vai guha || 56 ||
Übersetzung: Wer vermögend ist, vollziehe Hiranyagarbha mit hervorragenden Brahmanen. Vaishyas und Shudras sollen es auch bei vorhandenem Vermögen nicht vollziehen. [Standesregel der Quelle.]
40.57
āpastambe prāpacchannedadharve pippalādike |
aṣṭādaśasu dharmeṣu etarāyaṇasūtrake || 57 ||
Übersetzung: Bei Apastamba, [beschädigtem Schulnamen], im Atharvaveda der Pippaladas, in den achtzehn Dharma-Werken und im Aitareyana-Sutra,
40.58
vidhireṣu samannāsti itihāsapurāṇake |
kālottare mahāśāstre hiraṇyagarbhaṃ pradarśitam || 58 ||
Übersetzung: in diesen Vorschriften sowie Itihasa und Purana findet sich diese Ordnung nicht. Im großen Lehrwerk Kalottara wird Hiranyagarbha dargelegt.
40.59
prācyāṃ mukhe praveṣṭa vyamāsīnaḥ prācī(ñca?) meva hi |
puṇyāhaṃ jayaśabdaiśca śaṅkhatūryaravaiḥ śubhaiḥ || 59 ||
Übersetzung: Durch die östliche Öffnung trete man ein und sitze nach Osten [Lesung unsicher]. Segensrufe, Siegesrufe, Muschelhörner und Instrumente erklingen.
40.60
adhyāyanañca kartavyaṃ ghṛtasyānnaṃ śivo bhavet |
bhūṇamiśrāyadātavyaṃ hiraṇyagarbhaṃ jalena tu || 60 ||
Übersetzung: Man rezitiere die Schriften; [Anweisung zu Ghee und Nahrung beschädigt]. Den goldenen Schoß übergebe man mit Wasser an [Empfängerbezeichnung beschädigt],
40.61
athavā somapānāya daridrāya pradāpayet |
ṛtvijaḥ pūjayettatra gobhūmikāñcanādibhiḥ || 61 ||
Übersetzung: oder an einen armen Soma-Opferer. Die Priester ehre man mit Kühen, Land, Gold und weiteren Gaben,
40.62
dakṣiṇābhiranekābhiḥ hārakeyūrakuṇḍalaiḥ |
aśvamedhasahasrasya vājapeyāyutasya tu || 62 ||
Übersetzung: vielfachem Opferlohn, Halsketten, Oberarmreifen und Ohrringen. Die Frucht tausend Pferdeopfer, zehntausend Vajapeya-Opfer
40.63
kapilāśatasahasrasya tatphalaṃ labhate tarām |
hiraṇyagarbheṇa vai vatsa sarvavyādhiharaṃ bhavet || 63 ||
Übersetzung: und der Spende von hunderttausend Kapila-Kühen erlangt man dadurch. Hiranyagarbha beseitigt alle Krankheiten, mein Kind.
Unnummerierte Passage: savopapasargā naśyantiṃ iti satyaṃ ṣaḍānana |
Übersetzung: Alle Bedrängnisse vergehen: Dies ist wahr, Sechsgesichtiger. Damit endet das vierzigste Kapitel des Kalottara über Hiranyagarbha.
iti kālottare hiraṇyagarbhapaṭalaścatvāriṃśatitamaḥ || 40 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 40 über „Das Hiranyagarbha-Ritual“.
Kapitel 41 – Der Sesamberg
41.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
tilaparvavidhānaṃ tu sāṃprataṃ śṛṇu ṣaṇmukha |
sarveṣāmeva dānānāṃ tiladānaṃ praśasyate || 1 ||
Übersetzung: Ishvara sprach: Höre die Vorschrift des Sesamberges, Sechsgesichtiger. Unter allen Gaben wird die Sesamspende gepriesen.
41.2
pūrvoktasthānakāle tu tilaparvatamuttamam |
kārayeddeśiko dhīmān vedaśāstra viśāradaḥ || 2 ||
Übersetzung: Zu den genannten Orten und Zeiten lasse der verständige, Veden und Schriften kennende Lehrer einen vortrefflichen Sesamberg errichten.
41.3
bhūtale susame ramye śivasyāyatanāgrataḥ |
ūrdhvabāhuḥ svayaṃ samyagyajamānasya deśikaḥ || 3 ||
Übersetzung: Auf ebenem schönem Boden vor Shivas Heiligtum stehe der Lehrer des Opferherrn mit erhobenem Arm,
41.4
daṇḍasaṃsthānayatnena tilāṃstu parikalpayet |
vrīhipāṣāṇa nirmuktān kṛmikīṭādivarjitān || 4 ||
Übersetzung: bestimme sorgfältig das Maß mit einem Stab und bereite Sesam vor, frei von Reis, Steinen, Würmern und Insekten.
41.5
puṇyāhaṃ vācayitvā tu tūryaghoṣaiśca veṇavaiḥ |
pañcagavyena saṃprokṣya garbhamālāṃ prakīrya ca || 5 ||
Übersetzung: Nach Segensruf, Instrumentenklang und Flötenspiel besprenge man mit Panchagavya und streue eine „Garbhamala“ aus [Gegenstand unklar].
41.6
tilānāṃ pūraṇaṃ kuryāt mānadaṇḍaṃ pramāṇataḥ |
sayojātena mantreṇa deśiko mūrtiyaiḥ saha || 6 ||
Übersetzung: Man schütte den Sesam bis zum Messstab auf. Der Lehrer handelt mit den Gestalthütern unter dem Sadyojata-Mantra.
41.7
tilaparvatamāveṣṭya vastraiḥ śubhraistu sarvataḥ |
paritaḥ puṣpamālābhiḥ phalairnānāvidhairapi || 7 ||
Übersetzung: Den Sesamberg umhülle man ringsum mit weißen Stoffen, Blumengirlanden und verschiedenen Früchten,
41.8
alaṃkṛtya tataḥ kuryāt navaratnaiḥ suśobhitam |
aṣṭalohasamākīrṇaṃ vidadyāttilaparvatam || 8 ||
Übersetzung: schmücke ihn mit neun Edelsteinen und versehe ihn mit acht Metallen.
41.9
brahmā viṣṇuśca rudraśca īśvaraśca sadāśivaḥ |
pañcaite mūrtayaḥ pūjyāḥ pañcabhiḥ brahmabhiḥ śubhaiḥ || 9 ||
Übersetzung: Brahma, Vishnu, Rudra, Ishvara und Sadashiva: Diese fünf Gestalten verehre man mit den fünf heiligen Brahma-Mantras.
41.10
vāruṇyāṃ padmajaḥ pūjya sadyojātena vai guha |
vāmadevena mantreṇa viṣṇumuttarabhāgataḥ || 10 ||
Übersetzung: Im Westen Brahma mit Sadyojata, im Norden Vishnu mit Vamadeva,
41.11
rudro dakṣiṇataḥ pūjyo hyaghoreṇa tataḥ prabhuḥ |
īśvaraṃ pūrvadigbhāge vaktramantreṇa cārcayet || 11 ||
Übersetzung: im Süden Rudra mit Aghora, im Osten Ishvara mit dem Gesichtsmantra.
41.12
yajetsadāśivaṃ devaṃ aiśānyāṃ diśi mantravit |
sauvarṇaṃ rājataṃ vāpi pratimāṃ kārayet pṛthak || 12 ||
Übersetzung: Sadashiva verehre der Mantrakundige im Nordosten. Die einzelnen Bilder lasse man aus Gold oder Silber fertigen.
41.13
arcayitvā yathānyāyaṃ gandhapuṣpādibhiḥ śubhaiḥ |
dakṣiṇābhiranekābhirācāryaṃ pūjayecchuciḥ || 13 ||
Übersetzung: Nach angemessener Verehrung mit Duft, Blumen und weiteren Gaben ehre man rein den Acharya mit vielerlei Opferlohn.
41.14
pañcabrahmaśivāṅgādyairmūrtipā guruṇā saha |
somādi tu tataḥ kuryāt sadyojātādibhiḥ kramāt || 14 ||
Übersetzung: Die Gestalthüter handeln mit dem Guru unter den fünf Brahma- und Shiva-Glied-Mantras; dann folgen Soma und die übrigen mit Sadyojata und den weiteren Formeln. [Handlungsbezeichnung beschädigt.]
41.15
aṣṭottareṣu tantreṣu pratyekaṃ samudāhṛtam |
lokapālāṃstu saṃpūjya svadikṣu vidhinā guha || 15 ||
Übersetzung: Dies wird jeweils in den 108 Tantras erklärt. Die Welthüter verehre man vorschriftsgemäß in ihren Richtungen.
41.16
tilaparvataḥ saṃprokto niṣkalaḥ paramañjayaḥ |
tasmāttamarcayeddevaṃ tilaparvatarupiṇam || 16 ||
Übersetzung: Der Sesamberg gilt als der formlose höchste Sieger. Darum verehre man den Gott in Gestalt dieses Berges.
41.17
yajamānaḥ praṇamyainaṃ tilaparvatamīśvaram |
śivabhaktāya yuktāya vedānāṃ pāradṛśvane || 17 ||
Übersetzung: Der Opferherr verneige sich vor Ishvara als Sesamberg und gebe ihn einem gesammelten Shiva-Verehrer, der die Veden gründlich kennt,
41.18
viduṣe sarvaśāstreṇa dadyāttu tilaparvatam |
yastvevaṃ vidhinā vatsa dadāti tilaparvatam || 18 ||
Übersetzung: einem in allen Schriften bewanderten Gelehrten. Wer nach dieser Vorschrift einen Sesamberg spendet,
41.19
agniṣṭomasahasrebhyo vājapeyaśatasya ca |
gavāṃ śatasahasrasya dattasya phalamaśnute || 19 ||
Übersetzung: erlangt die Frucht tausend Agnishtoma-Opfer, hundert Vajapeya-Opfer und der Spende hunderttausend Kühe.
41.20
goghnaścaiva kṛtaghnaśca brahmahā pitṛghātakaḥ |
mucyate pātakaiścānyaiḥ dehānte tu śivaṃ vrajet || 20 ||
Übersetzung: Kuhmörder, Undankbare, Brahmanenmörder und Vatermörder werden von diesen und anderen Vergehen befreit und gehen am Lebensende zu Shiva.
41.21
ācāryaṃ pūjayetpaścāt kuṇḍalābharaṇādibhiḥ |
gobhūmikāñcanairvastrairgehopaskaraṇādibhiḥ || 21 ||
Übersetzung: Danach ehre man den Acharya mit Ohrringen und anderem Schmuck, Kühen, Land, Gold, Gewändern und Hausrat.
41.22
athavā parameśānamaṣṭottaraśatairapi |
kalaśaiḥ snāpayitvā tu samabhyarcya yathāvidhi || 22 ||
Übersetzung: Oder man bade Parameshvara mit 108 Gefäßen und verehre ihn vorschriftsgemäß.
41.23
hunetprāsādamantreṇa gururaṣṭottaraṃ sudhīḥ |
mahādevo harorudraḥ śaṅkaronīlalohitaḥ || 23 ||
Übersetzung: Der verständige Guru opfere mit Prasada 108-mal. Mahadeva, Hara, Rudra, Shankara und Nilalohita,
41.24
īśāno vijayo bhīmo devadevo bhavodbhavaḥ |
kapālīśaśca vijñeyaḥ varuṇādidaśāstvime || 24 ||
Übersetzung: Ishana, Vijaya, Bhima, Devadeva, Bhavodbhava und Kapalisha sind zu erkennen; „zehn von Varuna an“ steht anschließend [abweichende Zählung].
41.25
samantātsakaleśasya pūjanīyā yathākramam |
kṛṣṇājinena saṃpūjya tilānāṃ ṣoḍaśāḍhakaiḥ || 25 ||
Übersetzung: Sie sollen rings um den gestalteten Herrn der Reihe nach verehrt werden. Auf einem schwarzen Antilopenfell bringe man sechzehn Adhaka Sesam dar,
41.26
suvarṇatrayasaṃyuktaṃ vastrayugmena veṣṭitam |
śobhitaṃ puṣpamālābhiḥ phalaiḥ puṣpairalaṃkṛtam || 26 ||
Übersetzung: mit drei Suvarna Gold, umhüllt von einem Gewandpaar und geschmückt mit Girlanden, Früchten und Blumen.
41.27
rudrānekādaśān dhyātvā krameṇa paridāpayet |
śivabhaktāya dāntāya śrotriyāya dvijanmane || 27 ||
Übersetzung: Nachdem man über die elf Rudras meditiert hat, verschenke man dies der Reihe nach an selbstbeherrschte, vedagelehrte, zweimalgeborene Shiva-Verehrer.
41.28
ya evaṃ kurute bhaktyā vidhinānena saṃyutaḥ |
āyuḥ śrīvijayaṃ kītimanubhūya śivaṃ vrajet || 28 ||
Übersetzung: Wer dies andächtig nach dieser Vorschrift tut, genießt Lebensdauer, Glück, Sieg und Ruhm und gelangt zu Shiva.
iti kālottare tilaparvatapaṭalaḥ ekacatvāriṃśatitamaḥ || 41 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 41 über „Der Sesamberg“.
Kapitel 42 – Die Gabe der Erde
42.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
ataḥ paraṃ pravakṣyāmi pṛthivīdānamuttamam |
dānānāmuttamaṃ dānaṃ pṛthivī sarvakāmikām || 1 ||
Übersetzung: Ishvara sprach: Nun erkläre ich die vortreffliche Erdspende, die höchste aller Gaben: die alle Wünsche erfüllende Erde.
42.2
sarvaratnāni dhānyāni sarvavasturasāni ca |
devāsuramanuṣyāṃśca yakṣa kiṃ puruṣādayaḥ || 2 ||
Übersetzung: Alle Edelsteine, Getreide, Dinge und Säfte, Götter, Asuras, Menschen, Yakshas, Kimpurushas und andere,
42.3
gāvo gajā rathā dāsī dāsahemavasūni ca |
sarvaṃ pṛthivīdānena sarvataḥ phalamāpnuyāt || 3 ||
Übersetzung: Kühe, Elefanten, Wagen, Dienerinnen, Diener, Gold und Güter: Durch die Erdspende erlangt man überall deren gesamte Frucht.
42.4
samudrā parvatā dvīpā samātiviṣamā śubhā |
sarvaṃ dātunna śaktatvāt tadupāyaḥ sudurlabhaḥ || 4 ||
Übersetzung: Meere, Berge, Inseln, Ebenen und unwegsame Gegenden: Weil man nicht alles tatsächlich geben kann, ist ein entsprechendes Mittel schwer zu finden.
42.5
suvarṇena sarvaṃ kṛtvā dvijebhyaḥ pratipādayet |
carācarasya dānaphalaṃ labhate nātra saṃśayaḥ || 5 ||
Übersetzung: Man fertige alles aus Gold und übergebe es Brahmanen. So erlangt man die Frucht einer Gabe alles Beweglichen und Unbeweglichen.
42.6
pūrvoktasthānakāle tu pṛthivīṃ kārayedbudhaḥ |
lakṣa * * * kartavyaṃ pṛthvīdānaṃ narottamaiḥ || 6 ||
Übersetzung: Zu den genannten Orten und Zeiten lasse der Verständige die Erde darstellen. Hunderttausend [Maßeinheiten; Textlücke] werden für diese Spende genannt.
42.7
jambīdvīpena cottamaṃ śātakumbhaṃ tu tatsamam |
hiraṇyena madhyamaṃ kuryāt svarṇakāñcanakanyasam || 7 ||
Übersetzung: Jambunada [Vorlage: jambīdvīpa] ist am besten, Shatakumbha gleichwertig; Hiranya mittel, Suvarna beziehungsweise Kanchana die geringere Form.
42.8
homena madhyamaṃ vidyāt kārayedvedaśāstravit |
dravyatyāga * * ṣaṇṇāṃ hemajāmbūnadādayaḥ || 8 ||
Übersetzung: Hema gilt als mittel; der Veden- und Schriftkundige lasse es fertigen. [Der Satz zur Hingabe der sechs Goldsorten ist beschädigt.]
42.9
śātakumbhaṃ jāmbūnadaṃ hiraṇyaṃ haimameva ca |
kṣayañcayānnityagena eṣāmanyatamena ca || 9 ||
Übersetzung: Shatakumbha, Jambunada, Hiranya und Hema werden genannt; [weitere Bezeichnungen beschädigt]. Eine dieser Sorten verwende man.
42.10
caturaśraṃ kārayetpṛthvīṃ merumadhyena kārayet |
trisahasreṇa mahāmeruḥ kanyasaṃ hi ṣaḍānana || 10 ||
Übersetzung: Die Erde gestalte man quadratisch, Meru in ihrer Mitte. Dreitausend [Goldeinheiten] für Mahameru sind das geringste Maß.
42.11
madhyamaṃ daśasahasreṇa uttamaṃ viṃśatirbhavet |
jambūdvīpasya madhye tu mahāmeruṃ kārayettataḥ || 11 ||
Übersetzung: Zehntausend sind mittel, zwanzigtausend vorzüglich. Mahameru stehe in der Mitte Jambudvipas.
42.12
nīlaniṣadhapāriyātrī himavānvindhyamahendrakān |
ṛkṣasahyamayaṃ cāpi śrīśailaṃ svāmiparvataḥ || 12 ||
Übersetzung: Nila, Nishadha, Pariyatra, Himavan, Vindhya, Mahendra, Riksha, Sahya, Maya [Trennung unsicher], Shrishaila und Svamiparvata,
42.13
govardhanaṃ supārśvaṃ ca vipulaḥ hariśailakam |
mahāmeruṃ caturdikṣu kārayettatra pāragaḥ || 13 ||
Übersetzung: Govardhana, Suparshva, Vipula und Harishaila gestalte der Kundige in den vier Richtungen um Mahameru.
42.14
gaṅgā yamunā gomatī sarayūṃśca sarasvatī |
sindhuśoṇā paścimamukhā gaṅgādīṃścaturo nadīn || 14 ||
Übersetzung: Ganga, Yamuna, Gomati, Sarayu, Sarasvati, Sindhu und Shona werden genannt; westwärts gerichtete und vier Flüsse von Ganga an [Zuordnung gestört].
42.15
- * * * * * * * pūrvamukhāṃstu lekhayet |
dvṛṣadvihivajrahaṃsīplāvanī paścimāmukhāḥ || 15 ||
Übersetzung: [Textlücke] zeichne man ostwärts gerichtet; Drishadvi, Vajrahamsi und Plavani [Namensgrenzen unsicher] westwärts.
42.16
godāvarī tu kāverī tāmraparṇīpūrvamukhāḥ |
supārśvā ca catuśśailā mahāmeroḥ pūrvadakṣiṇataḥ || 16 ||
Übersetzung: Godavari, Kaveri und Tamraparni seien ostwärts gerichtet. Suparshva und vier Berge liegen östlich und südlich von Mahameru.
42.17
paścimottaraṃ kārayetsahyaṃ dakṣiṇottarataḥ kārayeddivyaṃ sudivyaṃ kulaśailam | mahāmeroḥ pūrveṇa
kārayet | paścimataḥ | dharadharājākaraṇaṃ śailaṃ kārayet | uttarato viśālassamukheḥ | subhadrastu
kṣoṇiḥ | caturdhādhārādharandhārayet | bhāratavarṣaṃ kiṃpuruṣaṃ mahāmerordakṣiṇataḥ kārayet |
bhadrāśvamivāvṛtaṃ pūrve kārayet | ketumālyaṃ hiraṇmayaṃ vidadyāduttare kuru | nābhimuttarato
jambūdvīpamevaṃ kṛtvā mahāmeroranyaṃ kṛtvā tu pūrvataḥ | ekaikaśatena hiraṇyena kārayet | śrīkailāsaṃ
rājatena pañcasahasreṇa kārayet | śākakuśakrauñca śālmalīgomedapuṣkarān |
kṣārakṣīradadhisarpirikṣurasamadirāsvādakasaptasamudrān kārayet |
samudrairāvṛtā dvīpā dvīpaiste'pi samāvṛtāḥ |
evaṃ dviguṇato vṛddhyāpyuttaraṃ hyuttarottaram || 17 ||
Übersetzung: Im Westen und Norden gestalte man [die zuvor genannten Berge], Sahya von Süden nach Norden. Divya und Sudivya, Hauptgebirge, stelle man östlich von Mahameru auf. Westlich gestalte man den Berg Dharadharajakarana [Name beschädigt], nördlich Vishala und Samukha [Abgrenzung unsicher], ferner Subhadra und Kshoni [Text gestört]. Vier tragende Gebirge stelle man dar. Bharatavarsha und Kimpurusha liegen südlich von Mahameru; Bhadrashva und Ilavrita im Osten. Ketumala und Hiranyamaya werden genannt; im Norden Kuru und Nabhi [Zuordnung beschädigt]. So fertige man Jambudvipa. Einen weiteren Berg östlich Mahamerus fertige man aus je hundert Goldeinheiten. Den heiligen Kailasa gestalte man aus fünftausend Silbereinheiten. Shaka, Kusha, Krauncha, Shalmali, Gomeda und Pushkara sowie die sieben Meere aus Salz, Milch, Dickmilch, Ghee, Zuckerrohrsaft, Wein und Süßwasser stelle man dar. Meere umgeben Inseln und Inseln wiederum die Meere, jeweils mit nach außen verdoppelter Ausdehnung.
42.18
samudrātkiñcidunnatāddvīpān kārayet | puṣkaradvīpamadhye mānasottaraṃ parvataṃ trisahasreṇa kārayet |
śeṣeṣudvīpeṣu kaṅkasukhaṃ karamataṅgaśiṃśumāraṃ bhārate viṣṇuparvataḥ | dvīpeṣu ekaikaṃ triṃśatena
hāṭakena kārayet | lavaṇamahodadhau trikūṭa mahāśailaṃ sahasreṇa kārayet | saptasamudrān
dvīpairādyantaraṃ kārayet | ratnimātraṃ kṣārasamudraṃ dviguṇaṃ dviguṇaṃ hemaśatena kārayet |
mahāmeroruttarapūrve śvetadvīpaṃ trisahasrayojana vistīrṇaṃ kārayet | svādūdakasamudrātparito
lokālokaparvataṃ vatulākāraṃ kārayet | viṃśatisahasreṇa śātakumbhena samudrān sarvān kārayet | parvatān
sarvān suvarṇān kārayet | vindhya himavantau pūrvāparasamudragau sahasreṇa kārayet | saptasamudrā sapta
kulaśailā svanāmākṣaraiḥ tatpradeśe lekhayet | nadīnāṃ ca lokālokaparvataśikhareṣvaṣṭalokapālān
kārayet | pūrve indraḥ āgneyyāmagniḥ yāmyāyāṃ yamaḥ nair-ṛtyāṃ nir-ṛtiḥ vāruṇyāṃ varuṇaḥ
vāyavyāṃ vāyuḥ saumyāyāṃ somaḥ aiśānyāmīśānaḥ śrīkailāse mahāmeroradhaḥ pradeśe lekhayet |
gandhapuṣpadhūpadīpādyarghyanaivedyādibhiḥ pṛthak pṛthak kārayecca | paṅkajotpalacampakaiḥ
karavīrajātikarṇikāratulasībilvaśamī kusumaiḥ pṛthakpṛthakpūjayet | snāto jitendriyaḥ upavāso japaḥ
puṇyāhamiti triḥ pradakṣiṇīkṛtya sarvadevānnamaskṛtya mahāmeruśikhare ārohayet |
paścātpārśve īṣadadhastātsarvadevān paścimakṛta sadāprāsāda praṇava japatatparaḥ |
dvātriṃśatṣoḍaśāvaṣṭau vā vedavido homaṃ kuryuḥ | mahāmeroḥ pūrvāśāsthākuṇḍe vasordhārāṃ
kārayet | pūrvoktamantrairaṣṭabhiḥ palāśakhadirapippalānyagrodhaplakṣa bilvaśadyodumbarāpāmārgaśceti
samidājyacaru tilasarṣapaśālīyavavaiṇava pañcagavyāśceti homadravyāṇi vedādhyayanaṃ caturvedavidbhiḥ
tryahaṃ pañcāhaṃ vā saptāhaṃ vā svajanmadivasādevaṃ kṛtvā vidhānena dvijebhyaḥ pratipādayet |
ayutaṃ cāśvamedhasya phalaṃ prāpnoti mānavaḥ |
kapilāśvasahasraṃ ca kanyādānaṃ tathaiva ca || 18 ||
Übersetzung: Die Inseln lasse man etwas höher als die Meere liegen. In der Mitte Pushkaras fertige man Manasottara aus dreitausend [Goldeinheiten]. Auf den übrigen Inseln stelle man Kanka, Sukha, Kara, Matanga und Shimshumara dar, in Bharata den Vishnu-Berg [Namen und Zuordnung teilweise gestört]; jeden Inselberg aus dreißig Gold-Einheiten. Im Salzozean fertige man den großen Trikuta aus tausend. Die sieben Meere ordne man abwechselnd mit den Inseln an. Der Salzozean sei eine Ratni breit; die weiteren jeweils doppelt, aus hundert Goldeinheiten [Materialzuordnung unsicher]. Nordöstlich von Mahameru gestalte man Shvetadvipa, dessen dargestellte Ausdehnung dreitausend Yojanas beträgt. Rings um den Süßwasserozean fertige man den kreisförmigen Lokaloka. Sämtliche Meere gestalte man aus zwanzigtausend Shatakumbha-Einheiten, sämtliche Berge aus Gold. Vindhya und Himavan, die bis zum östlichen und westlichen Meer reichen, fertige man aus tausend. Die sieben Meere und sieben Hauptgebirge beschrifte man an ihren Orten mit ihren Namen, ebenso die Flüsse. Auf den Gipfeln Lokalokas stelle man acht Welthüter dar: Indra im Osten, Agni im Südosten, Yama im Süden, Nirriti im Südwesten, Varuna im Westen, Vayu im Nordwesten, Soma im Norden und Ishana im Nordosten. Auf dem heiligen Kailasa, im unteren Bereich Mahamerus, zeichne man [das zuvor Genannte; Bezug unklar]. Jedem bringe man Duftstoffe, Blumen, Räucherwerk, Lampen, Arghya und Speisen dar. Mit Lotus, Utpala, Champaka, Karavira, Jati, Karnikara, Tulasi, Bilva und Shami verehre man jeden gesondert. Gebadet, sinnesbeherrscht, fastend und rezitierend, nach dem Segensruf, umrunde man dreimal rechtsherum, verneige sich vor allen Göttern und steige zum Gipfel Mahamerus hinauf [rituelle Handlung am Modell; Ausführung nicht erklärt]. Danach im Westen, etwas tiefer seitlich, [verweile man bei] allen nach Westen angeordneten Gottheiten, stets Prasada und Pranava rezitierend. Zweiunddreißig, sechzehn oder acht Vedakundige vollziehen das Feueropfer. In der östlich von Mahameru gelegenen Grube vollziehe man die ununterbrochene Ghee-Spende mit den acht zuvor genannten Mantras. Als Hölzer dienen Palasha, Khadira, Pippala, Nyagrodha, Plaksha, Bilva, Shami [Vorlage beschädigt], Udumbara und Apamarga. Weitere Opferstoffe sind Ghee, gekochte Opferspeise, Sesam, Senf, Reis, Gerste, Bambussamen und Panchagavya. Kenner der vier Veden rezitieren drei, fünf oder sieben Tage. Beginnend am eigenen Geburtstag vollziehe man dies nach der Vorschrift und übergebe das Modell Brahmanen. Man erlangt die Frucht zehntausend Pferdeopfer sowie der Gabe tausend Kapila-Kühe, Pferde [Verbindung unsicher] und Bräute.
42.19
tatphalaṃ labhate vatsa pṛthvīdānena vai nṛpaḥ |
samastapāpanirmuktaḥ sarvavyādhivivarjitaḥ || 19 ||
Übersetzung: Diese Frucht erlangt der König durch die Erdspende, mein Kind, frei von allen Verfehlungen und Krankheiten.
Unnummerierte Passage: sarvaiśvaryasamāyukto jīvedvarṣaśataṃ nṛpaḥ |
Übersetzung: Mit aller Herrschermacht ausgestattet lebt der König hundert Jahre. Damit endet das zweiundvierzigste Kapitel des Kalottara über die Erdspende.
iti kālottare pṛthvīdānapaṭalo dvicatvāriṃśat || 42 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 42 über „Die Gabe der Erde“.

Ergänzende heutige Praxis, keine Kalottara-Rekonstruktion: Anahata-Chakra-Meditation mit Sukadev.
Kapitel 43 – Das Erscheinen des Linga
43.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
liṅgodbhavaṃ pravakṣyāmi liṅgalakṣaṇameva ca |
prāsādalakṣaṇañcaiva pratimālakṣaṇaṃ tathā || 1 ||
Übersetzung: Ishvara sprach: Ich erkläre das Hervortreten des Linga, seine Merkmale sowie die Merkmale des Tempels und des Götterbildes,
43.2
parivāralakṣaṇaṃ caiva pratiṣṭhālakṣaṇaṃ hi tat |
sarvadeva pratiṣṭhā ca rūpaṃ varṇaṃ ca bījakam || 2 ||
Übersetzung: des göttlichen Gefolges und der Weihe, die Einsetzung aller Gottheiten, ihre Gestalt, Farbe und Keimsilbe,
43.3
sthānaṃ phalaṃ ca sarveṣāṃ sthāpanaṃ hi yathā vidhi |
grāme vā nagare vāpi pattane kheṭakepi vā || 3 ||
Übersetzung: ihre Stätte, ihre Wirkung und die vorschriftsgemäße Einsetzung in Dorf, Stadt, Hafenort oder befestigter Siedlung,
43.4
eteṣāṃ sthāpanaṃ caiva garbhalakṣaṇameva ca |
sarvametatpravakṣyāmi samāsācchṛṇu sāṃpratam || 4 ||
Übersetzung: deren Anlage und die Merkmale der Gründungsdeponierung. All dies erkläre ich kurz; höre zu.
43.5
āsītsamantāttamasābhibhūte
praṇaṣṭa tārāgaṇa candrasūryake |
ekārṇave cordhvajale śaye'smin
viśīrṇabhūmyā divanapradeśe || 5 ||
Übersetzung: Als alles von Finsternis überwältigt war, Sterne, Mond und Sonne verschwunden waren und die aufgelöste Erde mit ihren Wäldern in einem einzigen hochstehenden Meer lag,
43.6
tatrādidevaḥ kila padmayoniḥ
cakrāyudhaḥ śaṅkhagadāyudhaśca |
dvāveva tāveva varau purāṇau
viceratu stoyanidhānamadhye || 6 ||
Übersetzung: bewegten sich dort nur zwei uralte erhabene Götter im Wasser: der Lotusgeborene und der Träger von Diskus, Muschel und Keule.
43.7
kadācidambhoruhagarbhajanmā
govindamāyāntamavekṣya pūrvam |
uvāca pūrvaṃ saha sarvaṃ kṛtvā
viśālāṃ bhrukuṭiṃ lalāṭe || 7 ||
Übersetzung: Als der aus dem Lotusschoß Geborene Govinda kommen sah, zog er die Brauen auf seiner breiten Stirn zusammen und sprach zuerst:
43.8
kaḥ ko bhavān brūhi kimatrakāryaṃ
yenābhivegena samāgatastvam |
ityevamukto madhusūdanastvaṃ
padmodbhavaṃ sa smitamevamāha || 8 ||
Übersetzung: „Wer bist du? Sage, was hast du hier zu tun, dass du so eilig hergekommen bist?“ So angesprochen erwiderte Madhusudana dem Lotusgeborenen lächelnd:
43.9
purāṇamīśaṃ mahimānamīḍyaṃ
sraṣṭāramekaṃ jagataḥ pradhānam |
navetsi kiṃ māmaparādidevaṃ
nārāyaṇaṃ cakragadādihastam || 9 ||
Übersetzung: „Kennst du mich nicht, den uralten Herrn, den preiswürdigen Großen, den einen Schöpfer der Welt, den höchsten Urgott Narayana mit Diskus und Keule?“
43.10
niśamya tadvākyamatipragalbhaṃ
viṣṇo kṣaṇena kṣubhitāntarātmā |
brahmā tadā prāha hariṃ vihasyan
niṣṭhārthayuktaṃ vacanaṃ saroṣam || 10 ||
Übersetzung: Als Brahma diese überaus kühnen Worte Vishnus hörte, wurde sein Inneres aufgewühlt. Zornig lachend sprach er eine scharfe Erwiderung:
43.11
mattosi kiṃ yena na vetsi māṃ taṃ
ahaṃ hi sarvasya carācarasya |
kartā ca dhātā ca tathā ca bhartā
- * * * * * * * * * * * * * * * * * || 11 ||
Übersetzung: „Bist du berauscht, dass du mich nicht kennst? Ich bin der Schöpfer, Ordner und Träger alles Beweglichen und Unbeweglichen!“ [Textlücke.]
43.12
evaṃ tayorharipitāmahayorvivāde
ghore mahābhayaṃkare khalu vartamāne |
liṅgākṛtiḥ pralayasūryasahasrabhāsā
tatrotthitaṃ kimapi nāma tayoḥ purastāt || 12 ||
Übersetzung: Während dieser schreckliche, furchterregende Streit zwischen Hari und dem Urvater tobte, erhob sich vor ihnen etwas in Linga-Gestalt, strahlend wie tausend Sonnen des Weltuntergangs.
43.13
tatkālāgni śikhākalāpakuṭilaṃ saṃvīkṣya tāvūcatuḥ
koyaṃ nāma kimatra kāraṇamidaṃ prodbhūtametatkatham |
dhikkaṣṭaṃ ca madhyamasya mahatoṃ nāramyamālokyate
krodhārthaḥ parimokṣa eva sahasā kaṃ cāvayorāgatau || 13 ||
Übersetzung: Als sie die sich windenden Flammen des Zeitfeuers sahen, sagten sie: „Was ist das? Was ist seine Ursache? Wie ist es entstanden? Wehe! Von diesem Großen ist [weder Mitte noch Ende klar erkennbar; Wortlaut beschädigt].“ Ihr Zorn wich plötzlich [Rest unsicher].
43.14
praṇipatya punarbrahmā uvāca madhusūdanam |
śanairūrdhvamadhaścaiva yāsyā va upalakṣayet || 14 ||
Übersetzung: Brahma verneigte sich und sprach zu Madhusudana: „Lass uns nach oben und unten gehen und es erkunden.“
43.15
adhaḥ parīkṣitaṃ viṣṇu gataścordhvaṃ pitāmahaḥ |
evaṃ tadāṣṭasahasramekaṃ sāgraṃ vyatītaṃ na ca labdhamantaḥ |
tatassukhinnau parikhinnacittau
samāgatau tatra punaḥ kṣaṇena || 15 ||
Übersetzung: Vishnu ging nach unten, der Urvater nach oben. Mehr als achttausend [Zeiteinheiten] vergingen, ohne dass ein Ende gefunden wurde. Erschöpft und bekümmert trafen sie dort wieder zusammen.
43.16
pavanajalaśaśāṅkasūryavahni-
kṣitiyajamāna nabhomahībhirevam |
tanubhiranvidamaśeṣamīśaṃ
nihitamarehi jagattvayā vibhāti || 16 ||
Übersetzung: „Durch deine Gestalten als Wind, Wasser, Mond, Sonne, Feuer, Erde, Opferherr und Raum strahlt diese gesamte Welt, Herr, in dir gegründet.“
43.17
agnistvamīśo varuṇo vibhāvastuḥ
tvaṃ śakosi devo dhanadosi yamosi kosi |
ājñāpayatridaśanātha kimatra kāryam
deva prasīda bhavato bhavaduḥkhitābhyām || 17 ||
Übersetzung: „Du bist Feuer, Herr, Varuna und die Leuchtkraft; du bist Shakra, Dhanada, Yama und Ka [Brahma]. Gebiete, Herr der Götter: Was sollen wir tun? Sei uns beiden vom Dasein Bedrängten gnädig!“
43.18
namo namaḥ sarvavide śivāya sthūlāya sūkṣmāya namo namaste
namo namaḥ kāraṇakāraṇāya sarvātmane sarvaśivaṃkarāya || 18 ||
Übersetzung: „Verehrung, Verehrung dem allwissenden Shiva, dem Groben und dem Feinen! Verehrung der Ursache aller Ursachen, dem Selbst von allem, der allen Heil bringt!“
43.19
śivaṃ śivakaraṃ śāntaṃ śivātmānaṃ śivottamam |
śivamārga praṇetāraṃ praṇamāmi sadāśivam || 19 ||
Übersetzung: „Vor dem Heilvollen, Heil Wirkenden, Friedvollen, dessen Wesen Heil ist, vor Shivottama, dem Führer auf Shivas Weg, vor Sadashiva verneige ich mich.“
43.20
śāśvataṃ śobhanaṃ śuddhaṃ śaṃsakaṇṭhaviśodhakam |
viśvaviśveśvaraṃ devaṃ śaṃkaraṃ praṇamāmyaham || 20 ||
Übersetzung: „Vor dem Ewigen, Schönen, Reinen, [beschädigtes Beiwort zur Reinigung], dem Gott als Welt und Weltherr, vor Shankara verneige ich mich.“
43.21
āsthāna sthāna saṃsthānaṃ saṃsthiti sthiti bhāvanam |
sthiramāsthānayogasthaṃ sthāṇumīnaṃ namāmyaham || 21 ||
Übersetzung: „Vor dem Herrn Sthanu verneige ich mich, der Stätten und Zustände umfasst, Bestehen und Erhaltung bewirkt, fest im Yoga des Verweilens ruht.“ [Mehrere Wortverbindungen unsicher.]
43.22
sarvaṃ parāparaṃ nityaṃ sarvapāpaharaṃ param |
sarvapāpaharaṃ nāthaṃ namāmyārtiharaṃ param || 22 ||
Übersetzung: „Vor dem All, dem Höheren und Niederen, dem Ewigen, dem höchsten Herrn, der alle Verfehlungen und alle Not beseitigt, verneige ich mich.“
43.23
īśānaṃ varadaṃ devaṃ īśānaṃ mantranāyakam |
īśānaṃ sarvabhūtānāṃ īśānaṃ praṇamāmyaham || 23 ||
Übersetzung: „Vor Ishana, dem göttlichen Gnadenspender, dem Herrn der Mantras, dem Herrn aller Wesen, verneige ich mich.“
43.24
evaṃ stutvā mahādevaṃ nārāyaṇa caturmukhau |
mahaddvau duḥkhamāpannau praṇipatya muhurmuhuḥ || 24 ||
Übersetzung: So priesen Narayana und der Viergesichtige Mahadeva und verneigten sich in ihrer großen Bedrängnis immer wieder.
43.25
liṅgamadhye paraṃ liṅgaṃ sakalaṃ parameśvaram |
tryakṣaṃ caturbhujaṃ devaṃ candrārdhakṛtaśekharam || 25 ||
Übersetzung: Inmitten des Linga [erschien] das höchste Zeichen, der gestaltete Parameshvara, dreiäugig, vierarmig, mit der Mondsichel als Scheitelschmuck.
43.26
rūpaṃ dṛṣṭvā mahādevaṃ devadevyaṅgamavyayam |
ṛgyajussāmātharvaiśca dṛṣṭvā devaṃ maheśvaram || 26 ||
Übersetzung: Sie sahen Mahadevas unvergängliche göttliche Gestalt und [priesen] Maheshvara mit Rig-, Yajur-, Sama- und Atharvaveda.
43.27
carācaramidaṃ sarvaṃ sṛṣṭikartā tvameva hi |
brahmādistambaparyantaṃ sthityaitvaṃ hi janārdana || 27 ||
Übersetzung: „Du allein bist der Schöpfer dieser gesamten beweglichen und unbeweglichen Welt. Von Brahma bis zum Grashalm bist du zur Erhaltung Janardana.“ [Sprecherzuordnung im Übergang nicht eindeutig.]
43.28
kiṃ vā liṅgaṃ samākhyātaṃ kathaṃ vā liṅgamucyate |
kena sarvamidaṃ loke mahadbhūtaṃ maheśvaram || 28 ||
Übersetzung: „Warum heißt es Linga? Wie wird Linga erklärt? Wodurch ist in dieser Welt dieses große Wesen Maheshvara?“
43.29
īśvara uvāca-
lakṣmīsthūlaliṅgamityevamādīnyaṅgasyosyaktān vṛddhiparyāyi śabdapān |
tasmācchabdaṃ brahmacaitaddhiliṅgaṃ
jñānena nānā paramaṃ jñāna eṣaḥ || 29 ||
Übersetzung: Ishvara sprach: [Die etymologische Erklärung ist stark beschädigt.] „Lakshmi“, „grob“ und „Linga“ werden als Bezeichnungen genannt, ebenso Körperglieder und Wachstum. Das Laut-Brahman ist dieses Linga; durch Erkenntnis [erschließt sich] die vielfältige höchste Erkenntnis.
43.30
mūle brahmā vasati niyataṃ madhyabhoge ca viṣṇuḥ
sarvairdevaiḥ gaṇapativṛtaiḥ mūrdhni cāhaṃ niviṣṭaḥ |
siddhiḥ kīrtiḥ kamalanilayā cātra nityaṃ vilīnā
candrādityau grahagaṇayutau vāyuragnirdiśaśca || 30 ||
Übersetzung: An der Wurzel wohnt stets Brahma, im mittleren Teil Vishnu, oben ich mit allen Göttern und Ganapatis. Siddhi, Ruhm und die Lotusbewohnerin sind darin beständig geborgen, ebenso Mond, Sonne, Planeten, Wind, Feuer und Himmelsrichtungen.
43.31
līnastaumyāddhana patirapi dyotayannṛttabhāgī
śakraḥ prādhyāntridaśa mahinato dharmarāḍdakṣiṇena |
līne nityannanu jalapatiḥ pāśahastaḥ pratīcyāṃ
eva * * * * layamupagatā yena tasmāddhi liṅgam || 31 ||
Übersetzung: Im Norden ist der Schatzherr geborgen, im Osten Shakra, im Süden Dharmaraja und im Westen stets der Wassergott mit der Schlinge. Weil sie darin zur Auflösung gelangen, heißt es Linga. [Einzelteile beschädigt.]
43.32
viśvedevā lokapālā munīndrāḥ
siddhāḥ sādhyā guhyakā pannagendrāḥ |
devā daityārākṣasā yātudhānāḥ sarvairdevaiḥ dānavā mātaraśca || 32 ||
Übersetzung: Vishvedevas, Welthüter, große Weise, Siddhas, Sadhyas, Guhyakas, Schlangenkönige, Götter, Daityas, Rakshasas, Yatudhanas, Danavas und Mütter,
43.33
vedāḥ sāṅgāya dharmakārmārthavidyā ṣaḍjādyuktā maṇḍalaśca svarāṇām |
dvīpādyāḥ sāgarāḥ pannagendrāḥ līlāstasmin yena tasmāddhi liṅgam || 33 ||
Übersetzung: die Veden mit ihren Hilfswissenschaften, Wissen um Dharma, Verlangen und Wohlstand, die Tonkreise von Shadja an, Inseln, Meere und Schlangenkönige: Weil sie darin eingehen, heißt es Linga.
43.34
ucchiṣṭane tāla piśācabhūtānāṃ layanālliṅgamucyate |
etaddhiliṅgaṃ prathamaṃ tṛtīyaṃ sṛṣṭaṃ pūrvamanugrahārtham || 34 ||
Übersetzung: Weil auch [beschädigte Bezeichnung], Vetalas, Pishachas und Bhutas darin aufgehen, heißt es Linga. Dieses erste, dritte [widersprüchliche Zählung] Linga wurde einst zur Begnadung geschaffen.
43.35
lokasya sarvasya carācarasya madbhāgye tanmayaṃ paramaṃ pavitram |
etaddhi liṅgaṃ paramaṃ pavitraṃ sarvātmanā nityamihārcanīyam || 35 ||
Übersetzung: Für die gesamte bewegliche und unbewegliche Welt ist es, an mir teilhabend, ganz von mir erfüllt und höchst rein. Dieses höchste reine Linga soll man stets mit ganzem Wesen verehren.
43.36
yo'bhyarcayelliṅgamananyacittaḥ tenārcitāḥ sapta bhavantilokāḥ |
asyāṃ jāgaraṇopetā niyatā brahmacāriṇaḥ |
upavāsaratāścaiva bilvapatrotpalādibhiḥ || 36 ||
Übersetzung: Wer das Linga mit ungeteiltem Geist verehrt, verehrt damit die sieben Welten. Wer dabei wacht, sich beherrscht, keusch lebt, fastet und Bilva-Blätter, Utpala und weitere Gaben darbringt,
43.37
sragdhūpagandhairvividhai kadācidye mānavāḥ liṅgamivārcayanti |
te śūlahastā prathamā madīyā bhavanti * * * rāmi muktābhiḥ || 37 ||
Übersetzung: wer das Linga mit Girlanden, Räucherwerk und vielfältigen Düften verehrt, wird zu meinen hervorragenden Dreizackträgern [Schluss durch Textlücke gestört].
43.38
gandhasragdhūpadīpasnapanabaliyutastotramantropahāraiḥ
nityaṃ ye'bhyarcyanti tridaśapatitanuṃ liṅgametanmadīyam |
garbhajñānārtijanmaklamamaraṇa jarāvyādhiśokairvihīnā
tryakṣa śūlāsihastā mama viṣayagatāste gaṃteśā bhavanti || 38 ||
Übersetzung: Wer dieses mein Linga, den Leib des Götterherrn, täglich mit Duft, Girlanden, Räucherwerk, Lampen, Begießung, Bali, Lobpreis, Mantras und Gaben verehrt, wird frei von Mutterleib, [beschädigtem Leidensbegriff], Geburt, Mühsal, Tod, Alter, Krankheit und Trauer. Dreiäugig, mit Dreizack und Schwert, gelangt er in mein Reich und wird Herr meiner Scharen.
43.39
kalpānte tasya liṅgasya līyante sarva devatāḥ |
dakṣiṇe līyate brahmā vāmataśca janārdanaḥ || 39 ||
Übersetzung: Am Kalpa-Ende gehen alle Gottheiten in dieses Linga ein: Brahma rechts, Janardana links,
43.40
candrādityau cakṣuṣī tu ghrāṇe līnastumārutaḥ |
diśastu śrotrayorlīnāḥ hṛdaye gāyatrī devatāḥ || 40 ||
Übersetzung: Mond und Sonne in die Augen, Wind in die Nase, Himmelsrichtungen in die Ohren und Gayatri ins Herz,
43.41
vāci vai sarasvatī līnā mūrdhni tu dyaurvilīyate |
lalāṭe bhadrakālī tu tri * * bhūmirlīyate || 41 ||
Übersetzung: Sarasvati in die Rede, der Himmel in den Scheitel, Bhadrakali in die Stirn und die Erde in [Textlücke].
43.42
dvīpāḥ samudrāḥ parvatā ūrudeśe tu līnakāḥ |
jaṭhare līyate sarvaṃ jagatsthāvarajaṅgamam || 42 ||
Übersetzung: Inseln, Meere und Berge gehen in die Oberschenkel ein, die gesamte bewegliche und unbewegliche Welt in den Bauch.
Unnummerierte Passage: saṃkṣepamātrātkathitaṃ tava snehāt ṣaḍānana
Übersetzung: Dies habe ich dir aus Zuneigung nur in Kürze erklärt, Sechsgesichtiger. Damit endet in der Dvadashasahasrasamhita des Kalottara das dreiundvierzigste Kapitel über das Hervortreten des Linga.
iti kālottare dvādaśasahasrasaṃhitāyāṃ liṅgodbhavapaṭalaḥ tricatvāriṃśat || 43 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara, in der Dvadashasahasra-Samhita das Kapitel 43 über „Das Erscheinen des Linga“.
Kapitel 44 – Linga und Verehrung
44.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
grāme ca nagare caiva pattane kheṭake'pi ca |
prācyāṃ tu sthāpayelliṅgaṃ bhuktimuktikaraṃ bhavet || 1 ||
Übersetzung: Ishvara sprach: In Dorf, Stadt, Hafenort oder befestigter Siedlung setze man das Linga im Osten ein: Es gewährt Genuss und Befreiung,
44.2
śāntikaṃ pauṣṭikaṃ caiva putrapautravivardhanam |
āgneyyāṃ sthāpayelliṅgaṃ somapānāṃ hitaṃ bhavet || 2 ||
Übersetzung: Frieden, Gedeihen sowie Vermehrung von Söhnen und Enkeln. Im Südosten eingesetzt dient es dem Wohl der Soma-Trinker,
44.3
vānaprasthagṛhasthānāṃ ṛṣīṇāṃ ca sukhaṃ bhavet |
yāmyāyāṃ sthāpayelliṅgaṃ mṛtyunāśanameva ca || 3 ||
Übersetzung: Waldbewohner, Hausväter und Rishis. Im Süden eingesetzt vernichtet es den Tod,
44.4
sarvavyādhiharaṃ caiva kṣayakuṣṭhavināśanam |
nair-ṛtyāṃ sthāpayelliṅgaṃ śatrunāśanamāpnuyāt || 4 ||
Übersetzung: alle Krankheiten, Auszehrung und Aussatz. Im Südwesten eingesetzt bewirkt es Feindvernichtung,
44.5
saṃgrāmavijayaṃ caiva sainyastambhanameva vā |
vāruṇyāṃ sthāpayelliṅga śāntikaṃ pauṣṭikaṃ bhavet || 5 ||
Übersetzung: Sieg im Kampf oder Stillsetzen eines Heeres. Im Westen eingesetzt bringt es Befriedung und Stärkung,
44.6
puṣṭidaṃ sukhadaṃ caiva sasyavardhanameva ca |
vāyavyāṃ sthāpayelliṅgaṃ brāhmaṇānāṃ sukhaṃ bhavet || 6 ||
Übersetzung: Gedeihen, Glück und Erntezuwachs. Im Nordwesten eingesetzt bringt es Brahmanen Glück,
44.7
ārogyaṃ dhanadaṃ caiva puṣṭiśāntisukhāvaham |
saumyāyāṃ sthāpayelliṅgaṃ nṛpāṇāṃ vijayaṃ bhavet || 7 ||
Übersetzung: Gesundheit, Reichtum, Gedeihen und Frieden. Im Norden eingesetzt bringt es Königen Sieg,
44.8
gajāśvarathamartyānāṃ bhṛtyānāṃ ca sukhāvaham |
aiśānyāṃ sthāpayelliṅgaṃ sarvakāmaphalapradam || 8 ||
Übersetzung: Elefanten, Pferden, Wagenkämpfern und Dienern Wohlergehen. Im Nordosten eingesetzt gewährt es alle Wunschfrüchte,
44.9
dharmakāmārthamokṣāśca putra pautravivardhanam |
madhye tu sthāpayelliṅgaṃ aihikāmuṣmikāvaham || 9 ||
Übersetzung: Dharma, Verlangen, Wohlstand, Befreiung, Söhne und Enkel. In der Mitte eingesetzt gewährt es diesseitiges und jenseitiges Heil,
44.10
subhikṣaṃ gomahiṣyāṇāṃ nṛpāṇāṃ vijayaṃ bhavet |
cāturvarṇyahitaṃ caiva āyuḥ śrīkīrtivardhanam || 10 ||
Übersetzung: gute Versorgung von Kühen und Büffeln, Sieg für Könige, Wohl der vier Stände sowie längeres Leben, Glück und Ruhm.
44.11
subhikṣaṃ gobahulaṃ caiva nityaṃ kalyāṇamāpnuyāt |
mahendraṃ vāruṇaṃ caiva āgneyyāṃ cā nilaṃ ca yat || 11 ||
Übersetzung: Man erlangt reiche Nahrung, viele Kühe und beständiges Heil. Indra-, Varuna-, Feuer- und Wind-Boden:
44.12
caturdhā bhūmirākhyātā liṅgasthāpanakarmaṇi |
māhendraṃ kṣatriyāṇāṃ ca brāhmaṇānāṃ tu vāraṇam || 12 ||
Übersetzung: Vier Bodenarten werden für die Linga-Einsetzung genannt. Indra-Boden gehört den Kshatriyas, Varuna-Boden den Brahmanen,
44.13
āgneyaṃ vaiśyajātīnāṃ vāyavyaṃ śūdrajātiṣu |
toyaṃ ca sarvasaṃpūrṇaṃ saumye tu kṣīravṛkṣāṃ ca paścime || 13 ||
Übersetzung: Feuer-Boden den Vaishyas, Wind-Boden den Shudras. [Beim ersten Typ:] reichlich Wasser im Norden, milchsaftführende Bäume im Westen,
44.14
dakṣiṇe vrīhiniṣpattiḥ tṛṇabhūmiśca pūrvataḥ |
atiraktā bhavedbhūmiḥ kaṣāyastu raso bhavet || 14 ||
Übersetzung: Reiserzeugung im Süden, Grasland im Osten; der Boden stark rot, sein Geschmack herb,
44.15
rudhiragandhirbhavedbhūmiḥ māhendraṃ bhūmimādiśet |
jalapuṣpa samākīrṇaṃ jaladurgasamāvṛtam || 15 ||
Übersetzung: sein Geruch blutähnlich: Dies kennzeichne als Indra-Boden. Mit Wasserblumen bedeckt und von Wasserhindernissen umgeben,
44.16
kuśakāśādibhiryuktaṃ padmotpalasamanvitam |
śvetavarṇanibhaṃ vatsa śaṅkhakundendu sannibham || 16 ||
Übersetzung: mit Kusha, Kasha, Lotus und Utpala versehen, weiß wie Muschel, Jasmin und Mond,
44.17
haṃsakāraṇḍavākīrṇaṃ cakravākopa śobhitam |
jalapakṣasamākīrṇaṃ jalarāśisamanvitam || 17 ||
Übersetzung: belebt von Schwänen, Karandava-Enten, Chakravakas und weiteren Wasservögeln, mit großen Wassermengen,
44.18
ājyagandhaṃ ca vijñeyaṃ madhurāsvādameva ca |
vāruṇaṃ bhūmirityāhuḥ talliṅgaṃ vāruṇaṃ smṛtam || 18 ||
Übersetzung: nach Ghee duftend und süß schmeckend: Dies heißt Varuna-Boden; entsprechend heißt das Linga Varuna-Linga.
44.19
pauṣṭikannāma talliṅgaṃ sarvakāmaphalapradam |
kapotasamaraṅgakīrṇaṃ palāśakāṣṭhakhādiram || 19 ||
Übersetzung: Es ist stärkend und gewährt alle Wünsche. [Der nächste Bodentyp ist] belebt von Tauben und „Samaranga“ [unklar], mit Palasha- und Khadira-Holz,
44.20
madhuke bhramarā yatra gṛdhraṃ ca pañcatittirim |
svalpa pañcāntargataṃ toyaṃ āgneyaṃ bhūminirdiśet || 20 ||
Übersetzung: Madhuka-Bäumen, Bienen, Geiern und Rebhühnern; wenig Wasser [Tiefenangabe beschädigt]: Dies bezeichne als Feuer-Boden.
44.21
kumudaṃgandhaṃ bhavennityaṃ ṣaḍrasāśca samaṃ bhavet |
liṅgamāgneyamityuktaṃ vaiśyānāṃ tu sukhapradam || 21 ||
Übersetzung: Er duftet nach Kumuda und besitzt die sechs Geschmäcker gleichmäßig. Das Feuer-Linga bringt Vaishyas Glück.
44.22
vihītakapilukavṛkṣaiḥ sa tu śleṣmātakaiḥ smṛtāḥ
heraṇḍāḥ pāṇḍukūṭasthāḥ śṛgālā mṛgapakṣiṇaḥ || 22 ||
Übersetzung: Mit Vibhitaka, Pilu, Shleshmantaka und Rizinus, hellen Hügeln [unsicher], Schakalen, Wild und Vögeln,
44.23
vyāghrasarpavarāhāḍhyaṃ viṣavṛkṣe vanepi vā |
vallīke kardame caiva ūṣare saṃkaṭeṣu ca || 23 ||
Übersetzung: Tigern, Schlangen, Ebern, Giftbäumen, Wald, Schlingpflanzen, Schlamm, Salzboden und Engstellen,
44.24
anye ca bahavo vṛkṣāḥ jīmūtādibhirāvṛtāḥ |
samaśca śarkarābhiśca nistṛṇaṃ vigatodakam || 24 ||
Übersetzung: mit weiteren Bäumen, von „Jimuta“ und Ähnlichem bedeckt [unklar], voller Kies, ohne Gras und Wasser,
44.25
amedhyagandhā kṛṣṇavarṇā svādena kaṭukaṃ bhavet |
bhūmissā vāyavī yatra talliṅgaścābhicārakam || 25 ||
Übersetzung: unrein riechend, schwarz und scharf schmeckend: Das ist Wind-Boden; sein Linga dient Schadensritualen,
44.26
māraṇaṃ dveṣaṇaṃ caiva rogakṛtpuṣṭināśanam |
tasmātsarvaprayatnena vāyavyaṃ na prayojayet || 26 ||
Übersetzung: Tötung, Entzweiung, Krankheit und Zerstörung des Gedeihens. Darum soll man Wind-Boden sorgfältig vermeiden.
44.27
mṛṇālamuktāphalacandragauratuṣāragokṣīrasamānavarṇā |
śaṅkhāvadātā kumudaprabhā ca kumbhīndradantadyutisannikāśāḥ || 27 ||
Übersetzung: [Es folgt eine andere Beschreibung:] Weiß wie Lotusstängel, Perlen, Mond, Schnee und Kuhmilch, rein wie Muscheln, leuchtend wie Kumuda und Elefantenstoßzähne:
44.28
evaṃ vidhāyāḥ kathitā mayā tu
tāḥ śūdravarṇān prati yojanīyāḥ |
māsaṃ ca jyeṣṭhā ca tathā ca cittā
nakṣatramāsaṃ ca caturthaṃ yojyam || 28 ||
Übersetzung: Solche habe ich beschrieben; sie seien für Shudras zu verwenden. [Die anschließende Zuordnung von Monaten und Sternen, darunter Jyeshtha und Chitra, ist beschädigt.]
44.29
śūdraliṅgaṃ tathā vatsa trayāṇāṃ yogameva hi |
nanu trayaṃ tu śūdrasya na yogyaṃ hi kadācana || 29 ||
Übersetzung: Das Shudra-Linga ist auch für die drei anderen Stände geeignet, mein Kind; deren drei Lingas jedoch niemals für Shudras.
44.30
vaiśyaliṅgaṃ dvayoktaṃ syāt dvayaṃ vaiśyena yojayet |
kṣatraliṅgaṃ tu viprāṇāṃ yogyamevaṃ ṣaḍānana || 30 ||
Übersetzung: Das Vaishya-Linga gilt für zwei weitere Stände; zwei seien für Vaishyas verwendbar [Zählung unsicher]. Das Kshatriya-Linga ist für Brahmanen geeignet,
44.31
nṛpasya vipraliṅgaṃ tu na yogyaṃ hi ṣaḍānana |
anulomaṃ prakartavyaṃ pratilomaṃ na kārayet || 31 ||
Übersetzung: das Brahmanen-Linga jedoch nicht für Könige, Sechsgesichtiger. Man verfahre in der als ordnungsgemäß geltenden Richtung, nicht entgegen ihr. [Historische Standeshierarchie.]
iti kālottare catuścatvāriṃśatpaṭalaḥ || 44 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 44.
Kapitel 45 – Die Beschaffenheit des Linga
45.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
meruśca mandaraścaiva kailāso meruparvataḥ |
mahendro malaye sahye śrīśailaḥ svāmiparvate || 1 ||
Übersetzung: Ishvara sprach: Meru, Mandara, Kailasa, nochmals Meru, Mahendra, Malaya, Sahya, Shrishaila und Svamiparvata,
45.2
niṣedhe pāriyātre ca nīle vai himavadgirau |
bhuktimatpāriyātre ca govardhanagirāvapi || 2 ||
Übersetzung: Nishadha, Pariyatra, Nila, Himavan, Bhuktimat, nochmals Pariyatra und Govardhana:
45.3
eṣāṃ caiva tu sāmīpye vane'pyupavanepi ca |
kulaparvate tu vai vatsa uttamaṃ liṅgamādiśet || 3 ||
Übersetzung: In ihrer Nähe, in Wäldern, Hainen und an Hauptgebirgen gelten Lingas als vorzüglich.
45.4
tatsthāne madhyamaṃ liṅgaṃ adhamaṃ cānyeṣu vai guha |
vajreṇa liṅgaṃ kṛtvā tu rudro madhye'rcayetsadā || 4 ||
Übersetzung: An deren [weiteren] Stätten mittel, andernorts gering, Guha. Rudra fertigt ein Diamant-Linga und verehrt es stets in der Mitte.
45.5
rudratvaṃ tena saṃprāpyamanaupamyaguṇānvitam |
indranīlamayaṃ liṅgaṃ viṣṇurarcayate sadā || 5 ||
Übersetzung: Dadurch erlangt er Rudra-Sein mit unvergleichlichen Eigenschaften. Vishnu verehrt stets ein Linga aus Saphir,
45.6
teṣvanā * tu viṣṇutva madbhutaikaṃ sanātanam |
brahmābhyarcayate nityaṃ liṅgaṃ śailamayaṃ śubham || 6 ||
Übersetzung: wodurch er sein wundervolles ewiges Vishnu-Sein erlangt [Anfang beschädigt]. Brahma verehrt täglich ein schönes Stein-Linga.
45.7
tena brahmatvamāpnoti sṛṣṭikartṛtvameva ca |
śakro'pi devarājendraḥ padmarāgeṇa cārcayet || 7 ||
Übersetzung: Dadurch erlangt er Brahma-Sein und Schöpfertum. Shakra, der Götterkönig, verehrt ein Rubin-Linga,
45.8
tena śakratvamāpnoti trailokyādhipatirbhavet |
kṛtāśanaṃ cāgnimayaṃ liṅgaṃ pūjayate sadā || 8 ||
Übersetzung: wodurch er Indra-Sein und Herrschaft über die drei Welten erlangt. Agni verehrt stets ein Feuer-Linga.
45.9
tena cāgnitvamāpnoti devānāṃ hi viṣādharaḥ |
yamopi dharmarājaśca liṅgaṃ nīlamayaṃ śubham || 9 ||
Übersetzung: Dadurch erlangt er Feuer-Sein als Träger [der Gaben] für die Götter. Yama, der König des Dharma, verehrt ein schönes blaues Linga,
45.10
tenārcanena vai vatsa dharmarājatvamāpnuyāt |
kṛṣṇāya samayaṃ liṅgaṃ rākṣasendraṃ prapūjayet || 10 ||
Übersetzung: wodurch er seine Stellung als Dharmaraja erlangt. Der Rakshasa-König verehrt ein Linga aus schwarzem Eisen,
45.11
sadā tenārcanenāsau rākṣasendratvamāpnuyāt |
sphaṭikāddhikṛtaṃ liṅgaṃ varuṇo'rcayate sadā || 11 ||
Übersetzung: wodurch er seine Herrscherstellung erlangt. Varuna verehrt stets ein Bergkristall-Linga,
45.12
jalādhipatyamāpnoti amṛtatvaṃ sudurlabham |
saptarāgamayaṃ liṅgaṃ īśāno'rcayate sadā || 12 ||
Übersetzung: wodurch er Wasserherrschaft und schwer erreichbare Unsterblichkeit erlangt. Ishana verehrt ein siebenfarbiges Linga,
45.13
tena saṃpūjanādvatsa sarvarudrādhipo bhavet |
maratakena liṅgena pārvatī pūjayetsadā || 13 ||
Übersetzung: wodurch er Herr aller Rudras wird. Parvati verehrt stets ein Smaragd-Linga,
45.14
tasya saṃpūjanānnityaṃ rudraśaktitvamāpnuyāt |
rājatena tu liṅgena lakṣmīḥ pūjayate sadā || 14 ||
Übersetzung: wodurch sie Rudras Shakti wird. Lakshmi verehrt stets ein silbernes Linga,
45.15
tena saṃpūjanāllakṣmīrmahāśrītvamavāpnuyāt |
durgā pūjayate liṅgaṃ mahānīlamayaṃ śubham || 15 ||
Übersetzung: wodurch sie zu Mahashri wird. Durga verehrt ein schönes Linga aus Mahanila [dunkelblauer Edelstein],
45.16
sarvakālaṃ yajeddurgā tena durgātvamāpnuyāt |
śacīkā ca mayaṃ liṅgaṃ pūjayedgandhapuṣpakaiḥ || 16 ||
Übersetzung: und erlangt durch beständige Verehrung ihr Durga-Sein. Shachi verehrt ein [Materialbezeichnung beschädigt] Linga mit Duft und Blumen,
45.17
tena saṃpūjanānnityaṃ indrapatnītvamāpnuyāt |
vasavaḥ kāsyakaṃ liṅgaṃ pūjayanti vidhānataḥ || 17 ||
Übersetzung: wodurch sie Indras Gemahlin wird. Die Vasus verehren vorschriftsgemäß ein Bronze-Linga,
45.18
vasutvamāpnuvantyete anaupamyaguṇodayam |
tāmraliṅgaṃ sadākālaṃ bhaktyā pūjya divākaraḥ || 18 ||
Übersetzung: wodurch sie Vasu-Sein mit unvergleichlichen Eigenschaften erlangen. Die Sonne verehrt stets andächtig ein Kupfer-Linga,
45.19
sarveṣāṃ jyotiṣāṃ tena patitvaṃ prāptamuttamam |
aśvibhyāṃ pārthivaṃ liṅgaṃ pūjayitvā vidhānataḥ || 19 ||
Übersetzung: wodurch sie Herrschaft über alle Himmelslichter erlangt. Die beiden Ashvins verehren ein Erd-Linga,
45.20
tena tau aśvinau devau divyadehaṃ gatāvubhau |
liṅgaṃ hemamayaṃ kāntaṃ dhanado'rcayate sadā || 20 ||
Übersetzung: wodurch beide göttliche Leiber erlangen. Dhanada verehrt stets ein schönes Gold-Linga,
45.21
tenāsau dhanado devo dhanadatvamavāpnuyāt |
viśve devā mahātmāno raupyaliṅgaṃ sadārcayet || 21 ||
Übersetzung: wodurch er seine Stellung als Reichtumspender erlangt. Die erhabenen Vishvedevas verehren ein Silber-Linga,
45.22
tena viśvatvamāptaṃ hi gandhapuṣpādinārcayet |
pāṃsuliṅgaṃ sadākālaṃ marutaḥ pūjayanti vai || 22 ||
Übersetzung: wodurch sie ihr Vishvadeva-Sein erlangen, mit Duft und Blumen. Die Maruts verehren stets ein Staub-Linga,
45.23
tena saṃpūjanānntiyaṃ marudgaṇatvamāpnuyuḥ |
pitṛgaṇājalaṃ liṅgaṃ pūjayanti vidhānataḥ || 23 ||
Übersetzung: wodurch sie zur Marut-Schar werden. Die Ahnen verehren vorschriftsgemäß ein Wasser-Linga,
45.24
pitṝṇāmādhipatyantu tena saṃptāpnuyurmahat |
trapusīsamayaṃ liṅgaṃ asurāḥ pūjayanti vai || 24 ||
Übersetzung: wodurch sie große Ahnenherrschaft erlangen. Die Asuras verehren ein Linga aus Zinn und Blei,
45.25
yajanāttena nityaṃ asuratvaṃ mahābalam |
ṛṣīyāmapi sarveṣāṃ agniliṅgaṃ sadārcitam || 25 ||
Übersetzung: wodurch sie ihr mächtiges Asura-Sein erlangen. Sämtliche Rishis verehren stets ein Feuer-Linga,
45.26
tena saṃpūjanānnityaṃ ṛṣitvaṃ cāpnuyurmahat |
nāgaliṅgamayaṃ nityaṃ piśācāḥ pūjayanti hi || 26 ||
Übersetzung: wodurch sie großes Rishi-Sein erlangen. Die Pishachas verehren stets ein Naga-Linga [Material oder Gestalt unklar],
45.27
piśācatvamavāptaṃ hi sarvagatvamanojavam |
bhūtānāmapi sarveṣāṃ agniliṅgaṃ sadārcitam || 27 ||
Übersetzung: wodurch sie Pishacha-Sein, Allbeweglichkeit und Geistesschnelligkeit erlangen. Alle Bhutas verehren ein Feuer-Linga,
45.28
tena bhūtatvamāptaṃ hi śivasāmīpyamāpnuyuḥ |
medhā prajñā ca śuddhā ca śruti smṛtiruṣā prabhā || 28 ||
Übersetzung: wodurch sie Bhuta-Sein und Shivas Nähe erlangen. Medha, Prajna, Shuddha, Shruti, Smriti, Usha und Prabha,
45.29
sa * * * * * ratañca dhṛtirbuddhireva ca |
daraliṅgena nityaṃ hi pūjayitvā vidhānataḥ || 29 ||
Übersetzung: [weitere Namen verloren], Dhriti und Buddhi verehren vorschriftsgemäß ein Dara-Linga [Material unklar],
45.30
tattatpadamavāptaṃ hi anaupamyaguṇānvitam |
gandharvāścāraṇā yakṣā siddhāvidyādharādayaḥ || 30 ||
Übersetzung: wodurch jede ihre Stellung mit unvergleichlichen Eigenschaften erlangt. Gandharvas, Charanas, Yakshas, Siddhas und Vidyadharas
45.31
- * saurārce * hantu pūjayanto vidhānataḥ |
yajanātpadamāptaṃ hi nityamevaṃ ṣaḍānana || 31 ||
Übersetzung: verehren vorschriftsgemäß [Material und Handlung teilweise verloren] und erlangen dadurch beständig ihre Stellung, Sechsgesichtiger.
45.32
devapatnī ṛṣipatnī puṣpaliṅgaṃ sadārcayet |
vidhānenārcanānnityaṃ tatpatnītvamavāpnuyuḥ || 32 ||
Übersetzung: Götter- und Rishi-Gemahlinnen verehren stets Blumen-Lingas und erlangen dadurch die jeweilige Gemahlinnenstellung.
45.33
sarasvatī deva * * * * * * kṣarāmayam |
tena saktajanānnityaṃ sarasvatītvamavāpnuyuḥ || 33 ||
Übersetzung: Sarasvati verehrt ein [Textlücke] aus Lauten bestehendes Linga [Lesung unsicher] und erlangt dadurch ihr Sarasvati-Sein.
45.34
devamātratvamāpnoti devaliṅgārcanādapi |
evaṃ devāḥ sagandharvā piśācoragarākṣasāḥ || 34 ||
Übersetzung: Auch die Stellung als Göttermutter wird durch Linga-Verehrung erlangt. So verehren Götter, Gandharvas, Pishachas, Schlangen und Rakshasas
45.35
pūjayanti sadāliṅgamīśānaṃ suranāyakam |
vāsukistakṣakaścaiva kārkoṭaḥ śaṅkhapālakaḥ || 35 ||
Übersetzung: stets das Linga als Ishana, den Götterherrn. Vasuki, Takshaka, Karkota, Shankhapala,
45.36
ananto gulikaḥ padmo mahāpadmastathaiva ca |
pravālakamayaṃ liṅgaṃ pūjayanti vidhānataḥ || 36 ||
Übersetzung: Ananta, Gulika, Padma und Mahapadma verehren vorschriftsgemäß ein Korallen-Linga,
45.37
tena saṃpūjanānnityaṃ nāgarājatvamāpnuyuḥ |
meruśca mandaraścaiva kailāso himavān giriḥ || 37 ||
Übersetzung: wodurch sie Schlangenkönige werden. Meru, Mandara, Kailasa, Himavan,
45.38
vindhyassahasramalayau mahendo gandhamādanaḥ |
śrīparvataśca mainākaḥ svāmi parvata eva ca || 38 ||
Übersetzung: Vindhya, Sahasra [wohl verderbt], Malaya, Mahendra, Gandhamadana, Shriparvata, Mainaka und Svamiparvata,
45.39
niṣādhaḥ pāriyātraśca nīlaparvata eva ca |
mahāśailamayaṃ liṅgaṃ saṃpūjya bhaktitaḥ sadā || 39 ||
Übersetzung: Nishadha, Pariyatra und Nila verehren stets andächtig ein Linga aus großem Fels,
45.40
dharādharapatitvaṃ tu āpnuyustena pūjanāt |
jambuśākakuśa krauñca śālmalīgomedhapuṣkaram || 40 ||
Übersetzung: wodurch sie zu Fürsten der Berge werden. Jambu, Shaka, Kusha, Krauncha, Shalmali, Gomeda und Pushkara,
45.41
ete vai dvīparājāno daraliṅgaṃ samarcya vai |
tena saṃpūjanānnityaṃ dvīparājatvameva hi || 41 ||
Übersetzung: diese Inselkönige, verehren ein Dara-Linga [Material unklar] und erlangen dadurch ihre Inselherrschaft.
45.42
sasurāsuragandharvā piśācoragarākṣasāḥ |
siddhavidyādharā yakṣā gāruḍāḥ pūjayanti ca || 42 ||
Übersetzung: Götter, Asuras, Gandharvas, Pishachas, Schlangen, Rakshasas, Siddhas, Vidyadharas, Yakshas und Garudas verehren es.
45.43
na hi liṅgārcanādanyatpuṇyaṃ samadhiko bhavet |
iti vijñāya yatnena pūjanīyaḥ sadāśivaḥ || 43 ||
Übersetzung: Kein anderes Verdienst übertrifft die Linga-Verehrung. In diesem Wissen soll man Sadashiva stets sorgfältig verehren.
iti kālottare liṅgakalpe pañcacatvāriṃśatpaṭalaḥ || 45 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 45 über „den Linga-Kalpa“.
Kapitel 46 – Fehler durch Adern, Höhlen und andere Merkmale
Unnummerierte Passage:
|| śrīḥ ||
kārtikeya uvāca-
bahupralāpaṃ santyajya saṃkṣepālliṅgalakṣaṇam |
sūkṣmātsūkṣmataraṃ samyaksaṃkṣepātkathayasva me |
īśvara uvāca-
athāto liṅgalakṣaṇaṃ yathā krameṇa vakṣyāmaḥ | atha khalu vatsa prividhāni śivaliṅgāni bhavanti niṣkalaṃ
sakalaṃ sakalaniṣkalamiti |
aṅgapratyaṅgasahitanniṣkalaṃ aṅgapratyaṅgavibhāgasaṃyuktaṃ sakalaṃ sakalaniṣkalaṃ mukhaliṅgam | niṣkale parameśvarasya dhūmarūpamārādhyate | sakalaniṣkale tejo niyatī sakale aihikam | arcācinnaṃ prathamaṃ lakṣaṇaṃ liṅga * * * * chandonukūlaṃ śarīraṃ sthūlaṃ vyaktamiti liṅgaparyāyaḥ | tatra niṣkalaliṅgalakṣaṇaṃ vakṣyāmaḥ | śilādārumṛlloharatnādīni liṅgadravyāṇi | tatra śilāstrividhāḥ | strīpuṃnapuṃsakamiti | ghaṇṭānādaḥ pumān | kāṃsyatālavat strī | dundubhinādo napuṃsakam | puṃśailena liṅam | strīśailena pīṭham | napuṃsakena pādaśilā | aṃśaśakunanimittādyanukūlena praśaste dine vātātapādyanupahatāṃ pūrvapaścimāyātāṃ dakṣiṇograṃ vā śilānāṃ svayamācāryaḥ kṛtopavāsaśca baliṃ dattvā svapnamāṇavakaṃ japitvādhivāsya oṃ namaḥ śambho trinetrāya piṅgalāya mahātmane vāmāya viśvarūpāyaṃ svapnādhipataye namaḥ | oṃ hili hili halapāṇine svāhā aṣṭottaraśataṃ vā palāśena śamyā sarpiṣā tatra juhuyāt | ekāgni vidhinā saṃspṛśya * * * kṛtyasvapne śubhaṃ ca dṛṣṭvā liṅgaṃ grāhayet | aśubhaprāyaścittabījamukhye tribhiḥ pañcabhiḥ pṛthagaṣṭottaraśataṃ juhuyāt | taddoṣaḥ śāmyati | punaḥśilābhiḥ karmakarācāryo yajamānaśca pūrvottaramukhoṃ bhūtvā śilāgrahaṇaṃ kārayet | pūrvadvāre sthāpanīyasya pūrva * * pārśve mukhabhāvaṃ syādevaṃ paścimadvārābhiryojya tasya dīrghabhāgeṣu cihnayet | viparīto rāṣṭravibhramaḥ |
liṅgaṃ vā tu rūpaṃ pāsādaṃ prāsādānurūpaṃ liṅgamiti | garbhagṛhasyārdha liṅgāyāmatatkaniṣṭhagarbhagṛhasya pañcadhā bhaktasya tribhāgāyāṃ madhyamam | garbhagṛhasya tridhā vibhaktasya dvibhāgāyāmuttamam | ekahastādinā catuṣṣaṣṭihastāni |
liṅgāni kāni kāryāṇi ata-ūrdhvaṃ na kārayet | tadāyāmasya caturyāgaikabhāgo viṣkambhaḥ | āyāmasya navadhā vibhaktasya ṣaḍbhāgavrataṃ saptāṃśamadhyamāṣṭāṃśaṃ samūlasya nābhermūlabhāgaṃ caturaśraṃ brahmabhāgaṃ aṣṭārdhaṃ viṣṇubhāgaṃ ūrdhvaṃ śivabhāgaṃ ṣoḍaśāśraṃ garbhagṛhasya tridhāvibhaktasya ekabhāgam pīṭhikāmānam athavā tadutsedhamānāhaṃ caturaśrasya yadevāṣṭamabhāgasya vistāraṃ tadevārdhaṃ tyajya ūrdhvabhāgasya nāhaṃ athavā nāhārdhamaṣṭadhā kṛtvā pañcabhāgo viṣkambhaḥ | adhike vyādhiḥ rāṣṭrakṣobhabahutvaṃ ca hīne dhanadhānyahāniḥ tatra mūlabhāmau pīṭhabhāgaḥ pūjābhāgaḥ | ātmatattvamūlabhāgaṃ vidyātattvaṃ madhyabhāgaṃ śivatattvaṃ ūrdhvabhāgaṃ punarvṛtto nistalaḥ | tatra mūlahīne vyādhiḥ madhyahīne gokṣayaḥ pūjābhāgahīne karmaṇaḥ duḥsthitiriti pūjābhāgasamaṃ vṛttaṃ sārvakāmikam | evaṃ kuryāt sarvakāmārthasādhanaṃ sarvaśāntikaraṃ bhavati vardhamānaprakāre'ṅgulādhikaṃ vā kārayet | sārvakāmikaṃ pūjābhāgaṃ vittasaṃpatkaramiti | liṅgasya śirasi sthānamiti kukkuṭāṇḍākṛtiścakrākṛti budbudākṛti stripuruṣākṛtiriti pañcabhedaḥ | praśastam kukkuṭāṇḍākṛti rāyurārogyapradam | chatrākṛti rāyurārogyaiśvaryapradam |
rārogyaiśvaryapradam | budbudākṛtiḥ pūjākaram | strīpuruṣākṛtiḥ dhanadhānyapradam | eṣāmanyatame kuryātpūrṇacandrākṛtiḥ sarvakāmapradam | sirāvivarāvartagranthimaṇḍagarbhayuktaṃ bhinnaṃ ca rarukṣasphuṭitaṃ hīnātisthūlātilaghuśabdavarjita suṣiraśūlākṛtisthūlaśiraśśarkaroṣṇadhūmravarṇakuśamūlahīnapārśvahīnādī-nyagrāhyāṇi | tatra sirāvivarāvartamaṇḍalagarbhayuktaṃ yajamānācāryabhūpatīnāṃ sarvaprāṇināñcātmabhayaṃ granthe rājñāṃ maṇḍale dhanadhānyanāśanaṃ garbhe sukhaṃ sarvaprāṇināṃ viśeṣeṇa yajamānācāryabhūpatīnāṃ hīne sarvaprāṇināṃ saṃtāpaḥ | rukṣebhagnaliṅgānāṃ manakṣobhaḥ | sphuṭite yajamānatvācāryabhūpatīnāṃ saṃbandhaḥ | bandhā * * * * vānāṃ prāṇabhayaṃ vaktre santo * * * sanahāniḥ | atha rāṣṭrakṣobhādibahutvaṃ ca * * * sthūle vyādhiḥ mṛdula * * * sarvaprayojane triyoninām | garbhakṣobhaṃ śabdavarjite manuṣyāṇām | kṛśe dhanakṣayaḥ | adhike karturbhramaḥ | sthūlākṛtau sthūlaśirasi ca yajamānā cāryayoḥ prāṇabhayam | śakaletvanāvṛṣṭissacakrayorrāṣṭrādikṣobhaśca | uṣyak * * * * madhuvarṇaṃ grāhyam | kṛśedhanakṣayam | mūlahīne vyādhiḥ | pārśvahīne gokṣayaḥ | tatra ślokāḥ-
māñjiṣṭhavarṇasaṃkāśe garbho bhavati dakṣiṇaḥ |
vītake maṇḍale godhā kṛṣṇe vidyādbhujaṅgamaḥ |
kapile mūṣiko vidyātkṛkalāsāstu tāraṇe |
gulavarṇe tu pāṣāṇe kapote gṛhagaulikā |
āhe nistriṃśavarṇe tu bhasmavarṇe tu vālukam
vicitre vṛściko vidyāt khadyoto madhuvarṇake |
mṛṇāle śvetamaḍūkaṃ kṛṣṇe vai mṛgadhūrtakaḥ |
puṇḍarīkasya carme tu vyāghrantatra vinirdiśet |
atikṛṣṭairekhātyūrdhvamayaścaiva tu tatra vairiṇantatra vijānīyātṣaḍaṅgulasya pramāṇakam |
gṛdhraśvānau ca nakulāścāṣṭau kākaścaśyenakam |
tattadvarṇe tu liṅge tu tattadgarbhaṃ vinirdiśet |
vā tadvidhirahitaṃ liṅgaṃ dvividham śuddhaṃ saṃkīrṇamiti | sirāvivarāvarta granthigarbhayuktaṃ ca varṇasaṃpannam | śuddhaṃ tacchahantadviparītaṃ saṃkīrṇaṃ sirākīrṇavarṇe sirādīn śubhāśabhalakṣaṇaṃ vakṣyāmaḥ | pūjābhāgasya vāmapārśve sirādayaśśubhā aśubhā vā ṣāṇmāsābhyantare dadyuḥ | dakṣiṇe māsā trimāsābhyantare pṛṣṭhe ca ṣaṇmāsābhyantare agrasadya iti dakṣiṇāvartaḥ śreṣṭhaḥ vāmāvarte garhitaḥ liṅgadhvajacchatracāmarakalaśavṛṣabhanandyāvartaśūla padmasiṃhagajāśvarathasomasūryā yajñopavītī parvatākṣamālācakrahārasamudravastrāṅkuśamatsya svastivavṛkṣa prasādavajra kanyāmalanetra śrīvatsapuṇyādīnyagrataḥ pṛṣṭhataḥ pārśvayormadhyake ca śubhāni yajamānācārya rājarāṣṭrahitāni ca | śvetaraktapītakṛṣṇarekhāścatasro * * * * ni vihitāḥ doṣapradāḥ |
indrāyudhanibhārekhā sarvaśobhanarekhācchokam | ekacchetre putranāśaḥ | dvicchede bandhunāśantricchede
yaśamānanāśaḥ | śakāre * * * * kāre jñānalābhaḥ sadaṃśe rājanyanāśaḥ kākolūkaśca śṛgālavarāṃha
gardamaśyena vṛścikakarkaṭakaṅka gṛdhrakīṭasarpamārjāre mama rājarājya pibet |
Übersetzung: Heil und Segen! Karttikeya sprach: Lass ausführliches Reden beiseite und erkläre mir kurz und genau die Merkmale des Linga, feiner als das Feinste. Ishvara sprach: Nun werden wir die Merkmale des Linga der Reihe nach erklären. Mein Kind, es gibt drei Arten von Shiva-Lingas: ohne Teile, mit Teilen sowie mit und ohne Teile. [Der nächste Satz ist widersprüchlich überliefert:] Das ohne Teile wird als „mit Haupt- und Nebengliedern versehen“ bezeichnet; das mit Teilen hat gegliederte Haupt- und Nebenglieder; das zugleich mit und ohne Teile ist das Gesichts-Linga. Im formlosen Linga wird Parameshvaras rauchartige Gestalt verehrt. Beim zugleich gestalteten und formlosen werden Licht und Niyati genannt, beim gestalteten diesseitige Wirkung [Zusammenhang gestört]. Kultzeichen, ursprüngliches Kennzeichen, Linga [Textlücke], dem Metrum entsprechender Körper, grob und manifest: Dies werden als entsprechende Bezeichnungen genannt. Nun die Merkmale des formlosen Linga. Stein, Holz, Erde, Metall und Edelstein sind seine Materialien. Steine sind dreifach: weiblich, männlich und sächlich. Glockenklang kennzeichnet den männlichen Stein, der Klang eines Bronzebeckens den weiblichen, Trommelklang den sächlichen. Aus männlichem Stein fertige man das Linga, aus weiblichem den Sockel, aus sächlichem den Grundstein. An einem günstigen Tag mit förderlichen Sternanteilen, Vogelzeichen und Vorzeichen wähle der Acharya selbst einen von Wind und Sonne nicht geschädigten Stein, dessen Länge von Osten nach Westen verläuft oder dessen Spitze nach Süden zeigt. Er faste, bringe Bali dar, rezitiere die Traumformel und bereite den Stein rituell vor: „oṃ namaḥ śambho trinetrāya piṅgalāya mahātmane vāmāya viśvarūpāyaṃ svapnādhipataye namaḥ“ – Om, Verehrung dir, Shambhu, dem Dreiäugigen, Gelbbraunen, Großbeseelten, Vama, Allgestaltigen und Herrn der Träume. Ferner „oṃ hili hili halapāṇine svāhā“ – Om, hili hili, dem Pflugträger Svaha. Mit Palasha, Shami oder Ghee opfere man 108-mal. Nach der Vorschrift des einen Feuers berühre man [Textlücke]; hat man einen günstigen Traum gesehen, lasse man den Linga-Stein nehmen. Bei ungünstigem Traum opfere man zur Sühne mit drei oder fünf Hauptkeim-Mantras jeweils 108-mal. So beruhigt sich der Fehler. Bei der Steinaufnahme wenden sich Handwerker, Acharya und Opferherr nach Osten oder Norden. Für einen Tempel mit Osttür bestimme man die östliche [Textlücke] Seite als Vorderseite; bei Westtür verfahre man entsprechend und kennzeichne die Längsseiten. Umkehrung bewirkt Unruhe im Reich. Tempel und Linga sollen einander entsprechen. Die geringste Linga-Länge beträgt die Hälfte des Heiligtums, die mittlere drei Fünftel, die beste zwei Drittel. Lingas dürfen von einem Hasta bis zu vierundsechzig Hasta gefertigt werden, nicht darüber hinaus. Ein Viertel der Länge ist die Breite. Teilt man die Länge in neun, werden sechs, sieben und acht Anteile als [unteres, mittleres, oberes Umfangmaß; Text beschädigt] genannt. Der Grundteil ist quadratisch, der Brahma-Teil; der Vishnu-Teil ist „acht-halb“ [wohl verderbte Angabe zur Achtkantigkeit]; der obere Shiva-Teil sechzehnkantig. Ein Drittel des Heiligtums bestimmt das Sockelmaß, alternativ dessen Höhe und Umfang [Satz gestört]. Von der Breite des achten Teils des Quadrats nehme man die Hälfte weg, um den Umfang des oberen Teils zu erhalten [nicht sicher rekonstruierbare Maßvorschrift]. Oder man teile den halben Umfang in acht; fünf Teile bilden die Breite. Zu großes Maß bringt Krankheit und viele Unruhen im Reich, zu kleines Verlust von Geld und Getreide. Es gibt Grundteil, Sockelteil und Verehrungsteil. Dem Grundteil entspricht Atma-Tattva, dem mittleren Vidya-Tattva, dem oberen Shiva-Tattva. Der obere wird rund und ohne Flächen gestaltet. Ein mangelhafter Grundteil bringt Krankheit, ein mangelhafter Mittelteil Viehverlust, ein mangelhafter Verehrungsteil schlechte Durchführung der Handlungen. Eine Rundung, die dem Verehrungsteil entspricht, gilt als alle Wünsche erfüllend. So gefertigt bewirkt es Wunscherfüllung und umfassenden Frieden. Nach dem zunehmenden Typ kann man es um einen Angula vergrößern. Der alle Wünsche erfüllende Verehrungsteil gewährt Wohlstand. Für den Kopf des Linga werden fünf Formen genannt: Hühnerei, Rad, Wasserblase, weibliche und männliche Form. [Im Folgenden erscheint statt Rad der Schirm.] Hühneiform ist lobenswert und gewährt Leben und Gesundheit, Schirmform Leben, Gesundheit und Macht [in der Vorlage teilweise wiederholt], Blasenform Verehrung, weibliche und männliche Form Geld und Getreide. Man verwende eine dieser Formen; Vollmondform gewährt alle Wünsche. Nicht anzunehmen sind Steine mit Adern, Höhlen, Wirbeln, Knoten, Kreisflecken, inneren Einschlüssen, Brüchen, Rauheit, Rissen, Untermaß, übermäßiger Dicke oder Leichtigkeit, fehlendem Klang, Hohlräumen, spießartiger Form, zu dickem Kopf, Kies, Hitze- oder Rauchfarbe, zu dünner oder fehlender Wurzel und beschädigten Seiten. Adern, Höhlen, Wirbel und Einschlüsse bedeuten Lebensgefahr für Opferherr, Acharya, König und alle Wesen. Knoten gefährden Könige, Kreisflecken vernichten Geld und Getreide. Bei einem Einschluss steht „Glück für alle Wesen, besonders Opferherr, Acharya und König“ [auffällige positive Lesung in einer Fehlerliste]. Untermaß bringt Bedrängnis für alle. Rauheit und Bruch bringen geistige Unruhe. Risse betreffen die Verbindung von Opferherr, Acharya und König [genaue Folge gestört]. [Textlücke] bringt Lebensgefahr, eine Gesichtsbeschädigung [Textlücke] Verlust. Es folgen Unruhen im Reich; übermäßige Dicke bringt Krankheit. [Mehrere Satzteile über Weichheit, drei Geburten und Anwendungen sind unverständlich.] Klanglosigkeit bringt Störung der Leibesfrucht bei Menschen, Dünnheit Geldverlust, Übermaß Verwirrung des Auftraggebers. Spießform oder zu dicker Kopf gefährden das Leben von Opferherr und Acharya. Splitter bringen Dürre, kreisförmige Merkmale Unruhe im Reich. [Beschädigter Übergang:] Honigfarbe sei anzunehmen. Dünnheit bewirkt Geldverlust, fehlende Basis Krankheit, fehlende Seite Viehverlust. Dazu die Verse: Bei krappähnlicher Farbe liegt rechts ein Einschluss [Lesung unsicher]. In einem gelben Kreisfleck eine Echse, in einem schwarzen eine Schlange; bei gelbbrauner Farbe eine Maus, bei „Tarana“ [Farbe unklar] ein Chamäleon. In zuckerfarbenem Stein [Tier fehlt], bei Taubenfarbe ein Hausgecko. Bei Schwertfarbe [Tiername beschädigt], bei Aschefarbe Sand. Buntheit bedeutet Skorpion, Honigfarbe Glühwürmchen, Lotusstängelfarbe weißen Frosch, Schwarz einen „listigen Wildbewohner“ [wohl Schakal; unklar]. Bei einer tigerfellartigen Zeichnung soll man einen Tiger angeben. [Der Satz über stark schwarze, aufwärts verlaufende Linien und einen Feind von sechs Angula Maß ist beschädigt.] Geier, Hund, Manguste, Krähe und Falke werden genannt. Entsprechend der jeweiligen Farbe des Linga sei sein innerer Einschluss anzugeben. Lingas ohne diese Fehler sind zweifach: rein und gemischt. [Die folgende Definition ist widersprüchlich:] „Mit Adern, Höhlen, Wirbeln, Knoten und Einschlüssen versehen und von guter Farbe“ wird im Zusammenhang mit rein genannt; das Gegenteil als gemischt. Nun die günstigen und ungünstigen Merkmale von Adern und Mischfarben: Links am Verehrungsteil wirken sie innerhalb von sechs Monaten, rechts innerhalb eines bis drei Monaten, hinten innerhalb von sechs Monaten, vorne sofort. Rechtsdrehende Wirbel sind gut, linksdrehende schlecht. Zeichen von Linga, Fahne, Schirm, Wedel, Gefäß, Stier, Nandyavarta, Dreizack, Lotus, Löwe, Elefant, Pferd, Wagen, Mond, Sonne, heiliger Schnur, Berg, Gebetskette, Diskus, Halskette, Meer, Gewand, Elefantenhaken, Fisch, Svastika, Baum, Tempel, Donnerkeil, Jungfrau, reinem Auge, Shrivatsa und weiteren Glückszeichen sind vorne, hinten, seitlich oder mittig günstig für Opferherr, Acharya, König und Reich. Vier Linien in Weiß, Rot, Gelb und Schwarz [Textlücke] bringen Fehler. Eine regenbogenähnliche Linie [der folgende Satz über günstige Linien und Trauer ist gestört]. Ein Durchschneiden bedeutet Verlust eines Sohnes, zwei Verlust von Verwandten, drei Untergang des Opferherrn. Bei sha-Form [Lücke], bei [anderer Buchstabenform] Erkenntnisgewinn; bei „Sadamsha“ Untergang der Könige [unsicher]. Krähe, Eule, Schakal, Eber, Esel, Falke, Skorpion, Krebs, Reiher, Geier, Insekt, Schlange und Katze [führen nach dem beschädigten Schluss zur Gefährdung von König und Reich].
iti kālottare liṅgakalpe sirāvivarādidoṣapaṭalaḥ pañcacatvāriṃśat || 46 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 45 [die angefügte Zahl lautet 46] über „Fehler durch Adern, Höhlen und andere Merkmale“.
Kapitel 47 – Merkmale des Linga
Unnummerierte Passage:
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
adhigarbhā bhavanti padmapatra āvarte'traṃ pāṃsubhiḥ kanakavarṇe śvetapāṃsubhiḥ snigdha * * * *
pakākavarṇe kāke kapotavarṇe gṛhagavikādvaye māñjiṣṭhavarṇe maṇḍalāvarte raktadaṃśatraya
kumbhavarṇe'pi darduratraye śuklavarṇe pītakṛkalāsa * * * * godhāgulavarṇe jharjharapāṣāṇaḥ
nistriṃśavarṇe salilapāṃsuḥ ṣaṭpadaśyāmeśalābhaḥ madhuvarṇe madhudyotaṃ sāraṅgavarṇe vṛścikaḥ gra *
- * * gairikaḥ kokanadavarṇe sphuṭitaḥ snigdharūkṣaḥ āvarte mūṣikadvayaṃ maṇḍala-āvarte darduradvayaṃ
śukapiñchavarṇe kartapītakacchapaḥ āyate pītakṛṣṇasarparaktāyate raktasarvamatsyavarṇe śvetapāṣāṇo
nistriṃśavarṇe salilaṃ paṭpadaśyāme matsyaśapharīgarbhaḥ atirikte bandhūka indrako * * * * taskara
āvartagranthau
vā vicitravarṇe vicitravṛścikaḥ | āvartagranthau vā vajre vajragarbhaḥ suvarṇe suvarṇagarbhaḥ rajate
rajatagarbhaḥ raktaśyāmāyate raktapāṃsu sarvayaja * * * sādhi hetuḥ śvetapāṃsurācāryasya gaulīkārajñāṃ
sphaṭiko bāhmaṇānāṃ maraṇaṃ gavāṃ ca śatayojanaṃ kṛte yajamānācāryabhūpatīśa yojanamitareṣāṃ
santāpaḥ bhasmaliṅgānāṃ antakṣobhaṃ mūṣike caturdaśayojane corabhayaṃ gṛhagaulike'ṣṭādaśayojanaṃ vī
- * * * cāryabhūpatīnāṃ udakāpāyaṃ raktadardure rājñāṃ jale maraṇaṃ pītadardure sarvaprāṇināṃ hṛdi
bhayaṃ raktapītakacchape daivāyatanavāsināṃ bhaṭānāṃ ca * * * * * daśayojanaṃ ca vividhapīnakṛkalāse
viṃśatiyojane durbhikṣaṃ yajamānācāryabhūpatīnāṃ bhāryākṛta duḥkhamiti pītasarpe ṣoḍaśayojane
sarpabhayaṃ śūdrāṇāmuragabhayaṃ kṛṣṇasarpe śūdramlecchakṣayaḥ | jharjharapāṣāṇe
pañcaviṃśatiyojanaṃ vicitra snigdhapāṣāṇe anāvṛṣṭiḥ | salilapāṃsuyukte tiryaṃ * * * * * salilaṃ
khadyotamaṇḍūke dvipadacatuṣpadānāṃ prāṇabhayaṃ śalabhataprayojane sopadravaṃ yajamānācārya
bhūpatīnāṃ sarvaprāṇināṃ putranāśo'sya dvādaśajanānāṃ pīḍeti khadyotagarbhe yajamānācārya
bhūpatīnāṃ ca sirāvartagranthikalpa garbhasaṃyukte śaye vasuvarṇasthake sthāpite nirdoṣā bhavanti * * * *
yajamānācāryabhūpatīnāṃ sarvaprāṇināṃ dhanadhānyasamṛddhḥ | suvṛṣṭiḥ sarvaprāṇināṃ ca sukhamiti |
atha brahmasūtravivarā pūjābhāgatri * * * tsṛjyaṃ bhāgasyordhvaṃ suvarṇena kartavyaṃ tattu padmamukulāgraṃ
vāyavyāgraṃ ceti sarve * * * rekhā ṛtvikpūjā bhāgasya mūlabhāganālakumudanāladhanāvaṃ māṣamātraṃ
manunimnapārśvasphuṭonnatapṛṣṭhāśleṣā bhavati | uttamaliṅge pā* * * vāmā jyeṣṭhā raudrīti tritrirekhā
brahmasūtraṃ vyācakṣate itareṣvapi liṅgeṣu etayānumantavyeti | athavā liṅgāyāmaṃ navadhā vibhajya * * *
sṛjya madhye pañcasu bhāgeṣu brahmasūtraṃ kuryāt | padmamukulāgrapadmakarṇikāmūlāgraṃ cāgraṃ ceti | tatra
madhyamarekhārājyapūjā bhāgasya mūlamāgatā kumuda nālāyatā yavamāṣamātra nimnā pāpāśvasaṃpuṭonnata
pṛṣṭhāśeṣakartavyā bhavati | uttamaliṅgapārśvayorardhāṅguṣṭha nimnā aṅgulavistārā bhavanti | itareṣu
liṅgeṣvanuyānaṃ mantavyeti | athaikahastasya yavamātramadhyarekhā dvihastasya dviyavamātrā trihastasya
trivayamātrā ityevaṃ pravṛddhiḥ yāvannavamātrā bhavanti | athavā liṅgavistāramekadhā vibhajya
madhyamekāṅgulapramāṇaṃ madhyarekhāṃ kārayet | tatpādapramāṇaṃ pārśvanimneti | athavā āmastakādimūlāt
pūjābhāgasya madhyarekhāṃ kuryāt | dakṣiṇe sarvaśaktirekerdhe dakṣiṇa * * * pārśvayorāpṛṣṭhabhāgāt
kramāt ānatanikṛṣṭa kāyate etā raudrī vāmā jyeṣṭhākhyā bhavanti | uttame śivaliṅge
dvyardhāṅgulamanimnena parśve kramāvanatābhyantare pārśvabhāgeṅgulavistārā bhavanti
ataḥ itareṣvanayā diśā namantavyeti bhuvi viṣaṃ bhāgarahitaṃ pīṭhādhiṣṭhānāṃ niṣkalaliṅgamardha
pīṭhaliṅgaṃ ca kurvannṛvasthāvaśātsarvataścaraliṅge * * * na kṛṣṇonādi gocaraśvavadannakukhuna * * *
mādivimuktaśśivamuktaḥ sarvasatvāmakaṃ koluṇḍasthiramāṣīkṛta * * * * kāmācāryannādṛśaireva
sahācāryairyuktaḥ catubhiraṣṭabhirdvādaśabhiḥ ācāryaissahāsatanvastrayugala * * * paridhānaiḥ
kaṭakakaṭisūtra kuṇḍalāṅgulīyakādyābharaṇairjvaladbhirmaheśvabhyodyākṛta pañcakṛtadakṣiṇairviśairveda
bhaktirmantavyam | agrataḥ pradakṣiṇīkṛtya śubhe muhūrte praviśya suvarṇenaśalākaya * * * * pūjābhāganna
vadhā vibhajyādhastāt ṣaḍbhāgamutsṛjya saptame bhāge kamalakamala (?) mukulaṃ kuryāt | aṅgulamātramekahaste
dvihaste dvyaṅgulamevaṃ vṛddhikramādathavā pūjābhāgaṃ ṣoḍaśadhā vibhajya dvādaśe bhāge mukulaṃ kuryāt
| ṛgvedo madhyarekhā rudrareva raudrī yajurvedo vāmarekhā viṣṇurvāmā śaktiḥ sāmavedo dakṣiṇamukhā brahmā
jyeṣṭhāśaktiḥ praṇavaṃ mukulaṃ yavārdhaṃ va * * * ṣyamukulamūle pārśvayornirgatya pṛṣṭhe saṃśliṣṭau
bhavataḥ | madhurekhātta mūlavarta mūlamadhastādgatā nārāyaṇasya matam | caturaṅgulīrūrdhvacaturmukhasya
matam | madhyamāṅgulikā stisraḥ agastyavasiṣṭhādayo dvayaṅgulam | umayā śriyā sarasvatyā dharaṇīgāyatrī
durgāmātṛgaṇādīnāṃ matam dvyaṅgulādhikaṃ pūrvasūtrapādaṣoḍaśadhā ūrdhvādhaścaturviṃśadvā
ṣoḍaśa vā kārayet |
vada * * * miśraṃ sitadhātunā eva brahmasūtraṃ śālimadhye pañcaśayanaikaśayanaṃ vā nyastvā liṅgaṃ
vinyasya paścimābhimukho bhūtvā śilpibhiḥ kuṭhāreṇāgrepaṇetiryagūrdhvaṃ yavanikāyutaṃ lakṣaṇaṃ kuryāt
| kapilādarśanaṃ tatraiva tatkapilāsuvarṇaśalākānyayavanikādīni takṣakebhyaḥ pratipādayet |
punaraṣṭamṛdūdakaiḥ aṣṭavṛkṣakaṣāyaiḥ pañcagavyaiḥ pavitrapañcabhiḥ bījākhyena prāsādamuktaiḥ
prakṣālayet | sarvagandhodakaiḥ hiraṇyavarṇapavamānaśuddhasūktaiḥ sarvagandhodakena kṣālayet | punaḥ
puruṣasūktena viṣṇusūktena brahmajñānena kuṅkumacandanakarpūrodakaiḥ kṣālayet |
punaḥ sarvagandhairālipya padmanīlotpalabilvairabhyarcya kṣaumavastraiḥ chādya bījamukhyairnagaraṃ vālayaṃ vā
pradakṣipradakṣiṇīkṛtya svastisūktena yāgamaṇḍapaṃ praveśayet | rathaṃ vā kuñjaraṃ vā śibikāṃ
vāropya pradakṣiṇaṃ kārayet | anekaporajataṃ cāturvarṇaiḥ parivṛtyāṃśaṃ
śaṅkhadundubhitūryaravairnirghoṣya vedaghoṣairjayaśabdaravairyuktaṃ śivaliṅgaṃ pradakṣiṇaṃ kārayet |
śubhe muhūrte maṇḍape'laṃkṛte cādhivāsayet |
Übersetzung: Heil und Segen! Ishvara sprach: [Der Anfang setzt die stark beschädigte Lehre von Einschlüssen im Stein fort.] In einem lotusblattartigen Wirbel befindet sich Sand; bei Goldfarbe weißer Sand; bei glatter [Textlücke], bei Krähenfarbe eine Krähe, bei Taubenfarbe zwei Hausgeckos. Bei krappfarbenem Kreiswirbel drei rote stechende Tiere; bei Gefäßfarbe drei Frösche; bei Weiß ein gelbes Chamäleon [Textlücke]; bei Echsen- oder Zuckerfarbe mürber Stein; bei Schwertfarbe Wasser und Sand; bei Bienenschwarz eine Heuschrecke; bei Honigfarbe ein Glühwürmchen; bei gefleckter Farbe ein Skorpion; [Lücke] Rötel; bei roter Lotusfarbe Risse. Ein glatter oder rauer Wirbel enthält zwei Mäuse, ein Kreiswirbel zwei Frösche. Bei Papageienfederfarbe eine gelbe Schildkröte [ein Wort unklar]; bei länglicher Form eine gelbe oder schwarze Schlange, bei roter länglicher Form eine rote Schlange [Endung beschädigt]. Bei Fischfarbe weißer Stein, bei Schwertfarbe Wasser, bei Bienenschwarz Fisch oder kleiner Fisch. Bei übermäßiger Rötung Bandhuka und Indrakopa [Zusammenhang mit Tieren und Pflanze beschädigt]; [Lücke] ein Dieb im Wirbelknoten [unsicher]. Bei bunter Färbung ein bunter Skorpion. Ein Wirbelknoten im Diamant enthält Diamant, in Gold Gold, in Silber Silber. In einer rot-dunklen länglichen Zeichnung roter Sand; [die anschließende Wirkung ist beschädigt]. Weißer Sand betrifft den Acharya, ein Gecko die Könige, Bergkristall bedeutet Tod von Brahmanen und Kühen. Die Wirkung erstreckt sich auf hundert Yojanas; Opferherr, Acharya und König sowie andere werden betroffen [Entfernungsangaben gestört]. Bei Asche-Lingas innere Unruhe. Bei einer Maus droht Diebstahl im Umkreis von vierzehn Yojanas, bei einem Hausgecko innerhalb von achtzehn Yojanas [Textlücke] Wassernot für Acharya und König. Ein roter Frosch bedeutet den Tod des Königs im Wasser, ein gelber Frosch Angst im Herzen aller Wesen. Eine rot-gelbe Schildkröte betrifft Tempelbewohner und Soldaten [Folge verloren], im Umkreis von zehn Yojanas. Ein buntes oder dickes Chamäleon [Lesung unsicher] bedeutet Hungersnot innerhalb von zwanzig Yojanas sowie durch die Ehefrau verursachtes Leid für Opferherr, Acharya und König. Eine gelbe Schlange bedeutet Schlangengefahr innerhalb von sechzehn Yojanas, besonders für Shudras; eine schwarze Schlange Untergang von Shudras und Mlecchas. Mürber Stein betrifft fünfundzwanzig Yojanas [Wirkung nicht erhalten]; bunter glatter Stein bedeutet Dürre. Mit Wasser und Sand vermischt [Lücke]. Bei Wasser, Glühwürmchen und Frosch droht Lebensgefahr für Zwei- und Vierfüßer. Bei Heuschrecken [Entfernungszahl beschädigt] Unheil für Opferherr, Acharya, König und alle Wesen, Verlust von Söhnen und Bedrängnis von zwölf Menschen [Wortlaut unsicher]. Bei Glühwürmchen-Einschlüssen [Folge nicht vollständig erhalten]. Bei Steinen mit Adern, Wirbeln, Knoten und Einschlüssen, die in [beschädigter Angabe zu Lagerung und Gold] eingesetzt werden, verschwinden die Fehler [Bedingungen nicht rekonstruierbar]. Dann gedeihen Besitz und Getreide bei Opferherr, Acharya, König und allen Wesen; guter Regen und allgemeines Glück entstehen. Nun die Linien des Brahmasutra. [Anfang der Maßvorschrift beschädigt.] Oberhalb eines bestimmten Teils soll mit Gold eine lotusknospenartige Spitze gefertigt werden; eine windwärts gerichtete Spitze wird ebenfalls genannt. [Es folgen beschädigte Angaben über Linien, Verehrungsteil, Grundteil, Lotus- und Kumuda-Stängel.] Eine mashabohnengroße Vertiefung, eingerissene oder erhöhte Seiten und das Zusammenlaufen hinten werden beschrieben. Bei einem vorzüglichen Linga heißen die drei Linien Vama, Jyeshtha und Raudri; sie werden als Brahmasutra erklärt. Auf andere Lingas übertrage man dies entsprechend. Oder man teile die Linga-Länge in neun [Textlücke] und bringe das Brahmasutra in den mittleren fünf Teilen an. Lotusknospenspitze, Ansatz der Lotusmitte und Spitze werden genannt. Die mittlere Linie reiche bis zur Basis des Verehrungsteils, langgezogen wie ein Kumuda-Stängel, von Gerstenkorn- oder Mashabohnenmaß vertieft; die Seiten [beschädigt] sollen hinten erhöht zusammenlaufen. Beim besten Linga sind die Seiten eine halbe Daumenbreite vertieft und einen Angula breit. Andere Lingas behandle man proportional. Bei einem Hasta Länge ist die mittlere Linie ein Gerstenkorn groß, bei zwei Hasta zwei, bei drei drei; entsprechend wächst sie bis neun. Oder man teile die Breite [Teilungszahl beschädigt] und gestalte in der Mitte eine Linie von einem Angula, seitlich eine Vertiefung von einem Viertel dieses Maßes. Oder die mittlere Linie verläuft vom Scheitel bis zur Basis des Verehrungsteils. Rechts ist die Gesamtkraft [Textlücke]; an den Seiten verlaufen die Linien bis nach hinten abfallend [Geometrie nicht eindeutig]. Sie heißen Raudri, Vama und Jyeshtha. Beim besten Shiva-Linga beträgt die Vertiefung zweieinhalb Angula; die seitlichen, schrittweise geneigten inneren Teile sind einen Angula breit. Andere Formen leite man daraus proportional ab. [Es folgt eine längere stark beschädigte Passage über den im Boden liegenden Anteil, Sockel, formloses Linga, halben Sockel und bewegliche Lingas. Erkennbare Wörter zu schwarzer Farbe, Tieren, Freiheit, Shiva und sämtlichen Wesen erlauben keinen zusammenhängenden Satz.] Der Acharya wirkt mit vier, acht oder zwölf weiteren Acharyas zusammen, die entsprechende [Qualifikationen verloren] besitzen, mit neuen Gewandpaaren, Armreifen, Hüftbändern, Ohrringen, Ringen und leuchtendem Schmuck ausgestattet; Maheshvara, fünffacher Opferlohn und vedische Hingabe werden genannt [Verknüpfung gestört]. Nach rechtsläufiger Umrundung tritt man in einer günstigen Stunde ein und arbeitet mit einer goldenen Nadel [Textlücke]. Den Verehrungsteil teile man in neun, lasse die unteren sechs Teile frei und forme im siebten eine Lotusknospe. Bei einem Hasta Länge misst sie einen Angula, bei zwei Hasta zwei; so steigend. Oder man teile den Verehrungsteil in sechzehn und bilde im zwölften Teil die Knospe. Die mittlere Linie ist Rigveda, Rudra und Raudri; die linke Yajurveda, Vishnu und Vama-Shakti; die rechte Samaveda, Brahma und Jyeshtha-Shakti. Die Knospe ist Pranava. [Eine Angabe von einem halben Gerstenkorn ist beschädigt.] Vom Knospenansatz gehen zwei Linien seitwärts aus und verbinden sich hinten. Die mittlere Linie zieht unterhalb zum Wurzelbereich: so Narayanas Auffassung. Vier Angula höher: so die Auffassung des Viergesichtigen. Drei mittlere Fingerbreiten [Bezug unsicher]; Agastya und Vasishtha nennen zwei Angula. Uma, Shri, Sarasvati, Dharani, Gayatri, Durga und die Mütterschar nennen [Maßverbindung beschädigt] zwei Angula mehr. Weiter werden ein Viertel des früheren Sutra-Maßes sowie sechzehn und vierundzwanzig obere und untere Anteile genannt [nicht eindeutig rekonstruierbar]. Mit [Textlücke] und weißem Mineralstoff zeichne man das Brahmasutra. Inmitten von Reis bereite man fünf Lager oder eines, lege das Linga nieder und wende sich nach Westen. Handwerker führen mit dem Werkzeug vorne quer und aufwärts hinter einem Vorhang die Kennzeichnung aus. Dort zeige man eine Kapila-Kuh. Diese Kuh, die goldene Nadel, den Vorhang und die übrigen Dinge übergebe man den Steinmetzen. Danach wasche man mit Wasser aus acht Erden, Abkochungen von acht Bäumen, Panchagavya, den fünf reinigenden Formeln sowie Hauptkeim- und Prasada-Mantras. Mit Duftwasser und den Hiranyavarna-, Pavamana- und Shuddha-Suktas wasche man erneut. Dann mit Purusha-Sukta, Vishnu-Sukta und Brahmajnana-Formel sowie Wasser mit Safran, Sandelholz und Kampfer. Wieder mit allen Duftstoffen bestreichen, mit Lotus, blauem Lotus und Bilva verehren und mit Leinentüchern bedecken. Unter Hauptkeim-Mantras führe man es rechtsherum um Stadt oder Heiligtum und mit dem Svasti-Sukta in den Opferpavillon. Auf Wagen, Elefant oder Sänfte lasse man es umherführen. Menschen der vier Stände umgeben es; [eine Angabe zu Gold oder Silber ist beschädigt]. Unter Muschelhörnern, Trommeln, Instrumenten, Vedarezitation und Siegesrufen vollziehe man den Umzug des Shiva-Linga. Zu günstiger Stunde bereite man es im geschmückten Pavillon rituell vor.
iti kālottare liṅgalakṣaṇaṃ saptacatvāriṃśatpaṭalaḥ || 47 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 47 über „Merkmale des Linga“.
Kapitel 48 – Rituelle Vorbereitung
48.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
liṅgādhivāsanaṃ vakṣye samāsācchṛṇu sāṃpratam |
uttarāyaṇakāle tu śuklapakṣe śubhe dine || 1 ||
Übersetzung: Ishvara sprach: Ich erkläre kurz die vorbereitende Lagerung des Linga. Höre: im nördlichen Sonnenlauf, in der hellen Monatshälfte, an einem günstigen Tag.
48.2
rohiṇīmṛgaśiraiścaiva puṣyaṃ cāpi punarvasu |
uttaratrayame vāhuḥ pratiṣṭhāyāmadhivāsane || 2 ||
Übersetzung: Rohini, Mrigashirsha, Pushya, Punarvasu und die drei Uttara-Sterne gelten als geeignet für Weihe und vorbereitende Lagerung,
48.3
vāruṇe vāyavye pauṣṇe caindrāgneyyathavā bhavet |
vārayoge siddhayoge cādhivāsanamucyate || 3 ||
Übersetzung: ebenso Varuna-, Wind-, Pushan-, Indra- und Feuerstern sowie günstige Wochentagsverbindungen und Siddhayoga.
48.4
somaḥ śukrabudhā jīvo dvitīyā pañcamīyute |
saptamyāṃ vā daśamyāṃ vā dvādaśyāṃ vā trayodaśī || 4 ||
Übersetzung: Montag, Freitag, Mittwoch und Donnerstag, verbunden mit zweitem, fünftem, siebtem, zehntem, zwölftem oder dreizehntem Mondtag,
48.5
nandaṃ vā saptamī vāpi pratiṣṭhāṃ cādhivāsane |
prāsādasyātha purato maṇḍapatrātidūrataḥ || 5 ||
Übersetzung: auch Nanda-Tage oder der siebte, gelten für Weihe und Lagerung. Vor dem Tempel, nicht zu weit entfernt, stehe der Pavillon,
48.6
daśahastaṃ dvādaśaṃ vā ṣoḍaśaṃ viṃśatistu vā |
camurdvāra samāyuktaṃ catustoraṇa bhūṣitam || 6 ||
Übersetzung: zehn, zwölf, sechzehn oder zwanzig Hasta groß, mit vier Türen und vier geschmückten Torbögen,
48.7
vitānoparisaṃcāradarbhamālāvalambanam |
tanmadhye kuṭṭimaṃ kuryāddṛḍhaṃ taddvayameva ca || 7 ||
Übersetzung: mit Baldachin und herabhängenden Darbha-Girlanden. In seiner Mitte errichte man einen festen erhöhten Boden [Doppelmaß unklar].
48.8
śālinā vikirettatra ṣaṭtriṃśaddroghameva ca |
tadardhaṃ taṇḍule naiva padmamaṣṭadalaṃ likhet || 8 ||
Übersetzung: Darauf streue man sechsunddreißig Drona ungeschälten Reis, halb so viel geschälten und zeichne einen achtblättrigen Lotus.
48.9
śayanaṃ kalpayettatra pañcabhistrayameva vā |
prāsārya kambalaṃ tatra paristaraṇaṃ tathopari || 9 ||
Übersetzung: Darauf bereite man ein Lager mit fünf oder drei [Lagen], breite eine Decke und darüber eine weitere Unterlage aus.
48.10
gandhapuṣpādibhistatra arcayedbījamukhyakaiḥ |
hṛdā hi sarvakarmāṇi bījamukhyaistribhiryutaiḥ || 10 ||
Übersetzung: Mit Duft, Blumen und Hauptkeim-Mantras verehre man es. Alle Handlungen geschehen mit dem Herzmantra und den drei Hauptkeimsilben.
48.11
puṇyāhaṃ vācayitvā tu ṛgyajussāmātharvakaiḥ |
vāmadevena mantreṇa prāsādena tu saṃyutaḥ || 11 ||
Übersetzung: Nach Segensruf und Rezitation der vier Veden mit Vamadeva, Prasada
48.12
bījamukhyasamāyuktaṃ śannodevīrabhiṣṭaye |
sakṛjjaptvā tu vai vatsa śayane śāyayecchivam || 12 ||
Übersetzung: und dem Hauptkeim-Mantra sowie einmaligem „śaṃ no devīr abhiṣṭaye“ lege man Shiva auf das Lager.
48.13
arcayedgandhapuṣpaiśca vastrayugmena cchādayet |
kalaśān sthāpayettatra haimarājataśulpajān || 13 ||
Übersetzung: Man verehre mit Duft und Blumen, bedecke ihn mit einem Gewandpaar und stelle Gefäße aus Gold, Silber oder Kupfer auf.
48.14
pradhānakalaśaṃ vatsa sauvarṇaṃ rājataṃ tu vā |
athavā tāmrajaṃ kumbhaṃ āḍhakairnavapūritam || 14 ||
Übersetzung: Das Hauptgefäß sei aus Gold, Silber oder Kupfer und fasse neun Adhaka.
48.15
tatpātre tu ghṛtaṃ pūrṇaṃ śatapatraṃ tu nikṣipet |
tadardhaṃ vā kṣipeddhīmān praśānte na tu vidyayā || 15 ||
Übersetzung: Man fülle es mit Ghee und lege einen hundertblättrigen Lotus hinein, oder die Hälfte [Bezugsgröße unklar], mit der Prashanta-Vidya.
48.16
śakṛddeśenyasenmantrī vyomavyāpimanusmaran |
vastrayugmena matimān śivaṃ vastrāṇi mantrataḥ || 16 ||
Übersetzung: Der Mantrakundige stelle es am „Shakrit“-Ort auf [wohl verderbte Ortsangabe], Vyomavyapin erinnernd, und versehe Shiva mit einem Gewandpaar unter Mantra.
48.17
indrādīśānaparyantaṃ kalaśānaṣṭavinyaset |
antanteśaṃ pūrvakalaśe pañcaratnodakaṃ kṣipet || 17 ||
Übersetzung: Von Indras bis Ishanas Richtung stelle man acht Gefäße auf. In das östliche mit Anantesha komme Wasser mit fünf Edelsteinen.
48.18
dakṣiṇe kalaśe sūkṣmaṃ pañcagavyaṃ nyasedbudhaḥ |
śivottamaṃ paścimakalaśe ekanetraṃ tu cottare || 18 ||
Übersetzung: Im Süden setze man Sukshma mit Panchagavya ein, im Westen Shivottama, im Norden Ekanetra.
48.19
kṣīraṃ śivoktaṃ kalaśe ghṛtannyasya ghṛtottare |
aiśānyāmekarudraṃ tu kaṣāyaṃ tatra vinyaset || 19 ||
Übersetzung: In Shivottamas Gefäß komme Milch, in das nördliche Ghee. Im Nordosten Ekarudra mit Kräuterabkochung.
48.20
āgneyyāṃ trimūrtikalaśamaṣṭamṛtsalilaṃ nyaset |
śrīkaṇṭhakalaśe nair-ṛtyāṃ yavapuṣpodakaṃ nyaset || 20 ||
Übersetzung: Im Südosten Trimurti mit Wasser aus acht Erden; im Südwesten Shrikantha mit Gersten- und Blumenwasser.
48.21
śrīkaṇṭhakalaśaṃ vāyavyāṃ sarvagandhodakaṃ nyaset |
pṛthagvai vastrayugmena pūjayitvā samantataḥ || 21 ||
Übersetzung: Im Nordwesten steht erneut „Shrikantha“ [abweichende Wiederholung], mit Duftwasser. Jedes Gefäß verehre man ringsum und versehen mit einem Gewandpaar.
48.22
kūrcasūtravidhānaṃ ca pṛthagvai kṣipraṃ veṣṭayet |
kalaśānnyastvā vidhānena paścāddhomaṃ samārabhet || 22 ||
Übersetzung: Grasbüschel und Schnurumwicklung bereite man jeweils gesondert. Nach vorschriftsgemäßer Gefäßaufstellung beginne das Feueropfer.
48.23
stuhomaṃ garbhagṛhe prāsādahomaṃ caturdaśī |
viśeṣeṣu ca kartavyaṃ caturaśraṃ sarvakuṇḍakam || 23 ||
Übersetzung: Im Heiligtum das Vastu-Opfer, ferner das Tempelopfer „am vierzehnten“ [Bezug unsicher]; alle betreffenden Feuergruben sollen quadratisch sein.
48.24
adhivāsamaṇḍape kuṇḍān pravakṣyāmi vidhānataḥ |
caturaśraṃ bhavetpūrvaṃ āgneyyāṃ tu trikoṇakam || 24 ||
Übersetzung: Nun die Feuergruben im Lagerungspavillon: im Osten quadratisch, im Südosten dreieckig,
48.25
yāmyāyāmardhacandrābhaṃ tryaśraṃ ca nair-ṛte bhavet |
vāruṇyāṃ vartulaṃ kuṇḍaṃ vāyavyāṃ pañcakoṇakam || 25 ||
Übersetzung: im Süden halbmondförmig, im Südwesten dreieckig, im Westen rund und im Nordwesten fünfeckig,
48.26
saumyāyāṃ caiva padmābhaṃ aiśānyāṃ saptakoṇakam |
caturaśre vāstuhomaṃ ca vāstuvidyāviśāradaḥ || 26 ||
Übersetzung: im Norden lotusförmig und im Nordosten siebeneckig. Das Vastu-Opfer vollziehe der Kundige in der quadratischen Grube.
48.27
brāhmaṇaiḥ putrakādyaistu pūrvoktairlakṣaṇānvitaiḥ |
hārakeyūrakaṭakairūpavītāṅgulīyakaiḥ || 27 ||
Übersetzung: Brahmanen vom Putraka-Grad an, mit den genannten Merkmalen, Halsketten, Oberarmreifen, Armreifen, heiligen Schnüren und Ringen,
48.28
navavastrayugmacchannaissoṣṇīṣaissottarīyakaiḥ |
aindrāṃ? caiva tu āgneyyāṃ vastrato homamārabhet || 28 ||
Übersetzung: neuen Gewandpaaren, Turbanen und Obertüchern versehen, beginnen das Opfer im Osten und Südosten [vedische Zuordnung beschädigt].
48.29
yāmyāyāmatha nair-ṛtyāṃ yajurvedena homayet |
vāruṇyāṃ caiva vāyavyāṃ sāmago homamārabhet || 29 ||
Übersetzung: Im Süden und Südwesten opfert man mit Yajurveda, im Westen und Nordwesten mit Samaveda,
48.30
saumyāyāṃ caiva aiśānyāṃ atharvaihomamārabhet |
śirasi sthānamācāryo dviguṇaṃ homamārabhet || 30 ||
Übersetzung: im Norden und Nordosten mit Atharvaveda. Am Kopfende opfert der Acharya die doppelte Zahl.
48.31
caturaśre tu kuṇḍe tu homaṃ kuryāttu śaṃkaram |
palāśakhadirāśvattha plakṣanyagrodha eva ca || 31 ||
Übersetzung: In der quadratischen Grube opfere man für Shankara. Palasha, Khadira, Ashvattha, Plaksha und Nyagrodha,
48.32
bilvodumbaraśāmyaśca apāmārgannṛpakṣakam |
jātīvakularājārka kadambaṃ cūtameva ca || 32 ||
Übersetzung: Bilva, Udumbara, Shami, Apamarga, Nripaksha [unsicher], Jati, Vakula, Rajarka, Kadamba, Mango,
48.33
śirīṣaṃ panasaṃ caiva vaikaṅkatasamidbhavet |
dviprādeśaṃ bhavedidhmaṃ samidvai tālamātrataḥ || 33 ||
Übersetzung: Shirisha, Panasa und Vikankata dienen als Opferholz. Brennholz sei zwei Pradesha, Opferhölzer einen Tala lang.
48.34
sruvaṃ darvīṃ sruco vatsa pūrvaṃ hi kathitaṃ mayā |
mathitāgniṃ viśeṣāttu śrotriyasya gṛhepi vā || 34 ||
Übersetzung: Die Maße der kleinen und großen Opferlöffel habe ich schon erklärt. Man verwende eigens durch Reiben erzeugtes Feuer oder Feuer aus dem Haus eines Vedagelehrten.
48.35
tāmrapātre śarāve vā ānayejjāta vedasam |
garbhādhānādikarmāṇi kārayettatra pāragaḥ || 35 ||
Übersetzung: In einem Kupfergefäß oder einer Tonschale bringe man das Feuer herbei. Der Kundige vollziehe Empfängnisweihe und die weiteren Riten am Feuer.
48.36
ājyapātraṃ praṇitāṃ ca prokṣaṇīsamidhaḥ kuśān |
sruvaṃ darvīssruvā caiva valabhṛttaṇḍulaṃ ghaṣam || 36 ||
Übersetzung: Ghee-Gefäß, Pranita-Wasser, Sprengwasser, Opferholz, Kusha, kleine und große Löffel, [beschädigtes Gerät], Reis und [weiterer Gegenstand],
48.37
gandhaṃ puṣpaṃ phalaṃ toyaṃ aṅgāraṃ vyajanaṃ tathā |
kūrcarājaṃ tilaṃ caiva sarṣapaṃ śāliveṇavam || 37 ||
Übersetzung: Duft, Blumen, Früchte, Wasser, Kohlen, Fächer, großer Grasbüschel, Sesam, Senf, Reis und Bambussamen,
48.38
nīvāraṃ caiva godhūmamagneruttarato bhavet |
candrarūpāṇi vai vatsa sādhayetsarvameva hi || 38 ||
Übersetzung: Nivara und Weizen liegen nördlich vom Feuer. „Mondformen“ bereite man allesamt [Zusammenhang unklar].
48.39
prayogaṃ sarvaṃ kathitaṃ agnikāryakriyā api |
saṃskṛtya vidhivaccāgnimṛtvijebhyaḥ pradāpayet || 39 ||
Übersetzung: Die Verwendung und sämtliche Feuerhandlungen wurden erklärt. Nach ritueller Zurüstung des Feuers teile man es den Opferpriestern zu.
48.40
tadagnau dāpayetpaścāt ṛtvijaḥ sarva eva hi |
pūrve tatpuruṣaṃ mantraṃ imā rudreti homayet || 40 ||
Übersetzung: Alle Priester geben ihre Gaben in dieses Feuer. Im Osten mit Tatpurusha und „imā rudrāya“ [Formelanfang in der Vorlage verkürzt].
48.41
āgneyyāṃ hṛdayamantreṇa tryambakaṃ cāpi homayet |
dakṣiṇe tu aghorantu parito rudreṇa homayet || 41 ||
Übersetzung: Im Südosten mit Herzmantra und Tryambaka; im Süden mit Aghora und „pari to rudrasya“ [verkürzter Anfang].
48.42
śikhāmantreṇa nair-ṛtyāṃ namaste rudramanyave |
paścime sadyamantreṇa agna āyāhi vai guha || 42 ||
Übersetzung: Im Südwesten mit Shikha-Mantra und „namaste rudra manyava“; im Westen mit Sadyojata und „agna āyāhi“.
48.43
vāyavyāṃ kavacamantreṇa puro jīyena homayet |
saumyāyāṃ vāmadevena śanno devīrabhiṣṭaye || 43 ||
Übersetzung: Im Nordwesten mit Kavacha-Mantra und „puro jī…“ [beschädigte Formel]; im Norden mit Vamadeva und „śaṃ no devīr abhiṣṭaye“.
48.44
śiromantreṇa aiśānyāṃ caṇḍarudreṇa homayet |
navacatvārimantreṇa vāstuhomantu kārayet || 44 ||
Übersetzung: Im Nordosten mit Kopfmantra und Chandarudra. Das Vastu-Opfer geschehe mit „neun-vier Mantras“ [wohl neunundvierzig; Lesung nicht eindeutig].
48.45
vāstoṣpatetyanenaiva homayedvāstuviddvijaḥ |
prāsādahomamaṣṭāyurbījamukhyena homayet || 45 ||
Übersetzung: Der Vastu-kundige Brahmane opfere mit „vāstoṣpate“. Das Tempelopfer mit „Ashtayus“ [unklar] und dem Hauptkeim-Mantra.
48.46
rudrasūktaṃ puruṣasūktaṃ viṣṇusūktaṃ tathaiva ca |
haṃsaśuciṃ śannavargaṃ annasūktaṃ jātavedasam || 46 ||
Übersetzung: Rudra-, Purusha- und Vishnu-Sukta, „haṃsaḥ śuciṣat“, Shanna-Gruppe, Anna-Sukta und Jatavedas,
48.47
pavamānaṃ hiraṇyaṃ ca caturhotā tathaiva ca |
saptahotā daśahotā rudraikādaśa eva ca || 47 ||
Übersetzung: Pavamana, Hiranya, Chaturhotri, Saptahotri, Dashahotri und die elf Rudras,
48.48
agraṃ khalu hotāraṃ śatarudrīyameva ca |
brahmasāma samajyeṣṭhāt sāmaṃ vikarṇaṃ rudrasāmakam || 48 ||
Übersetzung: „agraṃ khalu hotāram“, Shatarudriya, Brahmasaman, Jyeshthasaman, Vikarna und Rudrasaman,
48.49
mahāvratiṃ puruṣagatiṃ bahiṣpavamānameva ca |
nīlarudraṃ mahārudraṃ atharvaśirasaṃ tathā || 49 ||
Übersetzung: Mahavrata, Purushagati, Bahishpavamana, Nilarudra, Maharudra und Atharvashiras,
48.50
māhendraṃ bārhaspatyaṃ vaiṣṇavaṃ saurameva ca |
ājyena homavidhinā svasvaśākhāparairdvijaiḥ || 50 ||
Übersetzung: Mahendra-, Brihaspati-, Vishnu- und Sonnenformeln: Mit Ghee opfern Brahmanen nach ihrer jeweiligen Vedaschule.
48.51
samidājyādibhiḥ sarvaiḥ pṛthagaṣṭottaraṃ śatam |
sāvitryā vyāhṛtibhiḥ pratyekaṃ śataṃ homayet || 51 ||
Übersetzung: Mit Opferholz, Ghee und den übrigen Stoffen jeweils 108 Gaben; mit Savitri und den Vyahritis jeweils hundert.
48.52
pavitraiḥ pañcabhiścaiva śivāṅgairbījamukhyakaiḥ |
vyomavyāpiñcāṣṭa mūrtimaṣṭavidyeśvaraiḥ saha || 52 ||
Übersetzung: Mit den fünf reinigenden Formeln, Shiva-Glied-Mantras, Hauptkeimsilben, Vyomavyapin, den acht Gestalten und acht Vidyeshvaras,
48.53
gaṇeśāllokapālāṃśca astrā mātrāgaṇā api |
gandharvāpsarasaḥ siddhān nāgān kiṃ puruṣānapi || 53 ||
Übersetzung: für Ganeshas, Welthüter, Waffen, Mütter, Gandharvas, Apsaras, Siddhas, Nagas und Kimpurushas,
48.59
yakṣānmarudgaṇāṃścaiva gāruḍān rākṣasānapi |
vidyādharān yātudhānān śatapañcāśadardhakān || 59 ||
Übersetzung: Yakshas, Maruts, Garudas, Rakshasas, Vidyadharas und Yatudhanas: hundert, fünfzig und die Hälfte [Zuordnung nicht ausgeschrieben; Originalnummer 59].
48.55
viṃśatpañcadaśāṃścaiva daśa dvādaśa eva hi |
aṣṭa sapta ca ṣaṭpañca catvārastraya eva ca || 55 ||
Übersetzung: Zwanzig, fünfzehn, zehn, zwölf, acht, sieben, sechs, fünf, vier und drei,
48.56
dvau caiva ekamevaṃ tu rākṣasāṃśca piśācakān |
evaṃ hutvā vidhānena pūrṇāhutimathācaret || 56 ||
Übersetzung: zwei und eine Gabe, auch für Rakshasas und Pishachas. Nach diesem vorschriftsgemäßen Opfer vollziehe man die Vollgabe.
48.57
prāsādena tu mantreṇa pūrṇāhutimathācaret |
ghṛtaṃ hutvā spṛśenmūrdhni lājaṃ hutvā tu cendriyam || 57 ||
Übersetzung: Mit Prasada vollziehe man die Vollgabe. Nach Ghee-Gabe berühre man den Kopf, nach Puffreis-Gabe das Sinnesorgan [welches, bleibt offen].
48.58
caru hutvā spṛśedvaktraṃ samiddhutvā spṛśetsamanāt |
tilān hutvā divi praśyaśāliṃ hutvodaraṃ spṛśet || 58 ||
Übersetzung: Nach gekochter Opferspeise das Gesicht, nach Holz ringsum; nach Sesam [beschädigte Berührungsangabe], nach Reis den Bauch.
48.59 (zweites Vorkommen)
nīvāraṃ hutvā * * * * ṣṭau tu prāsādena ṣaḍānana |
yavaṃ hutvorusaṃgṛhya sakṛcchreṇa tu ṣaṇmukha || 59 ||
Übersetzung: Nach Nivara [Textlücke] mit Prasada; nach Gerste berühre man die Oberschenkel, Sechsgesichtiger [Schluss unklar].
48.60
tattanmantreṇa matimān prāsādena tu saṃyutam |
bījamukhena saṃyuktaṃ spṛśetprasṛtamudrayā || 60 ||
Übersetzung: Der Verständige berühre mit Prasrita-Mudra unter dem jeweiligen Mantra, verbunden mit Prasada und Hauptkeim-Mantra.
48.61
pañcavarṇacaruṃ vatsa nivedayedardharātrike |
pratisaraṃ bandhayettatra padmasūtreṇa mukhyayā || 61 ||
Übersetzung: Um Mitternacht bringe man fünffarbige Opferspeise dar und binde ein Schutzband aus Lotusfaden mit dem Hauptmantra.
48.62
ācāryaṃ pūjayettatra vastrahemāṅgulīyakaiḥ |
viprānekādaśān bhojya tatkāle pāyasaṃ guha || 62 ||
Übersetzung: Den Acharya ehre man mit Gewändern, Gold und Ringen; elf Brahmanen speise man mit Milchreis.
48.63
rātrau mahotsavaṃ kuryāt śaṅkhatūryaravaiḥ śubhaiḥ |
diśābaliṃ dāpayeddhi * * * * * * * * || 63 ||
Übersetzung: Nachts veranstalte man ein großes Fest mit glückbringendem Muschel- und Instrumentenklang und Bali-Gaben in die Richtungen [Textlücke].
48.64
- * * * * buddhimān kṛsarāpūrpasaṃyutam |
rātrau homaṃ prakartavyaṃ prabhāte sthāpanaṃ bhavet || 64 ||
Übersetzung: [Textlücke] mit Krishara und Kuchen. Nachts vollziehe man das Feueropfer; am Morgen erfolgt die Einsetzung.
iti kālottare adhivāsanapaṭalo'ṣṭācatvāriṃśat || 48 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 48 über „Rituelle Vorbereitung“.
Kapitel 49 – Die Verbindung mit dem Sockel
49.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
pratiṣṭhāvidhiṃ pravakṣyāmi sarvasiddhikaraṃ param |
garbhagehaṃ sūtrayitvā aṣṭadikṣu yathā vidhi || 1 ||
Übersetzung: Ishvara sprach: Ich erkläre die höchste, alle Vollkommenheiten bewirkende Weihe. Man vermesse das Heiligtum mit Schnüren nach den acht Richtungen.
49.2
brahmasūtraṃ purākṛtvā bījamukhyena mantravit |
garbhagehasya pūrve tu dvāraṃ samyakprakalpayet || 2 ||
Übersetzung: Zuerst lege der Mantrakundige mit dem Hauptkeim-Mantra das Brahmasutra an; östlich des Heiligtums plane man die Tür.
49.3
dvāraṃ vibhajya yatnena ekaviṃśatibhāgakam |
ekaṃ madhye tu taṃ kṛtvā tribhāgaṃ kusumākaram || 3 ||
Übersetzung: Man teile die Tür sorgfältig in einundzwanzig Teile, lasse einen in der Mitte und gestalte drei blumenförmig.
49.4
padmapatrākṛtiṃ vāpi kumudapatrākṛtiṃ tu vā |
kalhārapatravatkuryāt haṃsinī puṣpavadbhavet || 4 ||
Übersetzung: Wie Lotus-, Kumuda- oder Kalhara-Blätter oder wie Hamsini-Blüten soll die Form sein.
49.5
aṣṭāviṃśatipīṭhaṃ tu īpsitaṃ vāpi bandhayet |
upānaṃ jagatīṃ kuryānmekhalātrayameva ca || 5 ||
Übersetzung: Man füge einen der achtundzwanzig Sockeltypen oder den gewünschten; mit Fußleiste, Terrasse und drei umlaufenden Bändern.
49.6
viṣṇubhāgasya cotsedhaṃ pūjābhāgasya vistaraḥ |
kāladvayaṃ cāpyadhikaṃ sarvapīṭhe tu vistaram || 6 ||
Übersetzung: Die Höhe entspreche dem Vishnu-Teil, die Breite dem Verehrungsteil; zwei Kala mehr werden als gesamte Sockelbreite genannt.
49.7
pūjābhāgañcaturaṃśaṃ tribhāgaṃ nābheścādhamamam |
pīṭhantu dvāramātmānaṃ pīṭhaṃ tasya dviguṇasya || 7 ||
Übersetzung: Vier Teile des Verehrungsteils, drei Teile des Umfangs als geringstes Maß, Türmaß und dessen Verdopplung werden genannt [Maßbeziehungen beschädigt].
49.8
pīṭhabhogān trikamekaṃ ghṛtavārihastaṃ pīṭhaṃ caturaśroṇyasaṃ * * * vṛttam | pūrve bhāgaṃ hīnaṃ tu
dvayabhāgaṃ bhūmau sthāpya salambitaliṅgasamapīṭhaṃ garbhaṃ tu trīṇi caturthamiti śobhamadharmadvayaṃ
valayaṃ vāpi vistaram (?) || 8 ||
Übersetzung: [Die Maßvorschrift ist stark beschädigt.] Erkennbar sind drei und ein Anteil des Sockels, eine Handbreite für Ghee und Wasser, quadratische beziehungsweise runde Form, ein vermindertes Vorderteil, zwei in der Erde eingesetzte Teile, Gleichmaß von Linga und Sockel, drei und vier Teile sowie zwei umlaufende Ringe. Eine zuverlässige Bauzeichnung lässt sich daraus nicht gewinnen.
49.9
yoniṃ kuryādvidhānena mahāmāyāṃ tu bandhayet |
dvikhaṇḍanena kartavyaṃ ekenaiva umā bhavet || 9 ||
Übersetzung: Man gestalte die Yoni vorschriftsgemäß und füge Mahamaya ein. Sie könne aus zwei Teilen bestehen; einteilig gilt sie als Uma.
49.10
śailena kārayelliṅgaṃ pīṭhaṃ lohena kārayet |
dārave dāravaṃ kuryāt pārthivena tu pārthivam || 10 ||
Übersetzung: Beim steinernen Linga fertige man den Sockel aus Metall; beim hölzernen aus Holz, beim irdenen aus Erde.
49.11
yadyaddravyeṇa liṅgasya tattaddravyeṇa pīṭhakam |
vajraṃ maratakaṃ māṇikyaṃ mauktikaṃ vidrumameva ca || 11 ||
Übersetzung: Aus dem Material des Linga sei grundsätzlich auch der Sockel. Bei Diamant, Smaragd, Rubin, Perle, Koralle,
49.12
sphaṭikaṃ puṣyarāgaṃ ca sūryakāntendukāntayoḥ |
lohena pīṭhaṃ kartavyaṃ ārakūṭena vā kuru || 12 ||
Übersetzung: Bergkristall, Topas, Sonnen- oder Mondstein fertige man den Sockel aus Metall oder Messing.
49.13
canalaṃ na ca pṛṣṭaṃ vā * * bandhaṃ ṣaḍānana |
pūrve tu calanaṃ liṅgaṃ kṣatriyāṇāṃ bhayaṃ bhavet || 13 ||
Übersetzung: [Die Befestigungsanweisung ist beschädigt.] Bewegt sich das Linga nach Osten, droht Gefahr für Kshatriyas.
49.14
āgneyyāṃ calitaṃ liṅgaṃ pramādādyutkramāttu vā |
brāhmaṇānāṃ bhayaṃ tatra nātra kāryā vicāraṇā || 14 ||
Übersetzung: Bewegt es sich durch Unachtsamkeit oder falsches Vorgehen nach Südosten, droht Brahmanen Gefahr.
49.15
yāmyāyāṃ cālayelliṅgaṃ sadyomṛtyurbhaviṣyati |
nair-ṛtyāṃ calite liṅge catuṣpādabhayaṃ bhavet || 15 ||
Übersetzung: Bewegt es sich nach Süden, folgt unmittelbarer Tod; nach Südwesten Gefahr für Vierfüßer.
49.16
dvipādaṃ catuṣpadānāṃ ca sadyomaraṇamucyate |
avyagro caiva matimān śanaiḥ pīṭhaṃ prapūjayet || 16 ||
Übersetzung: Unmittelbarer Tod für Zwei- und Vierfüßer wird genannt. Unzerstreut und verständig verehre man den Sockel behutsam.
49.17
aindrādi somyāśrayantu varjayettatra mantravit |
aiśānyāmāśrayelliṅgaṃ pūjyamācandratārakam || 17 ||
Übersetzung: Neigung von Osten bis Norden vermeide der Mantrakundige; nach Nordosten geneigt verehre man das Linga, solange Mond und Sterne bestehen.
49.18
yavaṃ vāpi yavārdhaṃ vā aiśānyāṃ kiñcidāśrayet |
subhikṣaṃ gobahulaṃ ca putrapautravivardhanam || 18 ||
Übersetzung: Ein Gerstenkorn oder ein halbes neige es sich nordöstlich: Das bringt gute Nahrung, viele Kühe, Söhne und Enkel.
49.19
tasmātsarvaprayatnena aiśānyāṃ kiñcidāśrayet |
snapanaṃ kārayet paścāt śāstradṛṣṭena karmaṇā || 19 ||
Übersetzung: Darum richte man es sorgfältig ein wenig nach Nordosten; danach vollziehe man die schriftgemäße Begießung.
49.20
liṅgaṃ vastreṇa sañchādya pīṭhabandhantu kārayet |
liṅgaṃ sākṣānmaheśānaḥ pīṭhaṃ sākṣādumā bhavet || 20 ||
Übersetzung: Man bedecke das Linga mit Stoff und befestige den Sockel. Das Linga ist Maheshana selbst, der Sockel Uma selbst.
49.21
pīṭhaṃ sākṣānmahāviṣṇuḥ liṅgaṃ sākṣātsadāśivaḥ |
sākṣātpṛthivī pīṭhaṃ tu liṅgaṃ sākṣāddhiyatparam || 21 ||
Übersetzung: Der Sockel ist auch Mahavishnu, das Linga Sadashiva; der Sockel Erde, das Linga das die Erkenntnis Übersteigende [Schlusslesung unsicher].
49.22
tasmātsarvaprayatnena pīṭhabandhaṃ tu kārayet |
aṣṭabandhaṃ prakartavyaṃ pīṭhaliṅgasya chidrake || 22 ||
Übersetzung: Darum befestige man den Sockel sorgfältig. Den Zwischenraum zwischen Linga und Sockel fülle man mit Ashtabandha.
iti kālottare pīṭhabandhapaṭalaḥ ekonapañcāśat || 49 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 49 über „Die Verbindung mit dem Sockel“.
Kapitel 50 – Einsetzung und Weihe
50.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
snapanasya vidhiṃ vakṣye sarvapāpapraṇāśanam |
sarva śāntikaraṃ caiva sarvāriṣṭavināśanam || 1 ||
Übersetzung: Ishvara sprach: Ich erkläre die Begießung, die alle Verfehlungen und Unglückszeichen beseitigt und Frieden bewirkt.
50.2
pratiṣṭhānte sthalasaṃskāre purāṇaprāsādasaṃskṛte |
grahaṇe viṣuve caiva ayane vyatipātake || 2 ||
Übersetzung: Nach Weihe, Platzsanierung, Erneuerung eines alten Tempels, bei Finsternis, Tagundnachtgleiche, Sonnenwende oder Vyatipata,
50.3
rājyābhiṣeke māṅgalye vivāhe mantrasādhane |
dīkṣānte cādbhute caiva ghoraduḥsvapna darśane || 3 ||
Übersetzung: Königsweihe, Fest, Hochzeit, Mantra-Praxis, nach Einweihung, bei Wunderzeichen oder schrecklichem Traum,
50.4
utsavānte ca saṃgrāme jānapadavyādhipīḍane |
bhūmikampe ca durbhikṣo pratimābhedane'pi ca || 4 ||
Übersetzung: nach Festen, im Krieg, bei Seuchen im Land, Erdbeben, Hungersnot oder zerbrochenem Götterbild,
50.5
sabhāyā bhedane'kasmāt mahāmārīplavena ca |
pīṭhabandhe sudhākārye sthalasaṃskāraṃ kārayet || 5 ||
Übersetzung: plötzlichem Einsturz der Halle, großer Epidemie, Überschwemmung, Sockelbefestigung oder Verputzarbeiten reinige man den Ort.
50.6
rājayakṣmā ca vyāyāme snapanaṃ kārayedguha |
sauvarṇai rājataistāmraiḥ pārthivairvā susaṃsthitaiḥ || 6 ||
Übersetzung: Bei Schwindsucht und Überanstrengung vollziehe man Begießung mit guten goldenen, silbernen, kupfernen oder irdenen Gefäßen.
50.7
niyutairayutairvāpi nikharvaḥ kharvakaistu vā |
arbudairnyarbudairvāpi snapanaṃ kārayedguha || 7 ||
Übersetzung: Mit Niyuta, Ayuta, Nikharva, Kharva, Arbuda oder Nyarbuda Gefäßen vollziehe man die Begießung. [Traditionelle Großzahlbezeichnungen.]
50.8
sahasrairardhaistato'pyardhaiḥ tataścāṣṭāśatena vā |
ekāśītiścatuḥ ṣaṣṭiḥ snapanaṃ tatra kārayet || 8 ||
Übersetzung: Oder tausend, halb so vielen, nochmals halb so vielen, 108, 81 oder 64.
50.9
uttaraṃ caikagarbhaṃ tu dakṣiṇaṃ tu dvayorbhavet |
tayormadhye bṛhatsūtraṃ kārayettantravittamaḥ || 9 ||
Übersetzung: [Übergang zur Einsetzung:] Nördlich ein Garbha, südlich zwei; dazwischen lege der Tantrakundige die große Schnur an. [Bedeutung gestört.]
50.10
prāguktānāṃ tu salilaṃ kuryāttatra vicakṣaṇaḥ |
yavārdhamātraṃ saṃlīnaṃ gatantatra ca sthāpayet || 10 ||
Übersetzung: Mit dem zuvor genannten Wasser verfahre man entsprechend; um ein halbes Gerstenkorn vertieft setze man [Objekt unklar] ein.
50.11
pādaśilāyāmavistāraṃ kārayelliṅgamūlataḥ |
adhikamaṅgulaṃ kuryāt vistāroṣṭāṅgulaṃ bhavet || 11 ||
Übersetzung: Länge und Breite des Grundsteins bemesse man nach der Linga-Basis, einen Angula größer; auch acht Angula Breite werden genannt.
50.12
brahmabhāgasyādhastāttu samyaksthāpya vidhānataḥ |
brahmajajñānamevaṃ tu sadasaspatimeva ca || 12 ||
Übersetzung: Unter dem Brahma-Teil setze man ihn vorschriftsgemäß ein, mit „brahma jajñānam“ und „sadasaspati“.
50.13
anayoḥ sthāpane'dhastāt dṛḍhaṃ samyakprakalpayet |
ratnanyāsaṃ prakartavyaṃ brahmapādaśilopari || 13 ||
Übersetzung: Unten befestige man alles gut; über dem Brahma-Grundstein vollziehe man die Edelsteindeponierung.
50.14
ratnaṃ lohaṃ ca dhātuṃ ca mṛjjalaṃ gandhameva ca |
bījaṃ coṣadhipuṣpaṃ ca navakakṣaṃ ṣaḍānana || 14 ||
Übersetzung: Edelsteine, Metalle, Mineralien, Erde, Wasser, Duft, Samen, Heilpflanzen und Blumen bilden neun Gruppen.
50.15
vajraṃ ca padmarāgaṃ ca maratakaṃ mauktikaṃ tayā |
vidrumaṃ puṣyarāgaṃ ca sūryakāntendukāntakam || 15 ||
Übersetzung: Diamant, Rubin, Smaragd, Perle, Koralle, Topas, Sonnenstein und Mondstein,
50.16
indranīlaṃ mahāsena brahmādyeśānamantrakam |
suvarṇaṃ rajataṃ tāmraṃ āyasaṃ trapusīsakam || 16 ||
Übersetzung: Saphir als neunter: mit den Mantras von Brahma bis Ishana. Gold, Silber, Kupfer, Eisen, Zinn, Blei,
50.17
āraṃ ca vidulaṃ kāṃsyaṃ pūrvavadvinyasedguha |
tālakaṃ gandhakaṃ śīlaṃ daragairikamākṣikam || 17 ||
Übersetzung: Messing, Vidula [unklar] und Bronze lege man ebenso nieder. Auripigment, Schwefel, Shila, Darada, Rötel und Makshika,
50.18
saurāṣṭramañjanaṃ sīsaṃ pūrvavadvinyasedguha |
tadīnāṅgo viṣāṇotthavarāhakuśamūlataḥ || 18 ||
Übersetzung: Saurashtra, Augenschminke und Blei lege man ebenso nieder. Erde von [beschädigtem Ort], Kuhhorn, Eber und Kusha-Wurzel,
50.19
hṛ(hra)dātkoṣṭhārivalmīkāt kṣetraṃ vaivedimadhyataḥ |
śubhamṛtprakṣipedvatsa pūrvavanmantrapūrvakam || 19 ||
Übersetzung: Teich, Speicher, Ameisenhügel, Feld und Altarmitte lege man mit den Mantras nieder. [Aufzählung und Wortgrenzen teilweise gestört.]
50.20
paṅkajasya tu mūlaṃ tu utpalasya tu mūlakam |
kumudakahlārakoṭī ca nīlotpalameva ca || 20 ||
Übersetzung: Wurzeln von Lotus, Utpala, Kumuda, Kalhara, Koti [unklar] und blauem Lotus,
50.21
nandyāvartaṃ śataṃ vāpi vyāghātannavamūlakam |
pūrvavadvikṣipedvatsa brahmādyeśānamantrakam || 21 ||
Übersetzung: Nandyavarta, Shata [unsicher] und Vyaghata als neunte lege man mit den Mantras von Brahma bis Ishana nieder.
50.22
candanaṃ kuṅkumaṃ caiva khaḍgaṃ lohaṃ phalatrayam |
kastūriṃ patranavamaṃ pūrvavatparikalpayet || 22 ||
Übersetzung: Sandelholz, Safran, Khadga, Loha [Duftstoffe unsicher], die drei Früchte, Moschus und Patra als neunter Stoff.
50.23
śālinīvāragodhūmayavaveṇupriyaṅgavaḥ |
tilamudgāssamāṣāśca pūrvavatparikalpayet || 23 ||
Übersetzung: Shali, Nivara, Weizen, Gerste, Bambussamen, Priyangu, Sesam, Mung und Masha bereite man ebenso.
50.24
lakṣmī ca sahadevī ca viṣṇukrāntā nṛpastathā |
śāribā indravallī ca sūryāvartaṃ balāni ca || 24 ||
Übersetzung: Lakshmi, Sahadevi, Vishnukranta, Nripa, Sariva, Indravalli, Suryavarta, Bala,
50.25
śvetā ca girikarṇī ca pūrvavatparikalpayet |
mallikājātipuṣpaṃ ca vakulaṃ pāṭalāni ca || 25 ||
Übersetzung: Shveta und Girikarni [die Neunerzählung passt nicht eindeutig] bereite man ebenso. Mallika, Jati, Vakula, Patala,
50.26
paṅkajaṃ cotpalaṃ caivaṃ campakaṃ nandivartakam |
navamaṃ vakulaṃ vatsa pūrvavatparikalpayet || 26 ||
Übersetzung: Lotus, Utpala, Champaka, Nandivarta und nochmals Vakula als neunte Blume bereite man ebenso.
50.27
daśa niṣkaṃ śātakumbhe pṛthvīṃ kṛtvā kṣipedbudhaḥ |
svarṇaṃ dvādaśaniṣkeṇa kūrmaṃ kṛtvā tu nikṣipet || 27 ||
Übersetzung: Aus zehn Nishka Shatakumbha fertige man die Erde und deponiere sie; aus zwölf Nishka Gold eine Schildkröte.
50.28
triṃśanniṣkeṇa vai vatsa bālarūpaṃ tu kārayet |
vṛṣabhaṃ kesarī nāgaṃ śrīvatsaṃ bherimeva ca || 28 ||
Übersetzung: Aus dreißig Nishka fertige man eine Kindergestalt [Lesung unklar]. Stier, Löwe, Elefant, Shrivatsa, Trommel,
50.29
darpaṇaṃ pūrṇa kumbhaṃ ca dīpaścaivāṣṭamaṅgalam |
toraṇaṃ caiva bhāṇḍena pūrvavatparikalpayet || 29 ||
Übersetzung: Spiegel, Vollgefäß und Lampe sind die acht Glückszeichen; Torbogen und Geräte bereite man wie zuvor.
50.30
ekaikaṃ pañcaniṣkeṇa bījamukhyena nikṣipet |
pavitraiḥ pañcabhirjaptvā prāsādaṃ bījamukhyakaiḥ || 30 ||
Übersetzung: Jedes aus fünf Nishka; mit Hauptkeim-Mantra lege man es nieder, rezitiere die fünf reinigenden Formeln, Prasada und Hauptkeimsilben.
50.31
skanda indrādinavamaṃ ṛcā japtvā tu nikṣipet |
pṛthakkapilāndohayettatra pañca ete dvayor-ṛcoḥ || 31 ||
Übersetzung: Skanda, Indra und weitere bis zum neunten [Zuordnung unklar] lege man mit Versen nieder. Fünf Kapila-Kühe melke man gesondert unter zwei Versen.
50.32
pāyasaṃ pācya vidhinā tryambakena tu lepayet |
sumuhūrte dine caiva sunakṣatre tithau guha || 32 ||
Übersetzung: Man koche Milchreis und bestreiche mit Tryambaka. An günstigem Tag, unter günstigem Stern und Mondtag,
50.33
devadevaṃ maheśānaṃ sthāpayedvāmamantrataḥ |
snātvācamya vidhivadācāryastu samāhitaḥ || 33 ||
Übersetzung: setze man Maheshana, den Gott der Götter, mit Vama ein. Der Acharya bade, nippe rituell Wasser und sammle sich.
50.34
sadyojātaṃ samuccārya uttiṣṭha brāhmaṇartvijaḥ |
devadevaṃ samutthāpya śakaṭopari nirvahet || 34 ||
Übersetzung: Mit Sadyojata und „uttiṣṭha brahman“ heben die Priester den Gott hoch und tragen ihn auf einen Wagen.
50.35
rathasyopari vā vatsa gajasyopari eva vā |
grāmaṃ vā nagaraṃ vāpi pattanaṃ vā pradakṣiṇam || 35 ||
Übersetzung: Auf Wagen oder Elefant führe man ihn rechtsherum um Dorf, Stadt oder Hafenort.
50.36
yajamānaḥ pṛṣṭhato gacchet putrabhrātṛkalatrakaiḥ |
ācāryastvagrato gacchet arghyantasya samāhitaḥ || 36 ||
Übersetzung: Der Opferherr folgt mit Söhnen, Brüdern und Gemahlin; der Acharya geht gesammelt voraus und trägt Arghya.
50.37
nānāpurajanān sarvān brāhmaṇādīnapi kramāt |
śaṅkhatūryaninādaiśca puṇyāhajayamaṅgalaiḥ || 37 ||
Übersetzung: Verschiedene Stadtbewohner, Brahmanen und andere folgen unter Muschel- und Instrumentenklang, Segens- und Siegesrufen.
50.38
śakunasūktaṃ viprastu paṭheyuḥ paritaḥ śubhaiḥ |
devālayaṃ samāgatya praviśedgarbhamandire || 38 ||
Übersetzung: Brahmanen rezitieren ringsum das glückbringende Shakuna-Sukta. Am Tempel angekommen betrete man das innere Heiligtum.
50.39
dvāradeśaṃ samānīya arghyaṃ tasmai nivedayet |
nirmālyaṃ sarvatantraiśca visṛjya praviśedguhaḥ || 39 ||
Übersetzung: An der Tür bringe man Arghya dar, entferne die gebrauchten Opfergaben nach den Tantra-Vorschriften und trete ein.
50.40
ghaṭikārdhaṃ tatra viśramya na drutaṃ na vilambitam |
prāsādaśatakaṃ divyaṃ bījamukhyena saṃpuṭe || 40 ||
Übersetzung: Eine halbe Ghatika ruhe man dort, weder hastig noch zögernd. Hundertmal Prasada, umschlossen vom Hauptkeim-Mantra,
50.41
mūlamantreṇa matimān śivadhyānaparāyaṇaḥ |
sakalaṃ niṣkalaṃ dhyātvā nyasedbrahmaśilopari || 41 ||
Übersetzung: und das Wurzelmantra rezitierend, in Shiva-Meditation versunken, meditiere man über die gestaltete und formlose Wirklichkeit und setze es auf den Brahma-Stein.
50.42
pañcabrahmannyasettatra kalāpiṇḍannyasetkramāt |
sadyenā pañcayeddevaṃ vāmadevena sthāpayet || 42 ||
Übersetzung: Man setze die fünf Brahma-Mantras und die Kalas der Reihe nach ein: mit Sadyojata [Handlung beschädigt], mit Vamadeva festsetzen,
50.43
aghoreṇa niroddhavyaṃ sānnidhyaṃ puruṣeṇa tu |
īśānena tu puṣpāṇi makuṭaṃ kuṇḍalāni ca || 43 ||
Übersetzung: mit Aghora festhalten, mit Tatpurusha Gegenwart herstellen, mit Ishana Blumen, Krone und Ohrringe darbringen.
50.44
sadyaṃ paścimataḥ sthāpya vāmadevantathottare |
aghorandakṣiṇe sthāpya pūrve ca puruṣaṃ nyaset || 44 ||
Übersetzung: Sadyojata im Westen, Vamadeva im Norden, Aghora im Süden und Tatpurusha im Osten,
50.45
īśānantu śiromadhye nyasedvai sṛṣṭimārgataḥ |
tryakṣaṃ dvibhujaṃ devaṃ candrārdhakṛtaśekharam || 45 ||
Übersetzung: Ishana auf der Scheitelmitte: nach der Schöpfungsreihenfolge. Der Gott ist dreiäugig, zweiarmig, mit Mondsichel geschmückt,
50.46
pañcavaktrairyutaṃ devaṃ pañcamūrdhasamanvitam |
divyāmbaradharaṃ devaṃ divyagandhānulepanam || 46 ||
Übersetzung: mit fünf Gesichtern und fünf Häuptern, göttlichen Gewändern und göttlichen Duftsalben,
50.47
śuddhasphaṭikasaṃkāśaṃ śvetapadmopari sthitam |
sarvābharaṇamadhyakṣaṃ sarvābharaṇabhūṣitam || 47 ||
Übersetzung: wie reiner Bergkristall, auf einem weißen Lotus, mit sämtlichem Schmuck geschmückt,
50.48
navatriṃśatkalāyuktaṃ devadevaṃ sadāśivam |
liṅge tu vinyaseddevaṃ bījamukhyena caiva hi || 48 ||
Übersetzung: mit neununddreißig Kalas: Sadashiva, Gott der Götter. Mit dem Hauptkeim-Mantra setze man ihn im Linga ein.
50.49
dhyātvā paramasadbhāvaṃ devadevaṃ śivaṃ param |
niṣkalaṃ nirmalaṃ śāntaṃ niṣprapañcamalakṣaṇam || 49 ||
Übersetzung: Man meditiere über den höchsten Shiva, Gott der Götter, als höchste Wirklichkeit: ungeteilt, rein, friedvoll, ohne Vielheit und Kennzeichen,
50.50
apṛta * * ma * * vijñeyaṃ vināśotpattivarjitam |
vācyavācakarahitaṃ sadasaspatimadbhutam || 50 ||
Übersetzung: [Textlücke], erkennbar, frei von Vernichtung und Entstehung, jenseits von Bezeichnetem und Bezeichnendem, wundersamer Herr der Versammlung,
50.51
heyopādeyarahitaṃ kṣārakṣāra vivarjitam |
yogigamyaṃ paraṃ brahma udvayantamataḥ param || 51 ||
Übersetzung: frei von Anzunehmendem und Abzuweisendem, jenseits des Vergänglichen und Unvergänglichen [Vorlage gestört], durch Yoga erreichbar, höchstes Brahman, darüber aufsteigend,
50.52
nirvāṇaṃ nirguṇaṃ devaṃ ānandamacalaṃ dhruvam |
evaṃ dhyātvā mahāsena prāsādena tu saṃyutam || 52 ||
Übersetzung: Nirvana, eigenschaftslos, Glückseligkeit, unbewegt und beständig. So meditiere man, Mahasena, mit Prasada verbunden.
50.53
prāsādena tu devena liṅgasya śirasi nyaset |
sadāśivasya hṛdaye prāsādaṃ vinyasedguha || 53 ||
Übersetzung: Mit dem göttlichen Prasada setze man ihn auf den Linga-Scheitel; im Herzen Sadashivas setze man Prasada ein.
50.54
praṇavena saṃpuṭīkṛtya pañca japtvā tu vinyaset |
hṛllekhā viṣṇubhāge tu trirjapitvā tu vinyaset || 54 ||
Übersetzung: Mit Pranava umschlossen rezitiere man fünfmal und setze es ein. Hrillekha im Vishnu-Teil nach dreimaliger Rezitation.
50.55
vyāhṛtiḥ praṇave naiva brahmabhāge tu vinyaset |
vidyātattvamatho nyasya ātmatattvaṃ tu madhyame || 55 ||
Übersetzung: Die Vyahritis mit Pranava im Brahma-Teil; dann Vidya-Tattva und Atma-Tattva in der Mitte. [Zuordnung auffällig.]
50.56
ūrdhve tu śivatattvaṃ tu nyasedbījatrayaṃ guha |
punaḥ pavitrannyaseddehe kalāmantrairvidhānataḥ || 56 ||
Übersetzung: Oben Shiva-Tattva: die drei Keimsilben. Dann setze man die reinigenden Formeln mit den Kala-Mantras auf den Körper.
50.57
īśānaṃ mūrdhni vinyasya mukhe tatpuruṣaṃ nyaset |
aghoraṃ hṛdaye nyasya guhye vāmaṃ prakalpayet || 57 ||
Übersetzung: Ishana auf den Scheitel, Tatpurusha ins Gesicht, Aghora ins Herz, Vama an die verborgene Stelle,
50.58
sadyojātaṃ nyasetpāde tattadvarṇaṃ ṣaḍānana |
pūrve dakṣiṇataścaiva paścime cottare tathā || 58 ||
Übersetzung: Sadyojata an die Füße, jeweils in der zugehörigen Farbe. Im Osten, Süden, Westen und Norden,
50.59
ūrdhvaṃ tu mūrdhni saṃyuktaṃ īśānaṃ parikalpayet |
pūrve dakṣiṇataścaiva paścime cottare tathā || 59 ||
Übersetzung: sowie oben am Scheitel ordne man Ishana an. Wiederum im Osten, Süden, Westen, Norden
50.60
ūrdhvavaktrasamāyuktaṃ tatpuruṣaṃ pañcavaktrake |
hṛdi grīvāṃsayoścaiva nābhau īśānameva ca || 60 ||
Übersetzung: und am oberen Gesicht Tatpurusha an den fünf Gesichtern. Herz, Hals, Schultern und Nabel; Ishana wird erneut genannt [Text gestört].
50.61
urasi pṛṣṭhe mahāsena aghorasakalānnyaset |
gude liṅge ca ūrvośca jānvośca jaṅghayorapi || 61 ||
Übersetzung: An Brust und Rücken setze man Aghoras Kalas ein. Am After, Geschlechtsteil, Oberschenkeln, Knien und Unterschenkeln,
50.62
sphicoḥ kaṇṭhyāṃ tathā caiva pārśvayorubhayorapi |
vāmadeva kalānnyasya trayodaśa anukramāt || 62 ||
Übersetzung: Gesäß, Hals [Vorlage; wohl Hüfte] und beiden Seiten setze man Vamadevas dreizehn Kalas nacheinander ein.
50.63
pāde haste ca nāsāyāṃ śirasyubhayabāhyayoḥ |
sadyasya tu kalā aṣṭau krameṇaiva tu vinyaset || 63 ||
Übersetzung: An Füßen, Händen, Nase, Kopf und beiden Armen die acht Kalas Sadyojatas.
50.64
praṇavādinamontāstu tārādiṃ vinyasetkramāt |
evaṃ nyastvā vidhānena kalaśaiḥ snānamācaret || 64 ||
Übersetzung: Mit oṃ beginnend und namaḥ endend setze man Tara und die weiteren ein; danach begieße man mit den Gefäßen.
50.65
puruṣasūktena matimān prāsādena tu saṃyutam |
punargandhodakenaiva snāpayedbījamukhyakaiḥ || 65 ||
Übersetzung: Mit Purusha-Sukta und Prasada bade der Verständige; dann erneut mit Duftwasser und Hauptkeim-Mantras.
50.66
gandhaiḥ puṣpaistathā divyaiḥ dhūpairarghanivedyakaiḥ |
pūjayeddhṛdayenaiva bījamukhyena vai guha || 66 ||
Übersetzung: Mit göttlichen Düften, Blumen, Räucherwerk, Arghya und Speisen verehre man unter Herz- und Hauptkeim-Mantra,
50.67
vastrairābharaṇairdivyaiḥ hārakeyūrakādibhiḥ |
makuṭaiḥ kuṇḍalaiścaiva svarṇayajñopavītakaiḥ || 67 ||
Übersetzung: mit Gewändern, göttlichem Schmuck, Halsketten, Oberarmreifen, Kronen, Ohrringen und goldenen heiligen Schnüren,
50.68
kaṭisūtrodarabandhaiḥ * * nā bījamukhyakaiḥ |
evaṃ saṃpūrṇavidhinā praṇipatya kṣamāpayet || 68 ||
Übersetzung: Hüftbändern, Bauchbändern und [Textlücke] unter Hauptkeim-Mantras. Nach vollständigem Vollzug verneige man sich und bitte um Vergebung.
Unnummerierte Passage: dvāraṃ nirodhya matimān kalā yatra ca sapta vā |
Übersetzung: Der Verständige schließe die Tür; „Kalas dort oder sieben“ [die abschließende Zeitangabe ist beschädigt]. Damit endet das fünfzigste Kapitel des Kalottara über die Weihe.
iti kālottare pratiṣṭhāpaṭalaḥ pañcāśat || 50 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 50 über „Einsetzung und Weihe“.
Kapitel 51 – Rituelle Begießung
51.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
tadā ca tasmin divase pīṭhabandhaṃ tu kārayet |
garbhagṛhaṃ tridhā bhajya dvibhāgaṃ pīṭhamuttamam || 1 ||
Übersetzung: Ishvara sprach: An diesem Tag befestige man den Sockel. Zwei Drittel des Heiligtums ergeben den besten Sockel.
51.2
garbhagṛhaṃ pañcabhāgaṃ ekārdhaṃ cādhamaṃ bhavet |
caturaśraṃ vṛttapadmaṃ bhāgākṛtimathāpi vā || 2 ||
Übersetzung: Bei Fünftelteilung wird „eine Hälfte“ als geringstes Maß genannt [gestört]. Quadratisch, rund, lotus- oder yoniartig sei seine Form.
51.3
pratyagniṃ vā trikoṇaṃ vā pañcāśraṃ vāpi kārayet |
saptāśraṃ vāpi cāṣṭāśraṃ navāśraṃ vāpi kārayet || 3 ||
Übersetzung: Auch feuerartig, dreieckig, fünf-, sieben-, acht- oder neuneckig,
51.4
daśāśraṃ dvādaśāśraṃ vā ṣoḍaśāśramathāpi vā |
aṣṭādaśāśraṃ vā kuryāt viṃśadaśramathāpi vā || 4 ||
Übersetzung: zehn-, zwölf-, sechzehn-, achtzehn- oder zwanzigeckig darf er sein,
51.5
pīṭhaṃ cotpalapuṣpābhaṃ dhurdhūrakasamākṛti |
citrākṛtirvā pīṭhaṃ tu kūrmākṛtimathāpi vā || 5 ||
Übersetzung: wie Utpala oder Dhurdhura, verschieden gestaltet oder schildkrötenförmig.
51.6
atasī * * * * ṣṭastrayastriṃśadathāpi vā |
pañcaviṃśaiḥ ṣoḍaśairvā navabhirvātha kārayet || 6 ||
Übersetzung: Wie Flachs [Textlücke; Übergang zu Gefäßzahlen]: dreiunddreißig, fünfundzwanzig, sechzehn oder neun.
51.7
sārvabhaumairmahāsena niyataṃ snapanaṃ bhavet |
nibudaiḥ kalaśairvatsa mahāviṣṇukṛtaṃ purā || 7 ||
Übersetzung: Weltherrscher vollziehen regelmäßig Begießungen. Mahavishnu tat dies einst mit Nyarbuda Gefäßen [Zahlwort beschädigt],
51.8
pitāmahaścārbudena kalaśaiḥ snapanaṃ kṛtam |
ādityastu nikharvaiśca sarvaiśśakreṇa vai guha || 8 ||
Übersetzung: Brahma mit Arbuda, die Sonne mit Nikharva und Shakra mit [beschädigter Großzahl].
51.9
niyutairvatsa evaṃ tu sārvabhaumastu kārayet |
maṇḍalīkā na romāśca śataiḥ pañcabhireva tu || 9 ||
Übersetzung: Ein Weltherrscher verwende Niyuta, Regionalherrscher [weiterer Titel beschädigt] fünfhundert.
51.10
sādhāraṇaiśca bhūpālaiḥ bhūsurairvividhānvitaiḥ |
sahasrakalaśairvatsa tantritaiḥ snapanaṃ bhavet || 10 ||
Übersetzung: Gewöhnliche Könige und entsprechend ausgestattete Brahmanen vollziehen die Begießung mit tausend Gefäßen.
51.11
āḍhakatrayasaṃpūrṇaiḥ kalaśaiḥ snānamuttamam |
dvyāḍhakaiścaiva saṃpūrṇaiḥ kalaśairmadhyamaṃ bhavet || 11 ||
Übersetzung: Drei Adhaka fassende Gefäße sind vorzüglich, zwei Adhaka fassende mittel,
51.12
ekodakena saṃpūrṇaiḥ kanyasaiḥ snapanaṃ bhavet |
yāvatkalaśavistāraṃ tāvanmaṇḍapavistaram || 12 ||
Übersetzung: ein Adhaka fassende die geringsten [Vorlage: ekodaka]. Die Pavillonweite richte sich nach der Gefäßaufstellung.
51.13
tiryagviṃśatipadaṃ kārayettatra vittamaḥ |
pūrayedviṃśatipadaṃ dravyāṇāṃ ca yathā vidhi || 13 ||
Übersetzung: Zwanzig Felder lege der Kundige quer an und fülle sie vorschriftsgemäß mit den Stoffen.
51.14
vidhibhirdaśabhiḥ kṛtvā tiryagvidhiṃ ṣaḍānana |
sahasrairdaśabhirvatsa kalaśairayutaiḥ kuru || 14 ||
Übersetzung: Mit zehn Anordnungen quer verfahre man; zehntausend Gefäße verwende man für die Ayuta-Form.
51.15
evaṃ daśavidhairvatsa nyarbudaiścaiva kārayet |
nyarbudaiśśatasahasreṇaṃ ghṛtena paripūrayet || 15 ||
Übersetzung: Entsprechend verfahre man zehnfach für Nyarbuda; bei Nyarbuda fülle man hunderttausend mit Ghee [Zahlbeziehung widersprüchlich].
51.16
kharvaṃ kalaśaiḥ snapanaṃ sahasrairdvādaśaiḥ kṛtam |
niyutaiḥ kalaśaiḥ snapanaiḥ daśasahasrakṛtaṃ bhavet || 16 ||
Übersetzung: Bei Kharva werden zwölftausend Gefäße genannt; bei Niyuta zehntausend [wohl Ghee-Gefäße, nicht ausdrücklich wiederholt].
51.17
daśasahasraiḥ snapanaiḥ ghṛtena sahasrapūraṇam |
sahasraistu śataṃ pūrya snapanaṃ kārayedbudhaḥ || 17 ||
Übersetzung: Bei zehntausend Gefäßen fülle man tausend mit Ghee; bei tausend hundert.
51.18
pañcaśatena pañcāśacchate tu daśamaṃ bhavet |
ghṛtasyārdhaṃ tu vai kṣīraṃ kṣīrasyārdhaṃ dadhi bhavet || 18 ||
Übersetzung: Bei fünfhundert fünfzig, bei hundert zehn. Milch sei halb so viel wie Ghee, Dickmilch halb so viel wie Milch.
51.19
gomayaṃ caiva gomūtraṃ dadhipādaṃ tu yojayet |
nālikerasya salilaṃ kṣīreṇa tu samaṃ bhavet || 19 ||
Übersetzung: Kuhdung und Kuhurin betragen je ein Viertel der Dickmilch; Kokoswasser so viel wie Milch.
51.20
dadhyardhaṃ cekṣurasaṃ tadardhaṃ madhu cocyate |
tuṣārasalilaṃ vatsa pañcaviṃśattu viṃśatiḥ || 20 ||
Übersetzung: Zuckerrohrsaft die Hälfte der Dickmilch, Honig wiederum die Hälfte. Schnee- oder Tauwasser: fünfundzwanzig, zwanzig,
51.21
pañcadaśadaśa caiva pañcatridvayamekaṃ vā |
sahasrakaṃ tuṣārasalilaṃ kalpayedvai ṣaḍānana || 21 ||
Übersetzung: fünfzehn, zehn, fünf, drei, zwei oder ein Tausend [Zuordnung zu Gesamtzahlen nicht eindeutig].
51.22
gaṅgāsalilaṃ ṣaṭtriṃśattriṃśadvai pañcaviṃśakaiḥ |
viṃśatpañcadaśa caiva daśa ṣaṭpañcakadvayam || 22 ||
Übersetzung: Ganga-Wasser: sechsunddreißig, dreißig, fünfundzwanzig, zwanzig, fünfzehn, zehn, sechs, fünf oder zwei,
51.23
ekaṃ yojya sahasre tu vārimiśraṃ ca śeṣakaiḥ |
mahāsnapanamevaṃ tu śeṣānnṛttānniyojayet || 23 ||
Übersetzung: oder ein Tausend; die übrigen mit gemischtem Wasser. So die große Begießung; das Übrige [Wortlaut gestört].
51.24
idānīṃ sahasrakalaśaṃ lāghavārthaṃ vadāmyaham |
viṃśatpaṅktiṃ prakīryātha dakṣiṇottaragaṃ guha || 24 ||
Übersetzung: Zur Vereinfachung erkläre ich jetzt tausend Gefäße: zwanzig Reihen von Süden nach Norden,
51.25
daśavīthyā prakartavyaṃ dakṣiṇottarato guha |
ekaikena tu pañcāśatpadaṃ paścimapūrvake || 25 ||
Übersetzung: mit zehn Wegen in Süd-Nord-Richtung; jeweils fünfzig Felder von Westen nach Osten.
51.26
prakīrṇamārgapadaṃ hyevaṃ pūrvaṃ kṛtvā tu saṃvṛta |
ekaikaṃ kalaśamūle tu dviprasthaṃ śāliṃ nikṣipet || 26 ||
Übersetzung: So lege man zuerst die Felder und Wege an. Unter jedes Gefäß gebe man zwei Prastha ungeschälten Reis,
51.27
tadardhaṃ taṇḍulaṃ vatsa pade pade tu nikṣipet |
kalaśān kṣālitān śuddhān dhūpitāngandhalepitān || 27 ||
Übersetzung: halb so viel geschälten. Die Gefäße seien gewaschen, rein, beräuchert und mit Duft bestrichen,
51.28
savastrān kūrcasaṃyuktān sa sūtrān sā vidhānakān |
āmrapallavasaṃdhinnān sugandhena tu varcitān || 28 ||
Übersetzung: mit Stoff, Grasbüscheln, Schnüren und Deckeln versehen, mit Mangosprossen und Wohlgeruch ausgestattet.
51.29
ācāryaḥ ṣoḍaśairvāpi dvādaśāṣṭabhireva vā |
athavā catvāra ācāryaḥ snapanaṃ kārayedguha || 29 ||
Übersetzung: Der Acharya vollziehe die Begießung mit sechzehn, zwölf, acht oder vier Acharyas,
51.30 navavastra dharāḥ śuddhāḥ sarvābharaṇabhūṣitāḥ || 30 ||
Übersetzung: rein, in neuen Gewändern und mit allem Schmuck,
51.31
svarṇayajñopavītaiśca hārakeyūrakuṇḍalaiḥ |
suvarṇapuṣpasaṃyuktaiḥ soṣṇīṣaiḥ sottarīyakaiḥ || 31 ||
Übersetzung: goldenen heiligen Schnüren, Halsketten, Oberarmreifen, Ohrringen, Goldblumen, Turbanen und Obertüchern,
51.32
gandhacandanaliptāṅgaiḥ śvetasragdāmabhūṣitaiḥ |
catustoraṇa saṃyuktaṃ caturdvārasamanvitam || 32 ||
Übersetzung: mit Sandelduft bestrichen und weißen Girlanden. Der Pavillon habe vier Torbögen und vier Eingänge,
51.33
navadigdhvaja saṃyuktaṃ vitānopari śobhitam |
muktādāmaiḥ puṣpadānaiḥ sarvataścāpyalaṃkṛtam || 33 ||
Übersetzung: Fahnen in neun Richtungen, einen Baldachin, Perlenketten und Blumenschmuck ringsum,
51.34
ghaṇṭā (ḍā) cāmaradarpaṇaṃ aṣṭamaṅgalaśobhitam |
kulaparvatāṣṭadikṣu viprādeśocchritaṃ bhavet || 34 ||
Übersetzung: Glocken, Wedel, Spiegel und acht Glückszeichen. Hauptgebirge in acht Richtungen seien [zwei?] Pradesha hoch.
51.35
mahāmeruṃ madhyadeśe catuṣpāddaśa ucchritam |
kailāsaṃ śvetamṛtsābhiḥ merumātraṃ tu kārayet || 35 ||
Übersetzung: Mahameru in der Mitte sei „vier Fuß, zehn“ hoch [Maß beschädigt]; Kailasa aus weißer Erde ebenso groß.
51.36
marordakṣiṇataḥ kāryaṃ śrīkailāsasamanvitam |
himaṃ vindhyaṃ sucakraṃ vā mahendraṃ pāriyātrakam || 36 ||
Übersetzung: Südlich Merus fertige man Kailasa. Himavan, Vindhya, Suchakra, Mahendra und Pariyatra,
51.37
niṣadhannīlaśikharaṃ śrīśailaṃ navamaṃ bhavet |
niṣadhaṃ pūrvadigbhāge himavānagnigocare || 37 ||
Übersetzung: Nishadha, Nila und Shrishaila als neunter: Nishadha im Osten, Himavan im Südosten,
51.38
vindhyaṃ dakṣiṇataḥ kuryāt śrīśaile nair-ṛte bhavet |
suvarma paścime sthāpya vāyavye pāriyātrakam || 38 ||
Übersetzung: Vindhya im Süden, Shrishaila im Südwesten, Suvarma im Westen, Pariyatra im Nordwesten,
51.39
nīlaparvataṃ saṃsthāpya uttare tu ṣaḍānana |
mahendraśikharaṃ vatsa aiśānyāṃ parikalpayet || 39 ||
Übersetzung: Nila im Norden und Mahendra im Nordosten.
51.40
sarvato darbhamālā tu saṃchādya yāgamaṇḍape |
meroḥ prācyāṃ tu vai vatsa śivakumbhaṃ nyasedbudhaḥ || 40 ||
Übersetzung: Den Opferpavillon schmücke man ringsum mit Darbha-Girlanden. Östlich Merus stelle man Shivas Gefäß auf,
51.41
pañcaratnaṃ kṣipettatra gaṅgātoyaṃ tu vinyaset |
athavā tuṣārasalilaṃ śuddhodakamathāpi vā || 41 ||
Übersetzung: mit fünf Edelsteinen und Ganga-Wasser, alternativ Schnee- beziehungsweise Tauwasser oder reinem Wasser,
51.42
vastrayugmena saṃchādya trisaṃvidvinyasedbudhaḥ |
daśame paṅktau ṣaṇmukha pañcāśadghṛtaṃ pūrayet || 42 ||
Übersetzung: mit einem Gewandpaar bedeckt und den drei Bewusstseinsformeln versehen [trisaṃvid unklar]. Die zehnte Reihe: fünfzig Ghee-Gefäße.
51.43
tasya paścimapaṅktau ca kalaśeṣu ḍaḍānana |
kṣīreṇa pūrayetteṣu pañcāśadvāmavidyayā || 43 ||
Übersetzung: Die westlich anschließende Reihe: fünfzig Milchgefäße mit Vamadeva.
51.44
īśānena ghṛtaṃ pūrya prāsādena tu saṃyutam |
tasya paścimapaṅktau tu pañcāśadgomayaṃ bhavet || 44 ||
Übersetzung: Das Ghee mit Ishana und Prasada. Westlich davon fünfzig Gefäße mit Kuhdung [Reihenbezug nicht eindeutig].
51.45
sadyena mantrayedvatsa hṛdayena ṣaḍānana |
aṣṭalohamayāmbhaśca tasya paścimapaṅktike || 45 ||
Übersetzung: Mit Sadyojata und Herzmantra besprechen. Westlich davon Wasser mit acht Metallen,
51.46
pañcāśatpūrayedvatsa tatpuruṣeṇa ca mantrataḥ |
tasya paścimapaṅktau tu kaṣāyāṣṭakaṃ pūrayet || 46 ||
Übersetzung: fünfzig Gefäße mit Tatpurusha; westlich davon achtfache Rindenabkochung,
51.47
pañcāśatkalaśe vatsa bījamukhyena buddhimān |
tasya paścimapañcāśuddhadodake tu pūrayet || 47 ||
Übersetzung: fünfzig Gefäße mit Hauptkeim-Mantra. Westlich davon [beschädigter Satz] reines Wasser.
51.48
pṛthaktasya paścimaṃ tu dhātvaṣṭakumudāhṛtam |
suvarṇaṃ rajataṃ tāmramāyasaṃ trapusīsakam || 48 ||
Übersetzung: Weiter westlich acht Mineralstoffe. Gold, Silber, Kupfer, Eisen, Zinn und Blei,
51.49
ārakāṃsyaṃ ca matimān lohāṣṭakamudāhṛtam |
āmramaudumbaraṃ caiva nyagrodhaṃ panasaṃ tathā || 49 ||
Übersetzung: Messing und Bronze sind die acht Metalle. Mango, Udumbara, Nyagrodha, Panasa,
51.50
aśvatthaṃ ca śirīṣaṃ ca palāśo madhūkameva ca |
kaṣāyavṛkṣamadhye tat kaṣāyāṣṭakamudāhṛtam || 50 ||
Übersetzung: Ashvattha, Shirisha, Palasha und Madhuka bilden die acht Bäume für die Abkochung.
51.51
nandīnāṃ goviṣāṇotthadhārāya kuśamūlataḥ |
valmīkāṃ kṣetrakoṣṭhābhyāṃ vedimadhyaṃ tu cāṣṭakam || 51 ||
Übersetzung: Erden von [beschädigtem Ort], Kuhhorn, [beschädigtem Ort], Kusha-Wurzel, Ameisenhügel, Feld, Speicher und Altarmitte bilden die Achtergruppe.
51.52
haritālaṃ gandhakaśilā daradaṃ gaurikāñcanam |
saurāṣṭraṃ vāradaṃ caiva dhātvaṣṭakamudāhṛtam || 52 ||
Übersetzung: Auripigment, Schwefel, Shila, Darada, Rötel, Anjana [Lesung gestört], Saurashtra und Varada werden als acht Mineralien genannt.
51.53
tasya paścimapaṅktau tu loṣṭakaṃ haricandanam |
kuṅkumaṃ caiva karpūraṃ khaṃgarogaphalatrayam || 53 ||
Übersetzung: Westlich davon Loshtaka, Harichandana, Safran, Kampfer, Khadga, Roga und die drei Früchte,
51.54
pūtikeśaṃ ca matimān pañcāśatpūrayedghaṭe |
tadghṛtapaṅktyāstu pūrvaṃ tu pañcāśatkalaśeṣu ca || 54 ||
Übersetzung: Putikesha: damit fülle man fünfzig Gefäße [Liste mehrdeutig]. Östlich der Ghee-Reihe fülle man fünfzig Gefäße
51.55
puṣpāṣṭakānāṃ toyaṃ tu pūrayedbījamukhyakaiḥ |
nṛpa puṣpaṃ paṅkajañcotpalaṃ vakulapāṭalī || 55 ||
Übersetzung: mit Wasser der acht Blumen, unter Hauptkeim-Mantras: Nripa-Blüte, Lotus, Utpala, Vakula, Patali,
51.56
punnāgaṃ pañcamaṃ jātikrameṇaiva tu pūjayet |
tasyāḥ prācyāṃ tu paṅktau ca phalāṣṭakāmbhaśca pūrayet || 56 ||
Übersetzung: Punnaga als „fünfte“, Jati [Liste unvollständig]. Östlich davon Wasser der acht Früchte,
51.57
kadalīpanasāmraṃ ca dāḍimaṃ bījapūrakam |
kapityaṃ nālikeraṃ ca nāraṃgaṃ cāṣṭamaṃ bhavet || 57 ||
Übersetzung: Banane, Panasa, Mango, Granatapfel, Zitronatzitrone, Kapittha, Kokosnuss und Orange als achte.
51.58
tatpaṅktyāḥ prācyapaṅktyāṃ tu pañcāśanmadhupūrayet |
etatpaṅktyāstu pūrvasyāṃ ikṣuvāri nyasetkramāt || 58 ||
Übersetzung: Östlich davon fünfzig Honiggefäße, östlich davon Zuckerrohrsaft.
51.59
tatpaṅktyā pūrvapaṅktyā tu bījāṣṭakamudāhṛtam |
śālinīvāragodhūmayava veṇupriyaṅgavaḥ || 59 ||
Übersetzung: Noch weiter östlich acht Samen: Shali, Nivara, Weizen, Gerste, Bambus, Priyangu,
51.60
tilaṃ mudgaṃ ca medhāvī pañcāśatpūrayet pṛthak |
tatpaṅktyā pūrvapaṅktyāttu auṣadhāṣṭakatoyakam || 60 ||
Übersetzung: Sesam und Mung, in fünfzig Gefäßen; östlich davon Wasser der acht Heilpflanzen,
51.61
lakṣmīśa sahadevī ca viṣṇukrāntinnṛpastathā |
sūryāvataṃ ca valmī ca bandhūkantirikarṇikā || 61 ||
Übersetzung: Lakshmisha, Sahadevi, Vishnukranta, Nripa, Suryavarta, Valmi, Bandhuka und Girikarni [einige Namen beschädigt].
51.61 (zweites Vorkommen)
pañcāśatkalaśān pūrya pṛthaksvabījamukhyakaiḥ |
tatprācyāṃ caiva paṅktau ca mahāśālyāṣṭakaṃ nyaset || 61 ||
Übersetzung: Fünfzig Gefäße mit den jeweiligen Hauptkeim-Mantras. Östlich davon die acht Getreide von Mahashali an. [Originalnummer erneut 61.]
51.62
gandhaśālī mahāśālī ratnaśālī tathaiva ca |
kṛṣṇaśālī śvetaśālī kalamāśālimeva ca || 62 ||
Übersetzung: Gandhashali, Mahashali, Ratnashali, Krishnashali, Shvetashali, Kalamashali,
51.63
godhūmaṃ garbhaṣaṣṭiṃ ca pañcāśatkalaśeṣu ca |
bījamukhyena vai vatsa nyasenmantreṇa deśikaḥ || 63 ||
Übersetzung: Weizen und Garbhashashti in fünfzig Gefäßen; der Lehrer setze sie mit dem Hauptkeim-Mantra ein.
51.64
tatpaṅktyā pūrvapaṅktyāṃ tu haridrādyaṣṭakaṃ nyaset |
haridrāśatapuṣpā ca gaṅgā caiva haripriyā || 64 ||
Übersetzung: Östlich davon die Achtergruppe von Haridra an: Haridra, Shatapushpa, Ganga und Haripriya,
51.65
taskarāmukhaṃ caiva sāvitraṃ drāviḍāṣṭakam |
tuṣārodakamiśrāntaṃ pūrvapaṅktiṃ tu pūrayet || 65 ||
Übersetzung: Taskaramukha, Savitra und Dravida [Liste beschädigt]. Mit Schnee- oder Tauwasser gemischt fülle man die östliche Reihe.
51.66
tuṣārodakaṃ matimān gaṅgābhṛṅgaribhūsaha |
samubhramacca matimān tuṣāreṇa sahanyaset || 66 ||
Übersetzung: Schnee- oder Tauwasser verbinde man mit Ganga, Bhringari und Bhu [Pflanzen- oder Stoffnamen unklar] und weiteren beschädigten Angaben.
51.67
pādyamācamanaṃ cārghyaṃ padmamūlādipañcakam |
pākajotpala * * * kalhāraṃ kumudaṃ tathā || 67 ||
Übersetzung: Fußwasser, Mundspülwasser, Arghya und fünf Wurzeln von Lotus an: Lotus, Utpala [Lücke], Kalhara, Kumuda
51.68
nīlotpalasya mūlaṃ tu aṣṭadikṣunyasedghaṭān |
indrādyaiśānaparyantaṃ bījamukhyena vinyaset || 68 ||
Übersetzung: und blauer Lotus. Die Gefäße stelle man in acht Richtungen von Indra bis Ishana mit Hauptkeim-Mantra auf.
51.69
aṣṭottarasahasraṃ tu kalaśādvai yathākramāt |
vinyasetpūrayedvatsa puṣpagandhādibhiḥ kramāt || 69 ||
Übersetzung: 1.008 Gefäße ordne man der Reihe nach an und fülle sie mit Blumen, Duftstoffen und Weiterem.
51.70
snāpayeddevadeveśaṃ pavitrairvījamukhyakaiḥ |
rudrasūktaṃ puruṣasūktaṃ viṣṇusūktaṃ triyambakam || 70 ||
Übersetzung: Man begieße den Herrn der Götter mit reinigenden Formeln, Hauptkeim-Mantras, Rudra-, Purusha-, Vishnu-Sukta und Tryambaka,
51.71
haṃsaśuciṃ śannavargaṃ jātavedasameva ca |
tvaritaṃ rudramaparaṃ pavamānaṃ hiraṇyakam || 71 ||
Übersetzung: „haṃsaḥ śuciṣat“, Shanna-Gruppe, Jatavedas, Tvarita-Rudra, Pavamana und Hiranya,
51.72
mahāvyomaṃ mahāsena yathākrameṇa sthāpayet |
pañcaśataistadardhaiśca tadardhairviṃśatāpi ca || 72 ||
Übersetzung: Mahavyoma, jeweils der Reihe nach. Mit fünfhundert, der Hälfte, nochmals der Hälfte oder zwanzig,
51.73
etadardhena kartavyaṃ aṣṭottaraśatena ca |
ekāśītiḥ prakartavyaṃ navake navakeṣu ca || 73 ||
Übersetzung: deren Hälfte oder 108 kann man verfahren; 81 ordne man in neun Neunergruppen.
51.74
aṣṭottaraśataṃ vatsa saptaviṃśatpunaryutam |
catuḥṣaṣṭikalaśairvatsa catuṣṣaṣṭidravyasaṃyutam || 74 ||
Übersetzung: Bei 108 werden zusätzlich siebenundzwanzig genannt [Anordnung unklar]; 64 Gefäße mit 64 Stoffen,
51.75
dvātriṃśattu tadardhena pañcaviṃśattu ṣoḍaśaiḥ |
pādyamācamanaṃ cārghyaṃ pañcagavyaṃ kaṣāyakam || 75 ||
Übersetzung: zweiunddreißig mit halb so vielen, fünfundzwanzig oder sechzehn: Fußwasser, Mundspülwasser, Arghya, Panchagavya und Abkochung,
51.76
mṛtodakaṃ ghṛtaṃ kṣīraṃ dadhicekṣurasaṃ madhu |
puṣpodakaṃ phalābhaśca gandhodakayavodakam || 76 ||
Übersetzung: Erdwasser, Ghee, Milch, Dickmilch, Zuckerrohrsaft, Honig, Blumen-, Frucht-, Duft- und Gerstenwasser,
51.77
dravyapuṣpodakaṃ caiva hiraṇyāmbhastu rājasam |
nālikekṣurasaṃnnābhaḥ pa * * * * viṃśakam || 77 ||
Übersetzung: Wasser mit weiteren Stoffen und Blumen, Goldwasser, [beschädigter Zusatz], Kokos- und Zuckerrohrsaft [Rest verloren].
51.78
phalodamaṣṭasaṃyuktaṃ trayastriṃśatprakīrtitam |
pūrvaṃ kathitaṃ pañcaviṃśatpañcaviṃśatibhiḥ kuru || 78 ||
Übersetzung: Mit den acht Fruchtwassern wird die Zahl dreiunddreißig genannt. Die zuvor genannten fünfundzwanzig verwende man bei fünfundzwanzig Gefäßen,
51.79
pūrvaṃ ṣoḍaśakaṃ vāpi kalaśaiḥ ṣoḍaśaḥ kuru |
pūrvanava dravyeṇa tatkalaśaṃ tu va * * vat || 79 ||
Übersetzung: die sechzehn bei sechzehn; bei neun die ersten neun Stoffe [Schluss beschädigt].
51.80
vāñchitaṃ snāpanaṃ kṛtvā pūjayetpūrvavadguha |
pañcavarṇaṃ caruṃ dadyāt praṇipatya kṣamāpayet || 80 ||
Übersetzung: Nach der gewünschten Begießung verehre man wie zuvor, bringe fünffarbige Opferspeise dar, verneige sich und bitte um Vergebung.
iti kālottare snapanapaṭalaḥ ekapañcāśat || 51 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 51 über „Rituelle Begießung“.
Kapitel 52 – Die umgebenden Gottheiten
52.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
parivāravidhiṃ vakṣye sarvakāmārthasādhanam |
aṣṭavidyeśvarāścaiva aṣṭamūrtiṃ tathaiva ca || 1 ||
Übersetzung: Ishvara sprach: Ich erkläre die Anordnung des Gefolges, die alle Wünsche erfüllt: acht Vidyeshvaras, acht Gestalten,
52.2
rudraikādaśakāścaiva dvādaśādityakāstathā |
vasavaścāṣṭabhiścaiva gaṇeśān lokapālakān || 2 ||
Übersetzung: elf Rudras, zwölf Adityas, acht Vasus, Ganeshas und Welthüter,
52.3
- * marudgaṇāścaiva yakṣān kinnaragandharvān |
parivārānekādaśa ca kramaśaḥ parikalpayet || 3 ||
Übersetzung: [Textlücke], Maruts, Yakshas, Kinnaras und Gandharvas: elf Gefolgegruppen ordne man nacheinander an.
52.4
vidyeśvarāṃścāṣṭamūrti rudraikādaśa eva ca |
ṛṣiyakṣāścāṣṭabhiśca pīṭhe saṃpūjayedguha || 4 ||
Übersetzung: Vidyeshvaras, acht Gestalten, elf Rudras, Rishis und acht Yakshas [Zuordnung unsicher] verehre man auf dem Sockel,
52.5
indrādyaiśānaparyantaṃ kramaśaḥ pūjayetpṛthak |
dvādaśadale dvādaśādityān aṣṭarudrāṃstu pūjayet || 5 ||
Übersetzung: jeweils von Indras bis Ishanas Richtung. Auf zwölf Blättern verehre man zwölf Adityas und acht Rudras [abweichende Zahl].
52.6
umācottarataḥ pūjyā caṇḍamīśe tu pūjayet |
nandiṃ saṃpūjya pūrve tu mahākālaṃ vahnigocare || 6 ||
Übersetzung: Uma im Norden, Chanda im Nordosten, Nandin im Osten, Mahakala im Südosten,
52.7
vṛṣabhaṃ dakṣiṇe pūjya nir-ṛtiṃ nir-ṛtigocare |
śṛṅgīśaṃ vāruṇe pūjya ṣaṇmukhaṃ vāyugocare || 7 ||
Übersetzung: den Stier im Süden, Nirriti im Südwesten, Shringisha im Westen und Shanmukha im Nordwesten.
52.8
analayamayormadhye durgādevīṃ ca pūjayet |
yamanair-ṛtayormadhye sarasvatīṃ pūjayedguha || 8 ||
Übersetzung: Zwischen Feuer und Yama verehre man Durga, zwischen Yama und Nirriti Sarasvati,
52.9
nir-ṛtivaruṇayormadhye dharaṇīṃ caiva pūjayet |
varuṇānilayormadhye kuberasya gṛhaṃ kuru || 9 ||
Übersetzung: zwischen Nirriti und Varuna Dharani, zwischen Varuna und Wind errichte man Kuberas Haus.
52.10
somamārutayormadhye jyeṣṭhasthānamanuttamam |
īśānasomayormadhye viṣṇusthānaṃ suśobhanam || 10 ||
Übersetzung: Zwischen Soma und Wind Jyeshthas Stätte, zwischen Ishana und Soma Vishnus schöne Stätte.
52.11
āsanaṃ śayanaṃ vāpi kārayettatra pāragaḥ |
pārvatī viṣṇu grahayoścaturmukhasya grahaṃ kuru || 11 ||
Übersetzung: Dort gestalte man Vishnu sitzend oder liegend. Zwischen Parvatis und Vishnus Häusern Brahmas Haus.
52.12
indreśānayormadhye sūryasthānamanuttamam |
sarasvatīyamayormadhye saptamātṛgaṇālayam || 12 ||
Übersetzung: Zwischen Indra und Ishana die Sonnenstätte, zwischen Sarasvati und Yama das Haus der sieben Mütter:
52.13
brāhmī māheśvarī caiva kaumārī vaiṣṇavī tathā |
vārāhī caiva māhendrī cāmuṇḍī ca gaṇādhipaḥ || 13 ||
Übersetzung: Brahmi, Maheshvari, Kaumari, Vaishnavi, Varahi, Mahendri und Chamundi, dazu Ganadhipa.
52.14
pīṭhabhadraśca kathitau maṇḍapaṃ gopuraṃ tu vā |
uttare kheca vai vatsa bhāṇḍārabhavanaṃ kuru || 14 ||
Übersetzung: Pitha und Bhadra werden genannt [Bautypen unklar], Pavillon oder Torbau. Im Norden errichte man die Schatzkammer,
52.15
devābharaṇakośaśca suvarṇarajatādibhiḥ |
śailena kārayettatra sudṛḍhārgalasaṃyutam || 15 ||
Übersetzung: für Götterschmuck, Gold und Silber, aus Stein und mit festem Riegel.
52.16
tasyottare prakartavyaṃ koṣṭhāgāraṃ tu dhānyakaiḥ |
indrasya bhavanaṃ pūrve āgneyyāmanalasya tu || 16 ||
Übersetzung: Nördlich davon den Getreidespeicher. Indras Haus im Osten, Agnis im Südosten,
52.17
yāmyāyāṃ yamasya bhavanaṃ nir-ṛtyāṃ nir-ṛtergṛham |
vāruṇyāṃ varuṇasthānaṃ vāyavyāmanilasya tu || 17 ||
Übersetzung: Yamas im Süden, Nirritis im Südwesten, Varunas im Westen, Vayus im Nordwesten,
52.18
saumyāyāṃ somabhavanaṃ aiśānyāmaiśameva ca |
prāsādamekaṃ bhaumaṃ tu caturhastastu pañca vā || 18 ||
Übersetzung: Somas im Norden, Ishanas im Nordosten: eingeschossige Tempel von vier oder fünf Hasta.
52.19
gāndharvaṃ maṇḍapaṃ pūrve āgneyyāmapsarālayam |
dakṣiṇe cāpi vai vatsa pitṝṇāṃ gṛhamuttamam || 19 ||
Übersetzung: Gandharva-Pavillon im Osten, Apsaras-Wohnung im Südosten, vortreffliches Ahnenhaus im Süden,
52.20
paścime dakṣiṇe caiva cāraṇālayamuttamam |
vāruṇe vidyādharagṛhaṃ vāyavyāṃ garuḍālayam || 20 ||
Übersetzung: Charana-Haus im Südwesten, Vidyadhara-Haus im Westen, Garuda-Haus im Nordwesten.
52.21
vaiśravaṇasya bhavanamuttare tu prakalpayet |
jambalaṃ māṇibhadraṃ ca śaṅkhapadmanidhergṛham || 21 ||
Übersetzung: Vaishravanas Haus im Norden, ebenso Jambhala, Manibhadra und die Schätze Shankha und Padma.
52.22
nāgarājasya bhavanaṃ īśāne tu prakalpayet |
ananto gulakaścaiva vāsukiḥ śaṅkhapālakaḥ || 22 ||
Übersetzung: Das Haus der Schlangenkönige im Nordosten: Ananta, Gulaka, Vasuki, Shankhapala,
52.23
takṣakaśca mahāpadmaḥ kārkoṭakaśca mahāsaraḥ |
kūṭaṃ vā maṇḍapaṃ vāpi dhāma dvādaśahastakam || 23 ||
Übersetzung: Takshaka, Mahapadma, Karkotaka und Mahasara. Ein Kuta-Bau oder Pavillon von zwölf Hasta
52.24
ṣaḍḍastañcaiva vistāraṃ samyakkṛtvā samāhitaḥ |
dakṣiṇe āyurbhavanaṃ dṛḍhaṃ prāsādamuttamam || 24 ||
Übersetzung: Länge und sechs Hasta Breite. Im Süden errichte man ein festes vortreffliches Ayus-Haus [Funktion unklar].
52.25
tasya dakṣiṇapārśve tu upavāsānāṃ gṛhaṃ bhavet |
puṣkaraṇī vāruṇyāṃ tu śatahastaṃ vartulaṃ bhavet || 25 ||
Übersetzung: Südlich davon ein Haus für Fastende. Im Westen ein runder Teich von hundert Hasta,
52.26
nīlotpalaiśca padmaiśca utpalaiḥ kumudaiḥ śubhaiḥ |
udyānaṃ paritaḥ kuryāt āmrabilvādiśobhanaiḥ || 26 ||
Übersetzung: mit blauen Lotussen, Lotussen, Utpala und Kumuda. Ringsum einen Garten mit Mango, Bilva,
52.27
candanairvakulairnāgaiḥ punnāgaiścampakaiḥ śubhaiḥ |
panasairnālikeraiśca kumudaiḥ kadalīcayaiḥ || 27 ||
Übersetzung: Sandelholz, Vakula, Naga, Punnaga, Champaka, Panasa, Kokospalmen, Kumuda und Bananengruppen,
52.28
karavīrairnandikāvartaiḥ japāśokādisaṃkulaiḥ |
mālatīmādhavībhiśca madantīsindhuvārakaiḥ || 28 ||
Übersetzung: Karavira, Nandikavarta, Hibiskus, Ashoka, Malati, Madhavi, Madanti und Sindhuvara,
52.29
madhyāhnikavikasaiścaiva kuśaśākādisaṃkulaiḥ |
aśvatthabrahmavṛkṣaiśca raktacandanavedukaiḥ || 29 ||
Übersetzung: Mittagsblühern, Kusha, Gemüse, Ashvattha, Brahmavriksha, rotem Sandelholz und Veduka,
52.30
kuṅkumaiḥ kuravaiścaivamakṣaiḥ sarjarasaiḥ śubhaiḥ |
kuṅkumaiḥ mārakaiścaiva uśīraistadgaṇaiḥ śubhaiḥ || 30 ||
Übersetzung: Safran, Kurava, Aksha, Sarjarasa, nochmals Safran, Maraka, Ushira und verwandten schönen Pflanzen,
52.31
kuravakaiḥ krauñcakaiścaiva maruvakaissarasevyakaiḥ |
piśācaiśca mṛdaṅgī ca bhāryāṅgī ca garuḍastathā || 31 ||
Übersetzung: Kuravaka, Kraunchaka, Maruvaka, Sarasevyaka, Pishacha, Mridangi, Bharyangi und Garuda [mehrere Pflanzennamen unsicher],
52.32
anye ca bahavo vṛkṣāḥ balagandhānvitāḥ śubhāḥ |
tāmbūlavallī pūgā ca bhakṣyakandāśca sarvaśaḥ || 32 ||
Übersetzung: vielen weiteren kräftig duftenden Bäumen, Betelranken, Arekapalmen und essbaren Knollen,
52.33
kapitthairbījapūraiśca ḍāḍimairyavavallabhaiḥ |
anyaiśca puṣpavṛkṣaiśca varyagaistarubhiḥ śubhaiḥ || 33 ||
Übersetzung: Kapittha, Zitronatzitrone, Granatapfel, Yavavallabha und weiteren schönen Blütenbäumen.
52.34
aśvatthamekaṃ piccamandamekaṃ nyagrodhamekaṃ daśa tintriṇī ca |
ṣaṭcampakaṃ tālavanaṃ śataṃ ca navāgramekaṃ narakaṃ na yāti || 34 ||
Übersetzung: Wer einen Ashvattha, einen Nimba, einen Nyagrodha, zehn Tamarinden, sechs Champakas, hundert Talapalmen und einen [beschädigten Baumnamen] pflanzt, gelangt nicht in die Hölle.
52.35
āpo vai vāpavadvatsa kūpaṃ tatraiva yojayet |
gośālāṃ pūrvadigbhāge āgneyyāṃ tāpasālayam || 35 ||
Übersetzung: Man lege dort Wasserbecken und Brunnen an, den Kuhstall im Osten, die Asketenwohnung im Südosten.
52.36
prākārābhyantare kuryāt sabhāṃ vā ṛṣireva vā |
dīnāndhakṛpaṇānāṃ tu ārtānāṃ vasatiṃ śubham || 36 ||
Übersetzung: Innerhalb der Umfriedung eine Halle beziehungsweise Rishi-Wohnung sowie eine gute Unterkunft für Arme, Blinde, Bedürftige und Leidende.
52.37
tadasyābhyantare kuryāt annaśālāṃ suśobhanām |
rudrasya gaṇikāsthānaṃ prākārabāhye pūrvataḥ || 37 ||
Übersetzung: Darin einen schönen Speisesaal. Die Wohnung von Rudras Tempeltänzerinnen liege östlich außerhalb der Mauer.
52.38
devālayasya dakṣiṇe'pi vipragrāmaṃ suśobhanam |
tadbāhyarājaveśmaṃ tu vaṇiggrāmasya bāhyataḥ || 38 ||
Übersetzung: Südlich des Tempels ein schönes Brahmanendorf, außerhalb davon das Königshaus und weiter außerhalb das Kaufmannsdorf [Beziehung leicht gestört].
52.39
gūdrāṇāṃ punarākalpya tailakārāstathādayaḥ |
nāgarādbāhye cāntyajātsvarṇalohādikārakān || 39 ||
Übersetzung: Dann Wohnungen für Shudras, Ölpresser und andere; außerhalb der Stadt für als niedrig eingestufte Gruppen, Gold- und Metallarbeiter,
52.40
śilpinaścitrakārāṃśca * * * * * sarvataḥ |
rajakā ca makārāśca naṭovakuṭa eva ca || 40 ||
Übersetzung: Handwerker, Maler [Textlücke], Wäscher, Lederarbeiter [beschädigt], Schauspieler und Vakuta [Berufsname unklar],
52.41
kaivartibilvajātāṃśca sapta te anyajātayaḥ |
takṣakāṇāṃ bahiḥ kuryāt anyairanyajanairapi || 41 ||
Übersetzung: Fischer, Bilva-Leute und weitere sieben Gruppen [Liste gestört], außerhalb der Steinmetze und weiteren Bewohner. [Historische Siedlungshierarchie.]
52.42
śivasya bhavanātpūrve dvidaṇḍādvṛṣabhālayam |
dvidaṇḍādviṣṇubhavanaṃ tridaṇḍāśca gaṇeśvaram || 42 ||
Übersetzung: Östlich von Shivas Haus in zwei Danda Entfernung das Stierhaus, nach zwei Danda Vishnus Haus, nach drei das Ganesha-Haus,
52.43
tridaṇḍāddvādaśādīnāṃ vidadhyāt tu gṛhaṃ budhaḥ |
gaṇeśvarāvaraṇaṃ bāhye lokapālāstridaṇḍataḥ || 43 ||
Übersetzung: nach drei Danda die Häuser der zwölf und weiteren Gruppen. Außerhalb des Ganesha-Rings in drei Danda Entfernung die Welthüter,
52.44
lokapālātpañcadaṇḍā hastrāvaraṇaṃ ṣaṇmukha |
tadbāhye viṃśadaṇḍāttu śivaprākāramuttamam || 44 ||
Übersetzung: fünf Danda weiter der Waffenring; zwanzig Danda außerhalb davon Shivas Umfassungsmauer.
52.45
gośālāmannaśālāṃ ca ācāryagṛhameva ca |
koṣṭhākā(gā)raṃ ca medhāvī prakārābhyantare kuru || 45 ||
Übersetzung: Kuhstall, Speisesaal, Acharya-Haus und Getreidespeicher errichte man innerhalb der Mauer.
52.46
abhyantare gaṇāśāttu haviśśālā praśasyate |
pitāmahasya bhavanaṃ viṣṇorbhavanameva ca || 46 ||
Übersetzung: Innerhalb der Ganeshas gilt der Opferspeiseraum als günstig; ebenso Brahmas und Vishnus Häuser
52.47
gaṇeśābhyantare kuryāt vidhidṛṣṭena karmaṇā |
prākārābhyantare kuryāt gṛhaṃ saṃnyāsakāriṇām || 47 ||
Übersetzung: innerhalb des Ganesha-Rings nach Vorschrift. Auch das Haus der Entsagenden liege innerhalb der Umfriedung.
iti kālottare parivārapaṭalo dvipañcāśat || 52 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 52 über „Die umgebenden Gottheiten“.
Kapitel 53 – Das Heiligtum
53.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
prāsādalakṣaṇaṃ vakṣye śivasya paramātmanaḥ |
liṅgasyaivānurūpaṃ tu prākāraṃ kārayedbudhaḥ || 1 ||
Übersetzung: Ishvara sprach: Ich erkläre die Tempelmerkmale für Shiva, das höchste Selbst. Die Umfriedung soll dem Linga entsprechen.
53.2
atha * * * * * * * * kuryātprayatnataḥ |
prathamaṃ meruprāsādaṃ dvitīyaṃ mandaraṃ bhavet || 2 ||
Übersetzung: [Textlücke] fertige man sorgfältig. Der erste Tempeltyp ist Meru, der zweite Mandara,
53.3
tṛtīyaṃ kailāsanāma ca caturthaṃ malayaṃ bhavet |
pañcamaṃ valabhiścaiva svacchandanandyāvartaṃ tu ṣaṣṭhakam || 3 ||
Übersetzung: der dritte Kailasa, der vierte Malaya, der fünfte Valabhi, der sechste Svacchanda-Nandyavarta,
53.4
svastikaṃ saptamaṃ jñeyaṃ siṃhaprāsādamaṣṭamam |
navamaṃ garuḍaprāsādaṃ daśamaṃ vṛṣabhaṃ bhavet || 4 ||
Übersetzung: der siebte Svastika, der achte Simha, der neunte Garuda, der zehnte Vrishabha,
53.5
ekādaśaṃ svastipṛṣṭhaṃ dvādaśaṃ vipulaṃ bhavet |
trayodaśaṃ tu sukṣetraṃ caturdaśaṃ mānavaṃ bhavet || 5 ||
Übersetzung: der elfte Svastiprishtha, der zwölfte Vipula, der dreizehnte Sukshetra, der vierzehnte Manava,
53.6
mahādaśaḥ pañcadaśaṃ vimānaṃ chalaṃ hi ṣoḍaśa |
prāsādānaṃ ṣaṇṇavatiḥ pradhānaṃ ṣoḍaśaṃ bhavet || 6 ||
Übersetzung: der fünfzehnte Mahadasha, der sechzehnte Chala [Namen unsicher]. Unter sechsundneunzig Tempeln sind diese sechzehn die wichtigsten.
53.7
śaivaṃ brāhmaṃ vaiṣṇavaṃ ca uttamottamameva ca |
nāgaraṃ drāviḍaṃ caiva vesaraṃ trividhaṃ bhavet || 7 ||
Übersetzung: Shiva-, Brahma- und Vishnu-Tempel gelten als besonders vorzüglich. Drei Bauweisen gibt es: Nagara, Dravida und Vesara.
53.8
pūrvaṃ hi sapta nāgaraṃ madhyaṣaṣṭhaṃ tu drāviḍam |
aparaṃ ṣaṣṭhamaṃ vatsa vesaramuttamaṃ bhavet || 8 ||
Übersetzung: Die ersten sieben heißen Nagara, die mittleren sechs Dravida, die letzten sechs Vesara. [Zählung widerspricht den sechzehn Typen.]
53.9
dvātriṃśannāgaraṃ proktaṃ dvātriṃśaddrāviḍaṃ bhavet |
dvātriṃśadvesaraṃ proktaṃ ṣaṇṇavatiḥ prakīrtitāḥ || 9 ||
Übersetzung: Zweiunddreißig Nagara, zweiunddreißig Dravida und zweiunddreißig Vesara ergeben sechsundneunzig.
53.10
kūṭaṃ koṣṭhaṃ ca śālāṃ ca grīvānāḍīvivarjitam |
nāgaraṃ taṃ vijānīyāt cirajālaṃ pratiṣṭhitam || 10 ||
Übersetzung: Ohne Kuta, Koshtha, Shala und Griva-Nadi [Baubegriffe teilweise gestört], mit dauerhaftem Gitterwerk: dies sei Nagara.
53.11
ekaśālā ca saṃyuktā ūrdhvaśālā ca vai gatā |
koṣṭhaṃ nāsikahīnā ca drāviḍaṃ parikīrtitam || 11 ||
Übersetzung: Mit einer Shala und oberer Shala, ohne Koshtha und Nasika: dies heißt Dravida.
53.12
sarvālaṃkārasaṃyuktaṃ kūṭakoṣṭhasamanvitam |
śālānāsikāsaṃyuktaṃ upānakumudānvitam || 12 ||
Übersetzung: Mit allem Schmuck, Kuta, Koshtha, Shala, Nasika, Upana und Kumuda,
53.13
kapotaṃ jagatīyuktaṃ stambhapālikayā yutam |
grīvāśikharasaṃyuktaṃ tadvesaraṃ parikīrtitam || 13 ||
Übersetzung: Kapota, Jagati, Säulen und Palika sowie Hals und Turmabschluss: dies heißt Vesara. [Die Begriffe bezeichnen Bauteile und Profile.]
53.14
ekabhūmiṃ samārabhya yāvadbhūmisahasrakam |
brahmā viṣṇuśca virudraśca kṛtayugme ṣaḍānana || 14 ||
Übersetzung: Von einem bis zu tausend Geschossen: Brahma, Vishnu und Rudra errichten im Kritayuga,
53.15
sahasrabhūmiṃ kurvanti śivaprāsādamuttamam |
bhūmiṃ pañcaśataṃ jñeyaṃ tretāyāṃ tu ṣaḍānana || 15 ||
Übersetzung: Sechsgesichtiger, den höchsten Shiva-Tempel mit tausend Geschossen; im Tretayuga fünfhundert,
53.16
dvāpare śatabhūmistu munidevaiḥ kṛtaṃ purā |
kaliyuge tu ṣaṣṭhibhūmiruttamaṃ parikīrtitam || 16 ||
Übersetzung: im Dvaparayuga errichteten Weise und Götter hundert; im Kaliyuga gelten sechzig als vorzüglich,
53.17
dvātriṃśanmadhyamaṃ jñeyaṃ ṣoḍaśāṣṭaṃ tu kanyasam |
kaliyuge mānuṣāṇāṃ tu saptapañcatrayaṃ hi vā || 17 ||
Übersetzung: zweiunddreißig als mittel, sechzehn oder acht als gering. Für Menschen im Kaliyuga sieben, fünf oder drei.
53.18
brahmāviṣṇuśca rudraśca śatamūrdhvaṃ tu bhūmikam |
indrādilokapālānāṃ catuṣṣaṣṭirudāhṛtam || 18 ||
Übersetzung: Für Brahma, Vishnu und Rudra hundert oder mehr Geschosse, für die Welthüter von Indra an vierundsechzig.
53.19
gaṇeśvarāṇāṃ mātṝṇāṃ bhūmiḥ sarvamudāhṛtam |
kṛtayuge devamevaṃ tu trayahīnaṃ tu tretāyām || 19 ||
Übersetzung: Für Ganeshas und Mütter werden alle Geschosse genannt [unklar]. So für Götter im Kritayuga; im Tretayuga drei weniger,
53.20
dvāpare tu trayo * * * * * * * * * * |
kaliyuge saptabhūmistu uttamaṃ parikīrtitam || 20 ||
Übersetzung: im Dvaparayuga drei [Textlücke]. Im Kaliyuga sieben als vorzüglich,
53.21
madhyamaṃ pañcabhūmistu kanyasaṃ caikabhūmikam |
pañcabhūmirgrahāṇāṃ tu uttamaṃ parikīrtitam || 21 ||
Übersetzung: fünf als mittel, eines als gering. Für Planetengottheiten fünf als vorzüglich,
53.22
madhyamaṃ tu tribhūmistu ekabhūmistu kanyasam |
sārvabhaumasya vai vatsa ṣoḍaśabhūmirucyate || 22 ||
Übersetzung: drei als mittel, eines als gering. Für einen Weltherrscher sechzehn Geschosse,
53.23
maṇḍalīkasya sarveṣāṃ pañcatridvayameva vā |
saptakaṃ bhūmirurdhvantu mahāpātabhayaṃ bhavet || 23 ||
Übersetzung: für Regionalherrscher fünf, drei oder zwei. Über sieben droht ein großer Sturz.
53.24
amātyānāṃ tu sarveṣāṃ tribhūmiḥ parikīrtitā |
sāmantānāṃ dvibhūmistu devīnāṃ tu tribhūmikam || 24 ||
Übersetzung: Für Minister drei, für Vasallen zwei, für Königinnen drei Geschosse,
53.25
gaṇānāmekabhūmistu bhogīnāmekabhūmikā |
kośādhyakṣasyaikabhūmiḥ tribhādhyakṣasya ekataḥ || 25 ||
Übersetzung: für Gruppen, Genussberechtigte, Schatzmeister und den „Dreieraufseher“ [Titel unklar] je eines,
53.26
gaṇikādhyakṣaḥ kevalasya gṛhagaṇikānāṃ tathaiva ca |
rājaduhitāścaikabhūmiṃ kumārāṇāṃ tu ekataḥ || 26 ||
Übersetzung: ebenso für den Leiter der Kurtisanen, Hauskurtisanen, Königstöchter und Prinzen.
53.27
prāsādaṃ mālikā vāpi nṛpāṇāṃ tu viśeṣataḥ |
lohaloṣṭaicchaditaṃ prāsādaṃ parikīrtitam || 27 ||
Übersetzung: Für Könige insbesondere Prasada oder Malika. Ein mit Metall und Ziegeln gedeckter Bau heißt Prasada,
53.28
lohaloṣṭavihīnā tu mālikā parikīrtitāḥ |
samṛddhānādyadvayutādūrdhvaṃ rajataṃ vā suvarṇakam || 28 ||
Übersetzung: ohne Metall und Ziegel Malika. Wohlhabende mit mehr als [beschädigter Vermögenszahl] verwenden Silber oder Gold.
53.29
prāsādaṃ mālikāṃ kuryāt svastikaṃ nandivardhanam |
prāsādaṃ vaiśyajātīnāṃ valabhicchandanārdhakam || 29 ||
Übersetzung: Als Prasada oder Malika fertige man Svastika und Nandivardhana; für Vaishyas Valabhi und Chandanardhaka [unsicher].
53.30
dhanuśreṣṭhaṃ prakurvanti kecicchaṃsanti mālikām |
śūdrāṇāṃ galikānāṃ ca tṛṇācchādya gṛhaṃ bhavet || 30 ||
Übersetzung: Manche empfehlen bogenförmige Bauten, andere Malika. Für Shudras und Galikas [Gruppe unklar] strohgedeckte Häuser.
53.31
rājñaḥ prāsādamevaṃ syāt kecicchaṃsati mālikā |
caturvedavidāṃ caiva yāvāgāraṃ praśasyate || 31 ||
Übersetzung: So der königliche Prasada; manche empfehlen Malika. Für Kenner der vier Veden gilt Yavagara [Bautyp unklar] als gut.
53.32
miśrāṇāṃ caiva bhūtānāṃ somapānāṃ tu dhāvalam |
dhavalākāraṃ na kartavyamanyeṣāṃ tu kadācana || 32 ||
Übersetzung: Für gelehrte Mishras [Wortlaut gestört] und Soma-Trinker der weiße Dhavala-Bau; für andere soll er nicht errichtet werden.
53.33
vedavedāṅgatattvajñānnīti śāstraviśāradān |
viśiṣṭo yajñaparo nṛpo dhavalākāraṃ praśasyate || 33 ||
Übersetzung: Für einen hervorragenden opferfreudigen König, kundig in Veden, Vedangas und Staatslehre, wird Dhavala gepriesen.
53.34
brahmā viṣṇuśca rudraśca indrādiyamanair-ṛtāḥ |
varuṇavāyukubereśa amarādityapā * || 34 ||
Übersetzung: Für Brahma, Vishnu, Rudra, Indra, Yama, Nirriti, Varuna, Vayu, Kubera, Ishana und Adityas [Schluss beschädigt],
53.35
bhūmiśca sarasvatyai dhavalākāraṃ praśasyate |
dhaneśaṃ kecidicchanti vasurudravināyakān || 35 ||
Übersetzung: für Erde und Sarasvati ist Dhavala günstig; manche empfehlen ihn auch für Dhanesha, Vasus, Rudras und Vinayakas.
53.36
alpavittāśca yajanā jananāśca amātyakāḥ |
dhavalākāraṃ homāttu acirādeva naśyati || 36 ||
Übersetzung: Besitzarme Opfernde, gewöhnliche Menschen und Minister gehen durch Dhavala [Ritualzusatz beschädigt] bald zugrunde.
53.37
devānāṃ tu praśaṃsanti mānuṣāṇāṃ ca varjayet |
mānuṣāṇāṃ tu vai vatsa nṛpabrāhmaṇayordvayoḥ || 37 ||
Übersetzung: Für Götter wird er gelobt, für Menschen vermieden, mit Ausnahme von Königen und Brahmanen.
53.38
anyassarveṣu martyeṣu dhavalākāraṃ tu varjayet |
dhavalākāraṃ tu vidhinā śivāya paramātmane || 38 ||
Übersetzung: Alle übrigen Menschen sollen Dhavala meiden. Wer ihn vorschriftsgemäß Shiva, dem höchsten Selbst, errichtet,
53.39
aśvamedhasahasrasya phalaṃ prāpnoti vai nṛpa |
kṛṣṇaṃ śilāṃ ca dhavalokāramūḍhatrayaṃ guha || 39 ||
Übersetzung: erlangt die Frucht tausend Pferdeopfer. Schwarzer Stein und ein dreifacher Dhavala-Bau werden genannt [Satz gestört].
53.40
ayutaṃ cāśvamedhasya phalaṃ prāpnoti mānavaḥ |
sirāsiravipannaśca granthimaṇḍalavarjitam || 40 ||
Übersetzung: Man erlangt die Frucht zehntausend Pferdeopfer. Frei von fehlerhaften Adern, Knoten und Kreisflecken
53.41
kṛṣṇaparvataśilāyā vagrahaṃ yadi kārayet |
koṭakaṃ vāpi kurvīta prāsādaṃ vesaraṃ tu vā || 41 ||
Übersetzung: sei schwarzer Bergstein, aus dem man einen Bau oder Kuta, einen Vesara-Tempel,
53.42
nāgaraṃ drāviḍaṃ vāpi kārayedbhaktimānnaraḥ |
aśvamedhyasya koṭyastu kapilānāṃ nikharvataḥ || 42 ||
Übersetzung: Nagara- oder Dravida-Tempel andächtig fertigt. Die Frucht einer Koti Pferdeopfer und Nikharva Kapila-Kuhgaben
53.43
tatphalaṃ labhate vatsa prāsādakroṭakena tat |
prāsādāttroṭakaṃ śreṣṭhaṃ praśaṃsanti manīṣiṇaḥ || 43 ||
Übersetzung: erlangt man durch einen Tempel-Krotaka [Bautyp unklar]. Weise preisen Krotaka als besser als Prasada.
53.44
kavāṭaṃ sārgalastambhalobhenaiva tu kārayet |
tasmāttu dviguṇaṃ puṇyaṃ labhate nātra saṃśayaḥ || 44 ||
Übersetzung: Türflügel, Riegel und Pfosten fertige man aus Metall. Dadurch erlangt man das doppelte Verdienst.
53.45
tribhūmiṃ pañcabhūmiṃ vā saptabhūmimathāpi vā |
prāsādaṃ vāpi troṭaṃ syātkārayedvai ṣaḍānana || 45 ||
Übersetzung: Drei-, fünf- oder siebengeschossig lasse man Prasada oder Trotaka errichten.
53.46
tasya puṇyasya māhātmyaṃ mayā yugaśatairapi |
vaktuṃ na śakyate tasmātko vā varṇayituṃ kṣamaḥ || 46 ||
Übersetzung: Die Größe dieses Verdienstes kann ich selbst in hundert Yugas nicht aussprechen; wer könnte es schildern?
53.47
jāmbūnadena tāreṇa sphaṭikenāpi śulbakaiḥ |
tattadbhūmau śivaṃ kuryāt tasya puṇyaphalaṃ śṛṇu || 47 ||
Übersetzung: Aus Jambunada-Gold, Silber, Bergkristall oder Kupfer gestalte man Shiva auf jedem Geschoss. Höre die Frucht:
53.48
tulābhārasahasrasya pṛthivīdānasahasrakam |
hiraṇyagarbhasahasraṃ yattatphalaṃ labhate naraḥ || 48 ||
Übersetzung: tausend Gewichtsspenden, tausend Erdspenden und tausend Hiranyagarbha-Riten.
53.49
māṇikyaṃ maratakaṃ vāpi vajramauktikameva vā |
sthāpayetroṭaprāsāde bhūmau bhūmau tu vai nṛpaḥ || 49 ||
Übersetzung: Rubin, Smaragd, Diamant oder Perle setze der König auf jedem Geschoss des Trotaka-Tempels ein.
53.50
kośaṃ kṛtvā vidhānena * lā prāsādaparvate |
pūrvasmācchataguṇaṃ puṇyaṃ labhate troṭake'pi vā || 50 ||
Übersetzung: Nachdem man vorschriftsgemäß eine Hülle oder Schatzkammer gefertigt hat [Textlücke], erlangt man am Tempelberg oder Trotaka hundertfaches Verdienst.
iti kālottare prāsādapaṭalaḥ tripañcāśat || 53 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 53 über „Das Heiligtum“.
Kapitel 54 – Dorf, Stadt, Hafenstadt, befestigter Ort und Residenz
54.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
grāmaṃ puraṃ ca nagaraṃ pattanaṃ kheṭakāni ca |
āyāmaṃ sthānabhedaiśca pramāṇaṃ garbhameva ca || 1 ||
Übersetzung: Ishvara sprach: Dorf, Pura, Stadt, Hafenort und befestigte Siedlung: ihre Länge, Lageunterschiede, Maße und Gründungsdeponierungen,
54.2
velikānāṃ ca yānaṃ ca nṛttaśālasya lakṣaṇam |
anirvāṇapradīpaṃ ca amlānapuṣpameva ca || 2 ||
Übersetzung: [unklare Bauten] und Fahrzeuge, Merkmale der Tanzhalle, unauslöschliche Lampe und unverwelkliche Blume,
54.3
vāladīpakamālā ca trividhaṃ garbhamucyate |
ratnagarbhaṃ pañcagarbhaṃ pañcadhāgarbhameva hi || 3 ||
Übersetzung: Kinderlampe und Girlande [Lesung unsicher], drei Arten von Deponierungen, Edelsteindeponierung und fünffache Deponierung:
54.4
anukrameṇa vakṣyāmi samāsācchṛṇu ṣaṇmukha |
bhūsurairaṣṭalakṣaṃ tu uttamaṃ grāmamucyate || 4 ||
Übersetzung: Dies erkläre ich der Reihe nach kurz. Höre, Sechsgesichtiger: Ein Dorf mit achthunderttausend Brahmanen gilt als vorzüglich,
54.5
navalakṣaṃ bhūsurairyuktamuttamottamamucyate ||
saptalakṣaṃ tu vai vatsa uttamādhamamāviśet || 5 ||
Übersetzung: mit neunhunderttausend als bestes der besten, mit siebenhunderttausend als geringstes der vorzüglichen,
54.6
pañcalakṣairdvijairyuktaṃ madhyamaṃ grāmamucyate |
ṣallakṣairbrāhmaṇairyuktaṃ madhyamottamamucyate || 6 ||
Übersetzung: mit fünfhunderttausend als mittel, mit sechshunderttausend als bestes der mittleren,
54.7
caturlakṣairmadhyamāyāmaṃ bhūsuraiḥ saṃśitavrataiḥ |
dvilakṣabhūsurairyuktaṃ adhamaṃ grāmamucyate || 7 ||
Übersetzung: mit vierhunderttausend gelübdetreuen Brahmanen als geringstes der mittleren; mit zweihunderttausend als gering,
54.8
adhamottamaṃ tilakṣaṃ tu lakṣaṃ vai adhamādhamam |
lakṣādhīnaṃ tu vai vatsa kugrāmaṃ tu vinirdiśet || 8 ||
Übersetzung: mit dreihunderttausend als bestes der geringen, mit hunderttausend als geringstes; darunter als kleines Dorf. [Die außergewöhnlichen Zahlen stehen so in der Quelle.]
54.9
aśraibrūṇaiśśataṃ vatsa ayutaṃ lakṣaṃ saṃbhavet |
catvāro vedāḥ ṣaḍaṅgaiḥ dharmaśāstrapurāṇakaḥ || 9 ||
Übersetzung: [Beschädigte Zahlformel mit hundert, zehntausend und hunderttausend.] Die vier Veden mit sechs Hilfswissenschaften, Dharma-Schrift und Purana,
54.10
nyāyamīmāṃsāśāstraṃ ca vidyāsthānaṃ caturdaśa |
bhāṣyāścatvāra evaṃ tu daśāṣṭādaśasaṃhitāḥ || 10 ||
Übersetzung: Nyaya und Mimamsa bilden vierzehn Wissensgebiete; dazu vier Kommentare und achtzehn Samhitas [zusätzliche Zehnzahl unklar],
54.11
yogaśāstraṃ ca sāṃkhyaṃ ca vedāntaṃ ca ṣaḍaṅgakam |
catuṣṣaṣṭikalāścaiva ṣaṭtarkāṇi tathaiva ca || 11 ||
Übersetzung: Yoga, Samkhya, Vedanta mit sechs Gliedern [Zuordnung unklar], vierundsechzig Künste und sechs Argumentationslehren,
54.12
pāñcarātraṃ ca sauraṃ ca yāmalāni navāpi ca |
āyurvedaṃ sāmudrikaṃ somasiddhāntameva ca || 12 ||
Übersetzung: Pancharatra, Saura, neun Yamala-Texte, Ayurveda, Körperzeichenlehre und Soma-Siddhanta,
54.13
kāpālaṃ lākulaṃ caiva pañcāryaṃ ca prapañcakāḥ |
ṣaṭsiddhāntakamārgaṃ ca jñātvā vai deśiko bhavet || 13 ||
Übersetzung: Kapala, Lakula, Pancharya und Prapanchaka [Namen unsicher]: Wer die sechs Siddhanta-Wege kennt, kann Lehrer sein.
54.14
ācāryaṃ śivamevāhuḥ śiva ācārya ucyate |
abhedaṃ yo vijānāti sa vai deśika ucyate || 14 ||
Übersetzung: Den Acharya nennt man Shiva, Shiva nennt man Acharya. Wer ihre Nichtverschiedenheit erkennt, heißt wahrer Lehrer.
54.15
tasmātsarva prayatnena ācāryaṃ pūjayetsadā |
grāmaṃ vā nagaraṃ vāpi pattanaṃ kheṭakaṃ tu vā || 15 ||
Übersetzung: Darum verehre man den Acharya stets sorgfältig. Dorf, Stadt, Hafenort oder befestigte Siedlung,
54.16
taṭākakṣetrasaṃyuktaṃ sarvatrajalasaṃyutam |
sarvaśālīprarohaṃ tu gṛhaṃ prākārasaṃyutam || 16 ||
Übersetzung: mit Teichen, Feldern, überall Wasser und gedeihendem Reis, ein Haus mit Umfriedung,
54.17
ācāryāya pradātavyaṃ dhanurmātrayutaṃ bhavet |
tadardhaṃ vā tadardhaṃ vā sahasraṃ dhanurmātrataḥ || 17 ||
Übersetzung: gebe man dem Acharya, von [Zahl fehlt] Bogenlängen, der Hälfte, deren Hälfte oder tausend Bogenlängen.
54.18
ācāryāya pradātavyaṃ aśvamedhaphalaṃ labhet |
caturaśramāyatāśraṃ vā vṛṣabhāya prakalpayet || 18 ||
Übersetzung: Durch die Gabe an den Acharya erlangt man Pferdeopferfrucht. Quadratisch oder rechteckig richte man es für den Stier her [Bezug unsicher],
54.19
prākāraṃ dīrghikāyuktaṃ anekālaṃkārasaṃyutam |
sarvasasyāśrayaṃ caiva sroto nadyatha dakṣiṇe || 19 ||
Übersetzung: mit Mauer, Wassergraben, vielerlei Schmuck, Anbauflächen und südlichem Flusslauf,
54.20
paścime dakṣiṇe pūrve taṭākatritayaṃ bhavet |
anyajātiśatairyuktaṃ saptakāruśataṃ bhavet || 20 ||
Übersetzung: mit drei Teichen im Westen, Süden und Osten, Hunderten anderer Gruppen und siebenhundert Handwerkern,
54.21
vaṇijaiḥ strīsahasraṃ tu śūdrāṇāṃ tu sahasrakam |
aṣṭalakṣo dvijāya tasmin mahāgrāmaṃ ṣaḍānana || 21 ||
Übersetzung: Kaufleuten, tausend Frauen [Zahlverbindung unsicher], tausend Shudras und achthunderttausend Brahmanen: das große Dorf.
54.22
ayutaṃ bhūsurairyuktaṃ vaiśyaṃ daśaguṇaṃ bhavet |
puramevaṃvidhiṃ dadyāt pārśvayośca nadīdvayam || 22 ||
Übersetzung: Ein Pura mit zehntausend Brahmanen und zehnmal so vielen Vaishyas gebe man, mit zwei Flüssen an den Seiten.
54.23
viśeṣabhūsuraistriguṇaṃ śatārdhaṃ kṣatriyānvitam |
pattanaṃ samudratīre tu vaiśyaprādhānyameva ca || 23 ||
Übersetzung: Besonders werden dreimal so viele Brahmanen und fünfzig Kshatriyas genannt [Bezug unsicher]. Ein Hafenort liegt am Meer und ist von Kaufleuten geprägt,
54.24
anekapātasaṃcāranavābhāsā samanvitam |
yugmābhāsasamākīrṇaṃ triyojanapadaṃ bhavet || 24 ||
Übersetzung: mit Verkehr vieler Schiffe und neuen beziehungsweise paarweisen [Bauten oder Anlegestellen; Text gestört], drei Yojanas groß.
54.25
nandīsaṃgamapārśve tu pattanaṃ kārayennṛpaḥ |
vaiśyāḥ śatasahasraṃ tu potavyāyānasaṃyutaiḥ || 25 ||
Übersetzung: Am Flusszusammenfluss errichte der König den Hafenort, mit hunderttausend Vaishyas und Schiffverkehr,
54.26
tadardhaṃ vā tadardhaṃ vā ayutaṃ vaṇijāṃ tu vā |
jhallamallasamākīrṇaṃ barbarairdvisahasrakam || 26 ||
Übersetzung: oder halb so vielen, nochmals halb so vielen oder zehntausend Kaufleuten; mit Jhallas, Ringkämpfern und zweitausend Barbaras,
54.27
dvādaśaiḥ śroṇisaṃyuktaṃ samudrannavasahasrakam |
vṛttaṃ vā caturaśraṃ vā vṛttāyatanameva vā || 27 ||
Übersetzung: zwölf Zünften und neuntausend [Meeresbewohnern oder Einheiten; unklar], rund, quadratisch oder länglichrund,
54.28
śatavīthīsamākīrṇaṃ tadardhaṃ vidhimeva vā |
pūrve vā paścimevāpi dakṣiṇe vā samudrakam || 28 ||
Übersetzung: mit hundert Straßen oder halb so vielen; das Meer liege östlich, westlich oder südlich.
54.29
prākāraiḥ samyakkartavyaṃ dīrghikātribhirācaret |
ekaṃ pārśvastha śūdrasya dīrghikā tu ṣaḍānana || 29 ||
Übersetzung: Mit Mauern und drei Wassergräben; an einer Seite der Shudras ein Graben [Lesung unsicher].
54.30
anekāṭṭāsasaṃyuktaṃ sarvāyudhasamanvitam |
dvādaśa dvārasaṃyuktaṃ prākāraṃ tu śivālayam || 30 ||
Übersetzung: Mit vielen Türmen, allen Waffen und zwölf Toren, mit Umfriedung und Shiva-Tempel.
54.31
iṣṭakāmayaṃ prākāraṃ grāmaṃ pattanasatpure |
nagare vātra kartavyā kheṭakaṃ cāpi śobhanam || 31 ||
Übersetzung: Die Mauer sei aus Ziegeln, in Dorf, Hafenort, Pura, Stadt oder schöner befestigter Siedlung.
54.32
paścime parvataṃ vidyāt nadī cottaraṃ eva ca |
āyatāśraṃ prakartavya nadyāstīre ṣaḍānana || 32 ||
Übersetzung: Im Westen ein Berg, im Norden ein Fluss; rechteckig lege man die Siedlung am Flussufer an.
54.33
paścime dakṣiṇe pūrve sasyakṣetraṃ taṭākakam |
kheṭakaṃ kārayānī ca eka eva tu saṃjñikā || 33 ||
Übersetzung: Westlich, südlich und östlich Felder und Teiche. Dies sind Kennzeichen des Khetaka [Schluss beschädigt].
54.34
madhye rājagṛhaṃ kuryāt saptabhūmistu mālikā |
aneka prāsādasaṃyuktaṃ gṛhaprākārasaṃyutam || 34 ||
Übersetzung: In der Mitte das Königshaus, eine siebengeschossige Malika, mit vielen Palästen, Häusern und Mauern.
54.35
giridurgaṃ jaladurgaṃ vacanadurgaṃ tathaiva ca |
dīrghikāparivṛtādurgaṃ durgaṃ prākāra eva ca || 35 ||
Übersetzung: Bergfestung, Wasserfestung, Waldfestung [Vorlage beschädigt], Grabenfestung und Mauerfestung,
54.36
dhanadurgaṃ cāstradurgaṃ naradurgaṃ mantradurgakam |
brāhmaṇairvedasaṃyuktaiḥ paścime vāyu taṃ bhavet || 36 ||
Übersetzung: Reichtums-, Waffen-, Menschen- und Mantrafestung werden genannt; vedakundige Brahmanen im Westen [Zahl oder Richtung gestört],
54.37
dviguṇaṃ vaiśyajātīnāṃ sarvavarṇasamanvitam |
rājaveśmaṃ ca paritaḥ sarvadīrghaṃ ca kārayet || 37 ||
Übersetzung: doppelt so viele Vaishyas und alle Stände. Rings um das Königshaus breite Gräben,
54.38
anekaśatasahasraiḥ bhaṭairyuktaṃ suśobhanam |
gajavājisamākīrṇaṃ rathaiścāṣṭasamākulaḥ || 38 ||
Übersetzung: viele hunderttausend Soldaten, Elefanten, Pferde und Wagen [zusätzliche Achtzahl unklar].
54.39
kheṭakaṃ tadvijānīyāt tattadajñena kārayet |
kṣatriyo dānadharmaiśca yuktaḥśūraḥ pratāpavān || 39 ||
Übersetzung: Dies erkenne als Khetaka; Fachkundige sollen es bauen. Der Kshatriya sei freigebig, dharmatreu, mutig und kraftvoll.
54.40
caturvyūhasamaṃ vīkṣya na yuddhyeta kadācana |
vajraṃ ca padmarāgaṃ ca maratakaṃ mauktikaṃ tathā || 40 ||
Übersetzung: Angesichts einer gleich starken viergliedrigen Streitmacht soll er niemals kämpfen. Diamanten, Rubine, Smaragde und Perlen,
54.41
sarvaratnāni vṛddhiṃ ca na yuddhyeta kadācana |
dhānyānāṃ saṃgrahaścaiva vastrābharaṇameva ca || 41 ||
Übersetzung: alle Edelsteine vermehre er und kämpfe nicht; ebenso sammle er Getreide, Gewänder und Schmuck,
54.42
netranirvāṇaṃ kṣaumaṃ ca bhaṭavardhanameva ca |
vardhanaṃ cādhānāṃ ca yuddhyate na kadācana || 42 ||
Übersetzung: Netra- und Kshauma-Stoffe [Zwischenwort unklar], vermehre Soldaten und Vorräte und kämpfe nicht.
54.43
hiraṇyaṃ rajataṃ vastraṃ tāmralohādivardhanam |
senānāṃ vardhanaṃ caiva na yuddhyeta kadācana || 43 ||
Übersetzung: Gold, Silber, Kleidung, Kupfer und Eisen sowie das Heer vermehre er und kämpfe nicht.
54.44
vajraṃ ca padmarāgaṃ ca maratakaṃ mauktikaṃ tathā |
sarvaratnānāṃ vṛddhiśca na yuddhyeta kadācana || 44 ||
Übersetzung: Diamanten, Rubine, Smaragde, Perlen und alle Edelsteine vermehre er und kämpfe nicht.
54.45
dhānyānāṃ saṃgrahaṃ caiva vastrābharaṇameva ca |
netranirvāṇakṣamaṃ ca na yuddhyeta kadācana || 45 ||
Übersetzung: Getreide, Gewänder, Schmuck und Netra-/Kshauma-Stoffe [Lesung beschädigt] sammle er und kämpfe nicht.
54.46
sarvaratnāni dhānyaṃ ca gṛhopaskaraṇāni ca |
gajāśvopaskaraṃ caiva na yuddhyeta kadācana || 46 ||
Übersetzung: Alle Edelsteine, Getreide, Hausrat sowie Elefanten- und Pferdeausrüstung sammle er und kämpfe nicht.
54.47
vipraratnaṃ nṛparatnaṃ gajaratnaṃ cāśvaratnakam |
kanakaratnaṃ vastraratnaṃ maratakaṃ ratnameva ca || 47 ||
Übersetzung: Hervorragende Brahmanen, Könige, Elefanten und Pferde, kostbares Gold, Stoffe und Smaragde,
54.48
sarvaratnasaṃgrahaṃ ca na yuddhyeta kadācana |
meṣaratnaṃ mahiṣaratnaṃ tathā kumbhakaratnakam || 48 ||
Übersetzung: alle Kostbarkeiten sammle er und kämpfe nicht. Hervorragende Schafe, Büffel und Töpfer,
54.49
khaḍgaratnaṃ kheṭaratnaṃ kṣurikāratnameva ca |
gaṇikāratnaṃ dāsaratnaṃ dāsīratnaṃ tathaiva ca || 49 ||
Übersetzung: Schwerter, Schilde, Messer, Kurtisanen, Diener und Dienerinnen,
54.50
bhāryāratnaṃ vaṇigratnaṃ tathā kaṭakaratnakam |
naṭaratnaṃ gītaratnaṃ tathā kinnararatnakam || 50 ||
Übersetzung: Ehefrauen, Kaufleute, Armreifen [oder Heerlager; mehrdeutig], Schauspieler, Sänger und Kinnara-Musiker,
54.51
sūpyādhyakṣaratnaṃ ca ratnaratnaṃ tathaiva ca |
vipaścīratnamevaṃ tu satataṃ saṃgrahennṛpaḥ || 51 ||
Übersetzung: Aufseher der Vorräte [Lesung unsicher], Edelsteine und Gelehrte sammle der König beständig.
54.52
sāmabhedadānadaṇḍañcaturāyattaḥ kṣatriyaḥ |
caturdikṣudaṇḍamokṣau ca āsanaṃ cāṣṭadikṣu ca || 52 ||
Übersetzung: Dem Kshatriya stehen Versöhnung, Spaltung, Gabe und Strafe zur Verfügung; Bestrafung, Freilassung und Verweilen in den Richtungen werden genannt [Satz beschädigt].
54.53
ekaṃ tamisrasaṃgraha jñātavācāraṃ sadā budhaḥ |
sarvaśāstreṣu mukhyaṃ ca tattaddakṣaṃ tu saṃgrahet || 53 ||
Übersetzung: Er sammle [Text beschädigt] und kenne stets das Verhalten; in jeder Schrift und Tätigkeit gewinne er die jeweils besonders Fähigen.
54.54
dūtaiḥ paśyanti rājānaḥ vedaiḥ paśyanti paṇḍitāḥ |
grāṇaiḥ paśyanti paśavo cakṣurbhyāmitare janāḥ || 54 ||
Übersetzung: Könige sehen durch Boten, Gelehrte durch die Veden, Tiere durch den Geruchssinn und andere Menschen durch die Augen.
54.55
ātmacintā rājyacintā śatrucintā tathaiva ca |
prajñāyuddhaṃ rājyayuddhaṃ na yuddhyettu kadācana || 55 ||
Übersetzung: Er bedenke sich selbst, das Reich und den Feind; Kampf mit Einsicht und um Herrschaft [Lesung unsicher], doch kämpfe er niemals [wörtlicher Schluss].
iti kālottare grāmapurapattanakheṭaka rājadhānīpaṭalaścatuḥ pañcāśat || 54 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 54 über „Dorf, Stadt, Hafenstadt, befestigter Ort und Residenz“.
Kapitel 55 – Gründungsdepot und günstiger Zeitpunkt
55.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
garbhāṇāṃ lakṣaṇaṃ vakṣye grāmādīnāṃ samṛddhidam |
garbhahīne tu grāmāṇāṃ gṛhāṇāṃ nāśameva hi || 1 ||
Übersetzung: Ishvara sprach: Ich erkläre die Gründungsdeponierungen, die Dörfern und anderen Orten Gedeihen bringen. Ohne sie gehen Dörfer und Häuser zugrunde.
55.2
garbhamūlamidaṃ sarvaṃ trailokyaṃ sacarācaram |
trīṇyuttarāṇi revatyā anūrādhā tathaiva ca || 2 ||
Übersetzung: Die drei Welten mit Beweglichem und Unbeweglichem gründen im Garbha. Die drei Uttara-Sterne, Revati und Anuradha,
55.3
śakaṭaṃ mṛgaśiraścaiva caitranakṣatrameva ca |
garbhādhānaṃ ca yadgarbhaṃ gṛhakāryatvamanyat || 3 ||
Übersetzung: Rohini, Mrigashirsha und Chitra gelten für Deponierung und andere Bauarbeiten.
55.4
trirāśiketyanūrādhā śakaṭaṃ garbhadhānakam |
anyadyadgṛha kāryaṃ tu kartavyaṃ tattadeva tu || 4 ||
Übersetzung: „Trirashika“, Anuradha und Rohini für die Deponierung; weitere Bauhandlungen entsprechend den jeweiligen Vorschriften. [Erster Sternname unsicher.]
55.5
uttarāyaṇe tu māse tu śuklapakṣe śubhe dine |
caitra phālgunavaiśākhā trimāsāsteṣu śasyate || 5 ||
Übersetzung: Im nördlichen Sonnenlauf, in heller Monatshälfte, an günstigem Tag: Chaitra, Phalguna und Vaishakha sind besonders gut.
55.6
puṇye ca jyeṣṭhamāse tu madhyamaṃ parikīrtitam |
māghamāsaṃ kanyasaṃ syādgarbhaśāstravido vadet || 6 ||
Übersetzung: Jyeshtha gilt als mittel, Magha als gering, so der Kenner der Gründungslehre.
55.7
rohiṇīmṛgaśīrṣaṃ ca makhāhastastathaiva ca |
svātī vai cottarāṣāḍhā pauṣṇaṃ vāruṇameva vā || 7 ||
Übersetzung: Rohini, Mrigashirsha, Magha, Hasta, Svati, Uttarashadha, Revati und der Varuna-Stern,
55.8
anūrādhāṃ kecidicchanti vasiṣṭhonottaraṃ vadet |
agastyaḥ kuśeśayaḥ proktaḥ kāśyapogārgya eva ca || 8 ||
Übersetzung: manche empfehlen Anuradha; Vasishtha spricht von Uttara [Negation in der Vorlage unklar]. Agastya nennt Kus heshaya [unklar], ebenso Kashyapa und Gargya [Zuordnung gestört].
55.9
viśvāmitrabharadvājau gautamo bhṛgureva ca |
citrāṃ śaṃsanti vasavo rudrādityāśca eva vā || 9 ||
Übersetzung: Vishvamitra, Bharadvaja, Gautama, Bhrigu, Vasus, Rudras und Adityas preisen Chitra.
55.10
dvitīyā vā tṛtīyā vā bhadrānandāpi vā bhavet |
rohiṇīṃ saṃpraśaṃsanti brahmaviṣṇumaheśvarāḥ || 10 ||
Übersetzung: Der zweite oder dritte Mondtag, Bhadra oder Nanda sind geeignet. Brahma, Vishnu und Maheshvara preisen Rohini.
55.11
nandā bhadrā jayāścaiva pūrṇā caiva śubhaṃ bhavet |
some budhe ca jīve ca śukre caiva yame śubhe || 11 ||
Übersetzung: Nanda, Bhadra, Jaya und Purna sind günstig; Montag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag und ein günstiger Samstag.
55.12
vṛṣabhe mithune caiva karkaṭe makare'pi vā |
cāpe kumbhe praśaṃsanti bhargaśāstravido bhavet || 12 ||
Übersetzung: Stier, Zwillinge, Krebs, Steinbock, Schütze und Wassermann preisen die Kundigen.
55.13
kumbhe garbhaṃ praśaṃsanti ayutakalpaṃ ca tiṣṭhati |
vṛṣabhe pañcasāhasraṃ kalpameva sa tiṣṭhati || 13 ||
Übersetzung: Eine Deponierung im Wassermann besteht zehntausend Kalpas, im Stier fünftausend,
55.14
sahasrāṇi tu catvāri kalpaṃ tiṣṭhati karkaṭe |
makare trisahasraṃ tu kalpaṃ tiṣṭhati garbhakam || 14 ||
Übersetzung: im Krebs viertausend, im Steinbock dreitausend.
55.15
uttamaṃ naivamevoktaṃ madhyamaṃ śṛṇu ṣaṇmukha |
siṃhe ca kanyakāyāṃ ca mīne vṛścika eva vā || 15 ||
Übersetzung: So die vorzüglichen Bedingungen. Höre die mittleren: Löwe, Jungfrau, Fische und Skorpion.
55.16
sahasradvayakalpaṃ tu garbhaṃ vai tiṣṭhate guha |
mīna eva tulāṃ vatsa varjayedgarbhaśāstravit || 16 ||
Übersetzung: Dann besteht die Deponierung zweitausend Kalpas. Fische und Waage soll der Kundige meiden. [Fische wird widersprüchlich gewertet.]
55.17
bṛhaspatyudaye garbhaṃ prakṣipenmantrapūrvakam |
śukrodaye vā kartavyaṃ budhodayepi nikṣipet || 17 ||
Übersetzung: Bei Jupiters Aufgang deponiere man mit Mantras; auch bei Venus- oder Merkuraufgang.
55.18
bṛhaspatyudaye śreṣṭhaṃ madhyamaṃ bhārgavodayam |
kanyasaṃ budhodaye tu sthāpayedgarbhamuttamam || 18 ||
Übersetzung: Jupiteraufgang ist am besten, Venus mittel, Merkur gering.
55.19
triṣaṣṭaikādaśaproṣṭā arkaraktā hi ketavaḥ |
pañcasaptaikādaśe caiva svasthāne jīvamuttamam || 19 ||
Übersetzung: Im dritten, sechsten und elften [Haus] Sonne, der Rote und Ketu [Lesung beschädigt]; Jupiter im fünften, siebten, elften oder eigenen Haus ist gut.
55.20
baddhāvekādaśe saptabudhaṃ śreṣṭhaṃ vidurbudhāḥ |
pañcame daśame caiva dvādaśe bhṛguścandramāḥ || 20 ||
Übersetzung: Merkur im elften oder siebten [weiterer Hausbezug gestört]; Venus und Mond im fünften, zehnten oder zwölften.
55.21
dvipañcaikādṛśe garbhaṃ caiva sthāpyaṃ vidhāntaḥ |
athavā siddhayoge tu sthāpayedgarbhamuttamam || 21 ||
Übersetzung: Im zweiten, fünften und elften [Haus; Zuordnung unklar] deponiere man vorschriftsgemäß oder bei Siddhayoga.
55.22
bhṛgupa * tu śreṣṭhaḥ syāt saumyātsome tu vā kṣipet |
śanirohiṇyāṃ pradhānaṃ tu aṣṭamyāṃ candratārakam || 22 ||
Übersetzung: Venus mit [Sternname fehlt] sei am besten; Merkur oder Montag werden genannt. Samstag unter Rohini ist vorzüglich, am achten Tag bestehe es so lange wie Mond und Sterne [Satz gestört].
55.23
bhaumāśvinaṃ praśaṃsanti vasiṣṭhagārgyamataṃ hi tat |
gurupuṣpayoge caiva ayutaṃ kalpaṃ sa tiṣṭhati || 23 ||
Übersetzung: Dienstag unter Ashvini preisen Vasishtha und Gargya. Donnerstag unter Pushya gewährt zehntausend Kalpas Bestand.
55.24
ādityahaste garbhantu sthāpayedvidhipūrvakam |
kalpakoṭyayutaṃ vatsa tiṣṭhate nātra saṃśayaḥ || 24 ||
Übersetzung: Sonntag unter Hasta gewährt zehntausend Koti Kalpas Bestand, ohne Zweifel.
55.25
budhānurādhe garbhaṃ tu prakṣipedvidhipūrvakam
sahasrapañcakalpaṃ tu tiṣṭhatyeva na saṃśayaḥ || 25 ||
Übersetzung: Mittwoch unter Anuradha gewährt fünftausend Kalpas Bestand.
55.26
yoge vipulayoge vā mahāyoge tu nikṣipet |
vicitrayoge garbhaṃ tu prakṣipenmantra pūrvakam || 26 ||
Übersetzung: Bei Yoga, Vipulayoga, Mahayoga oder Vichitrayoga deponiere man mit Mantras.
55.27
ācandratārakaṃ garbhaṃ tiṣṭhate nātra saṃśayaḥ |
sthirāṃśe sthiranakṣatre sthirahorāsthiragrahe || 27 ||
Übersetzung: Dann besteht es, solange Mond und Sterne bestehen. Bei festem Anteil, festem Stern, fester Hora und festem Planeten,
55.28
sthirāddrekkāṇa kāle ca sthāpayedgarbhamuttamam |
aṣṭame ca vyaye caiva saptame kendrakeṣu ca || 28 ||
Übersetzung: festem Dekan und fester Zeit deponiere man. Im achten, zwölften, siebten und in den Eckhäusern,
55.29
pañcame vyomadharme ca pāpān sarvān vivarjayet |
sadā sute ca lābhe ca trayandharme tathaiva ca || 29 ||
Übersetzung: im fünften, zehnten und neunten meide man alle Übeltäterplaneten. Stets im Sohnes- und Gewinnhaus, dritten und neunten [weitere Anweisung beschädigt].
55.30
udayāttrayaṃ kadācittu citrayogaṃ vidurbudhāḥ |
dvayodvayormahāyogaṃ prakṣipedgarbhamuttamam || 30 ||
Übersetzung: Drei vom Aufgangspunkt nennen die Verständigen Chitrayoga [Zusammenhang unklar]; jeweils zwei bilden Mahayoga. Dann deponiere man den vortrefflichen Garbha.
iti kālottare garbhalakṣaṇamuhūrta viśeṣaḥ pañcapañcāśatpaṭalaḥ |
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 55 über „die Merkmale des Gründungsdepots und die besondere günstige Stunde“.

Kapitel 56 – Das Nrittapala-Gründungsdepot
56.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
suvarṇasūtraṃ samyakkṛtvā catuṣpādaṃ suśobhanam |
bālā ṣaḍaṅgulādhikyaṃ sarvataścaiva tatra vai || 1 ||
Übersetzung: Ishvara sprach: Man fertige eine goldene Schnur und eine schöne vierfüßige [Vorrichtung], ringsum sechs Angula größer als die Kindergestalt.
56.2
suvarṇadīpaṃ caturdikṣu athavāradvayaṃ tu vā |
dvividhaṃ tu samutsedhaṃ rājataistāmrajaistu vā || 2 ||
Übersetzung: Goldene Lampen in vier Richtungen oder zwei [Anzahlbezug unklar], mit zweierlei Höhe; auch Silber oder Kupfer.
56.3
dvātriṃśacca catuṣṣaṣṭiraṣṭottaraśataṃ tu vā |
ṛgyajussāmātharvaiśca sarvairvai svarṇadīpakam || 3 ||
Übersetzung: Zweiunddreißig, vierundsechzig oder 108; mit Rig-, Yajur-, Sama- und Atharvaveda [werden] die goldenen Lampen [geweiht; Satz unvollständig].
56.4
vāstuhomaṃ tu pūrve ca bahvṛco homayettadā |
dakṣiṇe yajurvidā homaṃ paścime sāmavedagāḥ || 4 ||
Übersetzung: Im Osten opfert ein Rigveda-Kundiger das Vastu-Opfer, im Süden ein Yajurveda-Kundiger, im Westen Samaveda-Kundige,
56.5
uttare'tharvahomaṃ tu madhye deśika homayet |
palāśa khadirāśvatthaplakṣanyagrodhameva ca || 5 ||
Übersetzung: im Norden mit Atharvaveda, in der Mitte der Lehrer. Palasha, Khadira, Ashvattha, Plaksha, Nyagrodha,
56.6
bilvau dumbaraśamyaśca apāmārgaṃ tu caiva hi |
vaikaṅkatamaśokaṃ ca vyāghātaṃ pañcakaṃ tathā || 6 ||
Übersetzung: Bilva, Udumbara, Shami, Apamarga, Vikankata, Ashoka, Vyaghata und „Panchaka“ [unklar],
56.7
kaṇikāraṃ ca vakulaṃ samidhaḥ samudāhṛtāḥ |
khādiraṃ tu bhru(sru)vaṃ vidyājjambūpālāśamucyate || 7 ||
Übersetzung: Karnikara und Vakula sind Opferhölzer. Der Löffel sei aus Khadira; Jambu und Palasha werden ebenfalls genannt.
56.8
samidājyacarun lājān yavavaiṇavasarṣapān |
śālīnīvāragodhūmatilamudgapriyaṅgavaḥ || 8 ||
Übersetzung: Holz, Ghee, gekochte Opferspeise, Puffreis, Gerste, Bambussamen, Senf, Shali, Nivara, Weizen, Sesam, Mung, Priyangu,
56.9
kulutthaśimbaniṣpāvaṃ homadravyamudāhṛtam |
apūpaṃ kṛsaraṃ kṣīraṃ apūpaṃ phalabhakṣakam || 9 ||
Übersetzung: Kuluttha, Hülsenfrüchte und Nishpava sind Opferstoffe, ebenso Kuchen, Krishara, Milch, nochmals Kuchen und Früchte.
56.10
aṣṭottarasahasraṃ vā pratyekaṃ homayeddvijaḥ |
tadardhaṃ vā tadardhaṃ vā pratyekaṃ homayeddvijaḥ || 10 ||
Übersetzung: Jeweils 1.008 Gaben opfere der Brahmane oder die Hälfte, nochmals die Hälfte,
56.11
tadardhaṃ vā tadardhaṃ vā aṣṭottaraśataṃ tu vā |
mahāvyāhṛtibhiścaiva sāvitryā tu huneddvijaḥ || 11 ||
Übersetzung: wiederum die Hälfte oder 108, mit den großen Vyahritis und Savitri.
56.12
viṣṇusūktaṃ puruṣasūktaṃ rudrasūktaṃ ca homayet |
hiraṇyaṃ pavamānaṃ ca śannovargaṃ ca homayet || 12 ||
Übersetzung: Mit Vishnu-, Purusha-, Rudra-Sukta, Hiranya, Pavamana und Shanna-Gruppe,
56.13
śrīsūktaṃ pañcadravyā ca somasūktaṃ tathaiva ca |
yāmyaṃ bārhaspatyaṃ brāhmaṃ ca aindramāgneyameva ca || 13 ||
Übersetzung: Shri-Sukta, fünf Stoffen [Lesung unsicher], Soma-Sukta, Yama-, Brihaspati-, Brahma-, Indra- und Agni-Formeln,
56.14
yāmya nir-ṛtisūktaṃ ca vāruṇaṃ pāvanaṃ tathā |
aiśānyāṃ dvādaśādityaṃ rudraikādaśameva ca || 14 ||
Übersetzung: Yama-, Nirriti-, Varuna- und Wind-Sukta; im Nordosten zwölf Adityas und elf Rudras,
56.15
aṣṭau vāsavamantraśca tryambakaṃ haṃsameva ca |
apūpamannajātaṃ ca sarpiṣā homayedbudhaḥ || 15 ||
Übersetzung: acht Vasu-Mantras, Tryambaka und Hamsa; Kuchen und verschiedene Speisen opfere man mit Ghee.
56.16
aruṇaṃ vallīśatarudraṃ ca rudraikādaśameva ca |
daśahotā saptahotā caturhotā tathaiva ca || 16 ||
Übersetzung: Aruna, Valli, Shatarudra, elf Rudras, Dashahotri, Saptahotri und Chaturhotri,
56.17
śrīmannārāyaṇaṃ caiva tvaritarudraśca vaiṣṇavam |
bārhaspatyaṃ brāhmaṇaṃ ca yajurviddho mayet pṛthak || 17 ||
Übersetzung: Shriman-Narayana, Tvarita-Rudra, Vishnu-, Brihaspati- und Brahma-Formeln opfere der Yajurveda-Kundige gesondert.
56.18
brahmasāmaṃ jyeṣṭhasāmaṃ vikarṇaṃ ca mahāvratam |
bahiṣpavamānaṃ puruṣaṃ gatiṃ bṛhadrathantaram || 18 ||
Übersetzung: Brahmasaman, Jyeshthasaman, Vikarna, Mahavrata, Bahishpavamana, Purushagati, Brihat und Rathantara,
56.19
yajāvo'dhimagnimūrdha aśvanatvā tathaiva ca |
somaṃ rājānamevaṃ tu sauramāgneyavāruṇam || 19 ||
Übersetzung: „yajāvo'dhi“, „agnimūrdhā“, „aśva na tvā“ [verkürzte beziehungsweise beschädigte Anfänge], „somaṃ rājānam“, Sonnen-, Agni- und Varuna-Formeln,
56.20
yāmyaṃ māhendravāyavyaṃ nair-ṛteśānameva ca |
ṛcā vai juhuyādvatsa sāmagān paścime sadā || 20 ||
Übersetzung: Yama-, Indra-, Wind-, Nirriti- und Ishana-Formeln: Man opfere mit Versen; Samaveda-Sänger stets im Westen.
56.21
atharvaśirasaṃ caiva saumyamāgneyavāruṇam |
yāmyaṃ vāyavyamīśānaṃ aindraṃ vai pippalodakān || 21 ||
Übersetzung: Atharvashiras, Soma-, Agni-, Varuna-, Yama-, Wind-, Ishana-, Indra- und Pippalada-Formeln,
56.22
viṣṇuṃ brāhmaṇasūktaṃ ca raudraṃ sauraṃ ca vāmakam |
nīlarudraṃ mahārudraṃ caṇḍarudraṃ tathaiva ca || 22 ||
Übersetzung: Vishnu- und Brahma-Sukta, Rudra-, Sonnen- und Vama-Formeln, Nilarudra, Maharudra und Chandarudra,
56.23
rakṣoghnaṃ ca bārhaspatyaṃ muṇḍaṃ pragnaṃ ca homayet |
prāsādaṃ ca pavitraṃ ca vyomavyāpi tathaiva ca || 23 ||
Übersetzung: Rakshoghna, Brihaspati-, Munda- und Prajna-Formeln, Prasada, Pavitra und Vyomavyapin opfere man.
56.24
agnimukhā pradhānaṃ ca gṛhe sarvaṃ samācaret |
paścādevaṃ hunetprājño brāhmaṇaiḥ saṃśita vrataiḥ || 24 ||
Übersetzung: Die einleitenden Feuerhandlungen vollziehe man im Haus; danach opfere der Verständige mit streng gelübdetreuen Brahmanen.
56.25
pāvitraṃ homadravyāṃśca sarpiṣānyāni homayet |
vāstuhome vāstudevān hunecca catvāriṃśakān || 25 ||
Übersetzung: Reinigende Formeln und Opferstoffe mit Ghee; beim Vastu-Opfer für vierzig Vastu-Gottheiten.
56.26
juhuyādvāstoṣpaṃteścaiva catuṣpadānmantra eva hi |
ato devā avantviti ṛcā dvādaśa homayet || 26 ||
Übersetzung: Mit „vāstoṣpate“, den vier Versfüßen und zwölf Gaben zu „ato devā avantu“.
56.27
ikṣuṃ takramiti ṣoḍaśa cāhunedvai kṣīrasarpiṣā |
pṛṣadājyena juhuyātpuruṣasūktena madhyame || 27 ||
Übersetzung: Mit „ikṣuṃ takram“ [Formel beschädigt] sechzehn Gaben Milch und Ghee; in der Mitte Dickmilch-Ghee mit Purusha-Sukta.
56.28
madhuparkeṇa juhuyādṛkpādena śatatrayam |
kūṭe vā maṇḍame vāpi prapāyāṃ vādhivāsayet || 28 ||
Übersetzung: Mit Madhuparka dreihundert Gaben unter den Versfüßen. Im Kuta, Pavillon oder Trinkhallenbau vollziehe man die vorbereitende Lagerung.
56.29
vitānopari saṃchinnañcatustoraṇabhūṣitam |
caturdvārasamopetaṃ ṣaṭtriṃśaddhastamaṇḍalam || 29 ||
Übersetzung: Mit Baldachin, vier Torbögen und vier Eingängen, sechsunddreißig Hasta groß,
56.30
viṃśatṣoḍaśaśastraṃ vā dvādaśāṣṭakaraṃ tu vā |
darbhamālāparikṣiptaṃ muktādāmairalaṃkṛtam || 30 ||
Übersetzung: oder zwanzig, sechzehn, zwölf oder acht, mit Darbha-Girlanden und Perlenketten,
56.31
phalapallavamālāḍhyaṃ ghaṇṭācāmarabhūṣitam |
dhvajāṣṭakasamāyuktamaṣṭamaṅgalabhūṣitam || 31 ||
Übersetzung: Frucht- und Laubgirlanden, Glocken, Wedeln, acht Fahnen und acht Glückszeichen.
56.32
gandhaśāliṃ mahāśāliṃ kalamāmālimeva ca |
yavagodhūmanīvāraiḥ śatadroṇaiḥ sthaṇḍilaṃ kuru || 32 ||
Übersetzung: Aus Gandhashali, Mahashali, Kalamashali, Gerste, Weizen und Nivara bereite man eine Plattform von hundert Drona.
56.33
pañcaśayanaṃ tatraiva kalpayitvā vicakṣaṇaḥ |
nṛttaṃ bālaṃ tu tatraiva śāyayedviṣṇumantrataḥ || 33 ||
Übersetzung: Darauf fünf Lager; die tanzende Kindergestalt lege man mit Vishnus Mantra nieder.
56.34
garbhasthāne pādadeśaḥ paścimena śiro bhavet |
vastradvayena saṃchādya yuvaṃ vastrāṇi vai ṛcā || 34 ||
Übersetzung: Ihre Füße weisen zur Deponierungsstelle, der Kopf nach Westen. Mit zwei Tüchern bedecken, unter dem Vers „yuvaṃ vastrāṇi“.
56.35
pañcagavyena prakṣālya śuddhasūktena buddhimān |
paścādadhivasedbālamaṣṭākṣaramanusmaran || 35 ||
Übersetzung: Mit Panchagavya und Shuddha-Sukta reinigen; dann die Kindergestalt unter Erinnerung an das achtlautige Mantra vorbereiten.
56.36
gandhapuṣpaistathā dīpairanyaiśca pūjayedbudhaḥ |
daśamāsākṛtiṃ bālāmaṣṭamāsākṛtiṃ tu vā || 36 ||
Übersetzung: Mit Duft, Blumen, Lampen und weiteren Gaben verehren. Sie soll einem zehn- oder achtmonatigen Kind gleichen,
56.37
athavā saptamāsaṃ tu bālarūpaṃ tu kārayet |
sākṣādbālaṃ mahāviṣṇuṃ sarvadevottamottamam || 37 ||
Übersetzung: oder einem siebenmonatigen. Diese Kindergestalt ist Mahavishnu selbst, der höchste aller Götter. [Gemeint ist die gefertigte Kultfigur; vgl. den Metallhinweis in Vers 67.]
56.38
hutvā kṛtvā spṛśedbālaṃ sarvadravyān pṛthak pṛthak |
aṅguliṃ pādaṃ gulphaṃ ca jaṅghājānūrumeva ca || 38 ||
Übersetzung: Nach jeder Opfergabe berühre man die Figur gesondert: Zehen, Füße, Knöchel, Unterschenkel, Knie, Oberschenkel,
56.39
meḍhraḥ pāyuśca vṛṣaṇaṃ kaṭirnābhirhṛdi spṛśet |
stanayorurusaścaiva grīvā vāhau ca kūrparau || 39 ||
Übersetzung: Geschlechtsteil, After, Hoden, Hüfte, Nabel, Herz, Brust und Brustkorb, Hals, Arme und Ellenbogen,
56.40
maṇau karatalau caiva aṅguliṃ daśa eva ca |
cibukaṃ hanucoṣṭhaṃ ca jihvā vai tālurandhrakam || 40 ||
Übersetzung: Handgelenke, Handflächen, zehn Finger, Kinn, Kiefer, Lippen, Zunge und Gaumenöffnung,
56.41
gaṇḍau grāṇaṃ cakṣuṣī ca karṇayorubhayorapi |
lalāṭaṃ bhrukuṭiścaiva śaṅkhe śirasi eva ca || 41 ||
Übersetzung: Wangen, Nase, Augen, beide Ohren, Stirn, Brauen, Schläfen und Kopf,
56.42
skandhapṛṣṭhastrikaścaiva pārśvayoḥ kakṣavakṣayoḥ |
rasāgramāṃsamevāsthimajjāśuklāni dhātavaḥ || 42 ||
Übersetzung: Schultern, Rücken, Kreuz, Seiten, Achseln und Brust; Körpersaft, Blut [Vorlage gestört], Fleisch, Knochen, Mark und Samen.
56.43
hutvā hutvā spṛśeddhastaṃ baliṃ viṣṇuṃ sanātanam |
mantragrāmaṃ nyasetpaścādekacittena buddhimān || 43 ||
Übersetzung: Nach jeder Gabe berühre man mit der Hand die Kindergestalt, den ewigen Vishnu. Dann setze der Verständige gesammelt die Mantra-Gesamtheit ein.
56.44
akāraṃ ka pradeśe tu ākāraṃ tu lalāṭake |
ikāraṃ dakṣiṇe netre īkāraṃ vāmalocane || 44 ||
Übersetzung: A am Kopf [Ortswort beschädigt], ā an der Stirn, i im rechten Auge, ī im linken,
56.45
ukāraṃ dakṣiṇabhuvi ūkāraṃ vāmake bhuvi |
ṛkāraṃ dakṣiṇe śrotre ṛkāraṃ vāmakarṇake || 45 ||
Übersetzung: u an der rechten Braue [Vorlage: bhuvi], ū an der linken, ṛ am rechten Ohr, ṛ am linken [Längenzeichen fehlt],
56.46
ḷkāraṃ dakṣiṇegrāṇe ḹkāraṃ vāmanāsike |
ekāraṃ dakṣiṇe gaṇḍe aikāraṃ vāmagaṇḍake || 46 ||
Übersetzung: ḷ am rechten Nasenloch, ḹ am linken, e an der rechten Wange, ai an der linken,
56.47
okāramadharoṣṭhe tu aukāraṃ cottaroṣṭhake |
aṃkāraṃ tālumadhye ca āṃkāraṃ brahmarandhrake || 47 ||
Übersetzung: o an der Unterlippe, au an der Oberlippe, aṃ in der Gaumenmitte, āṃ am Brahmarandhra. [So die Lautfolge der Vorlage.]
56.48
kavargaṃ dakṣiṇe haste cavargaṃ vāmake nyaset |
ṭavargaṃ dakṣiṇe pāde tavargaṃ vāmapādake || 48 ||
Übersetzung: Ka-Gruppe an der rechten Hand, ca-Gruppe an der linken, ṭa-Gruppe am rechten Fuß, ta-Gruppe am linken,
56.49
paphau ca dakṣiṇe pārśve babhau vai vāmapārśvake |
makāraṃ śiśnadeśe tu yakāraṃ tvakpradeśataḥ || 49 ||
Übersetzung: pa und pha rechts seitlich, ba und bha links, ma am Geschlechtsteil, ya an der Haut,
56.50
rakāraṃ rudhire nyasya lakāraṃ māṃsagocare |
vakāraṃ medasi nyasya śakāramasthideśataḥ || 50 ||
Übersetzung: ra im Blut, la im Fleisch, va im Fett, śa in den Knochen,
56.51
ṣakāraṃ majjādeśe tu sakāraṃ śuklake nyaset |
hakāraṃ hṛdaye nyasya ātmarūpaṃ ṣaḍānana || 51 ||
Übersetzung: ṣa im Mark, sa im Samen, ha im Herzen als Atman, Sechsgesichtiger.
56.52
kṣakāraṃ paramātmā vai lakāraṃ cābharaṇaṃ bhavet |
pañcāyudhābharaṇaṃ hi valayaiḥ kiṅkiṇīti ca || 52 ||
Übersetzung: Kṣa ist Paramatman, la der Schmuck; fünf Waffen, Schmuck, Armreifen und Glöckchen werden genannt.
56.53
evaṃ nyastvā vidhānena praṇavaṃ hṛtsaroruhe |
gandhapuṣpādibhiḥ sarvaiḥ vāstavena ca pūrayet || 53 ||
Übersetzung: Nach diesem Nyasa setze man Pranava im Herzlotus ein und verehre mit Duft, Blumen und Vastu-Formel [Schluss unklar].
56.54
rātrau caivaṃ prakartavyaṃ prabhāte garbhe nikṣipet |
vratahādhyāyanaścaiva brāhmaṇaiḥ saṃśitavrataiḥ || 54 ||
Übersetzung: So verfahre man nachts; morgens deponiere man die Figur. Gelübde und Schriftrezitation geschehen mit streng gelübdetreuen Brahmanen.
56.55
adhivāsanakāle tu śataviprāṃstu bhojayet |
garbhanikṣepakāle tu sahasrabhojanamārabhet || 55 ||
Übersetzung: Bei der Vorbereitung speise man hundert Brahmanen, bei der Deponierung tausend.
56.56
suvarṇadānaṃ godānaṃ bhūmidānaṃ ca kārayet |
sumuhūrtātpūrvanāḍyāṃ dvitālamūlaṃ vitālataḥ || 56 ||
Übersetzung: Gold, Kühe und Land verschenke man. Eine Nadi vor der günstigen Stunde [beschädigte Maßangaben mit zwei Tala],
56.57
viśramettālamātraṃ tu śayanasya tu paścime |
ācāryo nṛpatiścaiva miśraṃ bhrūṇaṃ ca tatra tu || 57 ||
Übersetzung: ruhe man einen Tala entfernt westlich des Lagers [Wortlaut unklar]. Acharya, König und gelehrte Brahmanen seien anwesend,
56.58
anyānsarvāñjanānvatsa bahiṣkṛtya samāhitaḥ |
atigupte tu garbhajñaiḥ prakṣipetpīṭhamadhyame || 58 ||
Übersetzung: alle anderen lasse man hinausgehen. Gesammelt und streng geheim deponieren Kundige die Figur mitten im Sockel.
56.59
muhūrtāddvādaśādvatsa khaṭyārūpaṃ tu bālakam |
tatkṣaṇaṃ nṛttaṃ kurvīta nṛttasālaṃ ṣaḍānana || 59 ||
Übersetzung: Nach zwölf Muhurta [Satzbezug unsicher] die Kindergestalt auf einer Liege; sofort soll sie tanzen, Sechsgesichtiger [so die rituelle Wirkungsbehauptung].
56.60
tanmuhūrte balānityaṃ sadānṛttaṃ pravartate |
upari cottaradaṇḍaṃ ca śilā yena trihastakam || 60 ||
Übersetzung: Von dieser Stunde an findet beständig ihr Tanz statt. Darüber bringe man einen Querbalken beziehungsweise Stein von drei Hasta an,
56.61
śilāyāṃ coparicchādya sudhāścaiva tu kārayet |
kūraṃ vā maṇḍapaṃ vāpi tasyopari samācaret || 61 ||
Übersetzung: decke mit Stein und Mörtel ab und errichte darüber einen Kuta oder Pavillon,
56.62
sahāṃ vāpi prakartavyaṃ japadānamathāpi vā |
evaṃ vai nṛttabālaṃ tu garbhaṃ vai cottamottamam || 62 ||
Übersetzung: eine Halle oder einen Raum für Japa und Gaben. So gilt die Deponierung des tanzenden Kindes als höchste.
56.63
nṛttameva baliṃ kuryāt śaṅkhadundubhinisvanaiḥ |
trisandhyaṃ pradakṣiṇaṃ kṛtvā trayaṃ vā pañca eva vā || 63 ||
Übersetzung: Tanz sei die Bali-Gabe, mit Muschel- und Trommelklang. Zu drei Tagesübergängen umrunde man drei- oder fünfmal.
56.64
sārvavarṇikamannādyaṃ tasminnahani kārayet |
ācāryaṃ pūjayetsamyaggobhūmikāñcanādibhiḥ || 64 ||
Übersetzung: An diesem Tag speise man alle Stände und ehre den Acharya mit Kühen, Land, Gold und anderem.
56.65
ṛtvijaḥ pūjayetsamyagvastrābharaṇameva ca |
punardṛṣṭanna kartavyaṃ nṛttapālaṃ kadācana || 65 ||
Übersetzung: Die Priester ehre man mit Gewändern und Schmuck. Die tanzende Figur darf niemals wieder angeschaut werden.
56.66
dṛṣṭavyaṃ cetpunardṛṣṭaṃ tasmāddṛśyaṃ na kārayet |
nṛttasālākhyagarbhaṃ tu ākhyātaṃ nava suvrata || 66 ||
Übersetzung: Man soll sie nicht erneut sichtbar machen. So ist die Deponierung namens Tanzhalle erklärt, Gelübdetreuer [Zusatz „neun“ unklar].
56.67
muhūrtamantrabhāvena sadivatvaṃ hi jāyate |
lohamayena vratimān sa jīvati ṣaḍānana || 67 ||
Übersetzung: Durch günstige Stunde und Mantra entsteht ihr Lebendigsein. Obwohl aus Metall, lebt sie, Sechsgesichtiger [Satz teilweise beschädigt].
56.68
garbhāṇāmuttamaṃ śreṣṭhaṃ nṛttapālaṃ suśobhanam |
tasmātsarvaprayatnena nṛttapālaṃ tu sthāpayet || 68 ||
Übersetzung: Der schöne Tanzhüter ist die beste aller Deponierungen; darum setze man ihn mit aller Sorgfalt ein,
56.69
grāme vā nagare vāpi pure vā pattane'pi vā |
kheṭake devaveśmāni viśeṣeṇa tu prakṣipet || 69 ||
Übersetzung: in Dorf, Stadt, Pura, Hafenort, befestigter Siedlung und besonders im Götterhaus.
56.70
yāvannṛttaṃ sabhāyāṃ vā gṛhe vā koṣṭhaṃ kārayet |
bālanṛttaṃ viśeṣeṇa jagatsthānādikeṣu || 70 ||
Übersetzung: Wo Tanz stattfindet, in Halle oder Haus, errichte man eine Kammer; besonders den Kindertanz an den Stätten der Welt [Schluss unklar].
iti kālottare garbhalakṣaṇe nṛttapālagarbhapaṭalaḥ ṣaṭpañcāśat || 56 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 56 über „Das Nrittapala-Gründungsdepot“.
Kapitel 57 – Nirvana
57.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
anirvāṇapradīpaṃ tu pravakṣyāmyanupūrvaśaḥ |
śeṣadeśagṛhe śreṣṭhamanirvāṇaṃ pradīpakam || 1 ||
Übersetzung: Ishvara sprach: Ich erkläre der Reihe nach die unauslöschliche Lampe, vorzüglich an den übrigen Orten und in Häusern.
57.2
grāme vā nagare caiva pattane kheṭakepi ca |
pure vā kubjake vāpi gṛhakṣetrepi koṣṭhake || 2 ||
Übersetzung: In Dorf, Stadt, Hafenort, befestigter Siedlung, Pura, Kubjaka, Haus, Feld oder Kammer
57.3
svarṇena rajatenāpi tāmreṇāpi kārayet |
dvātriṃśaddroṇasaṃpūrṇaṃ dīpabhājanamuttamam || 3 ||
Übersetzung: fertige man sie aus Gold, Silber oder Kupfer. Das beste Lampengefäß fasst zweiunddreißig Drona,
57.4
madhyamaṃ ṣoḍaśa droṇamadhamamaṣṭadroṇakam |
stambhapālikasaṃyuktaṃ pādapīṭhaṃ suśobhanam || 4 ||
Übersetzung: das mittlere sechzehn, das geringste acht, mit Säulenstütze und schönem Fußsockel.
57.5
kapilāghṛtaṃ pradānaṃ tu ajāghṛtamathāpi vā |
ajāghṛtaṃ madhyamaṃ syānmahiṣaṃ kanyasaṃ bhavet || 5 ||
Übersetzung: Ghee einer Kapila-Kuh ist am besten, Ziegenghee mittel, Büffelghee gering.
57.6
aśvoṣṭraghṛtavarjyaṃ tu āvikaṃ caiva varjayet |
śvetapadmajasūtraṃ tu kaniṣṭhārdhapramāṇakam || 6 ||
Übersetzung: Pferde-, Kamel- und Schafghee meide man. Weißer Lotusfaden sei halbkleinfingerdick,
57.7
kārpāsaraktasūtraṃ tu śvetasūtraṃ tu saṃyutam |
śvetārkamūlamiśraṃ tu phalatrayasamanvitam || 7 ||
Übersetzung: verbunden mit rotem und weißem Baumwollfaden, weißer Arka-Wurzel und den drei Früchten,
57.8
karpūrāgarucūrṇaṃ tu phalatrayasya cūrṇakam |
gulavaddāru cūrṇaṃ tu * * punnāgacūrṇakam || 8 ||
Übersetzung: Kampfer-, Agaru- und Triphala-Pulver, „Gulavat“-Holzpulver [unklar], [Lücke] und Punnaga-Pulver,
57.9
nyagrodhasya ca punnāgaṃ picamandāṣṭameva ca |
palāśakhadirannāgacūrṇamiśraṃ tu vartitam || 9 ||
Übersetzung: Nyagrodha, Punnaga, Picumanda als achtem [Zählung gestört], Palasha, Khadira und Naga-Pulver zum Docht verarbeitet.
57.10
pūrvoktasthāne vai vatsa dīpagarbhaṃ vinikṣipet |
dīpabhāṇḍe ghṛtaṃ sicya sarvayatnena buddhimān || 10 ||
Übersetzung: Am genannten Ort deponiere man die Lampe und gieße sorgfältig Ghee ins Gefäß.
57.11
aṣṭamṛtṣaḍvidhikaṃ dīpaṃ mūlena tu vinikṣipet |
nadī nāgaviṣāṇotthavarāhavihitaṃ tathā || 11 ||
Übersetzung: Acht Erden in sechsfacher Anordnung [unklar] gebe man an ihre Basis: vom Fluss, Elefantenstoßzahn, Eber,
57.12
kṣetrāddhṛtācca valmīkādgoṣṭhācca vedimadhyataḥ |
samudrātparvatāccaiva vṛṣaśṛṅgāttathaiva ca || 12 ||
Übersetzung: Feld, Teich, Ameisenhügel, Kuhstall, Altarmitte, Meer, Berg und Stierhorn,
57.13
sānnidhyaṃ śivagṛhāttatra mṛdaṃ viṣṇugṛhāddharet |
lakṣmīgṛhānmṛdaṃ gṛhya dīpamūle tu nikṣipet || 13 ||
Übersetzung: ferner aus der Nähe des Shiva-Tempels sowie aus Vishnus und Lakshmis Haus. Diese Erden gebe man an den Lampenfuß.
57.14
dīpasya paritaḥ kuryātsvarṇenaiva tu kārayet |
pṛthakpṛthak ca niṣkaṃ tu uttamaṃ cāṣṭamaṅgalam || 14 ||
Übersetzung: Ringsum fertige man die acht Glückszeichen aus Gold, jedes aus einem Nishka als beste Form,
57.15
tadardhena madhyamaṃ syāttadardhe naiva tu kanyasam |
alābhe rajatenaiva kārayedaṣṭamaṅgalam || 15 ||
Übersetzung: halb so schwer als mittlere, nochmals halb als geringste; fehlt Gold, aus Silber.
57.16
pṛthagvai sahasraniṣkeṇa kuryāttatra viśāradaḥ |
tāraṃ hi ca alābhe tu śūlpenāpi ca kārayet || 16 ||
Übersetzung: Jeweils tausend Nishka nennt der Text nun [widersprüchliches Maß]; fehlt Silber, verwende man Kupfer.
57.17
pṛthagvai cāyudhānniṣkaiḥ kuryādvai cāṣṭamaṅgalam |
navalakṣābhirmantraiḥ vinyaseddīpamuttamam || 17 ||
Übersetzung: Waffen und acht Glückszeichen fertige man jeweils aus Nishka [Zahl fehlt]. Mit neun Laksha Mantra-Rezitationen setze man die Lampe ein.
57.18
aṣṭau śrīraṣṭamaṅgale vinyasedgarbhaśāstravit |
tā sāmuddhāraṃ vakṣyāmi garbhasiddhyarthakāraṇam || 18 ||
Übersetzung: Acht Shri-Gestalten setze der Gründungskundige in die acht Glückszeichen. Ihre Keimsilbenerschließung erkläre ich zur Vollendung der Deponierung.
57.19
ṣaṭcatvāriṃśaduddhṛtya pralayānala saṃyutam |
caturtha svarasaṃyuktaṃ rudraviṣṇusamanvitam || 19 ||
Übersetzung: Den sechsundvierzigsten [Laut] nehme man, mit Weltauflösungsfeuer, viertem Vokal, Rudra und Vishnu verbunden.
57.20
tṛtīyaṃ lakṣmībījaṃ tu sarvagarbha prabodhanam |
caturthaṃ kubjarāgrāhya jātavedasamanvitam || 20 ||
Übersetzung: Die dritte Lakshmi-Keimsilbe belebt alle Deponierungen. Für die vierte nehme man Kubja und verbinde mit Jatavedas.
57.21
vāgbhavāttu caturthaṃ tu śivanārāyaṇāyutam |
catvārthaṃ lakṣmībījaṃ tu trideśairapi durlabham || 21 ||
Übersetzung: Den vierten von Vagbhava mit Shiva und Narayana: die vierte Lakshmi-Keimsilbe, selbst Göttern schwer zugänglich.
57.22
aṣṭāvargaṃ dvitīyaṃ tu adhastājjātavedasam |
saptamaṃ lakṣmībījaṃ tu dīpagarbhaṃ tu vardhanam || 22 ||
Übersetzung: Den zweiten der achten Gruppe, darunter Jatavedas: die siebte Lakshmi-Keimsilbe, die die Lampendeponierung stärkt.
57.23
dvīpādannamutpādya pralayānalasaṃyutam |
prajāpaterdvādaśaśirasi bindunādasamanvitam || 23 ||
Übersetzung: Aus „Dvipada“ [Lautcode beschädigt] gewinne man den Laut, mit Weltbrand, Prajapatis zwölftem, Bindu und Nada überhöht.
57.24
aṣṭamaṅgalabījantu sarvagarbhaprabodhanam |
gaganaṃ coddhṛtya medhāvī saṃvartāgnisamanvitam || 24 ||
Übersetzung: Dies ist die Keimsilbe der acht Glückszeichen, die alle Deponierungen belebt. Man nehme den Raumlaut, mit Auflösungsfeuer verbunden,
57.25
brahmādaṣṭamaṃ śirasi kuṭilaṃ colāsamanvitam |
navamaṃ lakṣmībījaṃ tu sarvalakṣmīprabodhanam || 25 ||
Übersetzung: den achten von Brahma darüber, mit gekrümmtem [Zeichen] und „Chola“ [unklar]: die neunte Lakshmi-Keimsilbe, die alle Shri-Kräfte erweckt.
57.26
aṅgamaṅgalabījaṃ tu aṣṭamaṅgalaṃ vinyaset |
maṅgalādanyabījantu sthāpayitvā vicakṣaṇaḥ || 26 ||
Übersetzung: Die Keimsilbe des jeweiligen Glückszeichens setze man dort ein; die übrigen Keimsilben setze der Verständige entsprechend ein.
57.27
muhūrtaprabhavānmastrācca gaṇeśāgaccha siddhida |
ārohantu prakurvīta satyaṃ satyaṃ ṣaḍānana || 27 ||
Übersetzung: Durch günstige Stunde und Mantra: „Ganesha, komm, Vollkommenheitspender!“ Man bewirke das Aufsteigen, wahrlich, Sechsgesichtiger.
57.28
ubhayaṃ vāpi gacchannau kṣaṇādārohameva ca |
svasthāne saṃsthitaṃ gantumanirvāṇapradīpakam || 28 ||
Übersetzung: [Beschädigter Satz über zwei sich bewegende Teile und sofortiges Aufsteigen.] Die unauslöschliche Lampe gelangt an ihren eigenen Platz.
57.29
kṣarṇānnirvāṇamāyāti anyadīpaṃ ṣaḍānana |
muhūrtabalā ṛjatrabalā gaccheti rohaṇam || 29 ||
Übersetzung: Eine andere Lampe erlischt augenblicklich. Durch die Macht der Stunde und des Mantras „gehe“ erfolgt das Aufsteigen [Wortlaut beschädigt].
57.30
mohastu pūrvavatkṛtvā puṇyāhādhyāyanaṃ tathā |
bhojanaṃ pūrvavatkṛtvā gobhūmikāñcanādibhiḥ || 30 ||
Übersetzung: Feueropfer [Vorlage: moha], Segensruf, Vedarezitation und Speisung vollziehe man wie zuvor; mit Kühen, Land und Gold
57.31
ācāryamiśraṇaṃ bhrūṇaṃ ca eva sruvannikṣipet |
anyānsarvān bahiṣkṛtya sugupte garbhaṃ nikṣipet || 31 ||
Übersetzung: ehre man Acharya und gelehrte Brahmanen [Satz gestört]. Alle anderen lasse man hinausgehen und deponiere streng geheim.
57.32
anirvāṇapradīpaṃ tu candrasūrya iva sthitam |
agreṇa vāvadhānena sthāpayeddīpamuttamam || 32 ||
Übersetzung: Die unauslöschliche Lampe besteht wie Mond und Sonne. Mit voller Aufmerksamkeit setze man sie ein.
57.33
ācandratārakādīpamanirvāṇaṃ na saṃśayaḥ |
ācāryadakṣiṇāṃ dattvā gobhūmikāñcanādibhiḥ || 33 ||
Übersetzung: Solange Mond und Sterne bestehen, erlischt sie nicht, ohne Zweifel. Dem Acharya gebe man Kühe, Land und Gold als Opferlohn.
iti kālottare nirvāṇapaṭalaḥ saptapañcāśat || 57 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 57 über „Nirvana“.
Kapitel 58 – Das Gründungsdepot der nicht welkenden Blume
58.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
amlānapuṣpamālā tu vakṣyate garbhalakṣaṇam |
garbhāṇāmuttamaṃ śreṣṭhaṃ dharmakāmārthasādhanam || 1 ||
Übersetzung: Ishvara sprach: Nun die Deponierung der unverwelklichen Blumengirlande, höchste aller Deponierungen, die Dharma, Verlangen und Wohlstand erfüllt,
58.2
sarvavyādhiharaṃ śubhraṃ sadā vijayavardhanam |
apamṛtyunāśanaṃ caiva dīrghamāyuṣyamāpnuyāt || 2 ||
Übersetzung: alle Krankheiten beseitigt, rein ist, Sieg mehrt, vorzeitigen Tod verhindert und langes Leben gewährt,
58.3
mahāmārīvināśaṃ ca mahāpātakanāśanam |
bhūmikampadvajotpāta bhaktyanāśanameva ca || 3 ||
Übersetzung: Epidemien, schwere Verfehlungen, Erdbeben und Fahnen-Unglückszeichen beseitigt [weiteres Wort beschädigt],
58.4
ativṛṣṭiranāvṛṣṭiśśalabhaṃ mūṣikanāśanam |
cāṣanāśanamevaṃ tu sasyavardhanameva ca || 4 ||
Übersetzung: Überregen, Dürre, Heuschrecken, Mäuse und Erntevögel vertreibt und die Ernte mehrt.
58.5
māse māse triviṣṭaṃ tu sarvaprāṇivivardhanam |
caṭakaiḥ kapotakāraṇḍaiḥ bakairvihīnamatra tu || 5 ||
Übersetzung: Monat für Monat dreifacher Regen [Lesung unsicher], Gedeihen aller Wesen, ohne Spatzen, Tauben, Enten und Reiher [als Ernteschädlinge],
58.6
- * * * * * * * * cāṣairbhūmikaplavaiḥ |
pararāṣṭrarājapīḍā tu parasenādi pīḍyate || 6 ||
Übersetzung: [Textlücke] Vögel und Überschwemmungen; Bedrängnis durch fremde Könige und Heere [Negation aus dem Zusammenhang].
58.7
na kiñcinmriyate vatsa akālaiḥ sarvamānuṣaiḥ |
garbhavṛkṣa pradeśāttu ṣaṭtriṃśadyotanaṃ hi tat || 7 ||
Übersetzung: Kein Mensch stirbt vorzeitig, mein Kind, im Umkreis von sechsunddreißig Yojanas um den Deponierungsbaum.
58.8
akāle mṛtidurbhikṣaṃ tatra deśe na vidyate |
na rākṣasāḥ piśācāśca bhūtavetālapūtanāḥ || 8 ||
Übersetzung: Dort gibt es weder vorzeitigen Tod noch Hungersnot, Rakshasas, Pishachas, Bhutas, Vetalas oder Putanas,
58.9
pretasarpabhayaṃ vatsa tatra deśe na vidyate |
catuṣpānmaraṇaṃ tatra dvipādaṃ karaṇaṃ ca ca || 9 ||
Übersetzung: keine Furcht vor Totengeistern und Schlangen, keinen Tod von Vierfüßern und Zweifüßern [letztes Wort beschädigt].
58.10
amlāna mālāgarbheṇa duṣṭasattvaṃ na vidyate |
āyurārogyadaṃ caiva sasyavardhanameva ca || 10 ||
Übersetzung: Durch die unverwelkliche Girlandendeponierung gibt es keine schädlichen Wesen; sie gewährt Leben, Gesundheit und Erntewachstum,
58.11
dośśrīṇāṃ vardhanaṃ caiva dugdhavardhanameva ca |
śātakumbhamayaṃ kumbhaṃ daśadroṇaprapūrṇakam || 11 ||
Übersetzung: mehrt [Vieh oder Glück; Lesung gestört] und Milch. Ein Shatakumbha-Gefäß fasse zehn Drona,
58.12
athavā cāṣṭadroṇaṃ syāt pañcadroṇamathāpi vā |
rajataṃ vā prakartavyaṃ kanakaṃ triguṇaṃ bhavet || 12 ||
Übersetzung: oder acht oder fünf. Aus Silber gefertigt sei es dreimal so schwer wie aus Gold,
58.13
athavā tāmrakumbhaṃ syāt chatabhāraṇe kārayet |
rājataṃ daśabhāreṇa rājataṃ śātakumbhakam || 13 ||
Übersetzung: oder aus Kupfer hundert Bhara; Silber zehn Bhara, Gold [Maßbezug beschädigt].
58.14
athavārdhamathārdhaṃ vā tadardhaṃ vārdhameva vā |
sudṛḍhaṃ nirghṛṇaṃ kumbhaṃ dvāramaṣṭāṅgulaṃ bhavet || 14 ||
Übersetzung: Oder jeweils halb so viel und wieder halb. Das Gefäß sei fest und makellos, seine Öffnung acht Angula.
58.15
karṇaṃ tryaṅgulaṃ kuryānmukhaṃ caiva trayāṅgulam |
tīrthodakaṃ prayatnena viprairmāṇavakairnayet || 15 ||
Übersetzung: Henkel drei Angula, Mund drei Angula [abweichend zur vorigen Angabe]. Junge Brahmanen holen sorgfältig heiliges Wasser.
58.16
vastrapūtena toyena pūrayettadghaṭe guhā |
āpa udakaṃ dvitīyaṃ ca imaṃ mevaruṇameva ca || 16 ||
Übersetzung: Mit durch Stoff gefiltertem Wasser fülle man es, unter „āpa udakaṃ“, einem zweiten Spruch und „imaṃ me varuṇa“,
58.17
tattvāyāmīti ṛcā āpohiṣṭhāmayeti ca |
etairmantraiḥ saptajaptvā hiraṇyaṃ pavamānañca || 17 ||
Übersetzung: „tat tvā yāmi“ und „āpo hi ṣṭhā mayo bhuvaḥ“, jeweils siebenmal, ferner Hiranya und Pavamana,
58.18
prāsādabrahmamantraistu vyomavyāpi tathaiva ca |
daśākṣaraṃ vā bījamukhyamaṣṭottaraśataṃ japet || 18 ||
Übersetzung: Prasada, Brahma-Mantras, Vyomavyapin, zehnlautiges oder Hauptkeim-Mantra jeweils 108-mal.
58.19
japtvā pūrayedudakaṃ deśikaḥ bhrūṇasaṃyutam |
pūjayitvā vidhānena paścādamlānamālikām || 19 ||
Übersetzung: Nach Rezitation fülle der Lehrer mit gelehrten Brahmanen das Wasser ein; nach Verehrung bereite man die unverwelkliche Girlande.
58.20
śvetapadmasahasraṃ ca tadardhārdhamathāpi vā |
athavāṣṭottaraśataṃ raktapaṅkajameva vā || 20 ||
Übersetzung: Tausend weiße Lotusse, deren Hälfte oder nochmals Hälfte, oder 108, alternativ rote Lotusse,
58.21
raktotpalaṃ pañcaśataṃ nīlotpalaṃ tadardhakam |
campakānāṃ pañcaśataṃ pāṭalaṃ vakulaṃ tathā || 21 ||
Übersetzung: fünfhundert rote Utpala, halb so viele blaue, fünfhundert Champaka, ferner Patala und Vakula,
58.22
mālatī mallikājātī madayanti karavīrakam |
aśokaṃ karṇikāraṃ ca bandhūkaṃ girimallikā || 22 ||
Übersetzung: Malati, Mallika, Jati, Madayanti, Karavira, Ashoka, Karnikara, Bandhuka und Girimallika,
58.23
kusumbhaṃ ketakī caiva kapitthaṃ cūtameva ca |
bilva puṣpaṃ śamī puṣpaṃ śvetārkaṃ kaṅkapuṣpakam || 23 ||
Übersetzung: Kusumbha, Ketaki, Kapittha, Mango-, Bilva- und Shami-Blüten, weißer Arka und Kanka-Blüten,
58.24
bṛhatī sahadevī vai vaikuṣṭhaṃ brahmapuṣpakam |
sadābhadra mahābhadramapāmārgaṃ kadambakam || 24 ||
Übersetzung: Brihati, Sahadevi, Vaikuntha, Brahmapushpa, Sadabhadra, Mahabhadra, Apamarga und Kadamba,
58.25
nirguṇḍīkadalīpuṣpamādikaṃ puṣpameva ca |
punnāganāgamalayaṃ muramāṃsī ca puṣpakam || 25 ||
Übersetzung: Nirgundi, Bananenblüten und weitere Blumen, Punnaga, Naga, Malaya, Mura und Mamsi,
58.26
kuṅkumaṃ caiva nirguṇḍī śaṅkhapuṣpī ca vallarī |
śvetā ca girikarṇī ca siṃhakesarameva ca || 26 ||
Übersetzung: Safran, nochmals Nirgundi, Shankhapushpi, Vallari, Shveta, Girikarni und Simhakesara,
58.27
tulasī kṛṣṇatulasī nṛpayūdhī ca haṃsinī |
kṣāraṇī kāṇḍalī caiva koṭṭavī navamālikā || 27 ||
Übersetzung: Tulasi, schwarze Tulasi, Nripayudhi, Hamsini, Ksharani, Kandali, Kottavi und Navamalika [einige Namen unsicher],
58.28
śvetaṃ ca kumudaṃ caiva kuśakāśaṃ tathaiva ca |
apasmāra kusumaṃ caiva piśācapuṣpaṃ varjayet || 28 ||
Übersetzung: weiße Kumuda, Kusha und Kasha; Apasmara- und Pishacha-Blüten meide man,
58.29
nimbaṃ ca picumandaṃ ca kiṇibhadraṃ ca varjayet |
anyadvai sarvapuṣpāṇi gṛhītavyaṃ prayatnataḥ || 29 ||
Übersetzung: ebenso Nimba, Picumanda und Kinibhadra. Alle übrigen Blumen nehme man sorgfältig.
58.30
paṭṭasūtreṇa vai vatsa paścādrajjumayo bhavet |
catuṣṣaṣṭiraratni mātraṃ rajjuṃ kṛtvā prayatnataḥ || 30 ||
Übersetzung: Aus Seidenfaden fertige man eine Schnur von vierundsechzig Aratni.
58.31
atha cāṣṭau tu ratniḥ syānmadhyamaṃ rajjurucyate |
śataratniścatuṣṣaṣṭiradhikaṃ rajjurucyate || 31 ||
Übersetzung: Acht Ratni gelten als mittleres Maß; hundertvierundsechzig als größeres. [Die Reihenfolge ist auffällig.]
58.32
vedavedānta tattvajño brāhmaṇaḥ saṃśitavrataḥ |
ahorātroṣitaḥ snāto rajjubandhantu kārayet || 32 ||
Übersetzung: Ein Veda- und Vedanta-kundiger, gelübdetreuer Brahmane, einen Tag und eine Nacht fastend und gebadet, binde die Schnur,
58.33
prāguttaramukho bhūtvā maunenaiva tu bandhayet |
puṣpadīpamanusmṛtya navonavaṃ tathaiva ca || 33 ||
Übersetzung: nach Osten oder Norden gewandt, schweigend, an „Blumenlampe“ [wohl Mantra; unklar] und „navo navaḥ“ denkend.
58.34
pūrvoktagarbhadehe tu tanmadhye pūrvamutkṣipet |
pavitre naiva mantreṇa tatsarvaṃ pañca nikṣipet || 34 ||
Übersetzung: In den beschriebenen Deponierungsbehälter lege man zuerst [Gegenstand unklar] mit den fünf reinigenden Mantras.
58.35
navaratnaṃ navabījaṃ ca navadhāturnavauṣadhī |
navagandhaṃ navalohaṃ tu navatvaṅnavamūlakam || 35 ||
Übersetzung: Neun Edelsteine, Samen, Mineralien, Heilpflanzen, Duftstoffe, Metalle, Rinden und Wurzeln
58.36
kumbhamadhye nyasedetān prāsādabījamukhyayā |
vajraṃ ca padmarāgaṃ ca maratakaṃ mauktikaṃ tathā || 36 ||
Übersetzung: setze man mit Prasada und Hauptkeimsilbe hinein: Diamant, Rubin, Smaragd, Perle,
58.37
vidrumaṃ puṣyarāgaṃ ca indranīlaṃ tathaiva ca |
mahānīlaṃ candrakāntaṃ navaratnaṃ tu nikṣipet || 37 ||
Übersetzung: Koralle, Topas, Saphir, Mahanila und Mondstein sind die neun Edelsteine.
58.38
śālinīvāraṃ godhūmaṃ yavaṃ vaiṇavameva ca |
tilasarṣapamudgāni priyaṅgurnavamaṃ bhavet || 38 ||
Übersetzung: Shali, Nivara, Weizen, Gerste, Bambussamen, Sesam, Senf, Mung und Priyangu die neun Samen.
58.39
daridraṃ haritālaṃ ca * * * * manaśśilā |
saurāṣṭraṃ pāradaṃ caiva mākṣikaṃ rasamañjanam || 39 ||
Übersetzung: Darada [beschädigt], Auripigment, [Textlücke], Realgar, Saurashtra, Quecksilber, Makshika und Rasanjana die Mineralien.
58.40
lakṣmīśca sahadevī ca viṣṇukrāntirnṛpastathā |
vaiṣṇavī cenduvallī ca girikarṇā śaṅkhapuṣpikā || 40 ||
Übersetzung: Lakshmi, Sahadevi, Vishnukranta, Nripa, Vaishnavi, Induvalli, Girikarni und Shankhapushpi,
58.41
sūryāvartaṃ ca navamaṃ navauṣadhamudāhṛtam |
triphalā trijātakaṃ caiva karpūrāgarucandanam || 41 ||
Übersetzung: Suryavarta als neunte Heilpflanze. Triphala, Trijataka, Kampfer, Agaru und Sandelholz,
58.42
kaśmīraṃ cārcane yogyaṃ malayaṃ karpūramiśritam |
suvarṇarajataṃ tāmraṃ āyasaṃ trapusīsakam || 42 ||
Übersetzung: Safran, geeigneter Malaya-Duft, mit Kampfer gemischt. Gold, Silber, Kupfer, Eisen, Zinn, Blei,
58.43
āraṃ kāṃsyaṃ tu vidulaṃ navalohamudāhṛtam |
āmramaudumbaraṃ caiva nyagrodhaṃ panasaṃ tathā || 43 ||
Übersetzung: Messing, Bronze und Vidula bilden neun Metalle. Mango, Udumbara, Nyagrodha, Panasa,
58.44
aśvatthaṃ ca śirīṣaṃ ca palāśo bilvamādhukam |
navatvak ca mahāsena varjyabījena nikṣipet || 44 ||
Übersetzung: Ashvattha, Shirisha, Palasha, Bilva und Madhuka sind neun Rinden; mit „Varjya“-Keim [Lesung unsicher] deponieren.
58.45
paṅkajasya tu mūlena utpalāmṛtamūlakam |
nīlotpalaṃ ca kalhāraṃ kaṭumelakamūlakam || 45 ||
Übersetzung: Lotuswurzel, Utpala-, Amrita-, Blaulotus-, Kalhara- und Katumelaka-Wurzel [Liste unvollständig],
58.46
gaṅgāmūlaṃ ca navamaṃ navabījena pṛthaṅnyaset |
ekaikamaṣṭottaraśataṃ japtvā kumbheṣu nikṣipet || 46 ||
Übersetzung: Ganga-Wurzel als neunte; mit neun Keimen gesondert, je 108-mal rezitiert, in den Gefäßen niederlegen.
58.47
homaṃ kṛtvā tu pūrvoktaṃ puṇyāhādhyayanaṃ tathā |
bhojanaṃ brāhmaṇānāṃ ca dānaṃ gobhūmikāñcanam || 47 ||
Übersetzung: Feueropfer, Segensruf, Vedarezitation, Brahmanenspeisung und Gaben von Kühen, Land und Gold wie zuvor.
58.48
kumbhāddvihastadūrantu mūlaṃ cāmlānaṃ vinyaset |
pīṭhe tu phalake vāpi mālācāmlānā vinyaset || 48 ||
Übersetzung: Zwei Hasta vom Gefäß entfernt lege man die Basis der unverwelklichen Girlande auf einen Sockel oder ein Brett,
58.49
taṇḍule cārcayetsamyak padmapuṣpaiḥ śataiḥ śubhaiḥ |
utpalairnandikāvartaiḥ vakulaiḥ pāṭalacampakaiḥ || 49 ||
Übersetzung: auf Reis; verehre mit hunderten schönen Lotusblüten, Utpala, Nandikavarta, Vakula, Patala und Champaka,
58.50
arcayetsusugandhe ca karpūrāgarucandanaiḥ |
kāśmīrairvā mṛgairmālāśriyaṃ gauraṃ ca pūjayet || 50 ||
Übersetzung: mit Kampfer, Agaru, Sandelholz, Safran und Moschus. Shri in der Girlande und Gauri verehre man.
58.51
kumbhe nyasya umādevīṃ mālāyāṃ tu śriyaṃ nyaset |
dvibhujāmekavaktrāṃ tu śyāmavarṇāṃ trilocanīm || 51 ||
Übersetzung: Im Gefäß Uma, in der Girlande Shri einsetzen. Die Göttin sei zweiarmig, eingesichtig, dunkel und dreiäugig,
58.52
sarvābharaṇasaṃpūrṇāṃ sarvalakṣaṇasaṃyutām |
cārubimbādharāṃ cāpi nīlakundalamūrdhajām || 52 ||
Übersetzung: mit allen Schmuckstücken und Kennzeichen, schönen Bimba-Lippen und dunklem lockigem Haar,
58.53
saṃpūrṇacandravadanāṃ nīlanīrajalocanām |
subhruvaṃ cāpi sukarṇīṃ ca hemakumbhapayodharām || 53 ||
Übersetzung: Vollmondgesicht, blauen Lotusaugen, schönen Brauen und Ohren, Brüsten wie goldene Krüge,
58.54
kambugrīvāṃ subimboṣṭhīṃ pīnagaṇḍāṃ śucismitām |
haṃsanābhiṃ nimnanābhiṃ turimadhyama saṃsthitām || 54 ||
Übersetzung: muschelartigem Hals, schönen roten Lippen, vollen Wangen, reinem Lächeln, tiefem Nabel und schlanker Taille [einige Wörter beschädigt],
58.55
kantakuḍmaladantāṃ ca bandhūkakusumāyudhām |
rathacakragajāṃ caiva rambhāstambhoru saṃhitām || 55 ||
Übersetzung: Zähnen wie Knospen, Bandhuka-Blüte als Waffe [Lesung unsicher], wagenradgleichen Hüften [beschädigt] und bananenstammartigen Schenkeln,
58.56
variyodarajihvāgnimagnagulphau susaṃhitau |
pādaupaṅkajapañciṣṭau pārvatīrūpamuttamam || 56 ||
Übersetzung: [beschädigte Bauch- und Unterschenkelbeschreibung], wohlgeformten verborgenen Knöcheln und Lotusfüßen: Parvatis höchste Gestalt,
58.57
hārakeyūrarucirāṃ hemaratnāṃ ca kuṇḍalau |
suvarṇakaṭakopetavalayairnūpurairyutām || 57 ||
Übersetzung: mit schönen Halsketten, Oberarmreifen, goldenen edelsteinbesetzten Ohrringen, goldenen Armreifen und Fußreifen,
58.58
kaṭisūtrodarabandhaiśca sarvaratnopaśobhitām |
kṣaumaratnāmbaradharāṃ sākṣātprakṛtirūpiṇīm || 58 ||
Übersetzung: Hüft- und Bauchbändern, allen Edelsteinen und kostbarem Leinengewand, unmittelbar Prakriti selbst.
58.59
etallakṣaṇasaṃyuktāṃ mahālakṣmīṃ suśobhanām |
padmakiñjalkasadṛśāṃ drutacāmīcakaprabhām || 59 ||
Übersetzung: Mit diesen Merkmalen gestalte man die schöne Mahalakshmi, lotusstaubfadenfarben und wie flüssiges Gold,
58.60
pītāmbaradharāṃ lakṣmīṃ padmahastāṃ suśobhanām |
padmavadanāṃ padmanetrāṃ padmapādakarāmbujām || 60 ||
Übersetzung: gelb gekleidet, lotustragend, mit Lotusgesicht, Lotusaugen, lotushaften Füßen und Händen.
58.61
māyāyāṃ vinyasellakṣmīṃ lakṣmībījena ṣaṇmukha |
pārvatīṃ vinyasetkumbhe hṛllekhāśatajaptayā || 61 ||
Übersetzung: Lakshmi setze man in die Girlande [Vorlage: māyā] mit ihrer Keimsilbe; Parvati ins Gefäß mit hundertmal rezitierter Hrillekha.
58.62
amlānamālāṃ vidhivat śrībījamayutaṃ japet |
mālāṃ saṃspṛśya japedyāvattatraiva gacchati || 62 ||
Übersetzung: Bei der unverwelklichen Girlande rezitiere man die Shri-Keimsilbe zehntausendmal, sie berührend, bis sie dorthin gelangt.
58.63
tāvajjapenmahāsena ekacitto'nanyamānasaḥ |
muhūrtaṃ mantrabalāṃ mālāṃ tatraiva gacchati || 63 ||
Übersetzung: So lange rezitiere man mit ungeteiltem Geist. Durch günstige Stunde und Mantrakraft gelangt die Girlande dorthin,
58.64
svayameva kumbhe saṃveṣṭya śeṣaṃcoparisaṃsthitam |
amlānapuṣpamevaṃ tu garbhāṇāṃ cottamottamam || 64 ||
Übersetzung: wickelt sich von selbst ins Gefäß; der Rest bleibt oben. So die höchste Deponierung unverwelklicher Blumen.
58.65
ācāryamiśraṃ bhrūṇaṃ ca nṛpaḥ saṃbhūya nikṣipet |
pūrvoktena vidhānena ka sarvakarmāṇi kārayet || 65 ||
Übersetzung: Acharya, gelehrte Brahmanen und König deponieren gemeinsam; sämtliche Handlungen geschehen nach der zuvor genannten Vorschrift.
iti kālottare garbhalakṣaṇe amlānapuṣpapaṭaloṣṭapañcāśat || 58 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 58 über „Das Gründungsdepot der nicht welkenden Blume“.
Kapitel 59 – Merkmale des Edelsteindepots
59.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
ratnagarbhavidhānaṃ tu sāṃprataṃ śṛṇu ṣaṇmukha |
garbhahīne pure rāṣṭre grāme vā nagare'pi vā || 1 ||
Übersetzung: Ishvara sprach: Höre die Edelsteindeponierung. Ohne Gründungsdepot gehen Pura, Reich, Dorf oder Stadt,
59.2
koṭake kubjake vāpi gṛhe devālaye'pi vā |
kṣetre kṣetre koṣṭhakāre prākāre gopure'pi ca || 2 ||
Übersetzung: Festung, Kubjaka, Haus, Tempel, Feld, Speicher, Umfassungsmauer oder Torbau
59.3
nāśamāyānti vai vatsa tasmādgarbhaṃ vinikṣipet |
lokeṣu ca * * niṣṭairgarbhaṃ sthāpya vidhānataḥ || 3 ||
Übersetzung: zugrunde; darum deponiere man. In den Welten [Lücke] ist das Depot vorschriftsgemäß einzusetzen.
59.4
vācaspatinā vai vatsa nṛttapālādigarbhakam |
yasmāttasmātsadāsvargaṃ sarvaiśvaryasamanvitam || 4 ||
Übersetzung: Brihaspati [lehrte] Tanzhüter und andere Deponierungen; dadurch besteht der Himmel stets mit aller Fülle [Satz gestört].
59.5
garbhamelāṃ pravakṣyāmi sarvakāmārthasādhanam |
sauvarṇai rājataistāmrai ārakūṭamayena vā || 5 ||
Übersetzung: Ich erkläre den alle Wünsche erfüllenden Deponierungskasten aus Gold, Silber, Kupfer oder Messing,
59.6
pañcaviṃśati koṣṭhaṃ tu kārayecchivabhirdṛḍham |
phalapañcāśate naiva garbhaphelāṃ tu kārayet || 6 ||
Übersetzung: fest, mit fünfundzwanzig Fächern, aus fünfzig Pala [ein Wort beschädigt].
59.7
ratnimātraṃ tu vistāraṃ utsedhaṃ tu ṣaḍaṅgulam |
koṣṭhabhittiṣu viṣkambhaṃ aṅgulārdha pramāṇakam || 7 ||
Übersetzung: Eine Ratni breit, sechs Angula hoch; die Fachwände einen halben Angula dick.
59.8
koṣṭhānāṃ caiva vistāraṃ pañcāṅgulamudāhṛtam |
āyāma tāvadevaṃ tu caturaśraṃ samantataḥ || 8 ||
Übersetzung: Jedes Fach fünf Angula breit und ebenso lang, ringsum quadratisch.
59.9
vidhānaṃ phalaśatenaiva pañcāśadadhikena tu |
garbhasthānasya bāhye tu tritālandūrameva ca || 9 ||
Übersetzung: Den Deckel aus hundertfünfzig Pala; drei Tala außerhalb der Deponierungsstelle
59.10
sthāpya phelāṃ vidhānena ācāryastu samāhitaḥ |
candrakāntaṃ tu saumye tu koṣṭhe ṣaṭkoṭisaṃyutam || 10 ||
Übersetzung: stelle der gesammelte Acharya den Kasten auf. Im Nordfach Mondstein, mit sechs Spitzen [Zuordnung unsicher],
59.11
pūrvakoṣṭhe tu māṇikyaṃ maratakaṃ kāmyakoṣṭhake |
varuṇakoṣṭhe samuktā ca sve sve naiva mantrataḥ || 11 ||
Übersetzung: im Osten Rubin, im Süden [Vorlage beschädigt] Smaragd, im Westen Perle, jeweils mit zugehörigem Mantra.
59.12
candrakāntantu saumye tu koṣṭhe mantreṇa vinyaset |
pravālamagnikoṣṭhe tu vinyasedagnimantrataḥ || 12 ||
Übersetzung: Im Norden Mondstein mit Mantra, im Südosten Koralle mit Agni-Mantra,
59.13
nair-ṛtyāmindranīlaṃ tu nir-ṛtimantreṇa mantritam |
vāyavyāṃ tu mahānīlaṃ aiśānyāṃ puṣyarāgakam || 13 ||
Übersetzung: im Südwesten Saphir mit Nirriti-Mantra, im Nordwesten Mahanila, im Nordosten Topas.
59.14
aindre jāmbūnadaṃ caiva * * * * * saṃyutam |
āgneyyāṃ śuklaṃ vinyasya tāraṃ yāmye tu vinyaset || 14 ||
Übersetzung: Im Osten Jambunada-Gold [Textlücke], im Südosten „das Weiße“, im Süden Silber,
59.15
nair-ṛtyāmāyasaṃ nyasya ārakūṭaṃ tu vāruṇe |
vāyavyāṃ kāṃsyaṃ vinyasya sīsaṃ saumye tu vinyaset || 15 ||
Übersetzung: im Südwesten Eisen, im Westen Messing, im Nordwesten Bronze, im Norden Blei,
59.16
aiśānyāṃ vaṅkaṃ vinyasya vauṣaḍantena mantrataḥ |
cakrānalayormadhye daradaṃ vinyasedguha || 16 ||
Übersetzung: im Nordosten Zinn [Lesung unsicher], mit vauṣaṭ endend. Zwischen Indra [Vorlage: cakra] und Agni Darada,
59.17
analayamayormadhye haritālaṃ nyasedbudhaḥ |
yamanair-ṛtayormadhye manaśśilāṃ nyasedbudhaḥ || 17 ||
Übersetzung: zwischen Agni und Yama Auripigment, zwischen Yama und Nirriti Realgar,
59.18
nirṛtivaruṇayormadhye * madhye vinyasedbudhaḥ |
varuṇānilayormadhye saurāṣṭraṃ vinyasedbudhaḥ || 18 ||
Übersetzung: zwischen Nirriti und Varuna [Stoff fehlt], zwischen Varuna und Wind Saurashtra,
59.19
pavana somayormadhye mākṣikaṃ vinyasettataḥ |
soma īśānayormadhye añjanaṃ tatra vinyaset || 19 ||
Übersetzung: zwischen Wind und Soma Makshika, zwischen Soma und Ishana Anjana.
59.20
pañcaviṃśanmṛ * ñcena koṣṭhe vai pañcaviṃśake |
yathā krameṇa matimān madhuneśānamantrataḥ || 20 ||
Übersetzung: Fünfundzwanzig Erden [Wort beschädigt] in die fünfundzwanzig Fächer, der Reihe nach, mit Honig und Ishana-Mantra.
59.21
nadīnāga viṣāṇotye varāhavihitaṃ tathā |
valmīkaṃ kṣetrakoṣṭhaṃ ca hṛdā caiveti madhyataḥ || 21 ||
Übersetzung: Vom Fluss, Elefantenstoßzahn, Eber, Ameisenhügel, Feld, Speicher und Teich,
59.22
lodhramṛtkarkaṭamūrdhve tanmūṣika * * * * |
himavatpārśva bhṛccaiva vindhyaparvatamastakān || 22 ||
Übersetzung: Lodhra-Erde, Krebsbau, Maushöhle [Lücke], Himalaya-Seite und Vindhya-Gipfel,
59.23
gaṅgābhṛdyavinābhṛcca tāmraparṇīmṛdaṃ haret |
kāverīmuddharedvatsa godāvaryā mṛdaṃ haret || 23 ||
Übersetzung: von Ganga, Yamuna [beschädigt], Tamraparni, Kaveri und Godavari nehme man Erde. [Die angekündigten fünfundzwanzig sind nicht vollständig aufgeführt.]
59.24
gandhaśālīmahāśālīratnaśālī tathaiva ca |
kṛṣṇaśālī ca godhūmaṃ kalamāśālireva ca || 24 ||
Übersetzung: Gandhashali, Mahashali, Ratnashali, Krishnashali, Weizen, Kalamashali,
59.25
yavasarṣapanīvārā garbhaṣaṣṭhiṃ tathaiva ca |
vaiṇavaṃ tilamudgaṃ ca caṇakaṃ māṣameva ca || 25 ||
Übersetzung: Gerste, Senf, Nivara, Garbhashashti, Bambussamen, Sesam, Mung, Kichererbse und Masha,
59.26
rājamāṣaṃ kulutthaṃ ca śimbaṃ niṣpāvameva ca |
kuṅkumaśyāmakaṃ caiva priyaṅgustṛṇadhānyakam || 26 ||
Übersetzung: Rajamasha, Kuluttha, Shimba, Nishpava, Safran, Shyamaka, Priyangu und Grasgetreide,
59.27
ārasya vrīhimevaṃ ca pañcaviṃśatprakīrtitam |
pūrvavadvinyasedvatsa bījamukhyena mantrataḥ || 27 ||
Übersetzung: Arasya und Vrihi [erster Name unsicher] gelten als fünfundzwanzig Samen; mit Hauptkeim-Mantra niederlegen.
59.28
pa* saṃ kodravaścaiva dhānyeṣu parivarjayet |
lakṣmīśca sahadevīśca viṣṇukrāntirnṛpastathā || 28 ||
Übersetzung: „Pa…“ [Lücke] und Kodrava meide man unter Getreiden. Lakshmi, Sahadevi, Vishnukranta und Nripa,
59.29
indravallī mahāvallī tulasīmaṅgavistumā |
girikarṇī sitācaiva niśāgokṣīrameva ca || 29 ||
Übersetzung: Indravalli, Mahavalli, Tulasi, Mangavistuma [Wortgrenze unsicher], Girikarni, Sita, Nisha und Gokshira,
59.30
kṣīraṃ nāgabalā caiva balā cātibalā śubhā |
sūryavartā meghanādā amṛtākṛṣṇamallikā || 30 ||
Übersetzung: Kshira, Nagabala, Bala, Atibala, Suryavarta, Meghanada, Amrita, Krishnamallika,
59.31
śaṅkhapuṣparasādhānā vyāghrī caiva parājitā |
vedaṃ ceti pañcaviṃśat pūrvavadvinyasedbudhaḥ || 31 ||
Übersetzung: Shankhapushpa, Rasadhana, Vyaghri, Aparajita und Veda [Namen teilweise unsicher] bilden fünfundzwanzig; wie zuvor niederlegen.
59.32
phalatrayaṃ trijātiṃ ca karpūrāgarucandanam |
kāśmīraṃ harakaṃ caiva mṛṇālaṃ vyādhimeva ca || 32 ||
Übersetzung: Triphala, Trijati, Kampfer, Agaru, Sandelholz, Safran, Haraka, Mrinala und Vyadhi,
59.33
haryaṃśastagaraṃ māṃsi tuṭidhānyaṃ hiraṇyakam |
sthūṇīmṛdaṅgamahiṣaṃ varāhaṃ gajameva ca || 33 ||
Übersetzung: Haryamsha, Tagara, Mamsi, Tuti, Dhanya, Hiranyaka, Sthuni, Mridanga, Mahisha, Varaha und Gaja [Duftstoffnamen teils beschädigt]
59.34
pūrvavadvinyaseddhīmān bījamukhyena mantrataḥ |
paṅkajotpalakumudaṃ nīlotpalamathāpi vā || 34 ||
Übersetzung: lege man mit Hauptkeim-Mantra nieder. Lotus, Utpala, Kumuda und blauer Lotus,
59.35
kalhāraṃ truṭikaṃ caiva puṇḍarīkaṃ tathaiva ca |
mallikājātivakulaṃ aśokaṃ jātiketakī || 35 ||
Übersetzung: Kalhara, Trutika, Pundarika, Mallika, Jati, Vakula, Ashoka, nochmals Jati und Ketaki,
59.36
mālatī mādhavī caiva madayantī ca mañjarī |
punnāgaṃ kuravaṃ dīpaṃ mūlakaṃ karavīrakam || 36 ||
Übersetzung: Malati, Madhavi, Madayanti, Manjari, Punnaga, Kurava, Dipa, Mulaka und Karavira,
59.37
vrīhimūlaṃ ca śaṅkhaṃ ca puṣpaṃ ca mūlakaṃ bhavet |
eteṣāṃ mūlaṃ puṣpaṃ ca vinyasetpūrvavadguha || 37 ||
Übersetzung: Vrihi-Wurzel, Shankha, Blumen und Wurzeln: Ihre Wurzeln und Blüten lege man wie zuvor nieder.
59.38
pṛthivī kūrmaścandraśca aṣṭamaṅgalameva ca |
pṛthivīkūrmaścandraśca madhyakoṣṭhe tu vinyaset || 38 ||
Übersetzung: Erde, Schildkröte und Mond sowie acht Glückszeichen: die ersten drei ins mittlere Fach,
59.39
aṣṭamaṅgalamevaṃ syādaṣṭadikṣu ca vinyaset |
adhidevaṃ pravakṣyāmi ratnagarbheṣu vai guha || 39 ||
Übersetzung: die acht Glückszeichen in die acht Richtungen. Nun die zugehörigen Gottheiten:
59.40
brahmā harirharaścaiva umā śrīrdharaṇīti ca |
indramagniṃ yamaṃ nir-ṛtiṃ varuṇaṃ vāyumeva ca || 40 ||
Übersetzung: Brahma, Hari, Hara, Uma, Shri, Dharani, Indra, Agni, Yama, Nirriti, Varuna, Vayu,
59.41
someśānaṃ ca vai vatsa rudraikādaśa eva ca |
aṣṭau ca vasavaścaiva dvādaśāditya eva ca || 41 ||
Übersetzung: Soma, Ishana, elf Rudras, acht Vasus, zwölf Adityas,
59.42
dhanadaṃ guhaṃ ca vāgīśaṃ sāvitrī ca prabhāvatī |
svasvenaiva tu mantreṇa bījamukhena vai guha || 42 ||
Übersetzung: Dhanada, Guha, Vagisha, Savitri und Prabhavati, jeweils mit eigenem und Hauptkeim-Mantra,
59.43
prāsādaṃ puruṣasūktaṃ ca viṣṇusūktaṃ tathaiva ca |
rudrasūktaṃ sūryasūktaṃ aṣṭavasusūktakam || 43 ||
Übersetzung: Prasada, Purusha-, Vishnu-, Rudra-, Sonnen- und Acht-Vasu-Sukta.
59.44
sve svenaiva mantreṇa ubhayāṃścaiva vinyaset |
uttamaṃ pūrvavaddhomaṃ puṇyāhādhyayanaṃ tathā || 44 ||
Übersetzung: Mit den jeweiligen Mantras setze man beide [Stoffe und Gottheiten] ein; Feueropfer, Segensruf und Vedarezitation wie zuvor.
59.45
pūrvavadgarbhagehe tu sumuhūrte tathaiva ca |
yāvatphelakamadhyasthaṃ tāvadgarbhaṃ ṣaḍānana || 45 ||
Übersetzung: Zur günstigen Stunde im Gründungsraum: Solange [der Inhalt] im Kasten ist, solange [wirkt] das Depot [Satz beschädigt].
59.46
tāvajjīve tu prāsādaṃ bījamukhyasamanvitam |
mantrabalāntantragaccheti muhūrtabalā phelakā || 46 ||
Übersetzung: So lange rezitiere man Prasada mit Hauptkeim-Mantra; durch Mantra- und Stundenkraft bewegt sich der Kasten auf „gehe“ [Wortlaut gestört].
59.47
pūrvavadbhojanaṃ kuryāt dānaṃ kuryāttu pūrvavat |
ācāryaṃ pūjanaṃ kṛtvā brāhmaṇānāṃ tu bhojanam || 47 ||
Übersetzung: Speisung, Spenden, Ehrung des Acharya und Brahmanenspeisung wie zuvor.
59.48
ratnagarbhamidaṃ proktaṃ yugakoṭiṃ sa tiṣṭhati |
āyurārogyadaṃ caiva sarvavyādhivivarjitam || 48 ||
Übersetzung: Dieses Edelsteindepot besteht eine Koti Yugas, gewährt Leben und Gesundheit, frei von allen Krankheiten,
59.49
sasyagovardhanaṃ caiva puṣṭivardhanameva ca |
na tatra deśe durbhikṣaṃ na ca mārī ca vardhanam || 49 ||
Übersetzung: mehrt Ernten, Kühe und Gedeihen; weder Hungersnot noch wachsende Epidemie gibt es dort.
59.50
kṛṣṇaśailena matimān kārayedgarbhagehakam |
iṣṭakā vāthavā kuryāt sudhāṃ samyakpralepayet || 50 ||
Übersetzung: Die Deponierungskammer fertige man aus schwarzem Stein oder Ziegeln und verputze sie sorgfältig.
59.51
gopuraṃ maṇḍapaṃ vāpi sabhāṃ vā tatra kārayet |
nityameva baliṃ kṛtvā trisandhyaṃ tribhireva ca || 51 ||
Übersetzung: Darüber Torbau, Pavillon oder Halle. Täglich bringe man Bali zu den drei Tagesübergängen,
59.52
athavā cākṣatairgandhaiḥ supuṣpānnityamarcayet |
pūrvaṃ vinyasya dravyāṃstu paścāddevāṃstu vinyaset || 52 ||
Übersetzung: oder verehre mit ungebrochenen Reiskörnern, Duft und schönen Blumen. Zuerst Stoffe, danach Gottheiten einsetzen.
59.53
samyakpralepya nicchidraṃ sudṛḍhaṃ śubhalakṣaṇam |
uparyadhaścātra śilāṃ samyagvai parikalpayet || 53 ||
Übersetzung: Gut verputzt, fugenlos, fest und günstig gestaltet; oben und unten passende Steinplatten anbringen.
59.54
paścime kṛṣṇaśaile hi no * * * * cchādayet |
atiguptamidaṃ garbhaṃ suguptaṃ na prakāśayet || 54 ||
Übersetzung: Westlich mit schwarzem Stein [Textlücke] abdecken. Dieses streng geheime Depot bewahre man verborgen und zeige es nicht.
iti kālottare ratnagarbhalakṣaṇaṃ ekonaṣaṣṭitamaḥ sargaḥ (?) || 59 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 59 über „die Merkmale des Edelsteindepots [als Sarga, mit Fragezeichen, bezeichnet]“.
Kapitel 60 – Panchagavya
60.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
pañcagavyasya garbhaṃ tu pravakṣyāmi samāsataḥ |
daridrāṇāṃ hitārthāya tanme nigatataḥ śṛṇu || 1 ||
Übersetzung: Ishvara sprach: Zum Wohl der Armen erkläre ich kurz die Deponierung von Panchagavya; höre meine Worte.
60.2
sarvarakṣākaraṃ divyaṃ sarvadhānyakaraṃ hitam |
sarvāriṣṭavināśaṃ ca sarvāpattivināśanam || 2 ||
Übersetzung: Sie gewährt göttlichen Schutz und Getreide, beseitigt Unglückszeichen und Bedrängnisse,
60.3
durbhikṣanāśanaṃ caiva sarvaduḥsvapnanāśanam |
sarvaṃ vai brāhmaṇaṃ hīṣṭhaṃ pañcagavyasya garbhakam || 3 ||
Übersetzung: Hungersnot und schlechte Träume; sie ist Brahmanen besonders lieb [Lesung gestört].
60.4
sumuhūrte dine caiva nakṣatratithisaṃyute |
pūrvoktaphelakāyāṃ tu prakṣipedgarbhamuttamam || 4 ||
Übersetzung: Zu günstiger Stunde, an gutem Tag, Stern und Mondtag lege man das Depot in den beschriebenen Kasten,
60.5
grāme vā pattane vāpi nagare kheṭakepi ca |
pure vā kubjake vāpi kugrāme vā tathaiva ca || 5 ||
Übersetzung: in Dorf, Hafenort, Stadt, Festung, Pura, Kubjaka oder kleinem Dorf,
60.6
goṣṭhe kṣetre tathārāme koṣṭhāgāre'thavā kṣipet |
suvarṇarajatabhāṇḍāre gajāśvasthāne nikṣipet || 6 ||
Übersetzung: Kuhstall, Feld, Garten, Speicher, Gold- und Silberschatzkammer, Elefanten- und Pferdestall,
60.7
nṛttasthāne sabhāyāṃ ca veśyākrīḍanaveśmani |
sūpasthāne viśeṣeṇa sthāne vā kramaṇe'pi ca || 7 ||
Übersetzung: Tanzstätte, Halle, Kurtisanenhaus, besonders Küche, Ruhe- oder Bewegungsstätte,
60.8
śikṣāyudhasya sthāne tu maheśasthāne viśeṣataḥ |
maṇḍapasyālaye caiva kanyāprāsādakeṣu ca || 8 ||
Übersetzung: Waffenausbildungsstätte, besonders Maheshas Heiligtum, Pavillon, Wohnung und Mädchenpalast,
60.9
kumārāṇāṃ gṛhe caiva mahiṣāṇāṃ gṛheṣu ca |
gaṇḍamaṇḍalake caiva puṣpamaṇḍapakeṣu ca || 9 ||
Übersetzung: Prinzenhaus, Büffelstall, Gandamandala [Raum unklar] und Blumenpavillon,
60.10
mantraśālāviśeṣeṣu sacivānāṃ gṛheṣu ca |
sāmantānāṃ gṛhe caiva gaṇikāyā gṛheṣu ca || 10 ||
Übersetzung: Beratungshalle, Minister-, Vasallen- und Kurtisanenhaus,
60.11
vipaścidbhavane caiva tathā vaidyagṛheṣu ca |
devatā bhavane caiva tathā dūtagṛheṣu ca || 11 ||
Übersetzung: Gelehrten-, Arzt-, Götter- und Botenhaus,
60.12
senādhyakṣasya bhavane sūpādhyakṣagṛheṣu ca |
rājñāṃ saparivārāṇāṃ sarveṣāṃ bhavaneṣu ca || 12 ||
Übersetzung: Heerführer- und Küchenaufseherhaus sowie allen Häusern der Könige samt Gefolge.
60.13
pañcagavyasya garbhantu prakṣipenmantrapūrvakam |
vatsare vatsare caiva ṣāṇmāseva trimāsike || 13 ||
Übersetzung: Mit Mantras deponiere man Panchagavya jährlich, halbjährlich, vierteljährlich
60.14
māse māse tu matimān pañcagavyaṃ tu nikṣipet |
pañcagavyena nṛpatiṃ abhiṣekaṃ tu pūrvake || 14 ||
Übersetzung: oder monatlich. Mit Panchagavya begieße man den König zuerst,
60.15
ābhicārakadoṣāṃśca sarvakārakanāśanam |
abhiṣekaṃ parvaparve sarvakṛtrimanāśanam || 15 ||
Übersetzung: um Schadenszauber und künstlich verursachtes Unheil zu vernichten, zu jedem Festtag.
60.16
ya snātvā pañcagavyena sarvaduḥsvapnanāśanam |
āyurārogyadaṃ nityaṃ lakṣmīvivardhanaṃ tathā || 16 ||
Übersetzung: Wer damit badet, beseitigt schlechte Träume; es gewährt Leben, Gesundheit und wachsenden Wohlstand.
60.17
pañcagavyamidaṃ caiva nityaṃ prokṣaṇameva vā |
taddine duṣkṛtaṃ yacca sarvaṃ naśyati lakṣaṇāt || 17 ||
Übersetzung: Auch tägliches Besprengen mit Panchagavya vernichtet alle an diesem Tag begangenen Verfehlungen.
60.18
gṛhamadhye sarvadiśāṃ prakṣipedgarbhamuttamam |
īśānaścaiva parjanyo jayo mahendra eva ca || 18 ||
Übersetzung: In Hausmitte und allen Richtungen deponiere man: bei Ishana, Parjanya, Jaya, Mahendra,
60.19
āditya satyakabhraṃśe antarikṣe kṣipedguha |
vahnipūrvā ca vitayo grahakṣatayamau tathā || 19 ||
Übersetzung: Aditya, Satya, Bhramsha, Antariksha, Vahni, Purva, Vitaya [Namensfolge beschädigt], Grihakshata und Yama,
60.20
gandharve bhṛṅgarāje tu bhṛṅge garbhaṃ vinikṣipet |
nair-ṛtyāṃ dauvārike ca sugrīve puṣpadantake || 20 ||
Übersetzung: Gandharva, Bhringaraja, Bhringa, Nirriti, Dauvarika, Sugriva, Pushpadanta,
60.21
jalādhipo sureśoṣa pāpayakṣme tu nikṣipet |
anile nābhe tathā mukhye bhallāṭe garbhaṃ nikṣipet || 21 ||
Übersetzung: Jaladhipa, Sureshosha [wohl verschmolzene Namen], Papayakshman, Anila, Nabha, Mukhya und Bhallata,
60.22
tārādhipe ṛbhau caiva vaditāvaditau kṣipet |
dvātriṃśadvāstudeśeṣu nikṣipedgarbhamuttamam || 22 ||
Übersetzung: Taradhipa, Ribhu, Vadita und Adita [Lesungen gestört]: in den zweiunddreißig Vastu-Bereichen.
60.23
āpe caivā pavatsetu kṛte garbhaṃ vinikṣipet |
padadvaye kṣipeddhīmān marīcakasya ṣaṭpade || 23 ||
Übersetzung: Bei Apa und Apavatsa, in ihren zwei Feldern, bei Marichi in sechs Feldern,
60.24
savitrā cedvaye vatsa sūtrapalāśaṃ tu nikṣipet |
sāvitrau dvipadau caiva prakṣipedgarbhamuttamam || 24 ||
Übersetzung: bei Savitri in zwei Feldern [Zusatz über Faden und Palasha gestört], bei Savitra in zwei Feldern,
60.25
kṛtrimaṃ sūpaśālāṃ vā sūraṇānnaśyate guha |
vivasvatṣaṭpade garbhaṃ yamabrahmāntare kṣipet || 25 ||
Übersetzung: wodurch künstliches Unheil der Küche beseitigt wird [Lesung unsicher]; bei Vivasvat in sechs Feldern zwischen Yama und Brahma,
60.26
nir-ṛtibrahmāntare vatsa upendragarbhaṃ vinikṣipet |
padadvaye kṣipeddhīmān pañcagavyasya garbhakam || 26 ||
Übersetzung: zwischen Nirriti und Brahma bei Upendra in zwei Feldern deponiere man Panchagavya.
60.27
indrandāsasya padadvaye garbharatnena nikṣipet |
varuṇaṃ brahmāntare vatsa ṣaṭpade mitramucyate || 27 ||
Übersetzung: Bei Indradasa in zwei Feldern mit Edelsteindepot; zwischen Varuna und Brahma bei Mitra in sechs Feldern,
60.28
tatra kṣipetprayatnena pañcagavyasya garbhakam |
anilabrahmaṇorantare rudrasya ca padadvaye || 28 ||
Übersetzung: dort sorgfältig Panchagavya deponieren. Zwischen Wind und Brahma bei Rudra in zwei Feldern,
60.29
rudradāsasya padadvaye gavyagarbhaṃ vinikṣipet |
somabrahmāntare vatsa pṛthivīdharaṣaṭpade || 29 ||
Übersetzung: bei Rudradasa in zwei Feldern, zwischen Soma und Brahma bei Prithividhara in sechs Feldern,
60.30
sarvayatnena matimān gavyagarbhaṃ vinikṣipet |
phelakāyāṃ kalaśe vā gṛhamadhye garbhaṃ nikṣipet || 30 ||
Übersetzung: deponiere der Verständige sorgfältig. In Kasten oder Gefäß in der Hausmitte,
60.31
brahmasthāne kṣipedgarbhaṃ pañcagavyasya garbhakam |
navacatvāriṃśaddeveśa tathā vai vāstudevatān || 31 ||
Übersetzung: an Brahmas Stelle Panchagavya, ferner bei den neunundvierzig Vastu-Gottheiten,
60.32
tattatsthāne tu vidhivat pañcagavyaṃ kṣipedguha |
vardhate tadgṛhaṃ vatsa paśudhānyadhanena ca || 32 ||
Übersetzung: jeweils an ihrem Ort. So gedeiht das Haus mit Vieh, Getreide und Geld.
60.33
gosthāne navadikṣu ca prakṣipetsasyavardhanam |
kauśasya bhavane vatsa dvādaśaṃ garbhaṃ nikṣipet || 33 ||
Übersetzung: Im Kuhstall in neun Richtungen, zur Erntevermehrung; in der Schatzkammer zwölf Depots,
60.34
akṣayaṃ kośamayataṃ nāsti corabhayaṃ guha |
gomūtraṃ śataphalaṃ dadyāt pañcāśadgomayaṃ bhavet || 34 ||
Übersetzung: dann ist der Schatz unerschöpflich und vor Dieben sicher. Hundert Pala Kuhurin, fünfzig Kuhdung,
60.35
kṣīraṃ tu dviśataphalaṃ śataphalaṃ dadhi ucyate |
pañcaviṃśatphalaṃ sarpiḥ pañcagavyamudāhṛtam || 35 ||
Übersetzung: zweihundert Milch, hundert Dickmilch und fünfundzwanzig Ghee: dies heißt Panchagavya.
60.36
kṛṣṇāyā gomayaṃ grāhyaṃ haritāmūtramāharet |
śvetāyāṃ kṣīraṃ grāhyaṃ raktāyāṃ dadhi ucyate || 36 ||
Übersetzung: Dung von einer schwarzen Kuh, Urin von einer grünlich beziehungsweise gelblich gefärbten, Milch von einer weißen, Dickmilch von einer roten,
60.37
sarpiragninibhāyāṃ ca grāhayenmantrapūrvakam |
sa katheti ṛcā yāyādgomūtraṃ pariyojayet || 37 ||
Übersetzung: Ghee von einer feuerfarbenen Kuh, mit Mantra gewonnen. Den Urin verbinde man mit „sa katheti“ [Formel beschädigt],
60.38
āpyāyasveti ca kṣīraṃ dadhi viṣṇo dadhiṃ purā |
ghṛtavatīti ghṛtaṃ yojya praṇavena kuśodakam || 38 ||
Übersetzung: Milch mit „āpyāyasva“, Dickmilch mit „dadhi…“ [Formel beschädigt], Ghee mit „ghṛtavatī“, Kusha-Wasser mit Pranava.
60.39
yava vaiṇavacūrṇaṃ tu culukārdhaṃ prayojayet |
pañcagavyamiti proktaṃ sarvapāpapraṇāśanam || 39 ||
Übersetzung: Eine halbe Handvoll Gersten- und Bambussamenmehl füge man hinzu. Dies heißt Panchagavya, das alle Verfehlungen beseitigt.
60.40
yavavaiṇavapūrṇaṃ tu kuśodakena samanvitam |
brahmakūrcamiti proktaṃ brahmajajñena yojayet || 40 ||
Übersetzung: Gersten- und Bambussamenmehl mit Kusha-Wasser heißt Brahmakurcha; man verbinde es mit „brahma jajñānam“.
60.41
pañcagavyaṃ brahmakūrcamubhayaṃ garbhamucyate |
snāne pānena garbhe ca prokṣaṇe lepane'pi ca || 41 ||
Übersetzung: Panchagavya und Brahmakurcha heißen beide Garbha. Beim Baden, Trinken, Deponieren, Besprengen und Bestreichen
60.42
sarvatra cobhayaṃ yojya garbheṣu ca viśeṣataḥ |
abhiṣekaṃ ca devānāṃ śivasya ca viśeṣataḥ || 42 ||
Übersetzung: werden beide verwendet, besonders bei Deponierungen und Weihebegießungen der Götter, vor allem Shivas.
60.43
prāyaścitteṣu * * * * prāśayeddhimi ca tā |
cāndrāyaṇeṣu sarveṣu vārapakṣatrayeṣu ca || 43 ||
Übersetzung: Bei Sühneriten [Lücke] trinke man davon; bei allen Chandrayana-Gelübden und drei Wochen- oder Halbmonatsformen [unklar],
60.44
prājāpatyasāntapane tvatikṛcchre tu pāyayet |
pakṣopavāse vai vatsa sarvamāsopavāsake || 44 ||
Übersetzung: Prajapatya, Santapana und Atikricchra sowie halbmonatigem und ganzmonatigem Fasten,
60.45
samaye kumbhakṛcchre tu sapta kṛṣṇe tu pāyayet |
sabhidheyamaniyame kṛṣṇāṣṭamyāṃ ghṛteṣu ca || 45 ||
Übersetzung: bei Samaya, Kumbhakricchra, Sapta-Krishna [Ritennamen unklar], Gelübden und Regeln, Krishna-Ashtami und Ghee-Riten,
60.46
darśapūrṇena māse tu śrāvaṇyādrāghṛteṣu ca |
dvādaśyekādaśī navamī grahaṇe viṣuve'pi ca || 46 ||
Übersetzung: Neu- und Vollmond, Shravana-Riten [weiterer Wortlaut beschädigt], zwölftem, elftem und neuntem Mondtag, Finsternis und Tagundnachtgleiche,
60.47
ayane ca vyatīpāde ṣaḍaśītimukheṣu ca |
saṃkrānte janmanakṣatre pañcagavyantu pāyayet || 47 ||
Übersetzung: Sonnenwende, Vyatipata, Shadashitimukha, Sonnenübergang und Geburtsstern lasse man Panchagavya trinken. [Historische Ritualvorschrift, keine heutige Verzehrempfehlung.]
Unnummerierte Passage: duḥsvapne durjanasparśe rudraveśmani bhojane |
Übersetzung: Auch bei schlechtem Traum, Berührung eines als unrein geltenden Menschen und Essen in Rudras Haus. Damit endet das sechzigste Kapitel des Kalottara über Panchagavya.
iti kālottare pañcagavyapaṭalaḥ ṣaṣṭitamaḥ || 60 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 60 über „Panchagavya“.
Kapitel 61 – Vajrakavata – die diamantene Pforte
61.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
sarvajñatā tṛptiranādi bodhaḥ svatantratā nityamaluptaśaktiḥ |
anantaśaktiśca vibhorvidhijñāḥ ṣaḍāhuretāśca maheśvarasya || 1 ||
Übersetzung: Allwissenheit, Erfülltheit, anfangsloses Erkennen, Freiheit, niemals schwindende Kraft und unendliche Macht: Diese sechs nennen Kundige als Eigenschaften Maheshvaras.
61.2
vajrakavāṭasya vidhi pravakṣyāmyanupūrvataḥ |
mṛtyuñjayaparaṃ hyetatsūkṣmātsūkṣmataraṃ param || 2 ||
Übersetzung: Ich erkläre die Ordnung des diamantenen Verschlusses, höchstes Mittel zur Todesüberwindung, feiner als das Feinste.
61.3
guhyādguhyataraṃ guhyaṃ gṛhītavyaṃ prayatnataḥ |
nākhyātaṃ brahmaṇe pūrvaṃ nākhyātaṃ viṣṇavepi ca || 3 ||
Übersetzung: Geheimer als das Geheimste, soll sie sorgfältig aufgenommen werden. Einst wurde sie weder Brahma noch Vishnu erklärt,
61.4
nākhyātaṃ sarvadevānāṃ nākhyātaṃ svasutāya ca |
vajrakavāṭopadeśaṃ nākhyātaṃ yasya kasyacit || 4 ||
Übersetzung: weder allen Göttern noch dem eigenen Sohn; die Unterweisung im diamantenen Verschluss wurde niemandem gegeben.
61.5
tava snehānmayā divyaṃ upadeśaṃ paraṃ mahat |
dhātākhagapatidvayaṃ kavāṭastambha ucyate || 5 ||
Übersetzung: Aus Zuneigung zu dir [gebe ich] diese göttliche höchste Lehre. Dhata und der Vogelherr bilden die beiden Türpfosten.
61.6
ūrdhvottaraṃ gaṇanāthaṃ yatottaraṃ vṛṣabhamucyate |
yonibhramaro vatsa te kaulau parikīrtitau || 6 ||
Übersetzung: Der obere Querbalken ist Gananatha, der andere Vrishabha. Yoni und Bhramara heißen die beiden „Kaula“ [Bauteile unklar].
61.7
kākhyāmūkāścaturthaṃ tu jagaddhyonilamūrdhvasau |
viṣṇurudraśikhākrāntaṃ kavāṭaṃ vāmanāsake || 7 ||
Übersetzung: [Beschädigte Lautanweisung:] Der vierte, Welt, Yoni und Wind, mit Vishnu und Rudra überhöht, bilden den Verschluss am linken Nasenloch.
61.8
paṭakośaṃ pravakṣyāmi sāṃprataṃ śṛṇu ṣaṇmukha |
ṣoḍaśaṃ pañcapuṭakośau prakīrtitau || 8 ||
Übersetzung: Nun Türflügel und Hülle: Höre, Sechsgesichtiger. Der sechzehnte und fünfte [Laut] heißen Flügel und Hülle.
61.9
bindunādaṃ ca sahitaṃ visargādimudāhṛtam |
savisargaṃ vijānīyātkośamantaḥ prakīrtitam || 9 ||
Übersetzung: Mit Bindu und Nada, von Visarga an; mit Visarga erkenne man die innere Hülle. [Lautzuordnung nicht vollständig klar.]
61.10
harasya me tadākhyātaṃ ekavaktraṃ kavāṭakam |
bhadrakālīṃ paraṃ bījaṃ dakṣiṇastambha ucyate || 10 ||
Übersetzung: Dies ist mein, Haras, eingesichtiger Verschluss. Bhadrakalis höchste Keimsilbe heißt rechter Pfosten.
61.11
raudrī kālī paraṃ bījaṃ vāmastambhamudāhṛtam |
japākusuma saprakhyaṃ dakṣiṇastambhamucyate || 11 ||
Übersetzung: Raudris beziehungsweise Kalis höchste Keimsilbe heißt linker Pfosten; der rechte glänzt wie Hibiskus,
61.12
vidyutpatanasaṃkāśaṃ vāmastambhamudāhṛtam |
prathamaṃ dakṣiṇastambhaṃ tuṣārarajataprabham || 12 ||
Übersetzung: der linke wie fallender Blitz. Der erste rechte Pfosten glänzt wie Schnee und Silber,
61.13
prathamaṃ savya * * * kiñjalka sadṛśaprabham |
drutajāmbūnadaprakhyaṃ vajrakavāṭavarṇakam || 13 ||
Übersetzung: der erste linke [Lücke] wie Lotusstaubfäden. Der diamantene Verschluss selbst glänzt wie flüssiges Gold.
61.14
puṭaṃ kiñjalkasaṃkāśaṃ kośaṃ pañcadalaprabham |
kāśmīrasadṛśaprakhyaṃ yonibījasya varṇakam || 14 ||
Übersetzung: Der Flügel wie Lotusstaubfäden, die Hülle wie fünf Blütenblätter; die Yoni-Keimsilbe ist safranfarben.
61.15
bhramaraṃ bījavarṇaṃ tu bhramaraṃ sadṛśaprabham |
dvitīyaṃ dakṣiṇastambha mahārajatasaprabham || 15 ||
Übersetzung: Die Bhramara-Keimsilbe ist bienenfarben; der zweite rechte Pfosten glänzt wie reines Silber.
61.16
dvitīyayoni bhramaraṃ bījaṃ svarṇamihocyate |
sandhyāmbadanibhaprakhyaṃ yonibījaṃ mudāhṛtam || 16 ||
Übersetzung: Die zweite Yoni-Bhramara-Keimsilbe wird goldfarben genannt; die Yoni-Keimsilbe gleicht einer Abendwolke.
61.17
bhramarabījamidaṃ vatsa śuddhacāmīkaraprabham |
puṭavarṇaṃ pāvakanibhaṃ japānibhaṃ kośamucyate || 17 ||
Übersetzung: Die Bhramara-Keimsilbe glänzt wie reines Gold, der Flügel wie Feuer, die Hülle wie Hibiskus.
61.18
va * * * ramākhyātaṃ vāmanāsāpuṭe tviha |
dakṣiṇe dakṣiṇe nāsāpuṭe tu vajrakavāṭamucyate || 18 ||
Übersetzung: [Textlücke] im linken Nasenloch; im rechten Nasenloch heißt dies diamantener Verschluss.
61.19
iḍā ca piṅgalā caiva proktaṃ vajrakavāṭakam |
suṣumnākavāṭaṃ vakṣyāmi mṛtyunāśanamuttamam || 19 ||
Übersetzung: Ida und Pingala wurden so erklärt. Nun erkläre ich Sushumnas Verschluss, höchstes Mittel zur Todesvernichtung.
61.20
suṣiraṃ gṛhyaṃ mahāsena ekārasvarasaṃyutam |
bindumastakamākrāntaṃ vāmastambhamudāhṛtam || 20 ||
Übersetzung: Man nehme den Hohlraumlaut, mit e und Bindu über dem Haupt: der linke Pfosten.
61.21
punarvai suṣiraṃ gṛhya ekārasvara saṃyutam |
bindumastakamākrāntaṃ dakṣiṇastambhameva hi || 21 ||
Übersetzung: Wiederum denselben Hohlraumlaut mit e und Bindu: der rechte Pfosten. [Identische Angaben der Vorlage.]
61.22
trayodaśena saṃyuktaṃ bindumastakabhūṣitam |
svabījena mahāsena ūrdhvottaramudāhṛtam || 22 ||
Übersetzung: Mit dem dreizehnten und Bindu geschmückt, mit eigener Keimsilbe, heißt er oberer Querbalken.
61.23
gaganatrayodaśāntaṃ ca bindumūrtivibhūṣitam |
athottaraṃ vijānīyātprayatnena tu kārayet || 23 ||
Übersetzung: Raumlaut mit dem dreizehnten abschließend und Bindu geschmückt: der untere Querbalken; sorgfältig gestalten.
61.24
śvetaṃ kṛṣṇaṃ tathā raktaṃ haritaṃ varṇameva hi |
bhavaśarvatatheśāna paśupatirnāmadevatā || 24 ||
Übersetzung: Weiß, schwarz, rot und grün sind die Farben. Bhava, Sharva, Ishana und Pashupati,
61.25
rudro devastathā bhīmo mahādevaḥ sadāśivaḥ |
iḍāyāmadhidaivaṃ hi proktaṃ vajrakavāṭake || 25 ||
Übersetzung: Rudra, Deva, Bhima, Mahadeva und Sadashiva sind die Gottheiten des diamantenen Verschlusses in Ida.
61.26
mahādevo harorudraḥ śaṃkaro nīlalohitaḥ |
śūlapāṇiḥ kṛttivāsāḥ kapardī meghavāhanaḥ || 26 ||
Übersetzung: Mahadeva, Hara, Rudra, Shankara, Nilalohita, Shulapani, Krittivasa, Kapardin und Meghavahana
61.27
piṅgalāyādhidevaṃ hi mayā proktaṃ ṣaḍānana |
gaṅgādharo virupākṣo nīlagrīvo vṛṣadhvajaḥ || 27 ||
Übersetzung: sind die Gottheiten Pingalas. Gangadhara, Virupaksha, Nilagriva, Vrishadhvaja,
61.28
śrīkaṇṭho nīlakaṇṭhaśca kālakaṇṭhaḥ kapāladhṛt |
umāpatiśca navamaḥ suṣumnāvajraśiṣṭake || 28 ||
Übersetzung: Shrikantha, Nilakantha, Kalakantha, Kapaladhrit und als neunter Umapati gehören zu Sushumnas diamantenem Verschluss.
61.29
caturthaṃ ca tṛtīyaṃ ca māyānalasamanvitam |
piṅgalāvajrakavāṭaṃ rahasyamidamuttamam || 29 ||
Übersetzung: Der vierte und dritte mit Maya und Feuer: dies ist Pingalas höchster geheimer Verschluss [Code nicht ausgeschrieben].
61.30
gokṣīrasadṛśaprakhyaṃ śuddhasphaṭikasannibham |
maheśa varadaṃ hyetadrahasyaṃ vajrakavāṭakam || 30 ||
Übersetzung: Wie Kuhmilch und reiner Bergkristall, Maheshas Gnadengabe: dieser geheime diamantene Verschluss.
61.31
kubjakāntaṃ caturthaṃ saṃvartadagnimathoyutam |
māyordhvaṃ tu saṃsthitaṃ ca bindunādasamanvitam || 31 ||
Übersetzung: Der vierte am Ende Kubjakas, verbunden mit Auflösungsfeuer, Maya darüber, Bindu und Nada,
61.32
gāndhāryā vajrakavāṭaṃ tu tavasnehātprakāśitam |
trayodaśaṃ vāmastambhaṃ śakracāpasamaprabham || 32 ||
Übersetzung: ist Gandharis Verschluss, dir aus Zuneigung erklärt. Der dreizehnte bildet den linken Pfosten, regenbogenfarben.
61.33
kubjakantu dvitīyaṃ tu dakṣiṇaṃ stambhameva hi |
sandhyāmbuda samaprakhyamīṣacchaśi samaprabham || 33 ||
Übersetzung: Der zweite Kubjaka den rechten Pfosten, wie Abendwolke, ein wenig mondähnlich.
61.34
yonimaṇḍanibhaṃ pañca pañcamasvarameva hi |
bhramaraṃ ṣaṣṭhamevaṃ tu tava pora(ṭa?) samaprabham || 34 ||
Übersetzung: Yoni [Bildwort gestört] mit dem fünften Vokal, Bhramara mit dem sechsten, von [beschädigter Farbangabe] Glanz.
61.35
kubjakoṭaprabhaṃ vidyādekārasvarabhūṣitam |
bhinnāñjanasamaprakhyaṃ sarvasiddhikaraṃ param || 35 ||
Übersetzung: Kubjakas Spitze mit e, wie zerriebene Augenschminke, bewirkt alle Vollkommenheiten.
61.36
kubjakāntaṃ dvitīyaṃ tu māyānalasamanvitam |
bindumastakamākrāntamatasī kusumaprabham || 36 ||
Übersetzung: Der zweite am Ende Kubjakas, mit Maya, Feuer und Bindu überhöht, glänzt wie Flachsblüten.
61.37
pitṛpādo hyekapādo'nekapādekanetrakam |
ugraḥ śāntaḥ suśāntaśca pinākī tridaśeśvaraḥ || 37 ||
Übersetzung: Pitripada, Ekapada, Anekapada, Ekanetra, Ugra, Shanta, Sushanta, Pinakin und Tridasheshvara [sind die zugehörigen Gottheiten].
Unnummerierte Passage: vajrakavāṭagandhārthaṃ tava snehādudāhṛtam |
Übersetzung: So wurde dir aus Zuneigung Gandharis diamantener Verschluss erklärt. Damit endet das einundsechzigste Kapitel des Kalottara über den diamantenen Verschluss. [Der Titel ist im Kolophon verschrieben.]
iti kālottare kajrakavāṭalakṣaṇapaṭalaḥ ekaṣaṣṭitamaḥ || 61 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 61 über „die Merkmale der Pforte [kajrakavāṭa, auffällige Lesung]“.
Kapitel 62 – Weitere Merkmale der diamantenen Pforte
62.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
hastijihvākavāṭaṃ tu pravakṣyāmi samāsataḥ |
caturthasya caturthaṃ tu jātavedasamanvitam || 1 ||
Übersetzung: Ishvara sprach: Kurz erkläre ich Hastijihvas Verschluss: den vierten der vierten Gruppe mit Jatavedas,
62.2
upariṣṭāccaturthoni bhūṣitaṃ bindusaṃyutam |
vajrakavāṭamekaṃ tu yatsurairapi durlabham || 2 ||
Übersetzung: darüber den vierten und Bindu. Dies ist der diamantene Verschluss, selbst Göttern schwer zugänglich.
62.3
caturthasya prathamaṃ vatsa binduśekharabhūṣitam |
kavāṭastambhavāme tu indrakropakasannibham || 3 ||
Übersetzung: Der erste der vierten Gruppe mit Bindu ist der linke Pfosten, rot wie das Indrakopa-Insekt,
62.4
mārtāṇḍodayasaṃkāśaṃ kavāṭabījaṃ sudurlabham |
caturthasya dvitīyaṃ tu binduśekharabhūṣitam || 4 ||
Übersetzung: wie Sonnenaufgang leuchtend, die schwer erreichbare Verschlusskeimsilbe. Der zweite der vierten Gruppe mit Bindu
62.5
sindūrasadṛśaprakhyaṃ dakṣiṇastambhamucyate |
bhramarayonī imau vatsa te ca dvau parikīrtitau || 5 ||
Übersetzung: ist der zinnoberfarbene rechte Pfosten. Bhramara und Yoni bilden das Paar,
62.6
aśokabandhūkanibhau te'tha dvau varṇitāvubhau |
atha vai puṭabījantu binduśekharabhūṣitam || 6 ||
Übersetzung: beide wie Ashoka- und Bandhuka-Blüten. Die Flügelkeimsilbe mit Bindu
62.7
gokṣīradhavalaprakhyaṃ varṇitaṃ parikīrtitam |
caturthādi prayoktavyaṃ trayodaśasamanvitam || 7 ||
Übersetzung: glänzt weiß wie Kuhmilch. Vom vierten ausgehend, mit dem dreizehnten verbunden,
62.8
binduśekharamārūḍhaṃ raktabudbudasannibham |
kośaṃ vai hastijihvāyāḥ kavāṭasya hi ṣaṇmukha || 8 ||
Übersetzung: mit Bindu überhöht und wie eine rote Blase: die Hülle von Hastijihvas Verschluss.
62.9
athottaraṃ tu to tau tu vidyutpāvakasannibhau |
pūṣākavāṭaṃ vakṣyāmi yena mṛtyuñjayaṃ bhavet || 9 ||
Übersetzung: Der untere Querbalken [Lautcode beschädigt] glänzt wie Blitz und Feuer. Nun Pushas Verschluss zur Todesüberwindung:
62.10
pañcamasya caturthaṃ tu atha vahnisamāyutam |
ūrdhvaṃ vai prabhuśaktistu bindunāda samanvitam || 10 ||
Übersetzung: Der vierte der fünften Gruppe mit Feuer, darüber die Kraft des Herrn, Bindu und Nada,
62.11
sūryakoṭisamaprakhyaṃ sarvamantrāgranāyakam |
vajrakavāṭamevaṃ tu sarvamṛtyuvināśanam || 11 ||
Übersetzung: wie zehn Millionen Sonnen, Anführer aller Mantras: der alle Todesarten vernichtende diamantene Verschluss.
62.12
pañcamasya prathamaṃ ca madhye binduvibhūṣitam |
pūṣāyā vāmastambhaḥ syādvisinīpatrasannibham || 12 ||
Übersetzung: Der erste der fünften Gruppe mit Bindu in der Mitte bildet Pushas linken Pfosten, lotusblattähnlich,
62.13
pañcamasya tṛtīyaṃ tu binduśekharabhūṣitam |
dakṣiṇastambhamityāhuḥ śuddhaṃ maratakaprabham || 13 ||
Übersetzung: der dritte der fünften Gruppe mit Bindu den rechten, glänzend wie reiner Smaragd.
62.14
uttarordhvaṃ tu yo vidyādathottaraṃ tu homayet |
raktotpalanibhaprakhyaṃ mitaṃ nīlotpalasya tu || 14 ||
Übersetzung: Den oberen und unteren Querbalken [Anweisung teilweise gestört] erkenne man als roten und blauen Lotussen ähnlich.
62.15
bhramarayoninibhau dvau tu bhinnāñjanasamaprabham |
phaṃ phaṭ tau dvau paṭakośau tuṣārarajataprabhau || 15 ||
Übersetzung: Bhramara und Yoni wie zerriebene Augenschminke; phaṃ und phaṭ als Flügel und Hülle, schnee- und silberhell.
62.16
vajrakavāṭamākhyātaṃ vai locane yaśasvinī |
vidhānaṃ tu pravakṣyāmi vatsa tvaṃ śṛgu sāṃpratam || 16 ||
Übersetzung: So der diamantene Verschluss am Auge, Yashasvini. Höre nun seine Vorschrift.
62.17
kavāṭastambhaṃ samākhyātaṃ vāmastambhamudāhṛtam |
jāraṃ binduśikhākrāntaṃ tṛtīyasvarasaṃyutam || 17 ||
Übersetzung: Der linke Pfosten wird beschrieben: „jara“ [Lautcode unklar], mit Bindu überhöht und drittem Vokal,
62.18
binduśekharapīṭhaṃ vā rajapākaratha prabham |
lale bhramarayonī dvau atasī bhṛṅgasannibham || 18 ||
Übersetzung: mit Bindu-Scheitel oder -Sitz [Farbwort beschädigt]. Yoni und Bhramara gleichen Flachsblüte und Biene.
62.19
pañcadaśaṃ ṣoḍaśaṃ ca śaṅkhaśuddhisamaprabham |
puṭakośau samākhyātau mahadagrau ca siddhidau || 19 ||
Übersetzung: Der fünfzehnte und sechzehnte, muschelweiß, sind Flügel und Hülle, höchste Vollkommenheitspender.
62.20
alaṃ vajrakavāṭaṃ tu pravakṣyāmi samāsataḥ |
anilāccaturthaṃ saṃgṛhya hutāśanasamanvitam || 20 ||
Übersetzung: Nun kurz Alambushas Verschluss: den vierten vom Windlaut nehmen, mit Feuer verbunden,
62.21
upariñjanaśaktistu śivanārāyaṇānvitam |
sūryāyuta samaprakhyaṃ alaṃvajrakavāṭakam || 21 ||
Übersetzung: darüber die [beschädigt bezeichnete] Shakti, Shiva und Narayana; wie zehntausend Sonnen leuchtend.
62.22
varuṇaṃ bindusamākhyātaṃ vāmastambhamudāhṛtam |
śuddhasphaṭikasaṃkāśaṃ dhūmajyotisvarūpiṇam || 22 ||
Übersetzung: Varuna mit Bindu ist der linke Pfosten, wie reiner Bergkristall und rauchiges Licht,
62.23
amṛtāddvitīyaṃ bījaṃ tu śaṅkhakundendu sannibham |
bindumastakamākrāntaṃ dakṣiṇastambhamucyate || 23 ||
Übersetzung: der zweite von Amrita, wie Muschel, Jasmin und Mond, mit Bindu überhöht, der rechte.
62.24
amṛtaṃ garbhasaṃyuktaṃ uttarottaramucyate |
dvādaśasvarasaṃyuktaṃ athottarameva ca || 24 ||
Übersetzung: Amrita mit Garbha bildet den oberen, mit zwölftem Vokal den unteren Querbalken.
62.25
śaṅkhakundasamaprakhyaṃ ubhau varṇau ca kīrtitau |
trayodaśāntadantaśca bhramarayonī prakīrtitau || 25 ||
Übersetzung: Beide sind muschel- und jasminhell. Der dreizehnte und [beschädigte Lautbezeichnung] heißen Bhramara und Yoni,
62.26
mṛṇālaṃ gokṣīravarṇau vāgbījaṃ tu prakīrtitau |
visargakośamākhyātaṃ tadūrdhvaṃ kokilodbhavam || 26 ||
Übersetzung: lotusstängel- und milchfarben, Sprachkeime. Visarga heißt Hülle; darüber „Kokilodbhava“ [Lautcode unklar].
62.27
visargamamṛtaṃ jñeyaṃ mṛtyuvañjanamuttamam |
varuṇa rūpaṃ tu * * amṛtādhāramucyate || 27 ||
Übersetzung: Visarga erkenne man als Amrita, höchstes Mittel zur Überlistung des Todes. Varuna-Gestalt [Lücke] heißt Amrita-Stütze.
62.28
muktānīhāranibhau dvau bījasya ca ṣaṇmukha |
vajrakavāṭamākhyātaṃ alaṃbuṣāyāḥ prakīrtitāḥ || 28 ||
Übersetzung: Die beiden Keime gleichen Perlen und Nebel. So wurde Alambushas diamantener Verschluss erklärt.
62.29
kuhavajrakavāṭaṃ tu sāṃprataṃ śṛṇu ṣaṇmukha |
vicitraṃ vistaraṃ sūkṣmaṃ paraṃ viśvasya sādhanam || 29 ||
Übersetzung: Höre nun Kuhus Verschluss, mannigfaltig, umfassend, fein, höchstes Mittel für die Welt,
62.30
saṃpradāyaṃ parahyetanmṛtyuvañjanamuttamam |
ṣaṣṭamaṃ nārasiṃhasya trailokyaṃ vismayaṃ param || 30 ||
Übersetzung: höchste Überlieferung zur Todesüberwindung. Der sechste von Narasimha ist das höchste Staunen der drei Welten,
62.31
śaḍabālamatho yuktaṃ mayācopari bhūṣitam |
śikhāhari harācoktandrutacāmīkaraprabham || 31 ||
Übersetzung: mit „Shadabala“ [unklar], darüber Maya, Hari und Hara am Scheitel, leuchtend wie flüssiges Gold.
62.32
saptamasya kavāṭaṃ tu yatpurairapi durlabham |
pāntaṃ bindusamāyuktaṃ kiñjalkasadṛśaprabham || 32 ||
Übersetzung: Der Verschluss des siebten ist selbst Göttern schwer zugänglich. Das Ende von pa mit Bindu, lotusstaubfadenhell,
62.33
vāme kavāṭastambhaṃ tu haridrārasasannibham |
lāntāntaṃ vā vijānīyātsarvamṛtyuvināśanam || 33 ||
Übersetzung: bildet den linken Pfosten, wie Kurkumasaft; „lāntānta“ [Code unklar] vernichtet alle Todesarten.
62.34
rākārasvarasaṃyuktaṃ saubhāgyena samanvitam |
uttarottaramevāhuḥ aṅguṣṭhasadṛśaprabham || 34 ||
Übersetzung: Mit ra-Vokal und Glückskraft bildet sich der obere Querbalken, daumenähnlich [Bildwort unsicher].
62.35
ekārasvarasaṃyuktaṃ ṣaṭcatvāriṃśa eva vā |
piṇḍārakasamaprakhyaṃ adharottaramucyate || 35 ||
Übersetzung: Mit e oder dem sechsundvierzigsten, wie Pindaraka: der untere Querbalken.
62.36
bhramarayoniṃ bindumastaka eva ca |
mañjiṣṭhā karṇikārābhau raktau bījasya sannibhau || 36 ||
Übersetzung: Bhramara und Yoni mit Bindu sind krapp- und karnikarafarben, zwei Keimsilben.
62.37
visargādi visargaṃ ca purakośau prakīrtitau |
gorocanāniśābhau ca samāsātparikīrtitā || 37 ||
Übersetzung: Visarga-Anfang und Visarga bilden Flügel und Hülle, wie Gorochana und Kurkuma.
62.38
kuhavajrakavāṭaṃ tu ākhyātamasuvarāvṛtam |
śaṅkhinīvajrakavāṭaṃ śṛṇu ṣaṇmukha tattvataḥ || 38 ||
Übersetzung: So Kuhus Verschluss [Schluss beschädigt]. Höre nun Shankhinis diamantenen Verschluss genau,
62.39
atiguhyaṃ paraṃ sūkṣmaṃ rahasyaṃ svaprakāśitam |
īśavargadvitīyaṃ tu kṛśānubhayasaṃyutam || 39 ||
Übersetzung: überaus geheim, höchst fein, aus sich leuchtend: der zweite der Ishvara-Gruppe mit Feuer und [unklarem Lautcode],
62.40
mithyācordhvaṃ tu saṃveṣṭyaṃ pralayasthiti saṃyutam |
śvetapaṅkajasaṃkāśaṃ himakundendusaprabham || 40 ||
Übersetzung: darüber umschlossen von „Mithya“ [wohl verderbt], mit Auflösung und Erhaltung verbunden, weiß wie Lotus, Schnee, Jasmin und Mond.
62.41
meḍhrasyaiva tu mūle tu ghaṭayetsusamāhitaḥ |
jīvabindusamāyuktaṃ vāmastambhamudāhṛtam || 41 ||
Übersetzung: An der Wurzel des Geschlechtsteils füge man ihn gesammelt. Jiva mit Bindu ist der linke Pfosten,
62.42
jīvadīrgha samāyuktaṃ dakṣiṇastambhamucyate |
- * * * nibhau dvau tu varṇataḥ parikīrtitau || 42 ||
Übersetzung: Jiva mit langem Vokal der rechte; beide gleichen [Textlücke] in ihrer Farbe.
62.43
ekādaśasvarasaṃyuktaṃ śuklavarṇau prakīrtitau |
jīvo vā dvādaśopeta śaśivarṇaḥ prakīrtitaḥ || 43 ||
Übersetzung: Mit elftem Vokal sind sie weiß; Jiva mit zwölftem ist mondfarben.
62.44
ūrdhvottaraṃ pūrvaṃ syāt paraścādharottaram |
yonibhramarabījantu trayodaśa caturdaśa || 44 ||
Übersetzung: Das erste bildet den oberen, das andere den unteren Querbalken. Yoni und Bhramara sind der dreizehnte und vierzehnte,
62.45
indrāyudhasamaprakhyau ubhau tau varṇakīrtitau |
śaṃ śaṃ puṭaho haṃ śaṃ hi śaṅkhakundasamaprabhau || 45 ||
Übersetzung: beide regenbogenfarben. „śaṃ śaṃ … haṃ śaṃ“ [beschädigte Flügel-/Hüllenformel], muschel- und jasminhell.
62.46
śaṅkhinīvajrakavāṭamākhyātaṃ tava ṣaṇmukha |
saṃghaṭya ca vidhānena pūrvaṃ saṃvatsaraṃ guha || 46 ||
Übersetzung: So wurde dir Shankhinis Verschluss erklärt. Füge ihn zunächst ein Jahr lang vorschriftsgemäß,
62.47
paścānmṛtyuñjayaṃ yogaṃ abhyasedvatsa rāṣṭrakam |
ajarāmaratvamāpnoti iti satyaṃ ṣaḍānana || 47 ||
Übersetzung: danach übe den todesüberwindenden Yoga [Zeitwort beschädigt]. Man erlangt Freiheit von Alter und Tod: wahrlich, Sechsgesichtiger.
iti kālottare vajrakavāṭalakṣaṇapaṭalo dviṣaṣṭitamaḥ || 62 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 62 über „Weitere Merkmale der diamantenen Pforte“.
Kapitel 63 – Konzentration auf die Öffnung der Pforte
63.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
vajrakavāṭaiḥ saṃghaṭya daśadvāreṣu dhīmataḥ |
kavāṭastambhairuttarairyonibhramarameva ca || 1 ||
Übersetzung: Ishvara sprach: Der Verständige füge diamantene Verschlüsse an den zehn Toren, mit Pfosten, Querbalken, Yoni und Bhramara,
63.2
paṭakośaiḥ samastaiśca avyagreṇa ṣaḍānana |
paścānmṛtyuñjayaṃ yogamabhyasedekamānasaḥ || 2 ||
Übersetzung: Flügeln und Hüllen, ohne Zerstreuung. Danach übe er mit einheitlichem Geist den todesüberwindenden Yoga.
63.3
ekānte nirjane deśe vātātapavivarjite |
na daṃśamaśakākīrṇe sarvopadravavarjite || 3 ||
Übersetzung: An einem einsamen menschenleeren Ort, geschützt vor Wind und Sonne, ohne Stechfliegen, Mücken und sonstige Störungen,
63.4
sudṛḍhe mālikāyāṃ tu prāsādabhavaneṣu vā |
apavarge śubhe śliṣṭe saṃkaṭe sumanohare || 4 ||
Übersetzung: in einer festen Malika oder einem Palastgebäude, in einem schönen abgeschiedenen, geschlossenen und angenehmen Raum,
63.5
pūṣaikaśayane śubhre divye samadine śubhe |
āstīryāstaraṇe divye hastamātrāyate śubhe || 5 ||
Übersetzung: auf einem reinen schönen Einzelplatz [Wortlaut gestört], mit guter Unterlage von einer Hasta Länge,
63.6
vistāraṃ ratnimātraṃ tu puruṣaikasukhāsane |
pūrvāhno prāṅmukho bhūtvā madhyāhne cottarāmukhaḥ || 6 ||
Übersetzung: einer Ratni Breite, bequem für einen Menschen: vormittags nach Osten, mittags nach Norden,
63.7
aparāhṇe paścimamukho bhūtvā yogaṃ samabhyaset |
svastikaṃ cāsanaṃ baddhvā padmāsanamathāpi vā || 7 ||
Übersetzung: nachmittags nach Westen gewandt übe man, in Svastikasana oder Padmasana.
63.8
samagrīvaśiro bhūtvā samodarahṛdi sthitiḥ |
samapārśvobhyuraścaiva dantairdantānna saṃspṛśet || 8 ||
Übersetzung: Hals und Kopf gerade, Bauch und Herz ausgerichtet, Seiten und Brust eben; die Zähne berühren einander nicht.
63.9
gajajihvāṃ tu kṛtvā tu nāsāgramavalokayet |
kapālāṅgadvyaṅgulatvādadhastāccakramuttamam || 9 ||
Übersetzung: Mit „Elefantenzunge“ schaue man auf die Nasenspitze. Zwei Angula unter dem Schädelteil [Bezug unklar] liegt das höchste Chakra,
63.10
idaṃ cakraṃ na jānanti viṣṇubrahmādayaḥ surāḥ |
ṛṣividyādharaiḥ siddhaiḥ kiṃ punaḥ kṣudramānasaiḥ || 10 ||
Übersetzung: das selbst Vishnu, Brahma, Götter, Rishis, Vidyadharas und Siddhas nicht kennen, geschweige denn kleinmütige Menschen.
63.11
śvetapadmaṃ paraṃ śuddhaṃ ṣoḍaśairdalaśobhitam |
karṇikākesaropetaṃ vitastimātraṃ tu vistaram || 11 ||
Übersetzung: Ein reiner weißer Lotus mit sechzehn Blättern, Fruchtboden und Staubfäden, eine Vitasti breit;
63.12
karṇikācaturaṅgulyaṃ aṅgulotsedhamuttamam |
atiguhyaṃ paraṃ sūkṣmaṃ mṛtyunāśanabījakam || 12 ||
Übersetzung: sein Fruchtboden vier Angula breit und einen hoch. Die geheime feinste todesvernichtende Keimsilbe
63.13
pravakṣyāmi sukhopāyaṃ śṛṇu ṣaṇmukha tattvataḥ |
aṣṭādaśamahābījaṃ śaṅkhakundendusannibham || 13 ||
Übersetzung: erkläre ich als leichtes Mittel. Höre genau: die achtzehnte große Keimsilbe, hell wie Muschel, Jasmin und Mond,
63.14
pralayānalasaṃyuktaṃ pralayodarasaṃyutam |
trayodaśāntasaṃyuktaṃ ṣaṣṭhena tu samanvitam || 14 ||
Übersetzung: mit Weltauflösungsfeuer, Auflösungsinnerem, dem dreizehnten Ende und dem sechsten verbunden,
63.15
bindunādasamāyuktaṃ mṛtyunāśanamuttamam |
etadeva paraṃ brahma etadeva paraṃ śivam || 15 ||
Übersetzung: mit Bindu und Nada: höchstes Mittel zur Todesvernichtung. Dies ist das höchste Brahman, der höchste Shiva.
63.16
etanmṛtyuñjayaṃ bījaṃ rahasyaṃ paramadbhutam |
tasya sāraṃ pravakṣyāmi mṛtyunāśanameva ca || 16 ||
Übersetzung: Dies ist die wundersame geheime Todesüberwindungskeimsilbe. Ihren Kern erkläre ich nun.
63.17
dvātriṃśaduddhṛtaṃ vatsa pratilomaṃ ṣaḍānana |
saṃhārarudrasaṃyuktaṃ kṛśānuntatsukhāyatam || 17 ||
Übersetzung: Der zweiunddreißigste wird rückläufig gewonnen, mit Samhararudra und Feuer verbunden [Schluss beschädigt],
63.18
pralayodakasaṃyuktaṃ trayodaśāntena saṃyutam |
bindunādaśikhāyuktaṃ tasyādhāramudāhṛtam || 18 ||
Übersetzung: mit Auflösungswasser, dreizehntem Ende, Bindu und Nada am Scheitel: dies ist ihre Stütze.
63.19
khagau pūrvadale nyasya khāgabhraśadale nyaset |
khiṅgiṃ cāgnidale nyasya khīgī ca vitayairnyaset || 19 ||
Übersetzung: Kha und ga auf dem Ostblatt, khā und gā auf dem Bhramsha-Blatt, khi und gi auf Agnis Blatt, khī und gī auf Vitatha.
63.20
khugudvai vaivasvatadale khugūdvai bhṛṅgarājake |
khṛgṛdvai tu nir-ṛtadale khṝgṝsugrīvagocare || 20 ||
Übersetzung: Khu und gu auf Yamas Blatt, khū und gū auf Bhringaraja, khṛ und gṛ auf Nirriti, khṝ und gṝ auf Sugriva.
63.21
khḷgḹdvau bāṇa-ive khḷgḹ śeṣadale nyaset |
khe ge vāyudale nyasya khai gai vā mukhyadale nyaset || 21 ||
Übersetzung: Khḷ und gḹ auf „Bana“ [Ort und Vokallängen gestört], dasselbe Paar auf Shesha, khe und ge auf Wind, khai und gai auf Mukhya.
63.22
kho go somadale nyasya khau gau atithigocare |
khaṃ gaṃ īśadale nyasya khaḥ gaḥ jayadale nyaset || 22 ||
Übersetzung: Kho und go auf Soma, khau und gau auf Atithi, khaṃ und gaṃ auf Ishana, khaḥ und gaḥ auf Jaya.
63.23
sarve bindusamāyuktāḥ sarve nādasamanvitāḥ |
visargau visarjanīyau sa rājā deśikottamaḥ || 23 ||
Übersetzung: Alle sind mit Bindu und Nada verbunden; die beiden Visargas werden ausgesendet. [Schluss über König und höchsten Lehrer unklar.]
63.24
sarve bhṛṅganibhā vatsa ādhārādheyameva tu |
atasīkusumaprakhyaṃ viśeṣaṃ bījamīśvaram || 24 ||
Übersetzung: Alle sind bienenfarben, Stütze und Gestütztes; die besondere göttliche Keimsilbe gleicht einer Flachsblüte.
63.25
mṛtyuñjayaṃ śvetavarṇaṃ uccāre śvetavarṇakam |
hrasvāśceti nibhā vatsa dīrghā maratakaprabhāḥ || 25 ||
Übersetzung: Mrityunjaya ist weiß, auch beim Aussprechen; kurze Laute gleichen [Farbwort beschädigt], lange glänzen wie Smaragd.
63.26
visargaṃ gokṣīradhavalaṃ śaṅkhakundendusaprabham |
śaśinī saṃpuṭī kṛtya binduyuktena ṣaṇmukha || 26 ||
Übersetzung: Visarga ist milch-, muschel-, jasmin- und mondweiß; mit dem Mondlaut umschließen, mit Bindu verbunden.
63.27
yavargasya caturthaṃ tu kālānalasamanvitam |
śvetapadmoparisthaṃ tu pūrṇacandrasuśobhanam || 27 ||
Übersetzung: Der vierte der ya-Gruppe mit Zeitfeuer steht auf dem weißen Lotus und glänzt wie der Vollmond.
63.28
atha padmopariṣṭāttu ṣaṭpadaṃ śyāmavarṇakam |
atikṛṣṇaṃ romakūpe tu mṛtyuṃ palitanāśanam || 28 ||
Übersetzung: Über dem Lotus eine dunkle Biene; tiefschwarz in den Haarporen vernichtet sie Tod und Ergrauen.
63.29
mntrodaraṃ tu kṣetrajñaṃ mṛtyuṃ palitanāśanam |
mantrodaraṃ tu kṣetrajñaṃ nayeddhṛllekhayā budhaḥ || 29 ||
Übersetzung: Den Feldkenner im Mantra-Inneren, Tod und Ergrauen vernichtend [Wiederholung], führe der Verständige mit Hrillekha ins Mantra-Innere.
63.30
padmakoṭaramadhye tu bījakoṭaramadhyame |
śvetaṃ samudraphenābhaṃ satataṃ cintayedbudhaḥ || 30 ||
Übersetzung: In der Höhlung des Lotus und der Keimsilbe denke man beständig das Weiße, wie Meeresschaum.
63.31
trisandhyamekaṃ caturyāme caturghaṭikamabhyaset |
- * catuṣṭaye jīve valīpalitavarjitaḥ || 31 ||
Übersetzung: Zu drei Tagesübergängen und in der vierten Nachtwache je vier Ghatika üben; [Zeitangabe verloren] lebt man ohne Falten und graues Haar.
63.32
dviraṣṭavarṣākṛtirbhūtvā vicaretkāmadevavat |
ghaṭikādvayaṃ trisandhyaṃ tu dhyāyenmaratakaprabham || 32 ||
Übersetzung: Sechzehnjährig aussehend wandelt man wie Kama. Je zwei Ghatika zu drei Tagesübergängen meditiere man das Smaragdglänzende,
63.33
ātmānaṃ trayasaṃveśya saṃpuṭīkṛtya cendunā |
punarvai romakūpe tu mayūragalavadbhavet || 33 ||
Übersetzung: setze sich selbst in die Drei ein und umschließe mit dem Mond; in den Haarporen erscheint es wie Pfauenhals.
63.34
amṛtena romakūpe tu pūrayeddeśikottamaḥ |
trisandhyāyāṃ dvināḍīṃ tu caturthāme ṣaḍānana || 34 ||
Übersetzung: Der höchste Lehrer fülle die Haarporen mit Amrita; zu drei Tagesübergängen zwei Nadi und in der vierten Wache,
63.35
- * * ghaṭikānyasen mṛtyunāśanamuttamam |
vajrakavāṭe ghaṭṭayitvā daśavāraṃ samā bhavet || 35 ||
Übersetzung: [Anzahl fehlt] Ghatika: höchste Todesvernichtung. Die diamantenen Verschlüsse füge man an zehn Toren [Vorlage: zehnmal].
63.36
hṛtsaroruhamadhye tu puruṣaṃ pañcaviṃśakam |
kapālapātre cānīya varṇike * * * * * || 36 ||?
Übersetzung: Den fünfundzwanzigsten Purusha aus dem Herzlotus führe man in die Schädelschale, in den Fruchtboden [Textlücke].
63.37
amṛtākhye parijīne udare mṛtyunāśane |
nikṣipya saṃpuṭe dhīmān pūrayitvā samāhitaḥ || 37 ||
Übersetzung: In das Amrita genannte, todesvernichtende Innere lege man ihn, umschließe und fülle gesammelt.
63.38
tatraiva sparśanaṃ jīrṇaṃ mantramuddhārya vai guha |
caturthe * * * * * māyānnirbindusaṃyutam || 38 ||
Übersetzung: Dort [beschädigte Berührungsanweisung], den Mantra erschließend; im vierten [Lücke], mit Maya und ohne Bindu [Lesung unsicher],
63.39
mayūragulikaprakhyaṃ nīlajīmūta saprabham |
yugapatkramaśo vāpi palīpalitanāśanam || 39 ||
Übersetzung: wie Pfauenhals und dunkle Regenwolke, zugleich oder nacheinander, zur Vernichtung von Falten und grauem Haar.
Unnummerierte Passage: sa jīvet pañcasahasraṃ tu dviraṣṭavarṣākṛtiḥ |
Übersetzung: Man lebt fünftausend [Jahre] mit dem Aussehen eines Sechzehnjährigen. Damit endet im Abschnitt über den diamantenen Verschluss das dreiundsechzigste Kapitel über die Konzentration auf die Verschlussöffnung.
iti kālottare vajrakavāṭalakṣaṇe kavāṭarandhradhāraṇapaṭalaḥ triṣaṣṭi namaḥ || 63 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 63 über „Konzentration auf die Öffnung der Pforte“.
Kapitel 64 – Konzentration zwischen den Augenbrauen und Stilllegung von Heeren
64.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
bhruvormadhye mahāpadmaṃ mahārajatasaprabham |
dalaiḥ ṣoḍaśabhiryuktaṃ pralayāgnisamanvitam || 1 ||
Übersetzung: Ishvara sprach: Zwischen den Brauen ein großer silberglänzender Lotus mit sechzehn Blättern und Weltauflösungsfeuer,
64.2
kalpāntānalasaṃyuktaṃ kalpāntādityasaṃyutam |
caturdaśasamopetaṃ ṣaṣṭhena tu samanvitam || 2 ||
Übersetzung: mit Feuer und Sonne des Kalpa-Endes, dem vierzehnten und sechsten verbunden,
64.3
hariharasamāyuktaṃ kūṭaṃ vai mṛtyunāśanam |
koṭisūryasamaprakhyaṃ mahāmāṇikyasannibham || 3 ||
Übersetzung: mit Hari und Hara: die todesvernichtende Lautgruppe, wie zehn Millionen Sonnen und großer Rubin.
64.4
karṇikāyāṃ nyaseddevaṃ paramādityarūpakam |
viṣṇuṃ brahmāgamevāhuḥ śivamāhurmanīṣiṇaḥ || 4 ||
Übersetzung: Im Fruchtboden setze man den Gott als höchste Sonne ein; im Brahma-Agama heißt er Vishnu, Weise nennen ihn Shiva.
64.5
atirahasyaṃ paraṃ guhyaṃ paramātmasvarūpakam |
ārya ātmā jagataḥ tasthuṣaśca paraṃ mahat || 5 ||
Übersetzung: Höchst geheim ist diese Gestalt des höchsten Selbst, das erhabene Selbst des Beweglichen und Unbeweglichen.
64.6
sarveṣāmiḍādidevānāṃ ādityāditya ucyate |
sarvaṃ māheśvaraṃ rūpaṃ hitamādityarūpakam || 6 ||
Übersetzung: Unter allen Göttern von Ida an heißt er Sonne der Sonnen. Alles ist Maheshvaras heilbringende Sonnengestalt.
64.7
vāñchitaṃ cābhyasedvatsa mṛtyunāśanamuttamam |
prajāpatiraṣṭamaṃ bījaṃ hutabhugbindusaṃyutam || 7 ||
Übersetzung: Man übe die gewünschte höchste Todesvernichtung. Prajapatis achte Keimsilbe mit Feuer und Bindu,
64.8
agastyodakasaṃyuktaṃ sthitisaṃhārasaṃyutam |
anādhāramidaṃ bījaṃ sarvaduḥkhavināśanam || 8 ||
Übersetzung: mit Agastyas Wasser, Erhaltung und Auflösung: diese stützenlose Keimsilbe vernichtet alle Leiden.
64.9
saṃpuṭīkṛtya śaśinā yaccaturthena dhīmatā |
māyāgnibindusaṃyuktaṃ saṃpuṭīkṛtya cintayet || 9 ||
Übersetzung: Mit Mond und dem vierten umschlossen, mit Maya, Feuer und Bindu verbunden, meditiere man sie.
64.10
ṣaḍabdamabhyasedvatsa trikālaṃ nityameva ca |
ṣaṣṭirghaṭikayogīndraḥ kālastadavalambya tu || 10 ||
Übersetzung: Sechs Jahre übe man täglich dreimal. Sechzig Ghatika werden als Zeit genannt [Bezug zur Einzelübung unklar].
64.11
daleṣu bījān vakṣyāmi samāsācchṛṇu ṣaṇmukha |
pūrvādārabhya vidhinā nyasetsarvānsamāhitaḥ || 11 ||
Übersetzung: Nun die Keime auf den Blättern, kurz: vom Osten beginnend alle gesammelt einsetzen,
64.12
dvau dvau caikadale nyasya avyagreṇa tu suvrata |
abhimukhaṃ mantrarājasya sthāpya ca dhyāyayedguha || 12 ||
Übersetzung: je zwei auf ein Blatt, unzerstreut, dem Mantrakönig zugewandt, und meditieren.
64.13
cajanyasedbindudale mārtāṇḍodaya saprabham |
cājānyasedbhṛṅgadale kiñjalkasadṛśaprabhau || 13 ||
Übersetzung: Ca und ja auf Bindu [wohl Richtungsname gestört], wie Sonnenaufgang; cā und jā auf Bhringa, wie Lotusstaubfäden,
64.14
cijinyasedagnidale kāśmīrasadṛśaprabhau |
cījīnyasedvitathe tu bālārkasadṛśaprabhau || 14 ||
Übersetzung: ci und ji auf Agni, safranfarben; cī und jī auf Vitatha, wie junge Sonne,
64.15
chuju varuṇadale nyasya bandhūkakusumaprabhau |
chūjū śeṣe tu vinyasya kākavarṇasamaprabhau || 15 ||
Übersetzung: chu und ju auf Varuna, wie Bandhuka; chū und jū auf Shesha, krähenfarben. [Wechsel ca/cha und fehlende Zwischenpaare der Vorlage.]
64.16
che je vāyudale nyasya bhṛṅgavarṇasamaprabhau |
chai jai ballāṭake nyasya kujavarṇasamaprabhau || 16 ||
Übersetzung: Che und je auf Wind, bienenfarben; chai und jai auf Bhallata, marsfarben,
64.17
chojo some tu vinyasya nandyā vartasamaprabhau |
chau jau aditau vinyasya nīvārasadṛśaprabhau || 17 ||
Übersetzung: cho und jo auf Soma, wie Nandyavarta; chau und jau auf Aditi, wie Nivara,
64.18
chaṃ jamīśe tu vinyasya muktāphalasamaprabhau |
chaḥ jaḥ jaṭenyaseddvau tu śuddhasphaṭikasannibhauḥ || 18 ||
Übersetzung: chaṃ und jaṃ auf Ishana, perlenhell; chaḥ und jaḥ auf Jata [unsicher], wie reiner Bergkristall.
64.19
etatsarvaṃ nyasenmanāṅnyasya dhyāyenmuhurmuhuḥ |
indraṃ nāsāpuṭīkṛtya dhyāyennityamatantritaḥ || 19 ||
Übersetzung: Alles geistig einsetzen und wiederholt meditieren; Indra in die Nasenhülle einfügen [Text unklar], stets unermüdlich meditieren.
64.20
pūrayitvā tu vidhivat kumbhakena tu bhāvayet |
bhāvayettu pṛthaṅmantrī mṛtyuṃ jīyānna saṃśayaḥ || 20 ||
Übersetzung: Vorschriftsgemäß einfüllen und mit Atemhalten vergegenwärtigen. Der Mantrakundige meditiere gesondert und überwindet den Tod.
64.21
tadvījamamṛtaṃ dhyātvā romakūpeṣu bhṛṅgavat |
samyaggaṃ yaṃ daśadvāraṃ vāpitān saṃyahluṃ prati || 21 ||
Übersetzung: Die Keimsilbe als Amrita, bienenartig in den Haarporen denken; [beschädigte Anweisung zum Schließen der zehn Tore].
64.22
mayūragalakaprakhyaṃ amṛtaṃ bhṛṅgasannibham |
romakūpeṣu sarveṣu pūrayitvā tu cintayet || 22 ||
Übersetzung: Amrita wie Pfauenhals und Biene in sämtliche Haarporen einfüllen und meditieren.
64.23
trisandhyaṃ ṣaṭca ṣaṇṇāḍīṃ caturthaṃ vāmake guha |
avyagreṇaiva manasā bhāvayedvatsarāṣṭrakam || 23 ||
Übersetzung: Zu drei Tagesübergängen je sechs Nadi und in der vierten Wache links [unklar], unzerstreut acht Jahre [Lesung gestört] vergegenwärtigen.
64.24
palitastambhayogantu rahasyaṃ na prakāśitam |
ravicandrāgnimadhyasthaṃ padmasyoparikarṇike || 24 ||
Übersetzung: Dieser geheime Yoga gegen Ergrauen wurde nicht veröffentlicht. Zwischen Sonne, Mond und Feuer, oben im Lotusfruchtboden,
64.25
jīveśaṃ dhārayennityaṃ ghaṭikā sapta eva ca |
ghaṭikādvayaṃ dalaṃ bījaiḥ kramādvarṇaṃ sadaivatam || 25 ||
Übersetzung: halte man den Herrn des Lebens sieben Ghatika; zwei Ghatika die Blätter mit Keimen, Farben und Gottheiten der Reihe nach.
64.26
rudrāṃścaikādaśa caiva dvādaśādityā eva ca |
vasavaścāṣṭabhiścaiva aśvinau dvau yathākramam || 26 ||
Übersetzung: Elf Rudras, zwölf Adityas, acht Vasus und die beiden Ashvins nacheinander,
64.27
atiśukraṃ paraṃ sūkṣmaṃ ātmatantraṃ niveśayet |
sarve te dhavalaprakhyāṃ mṛtyunāśanakarmaṇi || 27 ||
Übersetzung: höchst hell, fein, im eigenen System einsetzen [Begriff unklar]. Zur Todesvernichtung sind alle weiß,
64.28
sarve te bhṛṅgavarṇāstu palitastambhe ṣaḍānana |
śaṅkhakundendudhavalaṃ mokṣārthaṃ cintayetsadā || 28 ||
Übersetzung: gegen Ergrauen bienenfarben; zur Befreiung stets weiß wie Muschel, Jasmin und Mond.
64.29
vaśye tu raktavarṇaṃ syādākarṣeṇa tuśyāmakam |
vidveṣaṇe dhūrmavarṇaṃ uccāṭe kṛṣṇavarṇakam || 29 ||
Übersetzung: Zur Beeinflussung rot, zum Heranziehen dunkel, zur Entzweiung rauchfarben, zur Vertreibung schwarz,
64.30
stambhe tu pītavarṇaṃ syāt mohane kālavarṇakam |
chedane śikrośinibhaṃ cāṣṭavarṇaṃ tu bhedane || 30 ||
Übersetzung: zum Stillsetzen gelb, zur Verblendung tiefschwarz, zum Durchschneiden [Farbwort beschädigt], zum Spalten achtfarbig,
64.31
āveśyāmavarṇakaṃ tu senāstambhe tu raktakam |
jvālāmālāsahasraiśca dābhaścantruṃmāhave || 31 ||
Übersetzung: zum Eindringen [Farbe beschädigt], zum Heeresstillstand rot. Mit tausenden Flammenketten verbrenne man den Feind im Kampf [Ritualvorstellung].
64.32
kālāgnīva saṃcintya śatrusenāvināśinī |
mastake śāstrobhyaśikhābandhantu rajjunā ? || 32 ||
Übersetzung: Als Zeitfeuer meditiere man die feindliche Heere vernichtende Kraft; am Kopf Waffen und eine mit Schnur gebundene Haarlocke [Satz gestört].
64.33
ghṛṃkṣennāśena vai vatsa sadākrānte hṛdi sthitiḥ |
ākarṣaṇe prayogoyaṃ vaśye vādena ghaṭṭayet || 33 ||
Übersetzung: [Beschädigte Formel und Nasenangabe.] Sie ruht im Herzen; dies ist die Anwendung zum Heranziehen, zur Beeinflussung [Schluss unklar].
64.34
āgneyena tu vaśyaṃ syādākarṣo vāyuvahninā |
uccāṭane viśeṣeṇa vāyavyena ṣaḍānana || 34 ||
Übersetzung: Mit Feuer Beeinflussung, mit Wind und Feuer Heranziehung, besonders mit Wind Vertreibung,
64.35
vāyuvahnisamāyogādvidveṣo yāti niścayam |
stambhe māhendramevoktaṃ mohe vāyavyeśānataḥ || 35 ||
Übersetzung: mit Wind und Feuer Entzweiung, mit Indra Stillsetzen, mit Wind und Ishana Verblendung.
64.36
vahnimāhendrasaṃyogādāhave jayamāpnuyāt |
agnimaṇḍalamadhyasthaṃ tanmadhyeśakramaṇḍalam || 36 ||
Übersetzung: Mit Feuer und Indra Sieg im Kampf: im Feuermandala das Indra-Mandala,
64.37
trailokyabījaṃ tanmadhye parivāraiśca saṃyutam |
jvālāmālāsahasraiśca dahetparacamūṃ guha || 37 ||
Übersetzung: darin den Dreiweltenkeim samt Gefolge; mit tausenden Flammenketten verbrenne er das feindliche Heer.
64.38
daśaguṇaṃ mahāsena rathavājigajānapi |
vijitvā parasenāṃ tu supure sukhamedhate || 38 ||
Übersetzung: Auch ein zehnfaches Heer mit Wagen, Pferden und Elefanten besiege man und gedeihe glücklich in der eigenen Stadt.
iti kālottare vajrakavāṭalakṣaṇe bhruvormadhyadhāraṇasenāstambhapaṭalaścatuḥ ṣaṣṭitamaḥ || 64 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 64 über „Konzentration zwischen den Augenbrauen und Stilllegung von Heeren“.
Kapitel 65 – Weitere Konzentrationsformen
65.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
tālurandhrarutaṃ cānnaṃ ṣoḍaśairdalaśobhitam |
karṇikākesaropetaṃ tuṣārarajataprabham || 1 ||
Übersetzung: Ishvara sprach: An der Gaumenöffnung [Anfang beschädigt] liegt ein sechzehnblättriger Lotus mit Fruchtboden und Staubfäden, schnee- und silberhell,
65.2
vitastimātravistāraṃ karṇikācaturaṅgulam |
utsedhaṃ karṇikāyāṃ tu īṣaccāmīkaraprabham || 2 ||
Übersetzung: eine Vitasti breit, sein Fruchtboden vier Angula; dessen Höhe [Maß fehlt], leicht golden glänzend.
65.3
tatramadhye sthitaṃ devaṃ śaṅkhacakragadādharam |
dhyāyennārāyaṇaṃ devaṃ śaṅkhagokṣīrasannibham || 3 ||
Übersetzung: In seiner Mitte meditiere man Narayana mit Muschel, Diskus und Keule, weiß wie Muschel und Kuhmilch,
65.4
aṅguṣṭhamātramacalaṃ nirvikalpaṃ nirañjanam |
sarvajñaṃ sarvagaṃ śāntaṃ sarvatokṣiśiromukham || 4 ||
Übersetzung: daumengroß, unbewegt, unterschiedslos, makellos, allwissend, allgegenwärtig, friedvoll, mit Augen, Köpfen und Gesichtern überall.
65.5
prājāpaterdvādaśaṃ gṛhya kalpāntena samanvitam |
kalpodakasamāyuktaṃ sthitisaṃhāra saṃyutam || 5 ||
Übersetzung: Prajapatis zwölften nehme man, mit Kalpa-Ende, Auflösungswasser, Erhaltung und Auflösung verbunden.
65.6
sākṣādamṛtarūpaṃ tu nārāyaṇamanāmayam |
sthitiṃ rūpaṃ paraṃ hyetat somarūpamidaṃ param || 6 ||
Übersetzung: Unmittelbar Amrita ist der leidlose Narayana, höchste Erhaltungsgestalt, höchste Mondgestalt.
65.7
karṇikāyāṃ nyaseddevaṃ sarvakāraṇakāraṇam |
mṛtyuñjayamidaṃ vatsa satatābhyāsayogataḥ || 7 ||
Übersetzung: Im Fruchtboden setze man ihn ein, die Ursache aller Ursachen. Durch beständiges Üben ist dies Todesüberwindung.
65.8
tasyādhāraṃ pravakṣyāmi tattvataḥ śṛṇu ṣaṇmukha |
prajāpatestrayodaśaṃ gṛhya dvimātreṇa ca saṃyutam || 8 ||
Übersetzung: Nun seine Stütze: Prajapatis dreizehnten, mit zwei Matra verbunden,
65.9
atyuṣṇena samopetaṃ mahārogasamanvitam |
atiśītena saṃyuktaṃ rudraviṣṇusamanvitam || 9 ||
Übersetzung: mit höchster Hitze, „großer Krankheit“ [wohl verderbter Lautcode], höchster Kälte, Rudra und Vishnu.
65.10
amṛtādhāramevaṃ tu sākṣādgaruḍarūpiṇam |
viṣasaṃharaṇaṃ bījaṃ sthāvaraṃ jaṅgamaṃ ca yat || 10 ||
Übersetzung: So die Amrita-Stütze in Garudas Gestalt, Keimsilbe gegen pflanzliches und tierisches Gift,
65.11
kṛtrimaṃ copavītaṃ ca annapānādiyojitam |
dvau kūṭena mahāsena vāsukerviṣanāśanam || 11 ||
Übersetzung: künstliches und über Kleidung [Lesung unsicher], Speisen oder Getränke beigebrachtes Gift; die beiden Lautgruppen vernichten Vasukis Gift.
65.12
mūrdhni ca hṛdi nābhau ca reṇyai viṣanāśanam |
kūṭamuccārya matimān tisrorekhāstu kārayet || 12 ||
Übersetzung: Am Kopf, Herzen und Nabel [weiteres Wort beschädigt] vernichten sie Gift. Unter Aussprache der Lautgruppe zeichne man drei Linien,
65.13
oṣṭhakenādivikramya nirviṣaṃ bhavati kṣaṇāt |
rātrau cāṣṭottaraśataṃ japtvā niśśaṅkhayā japet || 13 ||
Übersetzung: mit der Lippe [Handlung unklar]; sofort verschwindet das Gift. Nachts 108-mal rezitieren, ohne Zweifel.
65.14
viṣāntannākṛte dehe piśācabhūtagrahādibhiḥ |
abhimantryānnena bhoktavyaṃ pādaṃ caivocidaṃśakam || 14 ||
Übersetzung: Bei Gift im Körper, Pishachas, Bhutas und besetzenden Mächten besprochene Speise essen; [Rest über Viertel und Biss beschädigt].
65.15
saptābhimantritaṃ kṛtvā sukhajīrṇakṛtaṃ viṣam |
parivāraṃ tasya vakṣyāmi sāṃprataṃ śṛṇu ṣaṇmukha || 15 ||
Übersetzung: Siebenmal besprochen wird Gift leicht verdaut. Höre nun das Gefolge.
65.16
ṭhaḍa nyasedindradale gokṣīrasadṛśaprabhau |
ṭhāḍānyasedbhṛṅgavatsa bandhūkakusumaprabhau || 16 ||
Übersetzung: Ṭha und ḍa auf Indras Blatt, milchhell; ṭhā und ḍā auf Bhringa, bandhukarot,
65.17
ṭhi ḍi nyasedagnidale aśokakusumaprabhau |
ṭhī ḍī vitathe nyasedbhadra atasīkusumaprabhau || 17 ||
Übersetzung: ṭhi und ḍi auf Agni, ashokafarben; ṭhī und ḍī auf Vitatha, flachsblütenfarben,
65.18
ṭhu ḍu nyasedyāmyadale viṣṇukrāntisamaprabhau |
ṭhū ḍū nyasedbhṛṅgarāja bhṛṅgavarṇasamaprabhau || 18 ||
Übersetzung: ṭhu und ḍu auf Yama, vishnukrantifarben; ṭhū und ḍū auf Bhringaraja, bienenfarben,
65.19
ṭhṛ ḍṛ nyasennair-ṛtyāṃ tu nīlajīmūta saprabhau |
ṭhṝ ḍṝ nyasetkarṇikāra samaprabhau ? || 19 ||
Übersetzung: ṭhṛ und ḍṛ auf Nirriti, regenwolkendunkel; ṭhṝ und ḍṝ [Ort fehlt], karnikarafarben,
65.20
ṭhḷ ḍḷ nyasedvāruṇyāṃ tu gokṣīrasadṛśaprabhau |
ṭhḷ ḍḷ nyasecca śeṣe tu māñjiṣṭha sadṛśaprabhau || 20 ||
Übersetzung: ṭhḷ und ḍḷ auf Varuna, milchhell; dasselbe Paar auf Shesha, krappfarben [Längenunterschied fehlt],
65.21
ṭhe ḍe nyasenmārute tu nīlotpala samaprabhau |
ṭhai ḍai nyasenmukhye tu pāṭalīkusumaprabhau || 21 ||
Übersetzung: ṭhe und ḍe auf Wind, blaulotusfarben; ṭhai und ḍai auf Mukhya, pataliblütenfarben,
65.22
ṭho ḍo nyasedvai some tu kundapuṣpa samaprabhau |
ṭhau ḍau nyasededi tau tu japāyā kusumaprabhau || 22 ||
Übersetzung: ṭho und ḍo auf Soma, jasminhell; ṭhau und ḍau auf Aditi, hibiskusfarben,
65.23
ṭhaṃ ḍaṃ nyasedīśe tu nandyāvarta samaprabhau |
ṭhaḥ ḍaḥ dve dvinyasejjaye japākusuma saprabhau || 23 ||
Übersetzung: ṭhaṃ und ḍaṃ auf Ishana, nandyavartafarben; ṭhaḥ und ḍaḥ auf Jaya, hibiskusfarben.
65.24
ca saptamaṃ varaṃ bījaṃ mṛtyuvañcanakaraṃ param |
supūrṇaṃ candravatsākṣāllasaccandraṃ ṣaḍānana || 24 ||
Übersetzung: Die siebte höchste Keimsilbe [Lautzuordnung unklar] überlistet den Tod; unmittelbar wie der volle leuchtende Mond.
65.25
ādityabimbabījā hi praśaṃsanti manīṣiṇaḥ |
tasmādvai vartulākāraṃ ca śabdasya ṣaḍānana || 25 ||
Übersetzung: Weise preisen sie als Keim der Sonnenscheibe; darum ist die Lautgestalt rund, Sechsgesichtiger.
65.26
ṛgyajuḥ sāmātharvamayaṃ bimbaṃ bījaṃ ṣaḍānana |
tatrasthaṃ puruṣo yajurbhāsassamudāhṛtam || 26 ||
Übersetzung: Ihre Scheibe besteht aus Rig-, Yajur-, Sama- und Atharvaveda; der darin befindliche Purusha wird mit Yajur und Licht verbunden [Satz gestört].
65.27
śucoratni samuddiṣṭaṃ tadbījaṃ parameśvarīm |
brahmā harirharaścaiva trayastrayo'straṃ yojayet || 27 ||
Übersetzung: [Beschädigter Anfang zu Reinheit und Maß.] Diese Keimsilbe ist Parameshvari; Brahma, Hari und Hara verbinde man dreifach mit der Waffe.
65.28
agnitrayaṃ samuddiṣṭaṃ bhūrbhuvassvaloka hi |
savanatrayaṃ trisandhyaṃ ca triguṇaṃ ca trivargakam || 28 ||
Übersetzung: Drei Feuer, die Welten Bhur, Bhuvar und Svar, drei Soma-Pressungen, drei Tagesübergänge, drei Gunas und drei Lebensziele,
65.29
agniṣṭomādikaṃ sarvaṃ jagatsthāvarajaṅgamam |
tasmātsarvaprayatnena tadbījaṃ cābhyasetsadā || 29 ||
Übersetzung: alle Opfer von Agnishtoma an und die ganze bewegliche und unbewegliche Welt: Darum übe man diese Keimsilbe stets sorgfältig.
65.30
saṃvatsarāntakaṃ vatsa abhyasedajarāmaram |
japaṃ yānaṃ prakartavyaṃ trisandhyaṃ ghaṭikātrayam || 30 ||
Übersetzung: Ein Jahr übe man für Alters- und Todesfreiheit, Japa und Meditation [Vorlage: yāna] zu drei Tagesübergängen je drei Ghatika.
65.31
saṃpūrṇakumbhavattiṣṭhennirvāṇasparśajīrṇakam |
etaddvādaśavadvatsarānabhyasecca samāhitaḥ || 31 ||
Übersetzung: Wie ein voller Krug verweile man; „Nirvana-Berührung“ und „Aufzehrung“ werden genannt [Fachsatz unklar]. Zwölf Jahre übe man gesammelt.
65.32
lakṣadvādaśakaṃ jīvenātra kāryā vicāraṇā |
ṣoḍaśābdaṃ cārdharātre ghaṭikāṣṭakamabhyaset || 32 ||
Übersetzung: Dann lebt man zwölf Laksha Jahre, ohne Zweifel. Sechzehn Jahre übe man um Mitternacht acht Ghatika.
65.33
pūrakaṃ kumbhakaṃ kṛtvā * caikantu visarjayet |
śāśvate sparśanaṃ jīrṇaṃ śanaiśśanairdeśikottamaḥ || 33 ||
Übersetzung: Einatmen und Atemhalten vollziehen, [Textlücke] eines aussenden; im Ewigen die Berührung nach und nach aufzehren [Formulierung der Vorlage unklar].
Unnummerierte Passage: evaṃ śāśvatayogaṃ tu saṃpradāyena vindati |
Übersetzung: So findet man den ewigen Yoga durch die Überlieferung. Damit endet das fünfundsechzigste Kapitel des Kalottara.
iti kālottare pañcaṣaṣṭitamaḥ paṭalaḥ || 65 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 65.
Kapitel 66 – Konzentration und Überwindung von Hunger, Durst und Schlaf
66.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
karṇarūpaṃ mahārūpaṃ mṛtyunāśanamuttamam |
devāsuramunīndrāśca yakṣavidyādharādayaḥ || 1 ||
Übersetzung: Ishvara sprach: Die große Ohrgestalt ist höchstes Mittel zur Todesvernichtung. Götter, Asuras, große Weise, Yakshas, Vidyadharas,
66.2
cāraṇāpsarasaḥ siddhāḥ gandharvāḥ pannagādayaḥ |
sarve mṛtyuṃ jayiṣyanti japadhyānena nityaśaḥ || 2 ||
Übersetzung: Charanas, Apsaras, Siddhas, Gandharvas und Schlangen überwinden durch tägliche Rezitation und Meditation den Tod.
66.3
tatra yuktena padmena sadā kumbhakapūraṇāt |
śaṅkhakundanibhaprakhyaṃ ṣoḍaśairdalakairyutam || 3 ||
Übersetzung: Dort, mit dem Lotus verbunden, durch beständiges Füllen und Atemhalten: ein sechzehnblättriger, muschel- und jasminheller Lotus,
66.4
dvādaśāṅgulamātraṃ tu vistāraṃ paṅkajasya tu |
nālaṃ aṣṭāṅgulaṃ vidyāt karṇikā caturaṅgulam || 4 ||
Übersetzung: zwölf Angula breit, acht Angula Stängellänge, vier Angula Fruchtboden,
66.5
karṇikā kesaraścaiva drutacāmīkaraprabham |
tasya madhye mahādevaṃ caturvaktraṃ caturbhujam || 5 ||
Übersetzung: Fruchtboden und Staubfäden wie flüssiges Gold. In seiner Mitte Mahadeva, viergesichtig und vierarmig,
66.6
trinetraṃ śaṅkhavarṇaṃ tu caturaṅgulamāyatam |
padmakoṭaramadhye tu āsīnaṃ parameśvaram || 6 ||
Übersetzung: dreiäugig, muschelweiß, vier Angula groß, in der Lotushöhlung sitzend,
66.7
amṛtarūpaṃ paraṃ divyaṃ sakalasya hṛdi sthitam |
prajāpateḥ ṣoḍaśaṃ gṛhya caṇḍarudrasamanvitam || 7 ||
Übersetzung: höchste göttliche Amrita-Gestalt im Herzen des Gestalteten. Prajapatis sechzehnten nehme man mit Chandarudra,
66.8
mahācaṇḍāmalayutaṃ caṇḍamārutasaṃyutam |
caṇḍavāriyutaṃ divyaṃ trayodaśānta * * * || 8 ||
Übersetzung: großem wildem [Feuer; Wort beschädigt], wildem Wind und Wasser, dem dreizehnten Ende [Lücke],
66.9
ṣaṣṭhena tu samāyuktaṃ bindunādasamanvitam |
amṛtakūṭamidaṃ vatsa mṛtyunāśanamuttamam || 9 ||
Übersetzung: dem sechsten, Bindu und Nada: diese Amrita-Lautgruppe ist höchste Todesvernichtung.
66.10
japadhyānena nityaṃ hi śraddhābhaktisamanvitam |
mṛtyuṃjayamavāpnoti nātra kāryāvicāraṇā || 10 ||
Übersetzung: Durch tägliches Japa und Meditation mit Vertrauen und Hingabe erlangt man Todesüberwindung.
66.11
ālasyannarapaśubhiḥ mṛtyuṃ sarve jighāṃsati |
tasmātsarvaprayatnena kṛtakūṭaṃ samabhyaset || 11 ||
Übersetzung: Träge, tiergleich lebende Menschen wollen alle den Tod besiegen [Satzbau gestört]; darum übe man die Lautgruppe sorgfältig.
66.12
amṛtakūṭabījena sarvo mṛtyuṃ jayiṣyati |
tasyādhāraṃ pravakṣyāmi mṛtyuvañcanakāmyayā || 12 ||
Übersetzung: Durch den Amrita-Keim kann jeder den Tod überwinden. Seine Stütze erkläre ich für dieses Verlangen.
66.13
prajāpateḥ saptadaśaṃ saṃhāreṇa samanvitam |
pralayānalasaṃyuktaṃ pralayānalasaprabham || 13 ||
Übersetzung: Prajapatis siebzehnten mit Auflösung und Weltbrand, wie Weltbrand leuchtend,
66.14
mahāsana samāyuktaṃ trayodaśānta samanvitam |
ṣaṣṭhaṃ trayodaśāntaṃ ca sarvakūṭeṣu yojayet || 14 ||
Übersetzung: mit großem Sitz [Lesung unsicher] und dreizehntem Ende. Den sechsten und das dreizehnte Ende verbinde man mit allen Lautgruppen.
66.15
vajrakavāṭalakṣaṇeṣūktānukteṣu caiva hi |
bindunādaṃ ca ṣaṣṭhaṃ ca trayodaśāntaṃ tathaiva ca || 15 ||
Übersetzung: Bei den genannten und ungenannten diamantenen Verschlüssen: Bindu, Nada, sechster und dreizehnter Abschluss,
66.16
- laṃ vahniṃ calulaṃ ca vāruṇaṃ yojayedbudhaḥ |
śuddhasphaṭikasaṃkāśaṃ samu * * samanvitam || 16 ||
Übersetzung: [Anfang beschädigt], Feuer, beweglicher [Laut] und Varuna. Wie reiner Bergkristall, mit [Lücke] verbunden,
66.17
amṛtabījanibhaṃ vatsa sarvakāleṣu cintayet |
parivārān pravakṣyāmi mṛtyunāśanakāṅkṣayā || 17 ||
Übersetzung: wie Amrita-Keim zu allen Zeiten denken. Nun das Gefolge zur Todesvernichtung:
66.18
tathā caindre dale * * * * * * * * prabhau |
tayordvayaṃ bhṛśaṃ nyasya sadā bhadra samaprabham || 18 ||
Übersetzung: Auf Indras Blatt [Keime und Farbe verloren], ein Paar auf Bhrisha, wie Sadabhadra,
66.19
tithivinyasadṛgnau tatheṣu kiṇihīkumudaprabhau |
kratudvayaṃ yajedbhṛtye bhṛṅgarājasamaprabhau || 19 ||
Übersetzung: ti und thi auf Agni [weitere Zuordnung beschädigt], kumudafarben; ein weiteres Paar auf [Ort unklar], wie Bhringaraja,
66.20
tū thū dvayaṃ yāmyaṃ tu atasī kusumaprabhau |
tṛ thṛ bhṛṅgadale caiva vinyaseccaiva sannibhau || 20 ||
Übersetzung: tū und thū auf Yama, flachsblütenfarben; tṛ und thṛ auf Bhringa, entsprechend glänzend,
66.21
tṝ thṝ dvayakaṃ caiva nair-ṛtyāṃ vā tḷ thḷ |
vāruṇyāṃ turhanyasya haṃsavarṇa samaprabhau || 21 ||
Übersetzung: tṝ und thṝ auf Nirriti, tḷ und thḷ auf Varuna, schwanenweiß,
66.22
tḹ thḹ śeṣaṃ tu vinyasya kumudābhau prakīrtitau |
te the vāyudale nyasya mayūragrīvasannibhau || 22 ||
Übersetzung: tḹ und thḹ auf Shesha, kumudahell; te und the auf Wind, wie Pfauenhals,
66.23
tai thai mukhadale nyasya caṇapuṣpasamaprabhau |
to tho somadale nyasya śvetadhurdhūrasannibhau || 23 ||
Übersetzung: tai und thai auf Mukhya, wie Kichererbsenblüten; to und tho auf Soma, wie weißer Dhurdhura,
66.24
tau thau atithidale nyasya nirguṇḍī kusuma prabhau |
taṃ thaṃ aiśānadale nyasya mādhavīkusumaprabhau || 24 ||
Übersetzung: tau und thau auf Atithi, nirgundifarben; taṃ und thaṃ auf Ishana, madhavifarben,
66.25
taḥ thaḥ jaladale nyasya vanamālānibhaprabhau |
evaṃ samyaṅnyasitvā tu mānasena samāhitaḥ || 25 ||
Übersetzung: taḥ und thaḥ auf Jala [wohl Jaya; Vorlage abweichend], wie Waldgirlanden. Nach gesammeltem geistigem Nyasa
66.26
haṃsakundendudhavalaṃ mantrarājamanusmaran |
kavāṭān samyagghaṭṭayitvā saṃpuṭīkṛtya cendunā || 26 ||
Übersetzung: den schwanen-, jasmin- und mondweißen Mantrakönig erinnern, die Verschlüsse fügen und mit Mond umschließen.
66.27
trikāle tu smarennityaṃ ghaṭikā ṣaṭṣaḍānana |
ardharātreṇa ghaṭikāntaṃ nayetsusamāhitaḥ || 27 ||
Übersetzung: Dreimal täglich je sechs Ghatika erinnern, um Mitternacht bis [unvollständige Zeitangabe] gesammelt fortführen.
66.28
nicchidraṃ saṃpuṭīkṛtya sūryakumbhaṃ tu kuṇṭhayet |
anyadbhṛṅganibhaṃ dhyātvā sakṛṣṇena tu dhūpayet || 28 ||
Übersetzung: Lückenlos umschließen und den Sonnenkrug hemmen; das Andere bienenfarben denken und mit Schwarz beräuchern [innere Handlung unklar].
66.29
romakūpeṣu sarveṣu amṛtenaiva plāvayet |
paṭhita stambhabhogantu tridaśairapi durlabham || 29 ||
Übersetzung: Alle Haarporen mit Amrita überfluten. Die Stillsetzung des Ergrauens [Lesung unsicher] ist selbst Göttern schwer erreichbar.
66.30
aṣṭādaśasaṃvatsarānekabhāgena bhāvayet |
lakṣamaṣṭādaśa saṃvatsaraṃ jīvati nātra saṃśayaḥ || 30 ||
Übersetzung: Achtzehn Jahre in einheitlicher Ausrichtung üben; dann lebt man achtzehn Laksha Jahre.
66.31
nāgabalaṃ labheddhīmān dviraṣṭavarṣamayaṃ tviti |
bindunā saṃpuṭīkṛtya mantrarājamanusmaret || 31 ||
Übersetzung: Man erhält Elefantenkraft und das Aussehen eines Sechzehnjährigen. Mit Bindu umschließen und den Mantrakönig erinnern,
66.32
gokṣīradhavalaṃ saumyaṃ pratyahaṃ tu trikālataḥ |
nāsikābhyāṃ pūrayettu kumbhakaṃ karṇarūpake || 32 ||
Übersetzung: milchweiß und mild, täglich dreimal. Durch die Nase füllen, im Ohrbereich Atemhalten.
66.33
nirvāṇe jīrṇaṃ satataṃ sparśaṃ sarvaṃ ṣaḍānana |
suṣumnāntargataṃ nityaṃ śāśvataṃ jīrṇayedguha || 33 ||
Übersetzung: Im Nirvana sämtliche Berührung beständig aufzehren; in Sushumna das Ewige aufnehmen [technischer Wortlaut unklar].
66.34
śivayogamidaṃ divyaṃ rahasyaṃ na prakāśitam |
kṣuddhāhaṃ naśyate śīghraṃ śramaṃ tasya na vidyate || 34 ||
Übersetzung: Dieser göttliche Shiva-Yoga ist geheim. Hunger und Brennen verschwinden schnell; Ermüdung entsteht nicht.
66.35
kumbhavattiṣṭhate * * * * rṇeṣu na vidyate |
vāmāyāmabhyaseddevaṃ amṛtamagnestu srāvayet || 35 ||
Übersetzung: Wie ein Krug verweile man [Lücke]. Links meditiere man den Gott und lasse Amrita aus dem Feuer strömen.
66.36
yāmaṃ yāmārdhamevaṃ tu mantrarājamanusmaret |
subhuktavattiṣṭhate vatsa aṣṭabhāsanna saṃśayaḥ || 36 ||
Übersetzung: Eine Yama oder halbe Yama den Mantrakönig erinnern; acht Monate [Vorlage beschädigt] bleibt man wie wohlgenährt.
66.37
kṣutprītikārayogaṃ tu yoginā saṃprakīrtitam |
iḍāyāṃ pūrayetkūpe mantrarājena dhīmataḥ || 37 ||
Übersetzung: Dies heißt bei Yogis der Hunger stillende Yoga. In Idas Höhlung fülle der Verständige mit dem Mantrakönig,
66.38
amṛtaṃ srāvayedagnau kuṇḍalyānte tu suvrata |
māsamekaṃ prayogeṇa kṣuttṛṣṇānāṃ tu nāśayet || 38 ||
Übersetzung: lasse Amrita ins Feuer am Ende der Kundali strömen; durch einen Monat Anwendung verschwinden Hunger und Durst.
66.39
aṣṭau tu cintayetsatyaṃ mantrarājena saṃyutam |
ātmā vai saṃpuṭīkṛtya jyotirmaṇḍalamadhyame || 39 ||
Übersetzung: Die acht [Objekte nicht klar genannt] mit dem Mantrakönig vergegenwärtigen, sich selbst in der Lichtscheibe umschließen,
66.40
sarva sūrya iva dhyāyennidrānirvṛtimāpnuyāt |
rājasaṃ tāmasaṃ tyajya satya(ttva?) mekena vartate || 40 ||
Übersetzung: alles wie die Sonne meditieren: so endet Schlaf. Rajas und Tamas ablegen und allein in Sattva verweilen [Lesung unsicher].
66.41
akṣṇorvai mantrarāje tu ghaṭikāḥ pañca bhāvayet |
akṣimaṇḍala madhye tu bhāskaraṃ paramaṃ smaret || 41 ||
Übersetzung: Fünf Ghatika den Mantrakönig in den Augen meditieren; inmitten des Augenkreises die höchste Sonne erinnern.
66.42
jāgrametadbhavetsarvaṃ svapnaṃ suṣuptināśanam |
nirdrānirvṛtiyogoyaṃ puruṣātmamidaṃ param || 42 ||
Übersetzung: Alles wird Wachen, Traum und Tiefschlaf verschwinden. Dieser schlafbeendende Yoga ist das höchste Selbst des Purusha.
66.43
kṣunnidrāpāyate nityaṃ yogavighnakarau hitau |
svapnendriyaṃ pravarteta tasminnidrāṃ nirodhayet || 43 ||
Übersetzung: Hunger und Schlaf, Hindernisse des Yoga, sollen stets schwinden. Regt sich das Traumorgan, hemme man dort den Schlaf.
66.44
pradhānendriyaṃ hi rakṣeta yasmāttasminnirodhayet ||
nidrāmūlaṃ sarvaduḥkhaṃ kṣunmūlaṃ sarvaduḥkhakam || 44 ||
Übersetzung: Das hauptsächliche Sinnesorgan schütze und hemme man. Schlaf sei Wurzel allen Leids, Hunger ebenso. [Asketische Wertung der Quelle.]
66.45
kāmamūlaṃ vināśaṃ hi kāmāddveṣo bhaviṣyati |
dveṣātkrodhātsamutpannaṃ tasmānnaṣṭau na saṃśayaḥ || 45 ||
Übersetzung: Verlangen ist Wurzel des Untergangs; daraus entsteht Abneigung, daraus Zorn und gewiss Vernichtung.
66.46
satyaṃ yaśastapodānaṃ balaṃ śaucaṃ śivārcanam |
dhyānaṃ japaḥ samādhiśca krodhānnaśyati tatkṣaṇāt || 46 ||
Übersetzung: Wahrhaftigkeit, Ruhm, Askese, Freigebigkeit, Kraft, Reinheit, Shiva-Verehrung, Meditation, Japa und Samadhi werden durch Zorn augenblicklich zerstört.
66.47
kāmakrodhaṃ * * * * * moṇḍabhaṃtathaiva ca |
ākrośālasyamasatyaṃ hi rakṣā vai śūnyameva ca || 47 ||
Übersetzung: Verlangen, Zorn, [Lücke], Verblendung, Heuchelei [Lesung gestört], Beschimpfung, Trägheit, Unwahrheit, [unklare Begriffe],
66.48
kṣudhā nidrā ca mātsaryaṃ mohāddveṣyaśca snehitāḥ |
tarkaṃ ca sarvakāleṣu varjayet ṣoḍaśa guha || 48 ||
Übersetzung: Hunger, Schlaf, Neid, Verblendung, Abneigung, Anhänglichkeit und Streitdenken: diese sechzehn soll man stets meiden. [Liste wegen Schäden nicht vollständig rekonstruierbar.]
iti kālottare vajrakavāṭalakṣaṇe karṇarūpadhāraṇākṣutpipāsānidrānivṛttipaṭalaḥ ṣaṣṭitamaḥ || 66 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 60 [die angefügte Zahl lautet 66] über „Konzentration und Überwindung von Hunger, Durst und Schlaf“.

Ergänzende heutige Praxis, keine Kalottara-Rekonstruktion: 3-Chakra-Energie-Meditation mit Sukadev.
Kapitel 67 – Herzkonzentration, Dhyana und Samadhi
67.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
hṛtsaroruhamadhye tu bhāvayedamṛtanāyakam |
hṛdaye sarvamartyānāṃ kṣetrajñastatra tiṣṭhati || 1 ||
Übersetzung: Ishvara sprach: Im Herzlotus vergegenwärtige man den Herrn des Amrita. Im Herzen aller Menschen wohnt der Feldkenner.
67.2
puryaṣṭakasamāyukta madhaścordhvaṃ ca gacchati |
śabdaḥ sparśaśca rūpaṃ ca rasogandhastathaiva ca || 2 ||
Übersetzung: Mit der achtfachen feinen Hülle verbunden geht er abwärts und aufwärts. Klang, Berührung, Gestalt, Geschmack und Geruch,
67.3
manohaṃkārabuddhiśca puryaṣṭakamiti smṛtam |
puryaṣṭake śarīraṃ tu kṣetrajñasya ṣaḍānana || 3 ||
Übersetzung: Manas, Ahamkara und Buddhi heißen Puryashtaka, die achtfache Stadt, der feine Leib des Feldkenners.
67.4
caturviṃśatitattvānāṃ puruṣo nāyako bhavet |
pañcaviṃśatimevāhuḥ sarvaśāstreṣu paṇḍitaḥ || 4 ||
Übersetzung: Purusha ist Herr der vierundzwanzig Prinzipien; Gelehrte nennen ihn in allen Schriften den fünfundzwanzigsten.
67.5
puruṣaḥ pudgalo dhīmān paśuryajñapaṃcaviṃśakam |
kṣetrajño bhogabhoktātmā cetano dehiliṅgakaḥ || 5 ||
Übersetzung: Purusha, Pudgala, der Verständige, Pashu, [beschädigter Name], Fünfundzwanzigster, Feldkenner, Erfahrender, Atman, Bewusster und Verkörperter
67.6
tathā liṅgaśarīreṇa hṛdayeśvara eva ca |
jaṅghādi prakṛternāyakassukhaduḥkhātmakaḥ smṛtaḥ || 6 ||
Übersetzung: sind Bezeichnungen für ihn im feinen Leib, den Herzherrn, Herrn der Prakriti [Übergang beschädigt], der Freude und Leid erfährt.
67.7
vāyunāma tataḥ saptaviṃśatkṣetraṃ ṣaḍānana |
daśa prāṇaiḥ samopetaḥ daśadvāreṣu saṃcaret || 7 ||
Übersetzung: Mit „Vayu“ und siebenundzwanzig Feldern [Satz gestört], mit zehn Lebenskräften verbunden, bewegt er sich durch zehn Tore.
67.8
bhruvormadhye mūdhni madhye kaṇṭhe caivorasī tathā |
hṛdaye nābhimadhye tu gudevṛṣaṇayorapi || 8 ||
Übersetzung: Zwischen den Brauen, in der Kopfmitte, Kehle, Brust, Herz, Nabelmitte, After und Hoden,
67.9
saṃ * * * * vṛṣṇe ūrau trikaṭikeṣu ca |
jaṅghe trikaṭike caiva gulpayośca padāntare || 9 ||
Übersetzung: [Textlücke], Oberschenkeln, Hüfte, Unterschenkeln, Kreuz, Knöcheln und Fußinnenraum,
67.10
tarjanīpādāṅguṣṭhayormalamadhye ca marmikā |
sadyo maraṇamevāhuḥ śāstrajñaiḥ samudāhṛtaḥ || 10 ||
Übersetzung: zwischen Zeigezehe und Großzehe und an der Wurzel liegen Marmas; ihre Verletzung bewirkt nach den Kundigen sofortigen Tod.
67.11
marmāśrayaṃ kālāntare maraṇannātra saṃśayaḥ |
kaṇṭakairvā prahare * * * * muṣṭibhirnarān || 11 ||
Übersetzung: Andere Marmas bewirken späteren Tod, wenn Menschen mit Dornen, Schlägen [Lücke] oder Fäusten verletzt werden.
67.12
bāhukūrparayormadhye trikaṭi marmamudāhṛtam |
hastijihvāyāṃ mūle tu sa * * ta mudāhṛtam || 12 ||
Übersetzung: Zwischen Oberarm und Ellenbogen und am Kreuz werden Marmas genannt; an Hastijihvas Wurzel [Bezeichnung beschädigt].
67.13
tatra tatra * * * * * * * * * * |
amṛtabījaṃ tatra tatra smaredekāgramānasaḥ || 13 ||
Übersetzung: An den jeweiligen Stellen [Lücke] erinnere man mit gesammeltem Geist die Amrita-Keimsilbe.
67.14
same mṛtyuṃjayaṃ hyetat haṃsahaṃseti kīrtitam |
dehātkṣetrajño niṣkrāntaḥ bahirākāśamāśritaḥ || 14 ||
Übersetzung: Dies ist Todesüberwindung, „haṃsa haṃsa“ genannt. Verlässt der Feldkenner den Körper und tritt in den äußeren Raum,
67.15
punarna praviśeccānte maragāntaṃ vidurbudhāḥ |
vajrakavāṭaiḥ saṃghaṭya sarvadvāreṣu paṇḍitaḥ || 15 ||
Übersetzung: kehrt er am Ende nicht zurück: dies gilt als Tod. Der Kundige füge diamantene Verschlüsse an alle Tore.
67.16
punarniṣkramaṇaṃ nāsti kṣetrajñastatra tiṣṭhati |
tatraiva saṃpuṭīkṛtya hṛtsaroruhakarṇike || 16 ||
Übersetzung: Dann gibt es kein Hinausgehen; der Feldkenner bleibt dort. Im Fruchtboden des Herzlotus umschließe man ihn,
67.17
amṛtakoṭaramadhye tu kṣetrajñaṃ kṣipta (pra?) saṃpuṭe |
mṛtyustatra na praviśet dvārā bhāvāt ṣaḍānana || 17 ||
Übersetzung: in der Höhlung des Amrita. Der Tod kann nicht eintreten, weil kein offenes Tor besteht.
67.18
kavāṭaiḥ saṃchādya navadvāraṃ tasmānmṛtyuṃ na yāti ca |
kavāṭācchādanādeva saṃpuṭādeva nityaśaḥ || 18 ||
Übersetzung: Die neun Tore bedecke man mit Verschlüssen; so gelangt der Tod nicht hinein. Durch Bedeckung und beständiges Umschließen
67.19
tatra mṛtyurna praviśet punniṣkāmaṇaṃ na ca |
mṛtyuṃ pāśena baddhvā tu puruṣasya gale guha || 19 ||
Übersetzung: gibt es weder Eindringen des Todes noch Herausgehen. Der Tod bindet gewöhnlich seine Schlinge um den Hals des Menschen
67.20
nayedyamasya sadanaṃ varma prāṇi sadā narāt |
tasmātsarvaprayatnena gṛhedvajrakavāṭakaiḥ || 20 ||
Übersetzung: und führt ihn zu Yamas Haus, die Lebenskräfte entreißend [Text gestört]. Darum schütze man das Haus mit diamantenen Verschlüssen.
67.21
guruprasādena matimān kavāṭaiścārayetsadā |
apavarge tu sudṛḍhe naraḥ kaścitsa tiṣṭhati || 21 ||
Übersetzung: Durch die Gnade des Guru wende der Verständige sie stets an. Wie ein Mensch in einem festen abgeschlossenen Raum
67.22
śatrucorairbhayaṃ tatra yamabhayaṃ ca na vidyate |
tadvajrakavāṭairācchādya tasya mṛtyurna vidyate || 22 ||
Übersetzung: keine Furcht vor Feinden, Dieben und Yama hat, so kennt der durch diamantene Verschlüsse Geschützte keinen Tod.
67.23
tasmātmṛtyuṃjayaṃ yogaṃ hṛdaye samyagācaret |
suśvetapaṅkajaṃ divyaṃ ṣoḍaśadalaśobhitam || 23 ||
Übersetzung: Darum übe man im Herzen den todesüberwindenden Yoga: ein göttlicher weißer Lotus mit sechzehn Blättern,
67.24
vitastimātraṃ vistāraṃ hṛdayaṃ sarvadehinām |
kamalaṃ prādeśamātraṃ tu caturaṅgulaṃ karṇikā || 24 ||
Übersetzung: das Herz eine Vitasti breit, der Lotus einen Pradesha, sein Fruchtboden vier Angula,
67.25
nālamaṣṭāṅgulaṃ vidyāt karṇikotsedhamaṅgalam |
sattvaṃ rajastamaścaiva somasūryāgnimaṇḍale || 25 ||
Übersetzung: der Stängel acht Angula, der Fruchtboden einen Angula hoch. Sattva, Rajas und Tamas entsprechen Mond-, Sonnen- und Feuerkreis.
67.26
teṣu tu madhye sthitaṃ puruṣaṃ karāṅguṣṭhasya mātrakam |
kriyāśaktyadhiṣṭhitātmā puruṣaṃ pañcaviṃśakam || 26 ||
Übersetzung: Darin Purusha, daumengroß, von der Handlungskraft getragen, der fünfundzwanzigste.
67.27
ekaviṃśatparaṃ bījaṃ amṛtaṃ mṛtyunāśanam |
mahāsaṃhārasaṃyuktaṃ mahānalasamanvitam || 27 ||
Übersetzung: Der einundzwanzigste höchste Keim ist Amrita, todesvernichtend, verbunden mit großer Auflösung und großem Feuer,
67.28
mahānīlasamāyuktaṃ mahāvārisamanvitam |
trayodaśāntasaṃyuktaṃ ṣaṣṭhasvarasamanvitam || 28 ||
Übersetzung: großem Dunkel, großem Wasser, dem dreizehnten Ende und sechstem Vokal,
67.29
bindunādasamopetaṃ amṛtakūṭamidaṃ param |
ātmānaṃ vinyasetskandakūṭabījasya koṭare || 29 ||
Übersetzung: Bindu und Nada: die höchste Amrita-Lautgruppe. Sich selbst setze man in ihre Höhlung ein, Skanda.
67.30
saṃpuṭīkṛtyaśaśinā caturthaṃ haṃsa saṃyutam |
- * * je * * * na paścāddhaṃsena saṃpuṭe || 30 ||
Übersetzung: Mit Mond umschließen, den vierten mit Hamsa verbinden [Textlücke], danach nochmals mit Hamsa umschließen.
67.31
vajrakavāṭaiḥ saṃghaṭya daśadvārasamanvitam |
hitaṃ trisandhyaṃ ṣaḍghaṭikaiḥ samādhiṃ kārayedbudhaḥ || 31 ||
Übersetzung: Die zehn Tore mit diamantenen Verschlüssen fügen; zu drei Tagesübergängen je sechs Ghatika Samadhi üben.
67.32
mṛtyuñjayākhyamantrasya siddhiḥ pūvāpareṇa tu |
ṣaḍviṃśadvatsaraṃ dhāyetparayāmaṃ samastakam || 32 ||
Übersetzung: So die Vollendung des Mrityunjaya-Mantras. Sechsundzwanzig Jahre meditiere man auch während der ganzen weiteren Nachtwache [Zeitbezug unklar].
67.33
ṣaḍviṃśallakṣaṃ jīveta iti śāstrasya niścayaḥ |
hṛtsaroruhamadhye tu guṇatrayākhyamaṇḍale || 33 ||
Übersetzung: Sechsundzwanzig Laksha Jahre lebt man: so die Schrift. Im Herzlotus, im Kreis der drei Gunas,
67.34
teṣāṃ copari śaktistu śaktimadhye tu kūṭakam |
kūṭamadhye tu cātmānaṃ prāṇaiḥ saṃyamaṃ mantravit || 34 ||
Übersetzung: über ihnen Shakti, in Shakti die Lautgruppe, darin das eigene Selbst mit den Lebenskräften beherrschen.
67.35
saṃpuṭīkṛtya candreṇa paścāddhaṃsena saṃpuṭet |
vajrakavāṭairdaśadvārān pidhāya samyagvidhānataḥ || 35 ||
Übersetzung: Mit Mond, danach mit Hamsa umschließen; die zehn Tore vorschriftsgemäß mit diamantenen Verschlüssen schließen.
67.36
samādhiṃ kārayetpaścātsamarasīkṛta vigrahaḥ |
devānāṃ mṛtyuñjayamidaṃ upāyaṃ cātra varṇitam || 36 ||
Übersetzung: Dann Samadhi üben, den Leib zur Einheit eines Geschmacks bringend. Dieses Mittel zur Todesüberwindung der Götter ist hier beschrieben.
67.37
triṃśatsaṃvatsaraṃ vatsa catuḥsandhyaṃ saptanāḍikam |
abhyasedekacittena ardharātre tu vai daśa || 37 ||
Übersetzung: Dreißig Jahre gesammelt an vier Übergangszeiten je sieben Nadi, um Mitternacht zehn,
67.38
triṃśallakṣaṃ bhavedāyurnātra kāryā vicāraṇā |
parivārānpravakṣyāmi sarvakāmārthasādhanam || 38 ||
Übersetzung: so beträgt das Leben dreißig Laksha Jahre. Nun das alle Wünsche erfüllende Gefolge:
67.39
pha pha aindradale nyasya raktapudbu?jasannibhau |
phā phā nyasedbhramaradale kiñjalkasadṛśaprabhau || 39 ||
Übersetzung: Pha und pha auf Indras Blatt, wie rote [Blüte; beschädigt]; phā und phā auf Bhramara, lotusstaubfadenfarben,
67.40
phi phi nyasettu nalle tu aśokakusumaprabhau |
phī phī nyasedvitathe mañjiṣṭha sadṛśaprabhau || 40 ||
Übersetzung: phi und phi auf Feuer [Ortswort beschädigt], ashokafarben; phī und phī auf Vitatha, krappfarben,
67.41
phu phu nyasedvai yāmye tu kālameghasamadyuti |
phū phū dvaye'rkannyasedbhṛṅge bhṛṅgavarṇanibhāvubhau || 41 ||
Übersetzung: phu und phu auf Yama, regenwolkendunkel; phū und phū auf Bhringa, bienenfarben,
67.42
phṛ phṛ dvaye nair-ṛtyāṃ tu kṛṣṇalohanibhāvubhau |
phṝ phṝ nyasetsugrīve nīlāmbuja samaprabhau || 42 ||
Übersetzung: phṛ und phṛ auf Nirriti, wie schwarzes Eisen; phṝ und phṝ auf Sugriva, wie blauer Lotus,
67.43
phḷ phḷ dvaye vai vāruṇyāṃ śuddhasphaṭika sannibhau |
phḹ phḹ śeṣe tu vinyasya bisinī patrasannibhau || 43 ||
Übersetzung: phḷ und phḷ auf Varuna, kristallhell; phḹ und phḹ auf Shesha, lotusblattfarben,
67.44
phe phe vāyudale nyasya pīnavakṣau samaprabhau |
phai phai mukhye tu vinyasya piśācapuṣpasamaprabhau || 44 ||
Übersetzung: phe und phe auf Wind, „wie volle Brust“ [Farbvergleich beschädigt]; phai und phai auf Mukhya, wie Pishacha-Blüten,
67.45
pho pho some tu vinyasya muktāphalasamaprabhau |
phau phau adite tu vinyasya dadhimaṇḍalasaprabhau || 45 ||
Übersetzung: pho und pho auf Soma, perlenhell; phau und phau auf Aditi, dickmilchweiß,
67.46
phaṃ phaṃ nyasedvatsa aiśānye tu samāhitaḥ |
phaḥ phaḥ dvaye nyasejjaye sindūrasadṛśaprabhau || 46 ||
Übersetzung: phaṃ und phaṃ auf Ishana; phaḥ und phaḥ auf Jaya, zinnoberfarben. [Die paarweise identischen Konsonanten folgen der Vorlage.]
67.47
evaṃ saṃsthāpya vidhinā paścādamṛtadhāriṇam |
dhāraṇāṃ prathamaṃ kuryāt dhyānaṃ vai ta * * * * || 47 ||
Übersetzung: Nach diesem Nyasa zunächst Amrita tragende Dharana, dann Meditation [Rest verloren],
67.48
samādhiṃ ca tataḥ kuryāt śanaiḥ śanaiḥ susamāhitaḥ |
recakaṃ pūrakaṃ caiva kumbhakaṃ samamācaret || 48 ||
Übersetzung: dann nach und nach gesammelt Samadhi. Ausatmen, Einatmen und Atemhalten gleichmäßig vollziehen.
67.49
siddhaṃ yogamidaṃ vatsa sparśayogaṃ tu dhāraṇam |
pūrakaṃ kumbhakaṃ caiva recakaṃ tu visarjayet || 49 ||
Übersetzung: Dies ist vollendeter Yoga; Sparsha-Yoga gilt als Dharana. Einatmen und Atemhalten, Ausatmen loslassen.
67.50
śāśvate sparśaṃ jīrṇaṃ syāt dhyānametadudāhṛtam |
recakaṃ pūrakaṃ tyajya kumbhakaṃ tu parityajet || 50 ||
Übersetzung: Im Ewigen die Berührung aufzehren: dies heißt Meditation. Ausatmen, Einatmen und Atemhalten hinter sich lassen.
67.57
śivameva svayaṃ bhāvya samādhistena ucyate |
prākṛtaṃ bhāvamutsṛjya śivo'hamiti bhāvayet || 57 ||
Übersetzung: Sich selbst als Shiva vergegenwärtigen: dies heißt Samadhi. Den gewöhnlichen Naturzustand loslassen und erkennen: „Ich bin Shiva.“ [Originalnummer 57.]
67.52
etat samādhiruddiṣṭaḥ * * * * manīṣiṇām |
śivameva svayaṃ bhāvya svayameva śivo bhavet || 52 ||
Übersetzung: Dies gilt als Samadhi der Weisen [Textlücke]. Wer sich selbst als Shiva vergegenwärtigt, wird selbst Shiva.
67.53
samarasībhāva yogena tatsamādhirihocyate |
svarūpaśūnyamiti bhāvyaṃ śiva eva sadā bhavet || 53 ||
Übersetzung: Durch den Yoga des gleichen Geschmacks, der ungeteilten Einheit, entsteht Samadhi. Frei von eigener begrenzter Gestalt gedacht, ist man stets Shiva.
67.54
samādhiretatvijñeyaṃ śāstravidbhirudāhṛtam |
tadardhamātraṃ nirbhrāsaṃ svarūpaṃ śūnyaṃ bhāvayet || 54 ||
Übersetzung: Dies nennen Schriftkundige Samadhi. Die halbe Matra, ohne gesondertes Aufleuchten, leer von eigener Gestalt, vergegenwärtige man.
67.55
samādhimetacchaṃsanti yogaśāstraviśāradāḥ |
sākṣānmṛtyuṃjayopāyaṃ tava snehādudāhṛtam || 55 ||
Übersetzung: Dies preisen die Yogaschriftkundigen als Samadhi. Aus Zuneigung habe ich dir dieses unmittelbare Mittel zur Todesüberwindung erklärt.
67.56
ajarāmaratvamāpnoti satyaṃ satyaṃ ṣaḍānana |
śivasya maraṇaṃ nāsti jananaṃ ca jarādayaḥ || 56 ||
Übersetzung: Man erlangt Freiheit von Alter und Tod, wahrlich, Sechsgesichtiger. Shiva kennt weder Tod noch Geburt noch Alter.
67.57 (zweites Vorkommen)
sādhakasya bhavedvatsa taddhyānaṃ nityameva hi |
śiva eva bhavetsākṣājjarāmaraṇavarjitaḥ || 57 ||
Übersetzung: Dem Übenden werde dies zur beständigen Meditation: Er ist unmittelbar Shiva, frei von Alter und Tod.
Unnummerierte Passage: śivasaṃpradāyamevoktaṃ na deyaṃ yasya kasyacit |
Übersetzung: So wurde Shivas Überlieferung erklärt; sie soll nicht beliebig weitergegeben werden. Damit endet im Abschnitt über den diamantenen Verschluss das siebenundsechzigste Kapitel über Herzenskonzentration, Meditation und Samadhi.
iti kālottare vajrakavāṭalakṣaṇe hṛdayadhāraṇādhyānasamādhipaṭalaḥ saptaṣaṣṭitamaḥ || 67 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 67 über „Herzkonzentration, Dhyana und Samadhi“.
Kapitel 68 – Mantraraja und Nabelmeditation
68.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
nābhimadhye mahāpadmaṃ sarvamṛtyuvināśanam |
sarvaśāntikaraṃ bījamādhivyādhivināśanam || 1 ||
Übersetzung: Ishvara sprach: Im Nabel ein großer Lotus, der alle Todesarten vernichtet; die Keimsilbe bringt Frieden und beseitigt seelische und körperliche Leiden,
68.2
mahāmārīpraśamanaṃ mahākṣayavināśanam |
pramohān viṃśatiśamanaṃ kuṣṭhāṣṭhakadaśāharam || 2 ||
Übersetzung: Epidemien, schwere Auszehrung, zwanzig Harnleiden [Vorlage: pramoha, unsicher] und achtzehn Aussatzarten,
68.3
pañcagulmān pañcavyūhānaṣṭhīlānpañcanāśanam |
bhagandharān pañcaharaṃ rā * * * nharandaśa || 3 ||
Übersetzung: fünf Bauchgeschwülste, fünf [weitere Gruppen; beschädigt], fünf Ashthila-Verhärtungen, fünf Fisteln und zehn [Name verloren],
68.4
pāṇḍurogānaṣṭaharaṃ svasātpañcaśaraṃ haram |
pratyaśyāyān pañcaharaṃ kāsānpañcaharaṃ param || 4 ||
Übersetzung: acht Bleichsuchtsarten, fünf Atemleiden [Text gestört], fünf Schnupfen- und fünf Hustenarten,
68.5
aśītivātajān rogānnāśanaṃ kūṭadhāraṇāt |
ṣaṭsaptatiñcākṣirogā * * * * * * gakān || 5 ||
Übersetzung: achtzig Vata-Krankheiten durch Konzentration auf die Lautgruppe, sechsundsiebzig Augenleiden [Textlücke],
68.6
pañcāśaccahṛdrogān * * * * naṣṭaviṃśatiḥ |
aṣṭādaśapittarogānrogānvai daśaśleṣmavān || 6 ||
Übersetzung: fünfzig Herzleiden, achtundzwanzig [Name fehlt], achtzehn Pitta- und zehn Schleimkrankheiten,
68.7
nābhisandhāraṇāddhyānāt * * * * * * kṣaṇān |
mūtrakṛcchrān ṣoḍaśavidhānmūtrarogāndaśaiva tam || 7 ||
Übersetzung: durch Nabelkonzentration und Meditation [Lücke], sechzehn Arten schmerzhaften Wasserlassens und zehn Harnleiden,
68.8
mūtrātisārānpañcaiva somarogāṃścaturo'pi vā |
tuniḥ parituniścaiva arśānniṣaṭtridhānapi || 8 ||
Übersetzung: fünf Arten übermäßigen Harnflusses, vier Soma-Leiden, Tuni und Parituni sowie Hämorrhoiden [Zahlfolge beschädigt],
68.9
mahājvarāṣṭakaṃ caiva * * * * * * * * |
aṣṭādaśa sahasrāṇi * * cānnāśayetkṣaṇāt || 9 ||
Übersetzung: acht große Fieber [Lücke], achtzehntausend [Krankheiten; Bezeichnung verloren] augenblicklich,
68.10
kumāragṛhā dvādaśa sahasrācchaśaniṣaṭsahasrakān |
pūtanāṃ pañca sahasraṃ apasmārāṣṭasahasrakān || 10 ||
Übersetzung: zwölftausend Kinder besetzende Mächte, sechstausend [Name beschädigt], fünftausend Putanas und achttausend Fallsuchtsmächte,
68.11
daśakoṭirakṣaḥ saṃdhānasurān śatakoṭi ca |
mahāsaṃhāradevaṃ ca dhāraṇānnāśayanti ca || 11 ||
Übersetzung: zehn Koti Rakshasas und hundert Koti Asuras [Wortlaut gestört] vernichtet Konzentration auf den Gott der großen Auflösung. [Überlieferte Heilversprechen.]
68.12
mārtāṇḍodayasaṃkāśaṃ ṣoḍaśairdalaśobhitam |
vitastimātraṃ pañcakarṇikā caturaṅgulam || 12 ||
Übersetzung: Der Lotus glänzt wie Sonnenaufgang, hat sechzehn Blätter, eine Vitasti Breite und vier Angula Fruchtboden,
68.13
nālamaṣṭāṅgulaṃ vidyāt karṇikotsedhamaṅgulam |
pañcaviṃśatparaṃ bījaṃ jagadyoniṃ parātparam || 13 ||
Übersetzung: acht Angula Stängel und einen Angula Fruchtbodenhöhe. Der fünfundzwanzigste höchste Keim ist der Ursprung der Welt,
68.14
pralayasthiti sṛṣṭīnāṃ kartāraṃ parameśvaram |
sarvamantrāṇi bījāṃśca vedāścopaniṣadastathā || 14 ||
Übersetzung: Parameshvara, Schöpfer von Auflösung, Erhaltung und Schöpfung; sämtliche Mantras, Keime, Veden und Upanishaden
68.15
mūrdhni sthitaṃ paraṃ bījaṃ sarvamantrapraśodhanam |
pralayadvayaṃ tatoddhṛtya pralayāgniṃ tatoddharet || 15 ||
Übersetzung: hat dieser höchste reinigende Keim am Scheitel [Satzbau unklar]. Zwei Auflösungslaute nehme man, dann Auflösungsfeuer,
68.16
pralayānalaṃ tatoddhṛtya pralayāmbudaṃ tatoddhṛtam |
trayodaśāntaṃ saṃgṛhya ṣaṣṭhasvarasamanvitam || 16 ||
Übersetzung: nochmals Auflösungsfeuer und Auflösungswolke, dreizehntes Ende und sechsten Vokal,
68.17
śivanārāyaṇopetaṃ mantrarājamidaṃ param |
saṃkhyātaṃ sarvaśāstreṣu karṇātkarṇagataṃ param || 17 ||
Übersetzung: Shiva und Narayana: Dies ist der höchste Mantrakönig, in allen Schriften gepriesen, von Ohr zu Ohr überliefert.
68.18
tasyādhāraṃ paraṃ sūkṣmaṃ ha tṛtīyaṃ sudurlabham |
tadādibījaṃ saṃyuktaṃ tadantena samanvitam || 18 ||
Übersetzung: Seine feinste Stütze ist „ha, der dritte“ [Code unklar], mit Anfangs- und Endkeim verbunden,
68.19
tadetadyojya punarvatsa taccaturthena saṃyutam |
vāgbhavāccaturdaśaṃ yojya vāgbhavātṣaṣṭameva ca || 19 ||
Übersetzung: wieder mit dem vierten, dem vierzehnten von Vagbhava und dessen sechstem,
68.20
smṛtisaṃhāra saṃyuktaṃ tasyādhāramudāhṛtam |
parivārān pravakṣyāmi dalaiḥ ṣoḍaśasaṃsthitān || 20 ||
Übersetzung: mit Smriti und Auflösung. So die Stütze. Nun das Gefolge auf sechzehn Blättern:
68.21
madhadvayaṃ ca kadale suracāpārkasannibhau |
mādyā bhṛṅgadale nyasya kundasya kusumaprabhau || 21 ||
Übersetzung: Ma und dha auf „ka“-Blatt [wohl Ostblatt], wie Regenbogen und Sonne; mā und dhā auf Bhringa, jasminhell,
68.22
midhidvayaṃ nyasennīle hemanīlotpalaprabhau |
mīdhīdvayaṃ vitathe tu japāpāñjana sa prabhau || 22 ||
Übersetzung: mi und dhi auf „Nila“ [Ort gestört], gold- und blaulotusfarben; mī und dhī auf Vitatha, hibiskus- und schminkfarben,
68.23
madhudvayaṃ nyasedyāmye indrakopakasannibhau |
madhūdvayaṃ bhṛṅgarāje campakābhṛṅgasannibhau || 23 ||
Übersetzung: mu und dhu auf Yama [Vorlage beschädigt], indrakoparot; mū und dhū auf Bhringaraja, champaka- und bienenfarben,
68.24
mṛdhṛdvayaṃ nir-ṛtyāṃ tu aśokāla samaprabhau |
mṝdhṝdvayaṃ sugrīve raktakokilasannibhau || 24 ||
Übersetzung: mṛ und dhṛ auf Nirriti, ashokafarben; mṝ und dhṝ auf Sugriva, wie roter Kuckuck [Vergleich auffällig],
68.25
mḷ dhḷ dvayaṃ vāruṇyāṃ tu bandhūkāṅgāra sa prabhau |
mḹ dhḹ dvayaṃ śoṣe tu vidyuccastāsamaprabhau || 25 ||
Übersetzung: mḷ und dhḷ auf Varuna, bandhuka- und glutrot; mḹ und dhḹ auf Shosha, blitzfarben [zweites Bild beschädigt],
68.26
medhe vāyudale nyasya kapote caṭakaprabhau |
maidhai mukhye nyaseddvau tu tittirīyakasannibhau || 26 ||
Übersetzung: me und dhe auf Wind, tauben- und spatzenfarben; mai und dhai auf Mukhya, rebhuhnfarben,
68.27
mo dho some naseddvau tu śyenamāṣasamaprabhau |
mau dhau adite vinyaset tu piṅgalau kauśikaprabhau |
maṃ dhaṃ īśe tu vinyasya nyāsagranthasamanvitam || 27 ||
Übersetzung: mo und dho auf Soma, falken- und mashabohnenfarben; mau und dhau auf Aditi, gelbbraun wie Eulen; maṃ und dhaṃ auf Ishana nach der Nyasa-Lehre,
68.28
maḥ dhaḥ dvaye nyasya varāṭakoṭarasannibhau |
mantrarājasya varṇaṃ hi mahāmerusamaprabham || 28 ||
Übersetzung: maḥ und dhaḥ [Ort fehlt], wie Kaurimuschelhöhlungen. Der Mantrakönig glänzt wie Mahameru.
68.29
ākāśabījaṃ senāni kṛṣṇāñjanaṃ dharādharam |
juṃsahaṃsena saṃpuṭya dhyāyetkanakaparvatam || 29 ||
Übersetzung: Der Raumkeim, Heerführer, ist schwarz wie Augenschminke, ein Berg. Mit „juṃ“ und Hamsa umschließen, als goldenen Berg meditieren.
68.30
triṃśatsaṃvatsaraṃ vatsa trisandhyaṃ ghaṭikāṣṭakān |
ardharātre dhyāyettu ghaṭikā dvādaśaṃ guha || 30 ||
Übersetzung: Dreißig Jahre zu drei Tagesübergängen je acht Ghatika, um Mitternacht zwölf,
68.31
amaratvamavāpnoti koṭi ṣaṭkaṃ sa jīvati |
yena yena hi bhāvena yujyate yatra vāhakaḥ || 31 ||
Übersetzung: dann erlangt man Unsterblichkeit und lebt sechs Koti Jahre. Mit welchem Zustand der Übende sich verbindet,
68.32
tena tanmayatāṃ yāti hrasvarūpo maṇistathā |
śarīraṃ yatra ityāhuḥ śarīrastho maheśvaraḥ || 32 ||
Übersetzung: dessen Wesen nimmt er an, wie ein kleiner Edelstein [der die Umgebungsfarbe annimmt]. Im Körper wohnt Maheshvara.
68.33
maheśvarātparaṃ nāsti siddhyate sṛtisāgare |
lākulai pāñcarātre ca gāruḍe bhūtatantrake || 33 ||
Übersetzung: Nichts ist höher als Maheshvara; im Meer des Daseins wird Vollendung erlangt. In Lakula-, Pancharatra-, Garuda- und Bhuta-Tantras,
68.34
bhairave mātṛtantre ca yogaśāstre ca kāmike |
etadbījasamaṃ nāsti pañcākle ca prapañcake || 34 ||
Übersetzung: Bhairava- und Mutter-Tantras, Yogalehren, Kamika, Panchakala und Prapanchaka [Namen teilweise unsicher]
68.35
śaivasiddhāntamārgeṇa daśāṣṭādaśasāgare |
tasmātsarva prayatnena kūṭarājamanusmaret || 35 ||
Übersetzung: sowie im Meer der zehn und achtzehn Shaiva-Siddhanta-Schriften gibt es keinen gleichen Keim. Darum erinnere man sorgfältig den König der Lautgruppen.
68.36
mṛtyunāśaṃ purā puṇyahaṃsaṃ vai saṃpuṭetpunaḥ |
punaḥ somena saṃpuṭya samarasī bhāvamāśrayet || 36 ||
Übersetzung: Zuerst zur Todesvernichtung mit heiligem Hamsa, danach mit Soma umschließen und im gleichen Geschmack der Einheit ruhen.
68.37
rahasyametatsaṃpradāyaṃ na kathaṃ yasya kasyacit |
nābhau haṃsena vai vatsa japākusumasannibhau || 37 ||
Übersetzung: Diese geheime Überlieferung soll man nicht beliebig mitteilen. Im Nabel mit Hamsa, hibiskusfarben,
68.38
pañcagulmānapohanti māsārdhena ṣaḍānana |
nābheradhastātkūṭena bālārkasadṛśena ca || 38 ||
Übersetzung: beseitigt man fünf Bauchgeschwülste in einem halben Monat. Unterhalb des Nabels mit der Lautgruppe wie junge Sonne
68.39
aṣṭhīlānpañcadaśaṃ syātṣoḍaśāhena dhīmatā |
nābhau cottarapaścime ca abhyasedindrakopavat || 39 ||
Übersetzung: fünfzehn Ashthila-Verhärtungen in sechzehn Tagen. Nordwestlich des Nabels indrakoparot üben,
68.40
pañca vlīhān vinaśyanti pañcaviṃśaddinena ca |
māsamekaṃ cābhyasetkṣudhā nāgaṃ ca nāśayet || 40 ||
Übersetzung: dann verschwinden fünf Milzleiden in fünfundzwanzig Tagen. Einen Monat üben beseitigt Hunger und „Naga“ [Leiden unklar].
68.41
supuṣṭaḥ subhagaḥ śrīmān vicaretkāmadevavat |
bhānumaṇḍalamadhyasthaṃ mantrarājaṃ sadā nyaset || 41 ||
Übersetzung: Wohlgenährt, schön und glücklich wandelt man wie Kama. Den Mantrakönig stets in der Sonnenscheibe einsetzen,
68.42
mārtāṇḍodayavarṇābhaṃ maṇḍalaikaṃ samabhyaset |
- * * ṣṭādaśāhnanti sākṣānmārtāṇḍavatsthitaḥ || 42 ||
Übersetzung: wie Sonnenaufgang, einen Mandala-Zeitraum üben [weitere Aussage über achtzehn verloren]; unmittelbar wie die Sonne stehen.
68.43
kailāsamapi vai vatsa ṣaṇmāsābhyāsayogataḥ |
āditya iva vai dehaṃ bhavate mantratejasā || 43 ||
Übersetzung: Nach sechs Monaten Übung [Kailasa-Bezug unklar] wird der Leib durch Mantrakraft wie die Sonne.
68.44
ūrupradeśe deveśa jala * dvahni deśike |
cittena * * * * * māsamekannirantaram || 44 ||
Übersetzung: An den Oberschenkeln den Götterherrn mit Wasser und Feuer [Lücke] einen Monat ununterbrochen meditieren,
68.45
ūrustambhavināśāya vahnimaṇḍalamadhyakam |
jānupradeśe deveśamagnimaṇḍalamadhyagam || 45 ||
Übersetzung: gegen Oberschenkelstarre im Feuermandala; an den Knien den Götterherrn ebenfalls im Feuermandala,
68.46
saptaviṃśaddinaṃ dhyāyet saptavātapraṇāśanam |
māhendraṃ vahnimadhyasthaṃ * * yornābhimūlataḥ || 46 ||
Übersetzung: siebenundzwanzig Tage, gegen sieben Vata-Leiden. Indra-Mandala im Feuer, [Lücke] an der Nabelwurzel,
68.47
vaṃ kṣaṇe trikaṭe caiva kaṇṭhe vai kakṣayorapi |
dhyāyedvai mantrarājānaṃ bāhyāyāmavināśanam || 47 ||
Übersetzung: Leisten, Kreuz, Hals und Achseln den Mantrakönig gegen äußere Verkrampfung [bāhyāyāma] meditieren,
68.48
iḍāyāṃ piṅgalāyāṃ ca suṣumnāyāṃ tathaiva ca |
gāndhāraharijihvā ca pūṣā caiva yaśasvinī || 48 ||
Übersetzung: in Ida, Pingala, Sushumna, Gandhari, Hastijihva [Vorlage: harijihvā], Pusha und Yashasvini,
68.49
alaṃpūṣā kuhūścaiva śaṅkhinī daśamī ca vā |
dhyāyettanmantrarājānaṃ bāhyāyāmavināśanam || 49 ||
Übersetzung: Alambusha, Kuhu und als zehnter Shankhini ebenfalls gegen äußere Verkrampfung.
68.50
ākṣiptaṃ svapnavātaṃ ca mantrarājena nāśanam |
dvādaśāraṃ tu saṃghaṭya bhṛṅgaṃ cānalavāruṇam || 50 ||
Übersetzung: Zuckungen und „Traumwind“ [Krankheitsname unsicher] vernichtet der Mantrakönig. Zwölf Speichen fügen, mit Biene, Feuer und Wasser,
68.51
tanmadhye mantrarājānaṃ cintayetsapta vai ghaṭiḥ |
somo rogavināśāya yogametaṃ samabhyaset || 51 ||
Übersetzung: darin sieben Ghatika den Mantrakönig meditieren. Diesen Yoga gegen Soma-Leiden üben.
68.52
vāyavyāgneyamāhendra vāruṇe ca sthitaṃ prabhum |
cintayenmeḍhramūle tu mūtrakṛcchravināśanam || 52 ||
Übersetzung: Den Herrn in Wind-, Feuer-, Indra- und Wassermandala an der Geschlechtswurzel gegen schmerzhaftes Wasserlassen meditieren.
68.53
māhendre vāruṇe vatsa mantrarājaṃ tu madhyagam |
meḍhramūle tu pārśve tu mūtramasthiṣu cintayet || 53 ||
Übersetzung: Im Indra- und Wassermandala den Mantrakönig an Geschlechtswurzel, Seiten und Harnorganen [letztes Wort beschädigt] vergegenwärtigen,
68.54
mūtrasāraṃ mūtradoṣaṃ daśāhā nāśayedguha |
somasūryāgnimadhyasthaṃ mantrarājaṃ japāprabham || 54 ||
Übersetzung: dann verschwinden Harnfluss und Harnfehler in zehn Tagen. Den hibiskusfarbenen Mantrakönig zwischen Mond, Sonne und Feuer
68.55
jaṭhare cintayedvatsa saptāṣṭadinameva vā |
atisāraṃ viṣūcīṃ ca nāśayetsannipātajān || 55 ||
Übersetzung: im Bauch sieben oder acht Tage meditieren: Durchfall, Vishuchika und kombinierte Dosha-Leiden werden beseitigt. [Aussage der historischen Quelle.]
iti kālottare vajrakavāṭalakṣaṇe mantrarājanābhidhyāna paṭalaḥ sarvavyādhi nivāraṇapaṭalaścāṣṭaṣaṣṭitamaḥ || 68 ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 68 über „Mantraraja, Nabelmeditation und Abwehr aller Krankheiten“.
Schlussabschnitt S64 – Konzentration unterhalb des Nabels und Mrityunjaya
Die nun folgenden vier Abschnitte haben widersprüchliche oder fehlende Kapitelangaben. Ihre Reihenfolge bleibt unverändert; S64–S67 sind redaktionelle Kennungen.
S64.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
nābheradhastāddvyaṅgulyaṃ(lyaṃ) nāḍīkandaṃ pratiṣṭhitam |
tanmadhye saṃsthitaṃ padmaṃ caturaṅgulamātrataḥ || 1 ||
Übersetzung: Ishvara sprach: Zwei Angula unter dem Nabel liegt der Nadi-Kanda; darin ein Lotus von vier Angula.
S64.2
dvyaṅgulaṃ karṇikāmātraṃ jvalatkanakasannibham |
tasya madhye paraṃ devaṃ deveśaṃ bhuvaneśvaram || 2 ||
Übersetzung: Sein Fruchtboden ist zwei Angula groß, glühend golden. In seiner Mitte der höchste Gott, Bhuvaneshvara,
S64.3
sarvajñaṃ sarvagaṃ śāntaṃ sarvato kṣiśiro mukham |
sakalaṃ niṣkalaṃ deva manaupamyasureśvaram || 3 ||
Übersetzung: allwissend, allgegenwärtig, friedvoll, überall mit Augen, Köpfen und Gesichtern, gestaltet und ungeteilt, unvergleichlicher Götterherr,
S64.4
brahmādistambhaparyantaṃ sṛṣṭisthitilayātmakam |
udbhidaḥ svedajāścaiva aṇḍajāśca jarāyujāḥ || 4 ||
Übersetzung: Schöpfung, Erhaltung und Auflösung von Brahma bis zum Grashalm. Aus Erde sprossende, feuchtigkeitsgeborene, eigeborene und leibgeborene Wesen
S64.5
caturvidhamabhūdgrāmaṃ carācaramidaṃ jagat |
lakṣañcaturabhītiśca pṛthagyoniṣu tiṣṭhati || 5 ||
Übersetzung: bilden die vierfache bewegliche und unbewegliche Welt in vierundachtzig Laksha verschiedenen Geburten.
S64.6
samasteṣu padārtheṣu tiṣṭhatena ca lipyate |
tadutpannaṃ jagatsarvaṃ tamasaśca carācaram || 6 ||
Übersetzung: Er besteht in allen Dingen, ohne befleckt zu werden; aus ihm entsteht die ganze Welt [Dunkelheitsbezug beschädigt].
S64.7
amṛteśaṃ pravakṣyāmi mṛtyunāśanamuttamam |
dharmārthakāmamokṣaṃ ca trailokyaṃ caiva sādhanam || 7 ||
Übersetzung: Ich erkläre Amritesha, höchste Todesvernichtung, der Dharma, Wohlstand, Verlangen, Befreiung und die drei Welten erschließt.
S64.8
catuścatvāriṃśatitamaḥ māheśaṃ tatra jāyate |
sarvasaṃhārabījaṃ tu sarvasavyūhanaṃ yutam || 8 ||
Übersetzung: Der vierundvierzigste [Laut] wird dort Mahesha, der allauflösende Keim, mit allen Entfaltungen verbunden,
S64.9
sarvaṃ sadyonisaṃyuktaṃ sarvodakasamāyutam |
sthitisaṃhārasaṃyuktaṃ trailokya nāyakaṃ param || 9 ||
Übersetzung: mit allem Ursprung und Wasser, Erhaltung und Auflösung, höchster Herr der drei Welten,
S64.10
drutacāmīkaraprakhyaṃ mahārajatasaprabham |
tasya dhyānaṃ pravakṣyāmi sadyomṛtyuvināśanam || 10 ||
Übersetzung: wie flüssiges Gold und reines Silber. Ich erkläre seine unmittelbar todesvernichtende Meditation.
S64.11
pañcacatvāriṃ * * * ya saptena samanvitam |
hutabhukpavanaḥ somaṣṣaṣṭhaścaiva caturdaśam || 11 ||
Übersetzung: Der fünfundvierzigste [Textlücke], mit siebtem, Feuer, Wind, Soma, sechstem und vierzehntem verbunden,
S64.12
hariharasamāyuktaṃ bhuvaneśvarakūṭakam |
samare trailokyasiddhistu kiṃpunarmṛtyunāśanam || 12 ||
Übersetzung: mit Hari und Hara: die Bhuvaneshvara-Lautgruppe. Im Kampf gewährt sie Macht über die drei Welten; umso mehr Todesvernichtung.
S64.13
yau bījau sarvaloke vā śāntiḥ puṣṭiḥ pravartate |
vaiśyamākarṣaṇaṃ caiva senāstambhaṃ ca ṣaṇmukha || 13 ||
Übersetzung: Diese beiden Keime bewirken überall Frieden, Gedeihen, Beeinflussung, Heranziehung und Stillsetzen von Heeren,
S64.14
mahāsenajayaścaiva mahāsaubhāgyavardhanam |
japo yogaśca dhyānaṃ ca samādhiśca caturvidham || 14 ||
Übersetzung: Sieg über große Heere und großes Glück. Vierfach sind Japa, Yoga, Meditation und Samadhi.
S64.15
catuṣṭayaṃ yena vai vatsa mṛtyunāśanamāpnuyāt |
japoyogo guṇadhyānaṃ dhyānānmṛtyuṃ jayiṣyati || 15 ||
Übersetzung: Durch diese Vierheit erlangt man Todesvernichtung. Japa, Yoga und Eigenschaftsmeditation [Verknüpfung unsicher]; durch Meditation wird der Tod überwunden.
S64.16
dhyānācchataguṇaṃ vatsassamādhiḥ śāśvataṃ padam |
samādhiniṣṭastasya tasya tiṣṭhati vai śivaḥ || 16 ||
Übersetzung: Samadhi ist hundertmal höher als Meditation, die ewige Stätte. Wer darin feststeht, in dem wohnt Shiva.
S64.17
āhūtaṃ saṃplavaṃ yāvatāvattiṣṭhati bhūtale |
akṣayo hyajare devassarvajñaḥ sarvagaḥ prabhuḥ || 17 ||
Übersetzung: Bis zur Auflösung der Elemente bleibt er auf Erden, unvergänglicher, alterloser, allwissender und allgegenwärtiger Herr.
S64.18
samādhistho naro loke tasya mṛtyurna vidyate |
parivārān pravakṣyāmi mantrarājasya ṣaṇmukha || 18 ||
Übersetzung: Für den in Samadhi ruhenden Menschen gibt es keinen Tod. Nun das Gefolge des Mantrakönigs:
S64.19
layadvayaṃ nyasedaindre kubjakundasamaprabham |
lāvādvayaṃ bhraṃśe nyaseḍḍāḍimi kumudaprabham || 19 ||
Übersetzung: La und ya [Vorlage abweichend zur folgenden va-Reihe] auf Indra, wie Kubja und Jasmin; lā und vā auf Bhramsha, granatapfel- und kumudafarben,
S64.20
lividvayaṃ nyasedagnau karavīrārkasannibhau |
līvīdvayaṃ nyasedvitathe śaṅkhāśokasamaprabhau || 20 ||
Übersetzung: li und vi auf Agni, karavira- und sonnenfarben; lī und vī auf Vitatha, muschel- und ashokafarben,
S64.21
luvudvayaṃ nyasedyāmye sindūrasphaṭikaprabham |
lūvūdvayaṃ nyasedbhṛṅge pakṣimuktāphalaprabhau || 21 ||
Übersetzung: lu und vu auf Yama, zinnober- und kristallfarben; lū und vū auf Bhringa, vogel- und perlenfarben,
S64.22
ḷ vṛ dvayaṃ nir-ṛtyāṃ tu bandhūkakundasannibhau |
ḹ vṝ dvayaṃ tu sugrīve drutarajatasaprabhau || 22 ||
Übersetzung: ḷ und vṛ auf Nirriti, bandhuka- und jasminfarben; ḹ und vṝ auf Sugriva, wie flüssiges Silber [l/ḷ-Schreibung gestört],
S64.23
lḷ vḷ dvaye dale gairikasphaṭikaprabhau |
lḹ vḹ dvau śeṣe nyaset dhīmān mākṣīra sannibhau || 23 ||
Übersetzung: lḷ und vḷ auf [Blattname fehlt], rötel- und kristallfarben; lḹ und vḹ auf Shesha, milchähnlich [beschädigt],
S64.24
leve pāyau nyasedvatsa * * * * * sannibhau |
lai vai mukhya nyase * * * * * kusumaprabhau || 24 ||
Übersetzung: le und ve auf „Payu“ [wohl Wind; beschädigt], Farbe verloren; lai und vai auf Mukhya, [unleserliche] Blütenfarbe,
S64.25
lo vo dvandvaṃ nyasedvatsa some tu japāsannibhau |
lau vau nyasedatīte tu vidrumasphaṭikaprabhau || 25 ||
Übersetzung: lo und vo auf Soma, hibiskusfarben; lau und vau auf Aditi, korallen- und kristallfarben,
S64.26
laṃ vaṃ nyasedatheśāne mārtāṇḍasadṛśaprabhau |
laḥ vaḥ kṣipraṃ jayedvatsa ka * randrasamaprabhau || 26 ||
Übersetzung: laṃ und vaṃ auf Ishana, sonnenhell; laḥ und vaḥ auf Jaya, wie [beschädigter Vergleich].
S64.27
mūlabījacayo loke mahāścaryaphalaprabhau |
sūryakoṭi samaprakhyau candrakoṭisamaprabhau || 27 ||
Übersetzung: Die beiden Wurzelkeime haben wundersame Wirkung, wie zehn Millionen Sonnen und zehn Millionen Monde,
S64.28
śivaśaktimayau dvau * * * kāmārthasādhakau |
mṛtyuñjayo prayoktavyo japādiṣu catuṣṭaye || 28 ||
Übersetzung: bestehen aus Shiva und Shakti, erfüllen Wünsche [Lücke]. Mrityunjaya verwende man in den vier Übungen von Japa an.
S64.29
mṛtyuñjayatrayeṇaiva haṃsabījena ṣaṇmukha |
saṃpuṭīkṛtya matimān prāsādaṃ garbhe tu nikṣipet || 29 ||
Übersetzung: Mit dem dreifachen Mrityunjaya und Hamsa umschließen; der Verständige lege Prasada ins Innere.
S64.30
sarvakūṭe tu vai vatsa prāsādagarbhe vinikṣipet |
prāsādagarbhe cātmānaṃ śaktyā kṛṣṇena yojayet || 30 ||
Übersetzung: In alle Lautgruppen lege man Prasada, in Prasada sich selbst, verbunden mit Shakti und dem schwarzen [Keim; unklar].
S64.31
daśasthāneṣu sarveṣu daśaprāṇayutena tu |
prāsādagarbhe saṃyojya paścātsaṃpuṭamārabhet || 31 ||
Übersetzung: An allen zehn Stellen mit zehn Lebenskräften in Prasada verbinden; danach umschließen.
S64.32
recakaṃ kumbhakaṃ tyajya kumbhakaṃ tu visarjayet |
samarasībhāvayogena nityamevaṃ sadābhyaset || 32 ||
Übersetzung: Ausatmen und Atemhalten aufgeben, Atemhalten loslassen [Wiederholung der Vorlage]; stets den Yoga des gleichen Geschmacks üben.
S64.33
atha ca dvai catuḥsandhyaṃ ghaṭikāṣṭau pṛthak pṛthak |
viśeṣamardharātreṣu ghaṭikā dvādaśaiva tu || 33 ||
Übersetzung: An vier Übergangszeiten je acht Ghatika, besonders um Mitternacht zwölf,
S64.34
samassī bhāvayogena samādhiṃ samyagācaret |
triṃśadvatsaraṃ nityaṃ abhyasetsusamāhitaḥ || 34 ||
Übersetzung: Samadhi im gleichen Geschmack der Einheit richtig ausführen, dreißig Jahre täglich gesammelt.
S64.35
ābhūtasaṃplavaṃ yāvattāvadvai śivavadbhavat |
balipalitanirmuktau dviraṣṭavarṣakākṛtiḥ || 35 ||
Übersetzung: Bis zur Weltauflösung wird man Shiva gleich, ohne Falten und graues Haar, sechzehnjährig aussehend.
S64.36
gokṣīrasadṛśaprakhyaṃ prāṇadaṃ cāmarecakam |
śaśinā pārśvayoḥ puṣyā ataścordhvaṃ triyakṣakaiḥ || 36 ||
Übersetzung: Milchweiß, lebenspendend und ohne Ausatmen [Lesung unsicher]; seitlich mit Mond, unten und oben mit dem Dreiäugigen umgeben [Satz gestört].
S64.37
haṃsena tasya bāhye tu saṃpuṭīkṛtya cāntayet |
ātmānaṃ śivaśaktyā tu hṛdayādākṛṣya tatra tu || 37 ||
Übersetzung: Außen mit Hamsa umschließen; sich selbst durch Shiva-Shakti aus dem Herzen dorthin ziehen,
S64.38
prāsādagarbhaṃ saṃyojyaṃ prāsādaṃ vahanagarbhake |
samarasībhāvayogena mṛtyunāśanamāpnuyāt || 38 ||
Übersetzung: in Prasadas Inneres, Prasada ins Innere des Trägerlautes [Lesung unsicher]; im gleichen Geschmack den Tod überwinden.
S64.39
prāsādagarbhe cātmānaṃ prāsādaṃ bhavanagarbhake |
tryakṣaraṃ saṃpuṭaṃ vidyāt tryakṣaraṃ cendunā puṭet || 39 ||
Übersetzung: Sich selbst in Prasada, Prasada im Bhuvana-Keim; mit drei Lauten umschließen, diese mit Mond,
S64.40
punarjīvena mukhyena hṛllekhāmanusaṃpuṭet |
bījamukhyena saṃpuṭya saṃpuṭedekapādataḥ || 40 ||
Übersetzung: wieder mit dem Hauptlebenslaut, Hrillekha, Hauptkeim und Ekapada,
S64.41
saṃpuṭeddhaṃsabījena caturdikṣu samāhitaḥ |
bahirantaḥ prasādena saṃpuṭettatra vittamaḥ |
saṃpuccaikādaśaṃ caivaṃ sarvaṃ mṛtyuñjayaṃ bhavet || 41 ||
Übersetzung: gesammelt in vier Richtungen mit Hamsa, innen und außen mit Prasada; elf Umschließungen bewirken umfassende Todesüberwindung.
S64.42
udare sarvakāryāṇi mahāmṛtyuvināśanam |
mantrasya nābhideśe tu āyu * mṛtyunāśanam || 42 ||
Übersetzung: Im Bauch alle Handlungen, große Todesvernichtung; im Nabel des Mantras Lebensdauer [Lücke] und Todesvernichtung,
S64.43
mantrasya śāśvatasthāne saṃhāraṃ mṛtyunāśanam |
mantrasya meḍhradeśe tu prajālābhaṃ tathāvadhi || 43 ||
Übersetzung: am ewigen Ort des Mantras Auflösung und Todesvernichtung, an seiner Geschlechtsstelle Nachkommenschaft,
S64.44
jānusthāne manuśaktyā śaktyādhāramihocyate |
mantraṃ hi devatārūpaṃ devarūpaṃ ca mantrakam || 44 ||
Übersetzung: an den Knien die Mantra-Shakti als Kraftstütze. Mantra ist Gottheitengestalt, Gottheitengestalt ist Mantra.
S64.45
mantradevasya ūrdhvau tu ātmānaṃ nāmameva vā |
viśeṣamṛtyurvai vatsa nāsti corabhayaṃ sadā || 45 ||
Übersetzung: Über dem Mantra-Gott setze man sich selbst oder den Namen ein; besonders gegen Tod [Satz gestört], ohne Diebesgefahr.
S64.46
mantrasya mantrake ghane * * * * * * * * |
ātmānaṃ prakṣipettatra nāma vā tatra nikṣipet || 46 ||
Übersetzung: Im dichten Mantra [Lücke] setze man sich selbst oder den Namen ein,
S64.47
mahāmṛtyuvināśāya pārśvayormantrasaṃyutam |
patatsthāneṣu vai vatsa ante mṛtyubhayaṃ bhavet || 47 ||
Übersetzung: gegen großen Tod, seitlich mit Mantra verbunden. An Fallstellen droht zuletzt Todesfurcht [Bedeutung unklar].
S64.48
mantrasya bāhyasthāneṣu apamṛtyuvināśanam |
saṃpuṭā veṣṭitaṃ caiva vidarbhaṃ kṣiptameva ca || 48 ||
Übersetzung: An äußeren Mantra-Stellen vorzeitigen Tod beseitigen. Umschlossen, umwickelt, eingeflochten und eingesetzt,
S64.49
prakṣiptaṃ golasaṃśliṣṭaṃ viśikraṣṭākrāntasaṃyutam |
saṃghaṭṭaṃ bandhanaṃ caiva bāhyābhyantaravyāpakam || 49 ||
Übersetzung: eingelegt, kugelförmig verbunden, [beschädigter Ausdruck für Trennung und Überlagerung], gefügt, gebunden, außen und innen durchdringend:
S64.50
evaṃ ca daśamārgaṃ tu ātmājñānārtha saṃjñitam |
bījakūṭākṣareṇaiva balaṃ mantreṣu yantrake || 50 ||
Übersetzung: So werden zehn Verfahren zur Selbsterkenntnis bezeichnet. Mit Keim-, Lautgruppen- und Buchstabenkraft im Mantra und Yantra
Unnummerierte Passage: padme cakre ca matimān yojayenmantrapāragān |
Übersetzung: sowie Lotus und Chakra setze der Verständige die Mantras ein [Schlussformulierung unklar]. Damit endet in der Dvadashasahasrasamhita des Kalottara der Abschnitt über den diamantenen Verschluss, Konzentration unterhalb des Nabels, Lotusgestaltung und Todesüberwindung. [Das Kolophon nennt zweifelnd „siebenundsechzigstes Kapitel“; hier nur Arbeits-ID S64.]
iti kālottare dvādaśasahasrasaṃhitāyāṃ vajrakavāṭalakṣaṇe nābherastāddhāraṇapadmavidhāna mṛtyuñjayapaṭalassaptaṣaṣṭitamaḥ ? ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara, in der Dvadashasahasra-Samhita das Kapitel 67 [in der Quelle mit Fragezeichen] über „Konzentration unterhalb des Nabels und Mrityunjaya“.
Schlussabschnitt S65 – Die beständige innere Ausrichtung
S65.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
tasya ca dvyaṅgulādhastānmahāpadmaṃ suśobhanam |
samādhiśca paraṃ divyaṃ sarvadeveśvareśvaram || 1 ||
Übersetzung: Ishvara sprach: Zwei Angula darunter liegt ein schöner großer Lotus; höchster göttlicher Samadhi, Herr aller Götterherren,
S65.2
sarvajñaṃ sarvagaṃ śāntaṃ sarvātmā sarvatomukham |
tatpadmakarṇikāmadhye āsīnaṃ hi sadāśivam || 2 ||
Übersetzung: allwissend, allgegenwärtig, friedvoll, Selbst von allem, allgesichtig: Sadashiva sitzt in seiner Mitte.
S65.3
prādeśamātrakaṃ padmaṃ sudṛḍhena samaprabham |
karṇikācaturaṅgulyaṃ keśaromanakhaprabham || 3 ||
Übersetzung: Der Lotus misst einen Pradesha und leuchtet [Vergleich beschädigt]; der Fruchtboden vier Angula, die Staubfäden wie Haare und Nägel [auffälliger Vergleich].
S65.4
ṣaṭcatvāriṃśaduddhṛtya trailokyanāyakaṃ param |
trailokyamohanaṃ devaṃ trailokyasya ca sthāpanam || 4 ||
Übersetzung: Den sechsundvierzigsten nehme man, den höchsten Dreiweltenherrn, der die drei Welten bezaubert und erhält,
S65.5
- * * * * rūpaṃ tu trailokyasya ca jīvanam |
trailokyasaṃhārabījaṃ mahāsaubhāgyavardhanam || 5 ||
Übersetzung: von [Textlücke] Gestalt, Leben und Auflösungskeim der drei Welten, großes Glück mehrend,
S65.6
mahālakṣmīsvarūpaṃ tu mahāsaubhāgyavardhanam |
strīrūpaṃ hi paraṃ * * * * * * naupamam || 6 ||
Übersetzung: Mahalakshmi selbst, großes Glück mehrend, weibliche höchste unvergleichliche Gestalt [Lücke].
S65.7
brahmādistambha paryantaṃ jīvanaṃ tasya tejasā |
adhaḥ pralayānalopetaṃ mahāsaṃhārasaṃyutam || 7 ||
Übersetzung: Von Brahma bis zum Grashalm lebt alles durch ihren Glanz. Unten mit Weltbrand und großer Auflösung verbunden,
S65.8
mahāgabhastisaṃyuktaṃ mahāvārisamanvitam |
- ṣṭhena tu punaryuktaṃ mithyā samyaksamanvitam || 8 ||
Übersetzung: mit großem Strahl, großem Wasser, dem sechsten [Anfang beschädigt] und „Mithya“ [Code unklar],
S65.9
sadāśivasya rūpaṃ hi sadyomṛtyuvināśanam |
tasyādhāraṃ pravakṣyāmi sadyaḥ pratyayakārakam || 9 ||
Übersetzung: ist dies Sadashivas unmittelbar todesvernichtende Gestalt. Ihre Stütze gewährt unmittelbare Gewissheit.
S65.10
vidyāśaktisvarūpaṃ tu sadyo mṛtyuvināśanam |
saptacatvāriṃśadvījaṃ dvādaśādityarūpakam || 10 ||
Übersetzung: Vidya-Shakti selbst, unmittelbar todesvernichtend: die siebenundvierzigste Keimsilbe als zwölf Adityas.
S65.11
tadvījātkoṭiśaktistu vāmādyā jāyate tu tat |
baḍabānalaṃ rudrarūpaṃ baḍavānalasaṃyutam || 11 ||
Übersetzung: Aus diesem Keim entstehen Millionen Shaktis von Vama an; Untermeerfeuer als Rudra, mit Untermeerfeuer verbunden,
S65.12
kalpāntānalasaṃyuktaṃ kalpāntodaka saṃyutam |
visargā tṛtīya saṃyuktaṃ * * * * * * * || 12 ||
Übersetzung: Kalpa-Endfeuer und Kalpa-Endwasser, dem dritten von Visarga [Textlücke],
S65.13
visargādekādaśopetaṃ manmathānalasaṃyutam |
murāricordhva saṃyuktaṃ tasyādhāramudāhṛtam || 13 ||
Übersetzung: dem elften von Visarga, Liebesfeuer und Murari darüber: dies ist ihre Stütze.
S65.14
abhyāsaṃ caiva kūṭābhyāṃ abhyāsānmṛtyunāśanam |
daśadvāraṃ samyaksaṃghaṭya vajrakavāṭairdaśabhirapi || 14 ||
Übersetzung: Mit beiden Lautgruppen üben vernichtet den Tod. Die zehn Tore mit zehn diamantenen Verschlüssen richtig schließen,
S65.15
mṛtyuñjayatrayeṇaiva oṃ juṃ sa caiva saṃpuṭet |
tato haṃsena saṃpuṭya tato vai bījamukhyataḥ || 15 ||
Übersetzung: mit dem dreifachen Mrityunjaya „oṃ juṃ sa“ umschließen, danach Hamsa und Hauptkeim,
S65.16
tato vai caikapādena hṛllekhā ca tataḥ puṭet |
ādhārādheyakūṭeṣu prāsādāteṣu vinyaset || 16 ||
Übersetzung: Ekapada und Hrillekha; in stützende und gestützte Lautgruppen Prasada einsetzen,
S65.17
prāsādānteṣu kṣetrajñaḥ śaktyā kūṭena vinyaset |
upāyametat paraṃ guhyaṃ rahasyaṃ na prakāśayet || 17 ||
Übersetzung: den Feldkenner in Prasada mit der Shakti-Lautgruppe. Dieses höchst geheime Mittel nicht öffentlich machen.
S65.18
mṛtyuñjaye pradhānaṃ hi saṃpradāyeṣu cottamam |
jāmbūnadasamaprakhyaṃ bandhūkakusumaprabham || 18 ||
Übersetzung: Es ist vorzüglich unter den Überlieferungen zur Todesüberwindung: goldglänzend, bandhukarot,
S65.19
kvacinnīhāra saprakhyaṃ kvacidagni samaprabham |
kvacittaṭitsamaprakhyaṃ kvacinmāṇikyasaprabham || 19 ||
Übersetzung: bald nebelhell, feurig, blitzend oder rubinfarben,
S65.20
kvacinmarataka prakhyaṃ kvacidvajra samaprabham |
kvacijjyoti samaprakhyaṃ kvacinmuktāphalaprabham || 20 ||
Übersetzung: bald smaragd- oder diamantglänzend, licht- oder perlenhell,
S65.21
kvacinmārtāṇḍa saṃkāśaṃ kvacidindu samaprabham |
kvacidindrāyudha prakhyaṃ indrakopakasannibham || 21 ||
Übersetzung: bald sonnen-, mond- oder regenbogenartig, indrakoparot,
S65.22
kvacijjapānibhaprakhyaṃ kvacitpadmasamaprabham |
mahārajatasaprakhyaṃ madhyāhnaravi sa prabham || 22 ||
Übersetzung: bald hibiskus- oder lotusfarben, wie reines Silber oder Mittagssonne,
S65.23
kvacitsindūra saṃprakhyaṃ kvacitsphaṭikasannibham |
evaṃ sadāśivaṃ rūpaṃ anubhavasya tu bhāsate || 23 ||
Übersetzung: bald zinnoberrot oder kristallhell: So erscheint Sadashivas Gestalt in der Erfahrung.
S65.24
śivaśaktinipātasya śraddhābhaktisamanvitaḥ |
gurubhakti prasādena svānubhavaṃ hi jāyate || 24 ||
Übersetzung: Durch Herabkunft von Shivas Kraft, mit Vertrauen und Hingabe und durch die Gnade der Guru-Hingabe entsteht eigene Erfahrung.
S65.25
japasiddhiḥ dhāraṇāsiddhiḥ dhyānasiddhiḥ ṣaḍānana |
guruprasādāllabhate samādhirdhyānameva ca || 25 ||
Übersetzung: Vollendung von Japa, Dharana, Meditation und Samadhi erlangt man durch die Gnade des Guru.
S65.26
mṛtyuñjayo bhavetkṣipraṃ guruprasādena ṣaṇmukha |
dharmārthakāmamokṣāṃśca guruprasādena sādhayet || 26 ||
Übersetzung: Durch seine Gnade wird man rasch Todesüberwinder und verwirklicht Dharma, Wohlstand, Verlangen und Befreiung.
S65.27
pitā koṭisahasrāṇi mātā śatasahsrakaiḥ |
putrabhrātṛkalatraiśca kharvakoṭiśatāni ca || 27 ||
Übersetzung: Tausend Koti Väter, hunderttausend Mütter, Söhne, Brüder und Gemahlinnen in hundert Koti Kharva Zahl:
S65.28
śivādhikaḥ sa vai vatsa gurureko viśiṣyate |
tasmātsarvaprayatnena prathamaṃ pūjayedgurum || 28 ||
Übersetzung: Der eine Guru überragt sie, wird sogar höher als Shiva genannt. Darum verehre man zuerst sorgfältig den Guru.
S65.29
haimābharaṇavastraiśca gobhūmikāñcanādibhiḥ |
alaṃkṛtā gajāścaiva dāsīdāsaiśca pūjayet || 29 ||
Übersetzung: Mit goldenem Schmuck, Gewändern, Kühen, Land, Gold, geschmückten Elefanten, Dienerinnen und Dienern ehre man ihn.
S65.30
mikatra bahunoktena kiṃ bahvakṣaramālayā |
guruṃ śivaṃ ca vidyāṃ ca pūjayettrayamādarāt || 30 ||
Übersetzung: Wozu viele Worte und lange Buchstabenreihen? Guru, Shiva und Vidya verehre man alle drei ehrfürchtig.
S65.31
teṣu sarveṣu vai vatsa pradhānaṃ gurumeva hi |
sadāśivasya sthāne tu saṃpuṭīkṛtya bhāvayet || 31 ||
Übersetzung: Unter ihnen ist der Guru vorrangig. An Sadashivas Stätte umschließe und vergegenwärtige man [das Selbst].
S65.32
ajarāmaratvamāpnoti śivavadvicarenmahim |
viṃśatsaṃvatsaraṃ bhadra trisandhyaṃ saptanāḍikam || 32 ||
Übersetzung: Man wird alters- und todesfrei und wandelt wie Shiva. Zwanzig Jahre zu drei Tagesübergängen je sieben Nadi,
S65.33
palūpalita nirmukto dviraṣṭavarṣakākṛtiḥ |
daśahastibalaṃ prāpya anaṅga iva krīḍate || 33 ||
Übersetzung: dann ist man ohne Falten und graues Haar, sechzehnjährig, mit zehnfacher Elefantenkraft, spielend wie Ananga.
S65.34
triṃśadvarṣaṃ triguṇaṃ ca catvāriṃśaccaturguṇam |
pañcāśadvatsātpañcaguṇaṃ bhavati yoginaḥ || 34 ||
Übersetzung: Bei dreißig Jahren dreifach, vierzig vierfach, fünfzig fünffach wächst die Kraft des Yogis.
S65.35
yāvatsamāścābhyadhikaṃ tāvatkalpāntaṃ jīvati |
parivārān pravakṣyāmi mantrarājasya sāṃpratam || 35 ||
Übersetzung: Entsprechend längerer Übung lebt er bis zum Kalpa-Ende. Nun das Gefolge des Mantrakönigs:
S65.36
pūrvādārabhya senādi vinyasetsusamāhitaḥ |
śḷ ṣḷ śḹ ṣḹ śeṣe caiva tānyantareṣu kalpayet || 36 ||
Übersetzung: Im Osten beginnend gesammelt einsetzen. Śḷ, ṣḷ, śḹ und ṣḹ bei Shesha und dazwischen anordnen. [Der Beginn der Lautreihe fehlt.]
S65.37
śai ṣai śo ṣo caiva paścātkalpayitvā tu suvrata |
śau ṣau śaṃ ṣaṃ śaḥ ṣaḥ caiva kalpayitvā tu bhāvayet || 37 ||
Übersetzung: Danach śai, ṣai, śo, ṣo, śau, ṣau, śaṃ, ṣaṃ, śaḥ und ṣaḥ anordnen und meditieren.
S65.38
sarve kundendunibhāḥ śaṅkhagokṣīrasannibhāḥ |
bhāvayedvidhivadvatsa mṛtyuṃ jitvā na saṃśayaḥ || 38 ||
Übersetzung: Alle sind jasmin-, mond-, muschel- und milchweiß. Vorschriftsgemäß vergegenwärtigt überwindet man den Tod.
S65.39
etaccakraṃ mahāsena uttamaṃ paramaṃ mahat |
devāsurā na jānanti tava snehātprakāśitam || 39 ||
Übersetzung: Dieses höchste große Chakra kennen Götter und Asuras nicht; aus Zuneigung habe ich es dir offenbart.
S65.40
mahacchriyamavāpnoti mahatsaubhāgyamāpnuyāt |
ayutaṃ japetpaścimadvāre loke vaśyamavāpnuyāt || 40 ||
Übersetzung: Man erlangt große Fülle und Glück. Zehntausend Rezitationen am westlichen Tor bringen Einfluss auf die Welt,
S65.41
- * * yena strīvaśyaṃ bhavate nātra saṃśayaḥ |
japedayutatrayeṇaiva rājavaśyaṃ bhavedguha || 41 ||
Übersetzung: [Textlücke] auf Frauen; dreißigtausend Rezitationen Einfluss auf den König,
S65.42
puruṣavaśyaṃ bhavet kṣipraṃ * * * ñca śatena ca |
nāgavaśyaṃ śataiḥ ṣaṣṭihastivaśyaṃ tridhāśitiḥ || 42 ||
Übersetzung: rasch auf Menschen durch [Zahl beschädigt], auf Schlangen durch sechstausend, auf Elefanten durch „dreifach achtzig“ [unsicher].
S65.43
grāmavaśyaṃ bhavedvatsa lakṣajāpena sādhakaḥ |
nagarāṇāṃ śataṃ vatsa bhavetpaśyanti lakṣakaiḥ || 43 ||
Übersetzung: Hunderttausend Rezitationen bringen Einfluss auf ein Dorf; bei hundert Städten Laksha-Rezitationen [Zahlzuordnung beschädigt].
iti kālottare dvādaśasahasrasaṃhitāyāṃ vajrakavāṭalakṣaṇe sadādhyātmapaṭalo'ṣṭaṣaṣṭitamaḥ ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara, in der Dvadashasahasra-Samhita das Kapitel 68 über „Die beständige innere Ausrichtung“.
Schlussabschnitt S66 – Die ewige Stätte und Shivakuta
S66.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
nābheradhasthādaṅgulyādaṣṭāṅgulamudāhṛtam |
śāśvataṃ sthānamevāhuḥ * * * * * * hṛtam || 1 ||
Übersetzung: Ishvara sprach: Acht Angula unter dem Nabel liegt die ewige Stätte [weiterer Wortlaut beschädigt].
S66.2
brahmāviṣṇusurāḥ sarve lokapālādayaḥ smṛtāḥ |
indrāgniyamanir-ṛtivaruṇā vāyureva ca || 2 ||
Übersetzung: Brahma, Vishnu, alle Götter und Welthüter, Indra, Agni, Yama, Nirriti, Varuna und Vayu,
S66.3
someśāna guhāścaiva na jānanti sthānamuttamam |
rudraikādaśakāḥ sarve dvādaśādityā eva ca || 3 ||
Übersetzung: Soma, Ishana und Guha kennen diese höchste Stätte nicht, auch nicht die elf Rudras, zwölf Adityas
S66.4
aṣṭau tu vasavaścaiva na jānanti hi śāśvatam |
manurdakṣo vasuścaiva kāśyapo nāradastathā || 4 ||
Übersetzung: und acht Vasus. Manu, Daksha, Vasu, Kashyapa, Narada,
S66.5
viśvāmitro vasiṣṭhaśca gautamo bhārgavastathā |
vālmīkī vāmadevaśca parāśaravyāsabhārgavāḥ || 5 ||
Übersetzung: Vishvamitra, Vasishtha, Gautama, Bhargava, Valmiki, Vamadeva, Parashara, Vyasa, Bhargava,
S66.6
aṅgirā atrirdakṣaśca kṛ * syalikhinaśca ca |
śāśvataṃ sthānamete hi na jānanti kadācana || 6 ||
Übersetzung: Angiras, Atri, Daksha und [beschädigte Namen, Likhita erkennbar] kennen die ewige Stätte nicht.
S66.7
atiguhyaṃ paraṃ sūkṣmaṃ sūkṣmātsūkṣmataraṃ param |
adhastānmeḍhramūlaṃ tu ūrdhvādhastānmahānalaḥ || 7 ||
Übersetzung: Sie ist höchst geheim, feiner als das Feinste. Unterhalb die Geschlechtswurzel, darüber und darunter das große Feuer,
S66.8
dakṣiṇā kaṭiphalakā * * rākaṭhipīṭhakāt |
hindrakāddakṣiṇaṃ pūrvā paścimottarakaṅkaṭāt || 8 ||
Übersetzung: rechts die Hüftplatte [Textlücke]; weitere rechte, vordere, hintere und nördliche Begrenzungen sind beschädigt,
S66.9
dhiṣṇīyaṃ dakṣiṇaṃ paścimāt yātpūrvottaraṃ guha |
ete caivāṣṭasīmānte tatsthānaṃ caturaṅgulam || 9 ||
Übersetzung: ebenso die Richtungsangaben dieses Verses. Innerhalb der acht Grenzen misst die Stätte vier Angula.
S66.10
kadambagolakākāraṃ śāśvata sthānameva ca |
nābheradhastādaṣṭāṅgulaṃ trikoṇākāramuttamam || 10 ||
Übersetzung: Wie eine runde Kadamba-Blüte ist die ewige Stätte, acht Angula unter dem Nabel, von höchster dreieckiger Gestalt.
S66.11
tatsthānaṃ kaulakābāhu * * * śuddhakojanāḥ |
sarvajñaḥ paripūrṇaśca sarvātmā sarvatomukhaḥ || 11 ||
Übersetzung: [Beschädigte Aussage zu Kaula und Reinheit.] Dort ist der Allwissende, Vollkommene, das Selbst von allem, der Allgesichtige.
S66.12
śivasya paripūrṇasya jñānaṃ śāśvatamuttamam |
niṣkalaṃ nirmalaṃ nityaṃ niṣprapañcamalakṣaṇam || 12 ||
Übersetzung: Das höchste ewige Wissen des vollkommenen Shiva ist ungeteilt, rein, beständig, ohne Vielheit und Kennzeichen,
S66.13
apṛthakyannirālambyamānandamacalaṃ dhruvam |
kalpanārahitaṃ śūnyaṃ manasotītagocaram || 13 ||
Übersetzung: ungetrennt, ohne Stütze, Glückseligkeit, unbewegt und fest, ohne Vorstellungen, leer, jenseits des Geistes,
S66.14
heyopādeyarahitaṃ sarvāṅgaṃ ca vivarjitam |
- * * * * * * * bāhyābhyantara saṃsthitam || 14 ||
Übersetzung: frei von Anzunehmendem und Abzuweisendem und allen Gliedern [Lücke], innen und außen gegenwärtig,
S66.15
astināstitvarahitaṃ svasvavedyaṃ paraṃ mahat |
guruprasādena vatsaḥ paratattvaṃ hi vandati || 15 ||
Übersetzung: jenseits von Sein und Nichtsein, nur selbst erfahrbar, höchstes Großes. Durch Guru-Gnade begegnet man diesem höchsten Prinzip.
S66.16
tatra sthitaṃ mahāpadmaṃ sūryakoṭisamaprabham |
dvātriṃśaddalasaṃyuktaṃ karṇikākesarānvitam || 16 ||
Übersetzung: Dort liegt ein großer Lotus, wie zehn Millionen Sonnen, zweiunddreißigblättrig, mit Fruchtboden und Staubfäden.
S66.17
tasya madhye sthitaṃ śāntaṃ śivaṃ paramakāraṇam |
jīvantaṃ suṣiraṃ gṛhya atha saṃhārasaṃyutam || 17 ||
Übersetzung: In seiner Mitte der friedvolle Shiva, höchste Ursache. Lebens- und Hohlraumlaut nehmen, mit Auflösung verbinden,
S66.18
śāntaṃ vahnisamāyuktaṃ yugāntānila saṃyutam |
suśāntāmbu samāyuktaṃ trayodaśāntena saṃyutam || 18 ||
Übersetzung: Frieden, Feuer, Weltendwind, höchst friedvolles Wasser und dreizehntes Ende,
S66.19
ṣaṣṭhasvarasamāyuktaṃ śivanārāyaṇātmakam |
mahāmāyordhva saṃyuktamūrdhvavahni samāyutam || 19 ||
Übersetzung: sechsten Vokal, Shiva und Narayana, darüber Mahamaya und oberes Feuer.
S66.20
etadvai śivakūṭaṃ tattava snehādudāhṛtam |
śvetaṃ kṛṣṇaṃ tathāraktaṃ haritaṃ pārāvataprabham || 20 ||
Übersetzung: Dies ist die Shiva-Lautgruppe, dir aus Zuneigung erklärt: weiß, schwarz, rot, grün, taubenfarben,
S66.21
śyāmaṃ mañjiṣṭhasaṃkāśaṃ tuṣārarajataprabham |
śuddhakundendu saṃkāśaṃ kūṭamekādaśātmakam || 21 ||
Übersetzung: dunkel, krappfarben, schnee- und silberhell, rein wie Jasmin und Mond; die Lautgruppe besteht aus elf.
S66.22
ekādaśaṃ mahāvarṇaśvetādikramaṃ śodhayet |
anuccāryaṃ triśakairvatsa brahmaviṣṇupurandaraiḥ || 22 ||
Übersetzung: Die elf großen Laute der Reihe nach von Weiß an reinigen. Götter, Brahma, Vishnu und Indra können sie nicht aussprechen,
S66.23
guruprasādena coccārya anyathā śatavarṣakaiḥ |
ādhāra madhye padmetu cintayet susamāhitaḥ || 23 ||
Übersetzung: wohl aber durch Guru-Gnade; anders auch in hundert Jahren nicht. Im Lotus der Stütze gesammelt meditieren.
S66.24
tasyādhāraṃ pravakṣyāmi tattvataḥ śṛṇu ṣaṇmukha |
śāntaṃ dāntaṃ samuddhṛtya kālānalasamanvitam || 24 ||
Übersetzung: Nun ihre Stütze: Shanta und Danta nehmen, mit Zeitfeuer verbinden,
S66.25
marudvārisamāyuktaṃ visargādyadi saṃyutam
vādbhavātṣaṣṭhamaṃ bījaṃ sṛṣṭipralayasaṃyutam || 25 ||
Übersetzung: Wind, Wasser und Visarga-Anfang, sechster Keim von Vagbhava, Schöpfung und Auflösung.
S66.26
satyādhāramidaṃ vatsa mṛtyuvañcanakārakam |
sattvaṃ rajastamaścaiva somasūryāgnimeva ca || 26 ||
Übersetzung: Dies ist die wahre Stütze zur Todesüberwindung. Sattva, Rajas, Tamas, Mond, Sonne, Feuer,
S66.27
ātmānaścāntarātmānaṃ paramātmānameva ca |
pṛthivyāpastathā tejo vāyurākāśameva ca || 27 ||
Übersetzung: Atman, innerer Atman, Paramatman, Erde, Wasser, Feuer, Wind und Raum,
S66.28
śrotraṃ tvakcakṣurjihvā ca ghrāṇaścaiva tu pañcamam |
vākpādapāṇipāyūpasthaṃ caiva tu pañcamam || 28 ||
Übersetzung: Gehör, Haut, Auge, Zunge, Nase; Rede, Füße, Hände, After und Geschlechtsorgan,
S66.29
śabdaḥ sparśaśca rūpaṃ ca rasogandhaśca pañcamaḥ |
manohaṃkāraśca mahān prakṛtiḥ puruṣastathā || 29 ||
Übersetzung: Klang, Berührung, Form, Geschmack, Geruch; Manas, Ahamkara, Mahat, Prakriti und Purusha,
S66.30
rāgo māyā ca vidyā ca kālo niyati vigrahe |
śuddhamāyā śuddhakalā sadāśivaśivastathā || 30 ||
Übersetzung: Raga, Maya, Vidya, Zeit und Niyati, reine Maya, reine Kala, Sadashiva und Shiva:
S66.31
catuścatvāriṃśatkalā karṇikopari kalpayet |
teṣāṃ madhye mahāśaktiḥ hṛllekhā parameśvarī || 31 ||
Übersetzung: Vierundvierzig Kalas ordne man über dem Fruchtboden an. In ihrer Mitte Mahashakti, Hrillekha, Parameshvari.
S66.32
tasyopari nyaseddevaṃ śivakūṭamanāmayam |
haṇḍarūpaṃ ha kṣetrajñaṃ kūṭamadhye tu nikṣipet || 32 ||
Übersetzung: Darüber den leidlosen Gott als Shiva-Lautgruppe; den Feldkenner in [Gestaltbezeichnung beschädigt] darin einsetzen.
S66.33
- * nā pūrvaṃ saṃpuṭya tryakṣareṇa punaḥ puṭet |
punarvai bīja mukhyena punarvai caikapādataḥ || 33 ||
Übersetzung: Zuerst mit [Textlücke] umschließen, dann drei Lauten, Hauptkeim und Ekapada,
S66.34
punarvai mallabījena punarvai jhallabījataḥ |
punarvai ghaṭṭabījena punarvaidhārabījataḥ || 34 ||
Übersetzung: Malla-, Jhalla-, Ghatta- und Dhara-Keim,
S66.35
punarvai yoktabījena * * * * * * * * |
punarvai saṃhārabījena indreṇa varuṇena ca || 35 ||
Übersetzung: Yokta-Keim [Lücke], Auflösungskeim, Indra und Varuna,
S66.36
śriyā puruṣajīvena dharaṇyā keśavena ca |
māyānalasamāyuktaṃ bindunādasamanvitam || 36 ||
Übersetzung: Shri, Purusha, Jiva, Dharani und Keshava, mit Maya, Feuer, Bindu und Nada.
S66.37
ekaikena tu bījaṃ hi agnimāyāsamanvitam |
bindunādasamākrāntaṃ sarvabījeṣu suvrata || 37 ||
Übersetzung: Jeden Keim mit Feuer, Maya, Bindu und Nada verbinden, Gelübdetreuer.
S66.38
daśavajrakavāṭaiśca samyagghaṭṭavidhānavit |
cintayedamṛtaṃ bījaṃ samarasīkṛtavigraham || 38 ||
Übersetzung: Die zehn diamantenen Verschlüsse richtig fügen; den Amrita-Keim und den zur Einheit gewordenen Leib meditieren.
S66.39
sākṣānmṛtyuñjayopāyaṃ tava snehātprakāśitam |
ajarāmaratvamāpnoti vatsaratrayakālataḥ || 39 ||
Übersetzung: Dieses unmittelbare Mittel zur Todesüberwindung habe ich dir offenbart; in drei Jahren wird man alters- und todesfrei.
S66.40
na japena na hīmena na ca mantrairna pūjayā |
sarvadā cintayetkūṭaṃ kalpakoṭiṃ sa jīvati || 40 ||
Übersetzung: Nicht durch Japa, Feueropfer, Mantras oder Verehrung: stets die Lautgruppe vergegenwärtigen, dann lebt man eine Koti Kalpas.
S66.41
na niyamaṃ yamannaiva āsanannāsti ṣaṇmukha |
prāṇāyāmaṃ tatra nāsti pratyāhāraṃ ca varjayet || 41 ||
Übersetzung: Dort gibt es weder Yama noch Niyama noch Asana, weder Pranayama noch Pratyahara.
S66.42
dhyānadhoraṇako nāsti samādhirnāsti tattvataḥ |
recakaṃ pūrakaṃ nāsti kumbhakaṃ nāsti vastutaḥ || 42 ||
Übersetzung: In Wahrheit gibt es dort weder Meditation, Dharana noch Samadhi, weder Ausatmen, Einatmen noch Atemhalten.
S66.43
samastaprāṇasaṃjñikānnāsti satyaṃ ṣaḍānana |
satyamekaṃ parañcaiva ālambaṃ caivameva tat || 43 ||
Übersetzung: Auch die Gesamtheit der sogenannten Lebenskräfte besteht dort nicht, wahrlich. Nur die eine höchste Wirklichkeit ist die Stütze.
S66.44
samasībhāvatattvaṃ ca samādhiṃ caikavastutaḥ |
eka eva śivaḥ sarvaṃ jagatsthāvarajaṅgamam || 44 ||
Übersetzung: Die Wirklichkeit des gleichen Geschmacks ist Samadhi in der einen Wirklichkeit: Shiva allein ist die ganze bewegliche und unbewegliche Welt.
S66.45
abhyasedekacittena mahākalpaṃ sa jīvati |
śivakūṭarahasyaṃ tu mṛtyuvañcanakaṃ param || 45 ||
Übersetzung: Mit einheitlichem Geist üben lässt einen großen Kalpa leben. Dies ist das höchste Geheimnis der Shiva-Lautgruppe zur Todesüberwindung.
S66.46
aṣṭadhā śivabhedaṃ tu śivakūṭe pradarśitam |
sakalaṃ niṣkalaṃ śūnyaṃ kalāḍyaṃ samalaṅkṛtam || 46 ||
Übersetzung: Acht Unterscheidungen Shivas werden darin gezeigt: gestaltet, ungeteilt, leer, mit Kalas erfüllt und geschmückt,
S66.47
kṣapaṇaṃ kṣayamannasthaṃ karṇoṣṭaṃ cāṣṭamaṃ smṛtam |
sadāśivasvarūpaṃ hi prāsādaṃ parikīrtitam || 47 ||
Übersetzung: Kshapana, Kshayantastha und Kanthoshtha [Bezeichnungen teilweise verderbt]. Prasada gilt als Sadashivas Gestalt.
S66.48
śivakūṭaṃ śivamevāhuḥ tatrajñaiḥ samudāhṛtam |
aṣṭāviṃśaddevakoṭiśśivakūṭe tu saṃsthitāḥ || 48 ||
Übersetzung: Die Shiva-Lautgruppe nennen Kundige Shiva selbst. Achtundzwanzig Koti Gottheiten wohnen darin,
S66.49
aṣṭāviṃśacchaktikoṭiśśivakūṭe tu saṃsthitāḥ |
aṣṭāvikalpadevaṃ tu tiryagyoniṃ ca pañcamam || 49 ||
Übersetzung: ebenso achtundzwanzig Koti Shaktis. Acht göttliche Abstufungen und fünf tierische Geburten,
S66.50
mānuṣaṃ caikadhātuścaturdaśa bhuvanaṃ bhavet |
jarāyujāṇḍajebhyastu tathā ca svedajodbhijaiḥ || 50 ||
Übersetzung: eine menschliche ergeben vierzehn Welten. Leib-, ei-, feuchtigkeits- und erdgeborene Wesen,
S66.51
yoniścaturvidhānteṣu śaktikūṭe tu saṃsthitāḥ |
teṣāṃ sarveṣu bhūteṣu caturāśītilakṣake || 51 ||
Übersetzung: diese vier Geburtsarten wohnen in der Shakti-Lautgruppe, insgesamt vierundachtzig Laksha Wesen.
S66.52
paśavaśca mṛgāścaiva narāśca pakṣiṇo gajāḥ |
vyālāścaiva tu vai vatsaṃ jarāyujāstu kīrtitāḥ || 52 ||
Übersetzung: Vieh, Wild, Menschen, Vögel [auffällige Einordnung], Elefanten und Raubtiere gelten als leibgeboren,
S66.53
vāyasā haṃsakāraṇḍāśyena gandhāśca yūṣakāḥ |
kṛkalā sarvagaurādi godhāścaiva tu kokilāḥ || 53 ||
Übersetzung: Krähen, Schwäne, Enten, Falken, [beschädigte Vogelnamen], Chamäleons, Schlangen, Geckos, Warane und Kuckucke,
S66.54
aṅgajā khagajāraṇyā pakṣiṇaścāpi sarvaśaḥ |
kṛmiḥ kundaḥ pipīlikā yūkāmatkuṇamakṣikāḥ || 54 ||
Übersetzung: eigeborene Wald- und sonstige Vögel [Anfang gestört]; Würmer, Kunda [Tier unklar], Ameisen, Läuse, Wanzen, Fliegen,
S66.55
kṣudradaṃśāśca maśakāḥ sarīsṛpāśca svedajāḥ |
vṛkṣāvalyaśca gulmāśca tṛṇasaṃghāśca codbhijāḥ || 55 ||
Übersetzung: kleine Stechtiere, Mücken und Kriechtiere gelten als feuchtigkeitsgeboren; Bäume, Ranken, Sträucher und Gräser als erdgeboren.
S66.56
etāni sarvabhūtāni sakalaṃ paripaṭhyate |
nivṛttiśca pratiṣṭhā ca vidyāśāntistathaiva ca || 56 ||
Übersetzung: Alle diese Wesen heißen Sakala, gestaltet. Nivritti, Pratishtha, Vidya und Shanti
S66.57
kecicchaṃsanti vai vatsa sakalaṃ paripaṭhyate |
śrutismṛtividhānaṃ tu karapādādirūpakam || 57 ||
Übersetzung: nennen manche ebenfalls Sakala. Die in Shruti und Smriti vorgeschriebene Gestalt mit Händen, Füßen und weiteren Gliedern
S66.58
tadvai sakalamityāhuḥ vedikāśca manīṣiṇaḥ |
brahmādi stambhaparyantaṃ sarvabhūta hṛdi sthitam || 58 ||
Übersetzung: nennen vedische Weise Sakala. Was von Brahma bis zum Grashalm in allen Herzen wohnt,
S66.59
sakalaṃ sarvadehasthaṃ śivatattvaṃ prakīrtitam |
kecitsiddhāntikā ūcuḥ prāptirekaṃ śivaḥ smṛtam || 59 ||
Übersetzung: das gestaltete, in allen Leibern gegenwärtige Shiva-Prinzip; manche Siddhantins nennen die eine Erlangung Shiva [Lesung unklar].
S66.60
- * * tadutpattistadātmakaṃ sarvameva hi |
madabhiprāyamevaṃ hi otaṃ protaṃ ca sarvataḥ || 60 ||
Übersetzung: [Textlücke] entsteht aus ihm, alles besteht aus ihm. Nach meiner Auffassung ist alles überall von ihm durchwoben:
S66.61
sakalaṃ tadvijānīyāditi satyaṃ ṣaḍānana |
tvayā niṣkramate dehī deha * * * * * taḥ || 61 ||
Übersetzung: Dies erkenne als Sakala, wahrlich. Der Verkörperte tritt aus dem Leib [Textlücke],
S66.62
ataścordhaṃ ca tiryak ca vaktavyā pañca te jagat |
niṣkalaṃ taṃ vijānīyāḥ ṣaḍvarṇarahitaḥ śivaḥ || 62 ||
Übersetzung: nach unten, oben und seitwärts; fünf werden genannt [Satz gestört]. Erkenne ihn als Nishkala, Shiva ohne sechs Farben beziehungsweise Lautwege.
S66.63
niśvāso śvāsanaṃ hutvā svayaṃ dehantu * * * |
ūrdhvaśūnyamadhaḥśūnyaṃ madhyaśūnyaṃ nirāmayam || 63 ||
Übersetzung: Aus- und Einatmen darbringend, den eigenen Leib [Lücke]: oben leer, unten leer, in der Mitte leer und leidlos,
S66.64
kha śūnyaṃ binduśūnyaṃ ca nādaśaktiṃ ca śūnyakam |
sarvaśūnyaṃ nirālambaṃ andhakāramivasthitam || 64 ||
Übersetzung: Raum leer, Bindu leer, Nada und Shakti leer, alles leer, ohne Stütze, wie im Dunkel ruhend,
S66.65
śūnyaṃ taṃ tu vijānīyāt śivatattvamudāhṛtam |
śabdasparśarūpaṃ ca raso gandhaśca śūnyakam || 65 ||
Übersetzung: dies erkenne als Shunya, das Shiva-Prinzip. Klang, Berührung, Form, Geschmack und Geruch sind leer,
S66.66
ahaṃkāraṃ manaḥ śūnyaṃ mahānapi suśūnyakam |
sattvaṃ rajastamaḥ śūnyaḥ nādabindukalāmayam || 66 ||
Übersetzung: Ahamkara, Manas und Mahat leer, Sattva, Rajas und Tamas leer; aus Nada, Bindu und Kala bestehend,
S66.67
kalāsyantaṃ vijānīyācchivatattvamudāhṛtam |
bhūtākāśaṃ cidākāśaṃ hīnantattvastha saṃhitam || 67 ||
Übersetzung: dies erkenne als Kalasyanta [Bezeichnung beschädigt], das Shiva-Prinzip. Elementraum und Bewusstseinsraum [weiterer Zusammenhang gestört],
S66.68
khamalaṃkṛtaṃ vijānīyācchivatattvaṃ prakīrtitam |
śaktyākāśamanākāśaṃ bindvākāśa * * * * || 68 ||
Übersetzung: dies erkenne als den geschmückten Raum, das Shiva-Prinzip. Shakti-Raum, Nicht-Raum und Bindu-Raum [Textlücke],
S66.69
kṣapaṇaṃ taṃ vijānīyācchiva tattvaṃ prakīrtitam |
rudrassadāśivākāśaṃ hīnāvai taṃ turīyakam || 69 ||
Übersetzung: dies erkenne als Kshapana, das Shiva-Prinzip. Rudra- und Sadashiva-Raum aufgehoben, jener vierte Zustand,
S66.70
kṣayāntasthaṃ vijānīyācchivatattvaṃ prakīrtitam |
śivākāśavinirmuktaṃ gahanaṃ mūlanāśanam || 70 ||
Übersetzung: dies erkenne als Kshayantastha, das Shiva-Prinzip. Frei vom Shiva-Raum, unergründlich, die Wurzel vernichtend,
S66.71
kaṇṭhoṣṭhaṃ taṃ vijānīyācchivatattvaṃ prakīrtitam |
śivakūṭe cāṣṭatattvaṃ hi tava snehātprakāśitam || 71 ||
Übersetzung: dies erkenne als Kanthoshtha, das Shiva-Prinzip. Acht Prinzipien der Shiva-Lautgruppe wurden dir aus Zuneigung erklärt.
S66.72
parivārān pravakṣyāmi sarvasiddhikarān parān |
hasalakṣaṃ nyasetprathame hāsālākṣaṃ nyasettataḥ || 72 ||
Übersetzung: Nun das höchste, alle Vollkommenheiten gewährende Gefolge: zuerst „hasalakṣaṃ“, dann „hāsālākṣaṃ“ einsetzen,
S66.73
hisi * * nyasettadanu hī sī lī nyasettataḥ |
hu su lu kṣu nyasetpakṣāt hūsūlūkṣū nyasettataḥ || 73 ||
Übersetzung: danach „hisi…“ [Lücke], „hī sī lī“ [unvollständige Reihe], „hu su lu kṣu“, „hū sū lū kṣū“,
S66.74
hṛ sṛ ḷ kṣṛ nyasedvatsa hṝ sṛ ḹ kṣṝ nyasetpunaḥ |
hḷ sḷ lḷ kṣḷ punarnyaset hḹ sḹ lḹ kṣḹ tato nyaset || 74 ||
Übersetzung: „hṛ sṛ ḷ kṣṛ“, „hṝ sṛ ḹ kṣṝ“, „hḷ sḷ lḷ kṣḷ“, „hḹ sḹ lḹ kṣḹ“ [uneinheitliche Längen der Vorlage],
S66.75
paścāt hai sai lai kṣai tato nyaset |
ho so lo kṣo nyaset tadanu hau sau lau kṣau punanyaset || 75 ||
Übersetzung: danach „hai sai lai kṣai“, „ho so lo kṣo“, „hau sau lau kṣau“ [e-Reihe fehlt],
S66.76
haṃ saṃ laṃ kṣaṃ nyasetpaścāt haḥ saḥ laḥ kṣaḥ tato nyaset |
evaṃ vai sarvabījānāṃ dvātriṃśaddalake nyaset || 76 ||
Übersetzung: „haṃ saṃ laṃ kṣaṃ“ und „haḥ saḥ laḥ kṣaḥ“; so die Keime auf zweiunddreißig Blätter setzen.
S66.77
nyastvā tu vidhivatsamyak sarvaṃ samarasī bhavet |
samarasībhāvayogena mṛtyuṃjitvā na saṃśayaḥ || 77 ||
Übersetzung: Nach vorschriftsgemäßem Nyasa wird alles gleicher Geschmack. Durch diesen Yoga wird der Tod überwunden.
S66.78
gṛhastho brahmacārī ca vānaprastho'tha bhikṣukaḥ |
yatra tatra sthito vatsa abhyasecchivamādarāt || 78 ||
Übersetzung: Hausvater, Brahmacharin, Waldeinsiedler oder Bettelmönch: Wo immer man lebt, übe man ehrfürchtig Shiva.
S66.79
samarasībhāvayogena sarvasaṃpuṭameva ca |
śuddho vāpi aśuddho vā snāto vā'snāta eva vā || 79 ||
Übersetzung: Im Yoga des gleichen Geschmacks alles umschließen, ob rein oder unrein, gebadet oder ungebadet,
S66.80
kṣetre vā vigrahe vāpi sabhāyāṃ devaveśmani |
āsīne gamane vāpi abhukte vāpi bhuktake || 80 ||
Übersetzung: auf dem Feld oder im Körper [vigraha mehrdeutig], in Halle oder Tempel, sitzend oder gehend, nüchtern oder nach dem Essen,
S66.81
paśyañcchṛṇvan spṛśañjighramanudānaṃ tu lehyakān |
śoṣyan nṛtyan krīḍan hi svapansannimiṣonmiṣan || 81 ||
Übersetzung: sehend, hörend, berührend, riechend, essend und leckend [Wortlaut teilweise gestört], trocknend, tanzend, spielend, schlafend, die Augen schließend und öffnend,
S66.82
tāvatsthāgato vāpi * * * * * * * * * |
śāśvate śivakūṭaṃ hi cintayetsamarasībudhaḥ || 82 ||
Übersetzung: an jeglichem Ort [Textlücke] meditiere der Verständige im Ewigen die Shiva-Lautgruppe, in der Einsicht des gleichen Geschmacks.
Unnummerierte Passage: tasya mṛtyurna vidyete kṛśāntaḥ kālayamena ca |
Übersetzung: Für ihn gibt es keinen Tod durch [Kritanta, Zeit und Yama; Wortlaut beschädigt]. Damit endet im Kalottara der Abschnitt über die ewige Stätte und die Shiva-Lautgruppe innerhalb der Lehre vom diamantenen Verschluss. [Der Kolophontext ist lückenhaft und nennt „neunundfünfzigstes Kapitel“; Arbeits-ID S66.]
iti kālottare vajrakavāṭalakṣaṇe śāśvatasthāna śivakūṭa * * * * ekonaṣaṣṭitamaḥ ||
Kolophon, Übersetzung: So endet im Kalottara das Kapitel 59 über „die ewige Stätte und Shivakuta [Textlücke]“.
Schlussabschnitt S67 – Schlussfragment
S67.1
|| śrīḥ ||
īśvara uvāca-
labhyate śāśvataṃ jñānaṃ guruprasādena ṣaṇmukha |
yamaṃ niyamaṃ cāsanaṃ prāṇāyāmanta * * * || 1 ||
Übersetzung: Ishvara sprach: Ewiges Wissen erlangt man durch Guru-Gnade, Sechsgesichtiger. Yama, Niyama, Asana, Pranayama [Textlücke],
S67.2
pratyāhāro dhāraṇā ca samādhirdhyānameva ca |
guruprasādena labhate divyaṃ yogaṃ ṣaḍānana || 2 ||
Übersetzung: Pratyahara, Dharana, Samadhi und Meditation: durch Guru-Gnade erlangt man den göttlichen Yoga.
S67.3
satyaṃ yajñaṃ tapodānaṃ nityamindriyanigraham |
guruprasādāllabhate rājyaṃ caiva ṣaḍānana || 3 ||
Übersetzung: Wahrhaftigkeit, Opfer, Askese, Freigebigkeit, beständige Sinnesbeherrschung und Königsherrschaft erlangt man durch Guru-Gnade,
S67.4
ākāśagamanaṃ caiva parakāyapraveśanam |
manojavatvaṃ tu jñānaṃ guruprasādena labhyate || 4 ||
Übersetzung: Himmelsgang, Eintritt in einen fremden Körper, Geistesschnelligkeit und Erkenntnis ebenso.
S67.5
aṇimā laghimā caiva mahimā garimā tathā |
prāptiḥ kā prākāmyamīśatvaṃ vaśitvaṃ cāṣṭasiddhayaḥ || 5 ||
Übersetzung: Anima, Laghima, Mahima, Garima, Prapti, Prakamya, Ishitva und Vashitva, die acht Siddhis,
S67.6
guruprasādena labhate sarvamṛtyuñjayānapi |
dharmamarthaṃ ca kāmaṃ ca mokṣaṃ caiva ṣaḍānana || 6 ||
Übersetzung: alle Formen der Todesüberwindung, Dharma, Wohlstand, Verlangen und Befreiung
S67.7
guruprasādena labhyate śraddhābhaktiyutaśca hi |
devatvaṃ brahmaviṣṇutvaṃ rudratvaṃ ca ṣaḍānana || 7 ||
Übersetzung: erlangt man durch Guru-Gnade mit Vertrauen und Hingabe, ebenso Gottheit, Brahma-, Vishnu- und Rudra-Sein,
S67.8
sākṣātsadāśivatvaṃ ca guruprasādena labhyate |
gururmātā pitā bhāryā guruḥ putraḥ pitā sakhā || 8 ||
Übersetzung: unmittelbares Sadashiva-Sein. Der Guru ist Mutter, Vater, Gemahlin, Sohn, Vater [Wiederholung] und Freund.
S67.9
guru * * * * * * * * * * * * * * |
- * * jādhanabhūmi * * * * * * * mathāpi vā || 9 ||
Übersetzung: [Fast vollständig verloren:] Guru, [Lücke], Vermögen und Land [Lücke] sind erkennbar.
S67.10
omike svāsthitā bhaktista vyaktuṃ prag * * * * |
pramādācchivalopaṃ syādgurulopaṃ na kārayet || 10 ||
Übersetzung: [Die erste Zeile über Hingabe ist beschädigt.] Durch Unachtsamkeit mag eine Pflicht gegenüber Shiva versäumt werden; gegenüber dem Guru soll man nichts versäumen.
S67.11
gurulopātturaka * yāvadābhūtasaṃplavam |
śivalope niṣkṛtiḥ syādgurulopena niṣkṛtiḥ || 11 ||
Übersetzung: Bei Guru-Verletzung [Lücke] bis zur Weltauflösung. Bei Shiva-Verletzung gibt es Sühne, bei Guru-Verletzung keine [die letzte Negation ist in der Vorlage verschmolzen oder beschädigt].
S67.12
śivalopaṃ satyalopaṃ ca mahāpātakapañcasu |
pitṛhā mātṛhā caiva brūṇahā mātṛhāpi ca || 12 ||
Übersetzung: Bei Verletzung Shivas und der Wahrheit, den fünf großen Verfehlungen, Vater-, Mutter- und Embryotötung, nochmals Muttermord,
S67.13
prāyaścittaṃ tu vihitaṃ * * * sarvapaṇḍitaiḥ |
gurulopī kṛtaghnaśca prāyaścittanna vidyate || 13 ||
Übersetzung: ist Sühne von den Gelehrten festgelegt [Lücke]; für Guru-Verletzung und Undankbarkeit wird keine Sühne genannt.
S67.14
tasmātsarva prayatnena gurudravyaṃ na lopayet |
laṅghanaṃ bhakṣaṇaṃ lopaṃ vañcanaṃ ca na kārayet || 14 ||
Übersetzung: Darum vergreife man sich nicht am Besitz des Guru, überschreite, verzehre, entziehe oder erschleiche ihn nicht.
S67.15
jñānārcanavadaṃ dīpaṃ nṛttagītotsavādiṣu |
tadbhojanaṃ samastaṃ hi viṣṭhāmeva tu bhojanam || 15 ||
Übersetzung: Was für Erkenntnis, Verehrung, [unklarer Ausdruck], Lampen, Tanz, Gesang und Feste bestimmt ist: Dessen Verzehr wird als Unratessen bezeichnet.
S67.16
sadyaḥ patati senāniḥ narakannaiva gacchati |
tasmātsarvaprayatnena gurubhojyaṃ sadāśnute || 16 ||
Übersetzung: Man fällt sofort, Heerführer; „geht nicht in die Hölle“ steht widersprüchlich daneben. Darum nehme man stets die dem Guru zugehörige Nahrung [offenbar erlaubten Rest; Satz unklar].
S67.17
gurostuśeṣamamṛtaṃ śāstrajñaiḥ samudīritam |
parokṣe nivedya bhuñjīyāccaturā grāmasaṃsthitā || 17 ||
Übersetzung: Der Rest des Guru heißt bei Schriftkundigen Amrita. Auch in seiner Abwesenheit bringe man zuerst dar und esse dann; [Angabe zu vier Dörfern beschädigt].
S67.18
taiḥ pūrvaṃ gurornamaskṛtvā paścādevaṃ hi vandayet |
devālayo gururyatra tiṣṭhate vai ṣaḍānana || 18 ||
Übersetzung: Zuerst verneige man sich vor dem Guru, danach weiter. Wo im Tempel der Guru weilt,
S67.19
pūrvaṃ guruṃ vandayitvā paścāddevaṃ vandayet |
devadivyagurordivyaṃ divyaṃ caṇḍeśvarasya ca || 19 ||
Übersetzung: verneige man sich zuerst vor ihm, dann vor dem Gott. Göttliches Gut, Guru-Gut und Chandeshvaras Gut [Wortlaut beschädigt],
S67.20
trividhaṃ patanaṃ duṣṭaṃ dānalaṅghanabhakṣaṇam |
na nindyātkāraṇaṃ devaṃ na śāstraṃ tena bhāṣitam || 20 ||
Übersetzung: deren Entzug, Überschreitung und Verzehr bilden drei schlimme Verfehlungen. Den ursächlichen Gott und seine Lehre soll man nicht schmähen,
S67.21
na guruṃ sādhakaṃ caiva samayaṃ ca na laṅghayet |
na laṅghayeta nirmālyaṃ sphutiṣṭhenna tu nagna?gaḥ || 21 ||
Übersetzung: ebenso Guru und Sadhaka nicht; die Verpflichtung nicht verletzen, gebrauchte Opfergaben nicht überschreiten und nicht nackt [Handlung beschädigt] stehen.
S67.22
nodatyāyā hi bhāṣeta na ca nagnassvapennaraḥ |
nā kāryaṃ na khalai bhūmiṃ na ciraṃ parvate vaset || 22 ||
Übersetzung: [Erste Sprechvorschrift unverständlich.] Man schlafe nicht nackt, tue nichts Ungehöriges, scharre nicht mit den Nägeln in der Erde [Lesung unsicher] und wohne nicht lange auf einem Berg. [Hier bricht die gelieferte Vorlage ab.]
Abbruch der Vorlage: Nach Vers 22 endet der erhaltene Text. Die Datei vermerkt: „(īncomplete yāvanmātṛkaṃ likhitam |)“ – unvollständig; geschrieben, soweit die Vorlage reicht.
Siehe auch
- Mrigendra Tantra
- Kirana Tantra
- Sarvajnanottara Agama
- Malinivijayottara Tantra
- Vijnana Bhairava Tantra
- Shiva Sutra
- Spandakarika
- Pratyabhijnahridaya
- Paratrimshika
- Kularnava Tantra
Literatur
- Muktabodha Indological Research Institute: Kālottara / Kālottarāgama, M00248, elektronische Textfassung, Revision 0, 2012. Verwendete Primärquelle; bibliographische Einzelheiten unten.
- IFP/EFEO-Transkript T0059 und GOML Madras R 14343: die im Dateikopf genannten Vorlagen. Sie wurden für diese Ausgabe nicht unabhängig eingesehen.
Weblinks
- Yoga bei Yoga Vidya
- Meditation bei Yoga Vidya
- 64 ausgewählte Versstellen und belegte Rezitationsformeln
- Sanskrit-Lesetext in Devanagari
Seminare
Die folgenden Angebote vertiefen verwandte Themen. Sie sind keine als solche ausgewiesenen Kalottara-Lehrgänge. Die Seminarblöcke entsprechen der im Yoga-Vidya-Wiki verwendeten RSS-Struktur.
Kundalini Yoga
- 16.10.2026 - 25.10.2026 Chakra-Kur - Reinigung der Chakras
Für die Reinigung der Chakras konzentrierst du dich unter Anleitung jeden Tag auf ein anderes Chakra. Die tägliche Meditation, Yoga Asanas und Pranyam…- Vani Devi Beldzik
- 25.10.2026 - 30.10.2026 Kundalini Yoga Meditation Kursleiter Ausbildung
Kundalini Yoga Meditationen sind ein faszinierendes weites Gebiet, dessen Potential noch bei weitem nicht ausgeschöpft ist. Kundalini Meditationen kön…- Adishakti Stein, Viveka Wilde
Meditation
- 18.10.2026 - 23.10.2026 Yoga und Meditation Intensiv-Praxis
Die Kernpraktiken des Yoga werden intensiv geübt: längere Meditation, ausgedehntes Mantra-Singen, Pranayama intensiv und meditative Yoga Asanas beflü…- Dana Oerding, Chamundi Wollweber
- 18.10.2026 - 23.10.2026 Shivalaya Meditationsretreat
Stille – Schweigen – Sein. In der Abgeschiedenheit des Shivalaya Retreatzentrums fühlst du dich dem Himmel ganz nah. Mit intensiver Meditations- un…- Swami Nirgunananda, Rukmini Keilbar
Jnana Yoga und Philosophie
- 15.11.2026 - 20.11.2026 Aus der Tiefe des Herzens antworten
In diesem Praxisseminar beschreiten wir den Weg fundamentalen Gewahrseins durch intuitive Antworten aus dem Herzen. Antworten, die sich aus unserem wah…- Michael Büchel, Roswitha Breitkopf
- 29.11.2026 - 06.12.2026 Spirituelle Sterbebegleiter Ausbildung
Immer mehr Menschen wollen sich aktiv und offen mit Sterben und Tod beschäftigen und dabei zu einem neuen spirituellen Verständnis von Vergänglichkei…- Sukhavati Kusch
Quellen und textliche Hinweise
Muktabodha Indological Research Institute: kālottara / kālottarāgama, Katalog M00248, Revision 0 vom 5. Februar 2012. Laut Dateikopf nach IFP/EFEO-Transkript T0059, seinerseits nach GOML Madras R 14343. Dateneingabe unter Leitung von Mark S. G. Dyczkowski. Grundlage dieser Ausgabe sind die bereitgestellten Dateien kAlottara-M00248-IAST.txt und kAlottara-M00248-DEV.txt. Lizenzangabe der Quelle: CC BY-NC 4.0. Die deutsche Übersetzung und die redaktionellen Texte sind Neubearbeitungen auf dieser Grundlage.
Umfang und Grenzen der Ausgabe
Die Ausgabe erfasst alle 3.612 technisch abgegrenzten nummerierten Einheiten und sämtliche zugehörigen unnummerierten Textpassagen der gelieferten Dateien. Kapitel 1 ist nicht vorhanden; Kapitel 9–12 fehlen ausdrücklich; der letzte Abschnitt bricht nach Nummer 22 ab. „Vollständig“ bezeichnet daher die Wiedergabe des erhaltenen Materials, nicht ein vollständig überliefertes ursprüngliches Werk. Die Übersetzung bietet bei gestörtem Sanskrit die im Zusammenhang vertretbare Lesart und bezeichnet verbleibende Unsicherheit. Sie ist keine kritische Edition und wurde nicht mit sämtlichen Handschriften kollationiert. Unentzifferbare oder fehlende Wörter werden nicht durch angeblich gesicherten Sanskrittext ersetzt. Die Sanskritfassungen wurden nicht aus Scans neu transkribiert.
Schreibweise, Nummern und Kolophone
IAST und Devanagari haben jeweils 12.654 Quellzeilen; sämtliche Zahlen stimmen zeilenweise überein. Der technische Umschriftvergleich ergab 22 abweichende Zeilen: 21 betreffen yy/yay, eine snāyv-/snāyav-. Beide Originalfassungen bleiben in der jeweiligen Ausgabe erhalten. Die deutschen Zwischenüberschriften sind redaktionelle Orientierungstitel, keine zusätzlich überlieferten Sanskritüberschriften. Quellseitige Seitenzählungen und technische Dateikopfzeilen sind aus dem Lesetext entfernt. Die Lückenzeichen, Fragezeichen und auffälligen Versnummern bleiben stehen. Wenige Einheiten enthalten mehrere Quellennummern, weil die Abschlusszeichen abweichen; dies wird in den deutschen Stellenangaben kenntlich gemacht. Wiederholte Nummern werden durch einen Zusatz unterschieden. Mehrere Kolophone nennen Ayutatraya-Samhita, andere Dvadashasahasra-Samhita; Kapitel 21 bietet Ayutakshaya-Samhita. Die Bezeichnungen weisen sprachlich auf unterschiedliche Umfangsangaben beziehungsweise eine auffällige Lesung, sichern aber weder die Rezension noch eine ursprüngliche Gesamtverszahl. Die widersprüchlichen Abschlussangaben in Kapitel 29, 46 und 66 sowie den Schlussabschnitten werden in den jeweiligen Kolophonübersetzungen benannt.
Nummerierungsauffälligkeiten
| Abschnitt | Beobachtung |
|---|---|
| 5 | Nach 53 folgt ein Textblock bis 56. |
| 6 | Nach 7 folgt eine Passage mit 9–10; am Ende folgt auf 28 wieder 27. |
| 13 | Nach 59 folgt 66, anschließend 61. |
| 15 | Nach 16 folgt erneut 15. |
| 20 | 75–76 bilden technisch eine Einheit. |
| 22 | 63–64 bilden technisch eine Einheit. |
| 27 | Anstelle von 28 steht erneut 26. |
| 33 | Nach 15 folgt 18, anschließend 17. |
| 38 | Anstelle von 48 steht 40. |
| 40 | 40–41 bilden technisch eine Einheit. |
| 48 | Nach 53 folgt 59, anschließend 55. |
| 51 | 61 steht zweimal. |
| 67 | Anstelle von 51 steht 57; anschließend folgt 52. |
| S64–S67 | Die letzten vier Arbeitskennungen sind keine Originalkapitelnummern. Die Kolophone nennen 67 mit Fragezeichen, 68, 59 mit Textlücke; der letzte Abschnitt hat keinen Kolophon. |