Shri Yantra

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Shri Yantra gilt als das heiligste und bedeutendste Yantra. Ein Yantra ist ein geometrisches Diagramm von starker Wirkkraft. Shri Yantra ist das Diagramm der Göttin Shri. Shri ist meist die Bezeichnung für Lakshmi. Shri wird aber manchmal auch als Ehrentitel für Devi, die Göttin an sich bezeichnet. So gibt es Shri Yantra, Shri Mantra und Shri Vidya. Mahameru ist wie das dreidimensionale Shri Yantra. Der große Meister Shankaracharya hat das Shri Yantra sehr geschätzt und auch die Puja, das Shri Yantra Sthapana, beschrieben.

Shri Yantra

Sukadev über das Shri Yantra

Niederschrift eines Vortragsvideos (2015) von Sukadev über Shri Yantra

Shri Yantra ist ein Name für ein Yantra. Yantra ist eine geometrische Figur, Yantra heißt auch Motor, Yantra heißt auch etwas, was etwas bewegt und etwas bewirkt. Yantras sind typischerweise geometrische Diagramme, die eine besondere Wirkung haben. Shri ist ein Name für Lakshmi.

Shri Yantra ist damit das Lakshmi Yantra. Shri steht aber auch für Devi, die göttliche Mutter. Shri Yantra gilt als ein besonders machtvolles Yantra. Wenn du auf unsere Internetseiten gehst, Yoga Vidya, da findest du auch wunderschöne Darstellungen von Shri Yantra. Shri Yantra, also ein Lakshmi-Diagramm.

Man kann sagen, wenn man auf Shri Yantra meditiert, versteht man die gesamte Schöpfung und das, was jenseits der Schöpfung ist. Das Shri Yantra besteht aus neun Dreiecken. Die Dreiecke, die nach unten zeigen, stellen Shakti dar, die göttliche Mutter. Die Dreiecke, die nach oben zeigen, stellen Shiva dar und damit das Bewusstsein. So stellen die Dreiecke letztlich die Dreiheiten dar, die verbindene Energie und das Bewusstsein, letztlich die Schöpfung und die Unendlichkeit.

In der Mitte von Shri Yantra ist dann ein Punkt und dieser Punkt, auch Bindu genannt, steht für den Ursprung von allem, wo alles herkommt und wo alles zurückkehrt. Es gibt viele Schriften, die das Shri Yantra genauer beschreiben und auf unseren Internetseiten findest du auch einige Beschreibungen, wie du über das Shri Yantra meditieren kannst. Wenn du mehr finden willst, sowohl als Video als auch als Audio sowie auch Texte und viele bildliche Darstellungen und Übungsanleitungen, gehe auf Yoga Vidya. Dort kannst du eingeben, "Shri Yantra“ oder auch nur "Yantra“ oder auch "Tantra", denn die Wissenschaft von Shri Yantra gehört auch zum Tantrismus, zum Tantra, dort findest du eine Menge Informationen.

Allgemeines zum Shri Yantra

Dr. Nalini Sahay über das Shri Yantra

Auszug aus einem Artikel aus dem "Yoga Vidya Journal Nr. 28", Frühling 2014

Shri Yantra Copyright

Das Shri Yantra (Shri = heilig) wird so genannt, weil es den Sieg über das Böse bewirkt, das aus Zorn, Begierde oder anderen Irrtümern entsteht. Es wird als Ort geistiger Pilgerfahrt betrachtet. Es repräsentiert den (Makro-)Kosmos und den menschlichen Körper vom Standpunkt des Mikrokosmos aus. Jeder der Kreise entspricht einem Chakra des Körpers.

Unsere spirituelle Reise, ausgehend von der Stufe der materiellen Existenz bis hin zur Erleuchtung, ist im Sri Yantra aufgezeichnet wie in einer Landkarte. Indem wir die Vielschichtigkeit des Sri Yantra verstehen lernen, wird uns Folgendes möglich:

  1. unsere Energien wieder aufzuladen
  2. uns von negativen Gefühlen und Empfindungen zu lösen
  3. innere Ruhe zu pflegen
  4. zu lernen, uns selbst zu vertrauen
  5. unser Leben selbst in die Hand zu nehmen
  6. Antworten auf Fragen aus unserem Inneren
  7. unser Karma zu klären.

Die Verehrung bezieht die Meditation über das Sri Yantra als das am meisten respektierte Symbol der Devi mit ein. Das Shri Yantra ist der Tempel der Devi (Gottheit). Es wird beschrieben im Saundarya Lahiri als die vier Dreiecke mit der Spitze nach oben, die als "srikantha" bezeichnet werden, weil sie Siva zugeordnet werden. Der Mittelpunkt ist Siva selbst. Die fünf Dreiecke, die vom Mittelpunkt ausgehen, werden Shakti zugeordnet. In Beziehung gesetzt ergeben diese neun Dreiecke dreiundvierzig Dreiecke. Sie geben Raum für den Hauptkern – den "Bindu" – der zentrale Punkt. Dieser ist der Sitz der Maha Tripura Sundari, welche mit Siva vereint ist. Die beste Beschreibung des Wesens des Shri Yantra ist diese: Wenn man seinen Geist reinigt und wenn man Konzentration und Meditation des Shri Yantra übt, können alle in ihm verborgenen Kräfte sich entfalten.

Die Bedeutung des Shri Yantra

Dreidimensionales Yantra in Mahameru-Form

Das Shri Yantra gilt als eines der mächtigsten Yantras. Seine proportionale Form symbolisiert die Leiter des spirituellen Aufstiegs des Suchenden. Vom Zentrum nach außen betrachtet ist das Shri Yantra ein Diagramm der Hinduvision der Evolution des Universums. Das Shri Yantra segnet seinen Verehrer mit Ruhe, Zufriedenheit, Einfluss und Wohlstand und ist daher insbesondere während des momentanen Zeitalters, Kali Yuga, von großer Bedeutung. Dieses prähistorische Yantra wird aber bereits seit Menschengedenken von Königen, politischen Führern und anderen einflussreichen Männern verehrt, um Macht und wirtschaftlichen Reichtum zu erhalten. Das hat es geprägt als "Shri Yantra" – "Shri" bedeutet "Wohlstand" und "Yantra" bedeutet "Instrument" – "Das Instrument für Wohlstand".

Die drei Zustände des Universums – Erschaffung, Erhaltung und Zerstörung - werden durch drei Kreise im Shri Yantra symbolisiert, welches an sich bereits für die Welt oder den Kosmos steht. In dreidimensionaler Form, wenn dieser Kreis erhoben ist, symbolisiert es den Mahameru Berg, stellvertretend für das ganze Universum, wie in den Puranas beschrieben. Es heißt in dieser Form "Meru Prastha Shri Yantra" und ist ein multipyramidales kosmisches Netz, das mit 7 Pyramidenstufen und 43 Blütenblättern einen Basiswinkel von 51.5032 hat.

Das Shri Yantra ist der Ort der Verehrung der Göttin Mahatripur Sundari. Es ist ihre göttliche Wohnung. Aber auch alle anderen Götter und Göttinnen sind im Shri Yantra symbolisiert. Es umfasst alles Verhalten, alles Lernen und alle Elemente. Eine Person aus jeder Sekte, Kaste und Glaubensbekenntnis kann das Shri Yantra verehren.

Es gibt drei Arten von Shri Yantras: Bhuprasthan (komplett flach), Kurma Prastha (etwas erhoben, wie der Rücken einer Schildkröte) und Meru Prastha (erhoben wie der Berg Mahameru). Das Shri Yantra kann aus einem Kristallstück gehauen werden, auf Kristall, Edelsteinen, auf Kupfer- oder Silbermetallen in flachen oder gewölbten Designs eingraviert. Von allen Shri Yantras gilt dasjenige aus Kristall in Mahameru-Form als am wertvollsten und mächtigsten.

Das Shri Yantra - ein bedeutendes lineares Yantra

Artikel aus: Heinrich Zimmer, Kunstform und Yoga im indischen Kultbild, 1987, S. 184 bis 201

Shri Yantra - Abbildung aus dem Buch Heinrich Zimmers, S. 4

Das rein lineare Yantra konnte bislang bei Liebhabern indischer Kunst nicht das Interesse finden, das ihm als erhellendes Seitenstück zum figuralen Kultbild gebührt, weil vor den Textveröffentlichungen Arthur Avalons und ihren einleitenden Analysen die Durchdringung der ideellen Seite dieser interessanten Formgebilde in den Anfängen steckte und ältere Textpublikationen wie beiläufige Bemerkungen kein tiefergehendes Interesse für diese dunkle und verwickelte Materie hatten wecken können. Um einige Bezüge zwischen dem linearen Yantra und seinem geistig-funktionalen Zwilling, dem figuralen Kultbild (Pratima) deutlich zu machen, gilt es darum, eines dieser Gebilde zu charakterisieren. Das Shri Yantra, das man das vornehmste aller linearen Yantras nennen darf, eignet sich dazu besser als andere, die z. B. im Prapan-Casara-Tantra nur in knappen Kapitelabschnitten behandelt werden, da seiner Erläuterung ganze Werke gewidmet sind.

Achtspitz - Abbildung aus dem Buch Heinrich Zimmers, S. 185

Aufbau des Shri Yantras

Für das Auge des Uneingeweihten mag sich der Kern des Shri Yantra nur als eine Verschränkung von vier Dreiecken mit aufwärts gekehrter Spitze (Vahni) und fünf Dreiecken mit abwärts geneigter Spitze (Shakti) darstellen; dem Eingeweihten klärt sich ihr Liniengefüge auch zu einer Reihe konzentrisch umeinander gelagerte Gebilde: zu innerst befindet sich ein Dreispitz (Dreieck), das von einem Achtspitz umschlossen ist. Weiter nach außen breiten sich ein kleineres und ein größeres Zehnspitz in den Raum und ein Vierzehnspitz gibt den äußersten Kontur ab. Bhaskararaya leitet seine Vorschriften, wie das Shri Yantra zu entwerfen sei, mit einem Zitat aus dem Yamalan-Tantra ein, das seine Formelemente aufzählt: "höchste Gottheit hat vom Shrkakraraja verkündet, er bestehe aus:

Innerer Zehnspitz - Abbildung aus dem Buch Heinrich Zimmers, S. 185

Die einzelnen einander zugekehrten Shakti- und Vahni-Dreiecke kommen nur als Bauglieder des Yantra in Betracht, nicht aber als Stücke, denen eine individuelle Symbolbedeutung eignete. Bedeutsam sind die konzentrischen Gebilde, die vom Punkt in der Mitte und vom innersten Dreieck bis zum Rahmenquadrat auseinander hervorwachsen. Sie bieten der inneren Bildentwicklung einen neunteiligen Stufenweg dar, auf dem sich, wie bei dem figural gefüllten Mandala Mahasukhas, Prozesse der Formentfaltung und -Einschmelzung abspielen. Der Nityashodashikarnava lehrt über diese Übung innerer Gesichte: "Die Entfaltung (Srishti) geht aus vom >Neun-Dreispitz-Gebilde< (Nava-Yoni) und endet bei der >Erde< (nämlich dem äußeren Quadrat); das Zusammenraffen (Samhriti) wiederum beginnt bei der >Erde< und endet beim >Neun-Dreispitz-Gebilde<, so ist die Lehre ..."

Äußerer Zehnspitz - Abbildung aus dem Buch Heinrich Zimmers, S. 186

Dieses konzentrische Gebilde ist neunfältig: das erste Glied (von außen her) bilden die drei quadratischen Konturen (Bhutraya), das zweite ist das Sechzehnblatt, als drittes wird das Achtblatt genannt, darauf folgt der Vierzehnspitz (Manukona), fünftes ist der Zehnspitz (Dashakona) und auch sechstes ist ein Zehnspitz, das siebente ist der Achtspitz (Vasukona) und das achte ist der Dreispitz der Mitte (Madhyatryasra). Neuntes ist der Mittelpunkt des Dreispitzes (Tryasramadhya)."

Vierzehnspitz - Abbildung aus dem Buch Heinrich Zimmers, S. 187

Das Zeichnen des Shri Yantras

Das Verfahren, das Shri Yantra zu zeichnen, bewegt sich auf diesem neunteiligen Wege in umgekehrter Richtung, nicht von außen nach innen im Gange der Einschmelzung (Samhriti oder Laya-Krama), sondern von innen nach außen im Entfaltungsgange (Srishtikrama). Es beginnt beim Neunspitzgebilde, bei dessen Herstellung der mittelste Dreispitz von selbst herausspringt. Bhaskararaya sagt über dieses Verfahren: "Zunächst zeichne man ein Shakti-Dreieck und schneide es in seiner halben Höhe durch eine Horizontale und ziehe an ihren beiden Enden ansetzend, zwei Linien, die sich jenseits der Spitze des ersten Shakti-Dreiecks zu einer zweiten Spitze vereinen, und bilde so ein zweites Shakti-Dreieck. (siehe Figur 5)

Figur 5 - Abbildung aus dem Buch Heinrich Zimmers, S. 188

Darauf zeichne man ein Vahni-Dreieck: man setze jenseits der Basis des ersten Shakti-Dreiecks an und zeichne eine Spitze (oder Winkel: Kona) und lege seine beiden Schenkel so, daß sie mit den Seiten der beiden vorhandenen Dreiecke Schnittpunkte von zwei Geraden (Sandhi) und Schnittpunkte von drei Geraden (Marman) ergeben müssen, und lege die Basis so, daß sie sich mit der Spitze des zuerst gezeichneten Shakti-Dreiecks berührt. Dann ergeben sich acht Dreiecke, die nach den acht Himmelsrichtungen weisen und ein neuntes, das in der Mitte liegt: also im Ganzen neun. Es ergeben sich sechs Schnittpunkte von zwei Geraden und zwei Schnittpunkte von drei Geraden und zwei "Handtrommeln" (Damaru: Einschnürungen, wie sie für die stundenglasförmigen Handtrommeln charakteristisch sind." — Im Mittelpunkt des mittelsten Dreiecks ist der Punkt (oder Tropfen = Bindu) zu zeichnen. — "So entstehen drei konzentrische Gebilde (Cakra)" — nämlich Punkt, Dreispitz und Achtspitz. (siehe Figur 6)

Figur 6 - Abbildung aus dem Buch Heinrich Zimmers, S. 189

Die weitere Entfaltung des Kerns geht derart vor sich, daß zunächst die Grundlinie des ersten (oberen) Shakti-Dreiecks nach beiden Seiten verlängert wird und von ihren neuen Endpunkten zwei Gerade gezogen werden, die sich jenseits der Spitze des zweiten Shakti-Dreiecks schneiden. "Dieses (neue) Shakti-Dreieck begreift alles in sich außer dem vom Zeichnenden abgekehrten Dreispitz des Neun-Dreispitz-Gebildes (nämlich der Spitze des Vahni-Dreispitzes)." Die Schenkel dieses neuen, größeren Shakti-Dreiecks werden so geführt, daß sie durch die Eckpunkte der Grundlinie des Vahni-Dreispitzes hindurchgehen.

— Ebenso wird die Basis des Vahni-Dreiecks entfaltet und von ihren neuen Endpunkten werden Linien gezogen, die sich jenseits der Spitze des vorhandenen Vahni-Dreiecks vereinigen. Die beiden Seitenlinien des neuentstehenden Vahni-Dreiecks werden so gelegt, daß sie durch die Endpunkte der unverlängerten Grundlinie des ersten Shakti-Dreiecks laufen. Dieser Entfaltung nach den Seiten und der Spitze folgt eine entsprechende Flächenausdehnung über die Grundlinie hinaus, die am ersten Shakti- und am Vahni-Dreieck vorgenommen wird. Das zweite Shakti-Dreieck bleibt wieder unberührt. Die Schenkelseiten beider Dreispitze werden über die Grundlinien hinaus verlängert und es werden zwei neue Grundlinien parallel zu den alten gelegt. So entsteht der erste Zehnspitz der an den Endpunkten der ursprünglichen Grundlinien des ersten Shakti- und des Vahni-Dreiecks Schnittpunkte von drei Geraden (Marman) aufweist, und "aus drei Shakti-und zwei Vahni-Dreispitzen besteht." (siehe Figur 6)

Mittels desselben Verfahrens wird aus dem kleineren Zehnspitz der größere und daraus der Vierzehnspitz entwickelt. Zum größeren Zehnspitz gelangt man, indem man das oberste Shakti-Dreieck und das unterste Vahni-Dreieck durch Verbreiterung der Grundlinie in Breite und Höhe und durch Verlängerung der beiden anderen Seiten über die Grundlinie hinaus in die Tiefe ausdehnt, und die neuen Seitenlinien, die von den verbreiterten Grundlinien ausgehen durch die bisherigen Endpunkte der Grundlinien des obersten Shakti- und des untersten Vahni-Dreiecks laufen läßt. Vom Zehnspitz zum Vierzehnspitz kommt man, indem man die beiden obersten Shakti- und die beiden untersten Vahni-Dreiecke in derselben Weise in die Höhe und Breite wie in die Tiefe entwickelt.

Figur 7 - Abbildung aus dem Buch Heinrich Zimmers, S. 190

Um diesen entfalteten Kern werden die äußeren Sphären konzentrisch gebreitet bis zum dreifachen Quadrat (Bhupura/Bhubimba), "das mit vier Toren geschmückt ist." So entstehen die neun Sphären, die von außen nach innen die verheißungsvollen Namen tragen: "alle drei Welten verzaubernd" (Trailokyamohana) = das Viereck, "Alle Wünsche erfüllend"(Sarvashaparipuraka) = das Sechzehnblatt, "Alles erschütternd" (Sarvakshobhakara) = das Achtblatt, "Alle Art Glück verleihend" (Sarvasaubhagyadayaka) = der Vierzehnspitz, "Allen Gewinn verschaffend" (Sarvarthasadhka) = der größere Zehnspitz, "Allen Schutz verleihend" (Sarvarakshakara) = der kleinere Zehnspitz, "Alle Krankheit wegnehmend" (Sarvarogahara) = der Achtspitz, "Aus allen Wunderkräften der Vollendung bestehend" (Sarvasiddhimaya) = der Dreispitz, "ganz aus Seligkeit bestehend" (Sarvanandamaya) = der Punkt in der Mitte.

Bedeutung des Shri Yantra Symbols

Hier stellt sich die all-eine, universale göttliche Kraft, die der Eingeweihte kontemplativ als sein eigenes Wesen erschaut und mittels kultischer Übung in sich erweckt in neunfachem Aspekte dar: je nach den Wunschzielen, mit denen der Gläubige sich ihr nähert. Die äußeren Sphären stellen verschiedene Formen der Macht über die Erscheinungswelt, die Erscheinung der Shakti ist, auf Grund der Einheit des Ich mit der Shakti dar, aber nach der Mitte zu kehrt die vielfältig entfaltete göttliche Kraft in ihre reine Form zurück: über die Summe der Vollkommenheiten und Wunderkräfte (Siddhi) die den Eingeweihten (Sadhaka), den vollendeten Yogin dem Kreislauf der Erscheinungswelt entrückt, geht der Weg in die Einheit undifferenzierten göttlichen Seins, das die Lehre des Vedanta, aus den Upanishaden schöpfend, als "Seligkeit" erkennt, weil es "eines ohne ein zweites" und "geistig" ist: immaterielle Totalität reinen Seins.

Diese neun Sphären (Cakra) sind spielende Entfaltung des reinen Seins, das im Punkt der Mitte (Bindu) als formlos, undifferenziert sich darstellt. Indem es sich in die Zweiheit von Ich und Welt spaltet, wird es sich seines Wesens als Kraft (Shakti) je nach dem Grade der Wunsch- und Wahnbefangenheit oder der Erleuchtungsnähe in unterschiedlichen Formen bewußt, deren Sinnbilder die verschieden geformten äußeren Sphären sind: vom inneren Dreieck bis zum umrahmenden Viereck. Zwischen diesen Formen waltet ein unablässiger Fluß; sie sind nicht schlechthin und für sich, sondern sind nur Aspekte des Einen, die sich in Wahnbefangenheit (Avidya) zu immer kompakterer Stofflichkeit der Vorstellung, was Shakti sei, und zu immer kompakteren Wunschzielen auseinander entfalten können, die aber auch ebenso in schrittweiser Annäherung an die Wahrheit von außen nach innen ineinander schmelzen und sich aufheben können. Welt und Ich sind Spiegelbilder voneinander, aber die Erkenntnis, was sich in beiden eigentlich spiegelt, hebt beide Spiegelbilder auf: ihre ausgebreitete Fülle stürzt in undifferenzierte Ausdehnungslosigkeit zusammen — deren Symbol der Punkt in der Mitte ist, der nicht eingetragen wird — wie in der von außen nach innen schreitenden Kontemplation des Eingeweihten die vielblättrigen und vielspitzigen Gebilde sich in der leeren, formlosen Mitte auflösen.

Zwischen den neun Sphären des Yantra walten die Beziehungen kosmischer Zuständlichkeiten, die nichts anderes sind als Haltungen des Bewußtseins: Entfaltung, Bestand und Auflösung. Die drei äußeren Sphären sind wesenhaft Entfaltung, die mittleren Bestand, die inneren Auflösung, und in der Dreiheit dieser drei Gruppen wiederholt sich das Spiel der drei Zuständlichkeiten: das äußere Viereck ist Entfaltung der Entfaltung, das Sechzehnblatt Bestand der Entfaltung und das Achtblatt ihre Auflösung, so wie bei der innersten Gruppe der Achtspitz Entfaltung der Auflösung, das Dreieck Bestand der Auflösung und der unsichtbare Punkt Auflösung der Auflösung ist. Die Entfaltung der universalen göttlichen Kraft ist ihrer Form nach so fließend, wie die Bewußtseinsform des Eingeweihten (Sadhaka), der im Yoga von der Erscheinung auf das undifferenzierte Sein zurückgeht, in dem Seher und Gesicht zusammenstürzen, denn dieses Bewußtsein, das über seine eigene Grenze als Differenziertes, also Bewußtes, hinausstrebt, ist ja nichts anderes als göttliche Shakti. Die innere Dynamik der neun Sphären schlägt den Takt zu den Schritten, in denen das Göttliche (die Shakti) aus menschlichem Bewußtsein zu seinem reinen Wesen heimkehrt.

Schaubild der höchsten Göttin

Dieses reine Ordnungsschema wird zum Kultbild, indem es Stück um Stück mit einer Fülle figuraler Elemente belebt wird, die aus der Ebene innerer Schau mittels Pranapratishtha in sein Liniengefüge eingesetzt werden. Zum Zweck der Verehrung, die in der Zweiheit von Gott und Mensch lebt, muß die höchste Shakti attributhaft vorgestellt werden. Ihr inneres Schaubild könnte einer malerischen oder plastischen Darstellung zum Vorwurf dienen:

  • "Die Göttin ist schön wie ein Lotus und rötlich wie die Strahlen der jungen Morgensonne, von der Farbe einer (roten) Japablume, granatapfelblütengleich, wie ein Rubin schimmernd, wie Saffranwasser gefärbt, umrahmt mit einem Netz von Rubinglöckchen des schimmernden Diadems, belebt von sich ringelnden Locken, die einem Volke blauschwarzer Bienen gleichen,
  • das Rund ihres lotusgleichen Gesichts hat die Farbe der Sonne im Aufgang, die zarte Fläche ihrer Stirn ist etwas gebogen, dem Halbmond gleich, die lianenschlanke Braue ist geschwungen wie Shivas Bogen, ihre Augen schaukeln in zitterndem Spiel von Seligkeit und Freude, ihre goldenen Ohrgehänge funkeln von der Fülle sprühender Strahlen, die Rundung ihrer schönen Wangenflächen ist vollkommener als das Nektar-Rund des Mondes, ihre Nase ist gerade wie die Meßdinur, die Visdivakarman (der Bildner unter den Göttern) verwandte, als er uranfänglich (vorbildliche) Gestalten schuf,
  • sie hat nektarsüße Lippen, die rot wie Bimbafrucht und rötliche Korallen sind, sie besiegt mit der Süße ihres Lächelns jenes Weltmeer, dessen Geschmack Süße ist, bestrahlt von der Reihe ihrer Zähne, die wie Diamanten und Granatapfelkerne schimmern,
  • ihre Zunge erleuchtet die Welt wie ein Juwelenkern, ihre Stimme ist sanft, ihr Kinn ist mit unvergleichlichen Reizen geschmückt, ihr Hals ist muschelförmig, ihre Arme sind hell wie Lotuswurzelfasern,
  • die Lotusblüten ihrer zarten Hände sehen aus wie Blätter roter Lotusblumen, der Glanz der Nägel ihrer lotusgleichen Hände wandelt die Himmelsfläche ihr zum Baldachin,
  • ihre ragenden Brüste ziert eine lianengleiche Perlenkette, drei Falten zieren ihre Leibesmitte, ein Nabel schmückt sie, der wie ein Wasserwirbel im Strome der Anmut ist,
  • ihre Hüften umgibt ein Gürtel, der aus Perlen ohne Preis gefertigt ist, wie der Treiberstachel eines Elefanten läuft eine feine Härchenreihe zwischen den elefantengleich mächtig gerundeten Hüften,
  • ihre Schenkel sind zart wie liebliche Pisangstämme, und ein Paar Knie schmückt sie, das Diademen aus Rubinen gleicht,
  • ihre beiden Beine sind so anmutig wie Pisangschäfte, ihr Knöchelpaar tritt nicht hervor, mit ihren Zehen übertrifft sie die Schildkröte (an Zierlichkeit), die mondgleich schimmernden Nägel ihrer schlanken langen Zehen umstrahlen sie rings,
  • ihr Lächeln breitet sich wie eine Welle von Schmelz, hundert mildstrahlenden Monden gleich, ihre Röte ist röter als Mennig, Japablumen und Granatapfelblüten,
  • sie trägt rote Gewänder und hält Wurfschlinge und Haken in erhobenen Händen;
  • sie steht auf einer roten Blume und ist mit rotem Schmuck geziert, sie hat vier Arme und drei Augen und trägt fünf Pfeile und einen Bogen, im Munde hält sie ein Betelblatt, in das ein Stück Kampfer gewickelt ist;
  • Gott Indra, mit einem Korb in der Hand, reicht ihr ein Betelblatts,
  • ihr Leib ist rot von Safran und strömt von Moschusduft, alles Gewand an ihr ist voll Sinnenreiz, sie ist mit allem Schmuck geziert, mit dem Juwelenschmucke ihrer Häupter berühren Brahma und Vishnu ihre lotusgleichen Füße,
  • sie versetzt die Welt in Entzücken, sie taucht die Welt in Freude, sie verführt die Welt zu sich, ihr Wesen ist Entstehungsgrund der Welt, sie besteht aus allen heiligen Silben und Sprüchen (Mantra), sie strahlt von allem Glück, sie besteht aus allen Göttinnen des Glücks (Lakshmi), die Ewige (Nitya) ist beseligt von höchster Seligkeit".

Anschauungen und Vergleiche, die das weibliche Schönheitsideal Indiens bezeichnen und in jahrhundertelanger Übung höfischer Kunstpoesie sprachlich ausgeprägt und längst völlig traditionell geworden sind, werden hier — wie häufig in den Tantras — zu einer Schilderung des Schaubildes der höchsten Göttin verwendet, die am Maßstabe indischer Stilkunst gemessen, keinerlei literarische Ambition hat, sondern von der Würde des Gegenstandes getragene Sachlichkeit ist. Daß dieser Strom verherrlichender Worte den Uneingeweihten streckenweise wie ein Preislied anmuten mag, entspricht der Funktion dieser Dhyana-Vorschriften, die, auswendig gewußt, laut oder innerlich rezitiert werden, um das entsprechende innere Schaubild aufzurufen: — zum Erfolg dieses Unterfangens ist eine innere Ergriffenheit notwendig, die durch das Mitschwingen hymnischer Obertöne bei der baren Aufzählung des reichen Formbestandes ausgelöst werden kann.

Die Wesenheiten der höchsten Shakti

Diese erste, höchste Shakti, in der das Reine Göttliche sich formhaft darstellt, trägt den Namen Tripurasundaris. Wie das reine Sonnenlicht die Farbenskala, die es in sich birgt, in Regenbogen über Regenbogen bricht, entfaltet diese allumfassende Zentralgestalt in den Sphären, die sie rings umgeben, die in ihr beschlossenen Nuancen ihres Wesens in Ringen individueller Shaktis: die universale Kraft tritt auseinander zu partikulären Kräften. Das mittelste Dreieck füllen die drei Aspekte Kameshvari, "Herrin der Liebe" (in der abwärts geneigten Spitze), Vajreshvari, "Herrin des Demants" (rechte Ecke) und Bhagamala "die mit dem Kranz der Herrlichkeiten Geschmückte" (linke Ecke). Im Achtspitz tritt sie zu acht Gestalten auseinander: Vashini "die zu Willen macht", Kameshi "die Herrin der Liebe", Modini "die Lust erregt", Vimala "Die Fleckenlose", Aruna "die Rötliche", Jayini "die Sieghafte", Sarveshi "die Herrin des Alls", Kaulini "die Shakti des Kula". Zwischen diesem Kranze von acht Gestalten und der Trias in den Ecken des Mitteldreiecks soll der Eingeweihte in den Flächen der vier Dreiecke, die nach den vier Haupthimmelsrichtungen weisen, die Waffen der Gottheit erschauen: die Pfeile des Liebesgottes (untere Spitze), den Bogen (linke Mittelspitze), die Wurfschlinge (obere Spitze), den Haken (rechte Mittelspitze).

Die Ecken des inneren Zehnspitzes füllen zehn "Große Göttinnen, die alle Erfüllungen schenken" als Teilaspekte der Zentralgestalt: "Die Allwissende" (Sarvajna), die "Allkraft" (Sarvashakti), die "Herrschaft über alles verleiht"(Sarvaishvaryaprada), "die aus Erkenntnis aller Dinge besteht" (Sarvajnanamayi), "die alle Krankheiten vernichtet" (Sarvavyadhivinashini), "deren Wesen ist, alles zu halten" (Sarvadharasvarupa), "die alles Übel hinwegnimmt" (Sarvapapahara), "die aus aller Seligkeit besteht" (Sarvanandamayi), "deren Wesen ist, alles zu schützen" (Sarvarakshasvarupini) und "die aller Wünsche Frucht gewährt" (Sarvepsitaphalaprada).

Zehn andere Göttinnen spiegeln als "Gefolge"(Avarana) im Spitzenkranze des äußeren Zehnspitz das Wesen der Zentralgestalt in anderen Reflexen: "Die alle Vollendung Verleihende"(Sarvasiddhiprada), "die alle Glücksfülle Verleihende"(Sarvasampatprada), "die allerwärts Freude bereitet" (Sarvapriyankari), "die allerwärts Glückverheißendes bewirkt"(Sarvamangalakarini), "die alle Wünsche gewährt" (Sarvakamaprada), "die alles Glück verleiht" (Sarvasaubhagyadayini), "die allerwärts den Tod zur Ruhe zwingt" (Sarvamrityuprashamana), "die alle Hemmnisse fernhält" (Sarvavighnanivarini), "die an allen Gliedern Schöne" (Sarvangasundari), und "die von allen Leiden erlöst" (Sarvaduhkhavimocini).

Die Shaktis, in denen das Göttliche sich innerhalb des nächsten Ringes, auf den Spitzen des Vierzehnspitzes offenbart, sind zum größeren Teile Kräfte der erotischen Sphäre. Im Angesicht der Zentralgestalt, in der untersten Spitze steht ihre Erscheinungsform als "Alles in Aufregung versetzende Shakti" (Sarvasamkshobhini Shakti), dann folgen im üblichen Kreise, "die alles zum Hinschmelzen bringt" (Sarvavidravini), "die alles an sich zieht" (Sarvakarshini), "die alles in Jubel versetzt" (Sarvahladanika), "die alles betört" (Sarvasammohini), "die alles starr macht"(Sarvastambhanakarini), "die alles öffnet" (Sarvajambhini), "die alles zu Willen macht" (Sarvavashankari), "die alles entzückt" (Sarvaranjani), "die alles in Rausch versetzt" (Sarvanmadini). Die übrigen vier Shaktis stellen mannigfache Seiten der göttlichen Kraft dar: "die alle Zwecke fördert" (Sarvarthasadhani), "die allen Überfluß anfüllt" (Sarvasampattipurini), "die aus allen heiligen Sprüchen besteht (Sarvamantramayi), und "die alle Polarität (zwischen dem Ich und dem Anderen und alle Polaritäten, die aus dieser ersten in der Besinnung des Ich entspringen) aufhebt" (Sarvadvandvakshayankari).

Der Liebesgott

Auch die Gottheiten des achtblättrigen Lotusringes leiten ihre Namen vom Liebesgott ab: "Blume des Liebesgottes" (oberes Blatt), "Gürtel des Liebesgottes" (rechtes Blatt), "Rausch des Liebesgottes" (unten), "Von Liebesrausch trunken" (links), "Strich des Liebesgottes" (rechts oben), "Wucht des Liebesgottes" (rechts unten), "Stachel des Liebesgottes" (links unten), "Blumenkette des Liebesgottes" (links oben).

Shakti nach der Verehrung

Die Shakti als Sinnes- und Seelenkraft des Menschen

In den Gottheiten des sechzehnblättrigen Lotusringes stellt sich die Göttliche Kraft in sechzehnfacher Brechung als Sinnes- und Seelenkraft des Menschen dar, nämlich als Shakti, "die Wünsche anzieht", "die den Willen anzieht", "die das Ich-Gefühl anzieht", "die den Schall anzieht", "die die Tastempfindung anzieht", "die die Farbempfindung anzieht", "die die Geschmacksempfindung anzieht", "die die Geruchsempfindung anzieht", "die den Gedanken anzieht", "die innere Festigkeit anzieht", "die Gedächtnis anzieht", "die Benanntes anzieht", "die Keime anzieht", "die das Selbst anzieht" (diese wird "die höchste" genannt), "die das Unsterbliche anzieht" und "die den Leib anzieht".

Die Welthüter und die Hauptgöttinnen

Das Shri Yantra der Künstlerin Birgit Shakumthala Schnebel

Das umrahmende Viereck enthält drei Sphären in sich. In der innersten stehen die acht göttlichen Welthüter: sie dienen als Tempelhüter des quadratischen Heiligtums und stehen jeder in der Himmelsrichtung, die nach ihm benannt ist: Indra im Osten, also am oberen Tor, Yama im Süden am rechten Tor, Varuna am unteren und Soma am linken Tor, Agni und Rakshas oben und unten an den rechten, Vayu und Shiva unten und oben an den linken Ecken. Die mittlere Sphäre des Vierecks nehmen die acht "Mütter" ein: acht Gemahlinnen der Hauptgötter des Hinduismus oder ihre Shaktis. Denn die Shakti eines Gottes, der individuelle Teil der universalen göttlichen Kraft, der einen Einzelgott zur individuellen Offenbarung des Göttlichen macht, wird ja im Tantrismus als seine Gattin vorgestellt, mit der er unauflöslich vereint ist, wie andererseits Shakti schlechthin die Gattin bezeichnet. In dieser Sphäre entfaltet sich die universale Shakti zu den großen Göttinnen: Brahmani (Shakti Brahmas) am unteren Tor, Maheshi (Shakti Shivas/ Maheshas) am linken Tor, Kaumari (Shakti des Kriegsgottes Kumara oder Skanda) am oberen Tor und Vaishnavi (Shakti Vishnus) am rechten Tor. In den Ecken stehen links unten Varahi (Shakti Vishnus im Eber-Aspekt), links oben Aindri (Shakti Indras), rechts oben Camunda (ein schrecklicher Aspekt der Gemahlin Shivas) und rechts unten Mahalakshmi, die Gattin Vishnus. Sie "erfüllen alle Wünsche".

Die göttliche Allmacht

"Erfolg in allen Dingen verleihend" sind auch die zehn Aspekte der Göttlichen Shakti, die Tore und Ecken der äußersten Sphäre besetzt halten und ober- und unterhalb des Shri Yantra einzusetzen sind. Es sind Aspekte der göttlichen Allmacht: die Kraft unendlich klein zu sein (am unteren Tor), die Kraft unendlich leicht zu sein (linkes Tor), die Kraft unendlich groß zu sein (oberes Tor), die Kraft der Herrschaft über alles (rechtes Tor). In den vier Ecken, die, wie die Tore, die vier Himmelsrichtungen, ihrerseits die Zwischenrichtungen beherrschen, wird links unten die magische Kraft, anderen den eigenen Willen aufzulegen, verehrt, links oben die Kraft, selbstherrlich nach eigenem Willen zu wesen (auch Gestalten nach Wunsch anzunehmen), rechts oben die magische Kraft der Freuden und Genüsse, rechts unten die Allmacht der Wünsche. Unterhalb des unteren Tores (ein Fleck, der dem Nadir entspricht) hat die Kraft, alles zu erlangen, ihren Platz und über dem oberen Tor (im Zenit) die Kraft aller Wünsche. Hier ist die bekannte achtgliedrige Reihe der Wunderkräfte (Siddhi) Shivas, die seine Allmacht bilden und die dem vollendeten, gottgleichen, Shiva-haften Yogin eignen, zu einer zehngliedrigen Folge erweitert — nicht um sie inhaltlich um wesentliche Nuancen zu bereichern, sondern um die Göttliche Shakti in alle zehn Richtungen des Weltraums strahlen zu lassen.

Weil diese neun Sphären vom Punkt der Mitte bis zum äußeren Viereck Ordnungsschemata unterschiedlicher Entfaltung oder Aspekte der Göttlichen Shakti darstellen, wird sie in jeder von ihnen in ihrem Mittelpunkt umgeben von den verschiedenen Ringen der Shaktis, die Komponenten ihrer Aspekte sind, unter verschiedenen Namen verehrt. Diese Namen sind in ihrer sprachlichen Form untereinander verschieden, meinen aber dasselbe, so wie die Aspekte der Göttlichen Shakti unter sich verschieden, aber Aspekte desselben Wesens sind: Tripura, Tripureshi, Tripurasundari, Tripuravasini, Tripurashri, Tripuramalini, Tripurasiddha, Tripuramba, Mahatripurasundari).

Das Shri Yantra - Erfahrung des höchsten Ziels

Die elementare Beziehung des Shri Yantra und seinesgleichen zur Pratima und zum Mandala liegt in der Identität der Funktion. Die Entfaltung dieses figural erfüllten Ordnungsschemas vor der inneren Schau oder die belebende Projektion seiner inneren Gestaltenfülle in das sinnlich greifbare Schema hat kein höheres Ziel, als den Eingeweihten seine eigene Gottnatur erfahren zu lassen. "Sein eigenes Selbst soll er als das Selbst der Tripura vorstellen ... dessen Erscheinungsform Licht ist ...".

Denn wie es im Nityashodashikarnava vom Eingeweihten heißt: "Die Göttin Tripura ist sein eigenes Wissen um sich selbst (Samvid; von Bhaskararaya mit Atman selbst umschrieben), ihre rote (Leibes-) Farbe ist das Begreifen an ihm, ihre Wurfschlinge und ihr Haken sind bekannt als ihrem Wesen nach bestehend aus Liebe (Raga) und Haß, ihre (fünf) Pfeile sind die Sinneseindrücke wie Schall, Tastempfindung usw., ihr Bogen ist das Denken."

"Sie trägt die Schlinge, deren Erscheinung Liebe zur Erscheinungsfülle ist, sie strahlt mit dem Haken, dessen Aussehen Zorn ist, ihr Bogen aus Zuckerrohr hat zur Gestalt das Denken, ihre Pfeile sind die fünf 'reinen Gegebenheiten' (Tanmatra, nämlich: Schall, Tastempfindung, Gerucht usw."

Darum ist das Shri Yantra als Abbild des Göttlichen ein Bild des menschlichen Wesens:

"Die Göttin steht in der Mitte der Kreise (Cakra) aus Tatorganen und Sinnesorganen (des Menschen), ihre Gestalt ist das Wissen-von-sich (Samvid) — um der Allvollendung willen verehre er sie mit allen Blumen des Ich-Bewußtseins." (Nityashodashikarnava) — Anderwärts werden die Shaktis der einzelnen Sphären Stück um Stück mit Elementen der menschlichen Natur gleichgesetzt (vgl. Avalons Introduction zum Tantraraja-Tantra). Daselbst finden sich auch andere wertvolle Hinweise auf bemerkenswerte Gedankengänge der Texte, die aufzugreifen hier nicht der Platz ist. Zum Beispiel entspricht den Wallfahrtszielen, die der "Shricakrasambhara" außerhalb des Mittelstempels ansetzt, die Gleichsetzung der Spitzen des innersten Dreiecks des Shri Yantra mit bekannten Kultorten: Kamarupa, Purnagiri, Jalandhara. Dieses sind drei Pithas, "Sitze" der Gottheit, für ihre Aspekte Kameshvari, Vajreshvari, Bhagamalini.

Shri Yantra Sthapana

Freitags wird in vielen Teilen Indiens eine Puja für das Shri Yantra zelebriert

Das Shri Yantra Sthapana ist die Puja, das Verehrungsritual des Shri Yantra. Es wird immer an einem Freitag in den eigenen vier Wänden vollzogen, und für den Rest der Woche wird das Yantra nicht mehr von seinem Platz bewegt. Die Puja wird mit einem dreidimensionalen Yantra, meist aus Kristall, ausgeführt. Die verschiedenen Schritte der Puja sind wie folgt:

Zunächst muss das Yantra über Nacht in Salzwasser gelegt werden - das nimmt dem Kristall alle Negativitäten. Im Anschluss wird er mit klarem Wasser abgewaschen und für einige Stunden ins Sonnenlicht auf die feuchte Erde gelegt. Erst dann kann er für die Puja verwendet werden. Als nächstes wird das Yantra auf eine Platte gelegt und übergossen mit einer Mischung aus Milch und Wasser, zu welcher man ein wenig Safran hinzufügt. Danach sollte es noch einmal mit Wasser gewaschen werden. Man sollte dabei Räucherwerk entzünden und Wasser dorthin sprühen, wo das Yantra hingelegt wird, während man das Mantra "Aim Hrim Namah" rezitiert. Das Shri Yantra wird dann platziert auf einem gelben Tuch und einem Stück Silber oder Gold. Dem Kristall kann Kumkum oder Sandelpaste aufgetragen werden und man kann es mit einer Korallenmala schmücken. Während der Prana Pratishtha (Murti Verehrung) sollte in der Nähe auch ein Shiva Lingam stehen. Es ist üblich, dem Yantra gelbe Blumen, Jaggery, rohe Kurkuma und Weihrauch darzubringen. Dann wird das Mantra "Om, Shrim Hrim Shrim Kamle Kamalalaye Prasid, Prasid, Shrim, Hrim Shrim Om Mahalakshmyai Namah" 108 Mal mit einer Rosenquarzmala gechantet. Während des Chantens sollte man sich auf die Spitze des Shri Yantras konzentrieren, welche auch "Mahatripur Sundari" genannt wird - Sitz der Götter. Danach wird das Shri Yantra mit einem roten Tuch bedeckt.

Da das Shri Yantra auf der kosmischen Strahlentheorie basiert, wird es nicht nur von Hindus verehrt, sondern auch von Moslems, Parsen, Christen und anderen Religionsanhängern. Deren Verehrungsrituale unterscheiden sich von der hinduistischen Shri Yantra Sthapana. Das Yantra wird hier in der Nähe ihrer heiligen Schriften platziert und man konzentriert sich auf das Kreuz, während man aus den heiligen Büchern liest.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

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