Taktgefühl

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Taktgefühl ist die Fähigkeit das Angemessene in einer bestimmten Situation zu tun. Taktgefühl ist die Fähigkeit zu spüren, was angemessen ist. Mensch als geselliges Wesen, als Gruppentier, hat das Bedürfnis, mit anderen zusammen zu sein.

Damit viele Menschen unterschiedlicher Persönlichkeit miteinander auskommen können, braucht es ein gewisses Taktgefühl. Auch ein spiritueller Aspirant fördert sein Taktgefühl: Durch Meditation, Yoga, d.h. durch die spirituelle Praxis (Sadhana), entwickelt er oder sie Einfühlungsvermögen und Liebesfähigkeit.

Außerdem lernt der- oder diejenige, sich von eigenen Emotionen und Stimmungen weniger verleiten zu lassen und mehr wahrzunehmen, was andere denken und fühlen. Durch diese erhöhte Empathie kommt eine gesteigerte Fähigkeit, sich angemessen zu verhalten, also mehr Taktgefühl zu bekommen. Umgekehrt gilt: Durch bewusstes Arbeiten am Feingefühl, am Taktgefühl, an der Rücksichtnahme, lernt ein spiritueller Aspirant, sich von seinen Identifikationen zu lösen. So spürt man mehr Verbundenheit, Einheit und Liebe.

Ohne Taktgefühl gibt es kein Orchester.

Was ist Taktgefühl? Woher stammt das Wort? Wozu ist Taktgefühl gut? Was sind Synonyme, was das Gegenteil von Taktgefühl ? Umfangreicher Artikel mit Vortragsvideo und Tipps.

Taktgefühl als hilfreiche Tugend

Aus einem Vortrag von Sukadev Bretz

Taktgefühl zählt als Tugend. Ich sage auch gerne, es gehört zu den Sekundärtugenden, also den Tugenden, die helfen, dass die Primärtugenden sich gut entwickeln können. Taktgefühl gilt im Allgemeinen als musikalischer Ausdruck. Takt und Gefühl, man kann für Taktgefühl auch Rhythmusgefühl sagen.

Wenn du ein Instrument gespielt hast, dann weißt du, dass Takt und Rhythmus wichtig sind. Wenn du Amateurmusikern und -musikerinnen zuhörst, dann weißt du, wenn dort der ein oder andere aus dem Takt gerät, ist das in der Regel nicht schön. Ich lebe z.B. in einem Yoga-Ashram und dort haben wir jeden Morgen und Abend Mantrasingen, dort wird geklatscht und getrommelt und das ist etwas ganz Schönes. Dort sind meist sehr viele Menschen und es fällt nicht unbedingt auf, wenn jemand mal aus dem Takt ist, denn die Mehrheit kommt intuitiv in das Taktgefühl hinein.

Schwieriger wird es, wenn dort nur wenige sind und einer von wenigen kommt aus dem Takt. Taktgefühl ist also die Fähigkeit, mit etwas im Rhythmus zu sein, im Takt zu sein. Z.B. ein guter Trommler kann auch etwas den Takt beschleunigen und damit den ganzen Raum in einen Enthusiasmus hineinbringen. Er hat ein Taktgefühl, um den Takt zu halten, aber wenn es angemessen ist, schneller zu werden oder langsamer, kann er auch dies bewirken.

Taktgefühl ist somit etwas Wichtiges in der Musik. Aber das Leben ist auch Musik und das Leben ist auch Tanz und somit benötigt man im Leben auch ein gewisses Taktgefühl. Taktgefühl ist dann auch ein Ausdruck für Liebe, Mitgefühl, Mitleid oder Liebenswürdigkeit. Taktgefühl heißt, das Richtige zum richtigen Zeitpunkt, im richtigen Ton zu sagen.

Letztlich heißt Taktgefühl, andere nicht vor den Kopf zu stoßen. Und bevor du jetzt denkst: "Ja, genau, der Sukadev hat Recht. Ständig stoßen mir andere vor den Kopf, die sollten endlich Taktgefühl entwickeln." Der Ansatz meiner Hörsendung ist nicht, dass du dich intensiver in einer Opferrolle fühlst, sondern du solltest überlegen: "Wie kann denn ich mehr Taktgefühl entwickeln?"

Taktgefühl umfasst auch einen gewissen Idealismus, und zwar hohe Ideale zu haben: "Ich will etwas erreichen. Ich will Gutes bewirken in der Welt. Und ich habe eine Aufgabe, eine Mission und dafür will ich mich einsetzen." Dann braucht es als nächstes Liebe als Grundgefühl: "Ich will Großes erreichen und ich will es erreichen für andere und auch mit Liebe." Nächster Aspekt ist dann Mitgefühl: "Ich will es erreichen für andere, ich mache es aus Liebe, ich möchte dabei Mitgefühl für andere haben, ich will mich in andere hineinfühlen. Wenn ich mich in andere hineinfühle, dann werde ich mit Taktgefühl das tun, was im richtigen Moment das Richtige ist."

Taktgefühl kann heißen, dass du jemanden sehr freundlich und sehr ruhig begegnest. Taktgefühl heißt z.B., dass du weißt: "Jetzt ist nicht der richtige Moment, jemanden um einen Gefallen zu bitten." Taktgefühl kann auch heißen: "Ja, jetzt ist der richtige Moment." Taktgefühl kann heißen: "Jetzt gilt es, etwas intensiver tätig zu werden." Taktgefühl kann aber auch heißen: "Jetzt eher etwas warten."

Es gibt das Gegenteil von Taktgefühl, nämlich grob zu sein oder egoistisch zu sein oder zu wirken, rücksichtslos zu sein. Man achtet nicht darauf, wie das - was man tut - auf andere wirkt. Taktgefühl heißt zu überlegen: "Wie kann ich die Dinge so tun, dass Menschen damit gut angesprochen werden? Wie kann ich es so machen, dass ich andere mitnehmen kann? Wie können wir gemeinsam etwas machen?"

Wir alle brauchen Taktgefühl, um gemeinsam etwas zu bewirken - wie in der Musik. Es gibt z.B. den Geigespieler bzw. die Geigespielerin und es gibt jemanden, deer Schlagzeug spielt und es gibt den- oder diejenige am Klavier. Sie spielen alle etwas anderes, halten aber gemeinsam den Takt. Menschen haben unterschiedliche Fähigkeiten und unterschiedliche Möglichkeiten, diese umzusetzen.

Ein Mensch ist extrovertiert, ein anderer introvertiert. Eine Person ist enthusiastisch, eine andere eher ängstlicher. Es gibt eher gemütliche Typen, die etwas mehr Erholung brauchen und andere, die sind Pitta-Typen und etwas feuriger. Sie möchten Dinge am liebsten sofort angehen.

Man kann sich streiten oder man kann mit Taktgefühl schauen, dass wir ein wunderbares menschliches Orchester aufbauen. Wenn du in einem Team bist, gilt es, ein gewisses Taktgefühl zu haben, Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit wertzuschätzen und dabei taktvoll miteinander umzugehen. Überlege jetzt selbst: Hast du genügend Taktgefühl oder stößt du Menschen oft vor den Kopf und wunderst dich nachher, dass sie mit dir nicht kommunizieren oder dich gar ausschließen.

Nutzt du manchmal die Holzhammermethode, wo etwas Sanftes besser wäre? Überlegst du, ob das, was du sagst und tust angemessen ist, ob es taktvoll ist? Überlege und schaue, was du vielleicht verbessern kannst. Es gibt allerdings auch die umgekehrte Seite: Zu viel Taktgefühl ist auch nicht gut. Wenn du ständig überlegst: "Ist es denn überhaupt der richtige Moment für dies und jenes?" Oder, wenn du ständig überlegst: "Kann ich das jetzt überhaupt sagen oder machen?", dann kommst du nie dazu, vielleicht das zu tun, was zu tun ist.

Taktgefühl ist gut, aber manchmal braucht es auch Spontanität und Authentizität und sofortige Begeisterung. Ja, und manchmal musst du dich auch durchsetzen. Taktgefühl zu seinen Kindern zu haben ist gut, manchmal solltest du aber auch sagen: "Das geht nicht." Manchmal, wenn du Chef bist, musst du auch sagen: "Machen Sie das, das ist jetzt Ihre Aufgabe." In den meisten Fällen ist es besser, Dinge mit Taktgefühl anzugehen, und Idealismus, Liebe, Enthusiasmus mit Taktgefühl zu verbinden.

Überlege weiter, was für dich Taktgefühl heißen kann, wie du es umsetzen kannst und wo es Grenzen für dich gibt. Selbstvertrauen,Taktgefühl, Idealismus, Liebe, Mitgefühl, Spontanität und Authentizität - das sind wichtige und faszinierende Dinge in unserem Leben.

Taktgefühl in Beziehung zu anderen Eigenschaften

In diesem Yoga Wiki werden über 1000 Tugenden und Persönlichkeitsmerkmale beschrieben. Hier einige Erläuterungen, wie man die Eigenschaft der Taktgefühl in Beziehung zu anderen Fähigkeiten und Verhaltensweisen sowie in Bezug auf Laster sehen kann:

Ähnliche Eigenschaften wie Taktgefühl

Ähnliche Eigenschaften wie Taktgefühl, also Synonyme zu Taktgefühl sind z.B. Anstand, Einfühlungsvermögen, Mitgefühl, Höflichkeit, Freundlichkeit, Gespür.

Ausgleichende Eigenschaften

Jede Eigenschaft, jede Tugend, die übertrieben wird, wird zu einer Untugend, zu einem Laster, einer nicht hilfreichen Eigenschaft. Taktgefühl übertrieben kann ausarten z.B. in Äußerlichkeit, Heuchelei, Falschheit. Daher braucht Taktgefühl als Gegenpol die Kultivierung von Herzlichkeit, Offenheit, Ehrlichkeit.

Gegenteil von Taktgefühl

Zu jeder Eigenschaft gibt es ein Gegenteil. Hier Möglichkeiten für Gegenteil von Taktgefühl, Antonyme zu Taktgefühl :

Taktgefühl im Kontext von Tugendengruppen, Persönlichkeitsfaktoren und Temperamenten

Entwicklung von Taktgefühl

Taktgefühl kann man sehen als Tugend, als eine positive Eigenschaft. Vielleicht willst du ja Taktgefühl in dir stärker werden lassen. Hierzu einige Tipps:

  • Nimm dir vor, eine Woche lang diese Eigenschaft der Taktgefühl zu kultivieren. Vielleicht kannst du nicht alle guten Eigenschaften auf einmal kultivieren. Aber es ist möglich, innerhalb einer Woche oder innerhalb eines Monats eine Tugend, eine Eigenschaft, stark werden zu lassen.
  • Triff den Entschluss: "Während der nächsten Woche will ich die Tugend, die Eigenschaft, Taktgefühl kultivieren, wachsen lassen, stärker werden lassen. Ich freue mich darauf, in einer Woche ein taktvollerer Mensch zu sein."
  • Nimm dir vor, jeden Tag mindestens eine Handlung auszuführen, die Taktgefühl ausdrückt. Mache jeden Tag etwas, was du sonst nicht tun würdest, was aber diese Tugend zum Ausdruck bringt
  • Wenn du morgens aufwachst, dann sage eine Affirmation, z.B.: "Ich entwickle Taktgefühl ".
  • Am Tag wiederhole immer wieder eine Autosuggestion, Affirmation wie z.B.: Ich bin taktvoll ".

Affirmationen zum Thema Taktgefühl

Hier einige Affirmationen für mehr Taktgefühl. Unter dem Stichwort "Affirmation" und "Wunderaffirmationen" erfährst du mehr zu Funktion und Wirkungsweise von Affirmationen.

Klassische Autosuggestion für Taktgefühl

Hier die klassische Autosuggestion:

  • Ich bin taktvoll

Im Yoga verbindet man das gerne mit einem Mantra. Denn ein Mantra lässt die Affirmation stärker werden:

  • Ich bin taktvoll. Om Om Om.
  • Ich bin ein Taktvoller, eine Taktvolle OM.

Entwicklungsbezogene Affirmation für Taktgefühl

Manche Menschen fühlen sich als Scheinheiliger oder als Heuchler, wenn sie sagen "Ich bin taktvoll " - und sie sind es gar nicht. Dann hilft eine entwicklungsbezogene Affirmation:

  • Ich entwickle Taktgefühl
  • Ich werde taktvoll
  • Jeden Tag werde ich taktvoller
  • Durch die Gnade Gottes entwickle ich jeden Tag mehr Taktgefühl

Dankesaffirmation für Taktgefühl

  • Ich danke dafür, dass ich jeden Tag taktvoller werde.

Wunderaffirmationen Taktgefühl

Du kannst es auch mit folgenden Affirmationen probieren:

  • Bis jetzt bin ich noch nicht sehr taktvoll. Und das ist auch ganz verständlich, ich habe gute Gründe dafür. Aber schon bald werde ich Taktgefühl entwickeln. Jeden Tag wird diese Tugend in mir stärker werden.
  • Ich freue mich darauf, bald sehr taktvoll zu sein.
  • Ich bin jemand, der taktvoll ist.

Gebet für Taktgefühl

Auch ein Gebet ist ein machtvolles Mittel, um eine Tugend zu kultivieren. Hier ein paar Möglichkeiten für Gebete für mehr Taktgefühl :

  • Lieber Gott, bitte gib mir mehr Taktgefühl
  • Oh Gott, ich verehre dich. Ich bitte dich darum, dass ich ein taktvoller Mensch werde
  • Liebe Göttliche Mutter, ich danke dir. Ich danke dir dafür, dass ich jeden Tag die Tugend Taktgefühl mehr und mehr zum Ausdruck bringe

Was müsste ich tun, um Taktgefühl zu entwickeln?

Du kannst dich auch fragen:

  • Was müsste ich tun, um Taktgefühl zu entwickeln?
  • Wie könnte ich taktvoll werden?
  • Lieber Gott, bitte zeige mir den Weg zu mehr Taktgefühl
  • Angenommen, ich will taktvoll sein, wie würde ich das tun?
  • Angenommen, ich wäre taktvoll, wie würde sich das bemerkbar machen?
  • Angenommen, ein Wunder würde geschehen, und ich hätte morgen Taktgefühl kultiviert, was hätte sich geändert? Wie würde ich fühlen? Wie würde ich denken? Wie würde ich handeln? Als taktvoller Mensch, wie würde ich reagieren, mit anderen kommunizieren?

Vortragsmitschnitt zu Taktgefühl - Audio zum Anhören

Hier kannst du einen Vortrag von Sukadev Bretz, Gründer von Yoga Vidya, anhören. Dieser Vortrag ist die Audio Version eines Videos zu Taktgefühl, Teil des Yoga Vidya Multimedia Lexikons der Tugenden.

Siehe auch

Eigenschaften im Alphabet vor Taktgefühl

Eigenschaften im Alphabet nach Taktgefühl

Literatur

Weblinks

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