Träumerei

Aus Yogawiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Träumerei ist die Fähigkeit, sich Wirklichkeiten neu auszumalen. Aus Träumereien können Inspiration und Kraft für Engagement wachsen. Manche Tatkraft beruht erstmal auf Träumereien. Träumerei ist oft auch ein Aspekt der Kreativität: Wer zu Träumereien fähig ist, kann sich alternative Wirklichkeiten und alternative Zukunftsszenarien ausmalen.

Träumerei kann auch ein Bewältigungsmechanismus für eine schwierige Gegenwart sein: Oft leben Kinder/Jugendliche, die einem Dauermissbrauch unterliegen in einer Traumwelt. Diese Art von Träumerei lässt sie das unsägliche Leid aushalten. Träumereien können auch dazu führen, dass man sich gar nicht mehr in der Gegenwart engagiert, sondern nur in einer Parallelwelt lebt.

Am besten lernt man, die Gegenwart bewusst zu akzeptieren, zu erleben, anzunehmen. Dann erkennt man, dass man Aufgaben hat. Ab und zu erlaubt man sich dann Träumereien. Einige der Träumereien können dann zu Visionen oder Plänen wachsen. Daraus bekommt man dann Tatkraft, es auch umzusetzen. So sind oft Träumereien ein wichtiger Schritt für große Erfindungen, große Entdeckungen, großes ehrenamtliches Engagement und persönliche Entwicklung.

Ein spiritueller Aspirant kann ab und zu mal davon träumen, wie es ist, die Gottesverwirklichung zu erreichen. Wie es ist, im Geist der Einheit zu leben. Und dann muss er sein normales Leben wieder bewusst leben und gestalten. Was ist Träumerei? Woher stammt das Wort? Wozu ist Träumerei gut? Was sind Synonyme, was das Gegenteil von Träumerei? Umfangreicher Artikel mit Vortragsvideo und Tipps.

Kaleidoscope Bunt.jpg

Träumerei als hilfreiche Tugend

Aus einem Vortrag von Sukadev Bretz

Träumerei, eine großartige Fähigkeit des Menschen. Ich möchte heute über Träumerei sprechen und behaupte, Träumerei ist eine tolle Fähigkeit des Menschen, eine tolle Gabe des Menschen. Der Mensch hat die Fähigkeit zur Träumerei. Was ist gut an der Träumerei?

Träumerei hat verschiedene Aspekte. Zum einen kannst du dir über Träumerei die Zukunft anders vorstellen. Du kannst z.B. überlegen: "Ja, was will ich in zehn Jahren tun? Was könnte in zehn Jahren sein?" Hast du schon mal darüber nachgedacht? Das sind Träumereien. Du kannst überlegen: "Was wird mit meinen Kindern sein in zehn Jahren? Was wird mit meinen Eltern sein in zehn Jahren? Was wird mit meinem Arbeitsplatz sein in zehn Jahren? Wie wird es mit meinem Partner sein und meiner Partnerin in zehn Jahren? Welche Wohnsituation könnte ich haben in zehn Jahren?"

Die Fähigkeit der Träumerei ist, dass du dir ein Zukunftsszenarium ausmalen kannst. Und dann kannst du natürlich, nachdem du diese Träumerei hattest, was in zehn Jahren sein wird, überlegen: "Was könnte dann in fünf Jahren sein?" Träumerei kann auch sein, dir ein Wunschbild auszumalen. Zu überlegen, was in zehn Jahren ist. Dann kannst du überlegen: "Damit das, was in zehn Jahren sein könnte, tatsächlich so sein könnte, was müsste ich in fünf Jahren tun, was müsste in den fünf Jahren passieren?"

Dann kannst du überlegen: "Damit das in fünf Jahren ist, was müsste in zweieinhalb Jahren sein? Und was müsste in einem Jahr sein? Und was müsste ich jetzt machen?" Manche würde sagen das sind Visualisierungen, aber ich nenne es einfach Träumerei, das muss ja nicht visuell sein, das kannst du auch in Worte fassen, du kannst es fühlen, du kannst es dir natürlich auch vorstellen, aber es ist erstmal eine Träumerei.

Und diese Träumerei, die kann dann dir helfen, deinen Geist in eine bestimmte Richtung zu lenken. Das ist also eine schöne Funktion der Träumerei. Träumerei kann aber auch eine idealistische Träumerei sein. Du kannst dir überlegen: "Wie wäre es, wenn die Welt besonders schön wäre? Was wäre, wie wäre eine friedvolle Welt?" Wie wäre es in deiner Firma, in deinem Aufgabenbereich, wenn es harmonischer zugehen würde? Eine solche Träumerei setzt wiederum Energien frei.

Oder es gibt auch die so genannten Wunder-Affirmationen und Wunder-Fragen. Diesen Begriff "Wunder-Frage", "Wunder-Affirmation" findest du auch erläutert auf unseren Internetseiten, wiki.yoga-vidya.de. Also, du kannst dich z.B. fragen: "Angenommen, alles wäre vollkommen, ich wäre vollkommen zufrieden mit meinem Arbeitsplatz, mit meiner Beziehung. Wie wäre das?"

Und dann male es dir aus, das ist eine Träumerei. Diese Träumerei zeigt dir, wie es sein könnte und die gibt dann vielleicht auch Kraft, dass du in diese Richtung hineingehst, dass du die eine oder andere Sache umsetzen kannst. In diesem Sinne, Träumerei als Ausmalen von einem Wunder, die dir Energie gibt, das auch umzusetzen. Träumerei geht natürlich auch, wenn du in einer Lebenssituation bist, die unglaublich schwer ist.

Dort kannst du dich aus der Realität herausziehen, indem du zwischendurch eine bessere Realität träumst. Das ist dann wie eine Art Abspaltung und das, in diesem Sinne, ist sogar ein Überlebensinstinkt des Menschen. Der Mensch kann in schlimmsten Situationen sich lösen aus der Situation, seine Gefühle davon abspalten, in einer anderen Welt leben. Das führt dann manchmal natürlich zur Verdrängung und das kann dann auch ein posttraumatisches Belastungssyndrom begünstigen, weil man den Kontakt zu dem, was passiert ist, nicht wirklich hält. Das ist dann eine schwierigere therapeutische Situation.

Aber es gibt auch Menschen, die schlimmste Traumata überleben, einfach weil sie sich dort ausreichend davon abgelöst haben und später wieder in diese Welt hineinkommen. In diesem Sinne, mit Träumerei kannst du auch aus dieser Welt herauskommen. Das ist übrigens sogar auch eine Hilfe gegen Schmerzen. Angenommen, du hast unglaubliche Kreuzschmerzen oder Kopfschmerzen, da ist es eine bekannte Fähigkeit des Menschen, er kann dort rausgehen.

Du kannst dann davon träumen, du kannst dir vorstellen: "Ich bin auf einer wunderschönen Insel, irgendwo in der Südsee. Und da sind wunderschöne Palmen und da sind wunderschöne Wellen. Und dort fühle ich mich sehr wohl. Und während ich dort bin, in dieser Südsee mit diesen Kokospalmen, und der blaue Himmel und Meereswellen da sind, fühle ich Wogen der Freude und des Lichtes mich ganz durchdringen und ich fühle mich überall wohl."

So kannst du mit dir umgehen, das ist auch wie eine Art Visualisierung mit Affirmationen, aber auch Gespür. Träumerei hilft dir, aus einer schwierigen Situation hinauszugehen und dich zu fluten mit positiven Gefühlen. Und es gibt noch eine weitere Sache der Träumerei. Manchmal hilft es auch, Dinge im Geist durchzuspielen und dann zu erkennen: "Nein, das will ich nicht." Du überlegst irgendwo: "Das wäre eine Möglichkeit, diese Entscheidung könnte ich treffen, diese Berufswahl könnte ich treffen. Wenn ich diese treffe, wie wird das in zwei Jahren sein, in fünf Jahren, in zehn Jahren."

Und du machst eine Träumerei und stellst fest: "Nein, das ist nichts für mich." Insofern ist Träumerei auch manchmal eine Hilfe, Möglichkeiten durchzuspielen und dann davon Abstand zu nehmen. Und es gibt noch einen letzten Aspekt der Träumerei, das sind mehr Träume, die von selbst geschehen. Es heißt auch, dass man Karma abarbeiten kann, indem man träumt. Manche Erfahrungen kann man im Traum machen, und dann sei dankbar. Wenn du z.B. mal einen Albtraum hast, dann sei dankbar, das musstest du nicht im Wachbewusstsein erleben, du hast es im Traum durchgespielt, erlebt, die Erfahrungen gemacht, die nötig sind.

Natürlich, ständig Träumerei zu haben und Tagträume, ist auch nicht gut. Das weißt du ja, wenn du mich kennst, viele kennen mich, wie ich sonst spreche. Natürlich braucht man auch Realitätssinn, natürlich braucht man auch Tatkraft, natürlich muss man auch Bodenständigkeit haben und Einfühlsamkeit und Taktgefühl usw. Reine Träumerei reicht nicht aus.

Träumerei ist genauso eine Fähigkeit wie auch ein Laster. Aber nutze die Fähigkeit zur Träumerei, träume dir die Zukunft mal aus, um Kraft zu bekommen, jetzt deine Zukunft zu gestalten. Träume dir mal eine vollkommene Welt aus, mindestens in bestimmten Aspekten, um auch wieder Kraft zu bekommen, die Welt zu gestalten. Versetze dich in eine positivere Welt, wenn du das, was du jetzt spürst, nicht aushalten kannst.

Du bekommst Kraft, nachher aktiv zu werden, um die Welt wieder zu transformieren, dass sie positiver ist. Und schließlich, freue dich über deine Träume. Du musst nicht über sie nachdenken, aber du kannst davon ausgehen, du machst in Träumen auch Erfahrungen, die für dein Wachbewusstsein hilfreich sind.

Träumerei in Beziehung zu anderen Eigenschaften

In diesem Yoga Wiki werden über 1000 Tugenden und Persönlichkeitsmerkmale beschrieben. Hier einige Erläuterungen, wie man die Eigenschaft der Träumerei in Beziehung zu anderen Fähigkeiten und Verhaltensweisen sowie in Bezug auf Laster sehen kann:

Ähnliche Eigenschaften wie Träumerei

Ähnliche Eigenschaften wie Träumerei, also Synonyme zu Träumerei sind z.B. Schwärmerei, Idealismus, Überschwang, Ekstase, Eifer, Leidenschaft, Entusiasmus, Begeisterung, Passion, Inbrunst, Verzückung.

Ausgleichende Eigenschaften

Jede Eigenschaft, jede Tugend, die übertrieben wird, wird zu einer Untugend, zu einem Laster, einer nicht hilfreichen Eigenschaft. Träumerei übertrieben kann ausarten z.B. in Unkonzentriertheit, Rausch, Überschwang, Einbildung, Abwesenheit. Daher braucht Träumerei als Gegenpol die Kultivierung von Bodenständigkeit, Realismus, Klugheit, Weisheit, Scharfsinn.

Gegenteil von Träumerei

Zu jeder Eigenschaft gibt es ein Gegenteil. Hier Möglichkeiten für Gegenteil von Träumerei, Antonyme zu Träumerei :

Träumerei im Kontext von Tugendengruppen, Persönlichkeitsfaktoren und Temperamenten

, Idealismus, Inspiration * Im Kontext des Persönlickeitsmodell der Big Five gehört Träumerei zum Persönlichkeitsfaktor O1 Offenheit hoch: neugierig, erfinderisch, experimentierfreudig, auch E1 Extraversion hoch: gesellig, außenorientiert, gesprächig

Eitle Träumereien als Hindernisse auf dem spirituellen Weg

Swami Sivananda schreibt über eitle Träumereien und wie man sie überwinden kann; denn eitle Träumereien sind im Gegensatz zu Visionen etwas, was vom spirituellen Weg ablenken kann:

"Manorajya sind Luftschlösser, ein Spiel der Gedanken. Der Schüler meditiert in einer einsamen Höhle im Himalaya und schmiedet Pläne: "Nach meiner Meditation werde ich nach San Franzisko oder New York fahren und dort Vorlesungen halten. Ich werde ein geistiges Zentrum in Kolumbia eröffnen. Ich muß der Welt etwas Neues bringen. Ich muß etwas schaffen, was keiner vor mir erreichte."

Das ist Ehrgeiz und egoistische Einbildung, ein großes, ernstes Hindernis (viglma), das dem Bewußtsein auch nicht einen Augenblick Ruhe läßt. Denn der gleiche Plan, die gleiche Spekulation beschäftigt es immer wieder. Der Schüler bildet sich ein, tief zu meditieren; bei strenger Selbstanalyse aber wird er erkennen, daß er sich reiner Träumerei überläßt.

Eine dieser Konstruktionen wird im nächsten Augenblick von einer anderen abgelöst. Sie mag nur ein unbedeutender Gedanke (Sankalpa) sein, eine winzige Falte auf dem Meer des Bewußtseins, aber durch Wiederholung wird sie in kurzer Zeit erschreckend an Kraft gewinnen. Die Macht der Einbildung ist ungeheuer.

Maya richtet dank dieser Einbildung Verheerungen an, indem sie wie Moschus oder gewisse ayurvedische Heilmittel (Siddha-Makaradhvaja) dem ermatteten Gedanken wieder Lebenskraft gibt und diesem keinen Augenblick der Ruhe läßt. Wie Schwärme von Heuschrecken strömt der Fluß der Einbildung unaufhörlich fort. Unterscheidung (vichara), Gebet, Japam, Meditation, Umgang mit heiligen Männern, Fasten, Atemübungen (pranayama) werden diese Hindernisse ausräumen, Pranayama wird das Ungestüm der Gedanken zügeln und beschwichtigen.

Ein junger, ehrgeiziger Mann ist nicht imstande, in einer einsamen Höhle zu leben. Wer jahrelang in der Welt selbstlose Dienste geleistet und viele Jahre lang Meditation in der Abgeschlossenheit geübt hat, wird dazu in der Lage sein und Nutzen aus der Einsamkeit ziehen, die die Zurückgezogenheit des Himalaya ihm bietet.

Lang anhaltende Versenkung in die Bedeutung des heiligen Satzes: "Aham Brahma asmi" (Ich bin Brahma) oder "Tat tvam asi" (Das bist du) unter Verwendung des anhaltenden Japam (maha-vakyanu-sadhana) wird alles Gegenständliche,das in Beziehung zu den Sinnen steht (Sehen, Hören, Tasten, Schmecken, Riechen), auslöschen. Die Kraft früherer unbewußter Eindrücke aber wird die Angewohnheit der Einbildung (manorajya) aufrechterhalten.

Auch der Schlaf wird in gleicher Richtung wirken. Diese bei den Hindernisse wird man durch Regsamkeit, anhaltende Anstrengung und durch wachsame Meditation über Brahma (svarupa-chintana) überwinden können, so daß der konzentrierte Gedanke an Brahma (brahmakara-vritti) und die Erkenntnis Brahmas (brahma-jnana) aufleuchtet wie die Morgenröte, und die Unwissenheit (ajnana) vergeht. Nun ist der Schüler gefestigt im Zustand höchster Glückseligkeit (sahaja paramananda). Sein aufgespeichertes Karma (sanchita) wird im Feuer der Weisheit verbrennen.

copyright by Divine Life Society

Entwicklung von Träumerei

Träumerei kann man sehen als Tugend, als eine positive Eigenschaft. Vielleicht willst du ja Träumerei in dir stärker werden lassen. Hierzu einige Tipps:

  • Nimm dir vor, eine Woche lang diese Eigenschaft der Träumerei zu kultivieren. Vielleicht kannst du nicht alle guten Eigenschaften auf einmal kultivieren. Aber es ist möglich, innerhalb einer Woche oder innerhalb eines Monats eine Tugend, eine Eigenschaft, stark werden zu lassen.
  • Triff den Entschluss: "Während der nächsten Woche will ich die Tugend, die Eigenschaft, Träumerei kultivieren, wachsen lassen, stärker werden lassen. Ich freue mich darauf, in einer Woche ein träumerischerer Mensch zu sein."
  • Nimm dir vor, jeden Tag mindestens eine Handlung auszuführen, die Träumerei ausdrückt. Mache jeden Tag etwas, was du sonst nicht tun würdest, was aber diese Tugend zum Ausdruck bringt
  • Wenn du morgens aufwachst, dann sage eine Affirmation, z.B.: "Ich entwickle Träumerei ".
  • Am Tag wiederhole immer wieder eine Autosuggestion, Affirmation wie z.B.: Ich bin träumerisch ".

Vortragsmitschnitt zu Träumerei - Audio zum Anhören

Hier kannst du einen Vortrag von Sukadev Bretz, Gründer von Yoga Vidya, anhören. Dieser Vortrag ist die Audio Version eines Videos zu Träumerei, Teil des Yoga Vidya Multimedia Lexikons der Tugenden.

Siehe auch

Eigenschaften im Alphabet vor Träumerei

Eigenschaften im Alphabet nach Träumerei

Literatur

Weblinks

Seminare

Kreativität und kreatives Gestalten Seminare

26. Jun 2017 - 30. Jun 2017 - Themenwoche: Mandalas und Yantras
Ein Mandala ist ein auf der Heiligen Geometrie aufgebautes Kreismuster, welches durch Form und Farbe mit deiner Seele kommuniziert. Der Kreis symbolisiert dabei die Einheit mit dem Göttlichen und…
Sharima Steffens,
30. Jun 2017 - 02. Jul 2017 - Indischer Tanz und Yoga
Der klassische indische Tanz ist eine über dreitausend Jahre alte, bis ins Detail ausgereifte Tanz- und Schauspielkunst als Ausdruck der Liebe zum Göttlichen. Eine dynamische und sehr körperorie…
Anna Grover,

Meditation

16. Jun 2017 - 18. Jun 2017 - SUFI-Bewegungsmeditation
Du lernst die Grundlagen der SUFI-Bewegungsmeditation der Himmelsrichtungen in Theorie und Praxis kennen, in Verbindung mit Yoga, Mantrasingen und Satsang. Mit rhythmischen Körperbewegungen und At…
Gerrit Kirstein,
16. Jun 2017 - 18. Jun 2017 - Liebe, Mitgefühl, Freude und Gleichmut
Diese zu üben empfiehlt Patanjali im Yoga Sutra als Weg, einen klaren Geist zu entwickeln. Die Kräfte von Liebe, Mitgefühl, Freude und Gleichmut, die auch im Buddhismus eine wichtige Rolle spiel…
Radhika Nosbers,